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Full text of "Deutsches Biographisches Jahrbuch Bd01 1914-16"

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DEUTSCHES 

BIOGRAPHISCHES 

JAHRBUCH 

HERAUSGEGEBEN VOM 

VERBANDE DER DEUTSCHEN AKADEMIEN 
UBERLEITUNGSBAND I: 1914-1916 



1925 

DEUTSCHE VERLAGS-ANSTALT STUTTGART 

BERLIN UND LEIPZIG 




Maximilian Graf von Spee 



REDAKTIONSAUSSCHUSS: 

HEINRICH BOHMER, Leipziger Akademie 

KARL BRANDI, Gottinger Gesellsdiaft der Wissensdiaften 

WALTER VON DVCK, MunAener Akademie 

ERNST HEVMANN, Berliner Akademie 

ALBRECHT KOSSEL, Heidelberger Akademie 

ERICH MARCKS, Munchener Historisdie Kommission 

GUSTAV ROETHE, Berliner Akademie 
RICHARD VON WETTSTEIN, Wiener Akademie 

HERAUSGEBER: 
Dr. phil. HERMANN CHRISTERN in Berlin. 

GESCHAFTSSTELLE: 

. Berlin NW 7, Unter den Linden 38 
iPreufiisdie Akademie dcr Wissensdiaftcn) 



Alle Rechte vorbehalten 

Druck der Deutschen Vcrlagg'Anstalt in Stuttgart 

Papier von der Paplerfabrlk Salach in Salacb, WOrttemberg 



VORWORT 

Deutsche nekrologische Jahrbiicher sind friih und mehrfach unternommen 
worden und immer wieder eingegangen. Sie haben sich friiher melir auf die 
Manner der Wissenschaft und der I^iteratur beschrankt, spater immer weiter 
auf die Toten aller Berufe ausgedehnt. So war der letzte Versuch angelegt, den 
Anton Bettelheim in Wien 1896 begonnen und bis zum Jahrgange 1913 durch- 
gefuhrt hat: sein »Biographisches Jahrbuch imd Deutscher Nekrolog* hat in 
18 Banden (deren letzter 1917 erschienen ist) jene 18 Jahre umspannt, durch 
lange Reihen biographischer Aufsatze und einsilbig knapper Totenlisten. Sein 
Unternehmen ist dankbar auf genommen und vielseitig benutzt worden : auch 
an dieser Stelle sei ihm Dank und Hochachtung lebhaft ausgedriickt. Sein 
Jahrbuch strebte danach, alle Lebenskreise und alle Gebiete deutscher Zimge 
zu umfassen. Der Herausgeber und sein Verleger Walter de Gruyter haben an 
ihm in erfolgreicher Hingabe miteinander gearbeitet: dann hat ein Eingriff in 
seine Herausgeberrechte Bettelheim 1917 zur Niederlegung seiner Tatigkeit 
veranlaflt, vmd das Jahrbuch ging ein. 

Seitdem ist der Wunsch auf seine Wiederaufnahme haufig ausgesprochen 
und betrieben worden. Das Biographische Jahrbuch war eine Art laufender 
Fortsetzung der von der Miinchener Historischen Kommission herausgegebenen 
Allgemeinen Deutschen Biographie gewesen ; deren Trager Rochus von Iyilien- 
cron hatte es begriiflt und wirksam — auch durch Herbeifuhrung zeitweiliger 
Reichshilfe — unterstiitzt. Die Historische Kommission und, von ihr veranlaflt, 
die Miinchener Akademie hat dem Verbande der Deutschen Akademien die 
Anregung vorgelegt, das Jahrbuch neu zu beleben, indem sie es zu einem Ge- 
samtunternehmen des Verbandes erhoben. Auf den Verbandstagungen in 
Berlin 1919 und in Wien 1921 ist der Antrag begriindet, durchberaten und an- 
genommen worden; aufler den sechs Akademien trat auch die Historische 
Kommission dem Werke bei. Seine Notwendigkeit drangte sich auf. Eine dem 
Todesjahre bald nachfolgende umfassende Nekrologie gewahrt den Zeitgenossen 
einen schnellen und lehrreichen tlberblick und rettet fiir Zeit und Zukunft eine 
Fiille sonst niemals wieder zusammenzubringenden lebendigen Wissens. Heute 
tritt zu dem literarisch-praktischen Bediirfnisse das national-ideelle. Es gilt 
hier, auf einem wichtigen Felde, in einer Uberschau iiber das personliche und 
damit zugleich iiber das sachlich-allgemeine Schaffen und Sein, das ganze 
Deutschtum als eine Einheit zu umfassen, ohne Riicksicht auf staatliche Gren- 
zen. Es gilt, mit dieser Einheit zugleich die aller Lebensgebiete zu veranschau- 
lichen, die Trager der wirtschaftlichen und technischen Arbeit gleichermaflen 



festzuhalten wie die der geistigen und politischen. Die Aufgabe schien der 
gemeinsamen Obhut der obersten wissenschaftlichen Korperschaften des 
Deutschtums angemessen. 

Die Verbandsanstalten haben einen RedaktionsausschuB bestellt, in dem 
die einzelnen Akademien und, nach Moglichkeit, die einzelnen Berufskreise 
vertreten sein sollten. Er hat den Herausgeber zu beraten, insbesondere die 
Auswahl der in eigenen Aufsatzen zu behandelnden Toten nach ihrer Vielseitig- 
keit zu iiberwachen ; die lauf enden Geschaf te hat er den beiden unterzeichneten 
Mitgliedern iibertragen. Die Herausgeberschaft hatHerrDr. Christern, zur Zeit 
Assistent des Historischen Seminars an der Universitat Berlin, ubernommen. 
Er hat auch die von Dr. de Gruyter uns iiberlassene Totenliste fiir 1914 neube- 
arbeitet, die fur 1915 und 1916 sind durch die Bibliothekare des Auswartigen 
Amtes, die Herren Dr. Holleck-Weithmann und Piske, vorbereitet, durch die 
Herren Dr. Karl Griewank und Dr. Karl Pagel abgeschlossen worden. Nicht 
nur fiir die Totenlisten, die er in Bettelheims Jahrbuch geleitet hatte, sondern 
fiir alle Angelegenheiten des neuen Jahrbuchs hat der Direktor der Bibliothek 
des Auswartigen Amtes, Herr Oberregierungsrat Dr. Johann Safi, seinen stets 
bereitwilligen und wertvollen Rat gespendet; fiir eine ebenso wertvolle Be- 
ratung auf dem Gebiete der Technik schuldet der Herausgeber dem Direktor 
des Vereins Deutscher Ingenieure, Herrn Professor Dr. MattschoB, lebhaften 
Dank. Die Bearbeittmg der Totenlisten von 1917 ab hat Herr Dr. Johannes 
Hohlfeld, Geschaftsftihrendes Vorstandsmitglied der Zentralstelle fiir deutsche 
Personen- und Familiengeschichte in Leipzig, ubernommen; die fiir 192 1 hat 
er bereits eingeliefert. Die eigentliche Reihe des neuen Jahrbuches beginnt 
mit dem Jahrgange 192 1; die L,iicke von 1913 ab fiillen, wesentlich in der 
Form von Totenlisten, denen nur eine sehr viel knappere Auswahl von Einzel- 
aufsatzen beigegeben werden durf te, die beiden Dberleitungsbande (1914 — 1916, 
1917 — 1920) aus. Den ersten dieser zwei Bande legen wir heute vor, der 
zweite ist in Vorbereitung ; zunachst soil diesem ersten Bande derjenige folgen, 
der das Jahr 192 1 behandelt: er bietetneben der Totenliste eine breitere Fiille 
von Einzelaufsatzen dar. Wir beschleunigen seine Herstellung nach Moglichkeit. 
Die wirtschaftlichen Note der vergangenen Jahre haben die Arbeit an dem 
vorliegenden Bande mannigf ach zerrissen und gehemmt ; wir haben fiir auBer- 
gewohnlichen Beistand der Wentzel-Heckmann-Stiftung der PreuBischen Aka- 
demie sowie dem PreuBischen Ministerium fiir Wissenschaft, Kunst und Volks- 
bildung und dem Verlage, derDeutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart, zu dan- 
ken. Wir diirfen erwarten, jetzt in regelmaBige Geleise eingelenkt zu sein und 
mit regelmaBiger Schnelligkeit voranzuschreiten. Das Jahrbuch glaubt einem 
Bedtirf nisse des Deutschtums entgegenzukommen ; es hofft, dieses Bedtirf nis 
in steigender Vollstandigkeit zu bef riedigen ; mochte ihm selber, in Mitarbeit 
und Aufnahme, die lebenschaffende Teilnahme begegnen, deren es seinerseits 
bedarf. 

Berlin, Marz 1925. 

Fiir den RedaktionsausschuB 

E. Marcks G. Roethe 



INHALT 

Biographien: 1914 3 

i9 x 5 1X1 

1916 185 

Naditrag 1913 265 

Totcnlisten: 1914 273 

^5 357 

*9 l6 347 



BIOGRAPHIEN 



1914 / 1915 / 19l6 



1914 

Bohm-Bawerk, Eugen v., osterreichischer Finanzminister, Universitatspro- 
fessor, President der Wiener Akademie der Wissenschaften, * in Briinn am 
12. November 1851, f zu Kramsach in Tirol am 27. August 1914. — Nach Be- 
endigung der rechts- und staatswissenschaftlichen Studien an der Wiener Uni- 
versitat trat B.-B. im Jahre 1872 in den niederosterreichischen Finanzdienst 
ein und wurde bald darauf in das Finanzministerium berufen. Er erlangte im 
Jahre 1875 das juristische Doktorat und nahm sodann einen zweijahrigen 
Studienurlaub, den er in Heidelberg, Leipzig und Jena bei Knies, Roscher und 
Hildebrand verbrachte. Im Jahre 1880 vermahlte er sich mit Paula v. Wieser, 
der Schwester seines Jugendfreundes und wissenschaftlichen Weggenossen 
Friedrich Wieser. In demselben Jahre habilitierte sich B.-B. als Privatdozent 
fiir politische Okonomie an der Wiener Universitat. Unmittelbar darauf wurde 
er zur Supplierung der Lehrkanzel dieses Faches an die Universitat Innsbruck 
berufen und im folgenden Jahre zum Professor an dieser Hochschule ernannt. 
Das Jahr 1889 brachte eine lange Unterbrechung der akademischen Lehrtatig- 
keit B.-B.s mit sich, da er, einemRufe des damaligen osterreichischen Finanz- 
ministers folgend, als Ministerialrat in das Finanzministerium eintrat. Im Jahre 
1895 wurde B.-B. zum Finanzminister ernannt, trat jedoch schon nach kurzer 
Zeit von dieser Stelle zuriick. Wahrend der Zeit vom November 1897 bis zum 
Marz 1898 war er abermals mit diesem Amte betraut; im Jahre 1900 wurde er 
zum drittenmal an die Spitze des Finanzministeriums berufen, das er nunmehr 
bis zum Jahre 1904 leitete. Im Jahre 1899 erfolgte seine Berufung in das Herren- 
haus des osterreichischen Reichsrates. Vor und nach seiner zweiten Minister- 
schaft wirkte er am Verwaltungsgerichtshofe als Vorsitzender eines Senates, 
der iiber Beschwerden in Finanzsachen zu entscheiden hatte. Im Finanzmini- 
sterium hatte B.-B. noch als Sektionschef die Ausarbeitung des Gesetzent- 
wurfes ubernommen, der zur Grundlage der schon seit langer Zeit angestrebten 
und im Jahre 1896 verwirklichten Reform der direkten Personalsteuern wurde. 
Durch diese Reform wurde die Personaleinkommensteuer geschaffen und eine 
zeitgemaBe Verbesserung und Ausgestaltung des Ertragsteuersystems durch- 
gefiihrt. Als Minister hatte er eine Reihe groCer und schwerer Aufgaben zu 
bewaltigen, von denen hier vor allem die im Jahre 1903 unter Uberwindung 
grofier sachlicher und politischer Schwierigkeiten erfolgte Konversion der 
4,2prozentigen osterreichischen »Blockrente« auf 4 Prozent hervorgehoben sei. 
Ein grofies Verdienst um die osterreichischen Finanzen erwarb er sich ferner 
durch die Aufhebung der Zuckerexportpramien. Aber auch in alien anderen, 

DBJ 1* 



4 l 9*4 

zum Teil sehr wichtigen Fragen, mit denen sich die Finanzverwaltung zu jener 
Zeit beschaftigte, hatte er die Fiihrung. Schmerzlich empfand er es, dafi in 
Osterreich noch mehr als anderwarts die Finanzen, wie er spater einmal sagte, 
der »Priigelknabe der Politik« geworden waren, dafi imraer wieder vergeblich 
versucht wurde, die nationalen Schwierigkeiten, welche die Arbeitsfahigkeit 
des Parlamentes unaufhorlich gefahrdeten, durch materielle Zugestandnisse 
auf Kosten der Staatsfinanzen aus dem Wege zu raumen. Soweit es die Ver- 
haltnisse erlaubten, trat er dieser Art der Finanzpolitik stets auf das scharfste 
entgegen. 

Im Jahre 1904 kehrte B.-B. wieder zur akademischen Lehrtatigkeit zuriick, 
indem er eine Lehrkanzel fiir politische Okonomie an der Wiener Universitat 
ubernahm. Eine Anerkennung besonderer Art war ihm noch dadurch beschie- 
den, dafi er im Jahre 191 1 auf Vorschlag der Wiener Akademie der Wissen- 
schaften zu ihrem Prasidenten ernannt wurde. Nach Niederlegung seines Mi- 
nisteramtes widmete B.-B. seine Krafte ausschliefilich der wissenschaftlichen 
Arbeit. Mitten im vollen Schaffen ereilte ihn der Tod. Zu Kramsach in Tirol, 
wohin er sich im Sommer des Jahres 1914 zur Erholung begeben hatte, erlag 
er einer Venenthrombose. 

B.-B. zahlt zweifellos zu den bedeutendsten Finanzministern des alten Oster- 
reich. Aber seine Leistungen auf diesem Gebiete, die hier nur angedeutet wer- 
den konnten, treten weit zuriick hinter den Ergebnissen seiner Forscherarbeit. 
Er steht auf dem Boden der von C. Menger begriindeten »6sterreichischen 
Schule « der Nationalokonomie, deren grofles Verdienst und wesentlicher Fort- 
schritt gegeniiber der alteren Theorie darin liegt, dafi sie bei Erklarung der 
wirtschaftlichen Erscheinungen bis auf die subjektiven Wertschatzungen der 
wirtschaftenden Menschen zuriickgeht. Schon das erste Werk B.-B.s, »Rechte 
und Verhaltnisse vom Standpunkte der wirtschaftlichen Guterlehre« (1881), 
enthalt wertvolle grundlegende Erkenntnisse. Hier wird u. a. gezeigt, dafi als 
der eigentliche Gegenstand der Wirtschaft die Nutzleistungen anzusehen sind, 
die wir einerseits von den Sachgiitern, andererseits (in Gestalt der Arbeits- 
leistungen) von den Menschen empfangen; die Sachgiiter sind nichts anderes 
als der Inbegriff der in ihnen zusammengefafiten Nutzleistungen. Im Jahre 
1884 erschien der erste Teil von B.-B.s Hauptwerk»Kapital und Kapitalzins« : 
die »Geschichte und Kritik der Kapitalzinstheorien«, jenes lehrgeschichtlich- 
kritische Werk, dem in der Nationalokonomie kein anderes zur Seite gestellt 
werden kann. B.-B. stellt hier den wesentlichen Inhalt samtlicher vor ihm 
vertretener Zinsauffassungen dar und zeigt die Unzulanglichkeit all dieser 
Lehren, die er in eine Anzahl von Gruppen zusammenfafit (Produktivitats-, 
Nutzungs-, Abstinenz-, Arbeits- und Ausbeutungstheorie) . Hierauf wandte er 
sich der Bearbeitung der Werttheorie zu. In der Abhandlung: »Grundziige der 
Theorie des wirtschaftlichen Giiterwertes« (1886) wird die Wertlehre der oster- 
reichischen Schule in klassischer Form und uniibertrefflicher Klarheit darge- 
stellt und in mannigfacher Hinsicht erweitert. Das der osterreichischen Schule 
eigentiimliche »Grenznutzenprinzip« erhalt bei ihm folgende Fassung: »Die 
Grofie des Wertes eines Gutes bemifit sich nach der Wichtigkeit desjenigen 
konkreten Bediirfnisses oder Teilbediirfnisses, welches unter den durch den 
verfiigbaren Gesamtvorrat an Giitern solcher Art bedeckten Bediirfnissen das 
mindest wichtige ist.« Von besonderer Bedeutung sind jene Teile dieser Ab- 



Bohm-Bawerk 5 

handlung, welche die Preistheorie, das Verhaltnis zwischen Wert und Kosten 
und die Beziehungen der Nutzwertlehre zur alteren Theorie zum Gegenstande 
haben. 

Nach AbschluB all dieserVorarbeiten gingB.-B. nunmehr zu der Darstellung 
seiner eigenen Auffassung des Kapitalzinses iiber. Im Jahre 1889 erschien^die 
»Positive Theorie des Kapitales«, der 2. Band von »Kapital und Kapitalzins«. Die 
» Agiotheorie« B.-B.s erklart den Zins aus dem EinfluB des Zeitablaufes auf die 
Wertschatzungen der Giiter. Bei Wiedergabe des Grundgedankens der Theorie 
folgen wir mit Riicksicht auf die Knappheit des verf iigbaren Raumes zunachst 
einer Darstelltuig B.-B.s (im Handworterbuch der Staatswissenschaften) : 
»Eine Anzahl teils psychologischer, teils technischer Griinde wirkt zu- 
sammen, um in der Wertschatzung der Menschen und weiterhin in den aus den 
Wertschatzungen resultierenden Preisen, den gegenwartigen Giitern jeweils 
einen gewissen Vorzug vor kiinftigen Giitern derselben Art und Zahl zu ver- 
schaffen. Die psychologischen Griinde wurzeln hauptsachlich in der Unsicher- 
heit der Zukunft und in dem geringeren Bedacht, welchen die meisten Men- 
schen auf die Sicherstellung ihrer kiinftigen Bediirfnisse nehmen; die tech- 
nischen Griinde hangen hauptsachlich mit gewissen Verhaltnissen der Pro- 
duktion, namentlich damit zusammen, dafi die technisch ergiebigsten Pro- 
duktionsmethoden diejenigen sind, bei welchen man sich weit ausholende 
und zeitraubende Produktionsumwege, die vorbereitende Herstellung 
geeigneter Zwischenprodukte, Werkzeuge, Hilfsmittel u. dgl. gestatten kann. 
Insofern nun solche zeitraubenden Umwegenurderjenige beschreiten kann, der 
schon jetzt eine ausreichende Geld- oder Giitersumme in der Hand hat, um 
die Produktionserfordernisse einer so langen Zeit zu bestreiten, gewinnt die 
Verfiigung iiber gegenwartige Giitersummen in der Produktion eine erhohte 
Bedeutung, gegeniiber welcher kiinftige Giitersummen, die jene Dienste na- 
tiirlich nicht leisten konnen, zuriickstehen miissen. Infolge aller dieser Um- 
stande stellt sich zwischen gegenwartigen und kiinftigen Giitern ein Schatzungs- 
und Austauschverhaltnis heraus, das regelmafiig zugunsten der ersteren steht, 
so dafi z. B. 100 gegenwartige Mark oder Zentner Weizen nicht mit 100, sondern 
etwa mit 105 nachstjahrigen (im nachsten Jahre zur Verfiigung oder Bezahlung 
gelangenden) Mark oder Zentnern Weizen gleichwertig gehalten werden.« 

Aus dieser Grundtatsache gehen die verschiedenen Erscheinungsformen des 
Kapitalzinses hervor. Der Darlehenszins erklart sich unmittelbar als Ausgleich 
des Wertunterschiedes zwischen gegenwartigen und kiinftigen Giitern. Das 
gleiche gilt aber auch von dem »urspriinglichen Kapitalzins«, dem Reinertrag 
des Unternehmerkapitals : die Unternehmer-Kapitalisten kaufen in Gestalt der 
Produktivgiiter (Boden, Arbeit, Werkzeuge), eigentlich kiinftige GenuCgiiter, 
deren Wert und Preis in der Gegenwart, zu Beginn der Produktion, aus den 
f riiher angefiihrten Griinden niedriger ist als ihr kiinftiger, der ihnen nach Ab- 
schluB der Produktion zuf alien wird. Dieser wahrend der Dauer der Produktion 
entstehende Wertzuwachs bildet den Kapitalzins. Im weiteren Verlaufe der 
Darstellung zeigt B.-B., wie sich aus der GroCe des in der Volkswirtschaft vor- 
handenen (Produktiv- und GenuJ3-)Giitervorrates einerseits, der Menge des 
Bodens und der Arbeit andererseits eine bestimmte Lange der Produktions- 
periode sowie eine bestimmte Hohe des Arbeitslohnes, des Kapitalzinses und 
der Grundrente ergibt. B.-B. hat sein Hauptwerk sowohl im kritischen wie im 




b 1914 

aufbauenden Teil in zwei weiteren Auflagen in raancher Beziehung erganzt 
und erweitert und gegenuber seinen zahlreichen Kritikern verteidigt, aber 
keine Anderungen an dem Grundgedanken seiner Lehre vorgenommen. 1 

Jene Kritiker, die der Bohmschen Zinstheorie vorwerfen, daB sie den Kapi- 
talzins ausschlieBlich oder hauptsachlich aus der Unterschatzung der Zukunft, 
aus der Sorglosigkeit der wirtschaftenden Menschen herleitet, sind nicht bis zuui 
Kern seiner Lehre vorgedrungen, die einerseits durch die Erfassung der Zins- 
frage als eines Wertproblems und andererseits durch den Hinweis auf den Zu- 
sammenhang der Ergiebigkeit der Produktion mit deren Zeitdauer den richtigen 
Weg zur Erklarung des Zinses entdeckt und eingeschlagen hat. Einer Vervoll- 
kommnung bedarf die »Agiotheorie« allerdings insof era, alsdie»Mehrergiebig- 
keit der Produktionsumwege« nicht, wie B.-B. annahm, eine rein technische 
Tatsache ist, sondern selbst erst mit der Wertbildung der Giiter in Zusammen- 
hang gebracht werden muB. 

Es kann nicht auf die groBe Zahl jener Schriften B.-B.s eingegangen werden, 
in welchen er vor allem gegenuber mancher Anfechtung in glanzender Weise 
fur seine Auffassung von Wert und Zins und von den allgemeinen Aufgaben 
der okonomischen Theorie eingetreten ist. Erwahnt sei hier bloB seine Marx- 
Kritik (Zum AbschluB des Marxschen Systems, 1896) und seine letzte Arbeit 
»Macht oder 6konomischesGesetz« (1914), in welcher er darlegt, wie derEinfluB 
der sozialen Machtverhaltnisse im Rahmen der okonomischen Theorie zu be- 
riicksichtigen ist. 2 

Mit bewunderungswiirdiger Meisterschaft in der Beschrankung und mit un- 
gewohnlicher Konzentrationskraft hat B.-B. fast seine gesamte wissenschaft- 
liche Ivebensarbeit der Behandlung einer einzigen, allerdings grundwichtigen 
Frage, des Zinsproblems, gewidmet. Sein Werk hat Weltruhm erlangt. Allein 
gerade dem Umstand, daB er seine Theorie der gesamten Wirtschaft in die Be- 
handlung jenes Spezialproblems hineinverwoben und nicht in ein allgemeines 
System der Nationalokonomie gebracht hat, ist es zuzuschreiben, daB seine 
Gedanken — abgesehen von der erwahnten Darstellung der Wertlehre — noch 
nicht jenen tiefgreifenden, fruchtbringenden EinfluB auf die Entwicklung der 
Wissenschaft genommen haben, der ihnen zukame und der ihnen voraussichtlich 
auch beschieden sein wird. 

Literatur: R. Hilferding, B.-B.s Marx-Kritik, Wien 1904. — S. Margolin, Kapital und 
Kapitalzins, Darstellung und Kritik der B.-B.schen Lehre, Berlin 1904. — M. Gebauer, 
Das Wesen des Kapitalzinses und die Zinstheorie B.-B.s, Breslau 1904. — E. Schade, B.-B.s 
Zinstheorie und seine Stellung zur Produktivitatstheorie, Annalen des Deutschen Reiches 
1906. — I,, v. Bortkiewicz, Der Kardinalfehler der B.-B.schen Zinstheorie, Schmollers 
Jahrbiicher 1906. — Graziani, V opera scienttfica di E. v. B.-B., Nuova Antologia 1907, — 
R. Zuckerkandl, B.-B.s Positive Theorie des Kapitals, Neue Freie Presse 10. Juni 191 3. — 
E. v. Philippovich, Dr. Eugen v. B.-B., Zeitschr. f. Volkswirtsch., Sozialpol. u. Verw. 1914. 
— J . Schumpeter, Das wissenschaftliche Lebenswerk Eugen v. B.-B.s, ebenda. — O. v. 
Zwiedineck, Eugen v. B.-B., Kapital und Kapitalzins, Schmollers Jahrbiicher 1914. — 
K. Diehl, Zur Kritik der Kapitalzinstheorie von B.-B., Jahrbiicher fur Nationalokonomie 
und Statistik 191 5. (Hierzu eine Erwiderung von Weifl in der Zeitschrift f. Volksw. 1916.) — 
K. Menger, Eugen v. B.-B. f Almanach der Akademie der Wissensch. Wien 191 5. — F. X. 

1 Eine vierte Auflage von » Kapital und Kapitalzins* erschien nach dem Tode des Ver- 
fassers im Jahre 1921. 

2 Vgl. Gesammelte Schriften von Eugen v. B.-B., Wien 1924, und Eugen von B.-B.s 
kleinere Abhandlungen iiber Kapital und Zins, Wien 1925. 



Brockhaus 7 

Weift, Produktionsumwege und Kapitalzins, Zeitschr. f. Volksw. u. Sozialpol., 1921 — 
Derselbe, Eugen v. B.-B., Vorrede zu den gesammelten Schriften von E. v. B.-B., Wien 
1924 (teilweise bei Abfassung der obigen kurzen Lebensgeschichte B.-B.s benutzt). — 
L. Elster, Eugen v. B.-B., Handworterbuch der Staatswissensch., 4. Aufl., 1924. — E. v. 
Sivers, Die Zinstheorie Eugen v. B.-B.s im Ijchte der deutschen Kritik, Jena 1924. 

Wien. F.X.WeiB. 

Brockhaus, Eduard, Dr. phil., der dritte Seniorchef der von seinem Grofivater 
begriindeten beruhmten Verlagsfirma »F. A. Brockhaus* in Leipzig, * am 
7. August 1829 zu Leipzig, \ daselbst am 11. Januar 1914. — Sein Vater Hein- 
rich Brockhaus war ein halbes Jahrhundert lang die Seele der Firma, ein be- 
deutender Mann von harmonischer und umf assender Bildung, von erstaunlicher 
Tatkraft. Auf die denkbar beste Erziehung seines Sohnes Eduard bedacht, 
iibergab er ihn mit sieben Jahren dem ausgezeichneten Erziehungsinstitut 
Salzmanns in Schnepfental, wo Eduard fiinf Jahre blieb. Dann kam er mit 
zwolf Jahren auf das Thomasgymnasium zu Leipzig, wo er Michaelis 1847 ^ e 
Reifepriifung bestand. Urspriinglich hatte Eduard wie sein Vater Buchhandler 
werden wollen, am Gymnasium ward er aber unschliissig, ob er sich nicht 
einem gelehrten Berufe zuwenden solle, und bat daher den Vater, ihm wenig- 
stens fur einige Zeit den Besuch einer Universitat zu gestatten. Er bezog zuerst 
die Hochschule seiner Vaterstadt, wo er besonders philosophische, geschichtliche 
und philologische Vorlesungen horte. In seine Leipziger Studienzeit fallen die 
Marztage von 1848, da er natiirlich auch mit Enthusiasmus den Vdlkerfriihling 
begriiflte, an den studentischen Versammlungen wie auch an der Pfingstfeier 
auf der Wartburg teilnahm , sich aber den gemafiigten Elementen der Studenten- 
schaft anschloB. Hier hat er das grofie Interesse fiir Politik gewonnen, das er 
dann sein ganzes Leben hindurch betatigte. Im Herbst 1848 ging er nach Heidel- 
berg, auf der Hinreise besuchte er die westfalische Heimat seines Groflvaters. 
In Heidelberg horte er Vorlesungen iiber Anthropologic, Literatur- und Kunst- 
geschichte, die geschichtlichen Vortrage von Schlosser und die von Ludwig 
Feuerbach iiber dessen Philosophic Von Heidelberg aus fuhr er wiederholt mit 
Freunden nach Frankfurt a. Main, um wichtigen Verhandlungen der National- 
versammlung beizuwohnen. Er trat auch in die Heidelberger akademische 
Legion ein, die aber bald wieder aufgelost wurde, da deren Mitglieder es ab- 
lehnten, sich auf die Revolution vereidigen zu lassen. Nach Heidelberg be- 
suchte er noch die Universitat Berlin, wo er speziell Nationalokonomie stu- 
dierte. Am 16. August 1850 bestand er dann zu Leipzig das Doktorexamen, 
wobei er von Drobisch, Wuttke und Roscher in Philosophic, Geschichte und 
Nationalokonomie gepriift wurde. Alsdann trat er in das Geschaft seines Vaters 
ein, formell als Lehrling, in Wirklichkeit aber muBte er sich in alle einzelnen 
Zweige des groflenUnternehmens einarbeiten. Schon im Herbst 1851, da sein 
Vater nach Paris und London reiste, konnte dieser dem Sohne die ganze Leitung 
des Geschaftes anvertrauen. Am 1. Marz 1852 wurde er Prokurist, am 1. Juli 
1854 Teilhaber der Firma. Als solcher war er noch 20 Jahre neben dem Vater 
tatig, nach dessen Tode stand er noch 21 Jahre an der Spitze der Firma, unter- 
stiitzt seit 1863 von seinem Bruder Rudolf, spater von 1881 und 1889 ab von 
seinem Sohne Albert und seinem Neffen Rudolf. 1895 ist er mit seinem Bruder 
Rudolf von der Tatigkeit im Geschaft zuriickgetreten, nicht weil sie sich ge- 



8 1914 

schaftsmude oder arbeitsunfahig gefiihlt hatten, sondern lediglich, weil sie der 
Jugend das Recht, sich zu betatigen, nicht verkiimmem wollten. 

In den 45 Jahren, die Eduard Brockhaus der Geschaftsleitung seiner Firma 
angehorte, hat er in- und auflerhalb des Geschaftes eine geradezu staunens- 
werte Tatigkeit entf altet, deren Umf ang und Erfolg nur dann zu verstehen ist, 
ivenn man sich vergegenwartigt, daB er mehr noch als sein Vater die Kunst der 
Organisation in denkbar hochstem MaBe beherrscht und praktisch verwirklicht 
hat. Mit unfehlbarer Treffsicherheit wuBte er auf jede Arbeitsstelle den Mann 
zu setzen, der besonders dafiir geeignet war, und mit auflergewohnlicher Sach- 
kenntnis hat er nicht nur die groBen maschinellen Einrichtungen seiner Firma 
vermehrt und verbessert, sondern auch alle kleineren technischen Neuerungen 
verwertet, durch die eine Steigerung der Leistungsfahigkeit sich erzielen laBt. 
Seine Firma arbeitete, um nur einige wenigeZahlen anzufiihren, im Jahre 1850, 
bei seinem Eintritte, mit 9 Schnellpressen, im Jahre 1877 mit 22, im Jahre 1894 
aber mit 30 Schnellpressen und einer Rotationspresse. Dem entspricht die Steige- 
rung in der Verlagstatigkeit der Firma, bei der Eduard namentlich die buch- 
handlerischen, besonders die literarischen Angelegenheiten zu besorgen hatte. 
In erster Linie oblag ihm die Oberleitung der periodischen Unternehmungen, 
vor allem der vom Verlage herausgegebenen, 1879 allerdings eingegangenen 
»Deutschen Allgemeinen Zeitung«, bei der er vom 1. Oktober 1857 a ^ a ^ s verant- 
wortlicher Redakteur zeichnete, bis am 1. Oktober 1863 Professor Biedermann 
die Redaktion ubernahm. Eduard erweiterte das Blatt durch Beilagen mit all- 
gemein wissenschaftlichen Aufsatzen und durch ein »L,iterarisch-artistisches 
Beiblatt « mit Romanen, die im Verlage der Firma erschienen . Vielf ache und zum 
Teil recht heftige Kampfe hatte er dabei mit den Behorden wie auch mit den 
beiden sachsischen Regierungsorganen auszufechten. Dazu kamen die » Blatter 
fiir literarische Unterhaltung« und das » Deutsche Museum «, die »Zeitschrift fur 
Literatur, Kunst und offentliches L,eben«, »Die Unterhaltungen am hauslichen 
Herd«, fiir deren Herausgabe er den damals besonders gefeierten Gutzkow zu 
gewinnen wuBte, der »Zentralanzeiger fiir Freunde der Iyiteratur«. Besonders 
sorgfaltig wurde die Bibliographie gepflegt in verschiedenen periodischen Unter- 
nehmimgen. Mehrere neue Auflagen des altbewahrten Kon versa tionslexikons 
und verwandte Publikationen, groBere Sammelwerke, wie das »Historische 
Taschenbuch« und der »Neue Pitavah, zahlreiche Werke der schonen Iyiteratur, 
der Ubersetzungsliteratur, zahlreiche Werke in fremden Sprachen brachten ein 
geriittelt MaB von Arbeit. Nachdem er bei dem Tode des Vaters (15. November 
1874) allein die Leitung iibernommen, wurden alle die Erweiterungen, die in 
der ersten Periode seiner Tatigkeit, 1850 — 1874, eingefiihrt worden waren, mit 
grofitem Nachdruck fortgefiihrt. Von 1864 bis 1890 erschienen, um auch hier 
wieder nur einige wenige ziffermaBige Beispiele herauszugreifen, nicht weniger 
als 90 Bande von der »Bibliothek der deutschen Nationalliteratur vom Mittel- 
alter bis auf die neueste Zeit« und von i860 bis 1894 sogar 180 Bande von der 
»Bibliothek auslandischer Autoren« in Italienisch, Spanisch, Portugiesisch usw. 
Im ganzen aber wurden von dem Verlag unter seiner I^eitung, von 1850 bis 
1895, nicht weniger als 1371 Werke herausgebracht, von denen manche eine 
groBere Anzahl von Banden umfaBten. Um die ungeheure Bedeutung dieser 
Verlagstatigkeit richtig zu wiirdigen, muB man neben ihrem auBeren Umfange 
noch ganz besonders die Tatsache sich vergegenwartigen, daB Eduard Brockhaus 



Brockhaus. Carol I. g 

in erster Linie nicht von dem zu erwartenden Geschaftsgewinn der Firma, 
sondern von der Wichtigkeit eines Untemehmens fiir die allgemeinen wissen- 
schaftlichen und literarischen Interessen des deutschen Volkes sich leiten lieB. 
Neben dieser ausgedehnten Tatigkeit, die wahrlich jedes normale Leben schon 
iibergenug ausgefiillt hatte, hat sichEduard Brockhaus noch mit unermiidlichem 
Fleifie auch an dem offentlichen Leben seiner Zeit beteiligt. Er hat die Zeit ge- 
funden, urn zwei mustergiiltige Werke auszuarbeiten, eine dreibandige Bio- 
graphie seines GroBvaters Friedrich Arnold Brockhaus, des Begriinders der 
Firma, und eine Geschichte der Firma zu deren hundertjahrigem Jubilaum. 
Von 1871 bis 1878 gehorte er dem Reichstage an, in den er gewahlt wurde, ohne 
selbst seine Kandidatur aufgestellt zu haben. Er schloB sich der nationallibe- 
ralen Partei an, die gerade damals mit 155 Mitgliedern ihre stolzeste Zeit er- 
lebte. Mit zahlreichen hervorragenden Mitgliedern wie Rudolf v. Bennigsen, 
Marquardsen, Miquel, Freiherrn v. Stauffenberg und anderen trat er in nahere 
personliche Beziehungen, ebenso auch zu Mitgliedern anderer Parteien und des 
Bundesrates, die von ihm besonders verehrten Heroen Bismarck und Moltke 
lernte er personlich kennen: Moltke durfte er 1876 als Gast beherbergen, Bis- 
marck hat er nach dessen Entlassung noch mehrmals aufgesucht. Im Reichs- 
tage sprach er nicht oft, immer aber eindrucksvoll, immer nur iiber Fragen, 
die er griindlich beherrschte. Von 1861 bis 1870 gehorte er dem I^eipziger Stadt- 
verordnetenkollegium an, in dem er bei seiner enormen Sachkenntnis eine 
wichtige Rolle spielte. Zweimal, 1889 bis 1891 und 1892 bis 1894, stand er als 
erster Vorsteher an der Spitze des Borsenvereins der deutschen Buchhandler, 
in dem er eine hervorragende Tatigkeit entfaltete : er hat die Schaf fung einer 
umfassenden Geschichte des deutschen Buchhandels angeregt und glucklich 
durchgefiihrt, er hat sich namentlich in dem groBen Kampfe um die Rettung 
des Sortiments gegenuber den groBen Versandgeschaften grofite Verdienste 
erworben. Es war eine wohlverdiente Ehrung, daB ihn der Borsenverein zum 
Ehrenmitglied ernannte. Von 1880 bis 1894 war er Vorsitzender des Vereins der 
Buchhandler zu Leipzig, lange Jahre fuhrte er auch den Vorsitz im deutschen 
Buchdruckerverein und in der Buchdrucker-Berufsgenossenschaft. Wie er es 
fertig brachte, all die ungeheure Arbeit zu leisten, die ihm diese Ehrenamter 
einbrachten, ist auch fiir den ein Ratsel, der sein unvergleichliches Organi- 
sationstalent vollauf zu wiirdigen weiB. 

Miinchen. Sebastian Hausmann. 



Carol L, Konig von Rumanien, * 20. April 1839 in Sigmaringen, f 10. Oktober 
1914 in Bukarest, — zweiter Sohn des regierenden Fiirsten Karl Anton von 
Hohenzollern-Sigmaringen und dessen Gemahlin Josef ine, geborenen Prinzessin 
von Baden, verbrachte seine ersten Kinderjahre im SchoBe seiner Familie, 
seine Lernzeit in Dresden unter der L,eitung eines strengen Gouverneurs. 
Mit 18 Jahren trat er in die preuBische Armee, besuchte aber neben seiner 
militarischen Tatigkeit auch die Universitat in Bonn und erweiterte durch 
groBe Reisen, die ihn bis Afrika fiihrten, seine Welt- und Menschenkenntnis. 
Den Feldzug gegen Danemark 1864 machte er als Ordonnanzoffizier des preuBi- 
schen Kronprinzen mit, dem er seither in warmer Freundschaft verbunden 
blieb. Im Friihjahr 1866 bot ihm die provisorische Regierung der Donau- 



10 1914 

fiirstenttimer, von Napoleon ermuntert, deren Krone an. Ehrgeizig und vom 
Leben des herkommlichen Prinzendaseins wenig bef riedigt, folgte er dem Rufe, 
ohne sich durch die unfreundliche Haltung der Machte, den Widerspruch 
der Hohen Pforte und die Bedenken Konig Wilhelms abhalten zu lassen. 
Am 20. Mai 1866 hielt er seinen Einzug als Fiirst von Rumanien. Er 
fand das Land in traurigster Verfassung. Der bald darauf ausbrechende 
Krieg Osterreichs gegen PreuBen und Italien fiihrte ihn in Versuchung, sich 
gegen Osterreich zu wenden. Der ungarische Insurgentengeneral Tiirr, von 
Bismarck empfohlen, fand sich in Bukarest ein und warb um seinen Beistand. 
Er blieb jedoch zuriickhaltend ; die Herstellung geordneter Verhaltnisse in 
seinem Lande lag ihm mehr am Herzen als der in Aussicht gestellte Besitz 
Siebenbiirgens. Es gelang ihm noch im selben Jahre, seine Anerkennung als 
Fiirst von Rumanien sowohl bei der Pforte als bei den Machten durchzusetzen. 
Schwerer wurde es ihm, in die inneren Angelegenheiten seines Landes Ordnung 
zu bringen; namentlich die Judenfrage bereitete ihm Sorge, da sich das inter- 
nationale Judentum zugunsten der angeblich verfolgten Juden in Rumanien 
einsetzte und durch die ihm dienstbare Presse die Westmachte gegen Ruma- 
nien hetzte. Der Krieg Deutschlands gegen Frankreich 1870 liefl ihn die Schwie- 
rigkeit seiner Lage schmerzlich fiihlen: wahrend er als Deutscher und als 
Hohenzoller mit ganzer Seele auf seiten Deutschlands stand, sah er sein Volk 
leidenschaftlich fur Frankreich Partei nehmen. Hierzu kamen hochst unerfreu- 
liche Ereignisse im Innern. Am 20. August 1870 brach in Plojeschti ein vom 
Deputierten Popescu inszenierter, gegen seine Person gerichteter Putsch aus, 
der aber rasch unterdriickt wurde. Bald darauf trat eine schwere wirtschaft- 
liche Krise ein, veranlafit durch den Zusammenbruch des Unternehmers Strous- 
berg, der mit dem Bau der fur Rumanien bestimmten Eisenbahnen betraut 
worden war. Im Frtihjahr 1871 kam es am Geburtstage Kaiser Wilhelms 
(22. Marz), an dem der preuBische Generalkonsul v. Radowitz ein Bankett 
gab, bei dem auch der Sieg Deutschlands iiber Frankreich gefeiert wurde, zu 
Volkskundgebungen gegen C. Unter dem Eindruck all dieser widrigen Er- 
scheinungen dachte er ernstlich daran, seinen Thron zu verlassen und nach 
Deutschland zuriickzukehren, lieB sich aber schlieBlich doch zum Bleiben 
bewegen. 

Seit 15. November 1869 war er mit Prinzessin Elisabeth von Wied ver- 
mahlt, die ihm eine Tochter schenkte ; der Fiirst verlor dieses Kind schon 
wenige Jahre spater und blieb seither kinderlos, so daB die Thronfolge auf den 
Sohn seines Binders iiberging, den Prinzen Ferdinand. 

Der Russisch-Tiirkische Krieg im Jahre 1877 zog Rumanien in Mitleiden- 
schaft. Fiirst C. sah sich genotigt, den Durchmarsch der russischen Heere durch 
sein Land zu gestatten, nahm aber die Gelegenheit wahr, dem lastigen, seiner 
Wiirde abtraglichen Suzeranitatsverhaltnis zur Pforte ein Ende zu machen 
und die Unabhangigkeit Rumaniens zu verkiinden. Von den Russen, die durch 
die Tiirken Niederlage auf Niederlage erlitten hatten, zu Hilfe gerufen, iiber- 
nahm der Fiirst den Oberbefehl iiber die nun vereinigten russisch-rumanischen 
Truppen vor Plewna, das von Osman Pascha mit heroischer Ausdauer ver- 
teidigt wurde, und zwang diesen nach schweren, ungefahr drei Monate dauern- 
den Kampfen am 10. Dezember 1877 zur Kapitulation. Der Fall von Plewna 
trug in erster Linie dazu bei, den Ausgang des Krieges zugunsten der Ver- 



Carol I. II 

biindeten zu entscheiden. Fiirst C. war der Held des Tages, nicht nur als 
Bezwinger der Tiirken, sondern auch als Schopfer des rumanischen Heeres, 
das er mit berechtigtem Stolz als sein Werk ansehen durfte. Der Berliner 
KongreB entsprach den Erwartungen Rumaniens zwar nicht ganz, denn es 
mufite seine beBarabischen Distrikte an RuBland abtreten und sich mit der 
Erwerbung der Dobrudscha begniigen, doch die Machte sahen in ihm fortan 
einen Staat, der iiber dem Durchschnittsniveau der Balkanstaaten stand. AuBer- 
lich kam diese gehobene Stellung dadurch zur Geltung, daB sich Rumanien 
wenige Jahre spater (26. Marz 1881) zum Konigreich proklamierte. Das Be- 
streben Konig C.s ging fortan beharrlich dahin, seinem L,ande diese Sonder- 
stellung auf dem Balkan zu erhalten. Im Innern suchte er dieses Ziel durch 
unermiidHche Forderung auf alien kulturellen Gebieten zu erreichen; nach 
auBen hin aber durch eine vorsichtige, kluge Politik, die Konflikten aus dem 
Wege ging. Sein Bestreben wurde vom Erfolge gekront : wahrend alle anderen 
Balkanstaaten von schweren inneren Kampfen und durch Kriege erschiittert 
wurden, vermochte er Rumanien 35 Jahre lang den auBeren Frieden zu be- 
wahren und iiber alle inneren Krisen hinwegzufiihren. Um ihm eine kraftige 
Stiitze zu geben, schloB er sich 1883 dem Bundnisse Deutschlands mit Osterreich- 
Ungarn an, das ihm bei seiner deutschen Herkunft nicht nur eine Sache der 
Politik, sondern auch des Herzens war. — Die Zeit, die ihm die Regierungs- 
sorgen iibrig lieBen, verbrachte Konig C. mit Vorhebe auf seinem prachtigen 
Schlosse Pelesch bei Sinaia, das er sich am StidfuBe der Transsylvanischen 
Alpen hatte bauen lassen und wo er, umgeben von einer herr lichen Natur und 
inmitten der Kunstschatze des Schlosses, Erholung suchte und fand, wahrend 
seine Gemahlin als » Carmen Sylva« ihren Dichtungen lebte. 

Das Gliick, das diesem Herrscher bis ins Greisenalter treugeblieben war, 
verlieB ihn an seinem I^ebensabend. Zwar verhalf es ihm im Balkankriege 1913 
noch zu dem miihelosesten Erfolge, den jemals ein Herrscher und ein Volk zu 
verzeichnen hatten, aber im Anschlusse daran versetzte es ihn, wie schon im 
Jahre 1870, in ein schweres Dilemma zwischen seinem personlichen Empf inden 
und den Gefiihlen und Bestrebungen seines Volkes, das, von den Agenten der 
Entente beeinfluBt, sich immer mehr vom Dreibunde abkehrte und gegen 
Osterreich-Ungarn wandte. Die torichte, verhangnisvolle Magyarisierungs- 
politik der ungarischen Regierung, die bei den ungarlandischen Rumanen die 
tiefste Erbitterung hervorgerufen hatte, bot fiir die Wuhlarbeit der Entente 
den ergiebigsten Nahrboden. Konig C. erkannte die Gefahr, aber schon hoch- 
betagt, durch Krankheit geschwacht und von Natur aus keine Kampfnatur, 
wagte er nicht, sich dem Willen seines Volkes entgegenzustellen. Er wollte von 
einer Veroffentlichung des Biindnisvertrages mit den Mittelmachten nichts 
wissen und konnte sich bei Ausbruch des Weltkrieges nicht entschlieBen, seiner 
Biindnispflicht nachzukommen. Vom k. u. k. Gesandten, Grafen Czernin, an 
diese erinnert, brach er verzweifelt in Tranen aus und wollte sich den Orden 
Pour le merite vom Halse reiBen. Der Tod ersparte es ihm, erleben zu miissen, 
daB sein I^and den Bundesgenossen die Treue brach und daB sein Heer gegen 
sein eigenes Vaterland zu Felde zog. 

Konig C.s Regierung hat fiir Rumanien jedenfalls einen Segen bedeutet: er 
lieB das Land in einem unvergleichlich besseren Kulturzustande zuriick, als 
er es bei seiner Thronbesteigung gefunden hatte. Nichtsdestoweniger ist seine 



12 I9M 

zuriickhaltende, auBerlich kiihle Art dem leidenschaftlichen, unruhigen, leicht- 
fertigen Naturell der Rumanen stets fremd geblieben. Ein kluger Staatsmann, 
ein tiichtiger Militar, ist er gewifi einer der besten Monarchen seiner Zeit ge- 
wesen. 

Literatur : Aus dem Leben Konig K.s v. R., Aufzeichnungen eincs Augenzeugen, 
Stuttgart, Bd. i — 4, 1894- — 1900. — Ottokar Graf Czernin, Im Weltkrieg, Berlin 1919. — 
Feldmarschall Conrad, Aus meiner Dienstzeit 1906 — 1918, Bd. 1 — 3, Wien 1921 — 1922. — 
General Graf Josef Stiirgkh, Politische und rnilitarische Erinnemngen, Leipzig 1922. 

Wien. Th. v. Sosnosky. 

Frank, Ludwig, badischer und deutscher Parlamentarier, * 23. Mai 1874 in 
Nonnenweier, Amt Lahr, badischer Schwarzwald, gefallen am 4. September 
1914 bei Nossoncourt im Moseltal. — Der Sohn eines Handelsmannes aus 
»einer jener alten Judengemeinden, die im rheinischen Deutschland vom Mit- 
telalter her da und dort verstreut mit ihren christlichen Nachbarn im besten 
Frieden leben« (Schulze-Gaevernitz in » Frankfurter Zeitung« vom 20. Sep- 
tember I9i4),besuchte F. zuerst die Dorfschule seines Geburtsorts, danach das 
Gymnasium in Lahr, das ihm 1893 das Reifezeugnis erteilte. Er gestand spater, 
dafi er »eine unmotivierte, torichte Liebe fur die humanistische Vorbildungd 
nicht loswerden konne; er betrachte »diese riihrend unpraktische Erziehung 
als ein historisch notwendiges Gegengewicht in einer Gesellschaftsordnung, 
deren erhabene Ideale Grundrenten und Dividenden« seien. Schon der Pri- 
maner beteiligte sich an einer Studienvereinigung von Volksschullehrern, die 
philosophische, politische und literarische Probleme in radikalem Geiste be- 
handelte. Dessen Spuren trug F.s Abiturientenrede iiber Lessings Bedeutung 
ftir seine Zeit (gedruckt in »Badische Schulzeitung«, 4. November 1893) so un- 
verkennbar, daC ihm fast das Reifezeugnis vorenthalten worden ware. Er 
studierte von 1893 bis 1896 in Freiburg und in Berlin Jura und Volkswirt- 
schaf tslehre ; in Freiburg griindete er 1894 mit Ludwig Weltmann u. a. einen 
Sozialwissenschaftlichen Studentenverein und diente hier von 1894 bis 1895 
beim 113. Infanterieregiment sein Militarjahr ab. 1897 wurde er Rechtsprakti- 
kant, widmete sich dann an verschiedenen Platzen des heimatlichen Bodens 
dem juristischen Vorbereitungsdienst und bestand 1900 die zweite Staats- 
priifung. Die Dissertation, mit der er 1899 in Freiburg promovierte, behandelte 
die Entwicklung der Innungen in Baden. 1900 lieB sich F. in Mannheim als 
Rechtsanwalt nieder und trat bald darauf der sozialdemokratischen Partei bei. 
Zuerst gehorten hier seine Sympathien dem radikalen Fliigel, dem noch auf 
dem stiirmischen Dresdener Parteitage seine Hande Beifall klatschten. F.s 
warmes, sonniges, volkstiimliches Wesen stellte sich im Rahmen der Partei 
im Anfang die Aufgabe, eine sozialistische Jugendbewegung, etwa nach dem 
Vorbildder belgischen jeunes gardes socialist es, insLeben zu rufen: »Schutz den 
jungen Handen gegen Ausbeutung, Schutz den jungen Kopfen gegen Ver- 
dummung! Wir gewinnen die Jugend fur den Sozialismus, wir erkampfen den 
Sozialismus fiir die Jugend !« In diesem Zeichen begann er im Herbst 1904 die 
Agitation, die 1906 zur Griindung des Verbandes jugendlicher Arbeiter Deutsch- 
lands fiihrte. Dessen Organ: »Die junge Garde« redigierte F. von 1906, bis es 
sich 1908 in die »Arbeiterjugend« verwandelte. 1904 wurde Frank Stadtver- 
ordneter in Mannheim, 1905 Vertreter Karlsruhes im badischen Landtag, 1907 



Carol I. Frank 1 3 

entsandte Mannheim ihn in den Reichstag. Allen drei Korperschaften gehorte 
er bis zu seinem Tode an. 

Sich der stadtischen Angelegenheiten nachhaltiger anzunehmen, verhinderte 
ihn seine parlamentarische Wirksamkeit ; aber die politische Bedeutung und 
den erzieherischen Wert der kommunalen Tatigkeit fiir die Arbeiterklasse hat 
er hoch veranschlagt. Auf den Radikalismus, dem er anfangs huldigte, hatten 
neben der elenden Lage der Tabakarbeiter im heimischen badischen Mittelland 
die Starke der Klassengegensatze und die Auswiichse des personlichen Regi- 
ments, die der Student in Berlin wahrnahm, eingewirkt. Bald aber drangte die 
liberale Tradition und der mildere Klassenantagonismus Badens seine allem 
Doktrinarismus fremde Natur, sein optimistisches Temperament und seinen 
lebendigen Tatigkeitsdrang der Erkenntnis zu, daB der Politiker die Probleme 
iiberall anpacken miisse, wo praktische Aussichten das Eingreifen der Partei 
forderten. Mit dieser Auffassung trat er bereits in den badischen Landtag ein. 
Schon war im liberalen Musterlandchen die Jahrzehnte alte Hegemonie der 
Nationalliberalen, namentlich durch die unermiidliche Agitation des Zentrums 
fiihrers Wacker, ins Wanken geraten, und die Gefahr, daJ3 die staatliche Kultur- 
politik unter den EinfluB des Klerus kommen konnte, schreckte kaum weniger 
als die Regierungspartei selbst auch die biirgerliche und die sozialistische Demo- 
kratie. Jeder »kapitalistischen« Regierungdas Budget zu verweigern, gait als 
ein Gebot sozialdemokratischer Parteitradition, das nur erst vereinzelt in 
einigen mittleren und kleineren Staaten iibertreten worden war. Jetzt kam in 
Baden unter F.s f uhrender Mitwirkung ein GroBblock der Linken zustande, der 
bei den Stichwahlen von 1905 eine klerikale Mehrheitsbildung verhinderte und 
bei den Wahlen von 1909 der Sozialdemokratie einen groBen Sieg brachte. Da 
lieB sich langer nicht vermeiden, daB die Partei die Konsequenz ihrer Politik 
zog und der Regierung Bodmann, deren Reformprogramm sie billigte, auch 
dieMittel es durchzufiihren bewilligte. Aber dieser »Disziplinbruch« fiihrte die 
badische Partei, ebenso wie auch die bayerische, auf dem Niirnberger Parteitag 
von 1908 und auf dem Magdeburger von 1910 auf die Anklagebank. F. als der 
Hauptschuldige iibernahm die Verteidigung gegen Bebel, Haase, Strobel, denen 
die Parteimehrheit folgte. In einer humordurchwirkten Rede suchte er in 
Magdeburg zu beweisen, daB unter gewissen Umstanden innerhalb groBer 
demokratischer Parteien der Disziplinbruch Pflicht werden konne. Das Leit- 
motiv seiner ganzen innerpolitischen Absichten schlug er an, als er hier ausrief : 
» 1st es nicht moglich, durchzusetzen, daB aus PreuBen und Deutschland ein 
moderner Staat gemacht wird und daB unsere Arbeiter ebenso wie ihre Briider 
in Westeuropa ihren groBen Kampf auskampfen konnen auf dem Boden der 
biirgerlichen Gleichberechtigung, der Demokratie?« 

So sehr Frank einsah, daB es unvergleichlich einfacher war, eine GroBblock- 
politik in dem kleinen Baden zu inaugurieren als im Reich, wo die gewaltigen 
wirtschafts- und sozialpolitischen Gegensatze NationaUiberale imd Sozialdemo- 
kraten trennten, so spahte er doch auch hier nach der Gelegenheit aus, die 
entschiedenen und die lauen Gegner des personlichen Systems Wilhelms II. 
zueinander zu bringen und die altere parlamentarische Tradition des Siidens 
auf den Norden zu iibertragen. Auf dem Wege, der ihm vorschwebte, erschien 
ihm als die wichtigste Etappe die Beseitigung des plutokratischen und die 
feudalen Kreise begiinstigenden Wahlrechts in PreuBen. Seine auBenpoliti- 



14 ! 9H 

schen Uberzeugungen, von denen gleich zu reden sein wird, bestarkten ihn in 
dieser Auffassung. Und so kampfte er von nun ab unablassig fur die Forderung, 
dafi die Sozialdemokratie diesem Ziel vor allem ihre Aufmerksamkeit widmen, 
ihre Taktik anpassen solle. In Niirnberg hatte Frank erklart : »Wir wollen diesen 
Staat umformen und erobern. Das geschieht nicht dadurch, dafi man von Zeit 
zu Zeit ,Nein' sagt, sondern in zaher, ausdauernder Arbeit. « Diesem Grundsatz 
blieb er auch treu, als der Parteitag ihm und seinen siiddeutschen Briidern 
einen Tadel ausgesprochen hatte, und er zweifelte gar nicht, daJ3 die Zeit mit 
ihm und nicht mit der Parteitagsmehrheit im Bunde sei. Fiir richtiger hielt er 
es, wie er damals schrieb, »dem Gott in sich« zu folgen als »den Entschliissen 
eines Parteitages«, und da er mehr Charakter als Ehrgeiz besaB, kostete es ihn 
kein grofies Opfer, die fiihrende Stellung in der Partei, der ihn seine Gaben und 
seine Beliebtheit nahe gebracht hatten, aufs Spiel zu setzen. Wesentlicher war 
ihm, wenn es ihm gelang, die deutsche Sozialdemokratie durch seine » Propa- 
ganda der Tat zur Anwendung ihrer untatigen Riesenkrafte« zu drangen und 
den bis dahin vorwiegend noch negativ eingestellten KoloB zu »einer politischen 
Macht« umzuschmieden. 

Diesem Ziel naher zu kommen, schien ihm die elsaB-lothringische Verfassungs- 
frage geeignet, fiir die bereits der Magdeburger Parteitag der Fraktion Richt- 
linien vorgeschrieben hatte. In der Kommission wie im Plenum des Reichs- 
tages wurde F. hierbei seit Januar 191 1 die treibende und beherrschende Kraft 
des sozialdemokratischen Heerbanns. Besorgten Blicks betrachtete er seit lange 
die zunehmende Bewolkung des internationalen Horizonts ; in dem Verhaltnis 
zwischen Deutschland und Frankreich erblickte er den Angelpunkt des euro- 
paischen Friedens, in der Stimmung der reichslandischen Bevolkerung einen 
wesentlichen Faktor, der die Beziehungen beider Nationen beeinflufite. Ge- 
lang es, den Elsassern und Lothringern eine Verfassung zu verschaffen, die 
ihnen innerhalb des Reichs die Selbstandigkeit eines Bundesstaats gewahrte 
und ihre demokratischen Traditionen befriedigte, so muBte ein solches Ent- 
gegenkommen gegeniiber den »ohne Riicksicht auf ihren eigenen Willen der 
franzosischen Republik im Jahre 1871 abgenommenen Provinzen« (Resolution 
des Magdeburger Parteitags) auch in Frankreich auf alle demokratischen Ele- 
mente, die einen Revanchekrieg scheuten, beschwichtigend, wenn nicht ver- 
sohnend wirken. F.s aufienpolitisches und innenpolitisches Ideal flossen hier 
ganz ineinander. Er suchte die Reichsregierung zu iiberzeugen, daB sie den 
linksrheinischen Allemannen kein anderes Wahlrecht anbieten konne als das 
allgemeine, gleiche und direkte, das ihre rechtsrheinischen Stammesbruder in 
seiner badischen Heimat besaBen. Was aber dem Metzer und StraBburger zu- 
gebilligt wurde, das lieB sich dem Berliner und Kolner auf die Dauer nicht vor- 
enthalten. Unvemickt gait F. das allgemeine Stimmrecht fiir PreuBen als der 
Schliissel zur Demokratisierung Deutschlands. Nun schien ihm der Weg zu 
einem demokratischen PreuBen iiber das ElsaB zu fiihren. Aber die milita- 
rischen und hofischen Einfliisse erwiesen sich als noch zu stark, um den vollig 
autonomen republikanischen Bundesstaat, den die Magdeburger Resolution 
forderte, zuzulassen. Beharrte die Partei, wie z. B. I^ensch und Rosa Iyuxem- 
burg wtinschten, auf dieser Forderung, so war es ihr nicht moglich, das Gewicht 
ihrer Stimmen fiir eine positive Losung in die Wagschale zu werfen. In uner- 
miidlichen Verhandlungen mit der Regierung, der Fraktion und den anderen 



Frank 



15 



Parteien gelang es F., am Ende einen KompromiJ3 zustande zu bringen, 
dem Bebel und die Mehrheit der Freunde zustimmen wollten. Am 26. Mai bei 
der dritten Lesung erklarte F. im Namen der Fraktion : er taiSbillige zwar 
die Ubertragung der Staatsgewalt auf den Kaiser und die Errichtung einer 
Ersten Kammer, aber er erwarte, daC das allgemeine, gleiche und direkte 
Wahlrecht die Kraft haben werde, den Willen des elsaB-lothringischen Volkes 
auch gegen Erste Kammer und Kaisergewalt durchzusetzen, und er hoffe, dafi 
dessen Einfiihrung im Elsai3 iiberdies auf die in solcher Beziehung zuriick- 
gebliebenen Bundesstaaten einwirken werde. 

Wir bemerkten schon, wie vollstandig bei F. die nationale mit der inter- 
nationalen Kampffront zusammenfiel und welches Vertrauen er in beider Rich- 
tung auf den Sieg der Demokratie setzte. Seit dem internationalen Sozialisten- 
kongreB in Amsterdam unterhielt er freundschaftliche Beziehungen zu aus- 
landischen Gesinnungsgenossen, die engsten vielleicht zu Albert Thomas, der 
damals als der politische Adjutant von Jaures gelten konnte. F. teilte mit dem 
Kreise um Jaur&s den Gedanken, dafi kein wirksameres Mittel zu finden ware, 
um die Luft Europas von kriegsdrohenden Schwaden zu reinigen, als die Ge- 
wahrung der Autonomic an ElsaB-Lothringen, die Stillegung des Riistungs- 
fiebers und der Triumph der Demokratie an beiden Abhangen der Vogesen. 
Im Gegensatz zum autoritareren Deutschland wurde in Frankreich die sozia- 
listische Partei von der Regierung iiber den Stand der auswartigen Politik regel- 
maBig auf dem laufenden erhalten. So kam es, daB die Deutschen erst auf dem 
Stuttgarter Internationalen SozialistenkongreB von 1907 von ihren franzosi- 
schen Gesinnungsgenossen erfuhren, mit wie knapper Not wahrend der Marokko- 
krisis der Friede gewahrt worden war. Von Stund ab beherrschte F.s aktivisti- 
schen Geist unablassig der heiBe Wunsch, nichts unversucht zu lassen, um 
dem Wettriisten zwischen beiden Staaten, das in den folgenden Jahren unheil- 
verkiindend anhob, zum Trotz die wachsende Spannung bekampfen und das 
drohende Verhangnis beschworen zu helfen. 

Bei dem auBerordentlichen Internationalen SozialistenkongreB zu Basel, auf 
dem sich im Herbst 1912 die deutsche und die franzosische Sozialdemokratie 
zu einer einheitlichen Aktion gegen die Kriegsgefahr verbanden, und bei der 
deutsch-fransosischen Verstandigungskonferenz in Bern Pfingsten 1913, an 
der sozialistische wie biirgerliche Parlamentarier beider Lander teilnahmen, 
gehorte F. zu den am starksten treibenden Kraften. So wurde er auch in die 
Kommission gewahlt, die das Werk, zu dem in Bern der Grund gelegt zu sein 
schien, fruchtbar zu machen streben sollte, und die bei einer erneuten Zu- 
sammenkunft in Basel Pfingsten 1914 beschloB, noch im gleichen Jahre in je 
einer groBeren deutschen und franzosischen Stadt — man dachte an Miinchen 
und Lyon — gewaltige Manifestationen zu veranstalten. 

Aber weder PreuBens Demokratisierung noch die Aufhellung des europaischen 
Horizonts vollzogen sich, wie F. gewiinscht hatte. Der Politiker in ihm war 
fest in seinen Zielen, aber elastisch in seiner Taktik. Als er im letzten Jahr, das 
ihm vergonnt war, erkannte, daB das allgemeine Stimmrecht in PreuBen der 
Verwirklichung keinen merklichen Schritt entgegen tat, trug er kein Bedenken, 
in einer Volksversammlung in Wilmersdorf die Frage aufzuwerfen, ob es nicht 
ratsam ware, durch eine rein auf PreuBen beschrankte, hier aber in verschie- 
denen Landesteilen zu verschiedenen Zeitpunkten losbrechende pohtische 



I') 1914 

Generalstreikbewegung einen Druck auf die Regierung auszuiiben. (Vgl. hierzu 
»Einem Sieger aufs Grab« von Friedrich Stampfer, »Vorwarts« 15. Juli 1917). 
Ebensowenig zog er sich verzweifelnd zuriick, als er im August 1914 an der 
Triimmerstatte jener Verstandigungsversuche mit den Franzosen, an denen 
seine Seele gehangen hatte, stand, sondern pflanzte am Grabe der alten neue 
Hoffnung auf. Als Kriegsfreiwilliger trat er ins Heer ein. Was er dabei dachte, 
bekundet der letzte Brief, den er, kurz bevor sein Ersatzbataillon ausriickte, 
am 27. August 1914, an den Verfasser dieses L,ebensabrisses richtete: »Die 
internationale Idee,« schrieb er, »ist auf lange hinaus zuriickgedrangt durch 
die Realitat einer nationalen Arbeiterbewegung. Statt eines Generalstreiks 
fiihren wir fiir das preuBische Wahlrecht einen Krieg.« Als acht Tage spater 
I^udwigF. von einer franzosischen Kugel hingestreckt wurde, verlor Deutsch- 
land an ihm einen jener seltenen Politiker, in denen sich mit vollendeter Lauter- 
keit des Charakters unbezahmbarerTatigkeitsdrang, mit reicher Geisteskultur 
ein ungebrochenes, naturwuchsiges Zugehorigkeitsgefiihl zu der Masse der ein- 
fachen Menschen verband. Weil so Herz und Verstand bei ihm im Einklang 
lebten, war er ein Redner, an dessen Mund das Ohr seiner Horer hing, war er eine 
anziehende Personlichkeit fiir die Vielen ebensosehr wie fiir die Wenigen. Er 
besafi den klaren Blick fiir das politisch Erreichbare, den Mut, aus jeder Lage 
die Konsequenz zu ziehen, und er hat bewiesen, daB er seine Stellung und sein 
Leben fiir seine Uberzeugung in die Schanze schlagen konnte. »Wenn ich ge- 
sund heimkomme, warten grofie Aufgaben, « schrieb er mir noch in jenem letzten 
Briefe. Vielleicht wares eine Gnade, welche die Gotter diesem L,iebling der Men- 
schen erwiesen, daB sie ihn nicht erleben lieBen, was wir erleben muBten! — 

Literatur: Eigentliche Biicher hat F. nicht veroffentlicht. Dagegen lieB er einige 
Vortrage und Reiseberichte audi in Broschiirenform erscheinen. Zu nennen waren u. a.: 
Briefe aus Amsterdam, Offenburg 1904. — Die russische Revolution, Mannheim 1905. — 
Die burgerlichen Parteien des Deutschen Reichstages, Berlin 191 1 . — F. war regelmafliger 
Mitarbeiter der Mannheimer » Volksstimmet; auCerdem finden sich Beitrage von ihm 
namentlich in der » Neuen Zeitt, im * Pan* und im » Marz«. Privatbriefe F.s wurden nach 
seinem Tode in verschiedenen Blattern veroffentlicht. Zu seinem zehnten Sterbetage ist 
erschienen: Hedwig Wachenheim, Ludwig F., eine Darstellung seines Lebens und Werkes, 
unter Beigabe von Reden, Aufsatzen und unveroffentlichten Brief en. Berlin 1924. 

Ber lin-Lankwitz. Gustav Mayer. 

Franz Ferdinand, Erzherzog von Osterreich-Este, * 18. Dezember 1863 in 
Graz als der alteste Sohn Erzherzog Karl Iyudwigs und der Prinzessin Marie 
Annunziata von Bourbon-Sizilien, dessen zweiter Gemahlin, verbrachte seine 
Kindheit im Kreise seiner Familie teils in Wien, teils auf den Schlossern 
Wartholz und Artstetten. Er verlor noch als Kind seine Mutter und erhielt in 
Maria Theresia, geborenen Prinzessin von Braganza, eine Stiefmutter. Nach 
dem Tode des kinderlosen letzten Herzogs von Modena, Franz V. (1875), aus 
dem Hause Osterreich-Este, wurde er dessen Erbe und fiihrte seither den Namen 
Osterreich-Este. Noch nicht 15 Jahre alt zum Leutnant ernannt, fiihrte er 
zunachst noch im Elternhause, dann bei den fiir ihn erwahlten Regimentern 
in Oberosterreich und Bohmen die bei Erzherzogen herkommliche Lebensweise 
und verkehrte viel in der bohmischen Aristokratie. Erst der tragische Tod 
des Kronprinzen Rudolf (30. Januar 1889) lenkte die allgemeine Aufmerksam- 
k eit auf ihn, denn er wurde hierdurch zum prasumptiven Thronfolger. War 



Prank. Franz Ferdinand 



*7 



auch nicht er selbst der nachste Thronanwarter, sondern sein Vater als nachst- 
altester Bruder Kaiser Franz Josephs, so nahm man doch allgemein an, daB 
Erzherzog Karl Ludwig zu seinen Gunsten auf die Krone verzichten werde. Im 
Hinblick auf seine kiinftige Aufgabe wurden seine hierfiir nicht ausreichenden 
Kenntnisse entsprechend erganzt, wozu man namhafte Fachmanner heranzog, 
darunter auch den spateren osterreichischen Ministerprasidenten Freiherrn 
v. Beck. Gegen Ende des Jahres trat der Erzherzog mit groBerem Gefolge auf 
dem Kreuzer »Kaiserin Elisabeth « eine Weltreise an. Es geschah auf seinen 
eigenen Wunsch, denn er wollte dadurch seine Welt- und Menschenkenntnis 
erweitern. Mit einem reichen Schatze von exotischen Kunstwerken, ethnogra- 
phischen und zoologischen Objekten kehrte er im Herbst 1893 zuriick. Uber 
seine Reiseeindriicke und Erfahrungen gibt das auf Grundlage seiner Aufzeich- 
nungen verfaBte, als umfangreiches Werk erschienene Tagebuch Auskunft. 
Heimgekehrt, wurde er mit dem Kommando einer Infanteriebrigade betraut, 
sollte diesen Posten aber nicht lange bekleiden, denn ein gefahrliches Leiden 
notigte ihn, in einem milderen Klima Genesung zu suchen. Er fand sie auch, 
muBte aber vorsichtshalber noch langere Zeit im Siiden bleiben, bis ihn die 
todliche Erkrankung seines Vaters nach Hause rief. Er fand diesen nicht mehr 
am Leben und war nun tatsachlich der erste Thronanwarter geworden. Nichts- 
destoweniger war die Meinung verbreitet, er komme als solcher wegen seiner 
erschiitterten Gesundheit nicht mehr in Betracht; den wirklichen Thronfolger 
habe man in seinem jiingeren Bruder Otto zu sehen, der auch schon zwei 
Sohne besaB, wahrend er selber noch unvermahlt war. Diese Auffassung war 
nicht bloB im groBen Publikum verbreitet, sondern auch in Hofkreisen, in 
denen man ihn vielfach schon als abgetan behandelte und Erzherzog Otto, als 
dem kiinftigen Herrscher, huldigte. F. F. empfand diese Zuriicksetzung mit 
tiefer Bitterkeit, und das MiBtrauen sowie die herbe Menschenverachtung, die 
er spater an den Tag legte, sind auf diese krankenden Erfahrungen zuriick- 
gefiihrt worden. Er gab der Offentlichkeit aber bald deutlich zu verstehen, 
daB sie sich mit ihrer Annahme sehr im Irrtum befand und daB er keineswegs 
daran dachte, auf sein Thronrecht zu verzichten. 

Das erstemal lenkte er die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, als er das 
Protektorat iiber den katholischen Schulverein iibernahm und uber die damals 
gerade sehr lebhaft betriebene Los-von-Rom-Propaganda die treffende Be- 
merkung machte : »L,os von Rom heiBt soviel wie : los von Osterreich ! « Dieser 
Akt und diese AuBerung riefen in der Offentlichkeit ein lautes und erregtes 
Echo hervor, und die freisinnigen, deutschnationalen und sozialdemokratischen 
Blatter beschwerten sich dariiber, daB sich der kiinftige Herrscher damit fur 
eine bestimmte politische Richtung entschieden habe, wozu ihm nicht das 
Recht zustehe. Der Thronfolger lieB sich durch diesen Sturm aber keineswegs 
beirren und bekundete damit, daB er den Mut seiner Uberzeugung besaB. 

Noch groBeres Aufsehen erregte er bald darauf durch seine Vermahlung mit 
der Grafin Sofie Chotek, einer Dame aus dem bohmischen Uradel, aber ohne 
Vermogen und daher in abhangiger Stellung im Hause des Erzherzogs Friedrich 
lebend, wo er sie kennen gelernt hatte. Der Thronfolger bewies mit dieser Heirat 
seinen eisernen Willen, denn er hatte fast den ganzen Hof gegen sich gehabt, 
an der Spitze den Kaiser, und sein Ziel erst nach schweren Kampfen zu erreichen 
vermocht. Nachdem er am 29. Juni 1900 seinen feierlichen Verzicht auf die 

dbj 2 



i8 1914 

Thronfolge seiner kiinftigen Leibeserben ausgesprochen hatte, erfolgte am 
1. Juli die Vermahlung auf dem bohmischen Schlosse Reichstadt. Seine Ge- 
mahlin wurde an diesem Tage vom Kaiser zur Fiirstin von Hohenberg erhoben,, 
spater zur Herzogin. Diese Ehe war eine iiberaus gliickliche. Es entstammten 
ihr drei Kinder: Sofie, * 24. Juli 1901, Max, * 29. Sept. 1902 und Ernst * 27. Mai 
1904, die den Titel ihrer Mutter fiihrten. Der Erzherzog war ein zartlicher Gatte 
und Vater, der sich am gliicklichsten im Kreise seiner Familie fiihlte und sich 
von seiner Gemahlin nur ungern trennte, so daB sie ihn auch auf seinen Reisen 
zu begleiten pflegte. Als Residenz hatte er sich das vom Prinzen Eugen erbaute 
BarockschloB Belvedere erkoren, das eine weite Aussicht iiber Wien gewahrL 
Aber noch lieber hielt er sich in seinem Schlosse Konopischt bei Beneschau in 
Bohmen auf, das er wahrend seiner Prager Garnisonszeit erworben und in groB- 
artiger Weise hatte restaurieren lassen. Dort hatte er, ein leidenschaftlicher 
Kunstfreund und Sammler, auch den groBten Teil seiner Kunstschatze und 
Reisesammlungen aufgestellt. Seinen gartnerischen Neigungen folgte er durch 
die Anlage eines herrlichen, kiinstlerisch ausgestatteten Parks um das SchloB. 

In der Offentlichkeit pflegte sich F. F. nicht viel zu zeigen. Erst als ihn das 
vorgeriickte Alter des Kaisers notigte, diesem einen Teil seiner ungemein zahl- 
reichen Reprasentationspflichten abzunehmen, kam er mit der Offentlichkeit 
mehr in Beriihrung und unternahm in Vertretung des Kaisers Besuche an aus- 
wartigen Hof en. 

Gleich bei einer der ersten dieser Reisen, als er sich im Jahre 1902 an den 
Hof des Zaren nach Petersburg begab, kam es zu einem Vorfalle, der (ganz so 
wie der mit dem katholischen Schulverein drei Jahre vorher) einen Beweis 
seines tTberzeugungsmutes und unbeugsamen Willens erbrachte : Er hatte sich 
namlich als ungarischen Ehrenkavalier zu seiner Begleitung den Graf en Jo- 
hann Zichy gewahlt, einen Mann seiner politischen Richtung. Diese Wahl rief 
in der damals in Ungarn herrschenden liberalen Partei einen grofien Sturm 
hervor. Sie erhob beim Kaiser dagegen Einspruch und verlangte, der Thron- 
folger miisse seine Wahl aus ihren Reihen treffen. Daraufhin verzichtete F. F. 
zwar auf die Begleitung des von ihm erkorenen Kavaliers, lieB sich aber auch 
keinen anderen Begleiter aufdrangen und trat die Reise nach Ruflland nun 
iiberhaupt ohne einen ungarischen Ehrenkavalier an. Es war das erstemal seit 
Jahrzehnten, daB die Magyaren in Wien auf ernsten Widerstand stieBen, wenn 
sie etwas forderten, und sie ahnten, daB sie es mit F. F., wenn er dereinst an 
das Ruder kam, nicht so leicht haben wiirden wie mit dem alten Kaiser. 

In der folgenden Zeit unternahm der Erzherzog wiederholt derartige offi- 
zielle Reisen ins Ausland an Stelle des Kaisers. So fuhr er 1902 zur Kronung 
Konig Eduards nach London ; 1906 zur Vermahlung des Konigs Alfons nach 
Madrid, wobei er Augenzeuge des anarchistischen Attentats auf das konigliche 
Brautpaar wurde; 1909 stattete er dem rumanischen Hof einen Besuch ab; 
darauf begab er sich nach Berlin, woerschoni899zumerstenmal gewesenwar. 
Diesmal geschah dies in Begleitung seiner Gemahlin. 

Unerfreulich war das Verhaltnis, in dem er zum Kaiser stand. Er und dieser 
waren ausgesprochene Widersacher. AuBer ihrem verschiedenen Alter und 
Charakter, war es ganz besonders die griindliche Verschiedenheit ihres politi- 
schen Standpunktes, die diesen Gegensatz verursachte. Der Kaiser pflegte — 
und je alter er wurde, desto mehr — die Behandlung all der wichtigen politi- 




Franz Ferdinand 



19 



schen Probleme, die in der Monarchic gebieterisch nach ihrer Losung drangten, 
von sich zu schieben, weil er sich zu miide und schwach dazu fiihlte. F. F. aber 
erkannte die Gefahren, die dem Reich und der Dynastie durch diese dilato- 
rische Politik drohten, und strebte die rechtzeitige Losung dieser heikeln 
Probleme an. Der Kaiser sah jedoch in diesem Bestreben F. F.s eine unbefugte 
Einmischung in seine Machtsphare, eine unbequeme Stoning seiner Ruhe und 
hinderte ihn daran, was ihn auf das tiefste erbitterte. So entstand zwischen 
»Sch6nbrunn« und dem » Belvedere « ein stiller, aber beharrlicher Kampf, in 
dem die Macht auf seiten des Kaisers, der starkere Wille aber auf der des Erz- 
herzogs war, und der darum unentschieden hin und her wogte. 

In der inneren Politik machte sich der Einflufi F. F.s in einem starkeren 
Widerstande gegen die magyarischen Anspriiche und in einer Verringerung des 
magyarischen Ubergewichts geltend; in der auBeren Pohtik in einem selb- 
standigeren Auftreten, namentlich Deutschland gegeniiber. Hinsichtlich Italiens 
stiei3 der Thronfolger aber beim Kaiser auf hartnackigen Widerstand, denn 
trotz der immer unverhiillter auftretenden Gehassigkeit Itahens wollte Franz 
Joseph von energischen Mafinahmen diesem gegeniiber nichts wissen und hieB 
die Politik Aehrenthals, der sich gegen die italienischen Invektiven blind und 
taub stellte, gut. Dieser Punkt war es auch, der den Gegensatz zwischen Kaiser 
und Thronfolger, von dem die Offentlichkeit nichts erfahren sollte, aller Welt 
kund machte. Aehrenthal sah namlich in General Conrad v. Hotzendorf, dem 
Generalstabschef der Armee, einem Erwahlten des Thronfolgers, ein Hindernis 
fiir seine Politik, da Conrad beharrlich auf die Gefahr hinw r ies, die der Mon- 
archic von Italien drohte, und zu einem energischen Vorgehen gegen dieses 
drangte. Aus diesem Gegensatze der Anschauungen entstand zwischen beiden 
ein heftiger Konflikt, in dem Aehrenthal den Kaiser, Conrad den Thronfolger 
hinter sich hatte. Zunachst envies sich der Kaiser als der starkere, denn Conrad 
mufite weichen, und die Vogel-StrauB-Politik gegeniiber Italien wurde fort- 
gesetzt; aber schon ein Jahr spater, Ende 1912 — Aehrenthal war inzwischen 
gestorben — stand Conrad wieder an der Spitze des Generalstabs. So behielt 
die Beharrlichkeit des Thronfolgers in diesem stillen Kampfe zwischen ihm 
und dem Kaiser doch das letzte Wort. 

Nach Ausbruch des ersten Balkankrieges begab sich F. F. zu den Jagden 
nach Springe, um Kaiser Wilhelm wegen eines etwaigen Einschreitens auf dem 
Balkan zu sondieren (November 191 2). Er fand jedoch kein Entgegenkommen 
und kehrte unverrichteter Dinge zuriick. 

In der Erkenntnis der Gefahren, die der Monarchic durch die bedrohliche 
Entwicklung ihrer politischen L,age bevorstanden, setzte sich der Thronfolger 
mit aller ihm eigenen Energie und Beharrlichkeit fiir die Umgestaltung der 
Armee ein, die nach dem Ausspruche des Kriegsministerszu » verdorren« drohte, 
und besonders fiir die bis dahin sehr stiefmiitterlich behandelte Marine. Auf 
seine Initiative ist auch die Adria-Ausstellung zuriickzufiihren, die im Sommer 
1913 in Wien eigens zu dem Zwecke ins Werk gesetzt wurde, das in der Mon- 
archic sehr geringe Interesse fiir die See zu wecken und zu fordern. 

Im November 1913 begab sich der Thronfolger, der inzwischen zum»General- 
inspektor der gesamten bewaffneten Macht<< ernannt w r orden war, an den eng- 
lischen Konigshof, wobei vermutlich auch sein Wunsch mitspieltc, die Be- 
ziehungen der Monarchic zu England zu fordern. 



20 19*4 

Im Juni 1914 empfing er in Konopischt den Besuch Kaiser Wilhelms, ver- 
anlaBt durch die immer gespannter werdende politische Situation. Bald darauf 
fuhr er, wiewohl gewarnt, in Begleitung seiner Gemahlin nach Bosnien. Als er 
sich mit dieser am Vormittag des 28. Juni, dem serbischen Nationalgedenktage 
— Jahrestag der Schlacht auf dem Amselfelde — , im Automobil nach dem 
Rathause von Sarajewo begab, wurde gegen seinen Wagen eine Bombe ge- 
schleudert, die aber ihr Ziel verfehlte und nur einen im folgenden Wagen sitzen- 
den Herrn seiner Begleitung leicht verletzte. Nach kurzem Aufenthalt im Rat- 
hause, wo er seiner Emporung iiber diesen Anschlag Ausdruck gab, wo lite der 
Thronfolger den verwundeten Offizier besuchen. Auf dem Wege dahin fielen 
er und seine Gemahlin einem zweiten Attentate zum Opfer. Der Morder war 
ein bosnischer Student namens Princip. Er und der Bombenwerfer Cabrinovic, 
ein Typograph, hatten das Attentat im Auftrage des serbischen Geheimbtmdes 
»Narodna Odbrana« veriibt. Die Leichen des ermordeten Thronfolgerpaares 
wurden auf dem Umwege iiber das Meer und Triest nach Wien gebracht imd 
von dort nach dem Schlosse Artstetten in Niederosterreich, in dessen Graft 
sie beigesetzt wurden. 



Man hat F. F. eine Sphinxgestalt genannt. Das traf aber nur mit Riicksicht 
auf die groBe Offentlichkeit zu. In besser unterrichteten Kreisen war man sich 
iiber sein Wesen und seine Absichten ziemlich im klaren. 

Das politische Ideal, das dem Thronfolger vorschwebte, war ein machtiges 
Osterreich, ein einheitlicher Kaiserstaat, in dem alle Volker nach ihrer natio- 
nalen Fasson glticklich werden sollten. Dieses Ziel vor Augen, sympathisierte 
er namentlich mit dem poHtischen Programm des ungarlandischen Rumanen 
Aurel Popovici, der in seinem geistvollen Werke »Die Vereinigten Staaten von 
GroB6sterreich« (Leipzig 1906) den Umbau der Monarchie auf der Grundlage 
der nationalen Autonomic fur alle Volker der Monarchie als sein politisches 
Ideal und den einzigen Weg hinstellte, der jene vor dem Zerfalle bewahren 
konne. So sehr der leitende Gedanke dieses Werkes dem Thronfolger aber auch 
zusagen muBte, weil er darin sein eigenes Ideal sich widerspiegeln sah, so 
darf man andererseits doch mit aller Bestimmtheit behaupten, dafl er sich 
nie dazu verstanden hatte, die alten historischen Kronlander aufzulassen und 
durch rein national abgegrenzte Staatskorper zu ersetzen, wie sie Popovici 
als unerlaBlich forderte. Mit einem derartigen RadikaUsmus hatte sich sein 
die Tradition stets respektierender Konservatismus nie befreunden konnen. 
Aussicht auf voile Verwirklichung durch F. F. hatte das Programm Popovicis 
demnach nicht gehabt. Uberhaupt hatte sich der Thronfolger auf kein ganz 
bestimmtes Programm festgelegt. Fast zehn Jahre nach seinem Tode wurde 
in einer Wiener Tageszeitung zwar ein Dokument veroffentlicht, das als sein 
Regierungsprogramm bezeichnet wurde; aber obschon authentischen Charac- 
ters und historisch sehr wertvoll, kann dieses interessante Schriftstiick doch 
keine sichere Gewahr dafiir bieten, daB F. F., auf den Thron gelangt, es tat- 
sachlich verwirklicht hatte. Vor der groBen Umwalzung auf dem Balkan ent- 
standen, konnte es auf die hierdurch geschaffene politische Situation noch 
keine Riicksicht nehmen und wiirde zumindest hinsichtlich dieses Punkts ge- 
andert w T orden sein. Es ist iiberhaupt nur als ein Programm auf kurze Sicht 



Franz Ferdinand 21 

anzusehen, dessen Hauptzweck es war, alle RegierungsmaBnahmen, die nach 
dem Tode Kaiser Franz Josephs bei der Thronbesteigung F. F. getroffen werden 
sollten, genau festzulegen. Der Verfasser des Dokuments war der ehemalige 
Fliigeladjutant des Thronfolgers und Vorstand seiner Militarkanzlei, Oberst- 
leutnant Alexander Brosch v. Aarenau, ein hochbegabter Generalstabsoffizier, 
der sich des Vertrauens seines Herrn in einem Grade erfreuen durfte, wie es nur 
sehrwenigen zuteil wurde, und, spater mit dem Kommando des 2. Kaiserjager- 
regiments betraut, an der Spitze dieses Regiments schon wenige Monate nach 
der Ermordung seines Herrn im Nachtgefechte von Huicze nach Vollbringung 
einer glanzenden Waffentat einen wahrhaften Heldentod fand. War das Pro- 
gramra auch seinWerk, so ist es doch zweifellos dasErgebnis eingehender Be- 
sprechungen aller Punkte mit dem Thronfolger und im Einvernehmen mit 
diesem, vermutlich in dessen Auftrag, geschrieben worden, denn es atmet dessen 
Geist, was sich namentlich in den sehr ausfiihrlich behandelten Partien zeigt, 
dieUngarnbetreffen. Diesem Lande schenkte der Thronfolger namlich seinbe- 
sonderes Augenmerk, denn mit seinem scharfen Blick erkannte erdie schweren 
Gefahren,diedemReiche und dem Throne durchdie kurzsichtige, rabulistische 
und gewalttatige Politik der Magyaren drohte, eine Politik, die durch ihre un- 
duldsame Magyarisierungsmanie bei den anderen Volkern Ungarns tiefe Er- 
bitterung erweckte und eine Irredenta schuf, die, wenn man nicht rechtzeitig 
eingriff , den Zerfall der ganzen Monarchic zur Folge haben konnte. Aus diesem 
Grunde war F. F. ein erklarter Feind des Dualismus und der magyarischen 
Vorherrschaft in Ungarn und war gewillt, dieser dereinst ein Ende zu machen ; 
wenn es sein muflte, mit Gewalt. In scheinbarem Gegensatze zu diesem Stand- 
punkt wird die dualistische Staatsform der Monarchic in dem erwahnten Pro- 
gramm nicht bekampft und ebensowenig ist von einer Rekonstruktion der 
Monarchic auf nationalautonomischer Grundlage die Rede. Schon deshalb kann 
dieses Dokument nicht als der wirkliche Ausdruck des Regierungsprogramms 
F. F.s angesehen werden. Diese Inkongruenz des veroffentlichten Programms 
mit den tatsachlichen Planen des Thronfolgers ist offenbar darauf zuriickzu- 
fiihren, daC er, beziehungsweise Oberstleutnant Brosch, es zunachst nicht fur 
ratsam hielt, schon bei der Thronbesteigung mit diesen Planen hervorzutreten 
und in Ungarn sofort einen Sturm zu entfachen ; um so weniger, als schon die 
im Programm ausgesprochene Absicht, den Nationalitaten in Ungarn durch 
Einfiihrung des allgemeinen Wahlrechts zu ihren nationalen Rechten zu ver- 
helfen, bei den magyarischen Machthabern zweifellos den erbittertsten Wider- 
stand hervorrufen muCte. Bei aller Zuriickhaltung laJ3t das Programm aber 
doch deutlich erkennen, daJ3 der Thronfolger in keinem Falle geneigt war, sich 
hierdurch von der Ausfiihrung dieser Absicht abschrecken zu lassen, sondern 
entschlossen, sie allenfalls auch gegen den Willen der Magyaren zu verwirk- 
lichen, im aufiersten Falle sogar mit Gewalt. Des Widerstandes der Magyaren 
gewartig, trifft das Programm in umsichtiger Weise die Bestimmung, die Frist 
von der Thronbesteigung bis zur Kronung als Konig von Ungarn, die nach 
dem ungarischen Gesetze sechs Monate betrug, zu verlangern, um Zeit zu fin- 
den, die Ungarn betreffenden MaBnahmen, vor allem die Einfiihrung des all- 
gemeinen Wahlrechts, noch vor der Kronung durchfiihren zu konnen, denn 
nach der Kronung hatten sie verfassungsmafiig nur im Einvernehmen mit dem 
ungarischen Parlament verwirklicht werden konnen. Das aber war bei der 



22 1914 

Denk- und Wesensart der Magyaren so gut wie ausgeschlossen. Um seinen 
Willen dann durchzusetzen, hatte F. F. demnach seinen Kronungseid brechen 
miissen, was er vermeiden wollte. 

In der magyarischen Politik sah der Thronfolger auch das Haupthindernis 
fiir eine der Monarchie forderliche Losung der siidslawischen Frage, die ihn sehr 
beschaftigte. Er dachte auch voriibergehend daran, diese Losung in der Er- 
richtung eines siidslawischen Staates zu finden, der als dritter neben Osterreich 
und Ungarn bestehen und ein Gegengewicht gegen letzteres abgeben sollte, 
kehrte sich von dieser trialistischen Losung jedoch spater wieder ab, weil er 
der Verlafllichkeit der siidslawischen Politiker nicht traute, und hauptsachlich 
wohl, weil sich die trialistische Idee mit der ihn vor allem fesselnden groBoster- 
reichischen Idee nicht vereinigen lieB. In dem posthumen Programm wird, bei- 
laufig bemerkt, noch kein Versuch gemacht, die siidslawische Frage zu berei- 
nigen; ebenfalls ein Beweis dafur, daB dieses Programm nur einen proviso- 
rischen Charakter hatte. 

In der auBeren Politik waren es vor allem, wie schon gesagt, die Beziehungen 
der Monarchie zu Italien, die ihn beschaftigten. Die ihm von seiten der Frei- 
sinnigen und Sozialdemokraten imputierte Absicht, er wolle gegen Italien Krieg 
fiihren, um auf dessen Triimmern die Weltherrschaft des Papstes zu errichten, 
war eine boswillige Legende, dazu bestimmt, die Bevolkerung gegen ihn zu 
stimmen. 

Eine gehassige Verleumdung war es auch, daB man ihm nachsagte, er ware 
ein Gegner der Deutschen und bevorzugte die Tschechen. Er war tatsachlich 
nur ein Gegner der Deutschen, die ihrem HaB gegen die Monarchie und Dy- 
nastic bei jeder Gelegenheit fanatischen Ausdruck gaben und zur Zerriittung 
des Reiches nicht weniger beitrugen als die Panslawisten, italienischen Irre- 
dentisten und Ultramagyaren. Von diesen Deutschen wollte er allerdings nichts 
wissen, und die waren es auch, die er mit jenem Worte iiber »Los-von-Rom« 
gemeint hatte. Fiir die konservativen Deutschen aber, zumal in den Alpen- 
landern, bei denen er den osterreichischen Reichsgedanken am treuesten bewahrt 
glaubte, hatte er sogar mehr Sympathien als fiir alle anderen Volker. Die 
ihm von seinen Gegnern nachgesagte Vorliebe fiir die Tschechen war haupt- 
sachlich darauf zuriickzufiihren, daB er von seiner in Bohmen zugebrachten 
Garnisonszeit her in engen Beziehungen zum dortigen Hochadel stand und 
seine Gemahlin aus dessen Kreisen gewahlt hatte, sich auch mit Vorliebe in 
Bohmen (Konopischt) aufhielt. Im iibrigen war er ein entschiedener Gegner 
des tschechischen Radikalismus, den er ebenso verurteilte wie jede andere 
nationalistische Unduldsamkeit. 

Was sein Verhaltnis zum Deutschen Reiche betrifft, so war er zwar ein 
Freund des Biindnisses, wollte aber die Paritat streng gewahrt wissen. Mit 
Kaiser Wilhelm, dem gegeniiber er zuerst groBe Zuriickhaltung beobachtet 
hatte, stand er in seinen letzten Lebensjahren gut; von wirklicher Freund- 
schaft aber konnte bei der tiefen Wesensverschiedenheit beider nicht die 
Rede sein. 

Wenngleich F. F. die Sympathie seines kaiserlichen Oheims fiir alles Milita- 
rische teilte und wie dieser sich stets in Uniform zeigte, so war sein Interesse 
doch bei weitem nicht allein darauf beschrankt. Er las viel, namentlich histo- 
rische Werke, und besaB viel Kunstverstandnis, wofiir seine kostbaren Saram- 



Franz Ferdinand. Georg II. 23 

lungen und die kiinstlerische Ausgestaltung seiner verschiedenen Schlosser 
zeugten. Eine geradezu fanatische Leidenschaft hatte er fur die Jagd, wodurch 
er der Offentlichkeit Anlafi zu abfalligen Urteilen gab. Noch mehr war dies der 
Fall durch die harte Strenge und Enge der wirtschaftlichen MaBnahmen in 
seinem Haushalte, die ihn sogar vor gerichtlichen Prozeduren nicht zuriick- 
schrecken lieCen, um seinen Rechtsstandpunkt zu wahren. Das brachte ihn in 
den Ruf des Geizes und der Hartherzigkeit. Sein stark betonter Katholizismus 
verleitete ihn zur Unduldsamkeit. Durch sein ungestumes Temperament, mit 
dem er jeden, der seinen Unwillen erregte, diesen in schroffer Weise fiihlen lieB, 
schuf er sich viele personliche Feinde. Da er uberdies infolge seiner politischen 
Richtung gerade die in der Offentlichkeit einflufireichsten Kreise gegen sich 
hatte, so war es kein Wunder, daB er nichts weniger als volkstiimlich war und 
daB man im Volke meist nur von seinen Schattenseiten sprach, nicht von seinen 
Vorzugen. Und doch besaB er gerade solche, die ihn zum Herrscher sehr befahigt 
hatten: klaren Verstand, politischen ScharfbUck, voiles Verstandnis fiir die 
schwierigen Probleme der Monarchie, griindUches Wissen, das sich nicht nach 
der Art vieler hoher Herren mit oberflachlichen Blicken begniigte, und eiserne 
Willenskraft. Auch seine gewinnende Liebenswiirdigkeit und die seltene Gabe, 
mit Leuten aus dem Volke in ihrer Art sprechen zu konnen, ware ihm als Herr- 
scher sehr zustatten gekommen; ebenso sein musterhaftes Familienleben, das 
selbst der HaB seiner Feinde nicht zu beschmutzen wagte. 

Ein grausames Geschick hat es ihm verwehrt, der Welt zu zeigen, ob ihn 
diese Vorziige wirklich zu dem bedeutenden Herrscher gemacht hatten, den 
seine Anhanger in ihm erhofft hatten. 

Sein Morder Princip irrte sich, wenn er wahnte, in ihm einen Feind der Siid- 
slawen zu toten; aber er irrte sich nicht darin, daB er in ihm den Trager des 
osterreichischen Reichsgedankens vernichtete. Denn das ist F. F. gewesen, und 
als man seinen entseelten Korper in der Gruft von Artstetten beisetzte, da be- 
grub man nicht bloB den Thronfolger, sondern die Zukunft Osterreichs. 

Literatur: Erzherzog F. F. von Osterreich-Este, Tagebuch meiner Rcise um die Erde 
1892 — 1893, Wien 1895/96, 2 Bde. — Erzherzog F. F., unser Thronfolger, Illustriertes 
Sonderheft der * Osterr. Rundschau* (zum 50. Geburtstage des Thronfolgers) 191 3. — Auf- 
fenberg-Komar6w, Aus Osterreichs Hohe und Niedergang, Miinchen 1921. — Feldmar- 
schall Conrad, Aus meiner Dienstzeit 1906 — 1918, Wien 1921/24, Bd. 1 — 4. — Graf Ot- 
tokar Czernin, Im Weltkriege, Berlin 191 9. — Theodor v. Sosnosky, Wer ist F. F. ?, » Der 
Greif*. Heft 2, Stuttgart 191 3. — Derselbe, F. F., » Contemporary Review*, August 19 14. — 
Derselbe, The last of the Habsburgs, » Quarterly Review «, Januar 1921. — Das Regierungs- 
progTamm F. F.s, » Neues Wiener Journal «, 30. Dezember 1923 und 1. Januar 1924. 

Wien. Th. v. Sosnosky. 

Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen und -Hildburghausen, * in Mei- 
ningen am 2. April 1826, f am 25. Juni 1914. — Nach Studien an den Uni- 
versitaten Bonn und Leipzig trat er ins preaBische Heer, aus dem er 1854 aus- 
schied, um sich in Meiningen eindringenden Kunststudien hinzugeben. Nach 
seines Vaters Abdankung gelangte Herzog Georg am 20. September 1866 zur 
Regierung. Den ganzenDeutsch-FranzosischenKrieg 1870/71 durchfocht er an 
der Spitze des 32. Regiments, dessen Chef er war. Nachdem ihm zwei furstliche 
Gattinnen gestorben waren, schlofi er am 18. Marz 1873 eine morganatische 
Ehe mit der feinsinnigen Schauspielerin Ellen Franz, nunmehrigen Freifrau 



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v. Heldburg, die seit 1867 an seinem Hoftheater wirkte und in der Folge die 
verstandnisvolle Mitarbeiterin seiner epochemachenden Wirksamkeit zur 
Schaffung einer Musterbiihne wurde. 

tjber Herzog G.s geschichtlich bedeutsame Biilinenreform seien manche 
andere Verdienste nicht vergessen. So erweiterte er seine Landeshauptstadt 
und baute ihr am 5. September 1874 durch Feuer zerstortes Zentrum in mo- 
dern groBstadtischem Stil wieder auf. So berief er 1880 Hans v. Biilow zum 
Intendanten der herzoglichen Hofmusik, der seiner Meininger Kapelle durch 
Konzertreisen (bis 1885) Weltruf verschaffte. 

Die groBte Tat des Meininger Herzogs bleibt aber seine Biihnenreform. 
Gleich nach seinem Regierungsantritt loste G. II. die Oper auf, um alle verfiig- 
baren Mittel fiir das Schauspiel zu verwenden. Dafiir iibernahm er die Kosten 
desbishernursubventioniertenHoftheatersganz auf die herzogliche Schatulle; 
auch vom Schauspiel noch schlofi er das damals wuchernde sogenannte Sitten- 
stiick aus. Sogleich berief er den Dichter Friedrich Bodenstedt als Intendanten, 
hatte aber bis zu dessen Riicktritt (1870) meist durch eigene Aktivitat seinem 
Hoftheater schon einen kiinstlerisch selbstandigen Charakter aufgepragt und 
dadurch Aufmerksamkeit weit iiber sein Land hinaus erregt. Der damals 
fiihrende Berliner Theaterkritiker Karl Frenzel konnte schon Anfang 1870 
feststellen: » Das Hoftheater zu Meiningen erfreut sich seit einigen Jahren 
eines hohen Rufes in der kiinstlerischen Welt. « Besonders berief sich Frenzel 
hierfiir auf die stilvollen Darstellungen antiker Tragodien in der Umarbeitung 
Wilbrandts und richtete nun den Blick auf die Meininger Shakespearevorstel- 
lungen, denen er in den ersten Tagen des Jahres als Gast beige wohnt. Noch 
wenige Jahre und man durfte die Meininger Truppe ihrerseits in Berlin als 
Gast begriiCen. Inzwischen hatte (noch 1870) der Herzog selber die Leitung 
iibernommen, unterstiitzt vom Regisseur Ludwig Chronegk und (nach seiner 
Wiedervermahlung) von seiner Gattin Freifrau v. Heldburg. 

Am 1. Mai 1874 begann das erste Gastspiel des Meininger Hof theaters in 
Berlin mit » Julius Casar« unter sensationellem Beifall. In den 17 Jahren bis 
1890 veranstaltete die Truppe 81 Gastspiele mit 2591 Vorstellungen in 38 
Stadten: auBer in 20 reichsdeutschen in je 5 osterreichischen und russischen, 
je 2 hollandischen und belgischen, je 1 schweizerischen, englischen, danischen 
und schwedischen. 

Schon ihr Spielplan sichert den Meiningern eine ehrenvolle Stelle in der 
deutschen Biihnengeschichte. Mit ihrem Eingreifen beginnt eine Wiederbele- 
bung der Klassiker auf der deutschen Buhne: durch die auf belebte Massen- 
szenen und malerische Wirkung gestellte Inszenierung brachte Herzog G. 
Klassikervorstellungen wieder dem gebildeten Geschmack nahe. Nachst Shake- 
speare pflegte er Schiller und Kleist, nachstdem Goethe, Grillparzer, Otto Lud- 
wig und besonders trefflich auch Moliere. Mit Entdeckerblick fiihrte er einige 
lebende Dramatiker ein: so Lindner und Wildenbruch, von Auslandern vor 
allem Bjornson, nachstdem Ibsen. — Un vergessen mul3 den Meiningern auch 
bleiben, daC sie in der Textgestaltung der iiblen Sitte willkiirlicher Biihnen- 
bearbeitungen ein Ende bereiten, indem sie grundsatzlich an den Originaltext 
ankniipfen. 

Bereits in der Wiederbelebung Shakespeares und der deutschen Klassiker 
beriihrt sich der Herzog von Meiningen mit den Shakespearian Revivals von 



Georg II. 25 

Charles Kean. Dieser und seine Nachfolger: die Bancrofts, schlieBlich, schon 
gleichzeitig mit den Meiningern, Henry Irving, vertraten vor allem in der male- 
rischen wie rednerischen Inszenesetzung verwandte Grundsatze. Auch zu 
Richard Wagners Regie ergibt sich eine weitgehende Parallelitat. Das moderne 
Nervensystem war reif fiir Massenwirkung, die Kunstgeschichte fur historische 
Echtheit des Kostiims. Geschichtlich charakterisiert sich die Durchsetzung 
des kiinstlerischen Zusammenspiels als Uberwindung des Virtuosentums und 
Erreichung des Ziels, das schon einem Laube und Eduard Devrient vorge- 
schwebt hatte. Der Herzog, mit fiirstlicher Autoritat, auch auBerlich eine rit- 
terlich imposante Erscheinung mit langem, wallendem Bart, erlangte ohne 
weiteres die Einordnung jedes Einzeldarstellers unter einen einheitlichen Spiel- 
willen, in einen geschlossenen Stil. Tatsachlich haben die Meininger die Schau- 
spielkunst mehr durch musterhaftes Ineinandergreifen als durch hervor- 
ragende Einzelleistungen gefordert; trotzdem sind viele Darsteller aus der 
Meininger Schule spater zu selbstandiger Bedeutung gelangt: so der Dauer- 
gast Ludwig Barnay, so Josef Kainz, Max Grube, Josef Nesper, Wilhelm 
Hellmuth-Bram, Emil Drach, Arthur KrauBneck und Gustav Kober, so 
Amanda Lindner, Anna Haverland, Marie Berg u. a. m. Den Glanzpunkt dieses 
Meininger Zusammenspiels bildeten die Massenszenen : um die Statisten zu 
schulen und f ortzureiBen, mischte der Herzog Berufsschauspieler unter sie ; bis 
aufs auBerste bildete er das stumme Spiel, die Wirkung des Dialogs auf die 
Masse, aus. Vorbildlich wurde auch die Zahl und Art der Proben; hier eiferte 
er mit Erfolg dem Vorbild der fuhrenden franzosischen Buhne nach. Voran 
ging — wie bei Goethe, Tieck, Immermann und Laube — die sorgsam gelenkte 
Einstudierung der Einzelrollen ; die gemeinsamen Proben, in damals unerhort 
hoher Zahl (unter Umstanden einige dreiBig), waren von alien dekorativen 
Mitteln begleitet, um eine Abtonung zwischen dem schauspiele rischen und 
malerischen Stil zu erreichen; auch nach der Erstauffiihrung ward jedes Stuck 
durch neue Proben aufgefrischt. (In die Proben und das Treiben der Meininger 
fuhrt Max Grubes Roman: )>Oh Theater« lebendig ein.) 

Nach auBen gab dem Meininger Stil sein auffallendstes Geprage die sorg- 
same, peinlich genaue Behandlung des optischen Elements. Der Herzog selber 
zeichnete mit dem f einen Geschmack des vornehmen Dilettanten fast jedes 
Kostiim, bestimmte namentlich auf Grund sorgfaltiger kunsthistorischen Stu- 
dien den historischen Stil der gesamten Ausstattung, vielfach — besonders in 
den Requisiten — gewiB bis zur Pedanterie. Aber die malerische Farbenpracht 
wie die Andacht zum Kleinen der Innendekoration entsprach dem Zug der 
Zeit. Neben den Englandern ward hier ersichtlich Dingelstedt des Herzogs Vor- 
bild, und Max Reinhardt steht auf seinen Schultern. Selbst rein szenisch wirkte 
sich der moderne Reformeifer G.s II. vorwartsweisend aus. Er ist es, der durch 
maBvolle Verwendung den Zwischenvorhang an Stelle des offenen Umbaus 
durchsetzt. Ebenso fiihren die Meininger die geschlossene Zimmerdekoration, 
auch im historischen Drama, zum Siege, nachdem diese vereinzelt schon von 
Schroder, dann 1825 in Berlin und seit 1839 in Miinchen Verwendung gefunden 
hatte. Sein unbedingtes Streben nach realist ischer Echtheit fuhrt den Herzog 
vor allem zum grundsatzlichen Gebrauch plastischer Dekorationen und Requi- 
siten. So ist er nach Geist und Form in einheitlichem Stil einer der Begriinder 
des modernen, heute herrschenden Biihnentyps geworden. Mogen die Mei- 



26 1914 

ninger ihre neuen Kunstmittel vielfach iiberboten haben, mag (zum Teil unter 
auflerem Zwang) neuerdings die Neigung zur einf achen Stilbiihne wachsen : die 
Wirksamkeit des Herzogs und seiner Kiinstlerschar bezeichnet eine Bliitezeit 
deutscher Schauspielkunst. 

Literatur: Karl Frenzel, Berliner Dramaturgic Bd. 2. — Max Grube, Am Hofe der 
Kunst. — Karl Hagemanu, Regie. — Hans Herrig, Die Meininger imd ihre Gastspiele. — 
Siegfried Jacobsohn, Das Theater der Reichshauptstadt. — Paul Lindau, Dramatur- 
gische Blatter, Neue Folge, Bd. 2. — Max Martersteig, Das deutsche Theater des 19. Jahr- 
hunderts. — Robert ProlB, Das Herzogl. Meiningensche Hoftheater und die Biihnen- 
reform. • — Repertoire des Herzogl. Sachsen-Meiningenschen Hoftheaters. — Paul Richard, 
Chronik samtlicher Gastspiele der Meininger. — Ernst Leopold Stoehl, Das englische 
Theater im 19. Jahrhundert. — Otto Weddigen: Geschichte der Theater Deutschlands. — 
Dazu das Album von Allers: Die Meininger. — Der handschriftliche Nachlafl des Herzogs 
und seiner Gemahlin gelangte an die Universitatsbibliothek in Jena. Die Kostiimskizzen 
des Herzogs sollen zum Grundstock eines geplanten Meininger Theatermuseums werden 
(6 Handzeichnungen von G. II. hat Max Grube 1922 veroff entlicht) . 

Kiel. Eugen Wolff. 

Heyse, Paul, Dichter, * in Berlin am 15. Marz 1830, f in Miinchen am 2. April 
1914. — Paul H. war der zweite Sohn des verdienten Sprachforschers Carl Wil- 
helm Ludwig H. (1797— 1855), der als a. o. Professor der klassischen Philologie 
und der vergleichenden Sprachwissenschaft an der Universitat Berlin wirkte, 
vor allem aber durch seine von ihm unermiidlich ausgebauten, schon von 
seinem Vater iibernommenen deutschen Worterbiicher und Grammatiken be- 
kannt geworden ist. Von ihm, der in jungen Jahren als Erzieher im Hause 
Wilhelm von Humboldts tatig gewesen war und sich in seiner philosophischen 
Sprachbetrachtung mehr an Hegel als an die historische Richtung der Briider 
Grimm angeschlossen hatte, erbte der Sohn neben einem untruglich sicheren 
Feingefiihl in der Behandlung der Sprache die germanischen Seiten seines 
menschlichen und kiinstlerischen Charakters : die auf rechte Mannhaf tigkeit und 
Uberzeugungstreue der Lebensfiihrung, die verantwortungsbewuBte Gewissen- 
haf tigkeit und Sorgfalt der Arbeit. Dazu aber traten mit gesunder Lebensfrische 
eine starke sinnliche Naturhaftigkeit und eine unermiidliche Beweglichkeit und 
Schaffenstriebkraft als Erbteil von seiner judischen Mutter her. Sie war eine 
Verwandte des Hauses Mendelssohn, in dem C. W. L. H. die wissenschaftliche 
Ausbildung des jungen Wunderkindes Felix geleitet hatte, eine temperament- 
voile und grundliebenswiirdige Natur, die mit blinder Leidenschaft an dem 
edlen, friih krankelnden und wenig vora Gliick begiinstigten Gatten und an 
ihren beiden Sohnen hing. Von diesen war der altere ein Sorgenkind, das schliefi- 
lich zu Verwandten aufs Land gegeben werden muBte; der jiingere aber, Paul, 
durchlief in den Jahren 1838— 1847 das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, in alien 
Fachern ein Musterschiiler, mit Ausnahme der Mathematik, fiir die ihm jeg- 
liches Organ fehlte. Auch zu den Naturwissenschaften hat Paul H. nie ein 
inneres Verhaltnis gewonnen, sondern sich stets zu den humanistischen Bil- 
dungswerten bekannt, die ihm vom Vater her Lebenselement waren. Friih boten 
sich ihm reiche geistige Anregungen in den geselligen Hausern Mendelssohn, 
Hensel, Varnhagen, Egells, die sich schon dem Gymnasiasten erschlossen. Doch 
wesentlich wichtiger als die glanzenden judischen Salons wurde fiir den friih 
gereiften Jiingling die schlichte Mansardenwohnung Franz Kuglers, in der er 
durch Emanuel Geibel eingefuhrt wurde. 



Georg II. Heyse 2 J 

Unter den Gedichten eines poesiebef lissenen Gymnasiastenklubs, die ihm vor- 
gelegt wurden, hatte Geibel mit sicherem Blick die Begabung des i6jahrigen 
Paul H. erkannt. 15 Jahre alter und bereits von anerkanntem Ansehen, zog er 
den Jiingeren freundschaftlich an sich und fiihrte ihn in die Geheimnisse der 
poetischen Technik und der inneren Form ein. Die Ubereinstimmung in den 
asthetischen Grundanschauungen wie die personliche Freundschaft zwischen 
beiden hatte ihr ganzes Leben hindurch Bestand, auch als Paul H. sich selb- 
standig in vielem verschieden von Geibel entwickelte und iiber den Meister 
seiner Jugend hinauswuchs. Gemeinsam blieb ihnen auch die Treue gegen Franz 
Kugler und seine Familie. Kugler, der neben seiner ausgedehnten amtlichen 
und wissenschaftlichen Tatigkeit als Kunstreferent im Ministerium und Pro- 
fessor der Kunstgeschichte immer noch MuGe eriibrigte zu dichten und zu 
komponieren, zu singen und zu zeichnen, pragte seinem einfach gastlichen 
Hause den Stempel ebenso schlichter Natiirlichkeit und behaglicher Heiterkeit 
wie feiner Geistigkeit auf . Hier war noch ein Hauch der alten Romantik leben- 
dig. Die anmutige Frau Klara, der Geibel seine »Gedichte« gewidmet hatte, war 
die Tochter des alten Eduard Hitzig, des Freundes von Zacharias Werner und 
E. Th. A. Hoffmann, und bei derTaufe des Tochterchens Grete hatte Joseph von 
Eichendorff Pate gestanden. Eine Vorliebe Kuglers, die fur H. dauernde Be- 
deutung gewann, gait dem Volkslied, das er bei alien Nationen aufsuchte, und 
sie wurde geteilt von Jakob Burckhardt, der wie Geibel fast wie ein Sohn des 
Hauses seinem verehrten Lehrer zur Seite stand. Neben ihm kamen noch andere 
Schiiler Kuglers zu seinen geselligen Abenden: Friedrich Eggers, Wilhelm 
Liibke, Richard I/Uca, dazu einzelne jiingere Mitglieder des Tunnels wie Theodor 
Fontane, seltener auch Adolf Menzel, der eines der ersten Portrats von Paul H., 
etwa 185 1, gemalt hat. 

Im »Tunnel iiber der Spree « wurde der junge Student Paul H. auf Kuglers 
Einfiihrung hin unter dem Decknamen Holty aufgenommen. In dieser litera- 
rischen Gesellschaft saBen freilich neben wahrhaft Begabten wie Fontane, 
Lepel, Scherenberg allerhand wiirdige Manner aus verschiedenen Berufen und 
Gesellschaftskreisen, die sich nur dilettantisch der Poesie beflissen, wenn sie 
auch ernsthaft ihre Versuche einer strengen Zensur der Genossen unterwarfen. 
Aber die unbedingte Of fenheit der Aussprache gab dem Anf anger, der iibrigens 
mehrfach bei den beliebten Preisausschreiben Sieger war, eine unschatzbare 
Abhartung gegen verstandnislosen Tadel wie gegen torichtes Lob, und ein 
dauernder Gewinn blieb die Lebensfreundschaft mit Theodor Fontane, zu 
dem erst in spateren Jahren sich ein starkerer asthetischer Gegensatz ausbil- 
dete, und mit Theodor Storm, der damals freilich nur gelegentlich auftauchte, 
aber gerade in der Zeit seiner Reife die alten Beziehungen zu einem naheren 
Verhaltnis ausbaute. 

An der Universitat, die er an Ostern 1847 bezog, horte Paul H. zunachst als 
angehender klassischer Philolog Kollegien bei seinem Vater, bei Boeckh und 
Lachmann, und schloB Freundschaften mit Otto Ribbeck, Otto Roquette, 
Peter Cornelius, der mehrere seiner Iyieder in Musik setzte, mit Bernhard 
Abeken u. a. m. Bald zog die Bewegung des Jahres 1848 auch diesen Kreis in 
seinen Strudel. So wenig Paul H. jemals eine politische Personlichkeit im 
Parteisinne war, so machtvoll und tief lebte in ihm die groBe Doppelforderung 
seiner Zeit: nach einer ehrenvollen, durch Macht gesicherten Stellung eines 



28 J 9M 

geeinten Deutschland, und nach einer die Entfaltung aller kulturellen Krafte 
verbiirgenden, verfassungsmaBig gesicherten Freiheit aller Staatsbiirger. In 
diesem Sinne begriiCte er trotz Geibels warnendem Pessimismus begeistert die 
Freiheits- und Einigungsbestrebungen, die den ersten Druck eines Liedes von 
ihm veranlafiten (das Flugblatt »Friihling 1848 <'). Er trat in das Berliner 
Studentenkorps und tat eifrig seinen Wach- und Patrouillendienst. Und mit 
den Freunden Bernhard Endnilat, L,. K. Agidi und Franz Kugler zusammen 
lie/3 er ein Heftchen » 15 neue deutsche Lieder zu alten Singweisen, den deutschen 
Mannern E. M. Arndt und Ludwig Uhland gewidmet« erscheinen, das freilich 
in dem Sturm der versereichen Tage ohne weiteren Eindruck verwehte. 

Nach dem Scheitern der groCen Bewegung bezog P. H. tief verstimmt im 
Friihjahr 1849 die Universitat Bonn. Der klassischen Philologie war er ent- 
schlossen, den Riicken zu kehren, und auchWelcker, Ritschl und Jakob Bernays, 
die ihn aufs freundlichste aufnahmen, konnten ihn nicht dafiir zuriickgewinnen. 
Die Kunstgeschichte, der er sich unter Kuglers EinfluG zugewandt hatte, liefl 
er wieder fallen, da Kinkels Vorlesungen ihn abschreckten. Da fiihrte ihn das 
Gliick zu Friedrich Diez, dem Begriinder der romanischen Philologie, dessen 
Einfiihrung in Dante ihm auch dichterisch sofort fruchtbar wurde; ihm ver- 
dankte er ein festes Studienziel, dem er treu blieb. Fast noch bedeutsamer fur 
seine Entwicklung war aber iiberhaupt die erstmalige freie selbstandige Be- 
wegung unter allerhand Menschen, fern von der Obhut des Elternhauses und 
den zerstreuenden und verwohnenden Einfliissen des Berliner Lebens. Zu einigen 
kleineren Reisen rheinauf- und -abwarts kam eine erste Wanderung in der 
Schweiz, bei der das Wiedersehen mit Burckhardt in Basel der Glanzpunkt war. 
Dann aber verstrickte er sich in eine aussichtslose, wenn auch erwiderte Liebes- 
leidenschaft, die dazu fiihrte, dafi er schlieBlich den Aufenthalt in Bonn friiher, 
als er eigentlich vorhatte, Ostern 1850, abbrach. 

Schon Ende 1849 war anonym das erste Buch von Paul H. erschienen, der 
* Jungbrunnen, Marchen von einem fahrenden Schiiler«. Es enthielt mit aller- 
hand Liedern verziert die anmutigen Marchen, die der junge Student in roman- 
tischem Geiste, aber mit echt Berliner Witzen durchsetzt, den Kindern des 
Kuglerschen Hauses erzahlt hatte. Unter dem Eindruck der Bonner Erlebnisse 
setzte er sich jetzt hohere Aufgaben, und das ganz in Shakespeareschen Bahnen 
wandelnde Drama »Franziska von Rimini «, das er unmittelbar nach der Heim- 
kehr in Berlin ausfiihrte, bezeugte eine ebenso energische Gestaltungskraft wie 
fortreiCende Leidenschaft. Mochte das Stuck auch manchen, besonders mora- 
lisierenden Bedenken begegnen, nach seinem Erscheinen war der jugendliche 
Dichter, dessen bezaubernde Personlichkeit iiberall die Herzen von alt und 
jung gewann, anerkanntermaBen eine der besten Hoffnungen der literarischen 
Welt. Seines inneren Berufes sicher, priifte er weiter die Schwingen in einigen 
erzahlenden Dichtungen (Margherita Spoletina, Urica, Die Briider, Michel 
Angelo) und kleineren Beitragen zu den beiden Deutschen Musenalmanachen, 
die ihn umwarben ; doch setzte er zunachst mit Ernst bei Mahn und V. A. Huber 
seine romanischen Studien fort, aus denen ihm allerhand Anregung zu Ober- 
setzungen, die heitere Novelle »Marion« und noch in spaterer Zeit die reife 
Frucht der » Troubadour-No vellen« erwuchs. Dem Refrain bei den Trouba- 
dours war seine Dissertation gewidmet, mit der er im Mai 1852 an der Berliner 
Universitat zum Dr. phil. promovierte. Fast gleichzeitig erschien das »Spanische 



Heyse 2Q 

Liederbuch«, in dem er gemeinsam mit Geibel die kostlichen Ubersetzungen 
spanischer Kunst- und vor allem Volkslieder vorlegte, die seitdem in so vielen 
Vertonungen, namentlich von Hugo Wolff, Gemeingut aller Gebildeten ge- 
worden sind. 

Mit dem AbschluB seiner Studienzeit konnte Paul H. auch seine schon seit 
einiger Zeit bestehende Verlobung mit Margarete Kugler bekannt geben und 
verlebte nun einen gliicklichen Sommer zuerst in Gesellschaft der Kuglerschen 
Familie, dann auf einer Reise mit seinen Eltern nach Baden-Baden und an den 
Genfer See. Von hier aus trat er am 21. September 1852 in Gesellschaft seines 
briiderlichen Freundes Otto Ribbeck seine erste Italienfahrt an, zu der ihm eine 
Reiseunterstiitzung des Kultusministeriums zur Durchforschung proven$a- 
lischer Handschriften in italienischen Bibliotheken die Mittel gewahrte. Der 
wissenschaf tliche Zweck der Reise wurde nur in beschranktem Mafle erreicht ; 
denn gerade in der wichtigsten Bibliothek, der Vaticana in Rom, wurde dem 
jungen Berliner die Arbeit durch das Ubelwollen der Verwaltung sehr erschwert 
und nach zwei Monaten, am 8. Januar 1853, sogar vollig verboten. Trotzdem 
war sie nicht ganz erfolglos gewesen, und auch die Bibliotheken in Florenz imd 
Venedig ergaben noch einigen Ertrag, so daft Paul H. mit einer gewissen An- 
wartschaft auf eine gelehrte Zukunft heimkehren konnte. Seine »Romanischen 
Inedita«, in denen er 1856 seine Funde und Ergebnisse veroffentlichte, fanden 
bei der Fachwelt anerkennende Aufnahme. 

Weit wichtiger und folgenreicher fur sein ganzes Wesen und Schaffen als 
diese gelehrte Arbeit war das Erleben dieses italienischen Wander jahres. Wohl 
war ihm in Berlin in reichem MaBe alles zugeflossen, was an feiner geistiger 
Kultur und kiinstlerischen Anregungen die aufstrebende norddeutsche GroB- 
stadt zu bieten vermochte. Allein die asthetischen Werte waren hier nicht 
naturhaft erwachsen, sondern mehr oder weniger kiinstlich geziichtet. Je ur- 
sprunglicher der kiinstlerische Grundzug in Paul H.s Natur, sein eingeborenes 
Bediirf nis nach reinen schonen Formen des Daseins war, um so wesensverwand- 
ter muBte er sich fiihlen dem groBen, natiirlich ungebrochenen Stil, wie er ihm 
in Volksleben, Landschaft und Kunst Italiens aufging. Wenn ihm wie so vielen 
deutschen Kiinstlern die Reise nach dem Siiden eine Lebenswende wurde, so 
war es nicht so sehr eine von auBen her angeregte Freude an den neuen Ein- 
driicken, Vorbildern und Kunstiibungen und die Bereicherung dadurch, die 
diese Bedeutung gewannen ; der Kernpunkt war vielmehr die Bef reiung und 
Bestatigung seines eigenen innersten Wesens, das die Natur in klaren, edlen 
Formen zu erfassen und nachzugestalten forderte. Das verbindet ihn nicht 
nur mit Goethe, sondern auch mit romanischer Art, mit Klassizismus und 
Renaissance, deren Erbe er aus unverleugneter Blutsverwandtschaft ehrt und 
fortbildet; es scheidet ihn aber von Romantik und Gotik, deren germanische 
Auspragung ihm nicht fremd geblieben, aber nicht I,ebensinhalt geworden ist. 

Wie an Eindriicken der Kunst und Natur war die Reise in Italien auch reich 
an neuen und wertvollen Bekanntschaften. In Rom, wo die beiden Freunde 
von Mitte Oktober 1852 bis Ende Marz 1853 weilten, wohnte Paul H. bei dem 
Bruder seines Vaters, Dr. Theodor H., der als ausgezeichneter Handschriften- 
kenner wie als etwas einsiedlerischer Sonderling bekannt war. Lebhaft war der 
Verkehr mit den romischen Kiinstlern, besonders im »Tugendbund«, in den ihn 
Arnold Bocklin einfiihrte. Die Terzinenepistel an diesen aus dem Dezember 1877 



30 ^4 

gibt ein leuchtendes Bild von dem spriihenden Leben dieses jugendlichen Krei- 
ses, neben dem aber auch die alten Beriihmtheiten Overbeck und Martin Wagner, 
Riepenhausen und Riedel mit gebiihrender Hochachtung aufgesucht wurden. 
Daneben war der Umgang mit den Archaologen Henzen, Brunn, Emil Braun, 
Welcker, mit dem Kirchenhistoriker Hase und dem spateren Geschichtschreiber 
der Stadt Rom , Gregorovius, wissenschaf tlichan regend , und aus dem Zusammen- 
treffen mit Viktor Scheffel, mit dem er im Fruhjahr in der Rosa magra in Sorrent 
zwei kostliche Wochen verlebte, erwuchs eine dauernde Freundschaft. Uber- 
haupt war der Aufenthalt in Sorrent, wohin sich die Freunde im April 1853 
nach einem kurzen Verweilen in Neapel wandten, wenigstens fiir den Dichter 
der Hohepunkt der Reise. War schon vorher unter dem Eindruck von Cellinis 
Perseus in Florenz das grotesk tiefsinnige Puppenspiel »Perseus«, in Rom so- 
dann das Gedicht »Die Furie« mit seiner klassischen Anmut und die Novelle 
» Am Tiberufer« entstanden, so wurde in Sorrent der Grund gelegt zu der Samm- 
lung italienischer Volkslieder in Ubersetzungen, die i860 als »Italienisches 
Liederbuch« ans Licht trat. Hier sang er eine Reihe lieblicher Gedichte wie die 
Lacerten- und Laurella-Lieder ; hier zeichnete er nach lebendigem Vorbild 
»1/Arrabbiata« und hielt in den »Idyllen vonSorrent« den ganzenZauber jener 
gliicklichen Friihlingswochen fest. Natur und Volksleben standen hier in heiterer 
Schonheit im Vordergrund des Daseins ; sie begleiteten die beiden Freunde auch 
weiterhin, traten aber auf der mehrfach unterbrochenen Heimreise doch wieder 
mehr hinter kunstlerischen und wissenschafthchen Studien zuriick. Nochmals 
drei Wochen in Rom wurden besonders ergiebig durch die Gesellschaft von 
Jakob Burckhardt ; dann folgten noch, von kiirzeren Besuchen anderer Stacte 
abgesehen, genui3- und ergebnisreiche Arbeitstage in Florenz und Venedig. 
Anfang September 1853 endlich traf Paul H. wieder bei den Seinigen ein. 

Nur ein halbes Jahr widmete er sich nun der Vorbereitung auf eine aka- 
demische Laufbahn. Da trat im Marz 1854 eine unerwartete Gliickswendung 
ein, die ihn auf einen Schlag alien Zukunftssorgen und -zweifeln enthob: auf 
Veranlassung Geibels, der bereits im Fruhjahr 1853 einem Rufe des Konigs 
Maximilian II. nach Miinchen gefolgt war, erging an Paul H. die Einladung, 
sich ebenfalls in Miinchen niederzulassen mit einem Jahresgehalt von 1000 Gul- 
den, dem Rechte, an der Universitat Vorlcsungen zu halten, und der einzigen 
Verpflichtung, an den sog. Symposien des Konigs teilzunehmen. Nach kurzer 
Bedenkzeit sagte der junge Dichter zu, hielt am 15. Mai 1854 in Berlin froh- 
liche Hochzeit und traf schon Ende des Monats in seinem neuen Wohnorte ein. 

Der Gegensatz der neuen Umwelt zu der bisher gewohnten war vielfach wenig 
angenehm. Die Altbayern, Biirgertum wie Adel, schlossen sich nach ihren un- 
gastlichen Gewohnheiten von den norddeutschen Berufenen ihres Konigs mifi- 
trauisch, ja feindselig ab und selbst ihre einheimischen Vertreter der Literatur 
hielten sich verstimmt und miirrisch zuriick. Das ergab einen starken Ansporn, 
durch Anspannung aller Krafte und Leistungen das Daseinsrecht zu erweisen, 
aber es fehlte eine wirklich sachliche und verstandige Kritik, die einen ermun- 
ternden Widerhall gegeben hatte. Dafiir empfand der junge Berliner anderes 
um so wohltuender und forderlicher, vor allem die Atmosphare behaglicher 
Sinnenfreude und natiirlicher Unbefangenheit, den freien kunstlerischen Zug, 
der sich in dem gesamten Volksleben der aufbliihenden Stadt regte. Und so lebte 
sich das junge Ehepaar doch rasch in den neuen Verhaltnissen ein, zumal es an 



Heyse 3! 

freundlichem Entgegenkommen in den Kreisen der Berufenen und an anregen- 
dem Verkehr mit naheren Freunden und in den gastf reien Hausern von Thiersch, 
Liebig, Donniges, Bluntschli, Dingelstedt, der Staatsratin Ledebour usf . nicht 
fehlte. 

Im Dezember 1854 nahm Konig Max die Symposien wieder auf, an denen 
Paul H. von jetzt an bis zu ihrem Aufhoren mit geringen Unterbrechungen teil- 
nahm. Der Konig legte groCen Wert auf diese geselligen Abende, an denen er 
in zwangloser Form die Manner seiner Wahl tiber die verschiedensten Dinge 
horen konnte, und hielt an ihnen unerschiittert fest , auch wenn er sie in politisch 
bewegten Zeiten seltener stattfinden und einzelne Teilnehmer unter dem An- 
drangen der einheimischen Ultramontanen wieder fortziehen lassen muBte. Am 
nachsten standen ihm Liebig und Geibel; daneben gehorten mehr oder weniger 
regelmafiig dem Kreise an : Donniges, Bodenstedt, Schack und H., Sybel, Riehl, 
Carriere, Jolty, Siebold, Bluntschli, Windscheid, Franz v. Kobell, Petten- 
kofer, Voit, Kaulbach u. a. ; unter den feingebildeten Hofleuten, die an den 
Abenden Dienst taten, befand sich General von der Tann. Auch auswartige 
Gaste wurden manchmal zugezogen, so Helmholtz, Wohler, Lepsius, Ranke, 
Pertz, Waitz, Wilhelm Jordan, Fontane u. a. Meist wurde zuerst ein wissen- 
schaftlicher Vortrag gehalten, dann Fragen, die den Konig gerade beschaftigten, 
durchgesprochen und danach mit einer dichterischen Darbietung der Abend 
beschlossen. So waren diese Zusammenkunfte reich an den verschiedensten An- 
regungen und Eindriicken ; was sie aber am meisten auszeichnete, war die un- 
bedingte Redefreiheit, die der Konig wunschte, selbst wenn sie gegen seine 
eigenen Ansichten anstritt. So konnte keine Befangenheit aufkommen, und der 
jugendliche Dichter, nicht geblendet durch die ungewohnliche Auszeichnung 
und den hofischen Glanz, bildete friih in sich die iiberlegene Vorurteilslosigkeit 
aus, die mit klarem Blick durch den Schleier von Rang und Titeln, von Hoflich- 
keitsformen und aufierem Aufputz hindurch in erster Linie den menschlichen 
Wert der Personlichkeit zu erkennen suchte. Fur den Konig mit seinem ehr- 
lichen Wahrheitsstreben und seiner f einf iihligen Herzensgiite hegte er auf richtige 
Verehrung, die durch den taglichen Umgang auf einer mehrwochigen Reise in 
seiner Begleitung nach Berchtesgaden und in die Pfalz im Herbst i860 nur 
befestigt wurde. Trotzdem wurde er in keiner Weise zum Hofmanne, sondern 
blieb aufrecht ein typischer Vertreter eines hochgebildeten Btirgertums, das 
seine Wiirde und Ehre nicht von anderen, sondern nur von sich selbst empfangt 
und den Hoherstehenden wie den vom Gliicke minder Begiinstigten mit der 
gleichen rein menschlichen Unbefangenheit gegeniiber tritt. 

In dieser Gesinnung versuchte er auch bald den ungesunden Gegensatz der 
»Fremden« und Einheimischen, der »Gunstlinge« und der Zuriickgesetzten mit 
off enem Entgegenkommen zuiiberwinden. Als geeignetes Mittel hierzu erschien 
ihm ein ofteres geselliges Zusammentreffen der widerstrebenden Geister zu 
gegenseitiger literarischer Aussprache und Kritik in der Art des Berliner 
Tunnels, wobei freilich der Kreis enger auf wirklich literarische Personlich- 
keiten beschrankt werden sollte. Der Widerstand gegen diese Anregung war bei 
den miCtrauischen Miinchenern, aber auch zuerst bei Geibel grofi. Doch gelang 
es nach einigen miBgluckten Versuchen mit Hilfe von Julius Grosse, der mit 
den einheimischen Dichtern in gutem Verhaltnis stand, sich aber mit neidloser 
Herzlichkeit an Paul H. anschlofi, einen festen Kreis Gleichstrebender zu- 



32 J 9I4 

sammenzubringen, der nach dem baldigen Ausscheiden der personlich ver- 
stimmten Elemente bei aller Mannigfaltigkeit der hier vereinigten Individua- 
litaten in seiner Bliitezeit eine bestimmte kiinstlerische Richtung in sich ver- 
korperte, den Miinchener Idealismus, wie er von norddeutschen Kritikern ge- 
tauft wurde. Zu der Gesellschaft, die sich humoristisch nach Hermann Linggs 
»Krokodil zu Singapur« den heiligen Teich nannte, gehorten teils von Anfang 
an, teils erst spater auBer Heyse, Grosse und Geibel noch Hermann Lingg, Wil- 
helm Hertz, Bodenstedt, Schack, Melchior Meyr, Carriere, Leuthold, Felix 
Dahn, Hans Hopfen, Max Haushofer, Karl Stieler u. a., auch bescheidenere 
dichterische Begabungen, dazu einige Asthetiker wie Zeising, Lemcke, Nohl und 
als standige Ehrengaste der Musiker Robert v. Hornstein, der Maler Theodor 
Pixis und der Bildhauer Konrad Knoll. Von der Art ihrer Kunstanschauung 
und ihrer Leistungsfahigkeit zeugten vor der Offentlichkeit die zwei» Miinchener 
Dichterbiicher«, die 1862 Geibel und 1882 H. herausgab. Mit der Ablehnung 
eines geistlosen Naturalismus verband sich ein starkes Stilgefiihl und eine sorg- 
faltige Ausbildung der Form, eine gewissenhafte Pflege von Sprache und Vers, 
eine deutliche Fortwirkung des klassischen Erbes. Gegeniiber der jung- 
deutschen Hinwendung auf den Streit des Tages und der modernen Interessen- 
gegensatze gilt hier die Vorliebe dem Uberzeitlichen, Ungewohnlichen, Unge- 
meinen, wenn es nur einen allgemein menschlichen Kern enthalt. NichtAbbild 
des Lebens, sondern seine Verklarung, Goethes »Tauschung einer hoherenWirk- 
lichkeit«, die Bewaltigung des Stofflichen durch die reine Form ist Ziel dieser 
Dichter. DaB manche von den Krokodilen bei dieser Einstellung den gesunden 
Wirklichkeitssinn zugunsten auBerer Glatte und schillernder Phantastik ver- 
loren, ist nicht zu verkennen; ebensowenig aber, daB Paul H. die positiven 
Seiten der ganzen Gruppe am reinsten ausgepragt und zu den hochsten Lei- 
stungen gefiihrt hat. 

Schon in dem ersten Jahrzehnt seines Miinchener Lebens traten zu den sich 
immer erweiternden literarischen Beziehungen — auch Eduard Morike, Gott- 
fried Keller, Iwan Turgenjew u. a. m. wurden seine Freunde — manche kiinst- 
lerische Freundschaften, die fur sein Wesen bezeichnend sind. Wahrend er sich 
gegen Wilhelm von Kaulbach trotz dessen Entgegenkommens ablehnend ver- 
hielt, begeisterte er sich lebhaft fur die Kunst und die Personlichkeit Genellis, 
der damals noch in Miinchen ahnlich wie Bocklin unter den driickendsten Ver- 
haltnissen um Anerkennung rang. Um beide hat sich Paul H. tatkraftig ver- 
dient gemacht und dem Freundeskreise um Genelli in der wundersamen Nacht- 
phantasie vom »Letzten Zentauren<( ein unvergangliches Denkmal errichtet. 
Von den mancherlei Reisen nach Berlin, Weimar und anderwarts wurde ihm 
besonders die nach Wien bedeutungsvoll, da er dort, von seiner Freundin Julie 
Rettich eingefuhrt, das Burgtheater in seiner Bliite kennen lernte, Grillparzer 
und Hebbel aufsuchte und mit Laube und Halm Fiihlung gewann. Dabei bliihte 
sein hausliches Gliick, dem vier geliebte Kinder entsprossen, freundlich auf, 
und der Familienkreis erweiterte sich noch, als nach dem vorzeitigen Tode 
Franz Kuglers (1858) Frau Clara mit ihren Sohnen nach Miinchen zu der ver- 
heirateten Tochter iibersiedelte und Adolf Wilbrandt zeitweise ebenf alls Haus- 
genosse wurde. Im Jahre 1861 aber nahra dies ungetriibte Gliick ein uner- 
wartetes Ende: ein schweres Lungenleiden entwickelte sich bei H.s jugend- 
licher Gattin und zwang im Herbst zur Reise nach Meran, wo das siidliche 



Hevse 



33 



Klima Heilung bringen sollte. Vergeblich; nach Monaten des Schwankens 
zwischen Hoffnung und Trostlosigkeit, deren Stimmung in den »Meraner No- 
vellen« ihren Niederschlag gefunden hat, verschied Grete H. am 30. September 
1862 und fand auf dem protestantischen Friedhof in Meran ihre letzte Ruhe- 
statte. 

Es bedurfte langer Zeit, bis der junge Witwer diesen Schicksalsschlag ver- 
winden konnte, wiewohl ihm der treue Beistand seiner Schwiegermutter, die 
seinen Haushalt und die Erziehung der kleinen Enkel iibernahm, die auBeren 
Schwierigkeiten der traurigen Veranderung erleichterte. Arbeit und tatige Hilfs- 
bereitschaft ftir andere muBten dasBeste dazu tun. Schon f riiher, besonders im 
Jahre 1858, in dem er das L,iteraturblatt zum deutschen Kunstblatt leitete, war 
er mit Vorliebe fiir solche Dichter kritisch eingetreten, die er nicht geniigend 
oder noch gar nicht anerkannt sah, wie Morike, Storm, Grillparzer, Giusti, Tur- 
genjew u. a. Jetzt bahnte er tatkraftig dem schwer bedrangten Hermann Kurz 
den Weg zu Anerkennung und Erfolg und gewann an ihm einen neuen Freund. 
Auch in die politische Bewegung lieB er sich noch einmal hineinziehen, da ihm 
die sckleswig-holsteinische Frage noch von 1848 her Herzenssache war ; monate- 
lang, bis die Aussichtslosigkeit dieser Bestrebungen auBer allem Zweifel stand, 
gehorte er 1863/1864 dem Miinchener schleswig-holsteinischen Hilfskomitee an, 
dessen Adresse an den Konig er verfaBte. DaB der Konig diese Adresse ablehnte, 
hinderte nicht, daB er ihn auch nachher zu dem Symposion vom 3. Marz 1864 
zuzog. Wenige Tage darauf aber erkrankte Maximilian II. und starb am 
10. Marz, und damit anderte sich die Stellung seiner Berufenen von Grund aus. 
Ludwig II. bestatigte zwar die von seinem Vater gewahrten Ehrengehalte, 
aber ein personliches Verhaltnis kam nicht in Frage. Der kiinstlerische Idealis- 
mus des jungen Herrschers nahm eine andere Richtung als sie die Dichter des 
Konigs Max nach ihrer Uberzeugung vertraten ; mit der Kunst Richard Wag- 
ners hat sich H. nie befreunden konnen, wiewohl er mit Liszt und Biilow in 
freundlichem Verhaltnis stand und die Jugendfreundschaft mit Peter Corne- 
lius nie vergaB. Trotzdem mochte er, wahrend Bodenstedt schon 1867 nach 
Meiningen iibersiedelte, den wiederholten Einladungen des GroBherzogs Carl 
Alexander nach Weimar auch jetzt nicht folgen. Auch alsGeibel 1868 endgiiltig 
nach Liibeck zuriickkehrte, veranlaBt durch seinen bekannten Konflikt mit dem 
Konig, trat H. zwar sofort an die Seite des Freundes und verzichtete von sich 
aus auf den FortgenuB seines Ehrengehaltes, um seine voile Unabhangigkeit, 
die Konig Max nie beschrankt hatte, vor jeder Bezweifelung zu bewahren; er 
loste so seine Beziehungen zum Hofe, Miinchen aber blieb er treu, um so mehr, 
als ihm hier inzwischen ein neues I^eben aufgegangen war. Im Fruhjahr 1867 
war er bei den befreundeten Hornsteins der jugendschonen, zu friihem Ernste 
gereiften Anna Schubart, derTochter einer alten Miinchener Burgerfamilie, be- 
gegnet und hatte sie nach wenigen Wochen als Gattin heimgefuhrt. Der hohe, 
reine Segen, der mit der neuen jugendlichen Herrin in sein Haus einzog, ist dem 
Dichter bis an sein Ende der kostlichste Lebensgewinn geblieben. Alle Schwie- 
rigkeiten, die sich aus dem Gegensatz der neuen zu der friiheren Sachlage in 
Familie und Freundeskreis ergeben muBten, wuBte die junge Frau mit ruhiger 
Anmut und Sicherheit zu iiberwinden, eine ebenbiirtige, nie versagende I,ebens- 
gefahrtin, von deren begliickendem Walten manches ernste und heitere Gedicht 
Paul H.s Kunde gibt. Aber auch von gemeinsamem Leid kiindet seine Lyrik: 



34 I914 

dreimal war den Eltern verhangt, ein hoffnungsvoll aufbliihendes Kinderleben 
jah dahingerafft zu sehen — die » Verse aus Italien« (1878), das Ergreifendste, 
was der Lyriker gedichtet hat, sind die Frucht einer monatelangen Reise nach 
dem Siiden, auf der sie vergeblich durch neue Eindriicke den inneren Kummer 
zu beschwichtigen suchten. Auch andere tiefe Erschiitterungen blieben ihnen 
nicht erspart, der Tod naher Freunde wie Hermann Kurz, das tragische Ende 
von Klara Kugler, die aus Liebe zu dem gequalten Sohne, von Hans Kugler, 
der aus Liebe zu der aufopfernden Mutter unter hoffnungslosem Krankheits- 
druck freiwillig aus dem Leben schied (1873). Wohl bewahrte sich gegeniiber 
all diesen seelischen Erregungen die trostende Macht der dichterischen Aus- 
sprache und eines leidenschaftlichen Schaff ens ; doch blieb davon des Dichters 
eigene Gesundheit nicht unberiihrt und Jahre hindurch notigten ihn die Un- 
botmafiigkeit der tiberreizten Nerven und qualende Schmerzen zu den ver- 
schiedensten Kuren, die lange nur voriibergehende Linderung brachten. So er- 
scheint sein Leben in den siebziger und achtziger Jahren mit seinen vielen 
Reisen in Badeorte, in die Berge und an die See, nach der Schweiz und nach 
Italien, einmal auch (1880) nach Paris, von einer gewissen Unruhe durchzogen, 
der aber das hausliche Leben in Munchen ein wohltatiges Gegengewicht ent- 
gegenstellte. Hier hatte er sich im Jahre 1873 hinter den Propylaen im Griinen 
durch Neureuther ein alteres Hauschen nach seinen Bediirfnissen umbauen 
lassen, das gastfrei all den verschiedenartigen Geistern, die ihn aufsuchten, 
of fen stand. Der ungezwungen vornehmen Geselligkeit, die hier herrschte, 
verstand die Herrin des Hauses einen Rahmen ebensowohl traulichen Behagens 
wie gediegener Representation zu geben und so war ihr Salon Jahrzehnte hin- 
durch ein Hauptsammelpunkt des geistigen Lebens in Munchen. Zu den nahen 
Freunden des Hauses gehorten Franz Lenbach, der mehrere Bildnisse Paul H.s 
wie auch seiner Gattin gemalt hat, Wilhelm Hertz, Alfred Dove, Hermann Levi, 
Richard Weltrich, Wilhelm Jensen u. a. m. und auch auswartige Freunde 
stellten sich haufig ein, auCer den friiher schon genannten vor allem Ernst 
Wichert, Max Kalbeck, Richard VoB, Ludwig Fulda und viele andere. Daneben 
besuchte Paul H. gem die zwei Gesellschaften, die ihren Grundstock aus den 
alten Krokodilen und den Miinchener »Zwanglosen« erhalten hatten, den Frtih- 
schoppentisch der fidi Achates im Achatzgarten, dem auch Ibsen langere Zeit 
angehorte, und den Donnerstagabend der »Heroen«, bei denen neben Kiinstlern 
wie Adolf Hildebrand und Lenbach die Gelehrtenwelt starker vertreten war. 
tJbrigens hat Paul H., so lebhaft er an dem literarischen, Kunst- und Musik- 
leben Miinchens teilnahm und so viele Freunde er von Ribbeck und Winscheid 
bis zu Scholl und Michael Bernays auch in Gelehrtenkreisen gewann, doch zu 
der Universitat keine unmittelbaren Beziehungen aufgenommen ; von seinem 
Rechte, Vorlesungen zu halten, hat er, im Gegensatz zu Geibel und Bodenstedt, 
niemals Gebrauch gemacht. 

Auf der Hohe seines Schaffens und seiner Erfolge begann Paul H. 1871 die 
erste Gesamtausgabe seiner Werke erscheinen zu lassen, die im Laufe der Jahre, 
obwohl sie nicht wirklich vollstandig geworden ist, bis zu 39 Banden anwuchs; 
eine zweite (wohlfeile) Gesamtausgabe, die 1900 — 1912 ausgegeben wurde, um- 
faflt 24 Bande Novellen, 12 Bande Romane, 4 Bande lyrische und epische Dich- 
tungen und 2 Bande Jugenderinnerangen und Bekenntnisse, wahrend die hier 
fehlenden dramatischen Dichtungen 38 Bandchen und die meisterlichen t v ber- 



Heyse 35 

setzungen und Studien zu den italienischen Dichtern des 16. — 19. Jahrhunderts, 
unter denen Giusti und Leopardi hervorragen, weitere 5 starke Bande fullen. 
Im ersten Bande der Gesamtausgabe erschien zum ersten Male ein geschlossenes 
Bild seiner Lyrik, die mit ihrer Vereinigung von Kraft und Anmut, von volks* 
tiimlichen Tonen und reifer Kunst ein ganz person liches Geprage tragt. Ge* 
dichte wie die Kinder-Totenklagen, wie »Hat dich die Iyiebe beriihrt« oder 
»Dulde, geduldedich fein« gehoren zum besten lyrischen Besitz unserer neueren 
l,iteratur. Die geschmeidige Sprach- und Verskunst Paul H.s kam aber fast 
noch glanzender und bestrickender zur Geltung in den Novellen in Versen, 
denen J akob Burckhardt in der zeitgenossischen Dichtung nichts als gleichwertig 
an die Seite setzen mochte. Die edle Klarheit der I,inien in Erzahlungen wie 
»Raffael« oder »Der Traumgott«, die Leichtigkeit der spielenden Arabesken und 
des heiteren Witzes in dem » Feenkind « oder der »Hochzeitsreise an den Walchen- 
see«, die strenge Harmonie des Aufbaus in »Thekla«, die psychologische Fein- 
heit im » Salamander « vereinigen sich mit einer schlechthin vollendeten, zwang- 
losen Beherrschung des Verses, gleichviel, ob es einfache Reimpaare oder 
ariostische Ottaverime, strenge Hexameter oder kunstvolle Terzinen sind. Jede 
Schwierigkeit sprachlichen Ausdrucks oder metrischer Fesseln scheint aufge-. 
hoben; das innere Leben, die natiirliche Schlagkraft jeder Wendung ist so un- 
gezwungen und reich wie in der gesunden Frische und Klarheit seiner edlen, 
gelassenen und doch innerlich bewegten Prosa, deren urspriingliche, sinnliche 
Anschaulichkeit sich mit einem ebenso urspriinglich quellenden Rhythmus ver- 
mahlt. Kein Wunder, dafi dieser iiberlegenen Spraghkunst gegeniiber G. Wust- 
mann in den achtziger Jahren Paul H. fur den besten deutschen Stilisten der 
Gegenwart schlechthin erklarte. 

Mehr umstritten war die Anerkennung Paul H.s als Dramatiker. Wohl hatte 
er schon im Jahre 1858 bei dem von Konig Max veranstalteten Preisausschreiben 
fur die beste Tragodie mit seinen »Sabinerinnen« den Sieg davongetragen ; auf 
der Biihne aber brachten sie es trotz ihrer hohen dichterischen Eigenschaften 
nicht iiber einen voriibergehenden Achtungserfolg hinaus, und vielen der zahl- 
reichen Stiicke Paul H.s erging es ebenso. Einige aber, wie »Elisabeth Char- 
lotte* (i860), »Ehrenschulden« (1884), »Die Weisheit Salomos« (1886), wurden 
auf vielen Theatern, andere, wie »Graf K6nigsmark«, »Elfride« (1876), »Die 
Weiber von Schorndorf « (1880), »Prinzessin Sascha« (1887), »Alkibiades« (1880) 
u. a. m., wenigstens auf einzelnen mit starkem Erfolg aufgeftihrt, und die beiden 
volkstiimlichen Schauspiele »Hans Iyange« (1864) und »Kolberg« (1865) habeil 
sich dauernd im deutschen Spielplan eingeburgert. Es war also nur die Aner- 
kennung seiner wirklichen Biihnenerfolge, wenn ihm im Jahre 1884 gleich- 
zeitig mit Wildenbruch der Schillerpreis zugesprochen und damit bestatigt 
wurde, daB er auch mit seinen dramatischen Dichtungen in der ersten Reihe 
seiner Zeitgenossen stand. Trotzdem war es erklarlich, wenn er sich von den 
Theatern nicht nach Gebiihr beriicksichtigt und als Dramatiker nicht gerecht 
gewurdigt fuhlte. Wie sein historisches Schauspiel »L,udwig der Bayer « — 
weitaus die bedeutendste Gestaltung dieses Stoffes von Uhland bis herab in 
Hans Miiller — durch ganzlich auBerhalb der Dichtung liegende Zufalligkeiten 
auf der Miinchener Hofbiihne (1861) versagte, so sind gerade diejenigen seiner 
Dramen, die am tiefsten von seiner personlichen Eigenart durchtrankt sind, 
wie »Meleager« (1854), »Hadrian« (1864), »Alkibiades«, »Elfride*, »Don Juans 



36 lou 

Ende« (1883), auf dem Theater teils gar nicht, teils nur voriibergehend zur 
Geltung gekommen. Er hat eine stattliche Reihe dichterisch bedeutender Dra- 
men von hoher kunstlerischer Reife und tiefem raenschlichen Gehalt, auch eine 
ganze Anzahl guter und wirksamer Theaterstiicke verfaBt; eine Einwirkung 
aber auf die Entwicklung unserer dramatischen Dichtung ist von ihm nicht 
ausgegangen. 

Urn so iiberragender ist die Stellung, die Paul H. in der Geschichte der 
deutschen Novelle einniramt. Die Unerschopflichkeit seiner Erfindung, die 
tiefe Einsicht in die Forderungen gerade dieser Kunstform und die kiinstle- 
rische Strenge ihrer Durchfiihrung, dazu die unvergleichliche Sicherheit und 
Leichtigkeit des Vortrags geben seinen Novellen einen Reichtum, eine Freiheit 
und Uberlegenheit, die bis dahin in deutscher Sprache noch nicht erreicht 
worden war. Nicht umsonst hat er die Novelle bei ihren romanischen Meistern, 
einera Cervantes und Boccaccio, studiert. Wenn er auch stets auf den seelischen 
Vorgang entscheidendes Gewicht legt, wird er doch nie dariiber die Bedeutung 
der auBeren Geschichte vernachlassigen. Etwas Ungewohnliches, Neues muB 
diese bringen, mit einer klaren, bestimmten Entwicklungslinie, einer scharfen 
Silhouette und mit einem markanten, entschiedenenMerkmal oder Wendepunkt. 
einem »Falken«, wie es Paul H. nach der bekannten Novelle des Boccaccio 
nannte. Dem energischen Herausarbeiten dieser Kennzeichen tritt aber ein 
ebenso durchgreifender Verzicht zur v Seite auf alle Auswuchse und Abschwei- 
fungen betrachtender, schildernder, stimmungmalender Art. Die innere Ge- 
schlossenheit, die organische Entfaltung der Hauptsache darf nicht durch 
irgendwelche leere Stelle oder I^ockerung des straffen Gefiiges beeintrachtigt 
werden ; nur so kommt der innere wie der auBere Vorgang zu seinem Rechte. 
Paul H. hat diese Grundanschauungen mit mancherlei Erlauterungen und 
technischen Winken bei mehreren Gelegenheiten naher ausgefiihrt, vor allem 
in der Einleitung zum »Deutschen Novellenschatz«, den er 1871 — 74 mit Her- 
mann Kurz zusammen herausgab und 1884 — 87 durch den »Neuen Deutschen 
Novellenschatz« gemeinsam mit seinem jiingeren Freund Ludwig Laistner er- 
weiterte. Hier und im »Novellenschatz des Auslandes«, den er ebenfalls mit 
Kurz zusammen auswahlte, sind reiche Muster verschiedener Art auf gestellt, sie 
geben zusammen kaum ein umfassenderes Weltbild als die bunte Fiille von 
H.seigenen Novellen, die mit der Empfindungsglut und Farbenfreudigkeit der 
Jugend wie mit der reifen Iyebensweisheit und runden Plastik spaterer Jahre 
durchaus nicht bloB italienische Stoffe und Probleme der Iyiebe und der Frauen- 
seele, sondern die mannigfaltigsten Konflikte des Menschenlebens in erschiit- 
ternder Tragik wie in heiterer Anmut behandeln. Schon mit wenigen Titeln ist 
der stoffliche Umkreis seiner Novellen angedeutet : »Das Madchen von Treppi« 
(1855), »Andrea Delfin« (1859), »Franz Alzeyer« (1863), »Die Witwe von Pisa« 
(1865), »Vetter Gabriel« (1868), »Die Stickerin von Treviso« (1868), »Der ver- 
lorene Sohn« (1869), »Nerina« (1874), »Zwei Gefangene« (1876), »Das Gliick 
von Rothenburg« (1881), » UnvergeBbare Worte« (1882), »Das Buch der Freund- 
schaft« (1882), »Himmlische und irdische Liebe« (1885), »Melusine« (1894) — 
so weit sie aber auseinander zu liegen scheinen, tragen sie doch einheitlich den 
Stempel seines Geistes, eines vorurteilslos freien, modernen Geistes, wie ihn 
Georg Brandes im Jahre 1881 mit feinsinniger Wiirdigung charakterisiert hat. 
Es ist vornehmlich der Widerstreit zwischen Konvention und Natur, Sitten- 



Hevse 



37 



gesetz und Leidenschaft, der Paul H. in den verschiedenartigsten Formen 
anzieht und den er immer wieder mit lebendigem Verantwortungsgefiihl, aber 
in entschieden freiheitlichem, individualistischem Sinne behandelt. Er liebt die 
sittlichen Ausnahmefalle und tritt mit feurigem Mitgefiihl fiir das Recht des 
Ausnahmemenschen ein, ohne es aber auf die durchschnittliche Mittelm&Big- 
keit iibertragen zu wollen. Obwohl er sich gegen solches MiBverstehen im Vor- 
wort zu seinen »Moralischen Novellen« (1869) ausdriicklich verteidigte, ist er 
doch lange Zeit als unsittlich verdachtigt worden. Um so mehr drangte es ihn, 
auch in umfassenderen kiinstlerischen Bildern Bekenntnis abzulegen von der 
Welt- und Lebensanschauung, die ihn erfiillte. Sein erster grofler Roman, die 
in Berlin spielenden » Kinder der Welt « (1872), erschien fast gleichzeitig mit 
dem Buche »Der alte und der neue Glaube« von D. Fr. Straufi. Wie dieser lehnt 
er den Anspruch des allein selig und sittlich machenden Kirchenglaubens ab 
und nimmt mutvoll in Anspruch, auch ohne Aussicht auf eine himmlische Ge- 
rechtigkeit und ein Leben nach dem Tode doch sich sittlich vornehm zu be- 
haupten und mit der Fiille des eigenen Daseinsgefiihls reines Menschentum und 
lebenswertes Gliick in sich zu tragen. Wie gegen beschranktes Kirchentum 
wendet er sich aber auch gegen einen Schopenhauerischen Pessimismus. In- 
dem er die Welt mit alien ihren Mangeln doch durchflutet sieht von einem 
Strome der Liebe und der Schonheit, der gerade in dem begnadeten Menschen 
rein und belebend zutage tritt, erhebt er sich mit tiefer Empfindung iiber einen 
bloCen Rationalismus und mahnt mit sonniger Seele und hinreiJ3ender Warme, 
trotz der tragischen Grunderkenntnis : Gedenke zu leben! Dieselbe Lebens- 
stimmung, doch nicht mit philosophischem, sondern kunstlerischem Unter- 
grund, durchzieht den Mtinchener Roman »Im Paradiese«, der das Recht der 
echten Liebe, auch gegen die Schranken einer sonst ehrwurdigen Konvention, 
wie es die von Paul H. stets in ihrer wahren Wiirde geachtete Ehe ist, ver- 
herrlicht. Das innerste Sein des Menschen ist dem Dichter immer wichtiger als 
alles, was er etwa nach aufieren Forderungen soil oder will. Auch in unserer 
wohlgeregelten, zivilisierten Welt der Natur nachzuspuren und ihr Recht zu 
vertreten, ist ihm das erste Anliegen. Und so ist Treue gegen sich selbst in 
seinen Augen die Grundforderung wahren Menschentums, ein Zwiespalt mit 
sich selbst das wahre Ungluck und die wahre Siinde. 

Dieser klaren, die Natur bejahenden ethischen Haltung entspricht auch die 
asthetische Grundrichtung Paul H.s, die iiberall zur t)berwindung alles Frag- 
wiirdigen, Ungeklarten, Unschonen, zu wohlabgewogenem Ebenmafi, zu aufierer 
und innerer Harmonie vorzudringen sucht. Fiir ihn hat gerade das Klare, Ge- 
sunde, Einfache einen damonischen Reiz, der ihm hoher steht als alle griible- 
rische Problematik. Sein kiinstlerisches Schaffen ist durchdrungen von einem 
hohen Verantwortungsgefiihl, dem die Bewaltigung des triiben Stoffes in reinen 
Formen nicht ein virtuoses Spiel, sondern ernsteste Lebensaufgabe ist. Riick- 
haltlos gibt er die ganze Personlichkeit in seiner Dichtung, aber mit einer Selbst- 
zucht und edlen Haltung, die mancher Mifideutung begegnete. Schon in den 
sechziger Jahren hatte Fr. Th. Vischer und Gottfried Keller iibereinstimmend 
gegen solche Verkennung Veiwahrung eingelegt. » Diese schone, spezifisch kiinst- 
lerische Erscheinung,« sagt Keller iiber Paul H., »gehort zu den Erscheinungen, 
welche der schnoden Routine die groCte Unbequemlichkeit verursachen und 
von denen sich die weihelosen Konversationsschriftsteller und die Unkrauter 



38 I9H 

aller Art abwenden wie die Hunde von einem Glas Wein. An den ersten Wort- 
reihen, welche ein solches Talent horen laBt, erkennen sie die ihnen fremde 
Mundart des Schonen, den Wohlklang der wirklichen Poesie, und sofort wird 
nach einem Schlag- oder Scheltwort ausgeschaut, mit welchem der VerhaBte 
zu verponen, zu insultieren gesucht wird. Da hort man dann geringschatzige 
Tadelworter wie Formgewandtheit, glatte Verse, Gelecktheit usw.« All diese 
Vorwiirfe wurden in den achtziger und neunziger Jahren mit erneuter Gehassig- 
keit erhoben. Je lebendiger Paul H. in seiner Gesamterscheinung und in 
seinen einzelnen Werken die unzerstorbare Macht eines in Lebensfiille wurzeln- 
den Idealismus verkorperte, um so mehr wurde er der Zielpunkt der Angriffe, 
die sich mit dem Vordringen des Naturalismus franzosischen und russischen 
Geprages und der gesellschaftskritischen Problematik der Skandinavier immer 
mehr gegen diese Kunstanschauung richteten. Ganz den neuen Eindriicken 
hingegeben, vergaB die aufstrebende Jugend vollig, was die freie geistige Ent- 
wicklung gerade H.s Kritik der konventionellen Moral, was die Kunst seiner 
Formenstrenge und seiner Treue gegen die innere Natur alles Daseins ver- 
dankte. Sie empfand nur hemmend bei ihrem Sich-Ausleben und ihrer Ver- 
gotterung eines miBverstandenen Nietzsche, daO Paul H. jedem ziigellosen 
Egoismus die natiirlichen Schranken der Pflichten gegen die Allgemeinheit ent- 
gegensetzt, daB er trotz seines aufrechten Individualismus mit reiner Menschen- 
liebe keine Herren- und Sklavenmoral anerkennt ; sie verstand nicht sein un- 
bedingtes Betonen der kiinstlerischen Forderungen gegeniiber den sich vor- 
drangenden sozialkritischen Ideen, die sich bei ihm den dichterischen Zwecken 
unterordnen, nicht sie beherrschen diirfen; und sie wollte keine Natur mehr 
dort sehen, wo nicht das HaBliche die entscheidende Rolle spielte. So nahm der 
Ansturm leidenschaftliche Formen an, und Paul H. wich der Herausforderung 
nicht aus. In die Niederungen personlicher Polemik freilich verschmahte er 
herabzusteigen ; doch trat er dem neuen Wesen und Unwesen mit Dichtungen 
entgegen, die in lebendigen Gestalten seine kiinstlerischen Uberzeugungen ver- 
teidigten. Etwas von diesem Kampfgeiste haftet nun freilich dem »Spruch- 
biichlein« (1885), dem Drama »\Vahrheit« (1891) und vor allem dem groBen 
Dichterroman »Merlin« (1892) an, nicht immer zu ihrem Vorteil; denn der 
»Mut seiner Antipathien«, den Paul H. nie verleugnete, verfiihrte ihn auch 
gelegentlich zu Ungerechtigkeit oder Verkennung des Gegners. Trotzdem sind 
gerade diese Werke wert voile Zeugnisse seines Wesens. Wenn er sich dagegen 
mit seiner stilisierenden Darstellungsweise an Stoffen versuchte, wie sie die 
Naturalistenbevorzugten[z. B. »Fedja« (1893), »Xaverl« (1891)], so konnte er 
damit das ihm unsympathische Gebiet nicht wirklich fiir sich gewinnen. Es 
blieb bei dem, was er sich selbst ofter eingestand: was ich nicht Hebe, kann 
ich nicht machen. Alles menschliche Wohlwollen und hilfsbereite Mitgefiihl fiir 
die Note des Leidenden und des gemeinen Mannes konnten ihm diese Seite 
des I/ebens dichterisch nicht nahebringen. Dadurch blieb seinem kiinstlerischen 
Wesen nicht nur die geist- und trostlose Alltags- und Elendmalerei jener Tage 
fremd, sondern auch die Fiille der durch den Naturalismus erschlossenen 
sozialen Probleme. Was er unter dem ewig und allgemein Menschlichen versteht, 
was in keiner Dichtung fehlen darf, hat mit Klassenkampf und Wirtschafts- 
leben, aber auch mit Pathologie nichts zu schaffen. Die Masse als Ganzes bleibt 
ihm fern; nur fiir den einzelnen fehlt es ihm nie an vollem, reinem Mitgefiihl. 



Heyse 39 

Dichterisch kann dieses sich aber nicht auswirken, wenn ein pathologischer 
Naturvorgang sich als die Hauptsache vordrangt, sondern nur, wenn dieser 
seelisch iiberwunden wird. Ohne den Widerspruch gegen Ibsens »Gespenster« 
ware H.s Einakter »Die schwerste Pflicht« (1888) kaum entstanden. 

Aufrecht und mannhaft wie in den literarischen Kampfen vertrat Paul H. 
auch bei anderen Verwicklungen seine Oberzeugung. Im Kapitel des Maxi- 
railiansordens fiir Kunst und Wissenschaft, in dem er lange Jahre der Haupt- 
vertreter der Dichtkunst war, schlug er im Jahre 1887 die Wahl Ludwig Anzen- 
grubers vor und erzielte einstimmige Annahme. Da aber gegen eine solche 
Auszeichnung des Dichters des »Pfarrers von Kirchfeld« ein Entriistungssturm 
der ultramontanen Partei drohte, anderte das Ministerium Crailsheim, um die 
Rechtslage der politischen Situation anzupassen, die Satzung des Ordens dahin 
ab, daB der Regent — was ihm nach der Absicht des Ordensstifters Maxi- 
milian II. nicht zustand — auch eine vollzogene Wahl noch ablehnen konnte, 
und Anzengruber wurde der Orden nicht verliehen. Darauf legte das gesamte 
Kapitel sein Amt nieder, da die Bedeutung des Ordens eben auf der Wahl durch 
Gleichstehende beruhte im Gegensatz zu einer hofischen Dekoration. Doch 
liefien sich die meisten Mitglieder durch neue Zusicherungen zur Zuriicknahme 
dieses Schrittes bewegen; nur Paul H. und mit ihm Schack hielten an ihrem 
Standpunkte fest, unbekiimmert um alle Versuche, sie umzustimmen. 

Ebenso wie hier erklarte Paul H. im Jahre 1891 in Berlin seinen Riicktritt 
als Preisrichter des Schillerpreises, als der Kaiser dem MehrheitsbeschluB des 
Preisgerichtes — zugunsten von Fuldas » Talisman « — die Bestatigung ver- 
sagte. War ihm doch ohnehin die Art der Kunstpflege wie die politische Hal- 
tung Wilhelms II. in tiefster Seele unsympathisch, fast mehr noch als der 
Berliner Naturalismus jener Zeit. So wenig er fiir sozialdemokratische Revo- 
lutionsstromungen iibrig hatte und sich von einer Massenbewegung versprach — 
sein betonter Individualismus verlangte Personlichkeiten und Heldenver- 
ehrung — , noch mehr widerstrebte seinem ganzen Wesen ein hohler Byzantinis- 
mus und nie hat er sich mit der Entlassung des Reichsgriinders und ihrer Art 
abfinden konnen. Das vornehm menschliche Empfinden leitete auch seinen 
politischen Instinkt und lieB ihn das Unheil vorausahnen, dem Deutschland 
nun entgegensteuerte und das noch zu erleben ein giitiges Schicksal ihm erspart 
hat. Wiederholt hat er seine unerschutterliche Verehrung fiir Bismarck dichte- 
risch zum Ausdruck gebracht, am schonsten wohl in der Epistel iiber den Be- 
such des verfemten Altreichskanzlers in Miinchen im Juli 1892, bei dem er ihm 
auch personlich nahetreten durfte. 

Schon bei seinem Vorgehen zur Wahrung der Unabhangigkeit des Maxi- 
miliansordens und des Schillerpreises war in ausgepragter Weise in die Er- 
scheinung getreten, daB das deutsche Schrifttum damals keinen anderen Ver- 
treter besaB, der mit ebenso groBer kunstlerischer Autoritat und unbeirrbarer 
vornehmer Sicherheit die Wiirde und Freiheit der Kunst zu verteidigen im- 
stande gewesen ware. So war es nur naturgemaB, daB die Feindseligkeit der 
entwicklungsfrohen Jugend mit den Jahren immer mehr schwand, und daB auch 
sie in flammendem Zorn auf seine Seite trat, als die geistverlassene riickschritt- 
liche Polizeizensur in PreuBen das biblische Drama » Maria von Magdala« von 
Paul H. 1901 mit einem Auffiihrungsverbot belegte. Zwei Jahre lang wurde 
der Kampf gefiihrt um ein Stuck, das, von tiefem sittlichem Ernst erf iillt, keinen 



40 I9M 

wahrhaft religiosen Menschen verletzen konnte; die Polizei aber blieb hart- 
nackig, und so wurde das Drama nur in Amerika, Bremen und Hamburg offent- 
lich und mit grofiem Erfolg, im iibrigen Deutschland nur in geschlossenen Vor- 
stellungen der Goethebiinde und Vorlesungen literarischer Gesellschaften vor- 
gefiihrt. Paul H. aber griff in seinen Alterswerken noch mehrmals zu biblischen 
oder religiosen St of fen; die Dramen »Der Heilige« (1902), »Das verschleierte 
Bild von Sais« (1901), »Saul« (1908) riihren an die letzten Probleme und weisen 
so im Ausklang noch einmal zuriick auf die Grundauffassung des Jugendwerkes 
»Thekla«, das in humanistischer Religiositat das Wesen des Christentums nicht 
in Dogmatik, sondern in lebendig bewahrter Ethik erblickt. 

Diese Anschauungsweise hat auch in dem » Roman der Stiftsdame« (1887) 
Ausdruck gefunden, dem ersten der kleineren Romane Paul H.s., der iibrigens 
am starksten von ihnen in seiner kunstlerischen Haltung die inneren Zusammen- 
hange mit den »Wahlverwandtschaften« hervortreten laJ3t. Es folgten noch 
»t)ber alien Gipfeln« (1895), »Gegen den Strom « (1904), >>CroneStaudlin« (1905), 
»Die Geburt der Venus« (1909), Werke, die nicht die fruhere Straffheit und 
Eindringlichkeit, wohl aber unverandert die alte Sicherheit und Anmut des 
Erzahlertones und eine milde Altersweisheit festhalten. Auch in den spateren 
Novellen Paul H.s, unter denen die »Novellen vom Gardasee« (1903) seinen 
sonnigen Alterswohnsitz verherrlichen, und in den zahlreichen, leicht hinge- 
zeichneten Skizzen und Studienkopfen seiner letzten 15 Jahre fiihlt man ofters 
eine mattere Hand. Unvermindert aber blieb ihm die Fulle der Erfindung und 
die Leichtigkeit der Gestaltung, und seine L,yrik brachte in dem »Wintertage- 
buch Gardone 1901/02 « und den »Waldmonologen aus Kreuth« (1907) noch 
die kostlichsten Spatfriichte. Wenn aber die allmahlich vordringenden Alters- 
beschwerden am eigenen Schaffen hinderten, blieb ihm doch wenigstens in der 
Ubertragung seiner geliebten italienischen Dichter die gewohnte »Beschafti- 
gung, die nie ermattet«, treu; noch nach seinem Tode erschienen seine »Italie- 
nischen Volksmarchen « und »Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Re- 
naissance « (1914). 

Im Jahre 1899 hatte Paul H. nach einer schweren Krankheit in Gardone 
am Gardasee eine behagliche Villa erworben, in der er nun ein Jahrzehnt hin- 
durch regelmafiig den Winter verbrachte. An seinem 80. Geburtstage aber 
(1910) empfing er in Miinchen unter den verschiedensten Ehrungen und Huldi- 
gungen aus Deutschland und Italien das Ehrenbiirgerrecht der bayerischen 
Hauptstadt, nachdem schon im Jahre 1904 anlaBlich der 50. Wiederkehr des 
Tages seiner Ubersiedlung hierher der greise Prinzregent Luitpold mit freund- 
licher BegriiBung die alte Beziehung zum Konigshause wieder hergestellt hatte. 
Auch der Adel wurde dem Dichter verliehen, der davon freilich keinen Gebrauch 
machte. Hoher stand ihm die Auszeichnung durch den Literatur-Nobelpreis im 
Jahre 191 1, dessen Ertrag er iibrigens im wesentlichen der Deutschen Schiller- 
stiftung, dem Tierschutz und anderen gemeinniitzigen Stiftungen und Organi- 
sationen zuwandte. Lebenslang war er selbstlos gebefreudig, nicht nur fur seine 
Freunde, sondern fur jeden Schwachen und Wehrlosen; sein Dienst der Schon- 
heit entfremdete ihn nicht tatkraftiger Hilfsbereitschaft gegeniiber mensch- 
lichem Elend. Langsam und erst nach wiederholten Krankheitsanfallen wich 
seine elastische Lebenskraft dem hohen Alter. Als er am 2. April 1914 die 
Augen zur ewigen Ruhe geschlossen, verklarte noch eine wunderbare mannhche, 



Heyse. Hittorf 41 

nicht greisenhafte Schonheit die Erscheinung des Dahingegangenen. Ohne 
geistlichen Beistand, aber unter ungeheurer Beteiligung von Leidtragenden 
und vielen Nachrufen, deren ersten l,udwig Fulda hielt, wurde er am 5. April 
im Waldfriedhof zur ewigen Ruhe bestattet. 

In der Zeit der naturalistischen Angriffe auf Paul H. schrieb ihm einmal 
Theodor Fontane: »Wie's auch kommen mag, die Tatsache, daB Du 30 Jahre 
lang an der Tete standest, so ausgesprochen, dafi Du Deiner literarischen 
Epoche sehr wahrscheinlich den Namen geben wirst, diese Tatsache kann durch 
keinen Radaubruder aus der deutschen Literaturgeschichte gestrichen werden. « 
Neben den anderen groBen deutschen Erzahlern seiner Zeit, den Keller, Storm, 
Fontane, C. F. Meyer, G. Freytag, stehtPaulH. als der » Burger zweier Welten «, 
der deutschen und der italienischen, vielleicht weniger bodenstandig da, aber 
mit einer iiberlegenen kulturellen Weite des Blickfeldes, mit einer unerreich- 
ten Fiille und Vielseitigkeit des Schaffens und einer Reinheit und Unbedingtheit 
des Ktinstlertums, die nicht ihresgleichen haben. Wer aber den herzgewinnen- 
den Zauber seiner bis ins hochste Alter harmonischen Personlichkeit erfahren 
durfte, der mochte wohl wie Otto Gildemeister, Th. Fontane und so viele 
andere urteilen : hoher noch als der Dichter stand der edle, lautere Mensch. 

Literatur: Der handschriftliche NachlaB P. H.s befindet sich im Besitze der Witwe des 
Dichters in Miinchen. — Bildnisse von ihm wurden gemalt von E. Magnus, Menzel, Gunkel, 
Muhr, Lenbach (mehrmals), Helene Raff, Kunz Meyer (dreimal) ; auf Stein gezeichnet von 
Bernhard Hofling; radiert von Raab, Rohr und Schmutzer; gezeichnet von Hensel, Schwei- 
singer, Kunz Meyer- Waldeck ; Buste von WagmuUer; Relief von Erwin Kurz. Mehrere da- 
von sind abgebildet in den nachstehend genannten Brief veroffentlichungen und in Helene 
Raffs P. H. (Velhagen & Klasings Volksbiicher Nr. 29, 191 1). — Quellen: P. H., Jugend- 
erinnerungen und Bekenntnisse, 5. Aufl. in 2 Bdn. (191 2), sowie die Lebenserinnerungen 
von Julius Grosse, Hermann Lingg, Felix Dahn, Theodor Fontane, R. v. Hornstein, Rosalie 
Braun-Artaria u. a. — Theodor Heyse, Stammtafel der Familie Heyse (1898); E. Petzet 
und G. Herbig, C. W. L. Heyse und sein System der Sprachwissenschaft (7.Abh. der 
Sitzungsberichte der Munchner Akademie d. Wiss. 191 3). — Der Briefwechsel P. H.s mit 
J.Burckhardt erschien 1916, mit Storm 1917/18, Gottfried Keller 1919, Geibel 1922, 
Fanny Lewald in der » Deutschen Rundschau*, Juni 1920; ferner Proben aus dem Brief- 
wechsel mit Hermann Kurz, Ernst Wichert, Arturo Farinelli, Karl Alexander von Weimar 
im * Schwab. Bund «, Velhagen & Klasings M.-H.,* Deutsche Revue « 1918 — 1923. — Selb- 
standige Schriften iiber P. H. liegen vor von Otto Kraus (P. H.s Romane und Novellen, 
1888), E. Petzet (P. H. als Dramatiker 1904, P. H. ein deutscher Lyriker 1914), Viktrr 
Klemperer (1907), Helene Raff (1910), Heinrich Spiero (1910), Arturo Farinelli (1913), 
Gg. J. Plotke, P. H.s epische und novellistische Anfange (Diss. 1914), Robert Mc Burney 
Mitchell, H. and his predecessors in the theory of the novelle, 191 5. — Von den zahllosen ein- 
zelnen Aufsatzen und Studien iiber P. H.und seine Werke seien hier nur hervorgehoben 
die von Gg. Brandes (in seinen Modernen Geistern, 1882) und Adolf Stern (in seinen Studien 
zur Literatur der Gegenwart, N. F. 1904), ferner die Einleitungen von E. Petzet zu den 
Auswahlausgaben seiner Gedichte (1920), seiner Novellen (in 5 Bdn. 1922) und seiner ge- 
sammelten Werke (in 15 Bdn. 1924); iiber sein Verhaltnis zur Politik Helene Raff (in den 
» Sudd. Monatshef tent, Mar/1910), und E. Petzet (in der » Deutschen Revue*, Miirz und 
April 1919). 

Miinchen. Erich Petzet. 

Hittorf, Johann Wilhelm, * in Bonn am 27. Marz 1824, f in Miinster i. W. am 
28. November 1914. — Sohn einer Bonner Kaufmannsfamilie, rheinischer Ab- 
stammung, ven\ 7 andt mit dem Architekten gleichen Namens, der sich in Koln 
und spater in Paris bekannt gemacht hat, besuchte H. die Bonner Biirgerschule 



42 1914 

und dann das Bonner Gymnasium, das er 1842 unter Befreiung von der miind- 
lichen Priifung verlieB. Von seinen vier Geschwistern studierte ein Bruder 
Medizin. Abgesehen von einem kurzen Aufenthalt in Berlin hat H. in Bonn 
studiert, wo namentlich Plucker EinfluB auf ihn iibte. 1846 promovierte H. in 
Bonn mit einer reinen mathematischen Arbeit iiber Kegelschnitte (Proprieta- 
tes sectionum conicarum ex aequatione polari deductae) (auch Crelle 38, 89 — 92, 
1847). ^aB e * n experimentelles Genie wie H. mit einer derartigen theoretischen 
Arbeit begann, zeugt von der Unzulanglichkeit der damaligen experimentellen 
Hilfsmittel, bei der die J linger der experimentellen Wissenschaften auf die 
privaten Hilfsmittel ihrer Lehrer angewiesen waren. Eine solche Hilfe fand H. 
bei Plucker, und so entstand seine erste experimentelle Arbeit iiber die ver- 
schiedenen Formen, die die Oxyde der edlen Metalle erhalten, wenn sie auf gal- 
vanischem Wege gewonnen werden (Pogg. 72, 481, 1847) H. betrat damit ein 
Gebiet, das er spater nach mehreren Richtungen mit grofitem Erfolge angebaut 
hat: die Frage nach der Natur der Elektrolyte und nach den verschiedenen 
Zustanden, die ein chemisches Element besitzen kann. Auch diese letztere Frage 
hat heute eine ebenso groBe praktische wie theoretische Bedeutung gewonnen, 
H. untersuchte sie zuerst 1851 am Selen und 1865 am Phosphor. In seinem Alter, 
fast 35 Jahre spater, ist H. dann noch einmal zu seinen Jugendarbeiten zuriick- 
gekehrt und hat 1898 und 1900 die merkwiirdigen Erscheinungen untersucht, 
die bei der Auflosung gewisser Metalle in Sauren auftreten. Noch heute kann 
die als Passivitat bezeichnete Erscheinung trotz zahlreicher Untersuchungen 
nicht als vollig aufgeklart bezeichnet werden. Ein Teil der weiter in Bonn ge- 
machten Untersuchungen wurde erst in den sechziger Jahren veroffentlicht. 
Zahlreiche von H.s Hand stammende Apparate der Sammlung des Bonner 
Instituts, die niemals beschrieben worden sind, zeugen von dem rastlosen FleiBe 
H.s in jenen kurzen Jahren. Sie fanden ihren AbschluB durch eine Berufung 
nach Miinster, wo die preuBische Regierung einen Mann brauchte, der gleich- 
zeitig Physik und Chemie vertreten, und der, eine besondere Ausnahme, der 
katholischen Konfession angehoren sollte. Ehe H. diesem auf Pluckers Emp- 
fehlung erfolgten Rufe entsprechen konnte, muBte er sich noch habilitieren. Er 
tat dies 1847 m Bonn und wirkte dann in Miinster zunachst als Privatdozent und 
seit 1852 als auBerordentlicher Professor. Der Universitat Miinster ist er von 
da an bis an sein Ende treu geblieben. Ein einzigesMal, 1856, hat er einen Ruf 
nach Bern erhalten, bei dessen Ablehnung ihn die preuBische Regierung zum 
Ordinarius ernannte. Die Verbindung von Physik und Chemie, zunachst eine 
heute unertraglich scheinende Haufung, ist eine der Ursachen von H.s groBen 
Erfolgen ge worden. Durch sie wurde er ein Nachfolger Faraday s, dessen Ar- 
beiten und Methoden er in genialer Weise aufnahm und weiter bildete. H.s 
experimentelles Genie triumphierte iiber die Armseligkeit der damaligen 
auBeren Hilfsmittel ebenso wie iiber das mangelnde Verstandnis seiner Zeit- 
genossen. Schon 1853 erschien der erste Teil seiner beriihmten Arbeit iiber die 
Wanderung der Ionen, dem 1856, 1858, 1859 und zuletzt 1874 weitere Teile 
folgten. In diesen Abhandlungen begriindete H. mit erstaunlicher experimen- 
teller Ausdauer, mit groBter Prazision und mit tiefem Scharfblick die Lehre 
von der Elektrochemie, legte den Begriff eines Salzes klar und lehrte die Veran- 
derungen berechnen, die bei dem Durchgang des Stromes durch einen Elektro- 
lyten eintreten, Vorbedingungen fiir die spateren Arbeiten von Kohlrausch und 



Hittorf 43 

Arrhenius. Es ist uns heute schwer begreiflich, wie die elektrochemischen 
Untersuchungen H.s so geringem Verstandnis und so unbelehrbarer Gegner- 
schaft seiner Zeitgenossen begegnen konnten. Selbst Manner wie Berzelius und 
Magnus, Wiedemann und sogar Clausius, Faraday und Bunsen befanden sich 
unter seinen Gegnern, so daB H. fast zwanzig Jahre urn die Anerkennung von 
Resultaten ringen muBte, die heute Allgemeingut der Physiker und Chemiker 
sind. Nur eine Arbeit aus jener Zeit machte eine Ausnahme; es ist die gemein- 
sam mit Pliicker veroffentlichte Abhandlung iiber die mehrfachen Spektra der 
Gase, die 1863 in deutscher, 1865 in englischer Sprache erschien und vielleicht 
auch wegen ihres Erscheinungsortes (Phil. Trans.) groBtes Aufsehen machte. 
Es handelte sich um den Nachweis, daB es zwei prinzipiell verschiedene Typen 
von Spektren gibt, und daB dasselbe Element beide Arten von Spektren aus- 
senden kann. Nach anfanglichem heftigen Widerspruch wurde diese Ent- 
deckung bald ein unbestrittener Besitz der Spektroskopie und bildet auch heute 
die Grundlage fundamentaler Unterscheidungen. Dazu war sie gleichsam ein 
Mittelglied zwischen den elektrochemischen und einer zweiten Klasse von 
Untersuchungen, bei denen H. nicht minder groBen Ruhm gewann. Wie er 
die Elektrizitatsleitung in den Elektrolyten erforscht hatte, so griff er nun 
die Elektrizitatsleitung in den Gasen an. Die an Experimenten neuer Art 
und Entdeckungen iiberaus reichen Arbeiten der Jahre 1868, 1869, 1874, 
1879, 1883 und 1884 iiberragen die Leistungen aller Zeitgenossen. Der an dem 
Studium der Elektrolyte gescharfte Blick H.s erkannte hier zuerst die mit 
der korpuskularen Natur der Elektrizitat zusammenhangenden Erscheinungen. 
H. entdeckte die Kathodenstrahlen, die erst spater durch Crookes in weiteren 
Kreisen bekannt wurden ; er f and die eigenartigen Eigenschaften der leitenden 
Flammengase; er legte den Grund fiir die L,ehre von den gliihelektrischen Er- 
scheinungen ; er entwickelte zuerst bestimmte Ansichten iiber die das Leuchten 
bedingenden elektrischen atomaren Prozesse. Ein jedes Wort dieser kurzen 
Aufzahlung ist heute die tlberschrift zu einem wohlentwickelten Kapitel der 
Physik und Technik. VeranlaBt durch eine langere Erkrankung, von der H. 
jedoch vollig wieder hergestellt wurde, legte er 1899 nach Vollendung seines 
65. Lebensjahres sein Amt nieder und lebte fortan nur seinen Studien und 
Reisen. Noch 1902 und 1903 finden wir H. experimentell tatig, wie zwei Ab- 
handlungen iiber eine Fehlerquelle beweisen, die er in eigenen friiheren Ar- 
beiten bemerkt hatte. 

H. war von kleiner, untersetzter Statur, mit machtigem Kopfe und kurzem 
Halse, klugen, ein wenig kurzsichtigen Augen, kahlem Kopf und rasiertem 
Gesicht. Junggeselle, lebte er behaglich mit seiner Schwester zusammen, die in 
der Flirsorge fiir ihren Bruder ihren Lebensinhalt fand. Einem angemessenen 
Komfort des Iyebens und frohlicher Gesellschaft nicht abhold, war er selbst 
nicht sehr gesprachig, ein vielseitiger Leser und Literaturfreund und ein Lieb- 
haber des Reisens. Seine bei naherer personlicher Bekanntschaft besonders 
bemerkbare hervorragendste Gabe war eine auBerordentliche Unbestechlich- 
keit der Beobachtung und des Urteils, vor der keine Halbheit, keine vorgefaBte 
Meinung, keine tatsachenfremde Hypothese bestehen konnte. DaB ein Mann 
mit solchen Gaben und solchen Leistungen so lange Jahre um Anerkennung 
ringen muBte, erschiene fast unbegreiflich, wenn nicht die Entwicklung der 
organischen Chemie und das Aufkommen der Maxwellschen Feldtheorie in jenen 



44 ! 9 X 4 

Zeiten die Atifmerksamkeit der Chemiker und Physiker in andere Richtung 
gelenkt gehabt hatten und wenn nicht der Boden fur die heute geltende 
elektrochemische Theorie der Elektrizitat damals volliges Neuland gewesen 
ware. Auch andere Vorurteile verbanden sich hiermit, die noch heute gegen- 
iiber der Universitat Miinster nicht ganz ausgerottet sind, so toricht sie auch 
sein mogen und die in das traurige Kapitel konfessioneller Gegensatze und 
Vorurteile gehoren, wahrend H. selbst, ein Mann von Welt und umfassender 
Bildung, iiber solche Dinge erhaben war. 

H. hat lange genug gelebt, um den Sieg seiner Forschungen noch schauen zu 
konnen. Der Gottinger Akademie gebiihrt der Ruhm, H. als erste 1879 zum 
korrespondierenden Mitglied ernannt zu haben. Die meisten anderen Akade- 
mien des In- und Auslandes sind gefolgt. H. war Ehrendoktor von StraBburg, 
Leipzig, Berlin usw., Ehrenprasident der deutschen elektrochemischen Gesell- 
schaft, Inhaber von zahlreichen Medaillen, Ritter des Ordens Pour le merit? , 
preufl. Geh. Rat mit dem Titel Exzellenz und hat also im Alter in Ftille geerntet, 
was ihm in jungen Jahren versagt blieb. Sein Name bleibt ein besonderer Stolz 
der heutigen Universitat Miinster, der sein Leben gewidmet war und um deren 
Entwicklung von der Akademie zur vollwertigen Universitat er sich gleichf alls 
die groBten Verdienste erworben hat. 

Literatur: A. Heydweiller, J. W. H., » Physik. Zeitschr.* 16, S. 161 — 179, 1915, 
auch Sep., Hirzel, Leipzig 191 5. — G. C. Schmidt, W. H., Festschrift der Med.-Naturw. 
Ges., Miinster 1912, S. 19 — 27. — H. Konen, J. W. H., » HI. Ztg.«, Dez. 1906. — H., Pogg. 
Biograph. Handworterb., I, II, III, 1904, Orig. Ill, S. 620 — 621. — Sv. Arrhenius, I. W. H. 
dZeitschr. f. Elektrochemie « 21, S. 65 — 69 (191 5). — E. Bouty, H., »C. R. « 160, S. 315 
(1915). — G.Tamman, W. H., » Gott. Nachr.« 1915, S. 74—78. — A. Coehn, W. H., 
*Naturw.« 3, S. 41 — 43 (1915). 

Bonn, H. Konen. 

Kley, Carl, Dr.-Ing. e. h., Zivilingenieur, * in Mannheim 1831, 1 19- Okt. 1914 
in Bonn. — Carl K. erhielt seine technisch-wissenschaftliche Ausbildung in Karls- 
ruhe. Hier legte er das wissenschaftliche Fundament, das ihn spater befahigte t 
erfolgreiche neue Wege zu gehen. Redtenbacher, der alle seine Studenten mit 
sich fortreiJ3ende grofie Lehrer, wirkte auf ihn so nachhaltig ein, daB K. nach 
einigen Jahren Praxis sich entschloC, als Assistent Redtenbachers seine Kennt- 
nisse zu vertiefen. Hier hatte er auch die MuBe, die groBen Eindriicke, die aus- 
gedehnte Studienreisen durch England auf ihn ausgeiibt hatten, weiter zu ver- 
arbeiten. Aus der Ruhe des akademischen Lehrberufes, die ihm damals als er- 
strebenswertes Ziel winkte, entschloB er sich doch, dem Ruf in die Praxis zu 
folgen. Die Bergbaugesellschaft Vieille Montagne bei Aachen beauftragte ihn, 
die gesamten Betriebseinrichtungen ihrer Werke dem neuesten Stande der 
Technik entsprechend umzubauen. Zu diesem Zwecke entsandte sie zunachst 
den jungen Ingenieur nach Schweden, damit er dort die Zinkgrubenbetriebe 
genau studieren konnte. Nach Hause zuriickgekehrt, arbeitete K. die Plane 
aus und fuhrte die Neuanlagen erfolgreich durch. Die Gesellschaft erwahlte 
ihn zu ihrem beratenden Ingenieur, wodurch es K. ermoglicht wurde, sich 
1857 a ^ s Zivilingenieur in Bonn niederzulassen. Ein halbes Jahrhundert lang 
hat er in dieser Stellung fiir die verschiedensten Gebiete der Technik erfolgreich 
gearbeitet. Am nachsten stand er dem bergbaulichen Maschinenbau und hier 



Hittorf. Kley. Koepping a 5 

wieder der Entwicklung der Wasserhaltungsmaschinen. K. hatte in Cornwall 
die wirtschaftlich giinstigen Ergebnisse der groBen Gestangewasserhaltungen 
kennen gelernt und sich die Aufgabe gestellt, weitgehende Expansion, von der 
man nach traurigen Erfahrungen bei Gestangemaschinen nichts mehr wissen 
wollte, anzuwenden, Er konstruierte 1861 fur die Grube Altenberg bei Aachen 
eine grofie Woolf sche Gestangemaschine. Der bedeutende Erf olg dieser Maschine 
fand in Fachkreisen una so mehr Beachtung, als K. in einer umfangreichen, in 
Stuttgart 1865 erschienenen Arbeit neben der konstruktiven Losung der Auf- 
gabe auch in mustergiiltiger Weise die rechnerischen Grundlagen fiir diese 
Maschine veroffentlicht hat. Das ausgezeichnete Buch hat damals viel zur 
tieferen Erkenntnis der Dampfmaschine beigetragen, 

Sehr bekannt ist auch die K.sche Wasserhaltungsmaschine mit Drehbewe- 
gung und Hubpausen geworden, deren Grundgedanken K. 1878 durch Patent 
geschiitzt wurden. Jahrzehntelang haben deutsche und auBerdeutsche Ma- 
schinenfabriken K.s Maschinen mit groBem Erfolg ausfiihren konnen. Nicht 
minder erfolgreich hat K. sich auf dem Gebiet des Ventilatorenbaues betatigt. 
Auch die von ihm konstruierten Fliehkraftregler, die man zu den besten 
Regulatoren mit Gewichtsbelastung rechnet, haben grofie Beachtung gefunden. 

K.s groBe technische Erfahrung ist durch seine umfangreiche Tatigkeit als 
Zivilingenieur vielen zugute gekommen, zahlreiche Gutachten zeugen hierfiir. 

Mit zunehmendem Alter begann er seine Arbeiten mehr und mehr einzu- 
schranken. Seine groBe Liebe zur Technik hat ihn aber bis zuletzt veranlaBt, 
alle neuen Errungenschaften mit tiefer beruflicher Zuneigung zu verfolgen. 
Besonders den Erfolgen der Luftschiffahrt und des Flugwesens ist er in den 
letzten Jahren noch mit groBtem Interesse nachgegangen. Auch abseits der 
eigentlichen Technik suchte sein reger Geist noch im hohen Alter Anregung. 
Mit groBer Freude horte er an der Bonner Universitat archaologische und kunst- 
geschichtliche Vortrage. In einem gliicklichen Familienleben, in dem er sieben 
Kinder und ebensoviele Enkel aufwachsen sah, fand er die schonste Erholung 
von aller Berufsarbeit. 

Mit Carl K., dessen Ingenieurleistung die Technische Hochschule Karlsruhe 
191 1 durch Verleihung der Wiirde eines Ehrendoktors anerkannte, ist einer 
jener groBen Ingenieure dahingegangen, fiir die der Maschinenbau mehr war 
als »die Kunst, Geld zu verdienen«. Seine Iyiebe zur Technik HeB ihn unermud- 
lich nach Vertiefung seines Wissens und Konnens streben. Hohe menschliche 
Eigenschaften, seine groBe Giite und Hilfsbereitschaft, seine Liebe zur Natur 
und Kunst, die Geradheit und Lauterkeit seines Charakters, verbunden mit 
seiner Berufstiichtigkeit, hinterlieBen bei alien, die ihm naher kamen, den 
Eindruck einer bewundernswerten, in sich harmonisch geschlossenen Per- 
spnlichkeit. 

Entnommen aus der Zeitschrift des Vereius deutscher Inge nieure Bd.48 (1914) S. 1585/86. 

Berlin. Conrad MattschoB. 

Koepping, Karl, Radierer und Maler, * in Dresden am 24. Juni 1848, f in 
Berlin am 15. Juli 1914. — Aus verschieden gerichteten Veranlagungen, deren 
jede in ihrer Art fiir seine Entwicklung bedeutungsvoll werden sollte, hat sich 
die Individuality dieses Meister-Radierers entwickelt. Obwohl schon von 
jungen Jahren an zum Zeichnen und Malen begabt, folgte K. K. zunachst 



46 1914 

einer gleich starken Vorliebe fur naturwissenschaftliche Studien, insbesondere 
fur Chemie, und absolvierte das Polytechnikum seiner Vaterstadt. Die Nei- 
gung zur Kunst regte sich aber wieder in ihm noch vor Beendigung der wissen- 
schaftlichen Studien und K. wahlte zu deren Fortsetzung das Polytechnikum 
in Miinchen, um neben seinen Fachstudien durch Besuch der Universitat sein 
allgemeines Wissen zu bereichern und um in der kiinstlerischen Atmosphare 
dieser Stadt Gelegenheit zu finden, seine Begabung auf die Probe zu stellen. 
In Miinchen reifte schlieBlich sein EntschluB, sich ganz der Kunst zu widmen, 
zu deren Studium er von 1870 an die dortige Akademie besuchte. Die Land- 
schaftsmalerei, in der er sich wahrend des Sommers auf dem Lande fleiBig 
iibte, war das Ziel, das er sich zuerst steckte; figiirliche Studien betrieb er in 
der Naturklasse des Kupferstechers J. L. Raab, der ihn auch in die technischen 
Grundlagen des Radierens einfiihrte. 

Starke Eindriicke, die er bei einem Besuch der Wiener Weltausstellung durch 
die dort ausgestellten Werke der franzosischen Malerei empfing, veranlaBten 
ihn, seine weitere kiinstlerische Ausbildung in Paris zu suchen. Auch dort war 
es zunachst die Landschaftsmalerei, die ihn hauptsachlich beschaftigte, da- 
neben Radierversuche, die bald die Aufmerksamkeit Charles Waltners auf 
ihn lenkten. Dieser ermutigte ihn, sich an groflere Aufgaben mit der Radier- 
nadel zu wagen und ein Werk Rembrandts zu reproduzieren. Der Versuch 
gelang, K. errang durch die Ausstellung seiner Arbeit im Salon einen groBen 
Erfolg und hatte damit das Betatigungsfeld seiner eigentlichen Begabung ge- 
funden. Anfangs noch etwas unter dem EinfluB Waltners stehend, der ihn 
durch seinen erfahrenen Rat unterstiitzte, bildete er bald die Eigenart seiner 
Technik immer vollkommener aus. Kleinen Landschaften nach Jan van Beers 
folgten das groBere Blatt der »Femme du Louvre « nach Rembrandt, Arbeiten 
nach Tizian, Max Liebermann und anderen. Aber erst in den im Auftrage 
des Pariser Kunstverlegers Sedlmeyer radierten groBen Blattern nach Mun- 
kacsy aMunk&csys Atelier « (1880), »DieNachtschwarmer« (1882), »Christus auf 
Golgatha« (1886 — 87), nach Rembrandts »Staalmeesters« (1886 — 87) und nach 
Frans Hals »Mahl der Offiziere der St. Georg-Schiitzengilde« (1889—90), ent- 
faltete sich ganz die unvergleichliche Veranlagung K.s zur reproduzierenden 
Radierung. Diese glanzenden Leistungen verhalfen ihm rasch zu Weltruhm. 
Seine jede Schwierigkeit souveran iiberwindende Technik, die er in den achtziger 
Jahren auch an Arbeiten nach Gainsborough, Jules Breton und an Clairins 
pariserisch-pikantem »Froufrou« mit nicht geringerem Erfolg erprobte, war 
nun zu hochster Bravour gesteigert. Die ungemeine Ausdrucksfahigkeit dieser 
mit alien raffinierten Mitteln der Strichfiihrung arbeitenden Technik lieB ihn 
die Eigenart der verschiedenen Meister, die farbigen Tonwerte, die Beleuch- 
tungseffekte, den besonderen Reiz der Pinselfiihrung, ja sogar den Erhaltungs- 
zustand der Bilder mit einer Vollendung wiedergeben, die diese zum Teil 
riesigen Blatter zu einzigartigen t Jbersetzungen f arbigerKunstwerke in Schwarz- 
WeiB macht. Zugleich aber sind sie in dieser Ubertragung so selbstandig, so 
personlich-geistig erfaBt, daB ihnen als graphischen Leistungen der Wert ori- 
ginaler Schopfungen zukommt. 

So glanzend sich sein Talent in diesen meisterlichen Arbeiten der reprodu- 
zierenden Graphik bewahrt hatte, sie befriedigten den Kiinstler nicht ganz, 
der sich durch die Vorbilder, die er nachschuf, allzusehr gebunden und bei 



Koepping 47 

der geistvoll-nervosen Lebendigkeit seines kiinstlerischen Empfindens unfrei 
fiihlte. Als der Ruf an ihn erging, als Nachfolger Mandels die Leitung des 
Meisterateliers fiir Graphik bei der Berliner Akademie zu ubernehmen, dem 
er 1890 Folge leistete, legte K. deshalb nach seinem eigenen Bekenntnis das 
Geltibde ab, von nun an nur noch Originalradierungen zu schaffen. Von we- 
nigen Ausnahmen abgesehen, ist er diesem Vorsatz wirklich treu geblieben. 
Wunderbar belebte Flachen sind seine ersten originalen Radierungsschop- 
fungen, fiir die er wie fiir seine Pariser Arbeiten sehr groBe Formate wahlte, 
obwohl diese der feinen, mehr auf intime Wirkungen abzielenden Technik der 
Radierung wenig giinstig sind. Das »Sommeridyll« (1893) und die »Landschaft 
mit Frauenriickenakt« (1895) sind deshalb trotz groBer Schonheit aller Einzel- 
heiten als Ganzes seinen friiheren Leistungen nicht vollig ebenbiirtig. Grofi- 
ziigiger in der Komposition und eindrucksvoller in der Linienfiihrung sind 
die in zwickelartige Begrenzungen der Bildflache gestellten groBen Figuren 
einer »Sibylle« und einer »Dryade«. Auf das schone Blatt »Trauer« (1894) folg- 
ten kleinere Arbeiten in mehr genrehafter Auffassung, weibliche Akte, bei 
denen das Modellstudium zuweilen nicht genug iiberwunden erscheint. Immer 
noch kostlich genug, was der Kiinstler mit diesen Originalarbeiten geschaffen 
hat, die absolute kiinstlerische Hohe seiner Rembrandt- und Frans-Hals- 
Interpretationen hat er damit aber nicht mehr erreicht. Sehr geschickt, wenn 
auch etwas trocken erledigte er in seiner letzten Schaf fensperiode Auf gaben der 
Originalbildnisradierung (Krupp v. Bohlen-Halbach und Frau und andere). 

Uber K.s bedeutendem Schaffen als Radierer darf seine Begabung zur Ma- 
lerei nicht ganz vergessen werden. DaB sie keineswegs gering war, dafiir legt 
sein geistvolles, in iiberlegener Technik ausgefiihrtes Selbstbildnis Zeugnis ab. 
Erst in seinen letzten Lebensjahren begann K. sich wieder mehr den Pro- 
blemen der Malerei zuzuwenden und beteiligte sich mit Erfolg an einigen 
Konkurrenzen um dekorativ-monumentale Arbeiten, freilich ohne daB etwas 
von seinen Entwiirfen zur Ausfiihrung gelangte, was uns der Frage iiberhebt, 
ob er der malerischen Gestaltung im groBen gewachsen gewesen ware. 

Mit Erinnerungen an die technisch-chemische Vorbildung in seiner Jugend 
verband sich K.s kultivierter kiinstlerischer Geschmack bei Versuchen auf 
kunstgewerblichem Gebiete, die ihn jahrelang beschaftigten : er schuf phan- 
tasievoll erfundene Zierglaser von kaprizioser Formengestaltung und delikater 
farbiger Behandlung, fiir die er die Technik farbiger Glasfliisse mit geistvollem 
Raffinement ausniitzte. Viel Aufsehen erregten einst diese »Koepping-Glaser«, 
um dann wieder in Vergessenheit zu geraten, woran nicht zum wenigsten die 
Verganglichkeit dieser iiberzarten Gebilde Schuld trug. 

Mancherlei Gegensatzliches f and sich vereint in der Natur dieses Kiinstlers : 
spielende Leichtigkeit des Schaffens und griiblerisch-doktrinare Veranlagung, 
korrekt-wissenschaftliches Denken und enthusiastische Liebe fiir die Kunst. 
Eine mit vorbildlicher Energie erreichte Selbstzucht lieB ihn die Meisterschaft 
erreichen, die seinen Namen unvergeBlich machen wiirde, auch wenn er nur 
die genialen Radierungen nach Rembrandt und Frans Hals geschaffen hatte. 

Lriteratur; Hans W. Singer, Die nioderne Graphik, Leipzig 1914, S. 104 ff. — »Die 
graphischen Kiinste «, XVII. Jahrg., R. Graul, Wien 1894. — »Zeitschrift fiir bildeude Kunst* 
1904, R. Graul. — Walter Leistikow in der » Zukunft* 1896, Dezemberheft (t)ber die Koepv- 
ping-Glaser). — K. K., Rembrandt, Redebeider Rembrandt-Feier der Akademie der Kiinste, 



48 1914 

Berlin 1906. — Archiv der Akademie der Kiinste zu Berlin: Personalnotizen mit hand- 
schriftlichem Lebenslauf. 

Berlin-Zehlendorf. A. Amersdorf f er. 

Kopp, Dr. Georg, Fiirstbischof von Breslau, Kardinalpriester der romischen 
Kirche, * in Duderstadt am 25. Juni 1837, f in Troppau am 4. Marz 1914. 
Das Leben des Kardinals K. bietet das fesselnde Bild eines Aufstiegs aus 
kleinen, armlichen Verhaltnissen zu hochsten Wiirden und einfluBreichsten 
Stellungen, wie es selten zu beobachten ist. Und dieser uberraschende Aufstieg 
war nicht gtinstigen Umstanden und kluger Ausniitzung sich bietender Kon- 
junkturen zu danken, sondern er war herbeigefuhrt durch auBergewohnliche 
Tiichtigkeit, ungewohnliche Begabung und eisernen FleiB; es ist eine liber- 
ragende Personlichkeit, die sich, ihrer Fahigkeiten bewuBt, unter mancherlei 
Schwierigkeiten und Hemmnissen durchsetzt und emporsteigt unter Bewalti- 
gung von Aufgaben, an denen die meisten anderen gescheitert waren. — 
G. K. entstammte einer schlichten, wenig bemittelten Burgerfamilie in Duder- 
stadt auf dem Untereichsfeld, das, ehemals kurmainzisches Gebiet, damals 
zu Hannover gehorte. Den ersten Schuljahren, die er in der Biirgerschule zu- 
brachte, folgte ein dreijahriger Besuch des Progymnasiums seiner Vaterstadt; 
vom Herbst 1852 bis Michaelis 1856 war er sodann Schiiler des Josephsgymna- 
siums in Hildesheim. Unter mancherlei Entbehrungen waren diese Jahre der 
Schulzeit hingegangen; um den Eltern, ehrsamen Webersleuten, die noch fiinf 
Geschwister aufziehen mufiten, Kosten zu ersparen, hat er gelegentlich den 
20 Stunden weiten Weg von Hildesheim nach Duderstadt an einem Tag zu 
FuB zuriickgelegt. Die glanzenden Zeugnisse, die er heiinbrachte, dankte er 
ebenso seiner groBen Begabung wie dem eisernen FleiB und der zahen Willens- 
energie seiner niedersachsischen Natur, die schon damals den korperlich 
schwachlichen J tingling auszeichnete. Ware es nach den Wiinschen und Nei- 
gungen des Abiturienten gegangen, so hatte er nun bald das theologische 
Studium begonnen. Da aber die Mittellosigkeit der Eltern hindernd im Wege 
stand, trat Kopp am 1. Oktober 1856 in den Dienst der hannoverschen Staats- 
bahn; er wurde als Hilfstelegraphist zuerst in Hannover, dann in Wunstorf 
beschaftigt; auch jetzt war sein Einkommen so gering, daB er seiner Wirtin 
in Hannover bei seiner Versetzung das Kostgeld ftir den laufenden Monat nicht 
zu bezahlen vermochte. Als er nach einjahriger Tatigkeit auf feste Anstellung 
Anspruch hatte, unterblieb diese auf den Bericht seines Vorgesetzten, der seine 
hervorragende geistige Befahigung anerkannte, seinen Eifer riihmte, mit dem 
er die Mufiestunden zu wissenschaftlicher Weiterbildung benutzte und seine 
hervorragende Eignung ftir den Innendienst betonte, ihn aber seines allzu be- 
scheidenen und schiichternen Wesens wegen ftir den Verkehr mit dem Publi- 
kum nicht hinreichend vorbereitet erklarte. Da K. infolgedessen bei Beforde- 
rungen tibergangen wurde, bat er die Generaldirektion um Aufklarung, da er 
sich einer Ungehorigkeit oder Pflichtverletzung nicht bewuBt ware ; die Ant- 
wort ging dahin, daB man sich das Recht der Entscheidung vorbehalten miisse, 
wann und in welcher Reihenfolge die Beamten zur festen Anstellung gelangten. 
Es laBt sich wohl verstehen, daB der vielseitig interessierte, seiner Fahigkeiten 
sich bewuBte, vorwartsstrebende Jiingling sich in der untergeordneten, wenig 
anregenden Tatigkeit, zumal angesichts der erfahrenen Zuriicksetzungen, nicht 



Koepping, Kopp 49 

wohl fixhlte, und dafi er den Plan, seine akademischen Studien zwecks Eintritts 
in den geistlichen Stand fortzusetzen, wieder aufnahm ; hierbei mag auch der 
Rat eines Onkels, der als Pfarrer in Hildesheim wirkte, von EinfluB gewesen 
sein. Es beleuchtet die Stimmung, in der sich der Hilfstelegraphist damals 
befand und unter deren EinfluB sich der Berufswechsel vollzog, wenn er dem 
Gesuch, in dem er um Entlassung aus dem Staatseisenbahndienst bat, urn seine 
akademischen Studien fortzusetzen, in der scharfen, schneidenden Art, mit der 
er auch spaterhin gelegentlich seinen Urteilen Ausdruck gab, die Bemerkung 
anfiigte, er habe erkannt, daB ein Subalternbeamter nur in seltenen Fallen in die 
hohere Beamtenlaufbahn gelangen konne, fiir welche als Vorbedingung lediglich 
ein dreijahriger akademischer BierverschleiB und Ergatterung von Schmissen 
zu gelten scheine. Begreiflicherweise liefl die Generaldirektion diese Schlufl- 
bemerkungen nicht ohne einen Verweis wegen ungehoriger Schreibart hingehen ; 
das Entlassungsgesuch aber wurde abgelehnt unter gleichzeitiger fester An- 
stellung als Telegraphist. Und erst ein erneutes Gesuch, das er nach einem 
Vierteljahr einreichte, wurde, vor allem wohl infolge personlicher Verwendung 
jenes geistlichen Onkels bei dem Generaldirektor, genehmigt und ihm die Ent- 
lassung aus dem hannoverschen Staatsdienst gewahrt. 

So konnte G. K. im Herbst 1858 seine theologischen Studien beginnen; er 
trat in die philosophisch-theologische Lehranstalt zu Hildesheim ein. Am 
28. August 1862 empfing er durch den damaligen Bischof von Hildesheim, 
Eduard Jakob Wedekin, die Priesterweihe. Der junge Priester wurde zunachst 
etwa drei Jahre in der Seelsorge beschaftigt; nachdem er mehrere Monate in - 
der Pfarrei Poppenburg aushilfsweise gewirkt hatte, erfolgte im November 
1862 seine Anstellung als Schulvikar in Henneckenrode ; im Juni 1864 wurde 
er als Kaplan nach Dittfurth versetzt. Sein eifriges Wirken in diesen Seel- 
sorgestellen zog die Aufmerksamkeit der bischoflichen Behorde auf sich, zu- 
mal da sein Pfarrer, Namens Even, in das Domkapitel berufen worden war. 
Infolgedessen wurde ihm Ende 1865 das vierte Domlektorat in Hildesheim 
tibertragen, und seit April des folgenden Jahres wurde er, zunachst aushilfs- 
weise, im General vikariat beschaftigt mit dem Auftrag, die Revision der Kir- 
chenbiicher und die Ordnung der Registratur zu ubernehmen ; im August 1868 
wurde er zum Assessor dieser Behorde ernannt. Die MuBestunden, die ihm bei 
seiner umfassenden amtlichen Inanspruchnahme verblieben, verwandte er vor 
allem, um die ihm liebgewordene Lehrtatigkeit fortzusetzen; er wirkte als 
Lehrer an dem Institut zurHeranbildung katholischer Lehrerinnen imHildes- 
heimer Ursulinerinnenkloster, zu dessen Direktor er bei der Ausgestaltung des- 
selben zum bischoflichen Iyehrerinnenseminar ernannt wurde. Noch heute 
zeugen die erhaltenen schriftlichen Praparationen fiir den Unterricht in Reli- 
gion, Geschichte, Deutsch und Naturwissenschaften, mit welcher Gewissen- 
haftigkeit er sich fiir den Unterricht vorbereitete ; damals schon hat er auch 
sein besonderes Augenmerk auf padagogische und schulpolitische Fragen ge- 
richtet und den Grund gelegt zu dem ausgebreiteten Wissen auf diesem Gebiet, 
das ihm in seinem spateren Wirken zugute kam. 

Als nach dem Tode des Bischof s Wedekin Wilhelm Sommerwerck, genannt 
Jakobi, zu seinem Nachfolger auf dem Hildesheimer Stuhle erwahlt worden 
war, fand dieser fiir das von ihm selbst bisher bekleidete Amt des General- 
vikars seiner Diozese keine geeignetere Kraft als den erst 34 Jahre alten 

DBJ 4 




50 I9H 

Assessor K., der gleichzeitig auch als Domkapitular in das Domkapitel berufen 
wurde (2. Februar 1872). Ein Jahrzehnt hindurch hat der jugendliche General- 
vikar seines verantwortungsvollen Amtes gewaltet, dessen Fuhrung urn so 
schwieriger war, als bald nach seinem Amtsantritt die ersten Kulturkampf- 
gesetze in Kraft traten. Der Kulturkampf hat auch die Hildesheimer Diozese 
mit seiner ganzen Schwere getroffen und arge Verwiistungen angerichtet. 
GeneralvikarK.hat sich in seiner Amtstatigkeit bemiiht, kluge Besonnenheit 
zti wahren und durch maBvolle Zuriickhaltung und Versohnlichkeit Konflikte 
moglichst zu vermeiden und Schlimmeres zu verhiiten. Das alles konnte freilich 
nicht verhindern, daB seitens der Kronanwaltschaft Klage erhoben wurde, dafi 
er in mehreren Fallen als geistlicher Oberer die Hilfeleistung oder Stellvertre- 
tung in erledigten Pfarramtern tibertragen oder genehmigt habe, ohne daB die 
durch das Gesetz vom 11. Mai 1873 vorgeschriebene Benennung derselben an 
den Oberprasidenten der Provinz Hannover erfolgt war. Zwar erkannte die 
Strafkammer des Kgl. Obergerichtes zu Hildesheim und ebenso die Berufungs- 
kammer auf Freisprechung ; aber da gegen dieses Erkenntnis die Kronanwalt- 
schaft Nichtigkeitsbeschwerde anmeldete, kassierte das Kgl. Obertribunal in 
Berlin am 1. Marz 1876 das freisprechende Urteil der Berufungskammer und 
verwies die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das 
Kgl. Obergericht in Hannover zuriick; und dieses verurteilte Generalvikar K. 
durch Urteil vom 15. Juni 1876 zu insgesamt 1600 Mark Geldstrafe bzw. 
160 Tagen Gefangnis; im Zusammenhang mit diesen Prozessen wurde er oben- 
drein nach Antrag des Polizeianwalts durch Strafverfiigung des Kgl. Amts- 
gerichts Hildesheim vom 1. November 1875 zu 4 Tagen Haft oder 16 Mark 
Geldstrafe verurteilt wegen ungebuhrlicher Aufierungen, die er in Gegener- 
klarungen zu den gegen ihn anhangigen Untersuchungssachen gemacht habe. 

Eine genauere Schilderung der Amtstatigkeit des Generalvikars K. wird erst 
moglich sein auf Grund der Akten des Hildesheimer Generalvikariats und 
Ordinariats. Sicher ist dieses, daB die maBvolle Haltung K.s, der, wie er in 
einer Randbemerkung zu den Anklageakten sagt, Kollisionen mit den Ge- 
setzen zu vermeiden bemiiht war, ohne daB er aber den kirchlichen Grundsatzen 
etwas vergeben hatte, die Aufmerksamkeit der Regierung erregte und auch 
das Augenmerk Bismarcks auf ihn lenkte. Als Zeugnis fur die personlichen 
Beziehungen, die K. schon friih zu Bismarck gewonnen hatte, liegt allerdings 
bisher nur ein Brief des Reichskanzlers aus Varzin vom n. Juni 1872, also 
aus der Zeit des beginnenden Kulturkampf es, vor, in dem dieser eine Eingabe 
K.s beziiglich giinstigerer Regelung derGehalts- bzw. Pensionsverhaltnissever- 
schiedener Geistlicher und Beamten der bischoflichen Behorde in entgegen- 
kommendem Sinn beantwortet. 

Schon Ende der siebziger Jahre war es klar geworden, daB die Weiterfiihrung 
des Kulturkampfes in der bisherigen Art aus verschiedenen Griinden nicht 
moglich sei, und daB, nicht zuletzt im wohlerwogenen Interesse des Staates, 
ein Abbau der Kampfgesetzgebung erfolgen miisse. In Frage kam zunachst die 
Wiederherstellung der bischoflichen Diozesanverwaltungen und die Wieder- 
besetzung der durch Tod der Inhaber verwaisten preuBischen Bischofsstiihle. 
Nach dem Gesagten ist es selbstverstandlich, dafi fur diese Wiederbesetzung 
in erster Linie auch der Hildesheimer Generalvikar in Frage kam. Nachdem 
zunachst im Einvernehmen mit der Regierung Papst Leo XIII. am 12. August 



Kopp 51 

1881 den StraBburger Miinsterpfarrer Felix Korum zum Bischof von Trier 
ernannt hatte, wurde im Konsistorium vom 18. November 1881 G. K. zum 
Bischof der Diozese Fulda prakonisiert, die seit dem Jahre 1879 des Oberhirten 
entbehrte und deren Domkapitel auf einen einzigen Kapitular zusammenge- 
schmolzen war. Die Regierung erlieB dem neuen Bischof ebenso wie Bischof 
Korum die Leistung des vorgeschriebenen Bischofseides, der seinerzeit — im 
Gegensatz zu dem Eid der Bistumsverweser — nicht durchGesetz, sondern nur 
durch Kgl. Verordnung eingefuhrt worden war. Der neue Bischof, dessen Dio- 
zese auBer preuBischen Gebietsteilen auch das GroBherzogtum Sachsen- Weimar 
umf afite, richtete bald nach seiner Erhebung Immediatschreiben an den Konig 
von PreuBen und an den GroBherzog von Weimar, in denen er versicherte, er 
wolle die ihm auferlegten Pflichten zum Wohle des Staates und der Kirche 
getreulich erfiillen; zugleich gab er der Hoffnung auf eine baldige ganzliche 
Beilegung des kirchenpolitischen Streites Ausdruck, der von den nachteiligsten 
Folgen fiir das kirchhche und soziale Leben begleitet sei, und erbat hierfiir 
den Beistand der beiden Monarchen. In dem Schreiben an Konig Wilhelm wies 
er besonders hin auf die zahlreichen verwaisten Pfarreien im preuBischen An- 
teil seiner Diozese und sprach die Hoffnung aus, daB es der Weisheit und Milde 
des Monarchen gelingen moge, die Not derselben zu beseitigen, da ja doch die 
freie Kirche die beste Stutze des Thrones sei. 

Durch die Erhebung auf den Fuldaer Bischof sstuhl war fiir Bischof K. die 
Voraussetzung geschaffen zu der groBzugigen kirchenpolitischen Tatigkeit, 
die er nun in den folgenden Jahrzehnten entfaltet hat. Da in Berlin wie in 
Rom, hier namentlich seit dem Pontifikatswechsel des Jahres 1878, die Ge- 
neigtheit und der Wunsch bestand, zu einem ertraglichen Verhaltnis zwischen 
Staat und Kirche zu kommen und einen Ausgleich zu schaffen, brauchte man 
einen Vertrauensmann, der als diplomatischer Vermittler dienen konnte, ohne 
daB man zur Wiederherstellung offizieller diplomatischer Beziehungen zu 
schreiten brauchte, fiir die die Zeitnoch nicht gekommen war. Als solche in Rom 
wie in Berlin genehme Mittelsperson kam unter den damaligen Verhaltnissen 
allein der Fuldaer Bischof in Betracht, dessen kirchliche Treue iiber alien 
Zweifel erhaben war, dessen Versohnlichkeit und Verstandnis auch fiir die 
Interessen des Staates man in Berlin schatzen gelernt hatte. Es zeigte sich 
sehr bald, daB man in Bischof K. den rechten Mann fiir das schwierige Werk 
gefunden hatte. Um ihm die personliche Anteilnahme an den parlamentarischen 
Beratungen iiber die kirchenpolitischen Gesetzentwiirfe zu ermoglichen, welche 
die Regierung zur Beilegung des Kulturkampfes einzubringen gedachte, wurde 
K. im Januar 1886 aus besonderem koniglichem Vertrauen auf Lebenszeit in 
das preuBische Herrenhaus berufen; schon vorher war er am 11. Juni 1884 zum 
Mitglied des damals reorganisierten preuBischen Staatsrats ernannt worden. 
Abweichend von der bisherigen Gepflogenheit wurden die kirchenpolitischen 
Milderungsgesetze nun zuerst im Herrenhaus eingebracht, und so hatte K. 
nun die Gelegenheit, an diesen Gesetzen der Jahre 1886 und 1887, die einen 
Modus vivendi zwischen Staat und Kirche herbeifiihren sollten, in hervor- 
ragender Weise im Plenum und den Kommissionsberatungen mitzuarbeiten; 
er tat es mit der besonnenen Klugheit, der staatsmannischen Umsicht und 
dem ganz ungew T 6hnlichen Geschick im Verhandeln und im personlichen Ver- 
kehr, das ihn stets auszeichnete. Seinen Bemuhungen war es zu danken, daB 



52 19H 

in die Gesetzentwurfe zahlreiche Abanderungen und Verbesserungen aufge- 
nommen wurden. So kommt seiner aufopferungsvollen, hingebenden Ver- 
mittlertatigkeit, die in Rom durch den preuBischen Gesandten am Vatikan, 
Kurd v. Schlozer, verstandnisvoll untersttitzt wurde, ein entscheidender An- 
teil an der Beilegung des Kulturkampfes zu. — Es nimmt nicht wunder, dafi 
das erfolgreiche kirchenpolitische Wirken des Fuldaer Bischofs von verschieden- 
sten Seiten scharf kritisiert wurde. An solcher Kritik imd heftigen Vorwiirfen 
fehlte es namentlich auch seitens katholischer Kreise nicht. Schon seine Be- 
rnfung ins Herrenhaus war keineswegs mit ungemischter Freude aufgenommen 
worden, die »K61nische Volkszeitung« hatte sie als ein Danaergeschenk be- 
zeichnet; und sicherlich war diese Berufung seitens Bismarcks nicht als eine 
Konzession an das Zentrum gedacht, viel eher war sie, wie man richtig bemerkt 
hat, als Schachzug gegen dasselbe anzusehen. Indem der Kanzler Bischof K. 
sich als Mittelsperson erkor, mit dessen Hilfe er direkt mit dem Vatikan zu 
der von ihm gewiinschten Verstandigung zu kommen hoffte, gedachte er das 
Zentrum, in dem sich die iiberwiegende Mehrzahl der deutschen Katholiken 
ihre politische Organisation und parlamentarische Vertretung geschaffen hatte, 
moglichst auszuschalten oder doch zum Einlenken zu zwingen, das Zentrum, 
das ihm in dem letzten Jahrzehnt so oft unbequem geworden war und dessen 
klugen Fuhrer, Ludwig Windthorst, er mit der ganzen Leidenschaft seiner 
Kraftnatur ehrlich haBte. Es liegt auf der Hand, daB schon diese Rolle, die 
Bischof K. von Berlin im Einvernehmen mit der Kurie zugedacht war, an sich 
leicht zu Differenzen mit dem Zentrum fiihren muBte, so sicher es andererseits 
ist, daB das Zentrum mit seiner starken, festgefiigten Macht ein wertvoller, 
unersetzlicher Faktor blieb, der fiir die Kurie und deren Vertrauensmann 
einen sicheren, unentbehrlichen Ruckhalt bot. Jedenfalls aber war schon da- 
durch, daB Bischof K. selbstandig handelnd die kirchenpolitische Arena be- 
trat, fiir das Zentrum die Freiheit des strategischen Handelns eingeschrankt ; 
stand es bislang allein auf dem kirchenpolitischen Kampfplatz als einziger Ver- 
fechter kirchlicher Interessen, so war es nunmehr eingeengt in seinen MaB- 
nahmen durch die Riicksicht auf den Bischof, der in direkter, unkontrollierbarer 
Fiihlung mit der Kurie stand und deren Intentionen zur Geltung zu bringen 
vermochte. An den wichtigen Verhandlungen, die in die Jahre 1882 bis 1886 
fallen und in denen sich Berlin und Rom offenbar so weit naherten, daB man 
den Weg der Revision der kirchenpolitischen Kampfgesetzgebung mit Aus- 
sicht auf Erfolg beschreiten konnte, war das Zentrum nicht beteiligt, und auch 
fiir uns bleibt dieser wichtige Abschnitt der Kulturkampfgeschichte in schier 
undurchdringliches Dunkel gehullt, bis einmal die Archive sich offnen werden. 
Doch abgesehen davon bestanden auch sachliche Differenzen zwischen der 
Zentrumspartei und dem Fuldaer Bischof. Den Zentrumsparlamentariern und 
Zentrumsjournalisten, die lange Jahre in erster Reihe im erbitterten Kampfe 
gestanden hatten, schien in mehr als einem Falle, so besonders in der Frage der 
Anzeigepflicht, der Fuldaer Bischof ohne hinreichenden Grand in seinen Zu- 
gestandnissen zu weit gegangen zu sein ; man meinte, er habe unnotigerweise 
den Papst zu einem gefahrlichen, zu weiten Entgegenkommen veranlaBt. Kein 
Geringerer als Windthorst selbst hat sich mehrfach zu dieser Anschauung, daB 
sich fiir die kirchliche Freiheit mehr hatte erreichen lassen, bekannt und ihr 
auch of fen Ausdruck gegeben. In einigen Organen der Zentrumspresse wurde 



Kopp 53 

mit solcher Scharfe gegen den »Staatsbischof«, wie man K. nannte, zu Felde 
gezogen, daB schlieBlich die papstliche Staatssekretarie Veranlassung nahm, 
gegen die Hetze, in deren Verlauf sogar der Vorwurf des Verrats kirchlicher 
Interessen laut wurde, Stellung zu nehmen; eine Note des Kardinals Jakobini 
vom 4. Dezember 1886 beklagte die gegen K. ausgestreuten Erdichtungen und 
erklarte, dafi alles, was er fur die Freiheit der Kirche und die Wiederherstellung 
ihrer Rechte getan habe, ganz zur rechten Zeit und zweckentsprechend ge- 
schehen sei. Das hinderte nicht, daB auch in der Folgezeit derartige Vorwiirfe 
nicht verstummten und gelegentlich immer wieder die Frage aufgeworfen 
wurde, ob K. bei seiner in die Gestaltung der katholischen Verhaltnisse so tief 
eingreifenden Wirksamkeit mehr die Interessen der preufiischen Regierungoder 
die der katholischen Kirche besorgt habe. Ein ganz klarer Einblick in diese 
Fragen wird, wenn iiberhaupt jemals, erst nach ErschlieBung aller in Betracht 
kommenden Archive moglich sein. DaB seine Absichten die reinsten gewesen 
sind, und daB er stets ehrlich iiberzeugt war, den Interessen der Kirche und des 
Staates durch sein Wirken am besten zu dienen, werden auch seine Gegner 
nicht bestreiten konnen. Es ist nicht uninteressant, wie Bischof K. gelegentlich 
selbst seine Taktik begriindet und gerechtfertigt hat. Als zum 90. Geburtstage 
Kaiser Wilhelms I. von Papst Leo XIII. der damalige Sekretar der Kongrega- 
tion fur auBerordentliche kirchliche Angelegenheiten, Monsignore LuigiGalim- 
berti, in Sondermission nach Berlin entsandt wurde, um die Gliickwunsche des 
Papstes zu iiberbringen, richtete Bischof K. an den papstlichen Vertreter ein 
Memoire, das diesem verschiedene wertvolle Informationen gab und Vorschlage 
fiir sein Verhalten machte ; f iel doch sein Berliner Aufenthalt gerade in die Zeit, 
da im Herrenhaus die von K. eingebrachten Amendements zu dem am 21. Fe- 
bruar 1887 von der Regierung vorgelegten kirchenpolitischen Gesetzentwurf 
beraten wurden. In diesem Memoire mahnt Bischof K. Galimberti, er moge 
Windthorst gegeniiber in seinen Unterhaltungen alle Vorsicht beobachten, da 
letzterer gegen ihn erregt sei, weil er die deutschen Angelegenheiten in anderer 
Weise behandle, als Windthorst genehm sei. Windthorst werfe Galimberti, 
Schlozer, Monsignore Montel — dem Dekan der Rota, welcher der Vertrauens- 
mann K.s in Rom war, von diesem zu Vermittlungen und Informationen benutzt 
wurde und der bis an sein Lebensende in lebhafter Korrespondenz mit K. stand 
— und ihm, K. selbst, vor, daB dieser Vierbund den preufiischen Anspriichen 
zu weit entgegenkomme und den Papst tausche. Wortlich schreibt er sodann: 
»Die Taktik des Herrn Windthorst ist : Alles oder nichts. Er will von alien Wegen 
des Vergleichs und von teilweisen Zugestandnissen nichts wissen. Aber er hat 
mir niemals gesagt, was ihm die Hoffnung gibt, alles auf einmal zu erreichen. 
Wir alle haben das gleiche Ziel, die vollige Beseitigung der ungerechten Gesetze 
gegen die Kirche, und wir werden dieses Ziel nie aus den Augen verlieren.« 

Die erfolgreiche Mitarbeit an der Beilegung des Kulturkampfes ist das groBte 
Werk von Bischof K. gewesen. Seine groBen Verdienste, die er sich dadurch 
um Staat und Kirche erworben hatte, haben ihm vielfaltige Ehrungen einge- 
tragen; sie waren vor allem der AnlaB, daB er, als der Breslauer Bischofsstuhl 
durch den Tod des Furstbischofs Robert Herzog (26. Dezember 1886) erledigt 
wurde, unter Aufhebung des Wahlrechtes des Domkapitels fiir diesen Fall, im 
Einvernehmen und auf Wunsch der preufiischen Regierung durch papstliches 
Breve vom 9. August 1887 auf den furstbischoflichen Stuhl von Breslau trans- 



54 ^ x 4 

feriert wurde; im Konsistorium vom 16. Januar 1893 erfolgte sodann seine 
Erhebung zum Kardinalpriester; als Titelkirche wurde ihm Sunt Agnese fuori 
k mura zugewiesen. In der Folge hauften sich dann die Auszeichnungen, wie 
z. B. die Verleihung hochster Orden, so desSchwarzen Adler- und des Stephans- 
Ordens; und die verschiedenen Jubilaen, die er im letzten Jahrzehnt seines 
Lebens feiern konnte, gaben den AnlaB zu auBergewohnlichen Ehrungen und 
Ovationen. Denn gestiitzt auf das grofie Ansehen und den EinfluB, den ihm 
sein Wirken fur die Wiederherstellung des Friedens zwischen Staat und Kirche 
verschafft, war nun der Breslauer Fiirstbischof durch Jahrzehnte der unbe- 
strittene iiberragende Ftihrer des deutschen Episkopates, und so war er es, 
an den man sich wandte, wenn irgend kirchenpolitische Fragen zu losen waren 
oder kirchliche und staatliche Interessen in Konflikt zu kommen drohten. 
Mehrf ach ist es seinem gewiegten und geschickten Eingreifen gegltickt, drohende 
schwere Storungen in den Beziehungen zwischen Staat und Kirche zu verhin- 
dern und aufkommende MiBverstandnisse und konfessionelle Erregungen zu 
beseitigen oder doch abzumildern ; erinnert sei etwa an die Canisius- und Bor- 
romaus-Enzyklika und an seine Haltung in den durch den Kampf gegen den 
Modernismus geschaf fenen Schwierigkeiten ; in solchen Fallen scheute er auch 
nicht davor zuriick, in Rom ernste Vorstellungen zu erheben und nachdriicklich 
f iir verstandige Riicksichtnahme auf die besonderen Verhaltnisse Deutschlands 
zu fordern. Wenn K. wiederholt bei feierlichen Anlassen versicherte, er seiAn- 
hanger des harmonischen Zusammenwirkens zwischen Staat und Kirche, die 
beide ihre besonderen Wirkungsgebiete hatten und in ihrem Bereiche selb- 
standig seien, sich aber auch beriihrten und in innigster Wechselwirkung zu- 
einander sttinden, so konnte er, mit Recht auf sein l,ebenswerk hinweisend, 
beifiigen, er habe stets in seinem Leben diese Grundsatze festgehalten. Aber 
nicht nur auf kirchenpolitischem Gebiete wurde sein erprobter Rat und seine 
Sachkenntnis in Anspruch genommen ; so wurde er, um nur einiges zu erwah- 
nen, abgesehen von seiner regelmaBigen Teilnahme an den Beratungen des 
Herrenhauses, zu der von Kaiser Wilhelm II. im Marz 1890 berufenen inter- 
nationalen Konferenz fiir Arbeiterschutz eingeladen; und als Vorsitzender 
zweier Ausschiisse nahm er an den' Beratungen derselben hervorragenden 
Anteil ; desgleichen war er Mitglied der Konferenz fiir Ref ormen des hoheren 
Unterrichts und setzte sich hier entschieden fiir das humanistische Gymna- 
sium ein,und ebenso wurde er zurBeratung iiber die Neuregelung des hoheren 
Madchenschulwesens hinzugezogen. — 

Der Sprengel des Breslauer Bistums erstreckt sich nicht nur von der Ostsee 
bis zu den Sudeten, er greift auch iiber die Landesgrenzen hinaus; zumBistum 
Breslau gehort ja der sogenannte osterreichische Anteil, in dem auch der Bis- 
tumsbesitz mit der Sommerresidenz SchloB Johannisberg gelegen ist. Dieser 
schwierigen Doppelstellung, daB er nicht nur preuBischer, sondern auch oster- 
reichischer Bischof war, ist Kardinal K. stets mit feinem Takt und auBerordent- 
lichem Geschick gerecht geworden. Als Oberhirt des osterreichischen Anteils 
gebiihrte ihm Sitz und Stimme im osterreichischen Herrenhause und im oster- 
reichisch-schlesischen Landtage. Trotz der Fiille der ihm obliegenden Pflichten 
hat er auch an den Beratungen dieser Korperschaften rege teilgenommen, des- 
gleichen betatigte er sich als einfluBreiches Mitglied auf den osterreichischen 
Bischof skonferenzen. Infolge des regen Interesses, das er an den Arbeiten des 



Kopp 55 

Troppauer Landtages nahm, wttrde er schon im Jahre 1893 zum Iyandeshaupt- 
mann-Stellvertreter ernannt; als solcher hat er lange Jahre hindurch die Ver- 
handlungen des landtages geleitet, so auch noch, als schon die Krankheit seine 
Kraft verzehrte, die ihm den Tod brachte. Es ist nicht zuletzt seinem Geschick 
und seinen Bemiihungen urn Ausgleich zu danken gewesen, daB die schroffen 
nationalen Gegensatze nicht wie anderwarts die Arbeitsfahigkeit dieses Parla- 
mentes lahtnlegten. — Die Schwierigkeiten, die aus dem Nationalitatenproblem 
hervorgingen, fehlten auch in dem preuBischen Hauptteil seiner Diozese nicht. 
Auch in der polnischen Frage war er redlich bemiiht, seine oberhirtlichen 
Pflichten gegeniiber seinen Diozesanen polnischer Zunge mit den Pflichten des 
deutschen Patrioten zu vereinen. So energisch er fur das Recht der Mutter- 
sprache im Religionsunterricht und das Recht auf Pflege des Volkstums iiber- 
haupt eintrat, so zogerte er andererseits nicht, seinen EinfluB und die ihm zu 
Gebote stehenden Machtmittel mit aller Scharfe einzusetzen, um dem gefahr- 
lichen Ubergreifen der radikalen groBpolnischen Propaganda nach Ober- 
schlesien zu wehren. Das hat ihm von polnischer Seite maBlose Angriffe einge- 
bracht, wahrend es andererseits auch an Verdachtigungen von deutscher Seite 
nicht fehlte, weil er nicht alle MaBnahmen der verfehlten preuBischen Polen- 
politik zu billigen vermochte. So hat er sich gegen das Enteignungsgesetz vom 
Jahre 1908 ablehnend verhalten, er bekampfte es bei den Herrenhausberatungen 
als eine AusnahmemaBregel, von der zu besorgen sei, daB sie die polnische Be- 
volkerung in die Anne des polnischen Radikalismus treiben wiirde, und war- 
nend wies er auf die bedenklichen Folgen hin, die diese Antastung des Privat- 
eigentums fur die Existenz des GroBgrundbesitzes haben konne. 

Angesichts dieser auBerordentlichen weitverzweigten kirchenpolitischen und 
politischen Tatigkeit Kardinal K.s liegt die Vermutung nahe, er sei zwar ein 
groBer Politiker gewesen, demgegeniiber sei aber der rein geistliche Charakter 
seiner Wiirde, seine eigentliche bischofliche und seelsorgerische Wirksamkeit, in 
den Hintergrund getreten. Doch dem ist nicht so. Die Geschichte des Fuldaer 
Bistums wie die des Fiirstbistums Breslau sind Zeugen seiner unermiidlichen 
aufopfernden Hirtensorge. Erfiillt von aufrichtiger Frommigkeit, war es ihm 
eine Freude, die ihm obliegenden gottesdienstlichen Funktionen vorzunehmen. 
Unermiidlich durcheilte er Jahr fiir Jahr die weiten Bezirke seines Bistums, 
um Kirchen einzuweihen, kanonische Visitationen vorzunehmen und das 
Sakrament der Firmung, oft an Tausende an einem Tage, zu spenden. Die 
zahlreichen Predigten und Ahsprachen, die er bei diesen Gelegenheiten hielt, 
zeichneten sich ebenso wie die von ihm stets sorgsam ausgearbeiteten Hirten- 
briefe aus durch Gedankenreichtum und sorgfaltig gef eilte Form sowie durch 
geschicktes Eingehen auf die ortlichen Verhaltnisse. Mehr als 650 Kirchen, 
Kapellen, Kloster und Wohltatigkeitsanstalten sind wahrend seiner Regierung, 
und zwar vielfach auf seine Anregung und mit seiner Beihilfe, erbaut worden. 
Sein besonderes Augenmerk war darauf gerichtet, der seelsorglichen Not ab- 
zuhelfen, die durch die rasch anwachsende Zahl der Katholiken im oberschle- 
sischen Industriebezirk und in den weiten Diasporagebieten Brandenburgs imd 
Pommerns, besonders in Berlin und den Vororten, erwuchs, indem zahlreiche 
neue Pfarrsysteme und Kuratien geschaffen wurden und die Zahl der Seelsorgs- 
geistlichen vermehrt wurde. Ein Ruhmestitel seines Pontifikates ist die Fur- 
sorge, die er dem heranwachsenden Klerus zuwandte. Im Jahre 1895 konnte 



56 19*4 

das durch ihn erbaute groBe Konvikt fur die Theologiestudierenden eingeweiht 
werden ; ftir seinen osterreichischen Bistumsanteil begriindete er in Weidenau 
eine theologisqhe Lehranstalt und ein Priesterseminar, und fur Gymnasiasten 
wurden Konvikte in Glogau, Neisse und Gleiwitz errichtet. Die reichen Mittel, 
die ihm zumal aus dem osterreichischen Bistumsbesitz zur Verfiigung standen, 
wurden von ihm vor allem in den Dienst karitativer Fiirsorge gestellt; es ist 
erstaunlich, wie viel er, der fiir seine Person stets einfach und anspruchslos 
blieb, mit diesen in der Hinsicht geschaffen hat; groBe Krankenanstalten in 
Breslau erstanden mit seiner Hilfe, in Beuthen schuf er ein modern eingerichtetes 
Kriippelheim, unter seiner nachhaltigen Forderung konnte der Karitasverband 
sein segensreiches Wirken entfalten. — Viel zu danken hat ihm auch das katho- 
lische Vereinswesen ; es ist zum guten Teil sein personliches Verdienst, daB 
wahrend seiner bischoflichen Tatigkeit sowohl die rein religiosen Vereine und 
die karitative Zwecke verfolgenden Vereinigungen als auch die sozialen Stan- 
desvereine einen groBen Aufschwung nahmen. Was allerdings die Art der Ar- 
beiterorganisation betraf, der sein besonderes Interesse gehorte, so stand er je 
langer je mehr den Bestrebungen, wie sie von der Mehrheit der Arbeiter selber 
im Verein mit groBen Teilen des Klerus und dem Zentrum vertreten wurden, 
ablehnend, ja feindlich gegeniiber. Dieser Gegensatz, der in den letzten Monaten 
vor seinem Tode in aller Scharfe auch offentlich in Erscheinung trat und der 
sich bis in die Kreise des deutschen Episkopates erstreckte, laBt sich am kiir- 
zesten mit dem Schlagwort : Fachabteilungen oder christliche Gewerkschaf ten 
charakterisieren. Wahrend die groBen Verbande der katholischen Arbeiter- 
vereine West- und Siiddeutschlands ihre Mitglieder zur Wahrung ihrer wirt- 
schaftlichen Interessen in den interkonfessionellen christlichen Gewerkschaften 
organisierten, wurden seit dem Ende der neunziger Jahre von dem Berliner 
Verband der katholischen Arbeitervereine, der die Mehrzahl der Arbeitervereine 
des Fiirstbistums Breslau, dazu eine Anzahl Arbeitervereine der Trierer Diozese 
und Ermlands umfaBte, Fachabteilungen begriindet, die trotz aller Forderung 
sich nicht recht zu entwickeln vermochten und bedeutungslos blieben. Neben 
Bischof Korum ist Kardinal K. der eifrigste nnd energischste Vorkampfer der 
Fachabteilungen gewesen. Unter seiner ausschlaggebenden Mitarbeit entstand 
die Enzyklika Singulari quadam Papst Pius X. (24. September 1912), welche 
den rein katholischen Organisationen, also den Fachabteilungen, unter leb- 
hafter Belobigung den Vorrang gab vor den interkonfessionellen Vereinigungen 
und diesen unter steter Betonung vor deren Gefahren nur bedingungsweise 
Duldung gewahrte; das in der Enzyklika ausdriicklich gebilligte Fuldaer 
Pastorale der preuBischen Bischofe vom 22. August 1900 war das Werk Kar- 
dinal K.s, und der Berliner Verband war nach den Leitgedanken desselben ge- 
bildet worden. Der Tod hat Kardinal K. davor bewahrt, den Zusammenbruch 
des Berliner Verbandes und seiner Fachabteilungen, der im Zusammenhang 
mit dem Weltkrieg und der Entwicklung der Nachkriegszeit eintrat, erleben 
zu miissen. Sein riickhaltloses Eintreten fiir die Fachabteilungen und seine Ab- 
lehnung der christlichen Gewerkschaften brachte ihn auch in Gegensatz 
zum Volksverein fiir das katholische Deutschland, der die Gewerkschaftsbewe- 
gung unterstiitzte und dessen Zentrale mit ihrer umfassenden publizistischen 
Tatigkeit und mit ihren sozialpolitischen Schulungskursen der christlichen 
Gewerkschaftsbewegung eine wertvolle Stiitze bot. Infolgedessen konnte der 



Kopp 57 

Volksverein in Schlesien nicht zu gedeihlicher Entwicklung kommen. In diesem 
Zusammenhang ist noch darauf hinzuweisen, daB seine Grundanschauungen, 
wie sie in seinem Eintreten fur die Fachabteilungen ihren Ausdruck fanden, 
auch bestimmend waren fur seine Haltung in dem Streit um den Zentrums- 
charakter, in dem er ein entschiedener Gegner der Kolner Richtung, »des ver- 
seuchten Westens« war; und hier ist auch die Erklarung zu suchen fiir seine 
Abneigung gegen die Christlich-Sozialen in Osterreich. 

Ein wesentlicher Zug im Charakterbild Kardinal K.s wiirde fehlen, wenn 
nicht auch seiner Forderung von Kunst und Wissenschaft gedacht wiirde. 
Selbst vielseitig interessiert und rastlos sich weiterbildend, war es ihm Ehren- 
pflicht und Freude zugleich, Kunst und Wissenschaft zu fordern, wo immer 
sich Gelegenheit bot. Der griindlichen wissenschaftlichen Ausbildung der 
Theologiestudenten gait sein besonderes Augenmerk, und die katholisch-theo- 
logische Fakultat der Universitat seiner Bischofsstadt hatte sich stets seines 
Schutzes und seiner verstandnisvollen Fiirsorge zu erfreuen. Ein dauerndes 
Denkmal schuf er sich durch die Begriindung des Diozesanarchivs und Diozesan- 
museums, fiir das er ein modern eingerichtetes Archivgebaude erbauen lieB, in 
welchem auch die Dombibliothek angemessene Raume erhielt und fiir deren 
Dotation er Sorge trug. Wissenschaftliche Vereine, vor allem der Verein fiir 
Geschichte Schlesiens und die Schlesische Gesellschaft fiir vaterlandische 
Kultur, wurden von ihm mit freigebiger Hand unterstiitzt ; das Schlesische 
Museum fiir Kunstgewerbe und Altertiimer dankte es zu gutem Teil seiner 
Hilfe, daB es im Jahre 1905 eine groBe Ausstellung von Goldschmiedearbeiten 
schlesischen Ursprungs und aus schlesischem Besitz veranstalten konnte. 
Zahlreichen Gelehrten gewahrte er fiir ihre wissenschaftlichen Arbeiten oft 
betrachtliche finanzielle Beihilfen und sonstige Unterstiitzung ; so half er Lud- 
wig v. Pastor die Durchforschung der italienischen Archive fiir dessen groBe 
Papstgeschichte ermoglichen; und ebenso wurde durch seine fiirstliche Frei- 
gebigkeit die Veroffentlichung der groBen Tafelwerke von Joseph Wilpert iiber 
die Malereien der romischen Katakomben und iiber die romischen Mosaiken 
und Malereien der kirchlichen Bauten Roms vom 4. bis 13. Jahrhundert mog- 
lich; groBe Geldmittel stellte er auch der Gottinger Gesellschaft der Wissen- 
schaften fiir die von ihr unter Leitung von Paul Kehr unternommene Heraus- 
gabe der Regesta pontificum Rotnanorum zur Verfiigung, was diese ihm durch 
Ernennung zum Ehrenmitglied dankte. 

tjberblickt man den weiten Umkreis alles dessen, was er gewirkt und ge- 
schaffen hat, so kann man sich des Staunens nicht erwehren, wie ihm das alles 
zu leisten moglich war. Nur eine unermiidliche, ruhelose Arbeitskraft, die Er- 
holung und Ruhe auf ein MindestmaB einschrankte, eine zahe Willensenergie 
und eine ungewohnliche Spannkraft und Beweglichkeit des Geistes, verbunden 
mit der Gabe schneller Orientierung und intuitiver Erfassung des Wesentlichen 
vermochten diese Leistungen zustande zu bringen. Dazwischen wuBte er in- 
mitten der Fiille der beruflichen Arbeiten noch Zeit fiir die Pflichten vornehmer 
Reprasentation zu gewinnen. Es ist oft geschildert worden, mit welch fiirstlicher 
Wiirde und feinem Geschick der aus schlichten, direkt armlichen Verhaltnissen 
stammende Kirchenfiirst zu reprasentieren verstand, und mit welch welt- 
mannischer Gewandtheit und Sicherheit er aufzutreten pflegte, und welchen 
Zauber er in der Gesellschaft mit seinem feinen Takt und seiner bezwingen- 



58 1914 

den Liebenswiirdigkeit auf alle ausiibte, denen es vergonnt war, ihm nahe- 
zutreten. 

Mit ihm ist einer der hervorragendsten Kirchenfiirsten ins Grab gesunken, 
den die katholische Kirche Deutschlands in neuester Zeit aufzuweisen hatte. 

Literatur: Erne wissenschaftliche Biographie Kardinal K.s fehlt noch; fiir sie wiirde 
auch die Beniitzung des im Breslauer Diozesanarchiv sekretiert aufbewahrten schriftlichen 
Nachlasses des Kardinals eine zu schmale Grundlage bilden, es miiflten die staatlichen 
\ind die rotnischen Archive herangezogen werden, desgleichen die zahlreichen Brief e 
seiner Hand an die verschiedensten Persdnlichkeiten. Von popularen I^bensbildern sind zu 
nennen: i. R. Dittrich, Kardinal GeorgK. Ein Lebensbild. Breslau 1912. 56S. 2. Augustin 
Arndt, S. J., Kardinal Georg K., Fiirstbischof von Breslau (1887 — 1914). Breslau 1914. 
92 S. — Die wichtigsten Zeitschriftenaufsatze sind verzeichnet bei F. X. Seppelt, Kardinal 
Georg K., Fiirstbischof von Breslau, sein Leben und Wirken, Zeitschrift fiir Geschichte 
Schlesiens, 50. Bd. (1916). S. 96 f. ; ebenda S. 709 ein Aufsatz von Jungnitz iiber Kardinal 
K. als Forderer der Wissenschaft. 

Breslau. F. H. Seppelt. 

Koser, Reinhold, Historiker, Geh. Rat und Professor Dr., * in Schmarsow 
(in der Mark) am 7. Februar 1852, | in Charlottenburg am 25. August 1914. — 
K. war ein Sohn der Mark. Er entstammte einem Pastorenhause. Seinen Unter- 
richt erhielt er zunachst von seinem Vater, dann auf dem Joachimsthalschen 
Gymnasium, der beriihmten alten Pflanzstatte klassischer Studien. Die hier 
empfangenen Eindriicke wirkten auf ihn so nachhaltig, daB, als er 1870 die 
Universitat bezog, sein Interesse sich zunachst vorwiegend der alten Geschichte 
und den alten Sprachen zuwandte. Aber der Einflufl, den alsbald Johann 
Gustav Droysen auf ihn gewann, fiihrte ihn auf das Studium der neueren Zeit. 
In Wien, wo er sich im Mittelalter und in den Hilfswissenschaften, die damals 
in Berlin noch keine Statte hatten, auszubilden gedachte, blieb ihm als An- 
fanger die Pforte des Historischen Instituts verschlossen. Diese Kenntnisse er- 
warb er sich dann im Diimmlerschen Seminar in Halle. Zugleich wurde er hier 
Schiiler von Gustav Droysen, der ihm die Anregung zu seiner Arbeit gab, auf 
Grund deren er am 18. Juni 1874 zum Doktor promoviert wurde. Sie war dem 
Stoffgebiet des Dreifligjahrigen Krieges entnommen und behandelte den soge- 
nannten Kanzleienstreit. Ein Jahr spater bestand er das Staatsexamen. Aber 
schon im Herbst 1874 war er wiederum nach Berlin zuriickgekehrt, um hier 
unter Karl Wilhelm Nitzsch und Johann Gustav Droysen seine Studien fort- 
zusetzen. 

Die neuen Beziehungen, die sich jetzt mit dem alteren Droysen kniipften, 
wurden fiir K. von entscheidender Bedeutung; denn schon zu Ende des Jahres 
1874 berief ihn jener im Auftrage der Akademie der Wissenschaften zur Her- 
ausgabe der Staatsschriften Friedrichs des Grofien. Damit trat K. in den Dienst 
der preufiischen Geschichtsforschung, die sein I^ebenswerk bleiben sollte. 

Bald faBte er den Plan, mit der Tatigkeit des Forschers die des akademischen 
Lehrers zu verbinden, und so habilitierte er sich im Dezember 1880 als Privat- 
dozent fiir Geschichte an der Berliner Universitat. Eine kurze Episode bildete 
seine Tatigkeit an dem Geheimen Staatsarchiv in Berlin, dem er wahrend der 
Jahre 1882 bis 1884 ^ s Geheimer Staatsarchivar angehorte. Nachdem er be- 
reits am 7. Oktober 1884 zum auBerordentlichen Professor in Berlin ernannt 
war, erfolgte 1890 seine Berufung als ordentlicher Professor nach Bonn. 



Kopp. Koser eg 

Die Jahre seines Bonner Aufenthalts hat K. als den Hohepunkt seines Lebens 
betrachtet. Dort genoB er das Gliick seiner jungen Ehe, die er am 5. August 
1887 mit Elisabeth v. Heinemann geschlossen hatte und der zwei Sohne und 
eine Tochter entsprossen. Dazu kam die Schonheit des Rheinlandes mit seiner 
gottgesegneten Natur, die den empfanglichen Menschen schnell in ihren Bann 
schlagt. Vor allem aber war es sein akademischer Wirkungskreis, der ihn be- 
gliickte. Er versammelte eine stattliche Schar von Schulern um sich, denen er 
die Schatze seines umfassenden Wissens mitteilte und reiche wissenschaftliche 
Anregung gab. Endlich waren die Bonner Jahre der Arbeit an seiner Friedrich- 
Biographie gewidmet, die gliickliche Fortschritte machte; denn schon 1893 lag, 
nachdem bereits 1886 »Friedrich der Grofle als Kronprinz« erschienen war, der 
erste Band der Konigszeit, der bis zur Schwelle des Siebenjahrigen Krieges 
fiihrte, vollendet vor, wahrend der SchluBband 1903 folgte. 

Mit dem Jahre 1896 erfolgte seine Riickkehr nach Berlin, die ihn auf ein 
neues Arbeitsfeld fiihrte. Er ubernahm am 1. April dieses Jahres die durch 
den Tod Heinrich v. Sybels erledigte Stelle des Generaldirektors der preuBischen 
Staatsarchive, die er bis zu seinem Tode bekleidete. Bald hauften sich auf ihn 
Wiirden und Ehren aller Art. Noch 1896 wurde er zum ordentlichen Mitgliede 
der philosophisch-historischen Klasse der Akademie der Wissenschaften ge- 
wahlt. Er wurde Geheimer Oberregierungsrat (14. April 1897), dann Wirklicher 
Geheimer Oberregierungsrat (7. Februar 1907), endlich Wirklicher Geheimer 
Rat mit dem Pradikat Exzellenz (16. Juni 1913). Am 24. Januar 1912 wurde 
ihm, dem brandenburgischen Historiographen und Geschichtsschreiber Fried - 
richs des Groflen, der Orden Pour le merite fiir Wissenschaften und Ktinste ver- 
liehen. Dazu iibernahm er 1905 die Stelle eines Vorsitzenden der Zentraldirek- 
tion der Monumenta Germaniae historica als Nachfolger seines alten Lehrers 
Diimmler. 

K. war ein Historiker der alten preuBischen Schule. Auf seinen wissenschaft- 
lichen Entwicklungsgang haben sowohl Johann Gustav Droysen, der Altmeister 
preuBischer Geschichtsschreibung, wie dessen Sohn Gustav Droysen in Halle, 
der ihm auch das Thema seiner Erstlingsarbeit stellte, tiefgehenden EinfluB 
geiibt. 

Die beiden groBen Werke, die wir ihm danken, die schon erwahnte Biographie 
Friedrichs des GroBen sowie der erste Band seiner brandenburgisch-preufiischea 
Politik, dessen Vollendung ihm noch beschieden war, begriinden seinen Ruf als 
Historiker. 

Hatte ihm das Schicksal versagt, mit der Waffe in der Hand fiir Deutsche 
lands Einigung zu streiten, so lebte doch auch in ihm das nationale Hochgefuhl, 
mit dem die Kampfe um die deutsche Einheit die damalige Generation erfiillten. 
Mit Bismarck war der Staatsmann erstanden, der an die Politik des groBen 
Konigs ankniipfte und der in der Folge sein politisches Vermachtnis vollstreckte. 
»Erst in der Geburtsstunde der deutschen Einheit, « so schreibt K. in dem Vor- 
wort zu seiner Friedrich-Biographie, »war die bahnbrechende Bedeutung der 
Regierung Friedrichs auch fiir die deutsche Geschichte erwiesen.« Erst jetzt 
konnte also die friderizianische Epoche voll gewiirdigt werden. Damit war die 
Stunde gekommen, dieses groBe Werk in Angriff zu nehmen, und getragen von 
der geistigen Stromung seiner Zeit, stellte sich K. in den Dienst der hohen Auf- 
gabe. 



6o 1914 

Ein eigenartiges Verhangnis hatte iiber den Biographen des grofien Konigs 
gewaltet. Schon als Friedrich die Augen schloB, entstand in seiner nachsten 
Umgebung mehrfach der Plan, ihm ein biographisches Denkmal zu setzen. 
So in dem Minister v. Hertzberg, der ihm mehr als 20 Jahre als Kabinetts- 
minister gedient hatte. Doch er lieB es bei seinen Vortragen in der Akademie und 
bei der Herausgabe der Staatsvertrage, an denen er selbst mitgewirkt hatte, 
bewenden. Henri de Catt, der nicht minder lange bei Friedrich das Amt des 
Vorlesers bekleidete, machte sich daran, auf Grand seiner taglichen Aufzeich- 
nungen Memoiren auszuarbeiten, die aber nur ein Fragment blieben. Und auch 
der Marchese L,ucchesini, wahrend der letzten Jahre sein standiger Gesell- 
schafter, hat ebenfalls statt der geplanten Biographie nur kurze Niederschriften 
iiber seine Gesprache mit Friedrich hinterlassen. 

Dann unternahmen es im 19. Jahrhundert Leopold v. Ranke und Johann 
Gustav Droysen, im Rahmen ihrer Darstellung der preuBischen Geschichte und 
Politik das Bild der Regierung des Konigs zu zeichnen. Aber ihre Schilderung 
ftihrt nur bis zum Ausbruch des Siebenjahrigen Krieges. Immerhin lassen sich 
die ferneren Schriften Rankes, »Ursprung« und »Ansicht des Siebenjahrigen 
Krieges «, sowie »Die deutschen Machte und derFiirstenbund« alsAbschluB der 
Biographie Friedrichs betrachten. Doch wie wenig vermogen die Lebens- 
beschreibungen von J. D. E. PreuB, dem spateren Herausgeber der *(Euvres 
de Frederic le Grand a y ja selbst eines Thomas Carlyle zu befriedigen! Das erste 
Werk kommt iiber eine trockene Sammlung von Material nicht heraus, und 
selbst der »geistvolle und tiefsinnige« Carlyle, wie K. ihn charakterisiert, 
scheiterte an der Fiille des Stoffes, die er kiinstlerisch nicht zu bewaltigen ver- 
mochte. Dariiber kann der oft hinreiBende Schwung der Sprache und die 
Wucht des Ausdrucks im einzelnen nicht hinwegtauschen. Zwar begann in 
steigendem MaBe seit Anfang der achtziger Jahre allerorten sich die friderizia- 
nische Forschung zu regen, aber noch fehlte die umfassende Darstellung, die in 
wissenschaftlich wie kiinstlerisch entsprechender Form Friedrichs Leben, den 
Mann und sein Werk schilderte. 

Indem K. sich dieser Aufgabe unterzog, schritt er zugleich in umfassender 
Weise an die Vorarbeit. Zunachst veroffentlichte er in den Jahren 1877 und 18S5 
die beiden ersten, bis 1755 reichenden Bande der » PreuBischen Staatsschriften 
aus der Regierungszeit Konig Friedrichs II. « Es handelte sich dabei nicht bloB 
urn » Sammlung und Neuherausgabe derjenigen Staatsschriften, die seit 1740 
den Standpunkt der preuBischen Politik vor derOffentlichkeit vertreten haben «, 
sondern auch um Feststellung und Herausarbeitung des personlichen Anteils, 
den Konig Friedrich an ihnen hatte. In der allgemeinen Einleitung, die der 
Publikation voraufging, sind Wesen und Charakter der publizistischen Schriften 
in meisterhafter Form dargelegt. Mit dem Jahre 1879 begann die Herausgabe 
der »Politischen Correspondenz Friedrichs des GroBen«, die uns die auswartige 
Politik des Konigs vor Augen fuhrt. Hier ist es K.s besonderes Verdienst, die 
Edition in mustergiiltiger Form festgelegt zu haben. Wahrend er selbst die 
ersten zehn Bande herausbrachte, sind die spateren, seit er der Akademie als 
Mitglied angehorte, unter seiner Agide erschienen. Zu diesen beiden Publi- 
kationen, die im Auftrage der Akademie veranstaltet wurden, tritt drittens die 
Veroffentlichung der Aufzeichnungen Catts, die K. 1884 unter dem Titel: 
»Unterhaltungen mit Friedrich dem GroBen « herausgab. An der Hand derselben 



Koser 6 1 

konnte er den wichtigen Nachweis fiihren, dafi nur Catts Tagebuchnieder- 
schriften als historische Quelle zu werten sind, wahrend in den Memoiren eine 
literarisch zugestutzte llberarbeitung derselben vorliegt. Endlich seien hiet 
noch die beiden spateren groflen Editionen genannt: der »Briefwechsel Fried - 
richs des Groflen mit Grumbkow und Maupertuis« (1898) und der drei Bande 
nebst einem Erganzungsband umf assende » Brief wechsel Friedrichs des Groflen 
mit Voltaire «, den K. gemeinsam mit Hans Droysen in den Jahren 1908 bis 
191 1 veroffentlichte. 

So war das Fundament gelegt, auf dem sich der stolze Bau der »Geschichte 
Friedrichs des Groflen «, wie das Werk in seiner endgultigen Fassung hiefl, er L 
heben sollte; denn nicht, wie bei Ranke und Droysen, sollte bei K. die Darstel- 
lung der f riderizianischen Epoche nur einen Teil der Darstellung der preuflischeri 
Geschichte bilden. Sie sollte auch nicht, wie in Friedrichs »Histoire de mon 
temps «, im Rahmen der europaischen Geschichte gegeben werden. Nur soweit 
im dynamischen Wechselspiel der Krafte die Einwirkung der europaischen 
Verhaltnisse zum Ausdruck kommt, werden diese beriicksichtigt. Stets bildet 
bei K. Konig Friedrich selbst den beherrschenden Mittelpunkt. 

GroBziigig und iibersichtlich ist die Anordnung. In einer beschrankten An- 
zahl von Buchern und Kapiteln, die wuchtigen Saulen gleich den ganzen Bau 
tragen, ist der Stoff gegliedert. Und wie die Kronung der Taten Friedrichs der 
Siebenjahrige Krieg bildet, so erreicht auch mit dessen Darstellung das Werk 
selbst seinen Hohepunkt. Dabei hat K. darauf verzichtet, eine besondere 
zusammenf assende Charakteristik seines Helden zu geben. Statt dessen hat er, 
mit breitem Pinsel malend, eine Reihe von Kapiteln (»Rheinsberg«, »Sanssouci« 
usw.) der Personlichkeit Friedrichs und ihrer geistigen Entwicklung gewidmet. 

Fiir die Griindlichkeit seiner Forschung zeugt die Fiille der nebenher laufen- 
den Abhandlungen und kritischen Einzeluntersuchungen, die sich auf die fride- 
rizianische Epoche beziehen. Mit einem Riistzeug sondergleichen konnte er da- 
her an die Niederschrift der Biographie gehen. So ward es ein Werk aus einem 
Gufl. Darin liegt auch der tiefere Grund, weshalb er bei den spateren Auflagen 
von grofleren Anderungen absah ; denn er f iirchtete bei tieferem Eingrif f das 
urspriingliche einheitliche Gefiige zu sprengen. Nur zweimal hat er sich dazu 
verstanden. Das eine Mai, als durch gliicklichen Fund das »Vorwort« der ver- 
schollenen ersten Fassung der »Histoire de mon tempsn, in welchem der junge 
Konig mit riickhaltloser Offenheit zur Frage des Vertragsbruches Stellung 
nimmt, ans Licht gezogen wurde. Das zweite Mai geschah es, als Iyehmann 1894 
die Frage nach dem Ursprung des Siebenjahrigen Krieges aufwarf , indem er das 
Bild des »damonischen« Friedrich zeichnete, der, von Eroberung zu Eroberung 
schreitend, 1756 mit dem Einbruch in Sachsen die »Offensive« gegen Osterreich 
eroffnete, deren Siegespreis die Erwerbung jenes Kurfiirstentums hatte bilden 
sollen. Sofort griff K. in die wissenschaftliche Fehde ein, um mit starken Argu- 
menten, die er dem politischen Testament des Konigs von 1752 entlehnte, Leh- 
manns Ansicht zu widerlegen. Zugleich veranlaflte er, dafl die preuflischen und 
osterreichischen Archive neu durchf orscht und die auf den Ursprung des Krieges 
beziiglichen Dokumente gesammelt und veroffentlicht wurden. Das Ergebnis 
konnte mit den Worten Rankes dahin zusammengefaBt werden: »Man darf 
dem Konig Friedrich den Entschlufl, auf weitere Erwerbungen Verzicht zu 
leisten, nicht zuschreiben; aber die ruhige Erwagung der Umstande und des 



62 '9X4 

Moglichen, die ihn vor anderen unternehmenden Kriegsfiihrern auszeichnet, hielt 
ihn damals von alien weitausgreifenden Absichten zuriick. « Damit hatte sich 
dem Lehmannschen Angriff gegenuber die alte Anschauung im wesentlichen 
behauptet ; nur war sie dank der erneuten Forschung vertieft und dahin modifi- 
ziert worden, daB Friedrich, von der Notwendigkeit der Abrundung der Mon- 
archie iiberzeugt, unentwegt an seinem Programm der Erwerbungen festhielt, 
zu dessen Verwirklichung er aber nur schreiten wollte, wenn die politische 
Konstellation Europas den Erfolg verbiirgte. 

Fiir die wissenschaftlicheBeurteilungderFriedrich-Biographie kommtendlich 
noch ein Moment in Betracht. Wie erwahnt, hat K. durch seine urkundlichen 
Editionen selbst den festen Grund fur sie gelegt. Aber diese Editionen um- 
fafiten doch nicht die ganze Regierungszeit des Konigs. Auch die » Politische 
Correspondenz* schritt selbst nicht so schnell vor wie seine eigene Arbeit. So 
sah er sich genotigt, vor allem fiir die politische Geschichte des letzten Jahr- 
zehnts auf den Forschungen seiner Vorganger zu fuBen. Schon fiir die Schilde- 
rung des Ursprungs des Bayerischen Erbfolgekriegs reichen diese nicht aus. 
Mogen nun aber auch infolge der fortschreitenden Editionstatigkeit oder in- 
folge der nimmer stillstehenden Forschung mancherlei Ziige an dem von K. 
entworfenen Bilde Friedrichs und seiner Zeit sich anders gestalten, soviel steht 
fest, daB sein Werk die erste vollstandige, den ungeheuren Stoff zusammenfas- 
sende Biographie ist, in streng wissenschaftlicher Form und auf breitester archi- 
valischer Grundlage beruhend, die zugleich hohen kiinstlerischen Anspriichen 
gerecht wird — ein Werk, das den Besten seiner Zeit genug getan hat. 

Nur zehn Jahre, die zum Teil noch mit Arbeiten zur friderizianischen Ge- 
schichte erfiillt waren — es sei nur an die Herausgabe des Voltaireschen Brief- 
wechsels erinnert — , waren seit dem AbschluB der Friedrich-Biographie ver- 
flossen, als K. der wissenschaftlichen Welt den ersten Band seines zweiten 
groBen Werkes, der » Geschichte der brandenburgisch-preuBischen Politik« vor- 
legte (1913). Durch seine Tatigkeit als akademischer Lehrer war er bereits 
darauf gefiihrt, sich eingehend mit dem Gesamtgebiet der preuBischen Ge- 
schichte zu beschaftigen. In seinem kritischen Aufsatze: »Umschau auf dem 
Gebiete der brandenburgisch-preuBischen Geschichtsforschung«, mit dem er 
als Herausgeber 1888 den ersten Band der » Forschungen zur brandenburgi- 
schen und preuBischen Geschichte « einleitete, hat er sodann schon auf die 
neuen Quellensammlungen hingewiesen, die ihrer wissenschaftlichen Ausbeu- 
tung harrten. Nun legte er selbst Hand ans Werk. 

Gleichwie bei dem Friedrich- Buch handelte es sich bei der » Geschichte der 
brandenburgisch-preuBischen Politik« um eine ganz selbstandige wissenschaft- 
liche Arbeit. Eine Fortsetzung der » Geschichte der preuBischen Politik«, desun- 
vollendet gebliebenen groBen Werkes seines Lehrers Johann Gustav Droysen, 
stand fiir ihn nicht in Frage. Schon in einem Vortrage iiber die Rheinlande und 
die preuBische Politik (1892) hatte er gegen die von seinem Lehrer in jenem 
Werk verfochtene » These von der nationalen Aufgabe PreuBens« ausdriick- 
lich Stellung genommen; denn darin unterschied sich K. von Droysen, daB in 
diesem sich der Historiker mit dem Politiker verband, wahrend er selbst gemaB 
seiner Naturanlage sich streng auf die wissenschaftliche Sphare beschrankte. 
Die politische Tendenz, die als leitender Gesichtspunkt sich durch Droysens 
Werk zieht, den Nachweis von dem »deutschen Berufe« PreuBens zu erbringen, 



Koser 



63 



ja fur die Beurteikmg der einzelnen Fursten ihre »deutsche« Gesinnung und 
ihre »deutsche« Halttmg zum MaBstab zu machen — diese Tendenz lehnte K. 
ab. Er wollte, wie er im Vorwort zum ersten Bande sagt, vielmehr nur schildern, 
»wie die Fursten unseres Staates und ihre Berater ihre Aufgabe jeweilig aufge- 
fafit haben, ob die Stellung der Aufgabe den wechselnden Bediirfnissen ihrer 
allmahlich zu einer Staatspolitik ausgreifenden Hauspolitik entsprach und ob 
die Mittel zur Ausfiihrung zweckmaBig gewahlt wurden«, mit anderen Worten, 
wie PreuBen sich zur GroBmacht entwickelte, bis es schlieBlich Deutschlands 
Fiihrung iibemahm. 

Ahnlich auch wie bei seiner Friedrich-Biographie war es ihm vorbehalten, 
xeiches neues Quellen material auszuschopfen ; groflenteils war es bereits ge- 
druckt, zum Teil aber, wie die »Protokolle und Relationen des brandenburgi- 
schen Geheimen Rates von 1604 bis 1640 «, noch unveroffentlicht. Doch gibt er 
hier im wesentlichen allein die Darstellung der aufieren Politik, wahrend die 
innere Geschichte des Staates nur soweit erforderlich und in grofien Umrissen 
gezeichnet wird. Der erste Band fiihrt von den Zeiten des Interregnums bis 
zum Westfalischen Frieden, der Grundlage der neueren europaischen Staaten- 
bildung, und so ziehen die Herrschergestalten der Askanierzeit und der Hohen- 
zollern bis zum Grofien Kurfiirsten in lebensvollem , scharfgepragtem Bilde an 
uns voriiber. Schon war ein Teil des Manuskriptes fiir den zweiten Band voll- 
endet, als der Tod dem rastlosen Schaffen des Nimmermiiden ein jahes Ende 
setzte. Fiir die Epoche seit dem Heimgang des groCen Konigs bietet eine Reihe 
von Aufsatzen und Vortragen, die zum Teil in dem 1921 veroffentlichten Sam- 
melbande »Zur preufiischen und deutschen Geschichte« vereinigt sind, in ge- 
wisser Weise Ersatz. 

Das Gesamtbild ware unvollstandig, wenn wir nicht mit kurzen Worten 
noch der Tatigkeit K .s auf den iibrigen Gebieten seines Wirkens gedachten. Was 
sein Amt als Vorsitzender der »Monumenta Germaniae historical betrifft, so 
wird aus berufenem Munde ihm nachgertihmt, dafi er, iiber die Stellung eines 
bloBen Reprasentanten und Geschaftsleiters hinauswachsend, sich schnell »ein 
selbstandiges und sachkundiges Urteil iiber die Fragen der Organisation, die 
wissenschaftlichen Aufgaben der einzelnen Abteilungen und die personlichen 
Verhaltnisse der Mitarbeiter« erworben habe. 

Von ungleich groBerer Tragweite war K.s Wirken als Leiter der preuBischen 
Staatsarchive, das nach sachverstandigem Urteil sich »durch die ungewohnliche 
Vereinigung von wissenschaftlichem Geist, archivalischer Sachkunde und Ver- 
waltungstechnik« auszeichnete. Hier hat er Bleibendes geschaffen durch die 
Sorge um die Besserstellung seiner Beamten, durch Ausgestaltung der MaB- 
nahmen fiir die Vorbildung des Nachwuchses, durch den Neubau zahlreicher 
Archive fiir die gesicherte Aufbewahrung der Archivbestande. Geradezu 
»epochemachend« war aber die systematische Durchfiihrung des Aufbaus der 
preuBischen Archive nach der sachlichen Seite hin, darunter namentlich des 
neuen Ordnungsprinzipes fiir die Archivalien selbst. Es handelt sich dabei um 
das Provenienzprinzip, d. h. um die Aufstellung der Akten nach den Behorden„ 
bei denen sie im Geschaftsgang erwachsen sind, im Gegensatz zum Sachprinzip, 
das die Akten ohne Riicksicht auf ihre Entstehung nach ihrem sachlichen In- 
halt einordnet. Hierbei kam ihm die praktische Erfahrung zustatten, die er 
wahrend seiner eigenen, wenn auch nur kurzen Tatigkeit als Archivar am Ge- 



64 J 9I4 

heimen Staatsarchiv gesammelt hatte. Dazu schuf er in den »Mitteilungen der 
preuflischen Archiwerwaltung<( ein eigenes Fachorgan, an dem er sich selbst 
als Mitarbeiter betatigte. Ein besonderes Verdienst erwarb er sich endlich um 
die historische Wissenschaft, von der er ausgegangen war und der er bis zuletzt 
diente, indem er systematisch die Benutzung der Archive erleichterte und 
damit ihre Bestande der historischen Forschung erschloB, durchdrungen von 
der groBen sittlichen Idee, daB man vor alien Dingen die Forschung nach der 
Wahrheit untersttitzen miisse. 

Als hochverdienter wissenschaftlicher Forscher, als warmer und iiberzeugter 
Patriot , als auf rechter Mann und lauterer Charakter, als der er sich auch bevvies, 
als er nach seiner Beruf ung zum Direktor der Archive seinem Herrn und Kaiser 
personlich nahetrat — so steht sein Bild der Nachwelt vor Augen. 

Literatur: Die Nachrufe von Hintze (♦ Historische Zeitschrift «, Bd. 1 14, S. 65 ff.). — 
Tangl (* Neues Archiv der GeseUschaft fur altere deutsche Geschichtskunde «, Bd. 39, 
S. 767). — Bailleu (Sitzungsbericht des Vereins fiir Geschichte der Mark Brandenburg 
vom 14. Oktober 191 4). — Klinkenborg (oForschungen zur brandenburgischen und preuBi- 
schen Geschichte «, Bd. 28, S. 285 ff.) und Volz (»Hohenzollern-Jahrbuch«, Jahrg. 1914, 
S. 166 ff.). 

Berlin-Iyichterfelde. Gustav Berthold Volz. 

Lichtwark, Alfred Danger, Kunsthistoriker, * 14. November 1852 zuReitbrook 
bei Hamburg, | 13. Januar 1914 zu Hamburg. — L., eine der bedeutendsten 
Personlichkeiten auf dem Gebiete des deutschen Museums wesens, wurde als 
der alteste Sohn eines Landwirts und Miillers in dem Dorfe Reitbrook in den 
Vierlanden bei Hamburg am 14. November 1852 geboren. Seine Mutter war die 
zweite Gattin seines Vaters und die Nichte von dessen erster Ehefrau. Unter 
ihre Vorfahren zahlte sie den Komponisten Joh. Sebastian Bach. Aus der ersten 
Ehe des Vaters lebt eine Tochter, aus der zweiten Ehe sind als jiingere Ge- 
schwister L,.s eine zweite Tochter und ein Sohn entsprossen. Seine friihe Kind- 
heit verlebte L,. auf dem Lande. i86osiedelte die Familie nach Hamburg iiber, 
da der Vater nach schweren Verlusten genotigt gewesen war, sein Anwesen zu 
verkauf en. 1869 starb der Vater und die Sorge fiir die Familie lastete auf der Mut- 
ter, einer mit ausgezeichneten Gaben des Verstandes und Herzens ausgestatteten 
Frau. I,, wandtesich dem Lehrerberufe zu, fiir den ihn eine ungewohnliche pad- 
agogische Begabung, die sich alsbald of fenbarte, bestimmt haben mag. Nach dem 
Besuch einer hoheren Biirgerschule bezog er die Lehrerbildungsanstalt zu Ham- 
burg, ohne indessen eine Abschluflpriif ung zu bestehen. Schon 1868 trat er als 
Gehilfe in die Jakobikirchspielschule ein, wo er bis 1875 unterrichtete, spater war 
er an der Gottschalkschen Privatschule, einer hoheren Biirgerschule, angestellt, 
wo er bis in sein achtundzwanzigstes Lebensjahr tatig war. Inzwischen fand 
er die Moglichkeit, das Altonaer Gymnasium und nachmals das akademische 
Gymnasium zu Hamburg zu besuchen, doch hat er auch hier kein Abgangs- 
examen bestanden. 1878 wurde er mit Justus Brinckmann, dem Begriinder und 
Leiter des Hamburger Kunstgewerbemuseums, bekannt, dessen Vortrage er be- 
suchte und dem er bei seinen musealen Arbeiten half. Die Begegnung entschied 
iiber L.s ferneres I^eben. Sein Kunstsinn wurde geweckt durch den fiir seinen 
Beruf leidenschaftlich entflammten, kaum zehn Jahre alteren Brinckmann. 
Auch mogen sich beide Manner in der Freude an der Natur und ihrer Er- 
forschung gefunden haben, die bei ihnen das Verhaltnis zur Kunst bedeutsam 



Koser. Lichtwark 



65 



beeinfluBte. Nachdem L. zwei Jahre lang Brinckmanns Unterricht genossen 
hatte, erlangte er durch dessen Vermittlung ein Stipendium, das ihm den Be- 
such der Leipziger Universitat ermoglichte. Als Studiosus der Kameralwissen- 
schaft inskribiert, wandte er sich der Kunstgeschichte unter Anton Springer 
zu. Nach drei Semestern bekam er auf Empfehlung Springers im Herbst 188 1 
einen Posten an der Bibliothek und Kupferstichsammlung des Berliner Kunst- 
gewerbemuseums. Hier f aBte er rasch festen FuB. Mit groBer Arbeitsfreudigkeit 
versah er seine dienstlichen Obliegenheiten und glich bald den Abstand an 
Fachbildung aus, der ihn von den gleichaltrigen Berusfgenossen trennte. Zeit- 
weise hatte er die Redaktiondes »Jahrbuchs derpreuBischen Kunstsammlungen* 
zu versehen. Nebenher war er als erfolgreicher Kunstkritiker fur die»Gegenwart« 
und die »Nationalzeitung« tatig. Von Berlin aus reichte er 1885 als Dissertation 
in I^eipzig eine Arbeit iiber die Kleinmeister als Ornamentisten ein, die mit 
hohem Lobe aufgenommen wurde. Unter Dispens vom mundlichen Examen 
wurde ihm im Marz 1885 der Doktorgrad verliehen. Zuvor hatte er schon 
mehrere Berufungen als Museumsleiter nach Kaiserslautern, Aachen und Bres- 
lau ausgeschlagen. Nun erreichte ihn im Friihjahr 1886 der im stillen erhoffte 
Ruf nach Hamburg, nachdem der bisherige Inspektor der Kunsthalle und Ge- 
schaftsfiihrer des Kunstvereins Meyer gestorben war. Eben damals war ein 
Erweiterungsbau der 1869 nac h den Planen von der Hudes und Schirrmachers 
errichteten Kunsthalle vollendet worden, auch hatte man ihre Sammlungen und 
deren Verwaltung verstaatlicht ; so daB fiir L.s amtliche Tatigkeit ganz neue 
Voraussetzungen gegeben waren. 

In der Beriihrung mit der heimatlichen Scholle entf alteten sich rasch seine 
Krafte. Die Kunsthalle enthielt nur im Kupferstichkabinett dank dem Ver- 
machtnis der Kunsthandler Ed. Harzen und Commeter eine bedeutende Samm- 
lung ; die Galerie war ein unbetrachtliches Zuf allsgebilde aus einigen wertvollen 
Bildern alter Meister und unbedeutenden modernen Gemalden, die meist durch 
Vermachtnisse eingekommen waren. L,. hatte also ein freies Feld vor sich. Im 
iibrigen war er fiir sein neues Amt nicht besonders vorgebildet, da er nicht an 
einer Gemaldegalerie gearbeitet hatte, auch der Kennerschaft auf dem Gebiete 
der alteren Malerei ermangelte. Von dem Sammlungsbereich des Kupferstich- 
kabinetts hatte er eingehend nur den Ornamentstich bearbeitet. Wenn er somit 
als ein Unziinftiger an sein neues Amt herantrat, so brachte er dafiir d£n 
starken Willen zu wirken mit. Von Anbeginn faBte er sein Amt so auf, daB die 
Kunsthalle nicht sowohl den Bereich als vielmehr die Basis seiner Wirksamkeit 
darstelle. In seiner programmatischen Antrittsrede am 9. Dezember 1886 sprach 
er es aus, daB die Kunsthalle als eine Statte der Lehre und Bildung aktiv werden 
miisse, namentlich auch unter Heranziehung der Jugend durch Vermittlung der 
Lehrerschaft. Diesem damals in Deutschland neuen Grundgedanken gemaB hat 
€r seither seines Amtes gewaltet. Dabei wendete er sich personlich teils an die 
Schuljugend, teils und vornehmlich an die fiihrende Gesellschaftsschicht, da 
er darauf ausging, die wirtschaftlich starken und folglich maBgeblichen Trager 
der burgerlichen Kultur zu veredeln, damit sie durch ihre Anspriiche und Auf- 
trage die kiinstlerische Produktion heben sollten. 

Diese doppelte Richtung seiner Wirksamkeit verf olgte er auch durch Vereins- 
griindungen, die der Kunsthalle angegliedert wurden: die Gesellschaft ham- 
burgischer Kunstfreunde (seit 1893) und die Hamburgische Lehrervereinigung 
dbj 5 



66 1914 

zur Pflege der kunstlerischen Bildung (seit 1896). Von beiden Vereinen gingen 
Publikationen aus, von der Gesellschaft namentlich solche mit der Absicht auf 
Hebung des Dilettantismus. Als dritte Griindnng kam die Hamburgische Haus- 
bibliothek hinzu, in der teils Schriften von lokalem kulturgeschichtlichem Inter- 
esse, teils wohlf eile Ausgaben edler deutscher Unterhaltungsliteratur erschienen. 
In diesen Vereinen und in der Sammeltatigkeit fiir die Kunsthalle wurde mit 
stark personlicher Farbung die hamburgische Eigenart und in weiterem Sinne 
deutsche Kunst gepflegt. 

Bei solcher Einstellung ihres Leiters gediehen die Sammlungen der Kunst- 
halle zu einem in seiner Art einzigen Denkmal der heimischen Kultur. Durch 
die Mischung von Enthusiasmus, Spiirsinn und diplomatischem Geschick ge- 
langen L,. manche ungewohnliche Erwerbungen althamburgischer Malwerke 
aus offentlichem Besitz, sogar aus fremden Museen. SchlieBlich gliederte sich 
der rasch anwachsende Bestand der Kunsthallengalerie in vier Hauptgruppen : 
Sammlung zur Geschichte der Malerei in Hamburg von ihren Anfangen im 
14. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Galerie alter Meister (meistNiederlander 
des 17. Jahrhunderts), Galerie moderner Meister des 19. und 20. Jahrhunderts, 
Sammlung der Bilder aus Hamburg. Der letzteren Abteilung wandte L. schlieB- 
lich seine besondere Vorliebe zu. Sie enthielt zeitgenossische Gemalde aus Ham- 
burg und Bildnisse bekannter Hamburgischer Personlichkeiten, von verschie- 
denen nach Hamburg berufenen Kiinstlern gemalt. — Dazu kam der Ansatz 
zu einer Sammlung moderner Skulptur und als L.s besondere Schopfung eine 
Sammlung zeitgenossischer franzosischer Medaillen und Plaketten mit der Ab- 
sicht der Hebung dieses in Deutschland damals vernachlassigten Kunstzweiges. 
Jeder Abteilung der von ihm gebildeten Sammlungen wohnte eine bestimmte 
padagogische, d. h. lokalpadagogische Absicht bei. Und dasselbe gilt von alien 
Schriften, die er nach seinem Amtsantritt in Hamburg veroffentlichte, die teils 
im Buchhandel, teils als Manuskript fiir die Kunsthalle oder die Gesellschaft 
hamburgischer Kunstfreunde gedruckt erschienen (s. unten). Sie waren samt- 
lich Gelegenheitsschriften. 

L-, der sich selbst in strenger Selbsterziehung zu einer harmonisch abge- 
rundeten Personlichkeit herangebildet hatte, fand eines der wichtigsten Bil- 
dungsmittel in seinen Reisen, die er im Dienst der Kunsthalle haufig unter- 
nahm. Die zwanglosen Berichte, die er von ihnen aus fast taglich an seine Be- 
horde schickte, \NOirden seit 1893 als Manuskript in wenigen Exemplaren ge- 
druckt und erschienen in einer Auswahl in zwei Banden 1923. 

Wesentlich seiner Anregimg zufolge wurden 1901, 1903, 1905 drei Kunst- 
erziehungstage veranstaltet in Dresden (fiir bildende Kunst), in Weimar (fiir 
Literatur), in Hamburg (fiir Korperkultur) . Auch verdankt die Jahrhundert- 
ausstellung in der Nationalgalerie von 1906 ihre Entstehung seinen Forde- 
rungen, die sich mit denen Meier-Graf es begegneten. — Seine letzte Unter- 
nehmung war der grofie Erweiterungsbau der Kunsthalle, dessen Vollendung 
er nicht mehr erlebte. 

Im letzten Jahrzehnt seines Lebens hat er seit dem Erscheinen des »Deutschen 
der Zukunf t<< wenig mehr verof f entlicht . Nach 25 j ahriger Dienstzeit veranstaltete 
er 191 1 eine groJ3e Gesamtausstellung seiner En\-erbungen in der Kunsthalle. 
Bald darauf machten sich die ersten Spuren der Krankheit (eines Karzinoms) 
bemerkbar, der er am 13. Januar 1914 erlag. 



Lichtwark. Lous 67 

Literatur: L.s Schriften: Die wichtigsten im Buchhandel erschienenen (vollstandige 
Aufzahlung bei Mannhardt, Auswahl s. unten) : Ornamentstich der deutschen Friihrenais- 
sance, Berlin 1887. — Herm. Kaufmann und die Kunst in Hamburg, Miinchen 1892. — 
Makartbukett und Blumenstrautf, Berlin 1892, 2. Aufl. 1905. — Wege und Ziele des Dilet- 
tantismus, Miinchen 1894. — Wiedererweckung der Medaille, Dresden 1897. — t)bungen 
in der Betrachtung von Kunstwerken, Berlin 1897, IO - Aufl. Berlin 19 14. — Palastfenster 
und Fliigeltiir, Berlin 1899, 3- Aufl. Berlin 1905. — Drei Programme, Berlin 1899, 2. Aufl. 
Berlin 1902. — Die Erziehung des Farbensinns, Berlin 1901, 4. Aufl. Berlin 1913. — Die 
Seele und das Kunstwerk, Berlin 1899, 4. Aufl. Berlin 191 1. — Der Deutsche der Zukunft, 
Berlin 1905. — Vom Arbeitsfeld des Dilettantismus, Berlin 1899, 2. Aufl. 1907. — Park- 
und Gartenstudien, Berlin 1909. (Sammlung alterer Aufsatze.) — Auswahl aus L.s Schriften 
mit Einleitung von K. Scheffler, herausgegeben von Prof. Mannhardt, 2 Bde, Berlin 1917. — 
L.s Briefe an seine Kommission, mit Einleitung in Auswahl herausgegeben von Gust. Pauli, 
2 Bde., Hamburg 1923 (s. unten). — Nicht im Buchhandel erschienen: Briefe an die Kom- 
mission fur die Verwaltung der Kunsthalle, 20 Bde, Hamburg 1893 — 1920. — Jahrb. der 
Gesellschaft hamburgischer Kunstfreunde, 18 Bde., 1895 — *9 12 ( m it vielen Aufsatzen 
L.s). — Studien, 2 Bde. (Gesammelte Kritiken), Hamburg 1896. — Das Bildnis in Ham- 
burg, 2 Bde., Hamburg 1898. — Meister Francke, Hamburg 1899. — Matth. Scheits, Ham- 
burg 1899. — Jul. Oldach, Hamburg 1893. — Meister Bertram, Hamburg 1905. — Speck- 
ters Katzenbuch 1900. — tlber L.: Lr. Marcks, A. L. (Gedachtnisrede mit Literaturan- 
gaben im Anhang). — K. Scheffler, Einleitung zu Mannhardts Auswahl aus L.s Schriften 
Berlin 1917. — G. Pauli, Einleitung zu den Briefen L.s an seine Kommission, Hamburg 
1923. — A. v. Zeromski: A. L-, ein Fiihrer zur deutschen Zukunft. Jena 1924. 

Hamburg. G. Pauli. 

Ldns, Hermann, Schriftsteller und Dichter, * zu Kulm in WestpreuBen am 
29. August 1866, gefallen am 26. September 1914 bei Loivre in der Nahe von 
Reims. — I/, besuchte das Gymnasium in Deutsch-Krone, wohin sein Vater 
als Oberlehrer versetzt worden war, und studierte seit 1884 in Miinster, Greifs- 
wald und Gottingen Naturwissenschaften. Aber mehr als der Horsaal zog ihn 
das studentische Treiben an, und als Mitglied der Turnerschaft Cimbria zu 
Greifswald hat er sich tief, fast zu tief darin eingelassen. Ein Examen zu 
machen, ist ihm nie moglich gewesen; dafi er die dazu notwendigen Kenntnisse 
wohl besaB, beweisen manche Aufsatze besonders zoologischen Inhaltes, die in 
der fachwissenschaftlichen Presse erschienen. Aber auch zum gelehrten For- 
scher fehlten ihm Sitzfleisch und Energie, und so zog er den freien Beruf des 
Schriftstellers und Journalisten alien anderen vor. Nach kurzer Redaktions- 
tatigkeit in Kaiserslautern kam er als Redakteur nach Hannover und hatte 
damit den Boden gefunden, auf dem er heimisch war; denn seine Eltern 
stammten beide aus Westfalen, und niedersachsische Art weist sein Wirken 
und Dichten iiberall auf. Von Hannover unternahm er unzahlige groBere und 
kleinere Fahrten in die Heide, in welcher er bald zu Hause war wie ein Einge- 
borener; mit Biichse und Pirschglas durchstreifte er Wald und Moor, be- 
obachtete und erlauschte mehr als er schoB. Als der Krieg ausbrach, meldete 
er sich trotz seiner Jahre als Freiwilliger, kam mit einem Ersatztransport zum 
heimatlichen Infanterieregiment Nr. 73 ins Feld und erhielt vor Reims die 
todliche Kugel. 

L.s prosaisches Schaffen laBt sich in zwei deutliche Entwicklungsperioden 
gliedern. Zunachst schreibt er kleine Skizzen fur den Bedarf und die Ergotzung 
seiner Zeitungsleser ; sie halten sich zum Teil im Rahmen der iiblichen Feuille- 
tons und sind Eintagsfliegen, zum Teil aber gehen sie dariiber hinaus und liefern 
scharfumrissene, oft satirische Stimmungs- oder Personlichkeitsbilder. Allmah- 



68 I9M 

lich stellt er sich hohere Aufgaben, sein schriftstellerischer Ehrgeiz erwacht, 
und er begibt sich auf sein ureigenes Gebiet : die Natur- und Tierschilderung. 
Hier wurde er zumMeister eineskleinen, aber abwechslungsreichenErzahlungs- 
typus, und darin liegt seine Bedeutung fiir die deutsche Literatur. L. wuchs 
auf im Zeitalter des Naturalismus und Impressionismus — kein Wunder, daB 
dessen Welterfassung ihm im Blute lag. Die Beobachtung der auBeren Welt 
war sein Werkzeug, das er virtuos handhabte. Was er den Tieren abgesehen 
hatte, im freien Spiel, im Kampf urns Dasein, das gab er in fein gestrichelten 
Skizzen wieder, wo jeder Satz uberlegt ist, wo naturwissenschaftliche Ausdriicke 
mit kernigen Dialektwortern und altvaterlicher Jagersprache sich wohlbedacht 
mischen und eine ganz eigene Atmosphare erzeugen. Diese Geschichten muten 
an wie Bilder der zeitgenossischen Malerei, eines Liebermann oder Menzel: 
nichts ist darin, das nicht durch die Natur belegt werden konnte, die eigene 
Phantasie schweigt, nur in der Darstellung des Gesehenen oder Gehorten offen- 
bart sich der kiinstlerische Wille. Es handelte sich fiir L,. nicht, wie fiir die 
neueren Tierdichter, einen Svend Fleuron, eine Selma Lagerlof, um das 
Seelenleben der Tiere, auch nicht, wie fiir Rudyard Kipling, um ihre Ver- 
menschlichung, sondern um die kiinstlerische Wiedergabe des wissenschaftlich 
Festgestellten und mit dem Auge des Jagers, aber auch des Naturfreundes 
Erschauten. Denn Iy. war kein Jager in der gewohnlichen Bedeutung des 
Wortes, und er konnte — wie oft ist das vorgekommen — ohne jegliche Beute 
heimkehren; nicht aus Mangel an Wild oder aus fehlender Treffsicherheit, son- 
dern aus Iyiebe zur Natur und allem, was zu ihr gehort. Es ist daher falsch, ihn 
den »Jagdschriftstellern« einzureihen. L,. war mehr: er bildet iiberhaupt eine 
besondere Kategorie und laBt sich nicht mit landiiblichen literarischen MaBen 
messen. Was er innerlich geben konnte : Freude an Tier und Pflanze der Heimat , 
gefiihlsmaBiges (nicht sentimentales) Mitschwingen mit ihren Schonheiten und 
Seltsamkeiten — das hat er in diesen zahlreichen Skizzen, Erzahlungen, Bil- 
dern gegeben. Die niedersachsische Landschaft, die verschwiegene Heide, das 
stille Moor — ihnen hat er den Mund geoffnet, ihre Geschopfe studiert mit 
eifernder Liebe und dann gesagt, was er davon wuBte und verstand. Das war 
nicht wenig, und der sprachlich gepflegte Stil, in welchem er es tat, hob seine 
Produktionen heraus aus den Niederungen der journalistischen Tagesschreiberei 
und verlieh ihnen kiinstlerischen Dauerwert. DaB er ein bewuBt bildender 
Kiinstler war, offenbart auch die sorgfaltig konstruierte Ordnung dieser Ge- 
schichten, die sich in iiberlegter Steigerung aufbauen und meist mit einer 
vorbereiteten Pointe schlieBen, welche einen kraftigen SchluBpunkt gibt. 
Schwachere Nachahmer, die Iy. wie jeder Meister bald fand, lassen diese reife 
Kunst noch mehr erkennen. 

In den letzten I^ebensjahren wuchs indes des Dichters Ehrgeiz. Er wollte 
auch groBere Werke schreiben, und so entstanden in rascher Folge die Romane 
»Der letzte Hansbur«, »Dahinten in der Heide«, »Der Wehrwolf «, »Das zweite 
Gesicht«. Diese vier Biicher haben eins gemeinsam: die Iyandschaft ist iiberall 
die Heide — und sie sind ferner, auch der historische » Wehrwolf «, stark auto- 
biographisch gehalten. Ein genauer Kenner der niedersachsischen Heidebauern 
hat an ihnen getadelt, daB das keine Heidebauern waren, die durch die Biicher 
schritten. Das wollte auch L. nicht; ihm lag es am Herzen, von der rein 
schildernden Dichtung, zu der ihn seine gewissenhafte Naturliebe notigte, 



Lons. Martens 6o 

weiterzuschreiten zur eigenen Erfindung. Schwere seelische Erlebnisse, Lebens- 
und Liebesnote muJ3te er sich vom Herzen schreiben, und die Hauptfigur, die 
im Mittelpunkt dieser Romane steht, tragt immer ein Stuck seines Wesens, 
gibt eigenes Denken und Fiihlen wieder. Aber — war es schon zu spat oder 
reichte seine Begabung nicht aus ? — diese Romane sind in Wahrheit nichts 
als weiter ausgesponnene Erzahlungen seiner ersten Zeit: er vermochte den 
Stoff nicht mehr zu bandigen, das Material tiberwaltigte ihn, der Formwille 
war nicht stark genug, urn der andringenden Gestalten Herr zu werden. Daher 
zerrinnen diese Bucher allmahlich, nach einem schonen Anlauf bleiben sie 
stecken, miissen miihsam weitergeschleppt werden, Hohepunkte wunder- 
samer Dichterkunst wechseln mit triiben Niederungen, und das Ende wirkt 
sich als langsames Erschlaffen aus. L. hat sich anfangs iiber diese Grenze seiner 
Begabung selbst getauscht ; sein unruhiges Blut trieb ihn immer wieder an, sich 
in groCeren Schopfungen auszutoben, und liefi ihm keine Mui3e, mit straffer 
Formenergie noch einmal das im ersten Rausch Hingeschriebene zu feilen und 
zu glatten, zurechtzuriicken und in Mafi zu bringen. Einzig »Der Wehrwolf «, 
diese wuchtige Bauernnovelle des 30jahrigen Krieges, offenbart so etwas wie 
eine ordnende Kiinstlerhand, und so wird dieses Bekenntnis von niedersach- 
sischem Mannestrotz und stolzer Ungebrochenheit wohl am langsten fiir die 
phantastische Erzahlungskunst seines Urhebers zeugen. Immer wieder machte 
L. Ansatze zu einer grofien Schopfung, er plante einen umfassenden Roman, 
kam aber nicht zur Vollendung; er fiihlte wohl auch, dafl seine Kraft nicht 
mehr dazu imstande war. 

Seine Lyrik hat einige feine Bliiten im Volksliedton hervorgebracht, und sein 
lange vor dem Kriege gedichtetes »Matrosenlied« wurde rasch zum Kampflied 
gegen England, so sehr, dafi es von den Sangern vielfach nicht mehr als Kunst- 
lied, sondern als »herrenloses Volksgut« empfunden wurde und demgemaB Ver- 
anderungen erlitt. In der Entwicklung unserer Literatur hat L,.s Auftreten zwei- 
fache Bedeutung: die ErschlieBung der niedersachsischen Landschaft und die 
Schopfung der impressionistischen Naturerzahlung ; und damit ist seine histo- 
rische Stellung gekennzeichnet. 

Literatur : Quellen: Lons' Werke sind in Einzelausgaben bei Sponholtz (Hannover, 
» Der Wehrwolf « bei Diederichs (Jena) erschienen. Gesamtausgabe bei Max Hesse (Leipzig) 
1923. Biographisches : Kriegszeitung der Festung Borkum 1916, Nr. 68; Traugott Pilf, 
H. I ¥ 6ns der Dichter (Jena 1916) : Lons-Gedenkbueh (Hannover, Gersbaeh) ; H. Schauerte, 
H. Lons, sein Leben, sein Schaffen und seine Werke (Dortmund 19 19); W. Spicker- 
nagel, H. Lons und unsere Zeit (Leipzig 1920); W. Deimann, H. Lons, sein Leben und 
Wirken I (Dortmund 1923). 

Hannover. Wolfgang Stammler. 

Martens, Adolf, Geheimer Oberregierungsrat, Professor Dr.-Ing. e. h., Direk- 
tor des Staatlichen Materialpriifungsamtes Berlin-Dahlem, * in Bakendorf bei 
Hagenow (Mecklenburg-Schwerin) am 6. Marz 1850, f am 24. Juli 1914. — Mit 
M. ist ein Mann von seltener Tatkraft, nie erlahmender Arbeitsfreudigkeit und 
groi3em PflichtbewnBtsein dahingegangen, der nicht nur im engeren Vater- 
lande, sondern weit iiber die deutschen Grenzen hinaus Achtung und Anerken- 
nung sich erwarb. Ausgestattet mit reichem Wissen und griindlichen Erfah- 
rungen in seinem Beruf und geleitet von der L v berzeugung, allzeit der Allge- 



jo 1914 

meinheit dienen zu miissen, hat er mit eisernem Willen die von ihm als er- 
strebenswert erachteten Ziele verfolgt. Mag hierbei, besonders infolge seiner 
Wortkargheit, manche Harte zutage getreten, mancher Unwille ihm begegnet 
sein, ihn machten selbst augenblickliche MiBerfolge nicht irre, sondern spornten 
ihn zu verstarkter Tatkraft an. War aber der Streit der Meinungsverschieden- 
heit beendet, so verstand er es, selbst mit seinen scharfsten sachlichen Gegnem 
gute Kameradschaft zu iiben und die Achtung des sachlichen Gegners mit 
Freundschaft zu paaren. 

Die GroBe seines Schaffensdranges und seiner Willenskraft erhellt wohl am 
besten daraus, daB er, in monatelangem Kampfe gegen eine schleichende Krank- 
heit korperlich bereits gebrochen, bis wenige Tage vor seinem Tode an der Er- 
ledigung der Amtsgeschafte teilgenommen und seine wie stets im stillen heran- 
reifenden Plane weiter verfolgt hat. 

An der Seite seines ihm bis zum Lebensende treugebliebenen Freundes, des 
bekannten spateren Dichters Heinrich Seydel, verlebte er als Sohn eines 
Gutspachters seine Knabenjahre auf dem L,ande. Hier erwuchs seine L,iebe fiir 
die Natur, die er sich bis ins Alter bewahrte und durch die er in der Pflege des 
mit seiner Wohnung verbundenen Gartens und dessen befiederten Bewohnern 
nach angestrengter Arbeit freudenreiche Erholung fand. Seinen Schulunterricht 
genoB M. auf der Realschule in Schwerin. Er arbeitete dann zunachst zwei Jahre 
praktisch in einer Maschinenfabrik in Gustrow, besuchte hierauf von 1868 
bis 1871 die ehemalige Gewerbeakademie in Berlin, war dann bis 1875 beider 
Kgl. Eisenbahndirektion der Ostbahn in Bromberg und spater bis 1880 beim 
Kgl. Eisenbahnbetriebsamt Berlin-Nordhausen als Ingenieur mit Eisenkon- 
struktionen, Baubeaufsichtigung und Materialabnahme beschaftigt. Bis 1884 
assistierte er bei dem Lehrstuhl fiir Maschinenelemente an der Kgl. Technischen 
Hochschule zu Berlin und war 1880 bis 1881 zugleich mit Schriftleiter der 
Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure. Am 1. April 1884 wurde er zum 
Vorsteher der Kgl. mechanisch-technischen Versuchsanstalt zu Charlottenburg 
berufen. Hier fand M. ein reiches, seinen Neigungen voll entsprechendes Feld 
der Tatigkeit. Aus kleinen Anfangen heraus entwickelte sich die Versuchs- 
anstalt unter seiner zielbewuBten Oberleitung, begiinstigt durch die immer mehr 
sich Bahn brechende Erkenntnis von der Bedeutung und Notwendigkeit sach- 
gemaBer und unparteiischer Materialpriifung, zu dem seit 1895 bestehenden, 
aus 7 Abteilungen gebildeten Materialpriifungsamt. Bis 1884 waren die Auf- 
gaben der Versuchsanstalt, deren Grundstock die spatere Abteilung fiir Metall- 
priifungbildete,vornehmlichFestigkeitsuntersuchungen,undzwarinsbesondere 
mit Metallen ; daneben bestanden bereits die Anf ange der Oluntersuchung, die 
jedoch bis dahin auf die Ermittlung des Schmierwertes beschrankt geblieben 
waren. Noch im Jahre 1884 wurde die Papierpriifung aufgenommen, 1887 die 
Olpriifung auf chemische und physikalische Untersuchungen ausgedehnt, 1895 
die Abteilung fiir Baumaterialpriifung angegliedert, 1904 die fiir Metallographie 
neu begriindet sowie die chemisch-technische Versuchsanstalt mit dem Material- 
priifungsamt vereinigt und schlieBlich 1905 auch die Textilpriifung aufge- 
nommen. 

Auf dem Gebiet der Metallographie hatte M. schon vor 1884 seine ersten 
Forschungsarbeiten ausgefiihrt, durch deren Veroffentlichung die Aufmerksam- 
keit weiter Kreise fiir diesen Zweig der Materialpriifung wachgerufen wurde. 



Martens 



7* 



Eine besondere Genugtuung war es ihm daher, daB es nach hartem, hier bis zum 
HaB gesteigerten Kampfe 1898 gelang, die Metallographie zu den Aufgaben des 
Materialpriifungsamtes zahlen zu durfen. Aber auch an dem Gedeihen aller 
anderen Abteilungen hatte M. lebhaften und erfolgreichen Anteil. Derselbe 
kommt am besten zum Ausdruck in seinen eigenen Worten gelegentlich der 
Antrittsrede vor der Akademie der Wissenschaften, in die er 1895 aufgenommen 
wurde: »Der Eintritt in das Amt gab mir Gelegenheit, meine Neigung fiir Fein- 
mechanik und mein Studium der Instrumentenkunde durch die Ausbildung 
zahlreicher Apparate und Maschinen fiir das Materialpriifungswesen zu ver- 
werten.« Eine Aufzahlung dessen, was M. hierin geleistet hat, wiirde zu weit 
f iihren ; hervorgehoben zu werden verdient aber, daB seine Konstruktionen viel- 
fach bahnbrechend gewirkt haben; nicht allein indem sie Nachahmung fanden, 
sondern auch dadurch, daB sie neue Wege fiir die Priifungsverf ahren eroffneten 
und neben der mustergiiltigen Organisation des Amtes dazu beitrugen, daB 
sowohl die einheimische GroBindustrie als auch das Ausland sich bemiihten, 
dem Materialprufungsamte ahnliche Anstalten zu errichten. 

Neben der konstruktiven entfaltete M. auch eine umfassende literarische 
Tatigkeit, deren Gegenstand die Ergebnisse teils eigener, teils nach seinen 
Planen in den verschiedenen Abteilungen des Amtes ausgefiihrter Unter- 
suchungen bildeten. Alle seine Arbeiten, die zum groBten Teil in den »Mit- 
teilungen aus dem Staatlichen Materialpriifungsamt« erschienen sind, zeugen 
von strenger Sachlichkeit, wie auch strenge Unparteilichkeit den ersten Grund- 
satz fiir die Untersuchungen des Amtes bildete. Sein groBeres Werk : »Handbuch 
der Materialienkunde fiir den Maschinenbau«, das weite Verbreitung und An- 
erkennung gefunden hat, behandelt im wesentlichen die Hilfsmittel und die im 
Amte geiibten Verfahren zur Priifung der Metalle. 

Mit zunehmender allgemeiner Erkenntnis von der Bedeutung sachgemaBer 
Verfahren fiir die Materialpriifung und mit der Zahl der Versuchsstellen wuchs 
das Bediirfnis des Erfahrungsaustausches unter den Forschern auf diesem Ge- 
biete. Es fiihrte auf Anregung von Bauschinger zu der Bildung des Deut- 
schen Verbandes fiir die Materialpriifungen der Technik, dem gleiche Verbande 
im Auslande folgten und die spater zu internationalen Kongressen zusammen- 
traten. M. hat diesen Verbanden von Anbeginn an groBes Interesse entgegenge- 
bracht. Nach dem Tode Bauschingers iibernahm er den Vorsitz des deutschen 
Verbandes, den er mitbegriindet hatte, und wurde Vizeprasident des inter- 
nationalen Verbandes. Er hat nicht allein erheblich dazu beigetragen, die 
Priifungsverfahren einheitlich auszugestalten, sondern war auch bemiiht, bei 
den Verhandlungen und Beschliissen des internationalen Verbandes die Inter- 
essen der deutschen Industrie zu wahren, so weit seine wissenschaftliche t)ber- 
zeugung ihm dies gestattete. Der deutsche Verband ernannte ihn in Wiirdigung 
seiner Verdienste zum Ehrenmitgliede. Auch an weiteren Ehrungen fehlte es 
nicht. Der Verein deutscher Ingenieure, dessen Technischem AusschuB M. jahre- 
lang vorstand, verlieh ihm die Grashof-Medaille, die Technische Hochschule zu 
Dresden die Wiirde eines Doktor-Ingenieurs ehrenhalber. AuBerliche Zeichen 
der ihm zuteil gewordenen Anerkennungen war eine Reihe preuBischer und 
auslandischer Orden. 

Berlin-Lichterfelde. M. Rudeloff. 



72 1914 

Paul v. Mauser. Am 27. Juni 1838 wurde M. in dem wiirttembergischen 
Stadtchen Oberndorf a. Neckar geboren als jungstes der 13 Kinder des Buchsen- 
machermeisters Andreas Mauser und seiner Ehefrau Agathe geb. Heim. Der 
Vater war in der Kgl. Gewehrfabrik beschaftigt ; nebenher wurde noch Munition 
im Hause angefertigt, und bereits als Schulknabe arbeitete hier Paul M. mit. 
Die Verhaltnisse im elterlichen Hause waren sehr bescheiden; doch ermog- 
lichte die regelmaBige Beschaftigung des Vaters und die haushalterische Um- 
sicht der gemiitvollen Mutter eine gewisse Behaglichkeit. M. erhielt einen sehr 
guten Volksschulunterricht, im Rechnen unterwies ihn dariiber hinaus noch 
sein Lehrer in Privatstunden, geometrisches Zeichnen lernte er in einer wahrend 
seiner Lehrzeit gegriindeten Realschule. Mit 14 Jahren trat er ebenso wie seine 
alteren Briider als Lehrling in die Gewehrfabrik ein, wo die Lehrlinge zwar im 
Akkord mitarbeiteten, aber dennoch gleichzeitig auf ihre Ausbildung gesehen 
wurde. Von vornherein erwies er sich als anstelliger Arbeiter, der nicht nur gute 
Stiicke lieferte, sondern auch manche Verbesserung einfiihrte. Als er 1859 a ^ s 
Soldat nach kurzer militarischer Ausbildung mit Riicksicht auf die damaligen 
Kriegsrustungen dem Arsenal Ludwigsburg zugeteilt wurde, verweigerte ihm 
sein vorgesetzter Obermeister Heimaturlaub, da ihn andernfalls die KgL 
Gewehrfabrik des Heimatstadtchens zuriickbehalten hatte; so gute Dienste 
hatte der junge Biichsenmacher geleistet. 1857 gelegentlich eines Ausfluges auf 
die Burg Hohenzollern sah Mauser erstmalig ein preuBisches Zundnadelgewehr, 
die zu jener Zeit einzige kriegsbrauchbare Hinterladerwaffe. Sofort erkannte 
er, daJ3 dem Hinterlader die Zukunft gehore, und die Ausgestaltung dieser 
Waffe beschaftigt e ihn von Stund an. Nach Riickkehr vom Militar baute er 
i860 gemeinsam mit seinem Bruder das Modell einer Hinterladerkanone in den 
Feierabendstunden , woftir die beiden vom Konig von Wiirttemberg eine Be- 
lohnung erhielten. Kapitalmangel hinderte sie am weiteren Ausbau dieser Er- 
findung, und so wandten sie sich 1863 Versuchen mit dem Hinterladergewehr 
zu. Das mehrfach umkonstruierte Gewehr wurde 1867 dem wiirttembergischen 
Kriegsministerium vorgelegt, konnte jedoch mit Riicksicht auf die Militar- 
konvention mit PreuBen nicht angenommen werden; so sandten es die Bruder 
Mauser nach Wien, und dadurch wurden sie mit dem Amerikaner Norris, dem 
Vertreter Remingtons, bekannt. Zum Leidwesen der Verwandten und der 
Kgl. Gewehrfabrik verlieBen sie jung verheiratet Oberndorf, urn nach L,iittich, 
dem Hauptsitz der belgischen Waffenindustrie, zusammen mit Norris iiber- 
zusiedeln, wo sie in einer kleinen Werkstatte unter Norris 1 geschaftlicher Lei- 
tung arbeiteten. 1869 legte Norris das Gewehr den preufiischen Militarbehorden 
vor. Lebhafte Verhandlungen folgten. Da brach der franzosische Krieg aus. Er 
wurde gewonnen trotz des Zundnadelgewehres ; aber die in ihm gemachten Er- 
fahrungen hatten recht eindringlich die Notwendigkeit gezeigt, die preuBische 
Bewaffnung umzuandern. So wurden nach 1870 die Verhandlungen wieder 
aufgenommen; Wilhelm M. fiihrte sie in Spandau, Paul konstruierte in 
Oberndorf. Die verbluffende Einfachheit der Bedienung gegeniiber dem Ztind- 
nadelgewehr, damit die Erhohung der Feuergeschwindigkeit und die Vergrofie- 
rung der SchuBweite waren die ausschlaggebenden Vorzuge desMausergewehres, 
und so erfolgte 1872 die endgultige Annahme als deutsches Infanteriegewehr 
unter der Bezeichnung »Modell 71 «. Die Bruder M. erhielten eine Entschadigung 
und einen Auftrag auf Lieferung von Gewehrbestandteilen. Sie begannen 1872 



v. Mauser. Morgenstern yo 

den Neubau einer Fabrik in ihrer Heimatstadt. Ein kurz nach der Inbetrieb- 
nahme ausgebrochener Brand vennochte ihnen um so weniger zu schaden, als 
sie kurz vorher die staatliche Gewehrf abrik iibemommen hatten ; davon hatte 
das wiirttembergische Kriegsministerium die Erteilung eines Auftrages ab- 
hangig gemacht. Damals wurde die Kommanditgesellschaft W. & P. M., spatere 
Aktiengesellschaft Mauser & Co., gegriindet, deren Aktien sich seit 1888 zum 
grofiten Teil im Besitze des Loewe-Konzerns befinden. 

An der Verbesserung des Mausergewehres arbeitete Paul M. (Wilhelm starb 
1882) unermiidlich weiter. 1884 wurde das deutsche Armeegewehr zum Magazin- 
gewehr ausgebaut (M. 71/84), 1886 und folgende Jahre gelegentlich eines be- 
deutenden tiirkischen Auftrages die kleinkalibrige Mauserwaffe durchgebildet, 
die 1898 als M. 98 deutsches Infanteriegewehr wurde. Ladestreifen, VerschluB 
und Laufanordnung hatten bedeutende Verbesserungen erfahren. 

Schon in den siebziger Jahren befaCte sich Paul M. mit Revolverkonstruk- 
tionen. Das Bestreben, eine schnellschieCende Waffe zu finden, fuhrte ihn zu 
Versuchen mit Selbstladewaf f en ; aus ihnen ging 1896 die Mauser-Selbstlade- 
pistole hervor, die sich heute groBe Verbreitung erworben hat. Auch Selbstlade- 
gewehre konstruierte Mauser ; ihrer Vervollkommnung und Einfiihrung waren 
seine letzten Lebens jahre gewidmet. 

Wie die Waffen selbst, hat Mauser auch die Werkzeuge und Werkzeug- 
maschinen zu ihrer Herstellung ausgestaltet. Die neuzeitige SchuBwaffen- 
Massenfabrikation verdankt ihm manche Prazisionsmaschine. 

Weit iiber des Reiches Grenzen hinaus in alle Weltteile hat Paul M. den Ruhm 
deutscher Industrie getragen. Der nahe Osten (Serbien, Tiirkei) wie der ferae 
(China), Amerika (Argentinien, Brasilien), Afrika (Kongostaat) haben, von 
zahlreichen europaischen Staaten ganz abgesehen, ihre militarischen Streit- 
kraf te mit Waffen der Mauserschen Fabrik oder ihres Systems versehen ; ebenso 
weit geht die Verbreitung der Mauserwaffen in privaten Handen: alles Erf olge, 
die, oft in scharfem Wettbewerb mit auslandischen Konkurrenten errungen, 
lebendige Anschauung von der Wertarbeit der deutschen Industrie in die 
weitesten Kreise fremder Volker brachten. 

Paul M. war ein selbstgemachter Mann im besten Sinne des Wortes. Daraus 
erwuchs sein Verhaltnis zu seinen Meistern und Arbeit ern. Er legte nach eigenen 
Worten Wert darauf, personliche, auch menschliche Beziehungen aufrechtzu- 
erhalten. Er sprach mit den Arbeitern Dialekt; er wollte nicht, daJ3 sie andern- 
falls von ihm gesagt hatten: »Der ist ein Herr<. Sie andererseits wufiten auch, 
daC er, der von der Pike auf gedient hatte, ihre Arbeit genau zu beurteilen ver- 
mochte und zu beurteilen pflegte. Wie seinen Arbeitern, war er seiner Familie 
ein treusorgender Vater. 

tlber Werk und Familie hinaus gehorte seine rege Teilnahme der Allgemein- 
heit. Am 29. Mai 1914, wenige Wochen vor dem Ausbruch des Weltkrieges, ist 
Paul von M. in Oberndorf a. Neckar gestorben. 

Entnommen aus dcrZeitschrif t des Vereins deutscher Ingenieure, Bd. 58 ( 1914), S. 1073/74. 

Morgenstern, Christian. — Christian M. wurde am 6. Mai 1871 als einziges 
Kind des Landschaftsmalers Carl Ernst M. (Sohnes des Landschaftsmalers 
Christian Morgenstern) und seiner Ehefrau Charlotte Schertel (Tochter des 
Landschaftsmalers Josef Schertel) in Miinchen geboren und erlebte in einem 



74 *9I4 

gegen Nymphenburg zu gelegenen — aller Kunst und heiteren Geselligkeit 
geoffneten — Hause mit parkartigem Garten gluckliche, eindrucksreiche 
Kindheitsjahre. Seine Eltern reisten viel und nahmen ihn schon von seinem 
dritten oder vierten Jahre an iiberallhin mit. Solch freundliches I^os ward ihm 
zumal durch die Lebensfuhrung des Vaters, der als freier I,andschafter sowohl 
wie dann, als er an die Breslauer Kunstschule berufen worden war, Sommer 
um Sommer ins Land hinauszog, wozu noch kam, daB er ihn, als eifriger Jager, 
bisweilen in seinen Jagdgebieten und Jagdquartieren mit sich hatte. Diese 
Jahre waren grundlegend fiir sein Verhaltnis zur Natur, das ihm spater die 
Moglichkeit gab, zeitweise vollig in ihr aufzugehen. 

Sie waren aber auch notig, denn bald nach seinem zehnten Jahr, in dem er 
die Mutter verlor, begann der Ansturm feindlicher Gewalten von auBen wie von 
innen. Was sich bisher, gehegt und verwohnt, daheim und im Freien so durch- 
gespielt hatte — sein Spielen bildet fiir ihn ein eigenes sonniges Kapitel — , 
zeigte sich dem auBeren L,eben, wie es vor allein in der Schule herantrat, 
weniger gewachsen. Es war, als ware das I,eidenserbe der Mutter, das doch erst 
zwolf Jahre darauf zu wirklichem Kranksein fiihrte, schon damals iiber- 
nommen worden ; denn wenn auch mancher f rische Auf schwung immer wieder 
weiter trieb, so setzten doch mehr und mehr jene dumpfen Hemmungen ein, 
die ihn wohl nicht hatten so zu Jahren kommen lassen, wenn nicht irgend 
etwas in ihm ebenso zahe fiir ihn gestritten und ihn uber das Schlimmste 
immer wieder von neuem hinweggebracht hatte. Vielleicht war es dieselbe 
Kraft, die, nachdem sie ihn auf dem physischen Plan verlassen hatte, 
geistig fortan sein Leben begleitete und, was sie ihm leiblich gleichsam nicht 
hatte geben konnen, ihm nun aus geistigem Walten heraus mit einer Treue 
schenkte, die nicht ruhte, bis sie ihn nicht nur hoch ins Iyeben hinein, son- 
dern zugleich auf Hohen des Lebens hinauf den Weg hatte finden sehen, auf 
denen der Tod seinen Stachel verloren und die Welt ihren gottlichen Sinn 
wiedergewonnen hat. 

In seinem 16. Jahre etwa wurde ihm das erste Gliick philosophischer Ge- 
sprache. Schopenhauer vor allem, auch schon die I,ehre von der Wiederverkor- 
penmg traten in sein L,eben ein. Es folgte, Anfang der Zwanziger, Nietzsche, 
dessen suchende Seele sein eigentlicher Bildner und die leidenschaftliche Liebe 
langer Jahre wurde. 

Die Aufgabe, Ibsens Verswerke zu iibertragen, fiihrte ihn 1898 nach 
Norwegen. Er lernte Henrik Ibsens teure Person kennen und durfte in 
den Ubersetzungen von Brand und Peer Gynt sich innerlichst mit ihm ver- 
binden. 

Das Jahr 1901 sah ihn iiber den Deutschen Schriften Paul de I^agardes. Er 
erschien ihm — Wagner war ihm damals durch Nietzsche entfremdet — als 
der zweite maBgebende Deutsche der letzten Jahrzehnte, wozu denn auch 
stimmen mochte, daB sein gesamtes Volk seinen Weg ohne ihn gegangen war. 

Noch sechs Jahre darauf schrieb er in sein Tagebuch: 

»Zu Niblum will ich begraben sein, 
Am Saum zwischen Marsch und Geest. 
Zu Niblum will ich mich rasten aus 
Von aller Gegenwart. 



Morgenstern 75 

Und schreibt mir dort auf mein steinern Haus 
Nur den Namen und: ,Lest Lagarde!' 
Ja, nur die zwei Dinge klein und groB: 
Diese Bitte und dann meinen Namen blofl. 
Nur den Namen und: ,Lest Lagarde!' 

Das Inselchen Mutterland dorten, nein, 

Das will ich nicht verschmahn. 

Holt mich doch dort bald die Nordsee heim 

Mit steilen, stiirzenden Seen. — 

Das Muttermeer, die Mutterflut . . . 

wie sich gut dann da drunten ruht, 

Tief fern von deutschem Geschehn ! « 

Inzwischen war dem FiinfunddreiBigjahrigen Entscheidendes geworden. 
Natur und Mensch hatten sich ihm endgiiltig vergeistigt. Und als er eines 
Abends wieder einmal das Evangelium nach Johannes aufschlug, glaubte er es 
zum ersten Male wirklich zu verstehen. 

Die nachsten Jahre — des Austragens, Ausreifens, Zu-Ende-Denkens — , 
iiberstand er so, wie er sie iiberstand, eigentlich nur, weil ihm Gesundheit und 
Mittel fehlten, sich irgendwohin zuriickzuziehen, wo er in volliger Unbekannt- 
heit seine Tage hatte vollenden diirfen. Er war doppelt geworden und in der 
wunderlichen Verfassimg, sich sozusagen grofl oder klein schreiben zu konnen. 
(In Einkehr, Ich und Du und einer Sammlung Aufzeichnungen findet sich 
einiges aus diesem Abschnitt.) 

Und doch war solches Erkennen nur erst ein Oberflachenerkennen und darum 
letzten Endes noch zur Unfruchtbarkeit verurteilt. 

So kam das Jahr 1908 — 

»Da traf ich dich, in argster Not: den andern! 
Mit dir vereint, gewann ich frischen Mut. 
Von neuem hob ich an, mit dir zu wandern, 
Und siehe da: Das Schicksal war uns gut. 

Wir fanden einen Pfad, der klar und einsam 
Empor sich zog, bis wo ein Tempel stand. 
Der Steig war steil, doch wagten wir's gemeinsam, 
Und heut noch helfen wir uns, Hand in Hand.« 

Der andere war Sie, die sein Leben fortan teilte; der Pfad war der Weg 
theosophisch-antroposophischer Erkenntnisse. x 

Am 30. Marz 1924 waren 10 Jahre seit dem Tode M.s vergangen. Nun schon 
seit langem tut es nicht mehr not, mit Nachdruck auf den Dichter Chr. M. 
hinzuweisen. Sein Werk ist gesichert, imd was das Wesentlichste ist, es ist als 
Einheit, als untrennbares Ganzes gesichert. Aus der scheinbaren Antithese 

1 Aus M.s autobiographischer Notiz siehe Stufen, Verlag Piper & Co., Miinchen. 



76 X 9M 

zwischen seinen »ernsten« und »heiteren« Biichem — wie die menschliche 
Sprache das ausdriickt und vielleicht auch nur so ausdriicken kann — ist in 
den Jahren seit seinem Tode eine vollig geschlossene Synthese geworden. Das 
heifit, nur in den Augen des Publikums hat sich scheinbar dieser ProzeB 
vollzogen, in Wirklichkeit war stets eine untrennbare Einheit da, aus der 
sich die beiden » Half ten «, die wir mit andeutenden Worten andeutender 
Menschensprache » Ernst « oder » Humor « nennen, selbstverstandlich ergaben. 

M. nennt den Humor : »ein gewisses Unwagbares, das wohl nur da ausstromen 
kann, wo die Fahigkeit besteht, das Leben zugleich mit einem unbeirrbaren 
Ernst, wie mit einer herzlichen, ja kindlichen Liebe zu betrachten.« Mit diesen 
seinen eigenen Worten nahern wir uns am ehesten dem, was ich als den erkenn- 
baren Kern seines Wesens empfinde. Nicht deshalb (fur die sei das gesagt, 
die vielleicht immer noch nicht von dem Schlagwort Galgenlieder-Palmstrom 
bei Nennung des Namens M. loskommen konnen !), weil M. an dieser Stelle ge- 
rade vom Humor spricht, sehe ich hier eine Eingangstur in sein Wesen, sondern 
weil er hier zwei Dinge von weltenschopferischer Kraft zu einer Harmonie, zu 
einer Einheit zusammenfafit, die sein personliches Verhaltnis zum Leben kenn- 
zeichnen: »den unbeirrbaren Ernst und die kindliche Liebe.« 

Der unbeirrbare Ernst und die kindliche Liebe : diese beiden waren die Augen, 
mit denen er das Leben ansah. Mit diesen beiden Augen stand er da und fragte, 
f ragte unablassig, von seinen Jiinglingstagen an bis zu seinem letzten Mannes- 
tage, und seine Frage lautete: Was ist der Mensch? 

»Was ist denn dies nur, was du so voll Kraft 
Und Ernst und Klugheit einen »Menschen« nennst? 
Wenn du das wiifltest, warst du schon nicht mehr 
Im selben Augenblick ; denn wer Gott sieht 
(Und Gott und Mensch und jedes andere Wort 
Von all den fiinfzigtausend, die du kennst, 
Sind Eines vor dem Unaussprechlichen) 
Der stirbt.« 

In dieser Frage atmete er, sog er den Duft der Natur und der Dinge, in 
dieser Frage liebte er, dichtete er und dachte er, mit unerbittlicher Strenge 
gegen sich selbst und mit unerschopflicher Giite gegen alle anderen, bis an die 
letzte aufierste Grenze des Denkbaren ; in dieser Frage lachelte er, als gesunder 
junger Mensch wie als kranker reifer Mann durch unsagliches Leiden hindurch 
mit jener alles losenden und alle erlosenden reinen und schwebenden Heiterkeit, 
deren nur solche Menschen fahig sind, die in sich den sicheren Weg zur inneren 
Freiheit tragen. Und er ging wahrhaft ins Freie. Nicht als ob sein auBeres Wesen 
von selbstsicherer Art gewesen ware. Im Gegenteil, er schien in gewisser Hin- 
sicht befangen, beengt, eher unsicher. Aber sein Gang war schwebend, seine 
Haltung kerzengerade, der Druck seiner Hand von jener iiber alles Wesentliche 
in der Welt beruhigenden Festigkeit, die Wissende verstehen; und die an- 
deutende Bewegung seiner gelosten Hand im geistigen Gesprach oder beim 
halblauten Vorlesen eines Gedichts zu so unbeschreiblich zarten Ubergangen 
und Zwischenschattierungen befahigt, daC nur die, die solche Dinge in der Er- 
innenmg bewahren, einander ansehen konnen und nicken und sagen: so war 
es — , Worte, die schildern wollen, gleiten an dem Wesentlichen vorbei. 



Morgenstern jj 

M. hat darunter gelitten, dafl man nicht friih genug erkannt hat, wie tief in 
der Wurzel eins seine ernsten und heiteren Biicher sind. Jahrelang war der M. 
der Galgenlieder, des »Palmstrom«, der »Palma-Kunkel« und des »Ginganz« 
gelesener als der Dichter der » Melancholies der »Einkehr« und des »Pfades«. 
In den »Epigrammen« heiBt es: 

»Rat aus eigener Erfahrung: 

Du muBt, mein lieber Freund, erst einmal Narr werden, 
Erst einmal machen, daB die Mienen starr werden, 
Dann wird man sich vielleicht bequemen, 
Auch was du Ernstes schreibst, zur Hand zu nehmen.« 

Vor »Palmstrom« und »Ginganz« wurden die Mienen oft sehr starr, so starr, 
daB von Verstandnis keine Rede mehr war; wie hatten sonst diese teils leichter, 
teils schwerer beschwingten, aber immer vom Geiste des Weltbildes durch- 
leuchteten Verse souveran spielender Heiterkeit als Ulk oder Parodien gedeutet 
werden konnen ? Ihrem Wesen nach sind sie von M.s ernsten Dichtungen nicht 
zu trennen ; sie sind die Spiele, in denen der Geist in Pausen zwischen schwererer 
Arbeit sich erging, goldene, seltsam sich ringelnde Spane, die von dem 
groBen Werk abflogen, von dem gleichen leichten edlen Holz. 

»In Phantas SchloB«, das erste Buch, kam 1895 und zeigte von vornherein 
im groBen AufriB desDichters »Malererbe«, das ihm von den Vatern her im 
Blut lag, sein souveranes und zugleich zartinniges Verhaltnis zur Natur, in 
freien kiihnen Rhythmen, am schonsten in der »Auffahrt«, den »Wolken- 
spielen«, der »Weide am Bach«, der »Abenddammerung« und dem »Mond- 
aufgang«. Die beiden folgenden Gedichtbande (1897/98) »Auf vielen Wegen« 
und »Ich und die Welt« bringen auBer der Betrachtung elementarer Natur 
(»Erdriese«, »Ur-Ur«, »Der Urton«, »Mittagsstille«, »Krahen«, »Bei Sonnen- 
aufgang«, »Sommernacht im Hochwald«, die »Elementarphantasien«) die Wan- 
denmg ins Menscheninnere hinein; das groBe Motiv: »der Mensch« hebt an 
(»Der Blick«, »Legende«, »Gebet«). »EinSommer« und »Und aber riindet sich 
ein Kranz« (1900/02) bringen auBer reinen Naturstimmungen von unbeschreib- 
licher Zartheit und Versunkenheit wie »Wandernde Stille«, »Vormittag am 
Strand«, »V6gel im Wald«, »Der Wind als Iviebhaber«, Kampfe der Seele, 
wiederum das Thema »Mensch« im tiefsten und hochsten Sinne: »Ich saB mir 
selber feind«, »Ein groBes Antlitz ist wie eine Flamme«, »Nur immer rein des 
Zweifels ewig sprudelnden Quell «. 

Immer reifer, tiefer und voller werden jetzt die Klange. »Melancholie« 
(1906) ist der dunkle Auftakt zu M.s reinem Menschheitsliede, das er in 
seinen letzten Biichern gesungen hat. Immer bleibt die Natur der Unter- 
grund zu allem (»Traumwald«, »Herbstabend«); in ihr versinkt, aus ihr 
steigt der Mensch (»Gebet«, »Schule«, »Suprema lex«, »Der Specht«). Wie 
eine Spirale schlingen sich diese beiden Motive ineinander und auseinander, 
hoher und hoher. 

»Einkehr« und »Ich und Du« (1910/n) stimmen das Thema Mensch zum 
Choral, in dem Natur die Begleitung (»Ahrenwald«, » Aus stillen Fenstern«), der 
Mensch die Melodie wird (» Jesus ein Mensch«, »Der Bauernknabe«, »Ich und 
der Vater sind Eins«). 



78 1914 

In seinem letzten Buch, das zu seinen Lebzeiten gedruckt wurde, »Wir fan- 
den einen Pfad« (1914) bleibt gleichsam nur noch die Singstimme iibrig: eine 
klare, unsagbar innige, aber unerschiitterlich feste, ansteigende Melodie, ge- 
sungen von der Seele eines Menschen, der in die Freiheit seines Innern hinein — 
hinausgeht. Hier ist keine Trennung mehr zwischen Natur und Mensch, hier 
sind sie eins geworden im Geist (»0 Nacht«, »Die zur Wahrheit wandern«, 
»Sieh nicht, was andere tun«, »Im Baum, du liebes Voglein dort«, »Von zwei 
Rosen «). Ein letzter, fast schon spharischer Ausklang: »Briider«, Lied fur ein 
neu Gesangbuch studierender Jugend, und »Die FuBwaschung«. Hier steht 
der Dichter auf einem Gipfel, von dem der FuB sich schwebend losen muB, wenn 
er weiter gehen soil. 

Christian M. ging weiter, und wie aus unendlichen Fernen klingt sein Lied 
aus dem NachlaB, wohl das allerschonste, das er gesungen hat, in dem das ge- 
waltige Problem »Mensch« in reinster, schlichtester Form sich lost: 

Dein Wunsch, nicht mehr zu leiden, 
Erschafft nur neues Leid. 
So wirst du niemals scheiden 
Von deinem Trauerkleid. 

Du muBt es ganz abtragen, 
Bis auf das letzte Haar, 
Und einst nur dessen klagen : 
DaB es nicht dichter war. 

Ganz nackend muBt du werden 
Zuletzt, weil es zerfallt 
In seinen Stoff aus Erden 
Von deines Geists Gewalt. 

Ganz nackend einst entschreiten, 
Allein von Licht umfacht, 
Zu neuen Ort und Zeiten, 
Zu neuer Trauertracht. 

Bis du aus hundert Larven 
Ein Gott, so stark, entspringst, 
DaB du zu Spharenharfen 
Die eigne Schopfung singst. 

Die Frage nach dem Tiefsten und Letzten, nach dem Sinn des Menschen 
und damit der Welt und Gottes hebt an in den Jugendbriefen und Jugend- 
gedichten und bohrt und windet sich, webt und gleitet durch alles Spatere, 
was er liest und sagt, schreibt und tut, hindurch wie ein feiner, still leuchtender 
Strahl, der, aus dem eingeborenen inneren Licht eines Menschen kommend, die 
AuBenwelt durchwandert und nach seiner unbekannten Muttersonne sucht, 
zu der er zuriickkehren mochte. 

Es ware denkbar, daB Fremde, die dies lesen, glauben konnten, er sei einer 
von denen gewesen, die, von Jugend an iiberzart veranlagt, nur mit erd- 



Morgenstern. Plate 70 

abgewandten Dingen sich beschaftigen. Zu dieser Art gehorte er keineswegs. 
Er war zart, aber nie verzartelt, er war fein bis ins letzte, aber niemals Asthet. 
Er war fromm im tiefsten Kern, im allerfreiesten Menschensinne. Einer, der 
stets auf der Suche war nach der Religion, die jenseits aller Religionen liegt. 
Dabei erdentreu und von einer inneren zahen Kraft, die auch durch sein Leiden 
nie gebrochen wurde. Er konnte ein starker Spotter und Satiriker sein, aber nur 
zum Zweck der Sache: 

»Verzeiht, wenn manchen manches hart hier trifft, 
Mein Pfeil soil treffen, doch er tragt kein Gift,« 

sagt er in den Epigrammen. 

Gerade die Vereinigung von freiester Heiterkeit und letztem, allertiefstem 
Ernst, der den Tod mit ruhigem Auge messen konnte, haben das seelische Bild 
dieses Mannes wahrend der Jahre seiner letzten Reife zu einem Umfang ge- 
weitet, vor dem alle, die es erlebten, in stiller Ehrfurcht standen. 

Es wird oft von Menschen gesagt, daC ihr Lebenswerk schmerzlich jah durch 
den Tod abgebrochen wurde. Ich glaube nicht, da£ man ein Recht hat, das 
hier zu sagen. Warum das so ist, laCt sich mit Worten nicht beweisen. Jeder, der 
Christian M. geliebt hat und liebt, fiihlt, daC hier ein Mensch sich erfiillt hat. 
Es ist ein Gefiihl, vor dem alles zu schweigen hat, was Trauer oder Schmerz 
genannt werden diirfte. Es bedeutet in Wahrheit Erfiillung, wenn die Menschen 
von ihm sagen konnen : er ist in sein Werk, in seinen eigenen Geist aufgegangen. 

Berlin. Friedrich Kayssler. 

Plate, Geo. Im Jahre 1844 in Moskau geboren, wo sein Vater, Albert Friedrich 
Plate, der dort und in Petersburg ansassigen Firma L. Knoop angehorte, war 
Geo P. von Jugend auf durch seine Familienbeziehungen mit Bremen auf das 
engste verbunden. Mit acht Jahren kam er zur Erziehung nach Bremen. Hier 
besuchte er die bremische Handelsschule und trat mit 15V2 Jahren bei dem 
Agentur-, Kommissions- und Versicherungsgeschaft von F. W. Spielter in die 
kaufmannische Lehre ein. Nach Beendigung seiner Lehrzeit, im Alter von 
19 Jahren, ging er im Jahre 1864 nach Bombay, um dort in einem von der 
Firma seines Vaters zu etablierenden Hause tatig zu sein. In Bombay blieb er 
bis zum Jahre 1870 und machte von dort aus Reisen nach Zentralindien, Ceylon, 
Penang, Singapore und Java. Im Jahre 1870 nach Bremen zuriickgekehrt, er- 
offnete er mit seinem Bruder zusammen unter der Firma Gebriider P. ein Ge- 
schaft in Rohbaumwolle, das beide im Laufe der Jahre zu einem hochange- 
sehenen Unternehmen zu entwickeln wuCten. Auf dem Gebiet des Baumwoll- 
handels liegen denn auch die grofien Verdienste, die P. sich nicht nur um den 
bremischen Baumwollhandel als solchen, sondern viel mehr noch um die Kon- 
zentration fast des gesamten kontinentalen Baumwollhandels in Bremen er- 
worben hat. Als im Jahre 1872 sich die Bremer Baumwollimporteure, Handler 
und Makler zu einer Vereinigung zusammengeschlossen hatten, um unter der 
Bezeichnung » Bremer Baumwoll-Usancen« die Bestimmungen fiir den bre- 
mischen Baumwollhandel zusammenzustellen, trat P. als einer der eifrigsten 
Forderer dieser Bestrebungen auf, was zur Folge hatte, dafi man ihn in das 
Komitee, dem die Leitung dieser Vereinigung iibertragen wurde, berief. Seit 



8o 1914 

jener Zeit hat P. ununterbrochen dem Komitee und dem Vorstande der im 
Jahre 1877 unter dem Namen » Bremer Baumwollb6rse« geschaffenen Orga- 
nisation der am Bremer Baumwollhandel beteiligten Interessenten angehort. 
Unter seiner Mitwirkung erfuhr dann in spateren Jahren diese Organisation eine 
wesentliche Erstarkung durch den im Jahre 1886 erfolgten Eintritt von Dele- 
gierten der deutschen Spinnerverbande in den Borsenvorstand. P.s Bedeutung 
fiir den Bremer Baumwollhandel fand ihren Ausdruck dadurch, da!3 man ihn 
1889 zum Vizeprasidenten, 1892 zum Prasidenten und endlich im Marz 1911 
zum Ehrenprasidenten der Bremer Baumwollborse erwahlte. 

Herr Geo P. hat dem Aufsichtsrat des Norddeutschen Lloyd fast ein Viertel- 
jahrhundert angehort. Am 15. April 1887 trat er in den Aufsichtsrat ein, am 
23. April 1892 iibernahm er als Nachfolger des damals an der Spitze stehenden 
Friedrich Reck den Vorsitz. Seinem EinfluB war es hauptsachlich zu danken, 
daB an die Stelle des kurz vorher verstorbenen Direktors Lohmann Dr. Heinrich 
Wiegand mit der geschaftlichen Leitung des Lloyd beauftragt wurde. In unge- 
triibtem Zusammenwirken mit Wiegand und nach dessen Tode mit Heineken 
ist es P. gelungen, in rastloser Arbeit, durch umfassende GroBziigigkeit, durch 
voiles Verstandnis fiir die Regungen des Weltverkehrs und die Entfaltung der 
richtigen, in diesem Weltverkehr erforderlichen Mittel dem Lloyd eine in der 
ganzen Welt geachtete und anerkannte Stellung zu geben. 

Die Bedeutung, welche der Norddeutsche Lloyd unter P.s Prasidentschaft ge- 
wonnen hatte, die Anerkennung seiner umfassenden organisatorischen Befahi- 
gung fuhrten im Jahre 1889 zu der von franzosischer Seite beantragten Berufung 
P.s in den Verwaltungsrat der Suezkanal-Gesellschaft und in demselben Jahre 
zur Berufung in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank in Berlin. Die Erkennt- 
nis, daB solche Aufgaben das Einsetzen der ganzen Personlichkeit erforderten, 
bewog Geo P., namentlich auch mit Rucksicht auf den zunehmenden Geschafts- 
umf ang des Norddeutschen Lloyd, im Jahre 1900 sich von alien Privatgeschaften 
zuriickzuziehen und die Firma Gebriider Plate seinem Bruder allein zu iiber- 
lassen. Er hat seitdem seine ganze Kraft der Prasidentschaft des Norddeutschen 
Lloyd, der Bremer Baumwollborse und der Suezkanal-Gesellschaft gewidmet 
und deren Interessen unter Einsetzung seiner ganzen Person mit der ihm 
eigenen Energie und Initiative mit groBem Erfolge vertreten. 

P. war der dritte Vorsitzende des Aufrichtsrats des Norddeutschen Lloyd 
seit seiner Griindung. H. H. Meier, der Griinder, hatte dieses Amt von 1857 bis 
1888 inne, ihm folgte von 1888 — 1892 Friedrich Reck und dann ging das Pre- 
sidium auf Herrn Plate iiber, einen Mann, welchem der Lloyd sowohl wie 
Deutschland auBerordentlich viel verdanken. Es wurde zu weit fiihren, an 
dieser Stelle auf die Wandlungen einzugehen, die der Norddeutsche Lloyd 
seit Beginn der Prasidentschaft P.s erfahren hat. Nur kurz sei hier erwahnt, daB 
in den groBen Perioden der Lloydgeschichte vor der Ara Plate — Wiegand als 
charakteristisches Merkmal wahrend der ersten zwanzig Jahre in Konstruk- 
tions- und Verwendungsart der Schiffe die Frachtschiffahrt eine herrschende 
Rolle spielte, wahrend in der zweiten Periode unter der Direktion Lohmanns 
die Passagierschiffahrt vollig in den Vordergrund trat. Demgegeniiber zeigte die 
neuere Periode, seit dem Jahre 1892, das von durchgreifenden Erfolgen gekronte 
Bestreben, in der Bauart der Schiffe nach Moglichkeit beiden Anforderungen, 
namlich der Frachtschiffahrt und der Passagierfahrt, Geniige zu tun, auBerdem 



Plate. Rietschel 8 1 

aber uberall dort, wo es sich als notig erwies, so vor alien Dingen im Schnell- 
dampferverkehr und in der Tropenschiffahrt, besondere Typen zu schaffen. An 
dem Neubau der Flotte in der geschilderten Weise hatte neben dem verstorbenen 
Generaldirektor Dr. Wiegand President P. hervorragenden Anteil, ebenso wie 
er sonst unter Einsetzung seines ganzen umfangreichen Wissens, seiner auBer- 
ordentlichen kaufmannischen Fahigkeiten stets bemiiht war, dem Nord- 
deutschen Lloyd und gleichzeitig auch der Stadt und dem Staate Bremen zu 
dienen und deren Interessen sowohl auf dem Gebiete des Handels und der 
Schiffahrt, als auch in bezug auf die in erfreulichem Wachstum begriffene 
bremische Industrie zu fordern. An der Schaffung einer Reihe von angesehenen 
industriellen Unternehmungen in Bremen und in dessen nachster Umgebung 
hat er personlich mitgewirkt. Bei der Petroleumraffinerie vorm. August Korff , 
der Norddeutschen Maschinen- und Armaturenf abrik, der Norddeutschen Auto- 
mobil- und Motoren-Aktiengesellschaft in Bremen bekleidete er das Amt des 
Vorsitzenden im Aufsichtsrat. 

Der Riicktritt P.s vom Presidium des Norddeutschen Lloyd und der Bremer 
Baumwollborse bedeutete fur beide Institute den Abschlufl eines inhaltreichen 
Zeitabschnittes, den in seinem ganzen Umfange nur die zu wiirdigen vermogen, 
denen es vergonnt gewesen ist, ihn mit P. zu durchleben und Schulter an 
Schulter mit ihm in gemeinsamer Arbeit zu wirken. So haben denn auch weite 
Kreise Bremens, und namentlich die bremische Kaufmannschaft, an erster 
Stelle aber der Norddeutsche Lloyd, Herrn P. nur mit Bedauern aus dem 
offentlichen Leben scheiden sehen. 

Beim Riicktritt des Herrn P. schrieb die Bremer Handelskammer in ihrem 
Jahresbericht u. a. : »Die hervorragenden Stellungen des Vorsitzenden des Auf- 
sichtsrats des Norddeutschen Lloyd und des Prasidenten der Bremer Baum- 
wollborse hat er mit auBerordentlichem Geschick wahrzunehmen verstanden. 
Die Handelskammer, die ihn von 1891 bis 1903 zu ihren Mitgliedern gezahlt 
hat, wird seine hohen Verdienste um Handel und Schiffahrt allezeit wiirdigen. « 

Nur drei Jahre war es ihm noch vergonnt, sich von seinem arbeitsreichen 
Leben auszuruhen. Er starb am 4. Februar 1914 auf seinem Landgute Neu- 
Globsow in der Mark nach langerer Krankheit. 

Bremen. W. Ehlers. 



Rietschel, Hermann, Geheimer Regierungsrat, Professor, Dr.-Ing.ehrenhalber, 
* in Dresden am 19. April 1847, t * n Charlottenburg bei Berlin am 18. Fe- 
bruar 1914. — Gleich seinem Vater, dem beriihmten Bildhauer Ernst R., hegte 
Hermann R. eine ideale Lebensauffassung und war, wie jener, von unermiid- 
licherSchaffenskraft beseelt. Aus lebhaf tern Interesse f iir Naturwissenschaf ten 
und Technik wendete er sich schon in jungen Jahren dem Studium am da- 
maligen Polytechnikum in Dresden zu, um sich zum Maschineningenieur aus- 
zubilden, arbeitete praktisch in der groBen Schlosserwerkstatt von Gebriider 
Kiihnscherf in Dresden, ferner in der Maschinenf abrik von Georg Egestorff zu 
Linden vor Hannover und besuchte dann zum AbschluB seiner Studien im 
Maschinenbaufach die damalige Kgl. Gewerbeakademie in Berlin. Bald danach, 
im Jahre 1871, begriindete er in Berlin ein Installationsgeschaft fiir Heizungs-, 
Liiftungs-, Gas- und Wasseranlagen. In dieses nahm er im Jahre 1872 einen 

DBJ 6 



82 1914 

Freund, den Ingenieur Rudolf Henneberg, als Teilhaber auf. Die von beiden 
zusammen unter der Fiima Rietschel & Henneberg in Berlin in der Branden- 
burgstrafie 81 errichtete Fabrik beschaftigte sich nunmehr fast ausschlieBlich 
mit dem Entwerfen und Ausfiihren von Zentralheizungs- und Luftungsanlagen. 
Im Jahre 1874 wurde eine Zweigniederlassung der Fiima in Dresden gegriindet, 
deren Leitung Hermann R. iibernabm. DaB sieh die Fabrik sowohl als auch 
ihr Dresdner und ein unter der Fiima Kurz, Rietschel & Henneberg in Wien 
errichtetes weiteres Geschaft rasch entwickelten und zahlreiche grofie Zentral- 
heizungs- und Luftungsanlagen zu erbauen hatten, war wohl in erster Reihe 
R.s ernstem Streben zu danken, den Entwurf dazu auf wissenschaftlichen 
Grundlagen zu bearbeiten und sie in hcchster Vollkommenheit auszufiihren. 
Er erf and und konstruierte damals manche neuen und niitzlichen Vorrichtungen 
und Bauteile, z. B. Doppelrohrheizkorper und einen selbsttatigen Luftbefeuch- 
tungsapparat, und begann nebenher seine literarische Tatigkeit mit der Be- 
arbeitung des Abschnittes iiber Heizung und Liiftung im »Deutschen Bau- 
handbuch«. Nachdem er sich schcn bei der am n. Januar 1880 in Dresden er- 
folgten Griindung des Yerbandes deutscher Ingenieure fur heiz- und gesund- 
heitstechnische Anlagen beteiligt hatte, hielt er bei dessen erstem Verbandstage 
den Hauptvortrag iiber »Schulhausheizung«. Um sich mehr dem Wissenschaft- 
lichen des Heizungs- und Liiftungsfaches widmen zu konnen, als es ihm unter 
der Last seiner geschaftlichen Tatigkeit als Mitinhaber der Fabrik moglich ge- 
wesen ware, loste er im Jahre 1881 das Verhaltnis zu der bliihenden Firma 
Rietschel & Henneberg und begann in Berlin eine reiche praktisch-wissenschaft- 
liche Tatigkeit als Zivilingenieur fur Heizungs- und Liiftungstechnik. In dieser 
Eigenschaft hat er damals neben zahlreichen Entwurf sarbeiten, Gutachten und 
Beratungen einflufireiche Mitarbeit bei dem Preisgericht zur Beurteilung der 
Entwiirfe iiber die Heizungs- und Luftungsanlagen des neuen Reichstags- 
gebaudes geleistet. 

Als fiir das Jahr 1882 eine Hygiene-Ausstellung in Berlin geplant wurde und 
R. zum zweiten Vorsitzenden des damit beschaftigten Ausschusses gewahlt 
worden war, lag die Oberleitung dieses kiihnen L T nternehmens hauptsachlich 
in seiner Hand. Es war ein harter Schlag fiir ihn und seine Mitarbeiter, daB die 
gesamte Ausstellung am 30. April 1882, unmittelbar vor dem sie eroffnet 
werden sollte, ein Raub der Flammen ^urde. Aber unter R.s tatkraftiger Mit- 
arbeit gelang es, die Ausstellung grofter und schoner wieder aufzubauen und 
schon nach Ablauf eines Jahres am 1. Mai 1883 zu eroffnen. 

Im Jahre 1886 veroffentlichte R. ein umfangreiches Werk iiber die Ergeb- 
nisse seiner im Laufe der vorhergehenden Jahre von ihm in amtlichem Auftrage 
durchgefiihrten LTntersuchung der Heizungs- und Luftungseinrichtungen einer 
grofieren Anzahl der Berliner Schulhauser. In dem Werke sind nicht nur wich- 
tige, durch Versuche gewonnene Werte in Tabellen und Schaubildern mitgeteilt, 
sondern es ist auch wegen der vom Verfasser daran gekniipften Vorschlage iiber 
Wahl, Anordnung und Ausfiihrung derartiger Einrichtungen noch heute sehr 
beachtenswert. 

Da R.s fachwissenschaftliche Arbeiten sein vielseitiges Wissen, seine ideale 
Auffassung und das hohe Mafl seiner praktischen Erfahrungen offenbart hatten, 
wurde er im Jahre 1885 zum Professor an der Technischen Hochschule Berlin- 
Charlottenburg ernannt und erhielt den an der Hochschule neugegriindeten 



Rietschel 83 

Lehrstuhl fiir Heizung und Liiftung. Dort hat er 25 Jahre hindurch in seiner 
Lehrtatigkeit und durch wissenschaftliche Forschungsarbeiten Grofles geleistet, 
insbesondere auch die fiir das ganze Fach so auBerordentlich wichtige und 
niitzliche Versuchsanstalt fiir Heiz-und L,iiftungswesen gegriindet und zur Ent- 
wicklung gebracht. Im Jahre 1893 wurde er zum Rektor der Hochschule ge- 
wahlt. Tausende von Schiilern verdanken ihm das geistige Riistzeug zur erfolg- 
reichen Ausiibung der Praxis des Heizungs- und Liiftungsf aches. Durch muhe- 
volle Arbeiten ermittelte er die Zahlenwerte der Warnieiibertragung von Wasser 
und Dampf durch Heizkorperwande hindurch an die Luft fiir zahlreiche ver- 
schiedenartige Heizflachen, die Warmeersparniszahlen bei Verwendung der 
gebrauchlichsten Warmeschutzmittel fiir Rohrleitungen, die Reibungswerte 
der durch gemauerte oder metallene Kanale stromenden Luft, die Widerstands- 
zahlen von Luf tstaubfiltern und vieles andere mehr ; er untersuchte mit einer 
von ihm erdachten eigenartigen Vorrichtung die Wirkung und den Wert von 
Luftsaugern und leitete noch in den letzten Jahren seiner Hochschultatigkeit 
die Versuche zur Ermittelung der Reibungswiderstande des warmen Wassers 
in Rohrleitungen ein. 

Die Ergebnisse seiner Arbeiten stellte er infolge einer vom preuflischen Mi- 
nister der offentlichen Arbeiten erhaltenen Anregung in mustergultiger Weise 
in einem Werke zusammen, das im Jahre 1893 unter dem Titel »Leitfaden zum 
Berechnen und Entwerfen von Liiftungs- und Heizungs-Anlagen « in Berlin 
erschien. Im Laufe der Jahre sind weitere Auflagen dieses Buches gefolgt, in 
denen R. die Fortschritte der Technik beriicksichtigt, die Berechnungsverfahren 
fiir die alteren Systeme verbessert und solche fiir die neueren eingefiigt hat. 
So ist »Rietschels Leitfaden« nicht nur fiir die Ingenieure, sondern auch fiir 
die in enger Beziehung zu dem Fache stehenden Architekten ein unentbehr- 
liches Hand- und Lehrbuch der Heizungs- und Liiftungstechnik geworden. 

Seine zahlreichen sonstigen fachwissenschaftlichen Arbeiten hat R. haupt- 
sachlich in der Zeitschrift »Gesundheits-Ingenieur« (Verlag von R. Oldenbourg, 
Miinchen) veroffentlicht. 

Im Jahre 1895 wurde er mit der Begutachtung des geplanten Ferndampf- 
heizwerkes in Dresden betraut und im Februar 1899 ausschlaggebend an dem 
Preisgericht beteiligt, das iiber die im Wettbewerbe eingegangenen Entwiirfe 
zu diesem Werk zu entscheiden hatte. Seine Anschauungen iiber Fernheizungen 
im allgemeinen und iiber das seit dem 15. Dezember 1900 im Betriebe befind- 
liche Dresdner Fernheizwerk brachte er in einer im Jahre 1902 in der Zeit- 
schrift des Vereins deutscher Ingenieure und in der Zeitschrift »Gesundheits- 
Ingenieur« (Heft 15 und 16) veroffentlichten Arbeit zum Ausdruck. 

Hervorragend beteiligte sich R. bei acht in den Jahren 1896 bis 1913 veran- 
stalteten Kongressen fiir Heizung und L,uftung. Alle Vortrage, die er bei diesen 
Versammlungen der Heizungs- und Liiftungsfachmanner hielt, sind im »Ge- 
sundheits-Ingenieur« veroffentlicht. 

R. war von groBer Gestalt, wohlgebaut, seine Gesichtsziige waren angenehm 
und sein Wesen herzgewinnend, so dafi er sich auch hierdurch die Liebe und 
Verehrung seiner Schiiler und Fachgenossen erwarb. Er wurde im Jahre 1893 
zum Geheimen Regierungsrat ernannt. Von verschiedenen deutschen Staaten 
wurden ihm in Anerkennung seiner Leistungen hohe Orden verliehen. Dei; 
osterreichische Ingenieur- und Architekten verein, das Royal Sanitary Institute, 



84 ! 9 X 4 

in London und der Verband der Zentralheizungs-Industrie wahlten ihn zu 
ihrem Ehrenmitgliede und die Konigl. Schwedische Akademie der Wissen- 
schaften zum korrespondierenden Mitgliede. Im Kuratoriutn der Jubilaums- 
stiftung der Deutschen Industrie war er zehn Jahre lang erster Vorsitzender 
und dem Vorstandsrate des Deutschen Museums gehorte er viele Jahre an. Der 
Verein deutscher Ingenieure wahlte ihn 1899 und 1900 zu seinem stellvertreten- 
den Vorsitzenden und der Berliner Bezirksverein deutscher Ingenieure drei 
Jahre zu seinem ersten Vorsitzenden. Von der Technischen Hochschule seiner 
Vaterstadt Dresden wurde er im Jahre 1909 ehrenhalber zum Doktor-Ingenieur 
ernannt. 

Krankheit veranlaflte ihn leider schon im Jahre 1910 von seinem l>hramt an 
der Technischen Hochschule zuriickzutreten. Sein Tod im Jahre 1914 erfiillte 
nicht nur seine Angehorigen, sondern alle, die ihm im Leben naher gestanden, 
mit inniger Trauer. 

Der literarische fachwisseas:haftliche NachlaB Hermann R.s ist aber in den Handen 
seines Am tsnachf tigers, namlich des Leiters der Versuchsanstalt ftir Heiz- und Liiftungs- 
wesen ati der Technischen H>chs:hule in Berlin-Charlottenburg oder zum Teil auch viel- 
leicht im Besitz, des friiheren Leiters dieser Anstalt, Professor Dr. techn. K. Brabbee, 
c/o American Radiator Company, Brabbee Laboratory, 675 Bronx River Road, Yonkers, 
N. Y., Ver. Staaten v. Atnerika. Eine aus Erz hergestellte Biiste R.s beiindet sich im 
Deutschen Museum und eine ebensolche in der Technischen Hochschule Berlin. 

Literatur: 1. Zum Jubilaum von Dr.-Ing. H. R. Von Ernst Schiele. » Gesundheits- 
Ingenieur«, Miinchen, vom 8. Oktober 1910, S. 749 und 750. Mit einem Bildnis R.s als 
Tafelbeilage. — 2. Nachruf von Dr.-Ing. Konrad Hartrnann. » Gesundheits-Ingenieur«, 
Miinchen, vom 2i.Marz 1914, Nr. 12, S. 201 — 203. Mit einem Bildnis R.s. — 3. Gedenkrede 
fur Prof. Dr.-Ing. R. Von Geheimrat Prof. H. Pfiitzner. * Gesundheits-Ingenieur*. Miin- 
chen, vom 22. und 29. Oktober 1921, Nr. 43 und 44, S. 541 — 544 und 549 und 550. — 
4. Das Werk R.s und seine Fortfuhrung. Von Prof. Dr. techn. K. Brabbee. » Gesundheits- 
Ingenieur«, Miinchen, vom 22. April 1922, S. 205 — 215. 

B erlin-Iyichterfelde. H. E. v. Boehmer. 

Rodenberg Julius, Professor, Schriftsteller,* in Rodenberg (Hessen) am 26. Juni 
1831, f in Berlin am 1 1. Juli 1914. — Julius R. war der Sohn des Kaufmanns Gum- 
pert Levy und nahin spater mit Genehmigung seines Iyandesherrn, desKurfiirsten 
von Hessen, den Namen seiner Vaterstadt als Familiennamen an. Seiner klugen, 
sehr gebildeten, in Goethe belesenen und musikalischen Mutter dankt er die 
Grundlagen und die Richtung seiner Bildung. Nach kurzem Besuch der hoheren 
Biirgerschule zu Hannover kam er auf das Gymnasium zu Rinteln, wo er von 
dem evangelischen Theologen Blackert, einem Schiiler Vilmars, entscheidende 
Anregungen empfing und bereits wahrend der schleswig-holsteinischen Be- 
wegung ein namenloses Heftchen Sonette veroffentlichte. Seit 1851 studierte 
er in Heidelberg, Gottingen, Marburg und Berlin die Rechte, in Marburg als 
flotter Burschenschafter und Dichter seiner Verbindung, in Berlin als haufiger 
Gast im Hause Varnhagens und seiner Landsleute, der Briider Grimm; auch mit 
Gottfried Keller, Otto Roquette und Herman Grimm war er damals schon in 
freundschaftliche Beziehungen getreten. Auf die juristische Doktorpriifung in 
Marburg folgten journalistische Wanderjahre in Hannover, Paris und vor allem 
in England, wo neben Freiligrath besonders der Orientalist Emanuel Deutsch 
auf R.s weiteren Bildungsgang starken EinfluB tibte. Seit dem Jahre 1859 
wohnte R. in Berlin, im Jahre 1863 vermahlte er sich mit Justina Schiff aus 



Rietschel. Rodenberg 85' 

Tiiest. Schriftstellerisch war er inzwischen mit mehreren Biichern iiber Eng- 
land, Irland und die Nordseeinseln, t)bersetzungen B£rangers und spatroman- 
tischen Versen hervorgetreten. In den sechziger Jahren veroffentlichte er drei 
grofie Romane und fand gleichzeitig in der Herausgabe von Zeitschriften den 
ihm gemafien Beruf . Im Jahre 1861 hatte er das »Deutsche Magazin« gegrtmdet, 
von dessen Leitung er indessen schon 1863 zuiiicktrat ; zwei Jahre spater iiber- 
nahm er den literarischen Teil des » Bazars « und vertausehte diese Stellung 
1867, gemeinsam mit Ernst Dohm, mit der Redaktion des »Salons«, in der er 
zum erstenmal eigene Ideen frei walten lassen konnte. In diesen Jahren gelang 
es ihm auch, journalistische Fronarbeit abzuschiitteln und sich aus schweren 
Lebenssorgen herauszuarbeiten. Am 1. Oktober 1874 rief er im Verlag der Ge- 
briider Paetel die » Deutsche Rundschau* ins Leben, deren Herausgabe bis an 
seinen Tod der Mittelpunkt seiner Tatigkeit blieb. Zum 70. und 80. Geburtstag 
empfing er mannigfache Auszeichnungen, unter anderem die philosophische 
Doktorwiirde seiner Heimatuniversitat Marburg und das Ehrenbttrgerrecht 
seiner Vaterstadt, die sein Geburtshaus mit einer Denktafel schmiickte. 

Von R.s Dichtungen ist eine Anzahl lyrischer Stiicke, die noch den schlichten 
Ton der alteren Romantik haben, zum Teil in dankbarer Vertonung, lebendig 
geblieben ; neben ihnen verdient seine Verdeutschung Thomas Moorescher Verse 
Hervorhebung. Von seinen Prosaweiken fesselt der Roman »DieneueSundflut« 
trotz manchen zu breiten Schilderungen durch die Echtheit der zeitgeschicht- 
lichen Farbung. Es handelt sich um die franzcsische Revolution und ihre Auswir- 
kung auf beidenUfern desArmelkanals. An Schlichtheit des Vortrags imdTreue 
der Darstellung iibertrifft jedoch der Roman aus der Franzosischen Kolonie von 
Berlin »Die Grandidiers« diesen und seine anderen Vorganger bei weitem. Hier 
gelang R. ohne jede stilwidrige Abschweifung auf geschichtliches Gebiet eine 
Schilderung menschlicher Schicksale im Rahmen des Berlins der sechziger 
Jahre des 19. Jahrhunderts von bestrickender Herzenswarme und erzahle- 
rischer Anmut mit unaufdringlichem Humor und einpragsamer Gestalten- 
fiille. Schliiters Denkmal des Grofien Kurfiirsten, des Wohltaters der Huge- 
notten, ist als Blickpunkt in das W'erk hineingeriickt, dessen nationale Wiirde 
und dichterische Echtheit mitten im Trubel der Griinderjahre Beurteiler wie 
Keller und Fontane, neben dessen Berliner Romanen es ebenbiirtig steht, her- 
vorhoben. In seinen Spatjahren gesellte R. diesem Werk die in verhaltenem Ton 
meisterhaft vorgetragene Berliner Geschichte»KlosteimannsGrundstiick<< bei, 
sparsam erzahlte, gleichsam leise gesprochene Erinnerungen aus der Kindheit 
und eine Reihe auch kulturhistorisch bedeutsamer Bilder aus dem Berliner 
Leben; mit ihnen eiwarb er sich ein besonderes Verdienst um die Wieder- 
belebung E. T. A. Hoffmanns, dessen Spuren in der Hauptstadt er ebenso liebe- 
voll nachging, wie denen Lessings. Und diese Schilderungen sind, wie Heyse 
gleich erkannte, nicht feuilletonistisch, sondern kiinstlerisch. 

Neben diesem dichterischen Lebenswerk und zahlreichen iiber die Fliichtig- 
keit von Tagesberichten hoch hinausragenden Darstellungen deutschen, oster- 
reichischen, englischen, franzosischen, belgischen, italienischen Lebens steht 
R.s schopferische Arbeit als Herausgeber der » Deutschen Rundschau «. In ihr 
schuf er die erste grofie Monatsschrift des neuen Reichs und wufiteT durch 
klugen Zuspruch und den Zauber seines personlichen Wesens die ersten Ge- 
lehrten und Schriftsteller zu Mitarbeitern zu gewinnen. Kaum einer unter den 



86 I9H 

Philosophen, Historikern, Naturforschern und zumal den Essayisten seiner 
reichen Generation hat in den gelben Heften gefehlt. Er hat durch freundschaft- 
liche Mahnung Gottfried Keller zur Vollendung seiner Spatwerke gelockt, hat 
Konrad Ferdinand Meyer und Marie v. Ebner-Eschenbach erst deutschen 
Iyesern nahe gebracht und auch noch groBe jiingere Talente wie Isolde Kurz, 
Ricarda Huch, Hans Hoffmann, Helene Bohlau, Enrika v. Handel-Mazzetti 
nachdriicklich gefordert. Zur Erforschung deutscher Literatur, zumal der Klas- 
siker, hat er, besonders durch Wilhelm Scherer und seine Schiiler, viele wert- 
volle Beitrage veranlaCt und gesammelt. In dem geistigen Bau seiner Zeit- 
schrift hat er mit kritischem Geist und meisterhafter Hand das Deutschland 
der nationalen und liberalen Epoche fur alle Zeiten dargestellt. Der groBe und 
erlesene Freundeskreis, in dem Karl Frenzel der Altermann, Konrad Burdach 
und Ernst v, Wildenbruch die bedeutendsten Vertreter des nachsten Ge- 
schlechts waren, zeugt eindringlich fur den Reiz und die Ftille von R.s liebe- 
voller, entgegenkommender, dabei kritischer, aber auch, nach einem Worte 
Erich Schmidts, noch in der Ablehnung anmutiger Personlichkeit. 

Literatur: R.s 65 in Buchform erschienene Schriften nebst den 18 t)bersetzungen in 
freinde Sprachen sind im Anhang des Werkes J. R., sein Leben und seine Werke von H. 
Spiero, Berlin 192 1, nachgewiesen. Auflerdern vgl. u. a.: J. R. p 26. Juni 1831 — 1901, Berlin 
1 90 1, als Handschrift gedruckt.. — » Deutsche Rundschau* 1874 — 1899. Gedenkschrift von 
W. Paetow, Berlin 1899. — K.Heilborn, » Nation* 18. — A. Bettelheitn, » Osterreichische 
Rundschau* 27. — K. Frenzel, Deutsche Dichtung, III, 8. — E. v. Wildenbruch, » Litera- 
risches Echo* 16. — H. Spiero, Germ.-rom. Monatsschrift 1914. — Die Literatur zum 80. Ge- 
burtstag und zum Todestag: » Liter arisches Echo* 13 und 16. — Burdachs Gedenkrede: 
Bed. Tagebl. 4.6. 1915. — Den handschriftlichen NachlaB bewahrt das Goethe-Schiller- 
Archiv in Weimar, die Bibiiothek und das Arbeitszimmer die Berliner Stadtbibliothek. 

Berlin. Heinrich Spiero. 

Schulte, Johann Friedrich v., * am 23. April 1827 * n Winterfeld in Westfalen, 
f am 19, Dezember 1914 in Meran. — Sch. habilitierte sich 1854 in Bonn als 
Privatdozent fiir Kirchenrecht und deutsche Rechtsgeschichte, wurde im 
gleichen Jahre als Professor nach Prag berufen, wo er zugleich als Freund und 
Berater des Kardinal-Furstbischofs Schwarzenberg in kirchlichen Dingen eine 
maBgebende Stellung einnahm; 1873 nach Bonn berufen, wirkte er dort bis 
1902 als bedeutender Lehrer, bekleidete alle akademischen Ehrenamter und 
verbrachte seinen Lebensabend auf Reisen und zuletzt in Meran. In seinen 
»Iyebenserinnerungen« (3 Bande. GieBen, Emil Roth) hat er selbst eine aus- 
fiihrliche Darstellung seines Lebenswerkes gegeben. 

Seine wissenschaftliche Tatigkeit war eine iiberaus bedeutsame. Ein Lehr- 
buch der deutschen Reichs- und Rechtsgeschichte erschien in sechs Auflagen 
und war vor Schroder und Brunner anerkannt als die bedeutendste Gesamt- 
leistung auf diesem Gebiete nach Eichhorn. Seine Hauptlebensarbeit aber gait 
dem Kirchenrecht. Auch sein Iyehrbuch des Kirchenrechtes war in mehreren 
Auflagen verbreitet. Vor allem aber widmete er seine hochbedeutende wissen- 
schaftliche Tatigkeit der Geschichte der Quellen des kanonischen Rechtes, als 
deren erster Kenner und Vertreter fiir die zweite Halfte des 19. Jahrhunderts 
er neben Hinschius in der Geschichte der Rechtswissenschaf t bezeichnet werden 
darf . Mit Emil Richter gemeinsam veranstaltete er eine mustergiiltige Ausgabe 
der Beschliisse des Konzils von Trient ; in einer Reihe von Einzelschriften durch- 



Rodenberg. v. Schulte 87 

forschte er die altere Quellengeschichte des kanonischen Rechtes (Rufinus, 
Pacnapalea, Stephanus Tornacensis u. a. m.), um zuletzt in seiner groB ange- 
legten dreibandigen Geschichte der Quellen und L,iteratur des kanonischen 
Rechtes (Stuttgart, Enke) alle seine Einzelforschungen in einer Gesamtdarstel- 
lung znsammenznfassen. Diese wissenschaftliche Arbeit Sch.s ist grundlegend 
geblieben fiir die weitere Forschung auf dem Gebiete der Quellengeschichte des 
kanonischen Rechtes. 

Aber der reiche Geist Sch.s drang auch in weitere Gebiete ein. Im Jahre 1874 
wurde er als Vertreter des Wahlkreises Duisburg in den Deutschen Reichstag 
gewahlt, dem er als Mitglied der Nationalliberalen Partei bis 1879 angehorte. 
Es war die Zeit der schweren kirchenpolitischen Kampfe des Deutschen Reiches 
und preuBischen Staates mit der vatikanischen Kirche Pius* IX., in der er als 
maBgebende Autoritat auf kirchenrechtlichem Gebiete im Vordertreffen des 
Kampf es stand und vielfach als Berater des Fiirsten Bismarck an den ent- 
scheidenden Entschliissen unmittelbaren Anteil hatte. Parlamentarisch und 
literarisch hat Sch. in diese Kampfe, insbesondere auch durch vielfache Mit- 
arbeit an leitenden deutschen PreBorganen, in starkster Weise eingegriffen, 
in wichtigen Punkten mehrfach in scharfer Abwehrstellung gegeniiber dem 
gesetzgeberischen Vorgehen PreuBens und des Reiches. 

Am entscheidensten aber war seine Lebensarbeit in dem kirchenpolitischen 
und wissenschaftlichen Kampfe gegen das vatikanische Konzil und die papst- 
liche Unfehlbarkeit. Sch. war der vielleicht letzte groBe deutsche Episkopalist. 
In strengem katholischen GlaubensbewuBtsein auf- und herangewachsen, wollte 
er in jugendlichem Feuereifer Pius IX. zur Sicherung gegen alle Gefahren 
eine papstliche Armee schaffen, und als Freund und Gehilfe des Kardinal 
Schwarzenberg war er in Prag fast zwei Jahrzehnte lang strenger kanonischer 
Eherichter. Aber gegen die Dogmen von der Unfehlbarkeit und dem Universal- 
episkopat des Papstes baumte sich sein katholisches Gewissen mit heiBer Leiden- 
schaft auf. Mit Dollinger, dem Theologen, war Sch., der Jurist, oberster Fiihrer 
der altkatholischen Bewegung in Deutschland. Es ist wohl nicht zuviel be- 
hauptet, wenn wir sagen, daB nach dem Vatikanum fiir langere Zeit hindurch 
der Auf- und Ausbau der altkatholischen Kirche in Deutschland und in der Welt 
seine Hauptlebensarbeit war. Als nach vielverheiBenden Anfangen die alt- 
katholische Bewegung verebbte und versandete, zog er sich mehr und mehr 
von dieser Fiihrerstellung zuriick, blieb aber seiner Gewissensiiberzeugung bis 
ans Ende mit fester Treue ergeben und f and die Schuld fiir das Versagen des 
deutschen Episkopalismus hauptsachlich in den deutschen Regierungen. Seine 
zahlreichen kirchenpolitischen Arbeiten auf diesem Gebiete aber werden fiir 
die deutsche und die allgemeine Kirchengeschichte ihren dauernden Wert be- 
haupten, wie die Schriften van Espens und der franzosischen Gallikaner. 

Sch. hat im sonnigen Meran unter der treuen Pflege seiner zweiten Gattin, 
die ihm eine menschlich schone und literarisch wertvolle Erinnerungsschrift 
gewidmet hat, ein hohes Alter erreicht. Er war als Erforscher des kanonischen 
Rechtes zweifellos einer der bedeutendsten Vertreter deutscher Wissenschaft, 
als akademischer Lehrer eine Personlichkeit von weitreichender Wirkung, als 
Politiker und insbesondere als Kirchenpolitiker ein Mann von unerschiitter- 
licher Uberzeugung, weitem historisch geschultem Blick fiir die Weltpolitik und 
unbeugsam festem RechtsbewuBtsein. Seine gelehrten Arbeiten bleiben dauern- 



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des Gut der Wissenschaft, seine edle Personlichkeit war fur seine Mitarbeiter 
und seine Schuler ein Gegenstand hoher Verehrung, und wenn von seinen, ins- 
besondere seinen kirchenpolitischen Planen und Gedanken vieles Bruch- und 
Sttickwerk blieb, so gilt auch von ihm und fur ihn das grofie Trostwort mensch- 
lichen Sttickwerkes: in magnis et vcluisse sat est. 

Ansbach. Philipp Zorn. 

Spee, Maximilian Graf v., Vizeadmiral, * in Kopenhagen den 22. Juni 1861, 
gefallen in der Schlacht bei den Falklandsinseln am 8. Dezember 1914. Maxi- 
milian Johannes Maria Hubert Graf v. S. war funfter Sohn des Reichsgrafen 
Rudolph v. S. und seiner Gemahlin Fernanda geb. Tutein, einer Danin. Er 
besuchte bis zum Jahre 1876 die Volksschule und das Gymnasium zu L,uzern, 
wohin seine Eltern tibergesiedelt waren, trat im Jahre 1878 als Kadett in 
die Kaiserl. deutsche Marine ein und fiel als Chef des deutschen Kreuzer- 
geschwaders in der Seeschlacht bei den Falklandsinseln gleichzeitig mit seinen 
beiden Sohnen, den Grafen Otto und Heinrich, die beide imter ihm als See- 
off iziere im Geschwader Dienst taten. 

In Kennzeichnung der Personlichkeit des wahrhaft volkstumlich gewordenen 
Seehelden lassen dienstlichel„eistungen, wie private Beurteilung aller derer, die 
mit ihm in Beriihrung kamen, stets die gleichen Eigenschaften anihmerkennen. 
Er war der Typ eines deutschen Edelmannes und Seeoffiziers, wie er sein soil. 
Ein gerader, offener Charakter, dem alles Gemachte und Unnatiirliche fernlag. 
Seiner breitschulterigen, hoch gewachsenen auCeren Erscheinung entsprach 
auch seine ungekiinstelte Wesensart. In allem, was er sagte, war er geradezu, 
schmucklos, nur den Kern der Sache betrachtend, alles Beiwerk iibersehend. 
Er war der ^rand-Seigneur «,der trotz aller Anspruchslosigkeit fur seine Person 
durch Charakter und Erziehung Menschen und Dingen, namentlich der Eigen- 
art fremder Lander gelassen und verbindlich gegeniiberstand. Alles, was er 
anordnete und tat, trug den Stempel der Selbstverstandlichkeit, und mit der 
gleichen Selbstverstandlichkeit verlangte er auch die restlose Durchfiihrung 
seiner Befehle. Seine bestimmte, aber liebenswiirdige und wohlwollende Art 
trug ihm die Hochachtung seiner Untergebenen sowohl, wie die der Ferner- 
stehenden und die hohe Anerkennung seiner Vorgesetzten ein. Wie er selbst 
seine Meinung nach oben hin ruhig aber energisch vertrat, liebte er es auch, 
wenn er die gleiche Art bei Untergebenen fand. In zwanglosen Unterhaltungen 
mit jiingerenOffizierenJn den Offiziersmessen der unterstellten Schiffe vertrat 
er oft scheinbar hartnackig eine Meinung, die er langst als falsch erkannt hatte, 
nur um zu sehen, wieweit der Jiingere ihm gegeniiber seine Gegengriinde zu 
entwickeln und zu verteidigen verstiinde. 

Als guter Katholik ging er gem und oft zur Kirche, wenn moglich mit seinen 
Sohnen; er war fromm, ohne davon irgendwelches Aufsehen zu machen und 
erkannte Andersglaubige vorurteilslos an. Ein groCer Liebhaber der Natur, 
suchte er in jedem Hafen, wenn irgend angangig, Erholung in langen Spazier- 
gangen mit gleichgestimmten Offizieren oder begleitet von einem seiner Sohne. 
Er besafi viel Humor und hatte Freude an bescheidener Geselligkeit, machte 
sich aber nichts aus offiziellen, groC aufgemachten Festen, die ihm zu Ehren 
im Auslande an der Tagesordnung waren. 



v. Schulte. Spee 89 

Wenn auch diese Charaktereigenschaften schon von Geburt an in ihm lagen, 
so hat doch sicherlich seine militarische Laufbahn viel dazu beigetragen, sie 
zu vertiefen und zu befestigen. Die dienstliche Laufbahn des Graf en S. 
zeigt einen haufigen Wechsel von Bord- und I,andkommandos, in denen er 
teils im normalen Frontdienst, teils in Staben Verwendung fand. Hervor- 
stechend sind die vielen Auslandskommandos, die ihm Gelegenheit gaben, 
seinen Blick zu scharfen und seinen Horizon t zu erweitern. Als Seekadett 
bereits machte er eine mehrjahrige Reise nach Afrika und Ostasien und war 
nach seiner Beforderung zum Offizier im Jahre 1882 ein Jahr lang Wach- 
offizier auf S. M. S. »M6ve« in Westafrika. Schon im Jahre 1887/88 war er wieder 
in Westafrika, und zwar als Hafenkommandant von Kamerun, wo er mit dem 
bekannten Forscher Dr. Nachtigal zusammenarbeitete. Leider holte er sich 
wahrend dieser Auf enthalte in den Tropen einen schweren Gelenkrheumatismus, 
von dem er erst sehr viel spater wieder befreit wurde. Im Jahre 1889 verheiratete 
er sich mit Baronin Margarete von der Osten-Sacken, und dieser Ehe ent- 
sprossen zwei Sohne und eine Tochter. Nach weiteren Kommandos in der 
Heimat, wo er im Spezialdienst der Artillerie und der Torpedowaffe Verwen- 
dung fand, treffen wir ihn bereits 1897 wieder als Flaggleutnant im Stabe des 
ostasiatischen Kreuzergeschwaders, von wo er iiber Amerika in die Heimat 
zuriickreiste. Schon 1899 ging er wieder, diesmal als 1. Offizier auf S.M. S. 
» Brandenburg «, nach Ostasien, wo er an der Aktion gegen China teilnahm. Nach 
Erledigung eines dreijahrigen Kommandos als Kommandant des Iyinienschiffes 
»Wittelsbach« wurde er Chef des Stabes beim Kommando der Marinestation 
der Nordsee in Wilhelmshaven, dann 2. Admiral der Aufklarungsschiffe und 
spater eines Linienschiffsgeschwaders, und iibernahm im Dezember 1912 die 
Fiihrung des Kreuzergeschwaders in Ostasien, an dessen Spitze er den hochsten 
militarischen Ruhm ernten, aber auch seinen Heldentod finden sollte. 

Der Ausbruch des Weltkrieges fand den Graf en S. mit den Schiffen 
»Scharnhorst«, »Gneisenau« und )>Niirnberg« bei der Stidseeinsel Ponape. Seine 
urspriingliche Absicht, sein Geschwader nach den chinesischen Gewassern 
zuriickzufuhren und sich hierunter Anlehnung an den Stiitzpunkt Tsingtau mit 
den feindlichen Streitkraften zu messen, mufite fallen gelassen werden, als 
Japan sein Ultimatum stellte und damit zu unseren Gegnern gerechnet werden 
mufite. Auch in dieser schwierigen Lage handelte Graf S., seinem Charakter 
entsprechend, klar und zielbewufit: er entschlofi sich, die asiatischen Gewasser 
zu verlassen und das Feld seiner Tatigkeit nach Siidamerika zu verlegen, um 
dann, falls das Gliick ihm hold war, unter grofiter Schadigung des Feindes in die 
Heimat zu gelangen. Da ihm eine eigene Basis fur seine weiteren Operationen 
nicht mehr zur Verfiigung stand, wurden alle Krafte in die Verwirklichung 
dieser Absicht eingestellt. Die Tatsache, dafi es gelang, das Geschwader nach 
einer kurzen Aufklarung in dem von Australiern besetzten Samoa, und nach 
einer kurzen, aber erfolgreichen BeschieCung des franzosischen Tahiti zur 
Osterinsel zu fiihren und hier am Tage des Eintreffens auch die beiden allein 
fahrenden Kreuzer » Leipzig «, aus Mexiko, und » Dresden «, vom Kap Horn 
kommend, zur Stelle zu haben, zeugt von der weitschauenden und planmafiigen 
Art, mit der der Geschwaderchef iiber seine unterstellten Streitkrafte verfiigte 
und wie er sie auch auf diese gewaltigen Entfernungen in der Hand hatte. Der 
Erfolg lieB auch nicht lange auf sich warten. 



go 1914 

Am 1. November 1914 fiihrte Graf S. sein Geschwader mit hoher Ge- 
schwindigkeit an der chilenischen Kiiste, wohin er sich inzwischen begeben 
hatte, nach Siiden, urn einen feindlichen kleinen Kreuzer, dessen Anwesenheit 
in Coronel gemeldet war, abzufangen. Kurz bevor er den Hafen erreichte, wurde 
der erwartete Gegner und noch weitere feindliche Schiffe gesichtet und es ent- 
wickelte sich aus diesem Zusammentreffen das Seegefecht von Coronel. Noch 
ehe der Feind entkommen oder das weiter siidlich stehende Linienschiff »Cano- 
pus« heranziehen konnte, gelang es dem Graf en S., sich zwischen die Kiiste 
und den Feind in eine giinstige Position zu manovrieren und das Feuer zu er- 
offnen. Nach einem etwa 3 / 4 stundigen Gefecht waren die englischen Panzer- 
kreuzer »Good Hope« und » Monmouth « vernichtet, der kleine Kreuzer » Glas- 
gow « so beschadigt, dafi er seine sinkenden Briider verlassen und in der Dunkel- 
heit entfliehen muBte, der Hilfskreuzer »Otranto« in Brand geschossen und ge- 
flohen, die eigenen Schiffe nahezu unbeschadigt. Die Bedeutung dieses Sieges 
wurde erst spater richtig erkannt und gewiirdigt. »Mit Gottes Hilfe ein schoner 
Sieg« war das Signal des Graf en an seine Schiffe, in dem er in seiner Bescheiden- 
heit seiner Freude Ausdruck gab. Zum ersten Male hatte ein deutsches Ge- 
schwader in offenerSchlacht ein englisches geschlagen und das englische Prestige 
einen gewaltigen StoB erlitten. England hatte im siidlichen Stillen Ozean und 
Atlantic die Seeherrschaft verloren, seine Zufuhr aus dieser Gegend war un- 
mittelbar bedroht und englische Streitkrafte, die stark genug waren, diese 
Schlappe auszugleichen, waren im Augenblick nicht vorhanden. Wie schwer es 
sich getroffen fiihlte, zeigt die Tatsache, daB es zwei seiner besten Schlacht- 
kreuzer dem europaischen Kriegsschauplatze entzog und zusammen mit 
anderen Streitkraften in das ihm entrissene Seegebiet entsandte. 

Nach einem Aufenthalt von 24 Stunden in Valparaiso, wo dem Sieger von 
der deutschen Kolonie und Bevolkerung ein begeisterter Empf ang zuteil wurde, 
zog Graf S. zunachst aufs neue Kohlendampfer heran, um die Weiterfahrt 
sicherzustellen und rundete dann Kap Horn auf dem Wege zur Heimat. Um 
hierbei nicht die feindliche Basis der Falklandinseln mit ihren Kohlenlagern, 
Funkstation, Reparaturwerk usw. unbeschadigt im Riicken zu haben, entschloB 
er sich, diese durch zwei seiner Kreuzer ausheben zu lassen. Dieser EntschluB 
wurde sein Verhangnis. Am 8. Dezember 1914 traf das deutsche Geschwader 
im Morgengrauen bei den Inseln ein und fand hier unerwartet weit iiberlegene 
englische Streitkrafte, zu denen die oben erwahnten modernen Schlachtkreuzer 
» Invincible « und » Inflexible « gehorten, vor. Als die hoffnungslose t)berlegen- 
heit des Feindes erkannt war, offenbarte sich wieder der kiihne, selbstlose Cha- 
rakter des Graf en S. Den Kleinen Kreuzern befahl er, wenn moglich zu ent- 
kommen, wahrend er selbst mit »Scharnhorst« und »Gneisenau« den Feind auf 
sich zog. Der Ausgang des ungleichen Kampfes war von vornherein klar. Nach 
heldenmiitiger Gegenwehr ging Graf S. mit seinem Flaggschiff »Scharnhorst« 
im feindlichen Feuer unter, kein Mann wurde gerettet. Es folgte ihr spater 
»Gneisenau«, auf der Graf Heinrich den Tod fand, und ebenso »Niirnberg«, mit 
der Graf Otto unterging, und auch » Leipzig « muBte sich, ganzlich zerschossen, 
wegen Munitionsmangel selbstversenken. So starb Graf S. getreu seiner im 
Leben bewiesenen f urchtlosen und selbst verleugnenden Art den Heldentod, als 
er eben den ersten uubestrittenen Sieg fiir die junge deutsche Marine erkampft 
hatte. 



Spee. Strohal gi 

Literatur: i. Vizeadmiral a. D. Kirchhoff : Maximilian Graf v. S., der Sieger von 
Coronel. — 2. Hans Pochhammer, Graf S.s letzte Fahrt. 

Berlin. Korvettenkapitan Kohler. 

Strohal, Emil, Universitatsprofessor, * in Birgitz bei Axams (Tirol) am 
31. Dezember 1844, f in Leipzig am 6. Juni 1914. — Sohn eines aus Mahren 
stammenden Forstmannes — seine Mutter stammte aus Karnthen — und 
friih verwaist, absolvierte Emil St. die Gymnasialstudien in Wien, die 
Rechtsstudien in Graz und Wien, wo namentlich der Romanist Gustav 
De melius und der Zivilist Josef Unger besonderen EinfluB auf ihn iibten. 
Nach Erlangung des juristischen Doktorgrades (1867) widmete sich St. der 
Laufbahn des Rechtsanwaltes. In diesem Beruf arbeitete er in den Kanzleien 
verschiedener Beruf sgenossen in Graz und Klagenfurt, nahm aber zugleich leb- 
haften Anteil am politischen Leben, in dem er mit blendender Beredsamkeit 
fur eine »deutschnationale« Politik der Deutschen Osterreichs eintrat. Zugleich 
regte sich bereits in St. ein lebendiges wissenschaftliches Interesse, das bald die 
Oberhand gewann. Kurz nach seiner Verehelichung (1873) iibersiedelte er daher 
nach Graz, um sich, unter Verzicht auf seinen bisherigen Beruf und auf seine 
politische Betatigung, ganz der Wissenschaft zu widmen. Zu Beginn des Jahres 
1875 habilitierte er sich an der Grazer Universitat auf Grund der Arbeit »Die 
Eintragungstheorie in ihrer Geltung fur das osterreichische Recht<( mit einer 
Probevorlesung iiber »die Verpflichtung des Verkaufers zur Gewahrleistung«. 
Erst nach wiederholten Vorschlagen der Fakultat wurde St. Ende des Jahres 
1877 zum auflerordentlichen, vier Jahre spater (1881) zum ordentlichen Pro- 
fessor ernannt. Im Jahre 1892 wurde er nach einem ausdriicklichen Wunsche 
Jherings selbst als dessen Nachfolger nach Gottingen beruf en, wo er im 
Sommersemester 1893 seine Tatigkeit begann, um schon im folgenden Jahre 
(1894) nach Leipzig iiberzusiedeln. Dort hat er zwanzig Jahre lang bis zu 
seinem Tode gewirkt. Selbst ein ehrenvoller Ruf nach Wien (1905) vermochte 
ihn der neuen, liebgewordenen Heimat nicht mehr abtriinnig zu machen. 

St.s wissenschaftliche Arbeit war fast ausschliefilich der Dogmatik des gelten- 
den, erst des osterreichischen, dann des reichsdeutschen burgerlichen Rechtes 
gewidmet. Insbesondere hat er hervorragenden Anteil an der schlieClichen Fas- 
sung des B.G.B. fur das Deutsche Reich. Er hat sich zwar vielfach auch mit 
Rechtsgeschichte beschaftigt, allein nicht um ihrer selbst willen, sondern nur 
zu dogmatischen Zwecken. Doch war er weit entfernt, sie deshalb etwa nur als 
»Magd der Dogmatik des geltenden Rechtes « anzusehen. Als Dogmatiker lehnte 
er die reine Begriffsjurisprudenz ebenso ab wie die Freirechtsbewegung. Seine 
Starke war die Induktion, »mit alien Mitteln logisch- juristischen Denkens zu 
praktischen Ergebnissen zu gelangen« der Grundzug seiner wissenschaftlichen 
Methode. 

Sie kennzeichnet bereits seine schon erwahnte Habilitationsschrift, die sich 
als erster Beitrag zu »Studien im osterreichischen Tabularrechte« bezeichnet. 
Sie wuchs sich (1876) zu einem Buche »Zur Lehre vom Eigentum an Immobilien« 
aus und wurde und blieb grundlegend fiir das osterreichische Grundbuchrecht. 
Das Buch lehnt die bisherigen Versuche, das moderne Grundbuchrecht mit 
romanistischen Methoden und Gedanken meistern zu wollen, entschieden ab, 
klart vor allem den Begriff des Publizitatsprinzipes durch Ausscheidung des 



92 19*4 

Eintragungs- und Vertrauensprinzipes als besonderer Erscheinungen und priif t 
die Geltung des Eintragungsprinzipes fiir die verschiedenen Erwerbsarten 
dinglicher Rechte. 

In einer Reihe weiterer grundbuchrechtlicher Arbeiten behandelte St. so- 
dann die grundlegenden Fragen des Hypothekenrechtes, das Vorriickungs- 
recht der Nachhypothekare, dasVerfiigungsrecht desEigentiimers iiber materiell 
erloschene Hypotheken u. a. m. iniiberaus scharfsinniger Weise, unter entschie- 
dener Beriicksichtigung der praktischen Bedurfnisse des Realkredites und mit 
dem nachhaltigsten Einflufi auf die Gesetzgebung. Das Verfiigungsrecht des 
Eigentiimers iiber dieHypothek, wie es das novellierte osterreichische A. B.G.B . 
anerkennt, ist im wesentlichen die Sanktionierung der Lehre St.s. 

Zwischendurch (1879) Heferte St. eine romanistische Arbeit »Transmissio 
pendente conditioned, romanistisch allerdings nur der Technik nach, inhaltlich 
und gedanklich eine moderne Darstellung des osterreichischen Rechtes, die 
darum auch fiir dieses zu selbstandigen und vom romischen Recht abweichen- 
den Anschauungen kommt. Auch in dieser Frage folgt nunmehr das oster- 
reichische Recht grundsatzlich St.s Lehre. 

Ein anderes, scheinbar vorwiegend theoretisches Problem hat St .s » Sukzession 
in den Besitz« (1885) zum Gegenstande. Doch auch hier bewahrt sich sein Sinn 
furs Praktische. Seine (bejahende) Auffassung hat nicht bloC manches schein- 
bare Rechtsaxiom gesttirzt und dadurch eine Nachpriifung der Grundlagen der 
Rechtslehre veranlafit, sondern auch die Besitzlehre des deutschen B.G.B. ent- 
schieden beeinflui3t. Diese Arbeit, mehr als andere im Geiste Jherings gegen 
Savigny Stellung nehmend, ist zugleich die erste, die der historischen Schule 
gegeniiber den usus modernus und die Leistung der deutschen Praktiker zu ge- 
horiger Geltung bringt. 

Schon friihzeitig widmete St. auch legislativpolitischen Fragen seine Auf- 
merksamkeit. Zum Teil geschah das bereits in seiner Arbeit iiber die Eigen- 
tiimerhypothek. In groCerem Stile durch das von ihm gleich Pf aff und Ran da 
dem osterreichischen Advokatentag erstattete Gutachten iiber die beantragte 
Reform des osterreichischen Schadenersatzrechtes (1880), als dessen schwach- 
sten Punkt er mit Recht die prozessuale Durchfiihrung erkannte. 

Zu voller Entfaltung und Anerkennung gelangte jedoch diese Seite seiner 
wissenschaftlichen Tatigkeit erst durch die reichsdeutsche Gesetzgebung. Den 
Vorarbeiten zum deutschen B.G.B. ist eine Reihe seiner wertvollsten Aufsatze 
in Jherings Jahrbuchern (27—31; 33; 34) gewidmet. Sie alle nicht in zer- 
storenderKritik, sondern in wohldurchdachten positiven Vorschlagen gipfelnd, 
die insbesondere das Besitz- und Hypothekenrecht des neuen Gesetzbuches 
stark beeinflufit haben. 

Fortan gehort die Lebensarbeit St.s fast ausschlieClich dem deutschen B.G.B. 
Doch, anders als dem Entwurfe, steht er dem Gesetze nicht mehr alsunerbitt- 
licher Kritiker, sondern mit dem Bestreben gegeniiber, im Rahmen des Gesetzes 
durch anpassende Auslegung zu moglichst befriedigenden Ergebnissen zu ge- 
langen. Von diesem Geist ist schon sein erstes und Hauptwerk, das deutsche 
Erbrecht (1896), namentlich seit der zweiten Auflage (1901) erfullt. In dem- 
selben Geiste sind die spateren Arbeiten verfaBt. 

Stellen St.s zahlreiche literarische Erzeugnisse ein vollgeriitteltes MaB ge- 
lehrter Arbeit vor, wohl geeignet, an sich die dauernde Bedeutung des Mannes 



Strohal. Suess 



93 



zu sichern, so fiillten sie doch bei weitem sein wissenschaftliches Wirken nicht 
aus. Er war allezeit, namentlich aber bei den Tagungen in Innsbruck (1904) und 
Wien (1910) ein hervorragender Protagonist des deutschen Juristentages. Seit 
191 1 fiihrte er gemeinsam mit Ehrenberg die Redaktion von Jherings Jahr- 
biichern. Nach dem Tode Plancks (1910) iibernahm er als bernfenster Nach- 
folger die Leitung des groBen Kommentars des Schopfers des deutschen B.G.B. 
Nicht zu vergessen ist endlich seine unermudliche, ebenso anregende wie be- 
fruchtende Tatigkeit als akademischer Lehrer. Die hervorragendsten jiingeren 
Zivilrechtslehrer deutscher Zunge sind mehr oder weniger aus seiner Schule 
hervorgegangen. 

Als Jurist Jhering am nachsten stehend, war und blieb St. alsMensch allezeit 
Vollblutosterreicher, alpenlandischer Osterreicher im besten Sinne des Wortes, 
mit dem warmf uhlenden Herzen fiir Volk und Heimat, fur Familie und Freunde, 
mit dem heiteren, sarkastischen, bisweilen auch derb frohlichen Sinn des oster- 
reichischen Deutschen, mit dem rasch und scharf denkenden Verstande des 
weinf rohen, dem Welschlande verwandten Siidalplers, ein echt deutscher Mann, 
eine wahrhaft deutsche Gelehrtennatur, ein entschlossener, vomehmer Kamp- 
fer fiir Uberzeugung und Recht, ein aufrechter, zuverlassiger Mann. 

Literatur: Eine eingehende Wiirdigung des Mannes bietet Wellspacher, E. St., » Zeit- 
schr. f. d. Privat- und Offentliche Recht der Gegenwartt, 41. Bd. 

Prag. Robert Mayr. 

Suess, Eduard, * am 20. August 1831 in London, f am 26. April 1914 in Wien. 
— Eduard S. war nicht »ein bedeu tender Geologe«, sondern der alle anderen 
bei weitem iiberragende Geologe der letzten drei Jahrzehnte des 19. und des 
ersten Jahrzehntes des 20. Jahrhunderts. Er hat fiir die Geschichte der Geologie 
mindestens dieselbe, wenn nicht eine groBere Bedeutung als Lyell in dem 
halben Jahrhundert vor S. , ja als A. v. Humboldt fiir die gesamten Naturwissen- 
schaften in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Man kann daher auch 
seine Biographie nicht in die ublichen Formen kleiden. Das Genie sprengt die 
Formen ; und er war ein Genie. Sein auBerer Lebensgang ergibt sich aus den 
folgenden Daten, die wohl am besten in der Dienerschen Rede bei der Gedenk- 
feier der Wiener Geologischen Gesellschaft zusammengestellt sind (Mitt. d. 
Geol. Ges. Wien. I. II. 1914). Dort ist auch eine vollstandige Liste der S.schen 
Arbeiten abgedruckt, wahrend hier nur wenige erwahnt werden konnen. 

Zuerst praktisch-technische Studien an den technischen Hochschulen von 
Prag und Wien, dann Volontar und 1852 Kustos-Adjunkt am K. K. Hof- 
mineralien-Kabinett in Wien. Versuchte Habilitation gescheitert, weil ohne 
normalen Studiengang und entsprechende Zeugnisse. Aber 1857 Ernennung 
zum a. o. Prof essor der Palaontologie an der Universitat Wien. 1862 statt dessen 
a. o. Prof, der Geologie. 1867 Ordinarius der Geologie. Riicktritt vom Lehramt 
1901. i860 korrespondierendes, 1867 wirkliches Mitglied der Wiener Akademie. 
1885 Sekretar, 1893 Vizeprasident, 1898 Prasident der Akademie. 1911 Riick- 
tritt von diesem Amte. Daneben ausgedehnte Tatigkeit in der Gemeinde 
und im Staate. 1863 Mitglied des Gemeinderates der Stadt Wien, 1870 Wahl 
in den niederosterreichischen LandesausschuB. 1873 Mitglied des Abgeord- 
netenhauses und bis 1891 Fuhrer der Linken. Verzicht auf angebotenen 



94 I9I 4 

Ministerposten. Schopfer der Hochquellenleitung und Donauregulierung in 
Wien. 1874 Ehrenbiirger. Alle hofischen Ehrungen abgelehnt. 

Eine schone Autobiographie mit dem Titel :»EduardSuess, Erinnerungen « 
(Leipzig 1 91 6 bei Hirzel) schildert den Ursprung derFamilieSuess, den inneren 
Werdegang ihres groBten Vertreters, seine Tatigkeit als Biirger, seine Reisen 
und im Zusammenhang damit Einzelheiten seiner wissenschaftlichen Entwick- 
lung. Er hatte das Gliick, den Zusammenbruch des von ihm geliebten Oster- 
reich nicht mehr zu erleben. — 

Sein wissenschaftlicher Werdegang kann hier nur in groBen Ziigen dargestellt 
werden. Er ging von sorgfaltiger palaontologischer Arbeit im Institute aus, 
widmete sich aber sehr rasch auch der geologischen Feldarbeit im Freien und 
war keineswegs ein Stubengelehrter, sondern ein ausgezeichneter Beobachter. 
Dabei kam ihm eine gliickliche Vereinigung seltener Gaben zustatten. Er besaB 
einen ungewohnlich leistungsfahigen Korper, eine seltene Begabung zum Zeich- 
nen, ein glanzendes Gedachtnis, groBe Begabung fiir fremde Sprachen und die 
Fahigkeit, die eigene Sprache durch Neuschopfungen und Verwendung alter 
Bergmannsnamen auf das gliicklichste zu bereichern. Dazu gesellte sich nun 
die nur dem Genie eigentiimliche Bef ahigung eigene und fremde Beobachtungen 
ganz heterogener Art in Beziehung zu bringen und in glanzendem Gedanken- 
reichtum wissenschaftliche Synthesen aufzubauen. 

Mit diesen Gaben des Intellektes verband sich ein gutiger, aber fester Cha- 
rakter. Er besaB nur sehr wenig Feinde und war ihnen zweifellos durch die 
GroBziigigkeit seines Wesens und durch GroBmut himmelweit iiberlegen. 

Es wird einmal fiir den Rassenforscher von hohem Interesse sein, die Wurzeln 
dieser seltenen Vereinigung ungewohnlicher Eigenschaften zu ergriinden. 

Eine Fiille von begeisterten Schiilern stellte sich in Wien ein und verbreitete 
seinen Ruhm als Lehrer iiber die ganze Welt. Aber auch unzahlige Natur- 
forscher und L,aien, die ihn nur fliichtig personlich kannten, wurden vom Reize 
und Reich turn seiner Personlichkeit gefesselt. 

Sein wissenschaftliches Werk umfaBt eine Fiille palaontologischer und geo- 
logischer Spezialuntersuchungen. Er begann mit Studien iiber Graptolithen, 
sehr zahlreichen Arbeiten iiber Brachiopoden, behandelte aber auch Cepha- 
lopoden,Saugetiere und ganze Faunen.Erbeschaftigte sich mit stratigraphischen 
Untersuchungen iiber Perm, Trias, Jura, Tertiar und veroffentlichte wichtige 
lokale geologische Untersuchungen iiber die Val Trompia, die Euganeen, den 
Boden der Stadt Wien, die Heilquellen Bohmens, das Dachsteingebirge und 
andere Ortlichkeiten. Zwei wichtige Schriften, in denen er seine geologische 
Kenntnis fiir volkswirtschaftliche Fragen verwendete, behandelten die »Zu- 
kunft des Goldes* und die des Silbers. Auch der Mond wurde zum Vergleich mit 
der Erde in geistvoller Form erortert. Aber der Schwerpunkt seines Wirkens, 
fiir den alle anderen Arbeiten nur als Basis dienten, lag doch in der Unter- 
suchung des Baues und damit der Geschichte der Erdkruste. Hier wirkte er 
grundstiirzend und neuschaffend, indem er nicht nur das ganze riesige Beob- 
achtungsmaterial der f riiheren Geologengenerationen verarbeitete, sondern eine 
ganze Fiille von Problemen zuerst erkannte und zu beantworten suchte. Sein 
Weg ging dabei durch eine Reihe von lokalen Untersuchungen hauptsachlich 
der Alpen und Italiens zu dem aufsehenerregenden Buche »Die Entstehung 
der Alpen« (1875) und von dort zu seinemHauptwerk, »Dem Antlitz der Erde^ , 



Suess. Vogelsang 05 

das in dreiTeilen und vier Banden von 1883 bis 1909 erschien und ins Franzo- 
sische, Englische und Italienische iibersetzt wurde. 

Es ist unmoglich, auf dem zur Verfiigung stehenden Raume eine Wiirdigung 
auch nur der Hauptergebnisse dieses Riesenwerkes zu geben. Es behandelt die 
Entstehung der Faltengebirge, die epeirogenetischen Bewegungen, die Erd- 
beben, den Vtilkanismus, den Bau der Kontinente, die Entstehung der Ozeane, 
sowie eine Fiille von anderen Fragen. Diener faBt »das, was man gemeiniglich 
als die S.scheTheorie der Gebirgsbildung zu bezeichnen pflegt«, in folgenden 
drei Satzen kurz zusammen (S. 18) : »Es gibt keinerlei vertikale Bewegung des 
Festen nach auf warts, mit Ausnahme jener, welche mittelbar aus Faltung her- 
vorgebt. Die Verschiebungen der Grenze zwischen Festland und Meer werden 
nicht durch Schaukelbewegungen der Kontinente im Sinne Lyells, sondern 
durch Schwankungen der fliissigen Hiille des Planeten veranlaBt. Die Falten- 
gebirge sind entstanden durch einen einseitigen Tangentialschub an jenen 
Stellen, wo durch die Schrumpfung des Erdkerns Teile der Rinde zu groB ge- 
worden sind.« 

Die Mehrheit der jetzigen Geologen durfte die Richtigkeit des ersten Satzes 
bestreiten, die des zweiten nur teilweise zugeben ; und auch der dritte Satz wird 
in der letzten Zeit mehr und mehr angefochten. Das andert aber nichts daran, 
dafl S., ob er nun mit seinen Schlussen recht behalten wird oder nicht, allein 
durch seine Fragestellung und den Versuch der Beantwortung auf die Geologie 
in einer Weise befruchtend gewirkt hat, wie wohl nie ein Geologe vor ihm. 

So sind wir heute im Grunde genommen alle Schuler dieses groBen Mannes, 
ob wir nun das Gliick gehabt haben, zu seinen FuBen zu sitzen, oder ob wir seine 
Werke nur in der Ferae studieren konnten. Denn es ist keiner unter den leben- 
den Geologen, der nicht auf S.sche Fragen Antwort gesucht hatte. Seine Schule 
umspannte nicht Osterreich allein, sondern die Welt. 

Heidelberg. Wilhelm Salomon. 

Vogelsang, Heinrich, Kaufmann, * in Bremen den 17. Marz 1862, f daselbst 
23. Mai 1914. — Heinrich V. war der drittalteste Sohn des Tabak- und Zigarren- 
fabrikanten C. F. V. Bis zu seinem 15. Jahre besuchte er die Realschule von 
Debbe in Bremen und bereits im 16. Lebensjahre ging er 1877 nach der eng- 
lischen Kapkolonie in Siidafrika, wo er in verschiedenen groBen englischen 
Handelshausern seine kaufmannische Lehrzeit durchmachte. Als Jiingling 
nahm er damals auch bereits Teil an dem englischen Zulufeldzuge. 

Von Siidafrika etwa Ende 1879 zuriickgekehrt, ging er anfangs 1880 fur das 
Bremer Handelshaus Friedr. M. Vietor Sohne nach Keta an der englischen 
Goldkiiste in Westafrika. Von Keta wurde er bald als Faktoreileiter nach 
Danoe, dem damaligen Grenzort der Goldkustenkolonie, versetzt und spater 
nach Beybeach, der jetzigen Hauptstadt Lome, der bisherigen deutschen Togo- 
kolonie. In Beybeach (Lome) hatte sich namlich, unter Leitung von einge- 
borenen Angestellten, ein sehr schwungvoller Handel englischer und deutscher 
Handelshauser entwickelt, der wegen der auf der Goldkiiste von den Eng- 
landern erhobenen hohen Zolle in der Hauptsache auf dem von den Einge- 
borenen betriebenen Schmuggel von Spirituosen, Tabak, Pulver und Stein- 
schlofigewehren beruhte. Von den Englandern wurde dieser Handel natiirlich 



96 1914 

mit scheelen Augen betrachtet und ftihrte auch zu gelegentlichen Reibereien 
mit den Grenzbewohnern. 

Bereits hier, in dem heutigen Lome, das damals, auCerhalb der englischen 
Goldkiistenkolonie liegend, noch von keiner europaischen Macht besetzt war 
und in dem V. der erste deutsche und iiberhaupt erste europaische Kauf- 
mann war, kam dem jungen Bremer Kaufmanne der Gedanke an eine deutsche 
Kolonialgriindung. Die Englander, die sich in einem Zeitabschnitte kolonialer 
Sattigung befanden, zogerten damals, ihre Besitzergreifung auf jenes Gebiet 
auszudehnen, bis ihnen dann Deutschland im Jahre 1884 zuvorkam. 

Im Friihjahr 1882 verliefi dann V. die Dienste des Hauses Vietor und kehrte 
nach Bremen zuriick. Hier lernte er im Sommer den Bremer Kaufmann Adolf 
Luderitz vom Hause F. A.E. Luderitz kennen, und nun wurde der bereits seit 
langerer Zeit von beiden gehegte Plan einer deutschen kolonialen Griindung 
gemeinsam eifrig aufgenommen und weiter gepflegt. — V. setzte sich zunachst 
fiir das ihm naher liegende Gebiet des heutigen Togos ein, von dem er gerade 
zuriickgekehrt war. Liideritz jedoch wollte eine Kolonie griinden, in der der 
Deutsche als Ansiedler, Farmer und Pflanzer Lebensmoglichkeit finden sollte, 
wofiir das ungesunde, tropische Gebiet Westafrikas nicht in Frage kam, und 
so entschied man sich fiir Siidwestafrika. 

Am 10. Dezember 1882 reiste V. von Southampton zunachst nach Kapstadt, 
um dort die von Liideritz gekaufte Brigg »Tilly«, 260 Registertonnen groB, zu 
erwarten. Auf Grund seiner in Kapstadt eingezogenen Erkundigungen entschied 
er sich fiir den noch unbesetzten Hafen Angra Pequena an der Kiiste von Siid- 
westafrika, und wenigeTage nach Ankunft der » Tilly « in Kapstadt wurde unter 
Angabe eines falschen Bestimmungsortes gegenuber der kapstadtischen Hafen- 
behorde am 5. April 1883 dorthin versegelt. Mit der » Tilly « waren noch zwei 
von Liideritz angeworbene Herren von Bremen gekommen und einige weitere 
Herren hatte V. noch in Kapstadt angeworben. 

Von gutem Wind und Wetter begiinstigt, legte die »Tilly« die etwa 400 See- 
meilen betragende Entfernung von Kapstadt nach Angra Pequena in wenigen 
Tagen zuriick und bereits am 8. April ging sie in der » Shearwater Bay« ge- 
nannten aufieren Bucht von Angra Pequena zu Anker. — 

Nun begann eine lange und miihseligeZeit der Verhandlungen und Abschliisse 
von Vertragen mit den eingeborenen Stammeshauptlingen, die V. in einem Vor- 
trage am 19. Dezember 1905 in der handelswissenschaftlichen Abteilung der 
» Union «, Kaufmannischer Verein zu Bremen, anschaulich geschildert hat. 1 

Am 1. Mai 1883 wurde der erste Vertrag mit Joseph Frederiks, Kapitan 
(Hauptling) von Bethanien, iiber die Abtretung des Hafens Angra Pequena und 
des angrenzenden Landes, 5 Meilen nach alien Richtungen, an das Handels- 
haus F. A. E. Luderitz in Bremen abgeschlossen. — Am 25. August desselben 
Jahres wurde dann durch einen zweiten Vertrag die ganze Kiiste von der 
Miindung des Orangeflusses bis hinauf zum 22. Grad stidl. Breite erworben. — 

Nach dem Bekanntwerden dieser zunachst bremischen Landererwerbungen 
in der englischen Kapkolonie meldeten sich nattirlich sehr bald die bekannten 
Inhaber alterer englischer Rechte auf die erworbenen Landesteile. und den 

1 Der Vortrag erschien im Druck in der » Zeitschrift fiir Kolonialpolitik, Kolonialrecht 
und Kolonialwirtschaftt, herausgegeben von der Deutschen Kolonialgesellschaft im 
Januarheft 1906, Jahrgang VIII. 



Vogelsang. Weisinann 07 

Hafen von Angra Pequena. Vom Auswartigen Amt in Berlin war der Reichs- 
vertreter in Kapstadt, Herr Lippert, angewiesen worden, der Liideritzschen 
Niederlassung, soweit deren Anspriiche nicht mit solchen von englischer Seite 
zusammenfielen; seinen konsularischen Schutz angedeihen zu lassen. Dies f iihrte 
zunachst zu einem ausgedehnten Notenwechsel zwischen Deutschland und 
England, der seinen vorlaufigen AbschluB in der bekannten Berliner Depesche 
vom 24. April 1884 nach Kapstadt fand, in der amtlich erklart wurde, dafi die 
samtlichen Liideritzschen Erwerbungen nordlich vom OranjefluB unter den 
Schutz desDeutschen Reiches gestellt seien. — Am 28. Oktober 1884 wurden 
alsdann durch den kaiserlichen Generalkommissar fiir die Westkiiste von 
Afrika, Dr. Nachtigal, die mit den eingeborenen Hauptlingen abgeschlossenen 
Vertrage in feierlicher Ratssitzung, namens des Reiches, ratifiziert. V. wurde 
von Dr. Nachtigal bis auf weitere kaiserliche Bestimmungen zum Vertreter 
des Deutschen Reiches mit dem Wohnsitze in Fort Vogelsang an der Bucht 
von Angra Pequena bestellt. 

Wahrend einer dreimonatlichen Reise von November 1884 bis Februar 1885 
schlofi V. dann noch verschiedene Vertrage mit anderen eingeborenen Haupt- 
lingen ab. So mit Hermanus van Wyk in Rehoboth, Manasse in Hoakhanas und 
Jacobus Isaak in Bersaba. — Verhandlungen mit Kamaharero in Okahandja, 
dem Oberhauptling der Herero im Damaralande, fiihrten zunachst nicht zum 
Ziele, wurden aber spater durch den inzwischen zum Reichskommissar fiir 
Sudwestaf rika ernannten Landgerichtsrat Dr. Goering im Oktober 1885 eben- 
falls zum AbschluB gebracht. — 

So hat im jugendlichen Alter Heinrich V. die Grundlagen geschaffen fiir 
unsere siidwestafrikanische Kolonie, die nach anfanglichen Schwierigkeiten bei 
Kriegsausbruch im August 19 14 sich im stetigen Aufstiege und in einer Ent- 
wicklung befand, die zu den kiihnsten Erwartungen berechtigte. — 

Mit der Ernennung eines Reichskommissars fiir die junge Kolonie erreichte 
auch die Tatigkeit V.s ihren AbschluB. Er kehrte nach Bremen zuriick und ging 
bald darauf, im Jahre 1896, zum Tabakseinkauf fiir mehrere Bremer GroB- 
handelshauser nach den Vereinigten Staaten. 

Von dort zuriickgekehrt, zog es ihn 1888 nochmals nach dem geliebten Siid- 
westafrika, und fiir iY 2 Jahre ging er noch einmal im Dienste der » Deutschen 
Kolonial-Gesellschaft fiir Sudwestaf rika «, der Rechtsnachfolgerin des Hauses 
F. A. E. Liideritz, hinaus. — Im Jahre 1890 kehrte er zuriick, verheiratete sich 
bald darauf und trat als Teilhaber in das vaterliche Geschaft ein. — 

Bis an sein Lebensende hing er mit alien Fasern seines Herzens an dieser 
unserer anfangs so arg verkannten, ersten deutschen Kolonie, stets hoffend, 
sie noch einmal im Leben wiedersehen zu diirfen, ein Wunsch, der sich ihm 
leider nicht mehr erfiillen sollte, denn am 23. Mai 1914 erloste ihn der Tod von 
einer schweren Krankheit, ihm so es ersparend, den Verlust der Kolonie noch 
miterleben zu miissen. — 

Bremen. F. Oloff. 

Weismann, August, Professor der Zoologie an der Universitat Freiburg i. Br., 
* in Frankfurt a. M. am 17. Januar 1834, f in Freiburg i. Br. am 5. November 
1914. — August W. war der alteste Sohn des Professors Johann Konrad 
August W., der am Gymnasium in Frankfurt a. M. als Lehrer der alten 

DBJ 7 



98 1914 

Sprachen wirkte und mit Elisabeth, Tochter des Biirgermeisters Liibbren 
in Stade, verheiratet war. Der Vater war ein strenger Pflichtmenscli, durch und 
durch Schulmann, von der Mutter hat W. den Sinn und wohl auch die Begabung 
fur Musik und Zeichnen iibernommen, auch begiinstigte sie die friihzeitig auf- 
tretende Freude an der Natur. Der GroBvater vaterlicherseits, Kaufmann in 
Frankfurt, war aus Wiirttemberg eingewandert, wo die von einem oberoster- 
reichischen Emigranten stammende, dem Gelehrten- und Beamtenstand ange- 
horende Familie mehrere Generationen hindurch ansassig war. Schon in den 
Knabenjahren auBerte sich bei A.W. die I,ust an Naturbeobachtung, Schmetter- 
linge und Pflanzen bildeten den Gegenstand eifriger Sammeltatigkeit. Wahrend 
der Primanerzeit wurde durch Vortrage, welche Professor Bottcher am 
Senckenbergianum hielt, die Freude an Chemie geweckt, so dafl der Wunsch 
entstand, Chemiker zu werden. Indessen folgte er dem Rate seines groBen 
Landsmannes Wohler und studierte zunachst, um seine Zukunft zu sichern, 
in Gottingen, freilich ohne besondere Neigung, Medizin. Hier horte er bei 
Wohler, Henleund Rudolf Wagner und verkehrte im musikalischen Hause 
des Chirurgen Baum. 1856 promovierte er mit einer Dissertation iiber die Bil- 
dung der Hippursaure beim Menschen. 

Die folgenden iy 2 Jahre (1856 — 1858) verbrachte W. in Rostock, wo er als 
Assistent am Klinischen Hospital, dann als Privatassistent des Chemikers 
F. Schulze tatig war und je eine Preisaufgabe der Gottinger medizinischen 
und der Rostocker philosophischen Fakultat bearbeitete (iiber den Ursprang 
der Hippursaure im Harn der Pf lanzenfresser und iiber den Salzgehalt der Ost- 
see). Von der Beschaftigung mit der Chemie nicht befriedigt, lieB sich W.Ende 
1858 nach Ablegung des Staatsexamens als praktischer Arzt in Frankfurt nieder 
und versuchte sich gleichzeitig auf dem Wege der Histologie in das Fach seiner 
eigentlichen Neigung, die Zoologie, einzuarbeiten. Einer Anregung Henles 
folgend, behandelte er den geweblichen Bau des menschlichen Nabelstranges, 
dann hauptsachlich die Herzmuskulatur des Menschen und der Tiere auf 
breitester vergleichend-histologischer Grundlage. Unterbrochen wurde diese 
Beschaftigung im Sommer 1859 durch eine kurze Tatigkeit, die er als badischer 
Feldarzt in den osterreichischen Lazaretten von Bozen und Verona ausiibte. Im 
AnschluB hieran lernte er erstmals die Naturschonheiten und Kunstschatze 
Italiens bis Genua und Florenz kennen. Um MuBe fur wissenschaftliche Arbeit 
zu fin den, nahm er dann eine Stellung als Leibarzt des Erzherzogs Stephan auf 
SchloB Schauenburg an der Lahn an. Ehe er sie antrat, brachte er einige Mo- 
nate im Pariser Jardin des plantes und einige weitere mit groBem Gewinn in 
GieBen beiLeuckart zu. Seit Anfangi86i im einsamen WaldschloB eingekehrt, 
begann er, einem Rate Leuckarts folgend, entwicklungsgeschichtliche Unter- 
suchungen iiber Dipteren und fiihrte diese grundlegenden Arbeiten im wesent- 
lichen wahrend seines zweijahrigen Aufenthaltes durch. Die Hauptergebnisse 
des II. Teils, welcher die Metamorphose behandelt, bildeten den Inhalt der Frei- 
burger Habilitationsschrift (Friihjahr 1863), bald darauf erschien der I.Teil, die 
Entwicklung im Ei (1863) und der vollstandige II. Teil (1864), * n welchem die 
schon von Swam merdam (1752) bei verschiedenen Insektenlan r en gesehenen 
scheibenformigen Anlagen des Kopfes, der Fliigel und der Beine des fertigen 
Insektes erstmals genau untersucht und der fur den Pathologen wichtige Be- 
griff der Gewebsauflosung oder »Histolyse« in die Wissenschaft eingefiihrt 



Weisxnann 



99 



wurde. Auch der Kontinuitatsgedanke klingt hier erstmals durch (s. unten). 
Viel spater (1866) kam der III. Teil heraus: Die Metamorphose der Biischel- 
miicke (Corethra). Die Lehrtatigkeit und wissenschaftlichen Arbeiten wurden im 
Sommer 1864 jah unterbrochen durch ein Augenleiden, das sich in einer t)ber- 
empfindlichkeit der Netzhaut aufierte und dem Forscher mehrere Jahre, bis 
etwa 1874, teils vollkommene MuBe, teils auBerste Schonung und auch im 
spateren Leben grofite Vorsicht beim Mikroskopieren auferlegte. DieErnennung 
zum a. o. Professor (1865), zum etatsmaBigen Extraordinarius und Instituts- 
leiter (1867) und zum Ordinarius der Zoologie (1873), besonders aber die Ver- 
heiratung mit Mary Gruberaus dem alten Genueser Kaufmannshause (fi886) 
bildeten Lichtpunkte in jenen schweren Jahren. W. suchte nach Aufgaben, die 
trotz des Augenleidens behandelt werden konnten, und so begann mit seiner 
Antrittsrede (tJber die Berechtigung der Darwinschen Theorie, 1868) und mit 
experimentellen Untersuchungen iiber den Saison-Dimorphismus der Schmet- 
terlinge (Vanessa levana-prorsa) die Reihe seiner deszendenz- und selektions- 
theoretischen Arbeiten, zu denen auch eine wichtige Schrift iiber die kiinst- 
lich erzeugte Umwandlung des Axolotls (1875), Studien iiber die Raupenzeich- 
nung (1876) und ebenso die Schrift iiber die Dauer des Lebens (1882) gehoren. 
Die gestarkte Kraft der Augen erlaubte ihm auch wieder mikroskopische 
Arbeit : die klassischen Studien iiber die Naturgeschichte der Daphniden oder 
Wasserflohe (1876 — 1879) und iiber die Entstehung derSexualzellen derHydro- 
medusen (1883) fuhrten ihn tief hinein in die Probleme der Fortpflanzungs- 
geschichte und Keimzellenforschung, und so naherte sich W. immer mehr 
seiner eigentlichen Lebensarbeit, der Behandlung des Vererbungsproblems. 
Mit 1883 beginnt nun die Reihe vererbungsgeschichtlicher Schriften, in denen 
Schlag auf Schlag Probleme aufgerollt werden, die noch nicht gestellt oder 
jedenf alls noch nicht mit dieser Scharfe erfaBt worden waren und bis auf den 
heutigen Tag Zentralfragen der Vererbungstheorie geblieben sind. 

Schon im Aufsatz: t)ber die Vererbung (1883) wird der Gedanke der Kon- 
tinuitatdes Keimplasmas (Keimprotoplasmas), der bereits mehrfach auf- 
getaucht und, was W. damals nicht wuBte, von G. Jager schon in die namlichen 
drei Worte zusammengef aBt worden war, in scharf er Weise begriindet und end- 
giiltig in die Wissenschaft eingebiirgert. Es ist die Vorstellung, daB der befruch- 
tete Keim, aus dem der Eltern-Organismus hervorgeht, in direkter stofflicher 
Kontinuitat verbunden ist mit dem Keim, aus dem das Kind entsteht, daB ent- 
sprechend diesem stofflichen Zusammenhang das Protoplasma der beiden 
Keime auch die namlichen Leistungen und Entwicklungspotenzen aufweist und 
daB daher schlieBlich auch die Entwicklungsprodukte, namlich eben der Eltern- 
organismus und das Kind, im wesentlichen gleich sein, also »erbliche« Uberein- 
stimmung zeigen miissen. Dieser Gedanke bildet seither den Kern aller Ver- 
erbungstheorien, trotzdem bei hoheren Pflanzen und Tieren und speziell beim 
Menschen die mikroskopische Untersuchung der embr> r onalen Zellen noch keine 
so handgreiflichen Belege geliefert hat, wie bei niederen Tieren. Aus der Vor- 
aussetzung einer gewissen Selbstandigkeit der Keimzellen gegeniiber den 
iibrigen Zellen des Organismus ergab sich dann in logischer Folge die Frage, 
inwieweit die Keimzellen und damit auch die Vererbungssubstanz durch Ver- 
anderungen beeinfluBt werden, welche den Korper selber betreffen. So wurde 
schon im gleichen Aufsatz die Frage aufgerollt, ob, wie Lamarck annahm, die 



100 I9H 

Abanderungen, welche wahrend des individuellen Lebens erworben werden, 
sich erblich auf die Nachkommen iibertragen (Problem der Vererbung er- 
worbener Eigenschaften). In der Schrift: »t)ber Leben und Tod« (1884) 
wurde die schon 1883 vertretene Annahme einer »Unsterblichkeit der 
Einzelligen« gegen Gotte verteidigt und scharfer formuliert, in der »Kon- 
tinuitat des Keimplasmas« (1885) spricht W., ziemlich gleichzeitig mit Stras- 
burger, Kolliker und O. Hertwig, die Lehre vom Vererbungsmonopol des 
Zellkernes aus. An gleicher Stelle wird die Frage nach der Bedeutung der Rich- 
tungskorper, jener kleinen, vor der Befruchtung gebildeten Schwesterzellen des 
Eis, endgiiltig zu einem Zentralproblem der Vererbungsbiologie erhoben. 

Sehr wichtig ist ein auf der StraBburger Naturforscherversammlung von 1885 
gehaltener Vortrag, der erweitert unter dem Titel »Die Bedeutung der sexuellen 
Fortpflanzung fiir die Selektionslehre« (1886) erschien. Hier wird als wesentliche 
Auf gabe der zweielterlichen Fortpflanzung die Vermischung zweier individuell 
verschiedener Vererbungssubstanzen, also der spater von W. Amphimixis 
genannte Vorgang, bezeichnet: es soil dadurch das Material an individuellen 
Verschiedenheiten geschaffen werden, mittels dessen die Selektion neue Arten 
hervorbringt. Es folgen wichtige Bemerkungen tiber die Bedeutung der Jung- 
fernzeugung oder Parthenogenesis und am SchluB stehen die ofters zitierten 
Satze liber das Verbinden der Tatsachen zu Gedanken: »So wenig 
Theorien wert sind ohne festen Boden, so wenig sind Tatsachen wert, die zu- 
sammenhangslos nebeneinanderliegen. Sie sind das Senkblei, mit dem wir die 
Tiefe des Ozeans unverstandener Erscheinungen untersuchen, um danach den 
ferneren Kurs unseres Forschungsschiffes zubestimmen. Sie geben uns kein ab- 
solutes Wissen, aber sie geben uns den Grad von Einsicht, der augenblicklich 
moglich ist. Ohne I^eitung theoretischer Anschauungen aber weiter forschen, 
heifit soviel, als im dicken Nebel auf gut Gliick weitergehen ohne Weg und ohne 
KompaB.« 

Erneut wird nunmehr, auf Grund gemeinsam mit Ishikawa ausgefiihrter 
Untersuchungen, die Bedeutung der Richtungskorper erortert (1887). W. sieht 
in der Bildung des zweiten Richtungskorperchens ein Mittel, um vor jedem Be- 
fruchtungsakt die iibermafiige Anhaufung verschiedenartiger Vererbungsten- 
denzen oder Keimplasmaarten zu verhindern, welche sonst notwendig durch 
die Befruchtung eintreten muflte, und hier hat W., mit seinen Schliissen der 
Untersuchung weit vorauseilend und so an bekannte astronomische Voraus- 
sagen erinnernd, das Postulat der Reduktionsteilung gestellt, einer Kern- 
teilung, bei welcher die vermutlichen Trager der Erbmasse, die Kernschleifen 
(Chromosomen), nicht wie bei alien anderen Teilungen halbiert werden und an 
jeden Tochterkern eine gleichwertige Halfte abgeben, sondern ungeteilt in 
zwei Gruppen geschieden werden, und ihre Zahl damit auf die Halfte reduziert 
wird. In vielen Hunderten von Arbeiten sind seither dieseVerhaltnisse beiTieren 
und Pflanzen untersucht worden. Noch steht nicht endgiiltig fest, wie die in 
beiden Reichen, z. T.bis in die kleinsten mikroskopischen Einzelheiten hinein, 
ubereinstimmendenVorgange zu deuten sind, aber die iiberwiegende Mehrzahl 
derBiologen nimmt heute an, daB es tatsachlich eine » Reduktionsteilung « gibt, 
und daB dieser Vorgang im wesentlichen auch die von W. ihm zugeschriebene 
biologische Bedeutung hat. Die Schriften keimzellen-physiologischen (ver- 
erbungszytologischen) Inhalts f inden ihren AbschluB in einem groBeren Aufsatz : 



Weismann 1 01 

Amphimixis oder die Vermischung der Individuen (1891), in welchem nochmals 
die Probleme der Reifung und Befruchtung behandelt und fur die von den Vor- 
fahren iibernommenen Erbeinheiten oder »Ahnenplasmen« die Bezeichnung 
»Id« eingefiihrt wird (in Anlehnung an die Nagelische Bezeichnung Idio- 
plasma = Vererbungssubstanz = Keimplasma). 

In einer Reihe von Schriften, die in den gleichen Jahren (1886 — 1889) er- 
schienen sind, wird um ein anderes, schon 1883 aufgerolltes Hauptproblem der 
Vererbung, die oben bertihrte Frage der t)bertragung erworbener Eigenschaften, 
gekampft und der Selektionsgedanke konsequent weiterzufiihren versucht 
(»Allmacht der Naturziichtung«). Der auf der Kolner Naturforscherversamm- 
lung im Jahre 1888 gehaltene Vortrag iiber die Hypothese von der Vererbung 
von Verletzungen, » Gedanken iiber Musik bei Tieren und Menschen« (1889) und 
die beriihmte Kontroverse mit Herbert Spencer, welche an die Oxf order 
Romanes-Lecture (deutsch : AuBere Einf liisse als Entwicklungsreize, 1894) an- 
kniipfte, bilden Marksteine in diesem Kampfe, der ganz auBerordentlich zur 
Klarung des in medizinischer, rassenhygienischer und ziichterischer Hinsicht 
und weit dariiber hinaus wichtigen Lamarckschen Problems beigetragen und, 
wie wir heute wohl sagen diirfen, die Mehrzahl der Biologen und Mediziner zu 
ablehnender oder wenigstens sehr kritischer Stellungnahme gegeniiber den 
lamarckistischen Anschauungen veranlaCt hat. 

Viele neue Gedanken iiber die Architektonik des Keimplasmas und der Deter- 
minanten, d. h. der den einzelnen selbstandig veranderlichen und selbstandig erb- 
lichen Zellgruppen entsprechenden Keimplasmateilchen, iiber die Vorgange der 
Regeneration und Knospung, iiber Riickschlag und Dimorphismus sind dann 
noch in W.s Hauptwerk »Das Keimplasma, eine Theorie der Vererbung « (1892) 
zusammengef aflt : manches darin, wie die »neoevolutionistische« Idee von der 
Zerlegung des Keimplasmas in die einzelnen Determinanten wahrend der Ei- 
entwicklung, ebenso wie die spater (1896) aufgestellte Hypothese von der Ger- 
minalselektion, ist auch von W.s Anhangern aufgegeben oder von vornherein 
als allzu spekulativ abgelehnt worden. Aber die auch im »Keimplasma« fest- 
gehaltenen Grundgedanken der Kontinuitats- und Amphimixislehre und die 
von W. so eng gekniipfte Beziehung zwischen Vererbungs-, Befruchtungs- und 
Chromosomenlehre bilden noch heute das Fundament aller Vererbungstheorien, 
und niemand kann sagen, ob nicht auch die Zerlegungstheorie und die Hypo- 
these von der Germinalselektion in neuer Form wieder aufleben wird, ebenso 
wie W.s Gedanken iiber den Determinantenaufbau des Keimplasmas in der 
von vielen mit Begeisterung aufgenommenen M organ schen Chromosomen- 
hypothese ein Seitenstiick gefunden haben. 

Im gleichen Jahre (1892) wie das » Keimplasma « erschienen die gesammelten 
» Aufsatze iiber Vererbung « und zehn Jahre spater die »Vortrage iiber Deszen- 
denztheorie« (1. Aufl. 1902; 3. Aufl. 1913). Alle diese drei Werke, welche Zu- 
sammenfassungen von W.s Lebensarbeit bringen, sind bei dem befreundeten 
Verlag von G. Fischer in Jena erschienen, vom Keimplasma kam auch eine 
englische tlbersetzung, von den Aufsatzen eine englische und eine franzosische 
Ausgabe heraus, ebenso wie auch von einigen kleineren Schriften englische 
Ubersetzungen erschienen sind. 

Das » Keimplasma « bildet den Gipfel der W. schen Gedankenarbeit. Ver- 
schiedene kleinere Schriften folgten noch, in welchen Verbesserungen oder Er- 



102 I9U 

weiterungen der Theorie versucht wurden. AuBer den schon genannten Er- 
widerungen an Spencer, und der »Germinalselektion« seien erwahnt eine Be- 
sprechung von Richard Semons Mneme (1906) und der Beitrag fur die Fest- 
schrift der Universitat Cambridge zum 100. Geburtstag Darwins, welcher in 
deutscher Sprache unter dem Titel: Die Selektionstheorie (1909) erschien. 

Im Jahre 1912 zog sich W., 78 Jahre alt, vom Amte zuriick. Das Alter wurde 
ihm dadurch verschont, daB seine alteste Tochter, die verwitwete Frau Re- 
gierungsratTherese Schepp, mit ihren Kindern in das gartenumsaumte Hans 
an der StadtstraBe zog und dem Vater das Gefiihl des Geborgenseins und 
geistiger Gemeinschaft brachte. AuBer Freiburg, dem W. trotz mehrfacher 
ehrenvoller Rufe treu geblieben war, ist ihm bis an das l>bensende das Giitchen 
am Bodensee, zwischen dem Park des Gruberschen Anwesens Lindenhof und 
der Wiedersheimschen Villa Helios gelegen, eine zweite Heimat, ein 
idyllisches Gelehrten-Refugium geblieben. Besonders hier am geliebten Boden- 
see hat er auch das groBe Lebensgluck eines ausgedehnten, harmonischen 
Familienkreises genossen, innerhalb dessen ihm seine beiden Schwager Robert 
Wiedersheim und August Gruber als Fachgenossen, Freunde und Berater 
in praktischen Dingen besonders nahe standen. Einige seiner anderen Freunde, 
der Mathematiker Liiroth und der Ophthalmologe Manz, sind vor ihm dahin- 
geschieden, andere, wie der Internist Baumler und der Physiologe von Kries, 
haben ihn iiberlebt. Auch mit einzelnen seiner Schiiler ist W. dauernd in herz- 
licher Korrespondenz gestanden und fur sie, wo er konnte, eingetreten. 

Im Herbst 1914 wurde W., iiber 80 Jahre alt, von einem rasch fortschreitenden 
Altersleiden ergriffen. Am 5. November 1914 verschied er in Freiburg. Es waren 
die ersten hoffnungsvollen Monate des groBen Verteidigungskampfes, die nieder- 
driickenden Ereignisse des folgenden Jahrzehntes mitzuerleben ist ihm erspart 
geblieben. 

Was ist W. fur die Nachwelt ? Die erste Arbeit iiber die Entwicklung der 
Dipteren, mit den einf achsten Hilfsmitteln, mit einem diirftigen Mikroskop und 
in armseligen Arbeitsraumen ausgefuhrt, beweist nicht nur des Verfassers scharfe 
Beobachtungsgabe und sein technisches Geschick, sondern sie laBt auch schon 
die Gabe einer leichtflieflenden, plastischen Darstellung und in den Zeichnungen 
die kiinstlerische Hand erkennen. Auch sehen wir den ganzen spateren W. vor 
uns, wenn schon in dieser Arbeit versucht wird, iiber die nachstliegenden Ver- 
gleichsobjekte hinaus Beziehungen allgemeinerer und allgemeinster Art auf- 
zudecken. Wird doch schon die Frage nach der »Kontinuitat aller organischen 
Formelemente (Zellen oder Kerne) « erhoben, »eine Frage, die mit der nach der 
Kontinuitat aller lebenden Wesen im genauesten Zusammenhang steht, und 
gleichsam eine Parallele zu dieser darstellt.« Es sind dieselben Zuge geistigen 
Schaffens, die nicht nur in den spateren Werken des Forschers W. sich voll 
entfaltet haben, sondern auch den Lehrer W. charakterisieren und besonders 
in seiner Hauptvorlesung iiber Deszendenztheorie in unvergeBlicher Weise her- 
vorgetreten sind. 

Beim ZoologenkongreB in Miinchen 1894 hat ein Fiihrer der morphologischen 
Richtung der deutschen Zoologie geauBert, von alien Werken W.s wurden nur 
die Dipteren- Arbeiten sein L,eben uberdauern. Dieser Skeptiker hat Unrecht 
behalten, denn so sicher auch diese Untersuchungen zu den Grundsteinen der 
Embryologie zu rechnen sind, so wird, was jetzt wohl allgemein anerkannt wird, 



Weismann. Wohler 



103 



ihre VVirkung doch von dem weit iibertroffen, was W. auf dem Gebiete der all- 
gem einen Biologie und speziell der Vererbungslehre an bleibenden Werten ge- 
schaffen hat. Und zweifellos sind es hier im wesentlichen die Verkniipfungen 
allgemein-biologischer und keimzellen-physiologischer Beobachtungen, die Zu- 
zusammenfassung der Erscheinungen bei den »unsterblichen« Einzelligen mit den 
Befunden bei Pflanzen, hoheren Tieren und Menschen, also die Leistungen 
synthetischer Gedankenarbeit, welche dauemd fortwirken werden, auch wenn 
von den spateren Generationen der Name des Urhebers nicht mehr zitiert 
wird. Es mutet wie Goethescher Geist an, wenn W. immer wieder versucht, 
eine einheitliche Auffassung von der organischen Welt, von ihrem Werden und 
Beharren, zu gewinnen. Das Bediirfnis nach einer geschlossenen Auff assung ent- 
sprach ja, wie E. Gaupp in seiner W.-Biographie gesagt hat, seiner Natur, 
seinem kunstlerischen Bediirfnis nach greifbaren, anschaulichen Vorstellungen. 
Goethescher Art ist aber auch der Seherblick, den er in wissenschaftlichen 
Fragen bewiesen hat, und nicht nur da, sondern auch in allgemein-menschlichen 
und politischen Dingen. Hat er doch trotz der engen personlichen und wissen- 
schaftlichen Beziehungen, die ihn mit englischen Fachgenossen verband, immer 
wieder den unglaubigen Freunden vorhergesagt, dafl das politische und kommer- 
zielle England die nachste Gelegenheit ergreifen werde, um das aufstrebende 
Deutschland als lastigen Konkurrenten aus dem Wege zu raumen. 

Manche haben ihm allzuviel Spekulation und Entfernung vom Boden der 
Tatsachen zum Vorwurf gemacht, nicht blofl solche, welche ihr Leben lang auf 
enger begrenzten Gebieten gearbeitet haben und denen vielf ach der Blick fiir den 
Wert zusammenfassender Arbeit abgeht, sondern auch solche, die, wie B ii t schli 
und spater Johannsen, imstande waren, weitere Gebiete zu iibersehen. Aber 
sie haben verkannt, daB W. selber als erfolgreicher Naturbeobachter auf einer 
groBeren Zahl von Spezialgebieten tatig war als die meisten Fachgenossen, und 
daB er mit seinenSchmetterlings- und den von ihm angeregtenAxolotlversuchen, 
seinen Experimenten iiber den Generationswechsel der Daphniden ein Vor- 
laufer auch in der kausal-experimentellen Forschungsrichtung gewesen ist. 
Seine synthetische Arbeit ist nicht zu losen von seinen tatsachlichen Beob- 
achtungen und weittragenden Entdeckungen, und so wird er als einer der 
grofiten Vertreter echter Naturphilosophie fiir alle Zeiten anerkannt und ge- 
feiert werden. 

Liter atur: Eine ausfiihrliche Biographie, welche in historischer Darstellung die For- 
schungsarbeit W.s schildert, hat Ernst Gaupp (A. W., Sein Leben und sein Werk, Jena 
1 9 17) verfaflt. Sie enthalt auch ein Verzeichnis der bei W.s Tod und spater erschienenen 
Nachrufe und ein vollstandiges Schrif ten verzeichnis. Aufler dem Gauppschen Buch hat 
mir die unvollendete Selbstbiographie W.s vorgelegen, von welcher Original und Abschrif ten 
sich in den Handen seiner Tochter, Frau Regierungsrat Therese Schepp in Freiburg- 
Giintersthal und Frau Oberbiirgermeister Bertha Riese in Eisleben befinden. 

Halle. V. Haecker. 

August Wohler, * den 22. Juni 1819 in Soltau (Provinz Hannover), f in Han- 
nover am 21. Marz 1914. Geheimer Regierungsrat und Mitglied der Eisenbahn- 
direktion StraBburg, Dr.-Ing. ehrenhalber. — August W. wurde in Soltau ge- 
boren als Sohn des Rektors der dortigen Schule. Gute mathematische Begabung, 
die ihn friih auszeichnete, veranlaBte den Vater, ihn auf die hohere Gewerbe- 
schule, die spatere Technische Hochschule in Hannover zu schicken. Mit recht 



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geringer vaterlicher Unterstiitzung, jedoch bald mit einem Stipendium ausge- 
riistet, hat W. die damals unter Leitung des Technologen Karmasch stehende 
Gewerbeschule mit sehr gutem Erfolg besucht. 

Nach kurzer Tatigkeit bei der Bahn Hannover — Harburg wurde er mit einem 
Stipendium des »Gewerbevereins fiir Hannover « ins Ausland geschickt, urn 
Maschinenfabriken durch Anschauung kennen zu lernen und seine eigene Aus- 
bildung zu fordern. Das recht knapp bemessene Stipendium zwang seinen In- 
haber, durch Annahme einer Stellung nebenbei seinen Unterhalt zu verdienen . 
Auch waren die Mittel nicht groB genug, um in fremdsprachliche Lander zu 
gehen, vielmehr zog W. es vor, sich nach Berlin zu wenden, dem damaligen 
Mittelpunkt des deutschen Maschinenbaues. Die Tatigkeit in Berlin, die mit 
praktischer Arbeit begann, war fiir ihn sehr wertvoll. Er arbeitete in den Borsig- 
schen Fabriken und beim Bau der Berlin-Anhalter Bahn, der Bahn Berlin — 
Hannover und der Niederschlesisch-Markischen Bahn. 

Im Jahre 1843 kehrte er nach Hannover zuriick, wurde dann nach Belgien 
zur Erlernung des Lokomotivfahrens gesandt und kurz darauf als Maschinen- 
verwalter eingestellt. 

Bereits im Marz 1847 wurde er, 28jahrig, als Obermaschinenmeister an die 
Niederschlesisch-Markische Bahn berufen. Diese Stellung, die er 23 Jahre inne- 
hatte, gab ihm im hohen MaBe Gelegenheit zur Entfaltung seiner Fahigkeiten. 
Seine groflten Leistungen als Forscher und Ingenieur fallen in diese Zeit. In 
Frankfurt a. d. Oder, wo W. seinen Dienstsitz hatte, war auch die Eisenbahn- 
Reparaturwerkstatt und hier bot sich ihm reichlich Gelegenheit, die Mangel, die 
den Iyokomotiven und Wagen sowie dem Bahnbetriebe anhafteten, kennen zu 
lernen und zu ihrer Beseitigung beizutragen. 

Nach auBerordentlich erfolgreichem AbschluB der wissenschaftlichen Ar- 
beiten in Frankfurt folgte W. einem Ruf in die Privatindustrie, in der er jedoch 
nicht lange tatig war. Bereits im Jahre 1874 wurde er zur neu gegriindeten 
Generaldirektion der Reichseisenbahn in StraBburg als Direktionsmitglied 
berufen und wirkte hier noch 15 Jahre. Man darf es als ein Gliick bezeichnen, 
daB diese leitende Stellung es ihm ermoglichte, fiir die Verwertung seiner wissen- 
schaftlichen Ergebnisse selbst noch jahrelang tatig zu sein. 

Im Jahre 1889 trat er, 70jahrig, in den Ruhestand und lebte noch fast 25 
Jahre in Hannover, bis ins hochste Alter hinein voll Interesse fiir seinen Beruf 
und noch als Achtzigjahriger gelegentlich publizistisch tatig. Er starb fast 
95jahrig in Hannover. Seine Ernennung zum Mitgliede der Akademie des 
Bauwesens, die Verleihung der Grashoff-Denkmiinze durch den Verein deut- 
scher Ingenieure und dieWiirde einesDr.-Ing. ehrenhalber, die er erhielt, als 
zum erstenmal um die Technik verdiente Manner von der Technischen Hoch- 
schule Charlottenburg promoviert wurden, zeigen, daB seine Arbeit auch 
aufiere Anerkennung fand. 

Bereits im Dezember 1852 wurde W. als Mitglied einer vom preuflischen 
Minister eingesetzten Kommission »fiir Untersuchung von Lokomotiven resp. 
Ermittlung der besten Konstruktionsverhaltnisse derselben* ernannt. Diese 
Kommission, in der der erst 33jahrige sich seine ersten wissenschaftlichen Ver- 
dienste erwarb, gab einen Bericht heraus, der sich mit alien wichtigen Fragen 
des IyOkomotivbaues grundlegend beschaftigte, und zwar sowohl nach theo- 
retischen als nach praktischen Ermittlungen. Dieser Bericht ist wohl das erste 



Wohler IO5 

in Deutschland gedruckte Werk iiber Lokomotivkonstruktion und Lokomotiv- 
bau gewesen. Die darin von W. aufgestellten Berechnungen konnte er 10 Jahre 
spater mit Recht als durch iojahrige Erfahrung bewiesen hinstellen. Neben 
diesen Arbeiten sei W.s bedeutsame Entdeckung iiber die Gesetze der Brems- 
wirkung erwahnt. 

GroBe Aufmerksamkeit wandte er der Elastizitat und deren theoretischen 
Untersuchungen zu und bei seinen Veroffentlichungen iiber diese Frage zeigte 
sich, wie auBerordentlich er es verstanden hat, eigene neue Wege zu finden. Im 
Zusammenhang damit steht eine im Jahre 1855 gedruckte Abhandlung iiber die 
♦Theorie rechteckiger eiserner Briickenbalken mit Gitterwanden und Blech- 
wanden«. Diese Arbeit gibt zum erstenmal richtige Formeln fiir die Berechnung 
derDurchbiegung vonGitterbalken. Erst drei Jahre spater hatClaperyon solche 
Formeln veroffentlicht. Das Verdienst, sie zuerst gefunden zu haben, wird ihm 
daher mit Unrecht zugeschoben. In dem erwahnten W.schen Aufsatz sind 
auch zum erstenmal die jetzt allgemein iiblichen Rollenkipplager zur Stiitzung 
von Briickentragern zeichnerisch wiedergegeben und empfohlen. 

Neben solchen durch die tagliche Berufsarbeit an W. herantretenden Fragen 
gingen die Untersuchungen iiber Festigkeit von Eisen und Stahl. Diese Ar- 
beiten sind so umfangreich, daB sie allein geniigt hatten, die Arbeitskraft eines 
Mannes wahrend der darauf verwandten 14 Jahre voll auszunutzen. Die Ver- 
anlassung dazu gaben zunachst die haufigen Achsenbriiche an Eisenbahn- 
Fahrzeugen. 

Nachdem im Auftrage der Berliner Bauakademie W. an einer Untersuchung 
iiber die Ursachen dieser Briiche gemeinsam mit anderen mitgewirkt hatte, 
wurde er 1856 allein mit der Fortfiihrung dieser Arbeiten betraut. Damals lagen 
noch keinerlei Vorbilder und Erfahrungen iiber solche Versuche vor. W. er- 
kannte richtig, dai3 sie nur zum Ziele fiihren konnten, wenn sie von vornherein 
als Dauerversuche iiber lange Zeit durchgefiihrt wiirden. Es ist ihm dann ge- 
lungen, von dem Versuche am fertig bearbeiteten Maschinenteil den Weg zur 
eigentlichen Materialpriifung zu weisen, wie wir sie heute noch verwenden. Die 
Trennung der Untersuchung von den Zufalligkeiten der Konstruktion und der 
Bearbeitung, die Loslosung von alien nebensachlichen Erscheinungen und der 
Bau richtiger Materialpriifungsmaschinen ist ein Teil der erfolgreichen Arbeit 
jener Jahre. Das wichtigste aber war, daJ3 W. Wege wies, wie man Eigen- 
schaften von Eisen und Stahl durchaus sicher und in der einzigen fiir die 
Technik zuverlassigen Weise feststellen konnte. Dabei hat er durch Versuche, 
die zum Teil millionenfach wiederholt wurden, die Grundsatze aufgestellt, die 
fiir die Priif ung von Eisen und Stahl gelten mufiten und sie als Ergebnis in den 
nachstehend wiedergegebenen beriihmten »W6hlerschen Gesetzen« zusammen- 
gefaflt: 

1. Der Bruch des Materials laBt sich auch durch vielfach wiederholte 
Schwingungen, von denen keine die absolute Bruchgrenze erreicht, herbei- 
fiihren. Die Differenzen der Spannungen, welche die Schwingungen ein- 
grenzen, sind dabei fiir die Zerstorung des Zusammenhanges maBgebend. 

2. Die Spannungsdifferenzen, welche die GroBe der dauernd zulassigen 
Schwingungen bestimmen, sind urn so kleiner, je groBer die dabei erreichte 
Maximalspannung ist. 



io6 1914 

3. Die Wirkung der Anspannung ist eine ganz andere, wenn dieselbe kon- 
stant, also ruhend ist, oder variabel, also Schwingungen hervorruft; auch 
kommt sehr in Betracht, ob von der Konstruktion unbegrenzte Dauer ge- 
fordert wird, oder ob man nur eine begrenzte Dauer beansprucht. 

4. Konstruktionsteile, welche positiv und negativ in Anspruch genommen 
werden, z. B. Kolbenstangen, Kurbelstangen, Balanciers u. dgl., miissen im 
Verhaltnis etwa wie 9 : 5 starker sein, als solche, deren Inanspruchnalime nur 
in einem Sinne erfolgt, z. B. Trager, Briicken, Dachkonstruktionen u. dgl. 

Man muB sich vergegenwartigen, daB zur damaligen Zeit man noch in fiihren- 
den Biichern der Technik von dem »Gefiihl des Konstrukteurs« und von »ge- 
falligen Formen« der Maschinenteile sprach, und daB in diese Zeit hinein wie ein 
Lichtstrahl die Erkenntnis drang, daB die richtige Bemessung der Konstruk- 
tionsteile erst dann moglich ist, wenn man die Naturgesetze, die fur die zu- 
lassige Beanspruchung von Eisen und Stahl gelten, richtig erkannt und zur 
Priifung des Materials richtig anzuwenden verstanden hat. Sehr schnell setzte 
sich allerdings diese Erkenntnis zunachst in Deutschland nicht durch. Pro- 
fessor Launhardt in Hannover gebiihrt freilich das Verdienst, 1873 schon 
nachdriicklich auf die Verwertung der W.schen Arbeiten hingewiesen zu haben, 
und ebenso muB betont werden, daB der preuBische Minister fur Handel und 
Gewerbe schon 1869 »die Bemiihungen W.s um die Erweiterung der Wissen- 
schaft« voli anerkannt hat. Es muB auch gesagt werden, daB es ein aufler- 
ordentliches Zeichen von Vertrauen und von gutem technischero Weitblick fiir 
das damalige preuBische Ministerium war, daB man ohne irgendwelche Ein- 
schrankung und, fiir die damaligen Begriffe, groBziigig W. die Mittel zu seinen 
Versuchen jahrelang zur Verfiigung stellte. Als dann W. als Mitglied der Reichs- 
eisenbahndirektion StraBburg in der gliicklichen Lage war, selbst fiir die 
Durchfiihrung seiner Erkenntnisse und ihre Bewertung in der Praxis zu sorgen, 
kam es auf der Sitzung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen im 
Jahre 1876 zu dem beriihmten Antrag auf »Einfuhrung einer staatlich aner- 
kannten Klassifikation von Eisen und Stahl «, der seiner Bedeutung wegen hier 
wiedergegeben sei : 

»Die Versammlung deutscher Eisenbahntechniker wolle erklaren: 

a) daB eine bestimmte, staatlich anerkannte Klassifikation fiir Eisen und 
Stahl in hohem Grade wiinschenswert ist, 

b) daB zur Durchfiihrung einer solchen Klassifikation amtliche Priifungs- 
anstalten an geeigneten Orten errichtet werden miissen, welche fiir jeder- 
mann gegen entsprechende Entschadigung derartigePriifungen auszufiihren 
hatten, 

c) daB mit einzelnen dieser Priifungsanstalten Versuchsstationen zu ver- 
binden seien, in denen unter geeigneter Leitung durch ausgedehnte Versuche 
festgestellt wiirde, welche Anspriiche an die Materialien fiir bestimmte 
Leistungen zu machen sind.« 

Der Antrag ist fiir die Verwertung der Frankfurter Versuche und vor allem 
fiir die Verbesserung der Qualitat des in Deutschland erzeugten Eisens von 
durchschlagender Bedeutung gewesen. Wie klar W. selbst die Ziele seines An- 
trages erkannt hat, geht aus der von ihm eigenhandig aufgesetzten Denkschrift 



Wohler 



107 



zu dem Antrage hervor. Wenn er dort sagt, da6 es fiir das Maximum der Ar- 
beitsleistung eines Volkes Grundbedingung sei, daB der Wert einer jeden 
Arbeit richtig geschatzt und entsprechend bezahlt werde, und daB 
es Aufgabe des Staates sei, dazu zu verhelfen, den Wert des Pro- 
duktes fiir jedermann klarzustellen, um die ruhige Entwicklung 
vor der Beeintrachtigung durch mangelnde Sachkenntnis zu 
schiitzen, so zeigen diese Worte, wie klar er erkannt hat, welche Bedeutung 
die Verwertung seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse fiir die wirtschaftliche 
tind industrielle Entwicklung unseres Volkes haben muBte. 

Wenn aber W. es als Aufgabe des Staates betrachtete, hier helfend einzu- 
greifen, so betont er ausdriicklich, daB von jedem Zwang abgesehen 
werden miisse. Man solle nur klarlegen, welche Anforderungen zu stellen 
seien und es der Industrie iiberlassen, sie zu erfiillen. Bereits im Jahre 1880 
konnte in den Veroffentlichungen des Vereins deutscher Eisenbahnverwal- 
tungen der Nachweis gebracht werden, welch durchschlagenden Erfolg die 
W.schen Materialvorschriften auf die Qualitat des Materials gehabt haben. 

Trotz haufiger Angriffe, die stellen weise groteske Formen annahmen, war 
ein Teil der Eisenindustrie den richtigen Weg gegangen, um das Eisenbahn- 
material, das sie lieferten, den W.schen Forderungen entsprechend herzustellen. 
Wahrend noch im Jahre 1876 in der Denkschrift nachgewiesen wurde, daB die 
damaligen Abnahmeversuche Unterschiede bis zu 300 °/ in der Festigkeit der 
amtlich abgenommenen Materialien zulieBen, war es jetzt nach vier Jahren 
schon gelungen, gleichmaBiges und zuverlassiges Material zu erhalten, und 
damit die Sicherheit der Betriebe auBerordentlich zu verbessern. 

Die W.schen Erkenntnisse iiber die Festigkeit von Eisen und Stahl sind heute 
aus der Eisenhuttenindustrie und unserem Materialpriifungswesen nicht mehr 
hinwegzudenken. Solange deutsche Hochofen brennen, wird man die Bedeutung 
dieser Gesetze erkennen und wtirdigen. 

AuBer der Klassifikation verlangte W. in der Eingabe vom Jahre 1876, daB 
staatliche Materialpriifungsanstalten gegriindet werden sollten, die auf dem 
gesamten Gebiete der Technik zur richtigen Erkenntnis der Materialeigen- 
schaften verhelfen sollten. Die Grundlage zu diesen Materialpriifungsanstalten 
bildeten eigentlich die W.schen Versuchsmaschinen, die er in Frankfurt benutzt 
hatte und die eine Zeitlang von dem Materialpriifungsinstitut in Berlin, als es 
in seinen Anfangen stand, benutzt wurden. Jetzt stehen diese Maschinen als 
historische Zeichen im Deutschen Museum in Munchen. 

Bis jedoch die Versuchsanstalt zu dem wurde, was W. erwartete, muBten 
noch lange Jahre vergehen. Noch einmal, im Jahre 1898, erhob der fast 
Achtzigjahrige unter Hinweis auf seine 40 Jahre zuriickliegenden Ver- 
suche, in der Offentlichkeit erneut die Forderung nach einer solchen Ver- 
suchsanstalt. 

Als dann endlich im Jahre 1904 das Konigliche Materialpriifungsamt mit 
seinen glanzenden Einrichtungen in Lichterfelde eroffnet wurde, gedachte man 
mit Recht W.s als eines der Mitbegriinder des Amtes. 

Literatur: Beitrage zur Geschichte der Technik und Industrie. 1918, Bd. 8, S. 35 — 55, 
daselbst auch ein vollstandiges Yerzeichnis von W.s literarischen Arbeit en. Manuskripte, 
soweit vorhanden, sind dem Deutschen Museum in Munchen (iberwiesen worden. 

Bremen. R. Blaum. 



io8 1914 

Zedlitz und Triitzschler, Robert Graf v. t Kultusminister und Oberprasident, 
* in Freienwalde a. O. den 8. Dezember 1837, t * n Charlottenburg den 21. Ok- 
tober 1914. — Graf Zedlitz entstammt der alteingesessenen schlesischen Fa- 
milie der Freiherren v. Zedlitz. 17 Jahre alt, trat er mit dem Primanerzeugnis 
des Friedrichs-Gymnasiums zu Breslau als Fahnrich in das 6. Kiirassierregi- 
ment ein, das er 1859 m & dem Regiment der Gardedukorps vertauschte. 1862 
verlieB er die militarische Laufbahn, urn die Bewirtschaftung des Gutes Nieder- 
GroBenborau im Kreise Freystadt i. Schl. zu iibernehmen. Kurz vorher hatte 
er sich mit Agnes v. Rohr aus dem Hause Dannenwalde vermahlt. 

Die Jahre 1862 — 1881, in denen er sich der Landwirtschaft wie den aus ihr 
erwachsenden offentlichen Interessen mit gleichem Eifer hingab, waren grund- 
legend fur seine weitere Entwicklung. Sie machten ihn zu einem der hervor- 
ragendsten Kenner gleichermaBen des wirtschaftlichen I,ebens in all seinen Ge- 
staltungen wie der Lebensbedingungen und Lebensf ormen des Staates und seiner 
nachgeordneten Glieder. Bereits mit 29 Jahren wahlten ihn seine Standes- 
genossen zum Vorsitzenden des land- und forstwirtschaftlichen Vereins seines 
Heimatkreises, mit 34 Jahren in den Vorstand des schlesischen landwirtschaft- 
lichen Zentralvereins. Im Jahre 1873 wurde er Mitglied des damals zuerst ge- 
bildeten Kreisausschusses, dann des Provinziallandtags und des Provinzial- 
ausschusses, dessen Vorsitzender er 1879 wurde. 

Seine Tatigkeit als Stellvertreter des mehrfach erkrankten Landeshaupt- 
manns hatte, zumal bei der Bekampfung des groflen Notstandes in Oberschle- 
sien im Jahre 1879, die Augen der Regierung auf ihn gelenkt. Die besonders 
schwierigen Verhaltnisse in diesem Landestetle erheischten an leitender Stelle 
eine energische, in praktischen Dingen bewahrte Personlichkeit. Und so wurde 
Graf Zedlitz im Jahre 1880 zum Regierungsprasidenten in Oppeln ernannt. 

1884 wurde er Mitglied des Staatsrats. In ihm bewahrte er sich insbesondere 
als Referent bei den Arbeiten fiir die Errichtung der Ansiedlungskommission 
in Westpreufien und Posen. Wohl im Zusammenhang mit diesen Arbeiten er- 
ging im Jahre 1886 an ihn der Ruf, den Posten des ersten Prasidenten der An- 
siedlungskommission zu iibernehmen. Er iibernahm ihn im Juli 1887. nach- 
dem er kurz vorher zwecks der von ihm fiir geboten erachteten Vereinigung 
beider Amter Oberprasident der Provinz Posen geworden war. In Posen trat 
ihm zum ersten Male die Polenfrage entgegen, die es damals in Oberschlesien 
entsprechend der bis dahin loyalen Haltung der polnisch sprechenden Ober- 
schlesier noch nicht gab. Trotz voller Wahrung der Staatsautoritat wufite er 
die bereits auf das starkste entwickelten nationalen Gegensatze zu mildern. 
Daneben ging sein Bestreben dahin, in der Schul- und Kirchenpolitik aus- 
gleichend und versohnend zu wirken, w r obei ihn, wie auch spater als Kultus- 
minister und in seiner Breslauer Zeit der Gedanke leitete, unter Mitwirkung der 
katholischen Kirche und des Zentrums deutsche Kulturaufgaben in der Ost- 
mark losen und das Werk der preuBischen evangelischen Konige fordern zu 
konnen. Der Posener Zeit folgte die, wenn auch kurze, so doch fiir ihn schwerste 
Zeit seiner amtlichen Laufbahn — seine Tatigkeit als Kultusminister vom 
Marz 1891 bis Marz 1892. Der breiten Offentlichkeit ist er noch heute wohl 
am bekanntesten aus dieser Zeit her als der Verfasser und Vertreter des viel 
umstrittenen »Zedlitzschen Volksschulgesetzes*. Dem vereinten Ansturm der 
Linken gelang es, trotzdem die Mehrheit des Parlaments auf dem Boden des 



Zedlitz und Tnitzschler 



109 



Entwurfes stand, ihn zu Fall zu bringeu. Das Ungewohnliche trat ein, daB ein 
Gesetz, dessen Annahme gesichert erschien, vor Entscheidung im Parlament 
auf Befehl des Kaisers zuriickgezogen wurde. Sein Urheber aber, in mann- 
haftem Einstehen fur seine Uberzeugung, zog die seiner ganzen Gesinnung nach 
einzig gegebene Folge — er erbat und erhielt den Abschied aus dem Staats- 
dienst. 

Sein Fortgang hatte ihm die Ungnade des Kaisers zugezogen. Er trat in 
das Privatleben zuriick, bis das Jahr 1896 ihn wieder in dieOffentlichkeit fiihrte, 
indem er bei Errichtung der I,andwirtschaftskammer fiir die Provinz Schlesien 
deren erster Vorsitzender wurde. Zwei Jahre spater ernannte ihn dann der 
Kaiser, der namentlich immer wieder vom Kardinal Kopp gemahnt war, diese 
Kraft nicht brachliegen zu lassen, zum Oberprasidenten der Provinz Hessen- 
Nassau. Auf Kassel folgte Breslau. Der Posten des Breslauer Oberprasidenten 
war verwaist, als im Juli 1903 durch verheerende Hochwasser der Oder in 
weiten Iyandstrichen der Provinzen Schlesien und Brandenburg gewaltige 
Schaden entstanden waren. Es gait, abgesehen von der I^inderung der augen- 
blicklichen Not, durch grofizugige Arbeiten gleichen kiinftigen Katastrophen 
vorzubeugen. Diese Arbeiten wie die sonstigen Verhaltnisse dieser vielleicht 
schwierigsten und jedenfalls vielseitigsten Provinz erheischten eine Kraft 
ersten Ranges. Als solche wurde Graf Z. ausersehen, und so trat er damit am 
Ende seiner amtlichen Laufbahn mit 65 Jahren an die Spitze seiner geliebten 
Heimatprovinz. Sein Wirken in ihr war reich gesegnet. Und als er zu Ende des 
Jahres 1909 im Alter von nunmehr 72 Jahren dem Dienste seines Konigs und 
des Vaterlandes entsagte, begleitete ihn der Dank und die Verehrung der 
ganzen Provinz in den Ruhestand. Den Abend seines Lebens brachte er in 
Charlottenburg zu. Er erlebte noch den Beginn des Weltkrieges — voll triiber 
Ahnungen uber die Zukunft unseres Vaterlandes und doch nicht ahnend, in 
welchem Mai3e sie in Erfiillung gehen wtirden. 

Soweit sein auBerer I<ebensgang. Er laBt in seiner Vielgestaltigkeit die Viel- 
seitigkeit des Entschlafenen erkennen. Ohne akademische Vorbildung, ja 
ohne auch nur das Gymnasium bis zum Ende besucht zu haben, besaB er Dank 
seiner allseitigen Interessen, seines klaren Verstandes und seines unermiidlichen 
FleiBes auf alien Gebieten umfassende, tiefgriindige Kenntnisse, die nament- 
lich auch wahrend seiner Tatigkeit als Kurator der Breslauer Universitat — er 
bekleidete diesen Posten neben dem des Oberprasidenten von Schlesien — im 
Verkehr mit den Mannern der Wissenschaft immer erneut deren Erstaunen und 
Bewunderung hervorriefen. Er war ein hervorragender Kenner der Gesetze 
und ein Bureaukrat im guten und besten Sinne des Wortes, im Sinne namlich 
strengster, treuester, selbstlosester, altpreuBischer Pflichterfiillung und Hin- 
gabe an das ihm anvertraute Amt. Hierzu kam sein stets hilfsbereites Wohl- 
wollen, seine vornehme Gesinnung, so daB der Kaiser ihm bei seinem Scheiden 
von Kassel mit Recht sagen konnte: »Wo ich hinhore, aus jedem Stande und 
jedem Beruf ertont Euer Exzellenz Lob.« Und ebenfalls mit Recht urteilte 
der »Staatsanzeiger« in dem Nachrufe nach seinem Tode: »Wo man in den 
Provinzen, die er verwaltete, den Namen Z. nennt, da leuchten die Augen, 
und dankbar kommt es von den L,ippen: er war ein seltener Mann.« 

Um das Bild des Mannes zu vollenden, seien noch zwei mehr auBerliche und 
doch fiir den Eindruck, den er iiberall hervorrief, nicht unbedeutende Ziige 



no 1914 

hinzugefiigt, namlich seine glanzende auBere Erscheinung und seine hervor- 
ragende Rednergabe. Stimme, Gedankenfiille, formvoUendeter Ausdruck, 
Schlagfertigkeit machten jede seiner Reden zum Genufi fur den Zuhorer. Das 
letzte Geheimnis seiner Personlichkeit, der Urgrund dessen, dafl er eine so 
zwingende Gewalt uber weiteste Kreise besaB, war aber der im Grunde schlichte, 
der giitige, der fromme Mann, das rein Menschliche seines Wesens. Sein tiefer, 
ernster Glaube bewahrte ihn vor jeder t)berhebung, aufierlicher wie geistiger. 
Ihm gait nicht Stand, nicht Rang, nicht Kleid, nicht Bildung: er sah in 
erster Linie vor sich den Menschen. Helfen, wo es zu helfen gab, fordern, wo es 
zu fordern gab, stets zu dienen bereit, ein treuer Freund alien Hilfsbediirftigen 
und Leidenden, so wird Graf Z. dauernd vor unserer Seele stehen, so wird sein 
Gedachtnis in uns fortleben: ein Edelmann in der tiefsten Bedeutung des 
Wortes. 

Berlin. M. Schimmelpfennig. 



1915 

Adickes, Franz, * 19. Februar 1846 zu Harsefeld bei Stade, f 4. Februar 1915 
zu Frankfurt am Main als Oberbiirgermeister a. D. und preuflischer Wirkl. 
Geh. Rat. — Franz A. ist der Sohn eines Richters aus altfriesischem Stamme, 
Wilhelm A., und einer Mutter aus hugenottischer Familie,TheodoreChappuzeau ; 
der alteste unter drei Briidern, von denen einer, Erich, Professor der Philoso- 
phic in Tubingen, noch lebt. Seine Schulbildung empfing er auf dem Lyzeum I 
zu Hannover; dann wahlte er sich das juristische Studium, studierte in Heidel- 
berg und Munchen, wurde Auditor in Gottingen ; als solcher nahm er am Kriege 
1870 teil. Zeitlebens unvergeClich ist ihm der Sturm der preuBischen Garde auf 
St. Privat geblieben, in deren Reihen er focht. Gegen Ende der Studienzeit 
stand sein Sinn nach einer juristischen Professur. Seine 1872 veroffentlichte 
Erstlingsschrift »L,ehre von den Rechtsquellen« schien ihm die Tiir dahin zu 
offnen. Aber seine Verlobung mit Sophie Lambert und der Wunsch, rasch einen 
eigenen Hausstand zu griinden, fiihrte ihn in die Laufbahn der stadtischen Ver- 
waltung. Er wurde 1873 Beigeordneter der Stadt Dortmund. Damit betrat er 
das Gebiet, auf dem er die groCen Erfolge seines Lebens erreichen sollte. Fiel 
doch sein Eintritt in die Kommunalverwaltung in eine Zeit, da die deutschen 
GroBstadte machtig aufbliihten und zu Brennpunkten des nationalen Lebens 
wurden und infolgedessen der Schaffenskraft ihrer leitenden Manner den denk- 
bar aussichtsreichsten Wirkungskreis boten. Von Dortmund aus wurde A. im 
Jahre 1877 Burgermeister, 1883 Oberbiirgermeister von Altona ; im Januar 1891 
wurde er in Frankfurt am Main als Oberbiirgermeister eingefuhrt. An der Spitze 
dieses Gemeinwesens hat er fast 22 Jahre gestanden. Als er am 1. Oktober 
1912 sein Amt niederlegte, war seine Kraft erschopft, er hatte sie — darf man 
wohl sagen — ganz und gar fur die Idee dessen ausgegeben, was er aus dieser 
Stadt machen wollte. 

Als Frankfurt im Jahre 1866 dem preuGischen Staate einverleibt und die 
neue Kommunalverwaltung auf Grund des Gemeindeverfassungsgesetzes vom 
25. Marz 1867 insLeben getreten war, erkannten alle einsichtigen Beobachter, was 
der erste Oberbiirgermeister der Stadt, Heinrichv. Mumm, seit 1869 immer 
wieder of fen aussprach, daC » Frankfurt in seiner Entwicklung als Stadt zuriick- 
geblieben war und in Gefahr stand, von andern Stadten iiberfliigelt zu werden*. 
Mumm setzte seine ganze personliche Kraft ein und dabei sein Ansehen in den 
Altfrankfurter Kreisen, aus denen er stammte, aufs Spiel, urn diese Riickstan- 
digkeit zu iiberwinden. Er ermahnte seine Mitbiirger nachdriicklich, wie es in 
einem seiner Verwaltungsberichte hieB, »sich ernstlich zu riihren und in richtiger 



112 1915 

Erf assung der L,age mit den gegebenen Mitteln zu streben, urn einer der Zentral- 
punkte jenes groBen Welt- und Verkehrslebens zu werden, das durch die An- 
reize, welche es den Vermogenden bietet, fahig ist, die Vorteile der Freiziigig- 
keit der Stadt zuzuwenden«, oder »die Stadt aus dem engbegrenzten Sonder- 
leben der friiheren Zeit zu einer hoheren Bedeutung zu erheben«. Aber Mumm 
war bei seinem Bestreben, obwohl es nicht ohne Erfolg blieb, an dem Wider- 
spruch der Stadtverordneten gescheitert, und sein personlicher Gegensatz zu 
ihnen fiihrte dahin, daB er im Jahre 1880 nicht wiedergewahlt wurde. An seine 
Stelle trat Johannes v. Miquel, der erste von auswarts geholte L,eiter der 
Stadt, mit dem ganzen Reichtum seiner als Rechtsanwalt, Biirgermeister, Bank- 
direktor und politischer Parteifiihrer gesammelten Erfahrung. Seiner Gewandt- 
heit und Schmiegsamkeit gelang es rasch, die Reibungen zwischen Biirger- 
meister und Stadtverordneten auszugleichen ; seine Wirksamkeit war wahrend 
ihrer ganzen Dauer durch fast volligen Mangel innerstadtischer Kampfe tmd 
Konflikte ausgezeichnet. Aber dies fur einen groBen Preis: Miquel fugte sich 
dem in der Biirgerschaft vorhandenen Wunsche nach Einschrankung und Spar- 
samkeit so unbedingt, daB er die Periode der groBen Unternehmungen und des 
raschen Vorwartsdrangens seines Vorgangers fur abgeschlossen erklarte und 
sich auf das Programm zuriickzog, »die innere Verwaltung auszubauen, die 
Krafte der Gemeinde zu schonen und zu pflegen und das Gegebene sparsam zu 
niitzen, mit einem Worte, Atem zu schopfen.« So verzichtete er auf alle weiter 
ausschauenden Plane. Sein groBes Verdienst war die Festigung des f inanziellen 
Fundamentes der Stadt; die Rucksicht auf die Finanzen war aber so sehr 
maBgebender Leitgedanke seiner Kommunalpolitik, daB er sich dadurch 
vielfach zu Beschrankungen bestimmen lieB, die der Folgezeit teuer zu stehen 
kamen. 

Mit A. trat nun wieder ein Mann voll hoher Ziele und groBer Plane an die 
Spitze der Stadt; ein Mann, dem es nicht geniigte, das Vorhandene mit Um- 
sicht und Treue zu verwalten, sondern der von dem Ehrgeiz beseelt war, aus 
dem ihm anvertrauten Gemeinwesen den Mittelpunkt moderner stadtischer 
Kultur zu machen. Aber mit diesem Streben verband er eine so hohe Kunst in 
der Behandlung von Menschen und Dingen und eine solche Festigkeit schritt- 
weisen Fortschrittes und allmahlicher tlberwindung der Widerstande, daB es 
ihm gelang, den groBten Teil seiner Plane zu erreichen und seine Ernte in die 
Scheuer zu bringen. 

Seine ersten Arbeiten gehorten ganz und gar dem Ausbau der Stadt selber. 
Er wuBte sich rasch eine Anschauung des Stadtbildes zu gewinnen und bildete 
daraus einen Plan, wie es auszubauen und zu verschonern sei. Wahrend sich 
Miquel bei Durchbriichen und Fluchtlinienentwiirfen nur von den gegenwartig 
unabweislichen Bediirfnissen leiten lieB, legte A. schon bald nach seinem Amts- 
antritt einen umfassenden Stadterweiterungsplan vor, in dem er mit genialem 
Blick die Entwicklung der Zukunft voraussah, und der nicht nur durch die 
wachsenden Bediirfnisse des Verkehrs, sondern auch durch asthetische Er- 
wagungen bestimmt war. Er sollte zugleich die Schonheit und Gesundheit der 
Stadt durch Anlage von Promenaden, RingstraBen, Schmuckplatzen und durch 
Orientierung der StraBen auf augenfallige Ziele, wie auf die hervorragendsten 
Punkte der bergigen Umgebung Frankfurts, fordern. Nachdem es A. gelungen 
war, die Biirgerschaft fur eine solche planvolle und weitblickende Vorsorge zu 



Adickes 



113 



gewinnen und schon jetzt den Notigungen der Zukunft Rechnung zu tragen, 
folgte die Ausfiihrung. Eine neue Bauordnung teilte die auBeren Teile des 
Stadtgebietes, die noch wenig angebaut waren, in Zonen und unterwarf sie 
strengen Vorschriften zur Verhiitung allzu enger und hoher Bebauung, gliederte 
sie in Wohn-, Fabrik- und gemischte Viertel und schuf die Vorbedingungen fiir 
die Entf altung desEinfamilienhausbaues. RingstraBen und Schmuckplatze am 
Rande gerade der am dichtesten bevolkerten Stadtteile befriedigten die An- 
spriiche der Hygiene wie der Asthetik, groBe StraBendurchbriiche erschlossen 
die Altstadt und leiteten in sie Luf t und Licht ; die Verbindungswege von den 
Vororten in das Zentrum des Verkehrs wurden verbreitert und verkiirzt. Fast 
von selbst entwickelte sich hieraus A.s Grundstiickpolitik. Er bemiihtesich, fiir 
die Stadt Grundbesitz in groBem Umfange zu erwerben, nicht nur um dadurch 
Hindernissen der Stadterweiterung vorzubeugen, sondern auch um auf die 
Preisgestaltung von Grund und Boden einzuwirken. Er benutzte die Bestim- 
mungen des B.G.B., um dies Gelande durch Vergebung in Erbbaurecht an ge- 
meinniitzige Baugesellschaften, stadtische Beamte und Lehrer zu verwerten 
und doch der Stadt zu erhalten. Auch die Zusammenlegung der Grundstiicke 
gehort hierher, die auch gegen den Wiilen einzelner Besitzer zu ermoglichen, 
er im preuBischen Landtage nach wechselvollen parlamentarischen Kampfen 
die sogenannte »Lex Adickes « durchsetzte, Endlich kronte dies ganze System 
von MaBregeln die Eingemeindung der vor den Toren liegenden Vororte, die 
Schaffung eines GroB-Frankfurt, sowie die Ubernahme der StraBen- und Vor- 
ortbahnen und des Elektrizitatswerks in stadtischen Betrieb. 

War schon diese Politik auch von sozialen Beweggriinden geleitet — denn 
was ist fiir die Masse der Bevolkerung wichtiger, als Raum fiir gesundes Wohnen, 
luftige StraBen und Platze und geschickte Verkehrseinrichtungen ? — , so gingen 
nebenher fiir das Heer der stadtischen Arbeiter und Beamten unmittelbare 
sozialpolitische Einrichtungen, Regelung der Anstelltmgs- und Lohnverhalt- 
nisse der stadtischen Arbeiter, ihres Erholungsurlaubs, ihrer Unterstiitzung in 
Krankheitsf alien und bei militarischen Obungen, namentlich aber ihres An- 
spruches auf Ruhegehalt und Hinterbliebenenfursorge, und Mietunterstiit- 
zungen nach der Kinderzahl, auch die Herstellung zahlreicher Beamten- und 
Arbeiterhauser. Dem allgemeinen Wohnungsbediirf nis der Masse kam besonders 
die Beteiligung der Stadt an gemeinnutzigen Baugesellschaften, ihrem Bildungs- 
bediirfnis die Unterstiitzung des Volkschores, der Volkskonzerte und der Volks- 
bildungsbestrebungen zugute. 

Jedoch alle diese Schopfungen aus A.s Amtszeit treten in den Schatten vor 
den zwei ganz groBziigigen Unternehmungen, um der Stadt Ansehen und Glanz 
zu verleihen, der Schaffung des Osthafens und der Errichtung der Stadtischen 
Galerie und der Universitat, wodurch er sie zu einer Pflegestatte von Kunst 
und Wissenschaft machen wollte. Was ihn hierzu trieb, hat er selbst in einer 
Denkschrift vom Jahre 1909 mit der ihm eigenen Klarheit ausgesprochen. Es 
war die Beobachtung, daB die Stellung der Stadt Frankfurt unter den groBeren 
Stadten Deutschlands im Lauf der letzten Jahrzehnte immer schwieriger ge- 
worden war und noch schwieriger zu werden drohte. Weder als Mittelpunkt 
eines Landes noch als Tragerin einer starken geistigen Tradition konnte sie 
sich neben anderen behaupten. Die Staatsgunst war ihr wenig zuteil geworden, 
die Vorteile einer Hauptstadt besaB sie nicht, ihre geographische I^age er- 

DBJ 8 



H4 1915 

schwerte die Ausdehnung wirtschaftlicher Beziehungen. Daraus folgerte A. 
die Notwendigkeit, der Stadt durch eigene Leistungen der Biirgerschaft zu 
schaffen, was ihr von anderer Seite versagt war. Allein diese Ausfiihrungen, 
bestimmt, die Biirgerschaft fur seine Plane zu gewinnen, fiihren doch wohl 
noch nicht in die letzten Motive seines Handelns. Jedem wird auf fallen, wie 
eng sich A. darin mit den oben wiedergegebenen Ansichten seines zweiten 
Amtsvorgangers beriihrt. Aber wahrend dieser nur an eine Steigerung der An- 
ziehungskraft Frankfurts durch die Schaf fung angenehmer Lebensbedingungen 
gedacht hatte, war A. von der hohen Idee ergriffen, daB es der Beruf der GroB- 
stadte sei, imWettbewerb mit dem Staate und zu dessen Entlastung die hochsten 
Anliegen der menschlichen Kultur zu pflegen und dadurch das Daseinsrecht der 
GroBstadte zu beweisen. In seinen Augen war die Pflege von Kunst und Wissen- 
schaft — fiir Religion und Kirche hatte er, obwohl personlich ernst religios, 
wenig Blick — nicht ein Mittel, um der Stadt Burger und Besucher zuzufiihren, 
sondern er sah darin eine Pflicht der Grofistadte und erhoffte von ihrer Erfiil- 
lung eine Verbreiterung und Bereicherung der deutschen Kultur selbst. Sein 
erster Schritt zu diesen Zielen war der Versuch, eine medizinische Akademie 
zu schaffen. Er mifllang. A. liefi sich aber nicht entmutigen, sondern trat nun 
mit dem Plan an dieOffentlichkeit, die in Frankfurt vorhandenen privaten und 
Stiftungsinstitute wissenschaftlicher Art zu einer philosophischen Fakultat zu 
vereinigen, und bildete diesen Plan dann in den einer Akademie fiir Handels- 
und Sozialwissenschaften und endlich einer Volluniversitat um. Mit bewunde- 
rungswiirdiger Zahigkeit hat er an diesen Gedanken bis zuletzt festgehalten 
und die grofien Widerstande dagegen allmahlich iiberwunden. Widerstande in 
der Stadt selbst, die aus der Sorge vor unabsehbaren finanziellen Lasten 
stammten, Widerstande in der Staatsregierung und im Landtage, denen das 
Experiment einer Stiftungsuniversitat fremdartig und bedenklich erschien, 
Widerstande auch in Kreisen der deutschen Wissenschaft, die von einer solchen 
neuen Anstalt eine Konkurrenz fiir benachbarte Universitaten und eine gefahr- 
liche Veranderung des Charakters der Universitaten befiirchteten, und Wider- 
stande endlich auch bei einzelnen Sonderlingen, die den groBen und gesunden 
Gedanken durch Verquickung mit, sei es allzu praktischen Niitzlichkeitsten- 
denzen, sei es allerlei Weltanschauimgstendenzen, gefahrdeten. Im Herbst 
igoi wurde die Akademie, im Oktober 1914 die Universitat eroffnet, A. per- 
sonlich gleichzeitig durch Verleihung des Titels eines »Wirkl. Geh. Rates « aus- 
gezeichnet, nachdem er zweimal die Ubernahme eines Ministerpostens abge- 
schlagen hatte. A. ware aber trotz all seiner Energie nicht zum Ziel gelangt, 
wenn es ihm nicht gelungen ware, einzelne reiche Manner und Frauen zu 
groBen Stiftungen und Schenkungen zu veranlassen, aus denen er die Mittel 
zum Bau des neuen Universitatshauses wie zur Dotierung von Instituten und 
Prof essuren entnahm . Seine Kunst, zu iiberzeugen und seinen Gedanken Freunde 
zu gewinnen, hat sich hierbei im hellsten Lichte gezeigt. Sie kam ebenso der 
Stadtischen Galerie zugute, die, als von ihm mit gleicher Liebe gehegte Schwe- 
ster, neben die Universitat trat. 

Die Eroffnung des Osthafens, von dem A. erhoffte, er werde einen Teil der 
Schiff ahrt aus den Rheinhafen nach PVankfurt ablenken und der Industrie eine 
willkommene Siedlungsstatte bereiten, war der letzte Erfolg seiner kommu- 
nalen Tatigkeit. Sie erfolgte kurz vor Ausbruch des Krieges. Und der Krieg hat 



Adickes 115 

die schnelle Erfiillung der Erwartungen, die A. darauf gesetzt hatte, bis heute 
gehindert. 

Wahrhaft staunenswert ist es, daB A. bei dieser Arbeitsfiille auch noch 
MuBe zu wissenschaftlicher Produktion fand. Freilich verstand er, sich die 
Details der Verwaltung fernzuhalten und die Durchfiihrung seiner Gedanken 
in ihren Einzelheiten seinen Mitarbeitern aufzuladen, die wohl manchmal unter 
dieser starken Inanspruchnahme ihrer Krafte seufzten. Eine Fiille einzelner 
Aufsatze von A. ist in Conrad-Elster-Lexis' »Handworterbuch« erschienen; 
von besonderen Schriften sind seinem ersten Buch in den Jahren 1906 und 1907 
die zur Justizreform gefolgt (Grundlinien durchgreifender Justizreform, 1906; 
Stellung und Tatigkeit des Richters, 1906; Zur Verstandigung iiber die Justiz- 
reform, 1907) . Sie erregten durch die Kiihnheit ihrer Entwiirf e und die glanzende 
Anwendung einer vergleichenden Methode Aufsehen und ftihrten, im Herren- 
hause von A. selbst verteidigt, zu einer lebhaften Diskussion im Kreise der 
Justizverwaltung, aber durchgreifenden Erfolg hatten sie nicht. In alien diesen 
Schriften spricht sich ein Grundzug von A.s Wesen aus, der ihn auch zum un- 
ersattlichen I,eser machte, namlich eine starke Neigung zum Gedankenbilden 
und zur Reflexion, ein wahrer Hunger nach Beschaftigung mit feinsten geistigen 
Fragen. Er hat einmal gesagt, ware er nicht Biirgermeister geworden, hatte 
er wohl mogen Professor der Geschichte sein. Und daB er das Zeug dazu hatte, 
haben gerade die Professoren der neuen Universitat, mit denen er so eng ver- 
bunden war, immer wieder voll Bewunderung bezeugt. Auch Fachleute auf 
entlegenen Gebieten waren oft iiberrascht, bei ihm einer genauen Kenntnis 
ihrer eigenen Probleme und selbstandigen Losungsversuchen zu begegnen. 
Er war ein echter Deutscher darin, daB es ihm einfach natiirliches Bediirfnis 
war, sein Handeln geistig zu begriinden. 

Was der letzte Grand seiner t)berzeugungen war und seinem Schaffen die 
innere Einheit gab, ist nicht schwer zu erkennen. Denn er selbst, ein Meister der 
zwar nicht pathetischen, aber eindringlichen Rede, hat oft genug Zeugnis ab- 
gelegt von der GroBmacht, die seine Denkart gepragt hatte : Goethe. Aber er 
verstand ihn von einer ganz besonderen Seite, als den Mann, der an den An- 
fang der Welt die Tat gestellt hat und der am Ende von sich sagen wollte: 
»Ich bin ein Mensch gewesen, und das heiBt ein Kampfer sein.« Ein Kampfer 
»in grenzenloser Uneigenniitzigkeit« fur das Hochste auf Erden, fur das Reich 
des Geistes. Dies Goethe-Ideal trugA.in die moderneWelt, deren Mittelpunkt 
die Grofistadte sind, die Welt der Industrie und des GroBhandels, der tiefsten 
wirtschaftlichen und sozialen Gegensatze, mit dem starken Willen, ihm, dem 
in kleinstadtischer Enge geborenen Ideal, alle Krafte der modernen Welt und 
der Nation dienstbar zu machen und es auf den machtigen Unterbau des neu- 
deutschen Wirtschaftslebens zu griinden. Eine neue Blute der Kunste und der 
Wissenschaften heraufzufiihren, das war ihm der Sinn des politischen und 
wirtschaftlichen Aufstiegs unseres Volkes, nicht etlichen wenigen Reichtiimer 
und Lebensgeniisse in den SchoB zu werfen. Seine stolze Freude iiber den Auf- 
schwung, den das Bismarcksche Zeitalter der Nation gebracht hatte, hatte 
hierin ihren ethischen Gehalt, und er wurde von diesem Standpunkt aus ein 
Erzieher des neudeutschen Biirgertums. 

Dabei wurde er unvermeidlich auch ein Kampfer. Das lag nicht in seinem 
Wesen, das ebenso wie seine Lebensfuhrung immer etwas vom Typus des Ge- 



n6 1915 

lehrten behielt. Sein Ziel war immer, zu iiberzeugen. Alles Hervorkehren von 
Cberordnung und Herrentum lag ihra fern. Er hiitete sich angstlich, nachdem 
die Universitat begriindet war, in die inneren Fragen ihres Betriebes hineinzu- 
reden und den Dozenten beengende Vorschriften zu machen. Aber er war auch 
kein Vermittler wie Miquel und nicht leicht dazu zu bringen, da8 er ein durch- 
dachtes Urteil aufgab und urn personlicher Riicksichten willen eine Sache 
preisgab. Das hat ihm bei vielen, die ihm nicht ganz nahe standen, den Ruf der 
Kiihle und einer Neigung zum Despotismus eingetragen, und es konnte nicht 
immer gelingen, Gegner, denen er eine Niederlage beigebracht hatte, nachher 
zu versohnen. Jedoch die groflte Mehrzahl der Frankfurter Burger stand zu 
ihm in einem Verhaltnis der Achtung und der Verehrung, und als er aus seinem 
Amte schied, noch mehr, als er starb, zeigte sich dies in der wundervollen 
Trauerfeier, die ihm die Stadt unter der Teilnahme des im Felde befindlichen 
Kaisers und der Spitzen der Staatsregierung und der Parlamente am 7. Fe- 
bruar 1915 im Romer bereitete. 

Frankfurt a. M. D. Erich Foerster. 

Brinckmann, Justus, Kunsthistoriker, * 23. Mai 1843 zu Hamburg, f 8. Fe- 
bruar 1915 daselbst. — B. wurde als der Sohn eines Rechtsanwalts am 23. Mai 
1843 zu Hamburg geboren. Seine Mutter, geb. Justus, zahlte zu einer sehr an- 
gesehenen Kaufmannsfamilie. Der Vater, ein vielseitig begabter und auch po- 
litisch tatiger Mann, verlieB 1846 seine Vaterstadt, umsich als Privatdozent in 
Heidelberg niederzulassen. Er gab dort die kritische »Zeitschrift fiir die ge- 
samte Rechtswissenschaft« heraus und begann die Verof fentlichung eines nach- 
mals von Endemann vollendeten Jahrbuches des Handelsrechts. Nach seinem 
Tode kehrte die Mutter 1855 nach Hamburg zuriick. Auf dem Johanneum, dem 
altangesehenen Hamburger Gymnasium, das B. nun besuchte, auBerte sich 
bald die Neigung des Knaben fiir die Naturwissenschaften, die nachmals auch 
sein Verhaltnis zur Kunst bedeutsam bestimmte. Angeleitet durch einen vor- 
trefflichen Lehrer, Dr. Mobius, entwickelte sich bei B. die Fahigkeit zu scharfer 
Beobachtung, deren Ergebnisse er in sorgsamen zeichnerischen Auf nahmen fest- 
zuhalten vermochte. Als sechzehnjahriger J tingling lieferte er die Illustrationen 
fiir das in Hamburg 1859 erschienene Werk von Mobius iiber die Seesterne. i860 
trat er, nachdem er das Gymnasium verlassen, in das Haus einer reichen Ham- 
burgerin, der Frau Cornelia Schliiter, als Lehrer ihres lungenkranken Sohnes 
ein. Diese Verbindung wurde von nachhaltiger Bedeutung fiir seinen ferneren 
Bildungsgang. Er begleitete in den nachsten Jahren Frau Schliiter mit ihrem 
Sohne auf Reisen nach Siidfrankreich, wo in Montpellier und Pau ein langerer 
Aufenthalt genommen wurde, dann nach der franzosischen Schweiz, wo man 
sich namentlich in Lausanne aufhielt. In Montpellier und Pau besuchte B. die 
Lyceen, in Lausanne die Universitat, iiber all verschiedene Facher der Natur- 
wissenschaften und der Mathematik studierend. In Lausanne bestand er im 
Herbst 1863 das Examen als bachelier ds sciences tnalhematiques. Der Winter 
1863/1864 wurde wieder in Montpellier verbracht, wo B.s junger Schiiler im 
Friihjahr starb. Er reiste mit der Mutter nach Hamburg zuriick, um sie im 
Herbst desselben Jahres auf einer neuen Reise nach Agypten zu begleiten. Hier 
wurde er zuerst auf eine eingehendere Betrachtung der Kunstdenkmaler ge- 
fuhrt, deren Ergebnisse er in Untersuchungen iiber die Naturmotive in der 



Adickes. Brinckmann 117 

agyptischen Kunst niederlegte. Zur Druckreife gediehen diese Studien nicht; 
nur fur einen Vortrag im Naturwissenschaftlichen Verein in Hamburg wurden 
sie verwertet. Im Friihjahr 1865 bezog B. die Universitat I^eipzig, um dort 
wahrend des Sommersemesters Naturwissenschaf ten und Jura zu studieren. Das 
nachste Semester sah ihn in Wien. Hier war 1864 unter Eitelberger v. Edelberg 
das osterreichische Museum fur Kunst und Industrie eroffnet worden. B. nahm 
an dem neuen Institut das lebhafteste Interesse, so dafl seine Studienjsich 
wahrend dieses Semesters ganzlich der Kunst, namentlich dem Kunstgewerbe, 
zuwendeten. Eitelbergers Person lichkeit gewann ihn ftir seine Aufgaben. Er ge- 
nofl seinen Unterricht und horte Vorlesungen bei Joh. Falke und Karl v. Liitzow. 
Fort an reifte in ihm der Vorsatz, nach dem Wiener Vorbild in seiner Vaterstadt 
ein Museum zu begriinden. Bereits am 28. Mai 1866 veroffentlichte er in dieser 
Absicht in den »Vaterstadtischen Blattern« der » Hamburger Nachrichten« einen 
werbenden Aufsatz. Da er indessen das Studium der Kunstgeschichte als wenig 
aussichtsreich ansah und auf den Erwerb bedacht sein mufite, nahm er zu- 
nachst mit neuem Eifer die unterbrochenen juristischen Studien wieder auf und 
erwarb nach weiteren drei Semestern in Berlin und Leipzig gegen Weihnachten 
1867 an letzterer Universitat den juristischen Doktorgrad. Er liefl sich nun in 
Hamburg als Rechtsanwalt nieder und vermahlte sich 1868 mit Ida v. Frosch- 
auer, der Tochter einer angesehenen Familie aus Welschtirol. 

1865 war inzwischen seine Mutter gestorben und 1869 verlor er durch den 
Tod der Frau Schluter die Beschiitzerin seiner Wanderjahre, die ihm eine 
zweite Mutter geworden war. Die juristische Praxis scheint ihn damals wenig 
beschaftigt zu haben. Vielmehr wandte er sich mit allem Eifer nunmehr dem 
Plan der hamburgischen Museumsgriindung zu und schrieb nebenbei Kunst- 
kritiken ftir den »Hamburgischen Correspondenten«. Wahrend der Vorberei- 
tungen zu seinem juristischen Examen hatte er eine kritische Ubersetzung von 
Benvenuto Cellinis Abhandlungen iiber die Goldschmiedekunst ftir den Druck 
beendet. In Hamburg fand er bald Anschlufi an die Gewerbekammer und be- 
griindete eine Kommission zur Beschaffung eines Gewerbemuseums, als deren 
Schriftfuhrer er 1869 einen Aufruf veroffentlichte. Gleichzeitig veranstaltete er 
in den oberen Salen der Borsenarkaden eine Ausstellung zeitgenossischer kunst- 
gewerblicher Erzeugnisse aus Hamburg, mit der er eine Leihausstellung v6n 
Altsachen aus Privatbesitz verband. Es gelang ihm, die Mittel ftir reichliche Er- 
werbungen aus dieser Abteilung auf zubringen und daraus den Grundstock ftir 
das geplante Museum zu bilden. Den nachsten Winter 1869/1870 verbrachte er 
mit seiner kleinen Familie in Venedig. Seine Kunststudien wurden nun vertieft, 
auch erwarb er in Venedig und den benachbarten Gebieten Oberitaliens fur die 
hamburgische Sammlung mancherlei Wertvolles an Mobeln und dekorativer 
Steinplastik der Renaissance. Um seiner Arbeit ein bestimmtes Ziel zu setzen, 
kopierte er in der Marcusbibliothek Filaretes Trattato deW architettura in der 
Absicht, ihn ahnlich wie den Traktat Cellinis zu veroffentlichen. Allein der 
Druck unterblieb. Nach Hamburg zuriickgekehrt, trat er als politischer Mit- 
arbeiter und Kritiker in die Redaktion des »Hamburgischen Correspondenten « 
ein und weilte als Berichterstatter 1871 in Frankreich, sogar wahrend der 
Kommune in Paris. 

Die Hamburger Sammlung wuchs indessen we iter, 1873 wurden auf der 
Wiener Weltausstellung wichtige Erwerbungen gemacht. 1874 konnte die 



n8 1915 

Sammlung in einem gemieteten (inzwischen abgebrochenen) Privathaus bei 
St. Annen eroffnet werden. Zugleich setzte er es durch, daB bei dem geplanten 
Neubau eines groBen Schulgebaudes am Steinthor zugleich auf die Bediirf nisse 
des Gewerbemuseums Rticksicht genommen wurde. — B. selber wirkte bei der 
Gestaltung des Bauplans mit und 1877 sah er das Ziel seiner Wunsche erreicht, 
als das im Neubau aufgestellte Museum vom Staate tibernommen und er selber 
zum Direktor ernannt wurde. Der Name der Sammlung, Museum fur Kunst 
und Gewerbe, wurde nach dem Wiener Vorbild gewahlt. 

Im Sinne der Zeit, d. h. im Sinne Gottfried Sempers und Eitelbergers, 
walteten bei der Bildung der neuen Sammlung zunachst technologisch-histo- 
rische Gesichtspunkte. Man war der Meinung, durch die Schaustellung histo- 
rischer Vorbilder nicht nur vergessene oder miBachtete kunstgewerbliche Tech- 
niken zu neuem Leben erwecken zu konnen (was tatsachlich geschah) , sondern 
auch heilsam zu wirken durch die Ermahnung zur Nachbildung der alten 
Formen. Durch den Ubereifer, mit dem dieser Wink beherzigt und die Gewerbe- 
museen als Mustersammlungen ausgebeutet wurden, muBte man allerdings bald 
eines Besseren belehrt werden. B. war einer der ersten, die das verhangnisvolle 
MiBverstandnis einsahen und in der Einleitung zu seinem Fiihrer durch das 
Hamburger Museum es aussprach, daB die Gewerbemuseen vielmehr im allge- 
meinen Sinne als Schulen des Geschmackes wirken sollten — den Sinn fur 
Technik und Formen belebend und dazu ermahnend, das historische Erzeugnis 
als einen relativen Wert im Rahmen seiner Zeit zu verstehen. In diesem Sinne 
forderte er eine viel mehr nach kulturhistorischem als nach technologischem 
Gesichtspunkten geordnete Aufstellung der Museen. Er selber freilich gelangte 
nicht dazu, die von ihm verwalteten Sammlungen demzufolge einzurichten. Die 
Anordnung der Museumsobjekte beschaftigte ihn iiberhaupt weniger als das 
Sammeln. Er war geborener Sammler und auf naturwissenschaftlicher Grund- 
lage geschulter, hervorragender Kenner. Als solcher war er keineswegs spezia- 
lisiert, vielmehr mit gleicher Kompetenz auf alien Gebieten seines Museums 
beschlagen. Seine Anspriiche an Erhaltung und Qualitat des Objektes waren 
so hoch, daB seine Anstalt in dieser Hinsicht allgemein als vorbildlich angesehen 
wurde. Dabei wohnte ihr ein ganz personlicher Charakter bei, denn B. sammelte 
keineswegs nach einem vorgefaBten Normalschema, sondern durch sein per- 
sonliches Erlebnis geleitet, einzelne Gebiete stark bevorzugend, andere wenig 
beachtend. — So wurden zu hervorragenden Spezialsammlungen ausgebildet die 
Abteilungen der Keramik, derTextilien (namentlich Spitzen) , der japanischen 
Kunst und des heimischen Kunstgewerbes, insonderheit auch der Bauernkunst 
des hamburgischen Gebietes. Der Erwerbung zeitgenossischer Erzeugnisse 
wendete sich B. erst dann zu, als nach Uberwindung der historisierenden Nach- 
ahmungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts wieder eigene neue Formen her- 
vorgebracht wurden. Einen groBen Ankauf moderner angewandter Kunst be- 
wirkte B. auf der Pariser Weltausstellung igoo. — 

Die Sicherheit seines Urteils, namentlich in Fragen der Kennerschaft, schuf 
ihm eine sehr angesehene Stellung auf dem Gebiet des europaischen Museums- 
wesens. Bereits 1873 war er fiir die Wiener Weltausstellung zum Preisrichter 
fur Holzindustrie erwahlt worden. — Ein groBes Verdienst erwarb er sich durch 
die 1898 erfolgte Griindung des internationalen Museumsverbandes zur Abwehr 
von Falschungen, dessen Geschafte er bis zu seinem Tode leitete. 



Brinckmann. Brunner Iig 

Seinem Museum widmete er mit leidenschaftlicher Hingabe und unter den 
grofiten personlichen Opfern seine ganze Kraft, so dafi er sich auf Forschungen 
unabhangig von seinem amtlichen Wirkungskreis nicht einlieB. Dafiir gestaltete 
er den 1894 zur Feier der 25. Wiederkehr des Griindungsdatums seiner Anstalt 
veroffentlichten Fiihrer zu einem auBerst wertvollen Handbuch der Geschichte 
des Kunstgewerbes. Musterhaft sind insbesondere auch die unter seiner Kon- 
trolle von seinem Assistenten W. Weimar gezeichneten Abbildungen der 
Sammlungsobjekte. 

AnlaB zu einer feierlichen Ehrung brachte ihm das 25jahrige Jubilaum seines 
Museums als Staatsinstitut 1902. Kollegen und Mitarbeiter widmeten ihm ein 
Buch gesammelter Studien iiber sein Museum (s. »Hamburgisches Museum fur 
Kunst und Gewerbe*, Hamburg 1902). Im ganzen genommen war B. — darin 
seinem jiingeren hamburgischen Kollegen Lichtwark vergleichbar — eine durch- 
aus unziinftige genialische Fiihrernatur auf seinem Gebiete. 

Literatur: Schriften B.s: Zusammen mit Paul Gervais: Notice sur la caverne a ossc- 
ments de Bize (Memoires de Vacadimie de Montpellier 1864). — Abhandlungen iiber die 
Goldschmiedekunst und die Skulptur von Benvenuto Cellini, iibersetzt, Leipzig 1867. — Be- 
richt iiber die Holzindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873 (Amtl. Bericht, Abt. II, 
Bd. III.). — Festschrift zur Eroffnung des neuen Museumsgebaudes, Hamburg 1877. — 
Kunst und Handwerk in Japan, 2 Bde., 1 889/1895. — Aufsatze in Bings japan. Formen- 
schatz. — Fiihrer durch das Museum fiir Kunst und Gewerbe, Hamburg 1894. — Jahres- 
berichte des Mus. f. Kunst u. Gewerbe. — t)ber B.: » Das Kunstgewerbe • V (1895), Heft 
7/8 (B.-Nummer). — A. Lichtwark, B.s Leben, 1902. (In dem Sammelwerk iiber das 
Museum, s. oben, wieder abgedruckt im »Deutschen der Zukunftt, Berlin 1905.) — Ham- 
burgisches Museum fiir Kunst und Gewerbe 1902. Festsitzung, Hamburg 1902. — Trauer- 
feier fiir J. B., Hamburg 191 5. (Letztere beiden nicht im Buchhandel.) 

Hamburg. G. Pauli. 

Brunner, Heinrich, o. Professor der Rechte an der Universitat Berlin, * in Wels 
in Oberosterreich am 21. Juni 1840, fin Berlin am 11. August 1915. — Heinrich 
B. f einer der hervorragendsten Rechtshistoriker aller Zeiten, wuchs in Linz, wo 
sein Vater k. k. Statthaltereirat war, als zweiter Sohn unter zehn Geschwistern 
auf und konnte nach dem friihen Tode seines Vaters nur mit Hilfe von Stipen- 
dien seine Gymnasialstudien beendigen und 1858 die Universitat Wien beziehen, 
wo er die Rechte und Geschichte unter L. Arndts, Siegel, J. Glaser, J. Unger, 
L. Stein, A. Jager, J. A. Tomaschek und besonders Th. Sickel studierte. Seit 
i860 arbeitete er auch im damals neubegriindeten Institut fiir osterreichische 
Geschichtsforschung und erwarb namentlich unter Sickels EinfluQ eine reiche 
historisch-rechtswissenschaftliche Ausbildung. Am 8. April 1864 wurde er zu 
Wien zum Doktor der Rechte promoviert. Ein Reisestipendium ermoglichte ihm 
im AnschluB daran noch einen Studienaufenthalt in Gottingen, wo er sich 
G. Waitz anschloB, und sodann in Berlin, wo er Homeyer naher trat. 1864 er- 
schien in den Wiener Sitzungsberichten seine erste, aus dem Institut hervor- 
gegangene Arbeit iiber das Exemtionsrecht der Babenberger. Am 5. August 1864 
habilitierte er sich an der Wiener Juristenfakultat, er wurde aber noch in dem- 
selben Jahre als Supplent an die Universitat Lemberg berufen, wo er 1866 
a. o., 1868 o. Professor wurde. Am 1. Oktober 1870 zoger in die Prager Universitat 
und wandte sich Ostern 1872 an die neugegriindete Universitat in Strafiburg; 
schon zu Ostern 1873 aber wurde er als Nachfolger Homey ers mit 32 Jahren an 
die Universitat Berlin berufen. Hier hat er iiber 42 Jahre, 85 Semester, gewirkt ; 



120 J 9i5 

sein letztes Semester, dasSommersemester 1915, war sein 100. Dozentensemester. 
Er muBte wenige Wochen vor SemesterschluB die Vorlesungen aufgeben und 
starb nach ganz kurzem Krankenlajger am 11, August 1915 in Kissingen. B. 
hat an der Berliner Universitat in diesen 42 Jahren eine grofiartige Dozenten- 
tatigkeit entwickelt, und zwar hat er in der Hauptsache die Vorlesungen iiber 
Deutsche Rechtsgeschichte, Deutsches Privatrecht und Handelsrecht und da- 
neben deutschrechtliches Seminar gehalten. Die schlicht-knappe Form seiner 
Vorlesungen, die ein genaues Mitschreiben ermoglichte, war vielen Studenten 
sehr lieb, und er hat namentlich in seinen jiingeren Jahren auch die Masse zu 
begeistern verstanden ; fur die Hervorragenderen aber war sein Seminar eine 
Statte der wissenschaftlichen Fortbildung von hoher Bedeutung, und es sind 
zahlreiche angesehene Germanisten Deutschlands und des Auslands aus ihm 
hervorgegangen. So hat B. gemeinsam mit O. Gierke die Disziplin der deutschen 
Rechtsgeschichte durch Dezennien im personalen Aufbau wie in der wissen- 
schaftlichen Richtung entscheidend beeinfluBt, zumal er nicht selten auch 
bereits ausgebildete junge Manner, sei es in seinem Seminar, sei es im person - 
lichen Verkehr, zu sich heranzog und ihnen zumL,ehrer wurde. B. war seit 1887 
Mitglied der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae, auf deren Abteilung 
Leges er gemeinsam mit Karl Zeumer entscheidenden EinfluB iibte ; er war seit 
1884 Mitglied der preuBischen Akademie der Wissenschaften und nahm regean 
deren Arbeiten teil; er rief das Unternehmen des Worterbuchs der deutschen 
Rechtssprache insLeben, dessen Leitung spater in R. Schroders Handen lag, an 
dem er aber dauernd behilflich blieb; er war Mitglied der Deputation des 
Deutschen Juristentages, spater ihr Vorsitzender und leitete als solcher die 
Juristentage in Berlin 1902, Innsbruck 1904, Karlsruhe 1908, Danzig 1910, Wien 
1912; er war 1897/98 Rektor der Universitat Berlin, mehrmals Dekan und auch 
sonst in akademischenAmtern tatig; er war seit 1912 Kronsyndikus und Mit- 
glied des preuBischen Herrenhauses ; unterhielt zahlreiche f reundschaftliche Be- 
ziehungen zu deutschen und auslandischen Gelehrten; beteiligte sich an den 
Bestrebungen zum Schutze des Deutschtums im Auslande und an den Fragen 
der Polenpolitik, obwohl er, der rechten nationalliberalen Richtung mit starken 
konservativ-agrarischen Neigungen angehorig, sonst politisch nicht hervor- 
getreten ist. Friih in die Berliner Stellung gelangt und stets nur mafivoll mit 
Vorlesungen belastet, hat B.diese umf assende Tatigkeit mit seiner Forschung 
zu verbinden gewuBt und so im Mittelpunkt der germanistisch-rechtshisto- 
rischen Forschung nicht nur Deutschlands, sondern der gesamten Kulturwelt 
gestanden. 

B.s rechtsgeschichtliche Arbeit ist besonders der germanischen Friihzeit und 
der sog. frankischen Periode gewidmet. Diese Zeit hat er quellenmafiig durch- 
forscht und wie wenige, vielleicht wie kein anderer Gelehrter beherrscht. Die 
Zusammenhange des germanischen Rechts mit dem Recht des ausgehenden 
romischen Reichs, mit dessen Kaisergesetzgebung wie mit dem von B. zu- 
erst in seinem Wesen erkannten sog. Vulgarrecht der romischen Provinz hat 
er besonders gepflegt und meisterhaft beherrscht. Tief eindringende Arbeit hat 
er der Fortwirkung des alteren germanischen Rechts im italienischen, nor- 
mannisch-englischen, niederlandischen Recht gewidmet und von da aus wert- 
vollste Schliisse nach riickwarts hin gezogen. Die Kenntnis des gesamten 
Kulturkreises jener alten Zeit befahigte ihn zu strenger und sicherer Erkenntnis 



Brunncr 121 

ihrer Rechtsbildungen, aiif die sich seine Arbeiten mit fester Abgrenzung be- 
schrankten. B.s Arbeit ist in einer sehr grofien Zahl von Einzelforschungen vor 
sich gegangen, er setzte bohrend an einem einzelnen Punkte an und gewann von 
da aus den tieferen Einblick in die Zusammenhange. So kam jede dieser miihe- 
vollen Arbeitsleistungen, in denen er mit unendlicher Sorgf alt, mit feinster Wer- 
tung aller Quellennachrichten vorging, der allgemeinen Erkenntnis des Rechts- 
zustandeszugute, wie denn von seiner frankischen Forschungsarbeit die Erkennt- 
nis auch wieder weiter iiber die Rechtsentwicklung des spateren Mittelalters 
bis in die neueste Zeit hin ausstrahlte. B. hat dabei von Jugend an mit seiner 
historischen Arbeit, zu der er methodisch besonders durch Sickel geschult war, 
scharfste juristische Begriffsbildung verbunden, er ist auch bei der Betrachtung 
dieser alten Rechtszustande stets Jurist und verdankt dieser juristischen Fahig- 
keit eine besondere Uberlegenheit gegeniiber dem reinen Historiker. Damit war 
nicht nur fur ihn eine eigenartige Technik gegeben, sondern er hat damit die 
Rechtsgeschichte als w T ichtiges selbstandiges Glied im Kreise der historischen 
Wissenschaften gesichert und zugleich dargetan, daB eine reiche Fiille juristi- 
scher Gedanken aus der ohne unmittelbare praktische Absicht unternommenen 
reinwissenschaftlichen Erfassung des alten Rechts zu gewinnen ist. B.s Einzel- 
forschungen richteten sich dementsprechend nicht nur vorwiegend auf ver- 
fassungsrechtliche Fragen, wie sie besonders dem politischen Historiker nahe- 
zuliegen pflegen, sondern er wendete sich neben standerechtlichen Fragen vor 
allem dem Prozeflrecht, dem Strafrecht und dem Privatrecht, und hier wieder 
der Wertpapierlehre, dem Familien- und Erbrecht zu, nicht ohne daB dabei 
alle anderen Gebiete beriihrt und insbesondere fur die Verfassungsgeschichte 
wichtigste Ergebnisse gewonnen wurden. Auf dieser Grundlage gelang ihm 
dann die Gesamtdarstellung in dem Monumentalwerk seiner Deutschen Rechts- 
geschichte. 

B. hatte schon in seiner Habilitationsschrift iiber den Zeugen- und Inqui- 
sitionsbeweis (1865, Wiener S.-B.) das Gebiet des Prozeflrechts betreten und ver- 
folgte das weiter in seinen Arbeiten iiber Wert und Form im altfranzosischen 
Prozefi (1867), iiber die Zulassigkeit der Anwaltschaft (1878, Z. f . vgl. Rechtsw.) 
und iiber das Gerichtszeugnis (1873, Festgabe fur Heffter), den Hohepunkt 
dieser Forschungen aber erreichte er mit seinem wundervollen Buche iiber die 
Geschichte der Schwurgerichte (1872) , das ihn friih beriihmt machte, und in dem 
er den frankischen Ursprung des normannisch-englischen Schwurgerichts mit 
subtilster Quellenforschung deutet und damit zugleich fiir die Gebiete des 
deutschen wie des franzosischen und anglo-amerikanischen Rechts eine viel- 
erorterte Frage endgiiltig loste. Bald darauf setzten seine Arbeiten iiber das 
Urkundenwesen und die Wertpapiere ein, zu dem er durch seine Wiener diplo- 
matischen Studien besonders berufen war und durch die er die Urkunde als 
Erkenntnismittel fiir die feineren Fragen der Rechtsgeschichte eigentlich erst 
in dieWissenschaftvolleingefuhrt hat. Imjahre 1877 und 1878 erschienen seine 
Beitrage zur Geschichte und Dogmatik der Wertpapiere in der Zeitschrift fiir 
Handelsrecht (Briigger Schoffenspriiche zum Wechselrecht, die frankisch- 
romanische Urkunde und Zur Geschichte des Inhaberpapiers in Deutschland, 
Bd. 22 und 23), nachdem er vorher in der Festgabe fiir Mommsen (1877) 
den Unterschied von Carta und notitia klargestellt hatte; 1879 folgte als Fest- 
gabe fiir Thol die Arbeit iiber die franzosischen Inhaberpapiere, und das alles 



122 1915 

wurde wieder gekront durch ein groBeres Buch: Zur Rechtsgeschichte der 
romischen und germanischen Urkunde 1880. Daran schloB sich die einzige 
groBere dogmatische Arbeit, die wir B. verdanken, die Darstellung der Lehre 
von den Wertpapieren in Endemanns Handbuch des Handelsrechts (1882), 
die fiir die Erkenntnis des modernen Wertpapierrechts epochemachend wurde 
und zugleich die entscheidende Bedeutung rechtshistorischer Erkenntnis fiir 
die Berechtigung des geltenden Rechts unwiderleglich bewies. B.s Urkunden- 
arbeiten, die durch viele Darlegungen in seinen sonstigen Arbeiten erganzt 
wurden, haben Diplomatik wie Rechtsgeschichte aufs hochste bereichert. 
Inzwischen hatte B. auf Bindings Anregung die Darstellung der deutschen 
Rechtsgeschichte fiir Bindings Handbuch ubernommen und seine Einzel- 
studien entstehen seither im Zusammenhang mit diesem groBen Werke. Es 
kommt da zunachst eine Reihe von Forschungen verfassungs- und standege- 
schichtlichen Inhalts in Betracht, die in gewissem Sinne schon mit seinem 
Exemtionsrecht der Babenberger (1865) beginnen und sich dann iiber die 
Landschenkungen der Merowinger und Agilolfinger (1885, Berl. S.-B.) fort- 
spinnen zu den Arbeiten iiber Mithio et sperantes (1885, Festschrift fiir Beseler), 
Freilassung durch Schatzwurf (1886, Sav.-Z.), Reiterdienst und Lehnswesen 
(1887, Sav.-Z.), Herkunft der Schoffen (1887, Sav.-Z.), Geschichte des Gefolgs- 
wesens (1888, Sav.-Z.), iiber den Leihezwang in der deutschen Agrargeschichte 
(Rektoratsrede 1897), iiber den Satz »die Luft tnacht frei« (1910, Gierke-Fest- 
gabe), so wie zu den mehr polemischen Schriften iiber nobiles und Gemeinfreie 
(1898, Sav.-Z.) und iiber standerechtliche Probleme (1902, Sav.-Z.). B. hat 
in diesen Arbeiten vor allem die Entstehung des Lehnswesens aufgehellt und 
das entscheidende Wort in der Kontroverse Roth-Waitz gesprochen, namentlich 
die Herkunft der Vasallitat aus der germanischen Gefolgschaft sichergestellt, 
wiederum eine GroBtat fiir die Erkenntnis der europaischen Rechtsentwick- 
lung. Er hat auch sonst die standerechtlichen Verhaltnisse der frankischen 
Periode geklart und seine Meinung gegen die im groBen Stil unternommenen An- 
griffe namentlich Ph. Hecks verteidigt. Im Zusammenhang mit dieser Gruppe 
seiner Arbeiten sind die eigentlich quellengeschichtlichen Schriften zu nennen, 
wobei freilich daran zu erinnern ist, dafl jede seiner Arbeiten zugleich muster- 
haf te quellenkritische Untersuchungen bietet ; es gehoren hierher die Schriften 
iiber das Alter der Lex Alamanorum (1885, Berl. S.-B.), iiber ein verschollenes 
merowingisches Konigsgesetz (1901, Berl. S.-B.), iiber das Alter der Lex Salica 
(1908, Berl. S.-B.) und seine Darstellung der franzosischen, englischen und nor- 
mannischen Quellengeschichte, die zuerst in Holtzendorffs Enzyklopadie (zu- 
letzt 1890 5 ) erschien und aus der die englisch-normannische Quellengeschichte 
dann in den Select Essays in Anglo- American Legal History (1908) und alsbald 
(1909) auch in deutscher Sonderausgabe erweitert herauskam. Die Arbeit am 
Handbuch fiihrt ihn dann weiterhin zu einer Reihe grundlegender strafrecht- 
licher Arbeiten, die namentlich mit Riicksicht auf die Wergeldf ragen zumTeil 
in engem Zusammenhange mit dem standerechtlichen Problem standen; 1882 
erschien der Aufsatz iiber Sippe undWergeld (Sav.-Z.), 1889 die Arbeit iiber 
das Duodezimal- und Dezimalsystem (Berl. S.-B.), 1890 iiber absichtslose 
Missetat (Berl. S.-B.), ebenf alls 1890 die grundlegende Arbeit iiber Abspaltungen 
der Friedlosigkeit (Sav.-Z.), 1905 seine Beantwortung der Fragen Theodor 
Mommsens iiber das alteste Strafrecht der Kulturvolker (herausgegeben von 



Brunner 123 

Binding), in demselben Jahr die Abhandlung iiber die Strafe des Pfahlens 
{Sav.-Z.) . Daneben lauft schlieBlich eine Kette von Schriften iiber dieGeschichte 
des Privatrechts, die zum groBten Teil bestimmt waren, den dritten Band der 
deutschen Rechtsgeschichte vorzubereiten und die unsere Erkenntnis der ger- 
manischen Privatrechtsgeschichte in hohem MaBe bereichert haben; schon 
1869 hatte er in der Schrift iiber das anglo-normannische Erbfolgesystem die 
Parentalenordnung als germanisches Erbfolgeprinzip erhartet, 1894 beginnt 
mit der Arbeit iiber die frankisch-romanische dos (Berl. S.-B.) eine Gruppe von 
familienrechtlichen Darlegungen, denen schon B.sbekannte Rezension iiber die 
EheschlieBungsfrage (JenaerLit.-Z. 1876^439) vorangegangen war,erhandelte 

1894 iiber das droit de retour (in den Forschungen zur Geschichte des deutschen 
und franzosischen Rechts, in denen er eine Reihe friiherer Abhandlungen 
zusammenfaBte), im gleichen Jahr iiber den salfrankischen reipus (Berl. S.-B.), 

1895 iiber die eherechtliche Bedeutung der Geburt eines lebenden Kindes 
(Sav.-Z.), 1896 iiber uneheliche Vaterschaf t (Sav.-Z.), 1900 erschienein Beitrag 
zum germanischen Weibererbrecht (Sav.-Z.) ; daneben traten aber erbrechtliche 
Fragen immer mehr in den Vordergrund, die vielfach in die allgemeinen Pro- 
bleme des Totenrechts iibergehen; 1897 erschien die bahnbrechende Arbeit 
iiber den Totenteil in den germanischen Rechten (Sav.-Z.), 1900 in der Dern- 
burg-Festschrift der Beitrag zur Geschichte des germanischen Wartrechts, im 
gleichen Jahr die Erorterung iiber die Klage mit dem toten Mann (Sav.-Z.), 
191 1 besprach er die Sterbefallsabgabe als Beitrag zur Geschichte der altesten 
deutschen Erbschaftssteuer, und schon 1907 hatte er in einem glanzenden 
Vortrage vor dem Kaiser die Ergebnisse seiner Forschungen iiber das rechtliche 
Fortleben der Toten zusammengefaBt (» Deutsche Rundschau «). 

Im Jahre 1887 erschien der erste Band von B.s Deutscher Rechtsgeschichte, 
die germanische Zeit und die Quellenlehre der frankischen Zeit umfassend, 
1892 folgte der zweite Band, der die Verfassung, die Verwaltung, den Prozefl 
und das Straf recht der frankischen Zeit darstellte ; der erste Band ist 1906 
in zweiter Auflage stark vermehrt und umgestaltet erschienen, fiir den 
zweiten Band bereitete B., die zweite Auflage vor und hatte, als er starb, 
eine Anzahl Bogen fertiggestellt, die Herausgabe und Vollendung hat Claudius 
Freiherr v. Schwerin iibernommen. Der dritte Band sollte das f rankische Privat- 
recht bringen, fiir ihn liegen nur die gedruckten, bereits aufgezahlten privat- 
rechtlichen Einzelstudien vor. B. hatte urspriinglich selbst gemeint, daB es 
sich bei dem Werke in der Hauptsache darum handeln sollte, die seit Eichhorn 
angewachsenen Arbeiten zu verwerten, zu sichten und zu erganzen. Aber es 
konnte bei seiner wissenschaftlichen Forschernatur nicht anders sein, als daB 
ihm unter der Hand etwas ganz anderes erwuchs: eine auf eingehendstem 
eigenen Quellenstudium aufgebaute Darstellung der germanischen und fran- 
kischen Zeit. Nicht etwa sind nur die erwahnten Einzelarbeiten erganzend 
dem seit Eichhorn angewachsenen Material hinzugefiigt worden. Sondern iiber- 
all hat B. die von ihm vorgetragenen Satze auf Grund des weitschichtigen 
Quellenmaterials neu dargestellt, eines Quellenmaterials, das er in denEinzel- 
untersuchungen an wichtigen Stellen angebohrt, kritisch gepriift und von den 
Einzelfragen aus scharf beleuchtet hatte, so daB ihm die Verarbeitung der 
iibrigen Partien ermoglicht und erleichtert war. B.s ungeheure, sichere Quel- 
lenkenntnis erhob sich in der ersten Auflage der Rechtsgeschichte, bei seinen 



124 IQI5 

daran anschlieBenden vielen Einzelarbeiten und schlieBlich besonders in der 
zweiten Auflage zu staunenerweckender Hohe, zugleich mit der Fahigkeit, 
durch scharfsinnige, umsichtige und zugleich schwungvolle Deduktion dem 
sproden Stoff immer neue Ergebnisse abzuzwingen, immer neue rechtliche 
Erscheinungen zu entdecken. Wie vorher schon die Entstehung der Schwur- 
gerichte aus der f rankischen Inquisitio, die Umgestaltung des Urkundenwesens 
durch das germanische Recht, die Entstehung des Lehnswesens helleuchtende 
Funde waren, so haufte sich jetzt eine Entdeckung auf die andere; es bedarf 
nur des Hinweises auf die vollendete Darstellung der Strafrechtsgeschichte der 
frankischen Zeit mit ihren vielen feinen Einzelbeobachtungen, z. B. iiber die 
BuBsatze, ferner auf die Darstellung des ProzeBrechts und vor allem auf die 
Quellenlehre und iiberhaupt auf die Quellenbehandlung, in der B. mit 
hochster Intuition und doch sicherer Beweisfiihrung die Durchwebung des 
germanischen Rechts mit den Resten des romischen Rechts, namentlich des 
Vulgarrechts, ferner den Gegensatz von Konigsrecht und Volksrecht, die von 
ihm etwas iiberschatzten Zusammenhange der Leges untereinander etc. in 
Tausenden von Einzelfragen immer wieder erprobt und erhartet. B.s Er- 
gebnisse — seiner Deutschen Rechtsgeschichte wie seiner Abhandlungen — 
stehen infolge seiner Art des vorsichtigen, rastlosen und scharfsichtigen Durch- 
denkens aller irgendwie erreichbaren Quellenzeugnisse auflerordentlich fest. 
Nur in einzelnen Punkten, wie in der Standelehre, in einzelnen Fragen der 
Wertpapierlehre, einigen Ergebnissen der Ouellenkritik sind sie angefochten ; 
im ganzen hatB. die rechtsgeschichtliche Forschung iiber die frankische Zeit 
zu einem groBartigen AbschhiB gebracht — gestiitzt auf sorgsamste Verwertung 
der iiber ein Jahrhundert lang bereits betriebenen rechtshistorischen Forschimg 
und auf die eigene, von Jahr zu Jahr sich ausdehnende, uberragende Quellen- 
kenntnis. Aber wenn auch dieser AbschluB, dem Wesen wissenschaftlicher 
Forschung nach, schlieBlich doch nur ein vorlaufiger sein kann, wenn auch 
gewiB manche Ergebnisse mit der Zeit fallen werden, so sehr B. selbst 
namentlich in der letzten Periode seines Lebens gegen jeden Eingriff in den 
feingliedrigen Riesenbau sich straubte: B. hat doch ein Fundament errichtet, 
auf das die Forschung iiber das spatere Mittelalter und die Neuzeit vorlaufig 
einmal mit einer gewissen Unbesorgtheit sich stiitzen kann und stiitzt — 
und zwar auch in Frankreich, Italien, Spanien, in den nordischen Landern, 
England und Amerika und w t o sonst Rechtsgeschichte getrieben wird ; er hat 
vor allem eine mustergiiltigeMethodegeschaffen, welche wenigstens fur die von 
ihm behandelten Perioden nicht iibertroffen werden kann. In dieser — nicht 
gepredigten,sondern durch rastlose Betatigung vorgelebten — Methode, die in 
einem meisterhaft klaren Stil und Aufbau zu einer klassischen kunstlerischen 
Form der Darstellung sich verdichtete, liegt die eigentliche epochemachende 
Bedeutung B.s. Zugleich hat B. — ohne dies eigentlich zu beabsichtigen — in 
seiner Hereinziehung der verwandten Rechte die Methode einer wissenschaft- 
lichen Rechtsvergleichung, die immer nur auf der Ergriindung der innersten 
historischen Zusammenhange der Rechte beruhen kann, ausgebaut und damit 
in hochstem MaBe volkerverbindend gewirkt. 

DaB der dritte Band der Deutschen Rechtsgeschichte nicht zustande ge- 
kommen ist, ist zwar tief zu beklagen, andert aber an dem groBen Gesamter- 
gebnis der B.schen Arbeit nur wenig; es ist auch fraglich, ob sich das 



Brunner 



125 



Privatrecbt der frankischen Zeit, bei dem man in viel hoherem MaBe als bei 
den anderen Materien auf Riickschliisse aus den spateren Quellen angewiesen 
ist, fur die frankische Periode so wie die iibrigen Teile hatten isoliert darstellen 
lassen. Die urspriinglich geplante Durchfiihrung der Darstellung bis in die 
neuere Zeit hinein ware in der von B. schlieBlich gewahlten Form selbst- 
verstandlich unmoglich gewesen. Als Ersatz fur alles dies hat B. tins seine 
Grundziige der deutschen Rechtsgeschichte geschenkt, die zunachst fiinfmal 
in Holtzendorffs Enzyklopadie erschienen waren und die seit 1901 als selbstan- 
diger Band vorliegen (die 6. Auflage 1913 noch von B. bearbeitet, die 7. von 
mir 1919 besorgt). In diesen Grundziigen hat B. meisterhaft knapp die gesamte 
deutsche Rechtsentwicklung zusammengefaBt, in sorgfaltig ausgefeilten, oft 
fast lakonischen Satzen, die in ihrem Inhalt mit hochster tJberlegung inein- 
andergreifen, nur Resultate gebend, begleitet von vorsichtig abgewogenen 
Liter aturangaben, ein Buch fur den reifen Studenten ebenso wie fur den 
erfahrenen Forscher, fur den Juristen wie fur den Historiker, getragen von 
edler Begeisterung fiir den deutschen Staat und das deutsche Recht, die 
letzten Endes B.s grofien EinfluB auf weite Kreise erklart und zu einem 
Segen machte. 

B. war eine stille Gelehrtennatur, allem aufieren Schein abhold, kein 
Freund grofier Geselligkeit, aber gern in engerem Verkehr mit alteren und 
jiingeren Fach- und Gesinnungsgenossen. Er war ein hingebender Familien- 
vater, der an der Seite seiner Gattin, Anna v. Tiedemann, die ihm 1912 im 
Tode vorausgegangen ist, mit inniger Iyiebe seine fiinf Sohne erzog. Bande der 
Freundschaft verkniipften ihn mit einer grofien Zahl deutscher und auslandi- 
scher Gelehrten, weit reichte sein Einflufi, den er in sachlicher Weise zu ge- 
brauchen pflegte. Er war vollkommener Preufie und Norddeutscher geworden 
und gab dem gelegentlich Ausdruck, so in einer schonen Rede im Berliner Rat- 
haus beim deutschen Juristentage 1902; er hing an Preufien und den Hohen- 
zollern um Deutschlands willen. Aber er hat dabei die Liebe zu seiner oster- 
reichischen Heimat treu bewahrt, blieb mit den osterreichischen Landsleuten 
in enger Verbindung und forderte gernjiingere tiichtige Deutsch-Osterreicher, 
wohl bisweilen in Erinnertmg an seine eigene schwere Jugend. Die groBe Leben- 
digkeit und Zahigkeit seines Geistes hat ihn iiber die Folgen der ungewohnlichen 
Arbeitsleistungen seiner Jugend und mancher schwierigenZeiten seines spateren 
Lebens hinweggeholf en ; in spateren Jahren war die feinfiihlige Gelehrtennatur 
bisweilen etwas perplex gegen Widerspruch geworden, auch wohl nicht immer 
leicht imstande, Sympathien oder Antipathien zuriickzudrangen. Erst in den 
siebziger Jahren seines Lebens aber liefl die korperliche Widerstandsfahigkeit 
allmahlich nach, obwohl er in den Ferien immer noch riistig wanderte; die 
geistige Spannkraft hielt bis zum Ende vor. Mit hochster Freude verfolgte er 
noch den Durchbruch des deutschen Heeres bei Gorlice und seine militarischen 
Folgeerscheinungen, freilich wurde er dabei die Sorge nicht los, daB ein oster- 
reichischer Kaiser als Bundesgenosse versagen konne. B. war im Verkehr 
liebenswurdig und giitig, bisweilen etwas wortkarg, dann aber im rechten 
Augenblick den ihm Nahestehenden herzlich geof f net ; dankbar gedenke ich 
mancher Stunde, in der er mir, dem Jiingeren, in knappen, scharfgeschliffenen 
Worten seine reiche Erfahrung darbot, und wie mir sind vielen von uns die 
Jahre engen Zusammenlebens mit ihm eine Quelle unvergefllicher Forderung 



126 1915 

gewesen, wobei schwer zu sagen ist, ob man von dem Menschen oder dem Ge- 
lehrten mehr gewann. So schlicht B. im Privatleben anftrat, war er doch, 
wenn es gait, eine representative Personlichkeit von seltener Wurde und Ge- 
schlossenheit, ein Redner von groBartigem, niemals hohlem Schwunge und 
kunstvoller Behandlung der Sprache, ein Mann, um dessen hohe, fein gebaute 
Gestalt unsichtbar der Purpur wallte. B. vereinigte in sich die Treffsicher- 
heit Eichhorns mit Jakob Grimms gemiitvoller Erfassung des alten Rechts und, 
wie die Personlichkeit stets der letzte Schliissel des Werkes ist, so wehte ein 
Hauch dieses Geistes iiber allem, was er sprach und tat. An der Seite seines 
groCen Fachgenossen Otto v. Gierke, umgeben von den Heroen der Geistes- 
wissenschaft aus jener groBen Zeit der Berliner Universitat, hat H. B. Grund- 
lagen fiir unser nationales Empfinden, Denken und Wollen gelegt, die gerade, 
weil er den Blick weit iiber Deutschlands Grenzen richtete.in der Zeit unserer 
heutigen tiefen Demutigung als ein Ausgangspunkt kiinftiger Erhebung zu 
dienen vermogen. 

L,iteratur: Am eingehendsten Ulrich Stutz, Savigny-Zeitschrift fiir Rechtsgeschichte 
germ. Bd. 36 (1915), S. IX — LV; zum Teil darauf beruhend O. v. Gierke, 58. Jahrbuch 
der Juristischen Gesellschaft Berlin 1916, S. 19 — 38. — v. Amira, Jahrbuch der Mtinchner 
Akademie 191 5 ; Frantz Dahl, Tidsskrift for Retswidenskab 191 5, S. 45 1 ff. — Emil Seekel 
Sitzungsberichte der Berliner Akademie 1916, S. 760 ff. und » Neues Archiv* 40, S. 807 ff. — 
Adresse der Berliner Akademie zum fiinfzigjahrigen Doktorjubilaurn B.s, S.-B. der Berliner 
Akademie 1914, S. 523 ff. — v. Schwind, Mitteilungen des Inst. f. Ost. Gesch.37, 1916. — 
v. Wretschko, Hist or. Viertelj.-Schr. 191 6, 3, S. 345 ff. — Landsberg, Geschichte der deut- 
schen Rechtswissenschaft, III, 2 (1910), S. 908 ff. — E. Heymann, Die Juristische Fakul- 
tiit Berlin, hrsg. von O. Liebmann 1910, S. 46. — Derselbe, Juristenzeitung 1914, S. 490 ff. 
und Gruchot, Beitrage zur Erlauterung des deutschen Rechts 51 (1907), S. 655 ff. 

Berlin-Charlottenburg. Ernst Heymann. 

Ehrlich, Paul, Professor Dr. med., Wirklicher Geheimer Rat, Exzellenz, * in 
Strehlen (Schlesien) am 14. Marz 1854, j in Bad Homburg am 20. August 1915. 
— Paul E. gehort zu den grofien Pfadfindern der medizinisch-biologischen 
Wissenschaft. Seine Eigenart bestand in einer ungewohnlich innigen Verkniip- 
fung der Beherrschung zweier Facher, der Biologie und der Chemie. Als Auto- 
didakt war er zum erfolgreichen Forscher auf dem Gebiete der organischen 
Chemie geworden, und die mit bewundernswerter Intuition von ihm geiibte 
Ubertragung chemischen Denkens auf die Probleme der experimentellen Me- 
dizin liefien ihn, ohne daB er eigentlich auf irgendeiner Schule fuBte, zum Lehr- 
meister seiner Zeit werden. 

Nach Besuch des humanistischen Magdalenen-Gymnasiums in Breslau stu- 
dierte E. an den Universitaten Breslau, StraBburg, Freiburg und Leipzig Me- 
dizin. Schon die Studienjahre waren fiir die spatere Entwicklung des Forschers 
von maBgebender Bedeutung. Es war die Zeit, in der die Anilinfarbenindustrie 
zu groBem Aufschwung gelangte, und E. benutzte schon friihzeitig ihre Pro- 
dukte als Mittel fiir dasjenige Ziel, das zu erreichen ihm von friih auf vor- 
schwebte. Es handelte sich fiir ihn darum, den f eineren Auf bau der Zellen 
und Gewebe zu erforschen. Die Farbstoffe schienen ihm dazu besonders ge- 
eignet, weil sich ihr Verbleiben im Organismus leicht verfolgen laBt und ihre 
Speicherung in den einzelnen Geweben Riickschlusse auf ihre chemische Kon- 
stitution zu ziehen erlaubt. So begann schon der junge Student eigene Wege 



Brunner. Ehrlich 127 

zu gehen und den Grundstock zu legen zu dem ersten Teil seiner Forscherarbeit , 
den man kurz als »farbenanalytische Studien« bezeichnen kann. Das 
Ergebnis seiner Erstlingsstudien bildete bereits die Entdeckung einer neuen 
Zellart im Blute, der sogenannten »Mastzellen«. Diese Zellart ist dadurch 
ausgezeichnet, dafl sie bei der Behandlung mit gewissen Farbstoffen 
Kornchen (sogen. Granula) erkennen laBt. Methodologisch folgen eine groBe 
Zahl weiterer Arbeiten des im Jahre 1877 approbierten Arztes in gleicher 
Richtung. 

Als E. nach Beendigung seiner Studien im Jahre 1878 als Assistent (spater 
als Oberarzt) in die 1. Medizinische Klinik der Charite in Berlin als Mitarbeiter 
von v. Frerichs eintrat, bot sich ihm die Gelegenheit zu einer engen Verkniip- 
fung biologischer Studien mit den Bediirfnissen der praktischen Medizin. Als 
Frucht dieses gliicklichen Zusammenarbeitens schuf Ehrlich die I^ehre von 
der pathologischen Histologic des Blutes, die fur die Erkennung der 
Blutkrankheiten von grundlegender Bedeutung geworden ist. Daneben er- 
gaben sich zahlreiche weitere Probleme, deren Analyse die Erkenntnis der bio- 
logischen Eigenschaften der lebenden Substanz in vielfaltiger Hinsicht for- 
derte tmd vertiefte. Genannt seien die von E. eingefiihrten vitalenFarbungs- 
methoden, unter denen die )>Methylenblaureaktion der lebenden 
Nervensubstanz« (1886) fur die Erforschung des Nervensystems ein Ver- 
fahren von groBtem Wert geworden ist. Auf entsprechender Grundlage, d. h. 
unter Benutzung der Beziehungen zwischen Farbstoffen und den Geweben des 
lebenden Tierkorpers ist die bedeutsame Monographic »Das Sauerstoff- 
bedurfnisdesOrganismus« (1885) entstanden. In ihr gelangte E. durchdie 
experimentelle Analyse feinster Lebensvorgange zu einer neuartigen biolo- 
gischen Betrachtung des Zellprotoplasmas, die bereits den Kern zu derjenigen 
Konzeption enthielt, die zum Fiihrer von E.s Forscherleben wurde. 

Sie war getragen von der tlberzeugung von dem engen Zusammenhange 
zwischen chemischer Konstitution, Verteilung der Stoffe im Organismus und 
ihrer biologischen Wirkung. Nach E.s Auffassung wirken nur solche Stoffe, die 
von der lebenden Zelle gebunden werden, ^Corpora non agunt nisi fixala«, dieses 
von E. gepragte Axiom blieb ihm wahrend des ganzen L,ebens das Leitmotiv 
seiner wissenschaftlichen Arbeit, und die groBartigen Forschungsergebnisse, die 
E. zu danken sind, sind sicherlich zu einem wesentlichen Teil dem zahen Fest- 
halten an dieser ihm in der Jugend gewordenen Grundidee zuzuschreiben. Aus 
der Zeit der klinischen Tatigkeit E.s stammen noch zahlreiche Arbeiten aus den 
verschiedenartigsten Gebieten; besondere Hervorhebung verdienen die Er- 
kenntnis des biologischen Verhaltens der Tuberkelbazillen und die damit ver- 
bundene Entdeckung einer beriihmt gewordenen Methode zum Tuberkel- 
bazillennachweis (1882), sowie besondere Farbreaktionen (1883) fiir 
die Untersuchung des Hams (Diazo-Reaktion, Dimethylamidobenzalde- 
hydreaktion). 

Trotz der Fiille der Ergebnisse, die diese erste Epoche von E.s wissenschaft- 
lichem Wirken (1878 — 85) zu verzeichnen hatte, kann man bei retrospektiver 
Betrachtung in ihnen nur Vorarbeiten fiir sein spateres Lebenswerk erblicken. 
Denn dieses war beherrscht von dem Gedanken, auf Grund der Zusammen- 
hange zwischen Konstitution, Verteilung und Wirkung diejenigen Gesetze auf- 
zufinden, die die Beeinflussung und Heilung von Krankheiten regeln. 



128 19*5 

E. war inzwischen (1884) zum Titularprofessor ernannt worden, habilitierte 
sich 1887 und wurde im Jahre 1890 a. o. Professor fur innere Medizin an der 
Universitat Berlin. Im Jahre 1888/89 muBte seine Tatigkeit aus Gesundheits- 
riicksichten eine langere Unterbrechung erfahren. Als er nach Berlin zuriick- 
kehrte, schuf er sich zunachst selbst in einem bescheidenen Privatlaboratorium 
die Arbeitsstatte, bis ihm Robert Koch im Jahre 1890 in dem neugegriindeten 
Institut fur Infektionskrankheiten die Moglichkeit bot, seine Forschungen fort- 
zusetzen. Hier waren es vor allem die ansteckenden Krankheiten, deren spe- 
zifische Ursachen von Koch erkannt waren, die den Forscher reizten. Nicht 
allein die Atiologie, sondern vor allem die Immunitat, die nach Uberstehen 
der Infektionskrankheiten zuriickbleibt, muflte wegen des spezifischen Ge- 
prages einen besonderen Ansporn fur eine tiefere Analyse bilden. So entstanden 
die zahlreichen grundlegenden Arbeiten E.s, die das Wesen der Immunitat 
ergriindeten, die Gesetze der Immunisierung erkannten und so die Grund- 
lage bildeten fiir die Gewinnung hochwirksamer Heilserumpraparate. 
Die Serumtherapie stand damals durch Behrings Entdeckung des Diphtherie- 
und Tetanus- Antitoxins im Mittelpunkt des Interesses. E.s tiefgriindige Analyse 
der Antikorper-Entstehung, die zahlenmaBig-quantitative Fassung, die er dem 
Immunitatsbegriff gab, wurden aber fiir die Einfuhrung des Heilserums in die 
praktische Medizin von Richtung weisender Bedeutung. Vor allem war es die 
Auffindung einwandfreier Methoden zur Wertbestimmung der Heilsera, die zu 
einem MaBstabe der Bewertung der Heilserum-Praparate fiihrte, auf dem seit- 
her in alien Kulturlandern die Verwendung des Heilserums zum Zwecke der 
Schutzimpfung und der Behandlung von Krankheiten fuBt. 

Die Versuche, die diesem wichtigen Ergebnis zugrunde lagen (1897), waren 
in praktischer Hinsicht von so offenkundiger Bedeutsamkeit, daB sie das Augen- 
merk des damaligen preuBischen Ministerialdirektors Althoff auf E. lenkten. 
Seinem besonderen Interesse ist es zu danken, daB fiir E. im Jahre 1896 ein 
Institut fiir Serumpriif ung und Serumforschung in Steglitz bei Berlin gegriindet 
wurde, das unter tatkraftiger Mitwirkung des Frankfurter Oberburgermeisters 
Adickes im Jahre 1899 als PreuB. Institut fiir experimentelle Therapie unter 
Erweiterung seiner Aufgaben nach Frankfurt a. M. verlegt wurde. 

In Frankfurt entfaltete E. eine iiberaus fruchtbare Tatigkeit. Die in Berlin 
begonnenen Studien iiber die Wertbemessung der Heilsera hatten nicht nur in 
praktischer Hinsicht, sondern auch fiir die Theorie der Immunitatsentstehung 
zu bahnbrechenden Erkenntnissen gefiihrt. In ihnen ist die Begriindung der 
beriihmt gewordenen »Seitenkettentheorie« enthalten, die das Wesen der 
Antikorperwirkung in einer Veranderung der verteilenden Krafte im Organis- 
mus erblickt und die bis dahin unverstandlich gebliebene Spezifitat der Anti- 
korper unter Zuriickfiihrung auf allgemein-biologische GesetzmaBigkeiten zu 
erklaren sucht. Die Seitenkettentheorie bot nun E. fiir eine Reihe von Jahren 
die Anregung zu einer umfassenden Analyse der Immunitatsreaktionen und 
bildete in praktischer Hinsicht die Grundlage fiir das Verstandnis und die ratio- 
nelle Ausgestaltung der Sero-Diagnostik und Serum-Therapie. Seine und seiner 
Mitarbeiter zahlreichen Arbeiten auf diesem Gebiet sind in den »Gesammelten 
Arbeiten zur Immunitatsforschung« (1904) als Monographie erschienen. 

Unterdessen hatte E, seit 1902 zugleich ein anderes Arbeitsgebiet, die ex- 
perimentelle Geschwulstforschung, gefesselt. Auch auf diesem Gebiet, 



Ehrlich 



129 



dessen Pflege ihm durch groBziigige private Spenden ermoglicht wurde, waren 
seine Forschungen von einer Fiille hervorragender Entdeckungen begleitet. 

Das, was E.s Namen weit hinaus iiber den Kreis der Wissenschaft bekannt 
gemacht hat, war aber das letzte Jahrzehnt seines Forscherlebens, das der Er- 
griindung der experimentellen Chemotherapie gewidmet war. Bei der experi- 
mentellen Chemotherapie schwebte E. als Ideal vor, Gegenstoffe gegen die 
Krankheitserreger, wie sie der lebende Organismus bei der Immunisiening in 
Form der Schutzstoffe oder Antikorper des Blutes bildet, auf rein chemischem 
Wege in der Retorte herzustellen. Die Eigenart dieser durch die wundersame 
Tatigkeit der Natur entstehenden Antikorper ist darin gelegen, daB sie aus- 
schlieBlich auf die Krankheitsursache, den Parasiten oder dessen Gifte, ein- 
wirken, ohne den kranken Organismus irgendwie zu schadigen. E. suchte nun 
durch chemische Variation solche ideale Heilmittel kiinstlich herzustellen. Bei 
dieser Aufgabe, die ein enges Zusammenarbeiten mit der Chemie und der 
chemischen Industrie erforderte, kamen ihm auBere Momente zu Hilfe. Durch 
das im Jahre 1906 von Frau Franziska Speyer zum Andenken an ihren ver- 
storbenen Gatten errichtete und E. iibergebene Georg-Speyer-Haus war fiir ihn 
eine neue Forschungsstatte geschaffen worden, die fiir das grofl angelegte Ar- 
beitsprogramm die Moglichkeit der Verwirklichung bot. Dazu konnte sich E. 
des standigen Gedankenaustausches mit seinem Freunde Arthur v. Weinberg, 
sowie des Zusammenwirkens mit den Hochster Farbwerken imd der Firma 
Leopold Cassella erfreuen. So entstanden die zahlreichen Arbeiten iiber die ex- 
perimentelle Chemotherapie, welche die Grundlagen schufen fiir die Lehre von 
der Beeinflussung der Krankheitserreger durch reine Chemikalien, und die vor 
Wissenschaft und Menschheit ihren groBten Triumph feierten durch die Auf- 
findung des Salvarsans. Auf Grund der Entdeckung der chemischen Konsti- 
tution des Atoxyls, das gewissermaBen als die Muttersubstanz des Salvarsans 
anzusehen ist, gelang es E. durch muhevolle und zielbewuBte Herstellung aller 
moglichen Arsen-Derivate in der 606. der von ihm gepriiften Substanzen, dem 
Dioxydiaminoarsenobenzol oder Salvarsan, das bisher wirksamste Mittel 
gegen Syphilis den Arzten zu iibergeben (1910). Es ist allgemein bekannt, wie 
rasch das Salvarsan als ausgezeichnetes Mittel gegen Syphilis, gegen die ihr 
verwandte Frambosie und gegen die Brustseuche der Pferde den Siegeslauf 
durch die Welt nahm. 

In wissenschaftlicher Hinsicht fiihrten die chemotherapeutischen Arbeiten 
E.s zugleich zu einer neuartigen Erkenntnis der BeeinfluBbarkeit und der 
Wandlungsfahigkeit der Parasiten. Die Entdeckungen der Arzneifestigkeit 
und der Serumfestigkeit einzelliger Lebewesen bildeten dabei Fortschritte 
von groBter biologischer Bedeutung. Sie waren zugleich richtungweisend fiir 
die Methoden der Behandlung der ansteckenden Krankheiten. 

E.s Studien iiber die Immunitatserscheinungen und iiber dfe Chemotherapie 
verbindet ein gemeinsamer Gesichtspunkt : die Analyse der Zellfunktionen. E.s 
Streben war, die feinsten Zusammensetzungen des Zellprotoplasmas in ihrer 
funktionellen Betatigung zu erkennen. In der spezifischen Empfindlichkeit der 
Zelle gegeniiber Chemikalien oder gegenuber Antikorpern erblickte er den Aus- 
druck von »Partialfunktionen« der Zelle. So schuf er die Lehre von den 
Rezeptoren, in denen er die Trager der einzelnen Funktionen und damit bio- 
chemische Einheiten des Protoplasmas erblickte. 
dbj 9 



130 19*5 

Ein Lebenswerk von groBter Tragweite fiir Biologie, Chemie und praktische 
Medizin liegt abgeschlossen vor. Wenn dem Entwicklungsgang dieses Forschers 
zunachst auBere Schwierigkeiten nicht erspart blieben, so hauften sich auf der 
Hohe des Lebens naturlich zahlreiche Ehrungen. E. war im Jahre 1897 zum 
Geheimen Medizinalrat, im Jahre 1907 zum Geheimen Obermedizinalrat er- 
nannt worden, im Jahre 1911 wurde er Wirklicher Geheimer Rat mit dem 
Pradikat Exzellenz. Im Jahre 1904 wurde er ordentlicher Honorarprofessor an 
der Universitat Gottingen, an der neugegriindeten Universitat Frankfurt wurde 
er 1914 ordentlicher Professor. 

E. teilte im Jahre 1908 den Nobel-Preis mit Elias Metschnikoff fiir seine 
Arbeiten iiber Immunitatslehre. Im Jahre 1903 hatte er die preuBische groBe 
goldene Medaille fiir Wissenschaft erhalten. Er war Ehrenmitglied zahlreicher 
in- und auslandischer wissenschaftlicher Gesellschaften. Ehrungen besonderer 
Art waren es fiir den Mediziner, dafi er fiir seine Leistungen auf dem Gebiete 
der Chemie 191 1 die Liebig-Medaille des Vereins Deutscher Chemiker erhielt 
und im Jahre 1913 zum Ehrenmitglied der Deutschen Chemischen Gesellschaft 
ernannt wurde. 

Mehrfache Reisen fiihrten E. ins Ausland. Er hielt eine Reihe von Vorlesungen 
in Nordamerika, in I/)ndon die Harben-lectures. Als E. am 20. August 1915 die 
Augen schloB, war ein Werk vollendet, vor dem die Forschung aller Zeiten sich 
mit Bewunderung neigen wird. 

Literatur: P. E., eine Darstellung seines wissenschaftlichen Wirkens, Festschrift zum 
60. Geburtstag des Forschers, Fischer, Jena 1914. — P. E. als Mensch und Arbeit er. Er- 
innerungen aus dreizehn Jahren seines Lebens 1902 — 191 5 von Martha Marquardt. Stutt- 
gart 1924. — Auflerdem zahlreiche Aufsatze in Fachzeitschriften anlaOlich des 60. Geburts- 
tages und des Hinscheidens des Forschers. Vgl. insbesondere das P. -E. -Heft der » Natur- 
wissenschaften«, 2. Jahrg., Heft 1 1, 13. Marz 1914; ferner A. Lazarus, P. E-, Wien, Rikola- 
Verlag, 1922. 

Heidelberg. H. Sachs. 

Fischer, Hermann, Geh. Regierungsrat, Dr.-Ing. e. h., ehemals Professor der 
mechanischen Technologie und des Werkzeugmaschinenbaues an der Techni- 
schen Hochschule zu Hannover, * in Rodermuhle bei Osterode a. Harz am 
9. Mai 1840, f in Hannover am n. Februar 1915. — Friedrich Wilhelm Her- 
mann F. war der Sohn eines Miihlenbesitzers. Nach dem Besuch einer Privat- 
schule bezog er im Herbst 1856 die Polytechnische Schule zu Hannover. Von 
1856 bis i860 widmete er sich dem Studium des Maschinenbauf aches. Seine 
praktische Ausbildung erledigte er in den groBen Ferien. Nach Abschlufi seiner 
Fachstudien erhielt er am 1. Juli i860 seine erste Stellung in dem technischen 
Bureau der Maschinenfabrik von Richard Hartmann zu Chemnitz. Diesen 
Posten tauschte^r am 1. Dezember desselben Jahres mit dem eines technischen 
Leiters der kleineren Maschinenfabrik von Rudolf Adam ebendaselbst. Am 
1. April 1862 iibernahm er dann die Stelle als technischer Leiter der J. F. 
Petzoldschen Maschinenfabrik und EisengieBerei in Bautzen. Nach zwei Jahren 
trat er als Werkstattenvorsteher in die Maschinenfabrik von C. Waltjen zu 
Bremen ein. Am 1. Januar 1866 iibernahm er das Amt eines Oberingenieurs 
in der F. H. Kockumschen EisengieBerei und Maschinenfabrik in Malmo 
(Schweden). 



Ehrlich. Fischer 



131 



Ende 1867 kehrte Hermann F. aus Malmo nach Hannover zuriick, in der 
Absicht, als selbstandiger Ingenieur seinem Beruf obzuliegen. Zu diesem Zweck 
muBte er das Diplom eines Zivilingenieurs in Berlin erwerben, das er am 
1. November 1868 erhielt. Von da ab war F. in Hannover als Zivilingenieur 
tatig, und zwar bis 1876, wahrend welcher Zeit er recht bedeutende Fabriken 
erbaute und einrichtete, auch Heiz- und Luftungsanlagen ausfiihrte. 

Als die Polytechnische Schule zu Hannover fur den in den Ruhestand ge- 
tretenen Geheimen Regierungsrat Dr. Karl Karmarsch einen Nachfolger suchte, 
fiel die Wahl auf Hermann F., der am 18. Mai 1876 auf den Lehrstuhl der 
mechanischen Technologie berufen wurde. Neben dem Lehrfach der mechani- 
schen Technologie ubernahm Prosessor F. die neu eingerichtete Vorlesung iiber 
Heizung, Liiftung und Beleuchtung, ferner lehrte er »Einrichtungen imd Kon- 
struktionen von Werkstatten und Fabrikanlagen«. Im Sommer 1878 wurden 
von ihm die Plane der Zentralheizungsanlage fiir das neu eingerichtete Poly- 
technikum im Welfenschlofi im Auftrage der Ministerien fiir Handel und Ge- 
werbe und der offentlichen Arbeiten gepriift. Im Juli 1883 erhielt F. einen 
ehrenvollen Ruf an die GroBherzoglich Hessische Technische Hochschule zu 
Darmstadt; es gelang jedoch der preuBischen Regierung, den bedeutenden 
Fachmann und I^hrer der Technischen Hochschule Hannover zu erhalten. 
Sehr bald schied F. aus der groBen Vorlesung iiber mechanische Technologie 
das Gebiet der Werkzeugmaschinen aus, um auf wissenschaftlicher Grundlage 
dieses Sondergebiet des Maschinenbaues einer getrennten Behandlung in dem 
Lehrstoff der Abteilung fiir Maschineningenieure zu unterziehen. So ist der 
»Werkzeugmaschinenbau« rasch sein Lieblingsfach geworden, und man wird 
mit Fug und Recht Hermann F. als den Begriinder der wissenschaftlichen 
Forschung auf dem Gebiete des Werkzeugmaschinenbaues bezeichnen. 

Neben seiner bedeutsamen Lehrtatigkeit hat Hermann F. sich namentlich 
auch durch Gutachten in der Praxis einen von der Fachwelt anerkannten 
Namen geschaffen. Gerade diese letzte Tatigkeit, neben der Veroffentlichung 
wertvoller Aufsatze, hat er bis kurz vor seinem Tode ausgeiibt. Sein Rat wurde 
auch in vielen Fallen gern in Anspruch genommen; sein umfassendes Wissen 
gestattete ihm, in alien technischen Fragen mitzureden. Auch konnte er sich 
f achlich leicht verstandlich machen, und noch heute wird von seinen ehemaligen 
Schiilern riihmlichst hervorgehoben, daB er jede Frage mit groBer Griindlichkeit 
und Sachkenntnis beantwortete. 

Eine weitgehende und einfluBreiche Tatigkeit entwickelte F. auf dem groBen 
und schwierigen Gebiete der Heizung und Liiftung ; er wurde in bedeutenden 
Fallen haufig zu Rate gezogen. Neben dem bereits genannten Hochschulgebaude 
seien hier einige andere Bauten erwahnt, bei deren Einrichtung er beteiligt 
war: das Reichstagsgebaude zu Stockholm, die Kreditanstalt in Essen, das 
Miinster imd das Ministerialdienstgebaude in StraBburg i. E., der Saalbau in 
Essen und das ehemalige Kontinentalhotel in Hannover, 

AuBerordentlich zahlreich sind F.s literarische Werke. Neben vielen Be- 
richten iiber Ausstellungen, auf denen er als Preisrichter tatig war, finden wir 
wichtige Aufsatze vor allem in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure 
und in der »Werkstattstechnik«. Aus seiner Feder erschien 1879 das Buch 
»Die Holzsage*, 1880 das Werk » Beleuchtung, Heizung und liiftung der 
Raume*, das 1907 seine dritte Auflage erlebte, 1888 »Allgemeine Grundziige 



132 1915 

und Mittel zur Aufbereitung«. 191 1 »Mischen, Riihren und Knetent in Ferd. 
Fischers »Chemischer Technologies Seine bedeutendsten Werke sind wohl die 
von ihm bearbeitete fiinfte und sechste Auflage von Karmarsch-Fischer: 
♦Handbuch der mechanischen Technologies und das »Handbuch der Werkzeug- 
maschinenkunde*, und zwar Bd. 1 (1900) : »Die Metallbearbeitungsmaschinen« 
und Bd. 2 (1901): »Die Holzbearbeitungsmaschinen*. Dieses Handbuch er- 
schien bereits 1904 in zweiter Auflage. 

In den letzten Jahren seiner Tatigkeit widmete sich F. der Geschichte des 
Maschinenbaues, woriiber in dem Jahrbuch des Vereines deutscher Ingenieure, 
den »Beitragen zur Geschichte der Technik und Industries, sehr wertvolle 
Aufsatze von ihm veroffentlicht sind. 

Auch an aufierer Anerkennung fehlte es dem Verstorbenen nicht. Am 
5. Marz 1906 ernannte ihn die Technische Hochschule zu Aachen wegen seiner 
hervorragenden Verdienste auf dem Gebiete der mechanischen Technologie und 
des Werkzeugmaschinenbaues zum Dr.-Ing. ehrenhalber. An F.s 70. Geburts- 
tag, am 2. Mai 1910, wurde ihm von Freunden und Kollegen sowie ehemaligen 
Schiilern eine in Gold gepragte Plakette mit seinem Bildnis geschenkt. Eine 
Abordnung uberreichte dem Jubilar eine Summe von mehreren tausend Mark, 
die er als Erganzung zur »Ernst-Schiefi-Stiftung« der Technischen Hochschule 
zu Hannover iibergab. Die Zinsen dieser Stiftung wurden alljahrlich unter be- 
diirftige Studierende verteilt, um ihnen die Teilnahme an den wissenschaft- 
lichen Studienfahrten der Abteilung fiir Maschineningenieurwesen zu ermog- 
lichen. 

Nach iiber 34Jahriger Iyehrtatigkeit trat F. am 1. Oktober 1910 in den Ruhe- 
stand, bei welcher Gelegenheit ihm der Rote Adlerorden n. Klasse mit Eichen- 
laub verliehen wurde. F.s gediegene Lebensarbeit ist iiberall anerkannt. Neben 
seiner hervorragenden Lehrtatigkeit hat er dem Verein deutscher Ingenieure 
seine ganze Arbeitskraft gewidmet. Eine Lungenentziindung hat seinem erfolg- 
reichen Leben nach kurzem Krankenlager ein Ende gesetzt. 

Entnommeu aus der fZeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure* 59^(191 5), S. 213/14 
(gekiirzt). 

Harrach, Ferdinand Graf, * in Rosnochau (Oberschlesien) am 27. Februar 
1832, t i n Berlin am 13. Februar 1915. — Die sorgfaltige Erziehung, die dem 
Grafen^H. nach dem Willen seines Vaters, des Bruders der Fiirstin Liegnitz, 
zuteil wurde, lieB ihn erst spat zu seiner kiinstlerischen Bestimmtmg gelangen, 
obgleich der Trieb zum Zeichnen sich schon wahrend der Schulzeit stark in 
ihm geregt hatte. Eine lange Reise nach Italien, auf der er nach bestandenem 
Abiturientenexamen seine Eltern begleiten durfte, verstarkte seine Neigung 
zur Kunst und gab seinem Leben die entscheidende Richtung. Doch sollte seine 
Sehnsucht zunachst noch keine Erf tillung f inden ; auf Wunsch des Vaters ab- 
solvierte er, um seine allgemeine Bildung abzuschlieBen, noch ein dreijahriges 
Universitatsstudium, das sich hauptsachlich auf Naturwissenschaften und 
Jurisprudenz erstreckte. Als er dann noch die fiir die Bewirtschaftung land- 
lichen Grundbesitzes notigen Kenntnisse sich anzueignen bemiihte, reifte 
schlieClich der endgiiltige Entschlufi in ihm, Maler zu werden. Mit Zustimmung 
des Vaters>ging er nach Dusseldorf zu dem schon lange von ihm verehrten 
Stanislaus Grafen v. Kalckreuth, der ihm Lehrer und vaterlicher Freund wurde. 



Fischer. Harrach 133 

Auf einer mit diesem ausgefiihrten Reise nach den bayrischen Bergen priifte 
er erst seine Begabung in ernstem Studium nach der Natur. Das Ergebnis war 
ermutigend, und bald darauf siedelte Graf H. mit seinem Lehrer an die neu- 
begriindete Kunstschule in Weimar iiber. Auch v. Ramberg und Pauwels schloB 
er sich dort an imd empfing von dem ersteren fiir die Zeichnung, von dem 
anderen fiir die Farbengebung entscheidende Anregungen. 

Landschaft und Wiedergabe von Naturstimmungen waren zuerst das Haupt- 
gebiet seiner kiinstlerischen Betatigung; doch suchte er der menschlichen Figur 
in seinen Bildern eine iiber die Staff age hinausgehende Bedeutung zu geben, 
indem er historische Gestalten in seine L,andschaftskompositionen stellte. Und 
dem Zuge der Zeit entsprechend f ehlte auch der romantische Stimmungsein- 
schlag nicht. So entstanden » Kaiser Heinrich am Vogelherd* (1862), » Kaiser 
Max auf der Martinswand* (1866), »Die Gefangennahme I,uthers« (1869) un< * 
ahnliche Werke. 

Zwischen den Kriegsjahren 1866 und 1870/71, die ihn bei der Armee sahen, 
hatte sich Graf H. nach seiner Verheiratung mit Grafin Pourtalfes als selbstan- 
diger Kiinstler in Berlin niedergelassen. Zwar ohne jede Neigung, Schlachten- 
maler zu werden, versuchte er doch seinen Erlebnissen im franzosischen Feldzug 
in einigen Bildern kiinstlerischen Ausdruck zu geben. »In den Weinbergen von 
Worth* (1871), »Vorgeschobener Posten auf dem Mont Valerien* (1871), »Der 
Abend von Sedan* (1871 — 72) und andere derartige Kriegsepisoden fanden, in 
Berlin ausgestellt, groBen Beifall. 1874 wurde er durch die Wahl in die Aka- 
demie der Kiinste geehrt. 

MuBe und innere Sammlung bei einem Winteraufenthalt in Florenz lieBen 
ihn veranderte Kunst- und Lebensanschauungen gewinnen. In die Heimat 
zuriickgekehrt, erwarb er Landbesitz in Schlesien, und sein Wesen fand in 
freier kiinstlerischer Tatigkeit, in seinem Familiengliick und in der Freude am 
Landleben die feine stille Harmonie, die sich in seiner Kunst widerspiegelt und 
sie so sympathisch macht. Die Stimmungslandschaft, besonders Hochgebirgs- 
szenen : >t)bergang iiber eine alteLawine* (1884), » Abgestiirzt « (1889), » Sturm im 
Hochgebirge* (1898) beschaftigten ihn noch immer,mehr und mehraberwandte 
er sich auch Darstellungen aus dem Neuen Testament zu: »Die Verleugnung 
Petri* (1879), »ChristusamOlberg« (1886), »Maria mit dem zwolfjahrigen Jesus* 
(1887), »Christus mit zwei Schachern« (1888), »Karfreitagsfrage* (1894) u. a. — 
Fehlt diesen Werken auch trotz geschickter Komposition und guter zeichne- 
rischer Durchbildung im einzelnen die grofie Bildwirkung, so macht sie doch 
das besonders im Landschaftlichen bewahrte stimmungsvolle Kolorit an- 
ziehend. 

Sein Bestes hat der Kiinstler in den zahlreichen Bildnissen geleistet, in denen 
er die Menschen seiner Gesellschaftssphare mit treffender Charakteristik in 
posenloser Vornehmheit wiedergab, so den Minister v. Varnbiiler (1880), 
Fiirsten PleB (1880), Grafen Pourtates (1883), die Fiirstinnen Hatzfeld und 
v. Fiirstenberg (1884), Grafin Waldersee (1887), Marie v. Olfers (1891), F. 
v. Bethmann-Hollweg (1891), um nur einige anzufiihren, dazu viele Bildnisse aus 
seiner eigenen Familie. tlber den Leistimgen so mancher anderen gefeierten 
Berliner Bildnismaler der achtziger und neunziger Jahre stehen diese schlicht- 
vornehmen Menschendarstellungen, deren kulturell-dokumentarischer Wert 
mit Recht anerkannt worden ist. 



134 ^5 

1895 und ^9^ leitete Graf H. die Grofie Berliner Kunstausstellung, sonst 
ist der beliebte Kunstler, dessen Natur von einer bescheidenen, fast schtichter- 
nen Zuriickhaltung war, wenig im offentlichen Kunstleben hervorgetreten. An 
auBeren Ehren wurde ihm aufier dem Professortitel auch der Rang eines Wirk- 
lichen Geheimen Rates zuteil. 

Wenn die Begabung dieses Kiinstleraristokraten ihn auch nicht das Hochste 
erreichen liefi, so ist sein Schaffen doch ein vollkommener Ausdruck seines fein 
kultivierten lauteren Menschentums, mit dem seine stille, ausgeglichene, allem 
Effekt und allem Dramatisch-Gesteigerten abholde Kunst in schonem Ein- 
klang steht. 

Literatur: Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Kunstler, Bd. XVI 
(mit Literaturangaben) . Archiv der Akademie der Kiinste zu Berlin (Handschriftlicher 
Lebenslauf und Personalnotizen) . 

Berlin-Zehlendorf. A. Amersdorffer. 

Heigel, Karl Theodor Ritter v M Historiker, * in Miinchen am 23. August 
1842, f ebenda am 23. Marz 1915. — H. ist lebenslang Miinchener, nach Wesen 
und Gesinnung lebenslang Baier, und dabei doch von Herzensgrunde Deut- 
scher der Bismarckzeit gewesen: das gibt auch seiner Stellung in unserer 
Geschichtschreibung ihre Besonderheit. 

Er stammte aus Kiinstlerblut, Vater und GroB vater waren Schauspieler, der 
Vater suchte friih (1849), »aus krankhaftem Ehrgefiihle«, den Tod und lieB die 
Familie in Diirftigkeit zuriick; der junge Karl Theodor hat sich durch eine 
miihselige Jugend hindurchgeschlagen. Er dachte Maler zu werden, davon 
brachte Schwind ihn ab, und der figlio delV arte wandte sich schliefilich der Ge- 
schichte zu. Er studierte seit 1861 in Miinchen, bei W. Giesebrecht und K. A. 
Cornelius, gab 1867, mit S. Riezler zusammen, sein erstes Buch, das Erzeugnis 
einer Preisaufgabe iiber den tlbergang Baierns von den Welfen auf die Wittels- 
bacher, heraus, trat 1866 in den bairischen Archivdienst ein, in dem er bis zum 
Assessor aufstieg, gelegentlich hinausgefiihrt ins Land, aber bald wieder zuriick- 
gekehrt in die Hauptstadt. Dort habilitierte er sich 1873 als Privatdozent. Die 
Gunst Dollingers und des Ministers Lutz brachte ihm zuerst den Auftrag einer 
Biographie Konig Ludwigs I. ein, den er 1872 in einem lebendigen, die person- 
liche Geschichte des Herrschers in ihren vielseitigen Auswirkungen gut erzahlen- 
den Buche einloste, dann, 1876, die Kandidatur fur eine Professur der bai- 
rischen Geschichte. Aber die klerikale Kammermehrheit, der H.s historisch- 
politisches Urteil miBf iel, lehnte sie ab, und erst 1883 wurde ihm an der Techni- 
schen Hochschule, 1885 an der Universitat die voile Anstellung zuteil : er wurde 
alsNachfolger Giesebrechts, als Baier, aber als Nichtklerikaler, zum Ordinarius 
der Geschichte berufen, neben ihm ein zweiter, ein bekenntnistreuer Katholik. 
Das wies ihm den Platz an fur seinen Iyebensrest: als dem Vertreter weltlich- 
freier Forschung; er hat ihn charaktervoll, aber nicht kriegerisch, ausgefiillt. 
Der liberal-nationale Hauch seiner Generation hatte ihn ganz friih beruhrt: 
er vergaB die Farben und das deutsche Ideal von 1848 nicht wieder. An I,ud- 
wig I. liebte er den deutschen Sinn, und die bairische Geschichte sah er unter 
nationalem Gesichtspunkte : vor allem jedoch begann er als Baier und ist 
Baier geblieben. 



Harrach. Heigel 135 

Sein wissenschaftlicher Gang hatte mit dem bairischen Mittelalter be- 
gonnen ; er ist ihm, in Quellenforschung und -herausgabe, in einzelnen Abhand- 
lungen, und ist dem deutschen Mittelalter im ganzen, in popularen Darstel- 
lungen und akademischen Vorlesungen, auch weiterhin treu geblieben. Aber 
schon dem Archivar riickte bald die neue bairische Geschichte naher, die er in 
den Akten kennen lernte, die er mit warmer Heimatliebe durchdrang, und zwar 
war es die des Absolutismus. Die aber leitete ihn weiter, von der wittelsbacher 
Politik zur Reichspolitik hinuber. 1877 erschien seine umfassendste Forschungs- 
arbeit: »Der osterreichische Erbfolgestreit und die Kaiserwahl Karls VII. «, ein 
Buch, eindringlich und neu in der Kritik und im archivalischen Stoff , reich an 
farbigen Einzelziigen, neu vor allem eben im Gesichtspunkte selbst, dem der 
Reichsgeschichte des 18. Jahrhunderts. Es war der Schritt zugleich in die all- 
gemein-deutsche und in die allgemein-europaische Geschichte des absoluti- 
stischen Zeitalters ; daB er sein Buch Iy. Ranke gewidmet hatte, besaB seinen 
innerlichen Sinn. H. hat sich auf alien drei Gebieten, dem bairischen, dem 
deutschen und dem universalen, seine Gesamtanschauung gebildet ; aber sie ent- 
lud sich vornehmlich in Einzelabhandlungen* Elf BandeH.scher Aufsatze sind 
von 1881 bis 1916 erschienen. Er selber hat von der Buntheit ihres Inhalts ge- 
sprochen. Sie gehen gern von Quellenstiicken, Aktenstiicken aus, sie enthalten 
unmittelbare Forschung, zumal zur bairischen Diplomatic, sie sprechen vom 
Archivwesen und verwerten Archivschatze, sie nehmen Literarisches hinzu, 
das H., wie die Satiren des aufgeklarten Pfarrers Bucher, auf f and und ausgrub, 
sie malen Bilder von Stadten, vom Hofe, von internationaler Politik, iiberall 
mit hellem Vergniigen am Zeitkolorit, an der Zeitsitte. Kimstgeschichtliche 
Tone klingen wohl hinein. DerUrgrund ist stets original, eine selbstandig schiir- 
fende, selbstandig kritische Forschung; Ziel und Form sind frei und leicht, alles 
voll von Warme und Farbe, saf tig, f reudig, unmittelbar und gern mit einem Ein- 
schuB von lachendem Humor : erwiinschte gelesenund genossenzuwerden. Da- 
bei ist er klar und fest in der Auf f assung und im Urteil, mehr gerade und klar als 
uberraschend und geistreich ; er lebt in einer lebendigbewegten Anschaulichkeit. 
Er war in die Welt Friedrichs des GroBen eingetreten ; noch mehr in die oster- 
reichische. Die Stellung Wittelsbachs zu Habsburg reizte seine Forschung, die 
groflen Gestalten des osterreichischen 18. Jahrhunderts, Eugen, Maria Theresia, 
Joseph II., bis zu Metternich und Hofer hinuber, seine Auffassung und Dar- 
stellung. Er hat mit Metternich im Sinne seiner Generation politisch abge- 
rechnet, aber iiberall empfindet er das Osterreichische ganz innerlich mit, als ein 
Stuck seiner eigenen Welt. Es war ja die gemeinsame bajuvarische;eswar kein 
Zufall, daB die Wiener Universitat 1898 um ihn warb; der Siiddeutsche, der 
Baier behielt bei allem Anschlusse an das Neue Reich und an den Norden einen 
naturlich groBdeutschen Zug, er verstand und er liebte den deutschen Siidosten. 
Und er blieb, dariiber hinaus, von Natur weltoffen, bei aller eigenen nationalen 
Bestimmtheit. Die franzosische Geschichte zog ihn an, zuerst die der bairisch- 
franzosischen Beziehungen, dann das Frankreich des 18. Jahrhunderts und der 
Revolution in sich selbst. Er hat auch da immer wieder farbenreiche Bilder ge- 
malt. Aber freilich, sein oberster Richtpunkt blieb, in Geschichte und Gegen- 
wart, die Wiedervereinigung Deutschlands im Bismarckschen Reiche. Er wies 
TreitschkesEinseitigkeitenabund hatte das Temperament des groBen Kampfers 
nicht, aber seinen Blickpunkt teilte er und ihn selber wagte er seinen Baiern ins 



136 1915 

Antlitz zu verteidigen und zu riihmen. Gesamtdeutsch, im Ausblicke preuBisch- 
deutsch, ist die Orientierung seines umfangreichsten Werkes, der grofleren Dar- 
stellung, die er der Fiille seiner Essays gesellte, der »Deutschen Geschichte vom 
Tode Friedrichs des GroBen bis zur Auflosung des alten Reiches «, deren zwei statt- 
liche Bande sein I^eben von 1893 bis 191 1 in allmahlichem Erscheinen begleitet 
haben. (In Zwiedinecks Bibliothek deutscher Geschichte.) Eine gewaltige Ar- 
beitsleistung, uberall aus den Quellen geschopft, wertvoll auch sie ebensowohl 
in der Einzelforschung, die er mit ruhiger Verstandigkeit handhabte, wie in der 
AUgemeinheit seiner Fragestellung: er ging auch hier bewuBt iiber PreuBen und 
Osterreich zur Reichsgeschichte weiter, und er zog die Zeugnisse des of f entlichen 
Geistes aus ganz Deutschland besonders reich heran. Starken und Grenzen seiner 
Art traten da hervor, Gliederung der Massen, Weite des Umkreises, MaB und 
Unbestechlichkeit des Urteils, aber auch, wie er selber bescheiden empfand, 
ein Mangel an hinreiBender Besonderheit und Kraft, an hohem Stile, an der 
Leidenschaft, die das groBe Geschichtswerk, gebandigt und gereinigt, dennoch 
beseelen muB und erst eigentlich beseelen kann : seine Auf satze und Vortrage 
brachten ihn voller als dieses Werk zum Ausdruck. Als er es schrieb, war er 
selber, iiber die Epoche von 1800 hinaus, langst zugleich in das letzte Arbeits- 
gebiet eingeriickt, das er den friiheren anschloB : in das einst durch seine Lud- 
wig-Biographie schon einmal von ihm betretene 19. Jahrhundert. Er hat es in 
Aufsatzen inid Reden, in einer knappen, tatsachenreichen Ubersicht (»Poli- 
tische Hauptstromungen in Europa im 19. Jahrhundert «, zuerst 1906), oft und 
vielfaltig behandelt, Deutschland und AuBerdeutschland, Historiographie und 
Politik, Wilhelm I. und Bismarck: die groBen Gestalten der nationalen Ge- 
schichte mit der gleichen Liebe und Treue wie die der engeren Heimat. Der 
Wurzelgrund blieb ihm stets diese. Er hat Miinchener Erinnerungen, an Cor- 
nelius, Ziegler, an sein eigenes Leben, aufgezeichnet. Er gehorte dem Miinchener 
Geistesbilde von Jahrzehnten untrennbar und charakteristisch zu. Er war der 
Sprecher groBer vaterlandischer Feiern ; er wurde Rektor der Universitat und 
war einer ihrer beliebtesten und wirksamsten Lehrer; viele Tausende gingen, 
bis zu seinem Rticktritte 1913, durch seine Vorlesungen hindurch. Er war seit 
1877 Mitglied der Akademie der Wissenschaften und ihr eifriger Mitarbeiter, 
er wurde Mitglied und Sekretar der Historischen Kommission und wurde 1904 
zum Prasidenten der Akademie und damit zum Haupte einer weit iiber die 
Geistes- und auch iiber die Naturwissenschaften hin ausgespannten Verwaltung 
von Sammlungen, der er sich ebenso weitherzig anteilnehmend hingab. Er 
suchte die gelehrte Korperschaft, friedfertig ausgleichend, als Einheit zu er- 
halten und sie daheim und in der Welt als solche zu vertreten, und er wurde 
in seinen Reden ihr Mund und ihr Herz. Er sprach, als politischer Historiker, 
auch in die Lebensfragen der Gegenwart hinein, mit nationaler Warme imd mit 
einer unbefangen wahrhaftigen Kritik, die sich bemiihte, auch Kaiser Wil- 
helm II. zu seinem Festtage 1913 Licht und Schatten gerecht zuzumessen. 
Er hat zu allerletzt, als Zweiundsiebzigjahriger, auch zum Weltkriege das 
Wort genommen: ergriffen und warm, maBvoll und besonnen, ein Warner 
vor Uberhitzung. 

K. Th. Heigel war in alledem der bezeichnende Mann eines Zeitalters deutscher 
Entwickelimg auf bairischem Boden: der Mann liberaler Geistesfreiheit und 
kleindeutscher Einheit, die iiber die Reichsgrenzen gefiihlsmaBig weiterstrebte, 



Hcigel I37 

vor allem der Mann der Durchdringung des Bairischen mit dem Deutschen. Die 
verkorperte er in seiner Heimatstadt, der er, ein eifriger Reisender, ein Kenner 
deutscher Lande und Stadte, doch in beneidenswerter Stetigkeit treu geblieben 
ist bis an seinEnde; fur die wirkte seine Lehrtatigkeit, warm und gleichmaBig 
wie er selbst, gesinnungbildend ohne Absichtlichkeit und Zwang. So habe ich 
auch seine Stellung in unserer Geschichtswissenschaft bezeichnet. Wie einst 
HauBer verband er, bei kleindeutschem Bekenntnis, als Stiddeutscher Ost und 
West und Nord. Man darf ihn wohl der Gruppe anfiigen, deren einer Vorkampfer 
jener gewesen war, der Gruppe der deutschen politischen Historiker von i860. 
Seine politische Absicht war minder scharf gepragt und der Kulturhistoriker in 
ihm starker als in manchem aus jenem Kampferkreise, aber seine Grundlagen 
ruhten in jenem selben Boden. Er hat zu groBen Erscheinungen der Geschichts- 
schreibung, zu Dahlmann, Treitschke, Taine das Wort genommen ; Methodolog 
war er nicht, Geschichtsphilosoph noch weniger, alle Theorie wies er unwill- 
kiirlich ab und nahm nur alsPraktiker seine Stellung — ohne Theorie, gegen die 
Theorie, aber mit sicherem Gefiihle fur das, was fiir ihn das richtige war, und mit 
bestimmter innerer Einheit. Auch insofern war er Baier : Instinkt, kiinstlerischer 
Drang, der Drang des Unbewuflten entschied in ihm, so fand er den ihm 
natiirlichen Weg, einen Weg der Mitte. Das Geistige zog er in seine Staats- 
geschichtschreibung iiberall liebevoll herein, aber nicht im »geistesgeschicht- 
lichen« Sinne eines jiingeren Geschlechts; alles Abstrakte, Begriffliche, Kon- 
struktive, alle philosophisch gefarbte Analyse war ihm fremd. Auch den Einzel- 
menschen begriff er durch sein Gefiihl und als Ganzes, mit unmittelbarer 
Menschlichkeit. Er blieb beim Greifbaren, er bildete unverdrossen, das Kiinstler- 
blut seiner Familie schlug immer elementar in ihm durch. Er war kein Bahn- 
brecher, kein Mann des Tiefsinnes noch des blendenden Geistes, aber — und das 
sagt wahrlich viel! — er war gesund bis auf den Grund seines Wesens: in ihm 
wirkten (und aus ihm wirkten auf seine Schiiler) schlichte Krafte historischer 
Erkenntnis und Anschauung, deren die Ubergeistigkeit manches Heutigen als 
einer heilsamen Erganzung so dringend bedarf . Denn die Grundlagen, an die er 
sich hielt, sind doch die natiirlichen und unentbehrlichen Grundlagen aller Ge- 
schichtserfassung: das Einzelne, der historische Stoff, die greifbare Tatsache, 
der greifbare Mensch. H. hat das alles einf ach und unmittelbar, aber lebensvoll 
angefaBt, mit der Blutwarme, die sein Eigenstes war — wie wirkungsvoll war 
noch sein Bildnis Dantons von 1914! Seine Eigenschaften waren nicht die 
einzigen historischer Arbeit und vielleicht nicht die hochsten, aber sie waren 
in sich berechtigt, und in ihnen lebte seine Stammesart. 

Die spiegelte er in allem; in seiner Erscheinung: stattlich, hochgewachsen, 
breit und stark, fast derb an Gestalt und Gesichtszugen, aber diese Ziige durch- 
gearbeitet, mannlich, sprechend, voll einer wohltuenden Giite und einer auf- 
rechten Wahrhaftigkeit, weniger fein als fest und kraftvoll, die Stirne hoch- 
gewolbt, die Nase bairisch gebogen, die schonen blauen Augen eindringlich 
imd stark. Das Antlitz war kraftig gefarbt, die Rede bairisch getont, er konnte 
seinen Landsleuten, lebensfroh und unmittelbar, als eine Verkorperung ihrer 
besten Weise gelten. Er war zuletzt der hochstgestellte Vertreter derWissen- 
schaft im L,ande imd auch am Hofe, und Ritterschaft und Exzellenz standen ihm 
natiirlich genug zu Gesicht; er war ebenso klug wie wiirdevoll, aber iiber allem 
gerade und zuverlassig, Vertrauen und Liebe flogen ihm zu. Er fiillte alle seine 



I38 19*5 

Lebenskreise aus, von der Behaglichkeit seines Hauses bis zu den Hohen seiner 
akademischen Representation, in Baiern und im Reiche und iiber das Reich 
hinaus; er war ein ganzer Mann. Fur seinen Platz aber und seine Wirkung in 
seiner Zeit und in der deutschen Geschichtschreibung wird doch das das Be- 
zeichnende bleiben, womit diese Beschreibung begann und worauf sie immer 
zuriickgefiihrt worden ist : daB er in beiden seinen Stamm und seine Nation mit 
lebendiger Selbstverstandlichkeit verkniipfte. 

Literatur: H.s Schriften bis 1909 sind im Almanach der Bair. Akademie (1909, 
S. 361 ff.) aufgezahlt, spateres in xneinem Nachrufe in deren Jahrbuche 191 6. Dort audi 
die ubrige Literatur iiber ihn ; hinzugekommen ist ein eingehender Artikel von Michael 
Strich, » Deutsche Rundschau*, Marz 1921, Bd. 186. Der NachlaC im Besitz der Witwe. 
Frau Marie v. Heigel, Munchen. 

Berlin-Charlottenburg. Erich Marcks. 

Kliigmann, Karl Peter, Dr. iur, * in Liibeck am 22. Dezember 1835, t m 
Berlin am 18. Januar 1915. — Karl Peter K. besuchte das Katharineum seiner 
Vaterstadt, studierte die Rechte in Bonn, Berlin und Gottingen und ward Ende 
1859 in Lubeck zur Ausiibung der Advokatur zugelassen, auch zugleich zum 
Notar ernannt. Den jungen Advokaten zeichnete bereits jene Selbstandigkeit 
der Gesinnung aus, die er in jedem Pflichtenkreise wahrend seines ganzen 
Lebens sich bewahrt hat. Er durfte wahlerisch sein in der Annahme seiner 
Klienten und hat keinen Rechtsstreit gefiihrt, der ihn nicht interessierte. 
Die geiibte Zuriickhaltung mag es zum grofien Teil bewirkt haben, dafi er in 
seiner Vaterstadt niemals volkstiimlich in gutem Sinne geworden ist. Aber 
auch diejenigen, die ihm seine Zuriickhaltung verargten, haben ihm ihre Ach- 
tung nie versagt. Diese Achtung gait ebenso seinem Wissen wie seinem Konnen. 
Er verfiigte iiber eine glanzende Darstellung schon in seinen friihen ProzeB- 
schriften, die, niemals nach der Schablone abgefafit, noch weniger auf Dialektik 
oder gar auf Phrase abgestellt waren. Als jiingster und letzter der beim Ober- 
appellationsgerichte der freien Stadte zugelassenen Prokuratoren erwarb er 
sich bald das Vertrauen auch der Hamburgischen und Bremischen Parteien. 
Um die Wahl zur Biirgerschaft, dem von so vielen hanseatischen Juristen leb- 
haf t begehrten Betatigungsfelde, hat er sich nicht beworben ; das Mandat wurde 
ihm angetragen, und n Jahre hat er leidenschaftslos, mit Feinheit und Treue 
die Tatigkeit eines biirgerschaftlichen Vertreters ausgeiibt. Eine ftihrende Stel- 
lung in der Biirgerschaft hat er nie erstrebt. Aber er ist es gewesen, der schon 
vori87oaufeineVereinfachungschwerfalligerGeschaftsordnungsbestimmungen 
hingewirkt und nach der Begriindung des neuen Deutschen Reiches eine Re- 
vision der Iyiibeckischen Staatsverfassung beantragt hat. Die Revision wurde 
von Senat und Biirgerschaft beschlossen; sie war jedoch von vornherein auf 
einen sehr bescheidenen Umfang dadurch beschrankt worden, daB der Senat 
nur solchen Abanderungen der Verfassung zustimmen zu wollen erklarte, die 
durch die Neugestaltung der deutschen Verhaltnisse und durch die Reichs- 
gesetze sich als notwendig erweisen sollten. Dem Wunsche aller biirgerlichen 
Parteien folgend, erklarte K. sich 1874 bereit, ein Mandat zum Reichs- 
tage anzunehmen, und mit stattlicher Mehrheit wurde er gegen einen hamburgi- 
schen Sozialdemokraten gewahlt. Das Mandat ist ihm 1877 und 1879 erneuert 
worden. Er ist im Plenum weniger hervorgetreten. Um so fruchtbarer ist sein 



Heigel. Kliigmann. Lamprecht 139 

EinfluB auf die Ausgestaltung der neuen Justizgesetze gewertet worden. 1880 
muBte er der parlamentarischen Tatigkeit entsagen, da er zum Mitgliede des 
Lubeckischen Senates erwahlt ward. Die Frucht der ihm zumal in den ersten 
Jahren seiner Amtstatigkeit verbliebenen MuBe ist eine kleine, vortrefflich 
geschriebene Monographie »Staatsrecht der Freien- und Hansestadt Liibeck* 
in Marquardsens Handbuch des offentlichen Rechts der Gegenwart, die zweifel- 
los der Anregung des Hamburgischen Rechtsanwalts Dr. J. Wolffson ihre 
Entstehung verdankt. Befriedigung bot K. der BeschluB seines Senates, 
ihm die auswartige Korrespondenz und damit auch die Instruktion des 
Liibeckischen Vertreters im Bundesrate, Dr. Friedrich Kriiger, zu iibertragen. 
Diese Tatigkeit lieB den schon friiher gehegten Wunsch, einst Kriigers Nach- 
folger zu werden, zu festem Vorsatz reifen. Als Kriiger im Dezember 1895 ver- 
starb, meldete er sich ohne Besinnen als Anwarter fur das Amt des Hanseati- 
schen Gesandten und lieB sich auch nicht durch die von den Senaten beliebte 
Form, den Gesandten nur fiir Iyiibeck zum stimmfiihrenden Mitgliede des Bun- 
desrates, fiir Bremen und Hamburg dagegen lediglich zum stellvertretenden 
Bevollmachtigten zu ernennen, abschrecken. Die Entscheidung der Senate ist 
fiir ihn ebenso wie fiir die Hansestadte als eine iiberaus gliickliche zu bezeichnen. 
Seiner Kenntnis der hanseatischen und der Berliner Verhaltnisse, seiner reichen 
und reifen Erfahrung — er trat als Sechziger in das neue Amt — , seiner Per- 
sonlichkeit ist nicht zu geringem Teile der EinfluB zu verdanken, den wahrend 
des folgenden Jahrzehnts die Hansestadte in wirtschaftlichen Hauptfragen 
haben ausiiben konnen. Fiir die Arbeitskraft und auch die Arbeitsfreudigkeit 
des gemeinsamen Gesandten spricht die Tatsache, daB er bis ins hochste Alter 
hinein nur ganz selten Regierungsvertreter zur Hilfe heranzog. Wurden Senats- 
mitglieder zur Vertretung einzelner Vorlagen entsandt, so lieB er sie gewahren, 
ohne doch ihnen das Feld allein zu iiberlassen. Er besaB nicht den Ehrgeiz, bei 
alien Beratungsgegenstanden sich zu beteiligen ; nahm er das Wort, so sprach 
er mit einer gewissen wiirdigen Uberlegenheit, die doch ihres Eindruckes nicht 
verfehlte. — Seine Erholung fand der starke Arbeiter im Hause, dessen schone, 
von der klugen und liebens wiirdigen Gattin gezierte Gastlichkeit von Gelehrten, 
Kiinstlern, Staatsmannern gesucht und geschatzt wurde. Eine mit Vorsicht 
zusammengesetzte Vereinigung bedeutender Professoren der Universitat hatte 
K. als ihr Mitglied aufgenommen. Das »Kranzchen« hat bis zum Kriege 
zusammengehalten. 

Im Jahre 1913 trat der fast 78jahrige in den wohlverdienten Ruhestand. 
Ohne voraufgehende langereKrankheitstarberami8. Januarigi5. DieLeiche 
wurde nach Liibeck ubergefuhrt, wo in der St.-Jacobi-Kirche, deren Gemeinde- 
vorsitzender er 12 Jahre lang gewesen, die Trauerfeier bereitet war. Bei seinem 
Austritt aus dem Staatsdienste hatte der Liibeckische Senat K. die goldene 
Ehrendenkmiinze »bene tnerentinveTliehen. Seine Marmorbiiste, ein vortreffliches 
Werk des L,iibeckers Fritz Behn (Munchen), das K.s Gattin dem Senate zum Ge- 
schenk machte, ist im groflen Audienzsaale des Liibecker Rathauses aufgestellt. 

Timmendorfer Strand (Ostsee). E. F. Fehling. 

Lamprecht, Karl Gotthart, * 25. Februar 1856, f 10. Mai 1915, deutscher 
Historiker von Weltruf als Vorkampfer einer neuen umstrittenen Richtung 
kulturgeschichtlicher Wissenschaft. — In Jessen an der Schwarzen Elster, 



I40 1915 

einer freundlichen Kleinstadt unweit des Flaming auf dem Boden ostdeutscher 
Kolonisation, war L. geboren als jiingster Sohn des in evangelischem Freimut 
und echter Frommigkeit seines Amtes waltenden Oberpf arrers. Das vaterliche 
Geschlecht war kursachsischer Herkunft, die Mutter (geb. Limberg) ent- 
stammte einer in der Niederlausitz verbreiteten Familie, die eine Mischung 
deutschen und wendischen Bluts aufwies. Die weite Flur des Heimatorts auf- 
merksam durchstreifend, bekundete der Knabe Neigung zu aUerlei Sammler- 
tatigkeit sowie zu naturkundlicher Beobachtung. Im Elternhause in die An- 
f ange des hoheren Schulunterrichts eingefiihrt, ward er im Alter von zehn Jahren 
(1866) auf das Gymnasium der Lutherstadt Wittenberg gebracht,wo er Auf- 
nahme in dem altehrwiirdigen, mit Bildern Cranachs geschmiickten Lufft- 
schen Hause fand. Ostern 1869 kam er nach Schulpforta, der seit der Refor- 
mationszeit beriihmten Pflegestatte gediegenster humanistischer Bildung und 
strenger Selbstzucht. Stets hat L. ihr treue Anhanglichkeit bewahrt; er be- 
kannte, daJ3 seine » Deutsche Geschichte« dort ihren friihesten Urspnmg gehabt 
hat. Wirklich warf er sich mit ungewohnlichem Eifer auf die Beschaftigung mit 
Geschichte : der Rektor W. Herbst, der als Historiker »Personen im Zusammen- 
hang mit ihrer Zeit« darzustellen wuBte, schlofl in ihm das Verstandnis dafiir 
auf; die mittelalterlichen Erinnerungen des Saaletals regten die historische 
Phantasie an. Die Valediktionsarbeit, mit Vignetten geziert, schrieb L. iiber 
die groBe Leichenrede des Perikles (1874). Das Universitatsstudium begann er 
in Gottingen. Da G. Waitz sich eben damals nach Berlin wandte, horte er bei 
dem griindlichen J. Weizsacker; starker zog ihn E. Bernheim an, der mit 
feinem, auf den inneren Gehalt eingehenden Verstehen mittelalterliche Quellen 
zu erklaren und literargeschichtlich zu werten wuBte. In Leipzig lernte er 
das erste in Deutschland gegriindete Historische Seminar unter C. v. Noordens 
Leitung kennen ; doch kam er diesem Vertreter europaischer Staatengeschichte 
nicht innerlich nahe. W. Arndt aus der kritischen Schule der Monumenta Ger- 
maniae fiihrte ihn in die geschichtlichen Hilfswissenschaften ein; vor allem 
fesselten ihn die Vorlesungen W. Roschers, der als Haupt der historischen 
Schule der Nationalokonomie auf der Hohe seines Wirkens stand. Diese 
Neigungen und Einfliisse zeigten sich bei der Wahl seiner Doktorarbeit, in 
der er, von bestimmter Einzelfrage ausgehend, sogleich neue Bahnen ein- 
schlug. In der Absicht, iiber den Investiturstreit zu schreiben und dabei mit 
der Datierung der Briefe des Bischofs Jvo von Chartres beschaftigt, ward er 
auf die Entrichtung der Zehnten in Frankreich gefiihrt. Sogleich faflte er den 
Stoff in allgemeinerem Zusammenhang : seine »Beitrage zur Geschichte des 
franzosischen Wirtschaftslebens im n. Jahrhundert« sollten, indem sie die 
Lebensart des Volkes im Ackerbau zeichneten, ein aus den Quellen erarbeitetes 
Stuck Kulturgeschichte bieten (Prom. 3. Mai 1878). In Miinchen, wo er nun mit 
Vorliebe kunstgeschichtliche Studien trieb, durchforschte er die Bildwerke 
und reichen Schatze an Handschriften mit Federzeichnungen. Die dabei ge- 
machten Beobachtungen verbanden sich ihm mit einer Erfahrung bei mittel- 
alterlicher Quellenlektiire. Als er die Quellen einer Epoche der deutschen 
Geschichte, des 10. Jahrhunderts, vollstandig in ihrer Gesamtheit las, fiel ihm 
ein gleichmaBiger Grundzug, die Durftigkeit an Einzelziigen, auf. So kam er, 
eigene Bahnen einschlagend zu einer neuen Fragestellung und schrieb, zunachst 
nur fiir sich selbst, einen Aufsatz nieder, frUber Individuality und Verstandnis 



Lamprecht 141 

fiir dieselbe im deutschen Mittelalter* (veroffentlicht im Anhang zur »Deut- 
schen Geschichte*, XII, 3 ff .), in welchem schon das Wesentlichste L.scher Ge- 
schichtsauffassung in skizzenhaftem Umrifl vorgezeichnet war. Wiederum 
handelt es sich um ein kulturgeschichtliches Problem : in dem Bestreben, das 
Wesen der mittelalterlichen Einzelpersonlichkeit und ihr Verhaltnis zu den 
Gebilden menschlicher Gemeinschaft zu ergriinden, iiberschaut der jugendliche 
Verfasser alle Gebiete der Lebensbetatigung, bemiiht, die gemeinsamen see- 
lischen Grundziige aufzudecken. 

Durch den friihen Tod seines Vaters (Winter 1879) genotigt, sich einen 
Lebensunterhalt zu schaffen, wandte sich L. nach Koln, wo er als Probe- 
kandidat am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium unter Oskar Jagers kraftvoller, 
die Bedeutung geschichtlichen Unterrichts wtirdigender Leitung eintrat. Zu- 
gleich nahm er die Stellung eines Erziehers im Hause des Bankiers Th. Deich- 
mann (an der Trankgasse nahe am Dom) an. So gewann er Fiihlung mit den 
Kreisen des groflztigig ausgreifenden Kolner Unteraehmertums ; vor allem 
trat er in nahe Beziehung zu einem der hochststehenden Fiihrer des 
rheinischen nationalen Liberalismus, Gustav Mevissen, der, jugendliche 
Neigungen fiir Geschichte und Philosophic festhaltend, sich den Auf- 
schwung geistigen Lebens in seinem Heimatland eifrigst angelegen sein lieB. 
L,. gewann ihn rasch fiir die eigenen Gedanken zur Forderung rheinischer Landes- 
geschichte; die Habilitation an der Universitat Bonn wurde ihtn ermoglicht 
(9. Juni 1880), im Jahre danach entstand die »Gesellschaft fur rheinische Ge- 
schichtskunde* mit einem groBangelegten Arbeitsplan, es begann im Verein mit 
F. Hettner die Herausgabe der »Westdeutschen Zeitschrift fiir Geschichte und 
Kunst« (1882 ff.). Die Hauptaufgabe, der L. jetzt seine frische Kraft widmete, 
war die Erforschung der materiellen Kultur ; doch schrankte er sie bei der t)ber- 
fiille des Quellenstoffs auf das Moselland ein, und zwar auf die Entwicklung des 
platten Landes. Schon nach wenig Jahren erschien unter dem Titel »Deutsches 
Wirtschaftsleben im Mittelalter<( sein stattUches Werk (I p I 2 ; II, III nebst 
Kartenbeigaben, 1885/1886), welches Zeugnis von erstaunlicher Bewaltigung 
eines umschichtigen und sproden Materials an Urkunden, Weistumern und 
Urbarien ablegte. Um die gleiche Zeit, als die historisch-statistische Methode 
dem tief eren sozialgeschichtlichen Verstandnis des Stadtewesens dienstbar ge- 
macht ward, wandte sie L. auf dievielschwieriger zu erfassenden landlichenZu- 
stande an. Die Betrachtung der Wirtschaft verband er mit der Entwicklungs- 
geschichte der Besiedelung, der Landesverbande, des Genossenschaftswesens, 
der landwirtschaftlichen Technik, der Ausbildung der Landesgewalt. Wohl hatte 
L.s I^istung noch groBere Wirkung ausgelost, wenn sie langsamer ausgereift, die 
Form der Einzeluntersuchung mit massigen Quellenbelegen mehr in straff zu- 
sammenf assender Darstellung tiberwunden worden ware ; doch sicher bedeutete 
sie einen Markstein in der Geschichte landlicher Wirtschaft und Verfassung: das 
Buch trug ihm, trotz manchen Widerspruchs namentlich wegen seiner Stellung 
zur grundherrlichen Theorie, den Ruf eines kundigen Wirtschaftshistorikers 
ein. Inszwischen entzog er seine Aufmerksamkeit keineswegs den idealen 
Entwicklungsf aktoren der Kultur ; als einen Beitrag zur Geschichte des deut- 
schen Geschmacks veroffentlichte er die *Initialornamentik des 8. bis 13. Jahr- 
hunderts« (1882) und beteiligte sich an der Herausgabe eines der wertvollsten 
Denkmaler rheinischer Buchmalerei, der prachtigen ^Trierer Adahandschrift« 



142 19*5 

(1889). Mit Stadtgeschichte befafite sich L. weniger eindringlich ; wohl hielt er 
eine Vorlesung iiber Geschichte der Stadt Koln und schilderte vor der Biirger- 
schaft anschaulich das mittelalterliche Kolner Wirtschaftsleben, auch iiber- 
nahni er die Leitung der »Chroniken niederrheinischer und westfalischer Stadte« 
(1887 — 1889), doch ohne selbst eine Arbeit anzugreif en, die seinera der land- 
lichen Kultur gewidmeten Werke hatte ebenbtirtig werden konnen. In den 
»Skizzen zur rheinischen Geschichte « (1887) legte er eine Reihe gliicklich ein- 
ander erganzender Auf satze und Vortrage einem groBeren Leserkreis vor ; dann 
wandte er sich von der Landesgeschichte ab, nach Grofierem drangend. 

Inzwischen hatte L. in seiner Tatigkeit an der Universitat Lehrerfolge erzielt. 
Die Wirtschaf tsgeschichte f iihrte er in den Bestand an Vorlesungen ein ; er er- 
ganzte den Untenicht durch Ausfluge in die historisch so denkwiirdige rhei- 
nische Landschaft. Auch las er iiber deutsche Geschichte, bis in die Renaissance- 
zeit, zunachst nur in der Absicht auf Klarung eigener Anschauungen, und be- 
reitete damit sein Hauptwerk vor. Bald begann er mit der Ausarbeitung des 
ersten Bandes, hielt jedoch die Veroffentlichung vorlaufig zuriick. Am 27. Mai 
1885 war er zum a. o. Professor ernannt worden; am 10. Februar 1890 wurde 
er als Ordinarius fur Geschichte nach Marburg berufen, am 27. Dezember des 
gleichen Jahres als ord. Professor der mittleren und neueren Geschichte nach 
Leipzig, wo er im Sommersemester 1891 seine Lehrtatigkeit begann (Antritts- 
vorlesung: Die politischen und geistigen Stromungen des 10. Jahrhunderts und 
das Kaisertum Ottos III.). Seinen Hausstand hatte L. schon zuvor gegriindet: 
er verheiratete sich mit Mathilde, der Tochter des elsassischen Dichters Gustav 
Miihl (1887) ; zwei Tochter wurden ihm geboren, Marianne (1888) und Else 
(1890). In Leipzig stieg er bald zu einem Hohepunkt seiner Laufbahn empor. 
Nachdem er an der Begriindung des »Deutschen Historikertags« (Miinchen 
1892) teilgenommen hatte, leitete er die glanzend verlaufende Leipziger Ver- 
sammlung 1894, wo nach eingehender Berichterstattung iiber die Organisation 
landesgeschichtlicher Forschung in verschiedenen Gebieten Deutschlands zu 
kiinf tiger Beratung der gemeinsamen Angelegenheiten die »>Konferenz landes- 
geschichtlicher Publikationsinstitute« ins Leben gerufen wurde. L. selbst 
ubernahm eine Aufgabe landesgeschichtlicher Art nicht mehr ; wohl aber war 
es seiner Riihrigkeit zu danken, dafi in Sachsen ein dort schon erwogener 
Plan Verwirklichung fand, die Begriindung der »Kgl. Sachsischen Kommission 
fiir Geschichte « (1896), deren geschaftsfiihrendes Mitglied er in den ersten 
beiden Jahrzehnten ihres erfolgreichen Wirkens gewesen ist. 

Die eigene schopferische Leistung jener Jahre waren die ersten Bande seiner 
»Deutschen Geschichte« (I — V x — 2 ; 1891/1895). Nicht aus dem Bediirfnis, eine 
Theorie geschichtlicher Entwicklung praktisch zu erproben, ging dies Werk 
hervor; iiberhaupt war es urspriinglich durchaus nicht an geschichtsphiloso- 
phischem Ausblick orientiert. Aus tiefstem Grande personlich erlebten For- 
schens wuchs es heraus, aus stiirmischem Drang nach allumfassender Gesamt- 
anschauung der Geschichte deutscher Nation: noch stand es, zumal da ein- 
dringlich dem Werden und den Wandlungen der Volksseele nachgespiirt ward, 
unter Nachwirkungen der grofien geistigen Stromungen der Romantik. Aber 
zugleich leuchtete das Ziel auf, mit helleren Begriffen den ungeheueren Stoff 
zu meistern. Ein bestimmtes Vorbild schwebte dabei dem Verfasser nicht vor. 
K. W. Nitzsch, aus dessen NachlaC kurz zuvor eine deutsche Geschichte mit 



Lamprecht 140 

ungewohnlicher Beriicksichtigung der wirtschaftlichen Momente erschienen 
war, hat schwerlich auf L.s Anfange mafigebend gewirkt; grofier war offenbar 
der Einflufi J. Burckhardts, doch auch er bot nicht Richtlinien fiir die Stoff- 
durchdringung des Ganzen. An die Spitze stellte L. eine anfanglich nur knapp 
umrissene Geschichte des deutschen NationalbewuBtseins, dessen Entwicklung 
von urzeitlichem Mythos bis zur reichen Auspragung in den Zeiten des auf- 
steigenden Nationalstaats und des vielgestaltigen freien Verkehrs im 19. Jahr- 
hundert mit Gedanken und Worten umschrieben ward, wie sie spater in der 
I^ehre von den Kulturzeitaltern ausgestaltet worden sind. In der Darstellung 
selbst wirkte vor allem die kiiline Erfassung des gesamten geschichtlichen 
Lebens in seiner ganzen Breite und Fiille : Gesellschaft und Staat, Wirtschaft, 
Sittlichkeit und Recht, Dichtung, bildende Kunst, Religion wurden mit iiberall 
gleich hinspahendem Auge iiberschaut, auch der Erzahlung der auBeren Ge- 
schehnisse war ausgiebiger Raum gewidmet. In bisher ungewohntem MaBe 
wurden die wirtschaftlich-sozialen Erscheinungen behandelt, ja bisweilen so 
auffallend in den Vordergrund gestellt, daB in Verkennung der tiefer liegenden 
Grundgedanken L.scher Geschichtschreibung der Verfasser als Vertreter der 
materialistischen Geschichtsauffassung angesehen werden konnte. Am meisten 
mit dem Reize der Neuheit umkleidet waren die hier eroffneten Einblicke in 
die wahrend der einander folgenden Zeiten intensiver und reicher entfaltete 
Art des Schauens und Denkens, auch des Wollens der Menschen. Dem Aus- 
gefiihrten lag die Annahme gemeinsamer Grundzuge der gesamten Kultur eines 
jeden Zeitraumes zugrunde; doch noch traten dahinzielende Leitgedanken 
nicht in allgemein erorternden Darlegungen beherrschend hervor : die Einheit- 
lichkeit der Kultur kam jeweils im innerlich verbundenen Gefiige des Ganzen 
zu lebendigem Ausdruck und wurde so mehr dem Anschauungsvermogen des 
Lesers als dem Nachdenken nahegebracht. Bei der jungeren Ausgestaltung 
zeigte sich freilich in jener Hinsicht ein spiirbarer Wandel, obgleich an dem 
Wesentlichen der friiheren Auf f assung und Formgebung durchaus festgehalten 
wurde. Erst nach einer Reihe von Jahren, in denen L. grundsatzlicher Erorte- 
rung iiber die Aufgaben der Geschichtswissenschaft zugewandt gewesen war, 
kam die Fortsetzung zur Veroffentlichung (Bd. VI — XJI, 1904 ff., nebst zwei 
Erganzungsbanden : »Zur jiingsten deutschen Vergangenheit« 1902/1904) ; 1909 
war das ganze, 18 Bande umfassende Werk zum AbschluB gebracht. Schon 
auBerlich war der Aufbau nunmehr in einer klar herausgearbeiteten Stufen- 
folge der fiinf mit innerer Entwicklungsnotwendigkeit auseinander hervor- 
gehenden Kulturzeitalter durchgefuhrt. Viel bewuBter, ja lehrhafter war die Ab- 
sicht darauf gerichtet, die seelische Haltung als den eigentlichen Wesenskern 
bloBzulegen, weit scharfer als friiher ward das Psychische als das alien I,ebens- 
auBerungen zugrunde liegende Gemeinsame betont, wie sich dies besonders bei 
der Geschichte materieller Kultur an dem jetzt angestellten Versuch einer 
Psychisierung der Wirtschaftsstufen zeigt. Indes trotz sichtlich gesteigerter 
Keigung zu rein gedanklichem Unterbau der Darstellung, zu weit ausholenden 
Betrachtungen langer Reihen entwicklungsgeschichtlicher Zusammenhange war 
eine unendliche Fiille und Mannigfaltigkeit des Besonderen und Einzigartigen 
zu einer Gesamtwirkung kiinstlerisch durchtrankter Geschichtschreibung ver- 
arbeitet. Ihre Hohepunkte fand sie in der lichtvollen und ergreifenden Schilde- 
rung der groBen geistigen Bewegungen des friihsubjektivistischen deutschen 



144 I915 

Idealismus und seiner bedeutendsten Personlichkeiten, wahrend die entschei- 
denden Vorgange politischer Aktion nicht selten in einer bei neuzeitlicher 
Historie ungerechtfertigten Weise verblafiten. 

Die Bedeutung eines solchen Werkes konnte nicht in der Ermittlnng des Tat- 
sachlichen, nicht in der Erklarung geschichtlicher Einzelvorgange liegen, ob- 
schon L. bei der Vorbereitung es keineswegs an selbstandigerDurcharbeitung von 
Quellenstof f oft bis ins einzelnste, namentlich auf kunstgeschichtlichem Gebiet, 
fehlen lieB. Den eigentiimlichen Wert machte die Gesamtanschauung aus ; eben- 
darum war leicht ein Streit der Meinungen moglich. Die Aufnahme, welche der 
♦ Deutschen Geschichte* zuteil ward, erwies sich als nngleich. In der breiteren 
Off entlichkeit weckte sie weithin Begeisterung ; hier bef riedigte nicht nur der 
Reiz des Neuen und des genial anmutenden groBartigen Wurfs, wirklich schien 
tiefer im Zeitverlangen begriindetes Sehnen nach wissenschaftlicher Kultur- 
geschichtschreibung, wie es nach der langen Vorherrschaft der historisch-poli- 
tischen Schule und nach all den Einseitigkeiten eines oft trockenen Geschichts- 
unterrichts in den Kreisen von Bildung und Besitz lebhaft aufgestiegen war, 
erfiillt zu sein. Auch bei Gelehrten des Auslandes fand L. willige Anerkennung. 
Anders bei den heimischen Vertretern historischer Fachwissenschaft. GewiB 
war die Ablehnung keineswegs allgemein ; namentlich bei den Jiingeren ward 
vieles von dem, was I,, anstrebte, gewiirdigt und bot fruchtbare Anregung, und 
neben den Zuriickhaltenderen scharten sich freudigst zustimmende Anhanger 
um den aufs hochste verehrten Meister. Indes die fachgenossische Kritik hob 
anf angs EinzelverstoBe gegen die Anforderungen an wissenschaftliche Genauig- 
keit hervor, dann sprach sie sich grundsatzlich wider Auffassung und Methode 
aus; an den letzten Banden ging sie meist stillschweigend voriiber, und erst spat 
erschienen Versuche umfassender, gerecht abwagender Wertung. Es war doch 
nicht eine ganz richtige Schatzung der Lage, wenn L,. nur einen vor Alter er- 
starrten Betrieb geschichtlicher Wissenschaft sich gegeniiber vorzufinden 
glaubte. In Wirklichkeit bewies die aufstrebende jungrankesche Richtung nicht 
bloB Macht, sondern auch innerliche Kraft; dem Gewinn neuer kulturgeschicht- 
licher Stoffgebiete verschloB sie sich nicht, hielt jedoch an der auf die Tat- 
bestande gerichteten objektiv-kritischen Forschung fest und wehrte sich gegen 
die vermeintlich drohende spiritualistische Verfliichtigung aller realen Machte 
des geschichtlichen Daseins. 

L. selbst, eine kampfesfreudige Natur, in zuversichtlicher Stimmung auf den 
Sieg seiner Sache vertrauend, schritt zum Angriff. Er eroffnete die Ausein- 
andersetztmg mit den Gegnern in Artikeln der Wochenschrift »Zukunft« 1896 
und fiihrte sie in umf angreicheren Broschiiren und Aufsatzen fort ; um nur die 
wichtigsten zu nennen: Alte und neue Richtungen in der Geschichtswissen- 
schaft (1896), Was ist Kulturgeschichte ? (»Dtsch. Z. f. Gesch.-wiss.« N. F. 
1896/97, S. 75 ff .) , t)ber die Entwicklungsstufen der deutschen Geschichtswissen- 
schaft (»Z. f . Kulturgeschichte*, V, 385 ff.), Die historische Methode des Herrn 
v. Below (1899), Die kulturhistorische Methode (1900). Etwas spater entstand 
aus Vortragen in St. Louis und an der Columbia-Universitat, die ihn zum 
Ehrendoktor promovierte, das knappe Buchlein ^Moderne Geschichtswissen- 
schaft« (1904). Die letzte und reifste Darstellung der Grundlinien seiner Ge- 
samtauffassung zugleich mit einer Ubersicht iiber die Entwicklung des histo- 
rischen Sinnes bot er endlich in der namentlich fur Lehrer bestimmten »Ein- 



Lamprecht 145 

fiihrung in das historische Denken« (1912). Fur Ls eigene innere Entwicklung 
hatte dieser heftig gefiihrte Streit die Bedeutung, daB eine Klarung und Fort- 
bildung seiner Ansichten eintrat; altere Formulierungen und Thesen wurden 
durch abgewandelte neuere verdrangt, denn leicht und rasch pflegte er seine 
Gedanken zu formen und an die Offentlichkeit zu bringen. Dabei war es von 
EinfluB, dafl L. , bei f riiher Neigung fiir philosophische Problemstellung, dennoch 
der eigentlich f achmannischen Schulung in Psychologie und Erkenntnistheorie 
lange entbehrt hatte. Sicher hat die positivistische Lehre August Comtes auf 
ihn keine f riihe Wirkung getan ; erst nachdem sich sein eigener Vorstellungs- 
kreis gebildet hatte, lernte er jene kennen. AuBerordentlich bedeutsam wurde 
fiir ihn die nahere Bekanntschaft mit W. Wundt; spater nahm er ihm zu- 
sagende Elemente der Philosophie von Th. Lipps auf, wahrend W. Diltheys 
Ansicht der Geisteswissenschaften und Lehre vom historischen Verstehen ihn 
nicht zu gewinnen vermochte. Stets wird es bei solch einem Kopf von sprudeln- 
der Gedankenfulle schwer halten, ein System bestimmter Lehnneinung fest- 
zustellen. 

Das Objekt fiir die Arbeit des Historikers erblickte L. in dem empirisch 
Gegebenen, das in unendlichem Stoffreichtum vorhanden ist; nur auf Er- 
griindung der immanenten Zusammenhange kann seine Tatigkeit gerichtet 
sein. Eine beherrschende Rolle spielte bei ihm die Forderung einer Erhebung 
der Geschichte zum Range einer Wissenschaft im wahren und vollen Sinne. 
Nur in dem Vordringen iiber das Singulare, Irrationale, Zufallige hinaus zu 
dem Allgemeinen und GesetzmaBigen, in dem Aufbau der Geschichte als einer 
Gesetzes wissenschaft glaubte er jenes Ziel erreichen zu konnen, mit strenger 
Anwendung des Kausalitatsprinzips, wobei letzte und tiefste Griinde eines 
den Natur- und Geisteswissenschaften gemeinsamen Erkenntnisverfahrens in 
Betracht kommen. In groBerer Klarheit als bisher arbeitete L. vornehmlich 
den Begriff Entwicklung heraus und forderte die echt genetische Geschicht- 
schreibung. Das Zustandliche und der Normalverlauf seiner in regelmaBiger 
Verursachung eintretenden Wandlungen stand ihm im Vordergrund der Be- 
trachtung; darum war ihm die Massenbeobachtung eine wichtige und unent- 
behrliche Handhabe geschichtswissenschaftlicher Forschung. Die Wirksam- 
keit hervorragender Personlichkeiten leugnete er nicht, betonte jedoch ihre nur 
representative Bedeutung, jedenfalls ihre Abhangigkeit von den Kulturzu- 
standen ihrer Zeit. Bei der Auff assung des Entwicklungsverlaufs schwebten ihm 
zeitweilig Analogien biologischer Erklarung vor. Doch immer klarer bewuBt 
und eindringlicher verlangte er, friih in ihm auftauchende Vorstellungen aus- 
gestaltend, die enge Verbindung von Geschichtsforschung und Psychologie: 
die Entwicklung des menschlichen Seelenlebens ward ihm zum zentralen 
Problem der gesamten Geschichts wissenschaft. Er loste es im Blick auf die 
sozialpsychischen Krafte in einer Gliederung der Geschichte einer Nation, 
gemaB der psychischen Distanz von der Gegenwart nach den Zeitaltern des 
Symbolismus, Typismus, Konventionalismus, Individualismus, Subjektivismus, 
deren Namen er, von einem Burckhardtschen Grundbegriff und kunstgeschicht- 
lichen Sprachgebrauch ausgehend, gewahlt hatte. Bestimmend fiir ein jedes 
ist seine Dominante (sein Diapason) : die seelische Haltung, die sich auf alien 
Teilgebieten des geschichtlichen Lebens offenbart. AufschluB iiber die Ur- 
sachen des immer wieder eintretenden Wechsels gibt die psychische Mechanik ; 
dbj 10 



146 i9i 5 

bisweilen hob er dabei die wirtschaftlichen Momente hervor, spater insbeson- 
dere die Masse neu sich einstellender seelischer Reize (Erweiterung des raum- 
lichen und zeit lichen Horizon ts u. a. m.) 

Ausgegangen war I,, von der Versenkung in die Geschichte seiner eigenen 
Nation, der er, ein Charakter mitteldeutschen Geprages, mit tiefgegriindeter 
und edel vergeistigter Vaterlandsliebe angehorte. Inzwischen hatten ihn seine 
Leitgedanken immer weiter in die Aufgaben vergleichender Kultur- und Uni- 
versalgeschichte gefiihrt. Die bei den Deutschen und anderen Volkern des 
abendlandischen Kulturkreises induktiv beobachtete Entwicklung war er ge- 
neigt als allgemeingiiltig anzunehmen ; mindestens behauptete er ihren heuristi- 
schen Wert und glaubte sie an einzelnen hervor ragenden Beispielen, so in Ost- 
asien bei den Bewohnern Japans, als zutreffend erkennen zu konnen. Besonder- 
heiten und Abweichungen, zumal bedingt in Rasse und Landesnatur, lieB er 
gelten und hielt deren Ermittlung fur universalhistorisch wichtig. Spater ge- 
stand er zu, dafi die GesetzmaBigkeit der von ihm aufgestellten Folge von 
Kulturzeitaltern erst noch in kiinftiger vergleichender Forschung zu erweisen 
sei und wohl eine Umgestaltung werde erfahren konnen. t)ber ihrem typischen 
Verlauf nahm er einen hochsten singularen Prozefi weltgeschichtlicher Art 
wahr, bei welchem die Ubertragungen gewisser Kulturinhalte von Nation zu 
Nation, von Zeit zu Zeit, wie sie in Rezeptionen und Renaissancen vollzogen 
werden, bedeutsam sind. Eigene Anschauung einer fremden werdenden Kultur 
gewann er auf seiner Reise nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika 
(Americana 1906); mit Vorliebe vertiefte er sich in die altere japanische und 
chinesische Geschichte, auch hierbei vorzxiglich die Erzeugnisse der Phantasie- 
tatigkeit (Bildnerei und Malerei) als schon beweiskraftig nach dem Gesetz der 
psychischen Relationen nutzend, wahrend ihm die Uberlieferung unmittelbar 
in der fremden Sprache unerschlossen blieb. Als ein Hilfsmittel zum Ein- 
dringen in das Verstandnis des Seelenlebens primitiver Bevolkerungen be- 
schaf fte er in der Annahme eines psychogenetischen Grundgesetzes (dem phylo- 
genetischen entsprechend) eine vielseitige Sammlung von Kinderzeichnungen 
und plastischen Modellierungen aus Landern Europas und fremder Erdteile. 
Uber die von der Forschung einzuschlagenden Wege sprach er sich mehrfach 
aus (Zur universalgeschichtlichen Methodenbildung. Abhandlg. d. phil.-histor. 
Kl. d. Kgl. Sachs. Ges. d. Wiss. 1909, S. 33 ff. ; Internat. Wochenschrift 1908, 
Nr. 5), Sein Plan war es, mit eindringenden und eigenen quellenmaBig be- 
griindeten Studien iiber universalhistorische Probleme sein Lebenswerk zu 
kronen; doch war ihm nicht beschieden, dies auszufiihren: nur vorbereitende 
Leistungen der Organisation wurden noch vollbracht. 

Von jeher hatte I,, sich dem akademischen Lehrberuf mit seltener Liebe und 
Hingebung gewidmet; er war ja ein geborener Lehrer von suggestiver Kraft. 
Seine natiirlicheGabe lebenspriihender und von Geistesblitzen durchleuchteter 
Beredsamkeit, die Fahigkeit zu uberraschenden Perspektiven, bisweilen ein Ton 
bis zu prophetischer Verkiindigung feierlichen Ernstes, fiir gewohnlich die des 
Pathos entbehrende einfache Sachlichkeit sogar mit derbem und sarkastischem 
Witz, stets eine aus tiefstem Lebensgrund iibersprudelnde Fiille, in gliicklichen 
Augenbhcken ein durchscheinender Humor, dies alles zwang, wenigstens in 
L.s besten Jahren, den Horer unwiderstehlich in seinen Bann. Wohl mochte er 
Widerspruch wecken, doch stets ging fruchtbarste Anregung von ihm aus. 



Lamprecht 147 

Dabei hielt er bei den Teilnehmern der von ihm abgehaltenen Ubungen sehr 
wohl auf eisernen ArbeitsfleiB und strenge Zucht des Denkens; von kultur- 
geschichtlichem Erklaren einer Quelle sagte er, dafi dies ein Ausschopfen bis 
zum Grunde sei. In Leipzig ergriff er mit Eifer die Aufgabe planmaBiger Ausge- 
staltting des Unterrichts und aller Lehrmittel im historischen Seminar. Als 
seine Wege starker von denen der Fachgenossen abbogen und sich Schwierig- 
keiten des Zusammenwirkens ergaben, begriindete er dank dem Entgegen- 
kommen der sachsischen Regierung und der Beihilfe freundlicher Spender das 
»Institut fur Kultur- und Universalgeschichte« im »Goldenen Baren«, Uni- 
versitatsstrafie 11 (1909). Es war L.s Lieblingsschopfung, die er zu einem ebenso 
praktisch eingerichteten wie behaglichen und schmuckvollen Heim fiir ge- 
schiehtswissenschaftliche Studien ausbaute ; zugleich sollte es in der planvollen 
Durchbildung des Lehrbetriebes und in der angemessenen Verwertung der aka- 
demischen Lehrkrafte ein Vorbild sein. (Das Kgl. Sachs. Institut fiir Kultur- 
und Universalgeschichte bei der Universitat Leipzig, 1909; vgl. Internat. 
Woch. 1908, Nr. 5.) Auch hierbei war ihm das Erreichte nur der Ausgangspunkt 
fiir weiteres, hoheres Planen ; nun warf er sich mit vollpersonlicher Wucht auf 
die damals vielerorterten Fragen der Hochschulreform. Wahrend seines Rek- 
toratsjahrs 1910/n (Zwei Reden zur Hochschulreform) gelang es ihm, einzelne 
wichtige Fortschritte zu tun. Der Veranschaulichung amerikanischen Universi- 
tatswesens diente eine Ausstellung in der Aula nebst Vortragen. Einen Kon- 
flikt in der Studentenschaft nutzte er, um ihr eine neue, anderwarts nachge- 
ahmte Verfassung mit einem Ausgleich zwischen Korporationen und Nicht- 
inkorporierten zu geben. Mit richtigem Blick sicherte er der Universitat den 
Erwerb eines giinstig vor der Stadt gelegenen Gelandes, wo seine regsame 
Phantasie schon die innerlich neugeordnete Universitat der Zukunft als eine 
Welt fiir sich lockend aufzubauen unternahm. Daneben wuCte er in eifriger 
Werbetatigkeit unter Leipzigs Biirgerschaft die Mittel zu einer groCen Stiftung 
zu erlangen, vermoge deren unter Gewahrung staatUcher Zuschiisse die Er- 
richtung geisteswissenschaftlicher Forschungsinstitute in Angliederung an die 
Universitat durchfiihrbar geworden ist (1914/15). Indes dieser nimmermiide 
Geist stiirmte rastlos weiter, immer neuen groCeren Zielen entgegen. Mit Leb- 
haftigkeit setzte er sich ein fiir Plane und Forderungen der Kulturpolitik, bald 
bedacht auf bessere Verstandigung der Nationen untereinander, bald sein 
eigenes Volk zu griindlicherem Verstehen fremder Volker mahnend, zuletzt in 
sorgendem, drangendem Verlangen, deutscher Geisteswissenschaft imd damit 
dem Deutschtum iiberhaupt offene Bahnen weltweiten Einflusses iiber die 
Erde hin zu sichern. 

Eine willkommene Gelegenheit zur Erprobung solchen Strebens bot sich auf 
der International Ausstellung fiir Buchgewerbe und Graphik zu Leipzig 1914. 
In der Halle der Kultur veranschaulichte hier L. in einer »Grundausstellung« in 
geschmackvoller Weise seine Auff assung von dem Aufkeimen seelischen Lebens 
beim Kinde wie bei primitiven Volkern und in primitiver Kunst und weiter die 
Entwicklung in zunehmender Reife nach der Folge der Hauptzeitalter der 
Kultur. Da brach der Weltkrieg aus. Dem Kulturhistoriker, der in einem langen 
Forscherleben voll gesammelter Kraft um die Ergriindung der geistigen Zu- 
sammenhange im Werden der Menschheit tapfer und standhaft gerungen hatte, 
ward es innerlich nicht leicht, den Ubergang zu dem Gebot der Stunde zu fin- 



I48 1915 

den, da die Entscheidung iiber Volkerschicksal nach dem Gliick der Waf fen f iel. 
Doch stellte sich L., ein treuer Sohn seines Volkes, auf die neue Lage ein (Vor- 
trag am 23. August 1914). Der Aufrichtung seiner schwerbedrangten Nation 
zu seelischer GroBe wollte er dienen mit seinera letzten Buch: » Deutscher Auf- 
stieg 1750 bis 1914* (1914). Im Marz 1915 eilte er nach der Westfront, wo er 
Eindriicke vom Kriegsschauplatz auf sich wirken liefi und mit dem Kaiser 
nnd den leitenden Mannern deutscher Politik und Kriegfiihrung sprach. Kor- 
perlich geschwacht, seelisch nicht erhoben kehrte er heim. Er vermochte sich 
nicht wieder zu erholen ; an den Folgen einer perniziosen Anamie, deren friiheste 
Anfange wohl schon urn ein Jahrzehnt zuriickreichten, verschied er im Kran- 
kenhaus zu St. Georg am 10. Mai nach einem leuchtenden Friihlingstag kurz 
vor Mitternacht. Eine ungewohnlich eindrucksvolle Trauerfeier in der Pau- 
linerkirche, bei der die Eroica erklang, ward ihm zu Ehren veranstaltet ; seinem 
Wunsche gemaB ruht er auf dem stimmungsvollen Friedhof von Pforta, das 
ihm eine geistige Heimat war. 

Eine starke Personlichkeit von ureigenstem Wuchs, voll ganz ungewohn- 
lichen, verschwenderisch ausgeschiitteten inneren Reichtums, ist Iy. durch die 
Zeitspanne jiingster deutscher Geschichte geschritten, die er selbst als eine 
solche der Reizsamkeit gekennzeichnet hat. Wie sein Lebenswerk, barg auch er 
in sich manchen unausgeglichenen Widerspruch ; dennoch erscheint er als ein 
Mensch von groBer Geschlossenheit und Einheitlichkeit seines Wesens. Er- 
staunlich war seine Auf nahmef ahigkeit, die Empf anglichkeit fiir verschiedenste, 
auf ihn in Wort und Bild einstiirmende Eindriicke, die intuitive Kraft, womit 
er Umwelt und auftauchende Probleme zu meistern vermochte; aber damit 
verband sich bei ihm eine ausgesprochene Neigung und Begabung zu raschem 
Einordnen aller Erscheinungen in Wissenschaft und I,eben in ein rational 
reichgegliedertes System. Inneren Impulsen und auBeren Anregungen folgend, 
lieB er sich leicht weiter treiben von einem kaum erreichten Ziel zum ferneren ; 
hinter jeder oft noch nicht einmal voll gelosten Aufgabe tiirmten sich neue, 
schwierigere, riesenhafte bis zur Wolkenhohe empor. Steter Unruhe voll 
und hastig, als miiBte er das Unendliche zwingen, eilte er unentwegt immer 
vorwarts; doch recht wohl bewahrte er im Festhalten an den tiefstliegenden 
Absichten zahe Willensstarke und Beharrlichkeit. Da er in der Wahl seiner 
Mittel, veranderten Lagen sich anpassend, wechselte und iiberdies bei schneller 
Hinwendung zu Neuem Erinnerungsbilder sich leicht ihm verschoben, warfen 
manche ihm einen Mangel an Zuverlassigkeit vor ; bis zu langwahrender Feind- 
schaft konnten die Gegensatze sich steigern. Wohl mochte es ihm ein Bediirf nis 
sein, Menschen im Dienst seiner Sache zu wissen; personliche Huldigungen 
wehrte er ab. Schwer traf ihn das Ungluck, daB ein unheilbares Nervenleiden 
schon friih seine Frau seinem Hause fernhielt. Eine gesellige, mitteilsame 
Natur, liebte er es, einen groBeren, mannigfaltig zusammengesetzten Kreis um 
sich zu scharen. Den Seinen, Freunden, Mitarbeitern und Schiilern gab er Be- 
weise warmer menschlicher Gesinnung und wahrer Giite. Ein Grundzug seines 
Wesens war das frohe, glaubiger Hoffnung voile Vertrauen zu den Menschen 
und zu gliickhafter Gestaltung kiinftigen Geschicks. In den letzten Tiefen 
seines personlichen Seins, nur selten of fenbar werdend, lag eine echte, ehrf urcht- 
erfiillte Religiositat. 



I<amprecht. Mannesmann IAQ 

Literatur: K. L., Kindheitserinnerangen (i 918) ; Rektoratserinnerungen (1917). — 
K. L. zum Gedachtnis (Trauerfeier, 191 5). ■ — Ein Verzeichnis der Schriften L.s, zu- 
sammengestellt von R. Kotzschke, s. Berichte der Kgl. Sachs. Ges. d. Wiss., phil.-hist. 
Kl. LXVII, S. A. 13 ff. — Der Nachlafi befindet sich in Verwahrung der altesten Tochter, 
Frau Dr. Klein -Walbeck, SchloB Walbeck, Kr. Geldern. Eine Nachschrift der Bonner 
Vorlesung L.s iiber deutsche Geschiehte stiftete A. Doren dem Institut fiir Kultur- und 
Universalgeschichte in Leipzig. — G. Winter, K. L. (» Die Gesellscbaft«, 1898). Einleitung 
zu H. F. Helmolts Portratgalerie aus L.s Deutscber Geschiehte (2. Aufl., 1920). — K. L., 
Erinnerungsschrift der » Deutschen Geschichtsblatter «, von Rud. Kotzschke, mit Nachwort 
von A. Tille (191 5). — K. Biicher, Worte zum Gedachtnis an K. L. (Kgl. Sachs. Ges. d. 
Wiss. LXVII). Ecce der Landesschule Pforta 1915, S. 21 f. — Joh. Kretzschmar, Zum 
Gedachtnis K. L.s (» Leipziger Lehrerzeitungt 1915, S. 354 ff.). • — H. Barge, K. L. (» Die 
Hilfe* 191 5, 20. Mai). — L. M. Hartmann, Vierteljahrsschr. f. Soz. u. Wirtsch.-Gesch. XIII, 
S. 209 ff. — F. M(einecke), » Hist. Zeitschr.« CXIV, 696 ff. — G. Seeliger, »Hist. Viertel- 
jahrsschr. « XIX, 133 ff. — K.Brandi, K. L. (»G6tt. Gel.-Anz.« 1912, Nr. 11). — Fr. Eulen- 
burg, Neuere Geschichtsphilosophie (»Arch. f. Sozialwissenschaft ♦, XXV, 319 ff.). — Er. 
Rothacker, Uber die Moglichkeit und den Ertrag einer genetischen Geschichtsschreibung 
im Sinne K. L.s (Beitr. zur Kultur- u. Univ.-Gesch. 20, 191 2). — Alf. Doren, K. L.s Ge- 
schichtstheorie und die Kunstgeschichte (»Zeitschr. f. Asth. u. allg. Kunstwiss. ♦. XI, 
S. 353 ff.). — R. Gabert, K. L.s Theorie der Geschichtswissenschaft (Leipzig. Diss. 1921, 
ungedruckt; Auszug s. Jahrb. d. Philos. Fak. 1921 II, S. 51 ff.). 

Leipzig. Rudolf Kotzschke. 

Mannesmann, Max, * in Remscheid am 30. Dezember 1857, f in Aachen am 
2. Marz 1915. — Eine Stadt mit einer jahrhundertealten Industrie, ein Haus, 
dem die Eigenart der Stadt das Geprage gegeben, weil seine Manner seit Gene- 
rationen im heimischen Gewerbe tatig waren, das ist der Boden, in dem Max M.s 
Personlichkeit wurzelte. Ihm entstammten die Charaktereigenschaften, die 
Geistesrichtung und Fahigkeiten, welche ihm einen Platz unter den hervor- 
ragendsten Erfindern Deutschlands verschafften. Die hervorstechendsten des 
Remscheiders : Intelligenz, Energie, Griindlichkeit, Umsicht und FleiB finden 
wir ebenso bei ihm wie die typischen des dortigen Fabrikanten : zahe Ausdauer 
in der Verfolgung gesteckter Ziele, ungemeine Regsamkeit fiir sein Gewerbe 
und dessen Vervollkommnung, aufmerksamen, scharfen Blick fiir die Er- 
rvmgenschaften der Technik und ihre Nutzbarmachung in seinem Betriebe. 
Dazu kam bei ihm eine gluckliche Kombination von scharfer Logik, der Fahig- 
keit intensivster Gedankenkonzentration mit spekulativem Sinn, die ihn zu 
einem genialen Konstrukteur machten. Die Betatigung seiner technischen Ver- 
anlagung war ihm hochster LebensgenuB, hinter der schon in seiner Jugend 
alle Lebensfreuden zuriicktraten. 

Max M., der Sohn des Fabrikbesitzers Reinhard M., besuchte die Biirger- 
schule in Remscheid und das Realgymnasium in Diisseldorf und ging dann auf 
die Technische Hochschule zu Charlottenburg. Er unterbrach seine Studien, 
um seinem Bruder Reinhard bei praktischen Versuchen an den sogen. Zement- 
ofen des vaterlichen Werkes zu helfen. Nach Beendigung dieser Versuche be- 
zog er die Universitat Bonn, wo er Physik studierte, und trat darauf in die 
seinem Vater und dessen Briidern gehorende GuBstahlfabrik ein. Die Feilen- 
fabrikation wurde, wie die iibrigen Zweige der Remscheider Kleineisenindustrie 
bis in die 5oer Jahre handwerksmaBig betrieben. Die Bruder M. waren die 
ersten, die zum Fabriksystem iibergingen, indem sie die mechanische Herstel- 
lung des Massenartikels einfiihrten und die verschiedenen Fachhandwerker, 
die ihre Teilarbeit nach der alten Methode in eigener Werkstatt verrichteten, in 



150 1915 

ihrer Fabrik vereinigten, M. M. widmete sich in dem Werk ausschliefilich dem 
maschinellen Teil und der Fabrikation, wofiir er schon als ganz junger Mensch 
sein Interesse bekundete, als er mit seinem Vater an der Verbesserung der GuB- 
stahlfabrikation arbeitete. Stahlprobleme haben die Remscheider und Solinger 
Eisenfertigindustrie mit ihrem Drang nach Qualitatsverbesserung schon seit 
dem 18. Jahrhundert beschaftigt. Es war selbstverstandlich, daB sich eine Per- 
sonlichkeit wie Max M. an ihrer Losung ebenfalls beteiligte. Er strebte von 
ihnen aus nach Vervollkommnung der Feilen- und Werkzeugherstellung und 
kam zu vielen glucklichen Resultaten. Er erf and in Gemeinschaft mit seinem 
Bruder Reinhard den Weichkernstahl. Hierbei wird die auBere Schicht eines 
Stahlblocks durch Zementieren hart gemacht, wahrend das Innere weich bleibt. 
Aus diesem Weichkernstahl wurden in groflen Mengen Kurbelzapf en und andere 
Maschinenteile hergestellt, die einem groBen Verschleifi unterlagen. 

Die Idee der bedeutungsvollsten Erfindung, der Erfindimg der nahtlosen 
Rohren, der sogenannten Mannesmannrohren, hat die Bruder viele Jahre hin- 
durch bei ihren physikalischen Beobachtungen beschaftigt. Fur die Feilen- 
fabrikation wurde bis in die achtziger Jahre fast ausschliefilich Tiegelstahl, 
und darunter auch ein Spezialstahl verwendet, den man in langen polierten 
Stangen fast nur aus England einfuhrte. Die Versuche Remscheider Fir men, 
diesen Stahl nachzumachen, wurden wieder aufgegeben, da sich der Stahl 
bei der weiteren Verarbeitung zu Feilen als unbrauchbar erwies. Den Mifi- 
erfolg fiihrten die Bruder M. auf das dabei angewandte Walzverfahren der 
Stahlstange zuriick. Man machte neue, umfassende Versuche, welche die 
Erfinder endlich zur Iy6sung des Problems fiihrte. Es handelt sich dabei um 
ein sogenanntes Schragwalzverfahren, d. i. ein solches, bei welchem die Wal- 
zenachsen schief gegeneinander liegen. Das durchlaufende Eisen empfangt 
neben der Drehbewegung um die eigene Achse noch eine Schraubenbe- 
wegung. Die aufiere von den Walzen zunachst erfaBte Metallschicht wird 
hierbei in einer Schraubenlinie verschoben und so tiber den langsamer fort- 
schreitenden Kern hinweggestreift, daB ein Rohr von ziemlich gleicher Wand- 
dicke entsteht. Das Rohr lauft sogleich beim Heraustreten aus dem Walzwerk 
iiber einen Dorn, der ihm das Kaliber gibt imd zugleich den Kern des Arbeits- 
stiicks zuriickhalt. Im Jahre 1885 wurden die Versuche zu Ende gefiihrt und 
am 26. Marz 1886 erhielten M. das 1. Patent. Sie bauten nun ein Rohrenwalz- 
werk an die GuBstahlfabrik in Remscheid an, diesem folgte 1887 das Rohren- 
walzwerk in Bous bei Saarbriicken, 1888 das in Komotau in Bohmen, gleich- 
zeitig das in Landore in Sudwales. Hauptsachlich aus finanziellen Grunden ver- 
einigte man 1890 alle Werke mit Ausnahme des englischen zu einem groBen 
Gesamtunternehmen unter dem Namen Deutsch-osterreichische Mannesmann- 
rohrenwerke A.G. zunachst mit dem Sitz in Berlin bei der Deutschen Bank, 
welche die Hauptglaubigerin war; 1893 wurde es nach Diisseldorf verlegt. 
Schon bald nach der Griindung zeigte es sich, daB die dem Patent zugrunde- 
liegende Herstellungsmethode einen gewinnbringenden Wettbewerb auf dem 
Markt nicht zulieB. Es folgte deshalb eine Periode neuer Versuche, in der wohl 
die wissenschaftlichen Arbeiten fortschritten, aber das Unternehmen nur durch 
Opfer auf rechterhalten werden konnte. Eine gliickliche Fiigung war es, daB sich 
in dieser Zeit Manner fanden, die alien bedeutenden technischen Erfindungen 
das groBte Interesse entgegenbrachten und den neuen Unternehmungen ihre 



Mannesmann. Meyerheim 151 

tatkraftige Hilfe zuteil werden lieBen. Es waren Eugen Langen und Werner 
Siemens. Langen als Vorsitzender des Schaaffhausenschen Bankvereins stellte 
diese Bank den Werken zur Verfiigung und veranlaBte die Herstellung markt- 
gangiger Waren. Er beteiligte sich mit den Briidern Siemens an der Griindung 
des Werkes in Bous und Komotau. 

Eine Gefahr erwuchs den Werken durch die im Rohrensyndikat vereinigten 
wirtschaftlichen Gegner. Sie versuchten die Mannesmannwerke zu isolieren, 
indem sie von ihren Abnehmern, die gleichzeitig Bezieher nahtloser Rohren 
waren, verlangten, die Verbindung mit den Mannesmann werken aufzugeben, 
andernfalls sie die Lieferung der ihnen notwendigen geschweiBten Rohre 
sperren wiirden. Darauf nahm M. die Fabrikation geschweiBter Rohre auf und 
griindete ein SchweiBwerk in Rath bei Diisseldorf , das 1906 den anderen Werken 
angeschlossen wurde. Mit den erwahnten Erfindungen war Max M.s Schaffen 
nicht erschopft. Er erfand mit seinem Bruder Otto das Hangegliihlicht, kon- 
struierte die fiir seine Erzgruben notigen Walzwerke urn, indem er sie mit 
staubsicheren Kugellagern versah, vervollkommnete Maschinenteile aller Art, 
woftir er eine groBe Anzahl Patente erhielt. Von 1906 — 1910 war er mit seinen 
Briidern in Marokko tatig, wo ihm Bergwerkskonzessionen vom Sultan ver- 
liehen wurden. Seit 19 10 widmete er sich fast ganz der Mannesmann -Mulag, 
Lastkraftwagengesellschaft in Aachen. Seine Erfindungsgabe, die der Allge- 
meinheit so viele neue Werte geschaffen hatte, sollte am SchluB seines Lebens 
dazu dienen, die Not vieler zu lindern. Bei Ausbruch des Weltkrieges baute er 
einen Krankenanhangerwagen, der an jedes Automobil angehangt werden 
konnte und der so leicht war, daB ihn zwei Manner auf das Schlachtfeld schieben 
konnten. Bei einem solchen Transport in die vordersten Linien der Kampfzone 
hat sich Max M. eine typhose Lungenentziindung geholt, an der er im Lazarett 
in Aachen starb. 

Max M. Hauptbedeutung liegt in seiner Eigenschaft als Erfinder, sein Leben 
zeigt ein unablassiges Streben nach technischen Fortschritten, er loste fast jede 
Aufgabe konstruktiver Art. Seine Energie sicherte die Ausfiihrung seiner Er- 
findungen, obwohl die kaufmannische Seite der Unternehmungen zu wiinschen 
iibrig lieB (siehe auch K. Helfferich, Georg v. Siemens, Bd. II, S. 143 f.)- 
Nicht nur nach der intellektuellen Seite war er eine reichbegabte Natur, auch 
sein Gemut weist viele sympathische Ziige auf, die in seinem liebenswiirdigen 
Wesen, in asthetischen und poetischen Neigungen in Erscheinung traten. 

Liter atur: Schriftliche Mitteilungen des Herrn Carl Mannesmann. — Dr. Bruno Kuske, 
Eugen Langen. — Deutsche Industrie, Deutsche Kultur, Mannesmannrohren-Werke-Num- 
mer. Jahrg. IX, Nr. 6, Ecksteins Biographischer Verlag, Berlin. — Dr. Fr. C. Ziegler, Die 
Tendenz der Entwicklung zum GroDbetrieb in der Remscheider Klein eisenindustrie. — 
K. Helfferich, Georg v. Siemens, Bd. 2 (1923). 

Koln. Dr. Auguste Elbers. 

Meyerheim, Paul, Maler, * in Berlin am 13. Juli 1842, f daselbst am 14. Sep- 
tember 1915. — Ein von alien Faktoren der Gunst des Glucks unterstiitzter 
Aufstieg war diesem Sohn des in Berlin heimisch gewordenen, in Danzig ge- 
borenen Malers F. Eduard Meyerheim von friiher Jugend an vergonnt; alles 
Hemmende, alles ungewisse Schwanken und alles Ringen um seine Kunst ist 
ihm erspart geblieben. In einer kiinstlerischen Atmosphare aufgewachsen, von 



152 1915 

dem beriihmten Vater her hochbegabt, war er zur Kunst vorherbestimmt. Als 
Schiiler schon malte und verkaufte er seine ersten Bilder. Sein Lehrmeister 
war der Vater, auf der Berliner Akademie und auf Reisen vollendete er seine 
Studien. Als er sich 1865 fur i l / 2 Jahre in Paris niederlieB, war er schon ein 
fertiger Kiinstler. 

Nach den Pariser Jahren griindete er sich ein eigenes Heim in Berlin, das 
bald ein Mittelpunkt der kunstlerischen Gesellschaft wurde dank seinen engen 
freundschaftlichen Beziehungen zu Knaus, Anton v. Werner und vor alien 
zu Menzel, der Paul M. von dessen Kindheit an ein vaterlicher Freund war. 

Seine geistige Regsamkeit, seine vielseitige Begabung, die sich auch auf 
Musik erstreckte, seine geselligen Vorzuge, besonders sein schlagfertiger Witz 
und unversiegbarer Humor sicherten M. eine groBe Beliebtheit in weiten Krei- 
sen Berlins. Friih f and sein kiinstlerisches Schaffen die hochste Anerkennung : 
mit 27 Jahren schon wurde der Jungberiihmte Mitglied der Akademie der 
Kiinste. 1883 erhielt er eine Professur an der Hochschule fur die bildenden 
Ktinste als Leiter der Tiermalklasse. 

Die Tiermalerei, der er sich von Jugend an mit besonderer Vorliebe zuge- 
wandt hatte, ist sein Spezialgebiet geblieben. Schon sein erstes groBeres Bild 
»Nach Tisch, Hund und Affe« (i860) war fiir seine Auffassung des Tiergenres 
bezeichnend. Der Berliner Zoologische Garten war das Hauptfeld seiner Stu- 
dien von Kindheit an bis ins hohe Alter. Aber auch figurliche Kompositionen 
beschaftigten ihn viel (»Biicherhandler und Waisenkinder in Amsterdam* 
[1867], »Wildenbude« [1872], »Kohlenmeiler im Gebirge« [1873], »Scheren- 
schleifer«, »Savoyardenkinder« [1868] und andere); die besten davon sind die, 
die Menschen zusammen mit Tieren darstellen, wie »Die Schafschur« (1871), 
die ihm die groBe goldene Medaille eintrug. 

Mit scharfer Beobachtung hat M. das Wesen der vielen Tiergattungen, die 
er als Objekte seiner Kunst wahlte, charakterisiert. Neben den Lowen gehorte 
seine Vorliebe besonders den Affen, denen er haufig menschlich-parodistische 
Ziige verlieh, wie iiberhaupt sein Humor in seinem Schaffen iiberall durch- 
blickt. Erzahlendes, Anekdotisches haftet seinen Bildern in reichlichem MaBe 
an und gibt ihnen vielfach illustrativen Charakter; doch folgte der Kiinstler 
hierin eben dem Zuge seiner Zeit. In seinen Tierdarstellungen sind die Krea- 
turen meistens nicht in naturlicher Freiheit erfaBt, M. bevorzugt die Mena- 
gerien, Schaubudenszenen, den Zoologischen Garten, die Zirkuswelt. 

Der Freude am Gegenstandlichen gesellte sich aber ein bedeutendes ma- 
lerisches Konnen, das in M.s spaterer Zeit allerdings nicht immer frei von 
etwas auBerlicher Virtuositat war, die bei der enormen Produktivitat des 
Kiinstlers auch manches Fluchtige zeitigte in der groBen Zahl seiner Werke, 
deren bedeutendste hier auch nicht annahernd alle angegeben werden konnen. 

M. war keineswegs einseitig auf das Tiergenre eingeschworen, er malte auch 
Bildnisse, von denen das seines Vaters (1878) im Danziger Museum das ge- 
lungenste ist, ferner Marchenszenen, Stilleben und zahlreiche dekorative 
Bilder (eine Saaldekoration im Reichsjustizamt in Berlin 1880, verschiedene 
Speisesaaldekorationen und anderes). In einem Zyklus v r on sieben groBen auf 
Kupferplatten gemalten Bildern fiir die Gartenhalle der Villa Borsig gab er 
Darstellungen aus der Eisenindustrie, speziell »Die Geschichte der Lokomotive* 
(1872 — 75), seine umfangreichste und eine seiner wertvollsten Schopfungen. 



Meyerheim. Neven-Du Mont 153 

GroBere Reisen, eine 1889 unternommene nach Spanien und eine Fahrt auf 
der » Gazelle « nach dem Orient 1892/93 erweiterten seinen kiinstlerischen 
StofFkreis ; neben Genreszenen waren Landschaf ten und Architekturbilder das 
Ergebnis. 

Dem Schicksal so vieler akademischer Kiinstler in den achtziger Jahren, 
einer falsch verstandenen Modernitat zuliebe ihre Malweise zu andern und 
damit stark zu verflachen, ist auch Paul M., der doch ein starkes urspriing- 
liches Talent war, nicht entgangen. Deshalb sind auch bei ihm die Friihwerke 
die besten und malerisch kultiviertesten. Den lebensfrohen Mann traf in den 
beiden letzten Jahrzehnten das tragische Geschick, daB sein Augenlicht ab- 
nahm; mit erstaunlicher Energie arbeitete er aber trotz immer mehr er- 
loschender Sehkraft bis in sein hohes Alter. 

Der Letzte aus dem intimen Kreis von Menzel und Knaus ist mit diesem 

vielseitig begabten Maler dahingegangen, der eine echte Kiinstlernatur und 

in der Geschlossenheit und frohen Nattirlichkeit seines Wesens eine ungemein 

anziehende Personlichkeit war. 

Literatur: Rosenberg, Die Berliner Malerschule, Berlin 1879, S. 303 ff. — Derselbe„ 
Geschichte der modernen Knnst, 2. Aufl., Leipzig 1894, 3. Bd., S. 215 ff. — Fr. v. Reber, 
Geschichte der neueren deutschen Kunst, Leipzig 1884, 3. Bd., S. 380. — F. v. Boetticher, 
Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Dresden 1898, 2. Bd., S. 47 ff. — Katalog der P.-M.- 
Ausstellung, Akad. d. Kiinste, Berlin 1900. — R. Hamann, Die deutsche Malerei im 
19. Jahrhundert, Leipzig 1914, S. 181. — Archiv der Akademie der Kiinste Berlin (Per- 
sonalnachrichten und Lebenslauf ) . — Lithographien und Reproduktionen : Der Zoolo- 
gische Garten in Berlin, Tierstudien nach der Natur auf Stein gezeichnet von P. M. (1859). — 
ABC, 27 aquarellierte Origin alzeich nun gen von P. Meyerheim (mit Reimen von Trojan). — 
Aus Studienmappen deutscher Meister, P.M., 10 Studien in Lichtdruck, Breslau, Verl. 
Wiskott. — Photogravuren nach Gemalden von P. M., Berlin, Photograph. Gesellsch aft. — 
Von P.M.: Adolph v. Menzel, Krinnerungen von P.M., Berlin 1906. 

Berlin-Zehlendorf. A. Amersdorf fer. 

Neven-Du Mont, Josef, Dr. jur., Geheimer Kommerzienrat, * in Koln am 
13. August 1857, t * n Koln an den Folgen eines Wagenunfalls am 1. November 
1915. — Josef Neven-D. war es nicht an der Wiege gesungen worden,daBer be- 
rufen war, einstmals I,eiter einer der groBten und angesehensten deutschen Zei- 
tungsunternehmungen zu werden. Er studierte Jurisprudenz tmd war Referen- 
dar am Kammergericht, als im Oktober 1880 sein Oheim Ludwig Dumont starb 
und nun die »K61nische Zeitung« dessen Sch wester, Frau Christine Neven geb. 
Dumont, der Mutter Josefs, und seinem Vater August Neven die Leitung des Un- 
ternehmens zuf iel. Rasch entschlossen folgte Josef dem Rufe des Vaters, um sich 
fortan dem Zeitungsgewerbe zu widmen. Er diente von der Pike auf; in Koln 
und in Strafiburg, wo sein Vater damals als journalistischen Vorposten in der 
wiedererworbenen Westmark die »Stral3burger Post« gegriindet hatte, stand 
er am Setzkasten und sa£ auf dem Redaktionsstuhl. In Straflburg machte er 
die Bekanntschaft seiner nachmaligen Gattin, Anna Mahler, die er 1883 ehe- 
lichte. Mit Eifer und Pflichttreue ging Josef Neven ans Werk, und als er nach. 
dem Tode des Vaters im Jahre 1896 zusammen mit seinem jiingsten Bruder 
Alfred die Zeitung selbstandig zu iibernehmen hatte, war er langst die Seele 
des Unternehmens. Die »K61nische Zeitung« war am Rhein die traditionelle 
Vertreterin eines geeinigten Deutschlands imter PreuBens Fiihrung, eines auf 
denGrundsatzen des gemaBigten und nationalenL,iberalismusruhenden Reiches- 



154 ^5 

Diese Tradition hatte auch Josef Neven-D. — sein Zweig der Familie Neven 
fiigte zur Erinnerung an die ehemaligen Besitzer der Zeitung den Namen Dumont 
dem ihrigen hinzu — durch Erziehung und aus t)berzeugung in sich aufgenom- 
men ; er vertrat sie in den Reihen der Nationalliberalen Partei, deren Fiihrer 
und Sprecher er dank seinen politischen und wirtschaftlichen Kenntnisen in 
der Stadtverordnetenversammlung in Koln und im Rheinischen Provinzial- 
landtag wurde. Diese Vorziige und die Gabe, Gegensatze zu glatten und auf das 
Sachliche und Einigende zuriickzufuhren, veranlaBten auch die Kolner Han- 
delskammer, ihn zu ihrem Vorsitzenden zu wahlen. Wie sich aber die Ehren- 
amter, die ihm im offentlichen I^eben zufielen, auch haufen mochten, sein 
Ivebenszweck blieb die Fiihrung der ihm gehorigen Zeitungen, der »K61nischen 
Zeitung « nebst dem zu ihr gehorigen »Stadtanzeiger« und der »StraBburger 
Post«. Und er war ein Zeitungsverleger grofien Stils, der die Zeitung nicht allein 
als Erwerbsquelle, sondern als ein Unternehmen im Dienste des Gemeinwohls 
auffafite; wie dem alten Cotta w r ar ihm sein Beruf eine offentliche Magistratur r 
die er mit der peinlichen Gewissenhaf tigkeit und dem strengen Verantwortungs- 
gefiihl, die ihm eigen waren, verwaltete. Der Verleger, so sagte er einmal in 
einem offentlichen Vortrag iiber Zeitungskunde, solle eine Personlichkeit sein, 
die den ganzen Betrieb beseele, alle Abteilungen zu einer lebendigen Einheit 
zusammenf asse, im Verlag, in den kauf mannischen wie den technischen Zweigen 
des Unternehmens schaffe, mit seinem geistigen Stabe, der Redaktion, in 
dauernder vertrauensvoller Fiihlung bleibe und miterlebe, was an Gedanken 
und Ereignissen an die Zeitung herantritt und von ihr Umwertung fur die 
Offentlichkeit fordert. Aus diesen Anschauungen heraus war Josef Neven-D. 
ein Gegner der Vertrustung im Zeitungsgewerbe, und wie er seiner Person alle 
unlauteren Einfliisse, denen der Zeitungsverleger ausgesetzt ist, fernhielt, so 
wuBte er auch seinen Zeitungen voile politische und wirtschaftliche Unab- 
hangigkeit zu wahren. Das verschaffte ihm iiber seinen engeren Betatigungs- 
kreis hinaus im offentlichen Leben ein Ansehen und eine Achtung, die ihm alle 
Tiiren offneten und bewirkten, daJ3 bis in die hochsten Stellen hinauf seine Mei- 
nung gern gehort und sein Rat begehrt wurde. Allzufruh ist Josef Neven-D. 
durch einen tuckischen Unfall einem I^eben entrissen worden, das reich war 
an Gaben und befruchtend an Anregungen fiir seine rheinische Heimat und 
das deutsche Vaterland. 

GroBhadern bei Miinchen. Ernst Posse. 

Payer, Julius v., osterreichischer Offizier, Alpenforscher, Polarforscher und 
Maler, * in Schonau bei Teplitz am i. September 1842, l f in Veldes (Krain) 
am 30. 2 August 1915. — Schon friih wurde P. fiir die militarische I,aufbahn 
bestimmt. Als Knabe von kaum mehr als zehn Jahren verlieB er die Unter- 
realschule in Hainburg, trat in das k. k. Kadetteninstitut in Lobzowa bei 
Krakau ein und besuchte von 1857 ab die k. k. Militarakademie in Wiener- 
Neustadt. Im Jahre 1859 wurde er als Unterleutnant 2. Klasse beim 30. In- 
fanterieregiment eingeteilt. Zum Oberleutnant aufgeriickt, nahm er amOster- 
reichisch-Italienischen Krieg des Jahres 1866 teil und zeichnete sich in der 

1 Nach W. Lehner: 1841. 

2 Nach W. Lehner: 29. August. 



Neven-Du Mont. Payer 155 

Schlacht von Custoza durch die Eroberung zweier italienischer Geschiitze aus, 
fiir welche Tat ihm das Militarverdienstkreuz verliehen wurde. Bald darauf 
erfolgte seine Zuteilung zum Militargeographischen Institut in Wien. 

Aber nicht erst diese Kommandierung machte den Offizier zum Alpinisten 
und Alpenforscher. Von seinen Garnisonsorten Verona und Venedig unter- 
nahm er in den Jahren 1862 und 1863 seine ersten hochalpinen Bergfahrten, die 
er dann in dem Jahrfiinft 1864 — 1868 zu einer vollstandigen ErschlieBung und 
Erforschung der Adamello-, Presanella- und Ortleralpen ausgestaltete. Als 
mittelloser Offizier seine Ausriistung und Hilfsmittel lediglich von den Erspar- 
nissen seiner kleinen Besoldung bestreitend und jeweils nur seinen kurzen 
Sommerurlaub fiir seine Forschungen benutzend, ging er auf seine Bergfahrten. 
Sie waren ihm nicht Selbstzweck, sondern sie dienten in erster I,inie der geogra- 
phischen Forschung, orometrischen und topographischen Aufnahmen, der 
Namengebung und touristischen ErschlieBung. Erst im Sommer 1868 ging er 
als Offizier des Wiener Militargeographischen Instituts zu Aufnahmezwecken in 
den ostlichen Teil der Ortlergruppe imd schloB damit seine hochalpine Auf- 
nahmetatigkeit ab. 

P. wird vielfach, besonders in der alpinen Literatur, als »Meister der For- 
schung und der Bergeroberung« geriihmt, der in sich die Griindlichkeit des Ge- 
lehrten mit der Zahigkeit und Willensstarke des Soldaten vereinigte. Dieses 
Lob diirfte wohl zu weit gehen, und Eduard Richter diirfte ihn richtig beurteilen, 
wenn er sagt, daC bei P. der kuhne Bergsteiger und Mappeur den Gelehrten 
iiberwog ; immerhin bedeuteten seine Hohenmessungen und Kartenauf nahmen 
einen wesentlichen Fortschritt gegenuber den vorhandenen offiziellen Karten 
und waren lange Jahre genau wie die von Keil, Sonklar und Pfaundler die 
besten Karten iiberhaupt der von diesen Mannern erschlossenen Gebiete. Als 
Bergsteiger ubertraf P. alle vorangegangenen alpinen Bahnbrecher, er gait 
seinen Zeitgenossen als »Matador« der deutschen Bergsteiger (Karl Hofmann) 
und wurde an Kuhnheit und wagemutigem Draufgangertum in den nach- 
folgenden Jahren wohl nur von dem alleingehenden Hermann v. Barth iiber- 
troffen; P. hat z. B. allein in der Ortlergruppe mehr als 50 Gipfel bestiegen, 
wovon 22 groflere Erstersteigungen waren. Die Schilderungen seiner Fahrten 
und Forschungen sind »wahre Perlen des alpinen Schrifttums« (W. Lehner), sie 
muten auch heute noch frisch und naturlich an, als seien sie eben erst geschrie- 
ben, so daC die 1920 erfolgte Neuherausgabe des touristischen Teils dieser 
Schilderungen lebhaft zu begriiBen war. 

Die Erinnerung an P. als Alpenforscher bleibt der Nachwelt erhalten durch 
die Payer-Spitze und die Payer-Hiitte im Ortlergebiet (3020 m) , erbaut im Jahre 
1875 von der Sektion Prag des Deutschen und Osterreichischen Alpenvereins, 
durch die Cima di Payer in der Adamellogruppe. Das Suldenjoch wird auch als 
Payer-Joch bezeichnet und der sich von dieser Einschartung absenkende steile 
Ferner wird vielfach Payer-Ferner genannt. In Sulden befindet sich eine Gedenk- 
tafel, errichtet vom Deutschen und Osterreichischen Alpenverein im Jahre 1892, 
mit dem Reliefbildnis P.s; die Tafel tragt auch den Namen Johann Pinggeras, 
eines Deutschen aus Sulden, der P.s Begleiter und Fiihrer in den Ortleralpen war. 

Aus dem alpinen Bergsteiger und Gletscherwanderer wurde im Spatherbst 
1868 der Polarf orscher. August Petermann, der unermudliche Vorkampfer 
fiir die Polarf orschung — in den Erganzungsheften zu »Petermanns Mittei- 



156 19*5 

lungen« wurden seit 1865 P.s alpine Schilderungen und Forschungen veroffent- 
licht — , lud ihn zur Teilnahme an einer Nordpolarfahrt ein, und freudig sagte 
P. zu. In dem Zeitraum von $ l / 2 Jahren (1869 — 74) nahm er an zwei groBen 
Expeditionen und einer kleineren Vorexpedition teil : 1 . An der zweiten deut- 
schen Nordpolarfahrt nach Ostgronland (1869/70); 2. an der Vorexpedition in 
das Eismeer zwischen Spitzbergen und Nowaja Semlja (Sommer 1871); 3. an 
der groBen osterreichisch-ungarischen Nordpolexpedition (1872 — 74), deren 
Fuhrer Weyprecht und P. waren. Es ist hier nicht der Platz, auf die Einzel- 
heiten des Verlaufs dieser Reisen einzugehen, sondern es kann nur kurz ihr Ziel 
und ihr Erfolg skizziert werden. Die Expedition von 1869/70 sollte die Nordpol- 
frage auf der Basis von Ostgronland losen, d. h. moglichst weit zu Schiff an der 
ostgronlandischen Kiiste entlang zum Nordpol vordringen. Das gelang nicht, 
Koldeweys »Germania« erreichte nur 75 31' n. Br., aber auf Schlittenreisen 
drang P. bis 77 1' n. Br. vor. Die geographischen Ergebnisse dieser Expedition : 
ErschlieBung der Ostkuste Gronlands zwischen 73. und 77. Breitengrad, Ent- 
deckung des Kaiser-Franz- Joseph-Fjordes, dererste Blick in das geheimnisvolle 
Innere Gronlands, Feststellung des Charakters der Fjorde als untergetauchter 
Taler — all das war in erster Linie P.sche Forschungsarbeit. — Die Vorberei- 
tungsfahrt des Jahres 1871 fand zwischen dem 42. und 60. Grad ostl. Lange 
bis uber den 78. Breitengrad hinaus ein offenes eisfreies Polarmeer, so dafi 
August Petermann, der beharrliche Verfechter der Theorie des offenen ostlichen 
Polarmeeres, frohlockte: »Mit Weyprecht und P. ist die Polarangelegenheit 
so recht eigentlich in den Sattel gehoben worden.« — DaB dieses offene Polar- 
meer eine schone Theorie und daher eine arge Tauschung war, bewies der Ver- 
lauf der groBen Expedition von 1872/74. Schon hart nordlich von Nowaja 
Semlja fror das Expeditionsschiff Weyprechts und P.s, »Tegetthoff«, ein, 
trieb im Eise bis 79 58' n. Br. und muBte schlieBlich verlassen werden. So 
wurde das Ziel der Expedition, die nordostliche Durchfahrt, nicht erreicht; 
aber die unfreiwillige Drift im Eise fiihrte zu einem anderen bedeutsameir Er- 
gebnis, zur letzten groBen Landentdeckung im europaischen Eismeer, zur Auf- 
findung des Kaiser-Franz-Joseph-Landes. Wieder ist es P.s bleibendes Verdienst, 
auf drei kiihnen Schlittenreisen, die er vom treibenden Schiff aus antrat, die 
erste Erforschung dieses Landes vollfuhrt zu haben. 

Wenn spatere Forschungen die ersten Aufnahmen P.s wesentlich berichtigt 
und umgestaltet haben, sowohl die des Kaiser-Franz- Joseph-Fjordes — man ver- 
gleiche die z. B. von Hassert veroffentlichten Kartenskizzen des Fjordes nach 
alten und neuen Aufnahmen — als auch des Kaiser-Franz-Joseph-Landes, in dem 
sich die von Payer entdeckten beiden Hauptteile des Landes, Zichy- und Wilczek- 
Land, in zahlreiche groBere und kleinere Inseln auflosten, so kann dadurch P.s 
Bedeutung als polarer Entdecker nicht geschmalert werden. Auch Fridtjof 
Nansen hat dies trotz einzelner kritischer Bemerkungen im ganzen durchaus 
anerkannt. P.s Taten bleiben unvergessen, sein Name lebt fort nicht nur in 
den Werken, die er uber die Expeditionen schrieb (siehe unten) und die mit 
zu den besten dieser Art gehoren, sondern auch auf den Karten der Gebiete, 
die er forschend der Menschheit erschlossen hat. Am Ufer des Kaiser-Franz- 
Joseph-Fjords ragt bis 2200 m die Payer-Spitze auf; auf Kaiser-Franz- Joseph- 
Land finden wir einen Payer-Gletscher und das Meer im Norden des Wilczek- 
Landes, des ostlichen Teils des Franz- Joseph-Landes,heiBt die Julius-Payer-See. 



Payer 157 

Mit derRiickkehr von der»Tegetthoff«-Expedition horte fiirWeyprecht wie 
fiir P. die aktive Polarfahrertatigkeit auf; allerdings wirkte sie bei beiden 
Mannern ganz verschieden nach. Weyprecht hielt auf der Grazer Versammlung 
deutscher Naturforscher und Arzte im Jahre 1875 jene bedeutungsvolle Rede, 
die eine neue Methode in der Polarforschung (Stationsbeobachtung statt Ex- 
peditionen) einleiten sollte und die mit einer auBerst scharfen und bitteren 
Selbstanklage schlofi : »Indem ich dies ausspreche, klage ich mich selbst an und 
breche den Stab iiber den groflten Teil meiner eigenen, mit harter Arbeit er- 
kauften Resultate.« Wahrend er schon 1881 starb, lebte P. noch mehr als ein 
Menschenalter. Gleich nach der Riickkehr von der Expedition nahm er als 
Offizier seinen Abschied. Aus dem kiihnen Bergsteiger und wagemutigen 
Schlittenreisenden, aus dem vortrefflichen Zeichner von Karten- und Land- 
schaftsskizzen, aus dem beschreibenden Darsteller seiner Forschungen und 
Fahrten wurde ein Meister des Pinsels ; aus dem Wollen der Tat und dem Be- 
zwingen der Natur, aus der ungeheuren Fiille der Erlebnisse auf Berg und 
Gletscher, in Nacht und Eis erwuchs der Kiinstler, der Maler P. Er begann 
damit in Frankfurt a. M., studierte in Miinchen unter A.Wagner und schlieB- 
lich in Paris. Sein erstes groBes Bild »Die Bai des Todes« (1884) erhielt die 
GroBe Goldene Medaille der Munchner Akademie. Fast alle seine Gemalde be- 
handelten eigene Erlebnisse seiner Polarexpeditionen oder Episoden der 
Franklin-Expedition. So schuf er in Paris » Franklins Tod«, »Verlassen der 
Schiffe« tmd »Gottesdienst«, und wurde auch mit der Goldenen Medaille des 
Pariser Salons ausgezeichnet. Fiir das Naturhistorische Museum in Wien malte 
er eine Reihe von Wandgemalden : »Der ,Tegetthoff* im Eise«, >Franz-Joseph- 
Land«, »Nordische Mondlandschaft«, »Kap Tirol «. Als sein Hauptwerk gilt 
nach dem Urteil der Zeitgenossen »Nie zuriick« (1892). Im Jahre 1897 stellte 
er eine groBere Wiederholung der »BaidesTodes«, das Bild »Der Untergang der 
Franklin-Expedition «, aus. 

Auffallend ist, daB P. in der modernen Kunstgeschichte nicht die geringste 
Rolle spielt, ja sein Name nicht einmal genannt wird. Es mag dies damit zu- 
sammenhangen, daB er in dem Stofflichen seiner Bilder zu einseitig befangen 
blieb, daB er nur Illustrator, wenn auch groBten Stiles war, aber bis zum 
Malerischen und Kunstlerischen schlechthin nicht vordrang. Die mannigf altigen 
Auszeichnungen und Ehrungen, die ihm und seinen Gemalden zuteil wurden, 
mogen mehr dem groBen Tatmenschen und Forscher als dem Kiinstler gegolten, 
mehr das in seinen Bildern Dargestellte als die Kunst der Darstellung bewertet 
haben. So blieben ihm Enttauschungen und Krankungen nicht erspart; auch 
sein Familienleben riB entzwei. Und endlich ereilte ihn das Schlimmste, was 
einen Maler treffen kann : seit 1884 war er auf einem Auge blind, und allmahlich 
lieB seine Sehkraft immer mehr nach. 

So wurde in den neunziger Jahren aus dem Maler ein Redner. P. hielt inner- 
halb von 18 Jahren 1228 Vortrage, groBtenteils in Deutschland ; lachelndpflegte 
er zu erzahlen, daB die auf seinen Reisen mit der Eisenbahn zuriickgelegte 
Strecke zehnmal den Aquator umkreise. Wahrend dieser Vortragsreisen hat er 
die Entsendung von wissenschaftlich-kiinstlerischen Expeditionen nach Ost- 
gronland und in die Antarktis angeregt. Wenn er auch deren Ausfiihrung nicht 
durchsetzte, so hat doch ganz zweifellos seine grofie Vortragstatigkeit das Inter- 
esse fiir die Sudpolarforschung, das um die Jahrhundertwende sich gerade in 



158 1915 

und von Deutschland aus lebhafter und tatkraftiger entfaltete, geweckt und 
gefordert. 

Im Jahre 1912 raubte ihm ein Schlaganfall auch die Sprache und lahmte ihn ; 
damit f and die letzte Etappe in seinem so eigenartig wechselvollen Leben ihren 
jahen Abschlufl. Aber noch drei Jahre lebte er, bis ihn ein Tod in Schonheit fur 
manche Harten seines Erdenwallens entschadigte und erloste. Seine sterbliche 
Hiille wurde in Wien in einem Ehrengrab beigesetzt. 

Uberblicken wir noch einmal sein I^eben und seine Arbeit, so erscheinen sie 
uns doch als die eines ganz ungewohnlichen Mannes, in manchem fast ans 
Gigantische grenzend: Der junge tapfere Offizier, der kiihne AlpenerschlieBer, 
der erfolgreiche polare Entdeckungsreisende, der Maler und Schopfer von 
Kolossalgemalden, der unermiidliche lebendige Erzahler in Schrift und Wort. 
Wenn ihm in vielem, vielleicht sogar in jedem seiner fiinf so ganz verschiedenen 
Lebensabschnitte, der letzte grofle geniale Erfolg versagt blieb, so kann uns das 
seinen Namen und seine Bedeutung nicht verkleinern als eines Mannes, von 
dem zum mindesten das schone Goethesche Wort gilt, der dimmer strebend 
sich bemiiht«. 

Literatur: P. schrieb: Die Adamello-Presanella-Alpen, Gotha 1865. Erganzungs- 
heft zu i> Petermanns Mitteilungen* Nr. 17. — Die Ortler-Alpen, Gotha 1867 — 1872. Er- 
ganzungshefte zu » Petermanns Mitteilungen* Nr. 18 , 23, 27 und 31. — Die osterreichisch- 
ungarische Nordpolexpedition in den Jahren 1872 — 1874, Wien 1876; enthalt im 2.Teil 
auch eine ausfiihrliche Schilderung der Expeditionen von 1869 — 1870 und 1871. — Die 
Gletscher Ostgronlands und die sogenannte Schneegrenze in: Die zweite deutsche Nord- 
polarfahrt 1869 — 1870. Vortrage und Mitteilungen, Berlin 187 1. — Die zweite deutsche 
Nordpolarfahrt in den Jahren 1869 und 1870, Leipzig 1874. Der erste Band enthalt aus 
der Feder P.s die Kapitel iiber die Schlittenreisen und den Kaiser-Franz-Joseph-Fjord. — 
Zahlreiche Besprechungen von Neuerscheinungen der polaren Literatur in » Petermanns 
Geographischen Mitteilungen «. — J. P.s Bergfahrten, herausgegeben von Wilhelm Lehner, 
Regensburg 1920; mit einem Aufsatz des Herausgebers iiber P. als Alpenforscher, mit 
dem einzigen noch vorhandenen Bilde des jugendlichen P. und vielen seiner alpinen 
Bleistiftzeichnungen. — Ober P. als Alpinist und Alpenforscher vgl. Eduard Richter in 
» Zeitschrift des Deutschen und Osterreichischen Alpen vereins « XXV, 1894, S. 71 ff.; Die 
ErschlieBung der Ostalpen, 2. Bd., Berlin 1894, und zwar die Abschnitte: L. Friedmann, 
Die Ortlergruppe, und K. Schulz, Die Adamellogruppe. — t)ber P. als Polarforscher vgl. 
F. Nansen, In Nachtund Eis, Leipzig 1898, 2. Bd., S. 350 ff.; E. Weller, August Petermann, 
Leipzig 191 1, S. 96 u.a.; H. Riidiger, Deutschlands Anteil an der Losung der polaren 
Probleme, Hamburg 1913, V S. 22 f., 56 ff., 75 f.; K. Hassert. Die Polarforschung, 3. Aufl. r 
Leipzig 1914, S. 57. — Ober P. als Redner vgl. » Deutsche Rundschau fur Geographie und 
Statistik* XVII, Wien 1895, s - 2 59^-. » Geographische Zeitschrift «, Leipzig 1897, S. 175, 
241. — Nachrufe: A. Dreyer und A. Malek in » Mitteilungen des Deutschen und Oster- 
reichischen Alpenvereins« 1915, S. 184 fl. ; H. Riidiger in » Mitteilungen der Geographischen 
Gesellschaft Miinchen*. XI, 1916, S. 282 iT, 

Stuttgart. H. Riidiger. 

Rathenau, Emil, * am n. Dezember 1838 in Berlin, f am 20. Juni 1915. — 
Seine GroBeltern vaterlicherseits und namentlich miitterlicherseits waren fiir 
die damalige Zeit recht wohlhabende Leute gewesen, seine Eltern kounten ihm 
so gut wie gar nichts mitgeben. Nach dem Besuch des Gymnasiums zum grauen 
Kloster wurde darum R. einfacher Maschinenbauer. »Da weder Terpsichore 
noch andere Musen an meiner Wiege gestanden haben,« erzahlt er launig 
in einer Rede, die er bei einem zu Ehren seines siebzigsten Geburtstages veran- 
stalteten Bankett hielt, » reiste ich auch ohne Geleit in die Lehre nach Schlesien. « 



Payer. Rathenau I*jq 

Aber die 4V2 Jahre, in denen er auf der Wilhelmshiitte bei Sprottau, dem von 
seinem GroBvater Liebermann erworbenen, spater von dessen Sohnen gefiihrten 
Besitz, den Maschinenbau als »Proletarier in blauer Bluse und mit zerschun- 
denen Handen« von Grand auf lernte, haben ihm eine griindliche handwerk- 
liche Kenntnis des Fachs, das immer sein eigenstens Lieblingsfach geblieben ist, 
fiir alle Zeit mit auf den Weg gegeben. Aus der Erbschaft des GroBvaters, der 
ein immerhin nicht unbetrachtliches Vermogen hinterlassen hatte, fiel ihm wie 
auch den 15 anderen Erben eine Summe von einigen Tausend Talern zu. Nun 
konnte Emil R. seinem langst gehegten Trieb nach akademischer Bildung 
und Durchbildung nachgeben. Er studierte auf den technischen Hochschulen 
zu Hannover und Zurich, und mit dem »Diplom eines richtiggehenden In- 
genieurs nahm ihn Borsig, der Sohn des Begriinders, nach beendetem Stu- 
dium in seine Lokomotivenfabrik auf <<. Dort hatte er bleiben und eine »groBe 
Stellimg« erringen konnen, wenn er sich mit dem Streben und den Zielen eines 
tiichtigen Maschinenbauers begniigt hatte. Aber R. hat sich nie in seinem 
Leben begniigt. Er wollte sehen, lernen, er hatte den » Durst nach weiter 
Welt« und wollte alles in sich aufnehmen, was die Technik in damals fortge- 
schritteneren I,andern an Gegenwartserfiillungen und Zukunftsmoglichkeiten 
bot. Und iiberall, wohin er kam, begniigte er sich nicht zu sehen, sondern er 
brachte das Neue und Versprechende nach Deutschland mit. In der groBen 
englischen Schiffsmaschinenfabrik John Penn & Co. in Greenwich arbeitete er 
eine Zeitlang. »Trotz schmaler Kost und wenig Geld ist ihm diese Zeit unver- 
geBlich geblieben.* Hier und in anderen englischen Fabriken sperrte er Augen 
und Hirn ordentlich auf. AuBer den technischen Erkenntnissen, die er ihnen 
verdankte, gaben sie ihm den freien Blick des Staats- und Weltburgers. Auch 
die Freihandlerlehre mochte sich dem jungen Deutschen damals so tief ins Ge- 
fiihl gesenkt haben, daB er zeit seines Lebens nicht mehr von ihr loskam. 

Die Eltern hatten auf Beendigung der I,ehr- und Wander jahre gedrangt. 
Nach ihrer Meinung war es Zeit, daB der junge Ingenieur sich nun eine Existenz 
schaffte. Emil R. machte dann auch als gehorsamer Sohn den Versuch, ein 
wohlsituierter Durchschnittsbiirger und tiichtiger Fabrikbesitzer zu werden. 
Er kaufte gemeinsam mit einem etwas jiingeren Schul- und Jugendgenossen 
Julius Valentin die Berliner Maschinenfabrik M. Webers, »eine kleine Fabrik 
mit einem groBen Garten «, wie er dieses brave Unternehmen spater char akte- 
risierte, und fiihrte bald darauf Fraulein Mathilde Nachmann als Frau heim. 
Aber die Zeit der soliden SeBhaftigkeit dauerte nicht allzu lange. Natiirlich 
hatte ein beweglicher Geist wie der Rathenaus sich nicht damit zufrieden ge- 
geben, das ihm uberkommene Unternehmen nur eben auf dem Niveau anstan- 
diger Leistungsfahigkeit zu halten oder langsam etwas hoher zu bringen. Er 
hatte reformiert und experimentiert. Technisch war ihm dies auch gelungen. 
Als spate rhin die Grunderperiode iiber Deutschland dahinflutete, riB sie auch 
R. und seinen Compagnon zu groBziigigen Bauprojekten mit sich fort. Sie er- 
warben fiir 70 000 Taler einen groBen Gelandekomplex in Martinickenfelde und 
bauten eine neue groBe Anlage, »eine Fabrik aus einem GuB, wie sie Berlin da- 
mals nicht besafl«, so schilderte R. selbst das Werk. Nicht so fest fundiert wie 
in technischer Beziehung war das Unternehmen aber in finanzieller Hinsicht. 
Die Bank, die der auf ihre Veranlassung unter der Firma » Berliner Union « in 
eine Aktiengesellschaft umgewandelten Fabrik den zum Ausbau erforderlichen 



i6o 19 1 5 

Obligationenkredit zugesagt hatte, brach in der Griinderkrise zusammen, und 
die Berliner Union muflte liquidieren. R. konnte einen Teil seines aus dem Ver- 
kauf der Aktien erzielten Geldes — etwa 900 000 Mark — retten, als er nach 
iojahriger Tatigk^it nicht finanziell, aber unternehmerisch enttauscht das 
Werk aufgeben muBte. Er behielt von der ganzen Affare die spater fiir eine 
groBe Transaktion sehr niitzliche und heilsame Abneigung gegen Geschafte 
zuriick, fiir die er vorher das Geld nicht sicher hatte. 

Nun tat der 38jahrige Rentier, der seinen wahren Beruf noch nicht gefunden 
hatte, eigentlich 8 Jahre — sonst die produktivsten Jahre des Manneslebens — 
nichts Bestimmtes, wenn man fiir das unablassige Suchen und das leidenschaft- 
liche Lernen eines reifen Mannes den Ausdruck » nichts Bestimmtes tun« ge- 
brauchen will. Vielleicht wird Emil R., der immer empfangliche, immer beweg- 
liche, immer zum Wagen und Unternehmen bereite, aber schlieBlich doch meist 
immer wieder miBtrauisch »zuriickschnappende« fiir diejenigen, die ihn damals 
sahen und kannten, manche Ziige von Hjalmar Ekdal, dem ewigen Genie von 
morgen, an sich gehabt haben. Aber er wartete nicht aus Unentschlossenheit, 
er wartete vielleicht aus Prinzip, aus dem instinktiven oder vielleicht auch be- 
wufiten Gefuhl heraus, daB die Zeit fiir neue Unternehmungen der von ihm 
angestrebten Pragung nicht gunstig sei. Es ist frappierend, wie klar Emil R. 
— wenn man nicht annehmen will, daB ihm der Riickblick aus gereifterer Zeit 
seine friiheren Gedankenzusammenhange bewuBter erscheinen lieB, als sie es 
vielleicht urspriinglich waren — schon am Anfang der 7oer Jahre erkannte, daB 
eine technische Umwalzung unmittelbar bevorstand. Folgen wir seiner eigenen 
Darstellung: »Als in den 7oer Jahren des vorigen Jahrhunderts ich die erste 
Phase geschaftlicher Tatigkeit abgeschlossen hatte, erwog ich, ein DreiBiger 
damals, ob ich den mit Leib und Seele zugetanen Beruf wieder aufnehmen oder 
einer neuen Technik mich zuwenden sollte. An Anerbietungen fehlte es nicht, 
aber der GroBmaschinenbau schien seine Bedeutung fiir Berlin eingebiiBt zu 
haben. Bodenpreise imd Arbeitslohne waren so gestiegen, daB die alte manuelle 
Technik am Ende ihrer Leistungsfahigkeit angelangt war.« 

Neue groBe Eindriicke empfing R. 1876 auf der Weltausstellung in Philadel- 
phia, tmd die daran gekniipfte Studienreise, die in viele amerikanische Fabriken 
fiihrte, »vertiefte seine Kenntnisse der modernen Arbeitsverfahren«. Auch die 
deutsche Industrie hatte damals in Philadelphia ausgestellt, und die offentliche 
Meinung in Deutschland war patriotisch-verblendet und diinkelhaft genug, die 
soliden und bewahrten Leistungen der heimischen Industrie ebenbiirtig neben 
die amerikanischen »Bluffkonstruktionen« oder gar noch iiber sie zu stellen. 
R. befand sich nicht unter diesen Selbstzufriedenen. »DieSchatzederMaschinen- 
halle in Philadelphia waren mir unvergeBlich«, rief noch der Greis aus. Er be- 
griff entziickt und ubertrumpfte im Geiste noch die wahrhaft »unbegrenzten 
M6glichkeiten« des GroBmaschinenbaues, tmd noch viel spater, als er dem um 
ein Menschenalter alteren Werner v. Siemens, also doch einem ganz GroBen im 
Reiche der Elektrizitat, fiir damalige Verhaltnisse gewaltige Dynamomaschinen 
in Auftrag gab, schuttelte dieser unglaubig den Kopf und meinte : »Bauen kann 
ich Ihnen ja solche Maschinen, aber daB sie arbeiten werden, glaube ich nicht. « 

Endlich im Jahre 1881 — nach mannigfachen Anstalten und Versuchen (ins- 
besondere einem nur mit halbem Eifer unternommenen Versuch, das gleich- 
f alls in Philadelphia gesehene Telephon in Berlin einzufiihren) , die teils an der 



Rathenau l6l 

Ungunst der Verhaltnisse, teils an dem eigenen Mangel an innerer Anteilnahme 
scheiterten — sah R. die groBe Aufgabe seines Lebens vor sich. Er war auf der 
Elektrizitatsausstellung in Paris, wo damals Edison, der groBe Erfinder, sein 
neues Beleuchtungssystem vorfiihrte. Der Eindruck anf R., den die Beleuch- 
tungsprobleme schon vorher stark interessiert hatten, war vielleicht noch tiber- 
waltigender als der vor fiinf Jahren in Philadelphia. Ihn schildern am besten 
seine eigenen Worte: »Die nach damaligen Begriffen riesige Stromerzeugungs- 
maschine — Jumbo genannt — stand hinter den heutigen Kolossen in Kon- 
struktion und Leistung weit zuriick, aber zum ersten Male waren Maschinen 
geschaffen, die durch ihren Aufbau diesen Namen beanspruchen durften, Im 
Mittelpunkte des neuen Systems stand das Meisterstuck, die Kohlenfaden- 
lampe. — Edisons Beleuchtungssystem war bis in die Einzelheiten so genial 
erdacht und sachkundig durchgearbeitet, dafi man meinte, es sei in unzahligen 
Stadten jahrzehntelangerprobt gewesen.« R.s Plan stand fest. Dieses System 
muBte nach Deutschland iibertragen werden, es bot die Grundlage, um eine 
groBziigige Beleuchtung der Stadte mit elektrischem Lichte, wie sie R. traumte, 
in Wirklichkeit umzusetzen. Er warf die ganze praktische Energie, deren sein 
Wesen fahig war, seine groBe — jahrelang zuriickgehaltene — Schaffenskraft 
auf dieses neue Projekt. Die Durchfiihrung war nicht leicht, und da zum Un- 
gliick eine neue, von Paris ausgehende Krisis das Wirtschaftsleben heimsuchte, 
war eine Zeitlang alles wieder in Frage gestellt. Aber jetzt, wo R. eine groBe, 
seiner Kraft wiirdige Aufgabe voller Zukunft vor sich sah, wich er nicht wie in 
friiheren Fallen vor den sich aufttirmenden Schwierigkeiten zuriick, sondern 
er ruhte nicht eher, als bis er sie gemeistert hatte. Da man wegen der Krisis 
Bedenken trug, vom Publikum das zur Durchfiihrung der geplanten Unter- 
nehmungen, einer Fabrikationsgesellschaft und einer Betriebsgesellschaft fiir 
elektrische Zentralen, notwendige Kapital zu fordern, errichtete R. zunachst 
unter Beteiligung einer Bankengruppe eine Studiengesellschaft mit geringem 
Kapital. Musteranlagen wurden im Union-Klub und in der Ressource von 1794 
errichtet. Professor Slaby, der an dem Unter nehmen regen Anteil genommen 
hatte, erzahlte spater, wie er vor einer der ersten Blockstationen R.s stand, die 
aus zahlreichen winzigen Maschinen, von sogenannten Schnellaufern betrieben, 
mitbewundernswerten Regulierungsmethoden die elektrische Kraft sammelten, 
um sie in einige umliegende Hauser zu verteilen. »Die Lichtzentrale des kom- 
menden JahrhundertsU rief er damals begeistert aus. »0 nein,« erwiderte R. 
lachelnd, »wie verkennen Sie den unersattlichen Elektrizitatshunger der 
Menschheit, der in wenigen Jahren sich einstellen wird. Statt dieser Keller- 
raume mit ihrem ohrenbetaubenden Larm sehe ich hohe, luftige Riesenhallen 
mit vieltausendpferdigen Maschinen, die automatisch und gerauschlos Mil* 
lionenstadte mit Licht und Kraft versorgen. Zuvor haben wir den Maschinen- 
bau fiir diese Leistungen zu erziehen. « 

Be vor diese Worte, die heute nach vierzig Jahren wie Wirklichkeit gewordene 
Phantasie klingen, zu Taten wurden, war ein langer und beschwerlicher Weg 
zu gehen. Der Anfang wurde R. dadurch erleichtert, dafl sich dieErfolge mehrten. 
Angesichts dieser Erfolge entschloB man sich, mit der Griindung der end- 
giiltigen Gesellschaft nicht langer zu warten. Einen wahrscheinlichen Kampf 
mit der damals dominierenden, viel alteren Firma Siemens & Halske vermied 
man dadurch, daB man sie zur Beteiligung an dem neuen Unternehmen auf- 
DiU 11 



162 1915 

forderte und gewann. So wurde denn dieses im Jahre 1883 unter dem Namen 
» Deutsche Edison-Gesellschaft fur angewandte Elektrizitat« mit einem Kapital 
von 5 Millionen Mark als Aktiengesellschaft gegriindet. Emil R., damals 
45jahrig, wurde nattirlich ihr Direktor, und es begann nach der ersten Epoche 
der biirgerlich-technischen Tiichtigkeit und der zweiten Epoche des Experimen- 
tierens fiir ihn ziemlich spat die dritte und groBte Epoche der schopferischen 
Tatigkeit. 

Die Deutsche Edison-Gesellschaft, die bereits im Jahre 1887 der allgemeiner 
werdenden Betatigung des Untemehmens entsprechend ihren Namen in »A11- 
gemeine Elektrizitats- Aktiengesellschaft* umanderte, war urspriinglich eine 
einfache Aktiengesellschaft wie die meisten anderen auch, ihr Betrieb war 
weder der Menge noch der Art ihrer Fabrikation nach sonderlich umfangreich, 
sie beschrankte sich zuerst im wesentlichen auf die Herstellung von Beleuch- 
tungsanlagen. Dies wurde aber bald anders, sie selbst erweiterte ihren Fabrika- 
tionskreis nach vielen Seiten hin, und sie griindete oder sie bot doch die Ver- 
anlassung zur Griindung einer Reihe von Nebenunterneh mungen , an die sie 
Geschaftszweige, die sie nicht selbst aufnehmen, geschaftliche Unterneh- 
mungen, die sie nicht selbst ausfiihren konnte oder wollte, abtrat. Fast alle 
diese Unternehmungen blieben aber teils als Abnehmer, teils als L,ieferanten, 
schlieBlich auch als Finanzgesellschaften, sogenannte Holding Companys, in 
engen Beziehungen zu ihr. Doch alles dies ging nur sehr allmahlich vorwarts 
und entsprang anfanglich vielleicht mehr der Not als dem eigenen Triebe des 
Loiters der neuen Gesellschaft. In den ersten Jahren, in denen die A. E.G. ar- 
beitete, wurde die elektrische Beleuchtung sozusagen als ein I,uxus, als eine 
sehenswiirdige Kuriositat betrachtet. Man bestellte meist nur kleinere Be- 
leuchtungsanlagen, und die Dividenden, die die Gesellschaft in den ersten 
4 Jahren ausschtittete — 4, 4, 5 und 4 °/ — , waren recht bescheiden. R. hatte 
bald eingesehen, daB er so nicht weiter kam. Er sagte sich, wenn der GroB- 
konsum nicht von selbst kommt — so muB man ihn schaffen. Nur das Beispiel 
tiberzeugt, und wenn kein Dritter da ist, der groBe Beispiele zeigt, so miissen 
wir sie selbst aufstellen. So griindete er unter Beteiligung der Finanzhauser, 
die ihm schon bei der Bildung der A.E.G. Mittel zur Verfiigung gestellt hatten, 
also im wesentlichen der Deutschen Bank, der Firmen Gebr. Sulzbach in Frank- 
furt a. M. und Leo Delbriick in Berlin, der Nationalbank fiir Deutschland und 
der Berliner Handelsgesellschaft, schon im Jahre 1884 die Stadtischen Elektri- 
zitatswerke in Berlin, deren Firma im Jahre 1887 in Berliner Elektrizitats- 
werke umgewandelt wurde. Mit der A.E.G. wurde das neue Unternehmen 
dadurch verknupft, daB es sich verpflichten muBte, alle Maschinen, Materialien, 
Lampen von der A.E.G. zu meistbegiinstigten Preisen zu kaufen. Aber der 
Erfolg fiel diesem ersten groBen Licht- und Kraftwerk keineswegs leicht in den 
SchoB. Es zahlte im ersten Geschaftsjahr eine ratierliche Dividende von 2 x / 4 °/ 
(Bauzinsen), die nachsten beiden Jahre blieben dividendenlos. Der Kurs ging 
auf etwa9O°/ zuriick,und dieBankhauser, diedieAktienzu ii5°/ iibernommen 
hatten, fingen an, unruhig zu werden. Da tat Emil R., der an dem schlieB- 
lichen Erfolg seiner Sache nicht eine Sekunde zweifelte, schnell entschlossen 
das Kiihnste, aber auch das Kliigste, was er tun konnte. Er kaufte die Aktien 
zu 95 °/ von dem Konsortium zuriick, und siehe da, schon im Jahre 1887/88 
war der Berg erklommen, die Gesellschaft wurde rentabel, zahlte j l / 2 , dann 8 



Rathcnau 163 

dann 10 °/ Dividende. Die kleinmiitigen Banken hatten das Nachsehen, abe* 
Respekt und — was ihm noch wertvoller war — Kredit hatte dieser R. sich bei 
ihnen erworben. Die B.E.W. oder die Berliner Elektrizitatswerke wurden nach 
einer Periode starken Ausbaues im Jahre 1915 von der Stadt Berlin fiber- 
nommen. Die Aktiengesellschaft B.E.W. selbst liquidierte aber nicht, sondern 
sie wurde unter der Firma »Bank elektrischer Werte« zu einer Beteiligungs- 
gesellschaft groBten Stils ausgebaut, die auch Braunkohlenwerke als Kraft- 
grundlage fur Elektrizitatswerke erworben hat. 

Aber neben den Licht- und Kraftwerken, von denen die A. E. G, fur eigene 
und fiir fremde Rechnung im I,aufe der Zeit, immer den Konsum anregend und 
zum Teil die Bediirfnisse erst schaffend, eine schier endlose Reihe in Deutsch- 
land wie im Ausland errichtet hat, gait es die Elektrizitat noch auf anderen 
Gebieten heimisch zu machen. Die »Elektrisierung« der StraBenbahnen wurde 
auf dieselbe Weise in die Wege geleitet, wie der Bau von Kraft- und Licht- 
werken, namlich durch die tiberzeugende Demonstration am gut gewahlten 
Beispiel. Auch hier waren hartnackige Widerstande zu iiberwinden, einge- 
wurzelte Vorurteile auszurotten, und die A.E.G, muBte wieder ihre eigene Haut 
zu Markte tragen, d. h. die ersten elektrischen Bahnen mit erheblichen, fiir 
ihre damaligen bescheidenen Verhaltnisse sogar sehr erheblichen Mitteln selbst 
finanzieren. Eine der ersten elektrischen StraBenbahnen war die in Halle; zur 
systematischen Errichtung und Finanzierung derartiger Bahnen wurde spater 
die Allgemeine Lokal- und StraBenbahn-Ges. als Trustunternehmen 
ausgebaut. Die elektrische StraBenbahn setzte sich vielleicht etwas langsamer 
durch als das Elektrizitatswerk, ihr Sieg der primitiven Pferdebahn, der schwer- 
falligen DampfstraBenbahn gegeniiber war dann aber auch viel radikaler als 
der des Elektrizitatswerkes, das immerhin doch mit der Gasanstalt als starker, 
der Elektrizitat mit Anstrengung und Erfolg begegnender Konkurrenz zu 
rechnen hatte. 

Das dritte der urspriinglichen Hauptpostulate des A.E.G.-Griinders, die 
elektrische Kraftiibertragung, an die auch die besten Fachleute lange 
nicht glauben wollten, auf die aber R. gleich von Anfang an schwor, konnte 
nicht so wirksam am Beispiel demonstriert werden wie die ersten beiden 
Postulate. Die vielen groBen und kleinen Fabriken aller Art, in denen die elek- 
trische Transmission hatte an die Stelle veralteter Systeme gesetzt werden 
sollen, konnte R. natiirlich nicht alle kaufen, nicht einmal ein paar Muster- 
fabriken. So muBte er in diesem Falle abwarten, bis die Abnehmer sich selbst 
von der Uberlegenheit des neuen Systemes uberzeugten, bis der Konsum selbst 
zu ihm kam. Eine sehr wirkungsvolle Form der Ferniibertragung elektrischer 
Kraft wurde bereits im Jahre 1891 durch Beleuchtung der Elektrizitatsaus- 
stellung in Frankfurt a. M. mit der Wasserkraft aus dem 175 Kilometer ent- 
fernten Neckarfall zu Lauffen demonstriert. 

Es ging nicht schnell, aber schliefllich hat sich auch die elektrische Kraft- 
iibertragung so radikal wie die beiden iibrigen Hauptanwendungsformen elek- 
trischer Kraft durchgesetzt, und Anlagen ohne diese Kraftiibertragung finden 
sich heute nur noch in ganz veralteten Betrieben. 

Nicht leicht gestaltete sich das Verhaltnis der aufstrebenden Gesellschaft zu 
der dreiBig Jahre alteren, in der Elektrizitatsindustrie damals fast unbestritten 
dominierenden Firma Siemens & Halske. Die Art, in der R. in seinen 



164 T 9*5 

schwacheren Zeiten dem Kampf mit Siemens & Halske auswich, im Gegenteil 
sich durch ihre Krafte mit stiitzen und hochtragen lieB, zeigt den glanzenden 
Taktiker und ist ihm von der iiberfliigelten Rivalin wohl nie yergessen worden. 
Zur Zeit, als Siemens & Halske ihm in der Fabrikation weit iiberlegen waren 
und sich am »plebejischen« Griindungsgeschaft zu beteiligen scheuten, schloB 
er mit ihnen einen Vertrag ab, der Siemens & Halske die Fabrikation ziemlich 
unbestritten UberlieB, ihnen das Vorrecht zuerkannte, die von Staaten, Kom- 
munen und Privaten herankommenden Lohnbau- und Fabrikationsauftrage 
auszufiihren, wahrend er sich selbst das Recht, Konzessionen nachzusuchen 
und Bauten fur eigene Rechnung auszufiihren, vorbehielt. Siemens in seiner 
vornehmen kaufmannischen Tradition paBte das ganze Konzessions- und 
Finanzierungsgeschaft nicht, er glaubte darum nichts aufzugeben, wenn er auf 
den Vorschlag des »Industriebankiers« einging. Aber wie sehr er die Konjunk- 
tur verkannt hatte und wie sehr der kluge R. mit der Zukunft im Bunde gewesen 
war, zeigte sich bald. Die Werke, die R. auf Grund der ihm konkurrenzlos er- 
teilten Konzessionen baute, wuchsen und gediehen, sie fiihrten den Fabriken 
der A. E. G. reiche Fabrikationsauftrage zu und fullten ihre Kasse mit anstan- 
digen Zins- und Finanzgewinnen. Siemens & Halske merkten immer deutlicher, 
daB sie ihren zuriickhaltenden Standpunkt gegeniiber dem Finanzierungs- 
geschaft aufgeben muBten, wenn sie nicht das zukunftsreiche Feld der Kon- 
kurrenz kampflos iiberlassen wollten. Sie drangen auf Auflosung des Vertrages. 
R. war es recht. Im Jahre 1894 wurde der Vertrag mit Siemens & Halske auf- 
gehoben. Die A.E.G. hatte die Bahn frei fiir ihre Fabrikation, konnte insbe- 
sondere nach einigen Jahren vertraglicher Karenzzeit die Kabelfabrikation an 
der Oberspree aufnehmen, und in der Folgezeit ist ihre Fabrikation die groBte 
und vielseitigste aller deutschen Elektrizitatsunternehmungen ge worden. 

Aber bei diesem in starkem Tempo vorgenommenen Ausbau der Fabrikation 
wurde der Ausbau des Finanzierungsgeschaf ts nicht vernachlassigt. Beide 
Funktionen der Geschaftstatigkeit gingen nicht nur unbeeintrachtigt neben- 
einander her, sondern sie befruchteten und steigerten einander. Die groBen 
Fabrikationsgewinne stellten die Mittel bereit, urn das Netz der zum Konzern 
der Gesellschaft gehorigen Unternehmungen immer weiter, nicht nur iiber 
Deutschland, sondern auch iiber Europa und die fremden Erdteile auszu- 
spannen. Die nahestehenden Unternehmungen hinwiederum bildeten die Ar- 
beitszubringer, die Kanale, durch die der Fabrikationsgesellschaft eine Fiille 
von Auftragen zufloB. Unterstiitzt und getragen wurde die weltumspannende 
Organisation der Gesellschaft durch eine Reihe von Verkaufsfilialen, tech- 
nischen Biiros usw., die in allmahlicher und darum gesunder Entwicklung in 
aller Herren Lander errichtet wurden, die Verhaltnisse der fremden Markte 
systematisch bearbeiteten, Geschaftsgelegenheiten ausspiirten, Geschafte vor- 
bereiteten und durchfiihrten. Die A.E.G. hat stets, seitdem ihre Fabrikation 
genug erstarkt war, das Prinzip verfolgt, nur ihre aus der Fabrikation herriihren- 
den Gewinne in der Bilanz auszuweisen und als Dividende auszuschiitten. Die 
Finanzgewinne und Beteiligungsertragnisse wurden, ohne durch die Bilanz zu 
gehen, stets in Reserve gestellt. Dieses Verfahren ist Emil R., dem »Rechen- 
kiinstler«, von dividendenhungrigen Aktionaren, von Steuerbehorden und auch 
von manchen Bilanzkritikern, die ja von ihrem Standpunkte aus auf moglichste 
Bilanzklarheit zu dringen haben, nicht selten als Verschleierung vorgeworfen 



Rathenau 1 65 

worden. Man darf aber nicht vergessen, da8 nur durch diese auBerst dicke 
Bilanzauspolsterung mit offenen und stillen Reserven die A. E.G. unbedingt 
stoB- und hiebfest geworden ist und eine Widerstandsfahigkeit Konjunkturen 
und Konkurrenzkampfen gegeniiber erhielt, die es ihr gestattete, jedem An- 
sturm gewachsen zu bleiben und immer billiger zu sein als jede Konkurrenz. 

Schon im Jahre 1895 war die Biirde der Finanzbeteiligungen zu schwer ge- 
worden, als dafi sie von einer sich der Fabrikation in steigendem MaBe zuwen- 
denden Gesellschaft hatte allein getragen werden konnen. Sie griindete zu 
diesem Zwecke gemeinsam mit ihren Bankverbindungen in der »Bank fiir 
elektrische Unternehmungen in Ziirich« (kurz »Elektrobank« genannt) 
eine » Holding- Company « nach amerikanischem Muster, von der die Mehrzahl 
der Finanzbeteiligungen iibernommen, die notigen Finanzierungen innerhalb 
des Konzerns durchgefiihrt wurden. Zwei Jahre spater wurde in der Elektri- 
zitatslieferungsgesellschafteinUnternehmenerrichtet, dasdiebetrieb- 
liche Leitung und Kontrolle der Konzerngesellschaften iibernahm und somit 
fiir die Organisation des Ganzen den zweiten starken Tragpfeiler bildete. Im 
ganzen betrachtet war diese Organisation, dieses System, so schlagend sinn- 
und erfolgreich, daB es naturgemaB Nachahmer, tiichtige und schlechte Kopisten 
fand. 

Der Siemens & Halske A.G., deren altes Renommee ihr namentlich bei den 
Behorden noch einen gewissen Vorsprung erhalten hatte, deren griindliche 
Durchbildung in allem Konstruktiven schwer zu iibertreffen war, gelang es, 
sich auch auf der neuen geschaftlichen Basis neben der erstarkten Rivalin zu 
behaupten. Ein Fundus wie der, in dem die Schopfung Werner v. Siemens ver- 
ankert war, liefi sich eben nicht so leicht totkriegen. Alles andere, was voriiber- 
gehend die Konjunktur der neuen Methode und Mode, sei es blofi auBerlich 
spekulativ, sei es mit auch ernsterem Streben auszunutzen suchte, fiel friiher 
oder spater hinter diesen beiden Konzernen zuriick. Zur ersten Kategorie ge- 
horten die leichtfiiBigen Schopfungen der Helios-Gesellschaft, des Kummer- 
Konzerns. Sie wurden von der Krisis des Jahres 1901 schnell weggefegt. Aber 
auch altere und starkere Firmen wie Schuckert in Niirnberg, Lahmeyer in 
Frankfurt, die Lowesche » Union « Elektrizitats A.G. wurden allmahlich schwach 
und verloren den Atem. Unter den Hinterlassenschaften dieser gestiirzten Kon- 
zerne hielten die beiden iiberlebenden Gesellschaften Umschau und verleibten 
sich das Gesunde und Lebensfahige ein, ihre Macht auf diese Weise auBerlich 
und innerlich mehrend. Es erfolgte die groBe Konzentrationsara in der Elektri- 
zitatsindustrie. Zuerst brach im Jahre 1901 Schuckert in Niirnberg zusammen. 
Die mit der A.E.G. gefiihrten Verhandlungen zerschlugen sich, und die Stark- 
stromabteilung der Schuckert Ges. fand AnschluB an Siemens & Halske. Es 
wurden die Siemens-Schuckertwerke, G. m. b. H. in Verwaltungsgemeinschaft 
mit Siemens & Halske gebildet. Hier liegt vielleicht die einzige groBe Gelegen- 
heit, die Emil R. ungenutzt hat voriibergehen lassen. Fiir das entgangene Ge- 
schaft mit Schuckert entschadigte bis zu einem gewissen Grade die Fusion mit 
der Loweschen » Union « Elektrizitats-Ges. , die gleichfalls im Jahre 1902 schwach 
geworden war. Fiir die A.E.G. war diese Fusion technisch aus dem Grunde be- 
sonders fruchtbar, weil sie ihr den Ausblick auf die elektrotechnischen Er- 
fahrungen Amerikas eroffnete. Hatte doch die Union zu dem groBen amerika- 
nischen Elektrotrust General Electric Co. in nahen Beziehungen gestanden, 



166 * 191 5 

die sie nun bei der Fusion mit in die A.E.G. als wertvolles Aktivum mit- 
brachte. Insbesondere wurden die Dampfturbinenpatente der General Electric 
mit denen der A.E.G. wirksam vereinigt. Die letzte grofie Fusion der A.E.G. war 
im Jahre 1910 die Angliederung des Konzerns der Felten-Guilleaume-L,ah- 
meyerwerke. Diese Transaktion verschaffte der A.E.G. starke Stiitzpunkte in 
Siiddeutschland und im rheinisch-westfalischen Industriebezirk. 

Technisch batten sich, wahrend dies geschah, der Kreis und die Art der Pro- 
bleme fur die Elektrizitatsindustrie wesentlich vergroBert. An die Stelle von 
lokalen Kraft- und I^ichtzentralen, in denen heute im wesentlichen die Bau- 
bedurfnisse befriedigt sind, traten die groBen Uberlandzentralen,an die 
Stelle der StraBenbahnen die elektrischen Hoch- und Untergrundbahnen 
(Schnellbahnen), und als drittes grofites Problem riickte die Elektrisierung der 
Vollbahnen langsam, aber sicher in greifbarere Nahe. SchlieBlich ist auch die 
groBe Aufgabe der Fernubertragung elektrischen Stromes, die es ermoglicht, 
von Wasserfallen, Braunkohlenablagerungen erzeugte elektrische Kraft Hun- 
derte von Kilometern weit bis an die Konsumstatten zu transportieren, tech- 
nisch gelost worden imd steht mitten in der praktischen Durchfiihrung. Allen 
diesen Problemen hat Emil R. bis in seine letzten Lebenstage regstes Interesse 
zugewandt. 

Es bleibt das Fazit zu ziehen. AUes das, was geschaffen wurde in der A.E.G. 
und in jener Phase der deutschen Elektrizitatsindustrie, in der Emil R. wirkte, 
ist gewiB nicht einzig und allein das Werk R.s, kann nicht das Werk eines 
Einzelnen sein. Aber was R. gehort, war der fruchtbare Gedanke, den Konsum 
nicht zu erwarten, sondern den Konsum zu schaffen. In R.s ersten Organisa- 
tionen lag gewissermaBen in ovo alles, was sich spater in der deutschen Elektri- 
zitatsindustrie entwickelte, es war die iiberaus schopferische Verbindung und 
wechselseitige Befruchtung von Industrie und Finanzierung, die das System R. 
prinzipiell von dem System des friiheren Siemens & Halske unterschied. R.s 
Verkapselungssystem ist kein starres System der Majoritaten wie bei den ame- 
rikanischen Trusts, wo die Aktienkontrolle die Hauptsache ist, es ist vielmehr 
vorwiegend ein System der Minoritaten. Von vielen Konzerngesellschaften be- 
findet sich nur ein kleiner Bruchteil der Aktien im Portefeuille der A.E.G. und 
ihrer Finanzgesellschaften. R. oder R.s Prinzip herrschte nicht durch die Cber- 
zahl der Stimmen, sondern durch das Ubergewicht der Autoritat, des Ver- 
trauens, der iiberzeugenden, nicht iiberstimmenden Kraft. 

Worin lag die GroBe und Begabung R.s, die ihn dieses heute so alltaglich, so 
selbstverstandlich scheinende System finden lieB ? Emil R. war weder kom- 
pliziert, noch scharfsinnig im reflektorischen Sinne, er war weder ein gewandter 
Dialektiker, noch ein uberzeugender Redner, er vermochte komplizierten Aus- 
einandersetzungen kaum zu folgen, geschweige denn sie zu entwickeln. Aber er 
hatte die Gabe des Instinkts. Er vermochte mit einer gewissen divinatorischen 
Fahigkeit die Zukunft, als ware sie schon Gegenwart, zu sehen. Dadurch wurden 
ihm zukiinftige Moglichkeiten und Notwendigkeiten wie selbstverstandlich, die 
andere sich erst muhsam ergriibeln muBten und doch nicht ergriibeln konnten. 
Dazu kommt als zweites : er reflektierte nicht, schwankte infolgedessen nicht 
und besaB die ungebrochene Kraft und Naivitat der Tat. Er besaB aber soviel 
Selbstkritik, um seine Kraft nicht zu iiberschatzen und die realen Moglichkeiten 
richtig zu sehen. Drittens: er erf aBte klug auch komplizierte Tatbestande und 



Rathenau. v. Schenckendorff 1 67 

Transaktionen, aber machte sie so einfach, daB jedes Kind sie verstehen konnte. 
Alle seine Transaktionen hatten etwas durchaus Einfaches, Uberzeugendes. Er 
griindete nicht unntitz, er verschachtelte nicht unniitz, er sanierte nicht unniitz, 
er machte nichts Finanzielles an sich und seiner selbst wegen, sondern weil die 
Sache es erheischte. Er war kein Finanzktinstler, aber er beherrschte das Finan- 
zielle, wie es alles Organisatorische beherrschte. Sein Finanzsystem war nur 
der adaquate Niederschlag seines Organisationssystems. 

Was er geschaffen hat ? — Nicht die deutsche Elektrizitatsindustrie, nicht 
den deutschen Elektrizitatskonsum. Dies ware auch ohne ihn gekommen, denn 
es war an sich so stark, daB es friiher oder spater kommen muBte. DaB es friiher 
kam, war R.s Verdienst, tind daB die deutsche Elektrizitatsindustrie nicht nur 
den deutschen Konsum deckte, sondern vor dem Kriege und auch jetzt wieder 
seinen Teil des Weltkonsums, das ist die Leistung Emil R.s. 

Literatur: Felix Pinner, E.R.und das elektrische Zeitalter. Leipzig 1918. — A. Ried- 
ler, E. R. und dasWerden der Groflwirtsehaft. Berlin 1916. — Artur Fiirst, E. R., der 
Mann und sein Werk, Berlin. 

Berlin. Felix Pinner. 



Emil v. Schenckendorff, * am 21. Mai 1837 inSoldin, f 1. Marz 1915 in Berlin. 
Er zahlt zu dem beriihmten Geschlecht, das neben dem General v. Sch. unter 
Friedrich dem GroBen besonders den Freiheitsdichter Max v. Sch. dem deutschen 
Vaterland geschenkt hat. Emil v. Sch. widmete sich zunachst der militarischen 
Laufbahn, muBte aber wegen Kranklichkeit als Premierleutnant seinen Abschied 
nehmen. Im Kriege 1870/71 leitete er nach der Einnahme von Metz das dortige 
Telegraphenamt. Seit 1876 wohnte er in Gorlitz. Seinen Neigungen und Fahig- 
keiten folgend, widmete er sich ganz den offentlichen Dingen, vor allem der 
Jugenderziehung. 1878 wahlte ihn die Stadt Gorlitz in denStadtrat. 1879 wurde 
er Abgeordneter im preuBischen Landtag, wobei er in Gorlitz Vorsitzender der 
nationalliberalen Partei war. Seine bleibenden Verdienste erwarb er sich als 
Kulturpolitiker. Einer seiner bedeutendsten Mitarbeiter war Geh. Sanitatsrat 
Prof. Dr. med. Ferd. Aug. Schmidt in Bonn. Dieser schreibt im Nachruf : »In 
der Geschichte der Jugenderziehung und insbesondere der Iyeibesiibungen um 
die Wende des 19. Jahrhunderts wird der Name v. Sch. als der eines Bahn- 
brechers fur die Mehrung unserer Volkskraft und Volkstuchtigkeit immerdar 
einen Ehrenplatz einnehmen. « v. Sch. selbst trieb regelmaBige Korperpflege 
und Leibesiibung. Er gab das Vorbild einer gesunden Lebensfiihrung, war regel- 
maBig in alien Lebensgewohnheiten, auBerst maBig im GenieBen, dazu ein Friih- 
aufsteher, dem reiches Wirken und Schaffen tagaus, tagein einDaseinsbediirf nis 
war. Als Politiker strebte er nicht nach Fiihrung, sein Lebensinhalt war: »F6r- 
derung des Deutschtums und der Jugenderziehung.* Weil nach 
seiner Uberzeugung in der Schule zur Willensbildung die Fiihrung des Tatig- 
keits- und Bewegungstriebes zu kurz kam, setzte er sich fur die Jugendpflege 
ein. Er rief zwei machtigeVereineinsLeben: 1. 1881 den DeutschenVerein 
fur Knabenhandarbeit, 2. 1891 den ZentralausschuB fur Volks- und 
Jugendspiele. Beiden Organisationen sicherte er Lebensdauer durch Griin- 
dung je einer eigenen Zeitschrift. ad 1: »Die Arbeitsschule«, Verlag Quelle & 
Meyer, Leipzig, adz : »Jahrbiicher des Zentralausschusses fur Volks- und Jugend- 



i68 1915 

spiele«, Leipzig, Teubner.— Auf dem Gebiete des Knabenhandarbeitsunterrichtes 
stammen noch aus seiner Feder : »Praktischer Unterricht in der Handfertigkeit «, 
1880. » Durch welche Mittel kann zur Verminderung der jetzt stetig zunehmen- 
den Verbrechen und Vergehen beigetragen werden-?«, 1881. »Arbeitsunterricht 
auf dem Lande«, 1891 . »Die Ziele des deutschen Vereins f iir Knabenhandarbeit « , 
1892. Endlich regte er an: »Ratgeber zur Einfiihrung der erziehlichen Knaben- 
handarbeit «, 2. Aufl., Leipzig 1903, Druck und Verlag von Frankenstein & Vog- 
ler. — Auf dem Gebiete der korperlichen Jugendpflege war er Verfasser oder 
Mitherausgeber von: »Regelhefte iiber 14 der wichtigsten Spiele«; »Kleine 
Schriften des Zentralausschusses fiir Volks- und Jugendspiele«; »Ratgeber 
zur Einfiihrung der Volks- und Jugendspiele« ; »Ratgeber zur Pflege der korper- 
lichen Spiele an den deutschen Hochschulen « ; »Wie wird das Bewegungsspiel 
im Freien zur Volkssitte«. Er arbeitete viele Denkschriften aus, Aufrufe an 
stadtische Gemeinden, schrieb Aufsatze in die Zeitschrift: »K6rper und Geist« 
und in die Monatsschrift fiir das Turnwesen. Weiter schriftstellerte er in pad- 
agogischen Zeitschriften und hielt zahllose Vortrage. Weitere Hinweise siehe 
meine Studie: »Emil v. Sch.s (1837 bis 1915) Verdienste um die korperliche 
Erziehung der deutschen Jugend«, Leipzig, Teubner, Literaturverzeichnis und 
S. 16 ff. — Als Volkserzieher schrieb er iiber die Willensbildung : »Die Bildung 
eines auf vernunftige Zwecke gerichteten und zugleich starken Willens muB 
das Ziel der sittlichen Erziehung sein.« So wird v. Sch. gefeiert als Turn- 
pad agog e in seinen unendlichen Bemiihungen um die Pflege der Jugend- 
spiele. Staatsbehorden, Schulverwaltungen, Arzte, Volksfreunde, alle aufs 
gleiche Ziel steuernden Vereine machte er sich dienstbar. 

Er sorgte fiir Geldmittel, stellte statistische Erhebungen in seinen Dienst, 
sorgte fiir Ausbildung der Lehrer in Spielkursen. Auf ihn geht die Pflege der 
korperlichen Ertuchtigung an den deutschen Hochschulen zuriick sowie die 
Sorge fiir die Jugendspiele an Volks- und Mittelschulen in Stadt und Land durch 
Forderung des Pflichtspielnachmittags. Besondere Fiirsorge widmete er auch 
den Fortbildungsschulen. Endlich behielt er auch die Ertuchtigung des weib- 
lichen Geschlechts im Auge. Es schwebte ihm dabei das Beispiel der alten 
Spartaner vor, welche die Madchen mit den Knaben zusammen durch Spiele, 
Gymnastik und Sport zu kraftvollen Miittern heranbildeten. 

So liegt die Hauptbedeutung dieses Mannes im Ausbau der Jugendpflege. 
Der Krieg und der Tod des Meisters hat leider die groflartige Entwicklung ge- 
hemmt. Er gilt auf diesem lebenswichtigen Gebiet der Jugendpflege nach dem 
Turnvater Jahn als der wichtigste Herold der Volksertiichtigung, dessen Be- 
deutung nicht auf dem Felde lauter Agitation liegt, sondern mehr im stillen, 
rastlosen Schaffen in Verbindung mit Staat, Gemeinden und Schulbehorden. 

So wurde er gefeiert als Padagoge, als Sozialpolitiker und gliihender Patriot. 
Als Padagoge strebte er nach allseitiger Ausbildung der Willenskraf te ; diese 
sollte in letzter Linie der Verteidigung des Vaterlandes gelten. Auf erziehlichem 
Wege sollte ein fester Grund fiir alle wehrfahigen Eigenschaften gelegt werden. 
»Die sittlichen Eigenschaften der Selbstzucht, der freiwilligen Unterordnung, 
des Mutes, der umsichtigen Entschlossenheit, des zahen Willens «, »eine straff e 
Gesamtmuskulatur . . ., ein kraftiges Herz und widerstandsfahige Lungen, 
scharfe Augen«. Dabei legte er groBes Gewicht auf die sittliche Erziehung. Seine 
Erfolge waren ihm sicher, da er auf alien Linien die wissenschaftlichen, beson- 



v. Schenckendorff. Schiefi l6o 

ders physiologischen und praktischen Voraussetzungen wiirdigte. Dadurch ar- 
beitete er von selbst vorbildlich als Sozialpolitiker. Die Griindung der Hand- 
fertigkeitsschulen, der Kinderhorte, Sorge fiir »Kinderland« in den GroBstadten 
dienten der Wohlfahrt der arbeitenden Volksschichten. Er suchte durch Licht 
und Luf t fiir diese Kreise ein Gegengewicht zu schaf fen gegen Fabriksaal, Werk- 
statte und Kontor. Gerade diese soziale Fiirsorge gab der Lebensarbeit Emil 
v. Sch.s den tiefsten Gehalt. 

So hob Emil v. Sch. die Volkskraft, »diejenige Iyebenskraft und I^ebens- 
energie, die die Nation als solche beseelt, mit der sie sich im Kreise der 
Volker in Friedens- und Kriegszeiten behauptet, mit der sie fiir die deutsche 
Kultur arbeitet und vorwartsstrebt*. So arbeitete Emil v. Sch. »an dem Aus- 
bau der Jugendpflege durch Forderung der Erziehung kraft- und lebensvoller 
Personlichkeiten zur Sicherheit des Vaterlandes im Dienste germanischer 
Friedenskultur.* 

Number g. Fritz Schmidt. 



SchieB, Ernst. — Ernst Sch. wurde als jiingster Sohn einer kinderreichen 
Familie am 14. September 1840 in Magdeburg geboren. Sein Vater war Bankier 
und konnte seinem Sohn eine gute Erziehung angedeihen lassen. Der Sohn 
entschloB sich, Ingenieur zu werden. Der Vater dachte hierbei in erster L,inie 
an das gerade in jener Zeit rasch aufbliihende Eisenbahnwesen. Zunachst hieB 
es, praktisch zu arbeiten. Bei einem Schlossermeister fand sich eine Lehrstelle, 
und der junge Praktikant hatte nun zunachst, wie es iiblich war, mit MeiBel 
und Feile einen Wiirfel moglichst genau herzustellen. Im Herbst 1858 ging 
Sch. auf die Technische Hochschule nach Hannover, in den Ferien arbeitete 
er in den Eisenbahnwerkstatten in Magdeburg. Bald aber zog ihn, wie so viele 
der damals Studierenden, Karlsruhe an sich, das dank vorzuglicher L,ehrkrafte 
von den Maschinenbauern besonders bevorzugt wurde. Seine Studien beschloB 
Sch. in Zurich, das sich ebenfalls eines groflen Ansehens erfreute. Besonders 
wertvoll war es ihm hier, auch seine allgemeine Bildung durch Horen wichtiger 
Vortrage an der Universitat zu vertiefen. Wenn Sch. von seiner Ztiricher Zeit 
sprach, vergaB er auch nie zu erwahnen, wieviele Anregungen ihm die sehr 
gepflegten Besichtigungen hervorragender schweizer industrieller Anlagen ge- 
geben hatten. 

1861 schloB er seine Studien ab, und nun hieB es den Versuch zu machen, sich 
in der Industrie eine Stellung zu verschaffen, die ihm ermoglichte, von des 
Vaters Tasche unabhangig zu werden. Die Industrie aber lag damals recht da- 
nieder, und es war hochstens Aussicht vorhanden, als Volontar eine zunachst 
unbezahlte Stellung zu erhalten. Voriibergehend ist Sch. auch in dieser Zeit als 
Lokomotivheizer tatig gewesen, und hier konnte er, wie er riickerinnernd er- 
zahlte, in Form von Ol- und Kohlenpramien sich das erste Geld verdienen. Der 
Vater verfolgte noch weiter seine Absicht, den Sohn endgiiltig in dem Eisen- 
bahndienst unterzubringen. Aber der Sohn hatte andere Plane. Zunachst wollte 
er ins Ausland. Er wollte kennen lernen, was die belgische und dann vor allem 
die im Mittelpunkt aller Bestrebungen stehende englische Technik leistete. In 
Belgien verschaffte ihm Albert Ponsgen aus Diisseldorf durch Empfehlungen 
wenigstens die Moglichkeit, sich einiges anzusehen. Eine Stellung war auch 



170 1915 

hier nicht zu erhalten. Die Industrie lag danieder. Mit recht wenig Geld, ohne 
ein Wort Englisch zu konnen, entschloB sich Sch. kurzerhand, nach England 
selbst zu gehen. Bei einem Zivilingenieur fand er voriibergehend eine gut be- 
zahlte Stelle. Als diese Arbeit beendet war, ging er nach Manchester, und wenn 
es ihm auch nicht gelang, in den ersten Werkzeugmaschinenfabriken, nach 
denen sein Streben war, unterzukommen, so fand er doch schlieBlich Beschaf- 
tigung bei einer alten Maschinenfabrik, die Pressen, Hammer und auch einige 
Werkzeugmaschinen herstellte. Hier erreichte ihn Ende des Jahres 1865 die 
Nachricht, Albert Ponsgen wiinsche ihm eine kleine Maschinenfabrik, die trotz 
seiner Unterstiitzung nicht lebensfahig zu erhalten sei, unter gunstigen Be- 
dingungen abzugeben. Das erschien dem jungen Sch., in dem alles nach 
Selbstandigwerden drangte, wie ein Wink des Schicksals. Die industriellen 
Verhaltnisse waren allerdings damals in Deutschland so schlecht, daB der Vater, 
dem auch der Sohn fur das Selbstandigwerden noch viel zu jung war, dringend 
von dem Erwerb der Fabrik abriet. Er empfahl dem Sohn, lieber noch eine 
Zeitlang auf Kosten anderer Leute zu lernen. Aber der vaterliche Rat konnte den 
Sohn in seinem EntschluB nicht mehr wankend machen. Er kaufte das Inventar 
der Fabrik, mietete die Raumlichkeiten auf mehrere Jahre und eroffnete seine 
selbstandige Tatigkeit unter der Firma Ernst Sch. am 1. Januar 1866. 

Mit dem Eintragen der Firma in das Handelsregister aber waren die Schwie- 
rigkeiten nicht behoben. GroBe Sorgen stellten sich ein. Personliche Bezie- 
hungen zu der rheinisch-westfalischen Industrie hatte er noch nicht, und ge- 
schulte Arbeitskrafte fehlten. Mit einem halben Dutzend Arbeiter begann er, 
zunachst die vom Vorganger iibernommenen Bestellungen nach und nach 
fertigzustellen. Weiter konnten einige Reparaturen fur benachbarte Firmen 
ausgefiihrt werden. Auch Straflengitter und andere Schlosserarbeiten wurden 
iibernommen. Den ersten Erfolg hatte Sch. bei den Eisenbahnen. Hier gelang 
es ihm, kleine I,okomobilen mit stehendem Kessel, die fiir Wasserstationen ge- 
eignet waren, einzufiihren. Fiir die Industrie baute er zunachst kleine Dampf- 
maschinen. Der Krieg mit Osterreich hatte das Geschaft beinahe zum Erliegen 
gebracht, wenn es Sch. nicht gelungen ware, Kriegsauftrage einzubringen. Er 
lief erte damals viele aus schmiedeeisernen Rohren zusammengesetzteGestelle fiir 
Lazarette. Die folgenden Jahre brachten der kleinen Fabrik ausreichende, wenn 
auch noch nicht sehr lohnende Arbeit. Inzwischen war Sch. immer mehr mit den 
Verhaltnissen der rheinisch-westfalischen GroBindustrie vertraut geworden. Er 
erkannte deuthch, welch ein weites Feld hier dem Werkzeugmaschinenbauer 
noch of fen stand. Als Ziel erschien es ihm, im engsten Zusammenarbeiten mit 
den rheinisch-westfalischen Ingenieuren und unter Benutzung ihrer Erfah- 
rungen Werkzeugmaschinen zu bauen. So entschloB sich denn Sch., dieses 
Arbeitsfeld von nun an allein zu bearbeiten. Bald reichten die vorhandenen 
Raume nicht mehr aus. 1868 erwarb Sch. das Grundstuck, auf dem auch heute 
noch die Fabrik steht. Kaum war die erste kleine Fabrikanlage errichtet, da 
brach der franzosische Krieg aus, der besonders durch Einberufung der wehr- 
kraftigen Arbeiter die Weiterentwicklung anfangs hemmte. Nach dem Kriege 
begann der allgemeine deutsche industrielle Aufschwung. Die Werkstatten 
muflten standig vergroBert werden, immer neue Arbeitsmaschinen kamen 
hinzu. Die Fabrik arbeitete bisher noch ohne Gieflerei. Jetzt erschien es aber 
doch wiinschenswert, eine eigene GieBerei zu errichten. Man ging sofort ans 



SchieC. Stollwerck 171 

Werk, und im Februar 1872 konnte zum erstenmal gegossen werden. Sch. hatte 
in schlechter Zeit schon angefangen, Werkzeugmaschinen auf Vorrat zu bauen. 
Das brachte ihm im Kriege und unmittelbar nachher grofle Vorteile. Er konnte 
schnell Formmaschinen fiir Geschosse, sowie Maschinen zur Munitionsbear- 
beitung liefera. 

So gewann er die Artilleriewerkstatten und Munitionsf abriken damals als Ab- 
nehmer. Die Eisenbahnverwaltungen sowie die Hiitten- und Walzwerke fingen 
auch an, Maschinen zubestellen. ImengstenZusammenhangmitdemAufschwung 
unserer deutschen Industrie ging nunmehr die Entwicklung seines Unter- 
nehmens vorwarts. Zu den Eisenbahnen und der rheinisch-westfalischen Grofl- 
industrie gesellte sich der Schiffbau als Auftraggeber fiir grofle Werkzeug- 
maschinen. 1906 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umge- 
wandelt. Ein ganz besonderes Ansehen hat sich Sch. durch die Konstruktion 
der riesigen Werkzeugmaschinen zur Bearbeitung schwerster Maschinenteile, 
wie Panzerttirme, Geschutzrohre errungen. Selbst jenseits des Weltmeeres wird 
auf diesem Gebiet der Name Sch. mit berechtigter Achtung genannt. Bis in die 
letzten Jahre hat Sch., wenn er sich auch von der unmittelbaren Leitung mehr 
und mehr zuriickzuziehen versuchte, doch seinem Werke beratend und helfend 
stets nahe gestanden. Seine hohe Gestalt erschien haufig in den Werkstatten, 
die er geschaffen, denn von der Arbeit, die sein ganzes Leben umfaflte, konnte 
er bis zuletzt nicht lassen. Vollige geistige und erstaunliche korperliche Frische 
waren ihm bis kurz vor seinem Ende am 9. September 1915 erhalten geblieben. 

Entnommen aus der »Zeitschr. d. Vereins deutscher Ingenieure* 59 (191 5) S. 830/31. 

Stollwerck, Heinrich, Kommerzienrat, * 27. Oktober 1843 zu Koln, f 9. Mai 
1915 ebendaselbst. — DieSt.scheSchokoladenfabrik ging von derZuckerwaren- 
herstellung aus. Heinrich St.s Vater Franz errichtete im Jahre 1839, nachdem er 
in Koln die Zuckerbackerei erlernt und sich darin in Suddeutschland, der 
Schweiz und Paris weiter ausgebildet hatte, eine kleine Fabrik zur Herstellung 
von Zuckerwaren und haltbarem Backwerk. Ein Spezialartikel waren dabei 
»Brustbonbons«, die einen so guten Absatz fanden, dafl sie fiir die Entwicklung 
des Unternehmens bedeutungsvoll wurden. Der gute Anfang ermutigte zur 
Aufnahme neuer Artikel, unter denen sich die Schokolade befand. Man darf 
wohl darin einen Zusammenhang mit der damals emporkommenden Zucker- 
riibenindustrie sehen, was wiederum eine Folge des vom Zollverein 1837 ein- 
gefiihrten Schutzzolls auf Zucker war. Die ersten eigentlichen und namhafteren 
Schokoladenfabriken waren freilich schon in Sachsen und in Norddeutschland 
in den zwanziger Jahren entstanden. Im Laufe der ersten beiden Jahrzehnte 
wurde das St.sche Unternehmen vergrofiert und der Dampfbetrieb eingefuhrt. 
An dem weiteren, besonders nach 1866 eintretenden Aufstieg hatten die drei 
altesten Sohne des Grunders, darunter Heinrich, einen wesentlichen Anteil. 
Sie waren anfanglich nur Angestellte in dem vaterlichen Werk, seit 1869 aber 
Teilhaber. 

Heinrich St. hatte seine praktische Ausbildung bei der Firma Reese & Wich- 
mann in Hamburg erhalten ; zur Vervollstandigung seiner Kenntnisse ging er 
nach Frankreich, wo die Schokoladenherstellung auf der Hohe stand. Hier 
steckte er sich das Ziel, diesen Industriezweig in Deutschland so zu fordern, 
dafl er mit Frankreich wettbewerbsfahig werde. Seine Wunsche begegneten 



172 1915 

sich darin mit denen seines Vaters, der ihn nach seiner Riickkehr mit der Er- 
richtung einer kleinen Schokoladenfabrik betraute. Die giinstige Entwicklung 
des Gesamtunternehmens erforderte weitere rauinliche Ausdehnung und fuhrte 
zur Zerlegung des Betriebes. Die Sohne sollten in einer eigenen Fabrik das alte 
Werk iibernehmen, in beiden aber wollte man die Schokoladenfabrikation be- 
treiben. Im Jahre 1872 wurde die neue Firma »Gebriider St.« gegriindet mit 
den Inhabern Albert Nikolaus, Peter Josef und Heinrich, in die spater auch die 
jiingeren Briider Ludwig und Carl eintraten. Jetzt konnte H. St.s Plan, alle 
Schokoladenmaschinen, die bisher von Frankreich bezogen worden waren, die 
sich aber immer mehr als riickstandig erwiesen, nach eigenen neuen Ideen 
bauen zu lassen, zur Ausfuhrung kommen. Er errichtete eine kleine Maschinen- 
fabrik, welche zunachst fiir den eigenen Bedarf arbeitete, die sich dann aber 
zu einem selbstandigen Nebenbetriebe, welcher auch fiir den Verkauf produ- 
zierte, ausgestaltete. Die fiir die Schokoladenindustrie von H. St. konstruierten 
Maschinen sind solche, die der Reinigung und Rostung des Kakaos dienen, 
ferner die Schokoladenmischmaschinen, die Schokoladenwalzenstuhle, die von 
grundlegender Bedeutung fiir die Schokoladenindustrie wurden. Sie erzielten 
eine gesteigerte Verfeinerung der Ware und schrankten die Beriihrung der 
Ware mit der Hand ein. Auch im Ausland erkannte man die groBe Bedeutung 
seiner Erfindungen an, und seine Maschinen wurden in den ersten Fabriken 
Englands, Frankreichs und Amerikas eingeftihrt. H. St. brachte aber auch alien 
anderen technischen Neuerungen, von welcher Seite sie auch kamen, groBtes 
Interesse entgegen. So fuhrte er als erster in Deutschland den Rootschen 
Rohrenkessel aus Birmingham ein ; er erfand die automatische mechanische 
Wasserreinigung zur Speisung der Dampfkessel, auch war er der erste, der die 
dreizylindrige vertikale Schiffmaschine auf dem Lande in seinem Betriebe 
verwandte. 

Die Neugriindung von 1872 zeigte eine so iiberraschend schnelle Entwick- 
lung, daB schon bald zu einer Erw r eiterung geschritten werden muBte. Zwei 
Umstande waren die Ursache des glanzenden Geschaftsganges. Einmal war 
es der steigende Wohlstand, der im Luxus von GenuBmitteln zum Ausdruck 
kam, sodann machte sich die Wirkung der Bestrebungen des im Jahre 1876 
gegriindeten Verbandes Deutscher Schokoladefabrikanten geltend. Sein Ziel 
war vor allem, Qualitatsverbesserung anzustreben in der Einsicht, daB nur 
dadurch der Kampf gegen das iiberlegene Ausland von Erfolg begleitet sein 
konne. Nach dem Tode Franz St.s im Jahre 1876 fiel der vaterliche Betrieb an 
die Sohne und wurde mit dem ihren vereinigt. Damit begann ein neuer Ab- 
schnitt in der Entwicklung des Unternehmens. Es erhielt bald den Charakter 
eines Gesamtbetriebes, d. h. es umfaBte neben dem Hauptbetrieb fiir die Her- 
stellung von Schokoladen und Zuckerwaren noch Hilfsbetriebe, in denen die 
Hilfsmittel fiir die Herstellung und den Versand der Hauptfabrikate produziert 
wurden. Zu den Hilfsbetrieben gehorten auBer der schon erwahnten Maschinen- 
fabrik eine Kartonnagenfabrik, eine Klempnerei (Blechverpackung), ein Holz- 
verarbeitungsbetrieb (Sagerei, Schreinerei, Kastenfabrik) und endlich eine 
Druckerei. Neben der Maschinenfabrik hat auch der Kartonnagebetrieb, aber 
in geringerem Umfange, den Charakter eines Nebenbetriebes erhalten. Einen 
abermaligen Aufstieg nahm das Werk, als es Ende der achtziger Jahre den auto- 
matischen Vertrieb und den Export in groBem MaBstabe auf nahm. Der Erfolg 



Stollwerck 173 

des ersteren war so bedeutend, daB im Jahre 1891 die von Automaten vertriebe- 
nen Waren ein Fiinftel des Gesamtumsatzes ausmachten. Im Jahre 1895 wurde 
der Vertrieb von der Firma der Deutschen Automaten-Gesellschaft & Co. 
iibertragen, die zu diesem Zweck von ihr ins L,eben gerufen wurde und deren 
Hauptteilhaberin sie war. Die Ende der achtziger Jahre errichtete besondere 
»Exportfabrik« der Firma ist ein Produkt der Zollverhaltnisse. Beim Beginn 
der achtziger Jahre unterlagen die hauptsachlichsten Rohmaterialien, Kakao 
und Zucker, einem hohen Einfuhrzoll bzw. einer Verbrauchssteuer und machten 
die Ausfuhr fast unmoglich. Eine Riickvergiitung bei der Ausfuhr von Fertig- 
warenfandnichtstatt, da zolltechnischevSchwierigkeiten, die in der schleunigen 
Feststellung des Kakao- und Zuckergehaltes durch die Zollbeamten bestanden, 
ihre Einf iihrung verhinderten. Die Riihrigkeit der Gebriider St., eine fur die 
Zollbehorde praktisch verwendbare Feststellungsmethode zu finden, fiihrte 
zur Losung dieser Frage. Nach einem BeschluB des Bundesrates von 1888 war 
der ZollerlaB und die Erstattung der Verbrauchssteuer unter der Voraussetzung 
gestattet, daB die Exportwaren unter amtlicher Aufsicht hergestellt wiirden. 
Sofort trafen Gebriider St. MaBnahmen, um die Sache in Gang zu bringen, in- 
dem sie ein Gebaude errichteten, in welchem die Fabrikation unter bestandiger 
Zollaufsicht stattfand. Es war die ersteUnternehmung in Deutschland, die eine 
solche Einrichtung traf . Zollverhaltnisse waren es auch, und zwar das Hoch- 
schutzzollsystem auslandischerStaaten, das zur Errichtung von Zweigf abriken 
im Ausland Veranlassung gab, um den Zoll zu umgehen. Solche Griindungen 
fanden in Neuyork, Wien, Prefiburg und Budapest statt; auBerdem richtete 
man in London, Amsterdam und Briissel, den hauptsachlichsten Absatz- 
gebieten, Zweiggeschafte ein. 

Die Form der St.schen Unternehmung war seit der Griindung dieOffene Han- 
delsgesellschaft; sie wurde 1902 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, in 
welcher Heinrich S. bis zu seinem Tode Vorstandsmitglied war. Als der Welt- 
krieg ausbrach und vier Mitglieder des Vorstandes zu den Fahnen gerufen 
wurden, iibernahm Heinrich St. als Siebzigjahriger die alleinige Leitung des 
Werkes, der er sich mit seiner bekannten Pflichttreue und Tatkraft hingab. Er 
erlitt, als er an einer neuen Maschine in dem Betriebe Versuche anstellte, einen 
Unfall, an dessen Folgen er starb. 

Arbeitsfreude und rastloser Schaffenstrieb zeichneten die Personlichkeit 
Heinrich St.s aus. Wie er an sich die hochsten Anspriiche stellte, so auch an seine 
Untergebenen ; dabei lieB er ihnen aber stets Gerechtigkeit widerfahren und 
begegnete ihnen mit Herzensgiite und vaterlichem Wohlwollen. Sie lohnten 
ihm dafiir mit treuer Anhanglichkeit. 

Heinrich St. war eine vielseitige Natur und forderte Bestrebungen auf den 
verschiedensten Gebieten, u. a. die des Kolner Mannergesangvereins, des Ge- 
werbevereins fiir Koln und Umgegend, in dem seine Aufmerksamkeit besonders 
den Fachschulen fiir die gewerbliche Jugend zugewandt war. Dem Stadtver- 
ordnetenkollegium gehorte er langere Zeit an und seine Unterstutzung lieB er 
Wohlfahrtseinrichtungen aller Art angedeihen. 

Als Politiker war er ein Bismarckverehrer. Der Grund dafiir lag wohl neben 
seiner Bewunderung fiir den genialen Staatsmann in der Ubereinstimmung mit 
der von Bismarck seit 1879 verfolgten Schutzzollpolitik, der die Industrie ho 
viel verdankt. 



174 19I 5 

Heinrich St. gehort den bedeutendsten Industriellen Deutschlands und dem 
Typ des technischen Unternehmers an. DaB sich die Schokoladenherstellung 
Deutschlands aus den bescheidenen Anfangen der vierziger bis sechziger Jahre 
zu dem bedeutenden Industriezweig der Gegenwart entwickelt hat, die den Ver- 
gleich mit dem Auslande aushalt, ist zum Teil sein Verdienst. Seine Erfindungen 
und die Neuerungen in der Organisation und im Vertrieb, welche die Firma 
GebriiderSt. wahrend seiner Mitarbeit einfiihrte, haben den Weltruf der deut- 
schen Schokolade mitbegriindet. 

Literatur: Stollwerck, Dr. Walter, Der Kakao und die Schokoladenindustrie. Gustav 
Fischer, Jena 1907. — Pohle, Dr. Gustav, Probleme aus dem Leben eines industriellen 
Groflbetriebes, S. Lippert& Co., Naumburg 1905. — Pfeiffer, Dr. Kurt, Geschichte der 
rbein. Riibenzuckerindustrie und ihre Rohstoffversorgung, Kurt Schroder, Bonn und 
Leipzig 1922. — Schriftliche Mitteilungen der Firma Gebr. Stollwerck (Peter Harnisch). 

Koln. Dr. AugusteElbers. 

Trojan, Johannes, Professor, Schriftsteller, * am 14. August 1837 in Danzig, 
f am 23. November 1915 in Rostock. — T., der Sohn eines wohlhabenden Kauf- 
manns, studierte nach dem Besuche des Danziger Gymnasiums in Gottingen, 
Bonn und Berlin anfanglich Medizin, spater deutsche Philologie, wandte sich 
aber schon vor dem AbschluB seiner Studien der journalistischen Tatigkeit 
unter Adolf GlaBbrenner zu und trat 1862 in die Schriftleitung des » Kladdera- 
datsch«, den er von 1886 ab 23 Jahre als Chefredakteur leitete. Alsdann zog er 
sich in das Haus Ilion nach Warnemiinde zuriick. An seinem 75. Geburtstage 
verlieh ihm die Universitat Rostock die philosophische Doktorwiirde. 

T.s von Theodor Storm sehr hart beurteilte Lyrik zeigt ihn am wenigsten ; 
sie entbehrt des musikalischen Klanges, des schwingenden Reizes. Von liebens- 
wiirdiger Feinheit sind dagegen vielfach seine Kindergedichte, wie das in die 
Schulbucher iibergegangene »Bei Goldhahnchens«. Seine Hauptarbeit gehorte 
dem »Kladderadatsch«, fur den er, ein begeisterter Verehrer Bismarcks, ein 
aufrichtiger liberaler Patriot, eine uniibersehbare Fiille von immer etwas 
schweren und nuchternen, aber in ihrem trockenen Humor oft wirksamen und 
im Wortspiel geschickten Gedichten schuf . Auch in den Versspielen des Allge- 
meinen Deutschen Reimvereins, eines spaten Auslaufers des Tunnels iiber der 
Spree, hat er seinen Witz mit Behagen spazieren gefiihrt. Unter der Leitung 
seines Landsmannes, des originellen Chemikers Emil Jacobsen, und im Verein 
mit Heinrich Seidel, seinem nachsten Freunde, Julius Stinde, Julius Lohmeyer, 
Ludwig Pietsch, dem Theologen Emil Frommel, dem Philosophen Adolf Lasson, 
demPadagogenStephan Waetzoldt, dem Maler Karl Rohling und anderen hat er 
da eine moselweinselige, auf das reineBehagen an den drolligen Seiten desDaseins 
und den Verstiegenheiten des Dilettantismus gestellte Geselligkeit gepflegt, 
aus der heraus unter anderem sein beriihmtes Gedicht von den Achtundacht- 
ziger Weinen entstanden ist. Seine Liebhaberei war die Botanik, er wuBte ihr 
durch eine reizvolle Verbindung von wissenschaftlichem Ernst und leichter 
Plauderei immer neue Seiten abzugewinnen und hat vieles davon in die aller- 
liebsten, zuerst in der »Nationalzeitung« erschienenen Berliner Bilder aufge- 
nommen. Zu zahlreichen Kinderbiichern, insbesondere von Fedor Flinzer, und 
fiir Julius Lohmeyers » Deutsche Jugend« hat er anmutige Beitrage geliefert. 
Als politischer Unverstand den furchtlosen und unabhangigen, national ge- 



Stollwerck. Trojan. Weddigen 175 

sinnten Mann wegen Majestatsbeleidigung auf die Festung Weichselmiinde 
schickte, fand T. Humor genug, auch diese Erlebnisse in einer unverbitterten 
Schrift »Zwei Monate Festung* (1898), zu schildern. Eine Reise zu einer ver- 
heirateten Tochter nach Kanada bot dem Journalisten, Botaniker und Vogel- 
liebhaber ebenmaBig Gelegenheit zu gehaltvollen Schilderungen »Auf der 
andern Seite, Streifziige am Ontariosee« (1902). Johannes T. war ein guter 
Kamerad, ein treuer Freund, ein anspruchsloser, dem Kleinleben in der Natur 
mit Andacht zugeneigter Mensch. 

Literatur: Gedichte 1883. — Scherzgedichte 1883. — Hundert Kinderlieder 1898. — 
Berliner Bilder (Hundert Momentaufnahmen) 1903. — Aus dem Reich der Fl ora 1910. — 
Auswahl aus T.s Schriften, herausgegeben von Erich KloB, 1907. — Vgl. H. Wolfgang 
Seidel, Erinnerungen an Heinrich Seidel, 191 2 und Briefwechsel Storm-Seidel, » Deutsche 
Rundschau* 47. 

Berlin, j Heinrich Spiero. 

Weddigen, Otto, Kapitanleutnant,* am 15. September 1882 in Herford, gef alien 
als Kommandant S. M. Unterseeboot »U 29* am 18. Marz 1915 beim Angriff 
auf die englische » GroBe Flotte «. — Er war das elf te und jungste Kind des Kauf - 
manns Eduard Arnold W. und seiner Gattin Thusnelde, geb. Humfeld. Nach 
Besuch des Gymnasiums seiner Vaterstadt trat Otto W. mit dem Reifezeugnis 
fur Prima am 10. April 1901 in die Kaiserliche Marine ein und wurde als See- 
kadett auf S. M. S. »Moltke« kommandiert. Die Auslandsreise dieses Schul- 
schiffes fiihrte ihn nach Westindien und Nordamerika. Nachdem er als Leut- 
nant zur See vom Herbst 1904 bis Herbst 1905 auf dem Flaggschiff des I. Ge- 
schwaders, S.M.S. »Wittelsbach«, Dienst getan hatte, kam er als Kompagnie- 
offizier zur II. Matrosendivision nach Wilhelmshaven und wurde noch als Leut- 
nant zur See Friihjahr 1906 auf das auf dem Jangtse in Ostasien stationierte 
FluBkanonenboot S. M. S. »Vaterland« als Wachoffizier kommandiert. Mit 
diesem Schiff machte er die seinerzeit Aufsehen erregende Fahrt stromauf warts 
uber die schwierigen starken Stromschnellen mit. In diesem Kommando ftihlte 
sich W. besonders wohl, da er als junger Oberleutnant zur See, wozu er am 
10. November 1906 befordert worden war, bereits eine sehr selbstandige Stel- 
lung hatte. Wegen Malariaerkrankung trat er Herbst 1907 die Riickreise nach 
der Heimat an, nachdem er noch kurze Zeit auf dem Kanonenboot S. M. S. 
» Tiger* Dienst getan hatte. Nach kurzem Landkommando kam er Herbst 1908 
zur U-Bootswaffe, der er fortan bis zu seinem Tode angehorte und in der er 
sich schon im Frieden besonders auszeichnete. Am 25. April 1912 wurde er als 
U-Bootskommandant zum Kapitanleutnant befordert. Kurz vor dem Kriege 
verlobte er sich und heiratete am 14. August 1914 Fraulein Irma Premke, 
Tochter eines Hamburger Kaufmanns. — Dies in kurzen Umrissen der auflere 
Lebenslauf. 

♦Nicht die Iyange eines Menschenlebens macht seinen Wert aus« — dieses 
Wort W.s steht uber seinem eigenen Leben, das friih endete, aber ein Leben 
war, wert, gelebt zu werden, ein Leben, das der Tod begrenzen, aber in seinen 
Wirkungen nicht ausloschen konnte. 

Alles Einzelgeschehen ist gleichgiiltig, wenn es nicht einem hohen Ziele gilt, 
jede Tat wird erst groB oder klein durch den Geist, aus dem sie geboren wird, 
jedes Einzelleben gewinnt erst dadurch an Wert, wie es sich zu den groBeren 



176 19*5 

Fragen des Daseins stellt, die iiber den engen Kreis des personlichen Lebens 
hinausreichen. In diesem Sinne war W.s Leben grofl, gradlinig, klingend voll 
Kraft, deren Schwung das jetzige und kommende Geschlecht spiiren wird, wenn 
es zur befreienden Tat schreiten wird im Sinne des Gefallenen: »Wir sind zu 
alien Opfern bereit. « Und darum bleibt sein Name unvergessen, solange Deutsch- 
land lebt, solange ein Geschlecht im deutschen Vaterlande gleich ihm bereit ist, 
tapfer und freudig sein Leben einzusetzen fiir die Freiheit des eigenen Volkes, 
der eigenen Scholle und der See. DaB W. nachzueifern sich ein Jungdeutschland 
finden moge, ist der heifle Wunsch, den wir Kameraden ihm als schonsten 
Kranz auf seinen stahlernen Sarg »U 29 « legen, der in der Tiefe der griinen 
Nordsee ruht, der Nordsee, die W.s Aufstieg, Kampf, Siege und stolzen Unter- 
gang sah. 

Ihn haben die Gotter lieb gehabt, daB sie ihn mitten aus dem Siegeslauf 
heraus, mitten im Angriff auf das Flaggschiff des englischen IV. Schlachtge- 
schwaders » Dreadnought «, im Hochgefiihl des Kampfers, endlich den Feind 
vor dem Rohr zu haben, nach Walhall nahmen — das sagte mancher von uns 
in jenen grauen Novembertagen des Jahres 1918, als Deutschland sich nach 
beispiellosem zahem Ringen der Welt von Feinden plotzlich beugte, der es 
vier Jahre unerschiittert Trotz geboten hatte. Hatte W. aber auch diese 
schwerere Zeit noch erlebt, er hatte auch da nicht den Mut und seinen Glauben 
an das deutsche Vaterland verloren. Denn in ihm lebte neben einem eisernen 
Willen, einem strengen Pflichtgefiihl und kampfesfrohen Sinn ein frischer, 
strahlender Optimismus, dessen Kraft auch schwachere Naturen mit fortriB 
und der in schwierigen Lagen das starke Wort, dem sofort die Tat folgte, hatte: 
»Nun erst recht.« Die Kameraden seiner stolzen Waffe, der er die Halfte seiner 
Dienstzeit, 7 Jahre, angehorte, haben diese sonnige Seite seines Wesens oft ge- 
nug kennen gelernt. 

Ihn freuten keine Worte, wenn ihnen nicht Taten folgten. Er sprach nicht 
viel iiber seine Taten, von denen die Welt voll war, er empfand in seiner stillen, 
bescheidenen und doch selbstbewuBten und selbstsicheren Art die vielen und 
hochsten Auszeichnungen, die ihm zuteil wurden, als driickend, als »erst noch 
zu verdienen«, er sonnte sich nicht in seinem wohlverdienten Ruhm — er war 
ein Mann der Tat, dem es selbstverstandliche Offiziers- und Mannespflicht 
war, zu leisten, was in seinen Kraften stand, immer mehr zu leisten und nicht 
zu ermatten. » Diesmal war es nur der ,Hawke' , « telegraphierte er an seine Frau, 
als er nach sechsstundigem Angriff — jeder U-Bootsmann weiB, was diese 
Kraftleistung bedeutet — den englischen Kreuzer am 15. Oktober 1914 ver- 
senkt hatte. Er rechnete nicht, wieviel er schon geleistet hatte, er sah nicht 
zuriick, er schaute voraus und fragte nur, was noch getan werden konnte. Auf 
ihn trifft das starke Wort zu: »Ein groBes Muster wirkt Nacheiferung und 
schafft dem Urteil hohere Gesetze.« Als W. am Morgen des 22. September 1914 
die englischen Panzerkreuzer »Hogue«, »Cressy« und »Aboukir« versenkte, da 
war ihm, dem die Sache stets iiber der Person stand, noch nicht klar, welche 
GroBtat seinem zahen Kampfes- und Siegeswillen gegliickt w r ar, wie bef ruchtend 
diese I^eistung auf die jungeU-Bootswaffe und die wirken sollte, die dasGliick 
hatten, dieser Waffe anzugehoren. Aber er erlebte es noch, und dieses BewuBt- 
sein war fiir ihn die tiefste innere Befriedigung, schoner als Ruhm und Ehre, 
die ihm diese Tat einbrachte. Alles, was jung und kampfesfroh war, jung an 



Weddigen. Werner 177 

Herzen, nicht immer an Jahren, drangte zu der U-Bootswaffe, entschlossen, 
ihm nachzueifern. Seine Tat bewirkte mit die ungeahnte Entwicklung, die die 
junge Waffe nehmen sollte, deren Bedeutung nun an alien Stellen klar er- 
kannt wurde. Wer je das Gluck hatte, Kommandant eines U-Bootes zu werden, 
der wird W. ein ganz besonderes Gedenken bewahren in Erinnerung an die 
Zeiten voll Kampf und Not, aber auch voll Hochgefiihl des ganz auf sich und 
die eigene Kraft Gestelltseins, des Stehens an entscheidender Stelle in Deutsch- 
lands Daseinskampf. 

Als der U-Obersteuennann Trabert von »U g«, nachdem die beiden ersten 
Kreuzer »Hogue« und »Aboukir« bereits gesunken waren, ermattet von dem 
stundenlangen anstrengenden Bedienen des Tiefenruders, fragte: »Wie lange 
dauert es noch, Herr Kapitanleutnant ? « — da kam aus W.s Munde die prach- 
tige Antwort: »Vorlaufigschwimmtnocheiner.<< Diese Antwort zeigt besser als 
alles andere den zahen Siegeswillen W.s, seine Art: Nichts Halbes tun, ganze 
Arbeit ! Ein solcher Mann muBte auch seine Untergebenen zu Hochstleistungen 
fortreiBen. Wie er es tat, davon zeugt sein Leben und sein Sterben. Niemand 
neidete ihm seinen Ruhm, der ein jahrelanges unermiidliches, pflichttreues 
Arbeiten im Dienste der geliebten Waffe kronte. Das beste Zeichen fur ihn, 
seinen prachtigen Charakter und fur seine Waffenkameraden. Nicht vielen 
seiner Waffengefahrten sind ahnliche Erfolge beschieden gewesen. In einem 
haben sie hinter ihm nicht zuriickgestanden — im Sterbenkonnen. Die lange 
Reihe der U-Bootstotenliste beweist das. 

W.s Taten sind ein Beweis dafiir, daB nicht tiberragender Verstand Hochst- 
leistungen sichert, sondern daB Charakterstarke, EntschluBkraft, eisenfester, 
zaher Wille, Freudigkeit und Glauben an den guten Stern und an die gute Sache 
die Wurzeln sind, aus denen GroBes wachst. Wohl gait W. als tiichtiger Offi- 
zier, ehe sein Name in aller Munde war, weitschauende Vorgesetzte erwarteten 
von ihm als U-Bootskommandanten viel, seine Waffenkameraden GroBes von 
seiner anerkannten praktischen Berufsbefahigung. Aber er war damals noch 
nicht im weiteren Kreise und im iiblichen Sinne als uberragender Offizier an- 
erkannt. Er hat gezeigt in der Stunde der Priifung, daB er es war, vielleicht 
erst wurde. 

Mochten unserem Lande in der Stunde, die kommen wird, solche Manner 
wie er erstehen. Uns, seinen alten Waffenkameraden, wird der Name W. dann 
Kampfruf und Sinnbild dessen sein, wofiir es sich lohnt, zu leben und zu 
sterben. 

Liter atur: Kirchhoff, O. W. und seine Waffe. Marinedruckverlag Berlin. — v.Mantey^ 
Auf See unbesiegt, Bd. 2 t Lehmann Verlag, Miinchen. — Marinearchiv, Der Krieg zur See, 
Bd. 1 und 4, Verlag Mittler & Sohn. Hauptsachliche Quelle waren eigene Kenntnis und 
Freundschaft des Verfassers mit W. und friihere Erzahlungen seiner Waffenkameraden 
aus der Friedenszeit. 

W : ilh elmshaven. Saalwachter. 

Werner, Anton Alexander v., Maler, * in Frankfurt a. d. Oder am 9. Mai 
1843, f in Berlin am 4. Januar 191 5. — Einer alten, in der schweren Zeit der 
Befreiungskriege verarmten adeligen Offiziersfamilie ist Anton v. W. ent- 
sprossen. Sein Vater, ein tiichtiger, charakterfester Mann, hatte sich lebensklug 
und mit wirtschaftlichem Erfolg dem Tischlerhandwerk zugewandt und ge- 
dbj 12 



I78 1915 

dachte auch seinen Sohn Anton, der von friiher Jugend auf zeichnerische Be- 
gabung verriet, dem Handwerk zuzufiihren. Von seinem 14. Lebensjahr an bei 
einem Dekorations- und Stubenmaler in der Lehre, vermochte der Sohn in 
kurzer Ausbildungszeit sich alle Fertigkeiten der handwerklichen Technik so 
vollkommen anzueignen, daC er bald, trotz seiner Jugend, als Leiter zahlreicher 
Gesellen umfangreiche dekorative Malerarbeiten in Kirchen, Schlossern und 
Privathausern Frankfurts und seiner Umgebung ausfiihren konnte. In seinen 
freien Stunden bildete sich der begabte, geistig sehr geweckte Malerlehrling 
durch kiinstlerische Studien und in den Fachern allgemeinen Wissens weiter. 
1859 erhielt er den Gesellenbrief . Um sich in der Dekorationsmalerei zu vervoll- 
kommnen, ging er im darauffolgenden Jahre nach Berlin und fand in den Mal- 
klassen der Akademie, die er besuchte, besondere Forderung durch A. v. Kloe- 
ber, der ihn mit dem Wesentlichen der Bildkomposition vertraut machte. 
Seinen Lebensunterhalt verschaffte er sich durch Illustrationsarbeiten, fiir die 
er sich an den Werken des humorvollen Ad. Schroedter schulte. Als sein Ent- 
schluB, Maler und Illustrator zu werden, feststand, siedelte er 1862 zu diesem 
Kiinstler, der ihn wie einen Sohn in sein Haus aufnahm, nach Karlsruhe iiber. 
Unter seiner Leitung und unter dem EinfluB C. F. I^essings begann er mit dem 
Malen historischer Bilder, von denen » Luther vor Kardinal Cajetan« spater 
einen Preis der Berliner Akademie erhielt. Sehr bedeutungsvoll wurde fiir den 
angehenden Kiinstler die in Karlsruhe angekniipfte Freundschaft mit Viktor 
v. Scheffel, dessen Dichtungen v. W. zu illustrieren unternahm mit einem Er- 
folg, der ihn in kurzer Zeit in weiten Kreisen bekannt machte. Mit Zeich- 
nungen zu Frau Aventiure hatte er 1863 begonnen, denen die zu Juniperus, den 
Gaudeamusliedern, 1868 die besonders gelungenen zu den Bergpsalmen tmd 
schlieBlich die zum Trompeter von Sackingen folgten. Die Illustrationen fiir den 
Ekkehard, die Werner spater noch jahrelang beschaftigten, sind unvollendet 
geblieben und nur einzelne davon veroffentlicht worden. In den gleichen Jahren 
schuf er auch Illustrationen zu Hugdietrichs Brautfahrt von W. Hertz, spater 
illustrierte er noch einige Werke der Klassiker (Herders Cid, Schillers Rauber 
und Jungfrau von Orleans), ohne den gleichen Erfolg wie mit seinen Scheffel- 
Illustrationen zu erreichen, in denen er Gehalt und Stimmung der Dichtungen 
in seinen Zeichnungen glucklich umschrieben hat. Scheffels gemiitvoller Art 
ist Werner freilich nicht immer gerecht geworden, dafiir betonen die etwas 
schwunglosen Kompositionen allzusehr die leicht philistrosen Ziige der Dich- 
tung. Man darf nicht an Schwinds Grazie und spielende Phantasie, nicht an 
Kaulbachs Witz und geistvolle Lebendigkeit denken! Auch die Kraft und 
die Urwuchsigkeit seines nachsten Vorbildes, Ad. Schroedters, hat W. als Il- 
lustrator nicht erreicht. 

Nachdem er in Karlsruhe durch seine eifrig betriebenen Studien wie durch 
Ankniipfung gesellschaftlicher Beziehungen und durch die rasch gewonnene 
Gunst des badischen GroBherzogpaares die Grundlage fiir seine Karriere gelegt 
hatte, weilte v. W. 1867 einige Zeit in Paris, in den beiden folgenden Jahren 
in Italien. 1869 kehrte er nach Karlsruhe zuriick, um sich den Vorarbeiten fiir 
den ersten groBeren Auftrag, zwei Wandgemalde fiir die Aula des Gymnasiums 
in Kiel, » Luther vor dem Reichstag in Worms« und »Die nationale Erhebimg 
i8i3«, zu widmen, mit deren Ausfiihrung er 1870 in Kiel begann. Der Auftrag 
des dortigen Kunstvereins, ein Bild »Moltke mit seinem Generalstab vor Paris* 



Werner 



179 



zu malen, fiihrte ihn in das Hauptquartier der III. Armee nach Versailles, wo 
er, durch Empfehlungen der GroBherzogin von Baden eingefiihrt, Studien fur 
neue groBere Arbeiten machen und wertvolle personliche Verbindungen an- 
kniipfen konnte, die fiir sein weiteres Leben und Schaffen bestimmend werden 
sollten. Im Marz 1871 zuriickgekehrt, hielt er sich nur kurze Zeit in Karlsruhe 
auf. Es zog ihn nach Berlin, wo er dank seiner geselligen Gewandtheit rasch 
AnschluB an die kiinstlerischen Kreise und durch in erstaunlich kurzer Frist 
ausgefiihrte Arbeiten dekorativer Art, ein Velarium fiir den Einzug der sieg- 
reichen Truppen und den umfangreichen Fries fiir die Siegessaule, bekannt 
wurde und reiche Anerkennung fand. Das Velarium, geschickt improvisiert, 
voll Schwung und patriotischer Begeisterung, ist W.s beste dekorative Arbeit. 
Kiinstlerisch weniger befriedigt der Fries der Siegessaule, den er in etwa zwei 
Monaten vollendet hatte. Die Schwierigkeit der Aufgabe, die vielen Wiinsche, 
die der Kiinstler dabei zu erfiillen hatte, miissen ihm zugute gehalten werden, 
doch ist die ganze, sehr konventionelle Komposition wenig fiir den besonderen 
Stil des Mosaik, in dem es ausgefiihrt ist, berechnet. Der in der gleichen Technik 
nach W.s Entwurf ein Jahr vorher ausgefiihrte Fries am Pringsheimschen 
Hause ist in seiner einfacheren flachenhaften Behandlung gelungener. Jeden- 
falls beweisen diese Arbeiten, dafi v. W.s Begabung in ihrem starksten Teil auf 
dem Gebiete groBziigiger dekorativer Malerei lag, fiir die er von Jugend auf 
technisch vorgebildet war und die seiner vielseitig gewandten, rasch zupacken- 
den Natur am besten zusagte. 

Die Bewunderung, die der Neuling im Berliner Kunstleben mit diesen Werken 
fand, war so groB, daB die Kiinstlerschaft ihn zum Direktor der Akademie vor- 
schlug. 1874 wurde v. W. zum Mitglied der Akademie gewahlt und ein Jahr 
darauf wurde dem erst ZweiunddreiBigjahrigen tatsachlich die Leitung der im 
Komplex der Akademie neukonstituierten Hochschule fiir die bildenden Kiinste 
iibertragen, zugleich mit einem Meisteratelier fiir Malerei. Sein direktoriales 
Wirken war in der damals sehr daniederliegenden Akademie wahrend der 
ersten Zeit sicher gut und erfolgreich. Spater, als neue Krafte in der deutschen 
Kunst sich regten, wirkte v. W.s schroffe, einseitige Stellungnahme, sein Kampf 
gegen alles neu Aufstrebende in der Kunst ungiinstig und hemmend auf die 
Entwicklung der von ihm geleiteten Anstalt. Der Reformator von 1875 wurde 
immer mehr zum Reaktionar. Bedeutenden EinfluB auf das Kunstleben der 
Reichshauptstadt gewann er auch durch seine Tatigkeit im Verein Berliner 
Kiinstler, dessen Vorsitzender er langere Zeit war, auch hier im Anfang mit 
Erfolg wirkend, wahrend spater seine einseitige Einstellung zu Konflikten fiihrte. 

Die erste Frucht von W.s Studien in Versailles war das groBe, im Auftrag 
der deutschen Fiirsten als Geschenk fiir Kaiser Wilhelm I. gemalte Bild der 
Kaiserproklamation in Versailles (vollendet 1877) » zugleich die erste bedeutsame 
Probe der von dem Kiinstler spater besonders gepflegten reprasentativen Ge- 
schichtsmalerei. Mit der peinlichen Treue eines berichterstattenden Augen- 
zeugen gab er den Vorgang wieder, in der Absicht, ein historisches Dokument 
zu hefern. Der sachlich niichternen, nicht vom Malerischen, nicht von der Bild- 
wirkung ausgehenden Darstellung fehlt alles kiinstlerisch Packende, der 
zwingende Ausdruck der Begeisterung. Eindrucksvoller, in der Komposition 
geschlossener und malerisch besser ist die groBere, stark geanderte Wieder- 
holung des Bildes als Wandgeraalde fiir die Ruhmeshalle des Zeughauses (1883) . 



i8o 1915 

Der strenge Realismus des Kiinstlers bewahrte sich schon friih im Bildnis. 
Gestalt und Ziige des alten Kaisers und seiner Paladine hat er der Nachwelt 
getreu iiberliefert, besonders Moltkes Erscheinung hat er in seinen Bildern oft 
festgehalten (Moltke vor Paris, Moltke in seinem Arbeitszimmer in Versailles 
(1873), Moltke auf dera Schlachtfelde von Sedan (1883). Seine Darstellungen 
aus dem Kriege setzte v. W. mit der Ausmalung des Rathaussaales in Saar- 
briicken (1880) fort, bei der die recht charakteristischen Figuren der Heerfiihrer 
monument aler wirken als die etwas illustrativen Hauptbilder »Ankunft des 
Konigs in Saarbriicken 1870 « und »Sturm auf die Spicherer H6hen«. 

Gelegenheit, sein dekoratives Talent wieder an einer groBeren Aufgabe zu 
betatigen, fand v. W. bei der Ausmalung des Cafe Bauer in Berlin (1877 un d 
1884), fur das er gemeinsam mit Ch. Wilberg frische, farbenfreudige Szenen 
aus dem antiken Leben schuf . Auch einige groBe Familiengruppenbildnisse und 
besonders die im Stil Veroneses gehaltene Gesellschaftsszene %La Festan (1875) 
gehoren in das Gebiet des Dekorativen und huldigen dem typischen Geschmack 
der Mazene der Griinderzeit. 

Das Jahr 1878, in dem er als Kommissar die deutsche Kunstabteilung der 
Pariser Weltausstellimg einrichtete, brachte ihm einen groBen Auftrag der 
Stadt Berlin: Fur das Rathaus ein Bild des Berliner Kongresses zu malen. 
Fehlt auch diesem 1882 vollendeten groBen Werk jeder eigentliche malerische 
Reiz, so ist es doch durch die sehr geschickte Komposition und die vortreffliche 
Charakteristik der dargestellten Akteure des Kongresses eine bedeutende 
Leistung. 

Zum Thema des Krieges fiihrte ihn wieder das im Verein mit E. Bracht ge- 
malte Panorama der Schlacht von Sedan (vollendet 1883) zuriick, zu dem v. W. 
noch drei Dioramen schuf, von denen die »Kapitulationsverhandlungen in 
Donchery* zu seinen im malerischen Sinne besten Leistungen gehoren. Nur 
^inmal noch gelang es ihm spater in einem Werk »Kronprinz Friedrich Wilhelm 
an der Leiche des Generals Abel Douay« (1893) mit gleichem Gluck den Bild- 
vorgang iiber die nuchterne, realistisch getreue Darstellung hinaus zu kiinstle- 
risch packender Wirkung zu steigern und in Kolorit und Beleuchtung so ge- 
schlossen zu gestalten. 

Noch viele Jahre lang beschaftigte den Kiinstler der Stoff des groBen Krieges 
in Bildnissen, historischen und genrehaften Kompositionen ; die Zahl der Werke 
ist zu groB, um sie hier auch nur einigermaBen vollstandig anzufiihren. Daneben 
entstanden Darstellungen aus dem hofischen Leben, dem v. W. dank der 
Gunst des alten Kaisers und durch das freundschaftliche Vertrauen des Kron- 
prinzenpaares sehr nahe stand. Auch Kaiser Wilhelm II. bewahrte ihm diese 
Gunst; A. v. W. wurde einer seiner Vertrauten auf kunstlerischem Gebiet und 
erhielt von ihm Auftrage zur Ausfiihrung groBer reprasentativer Bilder, von 
denen »Die feierliche Eroffnung des Reichstags 1888 « und »Moltkes 90. Geburts- 
tag« (1896) erwahnt seien. 

Die letzte Schaffensperiode des einst so energischen Realisten zeigte ein 
rasches Abnehmen seiner Kraft: Das weichlich-flaue Altarbild fur die Berliner 
Garnisonkirche, die matten Kuppelmalereien wie die in einem ganz unkiinstle- 
rischen Verfahren hergestellten Glasgemalde im Berliner Dom lieBen dies deut- 
lich erkennen, nicht weniger die einige Jahre friiher entstandene Darstellung 
der Enthiillung des Richard- Wagner-Denkmals. 



Werner l8l 

Seine ungewohnliche Begabung zu scharfer Beobachtung und zu rascher, 
treffender Wiedergabe hat A. v. W. in besonderem MaBe als Zeichner bewahrt 
und in der groCen Zahl seiner Bildnisstudien eine Galerie seiner bedeutenden 
Zeitgenossen geschaffen, die in ihrer niichternen, zuverlassigen Treue fiir die 
Nachwelt groflen Wert besitzt. 

Im Zeichnerischen und in der Komposition liegt der Schwerpunkt von A. 
v. W.s Kunst iiberhaupt ; ein Kolorist war er nicht trotz seiner Veranlagung zur 
malerischen Dekoration. Das Berechnete, VerstandesmaBige iiberwiegt bei ihm 
und laBt das rein Gefuhlsmafiige der Kunst fast iiberall vermissen. Mit der 
sachlichen Genauigkeit eines zuverlassigen Chronisten hat er die historischen 
Geschehnisse verewigt, an der getreuen Wiedergabe des Tatsachlichen lag ihm 
mehr als an der kunstlerischen Stimmung des Bildes. Daher sind seine Werke 
in erster Linie als historische Dokumente von Bedeutung. Aus seiner Zeit her- 
aus und aus seiner besonderen Veranlagung muB A. v. W. — wie jeder Kiinst- 
ler — beurteilt werden, will man ihm vollig gerecht werden. Er war der typische 
Vertreter des niichternen norddeutschenCharakters, und die Konsequenz, mit 
der er seinem Wesen treu blieb, muB ebenso Achtung erwecken wie seine un- 
leugbare groBe Begabung und seine fachliche Tiichtigkeit. Der mit jungen 
Jahren schon zu Ansehen und Ehren Gelangte ist in spateren Jahren viel ge- 
schmaht worden, woran freilich nicht wenig seine unversohnliche heftige 
Gegnerschaft gegen die neu aufstrebende Kiinstlergeneration Schuld trug. Man 
hatte sich leichter iiber die temperamentvollen AuBerungen seiner streitbaren 
Natur hinwegsetzen konnen, wenn nicht gerade ihm die Heranbildung der 
kunstlerischen Jugend anvertraut gewesen ware. Bei alien Einseitigkeiten und 
Schwachen aber war A. v. W.s markante Personlichkeit doch eine der inter- 
essantesten Kiinstlererscheinungen des 19. Jahrhunderts. 

Literatur: a) Von A. v. W. selbst: A. v. W. # Erlebnisse und Eindriicke 1870 — 1890, 
Berlin 1913, Verl. Mittler & Sohn. — A. v. W., Jugenderinneningen (veroffentlicht von 
Lilli v.Werner), » Deutsche Revue « 1916/17. — Bericht iiber seinen Aufenthalt in Ver- 
sailles in »Krieg und Sieg 1870/7 1« von Pflugk-Hartung, Berlin 189$. — Ansprachen und 
Reden des Direktors A. v. W., Berlin 1896, Vexlag von R. Schuster. — Rede bei derTrauer- 
feier fiir Adolf Menzel 1905, Berlin, Mittler & Sohn. — b) t)ber A.v.W.: Ad. Rosenberg, 
A. v. W., 2. Aufl. 1900, Verl. Velhagen & Klasing. — Derselbe, Die Berliner Malerschule, 
Berlin 1879. — Derselbe, Geschichte der modernen Kunst, 2. Aufl., Leipzig 1894, 3. Bd., 
S. 224 — 231. — Fr. Pecht, Deutsche Kiinstler des 19. Jahrhunderts, Nordlingen 1885, 

4. Reihe, S. 306 — 347. - — Jubilaumsfestschrift des Vereins Berliner Kiinstler (von Ludwig 
Pietsch), Berlin 1891. — Fr. v. Reber, Geschichte der neueren deutschen Kunst, 3. Bd., 

5. 368 ff. ( Leipzig 1884. — R. Muther, Geschichte der Malerei im 19. Jahrh., 2. Bd., S. 531, 
Miinchen 1893. — Corn. Gurlitt, Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts, 3. Aufl. , 
S. 486 ff., Berlin 1907. — Fr. v. Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, 2. Bd., 
S. ioooff., Dresden 1898. — Th. Kutschmann, Geschichte der deutschen Illustration 
(1899), S. 307 ff. — Briefe J. V. v. Scheffels an A. v. W. 1863 — 1886, herausgegeben von 
A. v. W., Verl. Bonz& Co., Stuttgart. — Fr. Frhr. v. Khaynach, A. v. W. und die Berliner 
Hof malerei, Zurich 1894. — Das geistige Deutschland am Ende des 19. Jahrhunderts I 
(1898), S. 733 f. — c) Von A. v. W. illustrierte Biicher: Werke J. V. v. Scheffels, Verl. 
Bonz& Comp., Stuttgart. — W. Hertz, Hugdietrichs Brautfahrt, Verl. A. Kroner, Stutt- 
gart. — Schiller, Die Rauber und Die Jungfrau von Orleans, Grotescher Verl., Berlin. — 
Herder, Cid. — Einzelillustrationen zu »Die Hohenzollern und das deutsche Vaterland*, zu 
Fechners Werk iiber den Krieg 1870/71, zu Lohmeyers Deutsche Jugend u. a. — d) Map- 
penwerke: Studienmappen deutscher Meister. Zehn Studienblatter von A. v. W.,fBreslau, 
Verl. C. T. Wiskott. — Studienkopfe von A. v. W., Verl. P. Bette, Berlin. — Der Berliner 
KongreB. 26 Studienkopfe nach dem Leben von A.v.W., Verl. P. Bette, Berlin. — Wand- 
gemalde im Cafe Bauer, Berlin, von A. v. W. und Ch. Wilberg, Photograph. Gesellschaft, 



l82 I9T5 

Berlin. — Panorama der Schlacht bei Sedan, gemalt von A. v. W. und E. Bracht. Text 
von Ludw. Pietsch, Photograph. Gesellschaft, Berlin. — e) Vexschiedenes: Kunstzeit- 
schriften und Ausstellungskataloge seit 1870. — Chronik der Akademie der Kiinste zu 
Berlin. — Archiv der Akademie (Personalnachrichten). 

Berlin-Zehlendorf. r A. Amersdorffer. 

Windelband, Wilhelra, Professor der Philosophic, * in Potsdam am 11. Mai 
1848, | am 22 « Oktober 1915 in Heidelberg. — Nach der Gymnasialzeit in 
seiner Vaterstadt hat W. an den Universitaten Jena, Berlin und Gottingen 
studiert. Von seinen akademischen Lehrern hatten Kuno Fischer und Hermann 
Lotze den starksten EinfluB auf ihn. Bei letzterem promovierte er im Jahre 1870 
mit einer Dissertation iiber »Die Lehren vom ZufalU in Gottingen. Am Deutsch- 
Franzosischen Kriege nahm er als Freiwilliger teil und habilitierte sich 1873 in 
Leipzig mit einer erkenntnistheoretischen Schrift »t)ber die GewiBheit der Er- 
kenntnis«. Schon im Jahre 1876 wurde er nach Zurich berufen, das er aber bereits 
im Jahre 1877 mit Freiburg vertauschte. In diese Jahre fallen seine Arbeiten 
zur Geschichte der Philosophic, deren erste Frucht der 1. Band der Geschichte 
der neueren Philosophic (1878) war. Der 1882 erfolgte Ruf nach StraBburg i. E. 
bedeutet wohl den Hohepunkt seines akademischen Wirkens. W. gehorte zu 
den angesehensten Iychrern der StraBburger Hochschule und vereinigte unter 
seinen Zuhorern nicht nur die aus dem Reich kommenden, sondern auch die 
einheimischen Studenten. Bis zum Jahre 1903 dauerte diese Wirksamkeit. 
Danach folgte W. dem Ruf nach Heidelberg als Nachfolger seines Lehrers Kuno 
Fischer. Hier hat er bis zum Jahre 191 5 gewirkt. 

In W.s Philosophic treten zwei Motive deutlich hervor: das systematisch- 
methodologische und das historische. Man kann im Zweifel sein, welches das 
starkere war. Am bckanntesten sind wohl seine historischen Arbeiten geworden, 
aber es ware falsch, daneben die Anregungen zu vergessen, die seine geschicht- 
liche Betrachtung von seinen systematischen Gedanken erhielt. J a, man kann 
sagen, dafi seine geschichtlichen Untersuchungen schliefllich systematischen 
Zielen dienen sollten. Dies zeigt eine Cbersicht der ersteren. Es sind: Die Ge- 
schichte der neueren Philosophic (1878/80), Geschichte der alten Philosophic 
(1888), Geschichte der Philosophic (1892), Plato (1898). Schon in dem ersteren 
Werk tritt in dem Zusatz zum Titel »in ihrem Zusammenhange mit der allge- 
meinen Kultur und den besonderen Wissenschaften* die Tendenz W.s hervor, 
die Philosophic gemafl ihrer Stellung im geistigen I^eben nach ihren allge- 
mcinen Auswirkungen geschichtlich darzustellen. Es soil nur der allgemeine 
Zug der modernen Gcdankenmassen geschildert werden. Die Eigentximlichkeit 
der so gestellten Aufgabe laBt sich am besten aus W.s Worten verstehen: 
»Philosophische Systeme wachsen nicht mit logischer, sondern mit psycholo- 
gischer Notwendigkeit ; aber sie erheben den Anspruch auf logische Geltung. 
Sie wollen daher zugleich pragmatisch und kritisch, zugleich kausal und teleo- 
logisch betrachtet sein.« So hat W., in diesem Werke iiber Kuno Fischer hin- 
ausgehend, eine geschichtliche Darstellung der neueren Philosophic gegeben, die 
auBer Dilthey wohl niemand sonst in gleicher I^ebendigkeit des Nachschaffens 
und zugleich Herausarbeitung der wirkenden Ideen geben konnte. Am starksten 
zeigt sich W.s synthetische Kraft in dem spater so genannten Lehrbuch der 
Geschichte der Philosophic In ihm soil gezeigt werden, »durch welche Denk- 
antriebe im Laufc der geschichtlichen Bewegung die Prinzipien zum BewuBtsein 



Werner. Windelband 183 

gebracht und herangebildet worden sind, nach denen wir heute Welt und Men- 
schenleben wissenschaftlich begreifen und beurteilen.* Charakteristisch ist das 
Wort, daB die Philosophic in der Geschichte der Philosophic nicht vergessen 
werden durfe. In diesem Werk hat W. etwas geschaffen, das in unserer Lite- 
ratur als einzig dastehend gelten darf . Er gibt Ideengeschichte, aber nicht im 
Sinne einer apriorischen Konstruktion, sondern ans einem umf assenden Studium 
des einzelnen, das sich zum Verstehen der groBen geistigen Zusammenhange 
erhebt und ihren Gedankengehalt auf eine letzte Fonnel bringt. So hat W. be- 
sonders fur die griechische Philosophic neue Kategorien der geschichtlichen 
Darstellung geschaffen. Der Hohepunkt des Werkes wird dann in der Geschichte 
der Aufklarung und des deutschen Idealismus erreicht. 

Das Interesse an Kant und der von ihm ausgehenden Bewegung ist aber nicht 
nur ein historisches. Von hier aus lassen sich am besten W.s systematische Ge- 
danken begreifen. Sein Verhaltnis zu dem grofien Konigsberger hat er selbst 
durch das Wort bezeichnet: »Kant verstehen, heifit iiber ihn hinausgehen. « 
Damit hat sich W. in die Reihe der Denker eingeordnet, welche im letzten 
Drittel des 19. Jahrhunderts in einer Erneuerung der kantischen Philosophic, 
nicht nach ihren Worten, sondern nach ihremGeist, einen notwendigen Durch- 
gangspunkt des modernen Philosophierens sahen. Die kritische Haltimg verbot 
den Glauben an die Moglichkeit einer Metaphysik. Eine solche erschien dem 
historisch so allseitig orientierten Blick W.s als unmoglich, auch erfaBte er 
ihre ganze Schwierigkeit aus der Fiille des durch die Einzelwissenschaften 
Erarbeiteten. Aber wie geschichtlich betrachtet die philosophischen Ideen ein 
Eigenrecht behaupten, so darf auch in der Gegenwart die Philosophic den 
Anspruch auf eine ihr eigene, in gewisser Weise iibergeordnete Fragestellung er- 
heben. Ihr eigentiimliches Untersuchungsobjekt sind die Prinzipien. Sehr schon 
hebt W. einmal hervor, daB jedes der philosophischen Sonderprobleme von 
selbst seine Linien in die hochsten und letzten Fragen ausdehnt. »Wer iiber 
philosophische Dinge philosophisch reden will, muB allemal den Mut haben, 
im ganzen Stellung zu nehmen.« Dies tut W. in seiner systematisch bedeut- 
samsten StraBburger Rektoratsrede » Geschichte und Naturwissenschaft*. Ihr 
wesentlicher Gedankengehalt laBt sich unter dem nur methodologischen Ge- 
sichtspunkt so aussprechen: »Die Erfahrungswissenschaften suchen in der Er- 
kenntnis des Wirklichen entweder das AUgemeine in der Form des Natur- 
gesetzes oder das Einzelne in der geschichtlich bestimmten Gestalt.« Dieser 
Gegensatz fuhrt dann aber zu einem letzten Problem unserer Weltvorstellung : 
»das Gesetz und das Ereignis bleiben als letzte inkommensurable GroBen neben- 
einander bestehen. « Diese negative Einsicht bedingt nun zugleich W.s Stellung 
zu dem f ormulierten Problem und damit laBt sich auch sein erkenntnistheo- 
retischer Grundgedanke aussprechen. Da die Entscheidung nicht in einer Meta- 
physik liegen kann, so muB eine erkenntnistheoretische Begriindung fiir die 
verschiedenen methodologischen Ausgangspunkte gewonnen werden. An diesem 
Punkte tritt nun deutlich W.s Verhaltnis zu Kant hervor. Er ist kritischer 
Philosoph in dem Sinne, daB die Philosophic nicht psychologisch untersuchen 
soil, was geschieht, sondern die Frage nach der Moglichkeit der Erkenntnis, 
nach dem Gelten im Sinne Lotzes stellen soil. Aber W. weicht insofern von 
Kant ab und nahert sich Fichte, als er die rationalistische Grundeinstellung 
Kants in ihrer allgemeinen Geltung ablehnt und die Normen fiir Gefiihi und 



184 J 9i5 

Wille als nicht nur unableitbar aus jener ansieht, sondern vielmehr auch Wahr- 
heit auf ein willentliches Verhalten, ein Billigen oder MiBbilligen zuriickfiihrt. 
Damit hat W. die Grundlage fiir eine Philosophic der Werte gelegt, welche 
dann von seinem Schiiler Rickert weiter ausgebildet worden ist. Sie sucht ein 
Apriori fiir Logik, Ethik, Asthetik und Religionsphilosophie aus dem Grund- 
verhalten des Wertanerkennens theoretisch abzuleiten. Auf diesem Gebiet ist 
W. im wesentlichen aber doch nur Anreger gewesen, er hat ein Programm auf- 
gestellt, ohne den Weg der Ausfiihrung genau abgesteckt zu haben. J a, man 
darf sagen, daB er den Gefahren des Psychologismus nicht entgangen ist, wie 
dies seine Beitrage zur I>hre vom negativen Urteil (1884) deutlich zeigen. 

AuBer den beiden angegebenen Hauptrichtungen seines Wirkens hat W., wie 
dies besonders seine kleinere Arbeiten zusammenfassenden » Praludien* zeigen, 
mannigfach sich betatigt. Seine Arbeiten iiber Spinoza, Holderlin, Sokrates, 
Schiller u. a. zeigen, wie sehr er feinsinniger Analyse kiinstlerischer und philo- 
sophischer Personlichkeiten fahig war, das Hauptwerk in dieser Richtung ist 
sein ♦ Plato «. Menschlich tritt er dem Leser wohl am nachsten in den Aufsatzen 
»Sub specie aeternitatis* und »Das Heilige*. Diese kleinen Abhandlungen zeigen 
W.s grofle darstellerische Kraft. Er gehort zu den wenigen philosophischen 
Schriftstellern, die, ohne im geringsten einer falschen Popularitat zu huldigen, 
klar und eindrucksvoll selbst schwierige Probleme zu behandeln wissen. 

Literatur: In dies Verzeichnis sind nur die wichtigsten Arbeiten W.s aufgenommen, 
seine kleinen Abhandlungen sind zum groBten Teil in die Praludien aufgenommen. Ein 
voHstandiges Verzeichnis gibt A. Ruge in »Zeitschr. f. Phil.u. phil. Kritik«, Bd. 163, S. 42 
bis 46 (1917). — 1870: Die Lehren vom Zufall. — 1873: t)ber die GewiBheit der Erkennt- 
nis. — 1876: tJber den gegenwartigen Stand der psychologischen Forschung. — 1878/80: 
Die Geschichte der neueren Philosophic 2 Bde. — 1884: Praludien. Aufsiitze und Reden 
zur Einleitung in die Philosophic, seit der 4. Aufl. 191 1 in 2 Bdn. — Beitrage zur Lehre 
vom negativen Urteil (Straflburger Abhandlungen zur Philosophic). — 1888: Geschichte 
der alten Philosophic (Handbuch der Altertumswissenschaften, hrsg. von J wan v. Miiller). — 
1892: Geschichte der Philosophic — 1894: Geschichte und Naturwissenschaft, Rektorats- 
rede. — 1898: Platon. In Frommanns Klassikern der Philosophic Nr. IX. — 1900: Vom 
System der Kategorien, (Philosophische Abhandlungen, Sigwart gewidmet). — 1904: t)ber 
Willensfreiheit. — Die Philosophic im Beginne des 20. Jahrhunderts, Festschrift fiir Kuno 
Fischer, darin von W. Logik und Geschichte der Philosophic — 1909: Die neuere Philo- 
sophic in » Kultur der Gegenwart«, I, 5. — Die Philosophic im deutschen Geistesleben des 
19. Jahrhunderts. — 191 2: Die Prinzipien der I^ogik in Enzyklopadie der philosophischen 
Wissenschaften. — 1 91 4 : Einleitung in die Philosophic — Geschichtsphilosophie, Fragment 
aus dem NachlaB. 

Halle. P. Menzer. 



1916 

Boelcke, Oswald, * in Giebichenstein bei Halle a. d. Saale am 19. Mai 1891, 
gefallen an der Somme am 28. Oktober 1916. — B. ist unter den gefeierten 
deutschen Fliegerhelden unstreitig die markanteste imd verdienteste Person- 
lichkeit. Er hat einen neuen Typ, eine neue Waffe geschaffen: den Jagdflieger. 
Alle Namen, die neben ihm und nach ihm aufleuchteten, bezeichneten seine 
Schiiler. 

Erentstammteineralten,in den Havellanden ansassigen Familie. Sein Vater, 
Professor Max B., war zur Zeit seiner Geburt Oberlehrer an der Realschule 
zu Halle und wurde 1895 nach Dessau versetzt, wo Oswald Zogling des herzogl. 
Friedrich-Gymnasiums wurde, das er 191 1 mit demZeugnis der Reife verlieB. 
Nur fiinf Jahre, nachdem er ins Leben hinausgetreten war, konnte er wirken 
und schaffen, bis ihn der Tod jah aus seinem kurzen aber inhaltsschweren und 
an Erfolg und Anerkennung uberreichen Dasein riJ3. Seine Lehrer lobten an ihm 
seine ehrliche, offene Art, seine Mitschiiler seine gerechte Kameradschaft. Sein 
praktischer Sinn wollte mit Theorie nicht viel zu tun haben ; in den Wissen- 
schaften leistete er, was von ihm gefordert wurde; aber schon als Schtiler iiber- 
ragte er alle an turnerischer, korperlicher Geschicklichkeit und an Schneid. Er 
war ein passionierter Bergsteiger. Seinem scharfen Verstand paarte sich der 
treffsichere Instinkt des korperlich iiberlegenen Menschen, der blitzschnell und 
geistesgegenwartig die Situation erfiihlte und mit olympischer Ruhe sie 
meisterte, ehe andere sie verstandesmafiig erfafit hatten. Hier liegt derSchliissel 
zu seiner Personlichkeit. Seine durch gute Erziehung und Bildung gescharfte 
Logik liefi ihn nun aus der Praxis heraus die Theorie des Jagdfliegens, d. h. des 
reinen I^uftkampfes finden, die denn auch bei seinen Schulern, genannt sei nur 
Immelmann und Frhr. v. Richthofen, so treffliche Erfolge zeitigte und sie in 
die Lage setzte, ihrerseits wieder neue Krafte heranzubilden. So schuf B. kurzer- 
hand an der Front den Jagdflieger, dessen nebelhafter UmriB den Herren am 
grtinen Tisch in der Heimat trotz Griibelns und trotz langwieriger Bespre- 
chungen nie klare Gestalt annehmen wollte. 

B. war also der rechte Mann am rechten Platz. Der kurze Weg, auf dem er 
dahin kam, ist kurz geschildert. Nach dem Abiturientenexamen trat er 191 1 
als Fahnen junker in dasTelegraphenbataillon 3 in Koblenz ein, kam dann auf 
die Kriegsschule in Metz und wurde im September 191 2 I^eutnant in der oben 
erwahnten Formation. Seine sportliche Begabung war bald offensichtlich. 1913 
errang er den 2. Pre is im Armeewettlauf . In demselben Jahre kam er durch ein 
dienstliches Kommando nach Darmstadt, wo er auf dem dortigen Flugplatz 



i86 1916 

zum ersten Male in nahere Fiihlung mit der Fliegerei trat, deren starkem 
Zauber er sich nie wieder entziehen konnte. Unermudlich war er von da ab be- 
mtiht, trotz der dienstlichen und familiaren Schwierigkeiten, die sich zwischen 
ihn und die Erfullung seines Wunsches legten, Flieger zu werden. Endlich 
wurde er im Juni 19 14 nach Halberstadt als Militarflugschiiler kommandiett. 
Der Ausbruch des Weltkrieges traf ihn wahrend seiner Ausbildung. Am 1. Sep- 
tember 1914 flog er iiber Darmstadt-Trier nach Sedan ins Feld. Damals gab es 
nur Flieger abteilungen, die mit doppelsitzigen Flugzeugen ausgestattet waren, 
die kaum Bewaffnung aufwiesen, da an Luftkampf noch niemand dachte. Gegen 
Flugzeuge wurde nur Abwehr durch Spezialgeschiitze von der Erde aus einge- 
setzt. Mit seinem Bruder als Beobachter flog B. bis April 1915 in den Argonnen 
imd in der Champagne. Schon bald verdiente sich der eifrige und unerschrockene 
Flieger die ersten Auszeichnungen. Rastloses Streben hielt ihn im Bann, der 
Gedanke beherrschte ihn : * Wie kann ich den Gegner in der Luft vom Flugzeug 
aus am nachhaltigsten bekampfen?« Rticksichtslos flog er jedes feindliche 
Flugzeug an und versuchte es mit der damals noch ungeniigenden Bewaffnung 
zum Absturz zu bringen. So sammelte er schon Erfahrungen, als die meisten 
noch den Luftkampf als zwecklose Ablenkung von der eigentlichen Erkun- 
dungstatigkeit ansahen. Er gab Anregungen an Dienststellen imd Fabriken. So 
kam im Sommer 1915 das erste Kampfflugzeug an die Front, zwar noch unge- 
lenk und doppelsitzig, aber gut bewaffnet. Nach vielen vergebhchen Kampfen 
gelang B. am 6. Juh 1915 zum ersten Male die groBe Leistung, nach hartem 
Luftkampf ein feindliches Flugzeug zum Absturz zu bringen. Nun war der 
Bann gebrochen. Es begann eine beispiellose Siegeslaufbahn. Aber auch der 
Gegner blieb nicht miiBig imd suchte in technischer Beziehung die deutschen 
Maschinen zu iiberbieten. Da fand B. in dem genialen Flugzeugkonstrukteur 
Fokker die rechte Erganzung. Bald war der Fokkerflieger beim Gegner be- 
kannt und gefiirchtet. Neben B., durch ihn und mit ihm errang Immelmann 
seine glanzenden Erfolge. Und bald war eine ganze Schar von kiihnen Fliegern 
um B., die in ihm einen vortrefflichen Lehrmeister fanden. Auf den kleinen 
einsitzigen Maschinen gingen sie zuerst noch einzeln, spater in kleineren und 
groBeren Geschwadern unter B.s Fiihrung auf Jagd nach feindlichen Flugzeugen 
aus, daher wurden sie auch zum Unterschied von den mit anderen Aufgaben 
betrauten Fliegern, die ja auch alle kampfen muBten und daher »Kampfflieger« 
waren, »Jagdflieger« genannt. Diese ganz neue, schneidige und verdiente Truppe 
geschaffen zu haben, ist in ersterLinieB.s Verdienst. DieZahl seiner Abschusse 
ist spater iiberboten worden, als die Gelegenheit groBer und die Maschinen 
besser waren. B.s Verdienst jedoch ist unerreicht geblieben. 

An Anerkennung und auBeren Ehren ist sein kurzes Leben reich gewesen. Als 
erster Flieger erhielt er im Januar 1916 den Orden Pour le merite. Im Sommer 
desselben Jahres wurde er vom Kaiser, weit auBerhalb der Reihe bevorzugt, zum 
Hauptmann befordert. Bei allem blieb er eine liebenswerte, bescheidene Per- 
sonlichkeit. Ein tragisches Geschick fiigte es, daB er im Luftkampf mit seinem 
besten Freund zusammenstieB und dadurch todlich abstiirzte. Kein Gegner 
hat ihn besiegt. Das ganze Volk begleitete jubelnd seinen Aufstieg und stand 
erschiittert an seiner Bahre. Fiirsten und Heerfiihrer gaben ihm das letzte 
Geleit. t)ber seinem Grab stand das Gelobnis der deutschen Jugend: »Ich will 
ein Boelcke werden ! « 



Boelcke. Bueck 1 87 

Literatur: Hauptmann B.s Feldberichte, Perthes, Gotha 1917. — B. von R. O. Gott- 
schalk, Vogel& Vogel f Leipzig. — Hauptmann O. B. von A. Luebke, J. Schnellsche Ver- 
lagsbuchhandlung, Warendorf. 

Berlin. Hermann Dahlmann. 

Bueck, Henry Axel, Generalsekretar des Zentralverbandes Deutscher In- 
dustrieller, * in Bischofsburg (OstpreuBen) am 12. Dezember 1830, f in Berlin 
am 4. Juli 1916. — Das Leben B.s umspannte den groBten Teil der Geschichte 
des im Jahre 1919 im Reichsverband der Deutschen Industrie aufgegangenen 
Zentralverbandes Deutscher Industrieller. Von B. datiert der Aufstieg der 
deutschen Wirtschaft zu ihrer GroBe bei Ausbruch des Weltkrieges und der 
Aufschwung des deutschen Wirtschaftslebens, der Deutschland befahigt hat, 
lange Jahre hindurch den furchtbarsten Wirtschaftskampf gegen eine t)ber- 
macht von Feinden zu fuhren. Ehe B. in den Dienst der Industrie trat, hatte 
er bereits ein Menschenleben voll Miihe und Arbeit hinter sich. Nachdem er die 
Oberrealschule in Konigsberg im Jahre 1847 mit dem Zeugnis der Primareife 
verlassen hatte, widmete er sich zunachst der Landwirtschaft, und zwar zu- 
nachst als Angestellter auf groBeren Giitern, schlieBlich als Besitzer eines 
eigenen Gutes in OstpreuBen. Daneben betatigte er sich politisch in den ver- 
schiedensten Vereinen und iibernahm im Jahre 1866 im Nebenamt die Arbeiten 
des Generalsekretars des Iyandwirtschaftlichen Zentralvereins fur Litauen tmd 
Masuren. Ein zufalliges Ereignis fiihrte die entscheidende Wendung in seinem 
Leben herbei. Auf einem KongreB norddeutscher Landwirte im Jahre 1867 
sprang B. ftir den erkrankten Referenten zur Zollfrage in einer so geschickten 
und sachverstandigen Weise ein, daB ein auf dem KongreB anwesender Kollege 
B.s, Bertelsmann-Bielefeld, auf ihn aufmerksam wurde. Bertelsmann gehorte 
zu den Veranstaltern des am 28. Februar 1871 zu Diisseldorf abgehaltenen 
Kohlentages und war in den AusschuB zur Vorbereitung einer zweiten Ver- 
sammlung aller Kohlen- und Eisenproduzenten, sonstiger Industrieller und 
Vertreter der Verkehrsanstalten gewahlt worden. Auf dieser am 30. Marz 1871 
abgehaltenen Versammlung war die Griindung eines Vereins zur Hebung des 
gesamten Verkehrs in Rheinland und Westfalen beschlossen worden. Dieser 
Verein wurde alsdann im Oktober desselben Jahres tmter dem Namen *Ver- 
ein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland 
und Westfalen « errichtet. Auf Betreiben Bertelsmanns, der in den Vorstand 
des neuen Vereins gewahlt worden war, wurde B. zum Geschaftsfiihrer des 
Vereins berufen und trat nach dem Verkauf seines Gutes am 1. Juli 1873 sein 
Amt an. 

Die neue Tatigkeit fiihrte ihn sofort in den damals im Mittelpunkt des Inter- 
esses stehenden Zollkampf hinein. Eine der Begleiterscheinungen des im Herbst 
1873 von den deutschen Borsenplatzen ausgehenden Zusammenbruches, der 
seine Wirkungen schnell iiber alle Gebiete der wirtschaftlichen Tatigkeit er- 
streckte, war die Absatzstockung in der Eisenindustrie. Die Bemuhungen, ihr 
zu begegnen, fiihrten im Friihjahr 1874 zunachst zur Begriindung der »Nord- 
westlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller«, deren 
Geschaftsfiihrung ebenfalls von B. iibernommen wurde und die bald darauf 
in dem » Verein Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller« einen Uberbau er- 
hielt. Dem Kampf um die Eisenzolle in den Jahren 1873— 1876 hat der Zentral- 



i88 1916 

verband Deutscher Industrieller seine Entstehung zu verdanken. Die Er- 
kenntnis, dafi es, wie bisher, im Fahrwasser des Freihandels nicht weitergehen 
diirfe, kam aus der Industrie, die sich zu geschlossener Gegenwehr zusammen- 
f and. Die Seele der gesamten Abwehrbewegung war B . Er trat in diesem Kampf 
an die Seite des Reichstagsabgeordneten Wilhelm v. Kardorff-Wabnitz, der in 
seiner Broschtire »Gegen den Strom « zur Umkehr in der Wirtschaftspolitik 
des Reichs aufgerufen hatte und nun seinerseits auf dem unter B.s Fiihrung in 
der Eisenindustrie vorbereiteten Boden weiterbauen konnte. Nach einer vor- 
bereitenden Versammlung am 14. Dezember 1875 unter dem Vorsitz von Kar- 
dorff wurde am 15. Februar 1876 der »Zentralverband Deutscher Industrieller 
zur Forderung und Wahrung nationaler Arbeit « begriindet, mit dessen Arbeiten 
und Geschicken der Name B. von da ab unaufloslich verbunden ist. Die Haupt- 
arbeit der neugegriindeten Organisation war zunachst der Kampf urn die Zoll- 
frage. 

Die ersten Sitzungen des Zentralverbandes beschaftigten sich fast ausschlieB- 
lich mit diesem Gegenstande. Ihre Kronung fanden diese unter personlicher 
Mitwirkung B.s geleisteten Arbeiten in dem Entwurf eines autonomen Zoll- 
tarifs, mit dem der Zentralverband eine wertvolle und wirksame Vorarbeit fur 
die vom Bundesrat spater eingesetzte Tarifkommission geleistet hat. Die er- 
strebte Wandlung in der Auffassung der Regierung gelangte dann mit der An- 
nahme des neuen Zolltarifs vom 12. Juli 1879 zum vorlaufigen AbschluB. Es 
ist ein unbestreitbares Verdienst B.s, die Idee eines den Bedurfnissen der Nation 
angepaBten Zollschutzes auf der Grundlage der Interessensolidaritat von In- 
dustrie und Landwirtschaft in die Tat umgesetzt und den nationalen Gedanken 
in der Wirtschaftspolitik entwickelt zu haben. Voile 12 Jahre, bis zur Verab- 
schiedung des Zolltarifs von 1902 und dariiber hinaus bis zum AbschluB der 
Zusatzvertrage zu den Handelsvertragen hat B. mitten im zoll- und handels- 
politischen Kampf gestanden und gegenuber den immer erneuten VorstoBen 
des Freihandels an der Verteidigung und Starkung des Schutzzollgedankens 
gearbeitet. Er ist es auch gewesen, der auf das Zustandekommen des durch Ver- 
fiigung des Reichskanzlers vom 29. September 1897 ins Leben gerufenen » Wirt- 
schaftlichen Ausschusses zum Zwecke der Vorbereitung und Begutachtung han- 
delspolitischer MaBnahmen« den starksten EinfluB ausgeiibt hat. 

Neben dem Gebiete der Zoll- und Handelspolitik waren es in erster Linie die 
Fragen der Sozialpolitik, die einen erheblichen Teil der Lebensarbeit B.s im 
Rahmen der Arbeiten des Zentralverbandes Deutscher Industrieller gebildet 
haben. Unter seiner Mitwirkung ist das durch die kaiserliche Botschaft vom 
17. November 1881 eingeleitete Werk der staatlichen Arbeiterfursorge zu der- 
jenigen Ausgestaltung gefiihrt worden, die es in der sozialpolitischen Gesetz- 
gebung der folgenden Jahre erhalten hat. B. hat an seinem Teil in reichem 
MaBe durch sachliche Priifung der Gesetzentwiirfe und durch Bekampfung 
utopischer Ideen hierzu beigetragen, dabei immer bewuBt, im Sinne der im 
taglichen praktischen Verkehr mit der Arbeiterschaft stehenden leitenden 
Manner der deutschen Industrie zu handeln, wenn er in alien diesen Fragen 
eine durchaus arbeiterfreundliche Stellung einnahm, aber alien Bestrebungen, 
die unvertraglich waren mit der Erhaltung des Schutzes der nationalen Arbeit 
und mit der Erhaltung einer wirtschaftsfriedlichen Entwicklung im Innern, 
nachdriicklich entgegentrat, Es war naturlich unvermeidlich, daB diese Ein- 



Bueck 189 

stellung ihn oft in den scharfsten Gegensatz zur sozialdemokratischen Be- 
wegung bringen muCte. Eine Frucht seiner Tatigkeit im Interesse des deutschen 
Unternehmertums war die Griindung der Hauptstelle Deutscher Arbeitgeber- 
verbande im Jahre 1904, aus der spater die Vereinigung der Deutschen Arbeit- 
geberverbande hervorgegangen ist. 

Aber nicht nur auf diesen beiden Hauptarbeitsgebieten des Zentralverbandes 
Deutscher Industrieller hat B. sich mit Einsatz seiner Personlichkeit und 
Arbeitskraft betatigt. Mit dem gleichen Interesse widmete er sich den Fragen 
der Verkehrspolitik, insbesondere der Eisenbahntarifpolitik. Die Idee der Ver- 
staatlichung der Eisenbahn, die in der Industrie anfangs lebhaftem Wider- 
stand begegnete, fand in ihm einen uberzeugten Anwalt. Daneben steht die 
iibrige reiche Lebensarbeit auf alien Gebieten des volkswirtschaftlichen Lebens, 
iiber welche B. in seiner umfassenden Geschichte des Zentralverbandes Deut- 
scher Industrieller in lebendiger Weise berichtet hat. 

Im politischen Leben ist B. wenig hervorgetreten. Es entsprach das seiner 
grundsatzlichen Auffassung, daB wirtschaftliche Fragen und Aufgaben nicht 
vom parteipolitischen Standpunkte, sondern von einer iiber den Parteien 
stehenden Warte behandelt und gelost werden miiflten. Bei seinem Wirken 
im offentlichen l^eben — er vertrat von 1894 bis 1899 im preuBischen Abge- 
ordnetenhause den Wahlkreis Duisburg-Miilheim-Essen-Ruhrort — ist fiir ihn 
seine liberate Grundanschauung leitend gewesen. 

B. war ein sicherer und eindrucksvoller Redner und ein glanzender Debat- 
tierer. Man wird ihn zu den begabtesten und erfolgreichsten Sprechern zahlen, 
die im of f entlichen Leben Deutschlands hervorgetreten sind. Seinem fesselnden 
Vortrag lag eine unbedingte Sachlichkeit zugrunde, die auch fiir seine ganze be- 
rufliche Tatigkeit von besonderer Bedeutung war. Man kann ihn als ein 
mustergiiltiges Vorbild der Pflichttreue und Hingabe an sein Amt, der Ge- 
wissenhaftigkeit und strengsten Selbstzucht bezeichnen. Dabei war er in seinem 
personlichen Auftreten von groBer Selbstlosigkeit und Schlichtheit. Als er an 
seinem 80. Geburtstag im Jahre 1910 von seinem Amt zuriicktrat, erstattete 
er stehend und ohne jede Spur der Ermiidung in alter gewohnter Frische seinen 
letzten umfangreichen Geschaftsbericht. 

Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Generalsekretars (spater dem 
des geschaftsfiihrenden Direktorialmitgliedes) des Zentralverbandes Deutscher 
Industrieller, das bei Gelegenheit seines 80. Geburtstages erfolgte, hat B. dann 
noch bis zu seinem Tode in gleichbleibendem Interesse als Mitglied des Direk- 
toriums des Zentralverbandes Deutscher Industrieller an alien Beratungen des 
Zentralverbandes teilgenommen und den Beginn des Krieges mit seinen ge- 
waltigen industriellen Leistungen miterlebt. Seinen AbschluB kennenzulernen 
ist ihm erspart geblieben. Am 4. Juli 1916 ist er in den »Sielen« gestorben. 4 

Literatu r: Das Hauptwerk B.s ist die dreibandige Geschichte des Zentralverbandes 
Deutscher Industrieller, »Der Zentralverband Deutscher Industrieller von 1876 bis 1901* 
(Berlin 1902 — 1905), dem spater eine kleinere Darstellung desselben Gegenstandes : »Der 
Zentralverband Deutscher Industrieller und seine dreiCigjahrige Arbeit von 1876 bis 1906 c 
(Berlin 1906) folgte. Er gab die » Verhandlungen, Mitteilungen und Berichte des Zentral- 
verbandes Deutscher Industrieller* heraus, in denen er in den Jahren 1887 — 1910 in zahl- 
reichen Referaten und Aufsatzen zu Wort gekommen ist, wie dies auch bereits vorher in 
den » Mitteilungen des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen 
in Rheinland und Westfalent wahrend der Jahre 1873 — ^87 der Fall war. — Von ein^ 



190 1916 

zelnen kleineren Schriften B.s seien die folgenden erwahnt: Bericht des Generalsekretars 
B. iiber die von ihm besuchten AbteHungen des landwirtschaftlichen Teils der allgemeinen 
Ausstellung von Paris 1867 (Gumbinnen 1867). — Festschrift zur Feier des funfzigjahrigen 
Bestehens des Landwirtschaftlichen Zentralvereins fiir Litauen und Masuren im Jahre 
1 87 1 (Berlin 1 87 1 ) . — Kundgebung fiir den Entwurf eines Gesetzes, betref f end die deutsche 
Flotte (Berlin 1898). — Sozialreform (Berlin 1003). — Die Organisationen der Arbeitgeber 
(Berlin 1904). — Der Ausstand der Bergarbeiter im Ruhrkohlenrevier, Januar, Februar 
1905 (zusammen mitLeidig). (Berlin 1905, » Schriften der Hauptstelle der Deutschen Ar- 
beit geberverbande«, Heft 1). — Kathedersozialismus (Berlin 1906). — Verhandlungen der 
Vertreter der Kartelle und Syndikate am 27. Februar 1907 zu Berlin (Berlin 1907). — Die 
Sozialpolitik des letzten Jahrzehnts. In den » Veroffentlichungen des Vereins der Iiidustriel- 
len Pommerns* Nr. 23 (Stettin 1910). — Weshalb die Industrie der RieBerschen Parole 
1 Kampf gegen rechts* nicht folgen soil (Berlin 191 1) . 

Berlin. Dr. Schweighof fer. 

Czerny, Vincenz, * in Trautenau in Deutschbohmen 1842, f in Heidelberg 
am 3. Oktober 1916. — Der Chimrgie eroffneten sich in der zweiten Halfte des 
vergangenen Jahrhunderts durch die wichtigen Entdeckungen Pasteurs, Kochs 
und Listers ganz neue Moglichkeiten und neue Arbeitsgebiete. Die Ausnutzung 
dieser Fortschritte fuhrte zu der Einfiihrung der antiseptischen und aseptischen 
Wundbehandlung und schuf die Moglichkeit, operative Wunden zur Primar- 
verheilung zu bringen. Die Chirurgie nahm dadurch einen ungeheuren Auf- 
schwung. Es war eine grofie Zeit und sie brachte grofie Manner hervor. Einer 
derjenigen, die in jener Zeit an dem Aufbau der Chirurgie schopferisch mitge- 
holfen haben, ist Vincenz Cz. Er war der Sohn eines Apothekers. In seiner 
Heimatstadt absolvierte er das Gymnasium und entschied sich fiir das Studium 
der Medizin. Nach Beendigung seiner Universitatsstudien trat er zunachst als 
Assistent an die Wiener Augenklinik und dann an das Wiener pathologische 
Institut ein. Hier wurde Billroth, der mit dem pathologischen Institut immer 
gute Beziehungen unterhielt, auf ihn aufmerksam und nahm ihn im Jahre 1868 
als Operationszogling in seine Klinik auf. Diese Ubersiedlung an die Billrothsche 
Klinik wurde bestimmend fur Cz.s spat eres Leben. Billroth hat es wie wenige 
verstanden, seinen eigenen Idealismus auf seine Schiiler zu ubertragen und sie 
zur Mitarbeit an seinen genialen Gedanken zu begeistern. Fiir den jungen Cz. 
wurden die Wiener Assistenten jahre zum Anfang eines raschen, erfolgreichen 
Aufstiegs. Die Chirurgie war in jener Zeit sozusagen Neuland und sobald gute 
Kopfe sich mit den neuen Fragen beschaftigten, fanden sie auch neue Ant- 
worten. 

Als im Jahre 1871 der Lehrstuhl der chirurgischen Klinik in Freiburg i. Br. 
frei wurde, wurde der junge Assistent Billroths fiir diese Stelle gewahlt. Cz. 
war damals 29 Jahre alt. Er hat mir selbst manchmal erzahlt, dafi der Anfang 
in Freiburg nicht ganz leicht war. Die Klinik war schwach belegt, die chirur- 
gische Praxis lag in den Handen anderer Chirurgen. Aber Cz. liefi sich nicht 
entmutigen. Er beschaftigte sich, nachdem ihm die Klinik dazu Zeit liefi, um 
so mehr in seinem Laboratorium mit mikroskopischen Studien und mit Tier- 
versuchen. Es war sicher gut fiir ihn, dafi er nicht gleich in eine allzu grofie 
praktische Tatigkeit hineingerissen wurde und Mufie f and, sich der Ausarbeitung 
neuer Gedanken zu widmen. In Freiburg blieb Cz. bis zum Jahre 1877. In 
diesem Jahre siedelte er nach Heidelberg iiber, wo er die Leitung der chirur- 
gischen Klinik als Nachfolger Simons und Webers iibernahm. In Freiburg 



Bueck. Czerny igi 

brachte ihn seine Stellung mit dem inneren Kliniker KuBmaul in vielfache Be- 
riihrung und in dessen Hause lernte er seine spatere Frau Luise KuBmaul 
kennen. Cz. hat uns Assistenten ofter von KuBmaul erzahlt. Das verwandt- 
schaf tliche Verhaltnis zu dem grofien inneren Mediziner hat vielf ach bef ruchtend 
auf Cz. eingewirkt. Cz. fiihrte ein gliickliches Familienleben. Von zwei Sohnen 
ist der eine Chemiker, der andere Kunstmaler geworden, ein dritter ist als junger 
Arzt gestorben. Im Hause wurde gerne musiziert, Cz. selbst war sehr musika- 
lisch. Seine einzige Tochter hat einen Musiker (Prof. Stein-Kiel) geheiratet. In 
den spateren Jahren machte ein chronisches Augenleiden seiner Frau Cz. viele 
Sorge* 

Ich kannte Cz. nur als ausgereiften Mann. Wenn ich versuche, seine person- 
lichen Eigenschaften etwas zu schildern, so mochte ich vor alien Dingen seine 
Intelligenz und seine Herzensgiite hervorheben. Seine Intelligenz auBerte sich 
auf Schritt und Tritt, wenn man mit ihm zu tun hatte. Insbesondere hatte er 
einen ausgesprochenen Sinn fur das praktisch Erreichbare. Er verschwendete 
seine Kraft nicht an allzu hochfliegende Ideen, sondern sparte sie fur jene Auf- 
gaben, wo er sich einen Erfolg versprach. Von seiner Herzensgiite habe ich die 
vielf altigsten Beweise kennen gelernt. Besonders die Art und Weise, wie er sich 
mit vollstandig hoffnungslosen Fallen immer und immer wieder beschaftigen 
konnte und wie er versuchte, diesen Armen ihr Los zu erleichtern, lieB er- 
kennen, daB Giite eine tief in ihm wurzelnde Eigenschaft war. Seine Klugheit 
driickte sich auch besonders darin aus, daB er das Gute nahm, wo er es finden 
konnte. Er war nicht stolz und verschmahte es nicht, irgendwelche Mittel und 
Vorschlage zu versuchen, auch wenn sie von ganz unscheinbarer Seite kamen. 
In wissenschaftlichen Dingen war er nicht eigensinnig. Er wuBte zu genau, daB 
es in der Wissenschaft nichts absolut Feststehendes gibt und daB sie einem 
ewigen Wechsel unterworfen ist. Er hat oft genug erlebt, daB das Pendel 
wissenschaftlicherAnschauungen von einem Extrem ins andere schwankteund 
daB scheinbar unumstoBlicher wissenschaftlicher Besitz nach Jahren doch um- 
gestoBen werden konnte. Er hatte immer ein feines Gefiihl fiir die Erfordernisse 
der Zeit und hing nicht allzu starr an dem Alten. 

Auf f allend war seine technische Begabung, die fiir den operierenden Chirurgen 
so sehr wichtig ist und gerade in jener Zeit, wo taglich neue technische Probleme 
aufkamen, doppelt wichtig war. Er hatte nicht jene theatralische Technik, mit 
welcher manche Chirurgen ihre Zuschauer zu blenden suchen. Das Theatralische 
lag Cz. nicht. Er operierte nicht fiir die Zuschauer, sondern fiir die Patienten. 
Er legte auch auf das Technische keinen allzu grofien Wert, die Technik war 
ihm eine selbstverstandliche Voraussetzung seines Berufes, aber nicht Selbst- 
zweck. Ich horte ihn sagen: ein Schneider muB gut nahen konnen, aber nicht 
jeder, der gut nahen kann, ist ein guter Schneider. Wenn man ihm bei seinen 
Operationen zuschaute, hatte man nicht den Eindruck, daB er rasch operierte, 
seine Bewegungen waren immer ruhig, gemessen und sicher, aber wenn man auf 
die Uhr sah, konnte man feststellen, daB die Operation sehr rasch erledigt war. 
Ein Englander, der einer Operation Cz.s beigewohnt hatte, sagte zu mir, he is 
quick without a hurry, er ist schnell ohne sich zu beeilen. Beim Operieren kam ihm 
eine staunenswerte Gesundheit und korperliche Leistungsfahigkeit zustatten. 

Die Reihe der wissenschaftlichen Veroffentlichungen Cz.s beginnt mit 
einigen Arbeiten aus dem Gebiete der Augenheilkunde und der pathologischen 



192 I9* 6 

Anatomie. Bemerkenswert ist eine ganz friihe Arbeit iiber die Anpassungs- 
fahigkeit von Salzwasseramoben an Siifiwasser. Dann f olgen Verof f entlichungen 
iiber die Reverdinsche Methode der Hauttransplantation und iiber die Pfrop- 
fung von Schleimhautepithelien auf granulierende Wunden. Wichtig wurden 
Arbeiten iiber Kehlkopf exstirpation und iiber die Exstirpation der Zunge. Be- 
sonders bekannt wurden Cz.s Tierversuche iiber die Chirurgie des Magens. Es 
ist ihm als erstem gelungen, einenHund nach subtotaler Exstirpation des Magens 
am Leben zu erhalten. Dieser Hund spielte in der medizinischen Literatur eine 
grofie Rolle. Cz.s Studien iiber die Darmnaht gipfelten in der Empfehlung 
einer Nahtmethode, die noch heute als die Cz.sche Naht jedem Chirurgen ge- 
laufig ist. Seine Arbeiten iiber die Radikaloperation der Hernien wurden der 
Ausgangspunkt der ganzen Hernienchirurgie, und durch die Entdeckung der 
vaginalen Uterusexstirpation hat er auch der Gynakologie ein weites Feld er- 
offnet. Besonderes Interesse brachte Cz. der Chirurgie der Harnwege entgegen. 
Er war einer der ersten, der ein Blasendivertikel mit Erfolg operierte. Auch die 
plastische Chirurgie wurde von Cz. bereichert. Bekannt ist seine Methode der 
Operation der Blasenektopie. Mit dem kiihnen und gliicklichen Gedanken, einer 
Patientin die exstirpierte Mamma durch Implantation eines Lipoms zu ersetzen, 
hat er die Moglichkeit freier tlbertragung von Fettgewebe gezeigt. 

Man erkennt aus der kurzen Ubersicht dieser Arbeiten, daB Cz. durch Er- 
findung neuer Operationen und durch Vervollkommnung der Technik der 
Chirurgie viel gegeben hat. Schliefllich kam er aber an eine Grenze, an welcher 
die Ausrottung kranker Organe Halt machen muB. Manche der von ihm er- 
dachten Operationen waren der Entfernung bosartiger Geschwiilste gewidmet 
und es erging ihm, als er sich dem Gipfel seines Ruhmes naherte, wie anderen 
beriihmten Arzten. Er wurde mehr und mehr von hoffnungslosen Kranken auf- 
gesucht, und unter diesen befanden sich vieleCarcinomkranke. Cz. hatteerkannt, 
daB das Messer allein nicht imstande ist, den Kampf gegen das Carcinom zu ge- 
winnen, und er sehnte sich nach anderen Hilfsmitteln, welche geeignet waren, 
hier zu helfen. Die Erfolge der Serumtherapie und der Vaccinetherapie, die 
Entdeckung der biologischen Wirkung der Radium- und Rontgenstrahlen er- 
schienen verheiBungsvoll. Alle diese Neuerungen verfolgte Cz. mit groBtem 
Interesse. So wurde er immer mehr auf die Krebsf rage hingelenkt, und allmah- 
lich reifte in ihm der EntschluB, der Losung oder Bearbeitung dieser Frage seine 
ganze Kraft zu widmen. 

Cz. muBte, je mehr er sich mit diesem Gedanken beschaftigte, einsehen, daB 
die Bekampfung der Krebskrankheit sich nicht im Nebenamte ausfiihren lieB ; 
dazu war die Aufgabe viel zu verwickelt. Auf ihm lasteten durch seine Lehr- 
tatigkeit, durch die Leitung der chirurgischen Klinik und eine ausgedehnte 
Praxis auch sonst sehr viele Pflichten. Allmahlich wurde er aber durch den 
Kampf gegen das Karzinom so gefesselt, daB er sich entschloB, das Problem 
groBziigig anzupacken. Mit Hilfe freigebiger Patienten und Gonner gelang es 
ihm, ein groBes Kapital zusammen zu bringen und ein Institut fiir Krebs- 
forschung ins Leben zu rufen. Der Griindung stellten sich mancherlei Hinder- 
nisse in den Weg, besonders war es schwierig, das Institut in den Rahmen der 
Universitat einzugliedern. Gerade darauf legte aber Cz. mit Riicksicht auf die 
dauernde Lebensfahigkeit seines Werkes groBen Wert und brachte diesem Ge- 
danken manche Opfer. Im Jahre 1906 trat er dann von seinem Amte als Direk- 



Czerny. Dove 103 

tor der chirurgischen Klinik in Heidelberg zuriick und siedelte in das Institut 
fiir Krebsforschung iiber. Er hatte sich einen Bakteriologen und einen Biologen 
als wissenschaftliche Mitarbeiter gewahlt, welche in reich ausgestatteten I,a- 
boratorien mit ihm und neben ihm arbeiteten. Er selbst iibernahm die klinische 
Abteilung der Anstalt, die im wesentlichen nach dem Vorbilde chirurgischer 
Krankenhauser eingerichtet war. Besonderer Wert war auf die Ausstattung 
des strahlentherapeutischen Teiles der Anstalt gelegt. Durch dieses Zusammen- 
wirken von Praxis und Wissenschaft in einem Hause erhoffte Cz. nicht nur 
Nutzen fiir seine Kranken, sondern auch Fortschritte fiir die Wissenschaft. 
10 Jahre hat er in seinem Institut gearbeitet, unermudlich wie immer hat er 
operiert und hat keinem, auch noch so hoffnungslosen Kranken den Zutritt in 
seine Anstalt versagt. Ein Heilmittel gegen das Karzinom hat er nicht gefunden, 
er hat es nach meiner festen Uberzeugung iiberhaupt nicht gesucht. Jedenfalls 
hat er es nicht in der Weise gesucht, wie sich Laien und Unerf ahrene ein solches 
Mittel vorstellen. Er war fest von dem Gedanken durchdrungen, daB nur im 
Zusammenwirken von Chirurgie mit spezifischen Karzinomheilmitteln ein all- 
mahlicher Fortschritt erzielt werden konne. Wer es miterlebt hat, mit welch 
jugendlicher Spannkraft Cz. in seinem 64. I^ebensjahre die I^eitung der chirur- 
gischen Klinik, die unter ihm zu grofler Bliite gekommen war, niederlegte, und 
wie er sich in seine neue, selbstgewahlte Aufgabe vertiefte, der muBte erkennen, 
daB Cz. ein Mann von hoher GeistesgroBe und ein vorbildlicher Arzt war. Hatte 
er nicht schon durch seine chirurgische Lebensarbeit UnvergeBliches geleistet, 
so hatte er sich durch das Institut fiir Krebsforschung ein bleibendes Denkmal 
gesetzt. Wahrend des Krieges stellte er sich dem Vaterlande zur Verfiigung, 
sein Gesundheitszustand zwang ihn zu Hause zu bleiben, wo er in einem groBen 
Reservelazarett als konsultierender Chirurg wirkte. 

In den letzten Jahren seines I^ebens erkrankte er an I^eukamie, und lange 
Zeit schien es, als ob diese tiickische Krankheit seinem kraftigen Korper nichts 
anhaben konne. Er war nur 4 Wochen bettlagerig krank. Unter dem Druck 
dieser Krankheit hatte er sich entschlossen, von der Leitung des Krebsinstitutes 
zuriickzutreten. Als Termin seines Riicktrittes war der 1. Oktober 1916 verein- 
bart, am 3. Oktober ist Cz. gestorben, bis zum Tode seiner groBen Aufgabe 
getreu. 

Halle. F. Voelcker. 

Dove, Alfred, Historiker und Essayist, 1844— 1916. — Er wurde am 4. April 
1844 in Berlin alsSohn des beriihmten Physikers Heinrich Wilhelm D.geboren. 
Durch seine GroBmutter miitterlicherseits, eine Schwester Eduard Hitzigs, 
kam auch ein Tropfen jiidischen Blutes in seine Familie. Die Traditionen des 
geistig bewegten Berliner Lebens aus der ersten Jahrhunderthalfte umspannten 
seine Jugend, er wurde in eine Welt voll Geschmack und Wissenschaft gewisser- 
maBen hineingeboren und konnte noch im Alter als ihr feinster Reprasentant 
gelten. Er besuchte das Joachimsthalsche Gymnasium, studierte in Heidelberg 
und Berlin anfangs Naturwissenschaften, spater Geschichte und promovierte 
1866 als Schiiler Jaffes mit einer Dissertation iiber den mittelalterlichen Kampf 
um Sardinien. Aus der Laufbahn des Gymnasiallehrers, in die er zuerst eintrat, 
wurde er 1870 durch Gustav Freytag herausgezogen. Dieser erkannte die glan- 
zende essay istische Begabung Doves, holte ihn nach Leipzig, ftihrte ihn zuerst 

DBJ 13 



194 1916 

in die Redaktion der »Grenzboten « ein und griindete mit ihm am I. Januar 1871 
die neue Zeitschrift »Im neuen Reich «. Hier konnte sich nun die eigenartige 
schriftstellerische Begabung Doves, wenn auch noch jugendlich gebunden durch 
Konvention und Vorbilder, frei entfalten. Die Politik, die er in den ersten 
Jahrgangen im Sinne eines gemaBigten Liberalismus vertrat, lag ihm innerlich 
viel weniger nahe als das ganze Gebiet wissenschaftlicher, schongeistiger und 
kiinstlerischer Interessen, wo die ihm eigene Verbindung von Grazie, Geist und 
Witz mit unbeirrbarem wissenschaftlichen Takte und Sinne fur strenge und 
solide Arbeit ihn bald zu einem der feinsten Kritiker und Geschmacksrichter 
im Deutschland der Griinderzeit machte. Umstiirzlerische Tendenzen lagen ihm 
dabei fern, er war und blieb immer der gewissenhafte Hiiter einer groBen und 
sicheren Tradition, die den alteren deutschen Idealismus ohne Bruch in den 
modemen kritischen Empirismus hiniiberleitete. Und indem er diese Tradition 
mit hellstem BewuBtsein und tiefem historischen Gefiihle erfaBte, wurde er 
einer der ersten Schriftsteller in Deutschland, die die neue Aufgabe der Geistes- 
geschichte erf aB ten und zu losen begannen. Seine erste groBe Leistung auf 
diesem Gebiete war sein Anteil an der von Bruhns 1872 herausgegebenen Bio- 
graphie Alexander v. Humboldts, in der er die Personlichkeit und geistige 
Umwelt darzustellen hatte. Dann muBte er, um sich in Leipzig habilitieren zu 
konnen, noch einmal in die mittelalterliche Forschung zuriick und lieferte 
1873 eine griindliche und ergebnisreiche Untersuchung tiber die Doppelchronik 
von Reggio und die Quellen der Chronik Salimbenes. 1874 wurde er als auBer- 
ordentlicher Professor nach Breslau berufen und 1879 dort zum ordenthchen 
Professor befordert. Hier entstand 1883 das Bruchstiick einer Deutschen Ge- 
schichte von 1740 bis 1790, die fur Heeren-Ukerts Sammelwerk bestimmt war 
und leider Torso geblieben ist, historiographisch bemerkenswert nicht nur 
durch die anmutige Kunst der kritisch wohl fundierten Erzahlung, sondern 
auch durch die freiere, von J. G. Droysens kleindeutscher Befangenheit ab- 
riickende Auffassung des groBen Machtkampfes PreuBens mit Osterreich. Sein 
Eigenstes gab Dove daneben in einer Reihe von historischen Essays und Bei- 
tragen zur allgemeinen deutschen Biographie, unter denen die 188 1 auch be- 
sonders herausgegebenen Doppelbiographien der Forsters und der Humboldts 
besonderen Ruhm erlangten. Diese Essaykunst konzentrierte sich dann mehr 
und mehr um den historischen Genius Leopold v. Rankes, der schon langst 
seinem personlichen und wissenschaftlichen Leben vorgeleuchtet hatte. Die 
Ranke-Aufsatze D.s, gesammelt spater mit anderen ausgewahlten Essays in 
den »Ausgewahlten Schriftchen vornehmlich historischen Inhalts« (1898), ge- 
horen zu den kostbarsten Stiicken der modernen historischen Literatur Deutsch- 
lands und inaugurierten recht eigentlich eine neue Epoche in der deutschen Ge- 
schichtschreibung, namlich diejenige, in der Rankes GroBe erst ganz verstan- 
den, seine unendlich fruchtbaren Impulse erst mit voller BewuBtheit ausge- 
niitzt wurden. Inzwischen war Dove 1884 nach Bonn berufen worden. Hier 
begann er wieder der reinen Gelehrsamkeit seinen Tribut zu zollen und sich in 
Studien zur Geschichte der Volkerwanderung und germanischen Staatenbildung 
zu vertiefen. Aber so griindlich und gewissenhaft er sie auch betrieb, sie befrie- 
digten ihn nicht auf die Dauer, er lieB sie unvollendet im Schreibtisch liegen 
und gab der Welt nur durch einige wenige Proben davon Kenntnis, daB er 
auch von jener Epoche eine selbstandige und reicheAnschauunggewonnen hatte. 



Dove I95 

(Nach seinem Tode sind die unvollendeten Studien zur Vorgeschichte des deut- 
schen Volksnamens in den Sitzungsberichten der Heidelberger Akademie 1916 
veroffentlicht worden.) Es fehlte ihm an der zahen Geduld des reinen Forschers, 
er war auch als Dozent zu geistreich fiir den Durchschnitt der Studenten und 
deshalb ohne breitere Wirkung auf sie, und so versteht man es, daB er 1891 
den Bonner I,ehrstuhl aufgab und es wieder mit dem Journalistenberufe ver- 
suchte, wo sein Charisma, die leichte und gliickliche Formung kleiner, in sich 
vollendeter Kunstwerke, freiere Bahn zu finden glaubte. Er ubernahm die Re- 
daktion der Miinchener Beilage zur»AUgemeinenZeitung«, zeitweise 1892 sogar 
die Chefredaktion der ganzen Zeitung. Die » Beilage « war damals und wurde 
unter ihm erst recht das Zentralorgan, der Moniteur des gesamten wissen- 
schaf tlichen und literarischen I^ebens. Aber die innerenWandlungen der Zeit ver- 
anderten und bedrohten zugleich die geistige Atmosphare des klassischen Iyibe- 
ralismus, in der D. sich wohlgefiihlt hatte, und das rasche Journalistenhand- 
werk behagte bald auch seinem anspruchsvoller gewordenen Geiste nicht mehr, 
Mit vollen Atemziigen aber genoB er das Kiinstler- und Dichtertreiben Miin- 
chens, die Freundschaft mit Paul Heyse, die Moglichkeit glanzendster Entfal- 
tung von Geist und Witz im Fluidum des Verkehrs. Auch ein historischer Ro- 
man, Caracosa, der seine einstigen Salimbenestudien dichterisch verwertete, 
entstand 1893 als Spatling der historischen Professorenromane, interessant 
und geistreich wie alles, was er schuf, freilich keine Dichtung von urspriing- 
licher Kraft. Bald war es so weit, daB er es wieder mit der reinen Wissenschaft 
versuchen wollte, und so nahm er 1897 einen Ruf nach Freiburg i. B. an und 
wirkte bis zum Jahre 1904, wo ihn ein Schlaganfall traf , wieder als akademischer 
Lehrer. Hier entstand 1902 sein Buch iiber den GroBherzog Friedrich von 
Baden als Festschrift zu seinem funfzigjahrigen Regierungsjubilaum, stilvoll 
und taktvoll in wissenschaftlicher wie in politischer Hinsicht, aber naturgemafl 
auch gebunden durch die Aufgabe, einen noch Lebenden zu ehren. Nachdem 
er infolge seiner Erkrankung 1905 das Freiburger Lehramt endgiiltig aufge- 
geben hatte, versuchte er noch einmal 1906/07 in Miinchen heimisch zuwerden, 
aber kehrte nach einem Jahre schon in das stillere Freiburg zuriick, wo er, verehrt 
und geliebt von seinen Kollegen und mit allerlei kleinen, feinen Arbeiten be- 
schaftigt, sein I,eben ausklingen lassen konnte. Er starb an einem zweiten 
Schlaganfalle am 19. Januar 1916. 

Hermann Kantorowicz hat in einem eigenen kleinen Aufsatze Alfred D.s 
schriftstellerische GroBe verherrlicht (»Histor. Zeitschr.«, Bd. 116). Seine 
schonsten Aufsatze sind von einer inneren Vollendung und reifen SiiBigkeit, die 
ganz selten ist in der deutschen wissenschaf tlichen Liter atur. Sein Geschmack, 
so schriebmirG.F.Knapp einmal, warvielzu fein und seinen Zeitgenossen viel 
zu weit voraus, als daB sie ihn ganz hatten wurdigen konnen. Sein unruhiges Blut 
hat es nicht zu einem auBerlich harmonisch und stetig verlaufenden I,ebens- 
gange kommen lassen, aber die innere Harmonic seines Kiinstler- und Men- 
schentums erregte das Entziicken der ihn Verstehenden. Er war einer der 
geistigsten Menschen seiner Zeit. 

Literatur: Mein Aufsatz iiber D. in der » Histor. Zeitschrift«, Bd. 116, undNachmf von 
Erich Marcks im » Jahrbucli der bayerischen Akademie der Wissenschaften« 1916. 

Berlin-Dahlem. P'riedrichMeinecke. 



196 191 6 

Ebner-Eschenbach, Marie Freifrau v., * zu Zdislavic 13. September 1830, 
f Wien 12. Marz 1916. — Die Dichterin stammte vaterlicherseits von den 
Dubskys ab, einem Geschlecht des bohmischen Uradels; die Familie der Mutter 
war Mitte des 18. Jahrhunderts aus Deutschland nach Osterreich eingewandert : 
Zwei Sachsen biirgerlich-protestantischer Herkunft, Johann Paul Vockel nnd 
Friedrich Sigmund Vockel, kamen jener zum Reichshofrat, dieser zur Hessen- 
Darmstadtischen Gesandtschaft nach Wien, wo sie den Freiherrnstand er- 
langten. Der GroBvater der Dichterin, der 1772 in Dresden geborene Baron 
Friedrich Sigmund Vockel, wurde in der Wiener Theresianischen Ritterakademie 
erzogen; nach Beendigung seiner Studien bereiste er 1794 Deutschland; 1796 
nach Wien zuriickgekehrt, entschied er sich fiir den Beruf des Landwirtes und 
siedelte sich in Mahren an. Im Dienste seines nachmaligen Schwiegervaters 
Baron Kaschnitz, eines friiheren Vertrauensmannes Kaiser Josephs in Agrar- 
fragen, erwarb er bedeutende Fachkenntnisse und durch sein Beispiel wie mit 
der Feder dauernde Verdienste um die Hebung der Schafzucht, die er auf dem 
1800 fiir 125 000 rheinische Gulden angekauf ten Gut Zdislavic vorbildlich pflegte. 
Seine Musterwirtschaft gedieh ausnehmend. Im Bund mit gleichgesinnten Herr- 
schaftsbesitzern Graf Serenyi, Herring, Grimm usw. wirkte er mit bei der Be- 
griindung der mahrisch-schlesischen Ackerbau-Gesellschaft und des Briinner 
Landesmuseums. Aus seiner gliicklichen ersten Ehe (mit Baronesse Kaschnitz) 
ging ein einziges Kind, eine Tochter Marie, hervor, die er, nach dem Zeugnis 
Marie Ebners, ein Mann und Lehrer ohnegleichen, mit ebensoviel Liebe als 
Sorgfalt erzog und 1827 mit Baron Franz Dubsky vermahlte, einem oster- 
reichischen Major, der die Napoleonischen Kriege mitgemacht, bei Leipzig tapfer 
gefochteij, nach dem Einmarsch in Frankreich bei C16ry schwer verwundet, 
voriibergehend Kriegsgefangenschaft erlitten hatte. Die sanfte, musikalisch be- 
gabte, literarisch angeregte Marie Vockel iibte heilsamen Einflufi auf ihren 
gutmiitigen, gelegentlich nur soldatisch hitzig aufbrausenden Mann, dem sie 
1829 ein Madchen Friederike (spater Grafin Kinsky) und 1830 eine zweite 
Tochter schenkte, unsere Dichterin, deren Geburt ihr das Leben kostete. Ihr 
Tod traf Franz Dubsky so schwer, daB er Hand an sich legen wollte, ein Vor- 
haben, das nur durch die Dazwischenkunft eines Verwandten vereitelt wurde. 
Tief wirkte das Ereignis auf die Schicksale der verwaisten Baronessen. Das Erbe 
der Mutter wurde Dubskyscher Familienbesitz, das landtafliche Gut Zdislavic 
nachmals der Schauplatz vieler der besten E.schen Dorf- und Schlofigeschichten. 
Hier wuchs die Kleine auf, hier horte sie auf ihre sehnsiichtigen Fragen nach 
der nie gekannten, nie verschmerzten Mutter ihr Lob einhellig in so hohen 
Tonen, auchbeimLandvolk, daB sie als Greisin ihre Anhanglichkeit an Zdislavic 
der Verehrung zuschrieb, mit der das Gedachtnis der Unersetzlichen dort gehegt 
wurde; die Frauen, die an Stelle der Mutter den Werdegang des Madchens zu 
uberwachen hatten, malte die Dichterin als Siebzigerin 1905 in den Biogra- 
phischen Skizzen »Meine Kinder] ahre«; zunachst die Stief-GroBmutter, eine 
geborene Grafin Piatti, die Witwe aus Vockels zweiter Ehe, dann die Gemahlin, 
dieBaronDubsky 1832 heimfuhrte, eine geborene Baronesse Bartenstein, und nach 
deren Tode die vierte Frau, mit der er sich 1840 vermahlte, eine geborene Grafin 
Kolowrat. Ganz erfaflt hat keine dieser Pflegerinnen ihre Schutzbefohlene, 
die als siebenjahriges Kind durch den ungestiimen unbedachten Vater zu 
einer vorzeitigen » Ersten Beichte« bestimmt und d^imit in einen Seelenkampf 



Ebner-Eschenbach I O 7 

verstrickt wurde, der zu einem Selbstmordversuch fiihrte. So sehr das auBer- 
ordentliche Erlebnis die wohlwollende GroBmutter, den schlichten, milden 
Landgeistlichen P. Borek und den erschutterten Vater beschaftigte, das Wesen 
der Kleinen ergriindeten sie gleichwohl nicht, konnten sie auch schwer ver- 
stehen, denn dasselbe Geschopf, das seinen ersten Gewissenskonflikt mit sel- 
tener Friihreife, wie eine Martyrerin, durchgekampft, war sonst ein echtes Kind, 
munter, lebhaft bis zur Unbandigkeit, voll Humor und angeborener Beobach- 
tungsgabe fur drollige Eigenheiten ihrer Umgebung, die sie noch im hohen 
Alter aus treuer Erinnerung unubertrefflich schilderte. Slawische Kindsmagde 
und Pariser Gouvernanten verschiedener Spielarten waren ihre ersten Lehr- 
meisterinnen, so daB sie lange besser Tschechisch und Franzosisch sprach und 
schrieb als Deutsch. Wandel brachte Anastasius Griins »l,etzter Ritter «, den sie 
durch eine Vorlesung von Mama Kolowrat kennen lernte, und ein ihr von der- 
selben Stief mutter zum 12. Geburtstag geschenkter einbandiger Schiller. Die 
deutschen Poeten weckten, wie zuvor die welschen, den Nachahmungstrieb des 
Madchens; ihre Versuche fanden aber Abneigung und Abweisung bei den 
Ihrigen. Ihre GroBmutter wie ihre Schwester betrachteten und behandelten 
ihren Schopferdrang nach ihrem Wort wie einen Naturfehler, als einen Makel. 
Starker als jede Abmahnung sprach aber der innerliche Beruf und der Anschau- 
ungsunterricht des alten Burgtheaters. Den Winter verbrachte Franz Dubsky, 
der 1843 in den Grafenstand erhoben wurde, in Wien, wo die Familie in dem 
von seiner ersten Gemahlin, einer geborenen Sorgenthal, hinterlassenen Raben- 
haus, Ecke der Rotheturmstrafie, wohnte. Wie die meisten Kavaliere war Graf 
Dubsky Abonnent einer Burgtheaterloge, und hier empfing Marie zeitlebens 
nachwirkende dramatischeEindriicke: die Klassiker und Konversationsstiicke 
wurden von den GroBen der altberiihmten Hofbiihne mit gleicher Meister- 
schaft gespielt, und Komtesse Marie, die nach dem Tod von GroBmutter Vockel 
iiber deren Bibliothek und durch die hier gefundenen Memoiren von Madame 
Motteville auf Cinq Mars gekommen war, traumte davon, mit seiner Tragodie 
von den Brettern des Burgtheaters herab sprechen zu durfen. Sie war nicht die 
einzige Ehrgeizige ihres Geschlechts: in dem, in »L,otti, dieUhrmacherin«, ge- 
schilderten Fichtenhain gelobte sie sich, das deutsche Theater zu reformieren, 
indessen ihre Stiefbriider Adolf und Viktor sich zugleich ebenda vorsetzten, dem 
Vaterland als Staatsmanner und Heerfiihrer grofie Dienste zu leisten. In »Mo- 
saik-Brief en « an ihre liebste und beste Erzieherin Marie Kittl riickte Marie mit 
immer kuhneren Planen heraus: sie wollte in jugendlichem Uberschwang der 
Shakespeare ihrer Zeit, die groBte Schriftstellerin aller Volker und Tage werden. 
Mama Kolowrat dachte solchen Gedanken einen Dampfer aufzusetzen, indem 
sie Grillparzer Proben der Dichtungen von Komtesse Marie schickte. Sein Urteil 
lautete: »Die Gedichte zeigen unverkennbare Spuren von Talent. Ein hochst 
gluckliches Ohr fiir den Vers, Gewalt des Ausdrucks, eine vielleicht nur zu tiefe 
Empfindung, Einsicht und scharfe Beurteilungsgabe in manchen der satirischen 
Gedichten bilden sich zu einer Anlage, die Interesse weckt und deren Kulti- 
vierung zu unterlassen wohl kaum in der eigenen Willkiir der Besitzerin stehen 
durfte.« Marie E. hat diese Ermutigung dem zeitlebens grenzenlos verehrten 
GroBmeister der heimischen Dichtung nie vergessen und noch in ihrem letzten 
Buch 1916, »Meine Erinnerungen anGrillparzer*, seinAndenken verherrlicht. 
Kiihler nahm Betty Paoli die ihr vorgelegten poetischen Versuche von Marie 



I98 I9i6 

Dubsky auf : sie empfahl Zuwarten, gewissenhafte Studien, Priifung formen- 
strenger Vorbilder wie Platen. In Lhrer Familie begegneten ihre kiinstlerischen 
Bestrebungen nach wie vor geringem Anteil. Am einsichtigsten und liebreichsten 
kam ihr ein 18 Jahre alterer Vetter, Moritz Ebner Freiherr von Eschenbach, ein 
gelehrter Offizier, Kapitanleutnant im Ingenieurkorps, entgegen ; ihm gef iel der 
.unersattliche Wissenstrieb, der Eifer, mit dem Komtesse Marie ihren Studien 
und Liebhabereien nachging; als er einmal von ungefahr eine franzosische »#<& 
d Napoleon a seiner Cousine zu Gesicht bekam, nahm er sie schweigend zur 
Kenntnis, wie Marie meinte : ablehnend ; bald darauf schickte er ihr Zuckerwerk 
und das aus Zedlitz »Waldfraulein« abgeschriebene Loblied auf den Rhein mit 
einer selbstgedichteten Nachschrift, die »der deutschen Maid« einscharfte: »Du 
bist ein Sprofl aus gut germanischem Blut, was deutsch du denkst, hab' 
deutsch zu sagen den Mut. « Der Ratgeber wurde eine Weile nachher ein Freier ; 
in den Stiirmen des Jahres Achtundvierzig wurde Komtesse Marie am 3. Juli mit 
Baron E. in der Zdislavicer SchloBkapelle getraut. Der Dienstsitz des Haupt- 
manns war 1848 — 1850 Wien, wo das Paar in der inneren Stadt, Jordangasse, 
wohnte. Dann wurde er nach Klosterbruck bei Znaim versetzt, wo er jahrelang 
als Professor mit militarischen Fachmannern wirkte, zu denen als Lehrer der 
Stilistik Joseph Weil, alsDichter unter dem Namen Weilen bekannt, kam und 
bald in literarischen und freundschaftlichen Verkehr mit dem Ehepaar E. trat. 
1856 wurde Baron E. als Mitglied des Geniekomitees nach Wien zuriickberufen, 
wo die technischen Erf indungen des tiichtigen Physikers und Chemikers bei der 
Niederlegung der Basteien der Hauptstadt und 1859 und 1866 in den Kriegen 
mit Italien Verwendung und bei Sachverstandigen, u. a. bei dem ihm befreun- 
deten Tegetthoff, Anerkennung fanden; erfolgreich betatigte er sich auch 
1867 und 1873 im Dienst der Heeresverwaltung auf der Pariser und Wiener 
Weltausstellung. Er wurde Oberst, Generalmajor, Feldmarschalleutnant und 
Exzellenz ; allein durch f reimiitige publizistische Kritik mancher Mifistande in 
der Armee weckte er dann machtige Gegnerschaften, die 1874 seine plotzliche 
Pensionierung veranlaBten. Indemselben Vierteljahrhundert 1848 — 1873 waren 
der kiinstlerischen Laufbahn Marie E.s wenig Lichtblicke beschieden. Nach wie 
vor glaubte sie sich zur dramatischen Dichterin bestimmt, und wiewohl oder 
gerade weil sie langst den Jugendwahn belachelte, der Shakespeare ihrer Zeit zu 
werden, holte sie mit eisernem FleiB nach, was in ihrer Ausbildung versaumt 
worden war. Grammatische und Geschichtsstudien trieb sie unter wohlgewahlten 
Schulmannern ; unersattlich und gelehrig las sie alte und neue Meister. Unab- 
lassig miihte sie sich mit Entwiirfen zu historischen Tragodien nach den Vor- 
bildern Schillers und Grillparzers. Cinq-Mars und Richelieu waren die Haupt- 
gestalten, die sie in den fiinfziger Jahren als Kontrastfiguren eines Schauspiels 
beschaftigten. Danebengingen ihr zahlreicheVorwiirfe fiirmoderneStucke durch 
den Sinn. Literarisch wagte sie sich indessen zunachst 1858 mit einem ohne 
Autornamen erschienenen Buchlein »Aus Franzensbad« hervor: satirische 
Feuilletons, in denen sie mit dem Hoch- und Geldadel ins Gericht geht, mit 
Laune undLaugeZeitgebrechen und Modenarrheiten verspottet und es auch an 
Ernst nicht fehlen lafit: u. a. in einer Verteidigungsrede der osterreichischen 
Dichtung gegen deren unbillige Behandlung durch »Zeus« Gervinus. Sie hat 
das trotz aller Schwachen fur ihre Art und Kunst bezeichnende Schriftchen in 
ihrer Meisterzeit hart abgelehnt und als ihr eigentliches Erstlingswerk die i860 



Ebner-Eschenbach ir)Q 

gedruckte Tragodie »Maria Stuart in Schottland« von M. v. E. angesehen: das 

Stiick erschien dem damaligen Karlsruher Intendanten Eduard Devrient, der 

dem Namen nach einen mannlichen Autor vermutete, so bedeutend, daB er das 

Drama nicht bloB auffiihrte, sondern fur den Schiller- Preis in Betracht zog. Er 

forderte die E. auch, nachdem sie ihr Inkognito geliiftet, befreundete sich aber 

weder mit ihrem Cinq-Mars, noch mit einem anderen Schmerzenskind, der 

1867 veroffentlichten Tragodie » Madame Roland «, einer Schopfung, die Halm 

Laube, die Francois und Heyse hochhielten, die jedoch auf der einzigen Hof- 

biihne, die den Mut hatte, die Revolutionsheldin auf die Bretter zu bringen, in 

Weimar 1868 , wenig Gliick hatte. Auch Stiicke aus der Gegenwart brachten der 

E. keine Siege. Sie wurden wie »Die Schauspielerin « und das Lustspiel »Die 

Selbstsiichtigen« entweder gar nicht gegeben, oder wie das von Julie Rettich 

auf einem Gastspiel in Berlin aufgefuhrte Drama »Das Gestandnis« nur mit 

halbem Erfolg oder wie das von Laube 1873 im Stadttheater gespielte »Wald- 

fraulein« von der Kritik so schonungslos abgefertigt, daB die Angehorigen der 

Dichterin, nicht zuletzt ihr Mann, ihr den Verzicht auf alles weitere Wirken fiir 

die Biihne nahelegten. Nach so vielen Fehlschlagen, Enttauschungen und 

Krankungen gab die Leichtverletzliche ihre Zukunft als Schriftstellerin ver- 

loren. Sie ahnte nicht, daB ihre Iyeidensschule menschlich und kiinstlerisch 

segensreiche Nach wirkungen zeitigen, daB ihre Anfange als Erzahlerin, daB ihre 

seit dem Jahre 1857 absichtslos in ihren Notizbiichern hingeworfenen Schlag- 

satze als Keimzellen ihrer Aphorismen auf neuen Wegen zu hohen Zielen f uh- 

ren, daB alte und neue Freundschaften, die sie mit ihren bisherigen Leistungen 

sich errungen hatte, Grillparzer, Josephine v. Knorr, Ida v. Fleischl-Marxow, 

ihrer Entwicklung Heil bringen wurden. Anfangs schien der Erzahlerin kein 

gunstigeres Los zu fallen, als der Dramatikerin. Nur dem Fiirspruch einer ver- 

wandten Aristokratin war es zuzuschreiben, daB Cotta 1875 einen Band »Er- 

zahlungen«, 1876 den Roman »Bozena« verlegte. Der Absatz war aber so maBig, 

daB der Baron es verschworen haben soil, weiterhin Bucher von adligen Damen 

herauszugeben. Die erste Meister-Humoreske der E., die nach mahrischen Ori- 

ginalen ihrer nachsten Verwandtschaft portratierten »Freiherrn von Gemper- 

lein«, fanden schnode Zuriickweisung von Spemann, Rodenberg, Westermann, 

den »Fliegenden Blattern«, und nur ein bescheidenes Asyl in dem Jahrbuch des 

osterreichischen Beamtenvereines »Die Dioskuren«, die auch den ersten»Apho- 

rismen« urspriinglich wenig bemerkte Unterkunft gewahrten. Sehr begreiflich, 

daB sie kleinmiitige Anwandlungen hatte und sich fragte, ob sie nicht, wie vor- 

her der Biihne, nun allem sonstigen literarischen Schaffen den Abschied geben 

sollte. Ahnlichen Absichten hatte die rastlose Schaffenslust der Dichterin auch 

bei fortdauernder Gleichgiiltigkeit der Massen widerstrebt. Zudem hatten 

Kenner aus manchen Geschichten der neuen Erzahlerin einen eigenen Ton her- 

aus gehort, der den Leiter der »Deutschen Rundschau « bewog, Marie E. zu Bei- 

tragen einzuladen. 1879 erschien, von Rodenberg nach Verdienst willkommen 

geheiBen, »Lotti, dieUhrmacherin<( in der fiihrenden deutschen Monatsschrift, 

und dieser ersten Gabe folgte eine lange Reihe groBer und kleiner, ernster und 

heiterer Geschichten der E. an derselben Stelle, die dazumal die Meister des 

Romans und der Novelle Keller, C. F. Meyer, Storm, Heyse vereinigte. Die 

osterreichische Erzahlerin erwies sich diesen GroBen als ebenbiirtig. Ihr Stoff- 

kreis wurde von ihr selbst am besten und biindigsten mit dem ihrem » Gemeinde- 



200 19*6 

kind« vorangeschickten Motto aus George Sands ^Histoire de ma vie* um- 
schrieben: Tout est I'histoire. Dieselbe Frau, die vordem welthistorische Per- 
sonlichkeiten, Richelieu, Maria Stuart, Madame Roland, zu Helden ihrer 
Schopfungen ausersehen hatte,ging nun auf den Spuren von Turgenjews Tage- 
buch eines Jagers und Grillparzers Armem Spielmann ins Volk: mit am grofl- 
ten in ihren kleinsten Schopfungen (»Er lafit die Hand kiissen«, » Jakob Szela*, 
»Die Erdbeerfrau« usw.) stellt sie Zeit- und Kulturbilder vor Augen, die kiinst- 
lerisch und sittlich zugleich wirken, wie ihre Tiergeschichten (Krambambuli, 
Die Spatzin, Der Fink). Ihr Humor verklart weltfremde Sonderlinge (»Die 
Kapitalistinnen«), ihr mitleidiger Spott trifft Sportskomtessen wie Muschi, 
grimmiger Hohn rechnet mit literarischen Siindern und Schwindlern (den 
»Hysterischen Schweinigeln « in Bertram Vogelweid) ab. Pathetisch am mach- 
tigsten verkiindigt sie im » Gemeindekind « die Heilswahrheit, daS in dem schein- 
bar verkommenen, von der »Lumpenbagage« der Ortsobrigkeit als Auswiirfling 
preisgegebenen Sohn des Raubmorders ein unverlierbarer Keim reiner Mensch- 
lichkeit wachsen und aufbliihen kann : ein Evangelium des Menschenglaubens, 
das diesem Meisterstiick der Moralistin in alien Lagern die Herzen gewann: 
»Das Gemeindekind « hat Gottfried Keller, der Lobkarge, kritischen Norglern 
gegeniiber » nicht nett, sondern kurzweg gut« genannt, imd die Fiihrer der oster- 
reichischen Sozialdemokratie, Viktor Adler und Pernerstorfer, waren von dem 
Kunstwerk und seiner Endabsicht so begeistert, dafl sie »Das Gemeindekind ♦ 
zum Abdruck in der Arbeiterzeitung sich ausbaten. Mit gleicher Hingebung hat 
die E. einen Gewissenskonflikt in den iiberlegen geschilderten Kreisen des Hoch- 
adels behandelt : so bedeutende Ziige, Gestalten, Sittenbilder »Unsiihnbar <( aber 
auch aufweist, vollkommen gelungen ist der GuB nicht. Stiirme damonischer 
Liebesleidenschaft vermag die E. in diesem Roman so wenig zu entfesseln, wie 
in der Hetarengeschichte »Margarethe«. Den Zwiespalt zwischen Kirche und 
Freidenkertum lost ihr Roman » Glaubenslos ? « nicht nur im Titel mit einem 
Fragezeichen. An Selbstkritik lieB es die Dichterin bei solchen Haupt- wie bei 
alien kleineren Nebenwerken niemals fehlen. Sie suchte in tiefer Demut uberdies 
Berater und Richter, deren Urteil sie vertrauen durfte, wie Ida Fleischl, die seit 
1880 in denkwiirdigem briefUchen und personlichen Verkehr mit ihr verbundene 
Louise v. P'ran^ois, Heyse und Rodenberg. Was sie mit Meisterinnen, wie 
Betty Paoli und Louise v. Francois menschlich und kunstlerisch verband, hat 
sie liebevoller und sinnreicher, als andere dies vermochten, in ihren Nachrufen 
auf die lyrische Dichterin 1897 und auf die WeiCenfelser Einsiedlerin 1894 aus- 
gesprochen. Und was ihr langer als ein Menschenalter Ida v. Fleischl-Marxow 
in tagtaglicher Zusammenktmft in Wien und gemeinsamen Sommeraufenthalten 
in der Schweiz und am Wolf gangsee in Kunst und Leben gewesen, als vertraute 
Beraterin, das hat sie festgehalten in dem Wort, das Theo Schiicking fur dieses 
seltene Wesen gefunden : Sie kam von einem anderen Stern. Als Baron E. 
84jahrig, 1898 starb, und Marie E. eine fast halbhundertjahrige Ehe zerrissen 
sah, regte Ida Fleischl, deren Sohn als Arzt in Rom ansassig war, die Freundin 
zur Fahrt in die Ewige Stadt an. Mehrere Winter verlebten die beiden alten 
Danien an der Piazza di Spagna, von alien Grofien der deutschen Kolonie ge- 
sticht und gehatschelt. Empfanglich wie eine Anfangerin, gereift wie eine ge- 
schichtskundige Siebzigerin lieC sich Marie E. von Archaologen, E. Lowy und 
Hiilsen, fiihren, durch Museumsgange und Besichtigung neuer Ausgrabungen 



Ebner-Eschenbach 201 

anregen. In Rom legte sie die letzte Hand an ihre Jugenderinnerungen, schrieb 
Reisebriefe fur die »Gartenlaube« und trieb umfassende historische und kunst- 
historische Studien fur einen im Quattrocento spielenden Roman » Agave «, der 
trotz vieler Schonheiten, wie die Romola der Elliott, sich nicht messen kann 
mit den aus der Muttererde erwachsenen Geschichten der beiden groBen Er- 
zahlerinnen. Dafi die alte Kraft ungebrochen in ihr weiterlebte, bewies sie nach 
ihrer Heimkehr in einer Fiille neuer Schopfungen, vor allem in den beiden, das 
Muttergefiihl als »unbesiegbare Macht « iiberwaltigend vor Augen stellenden Er- 
zahlungen »Der Erstgeborene« und »Ihr Beruf «. 

Ungemessen war, zur Genugtuung ihrer Getreuen, inzwischen ihr Ansehen 
weit iiber Osterreichs Grenzen hinaus gewachsen. Dieselbe Frau, deren 50. Ge- 
burtstag nur in der engsten Familie begangen wurde, erlebte an ihrem 60., 70. 
und 80. Geburtstag auBerordentliche Huldigungen. Marschall pragte ihre Me- 
daille, Marie Miiller malte die Siebzigjahrige, der Kaiser verlieh ihr das Ehren- 
zeichen (der osterreichische Orden pour le merite) und den Elisabethorden 
erster Klasse. Goethegesellschaft und Schillerstiftung ernannten sie zum 
Ehrenmitglied ; ein Gleiches tat zur besonderen Freude der alten Uhrenkennerin 
die Gilde der Wiener Uhrmacher. Die Universitat Wien wahlte sie 1900 als 
erste und bisher einzige zur Ehrendoktorin der Philosophie. Sie nahm all diese 
Auszeichnungen in Demut und Dankbarkeit hin und hielt sich im iibrigen 
an ihre in jiingeren Jahren an Faust Pachler gerichtete Losung: Der Ruhm ist 
nichts, Schaffen ist alles. Trotz qualvoller Nervenleiden und schmerzhafter 
Augeniibel arbeitete sie bestandig an neuen Genrebildern, darunter Treffer 
wie »Die Siinderin«, vollendete sie in ihrem letzten Lebensjahr die August 
Sauer gewidmeten »Erinnerungen an Grillparzer«, bereicherte sie das Schatz- 
kastlein ihrer Aphorismen durch neue Funde und Goldschmiedearbeiten : Hun- 
derte von weisen und witzigen Eingebungen. Als sie starb, war uns zumute, 
als ob eine Heilquelle jahlings versiegt ware; allmahlich regte sich, wie meine 
Gedenkrede im Volksbildungsverein aussprach, die Hoffnung, daB nach einer 
Weile die schmerzhch vermiBten Thermen mit erhohter Gewalt und verstarkter 
Heilkraft hervorbrechen wiirden. DaB ihr Andenken unter den Berufensten 
dauernd fortlebt, bezeugt der 1923 gefaBte BeschluB des akademischen Senates 
der Universitat Wien, der ersten und bisher einzigen Ehrendoktorin der Philo- 
sophie in den Arkaden der Hochschule eine Votivtafel zu widmen. Ein Denk- 
mal, descengleichen noch keiner Frau zuteil geworden. 

Literatur: Die HauptqueUe fiir die Lebensgeschichte M. E.-E.ssindihre biographischen 
Skizzen » Meine Kinderjahre*; fiir die spateren Zeiten kommen, bisher leider nicht in Buch- 
fortn gesammelt, die Nekrologe fiir Betty Paoli und Ida Fleischl und die nur in dem Sam- 
melwerk j»Die Dioskuren* erxeichbaren Faniilienportrats aus einem Zyklus »Mein Neffe, 
Armer Junge* in Betracht. Der 1923 aus dem NachlaB von Helene Bucher wohlmeinend 
unter dem unzutreffenden Titel »LetzteWorte«herausgegebene Band bringt die urspninglich 
fiir Franzos geschriebene Geschichte des Erstlingswerkes, die Briefe aus Rom und die Ge- 
schichte ihrer Uhrensammlung. Ein Erganzungsband hatte reiche Naehlese zu halten. • — 
M. v. E.-E., Biographische Blatter von Anton Bettelheim, Berlin, Gebriider Paetel 1900. 
Und: Anton Bettelheim, M. v. E.-E.s Wirken und Vermachtnis, Verlag von Quelle & Meyer 
(o. J . 1920), geben eingehende Literaturnachweise. Dazu kommt August Sauer in der Neuen 
Osterreichischen Biographie, Wiener Drucke, 1923 mit Quellenverzeichnis in einem E.- 
Aufsatz, der neben Paul Heyses Einleitung zu den Freiherrn v. Gemperlein im Neuen 
Deutschen Novellenschatz und Erich Schmidts E.-Artikel in den Charakteristiken, II, 191 2, 
Berlin, Weidmann, zum Belangreichsten gehort, was bisher iiber die Dichterin gesagt wurde. 



202 I9i6 

— Erwahnung verdienen noch die 1923 im Alt- Wiener Kalender fiir das Jahr 1922 (Wiener 
Drucke 1922) veroffentlichten Erinnerungen von Karl Erdmann Edler an M. v. E.-E. — 
M. v. E.-E. und Gustav Frenssen, Briefe, mitgeteilt von Anton Bettelheim, Wiener Bio- 
graphen-Gange, Wien 1921, S. 252 ff. — Der Freundlichkeit von Dr. Georg Paetel habe 
ich die folgende, fiir die Verbreitnng der Werke der Dichterin lehrreiche Statistik zudanken, 
die Jahreszahlen der ersten Veroffentlichung in Buchform habe ich nach den von M. 
v. E.-E. sclbst herriihrenden Angaben in Kiirschners Literaturkalender 1916 beigefugt; sic 
fallen nicht mit der Niederschrift und dem ersten Abdruck in Zeitschriftcn zusanimen. 
Agave (1903), Gesamtauflage 4000; Aphorismen (1880) 7000; Altweibersommer (1909) 
6000; Arme Kleine (1903) 7300; Ausgewahlte Erzahlun gen (1910) 5150; Bertram Vogel- 
weid (1896) 4300; Buch fiir die Jugend (1907) u 800; Dorf- und Schloflgeschichten (1884) 
20000; Neue Dorf- und Schloflgeschichten (1886) 12 000; Neue Erzahlun gen (1904) 5000; 
Das Gemeindekind (1887) 62000; Genrebilder (1910) 4150; Glaubenslos (1893) n 000; 
Erinnerungen an Grillparzer (1916) 3000; Meine Kinder jahre (1906) 8300; Zwei Komtessen 
(1885) 17000; L*>tti (10. Aufl. 1910) 22000; Die unbesiegbare Macht (1905) 6150; Mit- 
erlebtes (1889) 4000; Drei Novellen (1892) 4000; Parabeln, Marchen (1892) 2000; Ritt- 
nieister Brand (1896) 3000; Bertram Vogelweid (1896) 3000; Ein kleiner Roman (4. Aufl. 
1904) 4000; Das Schadliche, Die Totenwacht (1894) 4000; Alte Schule (1897) 4000; Aus 
Spatherbsttagen (1901) 8000; Stille Welt (1915) 5000; Unsiihnbar (1890) 17000; Die 
Unverstandene auf dem Dorfe (19 14) 7000; Ein Buch, das gern ein Volksbuch werden 
mochte (1890) 20300. Absatz der Gesammelten Werke: Bd. 1 — 4, 6100; Bd. 5, 6900; 
Bd. 6, 7100; Bd. 7, 6100; Bd. 8, 3000; Bd. 9, 3000; Bd. 10, 3000. — Dazu waren noch 
zu ziihlen die bei Cotta veroffentlichten Erzahlungen: Bozena, Margarethe, Die Prinzessin 
von Banalien (zuerst bei Rosner, Wien 1872, dann 1 904 in einem neuen Verlagerschienen), 
Prinzchen Hirzepinzchen (Stuttgart, Union) und die als Biihnenmanuskripte gedruckten 
Dramen und Einakter. Eine zuverlassige Bibliographic fehlt. Eine friiher oder spater 
kommende Gesamtausgabe wird gut tun, auf die Anordnung der Werke in anderer Ein- 
teilung nach Gruppen bedacht zu sein. 

Wien. Anton Bettelheim. 

Fehrs, Johann Hinrich, niederdeutscher Heimatdichter, * 10. April 1838 zu 
Miihlenbarbeck in Holstein, \ 17. August 1916 in Itzehoe. — Er entstammte 
einer alteingesessenen Bauernfamilie mit starker schleswig-holsteinischer tJber- 
lieferung; ein alterer Bruder von ihm nahm 1848/49 am Kriege gegen Dane- 
mark teil und kehrte aus den Kampfen nicht heim. Abgesehen von diesem 
ernsten Ereignis, wurde ihm aber seine idyllische Jugendzeit nicht getrubt, in 
der er den Sommer iiber mehrere Jahre von der Schule ganz befreit war und 
als »Koharder« ganz in Natur und Freiheit leben konnte. Auch sein weiteres 
Leben verlief im grofien und ganzen harmonisch und blieb in aller Bescheiden- 
heit doch vor auBerster Not bewahrt : es war ein Leben der Arbeit im engen 
Kreise, dem die geistige Weite nicht fehlte. Anfangs gegen seinen Willen — aus 
dem Grunde, weil die Biicher des verstorbenen Bruders ausgenutzt werden 
muBten! — wurde er vom Vater zum L,ehrerberuf bestimmt, in Eckernforde 
1859 ^ s x 862 ausgebildet. 1862 auf ein Jahr in Reinfeld angestellt, 1863 bis 
1865 Waisenlehrer in Itzehoe. Hier verheiratete er sich nach halbjahriger Be- 
schaftigung in Altona mit Maria Amalia Rehquate, einer holsteinischen 
Pastorentochter, und ubernahm 1865 eine private Madchenschule, die er fast 
vierzig Jahre, bis 1903, mit groSem Erfolg leitete. Auf Grund dieser Tatigkeit 
machte ihn die Stadt Itzehoe zu ihrem Ehrenbiirger. — Sein literarisches 
Schaffen setzte spat und langsam ein und erfuhr noch langsamer Anerkennung. 
Lyrische Gedichte in hochdeutscher Sprache, von Wohlklang und innerem sitt- 
lichen GleichmaB, entstanden freilich schon in den sechziger Jahren, zumeist 
Stimmungsbilder aus seiner Heimat und einfache Darstellungen oder Betrach- 



Ebner-Eschenbach. Fehrs 203 

tungen aus dem Gebiete des Allgemein-Menschlichen, nach Form und Seele 
wohl den Gedichten Theodor Storms am nachsten verwandt. Von ahnlichem 
Charakter, schon in der Form und abgeklart im Gang der Handlung, sind seine 
kleinen Epen, die er zwischen 1865 und 1875 dichtete (»Krieg und Hiitte« 1865, 
»Eigene Wege« 1867, »Kurt Rainer« 1873, »Sauls Tod« und »Rizpa« 1874, 
»Traum und Nebel« 1875). Doch ist nicht ohne Grund von ihnen gesagt worden, 
daC in ihnen der eigentliche Kern seines Wesens noch nicht zum Ausdruck ge- 
kommen ist. Seine niederdeutsche, holsteinische Eigenart fand vielmehr ihre 
besondere Ausdrucksform in seinen plattdeutschen Werken, die mit einer Aus- 
nahme (»Liittj Hinnerk« 1878) erst von 1886 ab veroffentlicht wurden. Viel- 
leicht ist der miindliche und briefliche Verkehr mit Klaus Groth nicht ganz 
ohne EinfluB darauf geblieben. Unter seinen plattdeutschen Gedichten sind 
besonders bekannt geworden das kunstvolle »De Heiloh« und das geradezu 
klassisch gewordene »Verlaten«, eine Perle der Lyrik, die sich neben den besten 
Gedichten von Klaus Groth und John Brinkman sehen lassen kann. Dagegen 
enthalten seine Sammlungen von » Vertelln«, » Allerhand Slag L,iid I « (erschienen 
1887) und »II« (erschienen 1891) neben Meisterwerken plattdeutscher Schilder- 
und Erzahlungskunst auch manches minder bedeutende Stiickchen ; ein prach- 
tiger Humor bliiht in »Grootvader sien Potthood« und »Een swaren Droom<<. 
Hoher steht, als Ganzes genommen, die dritte Sammlung »Ettgron« (erschienen 
1902) — Werke des Fiinfzig- und Sechzigjahrigen. t)berhaupt wachst bei F. 
die Darstellungskunst und Ausdruckskraf t mit zunehmendem Alter. Sein grofites 
Werk, den Roman »Maren«, hat er in seinem 70. Lebensjahre vollendet; er 
handelt vom Schicksal einer holsteinischen Frau, die an einen ungeliebten 
Mann gebunden ist und tragisch daran zugrunde geht; in die dorfliche Enge, 
deren Gestalten der Dichter mit liebevoller Kleinmalerei in und neben den 
Konflikt stellt, rauscht von feme der vergebliche Freiheitskampf der Schleswig- 
Holsteiner gegen die Danen. Die Bedeutung des Werkes beschrankt sich nicht 
auf das Kiinstlerische ; als Sprachdenkmal niederdeutscher Zunge iiber- 
ragt es Fritz Reuters groBe Erzahlungen, wenn es sie auch an breiter Wirkung 
nicht erreicht. F. hat namlich dem hochdeutschen Leser keine Konzessionen 
gemacht; sorgfaltig hat er, insbesondere in seinen spateren Werken, alle Aus- 
driicke und Wendungen, die aus der hochdeutschen Schriftsprache etwa in das 
Plattdeutsche seiner Heimat eingedrungen sind, wegzufeilen gesucht; an 
»Maren« hat er iiber 20 Jahre gearbeitet. Danach hat er — als Vierundsiebzig- 
jahriger — noch eine Novelle von groBer Kraft, »Leben un Dood«, verfaBt. 
Wahrend des Weltkrieges trat er durch seine aufrichtigen Briefe an den schles- 
wig-holsteinischen Bauersmann hervor, die in der Kieler Zeitschrift »Moder- 
sprak« erschienen. Den Zusammenbruch erlebte er nicht mehr. Im Vollbesitz 
seiner geistigen und korperlichen Frische wurde er plotzlich vom Schlage ge- 
troffen und starb ohne Leiden, iiber 78 Jahre alt. Einige Eindriicke aus seiner 
Jugend hat er in »Persepter« (hochdeutsch 1894), »Koharder« (1905) und »Een 
Winter in Stoerkamp« (1907) launig und lesenswert erzahlt. 

Literatur: t v ber sein gesarntes Leben und Schaffen bcrichtete griindlich und ver- 
standnisvoll Jacob Bodewadt (Johann Hinrich F., sein Werk und sein Wert. Janssen, 
Hamburg 1 9 14, iibernommen von G. Wes term ami) noch zu seinen Irebzeiten. Derselbe er- 
warb sich auch Verdienste um den Nachlafl, aus dem er » Anna Moesch un ik« veroffentlichte. 
Literarisch hat fenier Christian Boeck (Johann Hinrich F., Garding 1908) ihn gewiirdigt. 



204 I9x6 

Der Verbreitung seiner Schriften widmet sich die F.-Gilde in Itzehoe. Einer von des Dich- 
ters Sohnen, J. H. F., gibt die gesamten Werke (bei Westermann, Braunschweig) in neuer 
Einteilung heraus* 

Liibeck. Franz Fromme. 

Frank, Adolph, * am 20. Januar 1834 in Klotze in der Altmark, | am 30. Mai 
1916 in Charlottenburg. Er besuchte die Realschule in Altstrelitz und Seesen 
und kam 1848 zum Apotheker Bracht in Osterburg in die Lehre. Nach bestan- 
dener Lehrzeit war er von 1852 bis 1854 als Gehilfe im Laboratorium der 
Apotheke in Halberschwerdt in Schlesien tatig und wurde wahrend seiner 
Militarzeit 1854 bis 1855 als Assistent von Erdmann an das Laboratorium der 
Kriegsakademie und der Koniglichen Tierarzneischule abkommandiert. In 
Berlin, wo er von 1855 bis 1857 dem Studium der Naturwissenschaften, vor 
allem der Chemie, oblag, assistierte er wahrend dieser Zeit bei A. Braun und 
O. Berg. Nach dem im Herbst 1857 abgelegten Staatsexamen als Apotheker 
trat er auf besondere Empfehlungen von Mitscherlich und Magnus in die 
Zuckerfabrik Bennecke, Hecker & Co. bei StaBfurt ein. Hier erhielt er 1858 
sein erstes Patent zur Reinigung von Rubensaften durch Tonerdeseifen. 1859 
bis i860 stellte er eine Untersuchung iiber »Die Fabrikation des Rohzuckers 
und die dabei stattfindenden Verluste« (i) 1 an, auf Grund deren er 1862 in 
Gottingen promovierte. Durch Untersuchungen iiber die Riibennematode in 
Gemeinschaft mit Professor Schacht-Bonn wurde er von der Wichtigkeit der 
Anwendung kalihaltiger Diingemittel zum Zuckerriibenbau iiberzeugt (2). F., 
der eine genaue Kenntnis der bisher iiber die Kalisalze angestellten Unter- 
suchungen hatte, und dem an seiner Wirkungsstatte in StaBfurt groBe Mengen 
von kalihaltigen Abfallsalzen aus dem Salzbergbau zur Verfiigung standen, 
erkannte in der Anwesenheit des Chlormagnesiums in den Abraumsalzen 
den Grund fur ihre Unbrauchbarkeit als Diingemittel in rohem Zustande. 
Nach eingehenden Versuchen gelang es ihm i860, Chlorkalium aus den Ab- 
raumsalzen rein darzustellen. 

Auf Grund dieser Erfindung stellte Frank i860 bei der preuBischen Bergver- 
waltung unter Einreichung einer Denkschrift den Antrag, ihn mit Staatsmitteln 
zur Errichtung einer Kalifabrik zu unterstiitzen. Dieser Antrag wurde abge- 
lehnt, doch gelang es F., von privater Seite Geldmittel aufzunehmen, so daB 
am 1. Oktober 1861 die erste Kalifabrik F.s fertiggestellt war. Ausgehend von 
diesen kleinen Anfangen hat die deutsche Kaliindustrie, als deren Begriinder 
F, anzusehen ist, den bekannten gewaltigen Aufschwung genommen (3 — 13). 
1865 gelang es F., aus den Endlaugen der Kaliindustrie das Brom herzustellen. 

Am 1. Januar 1876 schied F., der inzwischen Generaldirektor der Vereinigten 
Chemischen Fabriken von Lreopoldshall geworden war, aus seiner Stellung aus 
und siedelte nach Charlottenburg iiber. 

Wahrend seiner Tatigkeit in der Kaliindustrie hatte er mehrfach groBere 
Studienreisen zum Zwecke der Einfiihrung der Kalidiingung unternommen, so 
auch Mitte der sechziger Jahre durch die Emsmoore. Seit dieser Zeit beginnt 
seine Tatigkeit auf dem Gebiete der Moorkultur, die er mit Unterbrechung bis 
zu seinem Lebensende fortgesetzt hat. Ende 1869 griindete er einen Verein zur 

1 Die in Klammern angegebenen Zahlen weisen auf die am SchluB des Nachrufes an- 
gefiihrten Veroffentlichungen F.s hin. 



Fehrs. Prank 



205 



Beseitigung des Hohenrauchs beim Abbrennen von Moor und zur Kanalisierung 
der Moore. 1897 nahm er die Plane zur Verwertung der deutschen Moorgebiete 
wieder auf, indem er vorschlug, in ihnen grofle Elektrizitatszentralen zu er- 
richten. 1907 iibertrug er gemeinsam mit N. Caro das englische Mondgasver- 
fahren auf Torf und griindete zu diesem Zwecke mit der Zeche Mont Cenis die 
Deutsche Mondgasgesellschaft, die in Sodingen bei Heme ihre Versuchsanlage 
baute (14 — 24). Die spatere Entwicklung bestatigte die Richtigkeit der 
Plane F.s. 

Mit dem 1. Januar 1876 iibernahm F. nach seinem Ausscheiden ^us den 
Vereinigten Chemischen Fabriken in Leopoldshall die Leitung der Charlotten- 
burger Glashutte. Seine Untersuchungen auf dem ihm ganz neuen Arbeitsfeld 
gestatteten ihm, die bisher wegen ihrer Schwerschmelzbarkeit nicht verwandten 
Granite, Porphyre und Bimssteine als Rohmaterialien in den Betrieb fiir die 
in seiner Fabrik ausgeiibte Flaschenfabrikation einzufiihren. Weitere Unter- 
suchungen iiber die Konservierung der Biere (46) fiihrten ihn dazu, statt der 
bisher verwandten griinen Flaschen braune herstellen zu lassen. Diese Unter- 
suchungen setzten F. sogar in die Lage, durch einige brautechnische Ratschlage 
zur Entwicklung der Berliner Exportbierbrauereien beizutragen. Durch seine 
weiteren Arbeiten hat er zur Wiederbelebung der alten Mosaiktechnik viel 
beigetragen, und wenn es heute eine lebensfahige deutsche Mosaikkunst gibt, 
so gebiihrt F. ein wesentliches Verdienst hieran (30 — 33). Seine Tatigkeit in der 
Glasindustrie dauerte bis zum Jahre 1885. 

Wahrend dieser Zeit beschaftigte er sich auch mit Fragen, die auBerhalb 
seines engeren Wirkungsbereiches lagen. So wurde nach seinen Angaben 1877 
in Karlsbad eine Anlage zur Gewinnung von Sprudelsalzen errichtet, 1882 nahm 
er ein Patent auf die Herstellung der unter dem Namen Berkefeld-Filter be- 
kannten Filtriereinsatze. Seit 1877 war er als Stadtverordneter der Stadt Char- 
lottenburg technisches Mitglied der Charlottenburger Gaswerke. 

Von 1885 bis 1900 widmete F. seine Tatigkeit der Zellulose- und der Papier- 
industrie. Er gab zuerst Ratschlage iiber Sulfitlaugenbereitung und chemisch 
einfache Untersuchungsmethoden (40 — 43). Desgleichen fiihrte er auch viele 
Fabrikneubauten wie auch Umbauten der gesamten chemischen Abteilungen, 
vor alien Dingen in Zellstof fabriken, durch. 1891 verfaBteF. eine Denkschrif t 
betreffend Einfiihrung der Holzstoff-, Zellstoff- und Papierfabrikation in Ost- 
preuflen, worin er sich fiir den Aufbau einer Zellstoff industrie in OstpreuBen 
aussprach (44). Mit ostpreuBischem Gelde wurde daraufhin in Konigsberg eine 
Zellstof fabrik und in Wehlau eine Holzschleiferei errichtet. 

Seit 1895 beschaftigte sich F. in Gemeinschaft mit N. Caro und spater mit 
seinem Sohne Albert R. F. mit dem Problem der Bindung des Stickstoffs der 
Luft an Karbide (Kalkstickstoffverfahren Frank-Caro). Im Marz 1895 erfolgten 
bereits die ersten Patentanmeldungen iiber die Stickstoffbindung, 1896 wurde 
die erste Versuchsanlage in Billwarder bei Hamburg im Verein mit der Dynamit- 
Nobel-A.-G. gebaut, deren wissenschaftlicher Beirat F. durch seine Arbeiten 
auf dem Gebiete der Sprengstoffindustrie (38, 39) geworden war. Zur Aus- 
nutzung dieser und noch weiterer auf dem Gebiete der Kalkstickstofferzeugung 
genommener Patente wurde 1898 von F., Siemens & Halske, der Gold- und 
Silberscheideanstalt und der Deutschen Bank die Cyanidgesellschaft gegriindet. 
1904 wurde in Italien die erste Kalkstickstoffabrik gebaut, der 1908 die Er- 



2o6 1916 

richtung der ersten Kalkstickstoffanlage in Deutschland folgte. Durch die von 
ihm festgestellte Erzeugung von Ammoniak aus Kalkstickstoff sowie durch die 
Verfahren zur Oxydation von Ammoniak zu Stickoxyden wurde die Stickstoff- 
versorgung Deutschlands von der Zufuhr des Chilesalpeters unabhangig ge- 
macht — eine Tatsache, die besonders im Kriege von hochster Bedeutung 
wurde. Die Entwicklung der Kalkstickstoff industrie in der ganzen Welt war 
eine ganz gewaltige, die jahrliche Leistungsfahigkeit der Anlagen betrug bei 
F.s Tode bereits zirka 400 000 bis 500 000 Tonnen Kalkstickstoff (26 — 29, 

37, 48). 

Die Beschaftigung in der Kalkstickstoff industrie lieB F. immer noch Zeit, 
sich auf anderen Arbeitsgebieten zu betatigen. Als Vorsitzender des Deutschen 
Azetylenvereins und als Sachverstandiger der Behorden stellte er Normen auf 
fur die Herstellung, Lagerung, Transport des Karbids und fur die Konstruk- 
tion der entsprechenden Azetylen-Beleuchtungsapparate (25, 47), 1899 nahm 
er ein Patent zur Ruflgewinnung aus Karbid bzw. Azetylen (36), 1905 erf and 
er ein Verfahren zur Wasserstofferzeugung aus Wassergas. Zu Beginn der wirt- 
schaftlichen Schwierigkeiten wahrend des Krieges arbeitete F. mit der Firma 
Borsig eine Methode zur Herstellung eines dauerhaften Trockenfutters aus 
Haus- und Kiichenabfallen unter Ausnutzung der Abwarme technischer An- 
lagen aus (49). 

An auBeren Anerkennungen und Ehrungen seiner Fachgenossen hat es F, 
nicht gefehlt. Er war Ehrenmitglied des Vereins Deutscher Chemiker, des Ver- 
eins zur Forderung des GewerbefleiBes, Mitglied der schwedischen landwirt- 
schaftlichen Akademie der Wissenschaft, Dr.-Ing. E. h. der Technischen Hoch- 
schule in Dresden und Ehrenmitglied vieler anderer wissenschaftlichen Insti- 
tute. Bereits im Jahre 1869 wurde ihm anlaBlich der Weltausstellung in Paris 
wegen seiner Verdienste urn die Griindung der Kaliindustrie die groBe goldene 
Medaille verliehen, der spaterhin zahlreiche goldene Medaillen wissenschaft- 
licher Vereinigungen aus vielen I,andern der Welt folgten. Der Staat zeichnete 
F. durch Verleihung der Titel Professor und Geheimer Rat aus. 

F. hat das seltene Gliick genossen, zwei Industrien, die fiir Deutschlands 
Entwicklung von groBter Wichtigkeit waren und sind — die Kali- und die 
Kalkstickstoffindustrie — , nicht nur aufzubauen, sondern auch ihre gewaltige 
Entwicklung mitzuerleben. Er starb hochbetagt in voller geistiger und korper- 
licher Frische am 30. Mai 1916; mitten aus der Arbeit und aus neuen Planen 
riB ihn der Tod. Er ruht auf dem alten Luisen-Friedhof in Charlottenburg. 
Der Obelisk mit seinem Reliefbild, der sein Grab schmiickt, tragt die Worte: 

Was er schuf, kann nicht verderben, 
Doch vererben 

MuB sich wachsend, was er gab, 
Nur ein Gleichnis ist das Sterben, 
Und ein Wort nur ist das Grab. 

Ijiteratur: ttber die Fabrikation des Rohzuckers und die dabeistattfindenden Verluste. 
Inaug.-Diss. Berlin 1&62. — Cber die Bedeutung des Koehsalzes fiir Zufuhrung minera- 
lischer Nalirung usw. Landw. Versuchsstation, Bd. 8, 1866. — Dber die Anfange und Ent- 
wicklung der StaCfurtcr Kalifabrikation. Ztschr. d. Vereins dtsch. Ing. 1869, Heft 3. — 
Begriindung der deutschen Kali -Industrie. Privatabdruck der dem Kgl. PreuIJ. Oberberg- 
hauptmann Krug v. Nidda usw. eingereichten Dcnkschriften, i860. — Die norddeutschen 



Frank 20/ 

Salzlager, ihre Bedeutung und ihre Verwertung fiir Land wirtsch ait und Industrie. (Vor- 
trag) vgl. Hann. Land- und forstwirtsch. Ztg. Jahrg. 38, S. 932. — Zur Geschichte der 
Kalidiingerfabrikation in StaBfurt. Ztschr. f. angew. Chemie. 1892, Heft n. — tJber Ent- 
stehung, AufschlieBung und technische Verwertung der norddeutschen Salzlager. Nachtr. 
zum Bericht der Sitzung vom 7. Juli 1884, im Ver. z. Bef. d. Gewfl. — StaBfurter Kali, 
Industrie- und Kalidiingemittel, Separatabdr. aus dem amtlichen Bericht zur Wiener 
Weltausstellung, 1875, Fiebig, Braunschweig. — Bericht iiber die Anwendung der Kali- 
priiparate und ihrer erzielten Erfolge im Jahre 1869. Vortrag im Landw. Verein fiir das 
Fiirstentum Halberstadt, erstattet von Dr. Frank, 7. Dez. 1865. — Das StaBfurter Kali- 
vorkommen und seine Beziehungen zur Landwirtschaft und zur Frage der Bodenerschop- 
fung, Ber. aus kgl. preuB. Patentkalifabrik, 1864. — Vorkommen und Verwertung der 
Kalisalze in Kalusz, in Hoffmanns chem. Industrie, 1875, S. 379/82. — Das Jubilaum des 
StaBfurter Salzbergbaus. Ztschr. f. angew. Chemie 1902, Heft 12. — Zur Feier des 5ojahri- 
gen Bestehens des StaBfurter Salzbergbaus. Chemiker-Ztg. 1902, Nr. 7. — Verwertung 
der norddeutschen Moore, insbes. f. elektr. Kraftstationen. (Gr. Vortr.) im Ver. z. Bef. d. 
Gewfl. 1897. Verhandl. d. Vereins 1897. — Uber Gewinnung von schwefels. Am- 
monium und von Kraftgas aus Torf. Chem.-Ztg. 1908. Nr. 119. Ztschr. f. angew. Chemie 
1908, Heft 30. — Torfgasbetriebe fiir groBe elektrische Zentralen. Ztschr. f. angew. Chemie 
1904, Heft 10 (Vortr. in d. Zentr. Moorkomm. vom 17. Dez. 1903). — tJber Gewinnung 
und Verwendung von Torf zu Heizzwecken und direkter Krafterzeugung. (Vortr. im Verein 
z. Ford, der Moorkultur im Dtsch Reich, 13. Febr. 1907). Ztschr. f. angew. Chemie 1907, 
Heft 37, S. 1592. — Zur Verwertung des Tories (Vortr. i. d. Polytechn. Ges. 18. Febr. 1897). 
Poly techn. Zentr. -Bl. i.Marz 191 7. — tlber Moorkultur und Torfverwertung, Verhandl. 
des Ver. z. Bef. d. Gewfl, 1904, S. 171 — 196. — Torfverkokung (Generalvers. des Ver. z. 
Bef. d. Moorkultur. 16. Febr. 1897), *• d. Mitteilungen d. Vereins 1897, Nr - 5> S. 9 2 - — Die 
Cunrauer Moorkultur, Nachr. a. d. Klub d. Landw. 1877, Nr. yj, S. 422. — The Utilisation 
of Peat, Ingeneering, Vol.83, S. 250. — Verwertung der Moore durch Gewinnung von 
Kraftgas und Ammoniak, Vortr. i. Niedersachs. v. Gas- und Wasserfachmannern, 29. Sept. 
191 1, Journ. f. Gasbeleuchtung, 55. Jahrg., S. 47 ff. — Frank und Caro: The Utilisation 
of Peat for Power purposes with recuperation of By-products, Electrotechnical and Metall. Ind. 
Vol. 5, Nr. 10, S. 387. — t)ber Gewinnung von Azetylen und dessen Benutzung zur Her- 
stellung von Leuchtgas, Alkohol usw. (gr. Vortr.) im Gewfl. 4. Febr. 1895. Sitzungsbericht 
des Ver. z. Bef. d. Gewfl. 1895, S. 20. — Uber Kalks ticks toff, Vortr. im Klub d. Landw. 
10. Januar 1905, in den Nachr. d. Klubs d. Landw. 1905, Nr. 475. Ferner Dtsch. landw. 
Presse 32, Nr. 5, S. 3436. — t)ber die direkte Verwertung des Stickstoffs der Atmosphare 
zur Gewinnung von Diingemitteln und anderen chemischen Produkten. Vortr. auf d. 6. In- 
tern. Kongr. f. angew. Chemie, Rom 1906. — Ersatz des Chilesalpeters in der Zukunft. 
Kalkstickstoff. Vortr. auf d. 8. Intern. Landw. Kongr. Wien 1907. Landw. Ztg. 27, 
Nr. 43, S. 389 ff. — Chemical industry in relation to agriculture. Vortr. bei der Eroffn.- 
Sitz. d. Soc. of Chem. Ind. 2. 1 1. 1908, Journ. of the Soc. of Chem. Ind. Vol. 27, Nr. 32, 
dtsch. Abdr. in der Dtsch. Landw. Presse 1909. — Die Entwicklung der deutschen 
Mosaikindustrie (Vortr. i. Ver. z. Bef. d. Gewfl. 4. Mai 1903, Sitz.-Ber. 939). — t)ber Her- 
stellung von Mosaiken, Vortr. i. d. Vers. d. Polytechn. Ges. zu Berlin, 20. Marz 1890. 
Polytechn. Zentr. -Bl. Nr. 13, April 1890. — Ober die Nachweisung von Metalloxyden 
in Glasern und Glasfliissen, Ver. z. Bef. d. Gewfl. 3. Febr. 1891, Sitz.-Ber. S. 43. — t)ber 
die Technik der venezianischen Mosaiken, Sitzung d. Ver. z. Bef. d. Gewfl. 1885, 2. Marz. 

— t)ber ein Verfahren zur Reinigung und AufschlieBung von schwefel- und phosphor- 
haltigen Schlacken und sonstigen Phosphaten, Chem. Ind. Nr. 8, 1884. — Diingemittel 
aus Thomasschlacke, Sitzung des Ver. z. Bef. d. Gewfl. 2. Nov. 1895, Sitz.-Ber. S. 245. 

— t)ber Gewinnung von Kohlenstoff, RuB und Graphit aus Azetylen und Metall- 
karbiden, Vortr. in der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Arzte in Meran, 26. Sept. 
1906, vgl. Ztschr. f. angew. Chemie 1905, Heft 44. — Die Nutzbarmachung des freien 
Stickstoffes der Luft fiir Landwirtschaft und Industrie, Vortr. auf d. 8. Intern. Kongr. f. 
angew. Chemie, Berlin 1903. U. a. in Zeitschr. f. angew. Chemie 1903, Heft 23. — t)ber 
Verwendung des aus Kalkstickstoff hergestellten Cyanamids und seiner Derivate, als 
kuhlender Zusatz bei Explosivstoffen. Vortr. auf der Vers, dtsch. Naturforscher und Arzte, 
Dresden, Sept. 1909. Zeitschr. f. angew. Chemie 1907, Heft 39, S. 1684. — Die Dynamit- 
explosion bei Cleve am 19. Marz 1895, Vortr. i. d. Sitz. des Ver. z. Bef. d. Gewfl., 10. Okt. 
1895, S. IQ 8. — Sulfitkochlaugen und Futtermangel. Papierztg., 26. Jahrg. 1904, Nr. 67. — 
Verwertung der Sulfitkochlaugen als Futtermittel. Papierztg. 1904, 29. Jahrg., Nr. 91. — 



208 1916 

Verwendung von Ablaugen der Suifitzellulose als Futtermittel. Wochenbl. f . Papierfabri- 
kanten, 39. Jahrg., Nr. 45. — Sulfitstoff, Darstellung und Wiedergewinnung der schwefligen 
Saure bei der Sulfitzellulose, Papierztg. 1887, Nr. 60, 61 und 63. — Uber Zellstof fabrication, 
Vortr. im Gew.-Fleifi, Sitz.-Ber. z. 2. Januar 1881, S. 3. — Verwendung der Fichtenborke 
zum Gerben. Sitz.-Ber. des Gewfl. 3. Juni 1889, S. 1S1. — t)ber den beim Pasteurisieren 
der Flaschenbiere entstehenden Druck, Vortr. i. d. Sitz. des Ver. z. Bef. d. Gewfl., 13. Juni 
188 1. — Normen des deutschen Azetylenvereins fur den Karbidbetrieb und Azetylen- 
apparate (Vortr. im Ver. z. Bef. d. Gewfl.), Sitz.-Ber. zum 4. Nov. 1901, S. 286. — Volks- 
ernahrung und Land wirtsch aft in der Kriegszeit. Chem.-Ztg. 19 14, Nr. 148, 149, S. 1261 . — 
Uber die Venvertung der Kiichenabfalle zur Gewinnung von Trockenfutter und Fette 
durch Ausnutzung der abgehenden Hitze. Journal f. prakt. Chemie 191 5, Bd. 92, S. 855; 
Journ. f . Gasbeleuchtung 1915, Nr. 52. — Mitteilungen von der Weltausstellung in Chicago 
(Vortr. im Ver. z. Bef. d. Gewfl., 2. Okt. 1892). — Technische Reisenotizen aus Siiditalien. 
Zeitschr. f. angew. Chemie 1900, S. 842/47. — Borsauregewinnung in Toskana, Verhandl. 
des Ver. z. Bef. d. Gewfl. 1900, S. 77. 

Berlin-Halensee. Albert R. Frank. 

Franz Joseph, Kaiser von Osterreich, apostolischer Konig von Ungarn, 
* 18. August 1830 in Wien als altester Sohn des Erzherzogs Franz Karl, zweiten 
Sohnes Kaiser Franz I. (von Osterreich) und der Prinzessin Sophie, der Tochter 
Konig Maximilians I. von Bayern. — Obwohl seiner Geburt nach nicht Thron- 
anwarter, erhielt er im Hinblick auf die Kinderlosigkeit Kaiser Ferdinands, 
seines Onkels, doch eine fiir den kiinftigen Beherrscher Osterreichs bestimmte 
Erziehung. Sie wurde zuerst von den Grafen Heinrich Bombelies und Johann 
Coronini, spater von Oberst Hauslab geleitet und trug einen vorwiegend mili- 
tarischen Charakter. Auch auf das Studium fremder Sprachen wurde Gewicht 
gelegt, so dai3 F. J. als Kaiser der meisten Sprachen seines polyglotten Reiches 
machtig war. Als im Friihjahr 1848 in den italienischen Provinzen der natio- 
nale Aufstand losbrach und im Zusammenhange damit der Krieg gegen Pie- 
mont, begab sich der junge Prinz nach dem Kriegsschauplatz und erhielt bei 
Santa Lucia (6. Mai) die Feuertaufe, wobei er besondere Kaltbliitigkeit be- 
kundete. 

Da Kaiser Ferdinand, den Stiirmen der Zeit durchaus nicht gewachsen, der 
ihm zu schwer gewordenen Krone entsagte und sein B ruder, Erzherzog Franz 
Karl, der nachsteThronanwarter, auf die Krone verzichtete, bestiegF. J., erst 
18 Jahre alt, den Thron. Er fand das Reich in schwerster Bedrangnis. Eben 
erst war die Revolution in Wien niedergeschlagen worden, und schon tobten 
wieder Aufruhr und Kampf in Ungarn und bald auch neuerdings in Italien. Im 
Ministerprasidenten Fiirsten Felix Schwarzenberg stand dem jungen Monarchen 
ein bedeutender Staatsmann zur Seite, der scharfen Verstand und kiihnen 
Unternehmungsgeist mit einer eisernen Hand vereinigte und eine so energische 
und groflziigige Politik betrieb, daB Osterreich aus der Revolution und dem 
Doppelkriege starker hervorging, als es je vorher gewesen war und spater je sein 
sollte ; vor allem uber PreuBen errang es in Olmlitz 1850 einen vollen Triumph. So 
erfolgreich diese Politik aber nach auBen war, so rief sie im Innern des Reichs 
durch unnotige Harte und Einfiihrung eines engherzigen, unduldsamen Polizei- 
sy stems Unzufriedenheit und Erbitterung hervor, namentlich in Ungarn. Die 
unter dem Drucke der Freiheitsstromung im Friihjahr 1849 (4- Marz) gewahrte 
Reichsverfassung wurde Ende 185 1 (31. Dezember) wieder aufgehoben und der 
Kaiser regierte wieder als absoluter Herrscher. Der am 18, Februar 1853 von 
dem ungarischen Schneidergesellen Libenyi gegen ihn unternommene Mord- 



Prank- Franz Joseph 20Q 

versuch und der fast gleichzeitig (6. Februar) ausgebrochene Aufruhr in Mai- 
land zeugten fur die herrschende Mifistimmung, bestarkten aber nur den Druck 
des Systems, das spater durch das mit Rom abgeschlossene Konkordat (18. Au- 
gust 1855) einen ausgesprochen klerikalen Charakter erhielt. Der Tod Schwar- 
zenbergs (5. April 1852) beraubte den jugendlichen Kaiser seines bedeutendsten 
politischen Fiihrers. Auf sich selbst angewiesen, ohne hinreichende Erfahrung 
und von seiner Umgebung meist iibel beraten, beging er in der folgenden Zeit 
manchen verhangnisvollen Fehlgriff . 

Am 24. April 1854 vermahlte sich Franz Joseph mit der Prinzessin Elisabeth, 
Tochter des Herzogs Max in Bayern. Aus dieser Ehe stammen vier Kinder: 
Sofie, * s.Marz 1855, t 1857, Gisela, * 17. Juli 1856, Rudolf, * 21. August 1858 
und Marie Valerie, * 22. April 1868. 

Der 1854 ausbrechende Krimkrieg schuf fur Osterreich eine Lage, in der Graf 
Buol die feste Hand und den scharfen Blick Schwarzenbergs schwer vermissen 
lieB. Der junge Kaiser schwankte zwischen seiner Dankbarkeit gegeniiber dem 
Zaren Nikolaus fiir dessen Hilfe im Jahre 1849 und dem politischen Interesse 
Osterreichs, das ihm auf seiten der Westmachte zu liegen schien. Ein Kom- 
promifi zwischen beiden Richtungen fiihrte zu halben Mafinahmen — Be- 
setzung der Donauftirstentumer und Aufmarsch in Galizien — , die den Zaren 
auf das tiefste verletzten und Osterreich den dauernden Groll Rufilands zu- 
zogen, ohne ihm dafiir die Freundschaft der Westmachte zu verschaffen. Zu- 
dem brachte das zwecklose militarische Machtaufgebot die ohnehin nichts 
weniger als gunstigen Finanzen des Reichs noch mehr in Unordnung. Als es 
im Friihjahr 1859 zum Kriege Osterreichs gegen Frankreich und Sardinien kam, 
ernannte der Kaiser auf Empfehlung seines sehr einflufireichen Generalad ju- 
tanten, Grafen Griinne, den Feldzeugmeister Grafen Gyulay zum Hochstkom- 
mandierenden der gegen den Feind bestimmten Armee. Diese Wahl envies sich 
als verhangnisvoll, denn Gyulay zeigte sich seiner Aufgabe in keiner Weise ge- 
wachsen. Montebello, Palestro, Magenta: lauter Mifierfolge. Zu spat erkannte 
der Kaiser seinen Irrtum und ubernahm an Gyulays Stelle selber den Oberbefehl. 
Die Schlacht von Solferino (25. Juni 1859) ging trotzdem verloren; iibrigens 
nicht durch seine Schuld. Besorgt um das Schicksal des Reichs und nicht ge- 
neigt, die Hilfe Preufiens in Anspruch zu nehmen, schlofi F. J. mit Napo- 
leon III. in Villafranca die Praliminarien eines Friedens ab, der fiir Osterreich 
den Verlust der I^ombardei zur Folge hatte. 

Der so ungiinstig verlaufene Krieg hatte in der Bevolkerung Osterreichs 
eine starke Mifistimmung erzeugt, die sich besonders gegen den Hof und die 
Aristokratie richtete. Unter dem Eindrucke dieser Erscheinungen erliefi F. J. das 
sogenannte Oktober-Diplom (20. Oktober i860), in dem einerseits die Einheit 
des Reichs, andererseits die Rechte der Lander festgesetzt und die alte Ver- 
fassung Ungarns bis zu einem gewissen Grade anerkannt wurde. Als dieser 
Schritt nicht zum gewunschten Ziele fiihrte, folgte wenige Monate spater 
(26. Februar 186 1) das sogenannte Februar-Patent, das eine Erganzung des 
Oktober-Diploms sein sollte, aber tatsachlich im Gegensatz zu dessen fode- 
ralistischer Tendenz in zentralistischem Geiste gehalten war und deshalb zwar 
den lebhaften Beifall der Deutschen des Reichs erntete, aber bei den Magyaren 
und Kroaten trotz aller Zugestandnisse auf Widerstand stiefi. Ebensowenig 
vermochte der Kaiser die von Schmerling befiirwortete Reform des Deutschen 

DBJ 14 



210 I9i6 

Bundes durchzusetzen. Der nach Frankfurt a. M. einberufene »Fiirstentag« 
(17. August bis 1. September 1863) brachte dem Kaiser zwar reiche auBere 
Ehren, blieb wegen des Fernbleibens des Konigs von PreuBen aber praktisch 
erfolglos. 

Der schon lange drohende Konflikt zwischen Osterreich und PreuBen schien 
durch die von ihnen gemeinsam unternommene militarische Expedition gegen 
Danemark (1864) zwar beigelegt, wurde aber eben durch diese Gemeinsamkeit 
verscharft und fuhrte nach voriibergehender Vertagung durch die Konven- 
tion von Gastein (14. August 1865) im Jahre 1866 zur Entscheidung durch die 
Waff en. Auch diesmal bewies Kaiser F. J. bei der Wahl des Oberbefehls- 
habers eine ungliickliche Hand. Er betraute den auf den Schlachtfeldern 
Italiens vielbewahrten Feldzeugmeister v. Benedek statt mit dem Kommando 
der Siidarmee, deren berufener Fiihrer er gewesen ware, mit dem der Nord- 
armee in dem ihm ganz fremden Bohmen, wogegen das Kommando der Siid- 
armee Erzherzog Albrecht erhielt. Die Besorgnis, Erzherzog Albrecht konnte 
im Norden einen MiBerfolg erleiden, der von der offentlichen Meinung dann 
der Dynastie zur Last gelegt werden wiirde, bewog den Kaiser, diese Wahl zu 
treffen. Um sich mit voller Kraft gegen PreuBen wenden zu konnen, entschloB 
sich F. J. schweren Herzens, Venetien abzutreten, denn wenn es ihm schon 
nicht vergonnt sein sollte, die Stellung Osterreichs sowohl in Deutschland als 
in Italien zu wahren, wollte er doch lieber auf die in Italien verzichten. Dieses 
hatte Osterreich ein Jahr friiher angeboten, ihm gegen die Summe von 1000 Mil- 
lionen Lire Venetien abzutreten. Damals hatte der Kaiser dieses Anerbieten 
stolz zuriickgewiesen. Jetzt, aber, in der schweren Bedrangnis des Moments, 
griff er auf dieses Anerbieten zuriick und bot Venetien zwar nicht Italien selbst, 
aber Kaiser Napoleon an, der die Sache vermitteln sollte. Allein jetzt war es 
zu spat. Italien hatte sich schon PreuBen verpflichtet und den Krieg auch aus 
anderen Griinden beschlossen. Es lehnte ab. Damit war fiir Osterreich der 
Doppelkrieg tmvermeidlich geworden. Seltsamerweise ging es im AnschluB 
an die Verhandlungen mit Napoleon mit diesem einen Vertrag ein, in dem 
es sich in jedem Falle zur Abtretung Venetiens an Italien durch Vermittlung 
Frankreichs verpflichtete, also auch dann, wenn seine Waff en gegeniiber 
Italien siegreich blieben ! Osterreich nahm somit — was die Offentlichkeit da- 
selbst freilich nicht ahnte — soweit Italien in Betracht kam, einen Kampf auf, 
der vollig zwecklos war, weil das SchluBergebnis schon im voraus festgelegt 
war und durch den militarischen Ausgang des Krieges nicht geandert werden 
konnte. Ein Fall, der in der Geschichte einzig dastehen diirfte. 

Das Ergebnis dieser Politik war, daB Osterreich seine Stellung sowohl in 
Deutschland als in Italien verlor; dort durch die Niederlage Benedeks bei 
Koniggratz, hier trotz der Siege von Custoza und Lissa. 

Da sich wahrend des Krieges in Ungarn abermals bedenkliche Erschei- 
nungen gezeigt hatten, nahm der Kaiser seine Bemiihungen, die Magyaren zu 
versohnen, nach dem Kriege wieder auf und schloB nach langwierigen Ver- 
handlungen mit Ungarn den sogenannten Ausgleich ab, in dem er sich mit 
der Zerteilung des alten Einheitsstaates in zwei selbstandige, gleichberechtigte, 
nur durch gewisse gemeinsame Interessen (Heerwesen, Vertretung im Aus- 
lande, Finanzen) verbundene Staaten einverstanden erklarte. Am 8. Juni 
1867 wurde er in Of en unter besonders feierlichem Geprange zum Apostolischen 



Franz Joseph 211 

Konig von Ungarn gekront und vier Tage spater (12. Juni) gab er dem un- 
garischen Gesetzentwurf iiber den Ausgleich seine Sanktion. Das osterreichi- 
sche Parlament, vor eine vollendete Tatsache gestellt, genehmigte das ihm 
vorgelegte parallele osterreichische Ausgleichsgesetz. Das Kaisertum Oster- 
reich verwandelte sich damit in einen Doppelstaat, der den offiziellen Titel 
»Osterreichisch-ungarische Monarchies fuhrte. 

Im Jahre 1870 widerstand F.J. trotz schon eingeleiteter Verhandlungen 
der Versuchung, mit Frankreich gegen Deutschland gemeinsame Sache zu 
machen und so seine verlorene Stellung wiederzugewinnen, und blieb neutral, 
wozu ihn sowohl die drohende Haltung RuBlands als Abmachungen Andr&ssys 
bewogen, der als ungarischer Ministerprasident von einer Wiedererstarkung 
Osterreichs einen ungunstigen Ruckschlag auf Ungarn besorgte. So half 
Kaiser F. J. — eine bittere Ironie des Schicksals — demselben PreuBen, an 
dem er sich hatte rachen wollen, zu einem glanzenden Triumph iiber Frank- 
reich und begrub seine Hoffnung, jemals wieder eine Rolle in Deutschland zu 
spielen. Er gab sich aber keineswegs zweckloser Trauer und dauerndem Grolle 
hin, sondern paBte seine Politik den geanderten politischen Verhaltnissen an, 
so schwer ihm dies auch fallen muBte. Schon im Spatsommer 1871 kam er in 
Gastein und Salzburg mit Kaiser Wilhelm zusammen, und ein Jahr spater 
stattete er diesem einen Besuch in Berlin ab, wo sich auch Kaiser Alexander II. 
von RuBland einfand. Unbeirrt durch die Erinnerung an 1866 und 1870, ging 
er mit beiden Herrschern ein Biindnis ein, das sogenannte Dreikaiserbiindnis. 
Der glanzende auBere Erfolg der Wiener Weltausstellung (1873), die zahl- 
reiche f remde Herrscher zum Besuche veranlaBte, zeugte f iir den Auf schwung 
der Monarchie und verlieh ihrem Ansehen, das unter den schweren politischen 
und militarischen MiBerfolgen seit 1859 arg gelitten hatte, neuen Glanz. 

Im Jahre 1875 unternahm Kaiser F. J. eine Reise nach Dalmatien, wo er 
von der Bevolkerung mit demonstrativer Festlichkeit empfangen wurde und 
wo sich auch der Fiirst Nikolaus von Montenegro einfand, um ihm seine Er- 
gebenheit auszudriicken. Mit dieser Reise tat der Kaiser den ersten Schritt 
auf der neuen politischen Bahn, auf die ihn die EinbuBe seiner Stellung in 
Deutschland und Italien verwies, und die nach dem Balkan fuhrte. Die 
schweren Wirren, die dort ausgebrochen waren und auf ein baldiges Ende der 
tiirkischen Herrschaft in Europa zu deuten schienen, legten Osterreich-Ungarn 
ein Eingreifen nahe; um so naher, als die Bevolkerung der insurgierten tiir- 
kischen Gebiete von ihm die Befreiung vom osmanischen Joch erhoffte und 
darin von den Siidslawen der Monarchie bestarkt wurde. Unter dem Ein- 
drucke seiner dalmatinischen Reise, die er auf Betreiben siidslawischer mili- 
tarischer Kreise unternommen hatte, war der Kaiser geneigt, den Wiinschen 
der Siidslawen durch eine aktive Politik auf dem Balkan zu willfahren. Aber 
Andrdssy, damals schon Minister des Aufiern, war dagegen, da er, bloB vom 
ungarischen Standpunkt urteilend, von der Erwerbung siidslawischer Ge- 
biete eine Starkung des slawischen Elements in der Monarchie und dadurch 
eine Gefahrdung der ungarischen Interessen besorgte. Damit lieB sich Oster- 
reich-Ungarn die kostbare Gelegenheit entgehen, als Befreier der Siidslawen 
aufzutreten und sie dadurch an sich zu fesseln, bevor RuBland dies erreichte. 
Da die Vorgange auf dem Balkan immer bedenklichere Formen annahmen, 
einigte sich Kaiser F. J. bei der Zusammenkunft in Reichstadt (8. Juli 1876) 



212 19*6 

mit Kaiser Alexander II. von RuBland iiber eine Teilung der Interessen- 
spharen Osterreich-Ungarns und RuB lands auf dem Balkan, wodurch einem 
Konflikte beider Reiche vorgebeugt werden sollte. Die Ereignisse auf dem 
Balkan nahmen aber einen so sturmischen Charakter an f dafi die Monarchie, 
wenn sie ihren EinfluB dort wahren wollte, eingreifen muBte. Auf dem Ber- 
liner' Kongresse (Sommer 1878) wurde sie, von England und Deutschland 
unterstiitzt, mit der Okkupation Bosniens und der Herzegowina betraut. Die 
Ausfuhrung dieses Mandats verlief jedoch nicht so glatt, wie man gehofft 
hatte, denn die Stimmung unter den Balkanslawen war nicht mehr so giin- 
stig wie 1875, und sie sahen in der k. k. Armee nicht mehr den Befreier son- 
dern den Feind. 

Als Bismarck wegen der feindseligen Haltung RuBlands, das seine Nieder- 
lage auf dem Berliner Kongrefl nicht verwinden konnte, mit Andr&ssy ein 
Schutz- und Trutzbiindnis Deutschlands und Osterreich-Ungarns gegen Rufi- 
land erwog, lieB sich Kaiser F. J. weit leichter fur diesen Plan gewinnen als 
Kaiser Wilhelm. So kam (7. Oktober 1879) das Biindnis zwischen dem Deut- 
schen Reich und Osterreich-Ungarn zustande, das fast vierzig Jahre lang 
dauern sollte, 

Im Jahre 1882 gesellte sich Itahen diesem Bund als Dritter bei, und Kaiser 
F. J. erhob dagegen keinen Einspruch, obwohl die italienischen Irredentisten 
kurz vorher einen Einfall Garibaldis in Siidtirol geplant hatten und bald nach 
AbschluB dieses Biindnisses ein irredentistisches Mordattentat gegen ihn 
geplant worden war. 

Gestiitzt auf das Biindnis mit Deutschland verfolgte F. J . fortan eine Politik, 
deren leitmotiv die Erhaltung des Friedens fur seine Volker war. Durch die 
schmerzlichen Erfahrungen friiherer Kriege belehrt, wollte er von einem 
neuen Kriege nichts wissen und ging alien Konflikten mit auBerster Vorsicht 
aus dem Wege. Die dem Abschlusse des Zweibundes folgenden Jahre boten 
ihm zur Betatigung dieser Friedenspolitik reichlich Gelegenheit. Zar Alex- 
ander III. zeigte, von panslawistischen Ideen erfiillt, wenig Neigung, das Drei- 
kaiserbiindnis zu erneuern. Die Zusammenkunft der drei Kaiser in Skiernewice 
(12. September 1882) und der im nachsten Jahre folgende Besuch des Zaren 
in Kremsier vermochten daran nichts zu andern, und die bulgarische Thron- 
frage verscharfte den Gegensatz zwischen Osterreich-Ungarn und RuBland 
derart, daB um die Jahreswende 1887/88 der Krieg zwischen ihnen schon auf 
des Messers Schneide stand. Die drohenden Kriegswolken verzogen sich jedoch 
wieder, und fur die Monarchie begann eine lange Periode ungestorten auBeren 
Friedens. Sie lebte mit alien Machten in bestem Einvernehmen, besonders mit 
Deutschland. Wiederholte Besuche Kaiser Wilhelms II. in Wien und Budapest, 
sowie Kaiser F. Js. und des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand in Berlin 
bekundeten das gute Einvernehmen der beiden Herrscher und ihrer Staaten. 
Auch Konig Eduard von England pflegte, wenn er sich zur Kur nach 
Marienbad begab, Kaiser F. J. in Wien oder Ischl zu besuchen oder empfing 
dessen Besuch in Marienbad . Selbst mit RuBland schienen sich nach dem Tode 
Alexanders III. wieder freundlichere Beziehungen anzubahnen. Anfang 
Oktober 1903 fand sich Zar Nikolaus als Jagdgast des Kaisers in Miirzsteg ein, 
wo ein gemeinsames Vorgehen in der mazedonischen Frage vereinbart wurde. 
Auch die Ermordung des serbischen Konigspaares (Juni 1903) vermochte den 



Franz Joseph 213 

Kaiser in seiner Friedenspolitik nicht zu beirren und zum Einschreiten in 
Serbien zu veranlassen, wozu die Gelegenheit giinstig gewesen ware. Dem 
keineswegs bundesfreundlichen Verhalten Italiens gegeniiber, wo feindselige 
Kundgebungen gegen Osterreich, ja gegen seine Person immer haufiger wurden, 
enthielt er sich, urn Konflikte zu vermeiden, aller Rekriminationen und nahm 
offiziell von ihnen keine Notiz. 

Die gleiche passive Friedensliebe beherrschte auch seine innere Politik. 
In Osterreich stand der tschechisch-deutsche Zwist im Vordergrunde. Die 
Tschechen, durch den grofien Erfolg der Magyaren beim Ausgleich in ihren 
nationalen und staatsrechtlichen Forderungen bestarkt, beanspruchten, vom 
osterreichischen Ministerprasidenten Grafen Hohenwart unterstiitzt, eine ahn- 
liche Sonderstellung und ahnliche Rechte, wie sie den Magyaren gewahrt 
worden waren. Kaiser F. J., bestrebt, in Bohmen ebenso den Frieden herzu- 
stellen, wie er ihn in Ungarn hergestellt zu haben glaubte, zeigte sich gewillt, 
diese Forderungen tunlichst zu erfullen, und stellte ihnen dies in dem »Reskript« 
vom 12. September 1871 in Aussicht. Beust und Andrassy traten dieser Ab- 
sicht jedoch nachdriicklich entgegen, da ihre Verwirklichung bei Deutschen 
und Magyaren auf den kraftigsten Widerstand stofien wiirde. Daraufhin unter- 
blieb die Verwirkhchung der tschechischen Fordenmgen. Unversohnlicher 
Groll der Tschechen war die Folge. Weit entfernt, auf deren Erftillung zu ver- 
zichten, bestanden sie hartnackig darauf und suchten sie durch alle erdenk- 
lichen Mittel zu erzwingen. Da sie dabei auf den ebenso hartnackigen Wider- 
stand der Deutschen stiefien, nahm der Hader kein Ende, um so weniger, als die 
Fuhrung der tschechischen Sache aus den Handen der konservativen Alt- 
tschechen allmahlich ganz in die der radikalen Jungtschechen iiberging, die 
aus ihren panslawistischen, reichsfeindlichen Tendenzen immer weniger ein 
Hehl machten. Mit unermudlicher Geduld suchte der Kaiser zu besanftigen 
und zu vermitteln. Immer wieder sorgte er dafiir, dafi der Faden der Ver- 
handlungen, wenn er abriB, von neuem gekniipft wurde. Als alle Ausgleichs- 
versuche scheiterten, hoffte der Ministerprasident Graf Badeni durch den Er- 
lafi von Sprachenverordnungen Ordnving und Ruhe zu schaffen (April 1897). 
Sie entfesselten aber, da sie fur die Verwaltung Bohmens und Mahrens die 
Zweisprachigkeit zum Leitgedanken hatten, im deutschen Lager derartige 
Stiirme, dafi es im Parlament zu Szenen kam, wie dieses sie noch nie gesehen 
hatte. Furchtbare Exzesse des tschechischen Pobels in Prag waren das wiirdige 
Echo der deutschen Obstruktionsskandale in Wien. Weder die Aufhebung der 
Sprachenverordnungen, noch zeitweilige Sistierung des Parlaments, noch Neu- 
wahlen, noch die Einf iihrung des allgemeinen Wahlrechts vermochten dem un- 
seligen Hader ein Ende zu machen, ja ihn nur zu dampfen; um so weniger, 
als auch auf deutscher Seite die radikalen Elemente die Oberhand gewonnen 
hatten. Wiewohl alle friedlichen Mittel versagten, vermochte sich der Kaiser 
nicht zu einem gewaltsamen Eingriffe zu entschliefien, und so nahm der ver- 
derbliche Hader seinen Fortgang. 

Auch gegen die Wiihlarbeit der italienischen Irredenta in Siidtirol und im 
Kiistenlande durfte die Regierung nicht energisch einschreiten. Getreu dem 
Grundsatze, den er den Italienern gegeniiber in seiner auBeren Politik befolgte, 
hielt der Kaiser auch in der inneren moglichste Nichtbeachtung ihres Treibens 
fur angezeigt. Die Folge dieser zu weitgehenden Duldsamkeit war, dafl die 



214 *9 l6 

Irredenta immer dreister auftrat und aus ihren hochverraterischen Tendenzen 
kein Hehl mehr machte. Als die Regierung, nm den Wiinschen der Italiener 
nach einer italienischen Universitat zu willf ahren, in Innsbruck eine italienische 
Fakultat eroffnete, wurde Innsbruck der Schauplatz ahnlich wiister Szenen, 
wie sie sich wegen der Sprachenverordnungen 1897 in Prag abgespielt hatten 
(November 1904). 

Nicht erfreulicher als in Osterreich waren die Erfahrungen, die der Kaiser 
in Ungarn machte. Seine Hoffnung, die den Magyaren im Ausgleiche ge- 
machten grofien Zugestandnisse, zumal die ihnen zuliebe erfolgte Einftihrung 
des Dualismus, wiirden sie zufrieden stellen und in Ungarn endlich Ruhe und 
Frieden schaffen, erwies sich als schwere Tauschung. Ihr groBer Erfolg hatte 
sie nur noch anspruchsvoller gemacht. Bei weitem nicht zufrieden mit dem 
Erreichten, stellten sie immer neue Forderungen, deren Endziel die Trennung 
von Osterreich und die Personalunion war. Regierungs- und Oppositions- 
parteien waren darin eines Sinnes; nur die Mittel waren verschieden, mit denen 
sie es zu erreichen suchten. Da sie das Haupthindernis, das ihnen dabei im 
Wege stand, in der gemeinsamen Armee sahen, richtete sich ihr Sturmlauf 
vor allem gegen diese. Gerade die Armee aber war in den Augen F. J.s eine 
Einrichtung, die ihm mehr als jede andere ans Herz gewachsen war und an die 
er darum nicht riihren lassen wollte. Zwischen ihm und den Magyaren ent- 
wickelte sich daher ein iiberaus hartnackiges Ringen, das nahezu ein halbes 
Jahrhundert wahrte und ebenso wie der deutsch-tschechische Sprachenstreit 
erst durch den Weltkrieg seinen AbschluB finden sollte. 

Wahrend die Ungarn den »K6nig« einerseits mit Versicherungen ihrer »ho- 
magialen* Treue und sturmischem Jubel iiberschutteten, richteten sie anderer- 
seits im Parlament, in der Presse und im Theater gehassige und verletzende 
Angriffe gegen seine Person und sein Haus und demonstrierten bei jeder 
Gelegenheit gegen die gemeinsame Armee, gegen die kaiserliche Fahne und 
ganz besonders gegen die Kaiserhymne. Immer wieder tauchten »Affaren« auf, 
die das Einvernehmen zwischen dem Kaiser und Ungarn triibten. Nur zu- 
weilen verlor er die Geduld und gab den Magyaren seinen Unwillen deutlich 
kund. So in dem viel besprochenen Armeebefehl von Chlopy (16. September 
1903), in dem er vom Manoverfeld aus die Unantastbarkeit der Armee-Einheit 
mit scharf em Nachdrucke betonte ; so auch in der ebenf alls Auf sehen erregen- 
den »Funf-Minuten-Audienz« in der Wiener Hofburg, bei der er die Fiihrer 
der ungarischen Koalitionsparteien mit wenigen Worten abfertigte (23. Sep- 
tember 1905). Aber solche Momente der Energie blieben vereinzelt und ohne 
nachhaltige Wirkimg. Welch erstaunlicher Selbstiiberwindung und GroBmut 
F. J. den Magyaren gegeniiber fahig war, bewies er besonders durch seine 
Zustimmung zur feierlichen Heimbringung und Beisetzung der Gebeine des 
Rebellen R&k6czy; sowie ferner durch das Verbot, das »Gott erhalte« an- 
zustimmen, wenn er oder ein Mitglied seines Hauses in Ungarn offentlich er- 
schien. Die Magyaren gingen in ihrem Kampfe gegen die Armee schlieBlich so 
weit, daB sie dieser neun Jahre lang das gesetzliche Rekrutenkontingent ver- 
weigerten, bis endlich Tisza dem frevelhaften Spiele durch einen parlamen- 
tarischen Gewaltstreich ein Ende machte (4. Juni 191 2). — 

So unerfreulich sich die politischen Verhaltnisse im Innern der Monarchic, 
diesseits wie jenseits der Leitha, aber auch gestalteten, so boten die langen 



Franz Joseph 2 IS 

Friedensjahre der Regierung Kaiser F. J.s seinen Volkern doch reichlich Ge- 
legenheit zur Entwicklung von Handel und Wandel, von Kultur und Geistes- 
leben. GroBartige Bahn- und StraBenbauten, die Regulierung der Donau, die 
Entwicklung des Seeverkehrs auf der Adria, das Aufbliihen Bohmens zu einem 
erstklassigen Industrielande, der allgemeine Aufschwung Ungarns, namentlich 
Budapests, und nicht zuletzt die Entf altung Wiens, nach Auflassung der alten 
Basteien, zu einer der schonsten Stadte der Welt: all das, nicht zu reden von 
den zahllosen Wohlfahrtsanstalten, Schulgriindungen und Kunstbauten, ist 
mit der Regierung Kaiser F. J.s, wenngleich nur mittelbar, so doch unzertrenn- 
lich verbunden und laBt, von den politischen Ereignissen abgesehen, diese Zeit 
als die segensreichste erscheinen, die den habsburgischen Landern zuteil ge- 
worden ist. 

Das Jahr 1908 war fiir das Leben Kaiser F. J.s bedeutsam, schon deshalb, 
weil er darin die sechzigste Wiederkehr des Tages seiner Thronbesteigung feiern 
konnte; eine Regierungsdauer, die nur den wenigsten Herrschern beschieden 
gewesen ist. Dieses Ereignis gab Anlafi zu Feierlichkeiten und Ehrungen, dar- 
unter als glanzendste das Erscheinen Kaiser Wilhelms mit alien deutschen 
Bundesfiirsten in Schonbrunn. Einen diisteren und haBlichen Gegensatz zu 
diesen Huldigungen bildeten die schweren Studentenexzesse, die sich an den 
Universitaten von Wien, Graz und Prag abspielten und denen wiiste Pobel- 
exzesse in Laibach und Prag folgten; in Prag, wo sie sich gerade am Jubeltage 
selbst abspielten, nahmen sie einen so reichsfeindlichen und antidynastischen 
Charakter an, daB das Standrecht verhangt werden muBte. 

Bedeutsamer noch als diese bedenklichen Vorfalle waren zwei andere Er- 
eignisse dieses Jahres. Das eine, das sich in aller Stille vollzog, war der Besuch 
Konig Eduards in Ischl (12. August). Er bezweckte auBer dem Gliickwunsche 
zur Jubelfeier nichts Geringeres als die Abkehr Kaiser F. J.s von Deutschland. 
Das Angebot des Konigs war fraglos nicht gering, die Versuchung fiir den Kaiser 
daher groB ; nichtsdestoweniger wies er es zuriick. Die beiden Monarchen schie- 
den in offensichtlicher Verstimmung. 

Das zweite bedeutsame Ereignis dieses Jahres war die Erklarung der An- 
nexion Bosniens und der Herzegowina. Der Kaiser hatte sich hierzu ent- 
schlossen, weil der Umsturz in der Tiirkei und besonders die auf die Zertriim- 
merung der Monarchic hinzielenden groBserbischen Umtriebe eine Klarung 
der staatsrechtlich zweideutigen Stellung der okkupierten Gebiete erheischte. 
Obwohl durch die Umwandlung der Okkupation in die Annexion nur eine leere 
Form zerbrochen wurde, die langst keinen Inhalt mehr besaB ; obwohl nichts 
anderes geschehen war, als daB ein Provisorium in ein Definitivum verwandelt 
wurde, erhob sich im Ausland ein Sturm, als hatte die Monarchic den schlimm- 
sten politischen Raub begangen. Sie sah sich mit einem Mai einer feindlichen 
Phalanx gegenxiber, der alle anderen GroBmachte angehorten, ausgenommen 
Deutschland. Trotzdem war die militarische Situation fiir sie nicht ungiinstig, 
denn RuBland war, noch unter den Nachwehen des Krieges mit Japan tmd der 
Revolution leidend, auBerstande, einen Krieg zu fiihren; ItaUen und die West- 
machte aber waren nicht gewillt, das Wagnis eines Krieges ohne RuBland zu 
unternehmen. Der Chef des Generalstabs der k. u. k. Armee, General Conrad 
v. Hotzendorf , drangte darum, diese nie mehr wiederkehrende Gelegenheit zu 
benutzen, um mit Serbien endgiiltig abzurechnen und so die gefahrliche siid- 



2l6 1916 

slawische Frage zugunsten der Monarchic zu losen. Er legte dem Kaiser zu 
diesem Zweck eine Denkschrift vor, in der er warnend auf die iibermachtige 
Koalition verwies, mit der es Osterreich-Ungarn und Deutschland unfehlbar 
zu tun bekommen wurden, sobald die Ententestaaten, Italien und Serbien, 
vielleicht auch Rumanien, ihre Riistungen beendet hatten; eine Koalition, 
deren ungeheuren Machtmitteln die beiden Mittelmachte nicht gewachsen sein 
wurden. Vergebens. Der Kaiser wollte keinen Krieg . . . Als Serbien sich ohne 
Hilfe sah, trat es grollend den Riickzug an und gab die von der Monarchic ge- 
forderte Genugtuung ab. Osterreich-Ungarn hatte gegeniiber einer Welt von 
Feinden einen auBerlich glanzenden Erfolg errungen; aber niemand konnte 
daruber im unklaren sein, daB die Stunde der Entscheidung zwischen der 
Monarchic und Serbien nur hinausgeriickt war. 

Zwei Jahre spater (191 1), nach dem tjberfall Italiens auf Tripolis, trat Conrad 
abennals an den Kaiser heran und stellte ihm vor, daB man Italien unschadlich 
machen musse, da dieser vermeintliche Bundesgenosse nur auf den Moment 
laure, mit fremder Hilfe uber Osterreich-Ungarn herzuf alien. Wieder lehnte 
der Kaiser ab. 

Als im Jahre 1912 der Krieg auf dem Balkan ausbrach, riet Conrad zum 
drittenmal zum Krieg: die Monarchic diirfe nicht mtiBig zusehen, wie sich die 
L,age auf dem Balkan immer mehr zu ihren Ungunsten verschiebe ; es sei der 
letzte Augenblick, Serbiens Herr zu werden. Aber auch diesmal fand er beim 
Kaiser kein Gehor. 

Erst der Doppelmord in Sarajevo (28. Juni 1914), dem der Thronfolger und 
seine Gemahlin zum Opfer fielen, vermochte Kaiser F. J. zu scharfem Vor- 
gehen gegen Serbien, als den Herd dieser Verschworung, zu bewegen. Aber auch 
jetzt konnte er sich nur zogernd entschlieBen, zum Schwerte zu greifen. Die 
Ereignisse des daraufhin ausbrechenden Weltkrieges verfolgte er trotz seines 
hohen Alters mit groBer Aufmerksamkeit. Am 21. November 1916 entschlief 
er nach fast 68jahriger Regierung im 87. Jahre seines Lebens. 



Kaiser F. J. ist ein Auserwahlter des Ungliicks gewesen, als Mensch wie als 
Herrscher. In seinem engsten Familienkreise traf ihn schweres Schicksal: 
sein nachstaltester Bruder, Kaiser Max von Mexiko, wurde in Queretaro auf 
Befehl seines Rivalen Juarez erschossen (19. Juni 1867) ; sein einziger Sohn 
und Thronerbe, Kronprinz Rudolf, starb im JagdschloBe Mayerling eines noch 
nicht aufgeklarten gewaltsamen Todes (30. Januar 1889) ; seine Gemahlin, Kai- 
serin Elisabeth, wurde in Genf von dem Anarchisten Luccheni erdolcht (10. Sep- 
tember 1898) ; sein Neffe, der Thronfolger Franz Ferdinand, fiel der Kugel des 
groBserbischen Verschworers Princip zum Opfer (28. Juni 1914). 

Nicht gliicklicher denn als Mensch war er als Monarch. Zu f riih zur Herrschaf t 
berufen und hierdurch seiner Jugend beraubt, bestieg er einen Thron, der noch 
von dem Anprall der Revolutionsstiirme bcbte und den es gleich gegen zwei 
Feinde zu verteidigen gait, gegen Magyaren und Italiener. In der Folge muBte 
er zwei Kriege fiihren, 1859 und 1866, die er beide verlor und von denen 
jeder den Verlust einer reichen Provinz bedeutete, der zweite auch den seiner 
Stellung als deutscher Ftirst. Dazu wiiteten Zank und Hader unter den V61- 
kern und Parteien seines Reichs. 



Franz Joseph 217 

Ein anderer als F. J. ware unter einer so ungeheuren Ungluckslast zusammen- 
gebrochen. Er blieb aufrecht, denn ihm hatte das Schicksal als Gegengewicht 
eine wunderbare Elastizitat der Seele verliehen, die ihn immer wieder auf- 
richtete, mochte ihn ein Ungliicksschlag noch so schwer getroffen haben. 

An dem Ungliick, das ihn als Herrscher verfolgte, war er freilich selber nicht 
ohne Schuld. In seinen jiingeren Jahren war es vor allem sein Mangel an Men- 
schenkenntnis und Erfahrung, der ihn unsicher zwischen den Ratschlagen 
seiner Umgebung schwanken und manchen schweren MiBgriff begehen lieB. 
In seinem hoheren Alter aber war es ein menschlich zwar durchaus begreifliches, 
aber dem Herrscher unstatthaftes Ruhebediirfnis, das ihn den heikeln und 
wichtigen Problemen des Reichs aus dem Wege gehen, alle wichtigen Entschei- 
dungen hinausschieben lieB und ihn zu halben Maflnahmen zu bestimmen pflegte ; 
eine Politik, die niemand bitterer beklagte als derThronfolger Erzherzog Franz 
Ferdinand. Andererseits besaB Kaiser F. J. wieder manche wertvolle Herr- 
schereigenschaft. So war ihm eine ungemein rasche und sichere Orientierungs- 
fahigkeit eigen, gepaart mit einem ausgezeichneten, bis in sein hochstes Alter 
reichenden Gedachtnis. Seine ungewohnlichsten und fur ihn bezeichnendsten 
Herrschereigenschaften aber waren seine geradezu wunderbare Selbstiiberwin- 
dungskraft und Anpassungskunst, zwei Fahigkeiten, die in jener Elastizitat 
seiner Natur begriindet und nur durch sie moglich waren. Sie muBten um so 
hoher bewertet werden, als er — ein scheinbarer Widerspruch — ein sehr aus- 
gepragtes Selbstgefiihl und eine durchaus konservative Natur besaB, die zah 
am Altgewohnten, Hergebrachten hing und sich zu Neuerungen sonst nur 
schwer herbeilieB. Wenn er es aber im Interesse des Reichs — spater allerdings 
auch in dem seiner Ruhebediirftigkeit — fur notwendig hielt, so pflegte er 
seinen Stolz und seinen Konservativismus diesem Interesse unterzuordnen, 
mochte es ihm noch so schwer fallen. Wahrend seiner langen Regierung hat er 
dies oft genug bewiesen. Ein markantes Beispiel dafur war das Eingehen des 
Bundnisses mit Deutschland. Daraus etwa zu schlieBen, sein Stolz hatte die 
Wunde von Koniggratz verschmerzt und seine Abneigung gegen PreuBen hatte 
sich in Sympathie verwandelt, ware ein arger Irrtum. PreuBische Art ist ihm 
nach wie vor in tiefster Seele zuwider gewesen, und das laute, auffallige Ge- 
haben Kaiser Wilhelms II., das seiner diskreten, zuriickhaltenden Natur durch- 
aus entgegengesetzt war, hat sicher nichts beigetragen, diese Antipathie zu ver- 
ringern : aber er hielt das Biindnis mit Deutschland im Interesse seines Reichs 
fur niitzlich und schloB es, seine personlichen Gefiihle iiberwindend, nicht nur 
ab, sondern hielt daran, durch keine Versuchung beirrt, bis zu seinem Tode 
unerschiitterlich fest. Ahnlich verhalt es sich mit seinem Verhaltnis zu Italien. 
Er gab sich iiber die Gefiihle und Geliiste, die dort, Osterreich betreffend, 
herrschten, durchaus keinen Illusionen hin; dennoch ging er, in der Meinung, 
es gereiche der Monarchic zum Vorteile, das Biindnis mit diesem Staat ein und 
bewahrte, trotz aller Invektiven, der Irredenta gegeniiber kaltbliitigen Gleich- 
mut, um es nicht zu gefahrden. Ebenso stark, vielleicht noch starker, zeigte 
sich diese seltsame Seelenkunst F. J.s hinsichtlich Ungarns. DaB er in die 
Zweiteilung des Reichs gewilligt hatte, geschah keineswegs aus einseitiger Vor- 
liebe fiir die Magyaren, sondern nur deshalb, weil er die nationale Befriedigung 
dieses Volkes als eine unerlaBliche Notwendigkeit fiir den Bestand der Mon- 
archic ansah. 



2l8 1916 

Auf diese Eigenschaften F. J.s war audi die vornehme Grofimut zuriickzufiih- 
ren, mit der er iiber die Vergangenheit friiherer Gegner hinwegzusehen pflegte. 
So bei Andrdssy, der 1849 ^ Rebell in effigiz gehangt worden war und einige 
zwanzig Jahre spater der erste und einfluBreichste Minister der Monarchie 
wurde; so bei Kossuth dem Jtingeren, dem Sohne von Habsburgs schlimmstem 
Feinde, den er ebenfalls zu seinem Minister ernannte. Wenn F. J. auch kein 
bedeutender Staatsmann war, so war er doch unbestreitbar ein geborener 
Herrscher. Schon dem Jiingling, der den Thron bestieg, riihmten seine Zeit- 
genossen majestatisches Auftreten nach. Dieses MajestatsbewuBtsein, das sich. 
schon in seiner Haltung und seinem Gehaben auspragte und zwischen ihn und 
die iibrige Welt eine uniiberbriickbare Distanz legte, war die Eigenschaft, die 
sein Wesen am scharfsten kennzeichnete. Selbst seinen nachsten Verwandten 
gegenuber blieb er immer der Kaiser. Sein Bediirfnis, zeitweilig auch Mensch 
zu sein, hat sich aufier in gelegentlichen GroBvaterfreuden eigentlich nur auf 
den Verkehr mit seiner langjahrigen Freundin, der Burgtheaterschauspielerin 
Schratt, beschrankt. Trotzdem verstand er es mit meisterhaftem Takte, je nach 
Bedarf leutselig, giitig, liebenswiirdig zu sein. Nur wenn es sich urn den Dienst 
handelte, zumal um den militarischen, konnte er bisweilen heftig werden, so- 
bald sein scharf es Auge et was Ungehorigesentdeckte. Von seinen Untergebenen 
verlangte er strenge Pflichterfiillung und durfte es um so mehr, als er selber 
ihnen ein leuchtendes Beispiel der Gewissenhaftigkeit, Piinktlichkeit und Ar- 
beitslust gab. Fast sein ganzer Tag — und der begann im Sommer schon um vier, 
im Winter um fiinf Uhr — gehorte den Regierungsgeschaften. Die ihm vor- 
gelegten Akten erledigte er bis zu seinem Tode mit minuzioser Genauigkeit. 
Erholung suchte er nur auf der Jagd, der er, ein ausgezeichneter Schiitze, bis 
in sein hohes Alter mit Eifer ergeben war. Fur die schonen Kunste hatte er im 
allgemeinen nicht viel Interesse, ausgenommen die Malerei; Biicher spielten in 
seinem Leben keine grofle Rolle. 

In seiner personlichen Umgebung genoB er groBe Verehrung und Anhanglich- 
keit; in der groBen Offentlichkeit hatte er, urspriinglich sehr beliebt, durch die 
Wahl seiner Ratgeber MiBstimmung erweckt, namentlich zur Zeit des fiir all- 
machtig geltenden Generaladjutanten Grafen Griinne. Mit zunehmendem Alter 
jedoch gewann er die Sympathien der Bevolkerung wieder zuriick. Sein tragi- 
sches Geschick verlieh ihm in ihren Augen eine Martyreraureole. Seine Frie- 
densliebe und Pflichttreue, spater sein ehrwiirdiges Alter, seine Freigebigkeit, 
wenn es irgendwo zu helfen gait, und nicht zuletzt die langjahrige Gewohnheit 
machten ihn allmahlich wirklich volkstiimlich. 

AUes in allem genommen, war F. J. zwar keine bedeutende Individuality, 
aber eine sympathische, ehrwiirdige Personlichkeit, kein groBer Mann, aber 
der vollendete Typ eines groBen Herrn, 

Liter atur: Au£fenberg-Komar6w, Aus Osterreichs Hohe und Niedergang, Miinchen 
1921. — Feldmarschall Conrad, Aus raeiner Dienstzeit 1906 — 1918, Wien 1921/24, Bd. 1 
bis 4. — Ottokar Graf Czernin, Im Weltkrieg, Berlin 1919. — Heinrich Friedjung, Der 
Kampf um die Vorherrschaf t in Deutscbland 1859 — 1866, 9. Aufl., Stuttgart 191 2, 2 Bde. — 
Derselbe, Osterreich von 1848 — 1860, ebenda 191 2, — Derselbe, Der Krimkrieg und die 
osterreichische Politik, 2, Aufl., ebenda 191 1. — Derselbe, Historische Aufsatze, 1. und 
2. Aufl., ebenda 1919. — Josef Alexander Freiherr v. Helfert, Geschicbte Osterreichs vom 
Ausgange des Wiener Oktoberaufstandes 1848, III. Teil: Die Thronbesteigung des Kaisers 
F. J., Prag 1872. — General d. I. Josef Graf SUirgkh, Militarische und politische Erinne- 



Franz Joseph. Golsdorf 210 

rangen, Leipzig 1922. — Theodor v. Sosnosky, The Last of the Habsburgs,* Quarterly Review*, 
Januar 1921, London, Murray. — Derselbe Francis Joseph as Statesman, » Fortnightly Re- 
view «, JuLi 1920, London,Chupman& Hall. — » Neues Wiener Tagblattt vom 2. Dez. 1908 
und 22. November 1916. 

Wien. Th. Sosnosky. 

Golsdorf, Karl, Maschineningenieur, * in Wien am 8. Juni 1861, t in einem 
Sanatorium anf dem Semmering am 18. Marz 1916. — G. besuchte in seiner 
Vaterstadt ein Realgymnasium, eine Oberrealschule und, als ein Lieblings- 
schtiler Radingers, die Technische Hochschule. Nach der mit Auszeichnung ab- 
gelegten zweiten Staatspriifimg trat er 1884 als Werkstattenpraktikant in die 
Maschinenf abrik der Staats-Eisenbahn-Gesellschaft unter l^eitung Haswells ein, 
wurde 1885 dort Konstrukteur, 1889 Leiter der Montierungswerkstatte. 1891 
trat er als Ingenieuradjunkt zur damaligen Generaldirektion der k. k. Staats- 
bahnen iiber, wurde 1893 Ingenieur, 1894 Oberingenieur, 1896 Inspektor im 
k. k. Eisenbahnministerium, 1898 Baurat, 1903 Oberbaurat, 1904 stellver- 
tretender, 1906 selbstandiger loiter des Iyokomotiv- und Wagenbaudeparte- 
ments, 1910 Ernennimg zum k. k. Ministerialrat, endlich 1913 Verleihung des 
Titels eines k. k. Sektionschefs unter Ubertragung der Leittrng des Dienstes 
fitr den Bau der Lokomotiven, Wagen und mechanischen Einrichtungen f iir die 
Werkstatten imd Heizhauser des gesamten Staatsbahnnetzes. Aus dieser ver- 
antwortungsvollen, von selten gutem Erfolge gekronten Tatigkeit wurde G. 
friihzeitig durch den Tod weggerissen. 

Einen bestimmenden, sehr giinstigen Einflufi auf G.s Neigungen, Geistes- 
richtung tmd Werdegang hatte offenbar schon von Kindheit an das Vorbild 
seines berufsgleichen Vaters, des Hofrats I^ouis G., ausgeiibt, der, ein geborener 
Sachse, bei der Chemnitz — Riesaer Bahn begonnen hatte, i860 jedoch einem 
Ruf nach Osterreich gef olgt war tmd dort seine I/aufbahn als Maschinendirektor 
der Siidbahn abschloB. So zeigte schon bald nach Eintritt in die Praxis G. jun. 
ein ungewohnlich weitgehendes fachliches Wissen und Konnen, neben der Fahig- 
keit zu durchaus selbstandigem Denken und der seltenen Gabe, schwierige 
Aufgaben mit einfachen Mitteln zu losen. Bereits als Adjunkt machte er sich 
iiber eine brennende Tagesfrage her, die schon viel mechanischen Scharfsinn 
herausgefordert hatte, ohne bis dahin zu einer voll befriedigenden Losung ge- 
langt zu sein. Das war die damals aufgekommene Verbundlokomotive mit zwei- 
maliger Dampfdehnung in zwei ungleich groflen Zylindern, deren unstreitige 
Vorteile in Leistung und sparsamem Verbrauch durch das mangelhafte An- 
ziehen wett gemacht zu werden drohten. Im Gegensatz zu anderen, manchmal 
sehr vielteiligen Anfahrvorrichtungen hatte die nunmehr herauskommende 
G.sche an neuen Teilen gar nichts aufzuweisen, denn sie bestand, neben 
anders gewahlten Verhaltnissen des aufieren Triebwerks, lediglich in einigen 
Bohrungen, durch die dem Frischdampf in den kritischen Kurbelstellungen 
die jeweils vorteilhaftesten Wege gewiesen woirden. Dabei war der Erfolg ein 
vollkommener imd iiberraschender, indem er die Verbundwirkung auch fiir 
Lokomotiven brauchbar machte, die man vorher derNatur ihres Dienstes nach 
als dafiir ungeeignet angesehen hatte, namlich solche, die haufig und schwer 
anziehen mussen. Er hatte allein schon geniigt, um den Namen G. weit iiber 
die Grenzen des Heimatlandes hinauszutragen. 



220 I9i6 

Der zweite Haupttreffer G.s fiel einige Jahre spater, etwa zwischen 1897 und 
1900. Er betrifft die kurvenbewegliche Lokomotive mit vier, fiinf oder mehr 
gekuppelten Achsen fiir schweren Zug, namentlich fur Bergdienst, ein Bediirf nis 
ganz besonders fiir Osterreich. Wiedenim eine Aufgabe, an der sich, und zwar 
hier seit Jahrzehnten, auserlesene Konstrukteure meist ohne durchschlagenden 
Erfolg versucht hatten. G. brachte abermals eine Art Kolumbusei, indem er die 
Frage, und zwar fiir die Verhaltnisse unserer Hauptbahnen in durchaus hin- 
reichendem Grade, durch das hochst einfache und langst bekannte Mittel der 
Parallelverschiebbarkeit eines Teils der Achsen loste. Einen wichtigen Schritt 
vorwarts machte er dabei durch richtige Erf assung der im Werden begriffenen 
neueren Anschauungen iiber Kurvenlauf, die ihn zu einer weiteren, bis dahin 
unerkannt gewesenen Ausniitzung der Verschiebbarkeit fiihrten. Hierauf 
fufiend, baute er zahlreiche langgestreckte Vier- und Fiinfkuppler von ver- 
bliiffend einfachem und kiihnem Entwurf, die sich, entgegen fast allgemeinem 
Zweifel, voll bewahrten und sein Selbstvertrauen glanzend rechtfertigten. 
Namentlich der Fiinfkuppler »mit Golsdorf - Achsen « hat sich seitdem die Welt 
erobert ; heute laufen zahlreiche Sechskuppler. Er hat damit dem Gesichtspunkt 
gleichmafligerer Verteilung der Spurkranzdrucke zum Durchbruch verholfen, 
gleichzeitig aber, betreffs zulassiger Lange der Radbasis, mit eingewurzelten 
Vorurteilen gebrochen und den Fahrzeugentwurf von mancher unnotigen 
Fessel befreit. 

Fiir die k. k. Staatsbahnen hat G. etwa 25 ganz neue, seinen unverkennbaren 
Stempel tragende Typen entworfen und ausgefiihrt, von der Schnellzug- 
maschine bis zum schweren Sechskuppler, letzteren auch fiir gemischten Zahn- 
radbetrieb, ferner die ersten elektrischen Betriebsmittel. Keineswegs unbe- 
rticksichtigt blieb dabei die asthetische Seite, indem er sehr auf ein gefalliges 
Aufiere bedacht war. NaturgemaB zeitigte sein umfangreiches Arbeitsfeld da- 
neben zahlreiche Neuerungen an Einzelteilen, namentlich an Kesseln und 
Steuerungen wie auch an Tendern und Wagen. Nebenbei erwahnt sei die nicht 
geringe Arbeit, die von verstaatlichten Privatbahnen anfallenden Fahrparks 
systematisch zu ordnen. 

Nicht ausbleiben konnte es, daB auch andere osterreichische Bahnen die 
G.schen Typen fast unverandert annahmen, voran Golsdorf -Vater fiir die Siid- 
bahn. Und so haben wir den seltenen Fall, daB es den Erfolgen eines einzelnen 
Mannes binnen verhaltnismaBig kurzer Zeit gelang, dem Eisenbahnwesen seines 
Vaterlandes einen durchaus veranderten Anstrich zu verleihen. Dariiber noch 
hinaus ist er mit vielen seiner Ideen ins Ausland vorgedrungen, ja mit einigen 
bis in das sonst sehr exklusive angelsachsische Gebiet, das er mehrfach bereist 
hat. Von dort angeregt ist u. a. die fiir seine hervorragendste Schnellzugsloko- 
motive iiblich gewordene Typenbezeichnung » Adriatic «. Zur Hebung des An- 
sehens des deutschen Ingenieurstandes hat G. ungemein viel beigetragen. 

Vortreffliche Mithelfer zu G.s Erfolgen waren sein gliicklicher Charakter und 
seine personlichen Eigenschaften : schlichte Einfachheit, groBe Liebenswiirdig- 
keit und Gefalligkeit, glanzende Rednergabe mit auBerst lebhaftem, drastischem 
Vortrag und klarer, leicht verstandlicher Ausdrucksweise, riickhaltlose Offen- 
heit ohne jeden Hang zu eigenniitziger Geheimniskramerei. Und ganz be- 
sonders strengste Rechtlichkeit, die ihn z. B. in Fallen, in denen er auf friiher 
schon von anderen ausgesprochene Gedanken zuriickgegriffen hatte, peinlich 



Golsdorf. Hansjakob 221 

darauf achten liefl, daB die altere f remde Urheberschaft immer wieder namhaft 
gemacht wurde, trotzdem das Verdienst urn den praktischen Erfolg zweifellos 
ihm selbst in weit hoherem Grade zukam. Daher erfreute sich G. unter den 
Fachgenossen eines Ansehens und einer personlichen Beliebtheit von seltenem 
Umfange. 

Literarisch beteiligt hat sich G. an den Sammelwerken: »Geschichte des 
Eisenbahnwesens der osterr.-ung. Monarchies Wien 1908. »Enzyklopadie des 
gesamten Eisenbahnwesens «, Wien 1890 und 1912 ff. »Eisenbahntechnik der 
Gegenwart«, versch. Aufl., Wiesbaden ab 1897. 

Der Schwerpunkt lag bei ihm im miindlichen Vortrag, und das Feld dieser 
Betatigung waren die verschiedenen techn. Ausschiisse des Vereins Deutscher 
Eisenbahnverwaltungen und des Internationalen Verbandes fur technische 
Einheit. Eminent war sein historisches Wissen betreffs der Entwicklungs- 
geschichte der Lokomotive. — 

Aufiere Ehrungen: Ritterkreuz des Franz- Joseph-Ordens. PreuB. Roter- 
Adler-Orden II. Klasse. Komturkreuz des Schwedischen Wasa-Ordens, sowie 
des Danischen Danebrog-Ordens. Offizierskreuz vom Roten Kreuz mit 
Kriegsdekoration. Ruf an die techn. Hochschule Wien, statt dessen er jedoch 
die Wahl in die Staatspriifungskommission annahm. Mitglied des Preisaus- 
schusses des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen. Ehrendoktor der 
technischen Hochschule Hannover, welche Auszeichnung ihm eine besonders 
liebe war. 

Literatur: Organ f. d. Fortschr. d. Eisenbahnw., 1916, 184. — » Zeitschr. d. V. D. J.,« 
19*6, 396. — Glasers Annalen 1916, I, 201. — Fachzeitschrift » Die Lokomotive t, Wien, 
1 916, 69. — » Schweizerische Bauzeitung*. 1916, I, 301. — Die von G. hinterlassene 
Sammlung, bestehend aus rund 1600 Biichern und Schriften, ungefahr ebensoviel Zeich- 
nungen und iiber 5000 Lichtbildern, ist dem Deutschen Museum in Miinchen iiberwiesen. 

Miinchen. R. v. Helmholtz. 

Hansjakob, Heinrich, Dr. phil. Stadtpfarrer, * 19. August 1837 zu Haslach 
im Kinzigtal, f am 23. Juni 1916 ebendort. — Urspriinglich zum Gewerbe des 
Vaters — Backer — bestimmt, kommt der Fiinfzehnjahrige nach Durchlaufen 
der heimatlichen Volksschule auf das Gymnasium Rastatt. 1857 nimmt der 
Rastatter Absolvent, ohne innere Neigung zunachst, in Freiburg das Theologie- 
studium in Verbindung mit dem der Philologie auf, wird 1863 zum Priester 
geweiht und 1864 in Donaueschingen als Gymnasiallehrer angestellt, 1865 als 
Vorstand der Biirgerschule in Waldshut. Konflikte mit dem Ministerium 
zwingen ihn 1869 zum Ausscheiden aus dem Schuldienst, immer mehr wachst 
er gleichzeitig hinein in die kirchenpolitischen Kampfe der endenden sechziger 
Jahre, die ihn seit 1871 im Landtag in der ersten Reihe der katholischen Partei 
erscheinen lassen. Zweimal ist der Pfarrer von Hagnau am Bodensee — seit 
1869 hatte er die dortige Pfarrei inne — dabei mit dem Staatsanw f alt in Kon- 
flikt gekommen und hat seine Angriffe auf die Regierung mit Festung (1869 
in Rastatt) und Gefangnis (1872 in Radolfzell) gebiiflt. 1881 scheidet er in 
vollem Zwiespalt mit der Fraktion aus dem Landtag aus, eine Folge innerer 
Wandlungen, besonders langerer Reisen in Frankreich, Holland und Italien. 
Seit 1884 Stadtpfarrer an St. Martin in Freiburg i. B., lebte H. ganz der 
Schriftstellerei, nur durch gelegentliche Reisen sein stilles Leben unter- 



222 I9i6 

brechend, das der 1913 aus dem Amt Geschiedene in der alten Heimat iin 
selbsterbauten »Freihof « beschlofl. 

H.s geistige Erscheinung ist gekennzeichnet durch eine unbedingte Problem- 
losigkeit und naive Sicherheit. Sein ganzes Werk ist klarer Spiegel seiner Per- 
sonlichkeit, und auch sein geistiger Entwicklungsgang vollzieht sich ohne 
tiefere Problematik. Personlichkeitsbildung und geistige Entwicklung scheinen 
sich bei ihm unter dem Gesetz des Widerspruchs gegen die Umwelt zu voll- 
ziehen. Schon der Absolvent des Rastatter Gymnasiums zeigt die Ziige des 
spateren H. Nicht aus innerem Beruf und aus lebendiger Religiositat heraus 
wendet er sich dem theologischen Studium zu, nur aus Opposition gegen die 
Umwelt. Ungemein reizvoll die Psychologie des Studenten, der noch als reifes 
Theologensemester keinen klaren Gottesbegriff hat, kein Gefiihl fur eine kirch- 
lich formierte Religiositat: wie er nun mahlich hineinwachst in Religion und 
Kirche, wobei das eigentliche Movens ein lebhaftes Traditionsgefiihl bildet. 
Und Inhalt dieses Traditionsgefiihls ist wesentlich das geistige und religiose 
Milieu des Kinzigtalers der vierziger Jahre. Da lebt und pulsiert noch imraer 
ein gut Stuck von dem aufgeklarten Katholizismus des 18. Jahrhunderts, der 
einen historisch-juristisch formulierten Kirchenbegriff rundweg negiert, eine 
handfeste Einstellung auf das Praktische und Zweckhafte. Und sie flieBt zu- 
sammen mit einem Bauerntrotz und einem demokratischen Bewufltsein, das 
nicht immer frei von Ressentiment bleibt. Der junge H. hat mit Stolz seinen 
Heckerhut getragen ; die Sturmtage der roten Revolution von 1849 in Baden 
form ten bestimmend sein politisches Bewufitsein. Ein Bejahen alles Kraftigen, 
Urtiimlichen und Formverneinenden, eine Sympathie fur alles Revolutionare, 
das er mit dem Volkshaften gleichsetzte, bildet sich bereits im jungen H. durch. 
Seine geistige Entwicklungsgeschichte hat er selbst riickschauend gezeichnet 
in »Aus meiner Jugendzeit« und »Aus meiner Studentenzeit«. Sie ist typisch 
fiir die Bildungsgeschichte der siidwestdeutschen Intelligenz der sechziger und 
siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts. H. glitt so hinein ins Priestertum; ja 
es scheint, als hatte er es politisch erfaflt, wenn man den jungen Gymnasial- 
lehrer in Waldshut und den Pfarrer von Hagnau im badischen Kulturkampf 
in vorderster Reihe der Kampfer sieht. Aber was hier in ihm reagiert, scheint 
neben einem Gefiihl verletzter Religiositat vorab der demokratische Instinkt 
zu sein, die Opposition gegen den bureaukratischen Staat, dazu noch ein 
gewisser Unterton von personlichem Ressentiment gegen die Regierung, die 
ihn aus seinem Sehnen und Planen einer aufwarts fuhrenden Gymnasial- 
lehrerbahn geworfen hatte. So hat er denn in der Gluthitze des Kampfes die 
Front verlassen und seinen Frieden mit dem Staat geschlossen, aufierlich 
wenigstens. Um den Pfarrer und Katholiken H. blieb es immer ein eigen 
Ding. Er vermochte sich nicht einzuordnen in das feste, stramme Geftige 
einer hierarchisch gegliederten Kirche, er rieb sich immer an der Hierarchic 
Auch seine Religiositat erscheint durchaus subjektiv in ihrer Haltung. Nie 
hat er sie zu objektivieren vermocht, so wenig er etwa am Dogma riittelte, das 
er vielmehr nach seinem Inhalt voll in den Umkreis seines personlichen 
Denkens rezipierte. Darum blieb immer ein starkes Residuum katholischer 
Religiositat in der Formung des 18. Jahrhunderts bei ihm bestehen, wenn 
er auch an ihr und gerade an ihrem typischen Reprasentanten, Ignaz v. Wessen- 
berg, die dogmatische Bindung vermiflte und ihn deshalb ablehnte, aber 



Hans jakob 223 

mit der bezeichnenden Restriktion: »Obwohl ich sicherlich, so ich damals 
Pfarrer gewesen, selber zu seinen aufrichtigsten Anhangern gezahlt haben 
wiirde. m H.s Denken war bei alledem zu stark durch ein reiches Gefiihlsleben 
und eine gute Dosis von — immerhin mannlicher — Empfindsamkeit getragen, 
als daB es zu einer rationalen Durchbildung und klaren logischen Systematik 
seiner Weltanschauung gekommen ware. Eine ausgesprochene Abneigung 
gegen alle Philosophic beherrscht ihn zeitlebens. Nur Schopenhauer hat er 
leiden mogen als den Philosophen des Pessimismus und der Galligkeit. Immer 
starker klingt durch alle AuBerungen H.s der Mollton, immer seltener unter- 
brochen durch einen Dur-Klang sonniger Heiterkeit und frohen GenieBens. 
Seiner Resignation, zu der er friihe kommt, wohnt nichts von Milde inne, son- 
dern Galligkeit und Scharfe. 

Es gibt selten Personlichkeiten vom Typus H.s, mit all seiner Eckigkeit 
und Scharfe, deren Werk so vollkommen Spiegel der Personlichkeit und ihrer 
Struktur ist. Da zeichnet sich Denken, Fiihlen und Werden klar ab, alles 
was bestimmend war und ist fur die Personlichkeit. Der weite Gesichtskreis 
eines aufmerksamenBeobachters der wirtschaftlichen, politischen und geistigen 
Entwicklung der 7oer, 8oer und goer Jahre tut sich auf , eines Beobachters, der 
zutiefst im Heimatlichen und Irrationalen verwurzelt ist und dem Heimat, 
Geschichte, Volk und Natur ein groBer, einheitlicher Organismus sind. Und 
iiberall spiegelt sich sein Ich, ob es nun die gewaltigen Impressionen italienischer 
Landschaft und Architektur aufnimmt oder sich im jubilierenden Rokoko 
osterreichischer Donaukloster verliert. Uberall drangt das Ich vor, selbst in der 
objektivenSchilderungbiderberSchwarzwalderKraftgestalten. H.s Werk steht 
weitab von jeder asthetischen Intension, von jedem ktinstlerischen Formwillen. 
Legt man hier asthetische Kategorien an, so vergewaltigt man in Verkennung 
des Grundcharakters dieses Iyebenswerk. Es empfangt Leben und Wert nur 
aus der Personlichkeit seines Schopfers, der bewuBt jeder Form einen FuBtritt 
gab, ist Ausdruck einer originellen, ganzen Personlichkeit, zu deren Wesenheit 
Reflexion und Rasonnement gehoren. Aus dem Personlichkeitsbild H.s resul- 
tieren die besonderen Gattungen seines Werkes. Unbedingtes Reflektieren und 
I^eben im HeimatmaBigen sind die Hauptzuge. Und Heimat bedeutet eine ab- 
solute Verbundenheit des Ich mit Umwelt, Familie und Volk und Geschichte. 
So nehmen denn den breitesten Raum die eigentlichen Ich-Biicher ein : Biicher 
vom eigenen Werden und Erleben. Voran stehen die beiden autobiographischen 
Bande: »Aus meiner Jugendzeit« 1880, »Aus meiner Studentenzeit« 1885, beide 
riickblickend, eine recht schonungslose Lebenschronik. Schon seit 1870 eine 
iiberlange Reihe von Tagebtichern, die liickenlos die innere Entwicklung ver- 
folgen lassen: Das erste »Auf der Festung« 1870, schildert die Rastatter Haft 
von 1869; dann ^Im Gefangnis« 1873 die tlberlinger Gefangnistage. Von seiner 
Abgeordnetentatigkeit berichtet »In der Residenz«, zugleich eine wichtige 
Quelle f iir den Historiker des politischen Katholizismus in Baden. Der Hagnauer 
Pfarrherr erscheint im » Hagnauer Tagebuch« (Band 2 der »Diirren Blatter «). 
Die innere Weiterentwicklung, stark im Zeichen nervoser Krankheit sich voll- 
ziehend, zeichnet sich ab in »Aus kranken Tagen« 1895, »Im Paradies« 1897, sie 
lauft aus in Pessimismus und Resignation mit einem Unterton von Sentimen- 
talitat. Zeuge dessen: »Abendlauten« 1899/1900, »In der Kartause« 1900, 
»Stille Stunden« 1903, »Mein Grab« 1905, »AUerseelentage« 1912 mit der Replik 



224 lgl6 

»AUerlei Leute und allerlei Gedanken« 1913. In diisterster Farbe schliefit die 
Reihe mit dem nachgelassenen »Feierabend«. Ihre organische Erganzung finden 
die Tagebiicher in der Reihe der Reiseerinnerungen, von den Erinnerungen aus 
der Frankreich-Reise von 1874 iiber die Italien-Reise zu den vielen Fahrten 
durch den deutschen Siiden und durch die Schweiz: »In Italien« 1877, »In den 
Niederlanden« 1880, »VerlasseneWege« 1901 (eine Wagenreise durch Schwaben), 
al^etzte Fahrten « 1902 (Fahrten durch Oberosterreich : Linz, St. Florian usf.), 
»Sommerfahrten« 1904 (Wagenfahrten imOdenwald), »Alpenrosen mitDornen* 
1905 (eine Schweizerfahrt) und »Sonnige Tage« 1906 (eine langwochige Wagen- 
fahrt die Donau hinab nach Passau und zuriick im Alpenvorland zum Boden- 
see). Ihr Wert liegt weniger im Sachlichen — mag auch die Sachschilderung 
einen breiten Raum einnehmen — als in der originellen Spiegelung der H.schen 
Personlichkeit im fremden Milieu, also durchaus im Subjektiven. Das Schema 
dieser Reiseerinnerungen bleibt absolut konstant. Sie sind vielfach schwerfallig, 
in ihrer Form oftmals arg salopp. 

Die eigentliche Welt der H.schen Personlichkeit aber ist die Heimat, als Volk, 
als Familie, als Geschichte. Im Heimatlichen liegt die Summe aller ethischen 
Bindungen, die diese eigenwillige Personlichkeit ertragt trotz alles Individua- 
lismus, trotz aller Reibungen mit Hierarchie und Kirche. H. fiihlt in der eigenen 
Personlichkeit die iiberindividuelle Gemeinschaft der Familie und ihrer Ge- 
schichte sich erfiillen. Seine Familiengeschichte hat er erzahlt in »Meine Ma- 
donna « 1902 fur die Familie vaterlicherseits und in den ^Erinnerungen einer 
alten Schwarzwalderin« 1898 fiir den miitterlichen Zweig. Vererbungslehre, 
Lombrososche Theorie, Geschichte und Poesie urwiichsiger Art mischen sich 
darin. Von der Familie weitet sich der Kreis zum Volk. In ihmsieht derDemokrat 
H. alle Individuality, alle ungebrochene Kraft, alles Ethos und alle Urspriing- 
lichkeit. Immer wieder hat er es geschildert. Und was ihm hier unter seiner 
abschildernden Hand erwachst, weit jenseits alles asthetischen Wollens imd 
aller »Heimatkunst«, ist eben in seinem Fehlen jeglicher kiinstlerischen Praten- 
sion etwas absolut Kunstlerisches. Farbe, feine Psychologie und scharfer Blick 
fiir alles Typische des heimatlichen Menschentumes zeichnet alle seine Waldler- 
portrats aus, die da erschienen in »Wilde Kirschen« 1883, »Schneeballen« 1892, 
»Bauernblut« 1896, »Waldleute« 1897 und »Erzbauern« 1898. Sie sind als Gat- 
tung in der Literatur des endenden 19. Jahrhunderts etwas Singulares. Der 
bewuflte kiinstlerische Zweck der »Heimatkunst« seit Gotthelf und seit Auer- 
bach fehlt ihnen und sie gehen doch auch wieder weiter ins Dichterische 
als W. H. Riehls klassische Schilderung des bayrischen und pfalzischen Volks- 
tums. H.s reges geschichtliches Interesse gehort wesenhaft zu seinem Heimat- 
gefiihl. Des ofteren hat er sich mit der Geschichte seiner Heimat in wissenschaf t- 
licher Arbeit beschaf tigt ; zweimal hat er in der Form der Erzahlung die Heimat- 
geschichte lebendig werden lassen: im »Leutnant von Hasle« 1895, einer Er- 
zahlung aus dem Dreifligjahrigen Krieg, die durchaus tatsachenmaflig fundiert 
ist, und im »Steinernen Mann von Hasle« 1897, einem Stiick mittelalterlichen 
Heimatlebens. 

Und auch in der Umwelt lebt fiir H. alles, da gibt es nichts Totes, zu jedem 
Ding steht er in lebendiger Beziehung, alles spricht zu ihm : der alte Zylinderhut, 
der seine Schicksale preisgibt in den » Erinnerungen eines alten Hutes* 1882; 
der Birkenreisigbesen, der seine Leiden klagt in » Aus dem Leben eines Ungluck- 



Hansjakob. Kinau 225 

lichen « 1900; der Schimmel aus »Aus dem Leben eines Gliicklichen<( 1901; der 
Granitfels vom Schwarzwaldberg, der Schotter wird, in » Aus dem Leben eines 
Vielgepriiften* 1903; der Sparherd in »Aus dem Leben eines treuen Haus- 
genossen* 1908 und endlich, etwas abstrakt anmutend, das Gold axis seiner 
Goldplombe in »Aus dem Leben eines Vielgeliebten« 1909. Aber das Beherr- 
schende im Werke H.s bleibt immer das Egozentrische, mag sein Ich nun in 
noch so vielen Bindungen von Tradition oder sozialem Umkreis stecken. Per- 
sonlichkeit und Werk, Lebensentwicklnng nnd Schicksal H.s sind typisch fur 
die deutsche Entwicklung im neuen Reiche. Sie bedeuten eine unaufhorliche 
Auseinandersetztmg des schollegebundenen, heimatverwachsenen vmd tradi- 
tionsgesattigten Menschentums im deutschen Stidwesten mit der hochkapita- 
listischen Entwicklung seit der Reichsgriindung und all ihren Kulturerschei- 
nungen. Kaum eine der grofien politischen und kulturellen Fragen, die im Ge- 
folge und als Symptom dieser Entwicklung erscheinen, klingt bei H. nicht an. 
Oft ist es die Scharfsicht des instinktiven Hasses, die trotz aller Ungerechtig- 
keit in der Beurteilung und Bewerttmg wirklicher Kulturleistungen dennoch 
das entscheidende und letztlich auflosende Element in unserem Kulturleben 
erfaflt. Oft erscheint alles, was er vorbringt, ungeistig, grob und unsachlich, 
aber die ganze Atmosphare von geistigen Spannungen, die ganze Luft von 
Pessimismus imd Resignation spiegelt doch erstaunlich scharf die Stufen des 
Kampfes zwischen hochkapitalistischem Wirtschaftsgeist und bodenstandigem 
Volkstum. H. ist hier bewuBter Reaktionar; die Kampfstellung verleitet ihn zu 
absoluter Uberschatzung alles Individuellen und Urtumlichen, ja er stempelt 
mitunter Dinge zum Volkstiimlichen und Kernhaften, die nur den Vorzug der 
Drastik und des Kraftgefiihls haben. Seine Bedeutung liegt in der Tatsache, 
daB er ein Exponent des Schwarzwalder — wenn nicht des siidwestdeutschen — 
Volkstumes in seinem Kampf gegen den alles verzweckmafiigenden, versach- 
lichenden und entwurzelnden Industrialismus ist. 

Literatur: An Ausgaben der H.schen Schriften liegen vor: Ausgewahlte Schriften in 
10 Banden, Stuttgart; Ausgewahlte Erzahlungen in 5 Banden, ebendort, und Reiseerinne- 
rungen, 5 Bande, ebendort. Ein Verzeichnis samtlicher H.scher Schriften und Arbeiten, 
auch der wissenschaftlichen und der Predigtsammlungen, in der Biographie: Oswald Floek, 
H. H. f Karlsruhe 1923, die auch die sehr unbedeutende vorhandene Literatur iiber H. 
verzeichnet. 

Miinchen. Clemens Bauer. 

Kinau, Johann (Schriftstellername Gorch Fock), Dichter, * in Finkenwarder 
am 22. August 1880, gefallen in der Schlacht am Skagerrak am 31. Mai 1916. — 
Johann K. war als der alteste Sohn des Hochseefischers Heinrich K. und seiner 
Frau, Metta, geb. Hoist, auf dem hamburgischen Teile der Elbinsel Finken- 
warder geboren. Hier auf der Nordwestspitze der Insel, wo der trotzig vor- 
springende Hof des Neflbauern die lange Zeile der am Seedeich entlang ge- 
lagerten Hauser der Seefischer abschlieBt, verlebte der Knabe eine frohe, un- 
gebundene Jugendzeit. Seefischerei und Bauernbetrieb, die beiden maBgeben- 
den Lebensformen der kleinen Insel, haben ihn beide von vornherein stark 
beeinflufit; daher sein Schriftstellername: »Georg an'n Ploog und Fock an't 
Ruer — Gorch Fock is Fischermann un Buer« (Tagebuch). Er besuchte die 
Wester-Volksschule der Insel und gait, wie seine jungeren Briider, als ein 
dbj 15 



226 I9i6 

Musterschiiler. Gern ware er ebenf alls Seefischer geworden, aber die Eltern 
wollten axis dem begabten Knaben gern etwas Besseres machen, zumal die 
Zeiten bereits damals anfingen, fur die Seefischerei ungiinstiger zu werden. 
So wurde er nach seiner Konfirmation als Lehrling in das Kolonialwarenge- 
schaft seines Onkels August K. in Geestemunde getan, das er nach fiinf Mo- 
naten, als die Firma erlosch, mit dem Schiffsausriistungsgeschaft von Friedrich 
Marquardt ebendort vertauschte. Seine erste Gehilfenstelle bekara er am 
i. April 1889 in dem Speditionsgeschaft von Julius Scharbau & Co. Nach- 
folger in Bremerhaven, wo er bis zum 15. Februar 1899 blieb. Diese I^ehrjahre 
in Geestemunde stehen ihm spater als eine schwere, harte und niichterne Zeit 
in der Erinnerung. Mit eisernem FleiBe begann er schon damals, die Liicken 
seiner Bildung durch private Lekttire und Selbstunterricht auszufiillen ; in der 
Bremerhavener Handelsschule machte er damals den auf drei Winterhalbjahre 
berechneten Lehrgang in einem durch. Erst in Meiningen, wo K. anderthalb 
Jahre als zweiter Buchhalter tmd Korrespondent in der WarengroBhandlung 
von J. C. Drefiler tatig war, begann sich sein angeborener Optimismus siegreich 
durchzusetzen. Die Wanderungen in der schonen Umgegend, der angeregte ge- 
sellige und literarische Verkehr mit gleichgerichteten Beruf sgenossen, vor allem 
aber die iiberwaltigenden Eindriicke des Meininger Hoftheaters steigerten sein 
Iyebensgefiihl gewaltig, lieBen seiner Phantasie die Fliigel wachsen. Seine ersten 
(nicht erhaltenen) dichterischen Versuche stammen aus dieser Zeit. Auch der 
drei »kostlichen Jahre« in der alten Salzstadt Halle (Oktober 1901 bis Sep- 
tember 1904; vorher ein Jahr in Bremen) gedenkt er spater gern, sie vollendeten 
»an mir und in mir, was Meiningen begonnen hatte «. Zum Oktober 1904 kehrte 
er nach Hamburg zuriick, war hier zunachst 2 l / A Jahre Abteilungsvorsteher bei 
der Zentraleinkaufsgesellschaft deutscher Kolonialwarenhandler, bis es ihm 
endlich gluckte, zum 1. Januar 1907 die ersehnte Stellung als Buchhalter an der 
Hamburg-Amerika-Iyinie zu erhalten. Am 26. Januar 1908 verheiratete er sich 
mit Rosa Elisabeth Reich; aus der Ehe sind zwei Kinder entsprossen. 

Gorch Focks groBes Erlebnis, von dem seine dichterischen Werke zunachst 
fast ausschlieBlich zehren, ist seine gluckliche, harmonische Jugend auf dem 
heimatlichen Finkenwarder. Wie der Mehrzahl der groBen neuplattdeutschen 
Erzahler ist ihm aus der Sehnsucht nach der entschwundenen Jugend seine 
Dichtung emporge wachsen. Es war die Zeit der Hochbliite der Finkenwarder 
Seefischerei gewesen, die der junge K. miterlebt hatte. Als er 1904 nach Ham- 
burg zuriickkehrte, war das Schicksal der Finkenwarder Fischerei entschieden, 
der wachsende Welthafen Hamburgs schickte sich an, die Insel in sein Getriebe 
hineinzuziehen. Es hatte den Dichter bis ins Herz getroffen, als Anfang 1908 
auch der alte vaterliche Ewer abgewrackt werden muBte. Trotzdem hat er sich 
lange dagegen gestraubt, die Unerbittlichkeit dieses Geschehens anzuerkennen. 
Je mehr von den alten Verhaltnissen auf der Insel abbrockelte, desto leiden- 
schaftlicher hielt er in seiner Phantasie und seiner Dichtung das strahlende 
Bild seiner Jugend fest. Dabei trat jetzt die Welt der Seefischer beherrschend 
in den Vordergrund, wahrend das Finkenwarder Bauerntum fortan ganz ver- 
blaBte. Der ausschlieBliche Held wird jetzt der junge Finkenwarder Seefischer 
mit seiner schonen »Furchtlosigkeit, dem Vertrauen auf die eigene Kraft, der 
Freude am Sturm*; mit seinen Augen sieht der Dichter jetzt die ganze Welt. 
Gegeniiber Finkenwarder tritt Hamburg auffallend zuriick, zumal das Ham- 



Kinau 227 

burger Kaufmannsleben. Was der Dichter an Hamburg liebt, ist ausschlieBlich 
der Hafen mit seinem ruhelosen Leben und Treiben, seinen Originalen. 

Von 1907 ab konnen wir die ersten gedruckten kleineren Arbeiten K.s nach- 
weisen, kleine Skizzen aus dem Fischer- oder Kaufmannsleben (die alteste, 
nach Hinrich Wriedes Zeugnis, »Gestorben an Land «, jetzt »Nordsee« S. 144 ff .) . 
Sie erschienen teils in der »Neuen Hamburger Zeitung«, teils in den Blattern 
des Vereins fiir Handlungskommis von 1858, zwei der besten las K. am 1. Ok- 
tober 1907 im Hamburger »Quickborn« vor (»Eggert Eggert«, jetzt »Nordsee« 
S. 121 ff., und »Wat Hein Six in'n Heben keem«, die Urgestalt des kostlichen 
Schwanks). Von all diesen Arbeiten ist nur der »Hein SaB« in den ersten schtna- 
len Band aufgenommen worden, den K. 1910 auf das Drangen seiner Hamburger 
Freunde unter dem eigenwilligen Titel: »Schullengrieper und Tungenknieper« 
erscheinen lieB. Von den 8 Erzahlungen des Bandes sind 6 hochdeutsch ; mit 
ihrem starken Pathos, ihren gewaltsamen Bildern, ihrer iibermaBigen Ein- 
streuung niederdeutscher Worter und Wendungen in den hochdeutschen Text 
charakterisieren sie sich durchaus als Anfangerstiicke. Als niederdeutscher 
Dichter dagegen hat K. schon damals mit dem »Hein SaB« die Meisterschaft 
erreicht. Mit einem wandernden Schwankmotiv verkniipft, erscheint hier das 
Thema »Finkenwarder« bereits voll angeschlagen ; zugleich ist dem Dichter 
selten wieder wie hier die naive Vermenschlichung auch des Heiligsten und Er- 
habensten in einem sonnigen Humor gelungen. Weit grobkorniger ist der Humor 
des 1912 erschienenen »Hein Godenwind«, jener barocken Verhamburgerung 
des Brinckmanschen Kasper Ohm. Sie teilt mit ihrer Vorlage die lockere Kom- 
position; auch der »Admirol von Muskitonien« kommt nicht iiber die Nordsee 
hinaus, aber im ganzen bleibt K. hier doch mehr als Brinckman in den nie- 
deren Spharen des Hafenlebens hangen. Dennoch ist wohl das geschaftige Leben 
und Treiben des Hamburger Hafens und der Niederelbe nie zuvor so mit ham- 
burgischen Augen gesehen worden wie in diesem komischen Heldenroman K.s. 

Mit dem groBen Roman: »Seefahrt ist not!«, der in den Sommermonaten 
1912 entstand, hat K. sein bedeutendstes und reifstes Werk geschaffen. Hier 
hatten seine Traume Gestalt gewonnen, dieses strahlende Abbild des alten 
Finken warders gehort zu den schonsten Schilderungen, die deutsche Heimat- 
kunst hervorgebracht hat. Dabei ist der Aufbau einfach und geschlossen, die 
Steigerung bis zum Untergange des Helden gut gelungen und der sonnige Aus- 
blick am SchluB ganz im Sinne des Dichters. Der Dialog ist im unverfalschten 
Finkenwarder Niederdeutsch abgef aBt ; seine urspriingliche Absicht, das ganze 
Werk niederdeutsch zu schreiben, hat K. mit Riicksicht auf seine hochdeutschen 
Leser aufgegeben, dafiir aber auch hier mit niederdeutschen Lehnwortern und 
Wendungen nicht gekargt. 

Es ist K. nicht beschieden gewesen, noch ein zweites, der »Seefahrt« eben- 
biirtiges episches Werk zu schaffen, so viele Entwiirfe er auch, wie uns seine 
Tagebiicher ausweisen, noch mit sich herumtrug. Weder der groBe Roman, den 
seine norwegische Reise im Sommer 1913 in ihm angeregt hatte und iiber den 
er in einem Brief an Aline BuBmann vom Februar 1914 ausfuhrlich berichtet 
(»Sterne iiberm Meer« S. 33 ff.), noch die verschiedenen Entwiirfe eines groBen 
Kriegsbuches, dem ein lustiges Flottenbuch zur Seite gehen sollte, sind zur 
Vollendung gelangt. Die kleineren Erzahlungen aus den Jahren 1913 bis 1915 
hat K. selbst noch in zwei recht verschiedenartigen Banden gesammelt : die 



228 I9i6 

»Hamborger Janmooten« (1914) setzen die L,inie des »Hein Godenwind« fort, 
es sind meist flott erzahlte Schnurren, samtlich niederdeutsch, nur wenige iiber 
das Niveau der »Lauschen« sich erhebend. Ganz anders die »Fahrensleute« von 
1915; hier haben wir durchweg ernste Charakterstudien, von den 14 Stiicken 
sind nur 2 niederdeutsch. Gewohnlich steht ein einzelner Charakter im Mittel- 
punkt, eine wehmiitige Melancholie beherrscht selbst die einzige Humoreske 
<ies Bandes. Verrieten es uns nicht schon die beiden ganz personlichen Stiicke 
am Anf ang und am Ende der »Fahrensleute«, wir wiirden es fiihlen : der Dichter 
ist ein anderer geworden. Selbst seine stolze Zuversicht droht vor der harten 
Wirklichkeit zu schwinden, es ist neblige, kalte Herbststimmung urn ihn. Weh- 
miitig nimmt er Abschied von dem alten Ewer, dem Sinnbild seiner Jugend. 
Sich selbst sieht der Dichter am Scheidewege stehen : soil er der Dichter der 
Seefischer und der Waterkant bleiben oder soil er ganz neue Bahnen ein- 
schlagen? In der Eingangserzahlung *Hornsriff« entscheidet er sich fur den 
ersten Weg; die oben erwahnten Plane der Tagebiicher beweisen, daB diese 
Entscheidung schwerlich endgultig gewesen ware. 

K.s dramatische Werke sind samtlich in plattdeutscher Sprache abgefaBt, 
schlieBen sich im iibrigen aber seiner epischen Produktion eng an. Die beiden 
Posseii, die 191 1 zusammen mit Hinrich Wriede verfaBte »Woterkant« und die 
ausgelassene »Keunigin von Honolulu* (1913), spielen im hamburgischen 
MiUeu, das Plattdeutsch in ihnen ist sorgloser behandelt. Weit hoher stehen 
die beiden Stiicke mit tragischem Grundgehalt, die am 19. Februar 191 1 abge- 
schlossene »Doggerbank« und die ebenfalls in unglaublich kurzer Zeit nieder- 
geschriebene, am 7. Oktober 1913 vollendete » Cili Cohrs«. Fur sie hat der 
Dichter seine heimatliche Mundart in ihrer edelsten Form verwandt, sierunden 
erst den Kreis seiner Finken warder Dichtungen ab. Zugleich weisen » Dogger- 
bank* und »Cili Cohrs« denselben tiefgehenden Unterschied der Einstellung 
des Dichters zu seiner Heimat auf wie die erzahlenden Werke. Der Schiffer in 
»Doggerbank« ist im Grunde kein anderer als der Klaus Mewes der *Seefahrt«, 
nur beinahe ins Ubermenschliche gesteigert, die selbstsichere Behauptung der 
Personlichkeit geht dem Dichter iiber alles. Uber die »Cili Cohrs« dagegen ist 
eine meisterliche Herbststimmung ausgebreitet. In dieser Frauengestalt hat 
sich der alte Stolz der Finkenwarder Seefischer noch einmal verkorpert, aber 
die Zeiten sind bos geworden und ein gut Teil Resignation macht sich geltend. 
Ist »Doggerbank« wegen seiner unerhorten szenischen Schwierigkeiten dazu 
verurteilt, ein Lesedrama zu bleiben, so zahlt »Cili Cohrs« zu den wirksamsten 
und ergreifendsten Stiicken, die die niederdeutsche Biihne bisher besitzt. 

Ein kraftiger dramatischer Akzent ist auch den weit bekannt gewordenen 
»Plattdeutschen Kriegsgedichten« K.s eigen. Sonst sind Gedichte K.s nur noch 
in dem NachlaBband »Sterne uberm Meer* (S. 164—184) gesammelt worden, 
ihre Zahl lieBe sich aber noch erheblich vermehren. Trotzdem ist K. kein 
Lyriker, meist gehen epische und lyrische Elemente bei ihm Hand in Hand; es 
gelingt ihm hier weniger leicht, sich aus den triiben Grundstimmungen zu 
positiver Bejahung emporzuschwingen, als in seiner epischen Produktion. 

Uber K.s letzte Zeit unterrichten uns seine in den NachlaBbanden veroffent- 
lichten Kriegsbriefe und Tagebiicher ausfiihrlich. Seit dem 15. Juli 1915 stand 
er als Landsturmpflichtiger im Felde, machte unter Mackensens Flagge den 
Feldzug in RuBland und Serbien mit, bestand Anfang Februar 1916 in Hamburg 



Kinau 



229 



das Einjahrigenexamen und kam dann, nach einem kurzen Aufenthalt an der 
Westfront, einen Monat vor seinem Tode zur Marine auf den kleinen Kreuzer 
» Wiesbaden «. Mit ihm ist er in der Skagerrakschlacht in die Tiefe gesunken. 
Seine Leiche wurde im August 1916 an der kleinen schwedischen Schareninsel 
Stensholmen bei Goteborg angespiilt und hat dort ein schlichtes Grab gefunden. 

Literatur: 1. 1910: Schnllengrieper und Tungenknieper. Finkenwarder Fischer- und 
Seegeschichten. Hamburg, M. Glogau jr. — 2. 191 1 : Woterkant. En Hog in en Hiew van 
Gorch Fock un Hinrich Wriede. Verlag von A. Mohlmann, Hamburg-Finkenwarder. — 

3. 1 91 2 : Hein Godenwind, de Admirol von Moskitonien. Eine deftige Hamburger Geschichte. 
Hamburg, M. Glogau jr. — 4. 191 3: Seefahrt ist not! Roman. Hamburg, M. Glogau jr. — 
5. 1 9 14: Hamborger Janmooten. Een lustig Book. Mit een Wordverklorung (for de leben 
Quiddjes). Hamburg, M. Glogau jr. — 6. 1914: Hamburg und Altona. In dem Sammelwerk 
Unsere meerumschlungene Nordmark, Bd. I (Kiel 1914), S. 265 — 324. — 7. 1914: Finkwarder 
Speeldeel. CiliCohrs. Irnsthaf tig Spill van Gorch Fock. LeegeLud. Een lustig Spillwark van 
Hinrich Wriede. Herausgegeben vom Quickborn in Hamburg. ( Quickborn-Biicher, Bd. 5). 
Verlegt bei Alfred Janssen in Hamburg 1914. — 8. 1914/15 : Plattdeutsche Kriegsgedichte. 
Hamburg, M. Glogau jr. I. und II. Folge 19 14, III. und IV. Folge 1915. — 9. 1915 : Fahrens- 
leute. Neue Seegeschichten. Hamburg, M. Glogau jr. — 10. Der junge Kaufmann. Monats- 
schxift fur Handelslehrlinge und junge Gehilfen, 8. Jahrg., Nr. 7 (Hamburg, Juli 1916): 
Gorch-Fock-Nummer mit dem Wiederabdruck zahlreicher alterer kleiner Aufsatze des 
Dichters. — 11. 1916: Nordsee. Erzahlungen. Herausgegeben von Aline BuBmann. Mit 
einem Bildnis des Dichters. Hamburg, M. Glogau jr. — 12. 1917 : Sterne iiberm Meer. Tage- 
buchblatter und Gedichte, Aus dem NachlaB ausgewahlt und mit einer Lebensbeschreibung 
des Dichters herausgegeben von Aline BuBmann. Mit einem Bildnis Gorch Focks. — 

13. 1 9 1 8 : Doggerbank. Niederdeutsches Drama in einem Auf zuge. Hamburg, M. Glogau jr. — 

14. 1918: Schiff ahoil Ausgewahlte Erzahlungen. Hamburg, M. Glogau jr. (Eine Auswahl 
aus Nr. 1, 5, 9, 11.) — 15. 1918: Hein Koptein. 12 frische scheune Leeder. No ole leeve 
Singwisen sungen. Mit lichten Gitarrensatz rutgeben von Fritz J ode. Hamburg, Hermes 
(Nedderdutsch Bokeri, Bd. 48). — 16. 1920: Schiff vor Anker. Erzahlungen. Aus dem 
NachlaB herausgegeben von Aline BuBmann. Mit Bildern von Gorch Focks Elternhaus auf 
Finkenwarder und seinem Grabe auf Stensholmen in Schweden. Hamburg, M. Glogau jr. — 
Aus Brief en und Tagebiichern: 1. Aus G. F. Kriegsbriefen, in dem NachlaBband : Nordsee 
(1916), S. 9 — 21. — 2. Aus G. F.s Tag- und Nachtbuch S. M. S. > Wiesbaden #, in Nordsee 
(1916), S. 22 — 30. — 3. Aus G. F.sYTagebuchern, in: Sterne iiberm Meer (1917), S. 55 — 163 
(aus den Jahren 1908 — 1916). — Biographisches: 1. Eigenhandiger kurzer Lebenslauf des 
Dichters, unterzeichnet » Hamburg, 4. 2. 19 16 Johann Kinau t, eingereicht bei der Meldung 
zum Einjahrigenexamen (Akten der Oberschulbehorde Hamburg). — 2. C. Borchling, 
G. F. (Die Liter arische Gesellschaft, herausgegeben von der Liter arischen Gesellschaft zu 
Hamburg, Jahrg. 2, 1916, Heft 1, S. 1 — 7; Heft 2, S. 52 — 57.) — Nach dem Tode 
des Dichters erschienen: 3. Henry Schaper, G. F. (Der junge Kaufmann, Monatsschrift fiir 
Handelslehrlinge und junge Gehilfen, 8. Jahrg., Nr. 7, Hamburg, Juli 191 6, S. 97 — 99). — 

4. Hinrich Wriede, G. F. (Johann Kinau). (Mitt, aus dem Quickborn, 9. Jahrg., Nr. 4, 
Hamburg, August 1916, S. 126 — 132; vgl. S. 132 — 134.) — 5. Aline BuBmann, G. F. Le- 
bensbeschreibung in: Sterne iiberm Meer (1917), S. 9 — 53. — 6. C. Borclhing, G. F. (Als 
Einleitung S. I — VIII den von der Hamburgischen Dichter-Gedachtnisstiftung verteilten 
Exemplaren von Seefahrt ist not! August 1917, vorgeheftet.) — 7. Kieinere Aufsatze und 
Nachrufe verzeichnet > Zeitschr. f . deutsche Mundarten*, Jahrg. 1918, S. 58, Nr. 1740 bis 
1760; 1920, S. 43, Nr. 1331 — 1338. — G. F.s NachlaB: Der handschriftliche NachlaB des 
Dichters befindet sich im Besitz seiner Witwe, Frau Rosa Elisabeth Beyer-Kin au in 
Hamburg. — Das Originalmanuskript der Erzahlung: Der Kramer (Fahrensleute S. 75 ff.) 
ist 1 91 6 der Hamburgischen Staats- und Universitatsbibliothek vom Verein fiir Handlungs- 
kommis von 1858 geschenkt worden. — Aus dem NachlaB sind die oben unter Nr. 11, 12, 
1 6 angef iihrten Bande von Frl. Aline BuBmann herausgegeben worden. Die weitere wissen- 
schaftliche Verwertung des Nachlasses hat Heir Cand. philol. Gunther Kern in Stavanger 
(friiher Hamburg) iibernommen. 

Hamburg. C. Borchling. 



230 I9i6 

Leskien, August, Geheimer Rat, ord. Professor der slawischen Philologie an 
der Universitat Leipzig, * in Kiel am 8. Juli 1840, f in Leipzig am 20. Sep- 
tember 1916. — L. war das einzige Kind des aus Konigsberg i. Pr. eingewan- 
derten Kieler Tischlermeisters August Wilhelm L. und seiner Ehef rau Magdalene 
geb. Schmidt aus Kiel, die einem in der Nahe Kiels ansassigen Bauerngeschlecht 
entstammte. Er wuchs in einfachen Verhaltnissen auf. Mit 5 3 / 4 Jahren kam er 
in die Biirgerschule auf dem Walkerdamm, vertauschte sie jedoch im 9. J ah re 
mit der unter A. P. Sonksens Leitung stehenden, der Myliusstiftung fur Waisen- 
kinder angegliederten Schule. Sonksen iibte einen grofien EinfluB auf die geistige 
Entwicklung des begabten Knaben aus. In noch hoherm MaBe tat dies Markus 
Schlichting, als 1852 die Schule vom Walkerdamm nach dem Waisenhof verlegt 
wurde. Schon damals lernte L. Danisch und Englisch beherrschen und legte die 
ersten Proben seines auBerordentlichen Sprachtalents ab. Schlichting gebiihrt 
das Verdienst, die geistige Bedeutung seines Schiilers erkannt und ihm die 
wissenschaftliche Laufbahn erschlossen zu haben. Etwa um Pfingsten 1855 ver- 
anlaflte er ihn, sich fur das Gymnasium vorzubereiten. Einer seiner Sohne gab L. 
Privatunterricht im Lateinischen, Griechischen und Franzosischen, Sprachen, 
die ihm bis dahin vollstandig fremd geblieben waren. L,.s Begabung bewaltigte 
alleSchwierigkeiten fast spielend. Nur mitMiihe setzten Sonksen und Schlichting 
die Erlaubnis zum Besuche des Gymnasiums bei dem Vater durch, der seinen 
Sohn am liebsten als Handwerker gesehen hatte. Es hat sehr lange gedauert, 
bis sich der Vater mit dem Lebensplan des Sohnes aussohnte. Mit fast voll- 
endetem 16. Jahre trat I,, in die Tertia ein, muBte aber daneben nach wie vor 
dem Vater regelmaBig in der Werkstatt Hilfe leisten. Schon bald zeigte sich, daB 
er seinen Mitschtilern weit iiberlegen war; trotz einer schweren Lungenentziin- 
dung, die ihn im Sommer 1856 befiel, wurde er auf Grand seiner ausgezeich- 
neten Leistungen zu Michaelis 1856 in die Sekunda versetzt, nach i}/ z Jahren, 
Ostern 1858, in die Prima. Nachdem er die Abiturientenpriifung glanzend — 
mit der ersten Note in samtlichen Fachern — bestanden hatte, bezog er die 
Kieler Universitat, um Philologie zu studieren. Nach 5 Semestern siedelte er 
an die Leipziger Universitat uber; die Heimat hat er seitdem nur noch auf 
Besuchsreisen wiedergesehn. 1864 erwarb L. den Doktorgrad mit einer Ab- 
handlung iiber das Digamma bei Homer (gedruckt 1866) und erhielt nach 
riihmlich bestandenem Staatsexamen eine Anstellung als Lehrer am Thomas- 
gymnasium. Er gab jedoch diese Stellung schon nach iy 2 Jahren wieder auf; 
denn das hilfreiche Wohlwollen eines in Budapest lebenden Verwandten der 
Witwe des Prof. Brauer, in deren Hause er als Erzieher eines Sohnes Aufnahme 
gefunden hatte, machte es ihm moglich, sich der akademischen Laufbahn zuzu- 
wenden, auf die von Anfang an sein Wunsch gerichtet war. Er bezog nun die 
Universitat Jena, um unter August Schleicher seine sprachwissenschaftlichen 
Studien fortzusetzen. In deren Mittelpunkt stand jetzt, wie dies nicht anders 
zu erwarten war, das Baltische und dasSlawische. Rasch hatte Iy. sichSchleichers 
Zuneigung erworben ; die Briefe des Lehrers an den Schuler zeugen von einer 
wahrhaft vaterlichen Fiirsorge. Auch mit Johannes Schmidt, der ebenfalls 
Schleichers Schuler war, knupfte sich bald ein freundschaftliches Verhaltnis an, 
das erst mit dem Tode Schmidts endete. L.s erste Arbeit auf dem Gebiete der 
slawischen Sprachwissenschaft erschien 1868 im5. Bande von Kuhn-Schleichers 
Beitragen zur vergleichenden Sprachforschung. 1867 habilitierte sich L. in 



Leskien 23 1 

Gottingen fiir das Fach der vergleichenden Sprachwissenschaft, wurde jedoch 
schon 1869, nach dem Tode Schleichers, als dessen Nachfolger nach Jena be- 
rufen. Im Herbst 1870 erhielt er die neugeschaff ene ao. Professur fiir slawische 
Philologie an der Universitat Leipzig, 1876 wurde er zum Ordinarius befordert, 
Der Universitat Leipzig ist L. trotz dreier Rufe — deren einer von StraBburg 
erging — bis zu seinem Tode treu geblieben. Im Jahre 1871 hatte sich L. mit 
Elisabeth Judeich, der Enkelin von Heinrich Brockhaus, verheiratet; der Ehe 
entstammen 3 Sohne und 3 Tochter. Im Jahre 1908 entriB der Tod ihm die 
treue Lebensgefahrtin. L. selbst wurde im Friihjahr 1915 von einem schweren 
Grippeanfall heimgesucht, an den sich eine Lungenentziindung anschlofl. Fast 
iy 2 Jahre noch kampfte L.s kraftige Natur mit der Krankheit, bis er am 
20. September 1916 sanft entschlummerte. 

An auBern Ehren und Wurden hat es L. nicht gefehlt, aber seine schlichte 
Grofie bedurfte ihrer nicht. »Ein wahrhaft GroBer« ist er nach dem Urteil von 
Sievers gewesen, als aeinzigartigen Lehrer« hat ihn Brugmann gefeiert. Eine 
tiberragende Personlichkeit, ein giitiger Charakter, ein Kritiker von wunder- 
barer Klarheit und Scharfe, ein Forscher von unvergleichlichem lebendigem 
Wissen, so lebt L. im Gedachtnis aller, die ihn gekannt haben. 

Die Lebensarbeit L.s gait in erster Linie der Erforschung der baltisch-sla- 
wischen Sprachen, sie bedeutet aber zugleich einen Wendepunkt in der Methode 
der indogermanischen Sprachwissenschaft. In der Schule der klassischen Philo- 
logie gebildet, war er dieser bald entwachsen : sein ungewohnliches Sprach- 
talent — er beherrschte etwa ein halbes Dutzend lebender Sprachen wie seine 
Muttersprache, mehr als zwanzig waren ihm wissenschaf tlich wie praktisch ver- 
traut — hatte ihn schon friih die Bedeutung der lebenden Sprache fiir die 
Sprachwissenschaft und ihre Methode erkennen lassen, die Mangel der bisherigen 
Forschungsweise empfinden lassen. Das Veraltete zu iiberwinden, die aus den 
Beobachtungen der lebenden Sprachen gewonnene Erkenntnis zur Erforschung 
der altern Sprachperioden nutzbar zu machen, war sein Ziel. Ein Feind der 
abstrakten Betrachtungsweise, ging er dabei stets von dem konkreten Fall aus 
und kntipfte an diesen die Folgerungen allgemeiner Natur an. In diesem Be- 
streben iibte er schon in der ersten Halfte der siebziger Jahre auf seine Schiiler 
und jiingern Kollegen entscheidenden EinfluB aus. Ihnen waren, durch das 
Wort L.s, schon langst die Grundsatze in Fleisch und Blut ubergegangen, die 
1876 in der epochemachenden Untersuchung iiber die Deklination im Slawisch- 
Litauischen und Germanischen vor die Off entlichkeit traten : die Lehre von der 
Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze und von der Bedeutung der Analogie- 
bildungen. Beide Grundsatze haben — allem Widerspruch zum Trotz — durch 
die schallanalytischen Untersuchungen von Sievers wieder neue, lebendige Be- 
deutung gewonnen. Sie werden nach wie vor die Grundlage der Lautforschung 
bleiben. Auch auf das Verhaltnis von Sprache und Schrift, das vielfach miB- 
kannte, hat L. stets sein Augenmerk gerichtet, von seiner bahnbrechenden 
Kritik von Bezzenbergers Beitragen zur Geschichte der litauischen Sprache 
(Archiv f. slaw. Phil. 1879) bis zu seiner Untersuchung iiber die Vokale u 
und i in den Codices Zographiensis, Marianus und Suprasliensis (Archiv 1905). 
Von allgemeiner methodischer Bedeutung, trotz ihres anscheinend so eng um- 
grenzten Bezirkes, sind auch die Abhandlungen iiber die Ubersetzungskunst des 
Exarchen Johannes (Festschr. f . Jagic, 1908) und zur Kritik des altkirchenslaw. 



232 I9i6 

Codex Suprasliensis (Abhandlungen der phil.-hist. Klasse der Kgl. Sachs. Ges. 
d. Wiss. 1909 u. 1910). 

Mit den eben genannten Arbeiten ist schon das Gebiet der altbulgarischen 
(kirchenslawischen) Grammatik betreten, auf dem L. in hervorragender Weise 
tatig war. Es seien hier aus der Zahl der Einzelbeitrage nur die beiden selbstan- 
digen Werke herausgegriffen : das Handbuch der altbulgarischen (altkirchen- 
slawischen) Sprache und die Grammatik der altbulgarischen (altkirchen- 
slawischen) Sprache. Das Handbuch erschien zuerst i87i,damals noch auf 
dem ostrumirischen Evangelium beruhend; die 2. Auflage (1886) ist ein neues 
Werk ; sie legt der Darstellung das Zographosevangelium und die verwandten 
Denkmaler zugrunde. Die 6. Auflage dieser meisterhaften Einfiihrung in das 
Studium der altbulgarischen Sprache ist 1922 erschienen. Ein Seitenstiick zum 
Handbuch bildet die altbulgarische Grammatik (1909 ; Neudruck 1919), die eine 
auf vergleichender Grundlage beruhende Darstellung der altesten Sprachform 
gibt. 

Im Mittelpunkt vonL.s slawischen Forschungen stand dasSerbo-Kroatische, 
das er sich auf verschiedenen Studienreisen so zu eigen gemacht hatte, dafl er 
nach dem Bericht von Bulic uberall fur einen Eingeborenen gehalten wurde. 
Von bahnbrechender Bedeutimg ist unter seinen Arbeiten auf diesem Sprach- 
gebiet die eingehende Untersuchung iiber die Quantitat des Serbischen (Ab- 
handlungen der Kgl. Sachs. Ges. d. Wiss. Phil.-hist. K. 1885 und 1893), die das 
Verhaltnis von Betonung und Quantitat im Serbischen zum erstenmal klarlegt 
und damit die Grundlage der Forschung geschaffen hat. Eine Zusammenf assung 
seiner serbisch-kroatischen Studien wollte L. in seiner Grammatik der serbo- 
kroatischen Sprache geben. Leider ist nur der 1. umfangreiche Band: I,aut- 
lehre, Stammbildung und Formenlehre 1914 erschienen. Vom 2. Bande, der 
die Syntax behandeln sollte, sind nur einige Bruchstticke vorhanden. Wer das 
feine Verstandnis tmd das lebendige Empfinden L.s fur die Fragen der Syntax 
aus seinen Vorlesungen kennen gelernt hat, der wird den Verlust grade dieses 
Bandes aufs schmerzlichste empfinden. Besondere Erwahnung verdient end- 
lich die Schrift iiber Dialektmischung in der serbo-kroatischen Volkspoesie 
(Berichte d. Kgl. Sachs. Ges. d. Wiss. 1910) ; sie diirfte fiir das Verstandnis der 
Probleme, die uns die homerische Sprache stellt, von nicht geringer Bedeutung 
sein. 

In den letzten Jahrzehnten seines L,ebens hat sich L. mit Eifer dem Studium 
des Albanischen zugewendet. Umfangreiche Sammlungen zum Wortschatz sind 
unveroffentlicht geblieben. Ein Zeugnis dieser Lieblingsbeschaftigung bildet die 
Sammlung der Balkanmarchen (1915), die 67 Marchen aus Albanien, Bulgarien, 
Serbien und Kroatien in Ubersetzung bietet und den Marchenton aufs gliick- 
lichste zu treffen weiB. 

L. miiBte nicht Schleichers Schiiler gewesen sein, wenn ihn nicht das Litau- 
ische ebensosehr wie das Slawische angezogen hatte. Vor allem verdanken wir 
ihm auf diesem Gebiet die geniale Erklarung der litauischen Auslautsgesetze : 
sie hat uns nicht nur das Verstandnis der lit. Flexion erschlossen, sondern auch, 
durch tlbertragung auf das Germanische, denVokalismus der germanischen End- 
silben verstehen gelehrt. Aber noch ein anderes lit. Akzentgesetz von grofier Be- 
deutung hatL. als erster gegen Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhun- 
derts entdeckt : dieVerschiebung des Akzents auf die 2. (lange) Silbebei der Folge 



Leskien. Mach 233 

Schleifton und StoBton (vgl. Indogerm. Forschungen 3, 156). Da L. sich damit 
begniigte, seine Entdeckung in seinen Vorlesungen darzulegen, geht dies Akzent- 
gesetz heute unter dem Namen des »Saussureschen Gesetzes«; denn auch der 
geniale Genfer Forscher hat die gleiche Entdeckung, unabhangig von I,., etwa 
6 Jahre spater gemacht. Ein Zeugnis fiir die ungewohnlich scharfe Auffassung 
der lebenden Sprache durch I,, bietet die musterhaft getreue Wiedergabe der 
Mundart von Wilkischken in einer Reihe von Dainos, die I,. 1882 in den von 
Brugmann und ihm herausgegebenen Lit. Volksliedern und Marchen veroffent- 
licht hat. Sie steht in jener Zeit einzig da. Die beiden umfangreichen Werke iiber 
den Ablaut der Wurzelsilben im Lit. (1884) und iiber die Bildung der Nomina 
im Lit. (1891) — beide in den Abhandlungen der Kgl. Sachs. Ges. d. Wiss. 
erschienen — enthalten eine Fiille von Stoff , der aufs sorgfaltigste kritisch 
gesichtet ist. Das Lit. Lesebuch mit Grammatik und Worterbuch (vollendet 
1915, erschienen 1919) ist seit Schleichers Handbuch das erste wissenschaftliche 
Werk dieser Art. Hervorzuheben ist namentlich dieVerarbeitung eines reichen 
altlit. Materials in der Grammatik. Umfangreiche Sammlungen zu einem lit. 
Worterbuch, namentlich aus altlit. Texten, sind ungedruckt geblieben. Endlich 
sei der schone Aufsatz erwahnt: Zur Wanderung von Volksliedern (aus dem 
Weifirussischen ins Litauische) , in den Berichten d. Kgl. Sachs. Ges. d. Wiss. 191 1 . 

L,iteratur: Charakteristiken I*.s: Sievers Idg. Jahrb. 4, 250. — Brugmann, Berichte der 
Kgl. Sachs. Ges. d. W. 1916, Heft 6, S. 16 ff. — Streitberg, Idg. Jahxb. 1 (1914), S. 216 ff. 
— Jahrb. der Kgl. Bayer. Akad. d. W. 1917, S. 15 ff. — Jagid, Almanach der Kaiserl. 
Akad. d. W. zu Wien 1917. — E. W. Enking, Die Heiraat (Kiel) 1917, S. 57 ff. (personliche 
Erinnerungen eines Jugendfreundes). — Handschriftliches: L., Meine Jugendzeit (ein- 
gehende Schilderung seines Lebens bis zur Uni versitatszeit) . — Briefe August Schleichers 
an L. (i860 — 1868). — Briefe L,s an Georg Curtius (i860 — 1870), an W. Streitberg (188S 
bis 1 9 16), (im Besitze von W. Streitberg). AuCer diesen Briefschaften befinden sich im 
Besitze W. Streitbergs eine Anzahl unveroffentlichter, meist unvollstandiger Unter- 
suchungen. Die lexikalisch en Sammlungen sowie verschiedene Studien zum Serbischen ge- 
horen jetzt zum Besitzdes Baltischen und des Slawischen Instituts der Universitat Leipzig. 

Leipzig. Wilh. Streitberg. 

Mach, Ernst, Physiker, Philosoph und Psycholog, * am 18. Februar 1838 in 
Turas in Mahren, f am 19. Februar 1916 in Haar bei Miinchen. — Beide Eltern 
waren ideal veranlagte Naturen. Der Vater studierte in Prag Padagogik und 
Philosophie, war padagogisch in Wien tatig, wo er personliche Beziehungen 
zum Fursten Richard Metternich unterhielt, erwarb bald darauf, auch aus 
zoologischem und landwirtschaf tlichem Interesse, ein L,andgut in der Nahe der 
Reichshauptstadt und kaufte sich 1861 in Statenegg bei Rudolfswert in Unter- 
krain an. Indessen hatte er zeitlebens sehr schwer mit MiBernten und der Un- 
gunst des Wetters zu kampfen. Als erster versuchte er den Seidenspinner Yama 
May in Europa anzusiedeln. 1879 folgte er seiner ihm im Tode voraufge- 
gangenen Frau, einer edlen und kiinstlerischen Natur. 

Ernst M., der einzige Sohn neben zwei Schwestern, kam als Vierjahriger 
nach Wien. Auf dem Gymnasium lernte er 1854 durch seinen Lehrer F. X. Wes- 
seley die Gedanken Lamarcks kennen und nahm bald darauf die neuen Ideen 
Darwins wirksam in sich auf. »Ich habe es stets,« so erzahlt er selbst, »als be- 
sonderes Gliick empfunden, daB mir sehr friih (in einem Alter von 15 Jahren 
etwa) in der Bibliothek meines Vaters Kants prolegomena zu einer jeden 



234 J 9 l6 

kiinftigen Metaphysik' in die Hand fielen. Diese Schrift hat damals einen ge- 
waltigen, unausloschlichen Eindruck auf mich gemacht, den ich in gleicher 
Weise bei spate rer philosophischer Lektiire nie mehr gefiihlt habe. Etwa zwei 
oder drei Jahre spater empfand ich plotzlich die miiBige Rolle, welche das ,Ding 
an sich' spielt. An einem heiteren Sotnmertage im Freien erschien mir einmal 
die Welt samt meinem Ich als eine zusammenhangende Masse von Empfin- 
dungen, nur im Ich starker zusammenhangend. Obgleich sich die eigentliche 
Reflexion erst spater hinzugesellte, so ist doch dieser Moment fur meine ganze 
Anschauung bestimmend geworden.« 

Er studierte Naturwissenschaften in Wien und habilitierte sich dort 1861 fiir 
Physik. 1864 wurde er Professor in Graz, 1867 folgte er einem Rufe an die 
deutsche Universitat Prag, wo er das Rektorat bekleidete. 1895 erhielt er in 
Wien die L,ehrkanzel fiir induktive Philosophie. 1898 erlitt er einen rechts- 
seitigen apoplektischen Anfall ohne BewuBtseinslahmung, liefi sich 1901 emeri- 
tieren und zog sich nach Haar bei Munchen zuriick, wo er seinen Lebensabend 
verbrachte. 1901 wurde er zum Mitglied des osterreichischen Herrenhauses 
ernannt, vorher schon war er Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften. 
Mit Poske gab er die Zeitschrift fiir physikalischen und chemischen Unterricht 
heraus. 

»Nach Beendigung der Universitatsstudien,« so erzahlt er selbst, »fehlten 
zum Ungliick oder Gliick die Mittel zu physikalischen Untersuchungen, wodurch 
ich zunachst auf das Gebiet der Sinnesphysiologie gedrangt wurde. Hier, wo 
ich meine Empfindungen, zugleich aber deren Bedingungen in der Umgebung 
beobachten konnte, gelangte ich, wie ich glaube, zu einer natiirlichen, von 
spekulativ-metaphysischen Zutaten freien Weltauffassung. Die durch Kant 
eingepflanzte Abneigung gegen die Metaphysik sowie die Analysen Herbarts 
und Fechners fiihrten mich auf einen dem Humeschen naheliegenden Stand- 
punkt zuriick. « » Direkt bin ich von Hume, dessen Arbeiten ich gar nicht kannte 
(Humes, , Untersuchungen iiber den menschlichen Verstand' las er erst zu Ende 
der achtziger Jahre, den .Treatise on Human Nature 1 erst 1907/08), nicht be- 
einfluBt worden, dagegen kann dessen jiingerer Zeitgenosse Iyichtenberg auf 
mich gew r irkt haben. Wenigstens erinnere ich mich des starken Eindrucks, den 
sein ,Es denkt' mir zuriickgelassen hat.« In seiner Geistesstruktur hatte M. 
sonst viel vom Typus des Aufklarungszeitalters. Die Aufklarung und Bef reiung 
des Menschen von metaphysischen Fesseln lag ihm am Herzen, ein gewisser 
Rationalismus lag seinem Wesen. Er liebte und empfahl Werke des Auf- 
klarungszeitalters und zog die f ranzosischen Enzyklopadisten sogar dem Kon- 
versationslexikon vor. Sein Leben bedeutet Innenleben: Gedankenwelt und 
Unterrichten war ihm L,ebensinhalt, so daB wir keine bedeutsamen auBeren 
Geschehnisse zu verzeichnen haben. 

Als Psychologe beschaftigte M. sich zunachst mit der Theorie des Gehor- 
organs, das Helmholtz gleichzeitig in Angriff nahm, dann mit den Tonempf in- 
dungen. Dem folgte 1875 die im Aufbau und im Gang der Experimente ganz 
klassische Arbeit »Grundlinien der L,ehre von den Bewegungsempfindungen*. 
In der Eisenbahn beobachtete er beim Durchfahren der Kurven die Schief- 
stellung der Hauser und untersuchte nun auf einem groBen Drehstuhl von 
sinnreicher Konstruktion alle Empfindungen bei aktiver und passiver Be- 
wegung. Einwandfrei wies er nach, daB der Sitz unseres Gleichgewichts- 



Mach 



235 



sinnes in den Bogengangen des Ohres liegt, wobei nur die Beschleunigung, nicht 
aber gleichformige Bewegung bemerkt wird. Hier schon greift er den Dreh- und 
Augenschwindel auf sowie die optischen Tauschungen, ein Gebiet, in welchem 
wir M. auBerst interessante Erscheinungen und Apparate verdanken, endlich 
akustische, optische und Bewegungsnachbilder. Seine Studien zur Psychologie 
der Gesichtswahrnehmungen heben mit der Gestaltauffassung an, die seit 1918 
im Brennpunkte des psychologischen Interesses steht, wahrend man damals die 
Problemstellung komisch fand. Im groCen hat allerdings Hering die Raum- 
psychologie aufgebaut, aber M. fiigte ihr zahlreiche bedeutsame Einzelheiten 
an. Die Psychologie der Zeitauffassung ist heute noch nicht geklart; jedoch 
konnen wir schon sagen, daB M.s Annahme von spezifischen Zeitempfindungen 
sich schwerlich halten wird. 

Psychologisch verdankt M. seinen Ruf in weiteren Kreisen den kritischen 
Zusammenfassungen. Als er 1885 mit der ,Analyse der Empfindungen' hervor- 
trat, da gab ein Philosoph iiber dieses Werk, das rasch zahlreiche Auflagen er- 
lebte, ein so ungiinstiges Gutachten ab, daB M. seinem Verleger die Halfte des 
nicht gerade furstlichen Honorars zur Beruhigung zuriickgeben muBte. Be- 
sonders eingehend ist hier das Verhaltnis des Psychischen zum Physischen 
behandelt, nicht ohne die Philosophic hereinzuziehen, und weiter bietet er nun 
die reife Frucht seiner sinnesphysiologischen Spezialarbeiten. Ein Ergebnis der 
Wiener Vorlesungen ist das Werk »Erkenntnis und Irrtum« (1905), welches in 
gleicher Weise psychologisch, philosophisch und physikalisch gehalten ist. Die 
verschiedenen psychologischen und logischen Grundbegriffe sucht er von alien 
metaphysischen Verschleierungen zu bef reien ; zugleich gibt er darin eine gene- 
tische Psychologie. Als letzten SchluB miindet er in den Satz: »Wahrheit und 
Irrtum entspringen denselben psychologischen Quellen, nur der Erfolg vermag 
beide zu scheiden. Der wusteste Traum, die grobste Sinnestauschung ist keine 
,Tauschung', sondern eine BewuBtseinstatsache, deren Entstehung psycholo- 
gisch ebenso kausal und wichtig ist, wie alles andere.« 

Damit ist zugleich seine Philosophic angebahnt. Er analysiert die Welt, 
wie er sie vorfindet, und gelangt dabei zu vorlaufig letzten Elementen. Be- 
trachten wir die physikalischen Dinge der AuBenwelt oder den besonderen 
Korperkomplex, den wir unsern Leib nennen, oder endlich unsere BewuBt- 
seinserlebnisse, so begegnen wir immer denselben Elementen (Farben, Drucken, 
Warme, Tonen, Geriiche usw.), nur in verschiedener Abhangigkeit. Die physi 
schen Befunde sind sowohl von Umstanden auBerhalb meines Organismus als 
von Umstanden innerhalb meines Leibes abhangig. »Insofern und nur insofern 
letzteres der Fall ist, nennen wir diese Elemente auch Empfindungen.« Er- 
innerungen, Vorstellungen, Gefiihle, Wille, Begriffe aber setzen sich aus zuriick- 
gelassenen Spuren von Empfindungen auf. Bei der Analyse ist ein Ding also 
fiir uns mit den Elementen und ihrem gesetzmaBigen Zusammenhang erschopft. 
Wer auBer der Gesamtheit und dem funktionalen Zusammenhang aller Ele- 
mente bei der Analyse noch ein von seiner ,Erscheinung* verschiedenes uner- 
kennbares ,Ding an sich' annimmt, der verdoppelt falschlich die Welt, die 
immer nur einmal da ist. Ebensowenig will M., was ihm samtliche Kritiker 
unterschoben, die Welt mit subjektiven Empfindungen aufbauen. 

Er wollte nicht mit jeder Wissenschaft ein neues Schubfach aufziehen, 
sondern suchte ausdriicklich einen Standpunkt, welcher die subjektive und 



236 19*6 

objektive Weltansicht eint, und diesen findet er in dem funktionalen Zusam- 
menhang der physikalischen Elemente A, B, C . . . mit den physiologischen 
Elementen a, b, c . . . und den psychologischen Elementen a, fry... Die 
goldene Mitte zwischen der Charybdis eines klobigen Materialismus und der 
Scylla schwebender Spekulationen zu finden, war das Ziel seiner bodenstandigen 
Natur. Er war diskussionslos von der Ohnmacht tatsachenfremder Begriffs- 
systeme iiberzeugt und griibelte nie Erfahrbarem nicht nach. »Das Ding an 
sich und das I,and des Transzendenten«, so erzahlt er, »ist mir verschlossen. 
Und wenn ich noch das offene Bekenntnis hinzufiige, dafi dessen Bewohner 
meine WiBbegierde gar nicht zu reizen vermogen, so kann man die weite Kluft 
ermessen, welche zwischen vielen Philosophen und mir besteht.« So wehrte er 
sich auch stets gegen den Philosophentitel ; ob er Physik, Psychologie oder 
Philosophie triebe, er sei und bleibe ein Naturforscher. 

Seine Methodenlehre stimmt sich dementsprechend nicht auf absolute 
und apriorische Wahrheiten ab, sondern sie entspringt den Darwinschen 
Grundgedanken. Nicht was wahr oder falsch sei, interessiert ihn in erster 
Linie — wie ja zu enge Annahmen, die sogenannten » Arbeit shy pothesen«, 
in der Wissenschaft ofters notig werden — , sondern er halt sich zunachst 
an die Fruchtbarkeit und Sterilitat. Sein Prinzip der Okonomie sieht im 
einfachsten, sparsamsten begrifflichen Ausdruck der Tatsachen ihr Ziel. 
Unsere Gedanken passen sich gemaB Darwins Anpassungslehre unwillkiirlich 
oder absichtlich an die Tatsachen an, und unser theoretisches Nachdenken 
ist ihm nur ein Gedankenexperiment : eine Anpassung der einzelnen Ge- 
danken aneinander. In gleicher Weise analysiert er die iibrigen logischen 
Probleme. 

Als Physiker blieb er zunachst auf der Scheide zwischen Physik und 
Psychologie mit den »Optisch-akustischen Versuchen« (1873), in denen er die 
Ton- und Farbenanderung durch Bewegung untersuchte. Dann priifte er den 
Bau der physikalischen Wellen, die er von den verschiedensten Standpunkten 
aus untersuchte. Dabei gelang ihm in Pola und Mappen auch die Photographie 
fliegender Geschosse mit ihren Luftwirbeln. Seinem padagogischen Interesse 
entsprangen zahlreiche l>hrbucher und Demonstrationsapparate, so wie jene 
etappenweise Photographie auf derselben Platte, die einen korperlichen Gegen- 
stand halbdurchsichtig sowohl in aoBerer Unversehrtheit als in seiner inneren 
Struktur wiedergibt. Sein Ruhm als Physiker riihrt jedoch von der historischen 
Kritik und der Reform der physikalischen Grundbegriffe her: »Erhaltung der 
Arbeit« (1872), »Die Mechanik in ihrer Entwicklung<( (1883), »Prinzipien der 
Warmelehre« (1896), » Popularwissenschaf tliche Vorlesungen« (1896), um die 
groCeren Bucher zu nennen, welche samtlich mehrere Auflagen erlebten. Am 
Lebensabend beschaftigten ihn »Die Prinzipien der physikalischen Optik«, 
dessen erster Band 1921 aus dem Nachlasse erschien, der in sich geschlossen 
eine historische und erkenntnispsychologische Entwicklung bringt, wahrend 
wir eine die Strahlung, Lichtemission, Maxwellsche Theorie und Relativitat 
behandelnde Fortsetzung, eine Zusammenarbeit mit seinem Sohne Ludwig, 
wohl noch erwarten durfen. 1915 veroffentlichte er eine volkerkundlich tief- 
gehende und mechanisch-historische Zusammenfassung iiber die Entstehung 
und Entwicklung der menschlichen Gerate und Arbeitsmethoden unter dem 
Titel »Kultur und Mechanik «. 



Mach. Merton 



237 



Er ging den verschiedenen individuellen Wegen nach, auf denen die physika* 
lischen Tatsachen gefunden wurden ; die durch ihre personliche Note zu neuem 
I^eben erwarmten Prinzipien priifte er dann darauf , ob ihre logische Giiltigkeit 
wirklich absolut oder apriorisch beschaffen sei, und welche Voraussetzungen 
ihre Entdecker gemacht hatten. Wo er auch anfaBte, iiberall schmolz ihm dabei 
das Absolute zura Relativen zusammen: »Weil ein Papiergulden nicht not- 
wendig durch einen bestimmten Miinzgulden fundiert sein muB, sondern durch 
einen beliebigen Miinzgulden fundiert sein kann, so darf man nicht glauben, 
daB er gar nicht fundiert zu sein braucht«. Durchgangig beruht diese Fundie- 
rung logisch fiir ihn in der Erfahrung. So hat M. den Boden bereitet fur die 
moderne Relativitatstheorie. Freilich spricht er spater (in seiner Optik) recht 
herb iiber denphilosophischenGehalt derEinsteinschen Gedankenwelt.Wahrend 
bisher ein Vorgang fiir erklart gait, wenn er auf die Mechanik zuriickgefiihrt 
war, wies er die mechanische Naturansicht von ihrem Throne ; sein Ziel ist eine 
vergleichende Physik mit phanomenologischen Gesetzen, die jedem Gebiet der 
Physik in gleicher Weise gerecht werden. Im einzelnen bestrebte sich seine 
Reform, alle iiberfliissigen, meist metaphysischen Zutaten aus der Physik zu 
entfernen. An seinem Lebensabend auBert er hieriiber: »Heute erscheint jedem 
das selbstverstandlich, wofiir ich mein ganzes Leben iiber kampfen muBte, und 
man begreift nicht mehr, wie die Gemiiter .sich hieriiber erhitzen konnten«. 

M.s Interessen greifen haufig in die Padagogik hiniiber, gelegentlich in andere 
Facher, sogar in die Botanik. Schiiler hatte er namentlich auf physikalischem 
Gebiete, wahrend seine psychologischen Forschungen sofort in den allgemeinen 
wissenschaftlichen Stand iibergingen und seine philosophischen Auff assungen 
zum mindesten allerorten lebhaft erortert wurden. 

Literatur: Die Zahl seiner Spezialarbeiten und groCeren Zusammenfassungen belauft 
sich auf etwa 160 Veroffentlichungen, welche in dem Werke von Hans Henning: E. M. als 
Philosoph, Physiker und Psycholog, eine Monographic mit einem Bildnis (Johann Am- 
brosius Barth), Leipzig 1915, angefiihrt und ausgewertet sind. Aufler dem oben erwahnten 
optischen Nachlasse und etwaigem anderen im Besitze seines Sohnes Ludwig befindet sich 
ein noch ungedrucktes schongeistiges Essay iiber die Franzosenzeit in Graz in meinem 
Besitze. 

Danzig-Langfuhr. Hans Henning. 

Merton, Wilhelm, Kaufmann, Dr. phil. h. c, Dr.-Ing. h. c, * in Frank- 
furt a. Main am 14. Mai 1848, | in Berlin am 15. Dezember 1916. — Wilhelm 
M.s Vater stammte aus England, war in den dreifiiger Jahren des vorigen Jahr- 
hunderts nach Deutschland gekommen, hatte sich in Frankfurt niedergelassen 
und war dort in ein angesehenes Bankhaus eingetreten. Mit der Tochter des In- 
habers vermahlte er sich. Der GroBvater hatte die Firma anfangs des 19. Jahr- 
hunderts gegriindet. Sie war hervorgegangen aus dem seit Beginn des 18. Jahr- 
hunderts bestehenden hannoverschen Bankhaus L,. A. & H. Cohen, das u. a. 
fiir die hannoversche Regierung den Verkauf der Harzer Erze und Hiitten- 
erzeugnisse betrieb. Auch das Frankfurter Bankhaus hatte die Vertretung des 
hannoverschen Bergfiskus und den Vertrieb der Erzeugnisse des Harzer Berg- 
baues fiir Suddeutschland. 

W. M. trat nach seiner Schulzeit im Frankfurter stadtischen Gymnasium in 
das vaterliche Geschaf t ein ; eine Zeitlang war er als Volontar in der Deutschen 
Bank in Berlin, hierauf mehrere Jahre lang in dem von seinem alteren Bruder 



238 I9i6 

in London errichteten Metallgeschaft tatig. 1876 kehrte er nach Frankfurt zu- 
riick und wurde Teilhaber in der vaterlichen Firma. Das Bankgeschaft war fast 
ganz zuriickgetreten, der Metall- und Erzhandel tiberwog mehr und mehr. 
Der Einkauf erstreckte sich auf die unedlen Metalle Blei, Kupfer, Zink, Zinn. 
Der Silberhandel wurde schon friih an die Deutsche Gold- nnd Silberscheide- 
anstalt, mit der von Anfang an enge Verbindungen bestanden, abgegeben. Ein 
Teil der eingekauften Erze und Halberzeugnisse wurde in Fabriken des Frank- 
furter Gebietes weiterverarbeitet. Hauptabsatzgebiete waren Frankfurt, Sud- 
deutschland mit Niirnberg und Fiirth als Hauptplatzen und Osterreich. In den 
nachsten Jahrzehnten entwickelte W. M. mit seinen Mitarbeitern das fur die 
damalige Zeit ansehnliche, mit heutigen MaCstaben gemessene bescheidene 
Geschaft ortlicher Bedeutung zu einer die Welt umspannenden GroBunter- 
nehmung, die gleichermafien Erz- und Metallhandel, Hiittenindustrie und Berg- 
bau umfaBte. Weit iiber den Rahmen der unedlen Metalle hinaus in die Bezirke 
der verwandten Industrien, namentlich der Chemie, erstreckten sich seine 
Interessen und machten Frankfurt zu einem der wichtigsten Platze des Metall- 
weltmarktes. Im Verein mit den beiden anderen grofien Metallfirmen in Frank- 
furt und Halberstadt beherrschte sie vor dem Krieg den australischen Erz- 
bergbau, verkaufte sie die australischen Erze nach Belgien und Deutschland 
und schuf damit die Grundlage fiir die bliihende belgische und deutsche Zink- 
industrie, verdrangte England aus seiner Herrscherstellung. Deshalb richteten 
England und Australien im Krieg ihre starksten Angriffe gegen den deutschen 
Metall- und Erzhandel, insbesondere gegen die M.schen Gesellschaften als 
die vornehmsten und starksten Trager des Metallweltmarktes. In drei Ge- 
sellschaften hatte W. M. in seinem leitenden Grundgedanken fiir klare ge- 
schaftliche Ordnung die groCen Zentren seiner geschaftlichen Unternehmungen 
ausgebildet: der Metallgesellschaft wurde der Handel, der Metallurgischen Ge- 
sellschaft die Industrieinteressen, der Berg- und Metallbank die Bergbauinter- 
essen und das Bankwesen zugewiesen. Die geschaftlichen Unternehmungen er- 
streckten sich weit iiber Europa hinaus, sie waren in fast alien Landern mit 
der Metallindustrie aufs engste verkniipft. In den Vereinigten Staaten von 
Nordamerika, in Mexiko, in Australien, in Indien und Burma, in Afrika, in Al- 
gerien und Tunis wie am Kongo und in Sudwestafrika bestanden Beteiligungen 
an Bergwerken, Hiitten, Fabriken und Handelshausern. In England arbeitete 
Hand in Hand mit den Frankfurter Gesellschaften die briiderliche Firma Henry 
Merton & Co., in den Vereinigten Staaten die American Metal Comp., in 
Australien die Australian Metal Company. In der Schweiz bildete die Gesell- 
schaft fiir Metallwerte das letzte Glied der Kette. Jede einzelne Gesellschaft, in 
sich selbstandig, doch alle in enger Kapital- und Arbeitsverbindung ; ein fein- 
maschiges, elastisches Netz geschaftlicher Unternehmungen der Metall- 
industrie und der Weltwirtschaft ebensosehr niitzlich wie ein Beispiel deutscher 
Organisationskunst und kaufmannischer Voraussicht und Tatkraft. 

1877, e * n Jab* nach seiner Riickkehr nach Frankfurt, vermahlte sich W. M. 
mit Emma Ladenburg. Vier Sohne und eine Tochter entsprossen der Ehe. 
Familie und Geschaft liefien W. M. mit Frankfurt verwurzeln, machten die 
Stadt und das Land seiner Geburt zu seiner Vaterstadt und seinem Vaterland. 

In die offentliche Tatigkeit kam W. M. von der Armenpflege und privaten 
Fiirsorge aus. Von Politik hielt er sich allzeit fern, parteipolitische Fragen 



Merton 



239 



waren ihm wesensfremd und unwesentlich. Tatige Anteilnahme an Staats- und 
Stadtgeschaften lag aufierhalb seiner Wiinsche und Neigungen. Er begann 
seine soziale Arbeit in der in Frankfurt von alters her mitTakt und Verstandnis 
geiibten Kunst des Almosengebens, der Unterstiitzungen aller moglichen Be- 
strebungen. Ihm, dem geborenen Kaufmann und Organisator, wurde aber als- 
bald das Geben zu einem wissenschaftlich systematisch zu erfassenden Problem 
wie zu einer durch schopferische MaBnahmen zu losenden praktischen Aufgabe. 
Er ging den Weg von den Armen zur Armut, von der Armut zur sozialen Arbeit 
und fand von'da die Briicke zur Wirtschaft und Verwaltung. In der privaten 
Fiirsorge kniipfte er an die Neuordnung der stadtischen Armenpflege Frank- 
furts in den achtziger Jahren durch Miquel und Flesch an. Enge Arbeitsgemein- 
schaft verband ihn hier mit Charles Hallgarten. Zur Sozialpolitik fiihrten ihn die 
Februarerlasse von 1890, die aufsteigende Arbeiterbewegung. 

Wie in seinen geschaftlichen Unternehmungen sah er auch in der Wohlfahrts- 
pflege und in der sozialen Arbeit als nachste und wichtigste Aufgabe: Die 
Schaffung leistungsfahiger Arbeitsstatten, grofie soziale Unternehmungen, die 
auf sicherer finanzieller Grundlage, ausgestattet mit alien Hilfsmitteln kauf- 
mannischer Technik unter der Leitung wissenschaftlich gebildeter sozialer Be- 
rufsbeamter planmafiig, standig, frei, unabhangig von Launen und Stimmungen 
wohltatiger Geldgeber, gleich kaufmannischen Unternehmungen oder offent- 
lichen Behorden als freie Wahrnehmer und Verwalter offentlicher Interessen 
arbeiteten, dienstbar und untertan allein dem gemeinmitzigen Zweck, den sie 
zu erfiillen hatten. 1890 bereits legte er in dem Institut fur Gemeinwohl den 
Grundstein fur alle seine sozialen und wissenschaftlichen Unternehmungen, 
1896 erhielt es die rechtliche Form. Aus ihm gingen in den nachsten Jahren 
fur die verschiedenen Aufgabengebiete mannigfache Zentralen in der Form 
von Gesellschaften, Vereinen oder Stiftungen hervor. 1891 die Gesellschaft fiir 
Wohlfahrtseinrichtungen fiir Errichtung und den Betrieb von Volkskiichen, 
Speisehallen, Kantinen. 1893 wurden die Blatter fiir soziale Praxis herausge- 
geben, die zwei Jahre spater mit dem Sozialpolitischen Zentralblatt zur » Sozialen 
Praxis « verschmolzen wurden. 1896 trat in die Gesellschaft Soziale Praxis eine 
Gruppe fiihrender Sozialpolitiker, die sich urn den ersten »Sozialminister« 
v. Berlepsch scharten, ein. Durch die Vermittlung der Gesellschaft fiir soziale 
Reform wurde das Band mit den internationalen Vereinigungen des Arbeiter- 
schutzes gekniipft. Zur Sicherung aller dieser Verbindungen wurde 1904 in 
Berhn das Bureau fiir Sozialpolitik unter der Leitung von Prof. Ernst Francke 
ins Leben gerufen. In Frankfurt entstand 1895 die erste gemeinniitzige Rechts- 
auskunftstelle, 1899 folgte ihr die Zentrale fiir private Fiirsorge, 1902 das 
Soziale Museum. 1908 wurde das Institut fiir Gewerbehygiene errichtet, ihm 
folgte einige Jahre danach das Kaiser-Wilhelm-Institut fiir Arbeitsphysiologie. 
W. M. hatte von friih an, so sehr er fiir den Kaufmann die Gabe der Intuition, 
die Fahigkeit der raschen Erfassung der Lage, des schnellen EntschlieBens, des 
tatkraftigen Handelns schatzte, die Bedeutung wissenschaftlich systemati- 
scher Kenntnisse imd allseitiger Bildung erkannt. Fiir ihn waren Wissenschaft 
und Praxis, Wirtschaft und Sozialpolitik, Wirtschaft und Verwaltung nichts 
Getrenntes, nebeneinander Bestehendes, sondern ein im Grunde wie in alien 
seinen Teilen Zusammengehoriges. Den Kaufmann, Techniker und Industriellen 
fiir die Fragen und Formen der sozialen Arbeit, fiir Wesen und Arbeitsweise 



24O I9i6 

der Verwaltung kundig und einsichtig zu machen, den Beamten in das wirt- 
schaftliche und soziale Leben einzufiihren und mit seinen Bediirfnissen ver- 
traut zu machen, den Arbeitern und Angestellten das Verstandnis fur Wirt- 
schaft und Staat zu erschlieBen und sich mitverantwortlich zu empfinden, 
waren fur ihn die Kernpunkte einer Entspannung der wirtschaftlichen, politi- 
schen und sozialen Gegensatze in unserem Volke. Deshalb stellte er sowohl seine 
kaufmannischen Unternehmungen als auch insbesondere seine sozialen Zen- 
tralen in den Dienst der Aus- und Fortbildung fiir Kaufleute, Techniker, In- 
dustrielle, Beamte, Arbeiter und Angestellte. Hier traf er sich mit den Planen 
v. Adickes, in Frankfurt eine Universitat oder einen neuen Hochschultyp ins 
Leben zu rufen. 

1901 entstand als Vorstufe hierfiir die Akademie fiir Sozial- und Handels- 
wissenschaften ; aus ihr gingi9i4 die Universitat hervor. M.s Ziel war darauf 
gerichtet, Akademie wie Universitat als Fortbildungs- und Forschungsstatte 
fiir soziale und wirtschaftliche Fragen zu entwickeln ; deshalb rief er in Er- 
ganzung zu ihnen 1901 die Gesellschaft fiir wirtschaftliche Ausbildung ins 
Leben, betrieb er mit Nachdruck die Errichtung einer wirtschafts- und sozial- 
wissenschaftlichen Fakultat. 

Der Krieg setzte W. M. die Aufgabe, seine international verzweigten Unter- 
nehmungen neu aufzubauen, die deutschen Unternehmungen fiir die Kriegs- 
wirtschaft umzustellen. Die sozialen Zentralen traten restlos und vom ersten 
Kriegstag an in den Dienst der Kriegswohlfahrtspflege. Die Gesellschaft fiir 
wirtschaftliche Ausbildung schuf in dem wirtschaftlichen Nachrichtendienst 
das Organ fiir die Unterrichtung der deutschen Wirtschaft und Verwaltung 
iiber die Vorgange in der Weltwirtschaft und die wirtschaftlichen Maflnahmen 
der Gegner wie der Neutralen. 

W. M. war von Anbeginn seines Wirkens an ein Pionier, ein Fuhrer auf 
neuen Wegen, schopferischer Organisator in der Kaufmannschaft, in Industrie 
und Handel wie in der sozialen Arbeit. Ihm wurde jedes Erlebnis Anlafl zur 
Tat. Als sein jiingster Sohn 1914 im Westen gefallen war, schuf er ihm zum 
Gedachtnis an der Frankfurter Universitat den ersten ordentlichen Lehrstuhl 
fiir Padagogik an einer preufiischen Hochschule. 

Sein Leben war allezeit der Sache untergeordnet, hinter seinen Werken stand 
er ungekannt. Seine stete Sorge war, sie unabhangig von auBeren Einfliissen — 
in geschaftlicher von Borsen und Banken, in sozialer von Behorden und Par- 
teien — zu machen, nur ihrem eigenen Zwecke dienstbar, auch von sich und 
seinem Leben unabhangig zu stellen. Sein Leben war durchdrungen von der 
Cberzeugung, daB ein jeder an seinem Platz ein Organ des Staates sein musse, 
daB jede Tatigkeit, auch die freieste, einen offentlichen Dienst darstelle, daB 
jedes Leben der Pflichterfiillung gegen Volk und Staat gewidmet sein musse 
und zu dienen habe. 

Literatur: 1 . Philipp Stein : Willi elm Merton. SchriftenJderUniversitat Frankfurt 191 7. 
— 2. Jahresberichte des Instituts fiir Gemeinwohl 19 17. 

Frankfurt a. M. Philipp Stein. 

Munsterberg, Hugo, * 1. Juni 1863 in Danzig, f 16. Dezember 1916 in Cam- 
bridge, Mass. U. S. A., Philosoph und Psycholog. — M.s Vater war ein Danziger 
Holzhandler, ein Mann von weit reichenden internationalen Beziehungen und 



Merton. Miinsterberg 24.I 

Interessen; seine Mutter, selbst kiinstlerisch veranlagt, sorgte dafiir, daC in 
dem lernbegierigen Knaben der Sinn fiir alle Kiinste geweckt wurde. Mit drei 
Briidern, von denen zwei betrachtlich alter waren, wuchs er in inniger Gemein- 
schaft auf . Der Unterricht auf dem streng humanistischen Gymnasium (die 
Schiiler muBten z. B. Verse aus der » Jungfrau von Orleans « in griechische Hexa- 
meter iibertragen) geniigte dem Ausdehnungsbedtirf nis des Knaben keineswegs : 
so lernte er auf eigene Faust Arabisch, schrieb ein Fremdworterlexikon u. dgl. m. 
Neunzehnjahrig bezog er die Universitat. Zuerst studierte er Medizin, dann 
ging er in Leipzig unter Wundts EinfluB zur Psychologie iiber und erwarb den 
Grad des Dr. phil., 1887 wurde er Dr. med., verheiratete sich mit Selma Oppler, 
einer begabten Malerin, und habilitierte sich fiir Philosophie an der Universitat 
Freiburg i. Br. Wahrend er in Freiburg AnschluB an Riehl und besonders an den 
gleichaltrigen Rickert fand, spannen sich engere briefliche Beziehungen an zu 
Theodor Lipps, Windelband, Simmel, Natorp, Vaihinger, Paul Hensel und dem 
Unterzeichneten. Die Hauptarbeit des 1891 zum a.o. Professor ernannten 
jungen Gelehrten gait der experimentellen Psychologie. Trotz mancher scharfen 
Angriffe auf seine Arbeitsweise schuf er sich einen solchen Namen, daB er auf 
Betreiben von William James 1892 an die Harvard-Universitat zur Leitung des 
dortigen Psychologischen Laboratoriums berufen wurde. Herzlich aufge- 
nommen und unterstiitzt von James, Palmer und Royce entfaltete er dort eine 
iiberaus fruchtbare Tatigkeit, kehrte aber nach drei Jahren zuriick, um wieder 
in Freiburg Philosophie uijd Psychologie zu lehren. Erst im September 1897 
entschloB er sich zur endgiiltigen tjbersiedelung nach Cambridge, Mass. Hier 
blieb er, obwohl Berufungen nach Oxford und Konigsberg ihm die Aussicht auf 
andere Wirkungskreise eroffneten. Denn er hatte an der Harvard-Universitat 
nicht nur eine groBe Zahl fachmaBig Psychologie Studierender, sondern auch 
ein prachtvoll ausgestattetes Institut, das spater in die nach seinen Entwiirfen 
erbaute Emerson-Hall (einer ^School of Philosophy «) verlegt wurde. Vor allem 
konnte er dort andere groBe Plane verwirklichen. Sein Werk war der Inter- 
national Congress of Arts and Science, der 1904 bei Gelegenheit der Weltausstel- 
lung in Saint Louis zusammentrat. M. empfand es als einen Fehler, daB bei 
f riiheren Weltausstellungen die Kongresse zusammenhangslos neben- und nach- 
einander getagt hatten: in Paris z. B. im Jahre 1900 nicht weniger als 125 Kon- 
gresse ; er wollte die Einheit der geistigen Kultur zur Erscheinung bringen und 
stellte eine fein gegliederte tlbersicht iiber die Wissenschaften und Kiinste auf, 
innerhalb deren die eingeladenen Redner ihre bestimmt umgrenzten Vortrage 
hielten. Das gewaltige Unternehmen war zugleich gedacht als Zeichen der Ver- 
briiderung Europas mit Amerika. Der gleichen Absicht diente die Begriindung 
des Berliner Amerika-Institutes und die Einrichtung der Austauschprofessuren ; 
M. selbst weilte als Leiter des Instituts und Austauschprofessor vom Oktober 
1910 bis zum September 191 1 in Berlin. Dann kehrte er nach Harvard zuriick 
und verlebte dort drei Jahre, die vom Sonnenschein iibergossen waren. Aber 
mit dem Beginn des Weltkrieges kamen auch fiir ihn die dunklen Wolken. Von 
Anfang an stellte sich M. auf den Standpunkt: Die Vereinigten Staaten haben 
mit dem Vaterlande Steubens immer in Frieden gelebt und diirfen ihn nicht 
brechen; er vertrat diesen Standpunkt leidenschaftlich in Buchern, Zeitungs- 
aufsatzen und Reden ; in den stets nur aus eigenem Antrieb erfolgenden Mit- 
teilimgen an die deutsche Botschaft und an die Freunde in der Heimat ver- 

DBJ 16 



242 I9i6 

suchte er zwar, den Stand der offentlichen Meinung in Amerika klar zu machen 
und Handlungen zu verhiiten, die von den Amerikanern als feindlich emp- 
funden werden konnten ; andererseits aber blieb er unermiidlich in der Ver- 
teidigung Deutschlands. Obwohl ihm dies Vorgehen selbstverstandlich schien, 
mufite er es erleben, daJ3 viele Kollegen (nicht die Studenten) und selbst alte 
Freunde sich von ihm zuriickzogen. Besonders rauh wurde die L,uft, nachdem 
in den » Times « ein aus Neuyork stammender, nicht unterzeichneter Aufsatz 
erschienen war »The kaiser's agents in American und ein reicher Londoner sich 
erboten hatte, der Harvard-Universitat 10 Millionen Dollars zu vermachen, 
wenn M. entlassen wiirde. Die Universitat lehnte es freilich ab, so zu handeln ; 
immerhin war die Lage fiir M. schwer ertraglich geworden. Nur die zuversicht- 
liche Hoffnung auf einen nahen Frieden hielt ihn aufrecht. Er starb im De- 
zember 1916, mehrere Monate vor der Kriegserklarung der Vereinigten Staaten. 
M.s menschliches Wesen war gekennzeichnet durch Hilf sbereitschaft und Ver- 
trauensseligkeit ; in seinem Innern lebte iiberhaupt eine verschwimmende Ro- 
mantik, die man dem scharfsinnigen Experimentator und rastlosen Arbeiter 
kaum zutrauen mochte. Sein Bediirfnis, sich auszugeben, kannte keine Grenzen. 
Auch die Wissenschaft wollte er nicht nur fordern, sondern ebenso sehr aus- 
breiten. Von den popularen Schriften sind am wichtigsten diejenigen, in denen 
die Wirtschaftspsychologie begriindet worden ist. Seine Beitrage zur experi- 
mentellen Psychologie sind voll von fruchtbaren Gedanken inhaltlicher und 
methodologischer Art. Das philosophische Hauptwerk, die »Philosophie der 
Werte«, gibt Weltanschauung auf Grund einer Wertlehre, die ganz anders ge- 
artet ist als jede Naturwissenschaft, die es nicht mit mechanisch und ursach- 
lich verketteten Tatsachen, sondern mit einem zweck- und sinnvollen Lebens- 
zusammenhang zu tun hat. Endlich sei noch auf das Buch »Die Amerikaner* 
hingewiesen. Es behandelt das politische, das wirtschaftliche, das geistige und 
das soziale Leben des Nordamerikaners, nicht in aufierlicher Beschreibung, 
sondern von innen her als Geist der Selbstbestimmung, Selbstbetatigung, 
Selbstvervollkommnung, Selbstbehauptung. 

Literatur: Naheres in dem Geleitwort, das ich der 2. Auflage der »Grundziige der 
Psychologie «(Leipzig, J.A.Barth, 1918) beigegeben habe; hier auch eine Zusammenstel- 
lung der Schriften M.s. Am ausfuhrlichsten das wertvolle Buch der alteren Tochter: Hugo 

M., his life and work. By Margaret A/. New York, London, D. Appleton and Co. 1922. 

Berlin. Max Dessoir. 

Reger, Max (Maximilian), Generalmusikdirektor Prof. Dr., * in Brand 
(Bezirksamt Kemnath in Bayern) am 19. Marz 1873, f in Leipzig am 12. Mai 
1916. — »Max R.s GroCvater, ein Bauernsohn aus Rannersdorf (Bezirksamt 
Cham in Bayern) , war Schneider in Pemfling und liegt mit seiner Ehef rau in 
Schwarzach bei Nabburg begraben.« »Nicht allein R.s Vater war ein aufier- 
ordentlich intelligenter Kopf , sondern auch dessen drei Briider, die sich samt- 
lich dem Ivehrerberuf zugewendet. Sie wurden in einfachster Weise von ehr- 
samen, schlichten Eltern erzogen. Da wurde keine Kraft vergeudet, vielmehr 
gedieh alles auf einer urgesunden, einfach biirgerlichen Grundlage.« »R.s 
Mutter war eine hochbegabte, fiir alles Schone und Gute wohlempfangliche 
Frau . . .« »Sie stammte aus sehr angesehener Familie. Ihr Vater war Guts- 
und Fabrikbesitzer in Groschenreuth bei Erbendorf, ein hochst arbeitsamer. 



Miinsterberg. Reger 243 

rastloser Geist, der sich fiir seinen Betrieb manch eigene Erfindung ausklugelte 
und dann praktisch verwertete. « * 

Max R.s Vater, Joseph R., war bis 1874, als der Sohn ein Jahr alt war, 
Lehrer in Brand in Bayern. Dann wurde er als Praparandenlehrer nach dem 
oberpfalzischen Landstadtchen Weiden versetzt. Der kleine Max erhielt Kla- 
vieninterricht zuerst von seiner Mutter, Philomena R., dann von einem jungen 
Lehrer Adalbert Lindner, der eine ausgepragte klavierpadagogische Bef ahigung 
hatte. Es ist derselbe, der einige Jahre nach R.s Tode iiber seine Erinnerungen 
an seinen Schiiler und spateren Freund das Buch geschrieben hat, das iiber 
dessen Jugendleben wie auch iiber seine kunstlerische Entwicklung, daneben 
auch iiber die ganze Umwelt, in der er aufgewachsen ist, den ausfuhrlichsten 
und anschaulichsten, durch Veroffentlichung von Jugendbriefen R.s noch be- 
sonders wertvollen Bericht gibt. Die iiberaus raschen Fortschritte, die der 
Knabe bei Lindner in den Jahren 1884 — 1889 im Klavierspiel machte, und 
die ersten Anzeichen einer ungewohnlichen kompositorischen Begabung, die 
der Lehrer mit sicherem Blicke erkannte, veranlaBten R.s Eltern, sich mit 
dem damals noch in Hamburg wirkenden beriihmten Musikgelehrten und 
Musikpadagogen Hugo Riemann in Verbindung zu setzen, der nach Einsicht 
in einige friihe Kompositionsversuche den Rat gab, unbedenklich den Sohn 
sich der Musik als Lebensberuf zuwenden zu lassen. Joseph Rheinberger, der 
Direktor der Miinchner Koniglichen Musikalischen Akademie, der auch um 
Rat gefragt wurde, schrieb weit kiihler imd vorsichtiger. Im Orgelspiel hatte 
R. an einer kleinen Hausorgel bereits eine betrachtliche Fertigkeit erlangt, 
die er im praktischen Kirchendienst als Stellvertreter Lindners in den ka- 
tholischen Gottesdiensten der Weidener Simultankirche in den Jahren 1886 
bis 1889 verwendete und vervollkommnete, wobei er in freien Phantasien 
schon durch kiihne Harmonik und Selbstandigkeit der Auffassung Verwun- 
derung erregte. Ein Besuch der Wagner-Festspiele im nahen Bayreuth im 
Jahre 1888, wo R. die »Meistersinger« und »Parsifal« horte, machte auf ihn 
einen aufriihrenden Eindruck. Indessen wurde Riemanns Rat: ^Lassen Sie ihn 
Bach und Beethoven studieren — Bayreuth ist Gift fiir ihn« befolgt, wenn 
auch im Klavierunterricht neben Beethoven auch Chopin und Liszt vor- 
wiegend beriicksichtigt wurden und das nahere Verhaltnis zu Bach erst bei 
Riemann selbst in R. geweckt wurde. Ehe dieser nach Sondershausen ging, 
wo Riemann im Jahre 1890 eine kiirzere Wirkungszeit hatte, absolvierte 
er die Praparandenschule in Weiden und machte auch noch die Aufnahme- 
priifung in das Lehrerseminar in Amberg. In alien Schulfachern erwies er sich 
stets als der beste und begabteste unter den Mitschiilern. In Riemanns 
Theorie der Harmonik und der Phrasierung war er schon durch umfassende 
Ubungen eingearbeitet. 

In Sondershausen verkehrte er in Riemanns Haus wie ein Zugehoriger. 
Seine schon friiher hervortretende Neigung zu polyphoner Schreibweise er- 
hielt hier theoretische Forderung, wenn auch neben der Beschaftigung mit 
Bach das Romantisch-Homophone dort bei seinen Mitschiilern noch im Vor- 
dergrund stand. Den Leistungen des Sondershauser Orchesters stand er, ob- 
wohl ohne Konzerterfahrung, bereits kritisch gegeniiber, da er sich in die 

1 Adalbert Lindner, M. R., ein Bild seines Jugendlebens und kiinstlerischen Werdens, 
Stuttgart 1922. 



244 igi6 

klassischen Werke mit personlicher Vertiefung eingearbeitet hatte. Seine Ur- 
teile haben aber sicherlich einige Zeit unter dem bestimmenden EinfluB Rie- 
manns gestanden, von dem er sich spater fast gewaltsam losgemacht hat. In- 
dessen hat Riemanns steter Hinweis auf Brahms bei ihm eine Saite getroffen, 
deren Erklingen durch sein ganzes Leben hindurch wirksam gewesen ist. Im 
ubrigen erhielt er entscheidende Eindriicke durch die Musik Bachs und die 
protestantische Kirchenmusik iiberhaupt. Protestantische Chorale durch- 
ziehen viele seiner Arbeiten sein ganzes Leben lang. Er selbst gehorte der 
katholischen Konfession an und war von seinen strengglaubigen Eltern 
darin erzogen worden, wo von allerdings der Vater im Gegensatz zur Mutter 
und vielleicht auch zu seiner Schwester, auBer der er keine Geschwister hatte, 
zu einer gewissen Milde neigte. Die mystische Stimmung des katholischen 
Gottesdienstes kommt sein ganzes Leben hindurch immer wieder in seinen 
Werken religioser Farbung zum Ausdruck. Ganz ist sie dem Bachschen Luther- 
tum ja auch nicht fremd. Den Ausgleich bot R.s Neigung und Erziehung zu 
festen und strengen musikalischen Formen. Durch Riemann hat er sicherauch 
viel altere Musik kennen gelernt. Vor allem aber hat dieser sein Lehrer zweifel- 
los dahin gestrebt, R.s Interesse von Wagner und Liszt, vollends von deren 
Nachahmern, abzulenken zugunsten von Brahms und alteren Meistern. Als 
dann spaterhin R. eine gewisse Verschmelzung der klangaussnutzenden mit 
den formbetonenden Elementen vornahm, zeigte sich der unheilbare RiB zwi- 
schen ihm und seinem ehemaligen, ihm nun auch MaBlosigkeit vorwerfenden 
Lehrer, der schlieBlich in dem Kampfartikel R.s von 1907 einen offentlichen 
Ausdruck fand. 1 

Mit Riemann zusammen, der nur drei Monate dieStellung am Sondershauser 
Konservatorium behielt, ging R. dann im Jahre 1891 nach Wiesbaden. Dort 
wurde aus einem Lernenden bald ein Lehrer an dem Konservatorium, an dem 
Riemann wirkte, zunachst fur Klavier- und Orgelspiel. Fur die nun entstehen- 
den Kompositionen, zunachst Kammermusik, die sich an Beethoven und Brahms 
anlehnt, und die ein gewisses Aufsehen erregte, so auch in Berlin in einem 
eigenen Reger-Konzert, verschaffte ihm Riemann einen Verleger, Augener & 
Comp. in London. Wohl auf dessen Betreiben lieB R. den groBangelegten ersten 
Werken eine groBe Anzahl von Kompositionen in den kleineren Formen des 
Liedes und des romantischen Klavierstiickes folgen, daneben kanonische 
Ubungen. All dieses fand wenig Beachtung, wie auch die Anfangswerke 
wieder in Vergessenheit gerieten. Aber eine Suite fur Orgel, op. 16, erregte das 
Interesse eines jungen, mit R. gleichaltrigen Orgelvirtuosen in Berlin, der sie 
1897 in seinen dortigen Konzerten auffiihrte. Es war Karl Straube, der 
fur R. noch von groBer Bedeutung werden sollte. 

Bis 1895 wirkte Riemann, bis 1896 R., zuletzt auch fur Theorie, als Lehrer 
am Fuchsschen Konservatorium in Wiesbaden. Dieser geniigte hierauf seiner 
Militarpflicht als Einjahrig-Freiwilliger am selben Orte, bis ihn eine schwere Er- 
krankung an ihrer Beendigung hinderte. Auch seelisch erlebte er in den letzten 
Wiesbadener Jahren Riickschlage, veranlaBt wohl in erster Linie durch die 
Erfahrung, daB eine Wirkung seiner Kompositionen in groBerer Breite sich 

l tNeue Musik-Zeitun™*, 31. Oktober 1907. Vollstandig abgedruckt iin Anhang zu Karl 
Hasse, M. R., Leipzig, C. F. W. Siegel (Linncmann), in der Sammlung » Die Musik « # zu- 
sammen mit den anderen Aufsatzen R.s. 



Reger 245 

nicht einstellen wollte. Seine kritische Tatigkeit an LeBmanns »Allgemeiner 
Musikzeitung« mochte ihm auch Feinde gemacht haben, die fiir ihn damals- 
aussichtsreiche Laufbahn als Klaviervirtuos schlug er nicht ein, da er seinen 
Benif zum Komponisten zu stark fiihlte. Schwere seelische Depressionen 
kamen zu dem korperlichen Zusammenbruch hinzu. Seine Krankheit fuhrte 
ihn hart am Tode vorbei. Seine Lebensweise drohte ihn einer allgemeinen Zer- 
riittung zuzufiihren. 1897 entspann sich zwischen ihm und Brahms noch ein 
kleiner Briefwechsel, dem dessen Tod bald ein Ende bereitete. In Wiesbaden 
entstand neben den eigenen Kompositionen auch eine groBe Reihe Bearbei- 
tungen Bachscher Orgelwerke fiir Klavier zu zwei und vier Handen. 1898 wur- 
den die Besorgnisse der Eltern iiber des Sohnes innere und auBere Zustande 
so groB, daB sie ihn durch seine Schwester heimholen lieBen. 

In Wei den besserte sich bei ruhiger und gleichmaBiger Lebensweise seine 
Krankheit, ein Halsgeschwur, rasch. Mit dem korperlichen Wohlbefinden 
wuchs rasch seine Schaffenskraft, zumal alle Ablenkungen der groBen Stadt 
und des Lehrberufs wegfielen und er neuer Anregungen von auBen her langere 
Zeit nicht zu bediirfen schien. Trotzdem klingt aus seinen Werken dieser Zeit 
neben der auBersten Machtentf altung immerwieder eine Art Verzweiflung hin- 
durch. Je langer je mehr muBte er die heimischen Verhaltnisse auch trotz der 
verstandnisvollen Freundschaft seines ehemaligen Lehrers Lindner als Enge 
empfinden, deren Bitternis ihn hart bedrangte. Sein kompositorisches Schaffen 
nahm hier einen plotzlichen ungeheuren Aufschwung. Eine erstaunliche An- 
zahl groBer bedeutender Werke ist in den drei Jahren, die er im Elternhaus 
blieb, entstanden, vor allem seine grandiosen Orgelwerke, daneben Lieder und 
groBangelegte Gesange, sowie Kammermusik. Der Sturm und Drang hatte sich 
zu unerhorter Fruchtbarkeit gewandelt. Ein Quintett mit Klavier, das in der 
letzten Wiesbadener Zeit entstanden ist und das Augener neben einigen 
anderen Werken zu veroffentlichen ablehnte, wodurch es erst nach R.s Tode 
offentlich bekannt geworden ist, bildet den Auftakt zu den Weidener Werken. 
Das Thema des Todes ist es dann, das den tiefen und schwerlastenden Grund- 
ton abgibt zu seinen groBen Schopfungen. Protestantische Chorale ziehen sich, 
als Grundlage oder stimmunggebendes Zitat, durch sie hindurch. Die Formen 
der Variation und der Fuge, der Phantasie und der Sonate werden in neuer 
Weise und unter Benutzung einer kiihnen, weitausgreifenden Harmonik der 
Orgel aufs neue dienstbar gemacht, wie sie auch die Kammermusik befruchten. 
R. sprengt die Formen so wenig wie die tonale Harmonik, sondern erweitert 
und erneuert sie. 

Im Jahre 1901 siedelte die Familie nach der Pensionierung des Vaters nach 
Miinchen iiber. Diese Stadt wurde des Sohnes wegen gewahlt. Er hoffte, dort 
auf Grund seiner Arbeiten sich bald ein selbstandiges Dasein schaffen zu 
konnen. Seine harten Kampfe mit der kleinbiirgerlichen Enge, wohl auch mit 
mancher katholischen Bigotterie, in der Heimat (Lindner laBt das Leben R.s 
in Weiden im SchoBe der Familie doch wohl etwas zu idyllisch erscheinen) 
wurden nun abgelost von neuen und nicht leichteren Kampfen mit der in 
Miinchen herrschenden musikalischen Richtung. Bald geriet er in noch groBere 
Kampfe mit der ganzen deutschen Musikwelt. Er hatte vor, unter der Fahne 
des j^Fortschritts « zu kampfen, gelegentlich bezeichnete er sich sogar als »extrem- 
ster Fortschrittler<(, und so hatte er die Anhanger der klassischen Musik ein- 



246 I9* 6 

schlieBlich der Brahmsschen, denen er wegen seiner Kiilinheiten als solcher 
trotz seines wahrhaft hingebenden Anschlusses an die von ihm so iiberaus 
hoch gehaltenen groBen Meister erscheinen muBte, vielfach noch lange Zeit 
zu Gegnern. Auch mit dem literarischen Fortschritt dieser Zeit war er wohl 
vertraut durch sein fortwahrendes Studium der neuesten Lyrik, um Lieder- 
texte zu finden. Aber sein Standpunkt war doch auch sehr verschieden von 
dem der in Miinchen ansassigen Vertreter des musikalischen »Fortschrittes«. 
Zu Richard Straufl unterhielt er gute personliche Beziehungen trotz des 
beiderseits bewuBten grundsatzlichen Unterschiedes der musikalischen Stel- 
lung. Bald aber wurde er von alien Lagern her befehdet. Er fiihlte, daB ihm 
von rechts wie von links »Scheiterhaufen angeziindet« wurden. Die Erobe- 
rungen, die er dennoch im offentlichen Musikleben machte, verdankte er zu- 
nachst seinem Klavierspiel, das weniger durch Virtuositat als durch musi- 
kalische Qualitaten feinster Art, besonders durch einen bis dahin kaum ge- 
kannten samtweichen, dabei klar disponierten Anschlag Aufsehen erregte, der 
zur Kraftentfaltung, deren er fahig war, einen wirksamen, aber nicht auBer- 
licheu, sondern durch die ganze Skala der dazwischenliegenden Abstuf ungen 
organisch verbundenen Gegensatz bildete. R. trat auch weniger als Solist — 
als solcher nur hier und da, meist mit Bachschen oder Mozartschen Klavier- 
werken — , wie als Liederbegleiter und Kammermusikspieler vors Publikum. 
Auf diese Weise wurden durch seine Mitwirkung seine Lieder und Kammer- 
musikwerke allmahlich mehr und mehr bekannt, wenn sie auch zunachst ab- 
norm und kurios wirkten und ihre tiefe Schonheit und innere Kraft und Wahr- 
heit erst ganz allmahlich erkannt wurde. Am meisten Widerspruch setzte ihm 
die offentliche Kritik entgegen, die ihn iiberhaupt mit auBerster Hartnackig- 
keit und teil weise bis ans Ende seines Lebens bekampft hat. Bald aber traten 
zuerst vereinzelte, dann immer mehr Stimmen fur ihn ein. SeineKonzertreisen 
fiihrten ihn immer weiter und durch ganz Deutschland hindurch, auch nach 
Wien und Prag. »Reger-Abende« begannen da und dort veranstaltet zu werden. 
Als er nach langer Vorbereitungszeit zum ersten Male sich unter die Kom- 
ponisten fiir Orchester begab, war die Aufmerksamkeit aller musikalischen 
Kreise Deutschlands schon aufs starkste fiir ihn interessiert. Er konnte jetzt 
nicht mehr iibersehen werden. Hatte er doch nun schon langst auf seinem an- 
fanglichen Spezialgebiete, dem der Komposition fiir Orgel, starkste Beach- 
tung gefunden, zumal durch das Eintreten Karl Straubes, der als Organist des 
Wilibrordi-Domes in Wesel und seit 1903 der I^eipziger Thomaskirche sowie 
auf seinen Konzertreisen unermiidlich jedes neue Orgelwerk R.s unter Uber- 
windung aller von anderen fiir uniiberwindlich erklarten Schwierigkeiten zur 
weitesten Wirkung brachte, der auch durch Aufsatze in der »Monatsschrift 
fiir Gottesdienst und kirchliche Kunst«, in den Jahren 1900 — 1902, fiir R.s 
Orgel werke eintrat. Allmahlich schlossen sich auch andere Orgelspieler an, 
bis R.s Orgelwerke neben denen von Bach zum unumganglichen Bestande 
jedes Orgelspielers gehorten, der als solcher einige Geltung beanspruchte. 
Denn seit Bach waren nicht mehr Orgelwerke geschaffen worden, die auf der 
vollen Hohe des allgemeinen musikalischen Niveaus standen. R. holte die 
sicherlich groBartige Entwicklung, die die Orchestermusik im 19. Jahrhundert 
erfahren hatte, fiir die Orgel nach. Seine groBen Phantasien iiber protestan- 
tische Chorale und iiber den von ihm gliihend verehrten Namen B-A-C-H mit 



Reger 247 

ihren gewaltigen Schluflfugen, ferner die grofle, angeblich durch Dantes»H611e« 
angeregte Phantasie und die groBen »Variationen iiber ein eigenes Thema« be- 
deuten ragende Marksteine in der Entwicklung der Orgelmusik. 

Auch die Kammermusik bekam durch R.s Tatigkeit wieder ein erhohtes 
Interesse in weiteren Kreisen als den bisher doch sehr exklusiven Anhangern 
der klassischen, romantischen tind Brahmsschen Kammerkunst. R. fiihrte das 
Werk von Brahms weiter und trat fur dessen Kammermusik und fur die der 
Klassiker und Romantiker ein wie fur seine eigene. 

In Munchen griindete sich R. bald einen eigenen Hausstand durch seine 
Verheiratung mit Elsa v. Bagensky, deren erste Bekanntschaft er schon in 
Wiesbaden gemacht hatte. 1 Seine finanzielle I*age war dabei noch nicht vollig 
gesichert. Seine Kompositionen wurden zwar jetzt, nach langerer Zeit der Ab- 
lehnung durch die Verleger, wieder gedruckt. Aber viel Geld verdiente er da- 
durch nicht. Die Konzerte, zu denen er engagiert wurde, brachten ihm anfangs 
auch nicht allzuviel ein. So mufite er sich durch Stundengeben noch Geld zu 
verdienen suchen. Dies war ihm indessen nicht in gleichem MaBe zur Last wie 
so manchem anderen Komponisten. Es hemmte seinen Ideenflug nicht, denn 
seine Art zu komponieren war nicht so, daB er immer auf »Stimmung« oder 
das von ihm mit einem gewissen MiBtrauen auf seine Echtheit hin betrachtete 
ainnere Erlebnis« angewiesen war. Ihm formten sich seine Werke im Kopfe in 
so reicher Zahl und so fertiger Gestalt, daB er immer schreiben konnte, wenn 
er am Schreibtisch war. Storungen jeder Art konnten ihm hierbei nichts an- 
haben; es schien manchmal, als ob er mehrere Abteilungen des Gehirns gleich- 
zeitig und unabhangig voneinander arbeiten lassen konnte. Dazu war ihm das 
Unterrichten von Schtilern und der Umgang mit solchen sein ganzes I>ben 
hindurch ein Bedtirfnis. Was er diesen geben wollte, war keineswegs etwas 
besonders Kiihnes und Neues, sondern im Gegenteil der stetige Hinweis auf 
die grofien Meister, auf klare und sichere Formung, auf einwandfreie tech- 
nische Beherrschung. VerstoBe gegen die Harmonielehre und gegen eine strenge, 
sorgfaltige Stimmfiihrung riigte er scharf , und seine Harmonielehre war eine 
streng logische, wie es die Riemannsche Schulung mit sich brachte. Gerade 
durch ihre strenge Logik gab sie aber die Moglichkeit reichster modulatorischer 
Ausbreitung, ohne EinbuBe an for mender Kraft. 

Er selbst hiitete sich, ins Schlepptau der zeitgenossischen Orchesterkompo- 
sition zu kommen, die in der Behandlung des Orchesters sich an Liszt und 
Wagner oder bereits an Richard StrauB anlehnte. Er hatte den Eindruck, daB 
die jiingeren Orchester komponisten oft die Effekte des modernen Orchesters 
besser beherrschten als die Musik im allgemeinen. Viele Fugen und Sonaten 
zu schreiben, hielt er fiir sich wie fur seine Schuler noch immer fur das beste. 
Auch der altesten deutschen Instrumentalform, der Suite, suchte er durch 
neue Gestaltung frisches Leben zu geben. Durch seine Werke fiir Violine allein 
hat er als erster seit Bach auch dieses schwierige Gebiet wieder erobert. Eine 
groBere Freiheit bahnte er hier und da in der Form der Variation an, die er 
anfing als eine Folge von verhaltnismaBig freien Phantasien iiber das Thema 
auszubauen, wobei meist die kronende SchluBfuge in ein strengeres Fahr- 

1 Mitteilungen der R.-Gesellschaft, Heft 1 : Elsa Reger: Wie ich M. R. kennen lernte. — 
Ferner i3./ r 4- Kunstbeilage der » Bielef elder Blatter t: Elsa Reger: Ein unverofFentlicktes 
Lied M. R.s. 



248 I9i6 

wasser wieder einlenkte. AUerdings hatte er die Forraen der Kammermusik 
so ausgeweitet und so groBe und wuchtige Wirkungen aus ihnen herausgeholt, 
daB das, was er hier sozusagen auf rein musikalischem Wege erreicht hatte, 
durch eine tjbertragung und Fortfiihrung auf die groBen auBeren Mittel des 
Orchesters, als er endlich anfing, sich ihrer zu bedienen, etwas ganz Neues 
ergeben muBte. Was sein Innerstes bewegte, hatte er zuerst in seinen groBen 
Orgelwerken auszusprechen vermocht. Es waren gewaltige Auseinander- 
setzungen mit den finsteren Gewalten, die er in sich selbst bekampfte, person- 
liche Bekenntnisse zu einer hoheren Macht, wie sie ihm durch Bach vor allem 
zum BewuBtsein gekommen war, Auflehnungen gegen alle Gewalten, die ihn 
nicht zu sich selbst kommen lassen wollten. Die groBe Phantasie iiber den 
Namen B-A-C-H, iiber die protestantischen Chorale »Ein feste Burg ist unser 
Gott«, »Wachet auf, ruft uns die Stimme«, »Wie schon leucht' uns der Morgen- 
stern<(, »Straf mich nicht in deinemZorn«und andere mehr geben Zeugnis von 
einem Gemiit, das schwere Kampfe durchgemacht hat, das um Befreiung von 
schweren fasten ringt, das aber willens ist, sich einem iiberwaltigenden 
Prinzip der musikalischen Absolutheit bedingungslos unterzuordnen, hinter 
dem es ein iiberwaltigendes gottliches Prinzip als herrschende Macht erkannt 
hat, vor dem es sich demiitig beugt, das zu bezwingen und fur sich zu erobern 
gleichzeitig hochster Stolz ist. Die sinfonische Phantasie »Nach Dante « ist 
davon ein besonders erschiitterndes Dokument. Ist sie doch keine Schilderung 
und Ausmalung eines von auBen geschauten Bildes oder Zustandes, sondern 
das Ringen um Erlosung, die Erkampfung des Kosmos aus dem Chaos im 
eigenen Inner n, ausgedriickt mit rein musikalischen Mitteln, durch Melodien, 
Harmonien und Rhythmen, auf dem trotz aller Klangpracht reinst musikali- 
schen Instrumente, der Orgel, die keinen auBeren Stimmungs- und Klangzauber 
ungeracht laBt und eine rein musikalische Gestaltung, wenigstens fur deutsches 
Empfinden, zwingend fordert. Die groBen SchluBfugen der R.schen Orgel werke 
tiirmen die Tone zu schwindelnder Hohe, Steigerungen werden erzielt, die eine 
Welt aus den Angeln heben zu wollen scheinen. 

Verzweiflung — Kampf — Sieg — , das sind die Etappen, die alle groBen 
Werke dieser friihen Zeit von R.s Meisterschaft bezeichnen. Aus dem Sieg iiber 
sich selbst und iiber die unheimlichen Machte einer grenzenlosen Verzweiflung 
erwachst allmahlich mehr und mehr der Sieg auch iiber die auBere Welt: 
immer fester stellt sich R. mitten in sie hinein, ein grandioser Humor hilft 
ihm iiber vieles hinweg, immer zuversichtlicher wird der Ton seiner groBen 
SchluBfugen. Die groBe C-dur-Sonate fur Violine und Klavier, in der er noch 
einmal seine Verzweiflung und seinen Trotz zusammenf aBt, bringt ihm erneute 
Anfeindung, aber auch starkste Beachtung. Einige Klavierwerke monumentaler 
Anlage, die »Variationen iiber ein Thema von Bach« fur zwei Hande, denen 
die iiberaus schonen »Variationen iiber ein Thema von Beethoven « und die 
titanische » Passacaglia und Fuge« fiir vier Hande auf zwei Klavieren, ferner 
auch die sieghafte Violinsonate mit Klavier in Fis-Moll finden bereits gleich 
nach ihrer Entstehung weitgehende Bewunderung. 

So erklart sich die Spannung, mit der sein erstes Orchesterwerk von den 
musikalischen Kreisen erwartet und von den meisten der groBeren Konzert- 
gesellschaften zur Auffuhrung angenommen wurde. Es war R.s op. 90, wobei 
zu bedenken ist, daB eine groBe Anzahl von Jugendarbeiten nicht veroffentlicht 



Reger 24C) 

und mitgezahlt ist und daB in den meisten R.schen Opusnummern eine ganze 
Serie von Werken, oft groBeren Umfanges, enthalten ist. (Es sind z. B. in einer 
einzigen Nummer vereinigt die 64 Lieder der »Schlichten Weisen«, in einer 
anderen 52 Choral vorspiele fur Or gel, ferner in einer 5 Hefte Klavierstucke mit 
je 6 bis 12 Stiicken. Die 4 Choralkantaten und manches andere, so auch die 
groBe Zahl von Bearbeitungen fremder, vor allem Bachscher Werke, sind dazu 
noch ohne Opuszahl erschienen.) Als dieses erste Orchesterwerk erschien, es war 
im Jahre 1906, war R, 33 Jahre alt. Er nannte es »Sinfonietta«. Er wollte nicht 
mit einer groBen pathetisch-heroischen Sinf onie beginnen und hatte solche auf- 
tauchende Plane schon einige Malewieder verworfen. Auch auf diesem Gebiete 
wollte er Schritt fiir Schritt vorwarts gehen, auch hier etwas schaffen, das ihm 
ganz zu eigen war. Das Orchester hatte er bereits vorher schon verwendet als 
Mittel der Begleitung zu einem Werk fiir Mannerchor, zu zwei Violinserenaden 
und zu einem Chorwerk, dem »Gesang der Verklarten«. Hatte er in diesem die 
denkbar groBte Besetzung mit vielen Blasern, wie es Richard StrauB liebte, 
gewahlt, sowandteerinder»Sinfonietta« ein kleineres Orchester an, sogarganz 
ohne Posaunen. Aber er webte ein wundersames Gewebe aus alien seinen Stim- 
men, alles sollte singen und klingen in selbstandiger Linienfiihrung. An 
moderne »Orchestereffekte« war nicht auch nur von feme gedacht. Es war ein 
Strom schonster, hingebendster Musik. Der Erfolg der Auffuhrungen war groB, 
aber zunachst nicht von Dauer. Man war im allgemeinen doch mehr gewillt, 
die neue Art der Orchesterbehandlung auf »Mangel an Routine « zuriickzu- 
fiihren, als auf einen bestimmenden klaren Willen. 

So gern R. inMtinchen sich einen dauernden Wirkungskreis gegriindet hatte, 
— es kam der Zeitpunkt, wo es sich klar erwies, daB hier fiir ihn doch nicht der 
rechte Boden war. Die »Akademie der Tonkunst« hatte ihn zu ihrem Lehrer 
fur Komposition, Theorie und Orgelspiel ernannt und die Schiiler stromten 
ihm zu. Der »Porgessche Chorverein « iibertrug ihm die Leitung seiner Konzerte, 
Aber weder in der einen noch in der anderen Stellung erbluhte ihm eine Wirk- 
samkeit fiir die Dauer. Er sah sich veranlaBt, da er seinen Willen nicht in ihm 
wichtigen Din gen durchsetzen konnte, beide Amter nach einem Jahre wieder 
niederzulegen. Dem Neid und der Gehassigkeit der Welt stand R. noch nicht 
mit jener iiberlegenen Diplomatic gegeniiber, die notwendig ist, um sich in ihr 
auf ausgesetztem Posten zu behaupten. Diese Diplomatic hat er auch spater 
nicht vollig sich zu eigen gemacht — da hatte er sich selbst verleugnen und 
die Grundlage des vollig eindeutigen Menschen aufgeben miissen, auf der 
seine ganze, von innen ausstromende Kompositionstatigkeit beruhte. Aller- 
dings hatte er genug Stammigkeit und Gesundheit des Wesens, dazu auch einen 
urwiichsigen, kaum je ihn ganz im Stiche lassenden Humor, daB er sich nicht 
unter widrige Verhaltnisse beugen lieB. Er hat stets das Leben in seiner Art 
gebandigt, vorwiegend durch rastlose Arbeit. Seine oft abgrundtiefe Melan- 
cholie ist nie zur Resignation zerflossen. Er war sich bewuBt, daB der tatige 
Mensch immer seine Bahn findet. Er war auch bereit, jeden Kampf, der notig 
wurde, aufzunehmen und durchzufechten. Das pragt sich auch in seiner Musik 
aus. Man wird aber finden, daB seine spateren Werke nicht mehr so vorwiegend 
trotzig und titanenhaft sind wie die seiner fruheren und mittleren Periode. Die 
weltabgewandten Stimmungen iiberwiegen. Nicht mehr der Sieg tiber die Ge- 
walten des eigenen Innern, nicht ein Triumph iiber die Umwelt wird mehr er* 



250 I9i6 

kampft und ertrotzt, sondern eine mystische Verklarung wird erreicht durch 
religiose, demiitige Hingabe. Das Religiose tritt in seinen spateren und letzten 
Werken wieder als bestimmende Macht auf, wenn auch nicht in dem Sinne 
zur auBeren bedingungslosen Unterwerfung etwa unter die katholische Kirche 
schliefilich fiihrend, wie Lindner in seinem Schluflkapitel es darstellt, darin 
einer tendenziosen Ausnutzung einer an sich richtigen Tatsache sich anschlie- 
Bend, deren nahere Umstande aus gewissen Riicksichten von denen, die sie 
kennen, nicht veroffentlicht werden. 

Im Jahre 1907 wurde R. nach Leipzig berufen als Universitatsmusikdirektor 
und als Lehrer fiir Komposition und Theorie am Konservatorium. Die Tatigkeit 
als Universitatsmusikdirektor gab er bald wieder auf, da sie ihm nicht lange 
zusagen konnte, zumal die Organistenstelle an der Universitatskirche wegen 
R.s katholischer Konfession davon abgetrennt worden war, die ihm wahrschein- 
lich mehr Befriedigung gewahrt haben wiirde als die Direktion des Pauliner- 
Sanger-Vereins mit seinem studentisch-korporativen Zuschnitt. Aber das 
Lehramt behielt er bei bis ans Ende seines Lebens. Noch an seinem Todestage 
hat er Unterricht am Leipziger Konservatorium gegeben. In der Leipziger 
Zeit entstanden keine Werke fiir Orgel, trotz Karl Straube und der Thomas- 
kirche, aber mehrere fiir Chor, teils mit, teils ohne Begleitung des Orchesters, 
darunter die fiir den Thomanerchor geschriebenen wunderbar innerlichen 
Motetten und die riesenhafte Komposition des 100. Psalms fiir Chor und 
Orchester mit der gigantischen Schluflfuge. Fiir Orchester allein entstanden, 
nachdem in Miinchen der Sinfonietta die sinnigheitere Serenade und die prach- 
tigen, groBartig humorvollen Variationen iiber ein Thema von Hiller (op. 100) 
gefolgt waren, die ihm uneingeschrankten Erfolg brachten, in Leipzig das Vio- 
linkonzert und das Klavierkonzert, ferner der Sinfonische Prolog zu 
-einer Tragodie, das gewaltigste und tiefste seiner Orchesterschopfungen, 
sowie die Lustspielouvertiire, l ein knappes, heiteres Werk wie aus Filigran 
gewoben. Die Reihe der Kammermusikwerke wurde fortgesetzt, die Klavier- 
werke wurden vermehrt. 

Schon in Miinchen hatte R. angefangen, neben den groBen, schwerwiegenden 
und fiir viele schwerverstandlichen Werke kleinere zu komponieren, die an 
Zuhorer und Ausfiihrende nicht so enorme Anforderungen stellten. Die groBe 
Reihe der »Schlichten Weisen« und der Klavierstucke )>Aus meinem 
Tagebuche« wurde nun in Leipzig noch weitergefiihrt. Einige der aschlichten 
Weisen« sind sehr schnell durch alle Erdteile gedrungen und haben R.s Namen 
geradezu popular gemacht. 

Im Jahre 191 1 wurde R. vom greisen Herzog Georg als Hof kapellmeister 
nachMeiningen berufen. Es gait, den alten Ruhm des Meininger Orchesters, 
-der hauptsachlich von Hans v. Biilow und Fritz Steinbach begriindet war, zu 
erneuern. R. hatte in den letzten Jahren als Orchesterdirigent mit eigenen und 
auch anderen Werken in vielen Stadten groBe Wirkungen hervorgerufen, vor 
allem durch die Subtilitat seiner Ausarbeitung, durch seine musikalische Durch- 
dringung und polyphone Behandlung des Orchesters. So konnte er als berufen- 
ster Brahmsdirigent gelten, wie er schon langst als der beste Klavierspieler in 

1 An ein bestimmtes Lustspiel ist ebensowenig zu denken wie beim Sinfonischen Prolog 
an eine bestimmte Tragodie. Die beiden Werke sind auch rein sinfonisch-konzertmaBiger 
.Natur, ohne Verwendungsmoglichkeit im Theater. 



Reger 25 1 

Brahmsscher Kammermusik bekannt war. Die Pflege Brahmsscher Werke 
war seit der personlichen Verbindung mit Brahms und Biilow fiir Meiningen 
eine besondere und eigene Angelegenheit. R. konnte nun hier in taglicher Arbeit 
mit dem vortrefflichen Orchester seine Eigenart der Orchesterdirektion durch 
Hinzufiigen reicher Erfahrungen weiter entwickeln. Hier machte er auch fiir 
sein eigenes Schaffen die eingehendsten Studien, die seine ganze Setzart fiir 
Orchester wesentlichbeeinfluBten. Seine Erkenntnisse veranlafiten ihn in dieser 
Zeit manchmal, die Brahmssche Orchesterbehandlung fiir zu dickflussig, dessen 
Vorliebe fiir den » verschnupf ten Fagottklang « fiir f ehlerhaf t, die ganze Eigenart 
und »Schwere« des in seinen musikalischen Tendenzen sonst noch immer von 
ihm hoch verehrten Meisters fiir eine zu uberwindende deutsche Unart zu er- 
klaren. Er selbst strebte nach immer groBerer »Durchsichtigkeit«. Sein Ideal 
der Orchesterbehandlung wurde immer mehr die vollige Klarheit Mozarts. 
Auch die modernen Klangexperimente eines Debussy verschmahte er nicht in 
sein Bereich zu ziehen, und sogar die leichtgeschiirzte Art eines Johann StrauB 
f and seine Beachtung. Er komponierte in Meiningen eine Reihe von Orchester- 
werken, die die verschiedenen Phasen seines Bestrebens dokumentieren : die 
Suite im altenStil, die Romantische Suite, die Bocklin-Suite und die 
Ballett suite, denen sich nachher als Fazit seiner Erfahrungen und in Ver- 
wendung des Gewonnenen auf seine friihere Art der Formung die Variationen 
iiber ein Thema von Mozart anschlossen. Mit einigen dieser Werke begab 
er sich voriibergehend auch auf dasGebiet derschildernden,programmatischen 
Musik, um die Behandlung der orchestralen Mittel nach alien Seiten hin aus- 
zuproben, ohne jedoch eine gewisse Grenze des rein musikalisch Geformten 
zu tiberschreiten. 1 

Seine Konzertreisen mit dem Meiniger Orchester, auf denen er neben eigenen 
Werken hauptsachlich die der groBen deutschen Meister von Bach iiber Beetho- 
ven, Schubert und Brahms bis zu Wagner und Bruckner auffiihrte, wurden zu 
Triumphzugen. Nur im Ausland und in Berlin kam neben hoher Anerkennung 
auch etwas Enttauschung zum Vorschein, da R.s Direktionsart von seiner 
eigenen friiheren, die eine originelle Beweglichkeit auszeichnete, wie ganz be- 
sonders von der der beriihmten »mondanen« Kapellmeister sich wesentlich 
unterschied. Er befleiBigte sich jetzt der groBten Schlichtheit ; das Wesentliche 
machte die Ausarbeitung in den Proben aus. Trotzdem war die Wirkung der 
Auffuhrungen fast bei alien Zuhorern die eines tiefen, unvergeBlichen Erleb- 
nisses. R. stellte nicht seine Person oder die Virtuositat des Orchesters in den 
Vordergrund, sondern stets nur das Werk. Durch die Selbstverstandlichkeit 
des Vortrages trotz der genauesten Ausarbeitung sowie durch die subtile Fein- 
heit der Nuancierung und Phrasierung wirkten auch oft gehorte Werke mit 
eindringlicher Neuheitund Unmittelbarkeit. 

R.s Meininger Tatigkeit nahm nach zwei Jahren schonein Ende. Der Tod des 
Herzogs Georg beschloB diese Glanzzeit des Meininger Musiklebens. R. wahlte 
zu seinem Wohnort die Universitat Jena, wo er, fern vom Getriebe der groBen 
Stadte und doch an einem Ort grofier geistiger Anregungen, in freundschaft- 
lichem Verkehr mit geistig hochstehenden Mannern, wie ihm solcher auch 

1 Vgl. Karl Hasse : Warum M. R. den letzten Schritt zu Richard StrauB nicht tun wollte 
und konnte. Mitteilungen der R.-Gesellschaft, Heft 2. 



252 I9i6 

schon in Leipzig zuteil geworden war, seinem Schaffen leben wollte. Nur noch 
gastweise wollte er in die grofien Musikstadte gehen. Nach Leipzig fuhrte ihn 
noch immer wochentlich die Verpflichtung am Konservatorium. In Jena ent- 
stand noch eine ganze Reihe von Werken fur Kammermusik, fur Chor und 
Orchester, fur Klavier, auch wieder ftir Orgel, ferner geistliche Lieder und 
Chorgesange, daneben Kinderlieder fiir die Adoptivtochterchen Christa und 
Lotti, und andere Lieder. Die Musik dieser Zeit wird immer innerlicher, schlich- 
ter, verfeinerter und jenseitiger. Das Materielle der aufieren Mittel erscheint 
immer mehr abgestreift, ein Schweben in einer idealen Region, ein Wirken auf 
die feinsten Sinne gibt den Kompositionen etwas Losgelostes. Im Geiste be- 
wegte R. die Plane zu einem grofien Oratorium und zu einer Sinfonie. AUes bis- 
her Geschaf fene kam ihm nur wie eine Vorbereitung vor auf die noch geplanten 
grofien Werke. Ehe es zu diesen kam, raffte ihn im Jahre 1916 ein plotzlicher 
Tod dahin. Karl Straube, der ihn in Leipzig ins Hotel begleitete, war der letzte, 
der ihn lebend sah. Am anderen Morgen fand man ihn tot im Bett, ein Herz- 
schlag hatte dem rastlosen Leben im 43. Jahre ein Ende bereitet. 

Voller Arbeit und voller Kampfe, spaterhin aber auch voller Erfolge war 
dieses Leben gewesen. Die aufieren Ehren, die ihm zuteil geworden sind — alle 
erdenkbaren Titel (Generalmusikdirektor, Hofrat, Professor, Ehrendoktor 
zweier Universitaten, Mitglied auslandischer Gesellschaften usw.) und viele 
Orden — haben ihn wohl erfreut, aber auf sein Leben keinen EinfluB gehabt, 
dessen Geradheit, Schlichtheit und Urwiichsigkeit immer gleich blieb. Zu alien 
Menschen, wenn sie ihm nicht feindlich waren, war er giitig und liebevoll, zu 
Hochgestellten frei und of fen. Mit der Welt verband ihn ein kraf tiger, oft ins 
Derbe gehender Humor. Alles »Asthetentum « und iiberhaupt alles nicht voll- 
kommen innerlich Wahre imd Gerade war ihm ein Greuel. Ehrfurcht vor allem 
Gottlichen war eine seiner Haupteigenschaften. Sie strahlt auch aus seiner 
Musik. Selbstda, wo in ihr gelegentlich ein »hanebiichener<( Humor seinWesen 
treibt, erscheint er in seiner Formung bedingt durch die Grundlage, die jene 
Sehnsucht nach dem Gottlichen und Absoluten R.s gesamter Musik gibt. 
Dafi seine so ganz auf innerer Konzentration begriindeten Werke durch 
ihre Innigkeit wie ihre Kraft schon zu seinen Lebzeiten ihm verhaltnismafiig 
grofie Erfolge brachten, hat ihn gewifi begliickt. Aber er fafite sein Leben als ein 
grofies Lernen und Arbeiten auf, er fand keinen Verdienst in seinen Werken, 
als den unermiidlicher Arbeit. Zu den alteren grofien Meistern blickte er mit 
grofiter Ehrfurcht auf — ob er je mit ihnen in eine Reihe gestellt werden 
wurde, das wartete er ruhig ab. Sein Vaterland liebte er mit Selbstverstandlich- 
keit; er wufite, dafi hier die Wurzeln seiner Kraft lagen. »Bachisch« sein war 
ihm das gleiche mit »germanisch unbeugsam« sein. Die vorteilhaftesten Ange- 
bote des Auslandes lehnte er ab, nur fiir einige kiirzere Konzertreisen nach Rufi- 
land und Holland hat er, abgesehen von Osterreich, sein deutsches Vaterland 
verlassen. Im Kriege schrieb er eine »Vaterlandische Ouverture«. Engherzig 
war er nicht und allem Parteiwesen stand er fern. Der deutschen Musik an 
seinem Teile zu dienen, war sein oberstes Bestreben, und schon heute, wenige 
Jahre nach seinem Tode, kann eine Ubereinstimmung fast aller deutschen 
Musiker und Musikfreunde dariiber festgestellt werden, dafi er in den zerrissenen 
Zeiten als ein starker, tragender Eckpfeiler deutscher Musik und deutschen 
Wesens empfunden wird. 



Regcr 253 

Literatur: Eine utnfassende Bibliographie der Literatur iiber M. R. von Otto Keller 
ist im R.-Archiv in Weimar handschriftlich niedergelegt. — 1. Biicher: Max Hehemann. 
M. R., ein Leben in Musik. R. Piper, Miinchen 191 1, 2. erweit. Aufl. 1916. — Ernst Isler, 
M. R. Orell FiiBli, Zurich 1917. — Hermann Poppen, M. R. Breitkopf & Hartel, Leipzig 
1918. — Hermann Unger, M. R. Drei-Masken-Verlag, Miinchen 1921. — Karl Hasse, 
M. R. C. F. W. Siegels Nachf. R. Linnemann, Leipzig 1921. (Band 42/44 der Sammlung 
Die Musik. Im Anhang samtliche Aufsatze M. R.s.) — Adalbert Lindner, M. R., ein Bild 
seines Jugendlebens und kiinstlerischen Werdens. J. Engelhorns Nachf., Stuttgart 1922. 
(Im Anhang eine ausfiihrliche Zeittafel zu R.s Leben und Schaffen.) — Adolf Spemann, 
R. -Brevier. J. Engelhorns Nachf., Stuttgart 1923. — Guido Bagier, M. R. Deutsche Verlags- 
Anstalt, Stuttgart 1923. — Wilhelm Altmann, R.-Katalog.Vollstandiges Verzeichnis samt- 
licher im Druck erschienener Werke, Bearbeitungen und Ausgaben M. R.s. N. Simrock, 
Berlin 1917. — 2. Broschiiren: Gustav Robert Tornow, M. R. und Karl Straube. Otto 
Hapke, Gottingen 1907. — Viktor Junk, M. R. als Orchesterkomponist und sein sinfoni- 
scher Prolog op. 108. Max Hesse, Leipzig 19 10. — Walter Fischer, Uber die Wiedergabe 
der Orgelkompositionen von M. R. Tischer& Jagenberg, Koln 1910. — Albrecht Mendels- 
sohn- Bart holdi, Das deutsche Wesen in Regers Werk. Rich. Banger Nachf., Wiirzburg 1916. 
— Richard Wiirz, M. R., Eine Sammlung von Studien aus dem Kreise seiner personlichen 
Schuler. Otto Halbreiter, Miinchen. Von 1920 an. (Bisher Beitrage von Herm. Grabner, 
Rich. Wiirz, Hugo Holle, Joseph Haas, Herm. Unger, Herm. Keller.) — Festbuch zum 
M.-R.-Fest, Dortmund 19 10. — Festprogramme der Musikalischen Gesellschaft in Essen, 
Januar und Oktober 1905. — Programmbuch zum Bach-R.-Fest zu Heidelberg, Oktober 
1922 (Aufsatz von Theodor Kroyer). — Abschnitte in Biichern: Rich. Braungart, MR. 
In Monographien moderner Musiker, 2. Bd. E. F. Kahnt, Leipzig 1907. — Paul Marsop, 
M. R. In der Essay-Sammlung Neue Kampfe, 191 3. — Rudolf Louis, Die deutsche Musik 
der Gegenwart. Gg. Miiller, Miinchen und Leipzig 1905, 2. Aufl. 1909. — Walter Niemann, 
Die Musik seit Richard Wagner. Schuster & Loffler, Berlin 1913, 2. Aufl. 1918. — Walter 
Krug, Die neue Musik. Zurich 1919. — K. Storck, Geschichte der Musik. J. B. Metzlersche 
Buchhandlung, Stuttgart. — Leopold Schmidt, Musikleben der Gegenwart. Berlin 1922. — 
Adolf WeiBmann, Die Musik in der Weltkrise, Berlin 1922. — HugoRiemann, Musiklexikon. 
Verschiedene Auflagen. — Hermann Kretschmar, Fiihrer durch den Konzertsaal. II., Sin- 
fonie und Suite. 4. Aufl. Leipzig 1913. — 4. Aufsatze in Zeitschriften zu Lebzeiten R.s: 
A. M. Gottschalg, Uber R. alsOrgelkomponist. In der Zeitschrif t » Urania«, Erfurt 1899, 1900 
und 1902. — Georg Gohler, M. R. In » Der Kunstwart*, Miinchen 1900, Nr.23. — Karl 
Straube, Artikel iiber R.s Orgelwerke. » Monatsschrif t fur Gottesdienst und kirchliche 
Kunst*. 1899 und 1900. — Ernst Rabich, M. R. » Blatter fur Haus- und Kircheninusik*. 
H. Beyers Sonne, Langensalza 1901 , Nr. 3. — Karl Straube, M. R. » Die Gesellschaft*. Miin- 
chen 1 902 , Heft 3 . — Walter Niemann , M . R . » Der Turiner «. 1 2 . J ahrg . , Heft 18. — Richard 
Braungart, M. R. als Liederkomponist. » Freistattn. Miinchen, 20. Juli 1902. — Richard 
Braungart, Regeriana. » Die Musik*. Berlin, Febr. 1904. — Gustav Beckmann, M. R. 
aRheinische Musik- und Theaterzeitung*. Koln 1905, Heft 3. — Bruno Weigl, M. R. 
als Orgelkomponist. » Die OrgeW. 9. Jahrg., Heft 7/8. — Karl Hasse, Drei Chorwerke von 
M. R. sowie weitere Besprechungen. » Die OrgeU. — Gustav Robert -Tornow, Zur Beurtei- 
lungder KunstM.R.s. » Die Musik «. Schuster & Loffler, Berlin, 7. Jahrg., 1907/08 (Bd. 25), 
Heft 1. — - Roderich v. Mojsisovic, M. R.s Orgelwerke. »Musikalisches Wochenblatt«. 1906, 
Nr. 37/40. — J. Rich. Wiirz, Modulation und Harmonik bei M. R. » Musikalisches Wochen- 
blatt«. 1907, Heft 43. — Carl Mennicke, M. R. als Retter in der Not. *Musikal. Wochen- 
blattt. 1908, Nr. 1. — Rudolf Cahn-Speyer, Eine Erwiderung an Herrn Dr. Carl Mennicke, 
»Musikal. Wochenblatt«. 1918, Nr. 12. — Carl Mennicke, Offener Brief an Herrn Rudolf 
Cahn-Speyer. »Musikal. Wochenblatt*. 1908, Nr. 14. — Rudolf Cahn-Speyer, Offener Brief 
an Herrn Dr. Carl Mennicke. » Musikal. Wochenblatt*. 1908, Nr. 16. — James Kwast, 
M. R. als Kammermusik- und Klavierkomponist. » Allgemeine Musik-Zeitung«. 1910, 
Nr. 19. — Georg Stern, Die Kunst M. R.s. » Sozialistische Monatshefte*. 1910, Bd, 1 
S. 46 ff. — Kurt Herold, Der EinfluB Hugo Riemanns auf M. R. » Allgemeine Musik-Zei- 
tungt. 191 2, Nr. 5 1/52. — Franz Rabich, Entwicklung in R.s ersten Liedern. » Blatter fur 
Haus- und Kirchenmusik«. 1912/13 und 1913/14. — Georg Graner, M. R. » Der Merker«. 
1914, 2. Marzheft. — 5. Reger-Nummern von Zeitschriften: » Mitteilungen der M. -R. -Ge- 
sellschaft «. J. Engelhorns Nachf., Stuttgart 1921 — 1923, 3 Hefte. — » Die Musik t. Schuster 
& Loffler, Berlin 1907/08, Bd. 25, Heft 1. Moderne Tonsetzer. — » Allgemeine Musik- 
zeitung*. LeBmann, Berlin-Charlottenburg 1910, Nr. 10. — »Signale fiir die musikalische 



254 I916 

Welt «. Leipzig 1916, 16. Juni. — » Neue Musikzeitung*. Stuttgart 1916, Nr. 18, 1916, Nr. 19, 
1923, Marz. — 6. Aufsatze in Zeitschriften nach R.s Tode: Rudolf Eucken, Personliche 
Erinnerungen an M. R. & Velhagen & Klasings Monatshefte «, Bielefeld und Leipzig, Juli 
191 6. — Elsa Reger, Erinnerungen anM.R.» Blatter fur Theater und Kunst«, 191 9, Nr. 5/6. 
— Hermann Kundigraber, Personliche Erinnerungen an M. R. Bericht der Stadt. Musik - 
schule Aschaffenburg iiber das Schuljahr 191 5/16. — Georg Stern, Nachruf auf M. R. 
» Sozialistische Monatshefte*. 1916, Heft 10/1 1. — Heinrich v. Kralik, M. R. » Der Merkert. 
Jahrg. VII, Heft 11/12. — Herm. Keller: Einige Erinnerungen an M. R. » Deutsche Ton- 
kiinstler-Zeitungf. 5. Juni 1916. — Arthur Seidl, Nachruf auf M. R. » Der Merker*. Wien, 
Juni 1916. — Karl Storck, M. R. » Musikpadagogische Blatter*. 1916, Nr. 13/14. — Elsa 
Reger, Erinnerungen an M. R. » Velhagen & Klasings Monatshefte*. Februar 1921. — 
Hugo Holle, M. R. » Weitnarer Blatter*. 1919, Heft 10. — Joseph Hofer, M. R. »Die Ober- 
pfalz*. 10. Jahrg. Heft 8 — 10. — J oseph Messner, M. R.» DerMerker*. 191 8, Heft 19 — 21. — 
S. D. Gallwitz, Vom R.-Fest in Jena. »Die Hilfe*. 11. Juli 1918, Nr. 28. — Paul Ertel, 
M. R., ein Gedenkblatt. » Wachtfeuer*. 5. Jahrg. 1919. — Arnold Ebel, M. R., ein Geleit- 
wort zura R.-Fest. » Deutsche Tonkiinstler-Zeitung*. 1920, Nr. 354. — Fritz Frid.Windiscb, 
R.s Verhaltnis zur Tonalitat. » Melos*. Berlin, 1 . J ahrg., Nr. 4. — Karl Hasse, M. R . und die 
evangelische Kirchenmusik. » Allgemeine Musikzeitung*. Berhn, Mai 192 1. — Karl Hasse, 
M. R.s Orchesterbehandlung vor op. 100. » Neue Musikzeitung*. Stuttgart, Marz 1923. — 
7. Aus Tageszeitungen : Miinchner musikalische Portrats. I. M. R. »Munchner Zeitungt, 
17. Marz 1903, und » Leipziger Neueste Nachrichten *, 20. Nov. 1903. (Hier Fuflnote von 
Hermann Kretschmar.) — Moritz Bauer, Zu M. R.s Gedachtnis. » Frankfurter Zeitung ♦, 
1916, Nr. 136. — Paul Bekker, M. R. » Frankfurter Zeitung*, Mai 1916. — Karl Hasse, 
Aus M. R.s Jugendtagen (Besprechung von A. Lindners Buch). » Schwabischer Merkurt, 
10. Dez. 1 92 1 (Sonntagsbeilage). — »Die Propylaen*, Miinchen 1906, Nr. 30. — » Rhei- 
nisch-Westfalische Zeitung*, 1901, Nr. 170. — 8. M. R.s eigene Aufsatze: Besprechungen 
eingesandter Werke in Leflmanns » Allgemeiner Musikzeitung*, 1893 ft- — An einen nam- 
haften Musikkritiker in » Der Klavierlehrer *, 1909, Nr. 23, S. 359 (cf. A. Lindner, S. 273). — 
Beantwortung einer Rundfrage iiber Richard Straufl. » Allgemeine Musikzeitung*, 39. 
Jahrg., Nr. 43 (Berlin). — Die im Anhange zu Karl Hasse: M. R. abgedruckten Aufsatze: 
Ich bitte urns Wort. » Neue Zeitschrift fur Musik*, 1904, Nr. 2. — Mehr Licht. »Neue Zeit- 
schrift fiir Musik*, 1904, Nr. n. — Zum 1. April. »Neue Zeitschrift fiir Musik*, 1904, 
Nr. 14. — Hugo Wolfs kiinstlerischer NachlaB. » Siiddeutsche Monatshefte*, 1904, Nr. 2. — 
Musik und Fortschritt. » Leipziger Tageblatt*, Juni 1907. — Offener Brief an den Heraus- 
geber der Zeitschrift » Musik*. » Die Musik*, 5. Sept. 1907. — Degeneration und Regene- 
ration in der Musik (an Hugo Riemann gerichtet). » Neue Musik-Zeitung*, 31 . Okt. 1907. — 
Felix Mendelssohn- B a rtholdys Lieder ohne Worte. » Leipziger Illustrierte Zeitung*, 28. Jan. 
1909. — Zu einer Rundfrage (iiber J.S.Bach). » Die Musik*, 1905/06, Heft 1. — M. R.s 
NachlaB befindet sich im R.-Archiv zu Jena und im Besitz von Frau Elsa Reger. Hand- 
schriften unveroffentlichter Kompositionen besitzen u. a. Adalbert Lindner in Weiden 
(Jugendwerke und Skizzen) und Prof. Dr. Karl Straube in Leipzig (zwolfstimmiges Vater- 
unser, unvollendet). Das durch R.s Tod nicht beendete Andante und Rondo fiir Violine 
und Orchester befindet sich als Handschrift im R.-Archiv. Wilhelm Altmanns R.-Katalog 
s. unter Literatur, 1. Biicher. 

Tubingen. K. Hasse. 

Richter, Hans, Kapellmeister, * am 4. April 1843 zu Raab in Ungarn, f am 
4. Dezember 1916 in Bayreuth. — Den ersten musikalischen Unterricht emp- 
fing R. von seinem Vater Anton R., dem Domkapellmeister, der ihn zum Chor- 
gesang heranzog, und von seiner Mutter Josefine, geb. Csarzinsky, einer Sange- 
rin und Gesanglehrerin, die ihn vom 4. Jahr an zum Klavierspiel anleitete. 
Nach des Vaters Tod (1854) kam er nach Wien ins Lowenburgische Konvikt, das 
neben dem Gymnasialunterricht stimmbegabte Knaben fiir die Hofkapelle aus- 
bildete. i860 bis 1865 besuchte er das Wiener Konservatorium, wo er das Wald- 
horn bei Professor W. Kleinecke sich als Hauptfach wahlte und von Simon 
Sechter im Tonsatz unten\ T iesen wurde. Geige und Klavier wurden als Neben- 



Reger. Richter 255 

f acher betrieben ; auf alien iibrigen Instrumenten eignete er sich eine erstaun- 
liche Gewandtheit an, so daB er an jedem Pulte des Orchesters verwendbar war. 
Nach AbschluB seiner Studien erhielt er eine Hornistenstelle im Orchester der 
Hofoper unter Heinrich Esser, bei dem er 1866 die Kapellmeisterpriifung be- 
stand. Auf Grund seines ausgezeichneten Zeugnisses sah er sich nach einer 
Dirigentenstelle in der Provinz um. Gerade in dem Augenblick, wo er seine 
griindliche Ausbildung vollendet hatte, kam ihm aus Tribschen der Schicksals- 
ruf , der sein ganzes ferneres Leben bestimmte. Richard Wagner bedurf te eines 
zuverlassigen sachkundigen Musikers zur Reinschrift der »Meistersinger«- Parti- 
tar ; er wandte sich nach Wien an Esser, der ihm den jungen R. zusandte. Neben- 
bei schrieb dieser zweifelhafte »Freund« Wagners an Schott: »Hoffentlich ver- 
langt der Himmel nicht einst Rechenschaft von mir, daB ich eine junge, in jeder 
Hinsicht unverdorbene Seele zu Wagner schickte. « Im Oktober 1866 traf R. in 
Tribschen ein, ohne zu ahnen, wem er dienen sollte, und im Glauben, daB es 
sich um eine voriibergehende Beschaftigung handle. Auch Wagner sah zunachst 
im jungen Musiker nur einen geschickten Gehilfen. Aus brieflichen AuBerungen 
R.s erfahren wir von den Erlebnissen und Eindriicken der ersten Wochen des 
Tribschener Aufenthalts. R. erkannte bald, daB die Personlichkeit des Meisters 
ganz anders war, als die dariiber umlaufenden Geriichte. Von Weihnachten ab 
fand er Zutritt zu Wagners Familienkreis, zu den abendlichen Unterhaltungen 
und Vorlesungen. Damit begann seine geistige Erziehung: der wohlerprobte 
Lehrbube ward zum Gesellen und Genossen des Meisters. Nachdem im Laufe 
des Jahres 1867 die schrif tliche Arbeit an den »Meistersingern« beendet war, gab 
sich alsbald Gelegenheit zur Betatigung der erworbenen Kenntnisse. Die Miin- 
chener Auffiihrung unter Hans v, Biilow stand in Aussicht. Ende September 
1867 reiste R. nach Miinchen, um sich mit Bulow tiber die Einiibung der Chore 
und Solisten ins Einvernehmen zu setzen. Bei den Proben und Auffuhrungen 
bewahrte er sich so trefflich, daB er am 25. August 1868 zum Musikdirektor 
ernannt wurde. Als Biilow im Sommer 1869 Miinchen verlieB, riickte R. in seine 
Stelle ein und dirigierte am 27. Juni zum ersten Male die »Meistersinger«. Seine 
treue Gesinnung bewahrte R., als er sich weigerte, die gegen Wagners Willen be- 
schlossene, szenisch ungeniigende »Rheingold«- Auffiihrung zu leiten. Die Presse 
hielt ihm vor, er sei »Kgl.bayrischer und nicht Wagnerischer Musikdirektor « 
und habe den Weisungen der Hoftheaterintendanz zu folgen. R. nahm seine 
Entlassung und kehrte zu Wagner nach Tribschen zuriick. Im Marz 1870 ward 
ihm die ehrenvolle Aufgabe, die Erstauffiihrung des » Lohengrin « in Briissel zu 
leiten. Wagner schrieb ihm: »M6ge der Triumph, den Sie nun in franzosischer 
Sprache errungen, Sie fiir die traurigen Erfahrungen in unserem eigenen Vater- 
lande entschadigen.« Im Juni 1870 wurde R. wieder Wagners Hausgenosse, 
um die Partitur des 3. Aktes vom » Siegfried « ins reine zu schreiben. Sein Ver- 
haltnis zum Meister gestaltete sich immer enger und vertrauter: R. war Trau- 
zeuge bei Wagners Vermahlung mit Cosima v. Biilow am 25. August 1870 und 
beteiligte sich an der Einiibung und Auffiihrung des Siegf riedidylls in Tribschen 
am 25. Dezember 1870. Der Winter 1870 stand im Zeichen Beethovens. Aus 
Zurich kamen tiichtige Musiker heriiber, denen Wagner den Vortrag der Quar- 
tette einiibte. Eine wunderbare neue Welt eroffnete sich R. in diesen Stunden. 
Was alles verdankte R. dem Verkehr mit Wagner in den Jahren 1866 bis 1870! 
Er war mit den »Meistersingern« vollig vertraut geworden und hatte sich als 



256 I9i6 

Dirigent des Werkes bewahrt. Den »Tristan« hatte er 1869 in Miinchen unter 
Billows Leitung miterlebt, ebenso den »Lohengrin«. In den »Rheingold«-Proben 
hatte er sich in die Musik vertieft und wurde mit den Schwierigkeiten stil- 
gerechter Biihnendarstellungen bekannt. Die » Siegfried «-Partitur wurde ihm 
ebenso vertraut wie die der »Meistersinger«. Beethoven lernte er im Geiste 
Richard Wagners verstehen. Als Orchesterleiter erscheint R. wie das lebendige 
Beispiel zu Wagners Schrift »uber das Dirigieren«, die 1870 zuerst gedruckt 
wurde und die reichen Erfahrungen des Meisters zusamraenfaGt. Die Gesprache 
mit Wagner und die abendlichen Vorlesungen erweiterten und vertieften seinen 
geistigen Gesichtskreis und gewahrten ihm unendlich viel inehr, als es jede 
akademische Ausbildung vermocht hatte. Der junge Musiker war zum ver- 
standnisvollen Mitarbeiter des Meisters gereift und hatte jede an ihn her an - 
tretende Priifung des Konnens und Wollens glanzend bestanden. Jetzt konnte 
er, seiner Fahigkeit voll bewuBt, in die Welt hinausziehen, um fur den Meister 
zu zeugen! 1871 kam er auf Liszts Empfehlung ans Nationaltheater nach 
Budapest, wo er bis zum Friihjahr 1875 wirkte. Er veranstaltete mit guten 
Sangern vorziigliche Opernvorstellungen, hob das Orchester zu bedeutender 
Hohe und bewahrte als Leiter der philharmonischen Konzerte seine Begabung 
fiir den Konzertsaal. Das bedeutendste Erlebnis fiir ihn war das Konzert am 
10. Marz 1875, wo Wagner und Liszt zusammen auftraten und R. das von 
Liszt gespielte Es-Dur-Konzert Beethovens mit dem Orchester begleitete. Im 
Januar 1875 vermahlte er sich mit Mariska v. Szitanyi. Liszts Empfehlung er- 
offnete R. im Mai 1875 einen weiteren Wirkungskreis mit der Wiener Hofoper, 
der er bis 1900 als erster Kapellmeister angehorte. Mit den »Meistersingern« 
trat er sein neues Amt an. Im November 1875 und Januar 1876 kam Wagner 
nach Wien, um »Tannhauser« und »Lohengrin« unter R.s Leitung, soweit die 
vorhandenen Krafte und Mittel ausreichten, mustergiiltig aufzufiihren. Auch 
dieses kunstlerische Ereignis war wie eine Vorbereitung zum Festspiel. Das 
Bayreuther Festspiel bildet den Hohepunkt in R.s Leben. Er selber hatte im 
Winter 1870/71 Wagner auf Bayreuth hingewiesen, wo das alte markgrafliche 
Opernhaus von 1749 als Denkmal welscher Hofkunst sich erhob. Auf dem 
Hugel vor der Stadt wurde das neue deutsche Festspielhaus errichtet. Am 
22. Mai 1872 war dieFeierderGrundsteinlegung, Wagner fiihrte mit R.s Beistand 
Beethovens 9. Sinfonie im Opernhaus auf. Bereits imSommer 1874 begann R.s 
Arbeit, der das Ausschreiben der Partiturstimmen in der Nibelungenkanzlei 
iiberwachte. Im Sommer 1875 wurden mit Sangern und Orchester Vorproben 
abgehalten. Endlich nahte die Urauffiihrung des Rings vom 13. bis 17. August 
1876. Wagner nennt den Orchesterleiter »meinen Unmogliches leistenden, viel 
erprobten, fiir alles einstehenden Hans R.«! Im Mai 1877 begleitete R. seinen 
Meister nach London, der notgedrungen, um den Fehlbetrag zu decken, Bruch- 
stiicke aus dem Ring in Konzerten vorfiihrte. Damit wurden die englischen 
Beziehungen angebahnt. Seit 1879 wurde R. zu Konzerten in vielen englischen 
Stadten eingeladen. Die R. -Konzerte belebten das ganze englische Musikwesen 
und fanden 1885 mit der Verleihung der Doktorwiirde durch die Universitaten 
von Oxford und Manchester ihre hohe Anerkennung. »Meistersinger« und 
»Tristan« wurden unter R.s Leitung 1882 zum erstenmal in London aufgefuhrt. 
Im Jahr 1900 siedelte R. nach Aufgabe seines Wiener Amtes, das G. Mahler 
ubernahm, nach Manchester iiber: England war ihm zur zweiten Heimat ge- 



Rickter 



257 



worden. Jetzt widruete er sich mit voller Kraft dem englischen Musikwesen, 
begriindete das Londoner Sinfonieorchester und leitete die Musikfeste in 
Birmingham. Seine Kunstreisen fiihrten ihn durchs ganze Konigreich bis nach 
Irland ; im Sommer pflegte er nach Bayreuth zu fahren, um bei den Festspielen 
mitzuwirken. Einige Wochen verbrachte er regelmaBig auf seinem kleinen Land- 
sitz in Niederosterreich. Im Marz 191 1 trat er von seiner so erfolgreichen eng- 
lischen Tatigkeit zuriick. Eine neue Richtung war aufgekommen. R. ging immer 
mit der zeitgenossischen Musik, aber seine Seele gehorte doch nur den groBen 
deutschen Meistern, Bach, Beethoven und Wagner. Der modernen Unrast, die 
sich gar in Uberwindung der wahrhaft groBen Meister gefallt, war er abhold. 
Er sehnte sich nach einem nihigen Lebensabend. Seine echte Heimat war 
Bayreuth, wo er seine groBten Taten vollbracht, wo seine teuersten und 
heiligsten Erinnerungen hafteten. In einem kleinen, behaglichen, altertiimlichen 
Haus, von ihm »Zur Tabulatur « benannt, verbrachte er, seit 1913 alsBayreuther 
Ehrenbiirger, seine letzten Jahre. R. dirigierte im Festspiel 1876 den »Ring«, 
1888, 1889, 1892 die »Meistersinger«, 1896 und 1897 den »Ring«, 1899 die 
»Meistersinger«, 1901, 1902, 1904, 1906 und 1908 den »Ring«, 191 1 und 1912 
die »Meistersinger«. Am 19. August 191 2 stand er zum letzten Male am Pult 
des Festspielorchesters, von dem er sich mit den »Meistersingern«, die sinnig 
wie ein Gleichnis R.s musikalische Lebensarbeit umrahmen, verabschiedete. 
Er pflegte den hellen C-Dur-Klang des Vorspiels sein kraftigendes Stahlbad 
zu nennen, das ihn frisch und freudig halte. Im April 1913 beging er in voller 
Frische seinen 70. Geburtstag, die Festspiele im Juli 1914 begleitete er mit reger 
Teilnahme bis zum Kriegsausbruch, der ihn tief erschreckte. Uber die Feind- 
schaft der Englander, die ihn bei seinem Abschied als den *grand old man of 
music « geehrt, war er betriibt und emport. Er legte seine englischen Wiirden 
nieder. Eine letzte Freude bereitete ihm die deutsche Universitat Prag, die 
ihn 1915 zu ihrem Ehrendoktor erwahlte. Am 5. Dezember 1916 entschlief er 
sanft ohne eigentliche Krankheit. Seine irdischen Oberreste wurden in Koburg 
verbrannt, seine Asche in Bayreuth in der Nahe von Liszts Grabkapelle bei- 
gesetzt. 

Hans R. und Hans v. Biilow sind die beiden einzigen wirklichen Schuler 
Richard Wagners. Hans v. Biilow ist mit dem »Tristan«, Hans R. mit den 
»Meistersingern« und »Ring« unloslich verkniipft. Ihre beiden Naturen sind 
grundverschieden : Biilow der sarkastische, reizbare Norddeutsche, in Wort 
und Tat scharf und hart, im Schicksal tragisch; R. der gemiitvolle, ruhig 
gelassene Siiddeutsche, dessen Leben fest und unbeirrt, ohne tragische Leiden- 
schaft in den durch die Vorsehung bestimmten Bahnen verlauft. Zu seinem 
tiefsten Schmerz stand Biilow fern von Bayreuth, Richter durfte das Ring- 
Festspiel zum Siege fiihren. Die personlichen Beziehungen zwischen Wagner 
und Biilow muBten sich losen, zwischen Wagner und Richter kniipften sie sich 
immer enger. Seinen Lebensabend verbrachte R. an geweihter Statte, wo er 
heimisch war und zur ewigen Ruhe einkehrte, in Bayreuth; Biilow starb in der 
Fremde, losgelost von der teuren und unerreichbaren Heimat. Anna Bahr- 
Mildenburg schildert R.s Erscheinung im letzten Festspieljahr 1912 : »Leonardo 
da Vinci gab uns solche Kopfe mit patriarchalisch wallendem Bart, mit der 
Unbezwinglichkeit und dem Bezwingenden dieser ruhigen Augen. Nur aus 
einer so unkomplizierten, geraden, das Leben in seinem Kern treffenden 
DBJ 17 



258 I9i6 

Natur kann sich das Vorspiel der ,Meistersinger' aufbauen, wie wir's durch 

ihn erleben durften.« Er war ein deutscher Musiker, streng und mild in seiner 

Art, dem Meister in unverbriichlicher Treue ergeben. So erwuchs er selber zur 

Meisterschaft. 

In jungeren Jahren hat R. einiges vertont, z. B. eine Messe; er verzichtete 

aber bald auf eigenes Schaffen, urn ganz und gar im Beruf des Meisterdirigenten, 

zu dem er geboren war, aufzugehen. Auch seine in kleinen Gelegenheitsauf- 

satzen und offenen Briefen betatigte Schriftstellerei war einzig dem Dienst der 

groBen Sache, der er diente, gewidmet. 

Literatur: Ludwig Karpath, Richard Wagners Briefe an Hans Richter, Berlin, Wien, 
Leipzig 1924. 

Rostock. W. Golther. 

Schlenther, Paul, Kritiker und Biihnenleiter, * in Insterburg am 20. August 
1854, t * n Berlin am 30. April 1916. — Sch. stammte aus einer angesehenen ost- 
preuBischen Gutsbesitzer- und Beamtenf amilie. Er besuchte das Kneiphof ische 
Gymnasium in Konigsberg, von dessen Lehrern Friedrich Krosta und Otto 
Pfundtner besonders starken EinfluB auf ihn ubten ; unter seinen Mitschiilern 
sind der Historiker Richard Sternfeld und der Maler Lovis Corinth hervorzu- 
heben. Sch. studierte in Leipzig, Heidelberg und Berlin Germanistik. Friedrich 
Zarncke erweckte seine Vorliebe fiir das deutsche Schrifttum des 18. Jahr- 
hunderts ; noch starker fesselte ihn jedoch Wilhelm Scherer, zu dessen engerem 
Schiilerkreise Sch. alsbald zahlte. Er erwarb in Tubingen den Doktorhut und 
erweiterte seine Dissertation zu einer anschaulichen, farbenreichen Darstellung 
»Frau Gottsched und die biirgerliche Komodie«, in der er wirklich, dem Unter- 
titel gemaB, ein Kulturbild aus der Zopfzeit schuf. Im Erscheinungsjahr des 
Buches, 1886, ubernahm Sch. neben Theodor Fontane, dem er personlich nahe 
stand und dessen NachlaB er spater mit seinem Freunde Otto Pniower zu- 
sammen herausgab, die Theaterkritik der »Vossischen Zeitung«. In dem um 
jene Zeit entbrannten literarischen Kampf schlug sich Sch. auf die Seite 
Ibsens und des Jungsten Deutschland. Mit unbekummertem Temperament und 
oft gespitzter Feder trat er fiir den groBen Norweger und die eben fliigge ge- 
wordene Kunst des Naturalismus ein. Mit dem ihm schon aus Scherers Seminar 
befreundeten Hamburger Otto Brahm begriindete er die Freie Biihne, von der 
aus Gerhart Hauptmann seinen Siegeszug antrat. Sch. widmete Hauptmanns 
Leben und Dichtung bereits im Jahre 1898 eine, spater erweiterte, anschauliche 
und liebevolle, freilich zu den letzten Problemen nicht vordringende Schrift. 
Die Werke Henrik Ibsens gab er mit Julius Elias und Georg Brandes in muster- 
haften Ubersetzungen und unter Heranziehung der Reden und Briefe heraus, 
wie er vordem mit Julius Hoffory die altesten deutschen Ubertragungen Ludwig 
Holbergs kritisch ediert hatte. Im Jahre 1898 wurde Sch. zum Direktor des 
Wiener Burgtheaters ernannt und hat dieses Postens 12 Jahre hindurch, viel 
angefochten, selbst nicht immer mit sich zufrieden, gewaltet. Er iibernahm die 
Biihne zu einer Zeit, da eine ganze groBe Generation von Schauspielern alt 
ward, und hatte mit alien Schwierigkeiten des Ersatzes zu kampf en; auch 
mochte es seinem, auf das Moderne eingestellten lebhaften Temperament nicht 
leicht sein, die Tradition dieser klassischen Biihne iiberall ohne Bruch zu 
wahren. Wie sein Freund Brahm am Berliner Deutschen Theater aus dem 



Richter. Schlenther. Schmitz 



259 



Vollen zu wirtschaften, ganz eigner Neigung und t)berzeugung zu folgen, war 
Sch. unter den Beengungen einer Hofbiihne (er selbst erhielt den Titel eines 
k. und k. Hofrats) nicht gegonnt. Jedenfalls gewann er Joseph Kainz endgiiltig 
fiir die Burg und biirgerte Hauptmann und seine Altersgenossen vollig auf 
diesen Brettern ein. Als er Wien verlieB, trat er alsbald wiederum als Kritiker, 
diesmal beim »Berliner Tageblatt« ein, ohne jedoch in dieser zweiten Epoche die 
alte Frische und den alten EinfluB wieder vollig zu erreichen. Sein letztes Buch 
gait der Heimat, es waren Schilderungen aus dem durch den Krieg zerstorten 
und aufgewuhlten OstpreuBen. 

Paul Sch. war mit der Schauspielerin Paula Conrad verheiratet, der ersten 
Darstellerin von Hauptmanns Hannele und einer der besten Hauptmann- 
darstellerinnen iiberhaupt. Er war ein guter Kamerad, ein geistreicher Gesell- 
schafter, der besonders in dem Kreise der Zwanglosen um Fontane glanzte, ein 
unbekummerter journalistischer Kampfer, dessen Waff en die Durchsetzung des 
neuen Dramas in vorderster Front mit erfochten haben. 

Literatur: AuBer den im Text genannten Schriften sincl hervorzuheben : S.s Darstel- 
lung des Theaters in dem Sammelwerk von Paul Hinneberg: Die Kultur der Gegenwart, 
I, S. 1. — Zwischen Lindau und Memel wahrend des Krieges, Berlin 191 5. — Vgl. A. Soer- 
gel, Dichtung und Dichter der Zeit, Leipzig 191 1. — M. Jacobs, Deutsche Schauspielkunst, 
Leipzig 191 3. — Theodor Fontane, Briefe, 2. Sammlung, Berlin. — Adolf v. Sonnenthals 
Brief wechsel, herausgegeben von H. v. Sonnenthal, Stuttgart 191 2. — Otto Brahm, Kri- 
tische Schriften iiber Drama und Theater. Herausgegeben von P. S., Berlin 191 3. 

Berlin. Heinrich Spiero. 

Schmitz, Bruno, Geheimer Baurat und Dr.-Ing. h. c, * am 21. November 
1858 in Diisseldorf , f 20. Oktober 1916 in Berlin. — Der Kiinstler besuchte das 
Gymnasium seiner Vaterstadt und eine Privatlehranstalt bis zur Erlangung 
des Berechtigungszeugnisses fiir den einjahrig-freiwilligen Militardienst. Bei 
seiner schon f riih sich zeigenden Liebe zum Zeichnen wurde er zum Maler be- 
stimmt und erhielt deshalb mit seinen Geschwistern auBerhalb des Schulunter- 
richtes von dem Maler und Kupferstecher Heidland in Diisseldorf Unterricht 
im Zeichnen. 1875 trat Sch. dann in die Kunstakademie in Diisseldorf ein, um 
Maler zu werden. Der Aufschwung im Baufach in Deutschland im Beginn der 
siebziger Jahre veranlaBte seinen Vater jedoch, ihn fiir die Baukunst zu be- 
stimmen, und so trat der Kiinstler 1876 in die Bauklasse der Akademie in 
Diisseldorf iiber, die durch den Kunstgelehrten und Baumeister Prof. Dr. L,otz 
geleitet wurde. In seinem I^ebenslauf aber fiihrt der Kiinstler aus: »Viel mag 
ich wohl von den Dingen, die dort mit ReiBschiene und Zirkel gelehrt wurden, 
nicht verstanden, auch die Notwendigkeit nicht eingesehen haben, mich mit 
Saulenordnungen und Perspektive zu qualen, denn sowie der Professor der 
Klasse den Rticken gedreht, beschlossen auch wir unsere Tatigkeit dort, um im 
Verein mit den Schulern der Zeichen- und Malklassen der Akademie Ausfliige 
zu machen und uns in der Natur im Zeichnen und Malen zu iiben.« Im Jahre 
1878 verlieB er die Bauklasse der Akademie, um in das Atelier des mit dem 
Neubau der Kunstakademie beauftragten Baumeisters Hermann Riffarth und 
damit in die Praxis einzutreten. In diesem Atelier arbeitete Sch. vier Jahre 
und nahm auch an den iibrigen Arbeiten des noch im Geiste Schinkels arbeiten- 
den Meisters teil. Wenn das Baubureau fiir die Kunstakademie bei der Armlich- 
keit der damaligen Verhaltnisse auch an preuflischer Niichternheit nichts zu 



260 W 6 

wiinschen iibrig lieB, so gaben doch die lange Anteilnahme an alien Arbeiten 
der Ausfiihrung dieses groBen Bauwerkes sowie die Privattatigkeit Riffarths 
viel Anregung und Belehrung. Reicher noch flossen diese aus der stets auf recht 
erhaltenen Verbindung mit der Kunstakademie, aus dem Besuch der Akt- und 
Anatomiestunden und der kunstgeschichtlichen Vorlesungen. Sein Tatigkeits- 
drang fand neue Befriedigung in dem Umstand, daB er infolge friih entwickelter 
zeichnerischer Fahigkeiten zu Hilfeleistungen auch in anderen Ateliers heran- 
gezogen wurde. Namentlich fand er so Beziehungen zu der damals im Bau be- 
griffenen neuen Kunsthalle von Giese & Weidner, zum Standehaus von J. C. 
Raschdorff, zur evangelischen Johanniskirche von Kyllmann & Heyden. Kleine 
Erfolge in bescheidenen offentlichen Wettbewerben machten ihm bald auch 
Mut zur Beteiligung an groBen Wettkampfen. In diese Zeit fielen seine Siege 
in den Wettbewerben um das Denkmal Viktor Emanuels in Rom, um das 
Kiinstlerhaus in Amsterdam und um das Oberosterreichische L,andesmuseum 
in Linz an der Donau. Mit dem letzteren Sieg war die Ausfiihrung des Museums 
in den Jahren 1883 und 1884 verbunden. Gleichzeitig traten groBere und kleinere 
Auftrage an ihn heran, wie 1882 ein Harkort-Denkmal, 1883 ein Wohnhaus in 
Diisseldorf usw., so daB er sich im Alter von 25 Jahren bereits in reicher Ta- 
tigkeit befand, die 1884 durch seine Ubersiedlung nach Leipzig und seine Ver- 
bindung mit August Hartel unterbrochen wurde. Hartel, 6 Jahre alter als 
Sch., war in Koln geboren und aus dem Atelier Raschdorffs daselbst hervorge- 
gangen. Er ging in der Folge ganz zum gotischen Baustil uber. Die Erwar- 
tungen, die Sch. hegte, durch diesen erfahrenen Kirchenbaumeister in die 
Kirchenbaukunst derGegenwart eingefuhrt zu werden, gingen bei der Eigenart 
des Schaffens desselben nicht in Erfullung. Nach einem Jahr bereits wurde 
das Verhaltnis wieder gelost. 

Uber seine rheinische Tatigkeit hat sich Sch. mit bemerkenswerten Worten aus- 
gesprochen : » Diese Zeit charakterisiert sich fur mich durch die vollkommene Los- 
losung vom Zwang einer Schule und die Abwesenheit der steten Leitung eines 
Lehrers. So sehr ich den Wert der Schule, wenn sie als Pflegstatte kiinstlerischer 
Traditionen auftritt, zu schatzen gelernt habe, so betrachte ich doch meine so 
ungebundene, von jedem Zusammenhang mit der Schule losgeloste Entwick- 
ltmg in anregender Umgebung als eine freundliche Fiigung des Geschickes . . . 
Unsere Zeit leidet an einer Uberschatzung der Schule, alles wird von der Schule 
verlangt. Im Gegensatz hierzu erblicke ich in der Betonung der kiinstlerischen 
Seite unseres Berufes, namentlich in der fordernden Verbindung des Architek- 
turstudiums mit dem Studium der anderen Kiinste, das Heil der Baukunst. « 

Nach Losung des Verhaltnisses mit Hartel siedelte Sch. 1885 nach Berlin uber. 
Der fast vollige Mangel an Ausfiihrungsarbeiten in einem fast fiinf jahrigen Zeit- 
raum fiihrte zu Reisen nach Italien, Holland, Belgien und Frankreich sowie nach 
Siiddeutschland und Osterreich. In die erste Berliner Zeit fallen kleine Arbeiten 
wie die Errichtung der Wettersaule auf dem SchloBplatz in Berlin 1885 und 
eines Grabmales der Familie Hofmann 1888. Unterbrochen wurde die Beschau- 
lichkeit dieser Jahre durch den Erfolg des Kiinstlers im Wettbewerb um das 
Siegesdenkmal des Staates Indiana in Nordamerika und durch die 1888 unter- 
nommene erste Reise nach den Vereinigten Staaten. Der Auftrag zur Aus- 
fiihrung des Denkmales fiihrte den Kiinstler dann noch mehrere Male iiber den 
Atlantischen Ozean, wo er Gelegenheit fand, die ernste Kunstarbeit der nord- 



Schmitz 26l 

amerikanischen Union kennen zu lernen. Diese Einwirkung sollte von tief- 
greif endem EinfluB auf sein Kunstschaf f en werden und die Grundlagen abgeben 
fiir die Periode seines Schaffens, in der die deutschen Kaiserdenkmaler ent- 
standen und seinen Weltruhm begriindeten. 1890 trat Sch. in den Wettbewerb um 
Entwiirfe fiir ein Nationaldenkmal fiir den ersten Kaiser des neuen Reiches 
in Berlin ein und errang den I. Preis. Die Ausfuhrung folgte nicht. Das war 
jedoch bei dem 1896 enthiillten Kaiser- Wilhelm-Denkrnal auf dem Kyffhauser 
der Fall. Weithin die Lande beherrschend und allenthalben auf Erinnerungs- 
statten historischer Begebenheiten weisend, steht das Denkmal da, ein trotziger 
Turmbau mit Vorhof und Terrasse ; in seinem Vorhof ruht in reich geschmiickter 
Bogennische Barbarossa, die glanzvolle Zaubergestalt der deutschen Volkssage. 
Dem Kyffhauser-Denkmal folgten die Denkmaler an der Porta Westfalica 
(1896), am Deutschen Eck bei Koblenz (1897) und in Halle an der Saale (1901). 
Dazwischen entstand das Kaiserin-Augusta-Denkmal in Koblenz (1896). Alle 
Werke setzen den im Kyffhauserdenkmal angeschlagenen Akkord, wenn auch 
in kleineren Verhaltnissen, fort. Alle diese Werke zeigen aber auch die auf den 
amerikanischen Studienreisen gewonnenen Einfliisse. Namentlich waren es die 
Werke von Richardson, die auf Sch. tiefen Eindruck machten und einenach- 
haltige Wirkung auf seine spatere Kunstweise ausiibten. 

Auch kleineren Denkmalarbeiten widmete sich Sch. mit der gleichen Liebe. 
1899 entstand ein Grabmal Wolff, 1904 eine Bismarck-Saule bei Unna. Fiir 
ein Denkmal fiir GroBherzog Friedrich I. von Baden auf dem Friedrichsplatz 
in Mannheim hatte er im Verein mit dem Bildhauer Professor Hermann Volz 
in Karlsruhe die Arbeiten nahezu vollendet. Entwurf geblieben ist das groB 
angelegte Bismarck-Denkmal fiir Charlottenburg. 

Zwischen die Denkmalarbeiten sind die Hausbauten des Kiinstlers gestreut; 
sie umfassen die vollstandige Reihe vom kleinsten Einfamilienhaus, das er in 
den Entwiirfen fiir die Sunlight-Gesellschaft bearbeitete, bis zum groBten Saal- 
bau. Von 1899 auf 1900 entwarf er in Koln a. Rh. ein Palais fiir Carl Stollwerck, 
von 1902 auf 1903 gleichfalls in Koln eine Villa fiir Heinrich Stollwerck. 1904 
schuf er das Deutsche Haus fiir die Weltausstellung in St. Louis; im gleichen 
Jahr wurde das Geschaftshaus »Automat« in der Friedrichstrafle in Berlin be- 
gonnen. 1906 baute er sein eigenes Wohnhaus in der SophienstraBe in Char- 
lottenburg; zur gleichen Zeit entstand das Gildenhaus »Papierhaus« in der 
Dessauerstrafie in Berlin. Zu den wenigen Auftragen monumentaler Natur, die 
Sch. fiir die Reichshauptstadt erhielt, zahlte die Anlage der Berliner Gewerbe- 
ausstellung 1896 im Park von Treptow. Hier hatte der Kiinstler Gelegenheit, 
zum erstenmal seine Fahigkeit in der Bewaltigung einer baulichen Gesamt- 
anlage zu zeigen. Dauernden monumentalen Ausdruck fand diese Fahigkeit 
in der Gestaltung des Friedrichsplatzes in Mannheim mit Erbauung des Rosen- 
gartens und des Reis-Museums, der Arkadenhauser und dem GroBherzog- 
Denkmal. Dem Rosengarten folgt in einer Art Weiterbildung das Weinhaus 
»Rheingold« (1905 bis 1906) in Berlin, eine Saalfolge groBten Stils zwischen 
Bellevue- und Potsdamer StraBe. Der Auftrag des Bauherrn ging dahin, in 
Anlage und Ausstattung alles Dagewesene zu iibertreffen. In der letzten Zeit 
beschaftigten den Kiinstler wiederholte Bearbeitungen des ringformigen Bis- 
marck-Denkmals fiir Charlottenburg mit den dasselbe umgebenden StraBen- 
ziigen, Entwiirfe fiir den Ausbau des Domes in Freiberg, sowie Entwiirfe fiir 



262 I9i6 

ein Reis-Museum in Mannheim. Das tiefe Suchen nach der zweckmaBigsten 
Ausdrucksform und nach der personlichsten, von allem Bestehenden ab- 
weichenden Kunstform war das Kennzeichen des Schaffens des Kiinstlers. Ein 
Beweis dafiir ist die mehr als zehnjahrige Arbeit fiir das Volkerschlacht-Denk- 
mal in Leipzig. Das zutage tretende michelangeleske Streben nach einer un- 
erhorten Form, das sich im Werden des Volkerschlacht-Denkmals deutlich 
verfolgen laBt, fiihrte auch zu einer Zusammenarbeit mit Bildhauern wie 
Franz Metzner, deren auf dasAuBerste getriebener Subjektivismus bisweilen 
die Harmonie des Werkes beeintrachtigte. Das titanenhaft gesteigerte Wollen 
war auch die treibende Kraft bei den stadtebaulichen Arbeiten des Kiinstlers, 
das zeigten neben der Wettbewerbsarbeit fiir den Bebauungsplan fiir Diissel- 
dorf ganz besonders seine Entwiirfe fiir die baulichen Umgestaltungen in 
GroB-Berlin, die aus dem Wettbewerb GroB-Berlin hervorgegangen sind. Und 
das war das Eigentiimliche bei Sch., daB er ob der GroBe der Anschauung nie- 
mals die Moglichkeit der Verwirklichung aus dem Auge verlor. 

Bruno Sch. errang 1886 auf der GroBen Berliner Kunstausstellung die 
Kleine, 1898 die GroBe Goldene Medaille. 1894 wurde er zum Mitglied der 
konighchen Akademie der Kiinste in Berlin, 1902 zum Mitglied der Kunst- 
akademie in Dresden erwahlt. 1896 wurde er zum Professor, 1913 zum Ge- 
heimen Baurat ernannt. 1905 ehrte ihn die Technische Hochschule in Dresden 
durch Ernennung zum Doktor-Ingenieur ehrenhalber. — 

Karlsruhe. Albert Hofmann. 



Nachtrag zum Jahre 1913 

Guilleaume, Emil, Kommerzienrat Dr.-Ing. h. c, * in Engelskirchen (Kreis 
Gummersbach) im Rheinland am 1. November 1846, f inKoln am 21. April 1913. 
— Emil G. verlor seinen Vater, der eine Posthalterei besaB, in jungen Jahren 
und erhielt danach seine Erziehung im Hause seines Verwandten Theodor G., 
des Inhabers der Firma Felten & Guilleaume, Koln. Nach dem Besuch eines 
Gymnasiums trat er am 1. Oktober 1863 in das Geschaft der genannten Firma 
ein, die im Jahre 1826 gegriindet war und urspriinglich Hanfspinnerei, Hanf- 
seilerei und Bindfadenfabrikation betrieb. Die Erfindung des Drahtseiles in den 
dreiBiger Jahren veranlaBte sie, auch diesen Produktionszweig aufzunehmen. 
Der Tag der Errichtung dieser Drahtseilerei im alten Kolner Hause — zugleich 
der altesten der ganzen Erde — kann als der Geburtstag der Weltfirma ange- 
sehen werden. Emil G. errang sich bald eine Vertrauensstellung bei der Firma 
und unternahm in ihrem Auftrage zur Erweiterung seiner Kenntnisse Reisen 
ins Ausland, besonders nach England. Hier war man in der Technik der Metall- 
verarbeitung und Herstellung des Drahtseiles Deutschland weit voraus. Auf 
Grund der in England erworbenen Kenntnisse verbesserte Emil G. das Pro- 
duktionsverfahren im Kolner Betriebe und bereitete dadurch gemeinsam mit 
dem damaligen Inhaber, Franz Carl G., dem Sohne des oben genannten Theo- 
dor G., den Aufschwung des Betriebes auf seine nachmalige Hohe vor. Die Ent- 
wicklung der neuzeitigen G.schen Unternehmungen, die im Jahre 1874 nach 
dem neuerbauten Carlswerke in Miilheim a. Rh. verlegt wurde, ist mit seiner 
Personlichkeit eng verwachsen. Wahrend seines Wirkens in der Firma hat sich 
das Werk sehr ausgedehnt. Neben der Drahtseilerei, die eine Spezialitat der 
Firma wurde und den ersten Platz auf diesem Gebiete in der Welt behauptet, 
kam es zur Errichtung einer Drahtzinkerei, Drahtverzinkerei, einer Draht- 
warenfabrik, welche die Herstellung von Stacheldraht, Drahtgeflecht, Zug- 
und Druckfedern, Drahtstiften u. a. m. betrieb. Letztere ging aus dem Streben 
nach weitgehendster Ausnutzung der Drahtzieherei hervor. Die Kabelfabri- 
kation fiihrte zur Errichtung einer Gummi- und Guttaperchaf abrik ; eine 
elektro-technische Werkstatte, die in eigener Eisen- und GelbgieBerei her- 
gestellte Kabelgarnituren verarbeitet, ermoglichten der Firma den Ausbau 
ganzer Kabelnetze vom Schaltbrett der Zentrale bis zum HausanschluBkasten 
ohne f remde Mitwirkung ; endlich diente ein Kupf erwerk zur teilweisen Deckung 
des Bedarfs eines Kupferdrahtwalzwerkes. Als am 1. Januar 1900 das Mlilheimer 
Werk in eine Aktiengesellschaft unter der Firma Felten & G. Carlswerk Aktien- 
gesellschaft in Miilheim a. Rh. umgewandelt wurde, wahlte man Emil G. zum 



264 Nachtrag 191 3 

Generaldirektor. Ende 1904 trat er aus dem Vorstand der Aktiengesellschaft 
aus und wurde bald darauf Mitglied des Aufsichtsrats, dem er bis 191 2 ange- 
horte. 

Die Kabelherstellung der Firma fiihrte Emil G. auf ein Tatigkeitsfeld, auf 
dem er seine reichen Gaben wie seinen scharfen Verstand, sein diplomatisches 
Geschick und seine hervorstechendsten Charaktereigenschaften wie auBer- 
gewohnliche Tatkraft, zielbewuBte Energie und zahe Ausdauer zur vollen Aus- 
wirkung bringen konnte: auf das Gebiet der tiberseeischen Kabellegung. Im 
Jahre 1893 trat die Reichspostverwaltung, die sich schon seit den achtziger 
Jahren mit dem Gedanken getragen hatte, das aufbliihende deutsche Wirt- 
schaf tsleben von den Kabelverbindungen des Auslandes unabhangig zu machen 
durch Errichtung eigener Kabel, vor allem nach den Vereinigten Staaten, an 
die Firma Felten & G. heran, um sie fur ein solches Unternehmen zu gewinnen. 
Durch Verbindung der Firma mit englischen Kabelgesellschaften, die zur Er- 
reichung des genannten Zweckes wertvoll waren, hoffte man auf ein Gelingen. 
Staatssekretar v. Stephan fand bei der Firma groBes Entgegenkommen ; es 
war nun Emil G., der sich mit seiner ganzen Personlichkeit in den Dienst dieser 
Sache stellte. Es waren bei Ausfiihrung des Planes der Kabellegung nach den 
Vereinigten Staaten die groBten Schwierigkeiten zu iiberwinden, die durch die 
ablehnende Haltung der portugiesischen Regierung, das Anlanden des deutschen 
Kabels auf den Azoren und die Weigerung der englischen, es bei Porthcurno an 
der Siidwestspitze Englands zu gestatten, entstanden. Trotz des anfanglichen 
MiBerfolgs kam es nach w r eiteren Verhandlungen, dieses Mai mit der entgegen- 
kommenderen spanischen Regierung, und nach der gemeinsam mit dem Eastern 
Konzern gegriindeten Deutschen Seetelegraphengesellschaft im Jahre 1896 zur 
Legung des ersten Kabels Emden — Vigo. Im Jahre 1899 wurde nach aber- 
maligen Verhandlungen die Verbindung nach den Vereinigten Staaten, und 
zwar doch iiber die Azoren, durch die am 22,Marz 1899 gegriindete Deutsch- 
atlantische Telegraphengesellschaft fertiggestellt. Auch an dem Zustande- 
kommen und den Erfolgen der spater gegriindeten Telegraphengesellschaften, 
der Deutsch-Niederlandischen, der Osteuropaischen, der Deutsch-Siidameri- 
kanischen Telegraphengesellschaft hatte Emil G. groBen Anteil, und er ist 
bis zu seinem Tode im Aufsichtsrate derselben gewesen. Bei der Deutsch- 
Niederlandischen Gesellschaft handelte es sich um die Verbindung von Nieder- 
landisch-Indien nach der deutschen Karolineninsel Yap mit Abzweigung nach 
Guam an das amerikanische Kabel und nach Shanghai an die russischen 
Linien, die iiber Sibirien nach Europa fiihrten. Die Osteuropaische Gesell- 
schaft stellte die Verbindung Berlin — Bukarest — Konstanza — Konstantinopel 
her. Den SchluB bildete das Kabel nach Westafrika mit AnschluB an unsere 
Kolonien und Siidamerika. 

Von 1899 bis 1905 hatte Deutschland erreicht, vollig unabhangig im Ver- 
kehr mit den Vereinigten Staaten und im Depeschenverkehr mit Ostasien, zwar 
nicht selbstandig, aber nicht allein auf England angewiesen zu sein. 

In enger Beziehung zu diesen Unternehmungen stand das unter der Fiihrung 
von Felten & G. ins I^eben gerufene Kabelwerk Nordenham, das den Bau von 
Kabelschiffen betrieb und bei dem Emil G. auch einen Platz im Aufsichtsrat 
hatte. Emil G.s hingebende Arbeit in der Kabelpolitik entsprang nicht nur 
dem Geschaftsinteresse, sondern seinem starken nationalen Empfinden. Mit 



Guilleaume 265 

dem ihm eigenen Weitblick hatte er die Bedeutung eigener Kabel fiir Deutsch- 
land erkannt zu einer Zeit, als diese Einsicht noch lange nicht allgemein war, 
und sein Wunsch war daher, seinem Vaterlande den ihm gebiihrenden Platz 
an der Seite der anderen GroBmachte zu verschaffen. 

Auch auf dem Gebiete des Erzbergbaues hat sich Emil G. betatigt. Anfang 
des Jahrhunderts wurde er Hauptgewerker und Vorsitzender der GrubenGlan- 
zenberg bei Siegen und Kupferberg bei Wipperfiirth, zum Teil zu dem Zwecke, 
der Firma Rohstoffe zuzufiihren. Diese Unternehmungen brachten ihm keinen 
geldlichen Erfolg, sondern Verluste. DaB sie aber auf solider wirtschaftlich- 
richtiger Grundlage aufgebaut waren, beweist ihr spateres Gedeihen. 

Emil G.s vSinn fiir die Allgemeinheit betatigte sich in seinem 25Jahrigen 
Wirken als Stadtverordneter in Miilheim. Er ist als solcher fiir die Ausdehnung 
des Straflenbahnnetzes eingetreten und hat der Frage der Eingemeindung Miil- 
heims in die Kolner Stadtgemeinde lebhaftes Interesse entgegengebracht. 

Emil G. hat an den Feldziigen 1866 und 1870/71 teilgenommen und hatte in 
dem letzteren die Aufgabe, die Kabelverbindung zwischen der deutschen 
Kiiste und den ostfriesischen Inseln herzustellen. 

Emil G. stellt den Typ des modernen Unternehmertums hoheren Stiles dar. 
Sein Grundgedanke war die Umfassung des gesamten Produktionsprozesses 
eines Wirtschaftszweiges und die Sicherung des Absatzes durch Griindung ent- 
sprechender Werke. 

Seine Lebensarbeit ist in doppelter Beziehung fiir die deutsche Wirtschaft 
von Bedeutung gewesen. Einmal hat er in hohem MaBe dazu beigetragen, die 
Technik der deutschen Metallverarbeitung auf ihre heutige Hohe zu heben und 
ihren Weltruf zu begriinden. Zweitens hat er durch seine Verdienste um das 
Zustandekommen der Kabel nach tjbersee an dem wirtschaftlichen und poli- 
tischen Aufstieg und damit an dem weiteren Hineinwachsen Deutschlands in 
die Weltwirtschaft mitgewirkt. 

Literatur: Schriftliche Mitteilungen der Firma Felten & Guilleaume. — Miindliche 
Mitteilungen des Herrn R. Guilleaunie-Deutz (Sohnes des Herni E.G.). — Sonderdruck 
aus der Festschrift des Kolner Bezirksvereins Deutscher Ingenieure, 191 1 : Felten & Guil- 
leaume Carlswerk A. G., Miilheim a. Rh. — J. Horatz-Koln, Entwieklung der Kolner 
Kabelgesellschaften, Koln, Dissert. 1^21. 

Dr. Auguste Elbers. 



T^J a m e n * V e r z e i c h n i s 



Seite 

Adickes, Franz (E. Foerster) .... 1 1 1 

Bdhm-Bawerk, Eugen v. (F. X. Weifl) 3 

Boelcke, Oswald (H. Dahlmann) . . 185 

Brinckmann, Justiis (G. Pauli) ... 116 

Brockhaus, Eduard (S. Hausmann) . 7 

Brunner, Heinrich (E. Heymann) . 119 

Bueck, Henry Axel (Schweighoffer) . 187 
Carol I., Konig von Rumanien (Th. v. 

Sosnosky) 9 

Czerny, Vinzenz (F. Voelcker) ... 190 

Dove, Alfred (Friedr. Meinecke) . . 193 
Ebner-Eschenbach, Marie v. (A. Bet- 

telheim) 196 

Ehrlich, Paul (H. Sachs) 126 

Fehrs, Joh. Hinrich (F. Fromme) . . 202 
Fischer, Hermann (gekiirzt aus d. Z. 

V.D.J. 59) 130 

Frank, Adolf (A. R. Frank) .... 204 

Frank, Ludwig (G. Mayer) .... 12 
Franz Ferdinand, Erzherzog von 

Osterreich-Este (Th. v. Sosnosky) 16 
Franz Joseph, Kaiser von Osterreich 

(Th. v. Sosnosky) 208 

Georg II., Herzog von Sachsen-Mei- 

ningen (E. Wolff) 23 

Golsdorf, Karl (R. v. Hehnholtz) . . 219 
Gorch, Fock, s. Kinau 

Guilleaunie, Emil (A. Elbers) . . . 263 

Hansjakob, Heinrich (C. Bauer) . . 221 
Harrach, Ferdinand, Graf v. (A.Amers- 

dorffer) 132 

Heigel, Karl Theodor (E. Marcks) . 134 

Heyse, Paul (E. Petzet) 26 

Hittorf, Joh. Wilhelm (H. Konen) . 41 
Kinau, Johann [Gorch Fock] (C. Borch- 

ling) 225 

Kley, Karl (C. Matschoss) 44 

Kliigmann, K. Peter (E. F. Fehling) 138 

Koepping, Karl (G. Amersdorffer) . 45 

-Kopp, Georg (F. X. Seppelt) .... 48 



Scite 

Koser, Reinhold (G. B. Volz) ... 58 
Lamprecht, Karl Gotthart (R. 

Kotzschke) 139 

Leskien, August (W. Streitberg) . . 230 

Lichtwark, Alfred (G. Pauli) .... 64 

Iyons, Hermann (W. Stammler) . . 67 

Mach, Ernst (H. Henning) .... 233 

Mannesmann, Max (A. Elbers) ... 149 

Martens, Adolf (M. Rudeloff) ... 69 

Mauser, Paul v. (Z. V. D. J. Bd. 58) 72 

Merton, Wilhelm (Ph. Stein) .... 237 

Meyerheim, Paul (A. Amersdorffer) . 151 

Morgenstern, Christian (Fr. Kay Bier) 7^ 

Miinsterberg, Hugo (M. Dessoir) . . 240 

Neven-Du Mont (E. Posse) .... 153 

Payer, Julius v. (H. Riidiger) ... 154 

Plate, Geo (W. Ehlerfe) 79 

Rathenau, Emil (F. Pinner) .... 158 

Reger, Max (K. Hasse) 242 

Richter, Hans (W. Golther) .... 254 

Rietschel, Hermann (H.E.v.Boehmer) 8 1 

Rodenberg, Julius (H. Spiero) ... 84 

Schenkendorff, Emil v. (Fr. Schmidt) 167 

Schiefi, Ernst (aus d. Z. V. D. J. 59) . 169 

Schlenther, Paul (H. Spiero) .... 258 

Schmitz, Bruno (A. Hofmann) ... 259 

Schulte, Joh. Friedr. v. (Ph. Zorn) . 86 

Spee, Maximilian Graf v. (Kohler) . 88 

Stollwerck, Heinr. (A. Elbers) ... 171 

Strohal, Emil (R. Mayr) 91 

Suefl, Eduard (\V. Salomon) .... 93 

Trojan, Johannes (H. Spiero) ... 174 

Vogelsang, Heinr. (F. Oloff) .... 95 

Weddigen, Otto (Saalwachter) ... 175 

Weismamn, August (V. Haecker) . . 97 

Werner, Anton v. (A. Amersdorffer) 177 

Windelband, Wilhelm (P. Menzer) . 182 

Woehler, August (R. Blaum) ... 103 
Zedlitz u. Triitzschler, Robert v. (M. 

Schimmelpfeunig) 108 



,/ 



Autoren^Verzeichnis 



Sciie 

Amersdorffer, A. (Graf Ferd. v. Har- 

rach) 132 

— (K. Koepping) 45 

— (Paul Meyerheim) 151 

— (Anton v. Werner) 177 

Bauer, C. (H. Hansjakob) 221 

Bettelheim, A. (M. v. Ebner-Eschen- 

bach) 196 

Blaum, R. (A. Woehler) 103 

Boehmer, H. E. v. (Herm. Rietschel) 81 

Borchling, C. (Joh. Kinau-Gorch Fock) 225 

Dahlmann, H. (Oswald Boelcke) . 185 

Dessoir, M. (Hugo Miinsterberg) . . 240 

Ehlers, W. (Geo Plate) ...... 79 

Elbers, A. (E. Guilleaume) .... 263 

— (M. Mannesrnann) 149 

— (H. Stollwerck) 171 

Fehling, E. F. (K. P. Klugmann) . 138 

Foerster, E. (F.Adickes) in 

Frank, A. R. (A. Frank) 204 

Fromme, F. (J. Hinrich Fehrs) . . . 202 

Golther, W. (Hans Richter) .... 254 

Haecker, V. (A. Weismann) .... 97 

Hasse, K. (Max Reger) 242 

Hausmann, S. (E. Brockhaus) ... 7 

Helmholtz, R. v. (K. Golsdorf) ... 219 

Henning, H. (E. Mach) 233 

Heymann, E. (H. B runner) .... 119 

Hofmann, A. (Br. Schmitz) .... 259 

Kayfller, Fr. (Christ, Morgenstern) . 7^ 

Kohler (Graf v. Spee) 88 

Kotzschke, R. (Karl Lamprecht) . . 139 

Konen, H. (J. W. Hittorf) 41 

Marcks, E. (K. Th. v. Heigel) ... 134 

Matschoss, C. (K. Kiev) 44 

Mayer, G. (L. Frank) 12 

Mayr, R. (E. Strohal) 91 



Scite 

Meinecke, Fr. (A. Dove) 193 

Menzer, P. (Wilh. Windelband) . . . 182 

Oloff, F. (Heinr. Vogelsang) .... 95 

Pauli, G. (Justus Brinckmaiin* ... 116 

— (A. Lichtwark) 64 

Petzet, E. (P. Heyse) 26 

Pinner, F. (Emil Rathenau) .... 158 

Posse, E. (Neven-Du Mont) .... 153 

Rudiger, H. (J. v. Payer) 154 

RudelofT, M. (W. Martens) 69 

Saalwachter (Otto Weddigen) ... 175 

Sachs, H. (Paul Ehrlich) 126 

Salomon, W. (Ed. SueB) 93 

Sclnmmelpfennig, M. (R. v. Zedlitz u. 

Triitzschler) 108 

Schmidt, F. (E. v. Schenkendorft) . 167 

Schweighoffer (H. A. Bueck) .... 187 

Seppelt, Fr. X. (Georg Kopp) ... 48 
Sosnosky, Th. v. (Carol I. von Ruma- 

nien) 9 

— (Franz Ferdinand von Oster- 
reich) 16 

— (Fran z Joseph, Kaiser von Oster- 
reich) 208 

Spiero, H. (Jul. Rodenberg) .... 84 

— (P. Schlenther) . 258 

— (Joh. Trojan) 174 

Stammler, W. (Herm. Lons) .... 67 

Stein, Ph. (W. Merton) 237 

Streitberg, W. (A. Leskien) .... 230 

Voelcker, F. (V. Czerny) 190 

Volz, G. B. (Reinhold Koser) ... 58 

Weifl, F. X. (Bohm-Bawerk) .... 3 
Wolff, E. (Georg II. von Sachsen-Mei- 

ningen) 23 

Zorn, Ph. (Joh. Friedr. v. Schulte) . 86 



TOTENLISTEN 

1914 / 1915 / 19l6 



Verzeichnis der Abkiirzungen 



Ein Stern (*) vor dem Namen bezeichnet, daB das Biographische Jalirbuch dem Toten 
einen eigenen Nekrolog gewidmet hat, auf den am Schlusse des Artikels mit BJ unter An- 
gabe von Band- und Seitenzahl verwiesen ist ; die am Schlusse jedes Artikels der Totenliste 
angefuhrte Literatur verzeichnet die Quellen des Bearbeiters und gibt auch weitere, zum 
Teil aus zweiter Hand geschopfte Hinweise; W deutet dabei an, daB dort ein Verzeichnis 
der Werke des Verstorbenen, P, daB ein Portrat beigegeben ist. Die mit einem §j bezeich- 
neten Namen sind Opfer des Weltkrieges 1914/18. 



Andere Abkiirzungen sind : 

AD = Das akademische 

Deutschland. 
AF = Arbeiterf reund . 
AMZ = Allg.Musikzeitung. 
BB Borsenblatt des deut- 

schen Buchhandels. 
BJ = Deutsches Biographi- 

sches Jahrbuch. 
BKW = Berliner Klinische 

Wochenschrift, 
BMW = Botticher, Maler- 

werke des 19, Jahrh. 
BR = B rummer, Lexikon 

der deutschen Dichter 

und Prosaisten des 19. 

Jahrh., 6. Aufl. 1913. 
BT = Brief adliges Taschen- 

buch. 
BW * Biihne und Welt. 
BZM - BZ am Mittag. 
BZ Dietrich, Bibliogra- 
phic der deutschen Zeit- 

schriftenliteratur. 
BZ fremdspr. = Dietrich, 

Bibliographic derfremd- 

sprachlichen Zeitschrif- 

tenliteratur. 
DBJ = Deutsches Biihnen- 

Jahrbuch. 
DBZ = Deutsche Bauzei- 

tung. 
DE = Deutsche Erde. 
DJZ = Deutsche Juristen- 

zeitung. 
DKZ Deutsche Kolonial- 

zeitung. 



DMW = Deutsche Medizi- 
n ische Wochenschrift . 

DAW = Dresdner Neueste 
Nachrichten. 

DRG = Deutsche Rund- 
schau fur Geographie u. 
Statistik. 

DZL = Deutsches Zeitge- 
nossen lexikon. 

EG = Eisenberg, GroBes 
Biogr. Lexikon der deut- 
schen Biihnen. 

ELK «= Allg. evang.-luth. 
Kirchenzeitung. 

FT = Freiherrliches Ta- 
schenbuch. 

FZ = Frankfurter Zeitung. 

GA = Geographischer An- 
zeiger. 

GK = Geographen-Kalen- 
der. 

GT = Grafliches Taschen- 
buch. 

GZ - Geograph. Zeitung. 

HA = Handbuch des preus- 
sischen Abgeordneten- 
hauses. 

HBL = Hirsch, Biograph. 
Lexikon der hervorr. 
Arzte. 

HC = Hamburg. Correspon- 
dent. 

HF = Hamburger Frem- 
denblatt. 

HH = Handbuch des preuB. 
Herrenhauses. 



HN = Hamb. Nachrichten 
HK = Gothaischer Hofka 

lender. 
UP A = Hirths Deutscher 

Parlaments-Almanach. 
HV = Histor. Vierteljahr- 

schrift. 
HZ = Histor. Zeitschrif t . 
JAW = Jahrbuch d. bayr. 

Akademie derWiss. 
JB = Jahrbuch der deut- 
schen Bibliotheken. 
JSG = Jahresbericht der 

schles. Ges. f. vaterland. 

Kultur. 
JSTG » Jahrbuch d.schiffs- 

bautechn. Gesellschaft. 
IZ = lllustrierte Zeitung 

(Leipzig). 
K = Kukula, Bibliogr. Jahr- 
buch d. deutschen Hoch- 

schulen. 
Kchr = Kunstchronik. 
KJ = Kirchl. Jahrbuch. 
KL = Kiirschner, Deutscher 

Literatur-Kalender 1 9 1 3 . 
KR = Keiters, Katholischer 

Literaturkalender. 
KTH = Kalender der techn . 

Hochschulen. 
K U -- DieKunst f. Alle. 
KVZ = Koln. Volkszeitung. 
KW = Kunstwart. 
KZ = Kolnische Zeitung. 
L = Leopoldina. 



272 



Verzeichnis der Abkiirzungen 



LA = Liinans Mil.-Alma- 

nach. 
LE = Iyiterarisches Echo. 
LJ = Lobells Jahresbe- 

richte. 
LNN = Leipziger Neueste 

Nachrichten . 
LT = Leipziger Tageblatt. 
LZ = Literarisches Zentral- 

blatt. 
MAZ = Munchner Allg. 

Zeitung. 
M.d.A - Mitgl. d. FreuIS. 

Abgeordnetenhauses. 
M.d.H - Mitgl. d. PreuO. 

Herrenhauses. 
M.d.R - Mitgl. d. Reichs- 

tages. 
MMK = Munchner Medi- 

zin. Klinik. 
MMW = Munchner Medi- 

zin. Wochenschrift. 
MS = Miiller-Singer, Allg. 

K iinstlerlexikon . 
MW = Militarwochenblatt. 
MWB = Musikalisches Wo- 

chenblatt. 
MZ = Militarzeitung. 



A T = Die Naturwissenschaf- 
ten. 

NFP = Neue Freie Presse. 

NMZ -^ Neue Musikzeitung. 

NPZ — Neue PreuBische 
(Kreuz-) Zeitung. 

NR - Naturw. Rundschau. 

NT A = Neuer Theateral- 
manach. 

NZZ = Neue Zuricher Zei- 
tung. 

OR = Osterreiclusche Rund- 
schau. 

PBL - Pagel, Biogr. Lexi- 
kon hervorr. Arzte. 

PF = Poggendorff, Biogr. - 
literar. Handworterbuch 
zur Gesch. der exakten 
Naturwissenschaf ten . 

PM = Petermanns Mittei- 
lungen. 

PY = Pataky, Lexikon 
deutscher Frauen der 
Feder. 

R = Riemann, Musik-Lexi- 
kon, 8. Aufl. 1922. 

RH = Reichstagshandbuch. 

SB = Sitzungsberichte. 



SKI. = Spemanns Kunst- 

lexikon. 
SM = Schwabischer Mer- 

kur. 
St. u.E - Stahl u. Eiseu. 
T = Tag, 111. Teil. 
TB = Thieme-Becker, Allg. 

Lexikon der bildenden 

Kiinstler. 
TR = Tagliche Rundschau. 
UK = Aschersons Univer- 

sitats-Kalender. 
VZ = Vossische Zeitung. 
WGK Wiggerrnanns Deut- 
scher Geschichtskalen- 

der. 
WI = Wer ist's. 
IV J = Wiirtteinb. Jahrbuch. 
W - Woche. 
WMW = Wiener Medizin. 

Wochenschrift. 
H'.V = Wurtt. Nekrolog. 
WZ = Weser-Zeitung. 
ZB - Zentralblatt der Bau- 

verwaltung. 
ZVDI -ZeitschriftdesVer- 

eins deutscher Inge- 

nieure. 



Totenliste 1914 



Bearbeitet von Dr. Hermann Christern 



Adolf Friedrich V., Groflherzog von Mecklen- 
burg-Strelitz; *Neustrelitz22. VII. 1848; 
f Berlin 11. VI. — T. 136 (P); VZ, 12. VI. 
M.-A; Hamb. Nachr. 12. VI.; \VI 7; 
A 16/17; HK 1915, 50; Die Hilfe 1914 
396/97 (H. Straufl-Olsen); W 1914, 1025, 
1029/31 (M. Moller, Strelitzer Trauer- 
tage); MZ 1914, 393; IZ 18. VI. (P) ; BZ 
35 [Universuni, Beil. Weltrundsch., 1914. 
269 (K. Wilke)]. 

Ahlwardt, Hermann, Rektor a. D., 1892 
bis 1902 Mitgl. d. Reichst., Antisemit; 

* Crien b. Anklam 21. XII. 1846; f Leip- 
zig 16. IV. — W: Verzweiflungskampf d. 
arischen Volker m. d. Judentum; VZ 17. 
IV. M.-A.; WI 7, 9; RH 1898, 143 (W); 
W 1914, 688; BZ 34 [Auf Vorposten 3. 
254 (H. A.s Gliick und Ende) 280/84 
(Nachmf)J. 

Ahrens, Gustav, Geschaftsinhaber der Ber- 
liner Handeisgesellsch.; * Danzig 15. VI. 
i860; f Berlin-Grunewald 24. V. — VZ 
25. V. M.-A u. 27. V. sowie samtl. Berl. 
Tagesztg. vom 25. V.; T 123 (P) ; Frankf. 
Ztg. 25. V.; Lpz. Tgbl. 25. V.; Essische 
Bergwerksztg. 26. V.; W 1914, 898 (P) ; 
Der internat. Volkswirt 31. V.; Plutus 
30. V.; Berl. L,ok.-Anz. 27. V. (Trauer- 
f eier) . 

Albert!, Eduard v., General d. Inf. z. D., 
zul. Komm. d. 2. Division. EK. II v. 1870; 

* Ludwigsburg 20. IV. 1838; f Stuttgart 
25.X. — WJ 1914, V; WN 1914, 201/202. 

Alt, Franz, Landschaf tsmaler ; * Wien 16. 
VIII. 1821; f das. 13. II. — IZ 1914, 1, 
345; OR 38, VII; TB 1, 333/39; MS 1, 
20; Kchr 1914, 348; BMW 1, 25 (W). 

Althelm, Wilhelm, Maler, Bilder aus d. Sol- 
daten-, Hirten- u. Bauernleben; * Grofl- 
gerau 2. VIII. 187 1; f Frankfurt a. M. 
25. XII. — Frankf. Ztg. 27. XII.; KU 
1915, 222/23; TB i, 351; MS Nachtr. 5; 
Zschr. f. bild. Kun st 1915, 189/96 (F. 
Rieffel m.Pu.W); BZ 35 [Volkst. Kunst 

DBJ 18 



1 914. 367/72 (J. A. Beringer)! 36 [Kunst 
u. Kiinstler 13, 227 (R. Bauer)]. 
Arnauld de la Per id re, Alice v., Hofschau- 
spielerin, seit 1896 Mitgl. d. Berlin. Schau- 
spielhauses; * Berlin 16. V. 1875; f das. 
14. II. — VZ 16. II. M.-A.; DZL 22/23; 
W 1914. 302 u. 308 (P); EG 33; NTA 

Arnim-Neuensund, Hans v., Rittmeister 
a. D., Mitgl. d. preuB. Herrenhauses ; 
* Neuensund 12. XII. 1 841 ; f das. 28. XII. 

— WGK 1914* 2, 591 ; UT 1917. 4i ; HH 
191 1, 308. 

Attenhofer, Karl, Dr. h. c, Schweizer Diri- 
gent und Komponist, bes. von Manner - 
choren; * Wettingen (Schweiz) 5. V. 1837; 
f Zurich 22. V. — IZ 1914, 1, 1240 (E. 
Trappm. P) ; AMZ I9I4,884;MWB 1914, 
354; R 53; A. Gliick: K. A. (1888); Ernst 
Isler: K. A. (= 103. Neujahrsstuck der 
Zurich. Allgein. Mus.-Gesellschaft 191 5); 
BZ 38 (Schweiz. Bauztg. 67, 300 (P. Os- 
wald: K. A.s Grabmal)]. 

Auler, August, Dr. phil., Geh. Studienrat, 
Vors. d. Komm. f. erdkundl. Unterricht 
d. dtsch. Geographentages ; * Simmern 
185 1 ; f Dortmund 6. X. — DRG 37, 191 ; 

GZ 1914. 574- 
Auzinger, Peter, bayrischer Dialektdich- 
ter;*Athen 18. X. 1836; f Miinchen 6. II. 

— Miinchen- Augsb. Abdztg. 7. II.; WI 7 
42; KL 1914, 40 (W); BR 1, 93/94 (W) 
BB 1914, 32; W 1914, 260 u. 264 (P) 
LE 16, 872. 

Bachmann, Adolf, Dr. phil., o. Prof. d. Ge- 
schichte a. d. dtsch. Univ. Prag, Obmann 
d. dtsch. Fortschrittspartei in Bohmen, 
Reichstags- u. Landtagsabgeordn. ; * Kul- 
sam b. Eger 27. I. 1849; f Prag 31. X. — 
W.: Deutsche Reichsgesch. unter Fried- 
rich III. u. Max. I. ; Geschichte Bohmens; 
Hrsg. v. Brief en, Akten u. Urkd. z. Gesch. 
Kaiser Friedrichs III. ; NFP 1 . XI. M.-A. ; 
VZi.u. 5. XI.; Bohemia 1. XI.; WI 7, 45; 



274 



Totenliste 191 4: Baedecker — Bitter 



DE 13 TL.; KR 1914, 20/21 (W) ; HZ 1 14, 

236; UK S-S 1915, 2, 549; HV 17, 590; 

KL 1914, 43 (W); BZ 37 [Mitt. d. Kgl. 

preufl. Archivverw. 191 5, 178I 38 [Neues 

Lausitzisches Magazin 91, 276]. 
§1 Baedecker, Karl, Dr. phil., o. Prof. d. 

Physik a. d. Univ. Jena, bekannt durch s. 

Arbeiten iiber die elektr. Eigenschaft d. 

Metalle; * Leipzig 3. II. 1877; g e *- beim 

Sturm auf Liittich 6. VIII. — VZ 1 5. VIII. 

A.-A. und 16. VIII. M.-A. ; U KW-S 14/15. 

1, 358; L 191 5, 51; Cbronik d. Univ. 

Jena 1915, 22. 
Balihausen, s. Lucius. 
Bartels, Paul, Dr. med., Prof., Privatdoz. d. 

Anatomie u. Anthropologic, erster Assist. 

am anatom. Institut in Konigsberg; 

• Berlin 7. XII. 1874; "j- Konigsberg i. Pr. 
23. I . — \V . : t) ber Geschlechtsun ter- 
schiede am Schadel; Das LymphgefaB- 
system; Hrsg. v. PloB-Bartels: Das Weib 
in der Natur- u . Volkerkunde . — PM 1 9 1 4, 
1, 145 und 1914, 2Taf. 1 (P) ; UKS-S 1914, 
i,342;MMW 1914, 288; DMW 1914,240; 
Anatom. Anz. 46, 201/11 (E. Gaupp m. 
Verz. d. wiss. Arb.). 

Barth, Jakob, Dr. phil., Geh. Reg.-Rat, a.o. 
Prof. d. semit. Philologie a. d. Univ. Ber- 
lin; * Flehingen 3. III. 185 1; f Berlin 
24.X. — W.: Beitr. z. Erkl. d. Buchs 
Hiob; Beitr. z. Erkl. d. Jesaia; Sprach- 
wiss. Unters. z. Semit.; VZ 26. X. M.-A.; 
KL 1914, 62 (W); K 23/24 (W); BZ 35 
[Allg. Ztg. d. Judentums 19 14, 537 (R. 
Leszynsky)], 36 [Jeschurun. Mon.-Schr. f. 
Lehre u. Leben i. Judent. 191 5, 181/200 
(J. Wohlgemuth)] n, [Der Islam VI, 200 
(C.H.Becker)]. 

Bechstein, Ludwig, Genremaler und Illu- 
strator, Mi t arb. d. »Fliegenden Blatter*, 

• tJber Land u. Meer«, »Gartenlaube«, 

• Daheimi; * Meiningen 1. VII. 1843; 
f Miinchen 31. V. — MAZ 1914, 371; 
TB 3, 135; MS Nachtr. 17; BMW 1, 56. 

Beier, Franz, Dr. phil., Prof., Musikschrift- 
steller, seit 1899 l - Kapelhnstr. am Hof- 
theater z. Kassel; * Berlin 18. IV. 1857; 
f Kassel 2 5 .VI. — W. : » Der Gaunerkonig «, 
kom. Oper; VZ 27. VII., M.-A.; WI 7, 91 
(W); AMZ 1914, 1084; MWB 1914, 462; 
R. 102. 

Bendemann, Hans, Generalleutnant z. D., 
zul. Komm. d. 61. Inf. -Brig.; EK. II v. 
1870;* Stettin 28.II. 1852; f Heidelberg 
23. I. — WGK 1914, 1. 91; WI 7, 96; W T 
1914, 176. 

Brendrat, Arthur, Landschaf tsmaler ; * Dan- 
zig 22. IV. 1872; + Coswig b. Dresden 
2. III. — T 59 (P); KU 1914; 552; TB 3, 
305; MS Nachtr. 20; Kchr. 1914, 397/98. 



Benk, Johannes, Prof., Bildhauer; * Wien 
27. 7. 1844; f das. 12. III. — VZ 
12. III. A.-A.; WI 7, 98/99 (W) ; OR 38, 
VIII; KU 1914. 360; W 1914. 474; TB 3, 
329/30 (W); MS 1, 104; DBZ 1914, 223. 
Benoit, Wilhelm, Geh. Baurat a. D., 1895/98 
Mitgl. d. Reichst. (freis. Vereinig.); 
* Markisch-Friedland 12. VIII. 1826; 
f Karlsruhe 3. III. — VZ 4. III. A.-A.; 
RH 1893 Nachtr. 8/9; Das Schiff 1914, 
130; W 1914, 432; ZB 1914, 200. 
Bernoulli-Sartorius, Wilhelm, Dr. med., Bo- 
taniker; * Basel 16. VII. 1838; f das. 
i.I. — Verhandl. d. naturf orschend . Ges. 
in Basel 25, 124/27 (A. Binz) ; BZ 34 (Cor- 
respondenzbl. f. Schweiz. Arzte 44, 210 
(Hagenbach)]. 
Berthelm, Alfred, Dr. phil., Prof, in Frank- 
furt a. M., beschaftigt a. d. chem. Abt. 
d. Georg-Speyer-Hauses, Mitarbeiter von 
Paul Ehrlich, Forschungsgebiet : Heil- 
mittelchemie u. Chemie der aroxnatischen 
Arsenverbindungen ; * Berlin 1879; fdas. 
17. VIII. — Frankf. Ztg. 19. VIII. (P. 
Ehrlich); DMW 1914, 1696. 
Berthold, Richard, Prof. a. d. Akademie fiir 
graphische Kiinste und Buchgewerbe in 
Leipzig; * Leipzig 7. V. 1854; f das - 
27. IV. — VZ 6. V. A.-A.; Kchr. 1914, 
485. 
&Bertrab, Karl v., Offizier, dann Land- 
schaftsmaler; * Rudolstadt 8. II. 1863; 
gef. im Osten 26. X. — VZ 23. XI.A.-A.; 
BT 1916, 52; MS Nachtr. 22. 
#BidlIngmaier, Friedrich, Dr. phil., Prof., 
Kustos d. Miinchner Sternwarte und Do- 
zent der Geophysik; * Lauffen a. N. 5. X. 
1875; g e *- De ^ Avocourt 23. IX. — VZ 3. 
XI.A.-A.; WI7, 121 (W); DRG 37, 191; 
WJ 1914, V; PM 1914, 2, 288 u. 1915, 
Taf. 1 1 (P) ; UKS-S 191 5, 1. 340; WN 1914. 
179/182 (A. Sommerfeld u. A. Nippoldt) ; 
GZ 1914, 646; GA 1915, 25; L 1915, 16; 
Physikalische Zs. 16, S. 17/18 (A. Som- 
merfeld) . 
Biesolt, Max, Kommerzienrat, Begriinder u. 
Leiter der Nahmaschinenfabrik Biesolt & 
Locke in Meifien ; * Bautzen 19. II. 1843; 
f MeiBen 7. V. — IZ 1914, 1 Nr. 3699 (P) ; 
WI 7, 124; DZL 113. 
Binder, Franz, Dr. phil., 1857 — 1901 zus. 
m. d. Historiker J org Leiter d. Historisch- 
politischen Blatter; * Ertingen 7. XI. 
1828; f Miinchen 8. IX.— W T : Friedrich 
Overbeck; VZ 8. IX. M.-A., KL 19 14. 
1 30 (W) ; KR 1914, 53 (W) ; LE 17. 62 Hi- 
stor.-poht. Blatter 154, 393/96. 
Bitter, Rudolph v., Dr. jur., Wirkl. Geh. 
Rat u. Kronsyndikus, President d. preufl. 
Oberverwaltungsgerichts, Oberpras. a. D.„ 



Totenliste 1914: Blell — Braunschweig 



275 



1879 — 88 Mitgl. d. Abg.haus. (freikcns.), 
seit 191 1 Mitgl. d. Herrenhauses, stellv. 
Pras. d. Dtsch. Kolonialges., EK. II v. 
1870; * Merseburg 8. I. 1846; f Berlin- 
Charlottenburg4.I. — IZ 1914, 1, 106/07, 
115 (P); VZ. 5.11. 7. L; WI 7, 131; BT 
1915, 84; DZL 117/18; DKZ 31, 20 (P); 
DJZ 19, 148/49; HH 191 1, 312; HA 1886, 
186/87; W 1914, 5°u. 58 (P) ; BZ 34 [Um- 
schau 1914, 106 (Dietrich); Preui3. Verw. 
Bl. 35, 297 (v. Straufl u. Torney)]. 
Blell, Karl, President der Handelskammer 
in Brandenburg a. H., Mitgl. d. Reichst. 
u. d. preuB. Abg.hauses (Fortschr. Volks- 

?artei); * Brandenburg 10. VIII. 1838; 
das. 15. VI. — VZ 16. VI. M.-A. (J. 
Kaempf); WI 7, 136; DZL 121; HA 1914, 
355 ". 5o7 (P); RH 1903 (189/90); W 
1914, 1032. 

&Bochmann, Gregor v., Bildhauer in Diis- 
seldorf ; * Diisseldorf 23. IX. 1878; gef. b. 
Neuvillar 20. IX. — VZ 8. IX. M.-A.; 
BT 1917, 87; KTJ 1915. 160 (P); TB 4, 
156; BZ 36 [Die Rheinlande 15, 93/100 
(W. Gischler)]. 

* Bdhm-Bawerk, Eugen v., Dr. jur. et phil. 
h. c. f o. Prof, der Nationalokonomie a. d. 
Univ. Wien, einer der Hauptvertreter d. 
osterr. Schule, 1895, ^97 — 98 und 1900 
bis 1 904 osterr. Finanzminister, President 
d. Wiener Akad.d. Wiss.; * Briinn 12. XI. 
1 851; j-Kramsach (Tirol) 27. VIII. — W.: 
Geschichte u. Kritik der Kapitalzins- 
theorie; NFP 29. u. 31. VIII.; Neue 
Zuricher Ztg. 31. VIII., VZ 29. VIII. 

M.-A. ;Wl7, 149/5° (W);KLi9i4. J 59/6o 
(W); OR 40, VII; HV 17, 593; Aim. d. 
k. Ak. d. W 7 iss. i. Wien 1915, 328/32 (Fr. 
Becke) 481/99 (K.Menger m. P.u.Bibliogr. 
d. W.); Zs. f. Volkswirtsch. Sozialpol. u. 
Verw. 23, 439/53 (E. v. Philippovich) ; 
ebd. 454/528 (Jos.Schumpeter: Das wiss. 
Lebenswerk E. v. B.-B.s); Ber. iib. d. 
Studienjahr 1913/14 d. Univ. Innsbruck, 

5. 32/35 (v. Myrbach); BZ 35 [Wissen u. 
Leben VIII Nov., S. 94 (P- Gygax)], WeiB 
(Vorwort z. Ges. Schriften E. v. B.-B.s, 
Wien 1924). BJ. I S. 3—7 (F. X. WeiB.) 

Boerner, Ernst, Dr. med. t a.o. Prof. d. Ge- 
burtshilfe u.Gynakologie in Graz; * Triest 

2. XI. 1843; f Graz 6 - 1V - — VZ 7- IV -» 
IZ 1914, 1, 864; UKS-S 1014, 2, ^8; 
PBL 205/06 (W); K 69/70 (W); BZ 35 
[Monatschr. f . Geburtshilfe und Gynako- 
logie 39, 833]. 
Bognar, Friederike, ehem. Hofburgschau- 
spielerin; * Gotha 16. II. 1840; -j* Wien 

6. III. — VZ 8. III. ; NFP 7. III. ; OR 38, 
VIII.; W 1914. 432; EG 109/10; KTA 
1917, 175. 



Borggreve, Bernard, Dr. phil. t Prof., ehem. 
Direkt. d. Forstakad. Miinden (Hann.), 
Oberforstmeister; * Magdeburg 6. VII. 
1836; f Wiesbaden 8. IV. — W.: Vogel- 
fauna vcn Norddtschl.; Verbreit. u. 
wirtseh. Bedeut. d. wichtigst. W'aldbaum- 
arten in Dtschl.; IZ 1914* *» 864; WI 7, 
165/66 (W); KL 1914. *73 (W); DZL 
149 (W) ; BZ 36 [Allg. Forst- und Jagdztg. 
91, S. 67 u. S. 89/94 (Martin: B.s Stel- 
lung u. Bedeutung i. d. Forstwissensch.)]. 

Bormann, Walter, Dr. phil., Vorsitz. der 
Psychologischen Gesellsch. in Miinchen, 
Schriftsteller auf d. Gebiet d. Asthetik u. 
d. Okkultismus; * Potsdam 18. XII. 
1844; f Oberstdorf Mitte August. — W.: 
Kunst und Nachahmnng; Home; Die 
Vivisektionsfrage; KL 1914, 175 (W) ; 
BB 1914, 196; BZ 35 (Die iibersinnl. Welt 
1914, 407/16; (Fragmente aus Briefen)J 
2,8 [Psychische Studien 1916, 49 (Z. An- 
denken an Dr. W. B.)J. 

Braband, Karl Julius, Dr. jur., Rechtsan- 
walt, seit 1909 Mitgl. d. Hamb. Biirger- 
schaft, seit 191 2 Mitgl. d. Reichst. (Fort- 
schrittl. Volkspartei) ; * Hamburg 18. VI. 
1870; f das. 20. XI. — VZ 20. XI. A.-A., 
23. XI. A.-A. (Beisetzung) ; Hamb. 
Fremdenbl. u. Hamb. Correspondent vcm 
20. XI.; WI 7, 174/75; R H 1912, 219/21 

u.498 (P). 

Brandes, Friedrich Heinrich, D. f Hof prediger 
a. D.; * Salzuflen 25. IV. 1825; f Biicke- 
burg 23. VII. — W. : Gesch. d. refoimier- 
ten Kirche i. Gottingen; WI 7, 178 (W) ; 
KL 1914, 1B9 (W); DZL 162/63 (W); 
BZ 35 [ReformierteKirchenztg. 1914 Nr. 
41. 42]. 

Brandts, Franz, Fabrikbes., President d. 
Volksvereins f. d. kathol. Deutschland, 
1. Vors. d. Verbandes f. Arbeiterwohl ; 
* 1834; f Miinchen-Gladbach 14. 10. — 
VZ 6. X. M.-A. ; AF 52, 45 1 ; BZ 35 [Hoch- 
land 1914, 371 (Th. Brauer) ; die soziale 
Kultur 1914, 617 (W. Hohn); Die soziale 
Praxis 24, Nr. 2; Volkswohl 5, 321/27 
(O. Maresch); Akad. Monatsbl. 27, 4 (C. 
Sonnenschein)] 36 [Caritas 19, 60; Con- 
cordia 22, 34/41 (Ein Arbeitgeber iib. So- 
zialpolitik u. Wohlfahrtspfl.) ; Monatschr. 
f. christl. Sozialref. 36, 356 (J. Beck) 
Soziale Revue 14, 401/08 (H. Brauns)]. 

Braunschweig, Ernst, erster Regisseur d. 
Berl. Opernhauses, verd. um die Bay- 
reuther Festspiele, dramat. Lehrer an d. 
Hochschule f. Musik in Berlin; *}• Berlin 
28. III., 63 J. alt. — VZ 28. III. M.-A.; 
WI 7, 185; W 1914, 560 u. 568 (P); AMZ 
1914, 494; MWB 1914, 35 2 ; NTA 1915* 
176. 



276 



Totenliste 19 14: Breitling — Burkhardt 



Breitling, Wilhelm August v., Dr. jur., 
friiher wiirttemb. Ministerprasident uud 
Justizminister, Bevollmacht. z. Bundes- 
rat; * Gailsdorf 4. I. 1835; f Stuttgart 
20. IV. — Schwab. Merkur 20. IV.; VZ 
20. IV. A.-A.; DZL- 177 (W) ; WJ 1914, 
IV.; WN 19 1 4, 67/95 (v.Cronmuller) m. P. 
vor d. Titelbl.; W 1914, 688 u. 696 (P). 

Breuer, Ludwig Wimar , Griinder der » Kalker 
Werkzeugmaschinenfabrik Breuer, Schu- 
macher & Co., Kalk.a; * Arnheim i. Kr. 
Koblenz 3. VIII. 1847; f K61n-Kalk2o. V. 
— ZVDI 58. 1225/26. 

B reusing, Alfred, Admiral z. D., ehem. Chef 
d. Werftdepartements, stellv. Bevollm. 
z. Bundesrat; * 15. VIII. 1853; f Berlin 
5.X. — VZ6. X.; Post 5. X.; WI 7, 194; 
Alldeutsche Blatter 1914, 357/58 (ClaB), 
365/66 (Beisetzung). 

#BrIesen, Alfred v., General d. Infanterie 
z. D., friiher Kotnm. d. 35. Division in 
Graudenz; * Berlin 29. VII. 1849; gefallen 

12. XI. — VZ 18. XI. M.-A.; WI 7, 195; 
UT 1916, 136 u. Ehrentafel 7; T 274 (P). 

* Brockhaus, Heinrich Eduard, Dr. pkil., 
Verlagsbuchhandler, Seniorchef der Firma 
F. A. Brockhaus, 187 1 — 78 Mitgl. d. 
Reichst. (nation alhberal) ; * Leipzig 
7. VIII. 1829; f das. 11. I. — W.: Fricdr. 
Arnold Brockhaus ; Geschichte der Firma 
F. A. Brockhaus. — T 1 1 (P) ; IZ 1914, 1, 
150 (P); VZ 12. I. M.-A.; DZL 181 (W) ; 
HPA 1877, US: BB 1914, 9, 11 u. 18 
(Nachruf), 13 (Trauerfeier) AdreBbuch 
des deutschen Buchhandels 77 (191 5), 
S. III/XIV (B. Hartmann m. P). BJ. I. 
S. 7 — -9 (Sebastian HauQmann). 

Bronsart von Schellendorf, Walter, Dr. jur. 
h. c, 1893 — 96 preufl. Kriegsininister, 
zul. Kominandierender General d. X. Ar- 
meekorps, EK. I v. 1870; * Danzig 21. 
XII. 1833; f Marienhof b. Krakow i. M. 

1 3. XII. — VZ 1 5. XII. A.-A. ; WI 7, 201 ; 
UT 916, 141; DZL 183/84; T 296 (P); 
Tiigl. Rundschau 18. XII.; MZ 1914, 
766/67; Deutsche Allg. Ztg. 1922, Nr. 15 7, 
169, 179, 189, 201, 2ii, 223, 235, 245 
(Neue Briefe: Fiirst Bismarck an Kriegs- 
minister v. Br.). 

Brunnthaler, Josef, erst Kaufmann, dann 
durch Selbststudium Botaniker, Konser- 
vator der Sammlungen d. Wiener botan. 
Universitatsinst., iangjahr. Generalsekre- 
tar d. zool. -botan. Gesellsch. i. Wien; 
* Wien2o. XII. 187 1; f das. 18. VIII. — 
WI 7, 209; DRG 37, 81 u. 379/80 (J.Stadl- 
mann) ; BZ 36 [Berichte d. dtsch. botan. 
Ges. 32, 88 (v. Schiffner) , Verhandl. d. Kgl. 
zool.-botan. Ges. i. Wien, Jg. 64/65, S.7/15 
(A. Ginzberger)]. 



Buddenbrock-Hettersdorf,Mortimer Frhr. v., 
Generalleutn. z. D., zul. Kotnm. v. Strafl- 
burg; * Wabnitz 11. VIII 1844; f Ebers- 
walde 29. III. — VZ 1. IV. M.-A.; FT 
1916, 98. 

Buder, Paul v., DDr. phil. h. c, Ephorus, 
em. ord. Prof. d. Dogmatik u. neu testa- 
men tlichen Theologie a. d. Univ. Tu- 
bingen, W.: Tiber die apologetische Auf- 
gabe d. Theol. d. Gegenwart; * Leut- 
kirch 15. II. 1836; f Tubingen 5. V. — 
VZ 7. V. A.-A.; Schwab. Merkur 6. u. 
13. V.; WI 7, 21S/16 (W); DZL 196/97 
(W); WJ 1914. IV.: AD 1, 44 (W); WN 
1 9 1 4, 1 00/ 1 1 1 (Th. Haring) . 

Buchtemann, Paul, 1894 — i9o6 0berbiirger- 
meister in Gorlitz, Mitgl. d. Herrenhauses, 
1908 — 14 Mitgl. d. preuB. Abg., 19 10 
bis 191 2 Mitgl. d. Reichst. (Fortschr. 
Volkspartei) ; * Naumburg 21. IX. 185 1 ; 
f Halensee b. Berlin 5. X.; VZ 5. X. 
A.-A.; Neu. Gorlitzer Anz. 1914, Nr. 234 
u. 239; WI 7, 216; DZL 194; RH 1907, 
Nachtr. 2, 3/4; HA 1908, 366 u. 508 (P) ; 
HH 1904, 307 ; BZ ^8 [Neues Lausitzisches 
Magazin 91, 276]. 

Billow, Clara, geb. Klutz (Deckname Clara 
Ernst), Dichterin u. Jugendschriftstelle- 
rin; * Neustettin 24. X. 1822; -j* Berlin - 
Schoneberg 25. XII. — VZ 5. I. 191 5 
M.-A.; LZ 1915, 84; BB 1915, 4; PY 1, 
1 12/13 u. 195/96 (W); LE 17. 578. 

igi BGlow, KarlUlrich v., Generalmajor, jung- 
ster Bruder des friiheren Reichskanzlers, 
Komm. d. 3. Kav.-Brig. ; * Hamburg 
28. X. 1862; gef. vor Luttich 7. VIII. — 
NFP 10. VIII.; UT 191 5, 167 u. Ehren- 
tafel4; W 1914, 1379 (P) ; T 188 (P) ; 202 
(Beisetzung); BZ 38 [Ecce der Landes- 
schule Pforta 191 5, 8, 45). 

Butow,Alexander, Oberingenieur, Geschafts- 
leiter des Dampfkesseluberwachungsver- 
eins d. Zechen im Oberbergamtsbezirk 
Dortmund; * Bergen a. R. 9- XII. 1858; 
f Dortmund 8. VIII. — Stahl u. Eisen 
34, 1416 m. P. 

Burekhardt, Johannes, Dr. phil., Pastor in 
Berlin, Organisator d. Pflege d. weibl. 
Jugend, Begriinder d. evangel. Verbandes 
d. Jungfrauenvereine, Mitbegr. d. deut- 
schen Bahnhofsmission u. Bekampfer d. 
Madchenhandels, Gen.-Sekr. d. evangel.- 
kirchl. Blauen Kreuzes; * 20. X. 1853 
(Westfalen) ; f Berlin-Dahlem 27. I. — 
ELK. 1914, 142/43; KI 41, 718; BZ 34 
[Concordia 21, 68 (Hasse) ; Bausteine, 
Monatsbl. f. inn. Mission 1914, 44]; Mo- 
natsschr. f. inn. Mission 34, 189/93 (Keii). 

Burkhardt, Heinrich, Dr. phil. o. Prof. d. 
Mathematik a. d. Techn. Hochschule in 



Totenliste 19 14: Busse — Claus 



277 



Munchen, Mitgl. d. bayr. Akad. d. Wiss., 
Mitherausg. d. Enzyklopadie d. mathe- 
mat. Wissenschaften. W.: Funktions- 
theoretische Vorlesungen; * Schweinfurt 
1 5.X.1861 ; f Munchen 2. XI.— VZ 4. XI. 
M.-A. u. 7. XI. A. -A.; LZ 1914, 1451; 
IAW 1915, 83/97 (V. Dyck) m. Verz. d. 
Schriften von H. B.; KL 1914. 239 (W) ; 
KTH 1915/16, 204; K 104 (W)fPF2o8 
(W); Vierteljschr. d. naturforsch. Ges. i. 
Zurich 59, 565. 

Busse, Hans, Landschaftsmaler; * Berlin 
2 1 . V. 1 867 ; "J" Taormina a. Sizilien 30. IV. 
— VZ5.V.A.-A.; WGK1914, 1,267; BB 
1914, 102; TB 5, 292. 

gj Caem merer, Hermann v., Dr. phil. t Archi- 
var am Kgl. Hausarchiv zu Berlin-Char- 
lottenburg, Historiker, Herausgeber der 
•Forschungen zur brandenburgischen u. 
preufi. Geschichte«; W.: Die Testamente 
der Hohenzollern ; * Kassel 28. VIII. 
1879; gef alien bei Parguy n.-6. v. Sois- 
sons. — LZ 1914, 1333; BT 191 5, 149; 
HZ 113, 700; HV 17, 590; Forschungen 
z. brandenburg. u. preufl. Geschichte 28, 
31 1/15 (M. Klinkenborg) ebd. S. 6 (Sitz.- 
Ber. d. Ver. f . d. Gesch. d. Mark Branden- 
burg. 

* Carol I,, Konig von Rumanien 1 866 — 1914; 
* Sigmaringen 20. IV. 1839; -j* Bukarest 
10. X. — VZ 10. X. u. 11. X. A.-A.; 
12. X. M.-A.; WI 7, A 29; HK 1915, 74; 
OR 41. VI.; W 1914, 1721 (P); T 239 
(P) u. 240 (H. C. Nebel) ; NFP 10. X. A.-A. 
u. 1 1. X. M.-A. (F.Salten)u. 15. X. M.-A. 
(M v. Bunsen); Alldeutsche Bl. 1914, 
366/67 (Zum Heimgang eines deutschen 
Konigs); IZ 15. X. (O. Hoetzsch) ; K. 
Th. Zingeler: Die Hohenzollern in Ru- 
manien, hist.-pol. Abh. Bonn 1890; (Jules 
Brun): Charles I (r de Roumanie. 25 arts 
de regne. Bucarest 1891 ; (Mite Kremnitz) : 
Aus dem Leben Konig K.s v. R., 4 Bde., 
Stuttgart 1894 — 1900; Bresnitz v. Syda- 
coff: Konig K. v. R. u. d. Rumanen, 
Berlin u. Leipzig 1897 ; Bohl, Joan : Char- 
les I fr de Roumanie, fondateur du royaume 
in Bohl: Droit commercial roumain; 
1866 — 96: Trei deci ani de domnie ai 
Regelui Carol I, 2 Bde. Bucuresci 1897, 
Ch. I, roi de R. t publ. par A. Sturdza. 
Bukarest 1 899/ 1 904; Mite Kremnitz: Ko- 
nig K. v. R., 2. Aufl., Breslau 1904; Otto 
Frhr. v. Dungern: Konig K. v. R. und 
Deutschland, Berlin 1906; P. Lindenberg: 
Konig K. v. R., Berlin, 2. Aufl. 1908; 
Regele Carol I el Romdnici. Cuvdntari si 
scrisori (Reden und Briefe), 3 Bde., Buca- 
reset 1909; A. Achleitner: Karl d. Weise: 
ein Konigsroman, Leipzig 1914. Cte de 



Montesquiou: Notes sur la Testamentul 
Regelui C. Textul si Codicil, Bukarest 1 9 1 4 
(Testament des Konigs K.: Text u. An- 
hang) ; N.Jorga : Pagiun loaile despre regele* 
C.(Aufrichtige Blatter iiber denKonigK.) 
BJ I S. 9 — 12 (Th. Sosnosky). 

Chris tlieb, Max, Dr.phil., Literarhistoriker, 
theol. Schriftsteller, Hilfsbibliothekar a. 
d. Kgl. Bibliothek Berlin; * Wiblingen 
b. Ulm 18. III. 1862; f Berlin-Wilmers- 
dorf 19. VII. — W.: Die moderne Kultur 
in Japan u. die Aufgabe der evang. Mis- 
sion ; Politik u. Mission i. d.Kolonien ; Har- 
nack-Bibliographie : tJbers. d. Schriften 
Ralph Waldo Trines u. Orison West Mar- 
dens. Hrsgb. d. Theol. Jahresberichte. 
VZ20.III. A.-A.;LZ 1914,491; WI7, 254 
(W);KLi9M, 258/59 (W);WJ 1914, HI; 
BB 1914, 67; WN 1914, 252 (W).J 

Chun, Carl, Dr. phil. et med. h. c, o. Prof, 
d. Zoologie u. vergl. Anatomie a. d. Univ. 
Leipzig, gesch aftsfiihr. Sekr. d. Kgl. 
Sachs. Ges. d. Wiss., korrespond. Mitgl. 
d. preuB. u. bayr. Akad. d. Wiss., Leiter 
d. deutschen Tief see-Expedition der » Val- 
divia* 1898/99; *H6chst a. M. i.X. 1852; 
•j* Leipzig 11. IV. — W.: Aus den Tieien 
d. Weltmeeres; Die pelagische Tierwelt 
in groBeren Meerestiefen ; Wissensch. Er- 
gebnisse der Tiefsee-Expedition auf dem 
Dampfer »Valdivia«, im Auftrage des 
Reichsamts d. Innern herausgegeben von 
C.Ch.— VZ 1 1. IV. A.-A.; IZ 1914, 1.800 
(O. Zacharias) m. P; IAW 191 5 97/103 
(R. Hertwig); WI 7, 254 (W) ; KL 1914, 
259; DZL 226 (W); PM 1914, 1. 339/40 
(J. Partsch) u. 1914, 2, Taf. 1 (P) ; Sozial. 
Monatshefte 19 14, 855/56; GZ 1914, 294; 
GA 1914, 190/91 (J. Partsch); Archiv f. 
Hydrobiologie 9, 680 (O. Zacharias) ; Al- 
manach d. k. Akad. d. Wiss. Wien 64, 
2,77 ; Bericht d. Senckenberg. naturforsch. 
Ges. i. Frankf. a. M. 45, 176/83 (F. W. 
Winter) m. P.; Internat. Revue des ges. 
Hydrobiol. 7, 92/101 (F. Braem) ; Zeitschr. 
f. angew. Entomologie 1, 373; Biologen- 
kalender 1914, I, 180 (Bibliogr. d. W.); 
Jahresber. d. Schles. Gesellsch. f. vaterl. 
Kultur 92, I, 4/7 (O. Stecher), abgedr. 
ausZoologica 25 (191 1 — 14) ; Berichte lib. 
d. Verhandl. d . Sachs. Ges. d.Wiss. zu Leip- 
zig math. -phys. Klasse 1914, 179/193 (W. 
Pfeffer); BZ 38 [Mitteil. d. Ges. f. Erd- 
kunde 191 5, 43/90 (O. Stecher)] 39 
[Schriften d. phys.-okonom. Ges. z. Ko- 
nigsberg i. Pr. 55, 216/24 (M. Braun: Er- 
inn. a. C. Ch.; Verhandl. d. naturw. Ver- 
eins Hamburg, 3. Jg., 22. Heft, S. 1 (H. 
Lohmann)]. 
Claus, Wilhelm, Maler u. Lithograph ; *Bres- 



278 



Totenliste 19 14: Conrad — Dehnicke 



laii 22. IX. 1882; f Paris 23. VI. — VZ 
26. VI. A.-A.; IZ 1914, 2, 103 (P); W 1914, 
1 120; TB 7, 64. 

Conrad, Alfred v., Dr. jur., Wirkl. Geh. Rat. 
Oberprasident d. Provinz Brandenburg; 
* Fronza 13. V. 1852; f Ospedaletti a. d. 
Riviera 22. 1. — VZ22. 1. A.-A.; BT 1915, 
174; T 20 (P) ; W 1914, 176 u. 178 (P). 

Conze, Alexander, Dr. phil., Prof., General- 
sekretar b. d. Zentraliirektion d. dtsch. 
archaologischen Instit., Mitgl. d. preufl. 
Akad. der Wiss.; er leitete die Ausgra- 
bungen u. die Rekcmstruktion d. Perga- 
menischea Altertiimer; * Hannover 
10. XII. 1831; f Grunewald b. Berlin 
19. VII. — W.: Beitrage z. Gesch. d. 
griech. Plastik; Heroen- und Gotterge- 
stalten d. griech. Kunst; R6tn. Bildwerke 
einheim. Funiorts i. Osterreich; Alter- 
tiimer von Pergamon I.; Ursprung der 
bildenden Kunst; VZ 21. VII. M.-A.; 
23. VII. M.-A.; Frankf. Ztg. 7. VIII. 
(E. Fabricius); Hannov. Courier 22. VII. 
(C. Schuchardt); IZ 1914, 2, 223 (P) ; 
IAW. 1915, 82/83 (Wolters); WI 7, 268 
(W); Kh 1914, 272; DZL 234 (W); DBZ 
1914. 59V97; Kchr. 1914, 637/38 (i\£. 
Maas) ; EL 49 (W) ; BZ 35 [Jahrb. d. kais. 
dtsch. Arch. Inst. 29, 117; Jahrb. d. kgl. 
preufl. Kunstsamtnl. 35, I — VII (H. 
Winnefeld)] 36 [Mitteil. d. kais. dtsch. 
arch. Instit. Athen Abt. Bd. 39, I— XV 
(G. Karo)l 37 [Prahistor. Zeitschr. 6, 365 
(Schuchardt: A. C, pro msmoria et dolore 
1831 — 1914)] 3) [Corinthia, Mitt, des 
Gesch.-Ver. f. Karnten I, Bl. iof5, S. 82 
(K. E?ger)], Sitz.-Ber. d. preufl. Akad. d. 
Wiss. Berlin 19 16, 754/59 (U. v. Wilamo- 
witz-Moellendorff) ; Monatsber. d. preufl. 
Akad. d. Wiss. 1878,473/78 (Antrittsrede) 
Alman. d. K. Akad. d. Wiss. Wien 65, 
441/52 (E- Reisch). 

Crusius, Georg, Direktor der Ilseder Htitte, 
bahnbrechead tatig a. d. Gebiet d. Erz- 
brikettierung; * Kaiserslautern 23. X. 
1859; f Iisede b. Peine 7. III. — Stahl u. 
Eisen 34, 560 in. P. 

Curti, Theodor, ehem. Direktor der » Frankf. 
Zeitung*, Schweizer Politiker u. Journa- 
list, 1894— 1902 Mitgl. t 1895 — 1900 Pre- 
sident d. Kantons St. Gallen, 1881 — 1902 
Mitgl. d. schweiz. Nationalrates; * Rap- 
perswyl a. Ziir. See 24. XII. 1848; f Thun 
13. XII. — W.: Autonornie u. Interven- 
tion; Gesch. d. schweiz. Volksgesetz- 
gebung; Gesch. d. Frankf. Zeitung 1856 
bis 1906. — VZ 15. XII. M.-A.; Basler 
Nachr. 18. XII.; Berner Bund 16. XII.; 
Neue Ziir. Ztej. 15. XII.; Frankf. Ztg. 
22. 1. 191 5 (O. Wettstein) ; WI 7, 27^ ( W) ; 



KL 1914, 280/81 (W); BR I, 453 (W) ; 
BZ 36 [Monatschr. f. christl. Sozialref. 
36, 380 (J. Beck); Schweiz. Rundschau 
I5,S. 185/203, S. 270 91 u. S. 322/42 (Th. 
Hohenstein); Wissen u. Ireben VIII, 
195/200 (P. Gygax)]. 
Czyklarz, Karl, Ritter v., Dr. jur., em. o. 
Prof. d. romischen Rechts a. d. Univ. 
Wien, Mitgl. d. osterr. Herrenhauses; 

* I/obositz (Bohmen) 17. VIII. 1833; 
f Wien 21. VII. — W.: Lehrbuch d. In- 
stitutionen d. rom. Rechts. — VZ 22. VII. 
A.-A.; NFP22. VII.; IZ 1914, 2, 223 (P) ; 
WI 7, 280/81 (W); Kir 1914. 282 (W); 
OR 40, VI; K 126/27 (W) 

Dammann, Karl, Dr. med. h. c. et med. vet., 
Geh. Oberreg.-Rat, Direktor d. Tierarztl. 
Hochschule in Hannover; * Greifswald 
22. X. 1839; f Baden-Baden 2. VI. — 
W. : Die Untersuch. d. landwirtsch. Haus- 
saugetiere.—Hann. Courier 2.VI.;IyZi9i4, 
835, WI 7, 285 (W) ; DZI< 246 (W) ; BZ 35 
[Schweiz. Archiv f. Tierheilkde. 56, 391; 
Berl. Tierarztl. Wochenschr. 30, 689, 702 
(Schmaltz: K. D. u. seine Zeit)]. 

Danz, Erich. Dr. jur., Geh. Justizrat, o. 
Prof. d. rom. u. biirgerl. Rechts u. d. 
Rechtsphilosophie a. d. Univ. Jena; 

* Jena 1. VIII. 1850; fdas. 27. XL — W.: 
Die Auctoritus u. d. Annalis exceptio Ita- 
lici contractus; Die Auslegung d. Rechts- 
geschafte; Die Grundsatze von Treu u. 
Glauben; VZ 28. XI. M.-A.; WI 7, 288 
(W); KL 1914. 289 (W); DJZ 20, 73/74 
(Hedemann); AD 2, 7 (W), 26, 73; K 131 
(W); Chronik d. Univ. Jena 1914, 22; 
Die Univ. Jena wahrend des Krieges 
1914/15, S. 46; BZ 36 [Recht u. Wirt- 
schaft 4, 84; Leipziger Zeitschr. f. deut- 
sches Recht 9, 278 (Diiringer)l. 

Decker, Christian, Gutsbesitzer, seit 1903 
Vertreter von Koln 2 im preufl. Abge- 
ordnetenhause (Zentrum) ; * Widders- 
dorf 29. VII. 1848; f 1. V. — WI 7, 293; 
HA 1914, 364 und 513 (P). 

Dedekind, Julie, Schrif tstellerin ; * Braun- 
schweig 25. VII. 1825; febendai. Juni. — 
VZ 7. VI. M.-A.; BR i, 470; PV 1, 146; 
LE 16, 1375; BZ 38 [Braunschweiger 
Magazin 22, 127/30 (K. Mollenhauer) 1 . 

tgiDeeken, Richard, Dr. phil., Dir. d. Kolo- 
nial- u. Forstschule zu Miltenberg a. Main ; 

* Westede (Oldenburg) 16. VI. 1874; 
•J* Arracourt 28. VIII. an s. Wunden von 
Serres a. 25. VIII. — W.: Die L,andwirt- 
schaft in den deutschen Kolonien. — ■ Kh 
1914, 293; BR 1, 472/3; DRG 37, 191; 
GZ 1914, 574; GA 1915, 25. 

Dehnicke, Paul, Hofschauspieler a. D., ehem. 
Mitgl. d. Kgl. Schauspielhauses; * Berlin 



Totenliste 1914: Deimler — Elben 



279 



18. XII. 1840; f das. 24. II. — T 49 (P); 
EG 180/81; NTA 1915, 174. 
«& Daimler, Wilhelm, Dr. phil., Privatdozent 
f. Matheinatik a. d. Techn. Hochschule 
Miinchen (reine u. angewandte Mathem.) ; 

* Bombay 28. VII. 1884; gef. b. Mar- 
kirch i. Els. 22. VIII. — VZ 26. IX. A.-A. 
u. 1. XII. A.-A.; DRG 37, 284; PM 1914, 
2, 230; KTH 1915/16, 204; GA 1915. 
1 2 1/2; BZ 38 [Mitt. d. geograph. Gesell- 
schaft Miinchen X, 186 (S. Finsterwalde)]. 

Deines, Adolf v., General d. Artillerie z. D.; 

* Hanau 10. Ill 1852; jf Berlin-Halensee 
30. V. — T 127; VZ 30. V.; IZ 1914, 1, 
1223/4; WI 7, 296; BT 1915, 189; MZ 
1914, 438/39; Dresd. Anz. 15. V. (Aus d. 
Leben d. A. v. D.) ; Rhein.-Westf . Ztg. 7, 
11 (Briining; F. rhein. Korpskomman- 
deure); Der Gesellige 27. XI (A. v. D., 
Militarattache, Prinzenerzieher u. Gene- 
raladjutant) . 

Delias, Karl, Dr. ing. et phil. h. c, Geh. 
Kommerzienrat, seit 1909 Mitgl. d. preufi. 
Herrenhauses u. d. Kaiser- Wilhehn-Ges., 
President der Handelskammer Aachen, 
Aufsichtsratsmitgl. zahlreicher industr. 
Unternehmungen ; * Ingenbroich (Rhein- 
land) 21. VII. 1846; f Freiburg i. B. 
27. VIII. — VZ 28. VIII.; WI 7, 298; 
AF52, 383/84; HH 191 1, 3i8;Mitteil. d. 
Deutsch-Siidamerikan. Inst. 19 14, 294. 
Dengg, Michael, bayrisch. Volksschau- 
spieler, Dir. d. Tegernseer Truppe; f Te- 
gernsee 14. I.; 50 Jahre alt. — VZ 15. I.; 
NTA 191 5, 170. 
Dleffenbach, Anton, Professor, Genre- und 
Landschaf tsmaler ; * Wiesbaden 4. II. 
183 1 ; f Hochwald (Vogesen) 29. XI. — 
VZ 5, XII.; WI 7, 310 (W); DZL 262; 
TB 9, 228/29; MS 1, 341; BMW i, 221. 
Dippel, Leopold, Dr. phil., Botaniker, 1869 
bis 1896 o. Prof. u. Direkt. d. Botan. 
Gartens a. d. Techn. Hochschule Darm- 
stadt; * Lauterecken i. Rheinpf. 4. VIII. 
1827; f Darmstadt 4. III. — W.: Hand- 
buch der Laubholzkunde ; Das Mikroskop 
u. seine Anwendung. — K 1 39/40 ; Mitt. d. 
Dtsch. Dendrolog.Ges. Jg. 1914, S. 305/10 
(H. Schenck) m. P u. Verz. d. Schriften. 
j& Dolch, Bruno Walter, Dr. phil.. Privatge- 
lehrteru. Bibliophile, Mitarb. a.handschr. 
Archiv d. dtsch. Kotnmission b. d. preuB. 
Akadem. d. Wiss., seit 191 1 mit d. Ord- 
nung der Dr. E. Langerschen Privatbibl. 
beauftragt [s. ganger]; * Gablonz a. N. 
7. VI. 1883; gef. bei Kontij-Ciechenow in 
Russ.-Polen 9. XII. — W.: Die Verbrei- 
tung oberliindischer Mystikerwerke im 
Niederliindischen ; Katalog d. dtsch. 
Handschriften d. k. k. offentl. u. Univ.- 



Bibl. z. Prag; Gesch. u. Einricht. d. Dr. 

E. Langerschen Bibl. in Braunau i. Boh- 

men. — LE 17, 642; Osterr. Zeitschr. f . 

Bibl. Wes. 1914/15, 45/47 (M. Grolig), 

abgedr. i. DeutschenBibliophilenkalender 

f.d. J. 1916, IV, 81/83. 
Eberle, Adolf, Professor, Tier- u. Genre- 

maler; * Miinchen 11. I. 1843; f das. 

24. I. — VZ 25. I; WI 7, 351/52; MAZ 

1914, 74; TB 10, 300/01; MS 1, 382; 

BMW 1, 247 u. 970. 
Echtler, Adolf , Genremaler, Prof.,Ehrenmit- 

gl. d. Akad. d. bild. Kiinste i. Miinchen; 

* Danzig 5. 1. 1843; f Miinchen 23. IX. — 
WI 7, 354; DZL 297/98; KU 1915. 80; 
TB 10, 315/16; SKL 242; MS 1, 384; 
BMW i, 252 u. 970. 

Edinger, Albert, Dr. phil., Chemiker, a.o. 
Prof. d. Chem. a. d. Univ. Freiburg i. B.; 

* Berlin 6. 1. 1865 ; f Freiburg i. B. 18. V. 
— WI7. 358 (W); PF369. 

Eger, Georg, Dr. jur., Doz. a. d. Handels- 
hochschule Berlin, Kenner d. Eisenbahn- 
rechts; * Haynau 3. I. 1848; f Berlin 29. 
XII. — VZ 30. XII. A.-A., 2. I. 15 M.-A. 
(Beisetzung) ; KL, 1914. 3 60 ; AD 2, 32/33, 
54; K 161/62. 

EgloHstein, Heinrich Freiherr v. u. zu, 
ehem. Hofmarschall d. Kaisers, General 
d. Infanterie, EK. v. 1870; * Weimar 
15. VII. 1845; t Berlin 28 - XII. — VZ 
29. XII. M.-A., 1. I 191 5 M.-A. (Bei- 
setzung); WI 7, 360; FT 1916, 183. 

Ehrenberg, Karl, Geschichts- u. Portrat- 
maler; EK II v. 1870; * Dannau (Hoist.) 
6. XI. 1840 ; f Dresden 2 1 V. — VZ 26. V. 
M.-A.; DZL 306; TB 10, 392/93; Kchr. 
1914, 507; BMW 1, 255/56. 

Ehrenreich, Paul, Dr. med. et phil., Prof. u. 
Privatdoz. f. Volkerkunde a. d. Berliner 
Univ.; * Berlin. 27. XII. 1855; f das. 
14.IV. — VZ15.IV. A.-A.; LZ 1914.604; 
WI7, 362 (W); PM 1914, 1, 342 u. 1914, 
2,Taf. 1 (P);GZ 1914,348/49; BZ35[Mitra, 
Monatschr. f. vgl. Mythenforsch. Jg. 1, 
S. 157]. 

Eilers, Conrad, Kunstmaler; * Kuhnken- 
dorf (Ostpr.) 1. VI. 1845; t Miinchen 
9. XII. — TB 10, 418; MS Nachtr. 82; 
BMW 1, 260. 

Elsenlohr, Wilhelm, 1876— 1902 General- 
direktor d. badischen Staatseisenbahnen ; 
* Rastatt 12. III. 1832; f Karlsruhe i. B. 
3. IV.— DZL 314; BZ 38 [Zeitschr. f. bad. 
Verwaltung 1916, 37/45 (Glockner)]. 

Elben, Karl, Dr. jur., Journalist, Seniorchef 
u. Hauptleiter des >Schwabischen Mer- 
kun;* Stuttgart 4. II. 1855 ;f das. 30. 10. 
— VZ 31. X. M.-A.; WJ 7, 372 (W); KI, 



280 



Totenliste 191 4: Emmericli — Fliigel 



1914. 374 (W); WY 1914, V.; WN 1914 
203/08 (R.Denzel) . Schwab. Merkur 31.10. 

Emmerich, Rudolf, Dr. med., o. Prof. d. 
Hygiene u. Bakteriologie a. d. Univ. 
Miinchen, Schiiler Pettenkofers ; * Mutter- 
stadt (Rheinpfalz) 29. IX. 1852; ■(• Miin- 
chen 17. XI. — VZ 18. XI. M.-A.; NFP 
18. XI. M.-A.; WI 7, 377 (W); KL 1914. 
380 (W). DZL317; AD 3, 78—79; UKS-S 

1915. 1, 340; HBL 2, 282 (W); PBL 
455/57 (W); BKW 1914. 1852; MMW 
1914, 2299 u. 2342/43 (Loewm. P);Ki68; 

L 1915, 31- 

Ende, Georg Priedrich Frh. v., General- 
major z. D., zul. Komm. d. 3. Kav.-Brig., 
EK. II v. i87o;*Dittersbach b. Franken- 
berg (Sachsen) 7. IX. 1847; f Klein- 
zschachwitz b. Dresden 10. IV. — FT 

1916. 198; WGK 1914, 1, 266. 

Endell, E. A., Major a. D., Fiihrer des Bun- 
des der Landwirte d. Pro v. Posen. EK. II 
v. 1870; * Stettin 16. II. 1845; f Posen 
16. II. — VZ 18. II. M.-A. ; Auf Vorposten 
1 9 14, S. 146; Dtsch.Tagesztg. 17. II. 

Engelhard, Karl (Hanau), Ballad endichter 
u. Dramatiker; * Brotterode (Thiir.) 

16. VIII. 1879; f Marburg 22. VII. — W: 
Weltkind, Gesange des Lebens u. der 
Liebe; Die Tochter Siegfrieds, dram. 
Ballade; Pestalozzis Liebe, Drama; 
Der Herr der Berge. KL 19 14, 38 s (W) ; 
BR 2, 148 (W); BW 16, 2, 484/85^. 17, 
58 (F. Lienhard, Erinnerung an K. E.); 
LE 16, 1 591; BZ 36 [Heixndall, Jg. 19 
S. 107J; Tagl. Rdschau 27. VII (H. Benz- 
mann). 

©Erlwein, Hans, Dresdner Stadtbaurat, 
Prof., Leiter des Hochbauamtes v. Dres- 
den, M. d. Rates u. d. kgl. Kommission 
f. Erhaltung von Kunstdenkmalern in 
Sachsen; * Gnaim b. Bad Reichenhall 
13. VI. 1872; verungl. b. e. Liebesgaben- 
transport im Oktober. — VZ 10. X. A.- A. ; 
NFP 23.X. M.-A.; WI 7, 386 (W) ; DBZ 
1914, 722; Dresdn. Anz. 11. X. (P. Schu- 
mann) u. 18. X. (E. Hogg); BZ 35 [Der 
Baumeister Jg. 13, S. 13 (E. Hogg)], 36 
[Mitt. d. Landesver. f. sachs. Heimat- 
schutz Bd. 4, 336], 37 [Dekorative Kunst 
Jg. 18, Heft 3, S. 94], 42 [Neudeutsche 
Bauzeitung Jg. 13, S. 43 (C. Gurlitt)]. 

Ernst, Clara (Deckname fur Clara Bulow). 

Everding, Hans, Bildhauer; * Gelsenkirchen 

17. X. 1876; f Rom 5 . XII. — VZ 19. XII. 
M.-A. ;T 296 (P);TB 11, 106; MSNachtr. 
86. 

Evert, Georg, President d. preuC. Sta- 
tistischen Landesamts, Forscher a. d. Ge- 
biete d. wirtsch. u. sozialen Lebens; * 
Tauenzin (Kr. Lauenburg) 4. XI. 1856; 



f Berlin 27. IV. — T 100 (P) ; WI 7, 396 
(W); AF 52, 374; PM 1914, 1, 342. 

Faifit, Hugo, Rechtsanwalt, in musika- 
lischen Kreisen bekannt als Forderer d. 
Kunst Hugo Wolfs, Inhaber der Gold. 
Med. f. K. u. W. *Heilbronn 16. X. 1862, 
tStuttgart29.VII.-VZ 21. VII. M.-A.; 
WJ 1914, IV; NFP 6. VIII. A.-A.; WN 
1914, 131 — 41 (K. Grunsky); AMZ 1914, 
1084. 

Fasbender, Heinrich, Dr. mcd. t Geh. Mediz.- 
Rat, iiber 40 Jahre a.o. Prof. d. Geburts- 
hilfe und Gynakologie a. d. Univ. Berlin; 

* Capellen (Kr. Grevenbroich) 29. III. 
1843; f Berlin 12. VII. — VZ 13. VII. M- 
A.; 15. VII. M.-A. (Trauerfeier) ; IZ 1914, 
2, 170; WI 7, 405/06 (W); AD 3, 135/36 
(W) ; T163 (P) ; HBL 2, 340 ( W) ; PBL486/ 
87 (W u. P); BKW 1914, 1396; MMW 
1914, 1656; K 189 (W). 

Ferling, Gustav, friih. Mitgl. d. Stuttgarter 
Kgl. Kapelle u. Lehrer am Konservato- 
rium, Prof., Kammervirtuos a. D.; 

* Braunschweig 8. VII. 1835 ; f Stuttgart 
8. XI. — VZ 12. XI. M.-A.; WJ 1914, V; 
WN 1914, 279; R XX u. 304; R 3*3; 
MWB 1914, 547- 

Fischer, Adolf, Dr. pkiL, Prof., Begriinder 
u. Direktor d. stadt. Museums f. ostasiat. 
Kunst in Koln; * Wien 4. V. 1856; f Me- 
ran 13. IV. — W.: Bilder aus Japan; 
Japans Buhnenkunst u. ihre Entw.; 
Fiihrer durch d. Mus. f. Ostas. Kunst d. 
Stadt Koln. — T 90 (P) ; VZ 14. IV. A.-A. ; 
KL 1914. 428/29 (W); PM 1914, 1, 342; 
BZ 34 [Ostasiat. Zeitschr. 1914, S. 104]; 
BZ fr. spr. 14 [Revue Archeologique 4. S. 
23. Bd., S. 430]. 

Flemming, Johannes, Dr.pkiL, Prof., Direkt. 
d. Handschriften- Abtlg.d. Kgl. Bibliothek 
zu Berlin, Kenneru. UbersetzerdesAthio- 
pischen u. Syrischen; * Colleda (Sachs.) 
16. I. 1869; f Berlin-Friedenau 4. IX. — 
W.: Die groBe Steinplatteninschrift Ne- 
bukadnezars ; u. Dbersetzungen desAthio- 
pischen. — JB 12, 103; 13, 170; VZ6. IX. 
M.-A.; WI 7, 434 (W) ; KL 1914, 444 (W) ; 
ELK 1914, 902; KJ 1915, 559; BZ 36 
[Ecce d. Kgl. Landesschule Pforta 191 4, 
S. 31], 37 [Kirchl. Jahrb. Bd. 42, S. 559)- 

FIoBmann, Josef, Bildhauer, Mitarbeiter 
Seidls u. Messels, Lehrer a. d. Akademie 
u. Kunstgewerbeschule in Miinchen; 

* Miinchen 19. III. 1862; f das. 20. X. — 
VZ 22. X. M.-A. u. A.-A; WI 7, 436; 
KU 1915, 120 (P); TB 12, 12S (W);SKL 
296; MS Nachtr. 94; DBZ 19 14, 746. 

Fliigel, Ewald, Dr. phil., Prof. d. engl. Phi- 
lologie a. d. Stanford-Universitat i. Kali- 
fornien; * Leipzig 4. VIII. 1863; f Palo 



Totenliste 191 4: Fliigel — Franz Ferdinand 



28l 



Albo (Kalifornien)9.XL — W.: Carlyles 
Weltanschauung; Nordamerikan. Lit.- 
Gesch., Hrsg. d. Chaucer-Lexikons, Mit- 
hrsg. d. » Anglia*. — VZ 16. XII. A.-A.; 
Wl7,436(W); DE 13. 141/42 (F. A. Wyn- 
eken m. P) u. TL; K209 (W); BZ 36 
[Anglia], 39 [S. I— XIV (E. Einenkel)]. 
Fliigel, Otto, Dr. phil. h. c. t Pastor cm., Her- 
bartphilosoph ; * Liitzen 16. VI. 1842; 

LDolau b. Halle 9. VII. — W.: Herbarts 
ehren und Leben; Idealismus und 
Materialismus der Gesch.; Hrsg. v. 
Herbarts Werken, Mithrsg. d. Zeitschr. f. 
Philos.u. Padag. — VZ 12. VII. M.-A.; 16. 
VII. A.-A.; WI7, 436 (W); KL 1914, 447 
(W); Ztschr. f. Philos. u. Padag. 21, 465/ 
66 JO. Ziller], 488 (Trauerfeier) ; BZ 35 
[Deutsch-evang.Monatsbl. f. Protestant., 
Sept. 1914, S. 536/41 (G. v. Rhoden)], 36 
(Ecce der Landesschule Pforta, S. 20, Pad- 
ag. Studien Jg. 35, S. 428 (H. Zimmer- 
mann : 0. F., Padag.) 1 ; Frank. Courier 1 3, 
VII. (M. Feuchtwanger) . 

tgjFoehr, Julius, Direkt. d. Nordd. Lloyd in 
Bremen, Mitgl. d. Vorstandes; * Ell- 
wangen 1866; gef. Bixschoote 22. X. — 
VZ 29. X. M.-A.; WJ 1914. V; WN 1914, 
274; Jb.d. Nordd. LI. 1914/15, 53, 150/52. 

Folnesics, Josef, Vizedirekt. d. osterr. Mu- 
seums f. Kunst u. Industrie; * Wien 3. 1. 
1850; f das. 30. VIII. — W.: Innen- 
raume u. Hausrat d. Empire- u. Bieder- 
meierzeit; Gesch. d. k. u. k. Wiener 
Porzellanmanufaktur. — WI 7, 441 (W) ; 
KL 1914, 448 (W); OR 40, 381 (H.Hober- 
feld). 

Fraidel, Alois, Kirchen- u. Landschafts- 
maler; if Soflingen 23. V., 79 Jahre alt. — 
WJ 1914,1V; WN 1914, 255; TB 12,278. 

Frank, Johannes, Dr. phil., o. Prof. d. deut- 
schen, bes. niederlandischen Philologie a. 
d. Univ. Bonn, Mitgl. d. kgl. Akad. d. 
Wiss. z. Amsterdam, ausw. Ehrenmitgl. 
d. vlam. Akad. f. Sprach- u. Literatur- 
wiss. zu Gent; * Bendorf b. Koblenz 27. 
IV. 1854; f Bonn a. Rh. 3. I. — 
W.: Mittelniederlandische Gramm.; Alt- 
frankische Gramm., Etymol. Woorden- 
boekd.nederl. taal. — VZ 24. 1. M.-A.; 25. 
I. M.-A.; WI 7, 446 (W); KL 1914. 456 
(W);UKS-SiQj 4 , 1,342; K2i 7 (W);LE 
16, 8oi ; Chronik d. Univ. Bonn 39, 25 — 29 
(R. Meifiner) ; BZ 34 [Ztschr. d. Ver. f. 
rhein. u. westfal. Volksk. Jg. 11, S. 1 — 4 
(J . Miiller)] ; BZ frdspr. 12 [Amst. W T eekbl. 
22.II. 14 (J. W. Miiller: J. F., hoogl. inde 
nederl. taal en letterk. te Bonn)]. 

gj* Frank, Lud wig, Dr. jur., Rechtsanwalt 
in Mannheim, M. d. R. seit 1907 u. bad. 
Landtags seit 1905 (Soz.) ; * Nonnenweier 



2 3. V. 1874; gef. bei Nossoncourt im Mosel- 
t*d 4. IX. — T 2 1 3 (P) ; NFP 10. IX. M.-A. 
u. 22. IX. M.-A. (P. Goldmann) ; IZ 1914, 
2, 43<5 (P) ; VZ 8. IX. M.-A.; A.-A. ; 9. IX. 
A.-A. (A.Siidekum); WI 7,447; RH 1912, 
246 u. 509 (P); Sozialist. Monatsh. 1914, 
1061/62 (E. David); 191 5, 855 (J. Ka- 
liski : Z. Gedachtn. L. F.s) ; Sudd ."Monatsh. 
12, 1, 122/27 (J- Timm); Die Hilfe 1914, 
618/19 (Th. HeuB); BZ 35 [Marz 3./10. 
(A. Siidekum), Nord u. Siid, Nov. 14, 
S. 211 (E. Reichenheim), Allg. Zeitg. d. 
Judentums 38]; 36 [Im Deutschen Reich, 
Bd. 20, S. 374 (L.F.,eindeutscher Jude)); 
n [Gegenwart 191 5, Nr. 39 (J. Hertz: 
Der Riicksichtslose (L.Fr.)]; Frankf.Ztg. 
20. 9. (Schultze-Gavernitz) ; Berl. Tagebl. 
18.IX. (Mamroth). BJI S.12— i6(Gustav 
Mayer) . 

Franke-SchJeveIbein,Gertrud, Roman schrift- 
stellerin; * Berlin 26. II. 1851 ; "j* das. 23. 
II. — W.: Gottiiberwinder ; Die Sehn- 
siichtigen. — WI 7, 449 (W) ; KL 1914, 459 
(W); DZL 383 (W); BR 2, 250 (W); PY 1, 
224/25 (W). 

Frankl, Ritter v. Hochwart, Lothar, Dr. 
med. t Irrenarzt, a.o. Prof, f . Neuropathol. 

a. d. Univ. Wien u. Vorst. d. Poliklinik; 
* Wien 22. VI. 1862; f Hainfam-Vdslau 

b. Wien 19. XII. — W.: Die Tetanie; 
Diagnose der Zirbeldriisentumore. — NFP 
23. XII. M.-A.; WI 7, 450 (W); BKW 
1914, 1968 (H. Oppenheim); MMW 191 5, 
40 ; DMW 1 9 1 5 , 5 2 ; BZ 3 5 [ WMW (Wiener 
Mediz. Wochenschrift) 1914, 261 1 (O. 
Marburg)), 36 [Medizin. Blatter Jg. S7 
S. 3 (H. Stern: L. Fr.-H. als Gelehrter, 
Mensch u. Lehrer), Allg. Zeitg. d. Juden- 
tums 191 5, Nr. 13; Neurologisches Zen- 
tralblatt Bd. 34, S. 109 (M. Nonne), 
Wiener Klin. W'ochenschr. Jg. 28, S. 19 
(O. Marburg)J. 

* Franz Ferdinand, Erzherzog v. Osterreich- 
Este, Thronfolger von Osterreich-Ungarn, 
seit 1 895 Ehrenmitgl. d .kais.Akad .d.Wiss. 
in Wien , seit 1 9 1 3 ihr Kurator ; * Graz 1 8 . 
XII. 1863; f (ermordet) Serajewo 28. VI. 
— VZ 30. VI. (H. Friedjung) A.-A. ; 1 . VII. 
M.-A. (Franz F„ Grofi-Osterreich) ; 4.VII. 
M.-A.(Leichenfeier) 11. A.-A.(Beisetzung) ; 
IZ 1914, 3705 (P), 3706 (Beisetzung) ; 
WI7, A 21 ; HK1915, 5 5 ; Militar-Wochen- 
bl. 1914, 1990; tJberall 16, 760 (P) ; OR 
40, 85—92 (L. Frh. v. Chlumecky) ; MAZ 
1 914, 426/27 (Th. v. Sosnosky) ; Die Hilfe 
1914, 425; W 1914, 1 1 13/15 (P. Herre), 
1 1 20/2 1 (P), 1 166/7 (Beisetzung); KW 
27, 4, 147/49 (Zur Ermordung Fr.F.s) ; 
MS 1 914, 432 ; Almanach d. Wiener Akad. 
d.W T iss.; Bd.65, 1915, 321/26 m. P (E 



282 



Totenliste 19 14: Franzius — Frenzel 



Becka); VZ 31. XII. 191 3 (Magyaren. 
Rumanen 11. Franz F.) ; 30. VI. 14 (H. 
Friedjung); NFP 2. VII. (v. Vukovic). 
Kieler N. Nachr. 2. VII. (Erzh. F. F. u. 
die osterr. Marine); Germania 3. VII. (F. 
F. als Soldat) ; Koln. Ztg. 2. VII. (F. F. u. 
Ungarn); Miinch. N. Nachr. 9. VII. (F. 
F. u. d. Deutsch-Osterreicher) ; Tagl. 
Rundschau 6. VII. (Wiener Verstininiung 
iiber die Leichenfeier) ; Nationalztg. 30. 

VI. (Personl. v. F. P.); Rhein. Westfal. 
Ztg. 2. VII. (Vatikan iiber F. F.) ; NFP 2. 

VII. (t)ber s. Bezieh. z. einz. Staats- 
mannern) ; Pester I^loyd (Pers. u. Menschl. 
v. Thronfolger) ; Nationalztg. 29. IV. 1 5 
(F. F. d'Estes Sammlungen) ; NFP 29. 
VI. 18 (v. Woinowich), 6. VII. 19 (R. 
Furer: Pers. Erinn. an F. F.) ; BZ 35 [Das 
neue Deutschland, Jg. 2, Nr. 40 (H. Hart- 
meyer: Siidslawischer Mord) ; Konserv. 
Monatsschr. 1914 (Aug.) S. 961 — 69 (Th. 
v. Sosnosky) ; Osterr. Monatsschr. f . d. 
Orient (O.Redlich) ; Schaubiihne Nr.3 1/32 
(W. Handl); Stimmen a. Maria-L,aach, 
Bd. 87, S. 578/88 (R. v. Nostiz-Rieneck) ; 
Turmhahn, Jg. i, S. 101 — no (A. Miiiler- 
Gutenbrunn) Westermanns Monatshefte 
1914, S. 129 (R. Holger: F. F. v. Osterr. 
u. Sophie v. Hohenberg)]; 36 [Mitt. d. 
k. k. Zentralkomm. z. Erforschung d. 
Kunst-Denkm. 3. Bd. 13 u. 14, S. 157 
(M. Dvofdk)]; 42 [Max Harden: Krieg 
u. Frieden Bd. I, S. 21 — 40 (Fata Mor- 
gana)]; 43 [Dtsche Revue, Juli 18, 6 
(Vom 28. VI. 14. Aus d. personl. Be- 
kanntenkreise d. Erzh. F. F.), Donauland 
2, 1, 572 (Frh. v. Woinowich) 1 149 [Deutsch- 
lands Erneuerung V f 7 1 3 (F. F.s Lebensro- 
man)l ; BZ fremd. spr. 12 [The Fortnightly 
Review Vol. 100, S. 828/43 (Edith Sellers 
Archd. F. F.s diary), Vol. 101, 83/93 
(Edith Sellers: Future Emperor-Kings 
political prograinm) ] ; 14 [Nieuve tijd 
Jg. 19, 1914, biz. 571/77, (A. Ricardo Vor- 
stenmood) ; Nieuwe Rotterdam Courant 
29. VI. 14 Av. 30. X. (F. F., troonop- 
volger van Oostenrig-Hongar., vermoord 
te Serajewo), Het Vaterland 29. Av., 
Nieuws v. d. Dag 29., Alg. Handelsblad 
29. Av., De Nederlander p. 29, Het 
Centrum p. 30, Message d'Athenes 19 14, 
S. 362 (Assassinat de l'archiduc F. F.), 
Revue critique des idees et des livres, 
Bd. 26, S. 67 (de Roue: F. F. et l'attentat 
de Serajewo) ; War and Peace Bd. I, 
S. 322 (Bosnian assassination and peace 
of Europe)]; 15 [Wetenschappel bladen 
IV., 17/31, R. W. Seton-Watson : (Aarts- 
hertog F. F.) (Mit het Engelsch)]. Bres- 
nitz v. Szda~off [Philipp Franz Bresnitz), 



Vom Habsburgischen Kaiserhaus. Oster- 
reichische Gegenwart u. Zukunft, Leip- 
zig 19 1 2. Charmortz, Rich. : Osterr. innere 
u. auBere Politik 1895 — ! 9 r 4» Lpz- 1918. 
Falkenegg, Baron v. : Erzh. F. F. v. Oster- 
reich-Este. Was hat man von seiner zu- 
kiinftigen Regierungstatigkeit zu erwar- 
ten? Zeithist. Betrachtg. 1908. Heller, 
Herm.fKaiserl. Rat) : Erzh.F.F., d.Thron- 
folger Osterr. s. Nach authent. Quellen 
hrsg. Briinn 191 1 (Habsburger Bibl. 1). 
Austriacus: Der Thronfolger. Osterreich 
u. der Krieg. Zurich 191 3. Erzh. F. F., 
unser Thronfolger. Z. 50. Geb. Berlin 191 3 
[Osterr. Rundschau. 111. Sonderheft]. 
Zivot, dido van je i tragic ka smrt priestolo- 
nasljednika Nadvojvode Fr&nje Ferdi- 
nanda i supruge mu Vojwodkinje Sofije 
Hohenberga. Zagreb 19 14 [Leben, Taten 
u. tragischer Tod des Erzh. F. F. u. s. 
Gem., d. Graf in Sophie Hohenberg). 
Kiinzelmann, Ferd.: Erzh. F. F. p Berlin 
1916 [Der deutsche Weg, Heft 2|. Dr. 
Pacsery K&roly: Ferenc Ferdinand elet- 
rajza, Irta. Budapest 1916 [Biogr. F. F.'s). 
Erzh. F. F.s Lebensroman. Den Tage- 
biichern v. s. I^ehrer . . . nacherzahlt. Mit 
e. Geleitwort v. Karl Hans Strobl, Stutt- 
gart 1919 [Lutz' Memoirenbibl.J. Fritz 
Kern: Aufs. in Dtsch. Allg. Ztg. v. 27., 
28., 29., 30. VI. 1924. BJ I S. 16— 23(Th. 
v. Sosnosky). 

Franzius, Georg, Wirkl. Geh. Admiralitats- 
rat, Marineoberbaurat, Hafenbaudirekt. 
Erbauer der ersten Anlage der Kieler 
Werft, wahlte bei s. Studienreise 1896 die 
Kiautschoubucht als deutschen Flotten- 
stiitzpunkt; verdient um Arbeitenvohl- 
f ahrtspf lege ; * Aurich 5. VI. 1842; -j" Kiel 
8. XII. — VZ 9. XII. M.-A.; AF 52,452; 
DBZ 1 9 14, 814; ZB 191 5, 7 (Rollmann m. 
P); BZ 35 [Concordia 19 14, 353 (H. Al- 
brecht)]; 17 [Zeitschr. d. Verb, dtsch. 
Architekt.- u. Ingenieurvereine 191 5, zi 
(Monch)l. 

Frenzel, Karl, Dr. phil., Prof., Schriftsteller, 
Red. d. »National-Ztg.« 1861 — 1908; * 
Berlin 6. XII. 1827 ; f das. 10. VI. — W. : 
Im goldenen Zeitalter; Die Geschwi- 
ster. — VZ 10. VI. A.-A. u. 14. VI. M.-A. 
(Trauerfeier) ; IZ 1914, 1, 1320 (P) ; KL 
1014,, 468 (W); DZL 386/87 (W); BR 2, 
264/65 (W), 8, 193 (W); Deutsche Rund- 
schau 160, 153/54 (J. Rodenberg); KW 
27, 4, 50/51; LE 16, 1376; BZ 39 [Sachs. 
Kirchen- u. Schuiblatt 19 16, Nr. 29]; 42 
[Deutsches Schrifttum, hrsg. v. Ad. Bar- 
tels II. 192 (P. Heyse u. K. F.)]; BZ Beil. 
6 [Berl. Tagebl. 10. VI. (P. Block), Natio- 
nalztg. 16. VI. (v. Hahn, K. F. u. d. Nat.- 



Totenliste 19 14: Freund — Glasenapp 



283 



Ztg.)]; K. Frenzel: Die Berliner Marztage 
u. andere Erinn. (Univ.-Bibl. $366) I*pz.; 
Zur Eriun. a. d. 2 5jahr. Tatigkeit des 
Herrn Dr. K.F. ia d. Reiaktion d. Nat.- 
Ztg. . . . Berlin i336; J. Rodenberg: Trink- 
spriiche an Frau B. Fr. bei K. Frenzels 
Festmahl in Berlin, Altenburg 1897; 
Freundesgaben f. K. F. z. s. gold. Dokt.- 
Jubil. a. 12. II. 1903, Berlin 1903. 

Freund, Julius, Biihnenschriftsteller; * Bres- 
lau 8. XII. 1862; f Partenkirchen 6. 1. — 
IZ 191 4, i, 170/71 (\V. Turszinsky in. P) ; 
VZ6. I. A.-A.; WI7, 457 (W); Kh 1914, 
470 (W); NTA 191 5, 168/69 (P); BW 16, 
i, 431; LE 16, 657. 

&Fricke,Karl, Direkt.d.kgl.Forstakademie 
in Hannoversch-Miinden, Prof. d. Forst- 
wissenschaf t ; * Gandersheim (Braun- 
schweig) 14. II. 1865; gef. bei Ypern 27. 
X. — VZ 1 2. XI. A.-A. ; Chronik der Univ. 
Gottingen 1914, 17 (v. Seelhorst) ; BZ 36 
fZtschr. f. Forst- und Jagdweseu, Jg. 47, 
3/8 (A. Moller)]. 

Frielinghaus, Georg, Bergrat 1891 — 98 in d. 
preufl. Bergwerksverwalt., seit 1898 in d. 
Firma Krupp I^eiter der Steinkohlen- u. 
Bisensteinbergwerke; * Dortmund 7. XII. 
185 5 ;f Essen 11. XL — St. u. E- 34, 1784 
m. P. 

Genie, Rudolph, Dr. phil., Prof., L,iterar- 
historiker (Shakespeare- Forscher) u. Dra- 
matiker; * Berlin 12. XII. 1824; f das. 
19. 1. — W.: Zeiten u.Menschen, Erlebn. 
u. Meinungen von R. G. Berlin 1897; 
Promemoria fiir meine Freunde, Verz. 
meiner seit 53 Jahren i. Druck ersch. 
Schriften, Berlin, Sslbstverlag 1904; Pro- 
memoria fiir mich u. andere, Berlin 191 3. 

— VZ 20. I. M.-A.; IZ 1914, 1, 204/5 (E. 
Zabel m. P) ; WI 7, 505 (W) ; KL, 1914, 

525 (W) ; DZh 433/34 (W) ; BR 2, 345/46 
(W); MAZ 1914, 59/60; NTA 1915, 171 
(W); LE 16, 729; Frank. Cour. 21. I. 14; 
BZ 34 [Mitteil. f. d. Mozartgeineinde in 
Berlin 4 F. 5. H. 171/77 (A. Lasson)]; 37 
[ Jahrb. d. dtsch. Shakespeare-Ges. Bd. 5 1 , 
S. 205/13 (A.I^udwig)]. 
Gentz, Ismael, Maler (Motive aus d. Orient), 
Illustrator u. Zeichner von Bleistiftpor- 
trats;* Berlin 18. VI. 1862; f das. 20. X. 

— VZ 2 1 . X. A.-A. ; WI 7, 506 ( W) ; SKI, 
337/38; MSNachtr. 105; BMW 1, 375/76 
(W). 

* Georg IL, Herzog von Sachsen-Meiningen 
u. Hildburghausen, preuB. General d. Inf. 
a la suite, EK. II von 1870; * Meiningen 
2. IV. 1826; f Bad Wildungen 25. VI. — 
VZ 25. VI. A.-A.; (A. Klaar, Der Vater 
derMeininger) u. 26. VI. M.-A. (A. Bern- 
stein, Personl. Erinn.); Tagl. Rundsch. 



25. VI., Miinchn. N\ Nachr. 26. VI. , 
NFP 25. VI., Basler Nachr. 27. VI. (K. 
Grube, Theaterherzog) u. 9. VII.; IZ1914, 
2, 16/22 Pusch m. P); WI 7, A 36; HK 
1915. 83; DZL 436/37; MAZ 1914. 
428/29; T 151 (Beisetzung) ; Das Echo 
19 14, 2376/77) KW27, 4, 129/31 (F. Gre- 
gori) ; NTA 191 5 60/66 (E. Isolani) u. 182 
(P); MZ 1914, 43 0*; BW 16, 2, 455/58 
(K. Grube, Herz. G. v. M. u. d. dtsche. 
Schauspiel), BW 16, 2, 432/3 (H. Marx); 
BZ 35 [Daheim 50 Nr. 40; Gartenlaube 
1914, 596 (E. v. Possart); Personlichkeit 
1914. 558/o6 (G. Stiimcke, G. II. v. S.-M. 
u. d. Theater); Weltrundsch., Beil. zum 
Universum 19 14, 283 (K. Grube, Ein 
Kiinstler auf dem Herzogthron) Velh. & 
Klas. Monatshefte Okt.-H. 1914, 232/37 
(R. Votf, Erinn. an H. G. v. S.-M.; Neue 
Musikztg. Jg. 35, 393 m. Pj; 37 [Jahrb. 
d. dtsch. Shakespeare-Ges. Bd. 51, S. 
193/204 (A. Klaar)]. Otto v. Kurna- 
towsky: G. II., Hrz. v. S.-M. u. H. Ein 
Lebens- u. Kulturbild. Hildburghausen 
1914 (89 S.). BJ I S.23— 26 (E. WolfT). 

tgt Gersdorf f , Karl Frhr. v., Regisseur a. d. 
Reinhardtbiihnen, Oberltn. a. D.; * Fah- 
renstedt 10. VI. 1866; gef. im Westen 
3 1 . X. — NFP r 3. XI. A.-A. ; Berl. Tagebl. 
12. XII. (WieG.fiel); VZ 13. XII. A.-A.; 
16. XII. A.-A.; FT 1916, 272; BW 16, 
2, 544- 

Geyer, Otto, Bildhauer u. Prof. a. D. Techn. 
Hochschule z. Berlin-Charlottenburg ; 
* Charlottenburg 8. I. 1843; f Berlin- 
Wilrnersdorf 26. III. — Wiss. Werke: 
Der Mensch, Lehrbuch der Anatomie u. 
Proportion; kiinstl. Werke: Kunsthist. 
Fries im Treppenhause d. Nat.-Galerie in 
Berlin; Gruppe Schiffahrt am Hallischen 
Tor; Denkmal Kaiser Wilhelms I. in Iser- 
lohn u. Soest; Statue Melanchthons i. d. 
SchloBkirche zu Wittenberg. — VZ 27.IIL 
M.-A. ; WI 7, 5 1 5 ( W) ; MS 2, 38 (W) ; Ber. 
d. Techn. Hochsch. Berlin 1913/14^.6/7. 

Glaeser, Hugo, Dr. phil., Reg. -Rat, Vize- 
direktor d. offentl. u. Universitatsbiblio- 
thek in Prag u. loiter ihrer Neukatalogi- 
sierung; * Prag 26. I. 1858; f das. 1. XII. 
— Osterr. Zeitschr. f. Bibliothekswesen, 
Jg. 2/3, 1914/15, H. 1, S. 47—49 (J- Ei- 
senmeier) . 

Glasenapp, Franz-Georg v.,Generalleutnant 
z. D., 1908 — 14 Kommandeur der deut- 
schen Schutztruppe; Mitkampfer bei den 
Boxerunruhen in China 1900, d. Herero- 
aufstandes in Deutsch-Siidwest- Af rika.wo 
er von 1904 bis 1908 Komm, d. I. See- 
bataillons war; spater Inspekteur d. Ma- 
rine-Infanterie, Reorganisator der chines. 



284 



Totenliste 1914: Glatzel — Grund 



Truppen d. Pro v. Petschili; * Labes 18. 1. 
1857; f Potsdam 1 5. VIII.— VZ 18. VIII. 
M.-A.; 20. VIII. M.-A. (Beisetzung) ; BT 
191 5, 295; DKB. 25, 775 (Nachruf); 
T 195 (P); Tap 1. IV. (C. v. Perbrandt) ; 
MZ 1914, 543; BZ 34[Daheimi9i4,Nr.28J. 
§1 Glatzel, Bruno, Dr. phiL, Prof., Privatdoz. 
f . Physik a. d. Techn. Hochschule Berlin ; 

* Berlin 24. IX. 1878; gef. 10. X. — VZ 
16. X. A.-A.; KTH 1915/16. 204; BZ 35 
[Physik. Zeitschr. Jg. 15, 933 (P. Johan- 

nesson)]. 

Gleim, Wilhelm, 1896 — 1906 Direktor der 
Werft t A.-G. Weser «; * Kirchhain b. Mar- 
burg a. L. 12. II. 185 1 ; f Kassel 22. III. 

— ZVDI 58, 727 m. P (Kotzur). 
Gobat, Alfred, Dr., Pras. d. intern at. Frie- 

densbureaus in Bern, seit 1890 National- 
rat ;* Tramelau (Bern. Jura) 21. V. 1843; 
f Genf 17. III.— VZ 17. III. M.-A.; Neue 
Ziirch.Ztg. 18. III., Berner Bund 17. III., 
Basler Nachr. 30. III. (G. im Kampf gegen 
Klein); WI 7, 530. 

Gottsehalk, Sigmund, Dr. med., Prof. u. 
Direkt. d. gynakol. Abteil. d. jiid. Kran- 
kenhauses, bek. Frauenarzt in Berlin; 
1899 Privatdoz. f. Geburtsh. u. Gynako- 
logie a. d. Univ. Berlin, mediz. Schrift- 
steller; * Konigsfeld (Rheinprov.) 21. X. 
i860; f Berlin 3. XI. — VZ 3. XI. A.-A.; 
KL 1914. 563/4 (W); AD 3, 137/8 (W). 
294, UKS-S 1915, 1, 338; PBL618 (W); 
BKW 1914, 1804; MMW 1914, 2232 u. 
2408 (M. Nassau er); DMW 1914, 1968; 
L 191 5, 31/32; BZ 35 [Zentralbl. f. Kin- 
derheilk. Jg. 19, 686J. 

Grabower, Heinrich, Dr. med., Prof., Privat- 
doz. d. Laryngologie a. d. Univ. Berlin; 

* Koschmin 1. XII. 1849; f Berlin 27. I. 

— VZ 30. I. M.-A.; AD 3, 288; MMW 
1914, 400, 515. 

Graf, Hugo, Dr. phiL, friih. Direkt. d. bayr. 
Nationalmuseums und Generalkonser- 
vator d. bayr. Kunstdenkmaler u. Alter- 
tiimer; * Niirnberg 25. IV. 1844; f Starn- 
berg 20. III. — VZ. 21. III. A.-A.; KU 
1914, 360. W 1914, 516. 

Graner, Friedrich v.. Dr. rer. pol., o. Prof, 
d. Forstwissensch. in Tubingen, em. 
Dir. d. Kgl. Forstdirektion ; Fachschrift- 
steller; * Ludwigsburg 17. III. 1847; 
f Stuttgart 25. IX. — WI 7, 554 (W) ; 
DZL 475 (W); WJ 1914, V; WN 1914, 
182/85 (E. Speidel); K 278. 

Grashey, Hubert, Ritter v., Dr. med., Psy- 
chiater u. langjahr. Leiter d. bayr. Medi- 
zinalwesens, 1884 Professor f. Psychiatrie 
in Wiirzburg u. Dir. d. dortigen Irren- 
klinik, 1886 nach Miinchen berufen, Geh. 
Ob.-Med.-Rat, Minist.-Rat; * Gronen- 



bach3o. X. 1839; f Miinchen 24. VIII. — 
VZ 25. VIII. M.-A.; NFP 25. VIII. M.-A.; 

WI 7. 555 (W); DZL 476/77 (W); PBL 
627 (W); BKW 1914, 1620; MMW 1914, 
1896; DMW 1914, 1720; K 278. 

Greber, Julius, Dr. jur., Amtsgerichtsrat, 
Griinder u. friih. 1 . Dir. d. Leitung d. El- 
sass. Theater, Verfasser zahlreicher Thea- 
terstiicke elsassischer Mundart; * Aachen 
24. VI. 1868; f Kolmar i. Els. 30. III. — 
StraBburger Post 31. III. (D. Miintzer) ; 
WI7. 557 (W);KL 1914. S77(W);BR 2 , 
432 (W); LE 16, 1085; BZ 36 [Siidwest- 
deutsche Schulblatter 191 5, S. 60 (Popp)]. 

Grengg, Karl, friih. Bassist d. Wiener Hof- 
oper, Wagnersanger in Bayreuth; * Graz 

16. III. 1853; f das. 7.X. — NFP 8.X. 
M.-A.; VZ8. X. A.-A.; OR41, VI; AMZ 

1914, 1192; EG 350. 

Grieben, Theobald, Verlagsbuchhandler, Be- 
griinder der bekannten Reisefiihrer in 
Berlin, Reiseschrif tsteller ; | Berlin 9. II. 
im Alter von 87 Jahren. — VZ 11. II. 
M.-A.; DRG 36, 287; PM 1914, 1, 212. 
BB 1913, 35. 

i&Grimsehl, Ernst Heinrich, Prof., Direkt. 
d. Oberrealschule auf der Uhlenhorst in 
Hamburg; Herausgeber d. tZeitschr. f. d. 
mathem. u. naturwissenschaftl. Unter- 
richtt; * Hannover 6. VIII. 1861 ; gef. vor 
Langemark b. Ypern 30. X. — W T . : Lehr- 
buch der Physik, 6. Aufl. 1 92 3 ; Didaktik u . 
Methodik der Physik. — KL 1914. 583/84 
(W) ; Zeitschr. f . math. u. naturw. Unterr. 
46, S. 1—22 (W.Hillers: E. H. Grimsehl. 
Sein Leben als Lehrer u. s. Lebenswerk 
m. P u. Lit.); Zeitschr. f. d. phys. u. 
chem. Unterr. 28, (191 5), S. 1/2 (F.Poske 
m. P), S. 231; BZ 36 [Himmel u. Erde 
27, 109] ; 39 [Verhdl. d. naturwiss. Vereins 
Hamburg 3. F., XXII, 17/35 (G.Pflaum- 
baum)]. 

# Grund, Alfred, Dr. phiL, o. Prof. d. Geo- 
graphic a. d. deutschen Univ. zu Prag f 
ord. Mitgl. d. Ges. z. Forderung deutscher 
Wiss., Kunst u. Lit. in Bohmen; * Smi- 
chow (Bohmen) 3. VIII. 1875 ; gef. 12. XI. 
b. Deutsch-Kubin (Ungarn). — NFP 

17. XI. M.-A. (E. Bruckner); VZ 14. XI. 
M.-A. u. 16. XI. A.-A.; WI 7, ^76 (W) ; 
KL 1914. S95 (W); DE 13 TL; DRG 37. 
241/52 (H. Rudolphi m. P u. W); PM 

191 5, 29, 61 (N. Krebs) u. Taf. 11 (P) ; 
UKS-S 191 5, 2, 549; PF 542 (W); GZ 

1914, 646 11. 191 5, 65/70 (J. Solek); GA 

1915, 57; L 1915. 35/36; HV 17, 58S; 
Kartograph. Zeitschr. Wien 4, 47 (E. 
Adametz) ; Mitteilg. d. k. u. k. geogr. Ges. 
Wien, Bd. 57, 83, Bd. 58, 9/26 (E. Bruck- 
ner) ; BZ 37 (Deutsche Arbeit, Jg. 14, 



Totenliste 19 14: Gueterbock — Hancke 



285 



S. 579 (F. Wanner)], 38 [Zeitschr. f. osterr. 
Volkskunde 20, 179 (M. Haberlandt) J . 
Gueterbock, Karl, Dr. jur. t Prof., Geh. 
Justizrat, friih. ord. Prof. d. Straf- u. 
Prozefirechts a. d. Univ. Konigsberg, seit 
1893 Mitgl. d. preuB. Herrenhauses ; 
* Konigsberg i. Pr. 18. IV. 1830; f das. 

9. VII. — W: Der engl. StrafprozeB im 
1 3. Jahrh. — VZ 9. VII. A.-A.; WI 7, 582 
(W); KL 1914, 608 (W); DZL 505 (W); 
DJZ 19, 973/74 (Graf zu Dohna); HH 
1911, 327; AD 2, 39,47 (W); K 293 (W). 

Gunther, Albert, Dr. phil. et med., Direktor 
d. zoolog. Abt. d. Britisch. Museums in 
London, zoolog. Schriftsteller ; * Efllingen 
(Wiirttemberg) 3. X. 1830; f London 
1. II. — W. : An Introduction of the study 
of fishes 1880; Die Pische des Neckars. — 
VZ 10. II. A.-A.; Schwab. Merkur 19. II. 
(G. Beutler), Neues Tagblatt Stuttgart 

10. III. (Lampert); WJ 1914. HI; PM 
1914, 1, 145; WN 1914, 5/9 (K. Lampert 
m. L.) ; Ornitholog. Monatsber. Jg. 22, 
S. 37 (E. Hertert). 

GQnther, Otto, Oberbaurat, Ingenieur, 
Reichsratsabgeordneter des schles. Wahl- 
kreises Bielitz - Kotschau - Jablinckau 
(Osterr.), Mitgl. d. kaiserl. Kommission 
f. d. Forderung der Verwaltungsreform, 
Vizeprasident des Montanvereins, Mitgl. 
des Staatseisenbahnrates; * Ilsenburg 
(Prov. Sachsen), 3. VII. 1845; f wien 
25. XI. — Zeitschr. d. osterr. Ingen.- u. 
Archit.-Vereins 19 14, 746 (L. Baumann) 
m. P. 

»S Gulllemain, Konstantin, Dr. phil., Privat- 
dozent d. Geologie u. chem. Mineralogie 
a. d. Techn. Hochschule in Aachen, For- 
schungsreisender u. Schriftsteller; gef. b. 
Chenieres (Longwy) 22. VIII. — VZ 27. X. 
A.-A.; DRG 37, 191 ; PM 1914. 2. 197 (W) 
u. Taf. 31 (P); KTH 1915/16, 204; GZ 
1914, 646; GA 1915, 89. 

Gutfleisch, Egidius, Dr.jur., Geh. Justizrat, 
Rechtsanwalt, M. d. R. (deutsch-freis.) 
r88i — 1884 u. 1890 — 1893; * Lorsch 
23. VII. 1844; f GieBen 3. V. — VZ 4. V. 
M.-A.; WI7, 5S7; RH 1890, 178. W1914, 
772. 

Gutheil, Gustav, Liederkomponist u. Ka- 
pellm. d. Wiener Konzertvereins; * Blan- 
kenhain 1868; f Weimar 10. IV. — VZ 
14. IV. A.-A. ; AMZ 1914. 572 ; MWB 1914, 
258;NTAi9i5, 178; EG373; R 486. 

Haardt v. Hartenthurn, Vinzenz, Ministe- 
rial- u. Hofrat i. k. k. Militargeograph. 
Inst., Kartographu.Ethnograph. * Iglau 
1 3. VIII. 1843 1 f R rixen 1 . VIII. — WI 7, 
591 (W); DRG 36, 579; PM 1914, 2, 137 
(W); GZ 1914. 646/47. 



Habermann, Josef, Dr., Chemiker, em. o. 
Prof. d. allgem. u. analyt. Chemie a. d. 
deutsch. Techn. Hochschule in Bniiin, 
Hofrat, Erf. d. Biocitins; * Neutitschein 
31. X. i84i;f Brunn 20. V. — VZ 19. VI. 
A.-A.; IZ 1914, 1, 1219, 1240 (P); KTH 
1914/15, 198; K 301 (W); PF 562 (W); 
BZ 35 [Chemikerztg., 38,973 (C. Frenzel)l, 
36 [Osterr. Chemikerztg. 19 14, 179 (M. 
Honig)]. 

Hape, Georg, Dr. jur., o. Honorarprof. f. 
dtsch. u. sachs. Verwaltungsrecht a. d. 
Univ. Leipzig; * Dresden 24. VII. 1848; 
+ Leipzig 9. I. — W : Sachs. Stadtever- 
fassung. — VZ 10. I. M.-A.; WI 7, 599 
(W); KL 1914, 638; AD 2, 59 (W), 78; 
UKS-S 1 9 14. 1. 342; K 303/304 (W). 

Hagelstange, Alfred, Dr. phil., erster Dir. d. 
Wallraf-Richartz-Museums zu Koln ; * Er- 
furt 5. IX. 1874; f Koln 2. XII. — Koln. 
Volksztg. 5. XII.; WI 7, 601; KU 1915, 
159/60 (Fortlage m. P) ; KL 1914, 620 
(W); BZ 35 [Cicerone VI, 635 (G. Bier- 
rnann)), 36 [(Deutsche Kunst u. Deko- 
ration 35, 322 (G. E. Liithgen)]. 

Hagen, Max, Landschaftsmaler u. Karika- 
turenzeichner, * Flensburg 25. X. 1872; 
f Schliersee 27. III. — VZ 28. III. M.-A.; 
KU 1914, 360; MS Nachtr. 122. 

Halbach, Gustav, Techn. Leiter d. Gesellsch. 
f. Stahlindustrie z. Bochum; * Hagen i. 
Westf. 19. XII. 1858; f Baden-Baden 
1 1 . VI. — Statu u. Eisen 34, 1 1 1 1 m. P. 

Haller, Bela, Dr., Zoologe, a.o. Prof. a. d. 
Univ. Heidelberg, las iiber vergleich. 
Anatomie u. allgem. Biologie; * 28. IV. 
1859; f Heidelberg 21. VII. — VZ23. VII. 
A.-A. 

Hallervorden, Eugen, Dr., Privatdoz. f. 
Psychiatrie a. d. Univ. Konigsberg; 
* 17. VII. 1853; f Konigsberg 21. IX. — 
AD 3, 179; UKS-S 1915. 1. 339; MMW 
1914, 2023. 

Hammers tein-Loxten,ErnstFreihr.v.,preuB. 
Landwirtschaftsminister, Mitgl. d.Staats- 
rats; * Loxten 2. X. 1827; f das. 5. VI. — 
VZ 9. VI. M.-A.; Hann. Courier 6. VI.; 
FT 1916, 339; T 131 (P); DasSchiff 1914, 
286; BZ 34 [Deutsche Landwirtschaftl. 
Presse 1914, Nr. 46; Mitt.d. Ver. z. For- 
derung der Moorkultur 32, 269]. 

Hanau, Prinz Philipp v., jiingster Sohn des 
letzten Kurf iirsten von Hessen ; * Kassel 
29. XII. 1844; f Schlofl Oberurf b Fritz- 
lar 28. VIII. — VZ 28. VIII. A.-A.; NFP 
29. VIII. M.-A.; HK 1915. 327. 

Hancke, Ernst, Geschichts- u. Genremaler, 
Prof. a. d. Berliner Akademie d. bild. 
Kiinste u. d. Kunstschule; * Berlin 9. X. 



286 



Totenliste 1914: Hannack — Helbig 



1834; f das. 1. X. — VZ 4. X. M.-A. u. 
6. X. A.-A.; KU 1915, 80. 

Hannack, Josef, Dr.-Ing., Erbauer d. Arl- 
berg- u. Tauernbahntunnels, Hofrat u. 
Oberbaurat; j* Graz 6. VII. im Alter von 
69 Jahren. — VZ 8. VII. M.-A. 

Harnack, Otto, Dr. phil. t o. Prof. f. dtsch. 
Liter, u. Asthetik a. d. Techn. Hochschule 
in Stuttgart; * Erlangen 23. XI. 1857; 
+ 22. III. — W : D. Kurfiirstenkollegium ; 
Goethe in der Epoehe s. Vollendnng. — 
Neues Tageblatt Stuttgart 24. III., 
Schwab. Merkur 23. III.; T. 56 (P); WI 7, 
621 (W); IZ 1914, 1, 776/8 (W. v. Oet- 
tingen m. P) ; VZ 24. III. M.-A.; KL 
1914, 643 (W); DZL 529 (W); BR 3, 79 
u. 8, 211 (W); MAZ 1914, 211; HZ 113, 
23/26; WJ i 9 i4,III;KTH 1914/15, 198; 
WN 1914, 26/29 (Th. Meyer); HV 17, 
312/13; LE i6, 1017/18; BZ39 [DerVor- 
trupp V, 577/84 (Fidelis)]. 

Hartmann, Emil, Generalmajor z. D., zu- 
letzt Inspekt. d. 4. Festungsinspektion in 
Thorn, militar. Schriftsteller, Hrsg. d. 
Kriegstechn. Zeitschr.; EK. II v. 1870; 

* Glogau23.IX. i843;f Berlin 3 I -VII. — 
LA 1909, 36/37 (W); BZ 36 (Kriegstechn. 
Zeitschr. XIII, Heft 9/10]. 

Hartwlg, Adolf, Vors. d. Braunschweiger 
Staatsministeriums; f Braunschweig 9. 1, 
im Alter von 65 Jahren. — WI 7, 627; 
ELK 1 914. 93; BZ 35 [Heimat, Braun- 
schweig 191 3, S. 28]. 

Hase, Karl Alfred v., D. Dr. phil. t Oberkon- 
sistorialrat, seit 1896 o. Honorarprof. d. 
prakt. Theologie u. Kirchengesch. a. d. 
Univ. Breslau; EK. II am weiBen Bande; 

* Jena 12. VII. 1842; -f Breslau 1. 1. — 
W. : Die Bedeutung des Geschichtl. in der 
Religion; Herzog Albrecht v. PreuBen u. 
sein. Hofprediger; Brief e eines Feld- 
predigers; Unsere Hauschronik(darineine 
Skizze s. eig. Lebens); VZ 3. I. M.-A.; 
KI 41. 719 (W); WI 7, 628 (W); UKS-S 
1914, 1, 342; IZ 1914, 1. "5 (P); BT 1915- 
359; DZL 536/37 (W); AD 1, 46 (W). 
BZ 35 [Kirchl. Jahrb. 41. Bd., S. 719]; 
39 [Protest. Monatshefte 19 16, 209/66 
(J. Websky, Hases Stellung in d. Gesch. 
d. Glaubenslehre) ] ; Schles. Ges. f. vaterl. 
Kultur, 92, 1914, I, n/14; Chronik der 
Univ. Breslau 191 3/14, 202/06 (Stein- 
beck). 

tg Hasenclever, Erwin, Reg.-Assessor a. D., 
Justitiar der Gelsenkirchener Bergwerks- 
A.-G.; nationalliberal. Mitgl. d. Abgeord- 
netenhauses f. Gelsenkirchen ; * Baden- 
weiler 31. I. 1880; gef. in Frankreich 
19. IX. — VZ 1. X. A.-A.; HA 1914, 383 
ii. 502 (P). 



Hausmann, Ernst, Prof., Geschichts-u. For- 
tratmaler, Inhaber d. goldenen Medaille 
f. Kunst seit 1902; * Frankfurt a. M. 
25. VII. 1856; f Berlin im Oktober. — 
VZ 13. X. A.-A.; KU 1915, 80; MS 2, 140 
(W); BMW 1, 474 (W). 

Haxthausen, Elmershaus v., kaiserl. dtsch. 
Gesandter in Peking wahrend d. chinesi- 
schen Revolution ; * Lauenburg (Pomm .) 
16. XII. 1858; f Berlin 13. VII. — VZ 
14. VII. A.-A.; IZ 19M.2, 188 (P); W T I 7, 
638; T 164 (P); Das Echo 1914, 2617/18; 
Hamb. Nachr. 21. IX u. 5. X. (I. Gott- 
hardt). 

He gar, Alfred, Dr. med. t Frauenarzt, Wirkl. 
Geh. Rat, em. o. Prof. d. Frauenheil- 
kunde u. Direktor d. Frauenklinik in 
Freiburg i. Br., einer der Begriinder d. 
modernen u. bes. d. operativen Frauen- 
heilkunde. W : Operative Gynakologie (m. 
Kaltenbach). — * Darmstadt 6. I. 1830; 
f Freiburg i. Br. 6. VIII. — VZ 6. VIII. 
A.-A.; WI 7.643 (W); DZL 554/55 (W); 
UKS-S 1915. 1. 339; HBL 3, in (W); 
PBL 701/02 (Pu. W); BKW 1914, 1568; 
MMW 1914, 1856; DMW 1914, 1765/66 
(W r . A. Freund m. P) ; K 324 (W) ; K 324 
(W);Li9i5, 16; BZ35 [Arch.f.Gynakol. 
103, Bd. V bis XI (E. Sonntag), Zentralbl. 
f. Gynakol. 38, 1217 (H. Sellheim), Wiener 
Klin. Wochenschr. 27, 1252 (F. Kerman- 
ner)], 36 [Beitr.z.Geburtshilfeu. Gynakol., 
Bd. 19, Erg.-H. 1/7 (H. Fehling)], ^7 [Mo- 
natsschr. f. Geburtshilfe u. GynMkol. 
Bd. 41, S. 543 (A. Martin)]. 

i&Heidrich, Ernst, Dr. phil., o. Prof. d. 
Kunstgesch. a. d. Univ. Straflburg (vor- 
nehmlich deutsche und niederlandische 
Kunst) ;* Nakel 5. VII. 1880; gef. vor 
Dixmuiden 4. XI. — VZ 11. XI. M.-A.; 
Strafibg. Post 15. XI. (W\ W. Jager), 
Neue Ziirch. Ztg, 10. XII. (P. Ganz) ; 
UKS-S 1915, 1. 340; HV 17, 588; BZ 35 
[Cicerone VI, 660 (A. E. Brinckmann), 
Kunstchronik N. F. 26. Jahrg., S. 169/75 
(H. Tietze)]; 36 [Die Rheinlande Jg. 15], 
S. 71 (O.Zoff), Zeitschr. f . Asthetik Bd. 10, 
S. 73//6 (F. Roh)]. 

igjHeJnrich, Otto, Prof., Vorsteher d. fiirstl. 
Fiirstenberg. Bibliothek u. Sammlungen; 
* Pforzheim 15. IV. 1876; gef. b. Flirev 
23. IX. — VZ 14. X. A.-A.; IB 12, 11*9 
u. 13, 175; BZ 36 [Mannus VI, 346] . 

Helsterbergk, Konstanze: Deckname fiir 
Marie Konstanze Freifrau v. Malapert- 
Neufville, siehe Malapert. 

Helbig, Karl Ernst, Dr. med., Oberstabsarzt, 
bedeutender Hygieniker, EK. am weifien 
Bande; * Serkowitz b. Dresden 3. X. 
1842, f Dresden 1. XI. — W.: Cholera- 



Totenliste 191 4: Helbing — Hettner 



287 



forschung v. d. letzten Epidemie; Ge- 
sundheitl. Anspriiche an xnilitar. Bauten. 
— WI 7, 656 (W) ; KL 1914, 680 (W) ; PBL 
710 (W); BZ 35 [pharmaz. Zentralhalle 
f. Deutschl. Nr. 46 (A. Schneider)]. 
Helbing, Albert, D. theol., Wirkl. Geh. Rat, 
Pras. d. badischen Oberkirchenrats ; 

* Oberacker (Bad.) 5. V. 1837; f Karls- 
ruhe 30. XII. — VZ 3 1 . XII. M.-A. ; DZL 
566/67; ELK 1915, 70; KJ 1915, 559; 
BZ 36[Christl.Welt 191 5, Nr. 21 (R.Wie- 
landt, Wiirdigung eines dtsch.-ev. Kir- 
chenleiters d. Gegenwart)]. 

Henckel v. Donnersmarck, Lazarus, Graf, 
Mitbegriinder der Zentrumsfraktion ; 

* Siemianowitz 23. V. 1835; f Breslau 
18.XIL — WGK 1914, 2, 591. GT 1916, 
402. 

Henle, Wilhelm v., Dr. fur., Staatsrat u. 
Ministerialdirektor, Verf . e. Kommentars 
z. BGB.; * Straubing 1846; -f Miinchen 
31. XII. — VZ 2. 1. 1915A.-A.; DZL 572; 
DJZ 20, 167/68 (v. Unzner); BZ 36 
[(Zeitschr. f. d. Notariat in Bayern, 1915, 
S. 41 ; Zeitschr. f. Rechtspflegei. Bayern, 
XI, S. 25 (Th. v. d. Pfordten)]. 

Henne am Rhyn, Otto, Dr. phil., Staats- 
archivar a. d. Staatsbibl. in St. Gallen; 
kulturhistor. Schriftsteller, Bekampfer d. 
Madchenhandels; * St. Gallen 30. VIII. 
1828; f Weiz (Steiennark) 1. V. — W.: 
Allg. Kulturgesch. ; Kult.-Gesch. d. dtsch. 
Volkes. — VZ2.V.A.-A.;IZ 1914, 1, 1036 
(P); WI 7, 665 (W); KL 1914. 689 (W); 
BR 3, 1 52/53 (W) ; DE 13 TL; OR 39.VH; 
LE 16, 1232; \V 1914, 772 u. 782 (P); 
Autobiographic 1890. 

Hennig, Karl Raphael, Prof., Musikschrift- 
steller u. Musikdirektor, Beauftragter 
Doz. f . Musikwissenschaft a. d. Kgl. Akad. 
Posen; * Berlin 4. I. 1845; t P°sen 6. II. 
W.: Methodikd.Schulgesangs; dermusik- 
theoret. Unterricht. — KL 1914. 690 (W) ; 
R 456 (W); AMZ 1914, 214; MWB 1914, 
129/30 (A. Huch). 

Herkomer, Hubert v., Illustrator, Portrat- 
maler u. Komponist, 1885 — 94 Prof, of 
fine Arts a. d. Univ. Oxford, Griinder u. 
Leiter (1883 — 1904) der Kunstschule in 
Bushey (Engl.), Mitgl. d. Berl. u. Miinch- 
ner Akad. d. bild. Kiinste, Stifter des Her- 
komerpreises fiir Automobilfahrer (1903), 
Erf. d. Vervielfaltigungsverf. Herko- 
typie. — * Waal b. Landsberg (Bayern) 
26. V. 1849; f Budleygh Salterton (Engl.) 
30. III. — W. : The Herkomers, My school 
and my gospel ; Gemalde: Dame in Weifl, 
Die letzte Musterung, Tod des WMlderers, 
Prinzregent Luitpold, Magistratssitzung 
in Landsberg. — VZ 1. IV. M.-A.; 



Miinchn. N. Nachr. 2. .\\, Frankf. Ztg. 
1. IV.; Tagl. Rundsch. 2. IV. (Aus H.s 
Leben), Frankischer Courier 2. IV. (Basler 
Nachr. 4. IV.; Strafib. Post 8. IV. (Erinne- 
rungen); IZ 1914, 1, 770/71 (P) ; WI 7, 
673 (W); DZL 573 (W); MAZ 1914, 226; 
KIT 1914, 359/60; Meyers Kon vers. -Lex - 
(190O. 9. 211/12 (W); SKL 431; MS 2, 
163 (W); Kchr. 1914, 433/34; BMW 1, 
503/04 (W) u. 975 (W); BZ 34 [Daheim 
Jg. 50, Nr. 28], 44 [Gartenlaube 1919,. 
285 (W. Pastor)]; Public Opinion, 1914, 
431 ; The Eticycl. Brit. XIII , 364; Baldry, 
H. v. H. t a Study and a Biography, London 
1901; Courtney, Prof. H. v. H., life and 
work, London 1892; Ludw. Pietsch, H., 
Bielefeld 1901. 

Hermann, Ludimar, Dr. med., o. Prof. d. 
Physiologie a. d. Univ. Konigsberg, Geh. 
Med. -Rat, korresp. Mitgl. d. bay r. Akad. 
d. Wiss.; * Berlin 21. X. 1838; f Konigs- 
berg 5. VI. — W.: Lehrbuch d. Physio- 
logie; Lehrb. d. experim. Toxikol.; Hrsg. 
d. Jahrb. d. Fortschr. d. Physiol. — VZ 
6. VI. A.-A.; IAW 1915, 105 — 114 
(Frank) ; WI 7, 673 (W) ; DZL 579/8o (W) ; 
AD 3, 48 (W); HBL 3. 172/73 (W); PBL 
724/26 (P u. W); BKW 1914, 1 156; 
MMW 1914, 1320; DMW 1914, 1529 (H. 
Boruttau m. P) ; K 342 (W) ; PF 623 (W) ; 
Nachr. v. d. Ges. d. Wiss. z. Gdttingen, 
Geschaftl. Mitteil. a. d. J. 1915, S. 79/91 
(Paul Jensen); BZ 36 [Vierteljahrschr. d. 
naturf. Ges. i. Zurich, Bd. 59, S. 571]. 

Hertwig , Robert , J ugendschrif tsteller ; 
* Leipzig 11. I. 1846; f Chemnitz Ende 
Dezember. — W . : Marchen aus aller Welt ; 
Neue Riibezahlsagen. — WI 7, 678 (W); 
KL 1914. 703 (W); BR 3, 177 (W). 

Herz, Wilhelm, Wirkl. Geh. Kommerzien- 
rat, langjahr. Ehren president der Ber- 
liner Handelskammer, 1. Vorsitzender d. 
Aufsichtsrats d. Deutschen Bank u. vieler 
anderer Ges., Vorsitzender u. Prasident 
des Kollegiums d. Altesten der Kauf- 
mannschaft; * Bernburg April 1823; 
f Berlin 28. IX. — VZ 28. IX. A.-A. u. 
1. X. A.-A. (Trauerfeier) ; Berl. Tagebl. 
29. IX. (O. Mayer), Berl. Borsenztg. 28. 
IX.; WI 7, 681; AF 52, 384; Ztschr. f. 
Binnenschiffahrt 1914, 394; BZ 35 (Mitt, 
d. Handelskammer zu Berlin, Jg. 12, 
S. 286, 300/03]; Geschaftsber. d. Deut- 
schen Bank 45, 14. 

Hettner, Georg, Dr. phil., a.o. Prof, der 
Mathem. a. d. Univ. u. Techn. Hoch- 
schule Berlin, Geh. Reg.-R.; * Jena 
21. VIII. 1854; f Berlin 24. V. — W.: 
Reduktion der Integrale einer Klasse v. 
algebraischen Differentialen auf d. hyper- 



288 



Totenliste 19 14: Heuberger — Heyse 



eilyptischen Integralen; Hrsg. von Bor- 
chardts u. Jakobis ges. Werken u. von Vor- 
les. von K.Weierstrafl. — VZ 25. V. A.-A. ; 
KL 1914. 7io; DZL 591/92 (W); KTH 
1914/15. 198; K 349; PF632 (W); BZ36 
[Jahresber. d. dtsch.Mathenaatikerverein. 
Bd. 24, S. 51/58 (E. Lampe: Z. Ged. v. 
G. H.), Sitz-Ber. d. Berl. Math. Ges., Jg. 
14, 2/7]; Ber. d. Techn. Hochsch. Berlin 

1913/14, S.7/11 (W). 

Heuberger, Richard, Komponist, Prof, am 
Wiener Konserv. f. Musik, Leiter des 
Wiener Mannergesangvereins ; * Graz 
18. VI. 1850; |Wien28.X. — W.: Biogr. 
Fr. Schuberts; Asthet. Schriften, 2 Bde.; 
Opern: Abenteuer einer Neujahrsnacht; 
Mirjam; BarfuBeler; Operetten: Ihre Ex- 
zellenz. — NFP 28. X. A.-A. u. 31. X.M.-A. 
(Beisetzung) ; WI 7, 686 (W) ; DZL 592 
(W); OR 41, VI; AMZ 1914, 1228/29; 
MWB 1914. 532 (W); LE 17, 318; R 538 
(W). 

tg Hey debreck, Joachim v., Oberstleutnant 
u. Kommandeur der Schutztruppe von 
Deutsch-Siidwestaf rika ; * Schwedt a. O. 
6. X. 1861; f an d. in Siidwestafr. erh. 
Verwundung 12. XI. — IZ 191 5, 1, 139 
(W); WI 7, 688; UT 191 7, 403 u. Ehren- 
tafel 19; DKZ 32, 28/29; DKB 26, 51/52; 
BZ 36 [Siiddtsche Monatshefte 191 5, 
April, S. 163 (Gmelin)]. 

Heymel, Alfred Walter v., Verlagsbuch- 
handler u. Schriftsteller, Dichter, Renn- 
stallbes. u. Rennreiter, Gr under d. Insel- 
verlags, Vorst.-Mitgl. d.dtsch. Schulschiff- 
vereins; EK. II.; * Dresden 6. III. 1878; 
f Berlin 26. XI. — W. : Ritter Ungestiim ; 
Tod des Narzissus. — VZ 27. XI. M.-A. 
u. A.-A. u. 29. XI. M.-A. (Trauerfeier) ; 
Tagl. Rundsch. 26. XI. u. 7. XII. (L. 
Sternaux), Frankf. Ztg. 6. XII. (H. Si- 
mon); NFP 27. XI. A.-A. und 13. XII. 
M.-A. u. 27. XII. M.-A. (F. vSalten) ; WI 7, 
693 (W); KL 1914. 716 (W); BR 3, 202 
(W); MAZ 1914, 670/71 (J. HofmiUer) 
u. 707; KU 1915, 160; T289 (A. Silber- 
gleit) ; Preufl. Jahrb. 1 59, 233/54 (H. Con- 
rad) ; Siidd. Monatsh. 12, 1, 315/16 
Die neue Rundsch. 1914, 1755/56; LE 
17, 422/23 u. 449; KW 28, 1, 218; NS 
1914/15, 96; BZ 35 [Forum, Miinchen 
1, 473/81 (W. Hausenstein, Erinn. a. 
e. Toten), Schaubuhne 19 14, Nr. 51 
(W. Fred)], 36 [Sudd. Monatsh., Febr. 
I 9 I 5» €>73 (M. Bethusy-Huc, Briefe a. d. 
Osten)], 37 [Dtsch. Bibliophilenkalender 
1915, IV. Jg., S. 49]. 

♦Heyse, Paul, Dr. phiL, Dichter, Inh. des 
schwed. Nobelpreises f. Literatur u. des 
groBen Schillerpreises ; * Berlin 15. III. 



1830; "j* Miinchen 2. IV. — W. : Francesco 
da Rimini; HansLange; Koiberg; Kin- 
der der Welt; Im Paradies; Novellen. — 
VZ 17. I. 191 5 (G. J. Plotke: Aus P. H.s 
Friihzeit), Berl. Tagebl. 16. VII. 191 5 
(P. Schlenther: H.s Abschied vom Leser) ; 
NFP 3. IV 14 (P. Zifferer), Berl. Tagebl. 
3. IV. (P. Schlenther), Tagl. Rundschau 
3. IV. (L. Sternaux), Miinchner N.Nachr. 
3. IV.; NFP 7. IV. (L. Fulda), Basler 
Nachr. 5. IV., Hamb. Nachr. 3. IV. (Er- 
inn. aus H.s Leben), Tagl. Rundsch. 3. IV. 
(Aus H.s Leben), Miinchen- Augsb. 
Abdztg. 7. IV. (Iv. Fuldas Grabrede fur 
P. H.), Weserztg. 7. IV. (E. Hoffmann, 
M. Ephra: Erinn. a. P. H.), Neue Zurch. 
Ztg. (E. italien. Wiirdigung), Dresd. N. 
Nachr. 16. IV. (E. Koppel-EUf eld ; P. H. 
i. »Krokodil«), Frankf. Nachr. 21. IV. (P. 
H. u. d. Sozialistengesetz), NFP 23. IV. 
(H.s politische Weltanschauung), Tagl. 
Rdsch. 22. IV. (H.s Stellung zur Politik). 
Munch.- Augsb. Abendztg. 22. IV. (E- 
Petzet : H.s Stellung zur Politik, Miinchn. 
N.Nachr. 23. IV.Hamb.Korresp. (F.Port: 
Erinn. a. P. H.)]; T 80 (P), 81 (J. Hart, 
P. H.) u. 84 (Beisetzung); IZ 1914, 1, 763 
(R. M. Meyer, m. P) und 805 (P) ; WI 7, 
693/94 (W); KL 1914, 717/18 (W); DZL 
600/01 (W); BR 3, 202/06 (W); OR 39, 
134/41 (R. Fiirst); MAZ 1914, 223/26 
(Erich Petzet); BW 16, 2, 97/99 (F. 
Droop); Grenzbote 73, 2, 34/39 (K. 
Freye); Dtsch. Rdsch. 159, 161 (J. Ro- 
denberg) ; Der Greif 1 , 2, 168/69 (H. Raff) ; 
DieHilfe 1914, 242/43 (G. Baumer); KW 
27, 3, 164/66 (Avenarius, Z. H.s Tod); 
NTA 1915, 176/77 (P); LE 16, 1085 u. 
1666/71 (H. Raff); Bartels, Handbuch 
644/47 (W u. Lit.); Erich Schmidt: Cha- 
rakteristiken I; BZ 34 [Hochland 1914, 
307/16 (M. Behr), Der Tiirmer 1914, 
226/31 (V. Klemperer), Turmhahn 1, 532 
(A. de Nora), Wissen u. Leben, Zurich 

1914, 116 (H. Trog), Die neue Zeit 32, 
131 (F. Diederichs), Velhagen & Klasings 
Monatsh. Juni 19 14, 195 — 200 (L. Fulda, 
Erinn.)]. 35 [Die schone Literatur 19 14, 
161 (F. E. Willmann) ; Geschlecht u. Ge- 
sellsch. 1 9 14, 160/72 (F. Karsch-Haack, 
Homoerotik b. H.), Zeitschr. f. d. Gym- 
nasialwesen T914, 305/10 (R. Groeper)]; 
36 [Wiener Almanach 191 5, 153 (Ein 
ungedr. Brief von P. H.), Nord u. Siid 

1915, 102/05 (J. Lehmann)); 17 [Eupho- 
rion Bd. 21, S. 654/66 (G. J. Plotke), 
Schweizerland Juli 19 14, S. 33/36]; 38 
[Dtsch. Revue, Marz 19 16, S. 41/57 (E. 
Petzet, Briefe v. Jak. Burkh u. P. H.), 
Westermanns illustr. dtsch. Monatshefte, 



Totenliste 19 14: Hinrichsen — Hittorf 



289 



April 1916, S. 249/57 (E. Petzet, Aus P. 
H.s Jugend: Briefe v. P. H. an J. Burck- 
hardt)]; 39 [Abh. z. dtsch. Literatur- 
gesch., F. Muncker, z. 60. Geb. dargebr. 

1916, S. 190/207 (E. Petzet; P. H. u. 
Jak. Burckhardt); F. Marti: Lichter u. 
Funken 1916, S. 147]; 40 [Marz 3. III. 
1917 (T. O. Achelis: Jak. Burckhardt u. 
P. H.)l; 41 [Dtsch. Rdsch. Sept. 1917, 
S. 364—395 (G. J. Plotke: P. H. u. Th. 
Storm); Dtsch. Revue, Sept. 191 7, S. 297 
bis 319 (G. J. Plotke: A. d. Brief wechsel 
zw. P. H. u. Th. Storm), Vortrupp 1917, 
S. 560 (G. Storm: Ein Besuch H.s bei 
Th. Storm), Osterr. Rdsch. Bd. 52, S. 265 
bis 276, Bd. 53, S. 26/34 (G. J. Plotke: 
Aus e. Freundesbriefw.) ; Woche, Aug. 

1 91 7, S. 767/78 (G. J. Plotke: Aus d. 
Brief w. zw. Storm u. P. H.)]; 42 [Roland 
Jg. 18, 166 (W. Burgmann, Der Dichter 
P. H. u. s. Wappen), R. M. Werner: 
Dtsch. Dichter u. Denker d. Neuzeit, 
191 7, S. 65/74, Deutsches Schrifttum. 
hrsg. v. Ad. Bartels, Bd. 2, S. 192 (P. H, 
u. Karl Frenzel)); 43 [Th. Ziegler: Men- 
schen u. Probleme, 1918, S. 415/20 (P. 
H.s Maria v. Magdala), Westennanns 
Illustr. dtsch. Monatsh., Sept. 1918, 46 
(Aus d. Briefw. zw. Gottfried Keller u. P. 
H.)]; 44 [Dtsch. Revue, Marz 1919, 238 
bis 256, April 71 — 96 (E. Petzet: P. H. 
u. d. Politik m. unveroffentl. Briefen), 
R. Braun-Artaria, Von beriihmten Zeit- 
genossen, 10. Aufl., Miinchen 191 9, 75/86, 
Antiquitaten-Rdsch. 17, 80 (Stiftg. d. 
Briefw. G. Keller — P. H. an den Schwei- 
zer Bundesrat)); 45 [Der deutsche Bund, 
Nov. 1919, 218/29 u. Dez. 1919, 346/52 
H. Falkenheim: A. d. Briefw. zw. P. H. 
u. Herm. Kurz), Dtsche. Revue, Nov. 

1919, 184/90 (M. Straufi' Briefw. zw. 
G. Keller u. P. H.), Die Schweiz 23, 133 
(G. Keller u. P. H.)l; 46 [Dtsch. Rdsch. 

1920, Mai 274/85, Juni 410/441 (R. Goh- 
ler: Briefw. zw. P. H. u. Fanny Lewald), 
Der Merkur 1919, 489 (E. Kilian, P. H. u. 
G. Keller)]; 47 [BB 24. VIII. 1920 (R. 
Loele: Dichter- u. Kiinstlerbriefe i. 
Freundeskreis um P. H.)]; 48 [Wiener Al- 
manach 30, 179 (A. Ohorn)]; 49 [Dtsch. 
Revue, Nov. 1921, 122/34 (Z. K. Ratis- 
law), P. H. u. d. Burgtheater)]; Werk- 
meister, Das 19. Jahrh. in Bildnissen IV, 
610/1 1 (H. Falkenheim m. P) ; P. H. : Ju- 
genderinnerungenu. Bekenntnisse, i Bde. f 
Berlin 191 2; Otto Kraus: P. H.s Nov. u. 
Romane, Frankf. 1888; E. Petzet: P. H. 
als Dramatiker, Stuttg. u. Berl. 1904; 
P. H. ein deutscher Lyriker, L,pz. 19 14; 
W. Klemperer, P. H. Berl. 1907 ( = Mo- 

DBJ 10 



derne Geister Nr. 4); [R. Hunziker:] P. 
H. am Gardasee, z. 80. Geb. d. Dichters 
15. III. 1910, Bote vom Gardasee 1910, 
Nr. 24; E- Ruete: P. H., Bremen 1910; 
Helene Raff: P. H„ Stuttg. u. Berl. 1910; 
H. Spiero: Der Dichter u. seine Werke, 
Stuttg. u. Berl. 1910; A. Jarinelli: P. H.. 
Miinchen 191 3; G. J. Plotke: Zwei Quel- 
lenstudien zu P. H.s Anfangen, Lpz. 191 5. 
BJ IS. 26— 41 (E. Petzet). 

# Hinrichsen, Friedr. WUly, Dr. phil. t Prof. 
Privatdozent f. allgem. u. physikal. 
Chemie a. d. Techn. Hochschule Berlin, 
stand. Mitarb. a. Kgl. Materialprufungs- 
amt zu Berlin-Dahlem ; * Berlin 5. III. 
1877; gef. in Polen 2. XII. W : Das Ma- 
terialpriifungswesen. — VZ 9. XII. A.-A. ; 
KTH 1915/16. 204; PF643 (W); L 1915. 
39; BZ 35 [Chemikerztg. Jg. 38, S. 1273 
(W. Esch)J; 36 [Kolloid-Zeitschr. Bd. 15, 
209 (W. Esch)]. 

Hirschfeld, Robert, Dr. phil., Musikschrift- 
steller, 1884 Lehrer d. Musikasthetik am 
Wiener Konservatoruim, 191 3 Dir. des 
Salzburger Mozarteums ; * Mahren 1 7. IX. 
1858; f Salzburg 2. IV. — R. 546 (W) ; 
KL 1914. 7331 OR 39, VI; AMZ 1914, 532 ; 
MWB 1914, 240; LE 16, 1086. 

•Hittorf, Wilhelm, Dr. phil., Dr. med. h. c, 
Dr. rer. nat. h. c. t Dr. ing. h. c. t em. o. 
Prof. d. Physik a. d. Univ. Minister, 
W T irkl. Geh. Regierungsrat, Nestor der 
dtsch. Physiker, Entdecker d. Kathoden- 
strahlen, bahnbrechender Forscher a. d. 
Gebiete der Elektrochemie, Mitgl. der 
Akad. d. Wiss. v. Berlin, Miinchen, Got- 
tingen, Paris, Ritterd.Friedensklassedes 
Pour le mirite, Ehrenbiirger d. Stadt 
Minister; * Bonn 27. III. 1824; | Mini- 
ster i. W. 28. Xi. W.: Elektrolyse sind 
Salze; t)ber die Wanderungen der Jonen 
wahrend der Elektrolyse. — VZ 30. XI. M.- 
A.; NFP2.XII.A.-A.; Hamb. Nachr. 2. 
XII.; IZ. 2. IV. 14; IAW 1915, 130—135 
(A.Sommerfeld); DZL 615 (W); UKS-S 
1915, 1. 34o; K 362 (W); PF6 4 6/47(W); 
NR 191 5, 41/43 (A. Coehn); Zeitschr. f. 
angew. Chemie 27, 653 (H. Goldschmidt 
m. P) ; Die Naturwissenschaften 3, 41/43 
(A. Coehn); Chronik d. Univ. Miinster 
1 914/ 1 5, 26/29 (G. Schmidt); Almanach 
d. k. Akad. d. W T iss. Wien 65, S. 343 (L. v. 
Pfaundler); Nachr. v. d. Ges. d. W r iss. z. 
Gottingen, Geschaftl. Mitt. f. d. J. 1915, 
S. 74/78 (G. Tammann) ; BZ 10 [Zeitschr. 
f. Elektrochemie 1902, 25 (W. H. z. golde- 
nen Prof.-Jubilaum)]; 14 [Die Umschau 
1904, Nr. 13 (J. Linneborn); Ztschr. f. 
Elektrochem. 10, 201 (R. Abegg)]; 34 
[Chemikerztg. 38, 401 (Gerh. Schmidt)], 



290 



Totenliste 19 14: Hofler — Jokobi 



31 [Festschr. d. Teilnehm. d. 84. Vers, 
dtscb. Naturforscher u. Arzte in Miin- 
ster 1912, 19/27 (G. C. Schmidt)]; 45 
{Ztschr. f. Elektrochem. u. angew. phys. 
Chemie 25, 212 (H. Groflmann: W. H. u. 
d. Akademie zu Miinster i. W.)]. BJ I, 
S. 41 — 44 (H. Konen). 
H6!ler,Max, Dr. me&. % Dr. phil. h. c, Hofrat, 
Arzt, Forscher auf d. Gebiete d. Volks- 
kunde u. Volksmedizin ; * Bad Tolz 6. III. 
1848; f Bad Tolz 8. XII. — W.: Volks- 
medizin u. Aberglaube in Oberbayern; 
Fiihrer durch Bad Tolz u. Umgebung; 
Volksmedizinische Organotherapie. — VZ 
1 5. XII. M.-A. ; KR 1914, 260 (W) ; DRG 
37. 237/38; PM 191 5. 2 3i u. Taf. 52 (P) ; 
WMW 1915, 171; ^ l 9 l $> 39; BZ 36 
|Frankenland 191 5, S. 35 (F. H. Haup: 
Z. Ged. M. H.s), Heimat u. Welt V, 52 
(L- Frankel: Ein Arzt als vorbildl. Er- 
forscher dtscher Landes- u. Vdlkerkunde) , 
Bayr. Heimatschutz 13, 1, MMW 62, 79 
(Sudhoff)J; 38 [Deutsche Geschichts- 
blatter 17, 16/21 (L. Frankel: EinMuster- 
schilderer u. -erforscher deutschen Lan- 
des, Volkslebens u. Volksglaubens) , Ztschr. 
f . osterr.Volksk., 20, 179 (M. Haberland)] ; 
39 [Altbair. Monatsschr. XIII, S. 85/125 
(L. Fischer), 125/35 (H. Kiesekamp: Er- 
innerungsbl. a. d. Grab H.s)]. 
Hoffensthal, Hans v., Dr. med., Tiroler 
Romanschrif tsteller . * Maria Himmelf ahrt 
b. Oberbozen 16. VIII. 1877; f Bozen 8. 
XII. — KL 1914. 739/4o (W) ; BR 3, 245 
(W); LE 17, 513; BZ 36 [Osterr. Rdsch. 
Bd.42, 1 34/38 (A. v.Weilen) ] ; 38 [Deutsche 
Arbeit 15, 214 (A. v. Trentini)]. 
Hof mann, Theodor, Pfarrer, Prof., 1896 bis 
1906, Mitgl. d. Reichst. (Zentr.) ; * Sulz a. 
Neckar, 16. X. 1843; t Urlau 22 ' IV * — 
VZ 23. IV. M.-A.; RH 1903, 242; WN 
1914, 254. 
Hohenberg, Sophie, Herzogin v., geb. 
Grafin Chotek von Chotkowa und Wog- 
nin. Gem. d. osterr. Thronf olgers ; * 
Stuttgart 1. III. 1868; ermordet Saraje- 
wo 28. VI. — VZ 29. VI. M.-A. u. A.-A.; 
Basler Nachr. 1. VII. 14; T 150 (P); IZ 
1914. 3705 (P); WI7, A2i;HK 1915, 55; 
MS 1 91 4, 432 (s. Franz Ferdinand), 
gj Hohenemser, Fritz, Oberingenieur, seit 
1905 techn. Leiterd. Installationsbiiros d. 
Allg. Elektr. Ges. in StraOburg; ♦Frank- 
furt a. M. 10. VIII. 1876; gef. Parroy 
(Nordfrankr.) 23. X. — ZVDI 59, 85 m. P. 
Hohentha!-D61kau, Adolf Graf v., D., 
lebenslangl. Mitgl. d. preufi. Herrenhauses 
seit 1901, M. d. aufiersten Rechten; 
Schloflhauptmann v. Merseburg; kgl. 
preufi. Kammerherr, Major a. D., EK. II. 



v. 1870. * Leipzig 4. I. 1846; | Posen 1. 
XI. — VZ 2. XI. M.-A.; WI 7. 727; GT 
1915, 416; HH 1911. 332; ELK 1914. 
1094; KJ 191 5, 560; BZ 35 [Positive 
Union 11. Jg. 322/30 (J. Dietrich)]. 

Holtzmann, Adolf, Dr. phil., o. Honorar- 
Prof. f. Sanskrit u. vergl. Sprachwiss. a. 
d. Univ. Freiburg; * Karlsruhe 20. XII. 
1838; f Freiburg Mitte Februar. — W. : 
Der Mahabharatau. s. Teile, 4 Bde. — VZ 
18. II. A.-A.; WI 7, 734 (W); KL 1914, 
7S8;DLZ644(W);UKS-S 1914. L 34^; 
K 381 (W). 

Holzmuller, Gustav, Dr. phil.. Prof., ehern. 
Dir. d. Provinzial-Gewerbeschule u. d. 
hoheren Maschinenbauschule zu Hagen i. 
W., Griinder d. Vereins z. Forderung d. 
lateinlosen hoheren Schulwesens ; * Merse- 
burg 2. I. 1844; f Charlottenburg 27. XI. 
— ZVDI 59, 86 (P); BZ 36 [Ztschr. f. 
math. u. naturwiss. Unterr. 46, 117/24 
(W. Lorey)]. 

Hottinger, Christlieb Gotthold, Dr. phil.. 
Prof., friih. Bibliothekar d. Kais. Univer- 
sitats- und Landesbibliothek in StraB- 
burg, Griinder d. Fachsch. f. Bibliothe- 
karinnen in Berlin-Siidende, Lie. theol. 

* Singenb. Karlsruhe 24. II. 1848; f Ber- 
lin-Siidende 30. VIII. — VZ iX. 1. A.-A. ; 
IB 10. 146 u. 13, 171, KL 1914, 770. 

Huber, Otto v., Wirkl. Geh. Rat, friih. Pras. 

d. kais. Paten tamts; * Ellwangen 6. X. 

1843; f Berlin 15. IV. — VZ 17. IV. M.- 

A.; WJ 1914, IV; WN 1914, 254. 
^Huser, Friedrich, Dr. ing., Leiter d. Ver- 

suchsgieflerei d. Chem. Fabrik Griesheim ; 

* Vohwinkel 5. I. 1883; gef. Bouconville 
14. IX. — W.: Experim. Unters. des 
Kupolofen-Schmelzprozesses. — St. u. E. 
34, 1840 (m. P). 

Hummel, Leander, Prof., Dir. d. Ingenieur- 
schule i. Zwickau; * Hildesheim 25. II. 
1857; f Zwickau i. Sa. 29. IV. — ZVDI 
58, 857 m. P; Dinglers polyt. Journ. 95., 
512. 

Hurter, Hugo, (S.J .) Dr. theol. et phil.Jruher. 
o. Prof. d. Dogmatik a. d. Univ. Inns- 
bruck; * Schaffhausen 1 1 . 1. 1832. f Inns- 
bruck 15. XII. — W. : Theologicae dog- 
maticae compendium. — NFP 12. XII. 
M.-A.; VZ 17. XII. A.-A.; WI 7, 752/53 
(W); KL 1914, 783/84 (W); KR 1914, 
279 (W); K 394 (W). 

gi Jakobi, Bernhard v., Dr., bayr. Hofschau- 
spieler; * Hannover 27. XII. 1880; gef. 
in Frankr. 25. X. — VZ 10. XI. M.-A. 
(Bestattung) ; BT 191 5, 442 u. Ehrentafel 
7; Sudd. Monatsh. 12, 1, 416/17 (M. 
Halbe, Gedachtnisrede) ; BW 16. 2, 544. 



Totenliste 1914: Jansen — Kappis 



291 



Jansen, Giinther, Historiker, Staatsminister 
a. D. in Oldenburg; * Oldenburg 5. I. 
i83i;fdas. 31.XII. — KL 1914,798^). 
LZ 1915, no, BB 1915, 3. 

Jelagin, Josephine Marie v. (Deckname J. 
v. Lagin), Schhf tstellerin ; "j* Friedenau 
2 6. V. — VZ 28. V. M.-A.; KL 1914, 803 
(W). 

Joachimsthftl, Georg, Dr. med. t Chirurg, a.o. 
Prof. d. orthopad. Chirurgie a. d. Univ. 
Berlin u. Dir. d. Univ.-Poliklinik f. ortho- 
pad. Chirurgie, Vors. d. dtsch. Ges. f. 
orthopad. Chir., Vors. d. Berliner ortho- 
pad. Ges.;* Stargard (Pomm.) 8. V. 1863; 
f Berlin 1. III. — VZ 1. III. M.-A.; T 53 
(P); IZ 1914, 1, 462; WI 7, 780 (W); AD 
3, 190, 224 (W); UKS-S 1914, i, 342; 
PBL 824 (W); BKW 1914, 480 u. 579 
(C. Helbing); MMW 1914, 512; DMW 
1914, 504 und 541; Zentralbl. f. chirurg. 
u. mechan. Orthop. 8, 129 (0. Vulpius); 
Ztschr. f. orthopad. Chirurg. 34, 367/76 
(S. Peltesohn). 

Jodl, Friedrich, Dr. phil., o. Prof. d. Philo- 
sophic a. d. Univ. Wien, Ethiker, Mit- 
gl. d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien u. d. 
Ges. z. Forderung dtsch. Wiss. in Prag; 
* Miinchen 23. VIII. 1849; f Wien 26. I. 
— W.: David Hume; Die Kultur- 
geschichtsschreibung ; Geschichte der 
Ethik ; Lehrb. d. Psychol. ; Ludwig Feuer- 
bach; Vom Lebenswege; Gesch. d. neue- 
ren Philosophie, a. d. Nachl. hrsg. von 
K.Roretz. 1924— NFP 27. 1. (A.Stohr, 
E. Reich), 29. I. (F. Strunz) NFP 15. II. 
15 (K. Siegel: Erinn. an F. J.); IZ 1914, 
1. 236/37, 254 (P); UKS-S 1914, 2, 559; 
WI 7, 781 (W); KL 1914, 812/13 (W); 
DZL681 (W); OR 38, VII; MAZ 1914,79 
(W); Sozialist. Monatsh. 1914, 3S7/SS; K 
408 (W) ; BZ 34 [Friedenswarte 1914, S. 97 
(W. Eckstein), Ethische Kultur 1914, S. 33 
(W. Foerster), S. 34 (M. Kronenberg: F. 
J. als Philos.), S. 36 (W. Borner: F. J.s 
Bedeut. f. Osterr), S. 37 (B. Meyer: 
J. als Psycholog u. Asthetiker), Viertel- 
jschr. f. wiss, Philos. u. Soziologie Bd. 12, 
S. 108; Das freie Wort, Jg. 13, S. 832 (W. 
Borner)]; 35 [Dasmonistischejahrhundert 
1914, H. 6 (L. Frankel: Fichte u. Jodl), 
Arch, f . Gesch. d. Philos. Bd. 27, S. 474/89 
(W. Schmied-Kowarzik), Ztschr. f. Phi- 
los. u. philos. Kritik 154B 129]; 36 [Aim. d. 
k. Akad. d. W. Wien 64. S. 446/52 (A. v. 
Meinong m. P), Deutsche Arbeit 13, 368/ 
71 (W. Schmied-Kowarzik)]; 39 [Viertel- 
jschr. f. wiss. Philos. u. Soziol. Bd. 40, 
141/60 (C. Siegel)]; 41 [Preufi. Jahrb. 
Bd. 169, 161/72 (A. Drews: J.s Natura- 
lismus)];45 [Studierstube 1711. 18, 177 bis 



191 (A. Messer: J.s Ethik i. ihrem Verh. 
z. Kantischen)]; 47 (Deutsche Rdsch., 
Okt. 1920, 128 (A. Riehl)]; 49 [Histor. 
polit. Blatter f. d. kath. Deutschland 168, 
232/41 (E. Vierneisel: Vom Unglauben 
eines Philosophen) ] ; 50 [Philos. Jahrb. d. 
Gorresges. 3$, 17/37 (M. Wittmann: Zu 
Fr. J.s Ethik)]; W^Borner: F. J. Gedenk- 
blatter (m. P). Rede Frankf . a. M. 1914; 
Marg. Jodl : F. J . Sein Leben und Wirken r 
dargest. in Tagebiichera u . Brief en. Stutt- 
gart n. Berlin 1920. 

Judelch,Therese, Landschaf tsmalerin (vene- 
zianische u. oberbayr. Motive) ; f Dresden 
im Dez., 83 Jahre alt. — VZ 22. XII. A.- 
A.; BMW 1, 629 (W). 

Jummerspach, Fritz, Architekt, o. Prof. d. 
landw\ Bauwesens a. d. Techn. Hoch- 
schule in Miinchen; * Ungar. Altenburg 
18. VII. 1858; f Miinchen 10. I. — VZ 12. 
I. M.-A.; MAZ 1914, 47; KTH 1914/15, 
I98;DBZ 1914,63; BZ 35 [Bayr.Heimat- 
schutz Jg. 12, S. 1 J. 

i&Kabisch, Richard, Schulrat i. Bromberg, 
pad agog. Schrif tsteller ; * Kemnitz b. 
Greifswald 1868; gef. in Flandern 30. X. 

— VZ 7. I. 15 A.-A.; KL 1914 u. BR 3, 
389 (W); ELK 1914, 1 190; KJ 191 5, 560; 
BZ 35 [Wiirtt. Schulwochenbl. 19 14, 
Nr. 50, Hannov. Schulztg. 19 14 Nr. 52 
(W. Miiller), Sachs. Schulztg. 1914 Nr. 46. 
Padagog. Warte 1914, S. 1277]; 36 [Pad- 
agog. Blatter 1915, 1 — 61; 37 [Neue 
Bahnen Jg. 26, 455; Padagog. Ztg. 191 5, 
Nr. 43 (Zwei Feldpostbriefe K.s)]; 40 
[Wiirttemb. Schulwochenbl. 191 7, 182 
(H. Jager: R. K. u. d. Einheitsschule)]. 

# Karnbach, Kurt, Dr. med.vet., o. Prof. a.d. 
Tierarztl. Hochschule in Berlin, stellvertr. 
Vorsitz. d. Tierarztekammer v. Branden- 
burg-Berlin, 2. Vors. d. tierarztl. Ges. zu 
Berlin; Dir. d. Poliklinik fur groBe Haus- 
tiere; f Bromberg Ende Oktober 37 Jahre 
alt an einer Krankheit, die er sich im 
Felde zugezogen. — VZ 1. XI. M.-A. 
(Trauerfeier), 2. XI. A.-A.; BZ 36 [Mo- 
natsh. f. prakt. Tierheilk. 191 5, S. 187/90 
(Frohner)]. 

Kahl, Adolf v., D. theol. t Geh . Oberkonsisto- 
rialrat; * KL Heubach 27. XI. 1846; f 
Miinchen i.VI. — Munch. -Augsb.Abdztg. 
4. VI.; VZ 2. VI. M.-A.; ELK 1914, 551; 
KJ 191 5, 560. 

Kappis, Albert, Landschafts- und Genre- 
maler, Prof., 1880 — 1904 Vorsteher d. 
Meisterateliers f. Landschaftsmalerei a. 
d.kgl. Akad.d.bild.Kiinste in Stuttgart. 

— *Wildberg2o. VIII. 1836, f Stuttgart 
8. IX. — Schwab. Merkur 10. IX.; WI7. 
804 (W); DZL704 (W); WJ 1914, V; 



292 



Totenliste 19 14: Katsch thaler — Klunzinger 



WN 1914, 169/178 (E. Gradmann) ; MS 2, 
309 (W); BMW i, 644/4S (W). 

Katschthaler, Johannes, Baptist, Dr. theoL, 
Kardinal, Fiirsterzbischof, friih. Prof. d. 
Dogmatik a. d. Univ. Innsbruck; M. d. 
H.-H. d. osterr. Reichsrats; Forderer 
christl. Musik. * Hippach i. Zillertal 29. 
V. 1832; f Salzburg 27. II. — W.: Theo- 
logia dogmatica catholica. — NFP 28. II.; 
VZ 28. II. A.-A. ; WI 7, 809 ( W) ; OR 38, 
VIII; KR 1914. 301 (W); Ber. ub. d. 
Studienjahr 191 3/14 d. Univ. Innsbruck, 
S. 30/32 (M. Hofmann) ; BZ 34 [Allg. 
Rdsch. 1914, Nr. 10 (Eckardt), Reichs- 
post 28. II. (Eckardt), Pels J. 17, H. 10 
(J. Moser)]. 

Kehrer, Ferdinand Adolf, Dr. med., Geh. 
Hofrat, em. o. Prof. d. Geburtshilfe a. 
d. Univ. Heidelberg, vorher in Giefien, 
u. Dir. d. Univ.-Klinik f. Geburtshilfe 
u. Frauenkrankheiten ; * Guntersbluin 
(Rheinh.) 16. II. 1837; fHeidelberg 16. VI. 

— W. : Lehrbuch d. operativen Geburts- 
hilfe.— VZ 17. VI. M.-A.; Wl7,8i5(W); 
HBL 3. 449 (W); PBL 848/49 (Pu. W); 
MMW 1914, 1432; DMW 1914, 1528/29 
(F. Frank m. P); K 426/27 (W) ; Zentral- 
bl. f. Gynakol. 38, 1049/53 (Stdckel); 
Gynakol. Rdsch. 8, 565 (Heil); BZ 35 
[Monatsschr. f. Geburtshilfe u. Gynakol. 
40, 143]; 36 [Gynaecologia Helvetica Genf 
14, 203 (W. Riibsamen)]. 

Keller, Friedrich, Historien- u. Genremaler, 
ehem. Prof. a. d. Kunstakadem. Stutt- 
gart; * Neckarweihingen 18. II. 1840; 
+ Abtsgmiind 26. VIII. — Schwab. Merkur 
27.VIII.; VZ 26. VIII. A.-A. ;DZIv7i 5/i6 
(W); WJ 1914, V; WN 1914* 154/67 (M. 
Diez); SKL 505; MS 2, }2o (W); Kchr. 
1914,618; BMW 1,671 (W);BZ 37 [Die 
Bucherwelt 13, 39/44 (S. Filchner)]. 

Kettner, Gustav, Dr. phil. t Literarhisto- 
riker, 1875 — l 9 l l Gymnas.-Prof.inSchul- 
pforta (deutsche u. klass. Philolog.). — 
* Magdeburg 29. X. 18^2; f Weimar 30. 1. 

— VZ 31. I. A.-A.; WI 7. 828 (W); KL 
1914, 868 (W); LE 16, 801; BZ 36, [Ecce 
d. Landessch. Pforta 19 14, 8 — -14]. 

KieBling, Alexius, Verlagsbuchhandler, Be- 
griinder des Landkartenverlages; * Pots- 
dam 14. VIII. 1841; f Berlin 31. X. — 
VZ 4. XI. M.-A.; BB 1914, 266. 

igi Kirchheim, Ludwig, Dr. med., a.o. Prof, 
d. inneren Mediz. a. d. Univ. Marburg u. 
Assistenzarzt a. d. med. Klinik d. Univ. 
Marburg; * Minden i. W. 1876; gef. b. 
Vitry9 IX. — VZ 10. X. A.-A. 11. 15. X.. 
A.-A.; MMW 1914, 2052/53 (M.Matthes). 

tgiKlauber, Ernst, Dr. phil., Privatdoz. d. 
Assyriologie a. d. Univ. Gottingen; * 



Wien 3. IV. 1887; gef- b. Troika im Gouv. 
Radom 8. X. — W.: Assyrisches Be- 
amtentum n. Brief en aus d. Sargoniden- 
zeit; Keilschrif tbrief e ; Politisch-religiose 
Texte aus der Sargonidenzeit. — VZ 3 1 . X. 
A.-A. u. 25. XI. A.-A.; UKS-S 191 5, 1, 
339; Chronik der Univ. Gottingen 1914, 
11/ 1 3 (vSethe). 

Klein, Hermann J., Dr. phil.. Prof., Astro- 
nom, Meteorologe u. Geophysiker, Dir. d. 
Priv. Stern warte u. Wetterwarte d. K61- 
nischen Ztg.; * Koln 14. IX. 1844; *f" 
Koln-Lindenthal 1. VII. — W.: Astro- 
nomische Abende; Allgem. Witterungs- 
kunde; Hrsg. d. Sirius, Jahrbuch der 
Astronomie und Geophysik. — VZ 4. VII. 
M.-A. ; WI 7, 845 (W) ; KL 1914, 888 (W) ; 
DRG 37, 88; PM 1914, 2, 83U. Taf. 31 (P) ; 
PF 756 (W); BZ 36 [Astronom. Nachr. 
199, 16 (H. H. Kritzinger), Vierteljschr. 
d. astron. Gesellsch. 49, 239)]. 

Kleinpetz, Pseudonym, f. Eduard Poetzl. 

*Kley, Karl, Dr.ing.h.c, Zivilingenieur in 
Bonn, beratender Ingenieur der Bergbau- 
ges. Vieille Montagne b. Aachen, * Mann- 
heim 1 83 1 ; f Bonn 19. X. — W. : Kleysche 
Wasserhaltungsmaschine. — ZVDI 758, 
1585 (C.Matschoss).BJ IS. 44/45 (CMat- 
schoss) . 

Kluge, Hermann, Dr. phil., Liter arhisto- 
riker, Geh. Hofrat, Prof. u. Bibliothekar 
d. herzogl. Landesbibliothek in Alten- 
burg; * Ehrenhain (S. — A.) 11. III. 1832; 
f Altenburg 25. IV. — W.: Gesch. d. 
deutschen Nationalliteratur. — JB 11, 108 
u. 13, 171; WI 7.856 (W); KL 1914.898 
(W); DZL 748 (W), LE 16, 1232. 

Klunzinger, Karl Benjamin, Dr. med. t Dr. 
rer. nat. h. c, friih. o. Prof. d. Anthropo- 
logic, Zoologie u. Hygiene a. d. Techn. u. 
Tierarztl. Hochschule in Stuttgart, For- 
schungsreisender, * Giiglingen (Wiirttb.) 
18. XI. 1834; f Stuttgart 21. VI. — W.: 
Die Korallentiere des Roten Meeres; Die 
Fische des Roten Meeres; Die Rundkrap- 
pen d. R. M.; Bodenseefische, deren 
Pflege u. Fang. — Schwab. Merkur 23. VI. ; 
VZ 23. VI. M.-A.; WI 7, 856 (W); KL 
1914. 899 (W); DZL 748/49 (W); DRG 
37, 88 (W); WJ 1914, IV; PM 1914, 
2, 23 u. Taf. 10 (P); KTH 1914/15, 198; 
WN 1914, 122/31 (K.Lampert);K 452/53 
(W) ; PF 763 (W) ; Berl.Tierarztl.Wochen- 
schr. 30, 436 (SaBdorf) ; Zoolog. Annalen 
6, 223 — 303 (KL: Erinn. a. m. Leben als 
Naturforsch. u. Arzt z. Kofnir a. Roten 
Meer m. P), ebd. S. 304/1 1 (Bibliogr. der 
Schriften KLs) ; BZ 39 [Dr. G. Jaegers 
Monatsbl. f. Lebenskde. 1916, 44 (K. E. 
Endrifi)]. 



Totenliste 1914: Knauff — Kopp 



293 



Knauff, Max, Stadtbauinspektor, vorher 
Privatdoz. f. Bauing.-Wiss. a. d. Techn. 
Hochschule Berlin; * 5. III. 185 1; f 
Hermsdorf b. Berlin 13. XII. — VZ 17. 
XII. A.-A.; KTH 191 5/16, 204; K 453/54 
(W). 

Kn6tel, Richard, Prof., Schlachtenmaler; * 
Glogau 12. I. 1857; f Berlin 26. IV. — 
VZ 27. IV. A.-A.; X 99 (P) ; IZ 1914. 1, 
1004 (v. Bremen m. P); WI 7, 861 (W); 
Uberall 16, 646/47 (v. Bremen) ; SKI, 5 16; 
MS Nachtr. 167; MZ 1914, 317; BZ 34 
[Daheim Nr. 31J; 37 [Mitt. d. Gesch.- u. 
Altert.-Ver.z.Liegnitz,5.Heft(P.Knotel)]. 

K6chy, Otto, Geh. Reg.-Rat, o. Prof. f. Lo- 
komotivbau- u. Eisenbahnbetriebslehrea. 
d. Techn. Hochschule Aachen; * Berlin 
24. VI. 1846; + Berlin-Wilmersdorf 1. IX. 
— VZ 3. IX. M.-A.; KTH 191 5/16, 204. 

* Koepping, Karl, Radierer u. Maler, Prof., 

seit 1890 Leiter d. Meister ateliers fiir 
Kupferstich u. Radierung a.d. Berl. Akad. 
d. Kiinste, Mitgl. und Senator d. Kgl. 
preufl. Akad. d. Kiinste; * Dresden 24. 
VI. 1848; tTegel 16. VII.— VZ 17. VII. 
M.-A.; 20. VII. A.A. (Beisetzung) ; Berl. 
Tagebl. 27. III. 15 (D. Hitz) ; IZ 1914, 
2, 170/72 (P und W); WI 7, 877/78 (W); 
DZL 782 (W); KU 1914. 55^; SKL 528; 
MS 2, 372/73 (W); BMW 1, 743 (W). 
BJI S. 45—48 (A. Amersdorffer). 

Kdrte, Friedrich, Dr. med. t Geh. Sanitats- 
rat, Senior d. deutschen Arzte; * Aschers- 
leben 16. I. 18 18; f Berlin 4. II. — VZ 
5. II. M.-A.; T32 (P); WI 7, 880; BKW 
1914, 287; MMW 1914, 330; DMW 1914, 
344; Berl. Arztekorrespondenz 19. Jg., 
S. 3$ (Stoter, P. Friedlander) ; BZ 36 
|Ecced.Landessch.Pforta 1914, 14 — 1 7) J. 

K6rte, Walter, Dr. Geh. Oberbaurat, vor- 
trag. Rat i. Minist. d. offentl. Arbeiten, 
verdient urn Leuchtfeuer- und Seezeichen- 
wesen. — * Flatow 13. II. 1855; j* Berlin 
8. V. — VZ 10. V. M.-A.; ZB 1914. 
296/97 (Roloff m. P). 

KoMhaas, W 7 ilhelm, Dr., dtsch. General- 
konsul i. Moskau, Kenner der wirtschaftl. 
Verhaltnisse RuBlands; f Berlin 8. V. — 
Schwab. Merkur 13. V. (G. Egelhaaf); IZ 
1914, 1, 1231; WJ 1914, IV; WN 1914, 

255. 

# Kohlrausch, Fritz Ludwig, Dr. phil., a.o. 
Prof. d. Radiumkunde u. Vorst. d. Ra- 
diuminstituts a. d. Bergakad. Freiberg 
i. Sa.; EK II, Leutn. d. R.; * Hannover 
1879; gef. h. La Bassee im Nov. — VZ 
14. XI. M.-A. u. A.-A.; MMW 1914,2299; 
L 1915. 3 2 ; BZ 36 [Zentralbl. f. Rontgen- 
strahlen, Radium u. Verw. VI, 5]. 

Kolltl, Louis, Prof., Landschafts-u. Schlach- 



tenmaler, friih. Dir. d. Kasseler Kunst- 
akademie. — W.: Fahrt d. Gr. Kurfiir- 
sten auf dem frischen Haff (Zeughaus in 
Berlin). — * Tilsit 15. IV. 1845; f Berlin 
25 . vil. — WI 7, 887 (W); DZL 769 (W); 
T 175 (P): SKL 518; MS 2, 376 (W); 
BMW 1, 733/34 (W). 

Kopfermann, Albert, Dr. phil., Prof., Ab- 
teilungsdirektor a. d. Musikabt. d. Kgl. 
Bibliothek Berlin, Musikschrif tsteller ; 
* Dortmund 15. 1. 1846; f Berlin -Lichter- 
felde 29. V. — T 132 (P); IB 12, 118 u. 
13, 171; WI 7. 889; R 580 (W); R 671; 
AMZ 1 914, 908 und 926/27 (G. Schiine- 
mann) ; MWB 1914, 348/49 (B. Schrader) ; 
BZ 34 [Neue Zeitschr. f. Musik, 348 (Br. 
Schrader)). 

* Kopp, Georg v., Dr.theol., Kardinal, Fiirst- 
bischof v. Breslau, Mitgl. d.preuB.Staats- 
rats u. schles. Landtags sowie d. dsterr. 
Herrenhauses, Ehrenmitgl.d.Gesellsch. d. 
Wiss. z. Gottingen ; * Duderstadt (Hann.) 
25. VI. 1837; f Troppau (Bohmen) 4. III. 
— VZ 4. III. M.-A. u. A.-A.; Tag 5. III. (M. 
Erzberger), Nationalztg. 4. III., Hann. 
Courier 4. III., Tagl. Rdsch. 3. III., Koln. 
Volksztg. 4. III., Dresd. Anz. 5. III., Post 
4. III., Munch. N. Nachr. 10. III. (War 
K. Kandidat der Tiara?), Neue Ziirch. 
Ztg. 6 III., Hamb. Nachr. 1 1. III. (K. u. 
d. Zentrum), Tagl. Rdsch. 5. III. (A. W. 
Muller: Nach d. Tode *des deutschen 
Papstes«), Frank. Courier 12. III. (70 
Jahre preuB.-dtsche. Kirchenpolitik. Z. 
Tode d. Kard. K.), Rhein-Westf. Ztg. 

4. III. (Gut katholisch u. gut deutsch.) 
Hamb. Fremdenbl. 10. III. (Hilfstele- 
graphist Gg. K.); T 54 (P) u. 58 (Bei- 
setzung); iz 1914, 1, 459 (P); wi 7. 889 
(W); DZL 780; OR 38, VIII; KR 1914* 
TL; Die Hilfe 1914, 165/66; JSG 92, 
I, 19/23 (Jungnitz); Anzeiger f. d. ges. 
kath. Geistl. d. Diozese Breslau 1914, S. 
25/26; BZ 34 [Die Bergstadt Jg. 2, April, 

5. 45 (P. Keller), Daheim Nr. 24, Heimat- 
land 10. 98 (Ph.Egert); Hochland, Mai, 
S. 237, Marz 21./3., S. 422 (Spectator 
alter), Die Wartburg Nr. 11 (Markwart), 
Die Grenzboten Nr. 19 (F. Schnabel: K.s 
Bedeutung f. d. polit. Katholizismus in 
Deutschl.)]; 35 [Siiddtsche.Monatsh.April 
1914, 158 (C. Jentsch; G. K. u. d. Krisis 
d. Katholizism.), Unser Eichsfeld 1914, 
165/74 (G.H.Daub), ebd. 1915, 129/37 
(G. H. Daub)]; 36 [Caritas 19, 201; 
Christl. Freiheit 30, 1 1 (P. v. Hoens- 
broech)]; 39 [Zeitschr. d. Ver. f. Gesch. 
Schlesiens 50, 295/308 (F. X. Seppelt), 
309/26 (J. Jungnitz)]. BJI, S. 48— 58 
(F. X. Seppelt). 



294 



Totenliste 19 14: Konnann — Lagin 



igi Kormann, Karl, Dr.jur., Prof., Privatdoz. 
d. Staats- u. Verwaltungsrechts a. d. Univ. 
Berlin, Landesassessor d. Prov. Branden- 
burg. — * Obenndrlen (Hessen) 29. X. 
1884; gef . im Osten 28. VIII. — VZ 18. IX. 
A.-A.; UKS-S 191 5, 1, 339; Archiv f. 6. 
R- 33* 352 (v. Piloty); BZ 35 [Akad. 
Bl. 29, 207 (K. Matzmann), Preufl. Ver- 
waltungsbl. 36, 2 (K. Wolzendorff)J. 

Koschat, Thomas, Komponist u. karntneri- 
scher Volksdichter (Verf. des Karntner- 
liedes » Verlassen bin it), k. k. Hofkapell- 
sanger, Ehrenmitgl. d. k. k. Hofoper u. 
Domkapelle. — * Viktring b. Klagenfurt 
8. VIII. 1845 ; f Wien 19. V. — W. : Dorf- 
bilder aus Karnten ; 1 40 Koinpositionen ; 
6 dramatische Werke. — - Leipz. Volks- 
ztg. 8. X. (Aus Th. K.s Leben)]; NFP 
20, V., Grazer Tagbl. 20. V. (K. Krobath 

• Verlassen*) ;Ti I9(P);IZ 1914, i, 1 176/77 
(P); WI 7, 893 (W); KL 1914. 934 (W) ; 
DZL 788 (W); BR 4, 78 (W); AMZ 
1914, 884; NTA 191 5, 180/81; BW 16, 
2, 284; LE x6, 1304; R 673 (W); 
Heimgarten 1914, 851/60 u. 926/35 (K. 
Krobath); BZ 38 [Das dtsche Volkslied 
18,13 (K. Liebleitner: Th. K., Lose Ge- 
danken iiber d. Karntnerlied)]; Max 
Morold : Das Karntner Volkslied u.Th. K. 
1895; O. Schmid: Th. K. 1887; C. Kro- 
bath: Th. K. 1912. 

♦Koser, Reinhold, Dr.phil., Prof., Wirkl. 
Geh. Oberreg.-Rat, Historiker, General- 
direktor d. Kgl. preuB. Staatsarchive u. 
Dir. d. Geh. Staatsarchivs. Vorsitzender 
der Zentraldirektion der Monuuienta 
Germaniae historica, Ritter des Ordens 
Pour le mirite fur Wiss. und Kiinste, 
korresp. Mitglied der bayr. Akad. d. 
Wiss. u. ^d. k. k. Akad. d. W. in Wien, 
o. Mitgl. d. preuB. Akad. d. Wiss. 

* Schmarsow b. Prenzlau 7. II. 1852; 
f Berlin 25. VIII. — W.: Gesch. Fried- 
richs d. GroBen; Gesch. der brand. -preuB. 
Politik.— VZ26.VIII.M.-A.U.3.X.A.-A.; 
T201 (P); NFP 26. VIII. A.-A.; IZ 1914, 
2 » 394 (P); IAW 191 5, 142 (E. Marcks); 
WI 7. 894 (W); KL 1914. 934 (W); LE 
17, 62; DE 13 TL; HZ 113, 700 u. 1 14, 
65/87 (O. Hintze); K 484 (W); HV 17, 
595/98 (E. Salzer); Forsch. z. brand, u. 
preuB. Gesch. Bd. 28, 191 5, S. 285/310 
(M. Klinkenborg m. Bibhogr. d. Schriften 
K.s); ebd.: SB d. Ver. f. Gesch. d. Mark 
Brandenb., S.1/6 (Hintze, Bailie u.Tangl) ; 
Neues Archiv 39, 767/70 (M. Tangl) ; Al- 
man. d. k. Akad. d. Wiss. Wien 65, 1915, 
S.452/S5 O. Redlich); Abhandl. d. Kgl. 
preuB. Akad. d. Wiss., Jg. 1915, phil.-hist. 
Kl. Beiheft: Gedachtnisr. auf R. K. (Otto 



Hintze); BZ 35 [Akad. BL 29, 190 (H. v. 
Petersdorf f ) ] ; 36 [Hohenzoilernjahrb. 18, 
166—73 (G. B. Volz)]. BJI S. 58—64 (G. 
B. Volz). 

Kraehe, Ludwig, Dr. phiL, Literar historiker, 
Redakteur der »Grenzboten t, Mitherausg. 
d. Jahresber. f. neuere dtsche. Literatur- 
gesch;* Berlin 12. VI. 1879; f das. 22. VI. 
— W.: C F. Cramer bis z. d. Amtsent- 
hebung. — VZ 23. VI. A.-A.; WI 7, 896 
(W); KL 1914. 940 (W); Grenzboten 73, 
2, 529; LE 16, 1448. 

Kremser, Eduard, Komponist, Ehrenchor- 
meister des Wiener Mannergesangvereins ; 
Bearbeiter altniederlandischer Volkshe- 
der;* Wien 10. IV. 1838; f das. 26. XI.— 
NFP 27. VI. A.-A. (Nachruf) u. 28. VI. 
M.-A.. 30. VI. A.-A. (Beisetzung) ; VZ 
28. VI. M.-A.; OR 41, VI; R 680; (W) 
MWB 1914, 564. 

Kretschmar, Felix, Oberhofprediger, Gene- 
ralsuperintendent u. Oberkonsistorialrat 

a. D. ( EK. II v. 1870; * Kothen 28. V. 
1835; f Meran 19. III. — VZ 27. III. 
A.-A.; DZL8o4(W); KJ 1915. 561. 

18 Kriegsmann, Hermann, Dr. jur. t o. Prof, 
d. Straf- u. ProzeBrechts a. d. Univ. Tu- 
bingen; * Wandsbek 13. VI. 1882; gef. 

b. Esternay 6. IX. — VZ 17. IX. A.-A.; 
KL 1914. 959 (W); DJZ 19. 1 191/22 
(Goldschmidt) ; WJ 19 14, IV; UKS-S 
1915, 1, 340; WN 1914, 168/69 (A. Heg- 
ler) ; BZ 35 [Zeitschr. f . d. ges. Strafrechts- 
wiss. 36, 85 — 102 (M. Liepmann)J. 

Kronecker, Hugo, Dr. tned., o. Prof. d. Phy- 
siol, a. d. Univ. Bern; * Liegnitz 27. I. 
1839; f Bad Nauheim 6. VI. — Berner 
Bund 8. VI.; VZ 7. VI. M.-A. T 13s 
(P); WI 7, 917 (W); HBL 3. 555/56 
(W); PBL 917/18 (W); BKW 1914, 11 56 
u. 1250/51 (J. R. Ewald); MMW 19 14, 
1629/31 (P. Heger); DMW 1914, U37/38 
(A. Loewy m. P.); K 502 (W) ; BZ 35 
[Schweiz. Archiv f. Tierheilkde. 56, 388 
(Guillebeau) ; Korrespond.-Bl. f . Schweiz. 
Arzte 44, 848]; 36 [Verhandl. d. schweiz. 
naturforsch. Ges. 19 14 I Nekr. 54/81 (H. 
Sahli)]. 

Klintzel, Oskar, Dr. jur. h. c. t Unterstaats- 
sekr. i. Justizminist. a. D., Wirkl. Geh. 
Rat, Pras. d. Disziplinarhofs f. nicht- 
richterl. Beamte; * Meseritz 26. IX. 1S34; 
f Berhn 1 5 . I V. — VZ 1 5 . IV. A.-A. ; WI 
7, 930; DJZ 19, 608/09 (Lucas). 

Kummert, Joachim, friih. Biirgermeister v. 
Kolberg, fortschrittl. Parlamentarier, 
1873—79 M. d. A.; * Mieste 17. XII. 
1834. — VZ 31. III. M.-A.; WI 7, 935. 

Lagin, J. v, (Deckname f. Josephine Marie 
v. Jeiagin). 



Totenliste 1914: Lang — Lesker 



295 



Lang, Arnold, Dr. phil., Dr. rer. not. h. c, o. 
Prof. d. Zoologie u. vergl. Anatomie a. d. 
Univ. Zurich u. a. d. Techn. Hochschule; 
* Oftringen (Kt. Aargau) 18. VI. 1855; 
f Zurich 30. XI. — W.: Lehrb. d. vergl. 
Anatomie d. wirbellosen Tiere. — Neue 
Zurch. Ztg. 3. XII. (Gedachtnisfeier) 
u. 4. XII. u. ff. (Hescheler); WI 7, 
950/51 (W); KL 1914. 994 (W); Sozialist. 
Monatsh. 1915,45/46; K 523 (W) ; BZ 35 
[Schweiz. Lehrerztg. Nr. 50]; 36 [Univ. 
Zurich, Festgabe z. Einweihung d. Neu- 
bautena. 18. IV. 1914 Zurich 1914,45/52; 
Wissen u. Leben VIII, 319/25 (J. Win- 
teler)]; 37 [Vrtjschr. d. naturforsch. Ges. 
in Zurich 60, 1 — 22 (K. Hescheler)] ; Verh. 
d. schweizer. naturforsch. Ges. I Nekr. 1 
bis 31 (K. Hescheler) m. Bibliogr. d. W. 

Langwerth v. Simmern, Heinrich Frhr., Herr 
auf Wichtringhausen u. Landringhausen, 
1880 — 90 M. d. R. (Welfe); * Hannover 
15. XI. 1833; f Wichtringhausen 20. IX. 

— W. : Osterr. u. d. Reich im Kampf m. 
d. franz. Re vol. ; Aus meinem Leben. — 

— VZ21.XI. M.-A.; WI7, 957 (W); FT 
1910, 422; HPA 1887, 183. 

* La Hermann, Heinrich, Dr. phil., klass.Phi- 
lologe u. Altertumsforscher, Oberlehrer 
in Potsdam, Privatdoz. f. Architektur a. 
d. Techn. Hochschule Berlin; * 20. V. 
1882; gef. 6. VIII. — VZ 22. IX. A.-A.; 
NFP 12. IX. M.-A.; KTH 1915/16, 204; 
Kchr 1914, 638/39. 

Lauterhammer, Johann, Dr. phil., Prof. 
Griinder d. dtsch. Stenographenbundes 
Gabelsberger ; f Pasing b. Miinchen 
10. IV., 82 Jahre alt. — BZ 34 [Korresp.- 
Bl. Amtl. Zeitschr. d. stenograph. Inst. z. 
Dresden, S. 122 (R. Helmrich)J. 

Lehmtnn, Rudolf, Zivilingenieur, Forderer 
d. Deutschtums, der Technik u. d. Bil- 
dungswesens in Japan, Vors. d. dtsch. 
Gesellsch. f. Natur- u. Volkerkunde Ost- 
asiens. — * Oldenburg 15. X. 1842; -J- 
Tokio 4. II. im 72. Lebensj. — Frankf. 
Ztg. 10. II. (L.Riefi: R. L., ein deutscher 
Kulturpionier in Japan) ; VZ 9. II. M.-A. 
u. 14. II. A.-A.; IZ 1914, i, 460 (P), 462; 
DRG 36, 329; PM 1914. 1. 145 u- 212; 
Otto Schmiedel, die Deutschen in Japan, 
1920; G. Michaelis, Fiir Staat und Volk. 
1922. 

Lehmann- Filh6s, Rudolf, Dr. phil., o. Hon.- 
Prof. d. Mathem. u. Astronom. a. d. Univ. 
Berlin, Schriftfuhrer d. Astronom. Ges., 
Lehrer a. d. Kriegsakademie ; * Berlin 
12. IV. 1854; f das. 30. V. — VZ 4. VI. 
A.-A.; DRG 37.88; K 534/35 (W) : PF 
860 (W). 

Lehmer, Wilhelm, Geh, Oberbergrat, Mitgl. 



d. herzogl. Anhaltischen Regierung, Abt. 

d. Innern, Vortr. Rat in bergtechn. An- 

gelegenheiten beim St aatsmin is terium ; 

* Gerbstadt i. Mansf elder Seekreis 23. V^ 

1835; f Dessau 9- IX - — ZVDI 58, 1613 

m. P. 
Lehndorff, Georg Graf, friih. preuB. Ober- 

landstallmeister u. Leiter d. Kgl. Haupt- 

gestiits Graditz; * Grofl-Streinort, Kr. 

Angerburg 4. XII. 1833; f Berlin 30. IV. 

— W. : Handb. f . Pferdeziichtung. — VZ 

1. V. M.-A.; Hamb. Fremdenbl. 2. V.; 

T 103 (P); WI 7, 976/77; GT 1915, 543; 

BZ 34 [Daheim Nr. 32, Deutsche landw. 

Presse Nr. 36]. 
tgiLempp, Otto, Lie, Dr., Privatdoz. d. 

system. Theologie a. d. Univ. Kiel ; * Ober- 

Ifflingen (Wiirtt.) 15. III. 1885; gef. b. 

Gyzice 13. XII. — VZ 29. XII. M.-A.; 

WJ 1914. V; UKS-S 1915. 1. 339; WN 

1 9 14, 222/30 (O. Planck) ; Chron. d. Univ. 
Kiel 1914/15, S. 10; BZ 37 [Christl. Welt 

191 5, Nr. 33 (Troeltsch)]. Vollbehr-Weyl, 
Professoren u. Dozenten des Christian- 
Albrechts-Univ. Kiel. S. 22. 

Leo, Friedrich, Dr. phil., o. Prof. d. klass. 
Philologie a. d. Univ. Gottingen, Mit- 
herausg. d. » Hermes «; * Regenwalde 10. 
VII. 185 1 ; f Gottingen 15.I. — W.:Ge- 
schichte der rom. Literatur. — VZ 15. I. 
A.-A. ; WI 7, 985 (W) ; KL 1914, 1029 (W) ; 
DZL861 (W); UKS-S 1 914. 1. 342; Inter- 
nal Monatsschr. f . Wiss. Kunstu. Techn. 
19 14, 994/1008 (E. Frankel) ; K 540 (W) ; 
HV 17, 312; Nachr. v. d. Ges. d. Wiss. z. 
Gottingen, Geschaftl.Mitteil. a.d. J. 1914, 
S. 75 — 96 (P. Wendland); BZ 34 [Neue 
Jahrb. f. d. klass. Altertum 1. Abt., S. 297 
bis 316 (M. Polentz)]. 

Lerche, Julius, Geh. Justizrat, 188 1 — 90 
Mitgl. d. Reichst. u. 1893 — 9$ M. d. A. 
(deutsch-freis.) ; * Nordhausen 14. V. 
1836; f das. 29. VI. — VZ 29. VI. A.-A.; 
HPA 1887, 184/85. 

Leser, Emanuel, Dr., a.o. Prof. d. Staats- 
wissensch. a. d. Univ. Heidelberg; * 
Mainz 26. IX. 1849; f Heidelberg Ende 
Mai. — W\ : Unters. zur Gesch. d. Nat.- 
Okon. — IZ 1914. M231; WI 7,988 (W); 
KL 1914. 1032 (W); K 541 (W); BZ 35 
[Allg. Ztschr.f.d. Judentum 1914, Nr. 3^]. 

Leser, Josef, 1907 — 191 2 Mitgl. d. Reichst. 
f. Wahlkr. W r iirttemberg (Zentr.), Mit- 
begr. d. wiirttemb. Zentrumspartei ; * 
Neubaumgarten 4. II. 1846; f Neu- 
hausen auf den Fildern 10. V. — WI 7, 
988; RH 191 2, 308 u. 476 (P); WJ 1914, 
IV; WN 1914. 257. 

# Lesker, Hans, Maler, Mitgl. d. Miinchner 
Sezession u. Lehrer a. d. Kunstschule in 



296 



Totenliste 19 14: Levy — Lichtwark 



Stuttgart; * Miinchen 23. XI. 1879; gef. 

i. d. Argonnen b. Avocourt 23. IX. — KU 

30, 79/80; WN 1914, 270. 
Levy, s. Rodenberg. 
Lewald, Felix, Dr. jur. t Wirkl. Geh. Ober- 

finanzrat, Pras. d. kgl. Generallotterie- 

direktion, vortrag. Rat im Finanzministe- 

rium; Fachschriftsteller; * Berlin 12. XI. 

1855 ;f 11. X. — VZ 13.X.A.-A.U. 17.X. 

A.-A. (Beisetzung) ; DZL 868/69; T 243 

(P). 
Lexis, Wilhelm, Dr. pkil. tt rer. pol. t Geh. 
Oberreg.-Rat, friih. o. Prof. d. Staats- 
wissenschaften a. d. Univ. Gottingen; 
Mitgl. d. kgl. Ges. d. Wiss. in Gottingen; 
Forscher u. Schriftsteller auf d. Gebiete 
d. Volkswirtschaft, Sozialpolitik u. Sta- 
tistik, Mitherausg. d. Jahrb. f. National- 
okon. u. Statistik sowie des Handworter- 
buchs der Staatswissensch., EK. II am 
weiften Bande; * Eschweiler (Rheinprov.) 
17. VII. 1837; f Gottingen 24. VIII. — 
W.: Die franzos. Ausf uhrpramien ; Ge- 
werkvereine und Unternehmerver bande 
in Frankreich. — VZ 27. VIII. M.-A.; IZ 
1914, 2, 394 (P) ; WI 7, 994 (W) ; KL 1914. 
1037 (W); DZL 871 (W); AF 52, 384; K 
546/47 (W); Chron. d. Univ. Gottingen 

1914, S. 7 — 10 (K. Oldenberg); Staats- 
wiss. Lit.- u. Schriftst. Kal. i, 1904, S. 
165/66 (W) ; Jbb. f.Nationalokon. u. Stat. 
Bd. 103, 1914, 3. H., (vorS. 305); BZ 35 
[Jahresber. d. dtsch. Mathemat.-Vereinig. 
23, 314 (F. Klein), Wissen u. Leben VII, 
94 (P. Gygax: Zwei Nationalokonomen)]; 
36 [Ztschr. f. d. ges. Versich.-Wissensch. 

191 5, 117 — 123 (L. v. Bortkiewicz)]. 
Lichtenberg, Julius v., Direktor d. Wiirttb. 

Vereinsbank, Geh. Reg.-Rat; * Berlin 31. 
X. 1 845 ; f Stuttgart 29. III. — WI 7, 996 ; 
WJ 1914. HI; WN 1914, 253. 
* Lichtwark, Alfred, Dr. pkil.. Prof., seit 
1886 Direktor d. Kunsthalle in Ham- 
burg; * Reitbrook b. Hamburg 14. XI. 
1852; f das. 14. I. — W.: t)bungen in 
der Betrachtung von Kunstwerken; 
Die Erziehung des Farbensinns; Die 
Seele und das Kunstwerk; Makart- 
bukett u. Blumenstraufl; Auswahl seiner 
Schriften besorgt v. W. Mannhardt, mit 
Einleit. v. Karl Scheffler, 2 Bde., Ber- 
lin 1917. (Darin Bd. II, 451: Verz. d. i. 
Buchhandel erschienenen Schriften L.s) ; 
Briefe Ls an die Kommission f . Verwal- 
tung der Kunsthalle in Auswahl heraus- 
gegeben v. G. Pauli. 2 Bande 1923. — 
VZ 14. I. A.-A. (K. Scheffler); T 14 (P) 
u. 20 (M. Liebermann); IZ 1914, 1, 1 53 
(G. Biermann m. P) ; WI 7, 997 (W) ; KL 
j 9 i 4i 1039 (W); OR 38, 235—40 (K. 



vSchef fler) ; MAZ 1914, 42; KU 1914, 233/ 
35 (H. E. Wallsee m. P) u. 306/08 (H. E. 
Wallsee, A. L.s Erbe) ; Internat. Monats- 
schr. f. Wiss., Kunst und Techn. 1914, 
757/61 (v. Scherer); KW 27, 2, 231/2; 
Kchr 1 91 4, 397 (L.-Feier); NS 191 3/14, 
190/91 (J. P. d'Ardeschah m. P) ; HV 17, 
312; HN 14. I., DanzigerZtg. 15. I. (R. 
Brenne), Berl. Tagebl. 14. I. (F. Stahl), 
HC 14. I., HF 15. I., Dtsche. Tagesztg. 

16. I. (Ls Person lichk.), Frank. Courier 
15. I., Norddtsche. Allgem. Ztg. 16. I. 
(A. Suflmann-Ludwig) ; FZ 20. I. (G. 
Pauli), HC 17 I. (W. H.Dammann), ebd. 

17. II. (H. Haring); NFP 16. I. (Erinn.) 
HN 22 A.-A. (14. I.); Nr. 28 (2. Beil.) 
17. I. (Trauerfeier), Nr. 124 9. III. (Ge- 
dachtnisfeier d. Hamb. Lehrerschaft), 
Nr. 86 v. 17. II. (Hugo Haring) BZM 
Nr. 13 v. 16. I. (M. Osborn: Der Deutsche 
d. Zukunft); HC Nr. 500 v. 1. X. 1911 
(Gustav Schiefler: A. L. zu Ehren), 
Nr. 68 v. 7. II. 14 (Gedenkfeier v. d. 
Ges. Hambg. Kunstfreunde) , Nr. 24 v. 
14. I. (Nachruf), Nr. 29 v. 17. I. (Wal- 
ter H. Dammann), Nr. 30 v. 17. I. 
(Trauerfeier); TR (Unterh.-Beil.) Nr. 12 
v. 1 5. 1. (W T illy Pastor) ; Kieler Ztg. Nr. 25 
M.-A. v. 16. I. (Graf Vitzthum) ; BZ 33 
[Cicerone V, 624J; 34 [Cicerone VI, 59 
(H. Friedeberger, G. Biermann), Daheim 
Nr. 17, Geisteswiss. 1. Jg. 484 (W. Waet- 
zold), Hochland, Marz 762 (F. Hoeber), 
Kunst u. Kiinstler 241 (A. Goldschmidt), 
Kunstchronik Nr. 18 (W. v. Seidlitz), Der 
Kunstwart 27. Jg. Febr. 231 (F. Avena- 
rius), Hamb. Monatsschr., 1. Jg. 3 (W. 
v. d. Schulenburg) , Repertorium f. Kunst- 
wiss. 37. Bd. 54 (Koetschau), Sachs. 
Schulztg. Nr. 13 (Sturm), Samann 81/86 
(C. Gotze), Die Tat 11 56 (J. P. d'Arde- 
schah), Christl.Kunstbl. f. Kirche, Schule 
u. Haus 185/90 (A. L-, Vater der Kunst- 
erziehung), Padag. Reform 38, Nr. 4 (F. v. 
Borstel, J . Loewenberg, H. Wolgast) , Nr.7 
(L. Gurlitt, Pers. Erinn. an A. L.)l; 35 
[Deutsche Kunst u. Dekoration 33, 
486; Kunst u. Kiinstler XIII, 51 (Aus 
L.s: Der Deutsche der Zukunft)] ; 36 [Die 
literar. Ges. Hamburg, 1. Heft 10 — 20 
(G. Pauli: L.s Briefe an d. Kommission 
f. d. Verw. d. Kunsthalle) ; Leipz. Lehrer- 
ztg. 22 Nr. 13 (RoBger, D. Deutsche 
der Zukunft)]; 37 [Stader Archiv, N. F. 
4. H., 227 (Jiirgens)]; 41 [D. literar. Ges. 
Hamburg III, 217/28 (G. Schiefler: A. L. 
u. d. Hamb. Hausbibliothek) ] ; 42 [Ztschr. 
f. bildende Kunst 53, 147/53 (M. Lehrs: 
A. L., Briefe)]; 43 [Westermanns Mo- 
natsh. Aug. 1918, 532/38 (A. v. Zeromski, 



Totenliste 1914: Lieben — IJpps 



297 



A. L.s Berliner Studienjahre)]; 44 [Die 
Tide II, 567/73 u. Ill, 51 1/16 (H. Zeeck, 
L.s literar. Tatigkeit)); 45 [Kunstchronik 
54, 785/91 (C. G. Heise: Ls Erbe)]. Erich 
Marcks: A. L. u. sein Lebenswerk, Leipz. 
1 9 14; ders. in Velhagen & Klasings Mo- 
natsh. 1914, 625/30 (A. L. wieder abge- 
druckt in Marcks t Manner u. Zeiten« 
Bd. II) ;u. Bd.38, 1923/24, 510/17 (A.L.s 
Reisebriefe) ; G. Pauli, Einleitung zu L.s 
Briefen an s. Kom mission 1923; A. v. 
Zeromski: A. L., ein Fiihrer z. dtschen 
Zukunft, Jena 1924. BJI S. 64 — 67 (G. 
Pauli). 

Lieben, Adolf, Dr. phil., em. o. Prof. d. 
allg. u. pharmazeut. Chemie a. d. Univ. 
Wien, Mitgl. verschied. Akad. d. Wiss. 11. 
d. osterr. H.-H.; * Wien 3. XII. 1836; f 
das. 7. VI. — W. : Synthese v. Alkoholen 
m. gechlortem Ather; Synthese d. nor- 
malen primaren Alkohole; Aldehyde u. 
Sauren. — VZ 8. VI. A.-A.; NFP 25. 
VI. (S. Zeisel); IZ 1914. 1320 (P); 
LAW 191 5. 1 14/15 (Wieland); WI 7, 
998 (W) ; OR 39, VIII; K 548/49 (W) ; PF 
883/84 (W) ; BZ 35 [Chemikerztg. 38, 829 
(S. Zeisel), Allg. Ztg. d. Judentums 19 14, 
28 (F. Kanter)]; 36 |Osterr. Chemikerztg. 
1914, 164 (A. Bauer: Erinn. e. alten 
Freundes) , Lotos Naturw. Zeitschr . 62 , 2 1 4 
(R. O. Herzog)]; 38 [Ber. d. dtsch. che- 
misch.Gesellsch 49, 885/92]; Festschrift 
A. L. z. 5ojahr. Doktorjubil. u. z. 70. Geb. 
gew. 1906: S. 1 — 20 (A. L. Erinn. an 
meine Jugend- und Wanderj.), S. 21 — 87 
(S. Zeisel: A. L.s wissensch. Tatigkeit), S. 
88 — 94 (Verz. d. Publikationen A. L.s), 
S- 95 — 1 18 (Verz. d. Arbeiten, welche aus 
d. v. A. L. geleit. Laboratorien hervorgeg. 
sind); Alman. d. k. Akad. d. Wiss. Wien 
'9i5» 33 2 /39 (G- Goldschmidt m. P) ; Atti 
delta accade mia delle science di Torino Bd. 
50, S. 7/15 (L. Balbiano, L'opera scienti- 
fica di A. L. in Italia). 

Liebenau, Theodor v.. Dr. phiL, Leiter d. 
schweiz. Stadtarchivs, Historiker; * Lu- 
zern 3. XII. 1840; f das. im Mai. — 
Neue Ziirch. Ztg. 19. V.; WI 7, 998; 
KL 1914, 1040 (W); HZ 113, 472; HV 
17, 463; BZ 35 [Anzeig. f. schweizer. 
Gesch. 1 9 14, 168/93 (W r eber: Literar. Ar- 
beiten von Th. v. L.), Ztschr. f. schweizer. 
Kirchengesch. VIII, 234/38 (Weber)]; 36 
[Der Geschichtsfreund 69, XXXIV (H. 
Weber)]; 40 [Anzeig. f. schweizer. Gesch. 
48, 571. 

Liebermann, Karl, Dr. phil., Dr.ing. h.c, 
friih. o. Hon. -Prof. d. organ. Chemie a. d. 
Univ., zugleich Prof. a. d. Techn. Hoch- 
schule Berlin, Geh. Reg.-Rat; * Berlin 



23. II. 1842; f das. 28. XII. — VZ 28. XII. 
A.-A. u. 31. XII. A.-A. (Trauerfeier) ; 
NFP 29. XII. M.-A. u. 30. XII. M.-A.; 
WI 7, 999 (W) ; KL 1914. 1041 ; DZL 875/ 
76 (W); UKS-S 1915, 1. 338/39; KTH 
1915/16, 204; K 549/50 (W); PF 885/86 
(W); L 191 5, 48; Ansprachen b. d. hausl. 
Trauerfeier f. K. L. a. 31. XII. 19 14 von 
Prof. Dr. Willstadter, Prof. Dr. Jakob- 
son, Prof. Dr. E. Beckmann (Zur Erinn. 
anK.L.) Berlin [191 5]; BZ 36 [Chemiker- 
ztg. 39, Nr. 27 (A. Bistrzycki), Allg. Ztg. 
d. Judentums 191 5, Nr. 6]; ^y (Leopoldi- 
na 1915, 48]. 

Liechtenstein, Heinrieh, Prinz v. u. z., Mit- 
glied d. osterr. Herrenhauses, FiirstgroO- 
prior; * Budapest 16. XI. 1853; f Tulln 
16. II. — HK 1915. 42; OR 38, VII; 
W 7 oche 1914, Nr. 31 (E. Dietrichstein) . 

tgs Lie dke, Alfred, Landschaftsmaler, Schuler 
Eugen Brachts, Motive aus Potsdam; * 
Pfaueninsel b. Potsdam, 2. I. 1877; gef. 
b. Laon. — T 290 (P); KU 191 5, 160; MS 
Nachtr., 189. 

Lier, Hermann Arthur, Dr. phil., Prof., 
erster Bibliothekar d. kgl. offentl. Biblio- 
thek in Dresden; Kunstrefer. d. Dresdner 
Nachr.;* Herrnhut 1. II. 1857; -J- Dres- 
den-Radebeul 8. II. — VZ 9. II. A.-A.; 
IZ 1914, 1, 345; JB 12, 122 u. 13, 171; 
W T I 7, 1002 (W); KL 1914. 1044 (W). 

#Liman,Otto,Dr.,polit.Redakteurd.»Tag« 
u. » Berliner Lokalanzeigers «, militarwiss. 
Schrif tsteller ; * Kempen (Posen) 24. VII. 
1875; gef. in Frankreich 30. X. — W.: 
Aufklarung u. Sicherung vor der Front d. 
Kavallerie; Krieg wegen Marokko?; 
Aim. d. Mil.-Lit. — WI 7, 1004/05 (W) ; 
KL 1914. 1046 (W); LA 1909. 63 (W). 

Lindenau, Kurt v., Generalleutnant, Gou- 
verneur v. Metz, militar. Schrif tsteller ; 
* Gotha 30. V. 1856; f Trier 22. II. — 
VZ 23. II. A.-A.; WI 7, 1007/08 (W); UT 
1916, 490; MZ 1914, 154; BZ 35 [Auf 
Vorposten 3, 275/80]. 

Linke, Friedrich, Prof. d. Chemie u. Leiter 
d. chem. Laboratoriums a. d. Kunst- 
gewerbeschule u. Dozent a. d. Akad. d. 
bild. Kiinste in Wien, Reg.-Rat, Erfin- 
der d. Linkeschen Emails u. Farben; * 
Budapest 1854; f Kladrup a. d. Elbe 12. 
X. — VZ 24. X. A.-A.; Osterr. Chemiker- 
ztg. 191 4, 249 (E. Adam). 

tgi Lippe, Prinz Friedrich Wilhelm zur, Oberst 
u. Kommandeur d. Inf. -Reg. 74; * Neu- 
dorf 16. VII. 1858 ; gef. vor Luttich 6.VIII. 
— VZ 19. VIII. M.-A.; IZ 1914, 2, 314 
(P); WI7, A 14; HK I9I5.44- 

Llpps, Theodor, Dr. phil., o. Prof. d. Philos. 
a. d. Univ. Miinchen, o. Mitgl. d. bayr. 



298 



Totenliste 19 14: Loeb — Lons 



Akad. d. Wiss., bedeut. Psychologe u. 
Asthetiker; * Wallhalben (Rheinprov.) 
28. VII. 185 1 ; f Miinchen 17. X. — W.: 
Leitfaden der Psychologie; Asthetik, 
Psychologie des Schonen u. d. Kunst. 
Hersg. d. Psych. Untersuchungen — VZ 
18. X. M.-A.; Miinch. N. Nachr. 20. 
X. (Al. Fischer), Frankf. Ztg. 16. X. 
(M. Geiger), Berl. Tagebl. 23. XI. (W. 
Schumann), Dresdn. Anz. 1. XI., Neue 
Ziirch. Ztg. 23. II. 15 (E. v. Aster) ; IAW 
1915,69 — 80 (0. Kiilpe) ; WI 7, 1015 (W); 
KL 1914. 1058 (W); DZL 892/93 (W); 
MAZ 1914, 63o(W);UKS-S 191 5, 1. 340; 
Sozialist. Monatsh. 191 5, 49; D. neue 
Rd.schau 1914, 1752/53 (E. Bloch: Th. L. 
als moralische Erscheinung) ; KW 28, 1, 
152/53 (W. Schumann); K 557 (W); LE 
17, 250; BZ 35 (Ztschr. f. padagog. Psy- 
chol. 1 9 14, 503/07 (Al. Fischer)); 36 [Ar- 
chiv f. d. ges. Psycholog. 34, 1 — 13 (G. 
Anschiitz), Zeitschr. f. Psychol. 71, 429 
(E. v. Aster), Ztschr. f . Asthetik X, 68/73 
(M. Geiger, Zur Erinn. an Th. L.)J. 

Loeb, Oswald, Dr. med., Prof., Privatdoz. d. 
Pharmakol. a. d. Univ. Gottingen; * Bad 
Diirkheim (Pfalz) 31. XII. 1880; verun- 
gluckt bei Metz 14. X. — W.: D. Phar- 
makol. d. Jodprapar.; Experiment. Ar- 
teriosklerose. — VZ 20. X. A. -A. u. 21. X. 
A.-A.; UKS-S 1915, 1. 339; MMW 1914* 
2158 (Penzoldt); DMW 19 14. S. 1920; 
Chron. d. Univ. Gottingen 19 14, 10/ n 
(Lichtwitz) ; BZ 36 [Archiv f . experim. 
Pathologie u. Pharmakol. 78, 3, H. I — X 
(W. Heubner)]. 

tgj* Ldns, Hermann, niedersachs. Dichter u. 
Schriftsteller (Zoologie, Feuilleton. Kunst, 
Volkswirtschaft) ; * Kulm (Westpr.) 29. 
VIII. 1866; gef. vor Reims 26. IX. — W.: 
Mummelmann; Der letzte Hansbur; Der 
Werwolf; Das zweite Gesicht; Von Ost 
nach West ; Selbstbiographie, Berl. ( 1 92 1 ) . 
— VZ 8. X. A.-A.; NFP 20. X. M.-A.; 
Hann. Courier 7. X.. 8. u. 20. X. (E. 
Beckmann), Tagl. Rdsch. 10. III. 1 «; 
(F. Bley),; VZ 18. VIII. 1 <; (R. H. 
Bartsch); WI 7, 1023 (W); ~KL 1914* 
1066 (W) ; BR 4, 298 u. 8, 244 (W) ; KR 
1914, 380 (W); Die Hilfe 1914, 70^/06 
(K.Huber);KW28, 1, 100/01 ;NSi9i4/i5, 
35/36 (P); GA 1915, 122; BW 16, 2, 494; 
LE 17, 188; Jahrb. d. neuer. dtsch. Lit. 
I, 88 [Hermann Lons-Kalender. Hrsg. v. 
Friedr. Castelle. (Jg. 1) Warendorf 1922 
(Fr. Castelle: Mit H. L. auf Reisen. Er- 
inn. S. 20/22. Theodor Heuermann: H. 
Lons u. d. Volkslied S. 24 — 28. H. L. iiber 
Wilh. Busch. Lons' unveroffenti. Ge- 
dichte); Deutsche Tagesztg. 1921 Unt.- 



Beil. 454 (Petzsch: Z. Ged. v. H. L. 
Nordd. Rdsch. 1921, 359 (Joh. Gerdes) ; 
Heidefreund 1920, 1, 1 — 9 (Albert 
Schmidt), Niedersachs. Heimatb. 3, 67 bis 
76 (Heinr. Eggersgliefl) ; Dusseld. Nachr. 
1 92 1, 78/79 (H. Sgeitkamp: Erinn. a. H. 
L) ; Elis. Lons-Erbeck: H. L., Dortmund 
1 921; Koln.Ztg. 1 92 1, 559 (H. Sarnetzki: 
tfber H. L.) ; Rhein. Westf. Ztg. Kunst 
usw. 97, 104 (Joh. Sg. Sprengel) ; Bad.- 
Bad. Buhnenbl. 1, 111/12 S. 37; Hellweg 
1, 2 S. 32 (W T . Breves: H. L. u. Svend 
Fleuron) ; Hohenfeuer 1920/2 1, 7, S. 3 1/32 
(Hans Gafgen : H. Ls Jugenddichtungen ; 
Miinst. Anz. 192 1, Unt.-Beil. 21 (W. Dei- 
mann : Bern. z. H. L.s miinsterischer Zeit) ; 
Wilhelm Schenkel: H. L.s tZweites Ge- 
sicht «. Eine Studie, Berhn 1 92 1 .] — BZ 3 5 
(Blatter f . Aquarien- u. Terrarienfreunde 
25, 617; D. schone Literatur, Beibl. z. 
liter. Zentralbl. 1914, 353 (R. Dohse); 
Unsere Heimat, Blatter f. d. Munster- 
land 1914, 253; Kosmos 1914, 490 (K. 
Floericke;) Das Land 23, 58 (R. Dohse); 
Konserv. Monatsschr. 72, 149 — 58 (W. 
Rath); Niedersachsen 20, 35; Hann. 
Schulztg. 1914, Nr. 43 (G. Kohne)!; 36 
[Der Biicherwurm 191 5, 266 (H. Duve) ; 
Eckart 9, 95/99 (G. Kohne) ; Die Heimat, 
Kiel 191 5, 54 (H. Duve); Hochland 191 5, 
741 (H. Nordeck); Nachrichtbl. d. dtsch. 
malokozool. Geseilsch. 47, 1 (P. Hesse) ; 
Westmunsterland I, 286 (J. Francke) ; 
Heimgarten 39, 283 (K. Bienenstein) 1 ; 
17 (Neue Bahnen 26, 527 (H. Koser), 
Blatter f. Naturschutz I, S. 4 (O. Kar- 
rig) ] ; 38 (Hannoverland 1916, 60 (In d. 
Lonsheide)]; 39 [Schaffende Arbeit u. 
Kunst in d. Schule (Prag) 4, 489 (M. 
Brinkmann: H. L. als Erzieher), LE 
19, 338 (K. Huber: H. L. als Tier- 
dichter), Hannoverland 19 16, 158 bis 
164 (W. Spickernagel) ; Thiir. Lehrerztg. 
1916, 451/54 (O. Eberhard), Hann. Schul- 
ztg. 1 916, 425 (L. Bate); Westmunster- 
land III, 177 (M. Herbert), Zeitschr. f. d. 
dtsch. Unterr. 1916, 612/18 (W. Rose); 
Weserland 7, 83 (Krone: Gedachtnisfeier 
f. H. L. a. 29. VIII. 16 z. Hannover)]; 
40 (Hist, polit. Bl. 159, 845/58 (N. Biih- 
ler) ; Protestantenbl. 191 7, 422 (E. Heide- 
mann-Mohring) ) ; 41 (Deutsche Schul- 
praxis 191 7, 246 (R. Tropel, H. L. ein 
Fiihrer z. bewuBt. Deutschtum)); 42 
(Neuphilol. Bl. 25, 101 (K. Mews, H. L., 
d. Dichter), Padagog. Warte 1918, 327 
(W. Duggen: Verwertung L.scher Er- 
zahlungen im Unterricht) ] ; 43 (Nieder- 
sachsen 24, Nr. 1 (K. Kalde: H. L.s Grab 
gefunden) ; S. 366 (M. A. Tonjes: Letzte 



Totenliste 191 4: Lowe — Liity 



299 



Ruhestatte v. H. L), ebd. (Die Hauser 
von Ohlenhof, Roman e. Dorfes von 
1,6ns)] ; 44 [Annalen f. soziale Politiki9i4, 
Nr. 5]; 45 [Die Tide III, 154/58 (J. 
Klicke), Die zweisprachige Volksschule 
1919, 88/93 (Deubner; Mehr L. in d. 
Schule!), Weserland 19 19, 13 (Gedachtnis- 
mal.), Kriegsztg. d. Festg. Borkum, Ausw. 
a. 2 Jahrgangen, Berlin 191 7, 101/05 
(Rohde), 105/10 (W.Spickernagel, Kriegs- 
tagebuch)]; 46 [Fiihrerztg. f. d. dtsch. 
Wandervogelfiihrer 1917/18, H. 4, 58/59 
(R. Schapke u. D. Gerlach), Heidefreund, 
2. H. 1/9 (Alb. Schmidt), Heimatschutz- 
chronik IV, 8/1 1 (B. Flemes), Heimatbil- 
dung 1, H. 6, S. 14 (H. L.s Nachlafl), 
Niedersachsenbuch IV, 127)]; 47 [Allg. 
Rd.schau 17, 522 (A.Muller), Akad. Turn- 
ztg. 1920, 83 (W.Kliitsch, Th. Hiibbe: 
H. L. in Greifswald), Heimatbl. d. roten 
Erde I, 150 (W. Deimann: H. L. u. West- 
falen)]; 48 [Jahrb. d. Thiir. Vereinig. f. 
Heimatpflege 192 1, 35/38 (Deutsche Hei- 
matdichter H. L-) S. 39 (Ein L-Abend 
in Jena)] ; 49 [Mitt. d. Landesver. f .sachs. 
Heimatschutz 10, 194 (E. Scharein: H. L. 
als Jager), Niedersachsen 27, 57 (Einweih. 
d. L- -Stein a. d. Wietzeberg b. Miinden 
25. IX. 21)]; 50 [Biicherwelt 19, 73/78, 
105/107 (F. Wippermann: Lons-Biicher. 
Ein Uberblick iiber die Schriften von u. 
iiber H. L. [darin S. 77, Anm. 1 : Samml. 
v. Lons-Kompositionen]), Jahrb. d. Thiir. 
Ver. f. Heimatpflege 1922, 43/45 (J. 
Beute: Nachtrage z. Lons-Literatur), 
Niedersachsisches Heimatbuch 3, 67 (H. 
EggersgliiB), Hellweg II, 190/96 (W. Dei- 
mann, D. junge L. in literar. Selbstbildn.)] 
Traugott Pilf : H. L. der Dichter (m. 4 P), 
Jena 1916; R. Lons: Die Lonssche Art, 
Hannover 1918; Lons-Gedenkbuch, 9. 
Aufl., Hannover 19 18 (darin u. a. Selbst- 
biogr. S. 209/23); Ernst Bock-Letter: 
Lons-Anekdoten, Hann. 191 8; H. Schau- 
erte: H. I,., Sein Leben, s. Schaffen u. s. 
Werke, Dortmund 19 19; B. Elsberg: 
Kurze Wiirdigung d. Bedeutung H. Ls, 
Munchen 1919; W. Spickernagel : H. L. 
u. unsere Zeit, Leipz. 1919 ( =» Zeilen- 
bucherei 33) ; Swaantje Swantenius: H.L. 
u. d. Swaantje, Berlin (41. — 50. Taus.) 
1 921; El. Lons-Erbeck: Meine Erinn. an 
H. L., Dortmund 1921 ; Wilhelm de Witt: 
H. L,., Der Dichter, d. Mensch, d. Freund, 
Warendorf 1922; Wilhelm Deimann: H. 
h., sein Leben u. Wirken, Teil i, Dort- 
mund 1 92 1 ; Castelle : Lons - Kalender 
1922 ff. BJI, S.67— 69 (W.Stammler). 
Ldwe, Ludwig, Dr. tned., bek. Berliner 
♦ Ohrenarzt, Kampfer f. freie Arztewahl i. 



d. Krankenkassen ; * Berlin 1 1. III. 1844; 
f das. im Dez. — VZ 28. XII. A.-A. ; K. L. 

1914, 1076 (W); PBL 1037 (W); MMW 

1915, 40; DMW 1915, 52. 

LoBberg, Otto v., Kapit. a. D., Herausgeber 
u. Chefredakteur der Militarpolit. Kor 
respondenz; * Hanau 23. IX. 1866; f Ber- 
lin 21. VII. — VZ 23. VII. M.-A.; WI 7, 
1033 (W); KL 1914, 1073 (W); LE 16, 
1591. 

igi Lofinitzer, Max, Dr. phil., Direktorialassi- 
stent a. Dresdener Kupferstichkabinett, 
Herausgeber d. Werke d. Monogram- 
misten Hans Leinberger; * Riesa a. E. 
8. XI. 1887; gef. i. Sept. — W.: Veit 
Stofl. — VZ 3. X. M.-A.; KU 1915. 79- 

L.OSSOW, William, Prof., Architekt u. Direkt. 
d. Dresdner Kunstgewerbeschule und 
Kunstgewerbemuseums, Geh. Hofrat, 
Miterbauer d. Leipz. Hauptbahnhof s ; 
* Glauchau, 21. VII. 1852; f Heidelberg 
24. V. — VZ 25. V. A.-A.; IZ 1914, 1. 
1218, 1221 (P); WI 7, 1033; DBZ 1914, 
490; Kchr. 1 9 14, 542; BZ 35 [Kunst- 
gewerbeblatt 25, 200]. 

Louis, Rudolf, Dr. phil. t Komponist und 
Musikschrifts teller, Referent d. Miinchn. 
N. Nachr.; * Schwetzingen 30. I. 1870; 
f Munchen 15. XI. — W.: Die Weltan- 
schauung Richard Wagners; Die deutsche 
Musik d. Gegenwart. —Miinchn. N. Nachr. 
16. XL; VZ 16. XL M.-A.; WI 7, 1035 
(W); KL 1914. 1075 (W); DLZ 902 (W); 
R 759 (W); AMZ 1914, 1253; MWB 1914, 
547; LE 17, 381; BZ 35 [Neue Musikztg. 
36, 59 (O. Kiihn)]; Musik 1914, Nr. 5 
(E. Istel). 

Lucius v. Ballhausen, Robert Frhr., zu- 
erst Arzt, dann Landwirt, 1879 bis 
1890 preuCischer Landwirtschaftsmini- 
ster, seit 1895 M. d. H., 1870 — 79 
M. d. R., 1870 — 93 M. d. A. (freikons.), 
EK. II; * Erfurt 20. XII. 1835 ; t Sc^ ** 
Klein-Ballhausen b. StrauBfurt 12. IX. 
— W.: Bismarck-Erinnerungen, Stutt- 
gart u. Berl. 1920; Selbstbiogr., hrsg. 
v. Hellmuth Frhr. Lucius v. Stoedten, 
Gorlitz 1 92 1 [teilw. aus: Dtsch. Rdschau 
1921]. — T2i7(P);HA 1886,245; WI 7. 
1037; HH 191 1, 341; DZL 905; HPA 
1877, 192; DMW 1914, 1768; BZ 35 [Die 
Grenzboten 1920, Nr. 42/43, S. 92 (F. 
Hartung), Nord u. Siid, Sept. 1920, 327 
(K. E. Imberg)]. 

Ltlty, Fritz, etatsmafi. Prof. u. Vorsteher d. 
Instituts f. anorganisch-chemische Tech- 
nologic a. d. Techn. Hochsch. Breslau, 
Mitbegr. u. Mitgl. d. Vorstandes d. »Ver- 
eins deutscher Chemikert, 1898 — 1905 
dereti Geschaftsfiihrer; * Koln 23. VL 



300 



Totenliste 19 14: Magnus — Meili 



1857; f Breslau 5. III. — KTH 1914/15, 
1 98 ; Ztschr. f . angew. Chemie 27, I, S. 1 37 
(m. P), III, S. 367/68 (A. Lange m. P). 

Magnus, Paul, Dr.phil., Geh. Reg.-Rat, a.o. 
Prof. d. Botanik a. d. Univ. Berlin ; * Ber- 
lin 29. II. 1844; f das. 13. III. — VZ 13. 
III. A.-A.; IZ 1914, 1, 564/65 (P); KL 
1914, 1098; K 581/82 (W); BZ 34 [Myko- 
log. Zentralbl. "iV, 173 (C . Wehmer) ] ; 36 
[Ber. d. dtsch. botan. Gesellsch. 32, 
32 — 63 (G. Lindau)]. 

Malapert-Neufvllle, Marie Konstanze Frei- 
frau v. (Deckname Konstanze Heister- 
bergk), Schrif tstellerin ; * Pirna 25. XI. 
1840; j- Dresden 10. XI. — W. : Schlichte 
Geschichten a. d. Volke f. d. Volk; Feier- 
stunden der Seele; Aus meinem Leben 
(1909). — WI 7, 1060 (W); KL 1914. 1 101 
(W) ; FT 1917. 599; BR 4, 35<> (W) ; PY 2, 
9/10 (W); LE 17, 381. 

Nanz,Heinrich, Kommerzienrat, Fabrikbes. 
i. Bamberg, 1907 — 1912 M. d. R. (freis.) ; 

* Amorbach (Unterfr.) 24. XI. 1852; 
f Bamberg 16. II. — WI 7, 1066; RH 
1907, 318 u. 503 (P); Frank. Courier 19. 

II. (Trauerfeier). 

•Martens, Adolf, Dr. ing. h. e. f Prof. Geh. 
Oberreg.-Rat, Dir. d. Kgl. Materialprii- 
fungsamtes z. Gr.-Lichterfelde [friih. 
xnechan. -techn. Versuchsanstalt] u. Do- 
zent an der Techn . Hochschule Charlot- 
tenburg, Mitgl. d. Kgl. preuB. Akad. d. 
Wiss., Inh. der Grashoff-Denkmiinze; 

* Backendorf bei Hagenow (Meckl.) 6. 

III. 1850; f Berlin 24. VII. — W.: Hand- 
buch der Materialpriif ungskunde ; Hrsg. 
d. Mitt. a. d. Materialpriif ungsanstalt 
Lichterfelde. — VZ 27. VII. M.-A. u. 29. 
VII. M.-A.; IZ 1914. 2,276 (P); WI 7, 
1073 (W); KL 1914, 1112/13 (W); DZL 
931 (W); St.u.E. 19 1 4, 1393/95 (E-Heyn 
m. P); KTH 1915/16, 204; DBZ 1914, 
597/98; ZB 1914, 468; W 1914, 1 301 (P), 
ZVDI 58, 1914. S. 1369 (m. P.) Zeitschr. 
f. angew. Chemie 27, I, S. 513; Hinrieh- 
sen: Das Materialpriif ungswesen 191 2; 
Monatsbl. d. Berl. Bez.-Ver. dtsch. 
Ingenieure 1914, S. 157/59 (Dietrich m. 
P), S. 205/6 (Leyde); FZ 16. VIII. 14 
M.-A.; Chemiker-Ztg. 38, 1914, S. 1005/09 
(F. Hinrichsen) ; BZ 35 [Dinglers polyt. 
Journal 95, 512, Mitt. a. d. Materialprii- 
fungsanstalt 32, 337]; 36 [Geschichtsbl. f. 
Technik, Industrie u. Gewerbe 1915, 42 
(Horwitz)J; Zeitschr. f. osterr. Ing.- u. 
Archit.-Ver. 1914, 697 (E. Reitler); The 
Engineering and Alining Journal 1914, 
S. 277; The Iron Age 1914. S. 353 (m. P). 
BJI, S. 69—71 (M. Rudeloff). 

Marty, Anton, Dr. phiL, em. o. Prof, der 



Philos. a. d. Univ. Prag (deutsche Univ.), 
Hofrat, korr. Mitgl. d. k. Akad. d. 
Wiss. Wien; * Schwyz 18. X. 1847; 
f Prag 1. X. — W.: Uber den Ur- 
sprung der Sprache; Die gesch. En t wick- 
lung d. Farbensinnes; Unters. z. Grund- 
legung d. allg. Gramm. u. Sprachphilos. — 
VZ 3. X. M.-A. u. 5. X. A.-A.; NFP v X. 
M.-A. u. 7. X. A.-A.; WI 7, 1077 (W) ; 
KL 1914. 1 1 1/ (W); K 588 (W); LE 17, 
189; Aim. d. k. Akad. d. Wiss. Wien 65, 
435/41 (A. v. Meinong); Deutsche Arbeit 
14,356/58 (O.Kraus). 

Massow-Parnehren, Ludw. v., Ritterguts- 
bes., Reichstagsabg. f. Wahlkreis Labiau. 
Wehlau 1898 — 1907 u. 1912 — 1918 (kons.). 
Oberst a. D.; * Stargard (Pomm.) 26. I. 
1844; f Parnehren 5. VI. — T 21 (P) u. 
133 (P): WI 7, 1080; UT 1916. 562; 
DZL 936; RH 191 2, 316/17 u. 460 (P) 

* Mauser, Peter Paul v., Dr. ing. h. c, Geh. 
Kommerzienrat, Konstrukteurd. Mauser- 
gewehres mit s. Bruder Wilhelm, Mitbegr. 
u. Generaldir. d. Waffenfabr. Mauser A.- 
G., M. d. R. 1898 — 1903 (nat.-lib.), In- 
haber d. Grashoff-Denkmiinze; * Obern- 
dorf a. Neckar 27. VI. 1838; *}* das. 29. V. 
— T 125 (M. Erzberger) u. 127 (P); VZ 
29. V. A.-A.; IZ 1914, 1. 1224 (P); WI 7, 
1085; RH 1898, 230; WJ 1914, IV; WN 
1914, 256; MZ 1914, 367/68; ZVDI 58, 
S. 1073 m. P; BZ 35 [Zeitschr. f. d. ges. 
SchieB- und Sprengstoffwesen 1914, 253, 
276 (E. Neumann), Schutz u. Waffe VII, 
361. 383]. BJI, S. 72/73. 

Mayhoff,KarlFriedrich, Dr.phiL, Prof., em. 
Direkt. d. Nikolai-Gymnasiums Leipzig, 
verdient um Handschriftenfrage u. Text- 
gestaltung d. enzyklopadischen Werkes 
des alteren Plinius; * Neustrelitz 20. II. 
1841 ; f Dresden 3. VIII. — VZ 13. VIII. 
A.-A.; WI 7, 1090 (W); KL 1914, 1130 
(W); LE 16, 1722; BZ 37 [Ber. d. sachs. 
Gymnasiallehrervereins 1914/15 , 104 
(Bernhard)l. 

Meier, Robert, techn. Leiter d. Ges. d. L- v. 
Rollschen Eisenwerke; * Barschwil bei 
Solothurn 25. XII. 1850; f Gerlafingen 
(Schweiz) 4. VII. — St. u. E. 34, 1364 
(m. P.) 

Meili, Friedrich, Dr. jur., o. Prof. d. inter- 
nal Privatrechts, d. modernen Verkehrs- 
rechtsu. d. vergl. Rechtsgesch. a. d. Univ. 
Zurich, Pras. d. Kassationsgerichtshofes: 
* Hinwil (Kant. Zurich), 2. IV. 1848; 
•j- Zurich 5.I. — W. : Das internat. Privat- 
u. ZivilprozeCrecht a. Grund d. Haager 
Konventionen; Lehrb. d. internat. Straf- 
u. StrafprozeBrechts. — Neue Ziirch. 
Ztg. 20. I. (A. Egger), ebd. 3. II. (P. 



Toteniiste 1914: Meister — Morawetz 



301 



Meyer v. Schauensee: F. M. u. s. Be- 
deutg. f. d. Rechtswiss.) ; VZ 16. 1. M.-A.- 
WI7, 1096 (W): KL 1914, 1137/38 (W); 
DJZ 19. 212/13 (E.Huber);UKS-Si9i4; 
2 . 559; Zeitschr. f. internat. Recht 24, 
367/7 1 (J . Kauf mann) ; Zeitschr. f . V61- 
kerrecht, 1914, 187/91 (J. Kohler) ; Arch, 
f. Rechts- u. Wirtscb.- Philos. 7, 381/83 
(P. Meyer v. Schauensee) ; BZ 34 [Schwei- 
zer Juristenztg. 10, 252 (A. Egger); 
Schweiz. Zeitschr. f. Strafrecht 27, i|. 

§1 Meister, Eckard, Dr. jur. t a.o. Prof, f, 
dtsch. Rechtsgesch. u. dtsch. Privatrecht 
a.d. Univ. Basel, EK. II; * Leipzig 19. X. 
1885; gef. b. Ypern 8. XI. — VZ 23. XI. 
A.-A.; DJZ 19, 1358; HZ 1 14, 236; UKS-S 
1915. 2, 549; HV 17, 587/88; BZ 36 
[Rhein. Zs. f. Zivil- u. Prozeflrecht VI u. 
VII, 15 1]; 38 [Zs. d. Savignystiftung f. 
Rechtsgesch. germ. Abt. 36, LVI (H. 
Planitz)J. 

Mentzel, Elisabeth, geb. Schippel, Schrift- 
stellerin; * Marburg a. Lahn 1848; 
f Frankfurt a. M. 18. II. — W.: Gesch. 
d. Schauspielkunst in Frankfurt; Frau 
Rat; Wolfgang u. Cornelia Goethes 
Lehrer; Romane: Die Maienkonigin. — 
KL 1914. "49 (W); BR 4. 43* (W); PY 
2. 34/35 (W); LE 16, 944; BZ 34 [.Alt- 
Frankfurt V, 119 (R. Jung); Personlich- 
keit, Monatsschr. f. leb. u. geistesgesch. 
Forsch. 1 (1914), 207/1 1 (E- Stilgebauer) J . 

Metzger, Friedrich Wilhelm, M. d. R. seit 
1890 (soz., Wahlkr. Hamburg 3), Jour- 
nalist; verdient um Hebung des Standes 
der Seeleute ; * Ketzin a. Havel 9. V. 1 848 ; 
f Hamburg 8. XL — VZ 9. XI. M.-A.; 
WI 7, 1 1 10 AF 52, 452; RH 1912, 320 
u. 515 (P). 

igi Meyer, Ernst, Oberforster, M.d. A. (kons.) ; 
* Kummersdorf, Kr. Tel tow 3. X. 1869; 
gef. ostl. Kriegsschauplatz 23. XI. — VZ 
29. XI. M.-A.; HA 1914, 408 u. 478 (P). 

Meyer, Felix, Geiger, Schuler Joachims, 
langj. Mitgl. d. kgl. Kapelle, kgl. Kam- 
mervirtuose; * Berlin 5. II. 1850; f das. 
3.X. — VZ6. X.A.-A.; AMZ 1914, 1192; 
R (7. Aufl.), 714; MWB 1914, 515. 

Meyer, Richard Moritz, Dr. phil. f Literar- 
historiker, a. o. Prof. d. dtsch. Sprache u. 
Literatur a. d. Univ. Berlin; * Berlin 
5. VII. i860; f das. 8. X. — W.: Deutsche 
Lit.-Gesch. i. 19. Jhd.; Altgerm. Reli- 
gionsgesch. — VZ n. X. (A. Klaar) u. 
12. X. M.-A. (Trauerf eier) ; NFP 9. X. 
M.-A.; Neue Zurch. Ztg. 13. X., Frankf. 
Ztg. 18. X. (G. Witkowski) ; WI 7, n 18 
(W); KL 1914. ^65 (W); DZL 960 
(W); MAZ 1914, Nr. 41; UKS-S 191 5. 
i> 339; D- neue Rd.schau 1914, i6n/r2 



(M. Jacobs); K 615 (W); LE 17, 188; 
Chron. d. Univ. Berlin; BZ 35 [Schau- 
biihne 19 14, Nr. 45 (E. Ludwig: Erinn. an 
R.Meyer)). 

Meyer, Robert, Dr. jur., Geh. Rat, 1910/11 
u. 191 3/14 Pras. d. k. k. statistischen 
Zentralkommission u. 191 1 osterr.Finanz- 
minister, Hon.-Prof. a. d. Univ. Wien; 
* Wien 8. I. 1855; f das. 10. VI. — W.: 
Die Prinzipien der gerechten Besteue- 
rung; Das Wesen d. Einkommens; Das 
Zeitverhaltnis zw. d. Steuer u. d. Ein- 
kommen u. s. Teilen. — NFP 11. VI. u. 
16. VI. (R. M.s Personlichkeit im Amte) ; 
WI 7, 1 118 (W); KL 1914, 1 165 (W); 
PM 1914, 2, 23; K 615 (W); Zeitschr. 
f. volkswirtschaftl. Sozialpolit. u. Ver- 
waltung 23, 199/204 (E. Plener); BZ 
35 [Dtsch. statistisches Zentralbl. 19 14, 
215 (W. Hecke)]; 36 [Finanzarchiv 32, I, 
77—87 (E. H. Vogel: R. M. u. sein Wir- 
ken auf d. Gebiete d. Finanzwissensch.) ] ; 
l^ [Zeitschr. f . volkswirtsch. Sozialpolitik 
u. Verw. 23, 99/104 (E. Plener)]. 

18 Meyer-Betz, Friedrich, Dr. med., Privat- 
doz. d. innerenMediz. u. Oberarztd. mediz. 
Klinik a. d. Univ. Konigsberg; * Heil- 
bronn; gef. b. Apremont i. d. Argonnen 
25. IX. i. Alter von 33 Jahren. — VZ9.X. 
A.-A.; WN 1914, 270; MMW 1914, 2086 
(Neubauer) u. 2298/99 (Schittenhelm) . 

Michaelis, Karl Theodor, Dr. phil. t Geh. 
Reg.-Rat, Stadtschulrat in Berlin, Pad- 
agoge u. Philosoph; * Berlin 10. V. 18^2 ; 
f das. 21. XI. — VZ 22. XI. M.-A." 1, 
23. XI. M.-A. u. 26. XI. M.-A. (Trauer- 
feier); BZ 35 [Zeitschr. f. Gesch. d. Er- 
ziehung u. d. Unterr. 1914, 255 (G. El- 
linger)]; 36 [Das humanistische Gym- 
nasium 1915, 41/46 (M. C. P. Schmidt: 
Stadtschulrat C. M. u. d. human. Gym- 
nasium)]. 

(gi Michaelsen, Heinz, Dr. phil., Assistent am 
Inst. f. Meereskunde in Berlin. Nach s. 
Aufzeichnungen ira. Kampfe gegen die 
Hereros schrieb Gustav Frenssen seinen 
Roman % Peter Moors Fahrt nach Siid- 
west«; * Meldorf (Dithm.) 13. VIII. 1882; 
gef. b. Koeknijt (Flandern) 28. X. — VZ 
9. XI. A.-A. u. 10. XI. A.-A.; DRG 37, 
191; PM 1915, 3ou.Taf. 11 (P); GZ 1914, 
646; GA 1915. 57; h 1915- 36. 

Morawetz, Karl Ritter v., Pras. d. Anglo- 
osterr. Bank; f in Wien 13. I. — NFP 
13. I.; BZ 34 [Monatsbl. d. wissensch. 
Klubs in Wien 35, 19). 

igj Morawetz, Max, dtsch. -radikaler Ab- 
geordn. d. bohm. Landtags, Lehrer in 
Falkenau, hervorr. Mitgl. d. Schulkom- 
mission; |an d. Folgen s. Verwundung 



302 



Totenliste 19 14: Morgenstern — Nietner 



in Krakau im Dez.— VZ 19. XII. M.-A.; 
BZ 36 (Mitteil. d. nordbohm. Vereins f. 
Heimatforsch. 38, 52 (K. v. Zimmer- 
mann)]. 
* Morgenstern, Christian, Lyriker, Musik- 
u. Kunstschrif tsteller ; * Miinchen 6. V. 
1871; f Meran 31. III. — W.: Galgen- 
lieder; Palmstrom; Einkehr; Stufen; 
Gingganz; Ubers. v. Ibsenschen u. Strind- 
bergschen Dramen . — Neue Ziirch . Ztg .11. 
IV. (E. Jaeger), Hamb. Nachr. 16. VIII. 
(R.Walter) ; Tag 7. II. 1 5 (H. Benzmann : 
C. M.s letzte Gedichte); VZ 1. IV.A.-A. 
(Montyjacobs) ; IZ 1914, 1 , 770 ; WI 7, 1 145 
(W) ;KL 1914,1 190 (W);DZL983/84(W); 
BR 5, 30 (W); Sozialist. Monatsh. 1914, 
523/24; D. neue Rd.schau 1914, 694/96 
(H.Mhe) ; Die Hilfe 19 14, 291/93 (J. Bab) ; 
Die Schaubuhne 1914, Nr. 15; DieGegen- 
wart 1914, Nr. 15 (W. Bolze) ; LE 16, 
1085; BZ 35 [Dieschone Literatur, Beibl. 
z. Lit. Zentralbl. 1914, 177 (F. Maas), Der 
neue Merkur, Juni, 397 (E. Frisch)]; 38 
[Die Literar. Gesellsch. 1916, H.4, 109/14 
(M. Bauer), Schaubuhne 1916, 423 (J. 
Bab)]; 41 [Siidsee-Bote 1917, 150/54]; 44 
[Die Szene VIII, 54/57 (Aphorismen a. d. 
tStufenf), Die Weltbiihne 191 9, 363 (A. 
Holitscher: NachlaB)]; 46 [Euphorion 22, 
639 (H. Schuchardt: Chr. M.s groteske 
Gedichte u . ihre Wiirdigungd . L- Spitzer) ] ; 

47 [Die Tat 12, 282/90 (H. Sochaczewer) ] ; 

48 [Euphorion 23, 95/99 (Leo Spitzer: Z. 
Interpretation Chr. M.scher Gedichte), D. 
Hilfe 1 92 1, 172 (M. Sturm)]. Leo Spitzer: 
Motiv u. Wort 19 18, darin S. 53 — 123: 
Die groteske Gestaltungs- u. Sprachkunst 
Chr. M.s; Jahrb. d. neuen dtsch. Liter. 
1, 89 (Gertrud Isolani: Malerbe, Studie z. 
LebenswerkChr.M.s 1919; L.E. 24, 3. Jg., 
179/80 (Guido K. Brand); Bad.-Bad. 
Buhnenbl. 1, 29, S. 1/2 (Heinr. Franz 
Staerk: Chr. M. zu s. 50. Geburtst. a. 6. V. 
192 1); Neuer Merkur 5, 2 S. 99/105, Hei- 

delberger Tagebl. Briicke 6 (Arthur 
Drews); Weserztg. 1921, Lit. Beil. 88 
(Benzmann); Berl. Tagebl. 1921, Nr. 211 
(Fr. Kay Bier); Hamb. Nachr. 1921, 
Nr. 206 (P. L.)]; Die schone Literatur 
25, S. 81/85 (Eidlitz), 85/87 (Literatur 
zus.-gestellt von Wilh. Frels) ; BJI S. 73 bis 
79 (Fr. Kay Bier). 

Muhl, Karl, ehem. Chefredakteur a. Biblio- 
graphischen Institut, Mitkampfer v. 1866, 
70/71 ; * Jiiterbog 25. III. 1841 ; + Leipzig 
4. VIII. — VZ5.VliLA.-A.; WI7, 1 151; 
KL 1914, 1196; LE 16, 1657; BB 1914, 
180. 

Muhlau, Ferdinand, D.Dr. phiL, Geh. Kon- 
sistorialrat, ehem. o. Prof, d. neutesta- 



mentl. Theologie a. d. Univ. Kiel, Kais. 
russ. Wirkl. Staatsrat; * Dresden 20. VI. 
1839; f Kiel l8 - IX.— VZ 21. IX. 
A.-A.; WI 7, 1 151 (W); KL 1914, ^97 
(W); DZL 989/90 (W); AD 1, 16 (W); 
UKS-S 1915, 1, 339; ELK 1914, 950; 
KJ I 9 I 5» 5 62 : BZ 40 [Ecce der Crucianer 
1915, 48]. Vollbehr-Weyl, Professoren u. 
Dozenten d. Christian-Albrechts-Univ. zu 
Kiel S. 12/13. 
MQller- Kurznelly, Konrad, Dr. phil.. Prof. 
Landschaftsmaler; * Chemnitz 29. VII. 
1855 ; f Gr.-Lichterfelde b. Berlin 6. VII. 

— VZ 7. VII. A.-A.; WI 7, 1 162; MS 3, 
268; BMW 2, no/11 (W). 

Nebeltbau, Joh. Eberhard, Dr. med. t em. 
a.o. Prof, fur innere Medizin a. d. Univ. 
Halle, Leiter d. mediz. Poliklinik; * Bre- 
men 14. IX. 1864; f Oberursel (Ober- 
taunuskreis) 22. VI. — VZ 27. VI. A.-A.; 
WI 7, 1 168 (W) ; AD 3, 105/06 (W) ; PBL 
1 192 (W); MMW 1914, 1544; Chron. d. 
Univ. Halle 1914/15, S. 10/11. 

Nekes, Franz, Priester, Stiftsvikar, bis 1 910 
Domkapellmeister in Aachen, Ehren- 
kammerer des Papstes; * Huttrop b. 
Essen 14. II. 1844; t Aachen 6. V. — 
WI 7, 1 181 (W); KR 1914, 437 (W); 
AMZ 1914* 698; R 885 (W); BZ 34 
ICacilienvereinsorgan 49, 27; Gregorius- 
blatt 1914, S. 15 (Msgr.N. z.s. 70. Geb.)]; 
35 [Musica sacra 1914, 137 (K. Cohen)]. 

Nestle, Friedrich v., Landgerichtsprasident, 
langj. Mitgl. d. Evang. Landessynode, 
griindete den »Verein f. evang. Mission 
in Kamerun«; * Stuttgart 3. VI. 1841; 
fdas. 3.IL — WNi9i4» 10/18 (K.WeUer 
m. Lit.). 

Neufeld,Karl Albert, Dr., Prof., 2. Direktor 
d. Untersuchungsanstalt f. Nahrungs- u. 
GenuBmittel; * 1865; f Wurzburg 13. I 

— MMW 1 9 14, 167; BZ 34 [Chemiker- 
ztg. 1 914, 121, Ztschr. f. Untersuch. d. 
Nahr.- u. GenuBmittel 27, 297]. 

igaNeuse, Richard, Dr. phil., Oberrealschul- 
dir. in Spandau, Geograph, bes. f. GroB- 
britannien und Frankreich; * Northeim 
(Hann.) 4. IX. 1870; gef. b. Woruponen 
(Ostpr.) 23. XII. — DRG 37, 378 und 
477/79 (E. Oppermann m.P); PM 1915, 
150 u. Taf . 29 (P); GA 1915, 175/76 (E. 
Oppermann m. P) u. 215. 

Nlebauer, Anton Frh. v., k. k. Geh. Rat u. 
Sektionschef a. D., osterr. Parlamentarier ; 
* Wien3.V. 1832 ;f Baden b.Wien 21. VII. 

— IZ 1914, 2, 276 (P); FT 1915, 664. 
Nietner, Johannes, Dr. med., Prof., Ober- 

stabsarzt a.D.,Generalsekretard.deutsch. 
Zentralkomitees zur Bekampfung der 
Tuberkulose; * Potsdam 2. VIII. 1855; 



Totenliste 191 4: Nissen — Peter 



303 



. f Berlin 12. II. — Norddtsch. Allg. Ztg. 
19. II; VZ 13. II. A.-A.; WI 7. ^94; 
AF 52, 121 ; BKW 1914, 384;MMW 1914, 
400; DMW 1 9 14, 400; BZ 34 [Beitr. z. 
Klinik d. Tuberkul. 30, 227; (Brauer) ; 
Ztschr. f. Schulgesiindheitspfl. 21, 257; 
St. Petersburger mediz. Ztschr. 39, 72 
(A. Wladimiroff)]; 35 (Internat. Zentral- 
blatt f. d. ges. Tuberkul. -Liter at. 8, 227 
(Kohler)]; 36 [Tuberkulosis 13, 97 (A. 
Kayserling)J. 

Nissen, Hermann, Schauspieler u. Regiss., 
Pras. d. dtsch. Buhnengenossenschaft, zu- 
letzt am Hebbeltheater Berlin ; * Dassow 
(Meckl.) 17. VII. 1855; + Berlin 15. II. — 
VZ 16. II. M.-A.; Berl.Tagebl. 16. II. (P. 
Schlenther) ; IZ 1914, 1, 346/47 (E.Charlet 
m.P); Wl7, ii97;DZL 1027/8; Sozialist. 
Monatsh. 1914, 456; AMZ 1914, 254 u. 
256; EG 728/29; NTA 1915, 53/59 (E. 
Lind)u. 173; BW 16, 1, 529 (W. Kief er) ; 
BZ 34 [Marz 28,2, S. 301 (S. Groflmann) ; 
Schaubiihne 1914, Nr. 9 (E. Lind)). 

Noppel, Konstantin, Burgermeister v. Ra- 
dolfszell, Mitgl. d. Reichst. 1881 — 1890 
(natl.); Kaufmann; * Radolfzell 30. X. 
1836; f das. 25. VIII. — HPA 1887, 
198/99. 

Nostiz, Oskar v., Wirkl. Geh. Rat, friih. 
Vizepras. d. preuB. Oberrechnungskam- 
mer; * Merseburg 5. IV. 1834; f Potsdam 
10. VI. — VZ 10. VI. A.-A.; WI 7, 1203; 
UT 1916, 587. 

Oder, Moritz, Dr. ing. t etatsmaB. Prof. f. 
Eisenbahnbau a. d. Techn. Hochschule 
Danzig, Mitarbeiter a. Handbuch d. In- 
genieurwissenschaf ten ; * Berlin 25. XI. 
1873; t Danzi g 29. IX. — W.: Abstell- 
bahnhofe (m. Prof. Blum). — BZ 35 [ZB 
1914, 61 1 (Cauer), Dinglers polyt. Journal 
95> 633 (G- Schimpff), Verkehrstechn . 
Woche IX. Nr. 6 (Kemmann), Nr. 12 
(G. Schimpff : Erinn.)); Ztschr. d. osterr. 
Ingen.- und Arch.-Vereins 19 14, 757 (A. 
Wirth) . 

Oertel, Ottomar, Dr. jur. t Geh. Rat, friih. 
Oberbiirgermeister v. Liegnitz; seit 1892 
M. d. H.; * Osterfeld (Kr. WeiBenfels), 22. 
VIII. 1840; f Liegnitz 19. X. — WI 7, 
1212; HH 1911, 346. 

Oertzen, Karl v., ehem. Mitgl. des lippischen 
Staatskabinetts, Reg. -Pras. a. D. (Liine- 
burg); * Rostock 22. I. 1844; f Weimar 
9. XI. — VZ 14. XI. A.-A.; WI 7, 1212; 
UT 1916, 595. 

Ortmann, Karl, Oberbiirgermeister v. Ko- 
blenz, seit 1902 M. d. H.; * Diisseldorf 
28. III. 1859; f Koblenz 1. XI.— VZ 2. 
XI. M.-A.; WI 7, 1225; HH 191 1, 346; 
Ztschr. f. Binnenschiffahrt 19 14, 409. 



giOBwald, Arthur, Dr. jut., Geh. Reg.-Rat, 
Vortrag. Rat im Reichs-Kolonialamt; 
EK. II., ausgezeichnet b. Hereroauf stand 
1904 u. auf Ponape 1911; * Altenburg 
1873; g e *- b. Apremont 27. X. — DKZ 
25. 835/36; DJZ 19, 1358. 

igiOBwald, Hermann v., Generalleutn. a. D., 
Kommandeur d. 53. L,andwehrinfanterie- 
brigade; * Wilhelmsdorf (Wiirtt.) 24. IX. 
1852; gef. bei Bois de Cheppy 28. XI. — 
VZ 1. XII. MA; WN 1914. 21^/17 (v. 
Muff). 

Paetow, Walter, Dr. phil. t Musikschrift- 
steller, 1895 — ! 9°8 Red. d. tDeutschen 
Rundschau*; * Rostock 21. VIII. 1869; 
f Berlin-Friedenau 3. III. — ZV 3. III. 
M.-A.; WI 7, 1236 (W); KL 1914. 1303 
(W); R 936; LE 16, 944; AMZ 1914; 
334, MWB 1914. 172; BW i6, 2, 94. 

Page), Franz, Rektor u. Fortbildungsschul- 
direktor i. Berlin, Organis. d. neuzeitl. 
Jugendpflege, Hrsg. d. Ztschr. »Jugend- 
fiirsorge*; * Vietzke-Strand 26. II. i860; 
j- Berlin 7. XII. — AF 52, 452. 

Palmer, Eduard, Generaldirektor der osterr. 
Landerbank in Wien; * 1837; j" Wien 
12. VI.— IZ 1914, 1, 1388 (P); WI 7, 

1238; Or 39. viii. 

Pauly, Peter August, Dr. phil. % o. Prof. d. 
angew. Zoologie u. Vorst. d. zoolog. Abt. 
d. forstl. Versuchsanstalt a. d. Univ. 
Miinchen, Doz. a. d. Akad. in Weihen- 
stephan, Forstentomologe, Fiihrerd.Neo- 
lamarckismus; * Miinchen 13. III. 1850; 
f das. 9. II. — W.: Nonnenbrief e ; Apho- 
rismen. — VZ I3.II.A.-A.;MAZ 1914, 109; 
UKS-S 1914, 1, 342; Siidd. Monatsh. 11, 
1, 161/66 (A. Leibex) ; K 685 (W) ; Ztschr. 
f. angew. Entomologie Bd. 1, 370 (K. 
Escherich m. P) ; BZ 34 fFortschritte der 
Medizin 32, 469 (Buttersack), Der zool. 
Beobachter 1914, Sy (M. Merk-Buch- 
berg)]. 

Peter, Hermann, Dr. phil. t Prof., Geh. Stu- 
dienrat, Altrektor d. Fiirsten- u. Landes- 
schule St. Afra in MeiBen, Domherr des 
Hochstifts MeiBen, o. Mitgl. d. sachs. Ges. 
d. Wissensch.; * Meiningen 7. IX. 1837; 
f MeiBen 16. II. — W.: Die Scriptores 
historiae Augustae; t)ber die Quellen Plu- 
tarchs i. d. Biographien der Romer; Die 
gesch. t)berlieferungu. d. rom. Kaiserzeit 
bis Theodosius I. u. ihre Quellen; Wahr- 
heit u. Kunst, Geschichtsschreibung u. 
Plagiat i. klass. Altertum; Hersg. : Scrip- 
tores hist. August.; Historicorum Roma- 
norum reliquiae. — VZ 19. II. M.-A.; IZ 
1914, 1, 462; WI 7, 1256 (W); KL, 1914. 
1 3 14 (W); BZ 35 [D. humanist. Gymnas. 
1914, 133 (K. Seeliger)]; 38 [Ecce der 



304 



Totenliste 19 14: Petersen — Poetzl 



Landesschule Mei&en 19, 1/22J; 39 
Jahresber. iib. Fortschr. d. klass. Alter 
tumswiss. 173, 40/61 (A. Weinhold)]; Ber. 
iib. d. Verh. d. k. sachs. Ges. d. Wxss. z. 
Leipzig, phil.-hist. Kl., Bd. 66, 111/18 
(R. Heinze) ; Jahresber. d. Fursten- u. 
Landesschule St. Afra i. MeiBen, 19 13/14, 
S. 31/134 (Nachrufe u. Trauerfeier) . 

Petersen, Hans Ritter v., Prof., Marine- u. 
Landschaftsmaler, Pras. d. Miinchner 
Kunstler-Genossenschaft;* Husum 24. II. 
1850; f Miinchen 18. VI. — VZ 19. VI. 
M.-A.; Hamb. Nachr. 20, VI.; IZ 1914, i, 
1 38 1 (R. Braungart m. P) ; WI 7, 1258 
(W); DZL 1085 (W); MAZ 1914, 416 
(R. A. Linhof); KU 1914, 480 (P) ; SKL 
731 ; MS 3, 414 u. Nachtr. 230; BMW 2, 
243/44 (W) ; BZ 34 (Original u. Repro- 
duktion II, 137J. 

Petri, Henri, Prof., Geigen virtuose, erster 
Konzertmeister a. kgl. Hof theater in 
Dresden; * Zeyst b. Utrecht 5. IV. 1856; 
f Dresden 7. IV. — VZ 8. IV. A.-A.; WI 
7, 1260; DZL 1086/87 (W); AMZ 1914, 
570 u. 587/88 (A. Moser); R (7. Aufl.) 
840; MWB 1914, 249/50 (G. Kaiser); 
NTA 191 5, 177; BZ 34 [Allg. Musikztg. 
41. Nr. 17]. 

Pfftff, Leopold, Dr. jur., em. o. Prof. d. 
biirgerl. Rechts a. d. Univ. Wien, Hof rat, 
Mitgl. d. osterr. Herrenhauses ; * Her- 
mannstadt 12. XL 1837; f Wien 2. XII. 
— W. : Komm. z. osterr. allgem. Gesetz- 
buch. — NFP 3. XII. M.-A. u. 4. XII. 
M.-A, (E. Schrutka: Die Bedeut. L. Pf.s 
als Rechtslehrer) ; VZ 3. XII. A.-A.; 
WI 7, 1263 (W); KL 1914. 1321 (W); 
K 606 (W); BZ 35 [Osterr. Zentralbl. f. 
jurist. Praxis 1914, 1068 (L. Geller), Allg. 
osterr. Gerichtsztg. 1914, Nr. 50 (J. v. 
Schey)); 36 [Osterr. Richterztg. 8, 17J. 

tgi Pfannschmidt, Friedrich, Berl. Bildhauer, 
Pras. d. Kiinstlerverbandes dtsch. Bild- 
hauer; * Berlin 19. V. 1864; gef. b. Pierre- 
Morrains b. Chalons s. M. 7. IX. — W.: 
Denkmal- u. Kirchenplastiken ; Portrat- 
busten. — VZ18. IX. A.-A.; WI 7, 1263/64 
(W); KU 1915,79/80 (P); MS 3, 423 und 
Nachtr. 1231 (W); Kchr. 1914, 644. 

Pfister, Otto v., Geh. Kommerzienrat, friih. 
Pras. d. Miinchner Handelskammer u. d. 
bayr. Handelstages ; * Lindau 4. VI. 1 845 ; 
f Miinchen 18. XII. — BT 1916, 716; 
Deutscher AuCenhandel 191 5, 1; BZ 36 
[Mitt. d. dtsch. u. osterr. Alpenvereins 
191 5, 1 (K. Miiller)!. 

Pfuhl, Johannes, Bildhauer, Prof, in Berlin, 
Inh. d. gold. Med. f. Kunst; * Lowenberg 
(Schles.) 20. II. 1846; f Baden-Baden 5. 
V. _ VZ 6. V. M.-A.; T 112 (P) ; WI 7, 



1270 (W); MS 3. 425/26 (W); PreuIU 
Jahrb. 1914 Nov., 319 (E. Pfuhl: Erinn. 
d. Bildhauers J. P. an Kaiser Wilhelm I.). 

Pichelmayer, Karl, Dr.-ing. h. c, o. Prof . d. 
Maschinenbaues u. d. Elektrotechnik a.d. 
Techn. Hochschule in Wien; * Biirndorf 
(Steiermark) 1868; f Wien Ende Jan. — 
W.: Dynamobau. — VZ 26. I. A.-A.; 
KTH 1914/15, 198; Ztschr. d. osterr. 
Ingen. u. Archit.-Verein. 19 14, 232 (J. 
Sahulka). 

•Plate, Georg Heinrich, Pras. d. Aufsichts- 
rats d. Norddtsch. Lloyd Bremen (1892 
bis 191 1); Pras. d. Bremer Baumwoll- 
borse; GroBkauf mann ; * Moskau 18. IV. 
1844; "f* Neuglobsow i. Mark 4. II. — 
Weserztg. 5. II., Leipz. N. Nachr. 5. II.; 
IZ 1914, 1, 367 (P), 368/69 (W. Ehlers): 
JSTG 1915, 1 17/19; Jahrb. d. Norddtsch. 
Lloyd Jg. 191 1/12, S. 238 bis 244, Jg. 
1913/14, S. 259/62 (W. Ehlers) ; Bremisch. 
Jahrb. Bd. 27, 190/92 (J. Rosing); Ber. 
d. Brem. Handelskammer 1911-14. BJI, 

5. 79—81 (W. Ehlers). 

PI oner, Innocenz, Archaologe, verdient urn 
Ausgrabung d. alten Romerstadt A gnetum 
b. Lienz im Pustertal; auch Mathem. u. 
Botaniker; * Villanders, Tirol 18. X. 
1865; f Hocheppen (Tirol) n. V. — 
VZ 12. V. M.-A.; KR 1914, 47$ (W). 

Poehlmann, Robert v., Dr. phil., o. Prof. d. 
Geschichte d. Altertums a. d. Univ. Miin- 
chen, Geh. Rat, standiger Sekretar d. 
Bayr. Akad. d. Wiss.; * Nurnberg 31. X. 
1852; J Miinchen 27. IX. — W.: Die 
Wirtschaftspolitik der Florentiner Re- 
naissance; Gesch. d.sozialen Frage u.d. 
Sozialismus in der antiken Welt; Sokra- 
tes u. sein Volk. — Neue Ziirch. Ztg. 

6. X.; VZ 29. X. M.-A.; JAW 1915, US 
(E. Marcks), 146/^0 (Ulr. Wilcken) ; WI 7. 
1287 (W); KL 1 91 4, 1346/47 (W); DZL 
11x3/19 (W); MAZ 1914. 593 (W) ; HZ 
114, 3^5;UKS-Si9i5. 1, 340; K 710 (W): 
HV 17, 593; BZ 36 [D. humanist. Gym- 
nas. 191 5, 198 (A. Rehm)]. 

Pdlzl, Franz Xaver, Dr. theol. et phil., k. k. 
Hof rat, em. o. Prof. d. neutestamentl. 
Bibelstudiums a. d. Univ. Wien; Papstl. 
Hauspralat; * St. Florian (Steiermark) 
1.I.1 840 ; -j- Klamm b. Semmering 26. XI. 
— W.: Das Matthausevang. — VZ 27. 
XI. A.-A.; WI 7, 1287 (W); KL 1914, 
1350; KR 1914- 482 (W); K 710 (W); 
BZ 37 (Liter. Anzeiger, Graz, 29, 65 (Th. 
Junitzer)]. 

Poetzl, Eduard (Pseudonym Kleinpetz), 
Schriftsteller, Kenner d. Wiener Mund- 
art und Dialektdichter, zul. Feuilleton- 
redakteur des Neuen Wiener Tageblatts; 



Totenliste 1914: Pohle — Raumer 



305 



* Wien 17. III. 185 1 ; f Modling b. Wien 
20. VIII. W. : Donauluf t . — NFP 2 1 . VIII. 
A.-A.; VZ 22. VIII. M.-A.; VVI 7, 1288 
(W); KL 1914, 1359 (W); DZL 1124/25 
(W); BR 5, 332 (W); OR 40, VII; LE 17, 
62 ; NeueZiirch. Ztg. 27. VIII. (H. Hesse). 

Pohle, Hermann Emil, Prof., Vorstands- 
mitgl. d. Malkastens, Vors. d. Ver. Diissel- 
dorfer Kunstler z. gegenseitigen Unter- 
stiitzung u. Hilfe, sowie Leiter d. Diissel- 
dorfer Kunstausstellungen v. 191 1 u. 13; 

* Dusseldorf 12. XII. 1863; f das. 17. XI 
— VZ 19. XI. M.-A.; WI 7, 1289 (W); 
KU 191 5, 160 (G. Howe); MSNachtr., 
234; BMW 2, 295 (W). 

Porzer, Josef, Dr., 1. Vizebiirgermeister in 
Wien, Fiihrer d. klerikalen Fliigels der 
christlich-sozialen Partei; *j- Wien 28. V. 
im Alter von 67 Jahren. — W T I 7, 1296. 

Pressentin, Bernhard v., gen. v. Rautter, 
1902 — 191 1 M. d. R. (kons.), 1870 — 73 u. 
1893 — 1 9°& M. d. A. Rittergutsbesitzer 
auf Kanoten, Rittmeister a. D. ;* Kanoten 
31. VIII. 1837; f Konigsberg 2. IX. — 
VZ 5. IX. A.-A.; WI 7, 1303; UT 1915, 
590; RH 1907, 345/46 u. 456 (P); HA 
1904, 348, I 7 (P). 

igiPreuB, Ernst, Dr. ing. f Privatdoz. f. d. 
Materialprufungsw. a. d. Techn. Hoch- 
schule in Darmstadt; * Potsdam 15. VII. 
1878, gef. b. Beaumont 28. VIII. — W.: 
Die prakt. Nutzanwendung d. Priifung 
d. Eisens durch Atzverfahren mit Hilfe 
des Mikroskops. — VZ 26. IX. M.-A.; St. 

11. E. 1914. 1648 (O. Bauer m. P) ; KTH 
191 5/16 204; Dinglers polyt. Journal Jg. 
95, 611. 

Preufi, Friedrich, Dr. pkil., Gymnasialdir. 

in Braunsberg (Ostpr.) seit 1912 M. d. R. 

(Zentr.); * Oliva-Glettkau 14. XI. 1850; 

f Berlin 31. I. — WI 7, 1304; RH 1912, 

342 u. 478 (P). 
igjPreuB, Georg Friedrich, Dr. phiL, o. Prof. 

d. Gesch. a. d. Univ. Breslau, korresp. 

Mitgl. d. bayr. Akad. d. Wiss., * Breslau 

12. IV. 1867; gef. i. Osten 3. XI. — W : 
Die preuB. Mediation zw. Bayern u. 
Osterr. 1704; Wilhelm III. im Zeitalter 
d. span. Erbfolgefrage — VZ8. XI. M.-A.; 
9. XI. M.-A.; JAW 191 5. 142/43 (E. 
Marcks); WI 7, 1304/05 (W); KL 1914, 
1365 (W); HZ 114, 236; UKS-S 1915, 1, 
339; HV 17, 588; JSG 92 I (1914) S. 
28 — 34 (Ziekursch) ; Chron. d. Univ. Bres- 
lau 29, 146/61 (Ziekursch und G. Kauf- 
mann). 

Prftfer, Hermann, Prof., Musikdirektor, seit 
1892 zweiter, 1899 — 1909 erster Dirigent 
des Berliner Domchors ; * Neusalz (Schles.) 
1. X. 1844; f Berlin 25. VI — IZ 1914, 

DBJ 20 



2, 100; R 1014 (W); AMZ 1914, 1016; 
MWB 1914, 405 u. 420; KJ 191 5, 562; 
BZ 35 [Cacilia 191 5, 49 (W. Widmann)]. 

Puettmann, Hermann, Dichter, geistiger 
Fiihrer des Deutsch turns in Australien; 
if Melbourne 18. VII. im Alter v. 7^ 
Jahren. — LE 16, 1591 

Raesfeldt, Ferdinand Frh. v., bayr. Staats- 
rat i. aufierord. Diensten; Min.-Dir. u. 
Vorst.d.Staatsschuldentilgungskommiss.; 
* Gunzenhausen 2. II. 1835; f Miinchen 
10. XI. — WGK 1914, 2, 463 WI 7, 
1323/24; FT 1916, 623/24. 

Rada, Eduard, Hofrat, Ingenieur, Vorstand 
d. Departements f . Elektrizitat u. Wasser- 
bauten bei d. Landesregierung v. Bosnien 
u. Herzegowina. — W.: Regulierung der 
Mlada, Meliorationen in Gonko u. Livno, 
Wasserleitungen in Mostar. — * Wien 
1852; f 19. VI. — Ztschr. f. osterr. Ing.u. 
Arch.-Ver. 1914, 580. 

Randa, Anton Ritter v., Dr. jur. t ehem. 
tschechischer Landsinannminister, Mitgl. 
d. osterr. Herrenhauses, Mitgl. d. Reichs- 
gerichts; Pras. d. bohmischen Kaiser- 
Franz- Josef -Akad. d. Wiss. u. Kiinste in 
Prag, em. o. Prof. d. osterr. Zivilrechts 
a. d. Univ. Prag, Geh. Rat; * Bistritza 
(Bohmen) 8. VII. 1834; f Prag 6. X. — 
W.: Osterr. Handelsrecht. — NFP 6. X. 
A.-A.; VZ 7. X. M.-A.; WI 7, 1326/27 
(W);KLi9i4.i382 (W); OR 41, VI; Zeit- 
schr. f.d. ges. Handelsr. u. Konkursrecht 
76, 572/73 (°- Frankl) ; BZ 35 [Allg.osterr. 
Gerichtsztg. 19 14, Nr. 41 (Schreiber)J. 

Raschdorff, Julius Karl, Dr. ing., Architekt, 
Geh. Ob.-Reg.-Rat, em. Prof. a. d. Berl. 
Bauakademie, Senator d .Akad . d . Kiinste ; 
Erbauer des Berliner Doms ; * PleC 2. VII. 
1823; f Wald-Sieversdorf 13. VIII. — 
VZ 14. VIII. M.-A. u. 19. VIII. (BeLset- 
zung); NFP 20. VIII. M.-A.; WI 7, 
1328/29 (W); DZL 1145/46 (W); DBZ 
1914, 626; Kchr 1914, 618; ZB 1914, 
500/02 (B.Hoffmann m. P); K 729 (W). 
Rasche, Ludwig, Vorstandsmitgl. d. Gelsen- 
kirchner Bergwerks-Akt.-Ges. u. kaufm. 
Leiter d. Abt. Aachener Hiitten-Verem 
(Aachen - Rote Erde) ; * Styrum 26. VI. 
i86i;f Aachen. — St. u. E. 34» 1756 (m. 

P). 

§i Rau, Rudolf , Dr., Prof. d. Physik u. angew. 
Mathem. a. d. Univ. Jena 1902 — 1909, 
zuletzt Inh. d. Firma C. G. Rau in Gop- 
pingen; gef. im Bois de la Grurie (Argon- 
nen) 17. XII. i. Alter v. 42 Jahren. — 
VZ 10. I. 191 5 M.-A.; WN 1914. 282. 

§i Raumer, Adalbert v., Dr. phil., Historiker ; 
* Windsheim (Bay.) 31. I. 1891; gef. b. 
Luneville 4. IX. — W.: Der Ritter Lang 



306 



Totenliste 191 4: Raydt — Rexin 



u. s. Memoiren, a. d. Nachl. hersg. v. K. 
A. v. Miiller u. Kurt v. Raumer, Miin- 
chen 1923 [darin S. VIII/XXVI K. A. 
Miiller; A. v. R.]; Ehrenbuchd.Burschen- 
schaft Bubenruthia 19 14 — 19 S. 58/65. 

Raydt, Hermann, ehem. Studiendirektor d. 
Leipz. Handelshochschule u. Direktor d. 
offentl. Handelslehranstalt in Leipzig, 
Prof., Geh. Hofrat, padagog. Schrift- 
steller, Geschaftsf. d. Zentralaussch . f. 
Volks- u. Jugendspiele; *I,ingen a. Ems 
29. V. 185 1 ; f Jena 6. XII. — VZ 8. XII. 
A.-A.; WI 7. 1334 (W); KL 1914. 1388 
(W) ; DZL 1 149 (W) ; BR 5, 399/400 u. 8, 
257 (W); AF 52, 452; Alldtsch. Bl. 191 5, 
15; BZ 35 [Korper u. Geist 1914, 235 (F. 
A. Schmidt)]; 36 [Die Arbeitsschule 1915, 
S7 (F. Hildebrandt), Jahrb. f. Volks- 
u. Jugendspiele 24. Jg., 29/37 (F. A. 
Schmidt), Monatsschr. f. d. Turnwesen 
191 5, 69/94 (H. Kohlrausch)J. 

Reich, Paul, Dr. tned., Privatdoz. d. Zahn- 
heilkunde a. d. Univ. Marburg; * 
Pleschen (Prov. Posen) 9. III. 1865; 
f Koln, Nov. — VZ 23. XI. A.-A.; 
AD 3, 248; UKS-S 1915. 1. 340. 

Reichenbach, Woldemar Graf v., Prof., Ar- 
chitekt, Figuren- u. Landschaftsmaler; * 
Walddorf b. NeiBe 7. III. 1846; f Wach- 
witz b. Dresden 13. X. — VZ 17. X. 
A.-A.; WI 7, 1344 (W); GT 1915. 768; 
KU 1915,80; MS 4, 32; BMW 2, 372/73 
(W). 

§j ReimptU, Walter, Dr. phil., wissenschaftl. 
Hilfsarbeiter b. d. vorderasiatischen Abt. 
d. Berl. Museen, bereitete 1909 — 191 2 b. 
Septuaginta-Unternehmen d. Ges. d . Wiss. 
i. Gottingen die Ausgabe d. arabischen 
Ubers. des syro-hexaplarischen Penta- 
teuchs vor; * Liibeck 6. IV. 1886; gef. b. 
Lowitsch (Polen) 11. XII. — W.: Ge- 
schichte der babylon. u. assyrischen Klei- 
dung, hrsg. v. Eduard Meyer, Berlin 1 92 1 . 
( Darin Nachruf von Ed. Meyer). — Liibek- 
kische Blatter 191 5, Nr. 7 (E. GreB- 

, mann), 1921, Nr. 27 (Herm. Ranke) ; 
Amtl. Ber. d. preuB. Kunstsamml. Febr. 
I 9 I 5I Jahrb. d. dtsch. archaol. Instituts 
Jan. 1915; Geschichtsbl. f. Techn., Indu- 
strie u. Gewerbe, Jan. 191 5. 

Reinecke, Julius, L,andrat a. D., M. d. R. 
1876 — 1882; 1893 — 191 3 M. d. A. (frei- 
kons.); * Seesen 12. VIII. 1830; jf Sagan 
10. III. — WI 7, 1347/48; HPA 1877, 
217; HA 1908, 420 u. 498 (P). 

tgi Reinganum, Maximilian, Dr. phil., a.o. 
Prof. d. Physik a. d. Univ. Freiburg i. B., 
Meteorologe ; * Frankfurt a. M. 2. I. 1876; 
gef. i. Lothringen 4. IX. — W.: Theorie 
der Zustandsgleichung. — VZ 29. IX. 



M.-A.; PM 1914, 2, 197; UKS-S iqi;. i, 
339; PF 1226 (W); GA 1915, 185; BZ 36 
[Physik. Ztschr. 16, 1—3 (E. Marx)]. 

Reinhard, Eugen, Dr. phil., Dr. jur. et rer. 
pol. t Prof. d. deutschen Sprache in Ma- 
dison (Literaturgesch., germ. Philog.) ; * 
Niedernberg a. M. 4. VI. 1882; f Madison 
(Wiscousin) 5. I. — LZ 1914, 522; KL, 
1914, 1403 (W); LE 16, 1016/17. 

Reillhardt, Robert v., Architect, friih. o. 
Prof. f. Baugeschichte u. Bauformen- 
lehre a. d. Techn. Hochschule Stuttgart, 
Baudirektor das.; * Neuffen 1 1. I. 1843; 
f Stuttgart 5. V.— W.: Gedachtniskirche 
in Stuttgart. — WI 7, 1349 (W) ; DZL, 
1163/64 (W); W 1914. 814 u. 820 (P); 
WJ 1914, IV; KTH 1914/15, 198; WN 

1914, 255; K 737 (W); DBZ 1914. 37i- 
Reisinger, Hugo, Geh. Kommerzienrat, 

GroBkaufmann, deutsch-amerik. Kunst- 
sammler, Ford. d. dtsch. Kunst in Nord- 
Amerika; * Wiesbaden; "j" Langenschwal- 
bach27. IX. — WI 7, i35i;KU 1915, 80. 

Reisland, Otto Richard, Verlagsbuchhandl. ; 
* Leipzig 7. VIII. 1841 ; f das. 27. IX. — 
WI 7, i35i;LZi9i4. I333; BB 1914.227. 

Reich, Karl, Dr. phil. h. c. t Geh. Kommer- 
zienrat, Mitgl. d. badischen Ersten Kam- 
mer, Ehrenbiirger v. Mannheim, tiirk. 
Generalkonsul, Kunstmazen, Pras. des 
badischen Rennvereins, Vors, d. Rhein. 
Hypothekenbank, E.K. II am weiBen 
Bandei87o;* 1843,; f Mannheim 3. 1. — 
Frankf. Ztg. 6. I. (E. Wichart); Bad. 
Landesztg. 5. I.; VZ 4. 1. M.-A.; IZ 1915, 
1, 115 (P); WI 7, 1351; BZ 34 [Gemein- 
niitzige Bl. f. Hessen u. Nassau 1914, 59 
(Moericke), DBZ 1914, 113, 125 (Z. Aus- 
fiihr. bestimmter Entwurf f. d. Reiss- 
Museum MannheimJ; 36 [Ber. d. histor. 
Museums d. Pfalz II, 5 (Berthold)]. 

Rem pel, Hugo, Kommerzienrat, Pras. d. 
Handelskammer Bielefeld, Seniorchef der 
Bielef elder Nahmaschinenfabrik Baer u. 
Rempel; "f 30. IV. — IZ 1914, 1, Nr. 3699 

(P)- 
Reventlou, Kurt, Graf v., Dr. thcol., M. d. H. 
langjahr. Vors. d. Provinzialausschusses 
und d. Pro vinzialland tags v. Schleswig- 
Holstein, Probst des adligen Klosters in 
Preetz, Wirkl. Geh. Rat; * Kiel 6. XI. 
1834; f Damp, Kr. Eckernforde, 13. X. — 
VZ 14. X. M.-A.; WI 7, 1361; GT 1915, 
777; HH1911, 352; Die Heimat Jg. 25, 

191 5, 6 — 9 (Rendtorff m. P), abgedr. in 
Kieler Ztg 19. und 20. 11. 191 5, Nr. 30 
A.-A. u. 31. M.-A.; BZ 38 [Ztschr. d. Ges. 
f. schleswig-holst. Gesch. 45, 1 — 13 (P. v. 
Hedemann-Heespen) 1 . 

Rexin, Alexander v., seit 1854 M. d. H. 



s 



Totenliste 19 14: Rcyer — Rodenberg 



307 



und Altersprasident, Wirkl. Geh. Rat; 
* Neu-Ruppin 25. X. 1821 ; f Wodke bei 
Bresin 30. I. — VZ 2. II. A.-A.; WI 7, 
1361; DZL 1174; HH 1911, 352. 

Reyer, Eduard, Dr. jur. t a.o. Prof. d. Geo- 
logie a. d. Univ. Wien; * Salzburg 10. V. 
1849; f Jena 12. VII. — W.: Handbuch 
des Volksbildungswesens, Geolog. Prin- 
zipienfragen. — VZ 14. X. A.-A.; WI 7, 
1362 (W);KL 1914, i4i7(W);0R4o, VI; 
PM 1914, 2, 137 (W); K 743/44 (W); 
PF 1238 (W); BZ 36 [Mitt. d. geol. Ges. 
in Wien 7, 327 (F. E. SueB) ; Verhandl. 
d. k. k. geolog. Reichsanstalt 191 5, 99 
(W. Hammer)]. 

Richard, Ernst, Dr. phil. f Padagoge; 189 1 
bis 1897 Direktord. Hoboken-Akademie ; 
seit 1903 Dozen t a. d. Columbia-Univ., 
betatigte sich in d.dtsch.-amerikanischen 
Bewegung seit 190411. in der Friedens- 
bewegung, Griinder u. Pras. d. dtsch ,- 
amerikan. Fried ensges. ; Griinder und 
Direktor d. N. Y . Peace Society, Vize- 
pras. d. Universal Peace Union, Vors. d. 
Ausschusses f . Friedensbestreb. d. dtsch.- 
amerikan. Nationalbundes; * Bonn a.Rh., 
2. VII. 1859; f Ncuyork 20. XI. — W.: 
History of German Civilization ; Alte Ge- 
schichten aus d. Mohawktal u. a. Ge- 
dichte. — Who's Who in America VIII. 
(19 1 4/1 5), S. 1 96 1 ; Das deutsche Element 
der Stadt Neuyork, hrsg. v. O. Spengler 

1913- 

Riehter, Adolf, Dr., friih. Pras. d. deutschen 
Friedensgesellsch.; * Wiesbaden 1. II. 
1839; f Pforzheim 13. VIII. — VZ 14. 
VIII. M.-A.; Volkerfriede, Organ der 
dtsch. Friedensges. 191 5, 25 (L. Quidde). 

Riehter, Alexander, Mitgl. d. osterr. Her- 
renbauses, Fiihrer d. Prager Deutschen 
u. Forderer deutscher Kulturbestre- 
bungen; * Prag 1843; f ^ as * 29 * ^** — 
NFP 30. XI. A.-A. (W) ; VZ 30. XI. M.-A., 
1. XII. M.-A., 3. XII. A.-A.; Bohemia 
Prag 6. XII. (A. R. und d. deutschen 
Theater) . 

Rietsehel, Georg, D. t Geh. Kirchenrat, em. 
o. Prof. d. prakt. Theologie a. d. Univ. 
Leipzig; * Dresden 10. V. 1842; f Leipzig 
13. VI. — W.: Martin Luther u. Ignatius 
v. Loyola; Aufg. d. Orgel i. Gottesdienst 
b.insi8.Jahrh.; Lehrbuch d. Liturgie. — 
VZ 15. VI. A.-A.; Leipz. Tagebl. 14. VI.; 

iz 1914, 1. 1375/76, 1388 (P); wi 7, 

U7S/76 (W); KL 1914, 1429/30 (W); 
DZL 1185/86 (W); AD 1, 50/51, 78 
(W); K 751 (W); ELK 1914, 598/99; KJ 
191 5, 562; BZ 40 [Ecce der Crucianer, 
Jg. 1914, 13]. 
* Rietsehel, Hermann, Dr. ing. k. c, Archi- 



tekt, o. Prof. f. Heizungs- 11. Luftungs- 
wesen a. d. Techn. Hochschule Berlin - 
Charlottenburg, Geh. Reg.-Rat; * Dres- 
den 19. IV. 1847; t Charlottenburg 18. II. 
— W. : Leitfaden z. Berechnen u. Entwer- 
fen v. Luftungs- u. Heizungsanlagen. — 
VZ 19. II. A.-A.; WI 7, 1376 (W); DZL 
n86(W);KTH 1914/15, 198; DBZ 1914, 
171/72; ZB1914, 154/55 (Uber);K75i/52 
(W) ; Ber. iiber die Techn. Hochschule 
zu Berlin 191 3/14, S. 5/6; ZVDI 1914, 
S. 725/27 (m. P); Gesundheitsingenieur 
1910, S. 749/50 (E. Schiele), 1914, S. 
201/03 m. P (K. Hartmann), i92i,S. 541 
bis 544 u. S. 549/50 (H. Pfutzner), 1922, S. 
205/15 (Brabbee: D. Werk R.su.s. Fort- 
fiihrung).BJI,S.8i/84(H.E.v.Boehmer). 

Ring, Moriz, Cbefredakteur d. osterr. Volks- 
ztg., politischer Schriftsteller in deutsch- 
nationalem Sinne; * Raab 22. VII. 1849; 
f Wien 10. I. — VZ 10. I. A.-A.; WI 7, 
1377; KL 1914, i43i- 

Ritter, Emil, Gutsbesitzer; seit 1908 M. d. 
R. (kons., W T ahlkr. Bromberg), M. d. 
Prov.-Landt. Posen; * Stonen, Kr. Kol- 
mar 12. I. 1858; f Stieglitz 7. X. — VZ 
8. X. M.-A.; WI 7, 1 381 ; RH 1912, 350/51 
u. 462 (P). 

Roekinger, Ludwig Ritter v., Dr. jur. et 
phil., em. Hon .-Prof. d. dtsch. u. bayr. 
Rechts a. d. Univ. Miinchen, 1889 — 1895 
Reichsarchivdirektor u. o. Mitgl. d. bayr. 
Akad. d. Wiss. u. Mitgl. d. k. k. Akad. d. 
Wiss. in Wien, Geh. Rat; * Wiirzburg 
29. XII. 1824; f Miinchen 24. XII. — W.: 
R. arbeitete an e. kritischen Ausg. des 
kaiserl. Land- u. Lehnrechts, d. Schwaben- 
spiegels ; Mithrsg. d. Monumenta Boica. — 
IAW 1915, 143/45 (E. Marcks); KL 1914, 
1437; MAZ 1915. 14; K 756/57 (W); HV 
7 7» 591 ; Alman. d. k. Akad. d. Wiss. Wien 
65, 1915, S. 459/72 (W T inter); Archiv. 
Zeitschr., 3. Folge, 1. Bd. 276/93 (L. v. 
Baumann m. P.). 

♦Rodenberg, (Levy) , Julius, Dr. jur., Dr. phil. 
h. c. t Prof., langjahr. Herausg. d. Dtsch. 
Rundschau, Dichter u. Schriftsteller; 
* Rodenberg 26. VI. 1831; f Berlin 11. 
VII. — VZ 11. VII. A.-A.; 14. VII. A.-A. 
(Beisetzung; J. R. u.Theodor Fontane); 
Berl. Tagebl. 12. VII. (P. Schlenther), 
Frank. Courier 13. VII., Weserztg. 13. 
VII., Hann. Courier 13. VII., NeueZiirch. 
Ztg. 12. VII., NFP 12. VII. u. 15. VII. 
(O. Blunienthal), Neues Tagbl. Stuttgart 
12. VII., Pester Lloyd 14. VII., Frankf. 
Ztg. 23. V. 15 (E. Zahn: Erinn. a. I. R.), 
Berl. Tagebl. <;. VI. 15 (K. Burdach) ; IZ 
1914,2, 140 (P); WI 7 , 1385/86 (W); KL 
1914, 1438/39 (W); DZL 1195/96 (W); 



308 



Totenliste 19 14: Rosch — Ruhland 



BR 6, 19/21 u. S, 260 (W); Dtsch. Rund- 
schau Aug. 1 914 (B.Hake: Am Sarge R.s) 
ra. P. Sept. 1914. vor S. 321 (Max Lenz: 
I. R. Wort an s. Sarge) ; Hessenland 1915, 
291/92 (K. Burdach), 172 (Gedachtnis- 
ieier), 185/88 (E. Zahn, Erinn. a. J. R.) ; 
LE 16, 1525/31 (v.Wildenbruch: Redeauf 
J.R.)u. 1591 (W); J. R., Z. s. 70. Geb. 
26. VI. 1901 (Vorr. Elw. Paetel) Bin. 1901 ; 
J. R. Aus s.Tagebiichern (hrsg. v. Justina 
Rodenberg, Einf . v. Ernst Heilborn) , Berl. 
1 91 9; Heinrich Spiero: J. R., sein Leben 
u.s. Werke, Berlin 1921, m. Verzeichn.der 
Schriften; Erinner. aus d. Jugendzeit v. 
J. R. f 2 Bde f Berlin 1899; Aus der Kind- 
heit, Erinnerungsblatter v. J. R., Berlin 
1907; Jahrb. d. neuer. dtsch. Liter. I 84 
[Neue Ziirch. Ztg. 1921, 747 (E. Korrodi: 
Bei Frau Justine)]; BZ 39—43 [A. Bettel- 
heim: Biographenwage (191 3), 177/80, 
LE 19. 9, 73/85. 402/14, 1167/78 u. 20, 
65(AusR.sTagebiichern); Dtsch. Rd.schau 
Aug. 1918, 266/69 (C. F. Meyer u. J. R.)]; 
45 [Dtsch. Rd.schau Juli 191 9, 105/28 (R. 
Peschel: J. R.s literar. Sendung), P. Lin- 
dau: Nur Erinner. 191 7, I, 263/80 (J. R. 
u. B. Auerbach)]; 46 [Dtsch. Rd.schau 
April 1920, 6/23 (A. Bettelheim: M. v. 
Ebner-Eschenbach u. J. R.)J. BJI, S. 84 
bis 86 (H. Spiero). 

igiRdSCh, Friedrich, Dr. phil., Assistent a. 
Kais. Archaolog. Inst, in Kairo, friiher 
tatig f: Berl. Museum u. f. d. Dtsch. 
Orientges., Kenner d. Kunst des alten 
Nillandes; * Backnang 1. VIII. 1883; 
gef. b. Raon 1'Etappe 29. VIII. — VZ 13. 
XI. M.-A. u. 22. XI. A.-A.; WJ 1914. 
IV/V; WN 1 9 14. 167/68 (W. Spiegel- 
berg) ; BZ 35 [Amtl. Ber., Beitr. z. Jahrb. 
d. preuC. Kunstsamml. 36, 1 ; Christl. 
Welt 1 914. Nr. 47 (L. Rosch)]. 

Rohan, Fiirst Alain, Obmann des Land- 
tagsklubs des verfassungstreuen osterr. 
Groflgrundbesitzes, erbl. Mitgl. d . Herrnh., 
d. osterr. Reichsrats; * Budapest 6. I. 
18^3; f Prag 23. II. — VZ 24. II. M.-A.; 
HK 191 5, 417; OR 38, VII; BZ 35 [Mitt, 
d. Vereins fur Heimatkde. d. Jeschke- 
Isergaues VIII, 36]. 

Rose, Edmund, Dr. med., Geh. Mediz.-Rat, 
o. Hon.-Prof. d. Chirurgie a. d. Univ. 
Berlin;* Berlin 10. VI. 1836; f das. 31. V. 
— VZ 3. III. A.-A.; WI 7, 1403 (W); 
KL 1914. 14^2 (W); DZL 1204 (W); AD 
3, 188 (W); HBL s, 80 (W); PBL 141 5/*7 
(P u. W.); BKW 1914, 1 1 56; MMW 
1914, 1320; DMW 1914, 12^2 u. 1773 
(Nachruf) ; K 764 ( W) ; PF 1 269 (VV) ; BZ 
36 [Vrtljschr. d. naturforsch. Ges. in 
Ziirich 59, 146/50 (A. Luning)]. 



Rosenbusch, Karl-Harry Ferdinand. Dr. 
phil., em. o. Prof. f. Mineral, u. Geol. a. d. 
Univ. Heidelberg, Petrograph, friih. Dir. 
d. geolog. -mineral. Univ.-Instituts u. d. 
bad. geolog. Landesanstalt ; * Einbeck 
(Hann.) 24. VI. 1836; f Heidelberg 20. I. 
W. : Mikroskop. Physiographic der petro- 
graph. wichtigen Mineralien; Mikr. Phys. 
d. massigen Gesteine; Elemente der Ge- 
steinlehre. — VZ 22. I. M.-A.; WI 7, 1406 
(W); DZL 1207 (W); DRG 36, 329; PM 
1914, 1, 14s u. Taf. 29 (P); K 766 (W) ; 
PF 1270 (W); EL 142 (W). Aim. d. k. 
Akad. d. Wiss. Wien 64, 1914, S. 368/72 
(Fr. Becker); Jb. d. bayr. Akad. d. Wiss. 
1914, S. 82/90 (P. Groth) ; BZ 34 [Zentral- 
bl. f. Mineralogie 1914, 289/99 (E. A. Wiil- 
fing); Monatsber. (Beil. z. Zs. d. dtsch. 
geol. Ges., 66. Bd.), 129/61 (L. Milch)]; 
35 [Mitt. d. groBherzogl. bad. geol. Lan- 
desanstalt 7, V— XIX]. 

Rotenhan, Georg Frhr. v., langjahr. Pras. d. 
Weimarer Landtags, Oberkammerherr, 
Geh. Rat, kgl. bayr. Kammerjunker, EKII 
v. 1870; * Rentweinsdorf 4. VIII. 1831; 
f Neuenhof b. Eisenach 22. IV. — VZ 26. 
VI. M.-A.; WI 7, 141 1 ; FT 1916, 688. 

Rothe, Karl, Dr. phiL, Homerforscher, Gym- 
nas.-Prof., altklass. Philologe; * Uber- 
schau 12. X. 1852; -J* Berlin-Friedenau 
11. VI. — KL 1914. 1462 (W); BZ 37 
[Jahresber. iib. Fortschr. d. klass. Alter- 
tumswiss. 173, 26/30 (E. Drerup)J. 

Roth fuchs, Julius, Dr. phil., frtih. Provinz- 
Schulrat in Miinster, Geh. Reg. -Rat; 
* Witzenhausen (Reg.-Bez. Kassel) 2 3. VI. 
1838; f Munster i. Westf. Anf. Mai. — 
W.: Beitrage z. Method, d. Unterr. an 
hoheren Schulen. — WI 7, 1412/13 (W); 
DZL 121 3/14 (W). 

Rubinstein, Susanne, Dr. phil., Schriftstel- 
lerin; * Czernowitz 20. IX 1847; f Wiirz- 
burg 29. III. — W.; Schillerprobleme : 
LexikaUscher Schiller-Kommentar. — 
VZ 1. IV. M.-A.;KL 1914- 1467 (W); LE 
16, 1085; BZ 34 [Allg. Ztg. d. Judentums 
1914. Nr. 19 (R. NeiBer)). 

& RUmelin, Gustav, Dr. phil., Privatdoz. der 
physikal. Metallurgie a. d. Techn. Hoch- 
schule Aachen; * Freiburg i. Br. 15. I. 
1882; gef. b. Zillebeke (Ypern) 16. XII.— 
\V T . : Die Wiedervereinigung von Gasionn. 
— VZ 29. XII. A.-A.; KTH 1915/16. 
204; Chron. d. Univ. Gottingen 19 14, d. 
13/14 (Voigt); BZ 37 [Ferrurn, N. F. S. 
Metallurgie XII, 137 (F. Wu.)]. 

Ruhland, Gustav, Dr. Prof., Volkswirt- 
schaftler u. Agrarpolitiker ; * Hessental 
(Bayern) 11. VI. i860; f Tolz (Bayern) 
5. I. — VZ 6. I. M.-A.; Dtsch. Tagesztg. 



Totenliste 1914: Sachsenberg — Schiefi-Gemuseus 



309 



5. I. u. 19. I. (W.Senkel: G. R. u. sein 
Werk); IZ 1914, 1, 107 (W. Senkel), 108 
(P); BZ 34 [Plutus 10. I. 14, Monats- 
schr. f. christl. Sozialreform 1914, 49/62, 
97/ 1 1 o ( J . Beck) ] ; 36 [Soziale Revue XIV, 
81/85 (A. Hattenschwiller)]. 
Sachsenberg, Gotthard, Dr. ing . A. c. t Geh. 
Kommerzienrat, mit s. Vettern Georg u. 
Paul S. Geschaftsfiihrer u. Leiter d. Schiff- 

11. Maschinenbaufirma Gebr. Sachsenberg 
in RoBlau, die Schleppdampferu. Dampf- 
baggerbaut; * Rofilau a. Elbe 10. XII. 
1849; f das. 28. VIII. — St. u. E. 34, 1520 
(m.P). 

t&Sachsen-Meiningen, Prinz Friedrich v., 
Bruder d. Herzogs Bernhard III., Kom- 
mandeur e. Artilleriebrigade ; * Meiningen 

12. X. 1861; gef. v. Namur 23. VIII. — 
VZ 26. VIII. M.-A.; Nat.-Ztg. 2. IX; T 
201 (P); IZ 1914. 2, 388 (P); WI 7, A 37; 
HK 1915,83. 

Sackur, O., Dr. phil., Prof. u. Abteilungs- 
leiter i. Kais.-Wilhelm-Institut f. physi- 
kalische Chemie in Dahlem; * Breslau 
28. IX. 1880; f Berlin-Dahlem 17. XII. — 
W.: Die chemische Affinitat u. ihre Mes- 
sung; Lehrbuch der Therm ochemie u. 
Thermodynamik. — UKS-S 191 5, 1, 339; 
PF 1296/97 (W); JSG 92,1. S. 35/37 (Fr. 
Auerbach) ; BZ 36 [Chemikerztg. 39, Nr. 3 
(H. Pick)]. 

$Sassen, Franz Josef, Dr. jur., Privatdoz. d. 
Staats- u, Verwaltungsrechts a. d. Univ. 
Bonn, Mitbegriinder der Zeitschr. f. Ko- 
lonialrecht; * Odenkirchen 10. II. 1882; 
gef. 28. VIII. — W.: D. Gesetzgebungs- 
u. Verwaltungsrecht in d. deutschen Ko- 
lonien; Deutsches Kolonial-Militarrecht ; 
Die Untersuchung von Seeunf alien im 
dtsch. u. ausl. Recht. — VZ 24. IX. A.-A. ; 
KL 1914. 1491/92 (W); UKS-S 191 5, i- 
339; Chron. d. Univ. Bonn 40, S. 10/12 
(Bergbohm); Preufl. Verwaltungsbl. Jg. 
36 (Nr. 2), S. 17/18 (Fr. Giese). 

Sch&fer, Aloys, Dr. theol., apostol. Vikar u. 
Bischof fur d. Konigr. Sachsen; Mitgl. d. 
1. sachs. Kammer. Titularbischof von 
Abila, Dekan d. Domstifts St. Petri in 
Bautzen, papstl. Hauspralat; 1903 bis 
1906 o. Prof. d. neutestam. Exegese a. d. 
Univ. Straflburg u. erster Dekan der 1903 
gegriindeten kathol.-theolog. Fakultat; 
* Dingelstadt 2. V. 1853; j* Schirgiswalde 
5. IX. — W.: Die biblische Chronologie; 
d. Biicher des Neuen Testaments. — 
VZ6. IX. M.-A.; KVZ 7. IX.; WI 7, 1447 
(W); KL 1914. 1497 (W); DZL 1238 (W); 
KR 1914. 535 (W); AD 1, 58 (W) ; K 7 93 
(W) ; ELK 1914, 902; Neues Lausitzisches 
Magazin 91, 279/81 (Skala). 



Schafer, Friedrich, Dr. med., Oberstabsarzt 
a. D., Reorganisator u. Leiter d. siame- 
sischen Sanitatswesens, verdient um das 
Deutschtum in Siam; f Bangkok i. Mai. 
— VZ 22. V. A.-A.; IZ 1914, i. 1231. 

Sch&fer, Theodor, D., bis 191 1 Pastor u. Dir. 
d. Diakonissenanstalt Altona u. d. Kriip- 
pelheims Alten-Eichen in Stellingen, 
Schriftsteller auf d. Gebiete der inneren 
Mission; * Friedberg (Hessen) 17. II. 1846; 
•f Rothenburg (H anno v.) 24. II. — W. : Die 
weibliche Diakonie, 3 Bde.; Die innere 
Mission in Deutschland, 6 Bde. — AF 52, 
122; ELK 1914. 237/38; KJ 41, 722 (W); 
Bausteine 46, 58/59 (Molwitz) ; Monats- 
schr. f. innere Mission 34, 161/66 (Zollner). 

Schanz, Martin v.. Dr. phil., Geh. Hofrat, o. 
Prof. d. klass. Philologie a. d. Univ. Wiirz- 
burg; korresp. Mitgl. d. bayr. Akad. d. 
Wiss.; * Uchtelhausen (Unterfr.) 12. VI. 
1842; f Wiirzburg 15. XII. — W.: Beitr. 
z. vorsokr. Philos.; Kritische Plato-Aus- 
gabe; Romische Liter. -Gesch. — VZ 16. 
XII. M.-A.; NFP 17. XII. A.-A.; JAW 
191 5, S3 (Heisenberg) ; WI 7, 1453 (W) ; 
KL 1914, 1504 (W); DZL 1242/43 (W); 
KR 1914. 539 (W); K 796 (W); LE 17. 
512. 

Scharfenort, Louis v., Prof., Doz. u. Biblio- 
thekar a. d. Kgl. Kriegsakademie in Ber- 
lin, Schriftsteller, Hauptmann a. D.; 

* Wehlak Kr. Rastenburg 4. II. 1855; 
f Berlin 7. IX. — VZ 12. IX. M.-A. (Bei- 
setzung); J B 12, 140 u. 13, 172; WI 7, 
1454; LA 1909* 9 1 (W); MZ 1914. 631. 

Scharpff, Rudolf v., Pras. d. Wiirttemberger 
Hofdomanenkammer, Staatsrat, Ministe- 
rialrat u. vortr. Rat i. Ministerium des 
Innern in Stuttgart; * Stuttgart 22. V. 
1862 ; f das. 2 1 . III. — VZ 23. III. A.-A. ; 
DZL 1244; WJ 1914, III; WN 1914,29/33 
(E. Bacmeister). 

giScheuer, Otto, Dr. phil., Privatdoz. d. an- 
gew. physikal. Chemie a. d. Univ. Genf; 

* Kunewald 16. III. 1878; gef. b. Lesuc 
Chalupy 26. VIII. — W.: Experimental- 
untersuch.an Gasen. — VZ 31. XII. A.-A.; 
UKS-S 191 5, 2, 549; Verh. d. schweiz. 
naturforsch. Ges. 191 5, I, Nekr. 78/83 
(F. L. Perrot, A. Jacquerod) m. Bibl. d. 
Schriften. 

Scheurenberg, Josef, LandschaftvS-, Histo- 
rien- 11. Bildnismaler, Prof., Lehrer a. d. 
Akad. d. Kiinste in Berlin; * Diisseldorf 
7. IX. 1846; f Berlin 4. V. — VZ q. V. 
M.-A.; IZ 1914, 1, 1036 (P);WI 7,1466/67 
(W);DZL 12^8 (W); SKL84HMS4, 194 
u. Nachtr., 250; BMW 2, 548/50 (W). 

SchieB-Gemuseus, Heinrich, Dr. med., em. 
o. Prof. d. Augenheilkunde a. d. Univ. 



3io 



Totenliste 19 14: Schleifenbaum — Schrader 



Basel; * Heiden (Kant. Appenzell) 3. I. 
1833; f Grabs 12. IX. — W. : Kurzer Leit- 
faden d. Refraktions- u. Akkommoda- 
tionsanomalien 2. Aufl. 191 2. — Basler 
Nachr. 16. IX.; VZ 25. IX. A.-A.; HBI< 
5,222 (W);PBLi496;MMW 1914,2023; 
K 805 (W); BZ 37 [Zentralbl. f. prakt. 
Augenheilkde. 39, 33/37 (J. Hirschberg)] ; 
Verhandl. d. schweiz. naturf. Ges. I, 
Nekr. 44/5 1 (C. Mellinger) m. Bibliogr. der 
Schriften, Korresp.-Bl. f . Schweizer Arzte 
1915, Nr. 2 (C. Mellinger) 

Schleifenbaum, Friedrich, Ingenieur, Mitgl. 
d. Vorstandes d. Firma Felten & Guil- 
laume Carlswerk A.-G. in Mulheini-Rh., 
verdient auf d. Gebiete d. Drahtseilkon- 
struktion u. Kabellegung; * Littfeld, Kr. 
Siegen, 14. III. 1856; f Mulheim a. Rh. 
31. V. — St. u. E. 34, 1 1 12. 

Schlimpert, Johannes, Dr. med. t Privatdoz. 
d. Geburtshilfe u. Gynakologie a. d. Univ. 
Freiburg;* 31. IV. 1882; "j- Freiburg 25. 1. 
— VZ 29. I. A.-A.; UKS-S 1914. 1. 342 ; 
BZ 34 [Monatsschr. f . Geburtshilfe u. Gy- 
nakologie 39, 342 (Kroenig)]; 38 [Ecce d. 
Landesschule MeiBen, H. 19, 72 (H. W. 
Schlimpert)]. 

Schlitz, Emil Friedrich v., gen. v. Gortz, 
Graf, erbl. Mitgl. u. 1 . Pras. d. ersten hess. 
Kammer, groBherzogl. sachs. Prof. h. c, 
Bildhauer, Dir. d. Hochschule f . bildende 
Kiinste in Weimar u. Mitbegriinder d. 
Ren ten- u. Pensionsansialt f. dtsche. bil- 
dende Kunstler; * Berlin 15. II. 185 1; 
f Frankfurt a. M. 9. X. — WI 7, 1480; 
HK 1915, 199; KU 1915, 80; BZ 39 [Fa- 
miliengesch. Bl. XIV, 225/30, 257/62 (H. 
Knott: Z. Gesch. d. Herren u. Graf en 
Schl. gen. v. G.)], 40 [Familiengesch. Bl. 
XV, 139 (H. Knott: Wappen der Grafen 
u. Herren Schl. gen. v. G.]. 

i&Schmidtgen, gen. Schmieden, Alfred, Dr. 
phiL, Intendant d. Hof theaters in Schwe- 
rin, fruh. Schauspieler u. Regisseur, friih. 
Dir. d. Neuen Theaters, dram. Dichter u. 
Schillerforscher; * Biesdorf, Niederbar- 
nim 6. VI. 1874; gef. b. Noyon 24. IX. — 
VZ 28. IX. A.-A.; T 229 (P); KL 1914. 
i559(W);NFP29.IX.A.-A.;LEi/.i26. 

Schmieden Phihpp, Geh. Just. -Rat, Ober- 
landesgerichtsrat a. D., M. d. R. 1884 bis 
1903 (freis.), M. d. A. 1882 — 1903 (freis.) 
* Breslau 24. IX. 1830; f das. n. XI. — 
VZ n. XI. A.-A.; RH 1898, 259; HA 
1899, 306. 

Schnabel, Karl, Dr., Oberbergrat, em. o. 
Prof. f. Metallhiittenwesen a. d. preuC. 
Bergakad. Klausthal; f Berlin 23. XI., 
71 Jahre alt. — W.: Handb. d. Metali- 
huttenkunde; iSchnabellieder*. — VZ 30. 



XI.A.-A.;St.u.E. 1914. 1828 (B.Osann) ; 
BZ 36 [Chemikerztg. 39, Nr. 9 (R. Hoff- 
mann)]. 

Schneegans, Heinrich, Dr. phil. t o. Prof. d. 
roman. Philologie u. Dir. d. rom anise hen 
Seminars a. d. Univ. Bonn; * Strafiburg 
i. Els. 11. IX. 1863; f Bonn 6. X. — W.: 
L,aute u. Lautentwicklung d. sizil. Dia- 
lektes ; Gesch. d . grotesken Satire ; Moliere ; 
Hrsg. : Aug. Schneegans' Memoiren. — 
VZ 7. X. M.-A.; WI 7, 1502 (W); KL 
1914, 1565 (W); DZL 1293 (W); BR 6, 
257 (W); UKS-S 1915. i» 339; LE 17. 188; 
Chron. d. Univ. Bonn 40, S. 12 — 14 (W. 
Meyer-Liibke) ; BZ 36 [German .-roman. 
Monatsschr. VI, 609/15 (P. A. Becker)]. 

SchnQtgen, Alexander, Dr. theol., Dr. phiL, 
Kunsthistoriker, Domkapitular, friiher 
Hon.-Prof. d. Archaologie u. christlichen 
Kunst a. d. Univ. Bonn, Sammler christl. 
Altertiimer; Geistl. Rat; Hrsg. d. Zs. f. 
christl. Kunst; * Steele (Ruhr) 22. II. 

1843; f K61n 2 3- XIL W - : Catalog v. 
Sammlung v. Geweben u. Stickereien d. 
M.-A. u. d. Renaissance. — VZ 24. XII. 
M.-A., 25. XII. M.-A. (Zu A. Sch.s Ge- 
dachtnis); WI 7, 1508; KL 1914, 1574 
(W); KR 1914, 575 (W); HV 17, 591. 

Schoen, Johann Georg Ritter v., Ingenieur, 
Hofrat, 1871 — 82 o. Prof. d. Wasser- 
StraBen- u. Eisenbahnbaues a. d. Techn. 
Hochsch. in Briinn, seit 1882 in Wien. 
* Venedig 7. IX. 1838 ; f Wien 1 1 . VII. — 
W.: Tunnelbau; Straflen- u. Wasserbau 
d. Alten; Balancier - Schiffshebewerk. — 
Zs. d. osterr. Ing.-Archit.-Ver. 19 14, 612 
m. P (Halter) ; OR 40, VI; WI 7, 1509 bis 
1910 (W); K 824/25 (W); PF 1343 (W). 

Schollmeyer, Friedrich, Dr. jur. et phil h. c, 
Geh. Ob.-Reg.-Rat, firiih. o. Prof. d. Zivil- 
prozefi 11. BGB. a. d. Univ. Berlin, zul. 
Kurator d. Univ. Marburg; * Miihlhausen 
i.Th. 12. IX. i848;+Naumburg 17. IV. — 
W.: D. Rechte d. einzelw. Schuldverh. i. 
BGB. — IZ 1914* 1, 864; WI 7, M17 
(W); Kh 1914. 1576; DZL, 1295/96 (W); 
DJZ 19, 618; K 827 (W). 

Schott, Karl, zuerst Zivilingenieur, dann Ge- 
schaftsfiihrer des Vereins f. d. Interessen 
d. rhein. Braunkohlenindustrie, Mitarb. 
d. Koln. Ztg. Er trat fur billige Beforde- 
rungskosten d. Massenguter ein; * Ott- 
weiler 20. III. 1853; f Koln 8. III. — 
ZVDI 58, 847 (tu. P.;) St. u. E. 34. 607 
(m. P). 

Schrader, Wilhelm, wiirttemberg. Dichter in 
hohenlohischer Mundart, Obersteuerrat 
a. D.; * Neuenstein (Wurtt.) 12. I. 1848; 
fUlni3i.X.— BR 6. ^00 (W) ; WJ 1914, 
V; WN 1914, 20S/11 (F. Weller). 



Totenliste 19 14: Schramm-Macdonald — Schwartzkopff 



3" 



Schramm-Macdonald, Hugo, Dr. phil., Prof., 
Schriftsteller; * Dresden 9. XII. 1837; 
f das. 1. VI. — W.: Chronik d. sachs. 
Konigsbauses u. s. Residenzstadt; 111. 
Chronik d. dtsch. Nationalkrieges; Allg. 
Volkswirtschaftslehre. — VZ 2. VI. A.-A. ; 
WI 7, 1523 (W); KL 1914. 1589 (W); 
BZ 40 (Ecce d. Crucianer 1914, S. 2.]. 

Schreiber, Ferdinand, Verlagsbuchhandler, 
Kommerzienrat, Griinder der »Meggen- 
dorfer Humorist. Blatter*; * EBlingen 
5. VI. 1835; f das. 3. VI. — VZ 4. VI. 
M.-A.; Schwab. Merkur 2 VII.; WI 7, 
1524; WJ 1914, IV; WN 1914. 256; LE 
16, 1448. 

Schreyer, Otto, plattdeutscher Schrift- 
steller u. Drama tiker; * Frankfurt a. M. 
25. XII. 1831 if Hamburg 5. 1. — Hamb. 
Fremdenbl. 6. I.; KL 1914. *594 (W); 
BR 6, 307/08 (W) ; Niedersachsen 191 3 bis 
1914, 200; EL 149/50 (W); LE 16,657. 

Schuch, Ernst Edler v., Generalmusik- 
direktor a. d. Hofoper Dresden, Theater- 
kapellmeister, zuerst Jurist; * Graz 23. 

XI. 1847; t Dresden 10 - V. — VZ 11. V. 
M.^A.; (Max Marschalk) u. 14. V. A.-A. 
(Beisetzung) u. 16. V. A.-A. (K. Scheide- 
mantel, Aus der Werkstatt Sch.s); IZ 
1914, 1, 1034 (F. A. Geifller m. P); WI 
7, 1533; DZL 1316; OR 39, VII; MAZ 
1914, 323; R 1 167; AMZ 1914, 698, 
724 (P), 766 u. 768 (H. Starcke); MWB 
1914, 306; NTA 191 5* i79/8o (P); BW 
1 6, 2, 246/47 (J. Reichelt m. P); Signale 
f. d. musikalische Welt 19 14, Nr. 20 (G. 
Kaiser); P. Sakolowsky: E. Sch. 1901; 
BZ34 [Die Musik 13, 318 (F. A. Geifller)]. 

Schtiler, Joseph Julius, Okonomierat, M. d. 
R. 1900 — 12 (Zentr.), Pras. d. badischen 
Bauernvereins; seit 189 1 Mitgl. d. bad. 
Landtags (Zentr.); * Ebringen 7. IV. 
1850; f das. 19. IX. — VZ 20. IX. M.-A.; 
RH 1907, 363 u- 4<Si (P). 

•Schulte, Johann Friedrich Ritter v., Dr. jur. t 
Geh. Justizrat, friih. o. Prof. d. Kirchen- 
rechts a. d. Univ. Bonn; Laienhaupt d. 
deutschen Altkatholizismus; Verfasser 
einer Synodal- u. Gemeindeordnung ; * 
Winterberg i. Sauerlande 23. IV. 1827; 
f Obermais b. Meran 19. XII. — W.: 
Handb. d. kathol. Eherechts; Handb. d. 
kath. u. ev. Kirchenrechts ; Lehrb. d. 
dtsch. Reichs- und Rechtsgesch.; Gesch., 
Quellen u. Liter, des kanon. Rechts; Der 
Altkatholizismus ; Lebenserinnerungen (3 
Bde.). — NFP 20. XI. M.-A.; VZ 21. 

XII. M.-A.; Frankf. Ztg. 23. XII.; WI 
7. 1539 (W); KL 1914, 1608 (W); DJZ 
20, 180/81 ;UKS-S 191 5, i,339; K 841 bis 
842 (W);ELK 1915. 3 I2 ;HV 17, 590/91; 



Chron. d. Univ. Bonn 40, 20/28 (Lands- 
berg) ; Alman. d. k. Ak. d. Wiss. Wien 
65. 455/59 (R- v. Scherer); Amtl. Ait- 
kathol. Kirchenbl. 5, 49/50 und 80/92 
(Bischof Dr. G. Moog); Internat. Theol. 
Ztschr. (Bern) 1907, 222/59 (Menn: J. F. 
v. Sch. als altkath. Schriftsteller z. 80. 
Geb.); Altkathol. Volksbl. 1915, 1/3 u. 
107 (G. W T . Douglas) ; Int. Kircbl. Ztschr. 
1 9 I 5i S. 3; Archiv f. kath. Kirchenrecht 
95, 191 5, S. 519/27 (N. Hilling); Franz 
Laurin : Schultes Kirchenrechtswiss. einst 
u. jetzt. 2. Aufl. Wien 1875. BJI,S. 86/88 
(Zorn). 

Schultz, Klemens, Pastor i. Hamburg a. d. 
St. Pauli-Kirche, tatig auf d. Gebiete der 
Jugendpflege; * Hamburg 21. IX. 1862; 
^das. 13. I. — AF 52, 122; KI 41, 724; 
Hamb.Korresp. 14. 1. Nr.23 (R.Meimke) ; 
8. II., Nr. 70 (Ein Erinnerungsblatt an 
K. S.); 14- IV. Nr. 187 (Gedenkfeier) ; 
BZ 34 [Kirchl. Gegenwart 1914, 82, 100 
(M. Franz: K. S., was er uns war u. ist), 
Ratgeber f. Jugendvereinigungen 19 14, 
24 (Weicker), Christl. Welt 19 14, Nr. 6 
(W. Classen)]. 

Schuster, Friedrich Wilhelm, siebenbiirgisch- 
sachs. Dichter; * Miihlbach (Siebenb.) 29. 
I. 1824; f Hermannstadt 4. II. — BR 6, 
360 (W); DE 13, 64; LE 16, 872; BZ 39 
[Korrespondenzbl. d. Ver. f. siebenbiirg. 
Landeskunde 39, 25/35 (&• Chaki: Eine 
Bemerkung zu d. beiden Ausgaben von 
Sch.s Gedichten)]; 42 [Arch. d. Ver. f. 
siebenb. Landeskunde NF 40, 5/77 (F. 
Teutsch: F. W. Schuster)]. 

igi Schwartz, Gerhard, Dr. phil., Mitarbeiter 
d. Mon. Germ, hist.; * Rostock 29. X. 
1889; g e *- au * d- Zuckerhut b. Markirch 
i. Els. 2. XI. — W.: D. Besetzung d. Bis- 
tiimer Reichsitaliens unter den sachs. und 
salischen Kaisern. — Neues Archiv d. 
Ges. f . alt. deutsche Geschichtskunde 40, 
436/40 (H. BreBlau). 

Schwartz, Fritz, Generaldirektor, Leiter d. 
Bruckmannschen Verlages, Herausgeber 
der »Kunst fiir Allei; * Altenplathow 
(Brandenbg.) 23. VIII. 1856; f Miinchen 
12. I. — IZ 1914, 1, 143, 150 (P); WI 7, 
1555; KL 1914. 1632/33; Kchr 1914, 271 
(Kirstein); KU 1914, 217 (H. Pallmann 
m. P), 191 5, 178/80 (H. Pallmann, F. 
Sch. z. s. 1 . Todestage) . 

Schwartzkopff, Philipp, Dr. jur., Oberpras. 
d. Prov. Posen, Wirkl. Geh. Rat; steil- 
vertr. Vors. d. Ansiedlungskom mission, 
Minist.-Dir. i. Kult.Minist.; * Magdeburg 
21. X. 1858; f SchloB Konbrutz 30. V. — 
T 127 (P) u. 129 (O. Pautsch, Dr. Sch. u. 
d. preuB. Volksschule) ; VZ 30. V. A.-A.; 



312 



Totenliste 1914: Schwarzenberg — Spee 



Koln. Ztg. 30. V., Germania 30. V., Tagl. 
Rundschau 4. VI. (System S.) ; IZ 1914, 

I. 1223 (H. Diez), I224(P);WI7, 1556; 

ELK 1914* SSo/S 1 ''^] 1915. 5^3- 
Schwarzenberg, Adolf Josef Fiirst zu, erbl. 
Mitgl. d. Herrenhauses d. osterr. Reichs- 
rats,k.k.Geh.Rat;*Wien 18. III. 1832; 
f SchloB Libejitz 5. X. — NFP 7. X. M.- 
A.; VZ 7. X. M.-A.; WI 7, 1558; HK 

1915, 208; Or 41, vi. 

SehweinbUTg, Viktor, Publizist, Hersg. d. 

* Berliner Politischen Nachrichten « ; "j" 
Berlin 22. 1. — WI 7, 1559; KL 1914, 1636. 

Schweitzer, Adolf, Landschaftsmaler, Prof. ; 

* Dessau 19. IV. 1847; f Dusseldorf 22. II. 

— MS 4. 243; BMW 2, 694/95 (W); BZ 
34 [Christl. Welt 1914, Nr. 23 (H. L. 
Kieber: A. Schw. am Kongo)). 

Seebeck, August W T ilhelm v., General d. Inf. 
z. D.; erster Kurator d. Kais.-Augusta- 
Stiftungin Potsdam; EK. I u. II v. 1870; 

* Berlin 16. IV. 1834; f Potsdam 27. XI. 

— VZ 29. XI. M.-A. u. 2. XII. M.-A. 
(Trauerfeier) ; WI 7, 1568; BT 1917, 802; 
T 90 (P; 80. Geb.); MZ 1914, 742/43- 

Seidel, Ludwig, Kirchenrat, 1879 — 90, Hrsg. 
der »Bausteine«; verd. um d. Herbergen 
z. Heimat, Jiinglingsver., Seemannsmis- 
sion, Pelddiakonie ; * Thallwitz b. Wurzen 

II. VIII. 1850; -J* Dresden 22. IV. — AF 
52, 374; Bausteine, Monatsbl. f. innere 
Mission 1914, 65/68 (Hickmann) m. P. 

Seidler, Ernst, Ingenieur, seit 1909 Vorst. 
d. techn. Abt. v. Melchers u . Co. in Shang- 
hai, Mitarb. an d. Ztschr. d. chines. Ver- 
bandes deutscher Ingenieure; * Berlin 3. 
X. 1879; f Shanghai (China) 11. X. — 
ZVDI 59, 119. 

Sell, Karl, D. Dr. phil., o. Prof. d. Kirchen- 
gesch. a. d. ev.-theol. Fakultat d. Univ. 
Bonn; * Gieften 29. XI. 1845; j[ Bonn 22. 
XII. — W.: Rafael u. Diirer als religiose 
Maler; Die gesch. Entwickl. d. Kirche i. 
19. Jhd.; Die Religion unserer Klassiker; 
Die Entwickl. d. wiss. Theologie in d. 
letzten 50 Jahren. — VZ 23. XII. A.-A.; 
WI7, 1579 (W); KL 1914, 1656/57 (W); 
HZ 114, 472; AD 1, 21/22 (W); UKS-S 
1915. 1. 339; K 860 (W); ELK 1915. 70; 
KJ 1915. 563/64 (W); HV 17. 59i : LE 17. 
578 ; Chron. d. Univ. Bonn Jg. 40, S. 28/35 
(O. Ritschl); BZ 36 [PreuB. Kirchenztg. 
1915, Nr. 2 (Walth. Kohler), Monatsschr. 
f. Gottesdienst u. kirchl. Kunst 191 5, 14. 
(F. Spitta)]; 39 [Hessische Chronik V, 
78/87, 104/14, 134, 1 59/69 (K. Sell: Gesch. 
d. hess. Familie Sell)]. 

Semler, Johannes, Dr. jur., Rechtsanwalt, 
1889 — 1907 M. d. Linken Zentr. der Biir- 
gerschaft, seit 1900 Mitgl. d. Reichst. 



(natlib., Wahlkr. 2 Hannover); * Ham- 
burg 15. X. 1858; f das. 23. IX. — VZ 
24. IX. M.-A.; WI 7, 1580. 

Sleveking, Hermann, Dr. phil., a.o. Prof.d. 
Physik a. d. Techn. Hochsch. Karlsruhe, 
Begriinder der akad. Flugschule u. Vors. 
d. Karlsruher Luf tf ahrvereins ; * Ham- 
burg 20. V. 1875 if Karlsruhe 25. VIII. — 
W.: Beitr. z. Theorie d. elektr. Entladung 
in Gasen. — VZ 26. VIII. M.-A.; Hamb. 
Korresp. 8. XI., Hamb. Nachr. 8. XI.; 
KTH 1 914/15, 198; Die Naturwissen- 
schaft Jg. 2, 1 914, S. 977/79 (Chr. Jensen) ; 
BZ 35 [Chemikerztg. 38, 1097]. 

Simon, Hermann Veit, Dr., Gen. Justizrat, 
bedeutend. Vertreter d. An waltstandes ; 
jurist. Schriftsteller, gemeinnutzig und 
sozial tatig; * Berlin; "j* St. Blasien 17. 
VII. 59 Jahre alt. — VZ 18. VII. M.-A. u. 
21. VII. A.-A. (Beisetzung) ; DJZ 19, 
98 1/82 ; Ztschr. f . d. ges. Handelsrecht 76, 
322/24 (K. I^ehmann); BZ 36 [Allg. Ztg. 
d. Judentums 191 5 Nr. u (A. J. Sull- 
nitzki)]. 

Soden, Hans Karl Hermann Frh. v., Z)., 
o. Hon. -Prof. d. neutestamentl. Exegese 
a. d. Univ. Berlin, 1. Pfarrer a. d. Jerusa- 
lemskirche in Berlin, hervorragender 
Kanzelredn.; * Cincinnati 16. VIII. 1S52; 
f Berlin 1 5. I. — W. : Handkommentar z. 
Neuen Testament; Palastina u. s. Gesch.; 
Die Schriften d. N. T. in ihrer altesten 
erreichbaren Textgestalt. — VZ 16. 1.M.- 
A. ; BZ Beil. 6 [Schwab. Merk. 23. 1., Tagl. 
Rundsch. 2. II.]; KI 41, 72; (W) ; IZ 
1914. 1 153 (P); WI 7, 1605 (W); Kh 
1914, 1684 (W); FT 191s, 914; DZL 
1378/79 (W);AF 52. 122; WJ 1914. HI.; 
AD 1, 11 (W); UKS-S 1914, 1, 342; WN 
1914, 248; K 876 (W); ELK 1 9 14, 95/9^ 
118; BZ 34 [Evang. -Sozial. 1914, 34/44 
(O. Baumgarten), Frauenbildg. 19 14, 92 
(E. Lemp), Christl. Welt 1914,'^. 5 (Ver- 
machtnis)]. 

^j*Spee, Maximilian Graf v., Vizeadmiral, 
Sieger in der Schlacht bei Santa Maria 
(Coronel) 1. XI., 1914; * Kopenhagen 22. 
VI. 1861; gef. i. d. Seeschlacht bei den 
Falklandsinseln 8. XII. — VZ n. XII. 
M.-A.; NFP 12. XII. A.-A. u. 13. XII.; 
Berl. Borsenztg. 17. III. 15 (O. v. Gott- 
berg), Frank. Kurier 17. III., Magdeb. 
Ztg. 17. III., Nordd. Allg. Ztg. 18. III., 
Schwab. Merk. 18. III., Hamb. Korresp. 
17. III., Kreuzztg. 17. III. (O. v. Gott- 
berg, Der Sieger von Santa Maria), NFP 
19. HI. (0. v. Gottberg), Pester Lloyd 
28. III. (Schwickert: Graf Sp., Sieger v. 
Santa Maria u. sein Geschwader) , VZ 18. 
IV. 15 (Briefedes Grafen Spee); IZ 191 4, 



Totenliste 19 14: Sperl — Sterzel 



313 



2, 820 (P); GT 1916, 93ou.Ehrentafel 12; 
MAZ 1914, 665; Kirchhoff, M., Graf v. 
Sp. d. Sieger v. Coronel; H. Pochhammer, 
Graf Sp.'s letzte Fahrt; BJI, S. 88/91 
(Koehler). 

Sperl, Johann, Kunst- u. Landschaftsmaler, 
Freund Leibl's; * Buch b. Niimberg 3. 
XI. 1840, f Bad Aibling 28. VII. — VZ 
30. VII. A.-A.; Munch. N. Nachr. 30. 
VII. Frank. Kur. 30. VII. (W.Meyer); 
DZL 1391 (W); MAZ 1914. 495/9<5 (R. A. 
Linhof); KU 191 5. 1 5 »/5 3 (P«- W) ; SK 
1,888; MS 4, 317 u. Nachtr., 264; BMW 
2, 783 (W); BZ 35 [Weltrundsch., Beil. z. 
Universum 29, 354 (P. W T estheim)]. 

Sperlich, Josef r Landgerichtsprasident a. D., 
Geh. Ob.-Justizrat, 1885 — 93 M. d. A., 
1890 — 93 und 1912 — 1918 M. d. R. 
(Zentr.); * Herzogswalde 14. VIII. 1845; 
f Altena i. W. 23. XII. — WI 7, 1618; 
RH 1912, 379 u. 481 (P);HA 1886, 288. 

Spieth, Jakob, D. t Missionar, Senior der 
Missionare d. Nordd. Mission, seit 191 1 
Leiter des Missionsheims »Tanne« im 
Rauhen Haus in Hamburg; Lehrer am 
Kolonialinstitut, Erforscher d. Relig. 11. 
Sitten d. Ewevolker in Togo; Bibeliibers. ; 

* Hegensberg b. Efllingen 2. XI. 1856; 
f Hamburg 28. V. — W.: Die Ewe- 
stamme; Die Religion der Eweer. — WJ 
1914, IV; WN 1914, 111/19 (M. Schlunk 
m. Lit.); ELK 1914, 550; KJ 1915, 564; 
BZ 38 [D. evang. Missionen 1916, 25/36 
(D. J. Sp. Bibeliibers. d. Ewevolkes)]; 
Schreiber, Bausteine z. Gesch. d. Nordd. 
Missionsges. 191 1, S. 104 (Schriften Sp.s). 

igiStadler, Ernst, Dr. phil., Prof., Privatdoz. 
d. dtsch. Philologie a. d. Univ. Briissel; 

* Kolmar i. Els. 11. VIII. 1883; gef. in 
Nordfrankreich 4. XI. — W.: Praludien 
(Gedichte) ; Der Aufbruch (Ged.) ; Mhrsg. 
d. Akad.-Ausg. v. Wielands Werken; 
Wielands Shakespeare. — VZ 9. XI. A.-A. 
u, n. XI. A.-A. (C. Sternheim); W T I 7, 
1626 (W); KL 1914, 1707 (W); BR 7, 
17/18 (W); UKS-S 191 5^ 1. 34o; LE 17, 
318; BZ 35 [Marz 28. XI. (R. Schickele : 
Folgen des Krieges) 1 ; 37 [Religiose Kultur 
2. Jg. (F. M. Huebner)]. 

i&Staebler, Hanns, Dr. phil., Mitarb. a. d. 
Mon. Germ, hist.; * Degerloch b. Stutt- 
gart 21. IX. 1888; gef. b. Paschendaele 
20. X. — W.: Geschichte EBlingens bis 
zurMitted. 13. Jhd. — WN 1914,273 (W 
u. Lit);.HV 17, 587; Wurttemb. Viertel- 
jahrshefte f. Landesgesch. 24, 119 (A. 
Hofmeister) ; Neues Archiv d. Gesch. f. 
alt. dtsch. Geschichtskde. 40, 432/35 (E. 
Seckel) u. 449. 

i&Stalzer, Joseph, Dr. phil. t Privatdozentd. 



klass. Philologie a. d. Grazer Univ., Prof, 
a. Staatsrealgymnasium ; gef. in Serbien 
24. XI. — VZ 16. XII. A.-A.; UKS-S 
191 5, 2, 548; BZ Beil. 7 (Grazer Tagebl. 
6. XII. (H. Schenkl)]. 

Stavenhagen, Bernhard, Klaviervirtuose, 
Hof pianist u. Hofkapellmeister, Prof. a. 
Genfer Konservatorium, fruh. Dirigent 
in Weimar u. Miinchen, friih. Direktor d. 
Akad. d. Tonkunst in Miinchen; Kom- 
ponist; * Greiz i. Vogtl. 24. XI. 1862; f 
Genf 26. XII. — VZ 27. XII M.-A.; 
NFP 27. XII. M.-A.; DZL 1404 (W) ; R 
1072 (W); AMZ 1915, 6; MWB 1914, 588; 
BZ 36 [Die Musik 14, 82 (E. Istel)]. 

Steiniger, Heinrich, Hofrat, Ing., Staats- 
bahndirektor in Innsbruck; * Wien 1856; 
•j- das. 10. VII. — Ztschr. d. osterr. Ing. 
u. Arch.-Ver. 19 14, 605. 

Stegmann, Hans, Dr. phil. t Dir. d. bayr. 
Nation aim use urns, Doz. d. Stillehre a. d. 
Kunstgewerbeschule in Miinchen ; Musik - 
u. Kunstkritiker ; * Weimar 27. IV. 1862; 
f Miinchen 15. II. — VZ 16. II. M.-A.; 
Frank. Kur. 16. II. (G. v. Bezold), Munch. 
N. Nachr. 16. II.; WI 7, 1637 (W) ; KL 
1914, I7I7(W);MAZ 1914, 125 (E.Basser- 
mann-Jordan), KU 1914, 312; HV 17, 
312; BZ 34 [Munchn. Jahrb. d. bild. 
Kunst 1913, VII— X (Ph. M. Halm)]; 35 
[Museumskunde 10, in]. 

Steiner, Isidor, Dr. tned., Geh. Rat, em. 
Prof. d. Physiologie a. d. Univ. Heidel- 
berg; Nervenarzt in Koln; * PleB O.-S. 
3. III. 1849; f Koln Mitte Oktober. — 
HBL 5. 525 (W); PBL 1644/45 (W). 

Stengel, Rudolf, Grund- u. Bergwerksbe- 
sitzer, Konsul a. D.; 1867 — 19 12 M. d. A. 
(freikons.); * Potsdam 29. IX. 1827; -j* 
StraBfurt 30. IV. — Post 2. V. (O. v. Zed- 
litz u. Neukirch: Konsul St. i. Abgeord- 
netenhause); W r I 7, 1648; HA 1908, 433 
u. 498 (P). 

igiStenglin, Ernst Frh. v., Maler, bek. durch 
Bilder aus d. Jagerleben; gef. b. Dix- 
muiden 10. XI. — KU 191 5, 160. 

Stephan, Bernhard, Dr. jur., Rechtsanwalt 
u. Notar, Justizrat, 1892 — 1903 Mitgl. d. 
Reichst. (Zentr.), Generaldirektor d. 
Grafl. Schaffgotschen Verwaltung, tatig 
auf d. Gebiete der Arbeiterfiirsorge und 
MaBigkeitsbewegung; * Ostrowo 10. XI. 
i8«;s;'f Beuthen8. VIII. — VZ 11. VIII. 
A.-A.; RH 1898, 268; JSG92. I. 38/40. 

Sterzel, Johann Traugott, Dr. phil., Minera- 
loge u.Geologe, Prof., Dir. d. stadt. natur- 
wiss. Sammlung in Chemnitz, Oberlehrer 
a. D.; * Dresden 4. IV. 1841 ; jf Chemnitz 
20. V. — WI 7, 1650 (W); KL 1914. 
1737 (W). 



314 



Totenliste 1914: Stolzmann — Suefi 



Stolzmann, Wilhelm, Dr. theol. t 1882 — 1906 
Konsistorialprasident d. Pro v. Schlesien, 
Wirkl. Geh. Ob.-Konsistorialrat; * Kem- 
berg 4. VIII. 1826; f Breslau 24. III. — 
KI 41, 725; Evang. Kirchenztg. 1914, 
Nr. 23 (Repke) ; WI 7, 1663 ; DZL 1422/23 
(W). 

igiS track, Max Lebrecht, Dr. phil., o. Prof. d. 
alten Gesch. a. d. Univ. Kiel; Numis- 
matiker; EK. II; * Hamburg 9. IX. 1867; 
gef. b. Merckein i. Belg. 10. XI. — W.: 
Aulus Hirtius. — VZ 14. XI. A.-A.; WI7, 
1665; KL 1914. 1753 (W); HZ 114, 236; 
UKS-S 1915, 1* 339; VZ 17, 588; BZ 37 
[Ztschr. f. Numismatik 32, 179 (K. Reg- 
ling)]; 39 [Hessische Chronik V, 54/60 
(P. -Strack: Aus d. Familienchronik d. 
M. I,. Str. in GieBen u. Kiel)]. Vollbehr- 
Weyl, Prof, und Dozenten der Christ.- 
Albrechts-Univ. Kiel, S. 126. 

♦Strohal, Emil, Dr. jur. t Geh. Hofrat, o. Prof, 
d. dtsch.-biirgerl. u. sachs. Rechts a. d, 
Universitat Leipzig; * Birgitz b. Axams 
i. Innsbrucker Mittelgebg. 31. XII. 1844; 
+ Leipzig 6. VI. — W. : Sukzession in den 
Besitz 1885; Deutsches Erbrecht 3. Aufl. 
1 9° 3/04.; hervorragender Kritiker a. d. 
Entwurf d. deutschen BGB. — VZ 8. VI. 
A.-A.; Grazer Tagebl. 9. VI.; Leipz. 
Tagebl. 8. VI.; IZ 1914, 1, 1264 (P) ; 
WI 7- 1673 (W); KL 1914. 1762 (W);. 
DZL 1434/35 (W); DJZ 19, 796/98 (E. 
Heymann); AD 2, 28 (W); K 912 (W); 
Ztschr. f. d. Privat- u. offtl. Recht d. 
Gegenwart Bd. 41, 1915. 1 — 26 (M. Well- 
spacher); BZ 36 [Iherings Jalirb. 2. F. 
29. B., 1 — 50 (L.Mitteis) ; Allg. osterr. Ge- 
richtsztg. 1915, 188 (J. Bunzel: Eine 
kleine vergessene Episode aus d. Leben 
E. Str.s)). BJI S. 91/93 (R. Mayr). 

Stulpnagel, Friedrich v., Rittergutsbesitzer, 
M. d. H., Kurator d. Ritterakad. u. Dom- 
herr des Hochstifts zu Brandenburg. EK. 
II v. 1870; * Grunberg 8. VII. 1847; f 
Lindhorst 25. VIII. — VZ 28. VIII. 
M.-A.; UT 1915,747. 

Stunzner, Karl v.. General d. Kavallerie z. 
D., friih. Komm. Gen. d. X. Armeekorps, 
EK. I u. II v. 1870, Ritter d. Schwarz. 
Adlerordens ; * Frankfurt a. O. 11. XI. 
1839; f Fiirstenwalde 2. IV. — VZ 4, IV. 
M.-A.; IZ 1914, 1, 864; WI7, 1679; BT 
*9i5. 934; DZL 1443/44; MZ 1914, 236. 

Suchier, Hermann, Dr. phil., o. Prof. d. 
roman. Philologie a. d. Univ. Halle, Her- 
ausgeber u. Erklarer altfranzos. u. pro- 
venzalischer Sprachdenkmaler; * Karls- 
hafen a. Weser 11. XII. 1848; f Halle a. S. 
3. VII. — W.: Gesch. d. franz. Literatur 
(m. Birch-Korschfdd). - VZ4. VII. A.-A.; 



Frankf. Ztg. 6. VII. (M. Fried wagner) ; 
IZ 1914* 2, 100; WI 7, 1683 (W); KL 
1914, 1772 (W); DZL 1445/46 (W); K 
915/16 (W); LE 16, i5i9;Chron.d.Univ. 
Halle 1 9 14/15, S. 1 1/18 (Voretzsch). 

j&Sudhaus, Siegfried, Dr. phil., o. Prof. d. 
klass. Philologie a. d. Univ. Kiel, Hrsg. 
d. Philodemischen Rhetorik u. d. Menan- 
der; * Treptow a. d. Rega 9. VII. 1863; 
gef. bei Bixschote (Flandern) 23. X. — 
W.: Menandri reliquiae. — VZ 21. XII. 
A.-A.; WI 7, 1684 (W); KL 1914, U73 
(W) ; UKS-S 191 5, 1. 339; Chron. d. Univ. 
Kiel 1914/15, S. 7/8; BZ 40 [Jahresber. 
iib. d. Fortschr. d. klass. Altertumswiss. 
*73> 65/81 (F. Vollmar)]. Profess, u. Doz. 
d. Christ. -Albr. -Univ. Kiel, S. 121. 

igiSOskind, Hermann, Lie. theol., Privatdoz. 
d. system. Theologie a. d. Univ. Tubingen ; 
* Ohringen 3. I. 1879; gef. Niederaspach 
26. XII. — W. : Christentumu. Geschichte 
bei Schleiermacher. — WN 1914, 232/46 
(Paulus); Schwab. Merkur 6. III. 15 
(Scheel); Christl. Welt 191 5, 653 ff. 
(Troeltsch) . 

♦SueB, Eduard, Dr. med. h. c. t Dr. phil. h. c. 
Dr. techn. h. c. t friih. o. Prof. d. Geologie 
a. d. Univ. Wien, Alterspras. d. Kais. 
Akad.d. Wiss. in Wien, Hofrat; korresp. 
M. d. bayr. Akad. d. Wiss.; * London 
20. VIII. 1831; f Wien 26. IV. — W.: 
Die Entstehung der Alpen; Das Antlitz 
der Erde; Erinn. Lpz. 1916. — VZ 27. IV. 
M.-A.; Frankf. Ztg. 27. IV. (C. Diener), 
Pester Lloyd 27 IV., Ger mania 29. IV. 
(Tiessen : D. Erklarer d. Erde, Erinn. an S.) ; 
NFP27. IV. (C. Diener: S. als Naturf.), 
ebd. 27. IV. (A. Stern: S. im offentl. Le- 
ben) ; Neue Ziirch. Ztg. 29. IV. (H. Rosen- 
feld); IZ1914, i.Nr. 3696(F); JAW191;, 

. 103/05 (A. Rothpletz); WI 7, 1685 (W); 
KL 1914, 1775 (W); OR 39, 328 u. VII; 
DRG 36, 432 u. 474/75 (P); PM 1914. 1. 
339 (A. v. Bohin) u. 1914, 2, Taf. 1 (P) ; 
Sozialist. Monatsh. 19 14, 854/51;; K 916 
(W); PF 1464 (W); GZ 1914, 294; GA 
1 9 14, 190 (Haack) ; Alman. d. k. Akad. d. 
Wiss. Wien 64, 19 14, S. 349/62 (E. v. 
Koerber, Fr. Becker m. P); Mitt. d. k. k. 
geograph. Ges. in Wien 57, 296/311 (A. 
Krebs); BZ 34 [Mitt.d. dtsch. 11. osterr. 
Alpenvereins 1914, 125; Monatsbl. der 
Altert.-Ver. zu Wien XI, 33: Zs. f. Vul- 
kanologie I, 131 ( J . Friedlander) ; Auf 
Vorposten 3, 260 (Jud. Lob z. Tode des 
Geologen S.)] ; 35 [Carniola Zs. f . Heimat- 
kunde Laibach, N. F. V, 180/84, Geolog. 
Rd.schau V, 239; Verhandl. d.k.k. geolog. 
Reichsanstalt 1914. l 77 (E. Tietge) ; Mo- 
natsber., Beil. d. Zs. d. dtsch. geolog. Ge- 



Totenliste 19 14: Sulze — Tombo 



315 



sellsch., 66. Bd., 260/64 (Michael)); 36 
[Lotos naturwiss. Zs. 62, 146 (A.Liebers)J ; 

38 [Geogr. Jahresber. aus Osterr. 11, XV 
(F. Machalscheck), Mitt. d. naturwiss. 
Vereins f. Steiermark 51, 3 (V. Hilber)]; 

39 [Dtsch. Revue Okt 1916, 86/103 (Aus 
d. Erinn. v. E. S.)]; 40 [AUg. Ztg. d. Ju- 
dentums 191 7, Nr. 20 (Aus d. Erinn. v. 
E. S.)]; 41 [GA 1917, 169/73 (E.Hundt), 
Dtsch. Arbeit, Prag, XVI, 84/87 (E. 
Lampe), Marz 1919, 887 (Schiller-Mar- 
morek: Ein osterr. Liberaler)] ; 42 [Jahrb. 
d. k. k. geol. Reichsanst. 66, 333 — $56 
(E. Tietze: E. S., Beitr. z. Gesch. d. Geo- 
logic)]; Neue osterr. Biogr. I, 70/77 (E. 
Plener, 78/83 (C. Diener in. P). BJI, 
S. 93/95 (W. Salomon). 

Sulze, Emil, D. Dr. phil., theol. u. kirchen- 
polit. Schriftsteller, Hrsg. d. kirchl. Zs. 

♦ Die Leuchte«, em. Pfarrer; * Katnenz 
i.S. 26.II. 1832 ;•}■ Bad Oeynhausen 29. V. 
— VZ 2. VI. A.-A.; WI 7, 1686 (W) ; KL 
1914. 1774 (W); AF 52, 374; Die Hilfe 
1914. 385/86 (W. Hoffmann); ELK. 
1914, 599; KJ 1915. 564 (W); BZ 34 
[Protestantenbl. 1914, Nr. 24 (P. KirmB), 
Protest. Monatsh. 1914, 248 (J. Websky), 
Sachs. Schulztg. 19 14. Nr. 23 (Erinne- 
rungen)]; 35 [PreuB. Kirchenztg. 1914, 
Nr. 28 (Schian), Protest. Monatsh. 19 14, 
285/91 (G. Winter), Schweiz. Reformbl. 
1914, Nr. 25]. 

Suttner, Bertha v., Baronin, Schriftsteilerin, 
bekannt durch ihreFriedensbestrebungen, 
Tragerin d. Nobel- Fried en preises 1905; 

* Prag 9. VI. 1843; t Wien 2I - VI - — 
VZ 22. VI. M.-A. ; NFP 23. VI. (Delia Gra- 
zie: S.s Personlichkeit) , ebd. (A. H. 
Fried), ebd. 22. VI. (P. Stegan), Zeit 
Wien 24. VI. (A. Apponye), Hamb. 
Korresp. 23. VI. (G. Masse), FZ23. VI. (B. 
v. S.u. A.Nobel), KZ 23. VI. (H.Wehberg: 
B. v. S.s Lebenswerk); TR 23. VII. (K. 
Korber), Berl. Tagebl. 24. VII. (Letzter 
Brief an d.deutschenFrauen). IZ 1914, 1 
1374 (P); WI7, 1687 (W) ; KL 1914. 1777 
(W); FT 191 5, 965; DZL 1449/50 (W); 
BR 7, 144/45 (W); AF 52, 374; OR 39. 
VIII u. 40, 75 (A. H. Fried) ; PY 2, 350/5 1 
(W); LE 16, 1447; BZ 35 [Friedenswarte 
1914, S. 243 (A. H. Fried: B. v. S.s Be- 
deutung f. d. Friedensbewegung m. P), 
246 (Personlichk. v. B. v. S. m. P), 252 
(W. Schiicking: B. v. S. u. d. Wiss. v. 
Volkerrecht) , Hochland 19 14, Aug. 631 
(M. Schneidewin), Allg. Ztg. d. Juden- 
tums 19 14, Nr. 28 (Norden: Zum Tode 
B. v. S.s); 36 [Die christl. Frau 191 5, 
12/17 (M. Hiemenz)); 40 [Ethische Kul- 
tur 191 7, 33 (E. Friederichs: Schuld a. 



Weltkriege. B. v. S.s Stimme)]; 41 [OR 

53, 59/64 (S. Miinz: B. v. S.s Friedensver- 

machtnis)!; 44 [Wiener Almanach 28, 

180 (E. Brief v. B. v. S.); Friedenswarte 

1919, 125 (Z. 5. Todestage)]. 
Svetlin, Dr., Reg.-Rat, bek. Psychiater, 

Pras. d. osterr. Arzteverbandes u. d. 

Wiener Doktorkollegiums ; | Wien 24. 

VIII. — NFP 25. VIII. M.-A. u. 27. VIII. 

(Beisetzung) M.-A.; VZ 25. VIII. M.-A. 
Swoboda, Rudolph, Portratmaler; * Wien 

4. X. 1859 ; f das. 26. 1 . — VZ 28. 1. A.-A. ; 

WI 7, 1689 (W); MS Nachtr. 270; BMW 

2, 87O (W). 

Tafel, Hermann, Kunstschriftsteller u. Kri- 
tiker; Holzschneider ; * Ohringen 19. VII. 
1861 ; f Cannstatt 23. VI. — Neues Tage 
bl. Stuttgart 26.VI.U. 3. VII.; KU 1914. 
516; KJ 1914, IV; W T N 1914, 257; MS 

4, 376; LE 16, 1448. 

Tafel, Otto, Dr., Oberbaurat, Prof. a. d. 
Baugewerkschule in Stuttgart; * Ohrin- 
gen 29. V. 1838; f Stuttgart 26. I. — BZ 
Beil. 6 [Schwab. Merkur 27. I. J; WJ 1914, 
III ; WN 1914, 1/4 (H. Schonleber m. Lit.) ; 
DBZ 1914, 102. 

Tellemann, Eduard v., Okonomierat, M. d. 
preufl. H., Kreisdeieg., EK. II v. 1870; 

* Naumburg 22. III. 1840; f Schkolen 

2. III. — VZ 2. III. A.-A. BT 191 5, 942. 
Tewele, Franz, volkstiimlicher Wiener Ko- 

miker; bis 1882 Dir. d. Karls-Theaters in 
Wien, zul. a. Dtsch. Volkstheater in Wien; 

* Wien 29. VII. 1843^ Ischl 10. IX. — 
NFP 10. IX. A.-A. (W) ; VZ 1 1 . IX. M.-A. ; 

wi 7, 1701; Or 40, vii. 

Thomsen, Robert, Dr. med., Medizinalrat, 
Prof., Privatdoz. f. Psychiatrie u. Neu- 
rologie a. d. Univ. Bonn, dirig. Arzt u. 
Leiter der Dr. Hertzschen Privat-Heil- 
u. Pflegeanstalt, Mitgl. d. Medizinalkol- 
legiums d. Rheinprov.; * Hamburg 15. 
VII. 1858;! Bonn 26. X.-W.: Klin. Beitr. 
z. Lehre v. d. Zwangsvorstellungen ; Pro- 
gnose d. Psychosen i. Allgemeinen; Die 
akute Paranoia. — VZ 29. X. A.-A.; AD 

3, 169 (W); UKS-S 191 5. i> 339; BKW 
1914, 1903/04 (Konig) ; MMW 1914, 2196; 
K 926 (W); Chron. d. Univ. Bonn 40, 

5. 16/20 (Westphal); BZ 36 [Archiv f. 
Psychiatrie 55, 622 (Konig)]. 

Tlschendorf, Paul v.. Dr. phil., kaiserl. dtsch. 
Generalkonsul a.D. ;* Leipzig 30. XI. 1 847 ; 
f Hannover 17. VII. — WI 7. i7i7;DZL 
1468/69; BZ 36 [Sachs. Kirchen- u. Schul- 
blatt 191 5, Nr. 3 zu T.s Gedachtnis) ] ; 38 
[Ecce d. Landesschule Grimma 35, 61]. 

Tombo, Rudolf, jr.. Dr. phil., Prof.d. dtsch. 
Sprache u. Literatur a.d. Columbia-Univ. ; 

* Barmen 1875; f Neuyork 22. V. — 



3i6 



Totenliste 19 14: Trakl — Volk 



Berl. Tagebl. 24. V. (L. Fulda) ; T 191 
(P); WI7, 1720 (W);LE 16, 1375. 

Trakl, Georg, Lyriker; j" Krakau 5. XI. — 
VZ 30. XI. A.-A.; Die Neue Rd.schau 
1915, 140/41 (F. Braun: Z.Gedachtnis G. 
T.s);LE 17,449; Frankf. Ztg. 5.III. 1915 
(A. Ehrenstein). 

Uebele, Gustav, Dr. phil., em. o. Prof, der 
Pharmakologie u. Therapie a. d. tierarztl. 
Hochschule Stuttgart , Stadt direktions- 
tierarzt in Stuttgart, Hrsg. d. Handlexi- 
kons d. tierarztl. Praxis; * Kiinzelsau 4. 
VII. 1869; f Stuttgart 16. VI.— Schwab. 
Merkur 17. VI.; \VJ 1914, IV; WN 1914, 
257; BZ 35 [Berl. Tierarztl. Wochenschr. 
30, 1914, 421/35 (v. SuBdorf), Dtsche. 
Tierarztl. Wochenschr. 22, 1914, 421]. 

Uhlig, Gustav, Dr. phil., Geh. Hofrat, o. 
Prof. d. klass. Philol. a. d. Univ. Heidel- 
berg, Fiilirer d. dtsch. Gymnasiallehrer- 
bewegung; * Glehvitz 9. VII. 1838; 
■j* Schmiedeberg i. Riesengeb. 14. VI. — 
VZ 16. VI. M.-A.; WI 7, 1739 (W); KL, 
1914, 1826 (W); K 940 (W); BZ 35 [Das 
humanist. Gymnas. 1914,83/ 103 (E.Griine- 
wald, 191 5, 164; Dtsch. Philologenblatt 
Nr. 25, Zs. f. Gesch. d. Erzieh. u. d. Un- 
terrichts 4, 171/74 (F. Bucherer)]; 36 
[Siidwestdtsche. Schulblatter 191 5, 6/13 
(Hildgard)]. 

Uhlirz, Karl, Dr. phil., o. Prof. d. osterr. 
Geschichte a. d. Univ. Graz; * Wien 13. 
VI. 1854; f Graz 22. III. — W.: Urkun- 
denfalschungen des Bischofs Pilgrim v. 
Passau; Gesch. d. Erzbistums Magde- 
burg u. d. sachs. Kaiser; Jahrbb. des 
dtsch. Reichesunter Otto II. u. Otto III.— 
WI7, i739(W);KL 1914. 1827 (W);OR 

38, VIII; HZ 113, 236; UKS-S 1914, 2, 
559; K 941 (W);HV 1917, 3 ! 3; Alm.d.k. 
Akad. d. Wiss. Wien 64, 1914, S. 452/54 
(O. v. Redlich) ; BZ 36 [Zs. d. hist. Vereins 
f. Steiermark 12, 1—8 (H. v. Srbik)]; 38 
[Mitt. d. Inst. f. osterr. Gesch. -Forsch. 
36, 214 (E. v. Ottenthal)J; Neues Archiv 

39. 534/5 (M. Tangl). 

Uth, Max, Berliner Landschaftsmaler a. 
d. Schule Eugen Brachts, Prof.; * Berlin 
24. XI. 1863; if Hermanns werder b. Pots- 
dam 15. VI. — VZ 16. VI. M.-A.; T 140 
(P); WI 7, 1746/47 (W); DZL 1493 (W); 
SKL 973; MS 4. 468. 

&ViUthum-Eckstadt,KarlottoGrafv.,sachs. 
Generalleutnant ; Komm.d. 47. gemischt. 
Landw. -Inf. -Brig.; * Oberlichtenau 18. I. 
1857; f Chemnitz a. s. Verwundung 16.X. 
— VZ 17.X.M.-A.; Wl7, 1762; GT 1916, 
1035 u. Ehrentafel 13. 

Voelckers, Karl, Dr. med., Geh. Medizinal- 
rat, em. o. Prof. d. Augenheilkunde a. d. 



Univ. Kiel, Verwaltungsdir. d. akad. Heil- 
anstalten; * Lensahn 28. III. 1836; 
■j- Kiel 2. II. — W. : Experimental Unter- 
suchung iiber den Mechanismus der Ak- 
kommodation (zus. m. V. Hensen). — VZ 
3. II. A.-A.; WI 7, 1763 (W); AD 3, 265 
(W); UKS-S 1914, 1, 342; HBL 6, 134 
(W); PBL 1780 (W); AL 2, 340 (W); 
MMW1914, 344 u. 931/32 (Oloff m.P); 
K 955 (W); Kieler Ztg. Nr. 55 v. 3. II. 
(Nachr.) u. Nr.61 v. 6. II. (Trauerfeier) ; 
Mitt. d. Ver. Schlesw. -Hoist. Arzte N. F. 
Jg- 2 3» S. 1 — 6 m. P; Zentralbl. f. prak- 
tische Augenheilkunde 38, S. 65/66 (J. 
Hirschberg) ; Zs. f . Augenheilkunde 32, 
S. 92/94 (Stargardt m. P) ; Klin. Mo- 
natsbl. f. Augenheilkunde 52, 718 (L. 
Heine m. P) ; BZ 34 [Wiener klin. Rdsch. 
28, 98 (S.Klein)]. Vollbehr-Weyl, Prof, 
u. Doz. der Christian- Albrechts-Uni vers. 
S. 65. 

Vogel,Max, Bergassessor, Bergwerksdirekt., 
techn. Vorstandsmitgl. i. d. Verwaltung 
des Esclrweiler Bergwerksvereins zu 
Kohlscheid b. Aachen ; * Thale a. H. 1 . V. 
1869; f Kohlscheid b. Aachen 7. I. — 
ZVDI 58, 321 m. P. 

gi Vogel v. Falckenstein, Kurt, Dr. phil. t Pri- 
vatdoz. d. Geologie a. d. Univ. GieBen; 

* Schweidnitz 25. III. 1876; gef. b. Hau- 
bourdin b. Lille 25. X. — VZ 21. XI. 
A.-A.; BT 1916, 992; DRG 37, 237; PM 
191 5, 113 u. Taf. 38 (P); UKS-S 1915. 1, 
339; GA 191 5, 154; L 191 Sp 5 1 ;BZ 37 [Zs. 
f. Forst- u. Jagdwesen 47, 723 (Holl- 
weg)]. 

♦Vogelsang, Heinrich, Bremer Kaufmann, 
Gehilfe Luderitz' bei der ersten deutschen 
Kolonialerwerbung in Siidwestaf rika ; 

* Bremen 17. III. 1862; -j* das. 23. V. — 
Deutsche Ztg. 2. VI. : Wie H. V. Deutsch- 
Sudwestafrika erwarb; T 123 (P) ; PM 
1914, 2, 23. BJI,S. 95/97 (F- Oloff). 

igj Voigts-Rhetz, Werner v., Generalquartier- 
meister, Generalmajor; * Jiiterbog 13. I. 
1863; f Mezieres im Felde 19. XI. — VZ 
20. XI. M.-A.; BT 1916, 997; T 274 (P) ; 
BZ 3S [Ecce der Landesschule Pforta 

1915- 5. 2 3l- 
Volk, Georg, Lrehrer, Griinder u. Forderer 
des Volksbildungswesens i. Rhein- Main- 
gebiet; literarisch auf ds. Gebiete tatig; 

* Kirch-Brambach 26. IV. 1862; f Frank- 
furt a. M. 20.X. — AF 52, 452; WI7, 
1770 (W); LE 17, 449; BZ 35 [Gemein- 
niitz. Blatt. f. Hessen u. Nassau 19 14. 
S. 386/91]; 37 [Deutschland, Ztschr. f. 
Heimatkde. VI, 257 (Pfleger deutscher 
Heimat- u. Landeskde. in Wort u. Tat: 
G. V.)]; 38 [GA 1916, 75 (L. Fraenkel)]. 



Totenliste 1914: VoB — Weber 



317 



VoB, Hubertus, Dr. theol., Bischof v. Osna- 
briick, vorher Regens d. Priesterseminars 
u. Domkapitular in Miinster; * Borken 
25. X. 1841; f Osnabriick 3. III. — VZ 
3. III. A. -A.; IZ 1914. 1. 502 (P); WI 7, 
1776. 

igiWadehn, Johannes, friih. Oberbiirger- 
meister v. Weiflenfels, seit 1909 Direktor 
i. Bund der Landwirte, Hauptm. d. L.; 
* Neuteich (Westpr.) 16. VI. i860; gef.i. 
Osten 24. X. — VZ 1. XI. M.-A.; WI 7, 
1780; Altdtsch. Bl. 1914, 389. 

i&Waenker v. Dankenschweil, Ferdinand, 
Generalleutnant, Kom. d. 49. Res.-Inf.- 
Div., Pras. d. bad. Verbandes d. Militar- 
vereine, EK. I u. II; * MeBkirch (Bad.) 

19. X- 185 1 ; gef. b. Boravo 25. XI. — 
VZ 28. XI. M.-A.; WI 7, 1780/81; BT 
1916, 1005. 

Wahnschaffe, Felix, Dr. phiL, Geh. Bergrat, 
o. Prof. a. d. geolog. Bergakad. u. Ab- 
teilungsdir. d. geolog. Landesanstalt in 
Berlin, Privatdoz. a. d. Univ. Berlin; * 
Kaltendorf 27. I. 1851; f Berlin 20. I. — 
W.: Die Eiszeit in Norddeutschland. — 
VZ 21. I. M.-A.; WI 7, 1787 (W); KL 
1914, 1877 (W); DZL 1525/26 (W);DRG 
36, 287; PM 1914, 1, 145 u. Taf. 30 (P); 
UKS-S 1914. 1, 342; PF 1587/88 (W); GZ 
1914, 115; BZ 34 [Das Jahr 1913, 235, 
Internat. Mitt. f. Bodenkde. V, 97/104 
(F. Schucht), Monatsber. Beibl. z. Ztschr. 
d. dtsch. geolog. Gesellsch. 66 ; S. 65/80 
(Krasch)]; 37 [Ztschr. f. Gletscherkde. 
9, 207/16 (O. v. Linstrow)]. 

Waldow-Merenthien, Bernhard v., Ritter- 
gutsbesitzer, M. d. A. (kons., Wahlkr. 
Arnswalde-Friedeberg) seit 1900; * Me- 
renthien 1. IX. 1856; f das. 22. XII. — 
VZ 23. XII. A.-A.; WI 7, 1790; UT 
1916, 870; HA 1914, 437 u. 491 (P). 

Wall bach, Ludwig, Schauspieler u. Kom- 
ponist, friih. Mitgl. d. Stuttgarter Hof- 
theaters; * Stuttgart 5. III. 1832; f das. 

20. X. — WJ 1914, V; WN 1914, 186/88 
(R. Kraufl); AMZ 1914, 1240; EG 1087. 

Waltenhofen zu Eglofsheimb, Adalbert v., 
Dr. phil., em. o. Prof. d. allgem. u. 
techn. Physik, bes. d. Elektrotechn., a. 
d. Techn. Hochschule Wien; * SchloC 
Admontbiihel (Steierm.) 14. V. 1828; f 
W r ien 6. II. — W: Die internationalen 
absoluten MaBe, insbes. d. elektr. Mafie ; 
WI 7, 1794 (W) ; KL 1914, 1883 (W) ; OR 
38, VII; KTH 1914/1^ 198; K 974/76 
(W); PF 1594 (W); Aim. d. Akad. d. 
Wiss. Wien 64, 1914, S. 366/68 (WaO- 
muth). 

Walther, Christoph H. F., Dr. phil., Prof., 



seit 1875 Sekretar d. Hamb. Stadtbiblio- 
thek, niederdeutscher Sprachforscher ; 
* Hamburg 29. IV. 1841 ; "f das. 9. II. — 
KL 1914, 1886; BZ 35 [Jahrb. d. Ver. f. 
niederdtsch. Sprachiorschung 40, 155/66 
(C. Borchling, Gedachtnisrede)]. 

Wartenegg, Wilhelm v., Dramatiker, k. k. 
Reg.-Rat, Mitgl. d. Akad. d. bild.Kiinste 
in Wien, friih. Offizier; * Wien 24. VI. 
1839; f das. 14. X. — NFP 15. X. M.-A.; 
BR 7, 328/29 (W); KR 1914, 678 (W). 

Wartha, Vinzenz, Dr. phil., em. o. Prof, 
d. chem. Technologie a. d. Univ. Buda- 
pest, Mitgl. d. ungar. Akad. d. Wiss.; * 
Fiume 17. VII. 1844; f Budapest Ende 
Juli. — VZ 25. VII. A.-A.; PF 1599 (W). 

* Waterstradt, Franz, Dr., o. Prof. d. landw. 
Betriebslehre a. d. Hochschule zu Hohen- 
heim, Oberleiter d. Gutswirtschaft der 
Acker- u. Gartenbauschule; * Marwitz 
(Meckl.) 2. VII. 1872; gef. b.Ypern 24. X. 
— VZ9. XI. A.-A.; WN 1914, 195/97 (J- 
Wacker); Alldtsch. Bl. 1914, 389; BZ 35 
[Fruhlings landw. Ztg. 63, 705 (C. Potsch). 
Dtsch. landw. Presse 19 14, Nr. 92 (Stie- 
ger)J; 36 [Archiv f. exakte Wirtschafts- 
forsch. 6, 425 (R. Ehrenberg)]. 

WechBler, A., Dramatischer Dichter. — 
Schwab. Merkur 13. VIII.; BZ 40 [WN 
1 914, 142/45 (R. Pf leiderer) ] . 

Weber, Alfred, Dr. theol. et phil., em. o. 
Prof. d. Philosophic a. d. Kaiser- Wil- 
helms-Univ. Strafib., Stiftsherr d. Kapi- 
tel v. S. Thomas; * Strafiburg i. Els. 1. 
VII. 1835 ; f das. 25. X. — VZ 26. X. A.- 
A.; Straflb. Post 19. HI. (Wille zum 
Guten als Weltprinzip [A. Weber]; WI 
7, 1804 (W); KL 1914, 1895/96 (W); 
DZL 1537 (W); UKS-S 191 5, 1. 34°: 
BZ 38 [Deutscher Wille (Kunstwart) 19 16, 
Febr. 1 12 (W.Schmied-Kowarzik: Gedan- 
ken zur deutschen Sendung A. W.s)]. 

Weber, Guido, Dr. tncd., Prof., Geh. Rat, 
1 86 1 — 1910 zuerst Arzt, dann Direktor 
der Heilanstalt Sonnenstein bei Pirna, 
o. Mitgl. d. Ld.-Med.-Kolleg.; * Revai 
4. VI. 1837; f Dresden 15. I. — MMW 
1 914, 167; Allg. Ztschr. f. Psychiatrie 71, 
800/02 (S. Ilberg m. P). 

Weber, Paul, kaufm. Direktor d. Schontha- 
ler Stahl- u. Eisenwerke, Peter Harkort u. 
Solm;*Kassel 10. XII. 1865 ; f Wetter a. 
Ruhr 19. IV. — St. u. E. 34, 1200 m. P. 

Weber, Theodor, Dr. med., friih. o. Prof. d. 
Pathologie u. Therapie a. d. Univ. Halle, 
Geh. Mediz.-Rat, Leiter d. med. Klinik u. 
Poliklinik in Halle; * Leipzig 10. VIII. 
1829; f Halle a. S. 4. IX. — WI 7, 1808; 
DZL 1 541 ; HBL6, 21 r (W) ; PBL 1819/20 
(P u. W); MMW T914, 1928; K 983/84 



3i8 



Totenliste 19 14: Weeren — Wernz 



(W); Chron. d. Univ. Halle 1914/15, 
S. 22/23. 

Weeren, Julius, Dr. phil. t Dr. ing. h. c, 
Geh. Reg.-Rat, friih. Prof, f .Metallhiitten- 
kunde a. d. Techn. Hochschule in Char- 
lottenburg; * Hattingen a. Ruhr 9. I. 
1832; ^ Niedersedlitz b. Dresden 4. XII. 
— WI 7, 1812; St. u. E. 1914, 1890/91 
(m. P); K 985 (W); BZ 36 [Chemikerztg. 
39, Nr. 4/5 (Mathesius)]. 

Weil, Rudolf, Dr. phil., Prof., friih. Ober- 
bibliothekar a. d. kgl. Staatsbibliothek 
in Berlin, Kenner d. antiken Miinzwesens; 
* Frankfurt a. M. 14. V. 1848; f Berlin 
7. XI. — VZ 9. XI. M.-A.; IB 10, 148 u. 
13, 173; WI 7, 1818; KL 1914. 1911: BZ 
37 IZtschr. f. Numismatik 32, 168 (H. 
Dressel)]. 

Welsbach, Augustin, Dr. med. t Anthropolog, 
Generalstabsarzt ; f Graz 19. IV. im Alter 
von 77 Jahren. — VZ 21. IV. A.-A.; BZ 
34 [Militararzt 48. Jg. (Beil. z. Wiener 
mediz. Wochenschr. 64), 150 (Kirchen- 
berger)]. 

Weise, Wilhelm, Oberforstmeister, em. Dir. 

d. Forstakademie in Hannoversch-Mun- 
den, EK. II v. 1870; * Brandenburg a. 
Havel 10. IV. 1846; f Hannov.-Miinden 
i.Dez. — WI7, 1822 (W); KL 1914, 1916 
(W) ; BZ 37 [Ztschr. f . Forst- u. J agdwesen 
47. 728/35 (Zeising)). 

* Welsmann, August, Dr. med. et phil. t em. 
o. Prof. d. Zoologie u. Biologie a. d. Univ. 
Freiburg, Wirkl. Geh. Rat, Mitgl. d. bayr. 
Akad. d. Wiss. u. d. Akad. in Berlin u. 
Stockholm; * Frankfurt a. M. 17. I. 1834; 
f Freiburg 5. XI. — W.: DasKeimplasma, 

e. Theorie d. Vererbung — Frankf. Ztg. 
17. I. (E. Teichmann), Straflb. Post 17. I. 
(v. Troy); Frank. Kur. 17. I., Basler 
Nachr. 17. I., Dtsch. Tagesztg. 17. I., 
Rhein.-Westf. Ztg. 18. I., NFP 22. I. 
(B. Hatschek), Vorwarts 10. XI. (M. H. 
Baege: A. W.s Lebenswerk), Schwab. 
Merkur 7. XI., VZ 6. XI., Frankf. Ztg. 
7. XI. (E. Teichmann), Hamb. Kur. 17. 
XI. (H. Strebel u. A. W.); IAW 191 5, 
118— 127 (R.Hertwig); WI 7, 1822; KL 
i9M. 1917 (W); DZL 1549/5° (W); MAZ 
1914, 671; PM 1914, 2, 288; UKS-S 191 5, 
*» 3391 T 17 (P. 80. Geburtstag) ; Sozialist. 
Monatsh. 191 5, 44/45; Die Neue Rund- 
schau 191 5, 117/24 (H. E. Ziegler); BKW 
1914, 1828; MMW 1914, 2, 232 u. 2308/10 
(F. Doflein m. P) ; DMW 1914. 1968; K 
992/993 (W); Aim. d. k. Akad. d. Wiss. 
W T ien 65, 191 5, S. 339/42 (M. Grobben) ; 
BZ 35 [Wochenschr. f. Aquarien- u. Ter- 
rarienkunde 11, 789 (M. H. Baege)]; 36 
[Polit. anthropol. Monatsschr. 13, 589/95 



(H. G. Holle); Naturwissensch. Wochen- 
schr. 30, 113/20, 129/36 (R. v. Han- 
stein)]; 39 [Hoppe-Seylers Ztschr. f. phy- 
siol. Chemie 98, (3. F. XXII), 5 (H. Loh- 
mann)]. E. Gaupp, A. W., sein Leben u. 
sein W T erk, Jena 191 7 (m. Schriftenverz. 
u. Lit.). BJI, S. 97/103 (V. Haecker). 

WelB, Hermann v., D. theol., friih. Prof. d. 
ev. Theologie a. d. Univ. Tubingen; * 
Rottenburg a. N. 29. IX. 1833; f Efi- 
lingen 1. IV. — Schwab. Merkur 9. IV. 
(K. Hoffmann) ; W T J 1914, III; WN 1914. 
53/66 (K. Hoffmann); K 993/94 (W). 

Weifi, Johannes, D. theol. , Geh. Kirchenrat, 
o. Prof. d. neutestamentl. Exegese und 
Kritik a. d. Univ. Heidelberg, theolog. 
SchriftsteUer; * Kiel 13. XII. 1863; f 
Heidelberg 24. VIII. — VZ 25. VIII. A.- 
A.; WI7, i82 4 (W);KL 1914. i9i9(W); 
DZL 1552 (W); HZ 113, 700; AD 1, 18 
(W); K 994; ELK 1914. 830; KJ 1915. 
565 (W). 

* Wencksteln, Adolf v., Dr. phil., o. Prof. d. 
Staatswissensch. a. d. Univ. Breslau, vor- 
her a. d. Univ. Tokio; * GroO-Tippeln 
4. X. 1862; gef. in Frankreich 21. X. — 
W.: Meth. u. Gesch. d. national-okon. 
und sozial. Theorien. — WI 7, 1830 (W) ; 
KL 1914. 1926 (W); UKS-S 1915. 1. 339- 

Wendllng, Karl, Berliner Historien- u. Por- 
tratmaler; * Weilburg (Nassau) 13. VII. 
185 1 ; f Berlin 17. IX. — VZ 18. IX. A.- 
A.; WI 7, 1831 (W); KU 1915. 80; MS 5, 
77] Kchr 1914, 644. 

Wendt, Otto, Dipl.-Ing., Regierungsbaum., 
Oberlehrer a. d. hoheren Maschinenbau- 
schule in Stettin; * Berlin 3. II. 1875; f 
Stettin 17. III. — ZVDI 58, 525 m. P. 

Wentzel-Heckmann,Elisabeth , Wohltaterin , 
seit 150 Jahren d. einzige weibl. Ehren- 
mitgl. d. preuB. Akad. d. Wiss.; * Berlin 
20. III. 1833; f das. 5. II. — VZ 5. II. 
A.-A.; PM 1914, 1, 212 11. Taf. 30 (P) ; 
T 34 (P); KI 726; BZ 34 [Daheim 1914, 
Nr. 20]. 

Wernz, Franz Xaver, S. J., Pater, seit 1906 
Jesuitengeneral, 1872 Prof. d. kanon. 
Rechts in Ditbon Hall (Engl.) fur d. 1872 
aus Deutschld. vertriebenen Jesuiten, 
spater Prof. u. seit 1904 Rektor d. gre- 
gorianischen Univ. in Rom, er war be- 
teiligt a. d. Arbeiten d. von Pius X. ein- 
gesetzten Kommission f. d. Kodifikation 
des Kirchenrechts ; * Rottweil (W r iirtt.) 
4. XII. 1842; f Rom 19. VIII. — W.: 
Jus decretalium. — NFP 21 . VIII. M.-A. ; 
T197 (P); VZ 20. VIII. A.-A.; WI 7, 1838 
(W); KL 1914, 1936 (W); KR 1914. 694 
(W); WJ 1914, IV; WN 1914. 146/54 (J- 
B. Sagmiiller); ELK 1914, 830; BZ 35 



Totenliste 191 4: Weyr — Zech 



319 



[Archiv f. d. kath. Kirchenrecht 94, 
681/87 (J. Lauren tius)]; 38 [Stimmen der 
Zeit 1916, 340/54 (F. Ehrle: F. X. W., der 
25. General d. Gesellschaft Jesu)) ; Wurtt. 
Vierteljahrh. f . Landesgesch. NF 24, 283 
(Leuze m. Lit.). 

Weyr, Rudolf Ritter v., Bildhauer u. Prof, 
a. d. techn. Hochschule Wien, Ehren- 
mitgl. d. Wiener Akad. u. d. Gen. d. bild. 
Kiinstler Wien, M. d. Akad. d. Kiinste 
Berlin; * Wien 22. III. 1847; f wien 3°- 
X. — NFP 31. X. M.-A. u. 2. XI. A.-A. 
(Beisetzung) u. 5. XI. M.-A. (N); WI 7. 
1844 (W) ; OR41, VI; KU 1915, 120; SKL 
1014; MS 5, 87 (W); DBZ 1914, 761; 
Westermanns Monatsh. 118, T. 1, 85 — 95 
(Ottilie Natter m. P u. W). 

Wlchern, Johannes, D. thcol., friih. Dir. d. 
Rauhen Hauses in Hamburg, das er seit 
1873, zunachst mit s. Vater, Dr. J. H. 
Wichern, dann seit 1881 allein leitete, 
innere Mission u. freiw. Krankenpflege 
fordernd. f Bad Kdsen 6. IX. im Alter v. 
68 Jahren. — AF52, 384; ELK 1914,902; 
K J 19*5. 565; Bausteine 46, 155. 

Wiekop, Georg, Architekt, Geh. Baurat, o. 
Prof. d. Baukunst a. d. Techn. Hoch- 
schule Darmstadt, Denkmalpfleger f. d. 
Prov. Starkenburg; * Aachen 27. IV. 
1861; f Darmstadt 21. XI. — WI 7, 
1846/47 (W); DZL 1565; KTH 1915/16, 
204; DBZ 1914, 844/45; ZB 1914, 671/72 
(Walbe m. P). 

Wienrich, Adele, friih. Mitgl. d. Berl. kgl. 
Schauspielhauses u. Lehrerin a. d. Marie- 
Seebach-Schule d. Schauspielhauses; * 
Kassel 27. IV. 1855; f Berlin im Okt. — 
VZ 16. X. M.-A. u. A.-A. u. 19. X. M.-A. 
(Trauerfeier) ; WI 7, 1853; DZL 1571/72; 
EG 1122/23. 

WJndthorst, Eduard, Geh. Justizrat, Ehren- 
biirger v. Hamm u. Bielefeld, Mitgl. d. 
Reichst. 1871-74, M.d. A. 1867 — 70 (lib.) ; 
* Halle (Westf.) 25. VIII. 1834; f Hamm 
(Westf.) 14. XI. — VZ 15. XI. M.-A.; BZ 
Beil. 6 [Hann. Kour. (R. Jacobi: W. 
liberal?)]; HPA 1 871, 281; BZ 36 [Deut- 
scher Merkur 45, Nr. 3 (W., d. andere)]. 

Winning, Leopold v., Generalleutnant z. D., 
zul. Komm. d. 26. Inf. -Brig.; EK. II v. 
1870; * Gr.-Glogau 4. I. 1841; f Heidel- 
berg 23. I. — VZ 25. I. M.-A.; UT 1916, 
924; MZ 1914, 75/76. 

Winterberger, Alexander, Organist, Kom- 
ponist u. Padagoge, Musikkritiker der 
Leipz. N. Nachr. ; * Weimar 13. VIII. 
1834; f Wpzig 23. IX. — VZ 2$. IX. 
M.-A.; Neue Zurch. Ztg. 21. VIII. (E. 
Jager) ; Leipz. N. Nachr. 25. IX.; R 1428 
(W) MWB 1914, 507; BZ35 [DieMusik 



XIV, 153 (M. Unger)]; 36 [Neue Ztschr. 
f. Musik 191 5, 297/300 (O. Foerster: W.s 
geistl. Gesange)]. O. Foerster : A. W\ 1905 . 

*W6hler, August, Eisenbahningenieur; * 
Soltau (Prov. Hannover) 21. VI. 18 19; 
f Hannover 21. III. — ZVDI 58, 601 (m. 
P); St. u. E. 34, 760; Beitr. z. Gesch. d. 
Technik u. Industrie VIII (1918), S. 35/55 
(Blaum, m. Bibliogr. d. W T erke); BZ 34 
[Organ f iir d . Fortschritte des Eisenbahn- 
wesens 1914, 137]; 35 [ZB 1914, 242 (L. 
Troske)]; 36 [Handworterb. d. Natur- 
wiss. Bd. 10, 638 (E. v. Meyer)]. BJI, 
S. 103/107 (R. Blaum). 

Wolff, August, Burgermeister a. D., Mitgl. 
d. preuB. A. seit 1897 * ur Wahlkr. Wies- 
baden-Land (nat.lib.); * Biebrich 6. X. 
1844; f Biebrich 29. XII. — WI 7, 1883; 
HA 1914, 444 u. 507 (P). 

Wolters, Maximilian, Dr. med. t o. Prof. d. 
Dermatologie und Dir. d. dermatolog. 
Klinik u. Poliklinik a. d. Univ. Rostock, 
korresp. Mitgl. d. dermatolog. Ges. in 
Wien; * Bonn a. Rh. 5. IX. 1861 ; f Ro- 
stock 24. V. — WI 7. 1889 (W); DZL 
1595; AD 3, 241 (W); PBL 1878 (W); 
MMW 1914, 1264; DMW 1914, 1 176; BZ 
35 [Dermatolog. Wochenschr. 59, 846 
(Wechselmann), Dermatol. Ztschr. 21,662 
(W. Frieboes)]. 

Wuttke, Robert, Dr. jur. et phil., Prof. d. 
Volkswirtschaft a. d. Techn. Hochschule 
in Dresden, Geh. Hofrat, Dozent a. d. 
Gehestif tung ; * Leipzig-Reudnitz 9. VI. 
1859; f Dresden 18. VII. — VZ 20. VII. 
M.-A.; Dresdner Anz. 26. VII. (O. Schil- 
ling); IZ 1914, 2, 187/88 (P); KL 1914, 
2008 (W); DZL 1602 (W); AF 52, 384; 
KTH 1 9 14/15, 198; Ztschr. f. Binnen- 
schiffahrt 1914. 355; HV 17, 593; BZ 35 
[Neues Archiv f. sachs. Gesch. u. Alter- 
tumskunde 35, 374 (H. Ermisch)]; 36 
[Mitt. d. Landesvereins f. sachs. Heimat- 
schutz 4, 33 5 J. 

WyB, Hans v., Dr. med. t Privatdozent f. 
innere Medizin; * 24. VII. 1881 ; f Zurich 
5. I. — UKS-S 1914. 2, 559; MMW 1914, 
112; Korrespondenzbl. f . Schweizer Arzte 

§iZech, Julius Graf v., auf Neuhofen, ehem. 
Gouverneur von Togo, gef. als Major u. 
Bat.-Komm.; Kgl. bayr. Kammerer; * 
Straubing 23. IV. 1868; gef. b. Ghelu- 
velt in Flandern 29. X. — DKZ 31, 555; 
DKB 25,836; Wl7, 1904/5; I>ZL 1607; 
GT 1916, 1122; DRG 37, 284; PM 1914, 
2, 288; GA 191 5, 90; BZ 35 [Koloniale 
Rundschau 19 14, 640 (F. Hupffeld)]; 38 
[Mitt. d. geogr. Ges. Munchen X, 193/201 
(E. v. Keller)]. 



320 



Totenliste 19 14: Zedlitz u. Triitzschler — Zurhellen 



•Zedlitz u. Trtttzschler, Robert Graf v. f D. 
theol., Dr. jur. h. c. Dr. ing. h.c, 1891 
bis 1892 preufi. Kultusminister (*Zed- 
litzsches Volksschulgesetz t) , Oberprasi- 
dent d. Prov. Posen, Hessen-Nassau, 
Schlesien; Kurator d. Univ. Breslau; seit 
1910 M. d. H., Wirkl. Geh. Rat, 1. Vors. 
der Landwirtschaftskainmer f. d. Prov. 
Schlesien; * Preienwalde 8. XII. 1837; 
f Charlottenburg 21 . X. — VZ 2 1 . X. A.- 
A.; WI 7, 1905/06; GF 1916, 1123; DZL 
1607/08; HH 191 1, 375; JSG 92, I, 
S. 42/48 (M. Schimmelpfennig) ; M. Schim- 
melpfennig: Robert Graf v. Z. u. Tr. (m. 
P), 1 922 (S.-A. aus Ztschr. f . Gesch. Schles. 
Bd. LVI, 73/90); Schlesische Lebensbil- 
der I. Bd. (1923) : Schlesier des 19. Jhdts., 
S. 188/96 (Otto Rose m. P) ; BZ 35 
[Westdeutsche Lehrerztg. 1914, Nr. 48 
(Hefl); Padagog. Warte 1914, 1207; Pad- 
agog. Ztg. i9i4Nr. 44]; 38 [Neues Lau- 
sitzischesMagazin 9 1 , 282J. B J I, S. 108/ 1 10 
(M. Schimmelpfennig). 

Zeise, Heinrich, Apotheker, Senior d. nord- 
dtsch. Dichter, letzter Zeitgenosse des 
Jungen Deutschland; * Altona 19. IV. 
1822; f GroBflottbeck b. Hamburg 18. I. 
— VZ 20. I. M.-A.; WI 7, 1907 (W) ; KL 
1914, 2020 (W); BR 8. 77/78 (W); NS 
1913/14, 200; Air 2, 404 (W); EL 180/81 
(W); LE 1 6, 729; H. Zeise: Aus d. Leben 
u. den Erinnerungen eines norddeutschen 
Poeten, Altona 1888. 



Zeumer, Karl, Dr. jur. et phil., Geh. Justiz- 
rat, ord, Hon. -Prof. d. Rechtsgeschichte 
a. d. Univ. Berlin, korrespond. Mitgl. d. 
bayr. Akad. d. Wiss. u. anderer Akad.; 
* Hannover 31. VII. 1849; f Berlin 18. 
IV. — W. : Die goldene Bulle. — VZ 2 1 . IV. 
M.-A. u. 22. IV. A.-A.; Frankf. Ztg. 3. V. 
(K . Hampe) ; LAW 1 9 1 5 , 80/8 1 (v. Amira) ; 
WI 7, 1910 (W); Kly 1914, 2024/25 
(W) ; DJZ 19, 616 (E. Heymann) ; HZ 1 13, 
236 u. 540 (F. Kern u. W.); AD 2, 13 
(W); K 1049 (W); HV 17, 463; Neues 
Archiv 39, 518/33 (R. Salomon), Ztschr. 
d. Savignystift. f. Rechtsgesch. germ. 
Abt. 35, IX-XXXII (M. Krammer); 
Tidsskrift for Retsvidenskab 1914, 447/48 
(F. Dahl). 

Zimmern, Siegmund Josef, Dr., Domkapi- 
tular, papstl. Hauspralat u. Geh. Kam- 
merer, verdient um d. Restaurierung der 
Kaisergraber im Dom zu Speyer; ehem. 
Mitgl. d. bayr. Landtags (Zentr.).; * 
Mannheim 1 1. VI. 1838 ; f Speyer 26. III. 
— VZ 27. III. A.-A.; WI 7, 1918; KR 
1914, TL. 

tgi Zurhellen, Otto, Lie. theol., Pfarrer in 
Frankfurt a. M., Fachschrif tsteller ; * Mul- 
heim a. Rh. 27. III. 1877; gef . b. Villers 
les Roye 4. XI. — KL 1914, 2044 
(W); BZ 35 [Christl. Welt 1914. Nr. 47 
(Z.s Vermachtnis, Krieg u. d. Friedens- 
freunde)). 



Totenliste 1915 

Bearbeitet von Dr. Karl Griewank 



Adams, Anton, Geh. Baurat, Leiter grofler 
Berliner Bauten; * Minden i. W. 1856, 
f Dahlem 9. XI. — ZB 61 5 (F. Schultze) ; 
VZ 12. XL 

Adelmann, Helene, Begriinderin u. langj. 
Leiterin des Vereins deutsch. Lehrerinnen 
in England; * 1845 » t Dresden April. — 
VZ 1 1 . I V. ; BZ 36 [Neue Bahnen 9 1 5 , 65 
(H. Lange); Die Frau 22, 465; Das Land 

23. I7J- 

*Adickes, Franz, Wirkl. Geh. Rat, bis 191 2 
Oberbiirgermeister von Frankfurt a. M., 
Griinder u. erster Kurator der dortigen 
Universitat, Schopfer des Kommunal- 
abgabengesetzes (lex Adickes): * Harse- 
feld b. Stade 19. II. 1846; f Frankf. a.M. 
4. II. — WI 7, 7 (W) ; FZ 7. II. (B. Freu- 
denthal); ZB 1915, 72 (J. Stiiblen) ; DBZ 
1915, 94 (A. Hoffmann); VZ 8. II.; DJZ 
191 5, 278 (Spahn); BZ 36 [Bl. f. d. 
hoh. Schuler 363 (J. Ziehen); Techn. Ge- 
meindeblatt 17 (Flesch) ; Dtsch. Ge- 
meindeztg. 191 5, 77; Gesetz u. Recht 17, 
237; Dtsch. Richterztg. 1915, 218 — 222 
(Bovensiepen) ; Ztschr. f. Kommunal- 
wirtsch. u. Kommunalpolitik 1915. 491 
Ztschr. f. d. Reform d. hoh. Schulen 27, 
7 (J . Ziehen) ; Ztschr. f . Wohnungswesen 
13 (H. Albrecht); Recht u. Wirtschaft 4, 
82 (Fritze)]. BJI, S. 1 1 1/1 16 (E. Foerster). 

Albrecht, Theodor, Dr. ing. h. c. t Geh. Rat, 
Prof., Abteilungsvorsteher am kgl. Geo- 
datischen Institut in Potsdam, Leiter des 
Zentralbiiros f. internat. Erdmessung; * 
Dresden 30. VIII. 1843; t p °tsdam 31. 
VIII. — WI 7, 12—13 (W); VZ 1. IX.; 
BZ 37 [Astron. Nachr. 201, 269 (Hel- 
mert) ] ; BZ 38 [ Vierteljahrsschr. d. Astron. 
Gesellsch. 50, 170 — 75 (A. Galle)]. 

A Hers, Christian Wilhelm, Maler; * Ham- 
burg 6. VIII. 1857; f Karlsruhe 19. X. — 
• Prachtwerke* iiber Bismarck; TB 314 
[Kunstchronik 15, 494; NF 2, 539; Z 
1 4 1 2 ; Nord u. Siid Aug. 1 892 (Hermann) J ; 

DBJ 21 



MS 6, 3 ; BZ 37 [BZM 22. X. (L. Brieger) ; 
HN 26. X.]; Olinda, »Freund AUers«. 
Alzheimer, Alois, Dr., seit 191 2 o. Prof, der 
Psychiatrie u. Direktor d. psychiatr. u. 
Nervenklinik a. d. Univ. Breslau, Ent- 
decker d. »Alzheimerschen Krankheit*; 

* Marktbreit a. M. 14. VI. 1864; f Bres- 
lau 19. XII. — WI 7, 17(W);DMW42, 
426 (F. Nissl) ; MMW 63, 195 (R. Gaupp) ; 
BKW 53, 235—38 (G. Sterz); BZ 38 
[Arch. f. Psychiatrie u. Nervenkrank- 
heiten 56, 3 — 8 (Raecke); Monatsschr. f. 
Psychiatrie u. Neurologie 40, 61 — 64 (P. 
Schroder) ; Psychiatr.- neurolog. Wochen- 
schr. i8 f 20 (Bresler) ; Arch. f. d. ges. Neu- 
rologie 33, 1 — 44]; BZ 40 [Allg. Zs. fiir 
Psychiatrie 71, 96 — 107 (F. Nissl)]. 

Arnold, Julius, Dr., Wirkl. Geh. Rat, bis 
1907 Prof. f. Pathol. Anatomieu. Psycho- 
logic a. d. Univ. Heidelberg; * Zurich 
19. VIII. 1835; fHeidelberg4.il.— WI 
7. 33 (W) ; PBL 50 (P. W) ; AD 3, 32 (W) ; 
UK 87, 339; DMW 191 5, 379 (P. Ernst); 
BZ 36 [Beitr. z. patholog. Anatomie 60, 
183 (L. Aschoff, B. Marchand)]. 

Auwers, Arthur v., Dr., Wirkl. Geh. Rat, 
Prof., Astronom, Leiter astronomischer 
Expeditionen, Vors. d. Astron. Gesellsch. ; 

• Gottingen 12. IX. 1836; f Berlin-Lich- 
terfelde 24. 1. — W. : Untersuchungen iiber 
veranderte Eigenbewegungen der Fix- 
sterne; Aim. d. Wiener Akad. 65, 347 — 5 1 
(E. v. WeiC); Jahrb. d. bayr. Akad. 
l 9 l S» l 3S — 42 (H. Seeliger); Nachr. d. 
Gott. Ges. d. Wiss. 1915*65—73 (J.Hart- 
mann) ; K 14 (W) ; BZ 36 [Astron. Nachr. 
200, 185 — 90 (H. Seeliger)]; BZ 36 [Ecce 
d. Kgl. Landesschule Pforta 3, 2 1 ] ; BZ 43 
[Vierteljahrsschr. d. Astron. Gesellsch. 
53. 15—23 (J. A. Rappold)]. 

Bardt, Karl, Dr., Geh. Rat, Direktor des 
Joachimsthalschen Gymnasiums zu Ber- 
lin bis 1909; * Lubosch (Prov. Posen) 
30. XI. 1843; t Charlottenburg 17. VII. 



322 



Totenliste 191 5: Barth — Bieber 



— W.: Romische Charakterkopf e ; Rom. 
Komodien; tjbersetzungen von Lust- 
spielen des Plautus u. Terenz; WI 7, 60 
(W); VZ 25. VIII. (Paul Hartmann) ; BZ 
37 [Das bumanistische Gymnasium 191 5, 
195 ff. (H. Klammer)]; 38 [Jahresber. d. 
philolog. Vereins z. Berlin 191 5, 271 ff. 
(P.Stengel)]. 
Barth, Karl, Direktor d. Niimberger Wagen- 
abteilung der Mascbinenfabrik Augs- 
burg-Niirnberg ; * Niirnberg 11. V. 1845; 

iNiirnberg 30. V. — ZVD 1915, 588. 
fcrthel.W., Dr., a.o. Prof.f.alteGesch. 
a. d. Univ. Frankfurt a. M., * 188 1 ; gef. 
im Westen, Juli. — VZ 22. VII.; BZ 37 
[Jb. d. kais. dtsch. archaolog. Instituts 30, 
107]', 38 [Neuphilologische Blatter 22, 
346 ff.]; 41 [Fundberichte aus Schwaben 
21, 126 (P. GoeBler)]; 43 [10. Bericht d. 
romisch-germanischen Kommission 1917, 
1 ff. (F. Krepp u. W. Weber)]. 

Baumann, v., Franz Ludwig, Dr., Geh. Rat, 
Direktor d. Kgl. bayr. Allgem. Reichs- 
afchivs; * Leutkirch 8. VI. 1846; f Bad 
Adelholzen, Oktober. — W. : Forscbungen 
z. schwab. Geschichte; Mitarb.: Monu- 
mentaGermaniae, Archival. Zs.; WI 7, 74 
(W) ; VZ 7. X. ; MNN 5, X. ; BZ 38 [Dtsche. 
Geschichtsbl. 17, 29 — 47; Histor. Jb. d. 
Gdrresgesellsch. 36, 929; Zs. f. d. Ge- 
schichte d. Oberrheins N. F. 31, 116 ff. 
(G.Tumbiilt)]. 

Baumbseh, Max, Prof., Bildhauer; * Wur- 
zen 2&. XI. 1859; f Berlin 4. X. — W.: 
Bronzestandbilder d. prot. Fiirsten i. d. 
Protestationskirche zu Speyer; WI 7, 75 
(W); TB 2, 80 (W); MS 6, 15; VZ 8. X. 

Bayberger, Franz, Dr., Prof., Studienrat an 
der staatlichen Realschule zu Miinchen, 
Geologe u. Geograph ; * Geisenfeld 2 1 . IX. 
1853; f Miinchen 9. II. — W.: iiberdas 
bayr. Diluvium; WI 7, 78 (W) ; GA 1915, 
176 (J. Reindl.) ; BZ 37 [Bayr. Zs. f. Real- 
schulwesen 191 5 (A. Geistbeck)]; BZ 38 
[Mitt. d. geogr. Gesellsch. Miinchen 10, 
227 (A. Geistbeck)]. 

Behmer, Hermann Karl Eugen, Portrat- u. 
Genremaler; * Merzien (Anhalt) 19. XI. 
1831 ; f Weimar, Juli. — WI 7, 89 (W) ; 
TB 3, 203 (W); VZ 28. VII. 

Bellermann, Ludwig, D. Dr., Direktor des 
Gymnasiums zum Grauen Kloster zu Ber- 
lin, Germanist; * Berlin 7. XI. 1836; 
f Berlin 8. II. — Hrsg.: Sophokles' Dra- 
men, Schillers Werke; WI 7, 93 f- (W); 
VZ 8. II.; VZ 7. III. (H. Gilow) ; TR 12. 
II. (K. Kinzel); BT13.II. (R. Paasch) ; 
BZ 36 [Bl. f. d. hoh. Schulwesen 191 5, 
121 (W. Janell); Dtsch. Philologenblatt 
191 5, Nr. 7 (M. Schneidrin) ; ebda. Nr. 8]; 



BZ 17 [Jahresber. lib. Fortschr. d. klass. 
Altertumswiss. 172, 1 — 25 (W. Scho- 
nack)]. 

Bendel, Joseph, Fiihrer d. Altkatholizismus 
in Bohmen, deutsch-liberales Mitgl. d. 
osterr. Abg.hauses seit 1885, ehem. Gym- 
nasialprof. in Prag; * Rosendorf (Boh- 
men) 19. X. 1846; f Wien Jan. — W.: 
Die Deutschen in Bohmen, Mahren und 
Schlesien; OR 1, 177 (W) ; VZ 1. II.; BZ 
37 [Mitt. f. Heimatkde. d. Jeschke-Iser- 
gaues 3, 76]. 

Bendemann, Felix v., Admiral, Chef d. ost- 
asiat. Kreuzergeschwaders im Boxerfeld- 
zug; * Dresden 5. VIII. 1848; + Berlin- 
Halensee 31. X. — WI 7. 96 (W) ; VZ 2. 
XI. 

Berard, Reinhard, verantw. Redakteur d. 
sozialdemokr. ^Hamburger Echo « ; * 1 8 34 ; 
f Hamburg 9. VI. — VZ 1 1 . VI. ; Hamb. 
Echo. 

Berger, Rudolf, Kammersanger, Mitgl. des 
Kgl. Opernhauses z. Berlin seit 1897, 
Bariton, spater Tenor; * Briinn 17. IV. 
1874; fNeuyork Februar. — WI 7, 103; 
EG 82 f . ; VZ 3, III. ; BZ 36 A [NZ 13. Ill] ; 
BZ 42 [Die Stimme 12, 25 ff., 76 ff. (R. 
Schwartz)]. 

Berliner, Adolf, Dr., Prof., DozentamRab- 
binerseminar der israelit. Religionsge- 
meinsch. z. Berlin; * Obersitzko (Posen) 
1833; f Berlin 21. IV. — W.: Geschichte 
d. Juden in Rom, Beitr. z. Geograph. u. 
Ethnologie Baby Ions im Talmud; VZ 22. 
IV.; BT 17. V.; BZ 36 [Allg. Zeitg. d. Ju- 
dentums 191 5, Nr. 18 (A. Katz)]; 17 [Je- 
schurum (Berlin) 2, 457 ff. (S. Eppen- 
stein)]. 

Bernhardt, Martin, Dr., Geh. Med.-Rat, o. 
Prof. d. Nervenheilkde. a. d. Univ. Ber- 
lin seit 1882; * Potsdam 10. IV. 1844; 
f Berlin 17. III. — Red.: Zentralbl. f. 
mediz. Wiss., Mitarb.: Eulenburgs Real- 
enzyklopadie; WI 7, 108 (W); PBL 151 
(W); VZ 19. Ill- (W); DMW 41, 475 (A. 
Lappmann) ; BZ 36 fNeurolog. Zentralbl. 
34, 327 (K. Mendel)]; BZ 37 (Monatsschr. 
f. Psychiatrie 38, 250). 

Bettex, Friedr., Prof., L,ehrer am evangel. 
Tochterinstitut z. Stuttgart bis 1902, 
Verfasser popularer religios-naturwiss. 
Schriften ;'* Morges (Schweiz) 1837 ; f AU- 
mannsdorf b. Konstanz 14. IX. — WI 7, 
H7(W);KJ43,593(W); VZ18.IX; BZ 
37 [Bausteine 191 5, 183; Dtsche. Lehrer- 
ztg. 1915, Nr. 25 (W. Goebel)]; 38 [Der 
alte Glaube 18, Nr. 21, 22]; 39 [Der alte 
Glaube 18, Nr. 50]. 

Bieber, Hugo v., Generalmajor, Fliigeladju- 
tant d. Konigs v. Wiirttemberg, Forde- 



Totenliste 191 5: Biermann — Brinckmann 



323 



rer kiinstler. Bestrebungen ; * Hamburg 
14. VII. 1852; f Stuttgart 23. XII. — 
WN 1915, 214 ff. (Muff); VZ 23. XII.; 
SM 191 5, 602. 
tg: Biermann, Johannes, Dr., Geh. Justizrat, 
o. Prof. f. burgerl. Recht an d. Univ. 
Halle a. S. ; * Berlin 1 1 . VI. 1863 ; gef . bei 
Lemberg 19. VI. — W\: Kommentar z. 
Sachenrecht des BGB.; WI 7, 123 (W).; 

8, 1769; VZ 28. VI., 29. VI. ; AD 2, 4 (W) ; 
K 56. 

Blume, Ernst, Dr. jur., Priv.-Doz. f. Ver- 
kehrsrecht a. d. Univ. Bern seit 1909; 

* 23. XII. 1877; f Muhlhausen i. Th. 

9. III. — VZ 12. III.; NK 58, 549. 
Boek nnd Polacta, Max v., Generalfeldmar- 

schall, Kriegs veteran, Mitgl. d. preufi. 
Herrenhauses; * Trier 5 . IX. 1842 ; y Han- 
nover 4. III.— WI7, 144; VZ 5. III.; BZ36 
[NFP 5. III.]. 

Boecker, Martin, Kommerzienrat, Gen 
Dir. d. Eisenbahnbedarfs-A.-G. in Frie- 
denshiitte (O.-S.), verdient um den Aus- 
bau v. Hochofenanlagen; * Krefeld 24 
VII. 1854; f Friedenshiitte 30. VIII. — 
WI 7, 147; Stahl u. Eisen 191 5, 992 (P) 
VZ 4. IX. 

Boeeklin, Angela, Witwe Arnold Boecklins 

* 1834; f Florenz 8. II. — VZ 9. II. (F 
Runkel); FZ 12. II.; TR 10. II.; Dtsche 
Tagesztg. 12. II.; BZ 36 [Der Merker 6 
276 (O. Zoff)]. 

Boehm, Franz, Dr. ing. h. c, bad. Minister 
f . Kultus u. Unterricht seit 191 1, Forderer 
des bad. Hochschulwesens ; * Mannheim 
25. VII. 1861 ; f Karlsruhe 30. VI. — WI 
7, 148 f.; VZ 1. VII.; DBZ 1915, 328. 

Bottlcher, Clarissa, fruchtbare Roman- 
schrif tstellerin, (Clarissa Lohde) ; * Dan- 
zig 13. VII. 1836; f Berlin 31. XII. — 
BR 1, 313 *. (W); VZ i.I. 16. 

Bojanowski, Paul v., Geh. Hofrat, Ober- 
bibliothekar d. GroBh. Bibliothek in Wei- 
mar; * Schwedt a. Oder 24. I. 1834; 
f Weimar 19. VI. — WI 7, 158 (W) ; WZ 
23. VI.; VZ 21. VI. 

Bonnelt, Waldemar, Rektor an Berliner 
Volksschulen ; * 1844; jf Berlin 13. VIII. 
— Popular e Schriften zur Geschichte Ber- 
lins. — VZ 18. VIII.; Mitteilungen des 
Vereins zur Geschichte Berlins 32, 83. 

Boveri,Theodor, Dr. phil., Prof. f. Zoologie 
a.d. Univ. Wiirzburg; * Bamberg 12. X. 
1862; f Wiirzburg 16. X. — W.: Zellen- 
studien; WI 7, 174 ( W) ; MMW 1915, 
1693 (R- Hertwig) ; N 4, Nr. 6 (F. Baltzer) ; 
FZ 28. X.; VZ 16. X.; K 74 (W) ; I^ebens- 
laufe aus Franken 2, 40 — 56 (F. Baltzer, 
P, W); BZ 38 [Archiv f. Entwicklungs- 
mechanik d. Organismen 42, 443 ff.; Na- 



turwissensch. Wochenschr. 31, 81 ff. (L. 
Kathariner)]; BZ 39 [Zs. f. angew. Ento- 
mologie 3, 358]. 

Brandstetter, Oskar, Buchdruckereibesitzer 
in Leipzig; * 1845 ; t ^P zi g Juli. — VZ 
16. VII.; Lebenskunst 191 5, 241. 

gi Brecht, Otto, G«neraloberarzt ; * Quedlin- 
burg 25. VII. 1864; gef. November. — 
WI 7, 186; VZ 24. XI. ; BZ 38 [(Zentralbl. 
f. prakt. Augenheilkde. 40, 27 (Greeff)]. 

Brend'amour, Richard, Holzschnittkiinst- 
ler, Senior d. xylograph. Fa. R. Br. & Co., 
Dusseldorf ; * Aachen 16. X. 183 1 ; f Diis- 
seldorf 22. 1.— WI 7, 18918, 1770; TB 4, 
577 (W); MS 6, 38; VZ 26. I. 

tgi Brenner, Eduard, Dr., Direktor d. Landes- 
museums f. nass. Altertiimer zu Wies- 
baden seit 191 1 ; * Wiesbaden 1876; 
■j* April (gef. auf osterr. Kriegsschaupl.) . 
— VZ 20. IV.; Nassovia 16, 72; BZ 37 
[Nass. Heimatsblatter 19, 50 — 51 (E. Rit- 
terling); Prahist. Zs. 6, 370 (K. Schu- 
macher)]. 

Brieger, Theodor, D. Dr., Geh. Kirchenrat, 
o. Prof. f. Kirchengeschichte a. d. Univ. 
Leipzig seit 1886; * Greifswald 4. VI. 
1842 ; f I^eipzig 9. VI. — W. : iiber dtsche 
Reformationsgeschichte. — WI 7, 195 (W) ; 
KJ 13. 593 (W) ; VZ 10. VI.; LNN 10. VI. ; 
I/Tio.VL; ADi,29f;K84 (W) ; BZ 37 
[(Sachs. Kirchen- u. Schulblatt 191 5, 
Nr. 27 (Nobbe); Zs. f. Kirchengesch. 
36, 1 ff. (M. Lenz)]; BZ 38 [Beitr. z. 
sachs. Kirchengesch. 29, 3 ff . (A. Hauck)]. 

^Brinckmann, Justus, Griinder u. I^eiter d. 
Hamburger Museums f .Kunst u.Gewerbe ; 
* Hamburg 23. V. 1843; t Bergedorf bei 
Hamburg 8. II. — WI 7, 196 f . (W) ; HN 
9. II. (W. H. Dammann); 11. II. (Leh- 
mann); 17. III.; HF 9. II.; 12. II.;Hamb. 
Corresp. 9. II. ; HK 1 1 . II. (Habicht) ; WZ 
1 1. II. (A. Obst) ; BT 10. II. (Stahl) ; NZZ 
14. II.; SM 11. II. (G. E. Pazaurek); KW 
Marz 191 5, 168 (P. Brocker) ; Neue Rund- 
schau Juli 191 5, 969; Ausw.aus Alfr.Licht- 
warcks Schriften (191 7) 2, 196 — 260; BZ 
36 [Borromaus-Bl. (D. Biicherwelt) 12, 33 
(W\ H. Dammann)]; Cicerone 7, 77 (R. 
Schmidt) ; Die literar. Gesellsch. 1 , 5 ff . 
(A. Gottscherski) ; Kunst u. Kunsthand- 
werk 18, 186 (J. Leisching) ; Dtsch. Kunst 
u. Dekoration 35, 466; Kunst u. Kiinstler 
x 3» 376 (G- Pauli); Kunstchronik N. F. 
26, Nr. 21 (H. E. Wallsce); Kunstge- 
werbebl. N. F. 26, 101 (P. Jessen); Mitt. 
d. Erzh.-Rainer-Mus. in Briinn 191 5, 46; 
Museumskunde 11, 38 (K. Koetschau) ; 
Niedersachsen 20, 177 (A. Obst); Pad- 
agog. Reform 39, Nr. 7. (G. Weihrauch) ; 
Die Tat 6, 623 ff. (J. P. v. Ardeschah); 



324 



Totenliste 191 5: Broecker — Conrad 



Mitt. a. d. Quickborn 8, 39—46 (A. R6- 
mer)]; BZ 37 [Stader Archiv N. F. 5, 64 
(J . P. v. Ardeschah) ; Dekorative Kunst 
18, 6. Heft (H. E. Waiisee)]. BJI, S. 1 16 
bis 119 (G. Pauli). 

Broecker, Arthur v., D., Hauptpastor a. d. 
St.- Jakobi-Kirche zu Hamburg; * 1 1 . IX. 
1846; f Hamburg 28. X. — Hrsg.: Zs. f. 
d. Hamb. Kirche; Nachbar; KJ 43, 594 
(W);HN3o. X.; VZ28.X. 

•Brunner, Heinrich, Dr. jur., Wirkl. Geh. 
Rat, o. Prof. f. Rechtsgeschichte a. d. 
Univ. Berlin seit 1873 ; * Wels (Oberoster- 
reich) 21. VI. 1840; *f- Kissingen 11. VIII. 
— W.: Deutsche Rechtsgeschichte; WT 
7,208 (W); VZ i2.VIII.;NFPi2.VIIL; 
DJZ 1915.833 (O. v. Gierke); AD 2, 12 f. 
(W) ; K 93 (W) ; BZ 38 [Hist. Zs. 30, 9 bis 
55 (U. Stutz)]; BZ 39 [Sitzungsber. der 
Berl. Akad. 1916, 760 ff. (Seckel)]; BZ 40 
I Aim. d. Wiener Akad. 66, 407; Neues 
Arch. d. Ges. f. alt. dtsch. Geschichtskde. 
40, 807 ff. (E. Seckel)] ; BZ 43 [Jahresber. 
d. bayr. Akad. 1916, 161 ff. (v, Amira); 
Mitt. d. Inst. f. dsterr. Gesch.-Forschg. 
37, 1—26 (E. v. Schwind)]. BJI, S. 119 
bis 126 (E. Heymann). 

Buchwald, Otto, Dr., Geh. Rat, Gyinnasial- 
direktor a. D. in Fiirstenwalde a. Spree, 
Romanschrif tsteller ; * Klein-Geffrau (Kr. 
Steinau) 28. VIII. 1842; f Fiirstenwalde 
a. Spree Januar. — W.: Moderne Toten- 
gesprache v. I^ucian d. Jiingeren; BR 1, 
373 (W); VZ 19. I. 

§1 Bud,Walter, Maler u. Graphiker ; * Leipzig 
1. VIII. 1890; gef. bei Ypern 11. V. — MS 

VI, 42; VZ 27. V. 

BttlOW, Hans Adolf v., preuQ. Gesandter b. 
d. Mecklenburgischen Hofeu u. d. Hanse- 
stadten in Hamburg seit 1906; * Braun- 
schweig 31. XII. 1857; •}* Hamburg 15. 

VII. — WI 7, 218; HN 16. VII.; 20. VII.; 
VZ 16. VII. 

BttlOW, Otto v., Geh. Reg.-Rat, Mitgl. d. 
Intern. Gerichtshofes in Alexandrien; 

* 27. IX. 1857; f Berlin 27. IX. — VZ 29. 
IX.; Dtsch. Revue Jan. 1916, 5 — 12 (R. 
v. Scala). 

§1 Buhlert, Hans, Dr. phiL, Land.-Okonomie- 
rat u. techn. Referent im oldenburg. 
Staatsminist., Prof. f. L,andw. a. d. Univ. 
Konigsberg bis 1906; * Dahlenburg (Han- 
nover) 8. XI. 1872; gef. November. — 
WI 7,222 (W);VZi6.IX.; BZ 37 [Dtsch. 
landwirtsch. Presse 191 5, Nr. 67 (J. Hun- 
temann) ] . 

Bungert, August, Dichter u. Komponist: 

* Miilheim a. Ruhr 14. III. 1846; f L,eu- 
tesdorf a. Rh. 26. X. — W. : »Hoinerische 
Welt«; f Zeppelins erste groOe Fahrt«; 



WI 7, 223 (Wj; BR 1, 384 (W); R 17S; 
N. Chop, A. 6.(1916); BT 2. XI. (I,. Leh- 
mann) ; Dtsche.Tagesztg.io.III.(M.Chop) ; 
Monographien mod. Musiker 1, 180 ff. 
(M. Chop) ; BZ 37 [Die schone Literatur 
3, 65 ff. (E- Busse); Neue Musikzeitung. 
37, 55 (M. Chop); PreuB. Jb. Dez. 1915, 
529 (A. Biese)]. 

Burg, Ferdinand, friih. Erzh. Ferdinand 
Karl v. Osterreich, verzichtete 191 1 auf 
Rang u. Titel; * Wien 27. XII. 1868; 
f Miinchen 10. III. — WI 7, 225; NFP 
11. III.; Pester Uoyd 15. III. (A. v. 
Osten); VZ 12. III. 

Burl, Max, Portrat- u. Landschaftsmaier, 
Schiiler I*eibls; * Burgdorf (Schweiz) 24. 
VII. i863; f Interlaken 25. V. — WI 7, 
227 (W) ; TB 5, 260 (W) ; MS 6, 44; NZZ 
23. V.; Bund (Bern) 25. VIII.; Baseler 
Nachr. 26. V.; VZ 26. V.; BZ 36 [Dtsch. 
Kunst u. Dekoration 35, 399 ff. (H. Gra- 
ber)J; BZ 37 [Die Kunst f. alle 30, 400; 
31, in ff. (St. Markus); Die Rheiniande 
15, 249 ff. (W. Schafer); Veihagen u. 
Klasings Monatsh. August 1915, 437 ff. 
(H. Rosenhagen); Dtsch. Kunst u. De- 
koration 36, 278 (W. Michel); 27 » 1*5 ff- 
(W. Wartmann); Bl. f. Bernische Ge- 
sch. 12, 161 ff. (H. R6thlisberger)l. 

Busse Palma, Georg, Lyriker; * Unden- 
stadt (Posen) 20. VI. 1876; + Teupitz 13. 
II. — W.: Abendfalter, Briiclcenlieder — 
WI 7, 233 (W); 8, 1770; BZ 36 [Aus d. 
Posener I^ande 10, 133 (C. Busse)]. 

tgi Cardauns, I^udwig, Dr. phiL, Privatdoz. f . 
Gesch. a. d. Univ. Bonn; * Koln 17. XII. 
1880; gef. im Priesterwald (Frankreich) 
30. III. — W.: Aus der dtsch. Reforma- 
tionsgeschichte ; Chronik d. Univ. Bonn 
40, 43 ff . (F. v. Bezold) ; BZ 37 [Akad. 
Mon.bl. 27, 142 (K. Hoeber)]. 

Clemens, Emil, Dr., Prof., Oberreg.-Rat, 
Fiihrer der stenographischen Bewegung, 
Vorsteher des kgl. sachs. stat.I^andesamts 
seit 1900 (Schule Gabelsberger). — W. : 
I^ehrbuch d. Stenographic — VZ 26. IV. ; 
BZ 36 [Korrespondenzbl., amtl. Ztschr. 
d. kgl. stenogr. Inst, zu Dresden 191 5, 
I2iff.]; BZ 37 [Korrespondenzblatt 1915, 
169 bis 176 (E. Ahnert)]. 

Conrad, Johannes, Dr., Geh. Rat, Prof. f. 
Staatswiss. a. d. Univ. Halle; * Borkau 
(WestpreuBen) 28. II. 1839; f Halle a. S. 
25. IV. — . W.: Grundrifi z. Studium d. 
Nationalokonomie, hrsg.: Handw.buchd. 
Staatswiss., Ztschr. f. Nationalokonomie 
u. Statistik. — WI 7, 266 (W) ; Dresdn. Anz. 
23. V. (H. Gehrig) ; VZ 26. IV; KZ 28. IV. 
(Wiedenfeld) ; K 118 (W); BZ 36 [Bl. f. 
Genossenschaftswes. 191 5, 3 r 7 ff . ; Dtsch. 



Totenliste 191 5: Conrad — Ehrlich 



325 



Landwirtsch . Presse 191 5, Nr. 36]; BZ 17 
[Jb. f. Nationalokonomie u. Statistik 3. 
F. 5°» 737 — 62 ( K - Dichl); Nord u. Siid 
Sept. 1915, 321 ff. (G. Motschmann)]. 

Conrad, Waldemar, Dr., Privatdoz. d. Phi- 
losophic a. d. Univ. Halle, (Sohnd. vor.) ; 
* 1877; f Halle Juli.— VZ 13.VIL; Arch, 
f. d. ges. Psychologie 34, 565 ff. (W. 
Wirth). 

Cornet, Georg, Dr., Prof., Arzt u. Tubcr- 
kulosef orscher ; * Eichstadt (Bayern) 27. 
VII. 1858; f Berlin 25. III.— WI 7, 270 
(W); VZ 28. III.; MMW 62, 711 (E. 
Reinert); BZ 36 [Internat. Centralbl. d. 
Tuberknlosefschg. 191 5, 225 (E.Laschke) ; 
Ztschr. f. Tuberkulose 24, 46 ff. (Schro- 
der, W)J. 

§3 D&hnhardt, Oskar, Dr., Prof., Rektor d. 
Nikolaischule zu Leipzig, Jugendschrift- 
steller ; * Kiel 1870; gef . a . d . westl . Kriegs- 
schauplatz 25. IV. — VZ 29. IV.; BZ 37 
[Ber. d. sachs. Gymnasiallehrer-Ver. 1915, 
136 ff. (H. Kahnis) ; Mitt. d. Ver. f. sachs. 
Volkskunde 1915, 243]. 

Dittmar, Franz, Jugendschriftsteller, friih. 
Hauptlehrer a. d . stadt. Handelsschule zu 
Niirnberg; * Schauenstein (Bayern) 29. 
III. 1857; f Erlangen Sept. — W.: Ober- 
frank. Volkskalender (seit 190^), Schul- 
hilfsbiicher;Wl7,32i(W);BR2,37(W); 
VZ 28. IX. 

Dittrich, Franz, D. t Domprobst in Brauns- 
berg, Prof. a. d. ermland. Kathedrale zn 
Frauenburg (Ostpreufien), M. d. A. (Zen- 
trum) ; * Heilsberg 26. I. 1839; "j* Frauen- 
burg 21. II. — WI 7, 321 (W); 8, 1771; 
VZ 22. II.; Koln. Volksztg. 24. II. (Hefi) ; 
K 141 (W) ; BZ 36 [Histor. Jb. d. Gorres- 
gesellsch. 36, 231). 

Dohrn, Rudolf, Dr., Geh. Med.-Rat, o. Prof. 
f . Frauenheilkunde in Marburg u. Konigs- 
berg bis 1897; * Heide (Nied.-Dithmar- 
schen) 24. VIII. 1836; f Dresden 5. XII. 
W.: PreuC. Hebammenlehrbuch; WI 7, 
327 (W) ; UK 89, 343 ; PBL 4o6f . (P, W) ; 
VZ 7, 327 ; BZ 38 (Monatsschr. f . Geburts- 
hilfe u. Gynakologie 44, 82 ff.; Centralbl. 
f. Gynakol. 40, 41 ff. (Rosinski); 40, $7 
(Stoeckel)]. 

Drach, K . Adelhard v., Dr., Geh. Rat, ehem. 
Konservator der Kunstdenkmaler f. d. 
Reg.-Bez. Kassel, vordem a.o. Prof, der 
Knnstgeschichte a. d. Univ. Marburg; * 
23. VI. 1839; f Kassel Mai. — VZ 4. V.; 
Z. 39 [Hessenland 29, 2>3/Y* BZ 44 [Zeit- 
sehr.d. Vereins f.Hess. Gesch. u. Landes- 
kunde 49, iff. (J. Bohlau)]. 

DJiembowski, Sigismund v., Dr. jur., Wirkl. 
Geh. Rat, friih. Landeshauptmann v. 
Posen, seit 1901 Mitgl. d. PrenB. Herren- 



hauses auf Lebenszeit; * Bobelwitz b. 
Meseritz 5. V. 1849; f Bobelwitz Okt. — 
VZ 23. X.; WI 7, 350; BZ 37 [Aus dem 
Pos. Land. 10, Dez. 570 (K. Schroeter)]. 

Ebner, Thecdor, Chefredakteur u. Verleger 
d. »Ulmer Tagblatt«; * EBlingen 9. VIII. 
1856; f Ulm 18. V.— W.: Schriften z. 
dtsch. Literaturgesch.; VZ 19. V.; WI 7, 
353 (W); WN 1915. 73 t(. (Th. Klaiber); 
Ulmer Tagblatt Nr. 1 14; Neuulmer Anz. 
Nr. 117; Schwab. Kronik 1915, Nr. 229. 

♦Ehrlich, Paul, Dr. med., Wirkl. Geh. Rat, 
Direktor des kgl. Instituts f. experiment. 
Therapie u. d. Georg- Speyer-Ha uses f. 
experim. Chem other apie in Frankfurt a. 
M., Entdecker des Salvarsan (Ehrlich- 
Hata) ; * Strahlau i. Schles. 14. III. 1854; 
f Homburg v. d. Hohe 20. VIII. — WI 
7> 363 f- (W); AD 3, 72 (W); PBL 191 5. 
446 (P, W); Neue Rundschau 26 (Juli 
1915), 1409 ff. (C. L. Schleich); VZ 21. 
VIII. (W-asserroann); 22. VIII. (J. 
Lilienthal); BT 21. VIII. (A. Blaschko); 
FZ 24. VIII. (E. v. Behring); 26. VIII. 
(H. Lachs); HN 22. VIII. (F. Riebesell) ; 
NFP 29. VIII. (E. v. Schey); Berner 
Bund 30. VIII. (P. Kaiser); NZZ 27. 
VIII.; Pester Lloyd 24. VIII. (A. 
Schwarz); Ber. d. Leuckenb. Naturf. 
Gesellsch. 45, 3 ff . (A. v. Weinberg, P) ; 
46, 139 ff. (H. Sachs); ISG 93, 13 ff. 
(A. Meisser); Nr. 2, Nr. n (C. Oppen- 
heimer, m. P) ; 3, 461; 4, Nr. 11, 12 (E. 
Sachs); u. 7, 165 (Es wiedergefundene 
Dissertation); P. E. Festschrift zu s. 60. 
Geb. 14. III., hrsg. v. versch. Gelehrten 
(1914, m. P); DMW 41, 1103 ff. fWasser- 
mann) 1432 (L. Edinger) ; MMW 62, 
1357 ff. (H.Sachs); MK19M, Nr. 35 (F. 
Pinkus) u. Nr. 40, 41 (F. Pinkus) ; BZ 36 
[Klin. -Therapeut. Wochenschr. 22, 371; 
Ztschr. f. arztl. Fortbildg. 12, 513 (M. 
Kirchner); Dermatol. Ztschr. 22, 627 ff. 
(Hoffmann); Pharmazeut. Ztg. 1915, Nr. 
68; Archiv f. Schiffs- u. Tropenhygiene 
*9. 505 ff.; Fortschritte d. Med. 32, 1131 
(Ratner)]; ^7 [Archiv f. Dermatologie 
u. Syphilis 121, 557 ff. (A. Neisser) m. 
Bibl. ; Intern. Zentralbl. d. Tuberkulosen- 
forsch. 191 5, 401 ff. (L. Laschke); Che- 
mikerztg. 39, 112 f. (Bachhold) ; Folia 
Haematologica 191 5, 167 (Pappenheim) ; 
Marz 18. IX., 224 *(K. Lof fl) ; Natur und 
Schule 191 5, 158 (A. v. Szily); Dtsch. 
Monatsschr. f. Zahnheilkunde ^^, 433 (A. 
Lichtwitz), Med. Reform 23, 150; Thera- 
pie d. Gegenwart 56, 398 ff. (B. Laqueur) ; 
Die Umschau 191 5, 708 (Bachhold); 
Wien. klin. Wochenschr. 28, 937 ff. (G. 
Ivannowicz); Hist.-pol. Blatter fiir das 



326 



Totenliste 191 5: Emmich — Frankel 



kath. Deutschl. 89, 119]; 38 [Ber. d. 
dtsch. chera. Ges. 49, 1223 — 1248 (A. 
v. Weinberg); Frankf. Univ.-Ztg. 3, $7 
(R. Gonder) ; Deutsche Revue 19 16, Juni, 
340 ff. (M. Schiff)]; BZ 39 [Natur u. Ge- 
sellsch. (Bin) 3, 172 (KanngieBer) ; Uber- 
all 18, 569 (H. Much)); (A. v. Wasser- 
mann), P. E. f 191 5 (aus DMW); Adolf 
Lazarus, P. E. (P), Wien 1922; C. L. 
Schleich, Besonnte Vergangenheit 1922, 
287 ff. (P. E.) ; N.Marggraff, Erinnerungen 
anP.E. (1924)- BJI,S. 126/130 (H.Sachs). 

Emmich, Otto v., General d. Inf., Deutsch. 
Heerfuhrer im Weltkrieg, Eroberer von 
Liittich; * Minden i. W. 4. VIII. 1848; 
J Hannover 22. XII. — WI 7, 377; Ehren- 
Ufel 60; VZ 22. u. 23. XII. ; HK 22. XII. 
u. 1 9 16, 5. II. (RochoU); FZ 23. XII.; 
Dresdn. Anz. 23. XII.; TR 22. XII. u. 
29. XII. (Ad.Ziramermann); HN22.U.24. 
XII ; LNN 23. XII.; WZ 23. XII. ; Reichs- 
bote 19 16, 13.I. (Rocholl); Sachs. Ztg. 
23. XII.; FZ 29. IX. 1914. 

Engllsch, Josef, Dr. med. t a.o. Prof. d. Chi- 
rurgie, Spez. f. Blasen- u. Harnkrankh., 
Mitarbeiter an Eulenburgs Real-Enzykl. ; 
* Freudenthal i. Schles. 11. I. 1834; f 
Wien Mai. — VZ 14. V. 

Erlsman, Friedrich, Dr., Prof., Augenarzt, 
Schulhygieniker, bis 1896 Prof, d Hygiene 
an d. Univ. Moskau; * Aargau (Schweiz) 
1842 ; "j- Zurich Nov. — W. : Gesundheits- 
lehre f. Gebildete; Arbeiten a. d. hygien. 
Labor, d. Mosk. Univ., 5 Bde.; Red. d. 
Ztschr. f. Schulgesundheitspflege ; PBL 
467 (W); VZ 29. XI.; DMW 42, 51 (Sil- 
berschmidt) ; BZ 38 [Zentralbl. f. prakt. 
Augenheilkunde 40, 27 (J. Hirschberg); 
Dtsch. Philologenbl. 1916, 1 18 (K. Roller) ; 
Ztschr. f . Schulgesundheitspflege 29, 1 ff . 
(Kraft); Ztschr. f. schweiz. Statistik 51, 
436 ff. (Kraft) 1. 

Esmarch, Erwin v.. Dr., Geh. Med.-Rat, o. 
Prof. d. Hygiene a. d. Univ. Gott.; * Kiel 
12. III. 1855; f Gottingen 5. II. — W.: 
Hygien. Taschenbuch; WI 7, 391 (W); 
K 178 (W); AD 3, 72 (W); PBL 474 (P> 
W) ; DMW 41 . 5<H (H. Reichenbach) ; VZ 

6. II.; BZ 36 [Hygien. Rundschau 25, 1 17 
(C. Fraenken)]. 

Ewald, Karl Anton, Dr., Geh. Med.-Rat, 
a.o. Prof. a. d. Univ. Berlin, leitender Arzt 
d. inneren Abteilg. d. Augusta-Hospitals 
zu Berlin, Red. bis 1907: Berl. Klinische 
Wochenschrift; * Berlin 30. X. 1845; 
•j* Berlin 20. IX. — W.: Lehrbuch der 
Magenkrankheiten; PBL 479 (P, W); WI 

7. 396 (W); VZ 21. IX. 

•Fischer, Hermann, Dr. ing., Geh. Rat, Prof, 
f. mech. Technologie u. Heizung a. d. 



Techn. Hochschule zu Hannover bis 1910, 
Begriinder der wiss. Forschung auf d. Ge- 
biet d. Werkzeugmaschinenbaues; * Ro- 
dermuhle b. Osterode 2. V. 1840; \ Han- 
nover 11. II. — W. : Handbuch d. mech. 
Technologie; Handb. d. Werkzeugmaschi- 
nenbaukunde. — K. 200 ff . ( W) ; VZDI 59, 
213 (L); BZ 37 [Der dtsch. Werkzeug- 
maschinenbau 191 5, 53]; BZ 38 [Braun- 
schweigerHeimat7, 7]. BJI, S. 130 — 132. 

Fischer, Max, Dr. theol., Pfarrer a. d. Mar- 
kuskirche zu Berlin bis 191 3; "j" Berlin 
17. XII. — VZ 18. 12.; KJ 43, 595. 

Flesch, Karl, Dr. jur. t seit 1884 Stadtrat in 
Frankfurt a. M., Mitgl. d. preuA. Abg.- 
Hauses (fortschr. Volkspartei) , sozialpol. 
Schrif tsteller, Hrsg. : Gewerbegericht ; 

* Frankfurt a. M. 16. VII. 1863; t J 5- 
VIII.— WI 7,434 (W),8, 1773; VZ16. VIII 
u. 12. IX. (N. Pohlmann-Kattowitz) ; FZ 
21. VIII. (E. Cahn); BZ 37 [Der prakt. 
Maschinenkonstrukteur 191 5, 222 (Schlot- 
ter) ; Gemeinniitz. Bl. f . Hessen u. Nassau 
191 5, 281 (E. Cahn); Das Gewerbe- u. 
Kaufmannsgericht 20, 313; Zeitschr. f. 
Armenwesen 16, 328 (Zastrow); Soziale 
Praxis 24 Nr. 47]. 

Flookemann, August, Bildhauerin Dresden; 

* Hiddersdorf in Hannover 6. IV. 1849; 
•j- Radebeul b. Dresden 17. VII. — W.: 
B listen, Brunnen, allegomche Marmor- 
figuren; TB 12, 107 (W) ; MS 6, 97; VZ 
21. VII.; Kunstchronik N. F. 26, 525. 

Fftrster, Wendelin, Dr., Geh. Rat, o. Prof, 
d. roman. Phil. a. d. Univ. Bonn bis 100S ; 

* Wildschutz i. Riesengeb. 10. II. 1844; 
fBonn 17. V. — K 211 (W);UK88, 343; 
VZ 18. u. 19. V.; BZ n [Hochland, Juli 
191 5, 503 (P. Holzhausen) ; Zeitschr. f . d. 
osterr. Gym. 191 5, 861 (F. Pollitzer) ; BZ 
38 [Neuphil. Bl. 23, 87 (F. Staudinger) ) ; 
BZ 40 [Aim. d. Wien. Ak. 66, 422 (Ph. A. 
Becker)). 

Fraas, Eberhard, Dr., Prof., Konservator d. 
Kgl. Naturalienkabinetts in Stuttgart, 
Geologe u. Palaontologe ; * Stuttgart 26. 
VI. 1862; f Stuttgart 6. III. — WN 191 q, 
1 ff. (Brauhauser, W) ; VZ 7. III.; SM 7. 
III. (K. Lampert) ; BZ 17 [Zentralbl. f iir 
Mineralogie 191 5, 353 ff.; Verh.d.zoolog- 
botan. Ges. in Wien 65, I, 117I; BZ 39 
[Prahist. Zeitschr. 7, 237]; BZ 40, [Jahr.- 
Ber. d. oberrhein. geolog. Vereins, N. F. 
5, 10 (W. Salomon)); BZ41 [Fundberichte 
a. Schwaben 22/24, 71 ff]- 

Frftnkel, Karl, Dr., Geh. Med.-Rat, o. Prof, 
d. Hygiene a. d. Univ. Halle seit 1895; 

* Charlottenburg 2. V. 1861; f Hamburg 
29. XII. — Hrsg.: Mikroskop. Atlas d. 
Bakterienkde; WI 7, 444 f. (W) ; PBL 537 



Totenliste 191 5: Franz — Goldmark 



327 



(P, W); AD 3, 73 (W) ; VZ 2. I. 1916; L 
52, 31; DMW42, 362 u. 392 (C.Giinther); 
BZ 39 [Hygien. Rundschau 26, 1]. 
Franz, Pascha, Julius, Dr. h. c, ehemal. 
agypt. Baudirektor, Konservator d. is- 
lamit. Baudenkmaler u. Kunstwerke; 
* Springen (Reg.-Bez. Wiesbaden) 1832; 
\ Graz 20. III. — W. : Baukunst d. Islams. 

— VZ 6. IV.; ZB 191 5. 220 (L. Borchardt). 
Frenzel, Oskar, Prof., Tier- u. Landschafts- 

maler; * Berlin 12. XI. 1855; f Berlin 
15. V. — WI 7, 454; TB 12, 426; MS 6, 
100; VZ 19. V.; DieKunst Jg. 31 ; Kunst 
u. Kiinstler Jg. 13; BZ 38 [Velhagen u. 
Klasings Monatshef te, April, S. 467 — 479 
(H. Werner)]. 
Fricke, Karl, Dr., Prof. a. d. Handelsschule 
in Bremen, verdient um die Padagogik d. 
biolog. Unterrichts, einfluflreiches Mitgl. 
d. dtsch. Ausschusses f. d. mathemat. u. 
naturwiss. Unterricht; * Salzgitter (Prov. 
Hannover) 15. III. 1852; f Bremen 10. 1. 

— WZ 19. I.; Brem. Jb. 26, 168 ff. (H. 
Pardel); Zeitschr. f. math. u. naturwiss. 
Unterricht 46, 214L (W. Lietzmann) ; 
Unterrichtsbl. f. Math. u. Naturwiss. 21, 
22 f. (R. v. Haustein); Monatshefte f. d. 
naturwiss. Unterricht 8, 191 (Bastian 
Schmid); BZ 36 [Zeitschr. f. Forst- u. 
Jagdwesen 47, 3 ff. (A. Doller)]. 

Friese, Eugen Karl, ehemal. Offizier, Dres- 
dener Schrif tsteller ; * Konigsberg 10. IX. 
1845 » f Dresden Marz. — W. : Novellen u. 
Lustspiele; BR 2, 290 (W) ; VZ 27. III. 

Fritseh, Heinrich, Dr., Geh. Obermed.- 
Rat, o. Prof. d. Gynakologie a. d. Univ. 
Bonn. Begriinder d. Zentr.-Bl. f . Gynako- 
logie; * Halle a. S. 5. XII. 1844; f Ham " 
burg 12. V. — W.: Lehrbuch f. Frauen- 
krankheiten; UK 88, 343; AD 3, 139 (W) ; 
PBL558 (W, P);VZ 14. V.; L51; BZ 36 
[Monatsschr. f. Geburtshilfe u. Gyna- 
kologie 41 (Juni), 5 — 8 (Reifferscheidt)]; 
BZ 37 [Arch. f. Gynakologie 104,3.^, 5 ff . 
(R. Asch); Zentr.-Bl. f. Gynakologie 39, 
491—522 (W. Stockel)J. 

Ftilscher, Johann, Dr., Wirkl. Geh. Ober- 
baurat, vortrag. Rat im Minist. d. offentl. 
Arbeiten, Bauleiter des Kaiser- Wilhelms- 
Kanals; * Kronemoor 28. X. 183 1 ; f Kiel 
21. VI. — ZB 1915, 349 (H. W. Schultz). 

FuB, August Paul, Dr. med. h. c. t Oberbiir- 
germeister von Kiel; * Posen 29. VI. 1844; 
f Charlottenburg 7. I, — WI 7, 4S2; VZ 
7. I.; Kieler Ztg. 7. I., 10. I. 

Galland, Georg, Dr., Prof. a. d. Hoch- 
schule f. d, bild. Kiinste in Charlotten- 
burg, Hrsg.: Kunsthalle; * Posen 1857; 
f Charlottenburg 8. IX. — VZ 9. IX.; 
BZ 37 [AUg. Ztg. d. Judentums Nr. 43). 



Ganter, Heinrich, Dr., Prof. a. d. aargaui- 
schen Kantonsschule. — W.: Lehrbuch 
der analytischen Geometrie; VZ 9. VIII.; 
BZ 38 iVierteljahrsschr. d. naturforsch. 
Ges. in Zurich 61, 621 ff.]; BZ 39 [Ver- 
handlungen d. schweiz. naturforsch. Ges. 
1915, I, Nekrol., 107 (A. Tuchschmid) J . 

Gebhardt, August, Dr., a.o. Prof. f. altere 
dtsch. Sprache u. Liter, a. d. Univ. Er- 
langen ; * Niirnberg 1867 ; f Erlangen Ok- 
tober. — W. : Gesch. d. Niirnberger Mund- 
art; VZ 24. X.; BZ 38 [Unser Egerland 
20, 9 (A. John)). 

Gerhardt, Heinrich, Bildhauer, * Kassel 

23. VIII. 1823; f Kassel 24. X. — W.: 
Der Brunnenhof Villa Brandt in Zurich ; 
TB 13, 451 f. (Fr. Noack); MS 6, 109; 
VZ 26. X.; KZ 31. X.; TR 4. XI. (I. 
Sulves) ; Die Kunst 33, Beil. 3, 10; Dtsch. 
Revue 19 16, Febr. (J. Sulves). 

Gayer, Johann, Maler, Prof. a. d. Unterr.- 
Anstalt d. Berl. Kunstgewerbemuseums ; 

* Niirnberg 14. II. 1842; *f Berlin Dez. — 
IB 13, 508, MS 6, in; VZ 10. XII. 
Kunstchronik N. F. 27, 130. 

Giehol, Emmy, Jugendschriftstell., »Tante 
Emmy«, Hrsg.: Illustr. Kinderkalender 
seit 1877, Tierschutzkalender 1885 t>* s 
1905; * Regensburg 1. XI. 1837; f Miin- 
chenOktober. — BR 2, 367 (W) ; WI 7, 
517 (W); VZ 17. X. 

Glasenapp, Karl Friedrich, Biograph Rich. 
Wagners; * Riga 1847; t ^S a Mai. — 
VZ 15. V.; HN 17. V.; BZ 37 [Biihne u. 
Welt, 17, 378 (H. Thode); Der Merker 6, 
49o)l. 

Gdtz, Ferdinand, Dr. med. et phil., Geh. Sani- 
tatsrat, Vors. d. dtsch. Turnerschaft, Mit- 
glied d. Nordd. Bundestags u. d. Reichs- 
tags (nat.-lib.) 1887 — 1890; * Leipzig 

24. V. 1826; f Leipzig 13. X. — HPA 
1887. 153; WI 7 , 537 (W); VZ 17. X.; 
LNN 14. X.; SM 16. X. (G. Lachen- 
maier); LT 14. X.; BZ 37 [Frank. Kur. 
I5.X.J; BZ 39 [JB.f. Volks-u. Jugend- 
spiele 65 — 69]. 

Goez, Karl v., Dr.. Geh. Rat, langj. Pras. d. 
Verwaltungsgerichtshofs in Stuttgart; 

* Ellwangen 7. III. 1844; f Stuttgart 14. 
XI. — WN 191 5. 185 ff. (G. Egelhaaf); 
WI 7 (W); VZ 15. XL; SM Nr. 537, 
15. XI. 

Goldmark, Karl, Komponist; * Kesztheli 
(Ung.) 18. V. i83o,|Wien2.L — W.:Die 
Konigin von Saba; Erinnerungen aus 
meinem Leben, Wien 1922. — R. 448; 
WI 7, 540 (W) ; NFP 3. 1. (A. Door), 20. 1. 
(A. Bettelheim), 29. 1. (G. Adler) ; PL 3. 1, 
u. 10. I. (Baer); FZ 8. I. (M.Steinitzer) ; 
DNN 4. I- (A. Tiiringer); WZ S- I.; BT 



328 



Totenliste 191 5: Goldschmiedt — Hart 



9. I. (F. Salten) ; Neue osterr. Biographie 
1, 188/194 (Julius Korngold); Rhein- 
Westf. Ztg. 5. I. (J. C. Lusztig); BZ 36 
[DerMerker VI, Febr., S. 108 (Th. Helm) ; 
Die Musik 14, 209 ff., 255 ff. (W. Alt- 
mann); Neue Musikztg. 36, 117 (S. K. 
Hoffmann) ; Signale f . d. mus. Welt, Nr. 3 
(F. Scherker), Nr. 4 (S. Pisling); Neue 
Zeitschr. f. Musik 191 5, 21 (Th. Helm)]; 
BZ 42 [Dtsch. Revue 1918 Mai, 146 ff., 
Juni, 239 ff. (H. Schwarz); Juli, 24 ff., 
August, I36ff., Sept., 271]; Otto Keller:, 
K. G. 1901. 

Goldschmiedt^ Guido, Dr., seit 191 1 o. Prof, 
d. Chemie a. d. Univ. Wien ; * Triest 29. V . 
1850; f Wien 6. VIII. — W.: Zur organ. 
Chemie; K 270 (W) ; UK 83, ^45; WI 7 
( W) ; VZ 9. VIII. ; BZ 37 [Chemikerztg. 39 
Nr. 103 — 104 (R. Wegschneider) ; Osterr. 
Chemikerztg. N. F. 18, 145 (E. Zarnes)); 
BZ 38 [Ber. d. dtsch. chem. Ges. 49, 893 
bis 932 J; BZ 40 [Aim. d. Wien. Akad. 66, 
319; Lotos 63, 117 (L. Freund)]. 

Graban, Ludwig, Zivilingenieur, verdient 
um die Wirtschaftlichkeit d. Dampf- 
maschinen u. d. Gewinnung d. Rein- Alu- 
miniums; * Bremen 6. V. 1848; f Koln 
23. XI. — ZVDI 1916, 135 (P). 

Grabensee, Wilhelm, Dr., Landstallmeister, 
Hippologe, Leiter des Landgestiits Celle ; 
* 1841 ; f April. — VZ 20. IV.; HK 19. 
IV.; BZ 36 [Dtsch. Landwirtsch. Presse 
Nr. 33 (Bodeker)l; BZ 37 [Dtsch. Land- 
wirtsch. Tierzucht 19, 137 (W. Kuhl- 
wein)]. 

Greiner, Adolf, Dr., Generaldirektor der 
Societe Cockerill in Seraing; * Briissel 
7. 12. 1842, f Seraing b. Luttich 20. XI. 
— ZVDI 1916, 20; Stahlu.Eiseni9i5, 1336 

<P). 
GroB, Hans, Dr., o. Prof. d. Strafrechts a. d. 

Univ. Graz, Hrsg.: Archiv f. Kriminal- 
anthropologie u. Kriminalistik; * Graz 
26. XII. 1847; t Graz 9* XII. — WI 7 
(W); u. K 91. 543; VZ 10. XII.; Graz. 
Tagebl. 14. XII.; NFP 1915. (F. G. 
Strafella, H. Zafita; H. GroB, d. Begriin- 
der einer neuen Wissenschaft) ; BZ 37 
[Ak. Mon.-Bl. 27, 153]; BZ 38 [Archiv f. 
Kriminologie 65, 1 ff. (G. F. Strafella, 
H. Zafita); Schweiz. Jur.-Ztg. 13, 230, 
(E. Ziircher); Zeitschr. f. angewandte 
Psychologie 12, 111; Schweiz. Ztg. f. 
Strafrecht 28, 325 (C StoB); Zeitschr. f. 
d. ges. Strafr.-Wiss. 28, 595 — 604 (A. 
Lang) ; Osterr. Ztg. f. Strafr. 6, 1]; BZ 39 
[Arch. f. Strafr. u. Strafproz. 63, 353 
(Lindenau)]; BZ 42 [Archiv f. Strafrecht 
u. Strafproz. 66, 393 ff. (L. Haber)]. 
GruD, August, Dr. ing. h. c, Mitbegriinder 



u. Chef der Eisen- u. Betonbaufirma 
Griin & Bilfinger in Mannheim ; "j* Mann- 
heim Marz. — DBZ 1915, 178. 
t&Gsell, Hans, Bildhauer, Tierplastiker; 

* Hagenau 19. II. 1884; g e *- De i Sa- 
vannieres. — VZ 29. V.; BZ n [Dtsch. 
Richterztg. 7, 225 ff.] 

HackanschmidtyKarl, Dr ., Konsistorialpras., 
Pfarrer an Jung St. Peter in StraBburg, 
Vorkampfer f . dtsch. Wissensch. u. Kult. 
im Elsafl; * StraCburg 1864; f StraB- 
burg 10. XI. — VZ 15. XI.; Straflb. Post 
15. XI. (W. Kapp); KJ 43, 596 (W). 

Hadaczek, Karl, Dr., Prof. d. Prahistorik u. 
Archaologie a. d. Univ. Lemberg, Kon- 
servator b. d. K. K. Zentralkom. f. Denk- 
malpflege; \ April. — VZ 10. IV.; BZ 36 
[Mannus 6, 442]; BZ41 [Eos,comm. soc. 
philol. 20, 191 ff. (P. Biankowski)]. 

Haltenhoff, Georg, Dr., Prof. d. Augenheil- 
kunde a. d. Univ. Genf seit 1891 ; * Genf 

8. VI. 1843; f Genf A P ril - — PBI < I 9*S> 
682 (W); VZ 26. IV.; BZ 37 [Zentralbl. 
f. prakt. Augenheilkunde 38, 113; Kor- 
resp.bl. f. Schweiz. Arzte 45, 850]; 39 
[Verh. d. Schweiz. Naturf. Ges. 191 5 I 
Nekrol. 87 ff.]. 
Hammer, Rudolf, Dr., Geh. Rat, 1897 Dis 
1905 Oberbiirgermeister v. Brandenburg, 
1881— 1884 Mitgl. d. Reichst. (nat.-lib.); 

* Brandenburg 26. XI. 1830; f Branden- 
burg 11. III. — WI8, 1775; VZ 16. XII. 

giHaniel, B. Alfons, Dr., Privatdoz. d. Geo- 
logie u. Palaontologie a. d. Univ. Bonn; 

* 9. V. 1884; gef. im Westen. — W.: 
» Geolog. Fiihrer durch d. Allgauer Alpen « ; 
UK 88, 343; VZ 17. II.; BZ 37 [Geolog. 
Rundschau 6, 333 ff. (J. Wanner)]. 

Harnack, Erich, Dr., Geh. Med.-Rat, o. Prof. 
d. Pharmakologie u. physiol. Chemie a. d. 
Univ. Halle; * Dorpat 10. X. 1852; f 
Halle 24. IV. — W.: »Haupttatsachen 
d. Chemie «, auch ♦Studien ii. Kunst u. ihre 
neuesteGeschichte*; K 313 (W) ; PBL 688 
(P, W); UK; AD 1915. 59 (W); VZ 24. 
IV.; BZ n [Arch. f. experim. Pathologie 
u. Pharmakologie I — VI (Schmiedeberg) ] . 

* Harrach, Graf Ferdinand, Dr., Wirkl. Geh. 
Rat, Prof., Landschafts- u. Historien- 
maler, Portratist; * Rosnochau i. Ober- 
schles. 27. II. 1832; *)• Berlin 14. II. — 
TB 16, 53 f.; MS 6, 127; VZ is.II.;Kunst 
u. Kiinstler 12, 334f, (K. Scheffler) ; Die 
Kunst 32, Beil. 7, S. VIII. BJI, S. 132 
bis 134 (A. Amersdorfler). 

Hart, Josef, Dr. ing. h. c, Geh. Rat, o. Prof, 
f. Maschinenbau a. d. Techn. Hochschule 
in Karlsruhe; * Mannheim 3. X. 1832; 
f Karlsruhe 8. IX. — K 3, 3 (W) ; VZ 1 1 . 
IX.; ZVDI 59, 869 (P). 



Totenliste 191 5: Hartmann — Hespers 



329 



Hartmann, Wilhelm Eugen, Dr. ing. h. c, 
Ingenieur, Prof., Seniorchef d. Firma 

* Hartmann & Braun • in Frankfurt a. M . ; 

* Niirtingen a. N. 26. V. 1853; f Mtin- 
chen 18. X. — WI 7, 626; WN 191 5, 
171 ff. (R. I. Hartmann); SM Nr. 499; 
VZ 21. X. 

igj Hasen6hrl, Friedricb, Dr., o. Prof. d. theo- 
ret. Physik a. d. Univ. Wien; * 30. XI. 
1874; gef. a.d.ital.Front7.X. — UK 891, 
544; VZ 16. X. ; BZ 37 [Physik. Ztg. 16, 429 
(Stef. Meyer)]; 38 [Deutsch-Ungarn 4, 2); 
40 [Aim. d. Wien. Akad. 56, 337]. 

Haugk, Phil, v., Generalleutnant z. D., 
Oberstallmeister d. Konigs v. Sachsen; 

* Leipzig 1850; + Taschkent Juni. — VZ 
14. VI.; BZ 37 [Gliickauf (Ztschr. d. Erz- 
geb.-Ver., Leipzig) 35, 104 (H. Mdckel)]; 
38 [Ecced. kgl. Landesschule Meiflen 20, 
116; Dresdener Anz. 25. X.]. 

Hecker, Emil, Geh. Kommerzienrat, Direkt. 
b. d. Diskontoges.; * 1837; f Berlin 31. 
V. — WI 7, 640; VZ 1. VI. 

Heeger, Georg, Dr. phil., Rektor d. Real- 
gymnas. Wiirzburg, verdient urn die Auf- 
nahme d. rheinpfalz. Mundarten ; * W T ert- 
heim (Rheinpfalz) 19. XI. 1856; f Wiirz- 
burg 12. V. — W.: Der Dialekt der Siid- 
ostpfalz; Die german. Besiedlung der 
Vorderpfalz; JB d. bayr. Akad. d. Wiss. 
!9i5» 179 *• (Kiihn u. Mausser); BZ 37 
[Das Bayerland26, 375 (O. Mausser); Bl. 
f. Gymnasialschulwesen 191 5, 277 (A. 
Becker) Pfalz. Museum 1915, 61); 38 [BL 
f. bayr. Volkskunde Jg. 6], 

'Heigel, Karl Theodor, Ritter v., Dr., Geh. 
Rat, o. Prof. d. neueren Geschichte a. d. 
Univ. Munchen; * Munchen 23. VIII. 
1842; \ Munchen 23. III. — W.: Deutsche 
Geschichte 1786— 1815; K 326 (W) ; WI 
7, 647 (W); VZ 23 u. 24. III. MNN 24. 
III. u. 16. VI. (K. A. v. Muller); Frank. 
Kurier 3. IV. (J. Striedinger) ; NZZ 24. 
III.; NFP 24. IV. (K. A. v. Muller); 
Bayr. Staatsztg. 3. VI. (S. v. Riezler) ; 
Sitz.-Ber.d. bayr. Akad. d. Wiss. 191 5 (E. 
Marcks) ; Geistiges u. kiinstlerisches Mun- 
chen 1915, 151 ff.; Jubilaumsalmanachd. 
bayr. Akad. d. Wiss.; MAZ 1915, 201; 
BZ 36 [Forum 2, 44 ff . (W. Hausenstein) ; 
Siidd. Monatshefte 191 5 Juni, 558]; 37 
[Dtsch. Gesch.-Bl. 16, 135 ff. (L. Wolf- 
ram); Hist. Jahrbuch d. Gorresges. 36, 
476 (E. Konig)]; 38 [Aim. d. Wien. Akad. 
d. Wiss. 65, 472 ff. (O.Redlich)J; 41 [Mit- 
teil. d. Vereins f. Gesch. d. Deutschen in 
Bohmen 54, 137 (G. So m m erf eld t) J; 43 
[Sitz.-Ber. d. bayr. Akad. d. Wiss. 1916, 
149 ff. Doberl]; 44 [JB. d.bayr. Akad. d. 
Wiss. 1916 149 ff. (E. Marcks)]; MAZ 



1912, Nr. 32; IZ 15. VIII. 1912; Welt- 
rundschau Bl. z. Universum 28, 341 (Th. 
Kappstein). BJI, S. 134/138 (E. Marcks). 

Heinricl, Georg, Dr. theol. et phil., o. Prof, 
d. neutestam. Exegese a. d. Univ. Leipz.; 
* Karkeln (Ostpr.) 14. III. 1844; f Leip- 
zig 29. IX. — W.: Beitr. z. Gesch. u. Er- 
klar. d. Neuen Testaments, 5 Tie.; K 330 
(W); AD 1, i7;WI 7 ,654(W); VZ i.X.; 
LNN i.X.;DBZNr.43 (191 5) (Kriiger) ; 
KI 43, 957 (W); BZ 37 [Deutscher Mo- 
natskal. f. Protestantismus 191 5. 547 (G. 
Kittel)]; 38 [Neues sachs. Kirchenbl. 
1 916, Nr. 3 (Franke)J. 

Helbig, Wolfgang, Dr., o. Prof. d. Archao- 
logie, friih. Sekretar d. dtsch. arch. 
Instit. in Rom; * Dresden 2. II. 1839; "j" 
in Rom Okt. — W.: Fiihrer durch die 
Sammlungen klass. Altertiimer in Rom; 
WI 7, 656 (W); VZ 10. X.; NZZ 14. X.; 
BZ 17 [Jahrb. d. dtsch. arch. Instit. jn 
Rom 31, 1 45 J; 40 [Ecce der Crucianer 
1915, 12]. 

Helblng, Albert, Dr. theol., seit 1903 Pras. 
d. ev. Oberkirchenrats in Karlsruhe; * 
Oberacker 1837; ^ Karlsruhe 30. XII. — 
KJ 42, 559; BZ 36 [Christl. Welt 1915, 
Nr. 21 (R. Wielandt)]. 

Helck, Otto, Stadtbaurat in Karlsruhe, Dir. 
d. stadt. Gas-, Wasser-u.Elektr.-Werke, 
d. Maschinenbauamts u. d. elektrotechn. 
Amts; * Kehl a. Rh. 25. VIII. 1866; f 
27. III. — ZVDI 191 5, 477 f. 

Hellwig, Otto, Wirkl. Geh. Rat, Direktor d. 
Rechtsabteilg. d. Auswartigen Amts seit 
1908, Vorsitzender des Aufsichtsrates d. 
Nationalbank f. Deutschland; * 1838; f 
Berlin 19. IV. — WI 7,661; 8, 1775; VZ 
20. VI. 

Henrici, Ernst, Dr., seit 1906 Lehrer der 
offentl. Handelslehranstalt in Leipzig, 
antisemit. Agitator; * Berlin 10. XII. 
1854; + Dobeln 10. VII. — WI 7 (W) ; 
8, 1776; VZ 28. VIII; Deutsch-Vdlkische 
Blatter 191 5. 

Hermes, Justus, Dr., Wirkl. Geh. Rat, Mini- 
sterialdirektor i. Min. f. Landwirtsch. 
Dom. u. Forsten, ehem. Chefredakteur d. 
Kreuzztg.; * Boitzenburg 13. III. 1853; 
f Beverloo 26. II. — VZ 2. III.; WI 7, 
674; Reichsanzeiger 1. III.; KJ 41, 559; 
NPZ Febr. 

Herrmann, Louis, Buhnenschriftsteller, fr. 
Red. d. TR; * Schwerin a. Warthe 3. XL 
1836; f Berlin 9. XI. — W T I 7 (W); 8, 
1776; VZ 15. XI.; BZ 37 [AUg. Ztg. d. 
Judentums Nr. 53]. » 

Hespers, Karl, Dr., Prof., Domkapitular, 
Kolonialschrif tsteller ; * Lank b. Krefeld 
12. X. 1846; •)• Koln Dezember. — W\: 



330 



Totenliste 191 5: Hey den — Jakobi 



IU. Bibl. d. Volker- u. Landerkunde ; 
Gott will es WI 7 (W); VZ 13. XII.; 
KVZ 16. XII.; BZ 41 [Alt-Kdln. Kal. 
1917, 81]. 

Heyden, Lukas v.. Dr. h. c, Major a. D., 
Prof., Entomologe; Mitbegr. d. deutsch. 
Entomolog. Museums in Berlin ; * Frank- 
furt a. M. 22. V. 1858; f Frankfurt a. M. 
13. IX. — W.; Mehr als 350 Arbeiten 
iiber Insektenkunde ; Ber. d. Senckenb. 
Naturf. Ges. 46, 153 ff. (W. Kobeit, P) ; 
Entomolog. Mitt. IV, Nr. 10—12 (Ed. 
Reitter-Paskau, P) ; BZ 39 [Deutsche en- 
tomolog. Ztschr. 1916, 97 ff. (J. Weise); 
Ztschr. f. angewandte Entomologie 3, 
3551; 4 2 IJahrb.d.Nass. Vereins f . Natur- 
kunde 69, 25 (H. Fresenius, P)]. 

Heydenreich, Eduard, Dr., Prof., Ober- 
Reg.-Rat, Kommissar f . Adelsangelegen- 
heiten im Kgl. Sachs. Minist. d. Innern; 
* Dresden 29. V. 1852: f Dresden Febr. — 
W.: Handb. d. prakt. Geneologie. — WI 
7. 689 f . (W) ; VZ 6. II.; BZ 36 [Familien- 
gesch. Bl. 13, 82; Thur.-Sachs. Ztschr. f. 
Gesetzu. Kunst 5, 133 (G. Sommerf eldt) ] ; 
37 [Ber. d. sachs. Gyinnasiallehrervereins 
63, 11 iff. (F. Fritzsche); Ztschr. d. Ver. 
f . Thiir. Gesch.- u. Altertumskunde N. F. 
22, 344]; 40 [Ecce d. Crucianer 1915, 8]. 

Heye, Alexander, Generalmajor z. D., Mi- 
litarschrif tsteller ; * Oldenburg 21. IV. 
i860; f Oldenburg 29. XII. — W.: Die 
Marineinfanterie 1849 — 1890; WI 7, 690 
(W); VZ 1. I. 1916. 

#Heymann, Walter, b. 1907 i. Justizdienst, 
ostpreuC. Lyriker; * Konigsberg 19. V. 
1882; gef. bei Soissons. — W.: Spring- 
brunnen; Nehrungsbilder ; BR 3, 201; 
VZ 18. I. u. 22. X.; Kon. Hart. Ztg. 18. 1 
(Goldstein) u. 15. IV. (M. Winter); NZZ 
18. V.; TR 24. VII. (A. Schauffer); HC 
6. XII.; NFP 26. I. (Blumenthal) ; L>E 
17, 788 (F. Glum) ; BZ 36 [Der Neue Mer- 
kur April 191 5, 67 — 88]; 27 [Schaubiihne 
Nr. 41 (J. Bab); OstpreuBenhilfe 1, 16 
(F. v. d. Trenck)); 38 [Westerm. Monats- 
hefte April 1916, 195 (Gedichte u. Feld- 
postbriefe des Dichtersoldaten W. H.) ] 141 
[Schaubiihne 191 7, 610 (H. Wyneken)]; 
45 [Krit. Rundschau, Miinchen 2, 5 1 (F. 
Angermann)]; Harry Schumann: W. H. 
(Lotzen 191 5). 

Hildebrand, Friedrich, Dr., Geh. Hofrat, o. 
Prof. d. Botanik a. d. Univ. Freiburg bis 
1907; * Koslin 6. IV. 1835 ; f Freiburg 30. 
XII. — W. iiber Pflanzenkunde ; K 353 
(W); WI 7, 695 (W); VZ 1. I. 1916; BZ 
41 [Ber. d. dtsch. bot. Ges. 34, 28 ff. (C. 
Correns)]. 

Hittmalr, Rudolf, Dr., Prof. d. Theol., Bi- 



schof v. Linz; * Mattighofcn, Osterr. 24. 
VII. 1859; f Linz 5. III. — WI 7, 707 (W) ; 
VZ 6. III.; NFP 7. III.; Germania 28. III. 
Reichspost (Wien) 21. III.; BZ 36 [Stim- 
men d.Zt. 89, 186 (F. Lippert)]; ^ [Mu- 
sica divina (Wien) 1915, 10 1 (M. Auer)); 
39 [Osterreichs Geist u. Schwert 191 6, 
25 ff. (Handel-Mazetti)J. 

Hoelder, Alfred, Ritter v., Inh. d. Beck- 
schen Hof- u. Univ.-Buchhdlg. u. eines 
eigenen Verlagsgesch. in Wien; * Wimp- 
fen a. N. 14. VIII. 1825; f Wien 3. I. — 
VZ 5. I.; BB 1915 Jan., 28. 

Hofmann, Hermann, jur. loiter u. pol. Red. 
der »Hamb. Nachrichten t, Vertrauter 
Bismarcks; * 9. I. 1850; jf Hamburg 9. I. 

— W.: Fiirst Bismarck n. s. Entlassung. 

— WI 7, 724; VZ 10. I.; HN 9. I. 
Hollaender, Gustav, Prof., Dir. d. Stern- 

schen Konservatoriums in Berlin (seit 
1895), Violonist, Komponist; * Leob- 
schiitz 15. II. 1855; f Berlin 4. XII. — 
VZ 6. XII.; WI 7 (W); R 552; BZM 6. 
XII. 

Hoiz, Emil, Generaldir. a. D. d. Witkowitzer 
Eisenwerke, Aufsichtsratsmitgl. zahlr. Ge- 
sellschaf ten ; * Stuttgart 10. IV. 1840; f 
Charlottenburg 4. XI. — Stahl u. Eisen 
1915, S. 1241 ff. (P, W. Tafel). 

HoBfeld, Friedrich Oskar, Geh. Oberbaurat, 
Vortrag. Rat im Minist. d. offentl. Ar- 
beiten, Erbauer zahlreicher Kirchen, 
Schrif tleiter der »Denkmalpflege« ; * Schul- 
pforta 4. VII. 1848; f Bad Wildungeu 
15. X. — ZB 1915, 558; DBZ 1915, 479; 
BZ 37 [Das Land 24, 38 (K.Zetzschke) ; 
38 [Ecce d. kgl. Landesschule Pforta 4, 
2 1 ; Die Kirche 1 3, 28 (Neumann) ; Christl. 
Kunst 12, 136 ff. (H. Steffen); Heimat- 
schutz 10, 407 (K. Zetzschke); Christl. 
Kunstblatt S. 76 ff. (0. Koch)]. 

Husmer, Johann, Dr., Geh. Hofrat, langj. 
Dezernent f. d. hohere Schulwesen im 
osterr. Unterrichtsministerium, Red. d. 
Ztschr. f. d. osterr. Gymnasien; * Raab 
18. IV. 1849; f Reichenau (N.-Osterr.). — 
W.: Vademecum f. Kandidaten d. Mittel- 
schulleliramts; WI 7, 747 (W) ; VZ 25. 
IX.; NFP 22. IX.; BZ 39 [Osterr. Mittel- 
schule 19, 356 ff. (A. Stitz); Ztschr. f.d. 
osterr. Gymn. 1915, 1018 (R. Wolkan), 
1022 (A. Stitz), 1025 (J. Tominsck); 
Ztschr. f. Realschulwesen 41, 1 ff. (J. G. 
Wallenstein)]. 

# Jakob, Eduard, Dr., Privatdoz. f . Nat.-Ok. 
a. d. Univ. Tubingen; * 5, VIII. 1877; 
gef. 3 1 . 1. — W. : Volkswirtsch. Theorie d. 
Genossenschaften; UK 87, 340; VZ 8. II. 

Jakobi, Eduard, Dr., a.o. Prof, f . Dermato- 
logie a. d. Univ. Freiburg i. Br., Dir. d. 



Totenliste 1915: Jahn — Kluge 



331 



dermatolog. Klinikd. Finsen-Instituts ; * 
Liegnitz 26. 1. 1862 ; f Freiburg i. Br. 9. 1. 
— WI 7, 763 (W) ; K 396 (W), AD 3. 234 
(W); PBL809 (W); MMW 1915, 141; VZ 

11. I.; BZ 36 [Dermatol. Ztschr. 22, 88 
(K. Taege)]. 

gj Jahn, Kurt, Dr., Prof.d. Literaturgesch. a. 
d. Univ. Halle (seit 19 13); * Rastatt 21. 
XI. 1873; get. i. Westen 22. V. — W.: 
Jahresber. f. neuere deutsche Literatur- 
geschichte; Goethes Werke; Goethes 
Wahrheit u. Dichtung (Inselverlag) ; WI 
7. 769 (W); VZ 31. V.; BZ 41 [Ztschr. f. 
deutsche Phil. 47, 233 ff. (Ph. Strauch)]. 

Ippel, Eduard, Dr., Geh. Rat, Abteilungs- 
direktor a. d. kgl. Bibl. z. Berlin, Ger- 
manist, Vors. d. preuft. Kommission f. d. 
Diplompriifung; * Berlin 9. V. 1849; f 
Berlin-Lichterfelde 25. X. — W.: Brief- 
wechsel zw. Jakob u. Wilhelm Grimm; 
Dahlmann u. Gervinus; Hrsg. v. Biich- 
manns Gefliigelte Worte 22. — 23. Aufl.; 
WI 7. 759 (W); JB 12, 115; VZ 27. X. 

i&Jungst, Fritz, Dr., o.Prof.a.d.Bergakad. 
Clausthal f. Bergbau u. Aufbereitungs- 
kunde (seit 191 1), Hrsg. Lehrbuch der 
Erz- und Steinkohlenaufbereitung ; * 
1876; gef. i. Westen 1. X. — W.: Die 
nutzbaren Lagerstatten ; VZ 1 3. X. ; Stahl 
u. Eisen 191 5, 1108. 

Junkermann, August, Charakterkomiker, 
Reuterdarsteller u. -vorleser; * Bielefeld 
15. XII. 1832; f Berlin 15. V. — BR 3, 
385 f.; EG 487 ff.; VZ 15. V.; SM 16. V.; 
WN 1915, 59 ff. (Rud. Kraufi); Schwab. 
Chronik 1907, Nr. 576; 191 5, Nr. 225; J., 
Memoiren eines Hofschauspielers, Stutt- 
gart 1886. 

Kalle, Fritz, Prof., Geh. Reg.-Rat; * Paris 

12. I. 1837; f Wiesbaden Juli. — WI 7, 
800 (W); BZ n [Die chemische Industrie 
38, 329;Nassovia 16, 124; Ztschr. f.Schul- 
gesundheitspflege 28, 481 (Stephani)J. 

Kast, Hermann, Dr., a.o. Prof. f. Chemie a. 
d. Techn. Hochschule in Karlsruhe; * 
Landau 26. I. 1856; *j" Karlsruhe Mai. — 
K 423 (W); VZ 1. VI. 

Keller, L,udwig, Dr., Geh. Archivrat, be- 
griindete 1892 die Comenius-Gesellschaft, 
Mitarb. an der DAB; * Fritzlar in Hessen 
28. III. 1849; f Berlin 9. III. — WI 7, 
819 ff. (W); VZ 10. III.; BZ 36 [Monats- 
hefte d. Comenius-Ges. f. Volkserziehung 
N. F. 5, 25 ; . . . fur Kultur u. Geistesleben 
N. F. 7, 68 ff .1 ; 39 [Der unsichtbare Tem- 
pel 1916, 43]. 

Kellner, Heinrich, Dr., Prof., Senior d. kath. 
theol. Fak. a. d. Univ. Bonn, papstl. 
Hauspralat; * Heiligenstadt im Eichsfeld 
26. VIII. 1837; f Bonn 6. II. — W.:Hel- 



lenismus u. Christentum; Das Kirchen- 
jahr u. die Heiligenf este ; VZ n. II.; 
Chronik d. Univ. Bonn 40. 38 ff. (A. 
Brandt). 

Kick, Friedrich, Dr., Hofrat, Prof. d. mech. 
Technologie a. d. techn. Hochschulen v. 
Prag u. Wien (bis 191 1); * Wien 1840; 
f Wien Marz. — W.: (mit Gintl) : Tech- 
nisches Worterbuch von Karmarsch — 
Heeren; iiber Spinnereimechanik, Mehl- 
fabrikation; K 435 (W); VZ 17. III. 

Kiepert, Richard, Dr., Prof., wissenschaftl. 
loiter d. kartograph. Anstalt v. Dietrich 
Reimerin Berlin; * Weimar 13. IX. 1846; 
f Berlin-Lichterfelde 4. VIII. — W.: 
Deutscher Kolonialatlas ; Globus; WI 8, 
1778; VZ 5. VIII.; BZ 37 [Ztschr. d. Ge- 
sellsch. f. Erdkunde zu Berlin 191 5, 512 
bis 532 (J. Partsch)!; 38 [Geogr. Ztschr. 
1916, 121 ff. (J. Partsch)]. 

Kind, August, Dr. Liz., seit 1895 Pfarrer a. 
d. Neuen Kirche zu Berlin, Mitbegr. d. 
Allg. ev. prot. Missionsvereins ; * Leipzig 
14. XII. 1854; f Berlin 9. XI. — VZ 9. 
XI.;KJ43. 593. 

Kitzler, Otto, Kapellmeister, Lehrer Ant. 
Bruckners, Apostel d. R. Wagnerschen 
KunstinOsterr.;* Dresden 16. III. 1834; 
f Graz 6. IX. — R 636; VZ 28. IX.; O. K., 
»Musikalische Erinnerungen « 1904. 

Klehmet, Reinhold, Wirkl. Geh. Leg.-Rat, 
Generalkonsul in Athen, Delegierter des 
Deutschen Reichs b. d. Intemat. Finanz- 
kommiss. in Athen (seit 1914); * Berlin 
Okt. 1859; f Berlin 10. XI. — WI 7, 844; 
VZ 12. XI.; Norddeutsche Allg. Ztg. n. 
XI. 

Klonne, Karl, Geh. Kommerzienrat, Direkt. 
d. Deutschen Bank seit 1899; * 1849; f 
Berlin 20. V. — WI 7, 853 u. 8, 1778; VZ 
21. V. 

Klostermann, Heinrich, August, Prof. d. alt- 
testamentl. Theologie a. d. Univ. Kiel bis 
191 3; * Steinbude 16. V. 1837; "j" Molln 
(Lauenb.) 12. II. — K 451 (W) ; AD 1, 7 
(W); KJ 41. 560 (W); VZ 16. II.; BZ 36 
[Ev. Kirchenztg. Nr. 14 (H. KeBler)]. 

*Klugmann, Karl Peter, Dr. jur., Hanseat. 
Gesandter in Berlin, 1874 — 1880 nat.-lib. 
Abgeordneter f. Lubeck im Reichstag; * 
Bremen 22. XII. 1835; f Berlin 17. I. — 
W.: Staatsrecht d. freien u. Hansestadt 
Lubecki884— WI 7,855; HPA1878, 174; 
VZ 18. I.; Lubeckische BL 191 5. BJI, 
S. 138/139 (Fehling). 

Kluge, Hermann, Dr., Geh. Schulrat, Prof., 
Direktor des Herzogl. Ludwig-Gym- 
nas. in Kothen (Anhalt) ; * 1846; f Kothen 
25. IV. — W.: Schulbiicher z. Literatur- 
geschichte; W I 8, 1778; VZ 4. IX. 



332 



Totenliste 1915: Knackfufl — Kiilpe 



KnaekfuB, Hermann, Prof.a.d.Kgl.Kunst- 
akademie in Kassel seit 1880, Maler und 
Kunstschriftsteller, Hofzeichner Kaiser 
Wilhelms II. ; * Wissen a. d. Sieg 1 1 . VIII. 
1848; f Kassel 17. V. — W.: Allgemeine 
Kunstgeschichte, Monographien iiber 
Rembrandt, Holbein, Tizian u. a.; MS 6, 
160; VZ 18. V.; BZ 38 [Wochenschau 
(Essen) 1 916, 82 (E. Zollner)]. 

Kneib, Philipp, Dr., Prof. d. kathol. Apolo- 
getik a. d. Univ. Wiirzburg; * Zarnheim 
in Hessen 19. II. 1870; jf Wiirzburg 21. 
VII. — W.: Handbuch der Apologetik; 
WI 7 (W); UK 88, 343; VZ 22. VII.; BZ 
37 [Magazin f. volkstiiml. Apologetik 13, 
296]. 

Knieb, Ph., Pfarrer, Geistl. Rat in Heiligen- 
stadt, Historiker des Eichsfeldes; f April. 
— BZ 37 lUnser Eichsfeld 10, 1]. 

Knoblauch, Johannes, Dr., a.o. Prof, der 
Mathematik a. d. Univ. Berlin 1*27. VIII. 
1855; f Berlin Juli. — K 456 (W); UK 
88, 343; VZ 24. VII.; BZ 38 [Mansfelder 
Blatter 28, 101 ff. (R.Rothe)]; 43 [Sitz.- 
Ber. u. Abh. d. kgl. Ges. f. Botanik u. 
Flora zu Dresden 17, 19 ff. (R. Rothe)]. 

Koch, Anton, Dr., Prof. d. kath. Moraltheo- 
logie a. d. Univ. Tubingen ; * Pfronstetten 
(Wiirttemb.) 19. IV. 1859; f Tubingen 
24. V. — W\: Lehrbuch der Moraltheo- 
logie; AD i. 72 (W); WN 191 5, 65 ff.; 
WI 7, 866 (W); vSM 191 5, Nr. 240; VZ 
27. V. 

Koeven, Adolf v., Dr., Geh. Bergrat, o. Prof. 
d. Geologie u. Palaontologie a. d. Univ. 
Marburg u. Gottingen (bis 191 3); * Pots- 
dam 1837; t Gottingen Mai.— K 467 (W); 
VZ 6. V.; BZ 38 [Ecce d. kgl. Landes- 
schule Pforta 191 5, 4]; 39 (Ztschr. d. 
dtsch. geolog. Ges. 67, Monatsber., 229 bis 
268 (Pompecky)]. 

Kohlschein, Josef, Kupferstecher d. Diissel- 
dorf. Schule; * Warburg (Westf.) 21. XII. 
1841 ; f A P ril * — VZ 31. III. u. 17. IV.; 
KVZ 7. IV. (W. Heidenreich). 

Kohn, Theodor, Dr., Fiirsterzbischof v. Ol- 
miitz; * 1845; f S^ 10 ** Ehrenhausen 
(Steiermark) 3. XII. — VZ ■;. XII. u. 1 1 . 
V. 1916 (M. Miiller) ; NFP 5 . XII. ; BZ 38 
[Weimarer histor.-genealog. Taschenbuch 
d. ges. Ad els jiid. Ursprungs 2 (191 5), 
976]. 

Kortzfleisch, Ida Ottilie Achatia v., erste 
Vorsitzende des Vereins fur wirtschaftl. 
Frauenschulen auf dem Lande, Griinderin 
vieler Frauenschulen ; * Pillau (Ostpr.) 
10. X. 1850; f Nov. — WI 7, 892 (W); 
VZ 5. XI. (R. v. Koschiitzki); BZ 37 
[Dtsch. landwirtsch. Presse Nr. 85)]. 

Kraemer, Gustav, Dr., Prof., Chemiker, * 



Halberstadt 1. VII. 1842; f 9. II. — VZ 
11. II.; BZ 36 [Die Arbeitsschule Nr. 38; 
Die cheni. Industrie 38, 49 (A. Bannow)] ; 
38 [Ber. d. dtsch. chem. Ges. 39, 445 bis 
467 (A. Bannow)]. 

Kraepelin, Karl, Dr., Prof, am Hamburger 
Kolonialinstitut bis 19 14; * Neustrelitz 
14. XII. 1848; f Hamburg 28. VI. — 
W.: Lehrbiicher d. Botanik u. Zoologie; 
Einfiihrung in die Biologie u. a.; WI 7, 
897 (W); VZ 29- VI.; HN 8. VII. (Schaf- 
fer, Lobmann) ; BZ 27 [Niedersachsen 20, 
366 (D. Waltzen, aus Reuters engstem 
Freundeskreis IV); Ztschr. f. math, und 
naturwiss. Unterr. 46, 526 ff. (C. Schaf- 
fer)]; 40 [Verhandlungen d. naturwiss. 
Vereins Hamburg, 3. F. 23, iff. (C.Schaf- 
fer); ebd. S. 15- — 24 (H. Lobmann) ; ebd. 
S. 25 — 32 (Schriften)]. 

Kraus, Gregor, Dr., Geh. Hofrat, o. Prof. d. 
Botanik u. Pharmakognose a. d. Univ. 
Wiirzburg bis 1912;* Bad Orb 9. V. 1841 ; 
f Wiirzburg 15. XI. — WI 7, 901 ; 8, 1779; 
K 492 (W); VZ 15. XL; BZ 38 [Ber. d. 
dtsch. botan. Ges. 34, 69 — 94]. 

Krug-Waldsee, Josef, Prof., stadt. Musik- 
direktor in Magdeburg; * Waldsee in 
Wiirttemb. 8. XI. 18 ;8; f Magdeburg 8. 
X— WI 7, 922f. (W); WN 1915. 163 ff. 
(K. Widmann); VZ 9. X.; SM Nr. 475, 

10. X. (K. Widmann). 

Kruse, Karl, Dr., Geh. Rat, westpreufl. 
Provinzialschulrat a. D.; * 1828; ^ Dan- 
zig 29. VIII. — VZ 3. IX.; Dtsch. Pbilo- 
logenblatt 27, 665 ff. (R. Fricke) ; BZ 37 
[Blatter f. hoheres Schulwesen 1915, 6o3f. 
(P. Tietz)]; 38 [Monatsschrift fur hohcre 
Schulen 1915, 5 ff . (A. Matthies)]. 

Kuehl, Gotthardt, Geh. Rat, Prof. a. d. Ak. 
d. Kiinste zu Dresden, Vorsteher des 
Meister ateliers f . Genremalerei; * Liibeck 
28. XI. 1850; f Dresden 9. I. — WI 7, 
928 (W); VZ 11. I.; Dresd. Anz. 14. I.; 
ders. 26. II. (K.s Kiinstlernachlafl) ; DNN 

11. I.; 25. III. (C. Puetzfeld); BZ 37 [Die 
Kunst fur alle 30, 321 f.]; 41 [Dtsch. 
Kunst u. Dekoration 40, 337 (R. Stiller)]. 

Kuhlmann, Otto Ritter v., Generaldirektor 
d. anatol.Eisenbabn; * 1835; f Miinchen 
September. — VZ 21. IX.; BZ 37 [Dtsche 
Technik (Berlin) 191 5, 461]. 

KQlpe, Oswald, Dr. phil. et med. t Geh. Hof- 
rat, o. Prof. d. Philosophic u. Psycho- 
logic a. d. Univ. Miinchen; * Landau in 
Kurland 3. VIII. 1862; f Miinchen 31. 
XII. — W.: Die Realisierung, 3 r Bde.; 
Immanuel Kant.— K qo8 (W) ; WI 7 (W)) ; 
VZ 31. VII.; FZ 4. I. 1916; (A. Messer); 
HK 4. I. 1916; T 13. I. 1916; NZZ 23. I. 
1916; MMW 63, 275 ff. (K. Leschkc); 



Totenliste 191 5: Kiister — Langhans 



333 



BZ 38 [Zeitschr. f. Kinderforsch. 21, 

148 ff. (W. Ament) ; Padag. Warte S. 563 

(F. Schmidt) ; Zeitschr. f . Asthetik 11. 193 

(A. Baeumker) ebeada S. 193 — 197 (A. 

Baeumker, Th. Ziehen)); 43 [Jahrb. d. 

bayr. Akad. d. Wiss. 1916, 73, 103 ff. 

(A. Baeumker)]; Lebenslauf e aus Franken 

2, 244 ff. (K. Biihler, P, W). 
Kiister, Heinrich, Dr. med. vet. h. c, Wirkl. 

Geh. Rat, Unterstaatssekretar i. Preufl. 

Landwirtsch.-Minist. seit 1910; * 1858; 

f Berlin-Wilmersdorf 11. XI. — VZ 13. 

XL; BZ 37 [Dtsch. tierarztl. Wocheaschr. 

23, 40$ (Miesner); Zeitschr. f. Fleisch- u. 

Milchhygiene 26, 65 (v. Ostertag)). 
Lahmeyer, Gustav, Dr., Ober- u. Geh. Reg.- 

Rat, Direktor d. Provinzialschulkolle- 

giums d. Prov. Hessen-Nassau bis 1904; 

* 4 Hannover 1827; *j" Kasseljan. — WI7, 

944; VZ 15. L; BZ 36 [Blatter f. hoheres 

Schulwesen Nr. 4 (HeuBner)]. 
* Lamprecht, Karl, Dr., Geh. Hofrat, o. Prof. 

d. neueren Gesch. a. d. Univ. Leipzig; 

* Jessen i. d. Prov. Sachsen 23. II. 1856; 

f Leipzig 1 1 . V. — W. : Deutsches Wirt- 

schaf tsleben im Mittelalter ; Deutsche Ge- 

schichte; W. z. gesch. Methodik; K 518 

(W) ; VZ 1 1. V., 6. VI. (E. Spranger) ; BT 

13. V. (A. Doren) u. 20. V. (A. Pinkhus) ; 
FZ 11. V., 13. V. (G. Kiintzel) u. 30. X. 
(E. Wilson) ; T 1 3. V. (Breysig) ; TR 1 1 . V. 
und 14. V. (H. F. Helmolt); LNN 12. bis 

14. V.; NFP 12. V. u. 22. V. (P. Schwei- 
zer); DNN 21. V. (S. Brase); DA 13. V.; 
WZ 12. V. u. 16. XII. (Wundt) ; Nat.-Ztg. 
12. V.; Germ. 12. V.; Frank. Kurier 12. 
V.; LT 28. V. u. 15. XII. (W. Wundt); 
HC 27. VII. (E. Steiger); HV 19. 133 ff. 
(G. Seeliger) ; Ber. tiber d. Verb. d. Sachs. 
Ges. d. Wiss. phil.-hist. Kl. 67, 93 ff . (Karl 
Beiser), ebd.S. 105 ff. (R. Kotzschke, W); 
BZ 36 [Nat.-lib. Bl. 191 5. 373; Die Hilfe 
(H.hBarge); Leipz. Lehrerztg. Nr. 18 
(J. Kretzschinar) ; Sachs. Schulztg. Nr. 23, 
24 (R. F. Sturm); Padagog. Reform 39, 
Nr. 22; Die Neue Zeit 33, Nr. 8 (H. Cu- 
now)]; 37 [Fam.gesch. Bl. 13, 131 (P. v. 
Gebhardt) ; Eckart (Berlin) 9, 647 ff . (O. 
H. Brandt); Dtsch. Gesch.-Bl. 16, 159 
bis 186 (R. Kotzschke), ebd. 187 ff. (A. 
Tille) Vierteljahrsschr. f . Soz. u. Wirtsch. 
Gesch. 12, 209 (Hartmann) ; Westermanns 
Monatshefte Juli 1915, 697 (P. Petersen) ; 
Wissen u. Leben (Zurich) 8, 775 (F. Lif- 
schitz) ; Nordd. Monatshefte 2, 306 ff . (W. 
Driesmanns); Ak. Rundschau (Berlin) 
191 5, 969 ff. (C. Brinkmann); Ak. Turn- 
ztg. 32, 245 (A. Wirth u. W. Goetz) ; Die 
Volksschule (Langensalza), S. 297 — 302 
(Ph. France)!; 38 [Ecce d. Kgl. Landes- 



schule Pforta 5,21; Die liter. Geseilsch. I, 
6 u. 12 ff. (H. F. Helmolt); Glocke 1916. 
S. 263 ff . (E. Steiger) ; Zeitschr. f . Kinder- 
forsch. 15, 473 (J . Kretzschmar) ; Internat. 
Rundschau (Zurich) 2, 426 (C Berg- 
mann); O stasia t. Zeitschr. 4, 109 (O. 
Nachod)]; 39 [JB f . Gesetzgeb., Verw. u. 
Volkswirtsch., Dtsch. Reihe 90, 3. H., 
S. 27 ff. (G.Schmoller)]; 40 [Zeitschr. fiir 
Asthetik n, 353 — 389I; 41 [Der Kampf 
(Wien) 10, 47 ff. (E. Straufl) ; Thiir. u. 
Sachs. Zeitschr. f. Gesch. u. Kunst 7, 59 
(J. Sommerfeldt)]; Rud. Kotzschke u. 
Armin Tille: K. L-, Eine Erinnerungsschr. 
d. Dtsch. Gesch.-Bl., Gotha (191 5); W. 
Wundt u. M. Klinger: K. L. t Leipzig 
191 5; K. L-, Kindheitserinnerungen 
(Hrsg.: Marianne u. Else L) Gotha 191 5. 
BJI, S. 139—149 (Kotzschke). 

Landenberger, August v., Dr. med., Leiter d. 
inneren Abteilung des Katharinenspitals 
in Stuttgart; * Ebingen 8. VI 1838; 
f Stuttgart 26. VII. — WN 191 5, 1 16 ff .; 
VZ 28. VII.; SM. 11. VIII. 

Landsberg, Theodor, Dr. ing, h. c, Geh. 
Baurat, Lehrer a. d. Techn. Hochschule 
in Darmstadt bis 1907. Mitarb.: Handb. 
d. Architekten; * Hildesheim 8. VIII. 
1847; f Berlin 20. X. — K 523 (W); ZB 
1915, 574 ff- (P. W); VZ 23. X.; DBZ 
1915, 499 (F. Eiselen); ZVDI 59, 907; 
BZ sS [Eisenbau 7, 51 (Kayser)]. 

Lang, Gustav, Dr., Geh. Rat, Prof. d. In- 
genieurwiss. a. d. Techn. Hochschule in 
Hannover, * Reutlingen 11. I. 1850, | 
Hannover 9. VI. — W. : Das hyperboiische 
Elastizitatsgesetz ; Das Holz als Brenn- 
stoff; K 524 (W); WN 1915. 79 **• (W); 
WI 7, 951 (W); VZ 11. VI. ; SM 12. VI.; 
Stuttg. Neues Tagbl. 12. VI.; ZB 1915. 
343; ZVDI 59, 901 (P); Zeitschr. f. Ge- 
werbe-u. Bauwesen i, VII (1915) ; BZ 17 
\ Zeitschr. d. Verbands dtsch. Archi- 
tekten- u. Ingenieurvereine 4, 104]. 

Lang, Wilhelm, Dr., wurttemb. Publizist, 
Schriftsteller, Hrsg. d. Wochenschr.: Im 
Neuen Reich; * Tuttlingen 16. VII. 1832; 
f Stuttgart 19. III. — W.: Die Deutsche 
Partei in Wurttemb. , Aufs. in den Grenz- 
boten; WI 7, 952 (W) ; WN 191 S» 13— 42 
(W., K. Hoffmann); VZ 20. IV.; SM 20. 
III.; Deutsche Rundschau Juni 191 5, 
467 — 475 (H. Fischer). 

Langhans, Theodor, Dr. med., o. Prof, fiir 
Pathologie a. d. Univ. Bern seit 1872, 
Forscher a. d. Gebiet d. Tuberkulose; 
* Usingen 28. IX. 1839; f 22. X. — W. in 
Virchows Archiv. — PBL 959; VZ 24. u. 
25. X.; DMW 42, 392 (Lubarsch); BZ 37 
[Korresp.-Bl. d. Schweizer Arzte 45, 



334 



Totenliste 191 5: Laquer — Ludwig Sal vator 



i654ff.]; 38 [(Zentralbl. f. allg. Patholog. 
27, 217 (E. Hedinger)]. 

Laquer, Leopold, Dr. med., Facharzt fiir 
Nervenkrankheiten, Spez.: Schwachbe- 
gabte Kinder; * Namslau i. Schles. 9. III. 
1857; f Frankfurt a. M. 29. I. — W.: 
Beitrage z. Pathologie d. Grofihirnrinde ; 
Ber. d. Senckenb. naturf. Ges. 46, 176 ff. 
(P. Bachmann, P). 

tgi Lask, Emil, Dr., a.o. Prof. d. Philosophic 
a. d. Univ. Heidelberg seit 1910; * Wado- 
wice (Gal.) 25. IX. 1875 ; t im Feld 26 - v - 
WI 7 (W); VZ 15. VII. u. 2. X. (H. Ho- 
witz); ebd. 3. XI. (J. Cohn) ; FZ 17. X. 
(H. Rickert); Kantstudien 22, 349- — 370 
(G. v. Lukacs). 

Lauenstein, Karl, Dr., Prof., Chirurg a. d. 
Diakonissenheilanstalt Bethesda, Ober- 
arzt d. Hafenkrankenhauses zu Ham- 
burg; * Fallersleben in Hannover 4. VII. 
1850; f Hamburg 26. VII. — K 964 (W) ; 
PBL 964 (W); WI 7 (W); VZ 27. VII. 

Lehmann, Jon, Dr., Zeitungsverleger in 
Breslau, Biihnenschrif tsteller ; * Mainz 
19. IX. i86<;f September.— BR4, 212 f. 
(W); WI 7*973 (W); VZ 18. IX.; BZ 37 
[Allg. Ztg. d. Judentums]. 

Lemmermann, Ernst, Dr. phil. h. c. t Assi- 
stent f. Botanik am stadt. Museum fiir 
Natur-, Volker- 11. Handelskde. in Bre- 
men;* 1867; f Bremen. — VZ 2o.V.;BZ 
38 JArchiv f. Hydrobiologie 11, 151). 

Lent, Alfred, Geh. Baurat, Mitgl. d. Auf- 
sichtsrats d. Diskontoges., Anreger und 
loiter zahlreicher bautechnischer Unter- 
nehmungen; * Berlin 7. VI. 1836; jf Ber- 
lin 4. I. — ZB 191 5, 24; VZ 6. I. 

Lent, Hugo, Geh. Rat, 1865 — 1880 im Di- 
rektorium d. Magdebg.-Halberstadter 
Eisenbahn, spater Aufsichtsratsmitgl. v. 
zahlr. Gesellsch.; * Wesel 12. XII. 1827; 
f Berlin 25. VII. — ZB 191 5, 551 (Schwe- 
ring). 

Lepsius, Richard, Dr., Geh. Oberbergrat, 
o. Prof. d. Geologie u. Miner alogie a. d. 
Techn. Hochschule zu Darmstadt; * Ber- 
lin 19. IX. 1851 ; f Darmstadt 20. X. — 
W.: Geologie von Afrika, Geologie von 
Deutschland u. d. angrenzeudeu Gebieten ; 
K 541 (W); WI 7, 987 (W); VZ 21. X.; 
GA 1916, 37 (E. Oppermann); BZ 39 
[Notizbl. d. Ver. f. Erdkde., Darmstadt, 
5. F.I, 5 ff. (G. Klemm)]. 

Leschetitzky, Theodor, 1854 — 1873 Prof d. 
Klavierspiels a. Konservatorium in Pe- 
tersburg, dann Privatlehrer in Wien, 
Komponist; * Langut b. Lemberg 22. VI. 
1830; fBiihlaub. Dresden 14. XI. — W.: 
Kom.Op. * Die erste Falte «t, Klavierwerke ; 
R 731; WI 7 (W); VZ 17., 20., 21. XL; 



BT 22. XI. (F. Salten); BZM 18. XL; 
NFP 17. XL u. 25. XL (F. Salten) ; NZZ 
22. XL (V. v. Ostchewsky); BZ 37 [Der 
Merker 6, 838 (C. Karfath); Signale d. 
musik. Welt 191 5, 21 (A. Spanuth). 

Liepmannssohn, Leo, Berliner Antiquar; 
* Landsberg a. W. 18. II. 1840; f Berlin 
11. V. — BB 191 5, 773 f. (R. L. Prager). 

Lindenburg, Georg, Dr., Geh. Oberjustiz- 
rat, Senatsprasid. a. Kammerger. ; * 1848 ; 
•j" Berlin 10. II. ; Mitarb. a Kommentar 
iiber d. strafrechtl. Nebengesetze. — VZ 
11. II.; DIZ 1915, 277 (Lucas). 

Lindequist, Oskar v., Generaloberst, seit 
1872 Fliigeladjutant Kaiser W.s I., spater 
Kaiser W.s II.; * Jiilich 10. XII. 1838; 
f Potsdam 16. IV. — VZ 18. IV.; SM 18. 
IV.; WN 191 5, 55 ff.; NPZ 17. IV.; MW 
191 5; Wiirtt. Kriegerztg. 191 5, Nr. 17. 

Locher, Karl, Organist, bekannt durch sein 
in acht Sprachen ubersetztes Buch: Die 
Orgelregister; * Bern 3. XL 1845; f Bern 
26. XL — R 752; VZ 10. XII. 

Loebell, G. v., Polizeirat in Berlin, Diri- 
gent d. Abteil. V d. Berliner Polizeipras., 
kirchl. tatig; * 18 153; f Charlottenburg 
13. XL — VZ 15.XI.jKJ 43> 599- 

Ldffler, Friedrich, Dr. med., Geh. Med.-Rat. 

0. Prof, d. Hygiene a. d. Univ. Berlin, 
Entdecker d. Diphtheriebazillus ; * Frank- 
furt a. O. 24. VI. 1852 ; f Berlin 9. IV. — 
PBL 1032 ff. (P, W); AD 3, 72; VZ 
9. IV. ; FZ 1 3. IV. (H. Sachs) ; DMW 191 5, 
393 (G.Gaffky) ; L5 1 , 56; BZ 36 [Zeitschr.f . 
arztl. Fortbildg. 1915, 286 (E. Neufeld)]; 
37 [Zentralbl. f. Bakteriologie, 1. Abt. f 
S. 241 ff. (Abel)]. 

Loeschke, Georg, Dr., Geh. Rat, o. Prof, d, 
klass. Archaologie a. d. Univ. Bonn u. 
Berlin; * 28. VI. 1852, f Berlin 26. XL — 
K 562 (W); WI 7 (W); VZ 28. XL u. 

1. XII.; Neue Jahrb. f. d. klass. Altert., 
Gesch. u. dtsch. Liter, u. f. Padagogik, 
1 . Abt., 139 ff . (F. Konpf) ; BZ 40 [Bonner 
Jahrb. d. Vereins v. Altertumsfreunden 
im Rheinld. 123, 237 (E. Sadel)]. 

Loewengard, Max Julius, Musikschrif tstel- 
ler, Lehrer f. Kontrapunkt u. Kompo- 
nist; * Frankf. a. M. 2. X. i860; t Ham- 
burg 19 XL — WI 7, 1022 (W);VZ 19. 
XL; WI7 (W); R 755- 

Lohde, Clarissa, s. Botticher, Clarissa. 

Lohse, Oswald, Dr., Geh. Rat, Prof., Haupt- 
observator d. astron.-physikal. Obser- 
vatoriums z. Potsdam; Leipzig 13. II. 
1 845 ; f 14. V. — VZ 1 5 . V. ; BZ 36 [Astro- 
nom. Nachr. 201, 47 (G. Miiller)]; 17 
[Vierteljahrsschr. d. Astronom. Ges. 49, 
160 ff.]. 

Ludwig Salvator, Erzherzog von Osterreich, 



Totenliste 191 5: Ludwig — Meumann 



335 



jiingster Sohn d. GroBherz. Leopold IL 
von Toskana, Reiseschrif tsteller ; * Flo- 
renz 1847; f Sck lofi Brandeis a. d. Elbe 
Oktober. — VZ 13. X.; Reichspost 
(Wien) 18. XI. (Schanzer, Personl. Er- 
innerungen an L. S.) ; BZ 40 [Aim. d. 
Wiener Akad. 66, 317]. 

Ludwig, Ernst, Dr., k k. Hofrat, Ober- 
sanitatsrat, bis 191 3 Prof., Chemiker, 
Mitgl. d. osterr. Herrenhauses u. d. 
Reichsrats; * Freudental in Osterr.- 
Schles. 19. I. 1842; -j" Wien Oktober. — 
W.: Lehrbuch d. med. Chemie; K 572 
(W);WI7, 1038 f. (W); VZ 15. u. 16. X.; 
WMW 65, Nr. 49 (Th. Panzer); BZ 37 
[Mediz. Bl. 27, 271; Chemikerztg. 39, 
Nr. 135 (Th. Panzer); Osterr. Chem.-Ztg. 
N. F. 18, 182 (L. v. Zeynek) ; Pharm. Post 
Nr. 84; Wien. klin. Wochenschr. 28, 11 53 
(J. Mauthner)]; BZ 38 [Ber. d. dtsch. 
chem. Ges. 39, 7 (J . Mauthner) ; Pharmaz. 
Post 1916, 257 ff.]. 

Luethje, Hugo, Dr. med. t o. Prof. u. Direktor 
d. mediz. Klinik in Kiel, Spez.: Stoff- 
wechselkrankheiten ; * Wedel in Holstein 
31. XII. 1870; f Juni. — AD 3, 98 (W); 
VZ to. u. 14. VI.; MK 1915, Nr. 37 (A. 
Bohme); MMW 191 5, 1033 (L. Koehl); 
BZ 37 [Dtsch. Arch. f. klin. Med. 1 18, 1 ff . 
(F. Miiller)]. 

Macke, Karl, Dr., Prof., Gymnasialober- 
lehrer, Dichter; * Duderstadt 17. XII. 
1849; f Siegburg September. — W.: 
Schriften iiber orient. Sprachen u. dtsch. 
Lit.-Gesch.; BR 4, 338 f. (W) ; VZ 18. IX.; 
BZ 41 [Unser Eichsfeld (1917) 2, 1 — n f 
40 — 49 (G. H. Daub, K. Macke u. E. Ja- 
kobi)]. 

*Mannesmann, Max, Erfinder d.nahtlosen 
Rohren u. d. Hangegliihlichts, Griinder 
der M.-R6hren- u. M.-Mulag-Werke, Be- 
sitzer v. Bergwerkskonzessionen in Ma- 
rokko; * Remscheid 30. XII. 1857; 
f Aachen 2. III. — BZ 36 [Zeitschr. d. 
Verb.dtsch.Diploming.6, 47] ; 38[Deutsch- 
land, Zeitschr. f. Heimatkde. (Diissel- 
dorf) 7, 130 (M.-M6hrenwerke ein Wahr- 
zeichen dtsch. Industrie)]. BJI, S. 149 bis 
151 (A. Elbers). 

Matterstock, Georg, Dr., Hofrat, a.o. Prof, 
u. Vorsteher d. inneren u. Kinderpoli- 
klinik a. d. Univ. Wiirzburg; * Wiirzburg 
13. II. 1847; f Wiirzburg 30. V. — K 589 
(W); AD 3, 123, 134 (W); VZ 31. V.; 
MMW 62, 916. 

Max, Gabriel v., Dr., Prof., Maler, Schiiler 
Pilotys; * Prag 23. VII. 1840; f Miinchen 
24. XL — WI 8, 1781; MS 6, 191; VZ 
27. XI. (A. Klaar); IZ 1915 (Leipzig), 
Nr. 3760; BZ 38 [Deutschl., Zeitschr. f. 



Heimatkde. (Diisseldorf) 7, 16; DieKunst 
f. Alle 31, I f 164; Studien u. Skizzen z. 
Gemaldekde. 1916, 67 (Th. v. Frimmel: 
Meine Erinnerungen an M.) ; Psychiatr. 
Studien 1916, 40; DerTiirmer, Jan. 1916, 
490 (K.Storck)]. 

Medicus, Ludwig, Dr., o. Prof. d. pharmaz. 
Chemie a. d. Univ. Wiirzburg; * Kaisers- 
lautern 1 , XII. 1847 ) f Oktober. — WI 7, 
1093 (W); VZ i 3 .X.;K 597 (W); BZ 37 
[Ber. d. dtsch. chem. Gesellsch. 48, 
1744 ff. (F. Reitzenstein) ; Chemikerztg. 
39 Nr. 132); 38 [Zeitschr. f . Untersuchg. 
d. Nahrungs- u. Genu Ami ttel 22, 169 (H. 
Beckurts) ; 40 Siidd. Apothekerztg. 1917, 
514 (A. Heiduschka)]. 

Mehring, Sigmar, Redakteur, Schriftsteller, 
Dramaturg; * Breslau 13. IV. 1856; 
* Berlin 9. XII. ; W.: Dtsch. Verslehre, 
3 Bde. — WI 7 (W), 8, 1781 ; VZ 1 1. XIL; 
BZ 38 [Allg. Ztg. d. Judentums Nr. 5]. 

Menn, Matthias, Dr., altkath. Pfarrer in 
Freiburg i. Br.; * Koln 28. XIL 1862; 
j* Freiburg i. Br. 10. VII. — W. : Beitrage 
z. Geschichte d. altkath. Bewegung; Bio- 
graph. Kritiken.— VZ 27. VII. ; Amtl. Alt- 
kath. Kirchenbl. 5, 101 (Moog) ; Altkath. 
Volksbl. 191 5, 234 ff.; Intern, kirchl. 
Zeitschr. 191 5, 361 (A. Kiiry). 

Messerschmitt, Pius Ferdinand, Historien- 
u. Genremaler, Prof, in Solln; * Bamberg 
30. V. 1858; f Miinchen 29. X. — W.: 
Bilder in Biedermeiergeschmack ; Lebens- 
laufe aus Franken 2, 280 ff. (Bilder u. W, 
H. Fischer); Reclams Universum 32, 
829 ff. (0. Tobler, B). 

Meumann, Ernst, Dr., Prof, am Kolonial- 
institut in Hamburg, Psychologe u. Pad- 
agoge; * Herdringen 1862; -J- Hamburg 
26. IV. — W.: t)ber die Sprache d. Kin- 
des, Okonomie u. Technik des Lernens, 
Intelligenzpriifungen ; VZ 27. IV.; HN 
25. VI. (P. Petersen); BZ 36 [Neue 
Bahnen 26, 369 ff. (W. Moede) ; Bl. f. 
Fortbildg. d. Lehrers u. d. Lehrerin 191 5, 
31 ff. (M. Doering); Die Lehrerin 32, 76; 
Leipz. Lehrerztg. 22, Nr. 15; Posener 
Lehrerztg. 24, 301 (R. RoB); Thiir. Leh- 
rerztg. Nr. 21 (M. Doering); Padag. Re- 
form 39 Nr. 18 (R. RoB); Sachs. Schul- 
ztg. 1915, 289 u. 303 (H. Gotz); Hann. 
Schulztg. Nr. 2 1 ; Padag. Warte 191 5, 476; 
Zeitschr. f. padag. Psychologie 1915* 476 
(W. Wundt); Arch. f. Padag. 1, 253 ff. 
(M. Brahn u. M. Doering); Schweizer. 
Lehrerztg. Nr. 24; Die Volksschule 1915. 
193 ff. (M. Francke) ; Zeitschr. f. padag. 
Psychologie 1915, 227 ff. (M. Brahn, M. 
u. d. Organ z. Pflege d. wiss. Padag.) ; ebd. 
S. 232—238 (O. Kiilpe, M. u. d. Asthetik) ; 



336 



Totenliste 191 5: Meyerheim — Oberlander 



ebd. 239 — 257 (H. Deuchler, M.s wis- 
sensch. Arbeiten) ; ebd . S. 2 5 7 — 262 (F. M.» 
Im Gedenken ...)]; 37 [Schaffende Ar- 
beit u. Kunst i. d. Schule (Prag) 3 (P. 
Schlager); Wiirtt. Schulwochenbl., wis- 
senschaftl. Monatsbeil. Nr. 6, 2; Padag. 
Studien 1915, 183 (P. Schlager); Die 
Arbeitsschule 1915, 161 ff. (O. Scheibner) ; 
Padag. BL 1915, 249 (R. Seyf ert) ; Zeit- 
schr. f. Kinderforsch. 20, 530 ff. (Buse- 
mann); Dtsch. Philologenbl. 191 5, 745 
(A. Buchenau); Christl. Schule 6, 357 (G. 
Wunderle); Die dtsch. Schule 191 5, 417 
(W. Moede) ; Lyzeum (Frankfurt a. M.) 3, 
1 ff. (A. Buchenau)]; 38 [Hann.Schulztg. 
S. 27 (F. Menmann) ; Dtsch. Lehrerztg. 
19, Nr. 18 (A. Franken); Zeitschr. fiir 
Asthetik 11, 189 ff. (M. Geiger)]. 

* Meyerheim, Paul, Berhner Genre- u. Tier- 
maler; * Berlin 13. VII. 1842; -j* Berlin 
14. IX. — WI 7, 1 121 (W); VZ 15. IX. 
(Fr. Servaes); 16. u. 25. IX.; MNN 15. 
IX.; L,NN 15. IX. (F. Delphy) ; BM 15. 
IX ; VZ 26. IX. (E- Mathis); NAZ 16. 
IX., BT 17. IX. (L. Heck); BT 18. IX. 
(L. Manzel); NZZ 18. IX.; BZ 37 [Die 
Kunst fiir alle 31, 79]; 38 [Intern. Sarain- 
lerztg. 8, 35 (Nachlafl); Westermanns 
Monatshefte Marz 1916, 5 3 ff . ; Velhagen 
& Klasings Monatshef te Januar 1916, 72 
ff.]. B J I, S. 151— 153 (A. Amersdorffer). 

Millenkovlch, Stefan v. (Ps.: Stefan Milow), 
Dichter, bis 1870 osterr. Offizier, Alt- 
nieister d. osterr. Dichtung; * Orsowa 
n. III. 1836; f Modling b. Wien 12. III. 
W.: Romane u. Novellen; VZ 13. III.; 
BR 4, 475 (W); Deutsche Arbeit 14, 544 f. 
(Joh. Thummerer). 

Moestl, Franz Xaver, gnindete 1900 in Ber- 
lin d. reichsdtsch. Allgem. Automobil- 
ztg., Leiter d. Pressebureaus ira K. A. C; 
* Graz; f Berlin 2. II. — VZ 2. II.; 
Allg. Automobilztg. 191 5 Nr. 6 (P). 

Mtthlberg, Fritz, Dr. pkil. h. c, Prof, in 
Aarau, Palaontologe u. Geologe; * Aarau 
Juni. — VZ 3 VI.; NZZ 4. VI.; BZ 41 
[Zeitschr. f. Gletscherkde., Eiskde. u. 
Gesch. d. Klimas 10, 169 (E. Bruckner)]. 

Mtlller, Friedrich, Dr. thcol., Bischof d. ev. 
Landesk. v. Siebenbiirgen s. 1893; * 1828; 
f 25. IV. — KJ 43. 599 (W) ; BZ 39 [Ecce 
d. Kgl. L,andesschuie Grimrna 37, 95]. 

Muller, Richard, Dr. phiL, Archivar Erz- 
herzog Friedrichs u. Bibliothekar d. erz- 
herzogl. Sammlung tAlbertinat; * Wien 
30. IV. 1843 ; f Wien 7. VII. — WI 7 (W) ; 
VZ 20. VII.; Monatsbl. d. Vereins f. 
Landeskunde in Niederosterr. 14, 317 (M. 
, Vausca)]; BZ 41 [Monatsbl. d. Vereins f. 
Landeskunde in Niederosterr. 16, 347). 



Mttnsterberg, Otto, Komrnerzienrat, Kauf- 
mann in Danzig, Mitgl. d. pr. Abg.-H. 
1903 — 1908 u. 1912 — 1915;* Berlin 1854; 
f Danzig-Langfuhr 8. VIII. — VZ 9. VIII. 
BZ 37 [Dtsch. AuBenhandel 15, 121; Mit. 
d. westpr. Gesch. vereins 14, 76 (P. Sim- 
son) ] . 

Neruda, Franz, Cellist, seit 1892 Dirigent d. 
Musikvereins in Kopenhagen; * Briinn 
3. XII. 1843; t Copenhagen 19. III. — 
VZ 20. III.; R 886. 

Neuhaufi, Richard, Dr. med., Prof., prakt. 
Arzt, Anthropologe, daneben Forderer d. 
wissensch. Photographic Forschungs- 
reisender; * 17. X. 1855; f Lichterfelde 
9. II. — VZ 10. II.; Ztschr. f. Ethnologie 
47, 92; BZ 36 [Photogr. Rundschau 191 5, 

45J- 
Neumann, Hugo, Dr., Justizrat, Rechts- 
anwaltin Berlin; * 1859; f Berlin 18. II. 

— Hrsg. : Jurist.Wochenschr. u. Jahrb. d. 
dtsch. Rechts; W.: Kommentar z. BGB. 

— VZ 20. II.; BZ 36 [Dtsch. Borsenztg. 
191 5, 279 (E. Heinitz); Jur. Wochen- 
schr, 44. 369 (F. Vierhaus)]. 

# Neven-Du Mont, Josef, Dr. t Geh. Komrner- 
zienrat, Inhaber der Firma Du Mont- 
Schauberg, Verleger d. »K61nisch. Ztg.t; 
* Koln 13. VIII. 1857; f Koln 3*- X. — 
VZ 1. XI; WI 7, 1 190; KZ 9. XI. BJI, 
S. I53/I54 (Posse). 

Nuesch, Jakob, Dr., Prof., prahistor. For- 
scher; * Hammenthal (b. Schaffhausen) ; 
f Schaffhausen. — VZ 11. X.; WI 7. 
i204f. (W); Ztschr. f. Ethnologie 47, 374; 
BZ 43 [Wien prahist. Ztschr. 2, 145 J. 

NttBlin, Otto, Dr., Geh. Hofrat, o. Prof. d. 
Zoologie a. d. Techn. Hochschule Karls- 
ruhe seit 1880; * Karlsruhe 26. X. 1850; 
f Baden-Baden 2. I. — WI 7, 1205 (W) ; 
K665 (W);KTH8, 204; VZ 5. I.; BZ 37 
[Ztschr. f. angewandte Entomologie 2, 

459 ff.). 

NuBbaum, Moritz, Dr., Geh. Med.-Rat, o. 
Prof. d. Anatomie a. d. Univ. Bonn, Mit- 
arbeiter von : Pflungers Archiv; Archiv f . 
mikroskop. Anatomie u. Entwicklungs- 
gesch.; * Horde i. W. 18. XI. 1850; f 
Bonn 17. XI. — W.: Entwicklungsgesch. 
Untersuchungen, zur Lehre v. Vererbung 
u. Mutation u. a. — PBL, 1216; AD 3,9; 
VZ 18. XI.; BZ 37 [Anatom. Anzeiger48, 
489ff. (L. Bonnet)]; 38 [Ztschr. f. Sexuai- 
wiss. 3, 393 ff-1- 

Oberlander, Felix Martin, Dr., Prof, in Dres- 
den, Urologe,* Dresden 8. 1. 1849; •{•Dres- 
den. — Hrsg. seit 1893 Zentralbl. f. Er- 
krankung d. Ham- u. Sexualorgane, zus. 
mit W. Zuelzer : Klin. Handbuch d. Harn- 
u. Sexualorgane; W.: Lehrb. d.Urethro- 



Totenliste 191 5: Olschlagel — Polack 



337 



skopie, Pathologie u. Therapie d. chron. 

Gonnorrhce; PBL 1216; VZ 6. X.; BZ 37 

[Dermatol. Wochenschr. 40, 1061 (C. 

Posner); Ztschr. f. Urologie 9, 401 ff. 

(Lohnstein) u. 406 ff. (F. Boehme)]; 40 

[Ecce d. Crucianer 191 5, n]. 
Olschl&gel, Alfred, Theaterkapellmeister, 

seit 1909 in Arco, Operettenkomp.; * 

Anscha in Bohmen 25. II. 1847; f Leipzig 

Juni. — R 911; VZ 29. VI. 
Olshausen, Robert v., Dr., Geh. Med.-Rat, 

o. Prof. f. Frauenkrankheiten u. Dir. d. 

Univ.-Klinik zu Berlin, * Kiel 3. VII. 

1835; f Berlin 1. II. — Hrsg.: Schroders 

Lehrbuch d. Geburtshilfe, seit 1887: 

Ztschr. f. Gynakologie u. Geburtshilfe; 

PBL i22 9 f. (P, W); K 671 f. (W); AD 3, 

i35(W);VZ2.IL;TR3.II.;DMWi 9 i5. 
261 (W); MK 1915, 205 (C.Keller); L 52; 
BZ 36 [Zentralblatt fiir Gynakol. 39, 
1 77 ff. (Kiistner) ; Monatsschr. f. Geburts- 
hilfe u. Gynakologie 41, 285 ff., yy f 3 ff.J; 
Ztschr. f . Geburtshilfe u. Gynakologie yy, 
5 ff-1; 37 [Ztschr. f. Geburtshilfe u. Gyna- 
kologie 191 5, 656 — 734 (G. Winter)]. 

Opfergelt, Anton, Dr. jut., Amtsgerichts- 
rat in Gelsenkirchen, Mitgl. d. Reichst. 
1898 — 191 1, Mitgl. d. Abg.-Hauses 1894 
bis 1908 (Zentrum); * Overbach 8. XII. 
1850; •)• 10. X. — WI 7, 1220; 8, 1782; 
VZ 13. X. 

Orth, Albert, Dr., Geh.Rat,bis 1910 o.Hon.- 
Prof. a. d. Landwirtsch. Hochschule und 
Univ. z. Berlin, Mitbegriinder der ersteren 
verdient um Acker- u. Pflanzenbaulehre ; 
* Lengefeld b. Corbach 15. VI. 1835; f 
23. VIII. — WI 7 (W) ; K 674 (W) ; UK 
89, 343; VZ 25. u. 27. VIII.; BZ 36 [Mit- 
teilungen d. dtsch. Landw.-gesellsch. 30, 
358 (H. Thiel)]; 37 [Dtsch. Landw. Presse 
Nr. 69]; 38 [Ber. d. dtsch. bot. Ges. 34, 
60 ff. (L- Wittmack)]; Geognost. Jahres- 
hefte 28. 169 ff.; 43 [Jahrb. d. dtsch. 
Landwirtsch. -ges. 32, 93 ff. (Wittmack)]. 

Othograven, Louis v., President d. Kolner 
Mannergesangvereins ; * Koln 1828; jf 
Koln 29. III. — R 929; VZ 31. III.; BZ 
41 [Cacilienvereinsorgan 52, 107 ff. (J. 
Hatzfeld); Goethekalender 1918, 84 ff.J. 

Pagay, Hans, Schauspieler b. d. Reinhard- 
biihnen Berlin; * Wien 11. XI. 1845; 
f Berlin 21. I. — S. 744; VZ 21. I. (A. 
Klaar); T 22. I. (J. Keller); BZ 36 
[Gegenwart Nr. 5 (J. Bab)]. 

Pantenius, Theodor Hermann, Roman- 
schriftsteller, 1875 — T 9°5 Redakteur v. 
»Daheim«; * Mitau in Kurland 22. X. 
1843 '> f Leipzig 16. XI. — W. : Geschichte 
Rufilands, viele Romane; WI7; BR; VZ 
18. XI.; BZ 37 [Der Turmer, Dez.; Da- 

DBJ 22 



heim 52, Nr. 10]; 38 [Neue Bahnen 27, 
108 (Mia Munico-Wroklewska)]; 43 [Da- 
heim 54 Nr. 16]. 

Pauli, Alfred, Dr., ehem. Biirgermeister der 
Stadt Bremen, Bundesratbevollmach* 
tigter; * Liibeck 7. VIII. 1827; f Bremen 
20. XI. — VZ 21. XI.; WZ 23. XL; BZ }6 
[Bremer Jahrb. 26, 177 ff. (Bippen)J; 
Lebenserinnerungen (als Manuskript ge- 
druckt) . 

♦Payer, Julius v., Maler und Nordpolf ahrer, 
Entdecker d. Kaiser- Franz- J osef-Landes; 
* Teplitz-Schonau I. IX. 1842; f Veldes 
in Oberkrain 30. VIII. — W.: Die osterr.- 
ung. Nordpolexped. 1872 — 74; VZ 31. 
VIII.; FZ 3. IX.; HF 1. IX.; NFP 31. 
VIII.; BZ iy [Mitteil. d. dtsch. u. osterr. 
Alpenvereins 191 5, 184 (A. Dreyer)]; 38 
[Mitt. d. k. k. geogr. Ges. in Wien 59, 428 ; 
Dtsch. Arbeit (Prag) 15, 227 (F. Machat- 
schek) ]; 40 [Mitt. d. geogr. Ges. 11,282 (H. 
Rudiger)].BJI,S. 154 — 158 (H.Rudiger). 

Pelzer, Ludwig, Geh. Rat, Rechtsanwalt, 
1883 — 95 Oberbiirgermeister von Aachen. 
1 8 7 1 — 1874 Zentrumsabgeordneter im 
Reichst.; * 1838; f Marz. — VZ 3. III.; 
Koln. Volksztg. 21. III. 

gj Peters, Hans, Dr., o.Prof. f.rom. u. dtsch. 
biirgerl. Recht a. d. Univ. Frankf. a. M.; 
*iy. IX. 1886; gef. im Osten 5. VIII. — 
UK 88, 343; VZ 13. VIII.; FZ 3. IX. (O. 
Lenel); BZ 37 [Frankf. Univ.-Ztg. 2, 35]. 

gi Piper, Hans, Dr. med., a.o. Prof. d. Physio- 
logic a. d. Univ. Berlin seit 1909, Stabs- 
u. Regimen tsarzt ; * Altona 8. I. 1877; 
gef. 20. VIII. — AD 3, 48 (W) ; VZ 1 . IX. ; 
BKW 53, 175. 

tgaPoetzsch, Albert, Dr., Bibliothekar a. d. 
Stadtbibliothek zu Leipzig; * 1880; gef. 
Juli im Westen. — W.: Studien z. friih- 
romant. Politik u. Geschichtsauf f assung ; 
VZ 14. VII.; LT 14. VII. (Menke-Gluk- 
kert) ; BZ }S [Geisteskampf d. Gegenwart 

4, 8 3 ]» 

Polack, Friedrich, Schulrat a. D. in Worbis 
a. d. Eichsfeld, Padagoge u. Jugend- 
schriftsteller; * 1834; f Treffurt a. d. 
Werra 19. VII.; histor. u. geogr. W., u. a. 
Brosamen. — VZ 21. VII.; BZ 36 [Pad. 
Warte 191 5, 49 ff. (Batz: iZum 80. Ge- 
burtst,«)l; 37 [Dtsch. Lehrerztg. Nr. 63 
(Wagner); Hann. Schulztg. 381 (E. 
Schreck); Pad. Warte 191 5, 657; ebda. 

5. 75 1 (Br. Clemenz) u. 680 (Fr. Winkel)) ; 
38 [Die dtsch. Fortbildungssch. 417, 449 
(E. Oppermann) ; Schweiz. Lehrerztg. 
19 16, 194 u. 202]; 39 [Dtsch. Lehrerztg. 
191 6, S.215 ff. u. 238 ff. (A. Wander)]; 40 
[Pharus, Kath. Monatsschr. 19, 204 (E. 
Opfermann)]. 



338 



Totenliste 191 5: Pollack — Reinhardt 



gi Pollack, Oskar, Dr., Privatdoz. f. Kunst- 
geschichte a. d. Univ. Wien, Assistent am 
osterr. Histor. Institut in Rom; gef. am 
Isonzo 11. VI. — W.: t)ber d ital. Ba- 
rock; VZ 1. u. 10. VII.; NZZ 27. VIII. 
(F. A. T. Orbaan); BZ 37 [Kunstchronik 
N. F. 26, Nr. 40]. 

Poppenberg, Felix Michael Julius, Dr., 
Schriftsteller; * Berlin 13. X. 1869; f 
Berlin 28. VIII. — W. : Essays iiber Lite- 
ratur, Kunst u. Kultur; VZ 28. VIII. (Fr. 
Servaes) u. 1. IX.; WI 7, 1295; B T 29. 
VIII. (P. Schlenther); FZ 30. VIII. (E. 
Heilborn) . 

Proskauer, Bernhard, Dr., Geh. Rat, Prof., 
Dir. d. Untersuchungsamtes d. Stadt 
Berlin; * Ratibor 185 1 ; f Charlottenburg 
24. VII.; — WI 7 (W); VZ 27. VII.; 
DMW 41, 1224. 

Prowazek, St. v.. Dr., Prof, im Institut fur 
Schiffs- u. Tropenkrankheiten z. Ham- 
burg, Bakteriologe; * 1875; t Febr. — 
VZ 24. II.; NFP 24. II. (H. Joseph) ; BZ 
36 [Arch. f. Schiffs- u. Tropenhygiene 19, 
157 (M. Mayer); Beitrage z. Klinik der 
Infektionskrankheiten 4, ij; 37 [Arch. f. 
Dermatologie u. Syphilis 122, 504 ff. (B. 
Lipschiitz) ; Arch, f . Protistenkunde 36, 1 
bis 19 (M. Hartmann, W) ; Biol. Zentralbl. 
35. 337 (V. Zollos) ; Verh. d. Zoolog. Bot. 
Ges. in Wien 1, 65 ff. (B. Hatschek); 
Ztschr. f. angewandte Entomologie II, 
463 ff .] ; 40 [ Allg. bot. Ztschr. f . Syste- 
matik 63, 68 (H. Joseph)]. 

Prym, Friedrich, Dr., Geh. Hofrat, o. Prof, 
d. Mathematik a. d. Univ. Wiirzburg 
1869 — i909;*Diiren28. IX. i84i;fBonn 
Dez. — K 720 (W); VZ 16. XII.; UK 
89, 343; BZ 38 [Jahresber. d. dtsch. Ma- 
thematiker-Vereinigung 25, 1 ff. (A. 
Krazer)]; BZ 43 [Jahresber. d. bayr. Ak. 
d. Wiss. 1916, Hoff. (A. Krazer, W)]. 

Raths, Karl Wilhelm Paul, Dr. med. t Geh. 
Rat, Generalarzt a. D., Hrsg.: Beitrage 
z. e. internat. Statistik d. Todesursachen ; 
* Konigsberg 9. V. 185 1 ; f Juli. — PBL 
i3 4 if. (W); VZ6. VII. 

Ranitzsch, H. f Oberschulrat in Weimar; | 
Weimar. — VZ 14. VI.; BZ 37 [Thiir. 
Lehrerztg. 191 5, 361 (K. Muthesius)]. 

Raschdorff, Otto, Dr., Geh. Rat, o. Prof a. 
d. Techn. Hochschule z. Berlin, Archi- 
tekt; * Rlieine i. W. 23. III. 1854; * Ber- 
lin 14. X. — K 729 (W) ; WI 7. 1 329 (W) ; 
VZ 14. X. 

gi Raspe,Theodor, Dr.phil., Dir.d.Groflherz. 
Kunstgewerbemuseums in Oldenburg s. 
1910, Spezialgebiet : Fayencen u. nieder- 
deutsche Volkskunst; * Rostock 1880; 
gef. April. — VZ 1. V.; BZ 36 [Cicerone 



7, 227]; 37 [Kunsthandel (Liibeck) 191 5, 
179 (Rieschieter)]. 

♦Rathenau, Emil, Dr. ing. u. Dr. phil. k. c, 
Geh. Baurat, Generaldirektor d. AEG. u. 
d. Berl. Elektr. Werke, * Berlin 1 1 . XII. 
1838;! Berlin 20.VI.—WI 7,1 330; VZ 21. 
u. 23. VI.; FZ2i.VI.;BT22.VI;.HF2i. 
VI.; BM 21. VI.; BZM 21. VI. (G. Bern- 
hard) ; NFP 2 1 . VI. (P. Mannoth) ; Grazer 
TB 4. VII.; Stahl u. Eisen 2, 760; ZVDI 
59, 617 ff.; BZ 36 [Zukunft 26. VI. S. 
394 ff . ; Plutus 23. VI.J ; 37 [Elektr. Kraft- 
betriebe u. Bahnen 191 5, 265; Das Elek- 
trizitatswerk 3, 71 (J. W. F. Hof niann) ; 
Marz 3. VII. S. 299 (A. Goldschmidt) ; Der 
prakt. Maschinenkonstrukteur 191 5, 148 
(Wilcke) ; Dtsch. StraBen- u. Kleinbahn- 
ztg. 191 5, 335; Verh. d. Ver. z. Forder. d. 
Gewerbeflei Bes 191 5, 353; Weltall 15, 
172 ff. (H. Wirthwein) ; Verkehrstechn. 
Woche 9, 529; Ztschr. f. Beleuchtungs- 
wesen, Heiz- u. Luftungstechnik 191 5, 79 ; 
Allg. Ztg. d. Judentums Nr. 29; Zukunft 
3. VII. 23 ff. (W. Rathenau)]; 39 [Pala- 
ontographica 62 Sept. 342 ff. (A. Riedler) ; 
Plutus 191 5, 450 ff. (A. Riedler); Indu- 
striebl. f. Handel, Technik u. Gewerbe 4, 
166 (Feldhaus)]; 40 [Stimmen d. Zeit 93, 
43 ff. (A. Gokel)]. W. Rathenau : Gedacht- 
nisrede f. E. R. (als Ms. gedruckt, 191 5) ; 
AEGZtg. Sondern. 191 5 : Dem Andenken 
an E. R.; Furst: E. R., Der Mann 
u. sein Werk (Charlottenb. 191 5); A. 
Riedler: E. R. u. d. Werden der GroB- 
wirtschaft (Berlin 19 16); Felix Pinner: 
E. R. BJI, S. 158—167 (F. Pinner). 

Reeker, Hermann, Dr. phil., Leiter d. west- 
fal. Provinzialmus. fiir Naturkunde in 
Minister; * Miinster i. W. 10. VI. 1865; 
f Miinster 4. VI. 1915. — VZ 9. VI.; 43- 
Jahresber. d. WestfaL Ver. f. Wiss. und 
Kunst f. 1914/15, 6 (Koenen), S. 116 ff. 
(R. Koch, P) ; BZ 38 [Jahresber. d. West- 
fal. Prov.ver. 41, 116 (R. Koch)]. 

Regel, Fritz, Dr., o. Prof. d. Geographie a. 
d. Univ. Wiirzburg seit 1899; * SchloB 
Tenneberg in Gotha 17. I. 1873, f Wiirz- 
burg 2. XII. — W.: Ober Thiiringen, 
Kolumbien, die Iberische Halbinsel, Nord- 
u. Siidpolarforsch. ; WI 7^733 (W) ; VZ 
3. XII.; L 52, 83; BZ 38 [Geograph. An- 
zeiger (J. Reindl) ; Thiir. Monatsbl. 1916, 
130 (L. Gerking); Geogr. Ztschr. 1916, 
1 77 ff. (J. Reindl) ; Thiir. Lehrerztg. 19 16, 
219 (E. Oppermann)]; 39 [ Mitt. d. geogr. 
Ges. 11, 188 ff. (S.Gunther)]; 41 [Mitt.d. 
geogr. Ges. f. Thuringen z. Jena 33/34. 

215]. 
Bernhardt, August, Dresd. Landschafts- 
maler; * Leipzig 20. III. 1831; | Blase- 



Tot enlist e 191 5: ReiC — Sarrazin 



339 



witz 16. V. — Wl 7. 1384 (W); MS 6, 
230; VZ 20. V. 

Reifi, Fritz, Maler u. Illustrator; * 1857; f 
Freiburg i. Br. Nov. — VZ 29. XI.; 
BZ 38 [Daheim 52, Nr. 30]. 

Remel6, Adolf, Dr., Geh. Rat, Prof. d. an- 
organ. Naturwiss. a.d. Forstakad. Ebers- 
walde 1868 — 191 2; * Uerdingen a. Rh. 
17. VII. 1839; f Eberswalde 16. XI. — 
WI 7, 1353; VZ 19. XI.; BZ 37 [Ztschr. f. 
Forst- u. Jagdwesen 67, 74$ (E. Ra- 
wann)]; 39 [Ztschr. d. dtsch. geol. Ges., 
Monatsber. S. 94 ff. (P. S. Krause)]. 

Reverdy, Richard v., Ministerialrat im K. 
Bayr. Minist. d. Innern, Vorst. d. oberst. 
Baubehorde, sehr verdient urn die Miin- 
chener Bautatigkeit ; * Frankenthal i. d. 
Pfalz 29. I. 185 1 ; f Miinchen 31. V. — 
ZB 1915, 357 f. (H.Keller); DBZ 1915, 
278 (F. Eiselen); BZ 37 [Ztschr. d. Verb, 
dtsch. Arch. u. Ing.vereine 4, 89]. 

Richard, Paul, ehem. Dir. d. Meininger Hof- 
theaters 189 1 — 1905 ; * Spandau 29. VIII. 
1840; f Meiningen 8. IV. — EG 830; VZ 
9. IV. 

Richter,Wilhelm,Z)r.^o/., 1889— i907Kon- 
sistorialpras. f. d. Prow Pommern, Mitgl. 
d. ev. Oberkirchenrats, hervorrag. tatig 
um d. Ausbau d. inn. Mission d. Prov. 
Pommern ; * Neustadt (O.-S.) 28. X. 1836; 
t Stettin 12. XII. — VZ 14. XII.; KJ 43, 
600; BZ 38 [Monatsbl. d. Ges. f. pomm. 
Gesch. 1915, 573]. 

Rldder, Hermann, Hrsg. d. New Yorker 
Staatsztg., Fiihrer d. Deutsch turns in 
Amerika; * New York 185 1 ; f New York 
Okt. — VZ 2. XI. 

Riecko, Eduard, Dr., o. Prof. d. Physik u. 
Dir. d. Physik. Instituts a. d. Univ. Got- 
tingenseit 1 881 ;* Stuttgart i.XII. 1845; 
f Gottingen n. VI. — W.: Lehrbuch d. 
Physik, 2 Bde.; WI 7, 1370; WN 1915, 
83 ff. (Aug. Schmidt) ; T 2. IV. 1916; VZ 
14. VI.; Physik. Ztschr. 15, Nr. 12 (Ge- 
dachtnisrede v. Prof. W. Voigt) ; BZ 37 
[Ztschr. f. Instrumentenkunde 35, Beibl. 
136 (Ambronn); Physik. Ztschr. 16, 219 
(W. Voigt)]; 39 [Nachr. d. Gott. Ges. d. 
Wiss., Phil.-Hist. Kl. 1916, 45 ff. (H. 
Wiechert)]; 43 [Jahresber. d. bayr. Akad. 
d. Wiss., 1 1 5 ff . (A.Sommersfeld)]. 

RJesenfeld, Ernst, Dr. jur., Prof., Syndikus 
d. Breslauer Handelskammer, Lektor f. 
landwirtsch. Handelskunde a. d. Univ. 
Breslau; * Munsterberg i. Schles. 1868; 
■j* Breslau Dez. — W\: Breslauer Handels- 
gebrauche; WI 7, 1374 (W) ; VZ 14. XII.; 
JSG 93, I Nekrol. 27ff. (Freymark). 

Riffert, Julius, Dr., Prof., Schriftsteller, 
1891 — 191 1 verantwortl. Redakteur der 



• Leipziger Zeitung*; * Halle a. S. 17. 
XII. 1854; J Leipzig 10. l. — WI 7, 1376 
(W); VZ 11. I. 

Rosenberger, Andreas, Dr. med. t Hofrat, 
Chirurg, Prof. f. gerichtl. Medizin a. d. 
Univ. Wiirzburg 1897 — 991 * Bonnland 
in Bay. 20. V. 1847; f M *rz. — PBL 
1422 f . (W) ; K 765 (W) ; AD 3, 222 (W) ; 
VZ 3. III. 

Rosenthal, Isidor, Dr. med.et phiL, Geh. Rat, 
o. Prof. d. Physiologie u. Gesundheits- 
pflege a. d. Univ. Erlangen; * Labischin 
16. VII. 1836; f Erlangen 2. I. — PBL 
1426 (P, W); K 767 (W); AD 3, 42 (W); 
WI 7, 1407 (W); VZ 4. I.; MMW 191 5, 

293- 

Rothmann, Max, Dr. med., Prof., Berliner 
Nervenarzt, bekannt durch Experimente 
iiber die Physiologie d. Zentralnerven- 
systems; * Berlin 26. IV. 1858; f Berlin 
1 1 . VIII. — W. : Veroffentlichungen iiber 
klin. u. exper. Beobachtungen ; WI 7 (W) ; 
PBL 1436; VZ 12. u. 13. VIII.; DMW 
41, 1015 (Th. Cohn); Ztschr. f. Ethnolog. 
45* 373'. BZ 17 [Neurolog. Zentralbl. 34, 
674 (H. Oppenheim); Monatsschr. f. 
Psychiatrie u. Neurologie 191 5, 251 ff. 
(L,. Jakobsohn); Allg. Ztg. d. Judentums 
Nr. 40 (G. Hillel)). 

Rudolph, Emil, Dr., o. Hon.-Prof. d. Geo- 
physik a. d. Univ. StraBburg; * 12. I. 
1853; f StraBburg 5. VII. — UK 88, 343; 
VZ 6. VII. ; BZ n [Beitrage z. Geophysik, 
2. H. (K. Sapper); Geogr. Ztschr. 1915, 
481 (R. Langenbeck)]; 38 [Ztschr. f. Vul- 
kanologie 13, 147 (K. Sapper)]. 

Ruederer, Josef, Biihnenschriftsteller in 
Miinchen; * Miinchen 15. X. 1861; f 
Miinchen 20. X. — W.: Morgenrote; 
Fahnenweihe ; Wblkenkuckucksheim ; Der 
SchmidvonKochelu.a.;Wl7, 1418 (W); 
BR 6, 72; VZ 20., 23. X ; 2. IV. 1916 (A. 
Elsasser); FZ 21. X.; MNN 21. X. (F. 
Muncker); TR 23. X. (M. S. Conrad); 
HN 23. X.; (C. A. Piper); LV 21. X.; 
MAZ Nr. 44 (R. Weigand) ; LE 18, 265 
(E. Steiger); BZ 37 [Westerm. Monatsh., 
Dez. 191 5, 574 (R. Du Moulin-Eckart)]; 
38 [Die schone Literatur, Beibl. z. Liter. 
Zentralbl. 1916, 325 (L. G. Oberlander) ; 
Hochland Jan. 1916, 495 (F. Marker) , 
Marz 27. V. 1916, 159 (Th. HeuB); 39 
[Die Propylaen (Miinchen) 19 16, 651 (B. 
Ruttenauer) ] . 

Sarrazin, Gregor, Dr. phil., o. Prof. d. engl. 
Phil. a. d. Univ. Breslau seit 1899, bek. 
Shakespeareforscher; * Graetz (Posen) 
13. V. 1857; f Breslau 3. XI. — W r .: Beo- 
wulf studien, Beitrage z. Gesch. altgenn. 
Sage u. Dichtung; Will. Shakespeares 



340 



Totenliste 1915: Schafer — Schubart 



Lehrjahreu.a.; VVI7 ; K 789 (W); VZ 3. 
XL; BZ 39 [Mitt. a. d. ges. Gebiete d. 
engl. Spr. u. Lit. 27, 171 ff. (R. Jordan)] 
41 [Jahresber. d. dtsch. Shakespeare-Ges. 
53. 136 (0. L. Jiritzek)]. 

#Sch&!er, Kurt, Berl. Maler; * 1886; gef. 
im Osten 13. IX. — W.: Holzschnitt- 
zyklen; Zirkusbilder ; Penthesileana; MS 
6, 246; VZ 10. X.; BZ 41 [Heimdali 22, 
43 (D. Schafer)]. 

Schaf fgotsoh, Graf Hans Ulrich, Schles. Ma- 
gnat ;fSchloBKopitz in Oberschles. 16. II. 
— VZ 19. II.; Oberschles. Heitnat 13, 36. 

Scheerbart, Paul (Ps. Kuno Kiifer), Schrift- 
steller; * Danzig 8. I. 1863; f 17. X. — 
WI7, 1458 (W); BR 6, 153 (W); VZ19.X. 
(Fr. Servaes) ; TR 20. X. (A. Grabowski) ; 
HK 24. X.; NZZ 21. X. (H. Kienzl) ; 
Frank. Kur. 30. X.; RWZ 27. X.; BZ 
38 [Die liter. Ges. 2, H. 4, 124 ff. (VV. 
Scheller)]. 

'Schenckendorff, Emil Frh. v., Dr. med. h. c. t 
zuerst Offizier, dann im Reichstelegra- 
phendienst tatig, nat.-lib. Mitgl. d. Pr. 
Abg.-Hauses, hervorragend f. d. Jugend 
tatig, Griinder (1891) u. Vorsitzender d. 
Zentralausschusses z. Forderungd. Volks- 
u. Jugendspiele in Deutschland; * Soldin 
21. V. 1837; f Berlin 1. III. — WI 7, 
1464; VZ 2. III.; BZ 36 [Concordia 22, 73 
(H. Albrecht); Jahresber. f. Volks- und 
Jugendspiele 24, 4 ff. (F. A. Schmidt); 
Korper u. Geist 24, 4 — 22 ; Monatsschr. d. 
Commeniusges. f . Kult. u. Geistesleben N. 
F. 7» 38 (Wolfstieg); Monatsschr. f. d. 
Turnwesen 1915, 129 — 37 (F.A.Schmidt) 
u. 137 (Nachruf eines Feldgrauen) ; Rat- 
geber f. Jugendvereinigungen 191 5, 41 
(H. Albrecht); BZ 37 [Deutsche Turn- 
zeitung Nr. 42]; 38 [Deutsche Turn- 
ztg. Nr. 21 (C. Rossow)]; Fritz Schmidt: 
E. v. S.s Verdienste um die korperl. Er- 
ziehung d. dtsch. Jugend, Leipzig 1919. 
BJI, S. 167—69 (Fritz Schmidt). 

*SchleB, Ernst, Dr.ing. h.c. t Geh. Kommer- 
zienrat, Grofiindustrieller, Leiter einer 
Fabrik f. Werkzeugmaschinenbau; * 
Magdeburg 14. IX. 1840; *)• Diisseldorf 9. 
IX. — KZ13.IX. i9io;BaslerNachricht. 
16. IX. 1915; ZVDI 49, 83of. (P); Stahl 
u. Eisen 1915, 1020 (P). BJI, S. 169 — 71. 

Schippen, Jakob, Dr. phil., o. Prof. d. engl. 
Spr. u. Liter, a. d. Univ. Wien; * Fried- 
rich Augustengroden im Kirchspiel Mid- 
doge in Oldenburg 19. VII. 1842; f Wien 
20. I. — W.: Altengl. Metrik; Neuengl. 
Metrik; Dunban; Leben u. Wirken Shir- 
leys; K 807 (W); BZ 36 [Chronik d. 
Wiener Goethevereins 28, 17; Nieder- 
sachsen 20, 313 (L. Friinkel) ; Die neueren 



Sprachen 23, 25 ff,]; 37 [Osterr. Mittel- 
schuie 29, 109 ff. (F. Triesel); Engl. 
Studien 48, 99 ff. (R- Brotanek)]; BZ 38 
[Aim. d. K. K. Akad. d. Wiss. 65, 430 ff. 
(K. Luyck, P)]. 

Schliz, Alfred, Dr., Hofrat, prakt. Arzt, An- 
thropologe, * Heilbronn a. N. 18. IX. 
1849; f Heilbronn 26. VI. — WN 191 5, 
105 ff . ; VZ 29. VI. ; SM 23.VI. ; Neckarztg. 
24. VI.; BZ 37 [Med. Corresp.bl.d. Wtirtt. 
Arztl. Landesverein 85, 455; Prahistor. 
Ztschr. 6, 371 (H. Virchow)]; 39 [Mannus, 
Ztschr. f. Vorgesch. 7, 364]; 41 [Fundber. 
a. Schwaben 22 — 24, 84 — 123 (P. GoeB- 
ber, W)]; 43 [Wien. prahist. Ztsclir. 2, 
144 (M. Hoernes)]. 

Schmidt, Wilhelm, Dir. d. Kupferstich- 
sammlung in Miinchen; * Birkenfeld 18. 
VII. 1842; f Miinchen 16. VII. — VZ 17. 
u. 19. VII.; BZ 38 [Repetitorium d. 
Kunstwiss. 39, 64 (K. Weinmayer)]. 

Sohmidt-Kestner, Hans, Schriftsteller (Dra- 
matiker); f Febr. — VZ 6. II.; BZ 37 
[Hannoverland 1915, 57 (W. Stammler)]. 

Schmidt-Rimpler, Hermann, Dr. med., o. 
Prof. d. Augenheilkunde a. d. Univ. Halle 
a. S.; * Berlin 30. XII. 1838; f Halle a. S. 
29. IX. — W.: Lehrbuch d. Augenheil- 
kde. u. Ophthalmoskopie in zahlr. fremde 
Spr. iibersetzt; WI 7, 1496 (W) ; K 818 
(W); AD 3, 262; PBL 151 iff. (P,W); VZ 
23. IX.; BZ 37 [Zentralbl. f. prakt. 
Augenheilkunde 38, 170 f. (J. Hirsch- 
herg)]; 38 [Klin. Monatsbl. f. Augenheil- 
kunde 1 916, 102 ff. (Th. Axenfeld)]. 

Schmittlein, Ferdinande, seit 1899 Hof- 
schauspielerin am Wien. Burgtheater; * 
Mainz 1857; f Wien 1;. VII. — VZ 16. 
VII.; EG 898. 

Schnorr v. Carolsfeld, Franz, Dr., Geh. Hof- 
rat, Prof., 1896 — 1907 Dir. d. Kgl. offentl. 
Bibl. in Dresden; * Miinchen 1 1. IV 1842; 
f Dresden 8. II. — VZ 9. II.; JB 6, 128; 
BZ 36 [Neues Arch. f. sachs. Gesch. u. 
Altertumskde. 36, 113 ff. (E. Goetze)]; 
40 [Ecce der Crucianer 191 5, 4]. 

Schoenitz, Hans, Dr., a.o. Prof. d. Staatswiss. 
a. d. Univ. Freiburg i. B.; f Freiburg i. B. 
7. II. — W.: Grundlegung u. Systematik 
einer wiss. Privatwirtschaf tslehre ; VZ 
10. II. ; UK 87, 339; FZ 16. II. (K. Diehl) ; 
BZ 36 [Dtsch. Wirtschaftsztg. 11, 20]. 

Schroeder, Paul G. A., Dr. phil., 1886 — 1909 
dtsch. Generalkonsul in Beirut; * Elster- 
werda 1. II. 1844; f Jena 13. X. — WI 
7, 1528; VZ 15. X.; BZ 38 [Zeitschr. d. 
dtsch. Paiastinavereins 40, 5 (H.Guthe)]. 

Schubart, Johannes Otto, Geh. Okonomie- 
rat, Dir. d. landwirtsch. Kreditvereins im 
Kgr. Sachsen, bek. Landwirt, Abg. im 



Totenliste 191 5: Schulz-Beuthen — Stimming 



341 



sachs. Landtag; * 1850; jf Dresden Sep- 
tember. — Wl7.iS3i; VZn.IX.;BZ 
37 [Dtsch. landwirtsch. Presse Nr. 77]. 
Schulz-Beuthen, Heinrich, mod. Tonsetzer; 

* Beuthen 19. VI. 1838 ; f Dresden 12. III. 
— VZ 13. III.; R 1 173; BZ 36 [Neue 
Zeitschr. f. Musik 1915, 99 (G. Kaiser)]; 

. 38 [Neue Zeitschr. f. Musik 83, 181 (H. 

Nikolowski)]; 43 [Monographien mod. 

Musiker 3, 176 — 97 (K. Mey)]. 
Schwartz, Johann Christoph, Dr., Geh. 

Justizrat, o. Prof, f . Zivilprozefl u. dtsch. 

Rechtsgesch. a. d. Univ. Halle a. d. S.; 

* Riga 20. V. 1842; -J* Berlin-Zehlendorf 
22. XI. — W. : 400 Jahre deutscher Zivil- 
prozeiJordnung; VZ 25. XI.; AD 2, 38. 

Seeberg, O. Th. Alfred, Dr., o. Prof. f. neu- 
test. Theologie a. d. Univ. Kiel seit 19 14; 

* Pedua in Estland 7. X. 1863; f Ahrens- 
hoop (Pomm.) 9. VIII. — WI 7 (W); 
VZ 12. VIII.; KJ 43, 601 (W); BZ 37 
[PreuB. J.-B. Nr. 360 (Delbnick); Die 
Reformation Nr. 40 — 42 (R. Seeberg)]. 
Vollbehr-Weyl, Prof, und Doz. der 
Christ ian-Albrechts-Univ. Kiel, S. 14. 

Seelmann, Emil Paul, Oberbibliothekar a.D. 
a. d. Univ. Bonn, Redakteur: Krit. Jah- 
resber. iiber d. Fortschritte d. roman. 
Philologie; * Oschersleben, Prov. Sachsen 
25.I. 1859; f Bonn 30. XI. — WI 7 (W); 
VZ 7. XII. 

* Sigwart, Botho, Kompon. (Sohn d. Fiirstin 
Eulenburg); * 10. I. 1884; f 2. VI. (im 
Lazarett in Galizien) . — W. : Melodramen 
wie: Hektors Bestattung, Ode der Sappho, 
Die Lieder des Euripides; R 1200; VZ 
3. VI. ; NFP 30. VI. (E.v. Schmidt- Pauli) ; 
BZ 38 [Marz 24. VI., 229 (O. Kiihn); Der 
Merker 7, 34 (A. Richard); Neue Musik- 
zt g- 37» 97 (W. Nagel) ; Signale f . d. musi- 
kal. Welt 1916, Nr. 1; Neue Zeitschr. f. 
Musik 83, 4 (A. Eisenmann)]; 39 [KW 
(Dtsch. Wille) 29, Dez., 270 (A. Lieb- 
scher)]. 

Sklarek, W T ilhelm, Dr., Prof., prakt. Arzt, 
mediz. Schriftsteller, Hrsg.: Naturwiss. 
Rundschau bis 1912, Mitbegr. d. Meteo- 
rolog. u. Physiolog. Gesellsch. in Berlin; 

* Raszkow 22. IX. 1836; f Oktober. — 
PBL 1605 f. (P, W);Wl7. i6o2(W); VZ 
11. X.; BZ 37 [Allg. Ztg. d. Judentums 

Nr.43]. 
Solms-Laubach, Hermann Graf zu, Dr., o. 
Prof. d. Botan. u. Dir. d. Botan. Gartens 
a.d. Univ. Strafiburg 1879 — 1908, Spez. 
f. Systematik, Palaontologie u . Pflanzen- 
geographie, Hrsg. (seit 1889): Bot. Ztg.; 

* Laubach 23. XII. 1842; f Straflburg 
(November). — WI 7; VZ 25. XI.; BZ 38 
[Ber. d. dtsch. bot. Ges. 34, 95 ff.]; 39 



[Nachr. d. Gott. Ges. d. Wiss., Gesch. 
Mitteilungen 1916, 57 ff. (G. Berthold]; 
43 [Jahresber.d.bayr. Ak. d. Wiss. 1916, 
136 ft.]. 

Sommerfeld, Wilhelm v., Dr., Prof., Privat- 
doz. a. d. Univ. Berlin, Spez. f. preuB. 
Gesch.; * Stettin 14. IX. 1868; f Berlin 
1. XI. — UK 89, 343; VZ 4. XI. 

Sonnenburg, Eduard, Dr., Prof., Geh. Med.- 
Rat, seit 1890 Leiter d. stadt. Kranken- 
hauses Moabit- Berlin; * Bremen 3. XI. 
1848; f Wildungen 25. V. — PBL 1623 f. 
(P,W);Wl7, 1612 (W); VZ26.U. 27. V.; 
DMW 41 , 774 (R. Miihsam) ; BZ 37 [Mitt, 
aus d. Grenzgebieten d. Medizin u. Chirur- 
gie 28, 1 (v. Eiselsberg)]. 

Sprengel, Otto, Dr., Prof., Geh. Med.-Rat, 
Oberarzt am Herzogl. Krankenhaus zu 
Braunschweig; * W 7 aren in M. 27. XII. 
1852 ; f Berlin 8. I. — VZ 1 1 . XL; MMW 
66, 402; BZ 36 [Arch. f. klin. Chirurgie 
106, 3. H., 1 ff . (W. F. Brunzel)] ; 37 (Arch, 
f. klin. Chirurgie 106, 659 (W\ Korte)]. 

& Springer, Jaro, Dr., Prof., Kustos am Kgl. 
Kupferstichkabinett, (Sohn Anton) Sprin- 
gers; * Prag 8. X. 1856; f August (im 
Osten gef.). — W.: Eine unvollendete 
Monographie iiber d. holl. Landschafts- 
radierer Herkules Segers; WI 7 (W) ; VZ 
19. VIII.; BT 21. VIII.; BZ 37 [Cicerone 
7, zi7\ Die Kunst f. alle 31, 40; Kunst- 
chronik N. F. 26, Nr. 43 (M. Lehrs)]. 

igj Stephan,Rudi, Kompon. ; * Worms 29. VII. 
1887; f 29. IX. (gef. im Westen). — W.: 
Musik f . sieben Saiteninstrumente ; Musik 
f. Orchester, eine Oper: Die ersten Men- 
schen; R. 1242; Monatsschr. Feuer, 1, 
H. 9—12, 1920; VZ 7. X. 

Stern, Samuel, Dr. med., a.o. Prof. f. klin. 
Propadeutik a. d. Univ. Wien seit 1870, 
* Halas, Ungarn 16. IX. 1830; -j* Wien. — 
PBL 1648 f (W) ; K 898 (W) ; VZ 14. VII. 

Stilling, Jakob, Dr., a.o. Prof. d.Augenheil- 
kunde a. d. Univ. StraUburg seit 1884; 
*Kassel 22. IX. 1842; fStraBburg 30.IV. 
— W.: Grundziige der Augenheilkde; 
Tafeln z. Priifung des Farbensinnes beim 
Eisenbahn-u.Marinepersonal; PBL 1655 
(P, W); UK 88, 343; K 901 (W); VZ 3. 
V.; BZ 36 [Strafib. Med. Ztg. 112, 133 
(G.Weill)]; 37 [Zentr.-Bl. f. prakt. Augen- 
heilkde. 38, 165 ff.). 

Stimming, Gustav, Altertumsforsch. ^Bran- 
denburg 28. VIII. 183 1 ; f August. — W. : 
Vorgesch. Altert inner d. Mark Branden- 
burg; WI 7 (W) ; VZ 4. VIII. ; BZ 43 [Fest- 
schr. z. Gedenkfeier d. 5ojahr. Bestehens 
d. histor. Vereins Brandenburg 1918, 
280 ff.; Jahresber. d. hist. Vereins zu 
Brandenburg 50, 280 ff. (O. Tschirch)]. 



342 



Totenliste 191 5: Stollwerck — Trojan 



# Stollwerck,Heinrich, Komm.-Rat, Mitbegr. 

u. Seniorchef d. Schokoladenfabrik »Gebr. 

St.i 187 1 ; * Koln 27. X. 1843; f K51n 

9 . v. — WI 7, 1662; VZ n. V.; ZVDI 

59, 1002. BJI, S. 171 — 74 (A. Elbers). 
Strubing, Paul, Dr., Geh. Med.-Rat, o. Prof. 

d. inn. Med. a. d. Univ. Greifswald, Dir. 

d. med. Poliklinik; * Pyritz 2. XI. 1852; 

f Greifswald Marz. — PBL 1675 (W) ; K 

912 (W); VZ 23. III. 
igiStruve, Bmil, Dr., Prof., Doz. f. Gesetzes- 

kde. u. Handelswiss. a. d. Versuchs- u. 

Lehranst. f. Brauerei in Berlin, Hrg.: Ta- 

gesztg. f. Brauerei;* Berlin 20. VII. 1864; 

f August (gef . im Osten) . — W. : Schrif ten 

iiber Entwicklungd. bayr. Braugewerbes, 

iiber d. Hopfenhandel, ub. d. Boykott v. 

1894 u- a.; VZ 19. VIII.; BZ 37 [Allgem. 

Zeitschr. f. Bierbrauerei u. Malzfabri- 

kation 1915, 289 (Cluss)). 
Stttblen, Peter, Dr.ing. h. c, Gninder u. 

Leiter d. Eisengieflerei »P. St.« in Kalk; 

* Kosfeld 15. III. 1832; f Koln 28. III. — 
Stahlu.Eisen 1,440; ZVDI 1915,692 (P). 

Sudhaus, Karl Wilhelm, Hiittendirektor, 
1867— 1886 Dir. d. Aplerbecker Hutte, bis 
1896 Dir. d.MathildenhiitteinHarzburg; 

* Dortmund 23. VI. 1827; f 12. VIII. — 
ZVDI 59, 969 ff • 

Tdube, Max, Dr. med. t Geh. Sanitatsrat, 
Stadt. Kinderarzt in Miinchen, bahn- 
brechend f. das Ziehkindersystem f. un- 
eheliche Kinder; * 1852; f Leipzig n.u. 
14. IX. BZ 37 [Bausteine (Mon.-Bl. f . inn. 
Mission) 191 5, 155]. 

Thauer, Friedrich, Dr., Hofrat, Prof, fiir 
Kirchenrecht a. d. Univ. Graz seit 1888; 

* Linz 1840; f Graz 29. XI. — W.: Uber 
Papst Alex. III., die Spriiche Walters v. 
d. Vogelweide, iiber Kirche u. Reich u. a.; 
K 922 (W); VZ 5. XII.; BZ 39 [Arch. f. 
kath. Kirchenrecht 96, 4. F., 4. Bd., 
470 ff . (A. Poschl) ; Zeitschr. d. Savigny- 
stiftungf. Rechtsgesch., Kan. Abt. 1916, 
V— XI (H. Singer)]. 

Thiel, Karl Eugen, Dr., Geh. Hofrat, Prof, 
d. techn. Chemie a. d. Techn. Hochschule 
in Darmstadt 1869 — 1894; * 1830; 
f Darmstadt 4. VI. — K 922 (W) ; VZ 
11. VI.; KTH8, 204. 

Thoma, Albrecht, Dr. theol. h. c, Prof., Stu- 
dienrat am Lehrerseminar I in Karlsruhe, 
rief das Landesdiakonissenhaus in Frei- 
burg i. B. ins I<eben, Mitgl. d. Vorstandes 
d. ev. Bundes und d. ev. Generalsynode, 
wissenschaf tl .- volkstiiml . Schrif tsteller ; 

* Dertingen 2. XII. 1844; t Karlsruhe 
Marz. — BR 7, 185 (W) ; VZ 16. III. 

ThQrlings, Adolf, Dr. phil. et theol. , Prof. d. 
altkathol. Theologie a. d. Univ. Bern, 



bek. Musikwissenschaftler, Schopfer d. 
altkath. Liturgie, Leiter d. Int. Kirchl. 
Zeitschr. ;* Kaldenkirchen 1. VII. 1844; 
f Bern 14. II. — UK 87, 549; VZ 16. 
u. 20. II.; Berner Bund 15. II. (G. Bundi) 
u. 16. II.; NZZ 17. II.; Basl. Nachr. 7. 
III.; Amtl. Altkath. Kirchenbl. 5, 69 f 
(G. Moog); Dtsch. Merker 1915, 163 ff. 
(Heim, A.Th. als Kirchenmusiker, abgedr. 
aus d. Schweiz. Kirchenztg. 191 5, Nr. 5 u. 
6) S. 202 (Herzog); Altkirchl. Volksbl. 
1915. 74ii. (Herzog), S. 83 ff. (DieUth.Ver- 
dienste von A. T.), S. 108 f. (A. T. als 
Mensch u. Musikgelehrter, abgedr. aus d. 
Bern. Bd.) BZ; 36 [Monatsschr. f.Gottes- 
dienst u. kirchl. Kunst. S. i5off. (Fr. 
Spitta); Int. Kirchl. Zeitschr. 5, 1 ff. (R. 
Keuschke)]. 

Thumb, Albert, Dr., o. Prof. d. indogerm. 
Sprachwiss. a. d. Univ. StraBburg seit 
1909; * Freiburg i. B. 18. V. 1865; f Frei- 
burg i. B. 14. VIII.. — W.: Handbuch d. 
Sanskrit, Handbuch d. griech. Dialekte. 
— WI 7 (W); VZ 15. VIII.; Straflb. Post 
24. VIII. (M. G. Ludtcke) ; BZ 38 [Indo- 
germ. Jahrb. 3, 1 (K. Brugmann, J. 
Wackernagel, H. Streitberg) ] ; 40 [Indo- 
germ. Jahrb. 4, 235 (Flatzidekis)J. 

Thyssen, Josef, Groflindustrieller, Inhaber 
der Fa. • Thyssen & Co. «, zus. mit s. B ru- 
der August Thyssen; * Eschweiler 14. II. 
1844; f Mulheim a. R. 15. VII. — Stahl 
u. Eisen 191 5, 820 (P). 

Tietjen, Woltge, Wahlkonsul d. Dtschen. 
Reichs in Argentinien; f Rosario (Arg.) 
11. II. — VZ 27. III.; Reichsanzeiger 
26. III. 

Tillmetz, Rudolf, Flotenlehrer d. Miinch. 
Akad. d. Tonkunst; * Miinchen 1. IV. 
1847; f Miinchen 25. I. — R 1298; VZ 

31. I- 
Tobler, Ludwig, Dr., o. Prof., Dir. d. Univ- 
Kinderklinik a. d. Univ. Breslau; * Zurich 
2.V. 1877; f Breslau 2. VI. — K 929 (W) ; 
WI7, 1 7 18 (W); VZ3. VI.;MMW62, 880 
(Moro); JSG I. Nekrolog, 37 ff.(Bessau) ; 
BZ n [Korresp.-Bl. f. Schweiz. Arzte 45, 

9731- 

Treu, Max, Dr. phil. h. c, Geh. Rat, Prof., 
bis 1907 Direktor des Potsdamer Gym- 
nasiums, bedeut. Schulmann, Mitarbeiter 
a. d. Byzantin. Zeitschr.; * 1842; f Ber- 
lin -Schlachtensee 29. VII. — VZ 1 . u. 11. 
VIII.; JSG 93, I Nekrolog S. 41 if- (Geis- 
ler). 

*TroJan, Johannes, Dr. phil. h. c, Dichter u. 
Schrif tsteller, Chefredakteur d. Kiaddera- 
datsch v. 1886 — 1909; * Danzig 14. VIII. 
1837; f Rostock 20. XI. — WI 7 (W); 
VZ 21. XI. (F. v. Zobeltitz), 24. XI. (L. 



Totenliste 191 5: Triimpelmann — Weiskopf 



343 



Dubois Reymond) u. 2$. IV. 1916; BT 
25. XI. (H. Heyniann); BM 23. XI.; 
Hann. Kur. 25. XI. (F. Droop); TR 24. 
XI. (K. Strecker), 10. XII. (K. Storck) 
u. 28. XII. (F. Goerke); DT 10. XI. u. 
21. I. 1 9 16; RWZ 24. XI. (F. Droop); 
NFP 23. XL; LT 15. XII. (A. Kohut) ; 
LE 18, 397 (H. W. Seidel); BZ 37 [Bl. f. 
hoh. Schulwesen 1915, 677 (Kollmann) ; 
IZ Nr. 3779 (P. Warncke); Der Turmer 
Dezember S. 316 (T. H Pantenius)]; 38 
[Aus d. Ostlande n f Jan., S. 20 u. 24; 
Westermanns Mon.-Hefte Januar 1916, 
752]; 39 [Gartenflora 1916, 141 ff. (H. 
Harms)]. BJI, S. 174/75 (Spiero). 
Trumpelmann, August, Superintendent, 
Volksschriftsteller ; * Ilsenburg i. H. 9. IX. 
1837; f Magdeburg Marz. — BR 7, 224 
(W); WI 7, 1730 (W); VZ 31. III.; BZ 38 
[Ecce d. Kgl. Landesschule Pforta 191 5, 

251. 

Ule, Ernst, Botaniker u. Forschungsreisen- 
der, Dir. am Naturhist. Museum in Rio 
de Janeiro. Reisen durch Brasilien. Seine 
Sammlungen wurden dem Bot. Museum 
in Berlin-Dahlem u. d. Bot. Museum in 
Hamburg iiberwiesen ; * Halle a. S. 12. III. 
1854; f Berlin-Lichterfelde 15. VIII. — 
VZ 20. VII.; BZ u [Monatsschr. fiir 
Kakteenkde. 25, 85 (H. Harms)]; 38 [Ber. 
d. dtsch. bot. Ges. 34, 52 ff. (H. Harms); 
Verhandl. d. bot. Vereins d. Prov. Bran- 
denburg 57, 150 — 184]. 

Ulrich, Richard, Dr., a.o. Prof. d. Augen- 
heilkde. a. d. Univ. StraOburg i. Els. bis 
1906; * Hersfeld, Reg.-Bez. Kassel 27. I. 
1849, f Straflburg November. — VZ 
1 1. XI.; BZ 38 [Zentralbl.f.prakt.Augen- 
heilkde. 26 (J. Hirschberg)]. 

Vahlteich, Julius, einer der Griinder der 
dtsch. Sozialdemokratie, Sekretar Las- 
salles, 1874 Mitgl. d. Reichst. f. Mitt- 
weida, wanderte 1881 nach Amerika aus; 
* Leipzig 30. XII. 1839; J Chicago 26. II. 
— RH 1874/76, 197; VZ 18. III.; Vor- 
warts 21. III.; Leipz. Volksztg. 18. III.; 
BZ 36 [Die neue Zeit 33, Nr. 25 (E. Bern- 
stein)]. 

Vogel, Peter, Dr. phil., o. Prof. f. Mathem. 
a. d. Artillerie u. Ingenieurschule z. Miin- 
chen, Forschungsreisend. ;* Uehlfeld (Mit- 
telfr.) 17. XII. i856;fMunchenOktober. 
WI 7, 1764 (W); VZ 30. X.; BZ 39 [Mitt, 
d. geogr. Ges. Mtinchen 11, 176 ff. (S. 
Finsterwalder)]. 

Vollrath, Karl, seit 1892 Chefredakteur d. 
Berliner Volksztg., 1890 Mitgl. d. Reichs- 
tages; * Templin 16. IV. 1857; f Berlin 

20. X. — WI 7, 1773; VZ 21. X.; BZM 

21. X. (A. Bernstein); BT 21. u. 25. X. 



Wanda, Gustav, Kapellmeister am »Win- 
tergarten «in Berlin, Tonkiinstleru. Kom- 
ponist popul. Lieder; * Budapest 10. X. 
1870; j* London Dezember. — DBJ 1917, 
153; WI 7 (W); VZ 7. XII.; BZM 10. I. 
1916. 

Wangenheim, Hans Freihr. v., deutscher 
Botschafter in Konstan tinopel ; * Geor- 
genthal 8. VII. 1859; f Konstantinopel 
25. X. — Frhr. Taschenbuch 1922, 935; 
WI 7, 1798; VZ 26. X.; VZ 27. X. (H. 
Eulenburg) ; BT 25. X. u. 3. XL (E. Lud- 
wig); HN 25. X.; WZ 26. X.; PL 9. XII. 
(T. v. Puttkammer) ; BZ 38 (Ecce d. Kgl. 
Landesschule Pforta 191 5, 5, 23; 40 [Ecce 
d. Kgl. Landesschule Pforta 1916, 60]. 

* Weber, Karl, o. Prof . f . Baukunst d. Antike 
u. Renaissance a. d. Techn. Hochschule 
zu Hannover seit 1907; * Berlin 3. X. 
1870; f 22. VIII. (gef.) — K 982 (W); 
VZ 8. IX.; ZB 1915. 498. 

*Weddigen, Otto, Kapitanleutnant, Fiihrer 
d. Unterseeboote tU 9* u. »U 29 «, In- 
haber des Ordens * Pour le mirite « ; * Her- 
ford i. W. ; f Nordsee 26. III. — VZ 7. IV. ; 
HN 8. IV.; TR 8. IV.; SSt. 24. III.; DT 
25. III.; BZ 36 [Die Hilfe 1915, 233 (P. 
Rohrbach)]. BJI, S. 175-77 (Saalwachter) . 

Wedel-Piesdorf, Wilhelm v., Minister d. 
Kgl. Hauses a. D., Prasident d. PreuC. 
Herrenhauses seit 1912, Mitgl. d. Abg.- 
Hauses 1879, Mitgl. d. Herrenhauses 1885, 
Mitgl. d. Reichst. 1884— 1890; * Frank- 
furt a. O. 20. V. 1834; f Berlin 11. VII.— 
VZ 12. u. 14. VII.; BZ 37 [Positive Union 
1915, 166]. 

Wehner, Anton v., Dr., 1903 — 1 1 bayr. Kul- 
tusminister; * Schillingsfurst 16. XI. 
1850; f Miinchen 10. III. — WI 7, 1815; 
VZ u. III.;MNN 1 1. III.; NZZ 16. III.; 
BZ 36 [Christl. Schule 6, 244 ff. (G.Wohl- 
gemuth)]; 37 [Christl. Schule 6, 364—388 
(G. Wohlgemut)]. 

Weinland, Christoph David Friedrich, Dr., 
Zoologe, schwab. naturwiss. Schrift- 
steller; *Grabenstettenb.Urach 30. VIII. 
1829; •}• Hohen-Wittlingen b. Urach 16. 
IX. — BR 365 f. (W); WN1915. 145 ^. 
(W. Weifi); VZ 21. IX.; SM 18. IX.; 
Straflb. Post 22. IX.; Schwarzw alder 
Bote, Unterh.bl. 25. IX. (K. Holder); 
Neckarztg. Beil. 2. X. (Th. Schwabe) ; 
Ornitholog. Monatsschr. 41, 87 ff. (W. 
Bacmeister) ; Prof. Dr. Gust. JagersMon.- 
bl. 34, Nr. n, 12 (K. E. Endrifi); Bl. d. 
Schwab. Albvereins 27, Nr. 12 (Nagele) ; 
Falco 11, Nr. 3 (W. Bacmeister). 

Weiskopf, Alois, Dr. techn., Dir. d. Hann. 
WaggonfabrikA.e.G., Hannover- Linden; 
* Kojeten (Mahren) 1. VII. 1871 ; f Han- 



344 



Totenliste 191 5: Wendland — Windelband 



nover29. IX. — Stahlu. Eisen 1915, 1 120 
(P); BZ 17 [Ztschr. d. Verb, dtsch. Di- 
plomingen. 6, 123]. 

Wendland, Theodor Paul, Dr. phil.. Dr. 
theol. t Liz., o. Prof. d. klass. Phil. a. d. 
Univ. Gottingen, verdient um die Erfor- 
schung d. Religionsgesch. u. die alteste 
christl. Liter atur; * Hohenstein in Ostpr. 
17. VIII. 1864; f Gottingen 10. IX. — 
WI 7 , 1831 (W); UK 89.343; VZ 13. IX.; 
BZ 37 [Dtsch. Philologenbl. 584 (E. 
Diehle)]; 38 [N. Jahrb. f. d. klass. Alter- 
tum, 1. Abt. 1 916, 57 ff. (M. Pohlenz)]; 
39 [Mitt. d. Gdtt. Akad. d. Wiss., Math.- 
Physik. Kl. 1916, 71 ff. (R. Reitzenstein)]. 

♦Werner, Anton v., Wirkl. Geh. Rat, Histo- 
rien- u. Genremaler, Prof. a. d. Hoch- 
schule f. d. bildenden Kiinste z. Berlin; 
* Frankfurt a. O. 9. V. 1843; f Berlin 4. 1. 
— WI 7, 1836 (W) ; Boetticher 2, 1000 ff . ; 
Gurlitt3,486ff.; VZ 5, 1.; NFP 5. u.8.L; 
Basl. Nachr. 9. I.; SM 5. I.; DNN 5. I. 
(M. Osborn); MAZ 191 5, 215; K Nr. 3733 
(W. Pastor) ; BZ 36 [Gartenlaube Nr. 5 
(K. Walberg); Kunst u. Kiinstler 22, 278 
(J. Ehas); Der Tiirmer, Febr. 191 5, 640 
(K. Storck); Dtsch. Kunst u. Dekoration 
35. 363 (v. W., A. u. G. Kuehl); Velh. u. 
Klas. Monatshefte, Marz 191 5, 408 (P. 
Meyerheim)]; 17 [Die Kunst f. Alle 30, 
10 ff.u. 200]; 38 [Dtsch. Revue, Jan. 1916 
24 ff., Febr., 168 ff. (A. v. Werner: Kap. 
aus d. noch unveroffentl. Jugenderinne- 
rungen)]; 41 [Dtsch. Revue, Nov. 19 17, 
160 ff., Dez. 277 ff. (Aus d. Jugenderinne- 
rungen)]; 42 [Dtsch. Revue, Febr. 1918, 
145 ff. (Aus d. Jugenderinnerungen)]; A. 
v. W.: Erlebnisse u. Eindrucke 1870 bis 
1800 (Berlin); Ad. Rosenberg: A. v. W. f 
2 . Aufl . 1 900 ; Ludwig Pietsch : J ubilaums- 
schrift Berl. Kiinstler (Berlin 1891). BJI, 
S. 177 — 82 (A. AmersdorfTer). 

Wernicke, Alexander, Dr. phil., Prof, fur 
Mechanik a. d. Hzgl. Techn. Hochschule 
z. Braunschweig, Dir. d. stadt. Oberreal- 
schule ebd., Schulrat, philos. u. soz.-pad. 
Schriftsteller; * Gorlitz 3. I. 1857; f 
Braunschweig. — W.: Lehrbuch d. Me- 
chanik fester Korper in 3 Bdn.; K 999 
(W); KTH 8, 204; VZ 3. IV.; BZ 37 [Bay- 
reutherBl. 1915, 217 (H.Rabe)]; 38 [Unt.- 
bl. f. Math. u.Naturwiss. Nr. 3 (H. Poske) ; 
Ztschr. f. math. u. naturwiss. Unterricht 
46, 386 (Lietzmann) ] ; 39 [Braunschweig. 
Magazin 22, 61 ff.]. 

Widemann, Wilhelm, Bildhauer u. Metall- 
plastiker, Prof. a. d. Kunstgewerbeschule 
in Frankfurt a. M. (seit 1899), l eD * spater 
in Berlin, Schopfer d. Giebelreliefs am 
Reichstagprasidialgebaude; * Schwab. - 



Gmiind 28. X. 1856; f Berlin 4. IX. — 
WN 191 5. 135 ff. (P. Erhard); VZ7.IX.; 
SM Nr. 418 (1915); BZ 39 [F. Marti, 
Lichteru. Funken, Zurich 1916, 169 ff.; 
Ztschr. f. dtsch. Unterricht 1916, 689 ff. 
(G. Dost)]; P. Erhard: Ansprache b. d. 
Eroffnungsfeier d. W. Widemann- Aus- 
stellung im Kunstgewerbemus. Gmiind; 
Oskar Wohler: Erinnerung an W. W., 
sein I^eben u. sein Wirken. Vortrag im 
Kunstgewerbeverein »Vorwarts«. 

WIegand, Wilhelm, Dr., Geh. Archiv-Rat. 
Prof. d. neueren Gesch. a. d. Univ. Strafi- 
burg; * Ellrich 5. XI. 185 1 ; f StraBburg 
8. III. — WI 7, 1850 (W) ; K 1008 (W) ; 
UK 88, 343; VZ 12. III.; BZ 37 [Ztschr. 
f. Gesch. d. Oberrheins N. F. 30, 467 ff. 
(H. Kaiser); HV 1916, 598 (K. J. Neu- 
mann)]. 

Wlnrfisz-Kowalskl, Alfred v., Prof., Land- 
schaf tsmaler ; * Suwalki 11. X. 1849; f 
Miinchen 16. II.— WI 7, 1779; VZ 18. II. 

Willers, Heinrich, Dr. phiL, Kgl. Biblio- 
thekar z. Berlin, friiher Privatdoz. fiir 
Archaologie a. d. Univ. Bonn; * Alger- 
missen in Hann.; *j* Juli. — W.: Unter- 
suchungen lib. rom. Bronzeindustrie u. a. ; 
VZ 21. VII.; BZ 38 [Bl. f. Miinzfreunde 
50, 5961; Prahist. Ztschr. 7, 83 (F. Win- 
ter)]. 

Wimmer, Rudolf, Prof., Portratmaler, Hof- 
maler d. Kaisers; * Gottsdorf b. Passau 
1849; f Miinchen 28. XI. — VZ 30. XI.; 
BZ 39 [Prot. Monatshefte 1916, 193 ff. 
(H. Bossert)]. 

•Windelband, Wilhelm, Dr., Geh. Rat, o. 
Prof. d. Philos. a. d. Univ. Heidelberg; 
* Potsdam 1 1. V. 1848; f Heidelberg 24. 
X. — W.: Lehrbuch d. Gesch. d. Phil.; 
Einleit. in d. Philos.; K 1022 (W) ; UK 
89. 343; WI 7, 1865 (W); VZ 25. X. u. 
12. XI.; T 4. XI. (A. Messer); BT 3. XI. 
(W. Hellpach); TR 26. X. (H. Kulsch) ; 
LT 24. X.; StP 28. X. (Schwartz); PL 
3 1 . X. (B. Alexander) ; FZ 6. XI. u. 7. XI. 
(H. Rickert) ; SM 6. XL; Kantstudien 20, 
7ff. (Br. Bauch, P) ; BZ 37 [Gegenwart 
Nr. 46 (H. L,andsberg) ; Hochland, Dez. 
368 (V. Eschbach)]; 38 [Preufl. Jahrb. 
163, 1 ff. (A.Drews); Ztschr. f. Philos. u. 
phil. Kritik 160, 111 (F. Pelikan), 240 
(V. Dvornikowic)] ; 39 [Ztschr. f. d. osterr. 
Gymnas. 67, 379 (K. v. Roretz); Ztschr. 
f. Philos. u. philos. Kritik 162, 54 ff. (A. 
Ruge); Philos. Jahrb. d. Gorresgesellsch. 
29, 264 ff. (R. Stolzle)]; 40 [Ztschr. f. 
Philos. u. phil. Kritik 162, 188 — 221 (A. 
Ruge), ebd. 163, 36 ff]. 43 [Jahrbuch d. 
bayr. Akad. d. Wiss. 19 16, io8ff. (C. 
Baeumker)]; BJI, S. 182—84 (P.Menzer). 



Totenliste 1915: Witaseck — Zumbusch 



345 



Witaseck, Stefan, Dr., a.o. Prof. a. d. Univ. 
Graz;* 17. V. i8;o;f Graz 18.IV. — W.: 
Asthetik; Physiologie u. a.; UK 88, 545; 
VZ 23. IV.; Graz. Tagebl. 27. IV. (A. 
Fischer); BZ 36 [Ztschr. f. Philos. und 
philos. Kritik 158, 95 (E. Mally)]; 37 
[Ztschr. f. Psychologie 73, 134 ff. (A. 
Meinong) ] . 

Witt, Otto N., Dr., Geh. Rat, o. Prof. d. 
techn. Chemie a. d. Techn. Hochschule 
Berlin, Hrsg. d. Wochenschr. Prome- 
theus; * Petersburg 31. III. 1853; f Char- 
lottenburg 23. III. — WI 7, 1874 (W); 
VZ 24. III.; FZ 15. IV.; BZ 36 [Che- 
mikerztg. 39, Nr. 70, 71 (E. Uvelting) ; 
Tonindustrieztg. Nr. 46; Ztschr. f. angew. 
Chemie 28, 193 (A. Binz)]; t>7 [Orchis 
Beibl. z. Gartenflora 191 5, 35 J; 39 [Ber. 
d. dtsch. chem. Ges. 49, 175 1 — 1832 (E. 
Uvelting) ) . 

W6rl, Georg, Konzertmeister d. Hofkapelle 
z. Sondershausen u. Lehrer am fiirstl. 
Konservatorium, Cellist; * Franzensbad 
3. III. 1863; f Sondershausen 6. V. — 
R 1431; VZ 12. V. 

Wollf-R6der,Hugo, Kommerzienrat, Senior- 
chef d. Firma C. G. Roder G. m. b. H. 
in Leipzig (Notenstich u. Notendruck, 
Storms Kursbuch) ; * Merane in Sachsen ; 
1835; f Leipzig 13. VI. — R 1080; WI 7, 
1886. 

Writers, Wilhelm, Schriftsteller u. Lust- 
spieldichter; * Dresden 8. XI. 1852; f 
Sonnenstein b. Pirna Febr. — W.: Hoch- 
zeitstag; Liebet urn Liebe; Lebemann 
u. a.; gab den Brief wechsel seines Vaters 
W. Wolfsohn mit Th. Fontane heraus; 
BR 8, 34 (W); WI 7, 119 f; VZ 1. III. 
1916. 

i&WUnsch, Richard, Dr., Ehrendoktor d. 
Univ. Athen, o. Prof. d. klass. Philologie 
a. d. Univ. Minister seit 191 3, Griinder 
des Archiv f. Relig.-wiss. ; * Wiesbaden 
l. VI. 1869; gef. im Westen Mai. — WI 
7, 1894 (W); VZ 29. V.; BZ 38 [Hess. Bl. 



f. Volkskunde 14, 136 (H. Hepding)]; 40 
[Indogerm. Jahrbuch 4, 242]; 42 [Jahres- 
ber. ii. Fortschritte d. klass. Altertums- 
wiss. 107, 1 ff. (W. Kroll)]. 

Worzbach, Alfred v., Ritter v. Tannenberg, 
osterr. Kunstforscher u. Kunstschrift- 
steller, tubers.: Hombrakens, Schauburg 
d. niederland. Maler, Hrsg.: Niederland. 
Kiinstlerlexikon ; * Lemberg 22. VII. 
1846; f Wien Mai. — WI 7. 1897 (W); 
VZ 1. VI. 

igiZeidler, Georg, Dr., Geh.Hofrat, Prof., seit 
1893 Dozen t f. Freihandzeichnen und 
Kunstgesch. a. d. Techn. Hochschule zu 
Braunschweig, 1 908 — 1 9 1 1 Rektor magni- 
ficus; * Braunschweig 6. VIII. i860; gef. 
b. Nieuport 6. V. — VZ n. V.; ZB 191 5, 
283 f. (G. Liibke, P). 

Zeppelln-Aschhausen, Graf Friedrich v., 
1909 — 1 91 2 Bezirkspras. in Metz, Mitgl. 
d. 1. Wiirtt. Kammer; * Baden-Baden 
27. VIII. 1 861 ; f Wurzburg 6. VIII. — 
WN 1915, 130 ff. (v. Kdnig u. Waller); 
VZ 8. VIII. ; Jahrb. d. Ges. f . lothr. Gesch. 
u. Altertumskunde 27-/28. Jg., 553 (J. B. 
Keuke). 

Zillessen, Friedr. Eberhard, Dr. theol. h. c. t 
Pastor a. D., Vorkampfer d. ev. Volks- 
schule; * Krefeld 26. XII. 1832; f Berlin- 
Pankow22.VI. — Hrsg. : Dtsch. Lehrerztg. 
u. Das christl. Haus. — VZ 22. VI.; 
Reichsbote 23. VI. u. 1. VII. (L. Strack); 
NPZ 5. VII.; KJ 43. 603 (W) ; 364 (G. 
Kropatschek) ; BZ 37 [Hochwacht 5, 169 
(Meyer) ; Sachs. Kirchen- u. Schulbl. Nr.3 1 
(Scheuffler)]. 

Zumbusch, Kaspar v., ehem. Prof. a. d. 
Kunstakad. zu Wien, beriihmter Bild- 
hauer, tatigf. d. offentl. Denkmalskunst ; 
* Herzebrock in W. 23. XI. 1830; | Rim- 
sting b. Prien a. Chiemsee 27. IX. — WI 
7, 1924 (W); VZ 30. IX.; MS 6, 307; BZ 
^7 [Die Kunst f. Alle 31, 120 (M. Eisler)]; 
38 [Chronik d. Wien. Goethe- Vereins 1 9, 
1]. 



Totenliste 1916 

Bearbeitet von Dr. Karl Pagel 



Adolf Wilhelm von Schaumburg-Lippe, 
Prinz. Schwager Kaiser Wilhelms II., 
1890 — 97 Regent fur den geisteskranken 
Fiirsten Adalbert, General der Kavallerie ; 
* Biickeburg 20. VII. 1859; f Bonn 9. VII. 
— VZ 10. VII. M.-A. ; WI 7, 39; WGK 32, 
5. Bd. f 172. 

Ahn, Friedrich, Dr. phiL, Universitats- 
Bibliothekar in Graz; * Cilli 5. V. 1861; 
•f- Graz 19. IX. — W.: Arbeiten iiber die 
Geschichte des Buchdrucks; Die perio- 
dische Presse der Steiermark ; BB 23. IX.; 
BZ 40 [Carinthia, Geschichtsverein fur 
Kara ten, N. F. 7, 280 (A. Zigon)); LE 19, 
195; KL 1916, 10 (W). 

Ammon, Otto, Dr. mtd. h. c, Anthropologe 
u. sozial-philosophischer Schriftsteller, 
urspriinglich Ingenieur, 1869 — 83 Leiter, 
spater Eigentiimer der iKonstanzer Zei- 
tung«; * Karlsruhe 7. XII. 1842; ■(■ das. 
14. 1. — W. : Die natiirliche Auslese beim 
Menschen ; Die Gesellschaf tsordnung und 
ihre natiirlichen Grundlagen; Zur An- 
thropologic der Badener; VZ 15. I. A.- A. 
u. 16. I. M.-A.; BB 19. I.; KL 1916, 21 
(W); WI 7. 19 (W); LE 18. 715; Bad. 
Landesztg. 18. I.; Schwab. Merk. 16. I.; 
BZ 39 [Mannus, Ztschr. f. Vorgesch. 7, 

364 (L. Wilser)]. 

Arnold, Karl Johann, Hofmaler Kaiser Wil- 
helms I., Tiermaler, Schuler Adolf Men- 
zels, sein Vater Lehrer Menzels ; * Kassel 
30. VIII. 1829; f Jena 10. VIII. — VZ 
11. VIII. M.-A. u. 12. VIII. A.-A.; TB 2. 
129 (W) u. Lit.-Verz.; MS 1, 40; D 541; 
BMW; L. Pietsch i. Meyers Kiinstler- 
lexikon. 

Auer, Adolf v., Dr., Reichsr., Berater und 
Vertrauensmann des Prinzregenten Luit- 
pold, seit 188 1 President der Bayrischen 
Hypotheken- u. Wechselbank ; f Miinchen 
14. II. 85 Jahre alt. — WI 7, 39; VZ 15. 
II. M.-A.; BZ 38 [Jurist. Wochenschr. 45, 

365 (v. Landmann)]. 



Bagel, August, Geh. Kommerzienrat, Senior- 
chef d. Firma A. Bagel, Verlagsbuch- 
handlung, Buch- und Steindruckerei, Ver- 
treter u. Forderer d. Buchgewerbes, ver- 
feinerter Technik d. Kunst- u. Farben- 
drucks. * Wesel ; f Diisseldorf 20. I., 77 
Jahre alt. — BB 25. 1.; BZ 38 [Stahl und 
Eisen 1916 Nr. 5). 

Banck, Otto, Geh. Hofrat, Prof. d. Kunst- 
u. Liter. - Gesch., Feuilletonred., dann 
Chefred. d. jetzig. » Sachs. Staatszeitung 1, 
bes. Theater- u. Kunsthist.; * Magde- 
burg 17. III. 1824; f Dresden 5. V. — W.: 
Gedichte; Alpenbilder, Schilderungen aus 
Natur u. Leben d. Alpenwelt; VZ 7. 5. 
M.-A.; BB 10. V.; BR I, 113 (W); SSt 6 
V. ( W. Doenger); LE 18, 1162. 

Barre, Ernst, Geh. Oberjustizrat, friiher 
Landgerichtsprasident in Bielefeld, 1864 
bis 1908 im Justizdienst; * Paderborn 
18. 1. 1843; t Bielefeld 8. X. — W.: Ver- 
fasser e. vergl. Darst. des BGB n. d. Code 
civil; Mitherausgeb. der Rechtsspr. des 
preuB. Oberverwalt.-Gerichts; Gedichte; 
Neue Novellen; VZ 11. X. M.-A.; WI 7, 
62 (W); BR I, 122; KL 1916, 59 (W). 

Battke, Max, Komponist, Diligent u. Musik- 
padagoge, bekannt durch seine Prima- 
vista-Methode (Kunst d. Vom-Blatt- 
Singens) ; * SchiffuB, Kr. Gerdauen, Ost- 
preufien, 15. IX. 1863; f Berlin 4. X. — 
W.: 1897 Oper O Academia; BB 7. X.; 
VZ 5. X. M.-A.; WI 7, 69 (W) ; R 88 ; KL 
1916,63 (W). 

Baumann, Julius, Dr.pkil., Prof., Geh. Reg.- 
Rat, Dir. des philos. Seminars in Gotting. ; 
* Frankfurt a. M. 22. IV. 1837; f Got- 
tingen 14. VIII. — W.: Die Lehre von 
Rauni, Zeit u. Mathem. i. d. neueren 
Philosophic ; Philosophic als Orientierung 
iiber die Welt; Handbuch der Moral; 
Gesch. d. Philos. nach Ideengehalt und 
Beweisen; BB 18. VIII.; VZ 16. VIII. A.- 
A.; WI 7, 74 (W); KL 1916, 70 (W). 



348 



Totenliste 191 6: Begas — Boelcke 



Begas, Karl, Bildhauer, jiingster B ruder v. 
Reinhold Begas, lebte in Kothen, Schop- 
fer zahlreicher Denkmaler in Berlin und 
anderen deutschen Stadten; * Berlin 23. 
XL 1845; f Kothen 21. II. — BB 23. II.; 
VZ 22. II. A.-A.; WI 7, 88 (W) ; D 552 
(W); TB III. 182 (W); MS I, 93 (W). 
Bekker, Ernst Immanuel, Dr. jur., Prof., 
Wirkl. Geh. Rat, Senior d. Heidelberger 
Jurist.-Fak. u. d. dtsch. Rechtsgelehrten, 
Ehrenbiirger der Stadt Heidelberg, 1853 
Privatdozent, 1855 a.o.Prof., 18570. Prof, 
f . Rom. Recht a. d. Univ. Greifswald, seit 
1874 in Heidelberg;* Berlin 16. III. 1827; 
+ Heidelberg 29. VI. — W.: 1886—89 
System des heutigen Pandektenrechts ; 
BB 3. VIL; VZ 30. VI. A.-A.; WI 7, 92 
(W); KL 1916, 87 (W); BZ 39 [Dtsch. 
Juristenztg. 1916, 780 (Endemann); 
Ztschr. d. Savigny-Stiftung f. Rechts- 
gesch., Roman. Abtlg. n t V (L. Mitteis) 
u. VII— XXXII (Gradenwitz)]; Selbst- 
biogr. V. Sakul.-Feier d. Univ. Heidelberg 
1886, 166 (P). 

Belser, Joh. Ev. v., D., o. Prof, der kath.- 
theol. Fakultat in Tubingen, Prof. d. 
neutestamentl. Exegese; * Villingendorf 
bei Rottweil 30. X. 1850; f das. 20. X. 
— BB 24. X.; WI7, 95 (W); KL 1916, 
89 (W); WN 1916, 142—152 (E. Vogt); 
Staatsanz. f. Wiirtt. 1916, Nr. 250; WJ 
1916, V.; BZ 40 [Allg. Literaturblatt der 
Leo-Gesellsch. 191 7, 1 — 6 (A. Rosier)]. 

tga Berlnguier, Richard, Dr. jur. t Anitsge- 
richtsrat, Vors. d. Ver. f. d. Geschichte 
Berlins, Hrsg. d. Ztg. d. franz. Kolonie; 
* Berlin 4. III. 1854; gef. auf d. ostl. 
Kriegsschauplatz als Vorst. e. Pferde- 
depots 7. III. — VZ 10. III. A.-A.; WI 7, 
104 (W); LE 18, 909; KL 1916, 101 (W); 
BZ 38 [Familiengeschichtl. Blatter XIX, 
83; Der dtsch. Herold 47, 39; Reform. 
Kirehenztg. Nr. 21, 26 (Personl. Erinne- 
rungen v. A. Lang) ; Mitgl. d. Vereins f . d. 
Gesch. Berlins 33, 23 — 28]. 

Berlepsch,Maria Goswina v., Schriftstellerin, 
Ehrenbiirgerin d. Stadt Zurich, Romane 
u. Novellen; * Erfurt 25. IX. 1845; t 
Wien 10. IV. — W.: Thalia i. d. Sommer- 
frische; Der Nachtwachter von Schlurn; 
Heimatscholle; Ledige Leute ; BB 18. IV. ; 
WI 7, 105 (W); BR I, 199 (W); KL 1916. 
102 (W); PY I, 58 (W); LE 18, 1033; 
NFP 12. IV.; NZZ 14. IV.; BZ 38 [Ziir- 
cher Wochenchronik 1916, 142]; 39 [Die 
Schweiz, ill. Monatsschr. Zurich 20, 417 
u. 24, 455 (Gachnang) ; Osterr. Rundschau 
48, 137 (M. Herzfeld)]. 

Beyer, Oskar, Architekt, K. K. Hofrat, 
Prof., Dir. d. Kunstgewerbeschule des k. 



k. osterr. Mus. f. Kunst u. Industrie; * 
Dresden 23. II. 1849; f Baden bei Wien 
Anfang IV. — VZ 8. IV. M.-A.; D 560; 
BZ 39 [Geschichtsblatter Ludwigsburg 
8. Heft, 40—46 (C. Beeschner)]. 

Bledert, Philipp, Dr., Prof., Geh. Ob.-Med.- 
Rat, langjahr. Med. -Referent f. Elsafl- 
Lothringen; * Niederflorsheim b. Worms 
25 . XI. 1847 ; f Darmstadt 22. IX. — W. : 
Die Kindernahrung i. Sauglingsalter ; 
Lehrbuch der Kinderkrankheiten ; BB 26. 
IX.; VZ 26. IX. M.-A.; TR 29. IX. (J. 
Ritter); WI 7, 122 (W); PBL 167/9 (W 
u. P); DMW 16, 1236; L 52, 88 (W); KL 
1916, 121 (W); BZ 39 [Jahrbuch f. Kin- 
derheilkunde u. physische Erziehung 84, 
387 (P. Selter); Korresp.-Blatt d. arztl. 
Ver. Hessens 1916, 107 — 112 (Lange- 
mann); StraBb. med. Ztg. 13, 121 (Holtz- 
rnann)]; 41 [Ztschr. f. Kinderheilkunde 
Orig. XV, 95 — 100]. 

Bfthle, Fritz, Maler u. Radierer; * Emmen- 
dingen in Baden 7. II. 1873; f Frankfurt 
a.M. 20. X. — BB24. X.; VZ21.X. A.- 
A.; FZ 21. X. (Stein) u. 29. X. (Swar- 
zenski); Berl. Tagebl. 25. X. (Kiinzel- 
mann); KVZ 27. X. (H. H. Bormann); 
KZ 3. XI. (Bindhardt) ; TB 4. 189 (W) u. 
Lit.Verz.; BZ 39 [IZ 1916, 3827 (Servaes) ; 
Kunst f. Alle 32, 118; Velhagen u. Kla- 
sings Monatshefte 19 16, Sept. 69 — 78 
(Servaes); Christl. Kunst 13, 74 (B. 
Barth) ; Dtsch. Kunst u. Dekoration 1916, 
218 (Schrey); Kunsthandel, Liibeck, 235 
(Roeper); Kunstwart, November 161 
(Avenarius) ; Propylaen, Miinchen 14, 41 
(Riittenauer) ; Cicerone 9, 446] ; 40 [Dtsch .- 
land, Ztschr. f. Heimatkunde 8, 11 (F. 
Buhl); Dtsch. Kunst u. Dekoration 40, 
3 — 23 (Schrey); Protestantische Monats- 
hefte 191 7, 149 (Kiihner); Monatsschrift 
f. Gottesd. u. kirchl. Kunst 191 7, 66 — 70 
(Kiihner)]; 41 [Die Schonheit 14, 386 bis 
391 ; Biihne u. Welt 19, 453 (Schrey)]; 43 
[Kunst f. Alle 34, 1 — 20 (C. Gebhardt), 
21 — 34 (F. Stern) ; Die graph. Kiinste 39, 
49 ff. (Schrey); Die Tat 10, 306 ff. (W. 
Klein)]; 44 [Schau ins Land 45, 35 — 38 
(R. Hagen)]; 49 [Hochland 16, II, 222 
(R. K. Diepold)]; R. Klein: F. B., Berlin 
19 10; Friedr. Stern: F. B. als Mensch u. 
Kiinstler, Frankfurt 19 18. 
gj* Boelcke, Oswald, Hauptmann, Kampf- 
flieger;*Giebichenstein-Halle 19. V. 1891 ; 
gef. im Westen 28. X. — VZ 30. X., M.- 
A.; 2. XI., M.-A., 3. XI., M.-A. (E. Gold- 
freund); FZ 20. VI. 1916; KZ 22. IX. 
(Wegener); Berl. Tagebl. 19. IX. (Kiin- 
zelmann); K 9. XI. u. 27. II. 1917; T 
9. XI. (Wegener); BL 4- XI.; Anhalter 



Totenliste 1916: Borngraber-Buchholz 



349 



Staatsanzeiger, Jg. 153 (1916) Sonder- 
ausg. z. Heldentod u. Beisetzung B.s; BZ 

39 [Automobilwelt 14, Nr. 45/46; Geistes- 
kampf d. Gegenwart 191 6, 441 (Grab- 
rede); Gartenlaube 19 16, Nr. 50 (Omp- 
teda); Dtsch. Luftfahrerzeitschr. 20, 320; 
Uni versum, Weltrundschau 511 — 515 
(R. Betsch); Die Woche 1916 Nr. 46 (W. 
Bloem); Zeiten u. Volker 13, 13 — 16 
(Kalkschmidt) ; IZ 1916, 3828 (Gott- 
schalk)]; 41 [Osterr. Plugzeitschr. X, 275 
(Wittekind)]; O. Briissau, Ein B. will ich 
werden, R. v. Gottschalk, B. j* 19 16, A. 
kiibke, Hauptm. B. 1916, Aviaticus, B., 
der Held d. I*iifte 191 7, R. Sommer, Plie- 
gerhauptm.O. B. 1917. BJI, S. 185 — 87. 

Borngr&ber, Otto, Dr. phil., Schriftsteller, 
*Stendal 19. XI. 1874; f Lugano 19. X. — • 
W.: Gedichte, Dramen: Konig Fried- 
wahn, Die ersten Menschen, Giordano 
Bruno, Bergpredigt z. Befreiung d. Vol- 
ker, Weltfriedensdrama; BB 24. X.; VZ 
21. X., M.-A.; KHZ 29. X. (O. E. Hesse); 
HC 8. XI. (Buchhorn); BR I, 303 (W); 
WI 7. 167 (W); KI, 1916. 171 (W); LE 
19, 320; BZ 39 [IZ 1916, 3827 (E. Delpy)]; 

40 [Dokumente des Fortschrittes, 10. J g., 
Beilage, April, 20 (G. Broda) ; Die Schon- 
heit 13, 472 — 76: Das freie Wort 16, 516 
— 524 (Schulze-Berghof)]; 44 [Dtsch. 
Buhne 11, 23 (Hell)]. 

Braun, L/ily, verw. Frau v. Gizycki, geb. 
v. Kretschraan, Schriftstellerin, Vor- 
kampferin d. Frauenbewegung; * Hal- 
berstadt 2. VII. 1865; f Berlin-Zehlen- 
dorf 8. VIII. — W. : Memoiren einer So- 
zialistin; Im Schatten d. Titanen, Die 
Iviebesbriefe d. Marquise, Der I/ebens- 
sucher; BB 11. VIII.; VZ 9. VIII., M.-A. 
(St. GroBmann); BT 9. u. 11. VIII.; FZ 
15. VIII.; LT n. VIII.; NFP 30. VIII.; 
Leipz. Volksztg. 13. VIII; LE 18, 1547; 
WI 7, 184 (W); KL 1916, 189 (W); BR 
8,Nachtr. 155 (W) ; PY I, ioo(W);BZ3 9 
[Die Frauenbewegung 20. Jg. 61 (Minna 
Cauer); Glocke, sozial. Halbmon.-Schr. 
1916, 875 (E. Steiger); Die Gleichheit 
(Beilage), 26. Jahrg., Nr. 25; IZ 1916 
Nr. 3817 (J. Marcuse) ; Neu-Deutschlands 
Frauen, Sept. 1916]; 47 [Donauland, 111. 
Monatsschr. 4, II, 24 1 — 44 (Hengesbach) J ; 
Julie Braun- Vogelstein, LB., ein Lebens- 
bild, Berlin-Grunewald 1922. 

Braun, Louis, Schlachtenmaler, Prof. a. d. 
Akad. Miinchen, Gemalde d. Schlacht v. 
Mars-la-Tour, Liitzen, Sedan, Uniform- 
werk d. bayr. Armee; * Schwab. Hall 
23. IX. 1836; f Miinchen 18. II. — BB 
23. II.; WN 1916, 1—4 (H. Holland); 
Schwab. Merkur 21. II.; D. 572; BMW 



I, 130; TB IV, 579 (W) u. Ut.-Verz.; MS 

I. 173 (W). 

Brunnhofer, Gottlieb Hermann (Pseudon. 
Alfred Werder), Dr. phil., Prof. f. Urge- 
schichte u. histor. Geographic in Bonn 
1 90 1 — £914, lebte von 1889 — 99 in Kur- 
land u. St. Petersburg, 1872 Kantons- 
bibliothekar in Aarau u. Redakt. d. Fern- 
schau; * Aarau, Schw., 21. III. 1841; 
•j* Miinchen Anfang November. — BB 

II. XL; VZ 8. XI. A.-A.; LE 19, 388; 
BR I, 365; Zeitschr. d. dtsch. Morgenl. 
Gesellsch. 71, 431 — 37 (F. Kuhn) (W). 

Bruns, Ludwig, Dr. med. t Prof., Sanitatsrat, 
verdient um d. Diagnostik d. Geschwulste 
d. Gehirns u. Riickenmarks; * Hannover 
25. VI. 1858; f das. 12. XI. — W.:Darst. 
d. Lehre von d. Hysterie i. Kindesalter; 
Untersuchungen iiber d. sog. Pseudopara- 
lyse; Hrsg. d. Handbuchs d. Nerven- 
krankheiten im Kindesalter mit Cramer 
u. Th. Vischer; BB 15. XI.; VZ 13. XI. 
A.-A.; WI 7, 209 (W); L 52 H. 88 (W); 
PBL 266 (W); DMW 1916, 1460; BZ 39 
[Neurolog. 2Sentralbl. 35, 990 — 92 (H. Op- 
penheim); Monatsschr. f. Psychiatrie u. 
Neurologie 40, 387 — 94 (M. Nonne)]; 40 
[Archiv f. Psychiatrie u. Nervenkrankh. 
57> 54I—5I (WoUenberg); BKW 54, 494 
(Reinhold); Dtsch. Zeitschr. f. Nerven- 
heilkde 56, I— VIII (C. Edinger)]; WJ 
1916, IV. 

Bruns, Paul v., Dr. med., Prof., Staatsrat, 
Chirurg, Leibarzt d. Konigs von Wiirt- 
temberg, Hrsg. von Neue dtsch. Chirurgie 
u. Beitrage z. klin. Chirurgie; Handb. d. 
prakt. Chirurgie gem. mit E. v. Berg- 
mannu. J. v. Mikulicz;* Tubingen 2. VII. 
1846; f das. 2. VI. — BB 5. VI.; VZ 
3. VI. A.-A.; L 52 H. 46 u. 72 (W) ; WJ 
1916, IV.; WI 7, 209 (W); PBL, 264/66 
(W u. P); WN 1916, 56—84 (v. B.); 
Schwab. Merkur v. 3. u. 6. VI.; MMW 
19 16 Nr. 32, 1 155 (v. Brunn) ; Zentralbl. 
f. Chirurgie 19 16, Heft 49, 969 (v. Hof- 
meister) ; Archiv f. Ohren-, Nasen- u. 
Kehlkopfheilkunde Bd. 100, Heft 3 — 4 
(Albrecht) ; Zeitschr. f . Ohrenheilkde. u. 
f. d. Krankh. d. I^uftwege 74. Bd. Heft 2. 
105 (Korner); Beitr. z. klin. Chirurgie 
Bd. 103 (Kiittner, Gedenkbd. f. P. v. B.) ; 
DMW 1916, Nr. 24 (Perthes); (P. v. B. 
z. Gedachtnis, Grabreden als Manuskript 
gedruckt)]; BZ 39 [Korrespondenzbl. d. 
wtirtt. arztl. Vereins 80, 317 — 20; Med. 
Klinik 1916, 764 (Kuttner)]. 

Buchholz, Gustav, Dr. phil., Prof, f . mittlere 
u. neuere Geschichte a. d. Akad. zu Posen, 
Hrsg. der Bibliothek z. sachs. Geschichte 
u. Landeskde. u. Ostdeutsche Korresp. 



350 



Totenliste 1916: Bueck — Decurtius 



fiir nationale Politik, Lessingstudien ; 

* Buxtehude i. Hannover 16. II. 1856; 
f Posen 26. VI. — BB 28. VI. ; VZ 27. VI. 
A.-A.;Wl7, 211 (W);KL. 1916. 2i6(W). 

* Bueck, Henry Axel, Geschaf tsf uhrer d . Zen- 

tralverbandes dtsch. Industrieller, 1894 
bis 1898 Mitgl. d. Abg.-Hauses, (nat.-lib.) 
Bischofsburg (OstpreuBen) 12. XII. 1830; 
f Berlin 4. VII. — VZ 5. VII. M.-A.; NPZ 
10. VII.; HN 5. VII.; ZVDI 60, 600. 
BJI, S. 187 — 190. 
Bulow, Alfred v., Kammerherr, Wirkl. Geh. 
Rat, Bruder d. ehem. Reichskanzlers, 
14 Jahre dtsch. Gesandter i. d. Schweiz, 
dann preuB. Ges. in Dresden; * Frank- 
furt a. M. 7. VIII. 1851; f Baden-Baden 
2 6. vi. — VZ 27. VI. M.-A.; WI 7, 217; 
WIP 32, 4, 2, S. 1298. 

# Burger, Fritz, Dr. phil., a.o. Prof. d. Kunst- 
geschichte a. d. Univ. Miinchen, Dozent 
a. d. Akademie; * Miinchen 10. IX. 1877; 
gef. vor Verdun 22. V. — W.: Katalog 
d. Schackgalerie, Cezanne u. Hodler, 
Handbuchd.Kunstgeschichte; BB 29. V.; 
F 27. VI.; WI 7, 226; D 966; Cicerone 
VIII, 239 (A. E. Brinkmann) ; BZ 39 [Die 
Rheinlande 16, 372 (v. Lang)]; 40 [Kunst 
f. Alle 32, 392 — 400 (F. Servaes)]; 41 
(Dtsch. Kunst u. Dekoration 39, 223 — 31 
(Rehbein)]; KL 1916, 231 (W). 

BQrkle, Johann Martin, Volksschullehrer, 
1859 nach d. Ver. Staaten, trat in den 
Kirchendienst d. Staates Ohio, Hrsg. d. 
Monatsschr. Vetter axis Schwaben, Reli- 
giose u. humorist. Gedichte z. T. im 
schwab. Dialekt; * Plattenhardt a. d. 
Fildern 14. II. 1832; f Stuttgart i. Staat 
Arkansas 3. 1. — WN 1916, 187; Schwab. 
Merkur 1910, 295 (K. Holder); BR I, 390 
(W); WJ 1916, IV. 

Busch, Friedrich, Dr. med., Geh. Med.-Rat, 
1875 a.o. Prof. f. Chirurgie in Berlin, 
spater lange Zeit Direktor d. zahnarztl. 
Institutsd. Univ. Berlin, SchulerVirchows; 

* Elbing 9. IX, 1844; f Berlin 8. VII. — 
W.r Lehrbuchd.Zahnextraktion; VZ 10. 
VII.; A.-A.; PBL 290/91 (W u. P); DMW 
1916, 866; BZ39 [Zahnarztl. Rundschau, 
Berlin 1916, Nr. 29 (Magnus)]. 

Buscher, Clemens, Bildhauer, Professor, 
1883 — 1902 a. d. stadt. Kunstgewerbe- 
schule in Diisseldorf, Reiterstandbild 
Wilhelms I. in Frankfurt a. M., Statuen 
v. K. Immermann und Felix v. Mendels- 
sohn -Bartholdy in Diisseldorf; * Gam- 
burg i. Baden 19. VI. 1855; f Diisseldorf 
8. XII. — VZ 15. XII. M.-A.; WI 7, 231; 
D 581; TB V 284 (W) u. Lit.-Verz. 

Carmen Sylva, s. Elisabeth, Konigin v. Ru- 
manien. 



Chiari, Hans, Dr. med., Professor, k. k. 
Hofrat, o. Prof. d. pathol. An atom ie in 
StraBburg, Leiter d. Zeitschr. f. Heilkde.; 
* Wien 4. IX. 1851;! StraBburg 6. V. — 
W.: Geschichte d. pathol. Anatomic — 
VZ8.V. M.-A.; WI 7, 250 (W) ; PBL 322 
(W); L 52, 79 (W); DMW 1916, 582; 
BZ 38 [Wien. klin. Wochenschr. 29. 688 
(R. Koch); StraBb. med. Ztg. 13, 65 — -ji 
(G. B. Gruber)]; 39 [MMW 63, Nr. 30 
(Diirck) ; Beitr. z. pathol. Anatomie u. z. 
allg. Path. 62, 40 1 (Aschhoff) ; Zentralbl. 
f. allg. Pathol, u. pathol. Anat. 27, 289 
(Gruber)] ; 4o[Alm.d.Akad. d. Wiss. Wien 
66, 340 — 46 (Weichselbaum)]. 

Chiavacci, Vincenz, Volksschriftsteller und 
Redakteur in Wien. Gehorte z. Freundes- 
kreis Anzengrubers; * Wien 15. VI. 1847; 
f das. Anfang Februar. — Mit Ganghofer 
Hrsg.d. WerkeNestroys.— WI7, 2<;o (W) ; 
KL1916, 249 (W); BRI,4i6(W);LEi8, 
715; BZ 38 [Osterr. Rundschau 46, 176 
(F. Stiiber-Gunther)]. 

* Czerny, Vinzenz, Dr. med., Prof., 187 1 o. 
Prof. f. Chirurgie in Freiburg i. B., 1877 
bis 1906 in Heidelberg, spater umfas- 
sende Tatigkeit an dem von ihm gegriin- 
deten Institut fiir experimen telle Krebs- 
forschung; * Trautenau 19. XI. 1842; 
f Heidelberg 3. X. — BB «;. X.; VZ 3. X. 
A.-A.; F 5. X. (E. Siegel) ; BT 5. XI. 
(Volker); WI 7, 180 (W); PBL 367 (W u. 
P); L 52, 79; DMW 1916, 1264; KL 1916, 
274 (W); BZ39 [BKW53, 1258 (Volker); 
Zentralbl. f. Chirurgie 43, 101 7 (M.Wilms) ; 
WJenerklin. W T ochenschr. 29, 1375 (Ger- 
sang); MMW 63, 16 19 (Werner); WMW 
66, Nr.42 (Mosckowicz) ; IZ 191 6, Nr. 3825 
( J . Marcuse) ] ; 40 [Mitteilg. ausd.Grenz- 
gebieten d. Medizin u. Chirurgie 29, H 4 
(v. Eiselsberg)]; Geistige Welt (P u. W). 
BJI, S. 190 — 93 (F. Voelcker). 

Deckert, Emil, Dr. phil.. Prof. a. d. Univ. 
Frankfurt, Geograph, Reisen d. Amerika, 
1886 — 90 Hrsg. d. geogr. Zeitschr. Glo- 
bus, Berlin; * Taucha b. Leipzig 26. II. 
1848; f Frankfurt a. M. 1. X. — W.: 
Grundziige d. Handels- u. Verkehrsgeo- 
graphie, Nord amerika. — KL 19 16, 283 
(W); BB 5. X.; VZ 5. X. M.-A.; KV 15. 
XII. (Oppermann) ; BZ 39 [Jahresber. des 
Frankf . Vereins f. Geographic u. Statistik 
79/80, Beil. 1 — 12; Frankf. Univers.-Ztg. 
Ill, 22 — 26 (K. Bannholzer)]; 40 [Geogr. 
Anzeiger 19 17, 8 (E. Oppermann); GZ 
1 9 16, 637, 1917, 57 — 62 (Maull)]. 

Decurtius, Kaspar, Dr. phil., Prof., Sprach- 
forscher, kathol. Politiker, Geschichte d. 
Ratoromanischen Liter atur, Redakteur d. 
Monatsschr. f. christl. Sozialref orm ; * 23. 



Totenliste 1916: Dedekind — Ebe 



351 



XI. 1855; f Truns i. d. Schweiz 30. V. — 
BB7. VI.;NZZ 1. VI., 15. VI.;KV2. VI.; 
HN 31. VII. (Scherer) ; KL 1916, 284; BZ 
41 [Anz. f. schweiz. Geschichte 48, 209]. 

Dedekind, Richard, Dr. ing,. k. c, Dr. phil. 
Geh. Hofrat, Prof. d. Mathematik a. d. 
Techn. Hochschule in Braunschweig; 
* Braunschweig 6. X. 1831 ; + das. 12. II. 
— BB 16. IL; VZ 12. II. A.-A.;F. 15. II. 
(W. Ahrens), WI 7, 294 (W) ; I, 52, 30; 
BZ 39 [Braunschw. Magazin 22, 71 — 81 
(H. Zimke) u. 82 (Akademien z. Paris u. 
Berlin iiber D.)]; 41 [Nachrichten d. Ges. 
d. Wiss. z. Gott., Math.-physik. Kl. 
1916/17, 50 — 70 (Landau)]. 

Deiters, Heinrich, Landschaftsmaler und 
Schriftsteller (Diisseldorfer Kunst- und 
Lokalgeschichte) ; Miinster i. W. 5. IX. 
1 840 ; f Diisseldorf 3 1 . VII. — VZ 1 . VIII. 
M.-A.; DiiZ. 2. VII. 1917; D 592 (W) ; TB 
VIII, 566 (W) u. Lit.-Verz.; MI, 326; 
BMW Nachtr. z. Bd. I. 

©Dibelius, Franz. Dr. phil., Lic.theol., Pri- 
vatdoz. a. d. Univ. Bonn f . christl. Archao- 
logie u. Kunstgesch. sowie f. neutesta- 
mentl. Theologie, Prediger a. d. rhein.- 
westf. Gef angnissen ; * Oppeln 24. VIII, 
1881; gef. 19. VIII. im Westen. — VZ 
2. IX. M.-A.; Cicerone VIII, 413; UK I, 
W-S 1917/18. 351 ; BZ 39 [Christl. Kunst- 
blatt f . Kirche, Schule u. Haus 58, 297 bis 
301]; 41 [Der alte Glaube 18, 277 — 82]; 
ELK 49, 924. 

& Dohna-Schlobitten, Richard Fiirst zu, friih. 
Vize-Oberjagermeister, Ritter d. Schw. 
Adlerordens, Mitgl. d. Reichst. 1890 — 94 
u. 1903 — 12, Mitgl. d. preufl. Abg.-Hauses 
1890 — 94, Mitgl. d. preufl. Herrenhauses 
seit i894,alsKommandeurd. Joh.-Ordens 
Generaldelegierter der freiwill. Kran- 
kenpflege im Osten; * Turin 17. VIII. 
1843; f Wilna 21. VIII. — VZ 23. VIII. 
M.-A.; WI 7, 327; RH 1903, 207; BZ 39 
[IZ 19 16, Nr. 3819J; 44 [Aus d. Ostlande 
13, Beibl. 12, Heft, 48]. 

Donndorf, Adolf v., Professor, Bildhauer, 
Schiiler Ernst Rietschels, Ehrenbiirger v. 
Weimar; * Weimar 16. II. 1835 ; + Stutt- 
gart 20. XII. — W. : Reiterstandbild Karl 
Augusts in W., Burschenschaftsdenkmal 
in Jena; VZ 21. XII. A.-A. u. 22. XII. 
M.-A.; WI 7, 331; WN 1916, 153 — 182 
(C. v. Straub u. G. Kauffmann-Grad- 
mann); SM 21. XII. (R. J. Hartmann) ; 
BZ 40 [IZ 1917 Nr. 3837 (Dolsky)]; 41 
[Westerm. Monatshefte 191 7, Dez. 445 
(P. A. Merlach)]; WJ 1916, V; TB IX, 
445 (W) u. Lit.-Verz.; MS I 353 (W); D 
598 (W). 

Doring, Karl Heinrich, Prof. a. Konserva- 



toriumin Dresden;* Dresden 4. VII. 1834; 
f das. 26. III. — VZ 28. III. A.-A. ; R 294. 
Dorn, Friedrich Ernst, Dr. phil.. Prof., Geh. 
Reg.-Rat, Ordinarius f. Physik u. Dir. 
d. physik. Inst, an d. Univ. Halle, zahlr. 
Abhandl. i. d. Annalen der Physik und 
Annalen der Chemie ; * Gutstadt in Ostpr. 
27. VII. 1848; f Halle 13. VI. — VZ 14. 
VI. M.-A.; WI 7, 332; KL 1916, 322; 
PF IV, 1 , 343 (W) ; BZ 44 [Physik. Ztschr. 

17, 297]. 

§1 Dorrer, Eugen v., wiirtt. Generalleutnant, 
wiirtt. Militar-Bevollmacht. i. Berlin, im 
Kriege Fiihrer der 44. Res.-Div., Schlacht 
bei Ypern, Galizien, Serb. Krieg, Verdun; 
* Roflfeld i. Oberamt Crailsheim 18. XI. 
1857; f Feldlaz. Brieulles 2. IV. nach 
schwerer Verwundung. — WN 19 16, 41 
bis 46 (v. Muff); Schwab. Merkur 1916 
Nr. 163 u. 1917 Nr. 151. 

* Dove, Alfred, Geh. Hofrat, seit 1897 Prof, f . 
neuere Geschichte a. d. Univ. Freiburg, 
daneben publizistische Tatigkeit (Grenz- 
boten, Im Neuen Reich, Munch. Allg. 
Ztg.); * Berlin 4. IV. 1844; f Freiburg i. 
B. 19. I. — VZ 22. I. M.-A.; BB 24. I.; 
WI 7* 334 (W); KL 1916, 325 (W) ; LE 

18, 715; BR II, 53; Hist. Ztschr. 1916, 
69 — 100 (Kantorowitsch, Fr. Meinecke) ; 
Freiburg. Akad. Mitt. v. 22. II. 16 (Finke, 
Aschhoff, Gothein) S. 448; Jahresber. d. 
bayr. Ak. d. Wiss. 1916, 167 (E- Marcks) ; 
Deutsche Revue 47, April, 227/52; Brief- 
wechsel zwischen Gust. Freytag u. A. D., 
hrsg. v. O. Dannemann; Schles. Ge- 
schichtsbl. 1923, Nr. 2/3, 21 — 24 (V. 
Loewe); BZ 38 [Sudd. Monatshefte April 
1916, 139 (E. Heyck); Ztschr. f. Gesch. 
d. OberrheinsN. F. 31, 448 (E. Gothein)]. 
BJI, S. 193— 95- 

DQcker, Eugen, Prof., Landschaftsmaler, 
Lehrer a. d. Akademie in Diisseldorf, Mit- 
gl. d. Akad. v. Berlin, Petersburg, Stock- 
holm; * Arensburg auf Oesel 10. II. 1841 ; 
f Diisseldorf 7. XII. — BB 11. XII.; VZ 
8. XII. M.-A.; HN 10. XII. (Schimmel- 
busch) ; WI 7, 342 ; D 601 ; MS I, 366 (W) ; 
TB X, 52 (W) u. Lit. Verz.; BMW; BZ 40 
(Kunst f. Alle 32, 200 (W. Cohen)]. 

Duncker, Dora, Schriftstellerin, Tochter d. 
Verlagsbuchhandlers Alex. Duncker; * 
Berlin 28. III. 1855; f das. 9. X. — W.: 
Romane; Die Marquise v. Pompadour; 
George Sand, ein Buch der Leidenschaf t ; 
BB 12. X.; VZ 10. X. M.-A.; WI 7, 347 
(W);KLi9i6, 337 (W); PY I, 169 (W) ; 
BR II, 75 (W); LE 19, 260. 

Ebe, Gustav, Kunsthistoriker u. Architekt, 
erbaute zahlr. Palais in Berlin; * Halber- 
stadt 1. XI. 1834; f Berlin 15. V. — W.: 



352 



Totenliste 1916: Ebner-Eschenbach — Faber 



Spat- Renaissance; Architekton. Raura- 
lehre; VZ 16. V. M.-A.; BB 9. V.; D 603 
u. 971 (W); TB X, 291 (W) u. Lit.-Verz.; 
MS I, 381; BZ 38 [DBZ 1916, 217]. 

* Ebner-Eschenbach, Marie v., geb. Grafin 
Dubsky, Dr. phil. h. c. t Dichterin und 
Schriftstellerin, Roinane, Novellen, Ge- 
dichte; * Zdislavitz i. Mahren 13. IX. 
1830; f Wien 12. III. — BB 14. III. (W) ; 
VZ 13. III. A.-A. (A. Klaar); NFP 13. u. 
14. III. (Auemheimer) u. 25. V. (Bettel- 
heim); BT 2. IV. (F. Mauthner) ; NZZ 
2. IV. (J. J . David) ;HCk. III. (Kienzl) ; 
F 14. III. (R. Fiirst) ; MZ 14. III. (Tasch- 
ner); WI 7, 353 (W); KL 1916. 345 (W); 
PY I. 177 (W); BR II, 95 (W); LE 18, 
908 — 18 (v. Gleichen-Rufiwurm) ; Neue 
osterr. Biographie I, 146 — 57 (W) u. Lit.- 
Verz. (Aug. Sauer) ; BZ 38 [Ut. Zentralbl. 
f . Deutschl., Beilage Die schone Liter at ur, 
1916, 102 — 105 (R. Huppert); Die Frau 
1916, 385 (M. v. Bunsen); Die deutsche 
Frau 1916, 14 (F. Kiinzeimann); Hilfe 
1 9 16, 196 (G. Baumer) ; Dtsch. Philologen- 
blatt 1916, 191 (A. Biese); KW April 1 916, 
5 (Nidden); Der Merker, Wien, 1916, 241 
(Ratislav); Konserv. Monatsschrift 191 6, 
11 — 19 (A. Biese); OR 47, 40 (A. v. Wei- 
len)J; 39 (Die Ernte 1916, 25 (E. Kilian)]; 
40[Hochland Mai 191 7, 198 — 217 (Mum- 
bauer)l; 41 [Hochland August 191 7, 584 
bis 589 (R. Schaukal)]; 46 [Deutsche 
Rundschau, April 1920, 6—23 (Bettel- 
heim) ; Bettelheim: Biographenwege 1920, 
40 — 48]; 47 [OR 65, 225—29 (Bettelh.)]; 
49 [Propylaen, Miinchen 19, 18 (Kilian)]; 
A. Bettelheim: M. v. E.-E. 1906 u. 1920; 
M. Ille-Berg: Eduard Ille u. M. v. E.-E., 
Sudd. Monatsh. 191 2, Oktober; 204 ff.; 
Hedda Sauer: Erinnerungen an M. v. E.- 
E., Westermanns Monatsh. 1916/17, 
677 ff.; BW 19 16, 173 (F. Droop); Kathe 
Ostergeld: M. v. E.-E., Unters. iib. ihre 
Erzahlungstechnik, Miinster 191 7; M. F. 
Radke: Das Tragische in den Erzahl. v. 
M. v. E.-E., Marburg 1918; Hans A. 
Roller: Studien z. M. v. E.-E. Diss. 
Zurich (o. J.). BJI, S. 196— 202. 

Elisabeth, Konigin v. Rumanien, geb. Prin- 
zessin zu Wied, Pseudon. Carmen Sylva; 
* Monrepos bei Neuwied 29. XII. 1843; 
•j* Bukarest 2. III. — W.: Leidenserden- 
gang; Les pensies d'une reine; Seelen- 
gesprache; Marchen einer Konigin. — BB 
4. III.; VZ 3. III. M.-A. (N) u. 6. III. A.- 
A. (C. S. Verlobung) ; WZ 2 1 . IX. (Briefe) ; 
NFP 3. III. (Zifferer) u. 9. III. (M. v. 
Bunsen) ; NZZ 1 2. III. ; RW. 2. IV. (Netz 
hammer); TR 3. III. (Lindenberg) ; F 5. 
III. (Bruno VVille) ; HN 3. III. ; SM 3. III.; 



V3.III.;BT3.III.u. 21. IV. (P.Lindau) ; 
T 5 • HI. (J . Lorm) ; WI 7. 29 ( W) ; BR II, 
132 (W); KL 1916, 369 (W); PY I, 122 
(W) u. 187; LE 18, 842; BZ 38 [Deutsch- 
land, Ztschr. f . Heimatkunde VI (P. Lin- 
denberg); Nassovia, Ztschr. f. Nassau- 
ische Geschichte 17, 42 (C. Spielmann); 
Deutsche Revue, Marz 1916, 88 — 93, 
Deutsche Rundschau April 1916, 1 — 16 
(v. Dungern); IZ 1916, Nr. 3793 (Linden- 
berg) ; Westermanns Monatsh., Mai 1916, 
393 — 400 (Briefe an einen dtsch. Ge- 
lehrten) ; Borsenblatt f . d. dtsch. Buch- 
handel Nr. 60 (Briefe an ihre Verleger: 
D. Dunker); Tiirmer, April 1916, 34I; 40 
[Hist.-polit. Blatter f. d. kath. Deutsch- 
land 159, 56]; Mite Kremnitz : C.S. 1903; 
C. S. Briefe einer einsamen Konigin 19 16; 
G. Bengesco: C. S. Bibliographic et 
exiraits de ses asuvres, Briissel 1904. 

Elm, Adolf v., Mitgl. d. Reichst. von 1894 
bis 1907, Sozialdem., verdient urn das 
Gewerkschaf tswesen ; * Hamburg 24. IX. 
1857; f das - IQ . IX. — VZ 19. IX. A.-A.; 
WI 7, 374; BZ 39 [Glocke, sozialdemokr. 
Halbmonatsschr., Miinchen 1916, 1047 
(K. Legien) ; Korrespondenzbl. d. Gene- 
ral- Kommission d. dtsch. Gewerkschaft. 
1916, 405; Sozialist. Monatshefte 1916, 
1098 (Frohme), 11 02 — 08 (Legien), 11 09 
(Aug. Miiller)]. 

Emminghaus, Arwed, Dr. jur. f Prof, der 
Volkswirtschaftslehre i. Karlsruhe (1866), 
fiihrende Stellung bei d. Gothaer Lebens- 
Versich.-Ges.; Mitglied d. Beirats beim 
Kaiserl. Aufsichtsamt f. Privatversiche- 
rungen, Griinder d. dtsch. Gesellsch. z. 
Rettung Schiffbriicluger; * Nieder-Roflla 
b. Weimar 1831 ; f Gotha 9. II. — VZ 10. 
II. A.-A.; BZ 38 [Correspondenzblatt d. 
allg. arztl. Vereins in Thuringen 45, 18 u. 
191 ; : Bodenreform 1916, 106; Ztschr .f.Ver- 
sicherungswesen 1916, 241 (K. Samwar)]. 

Eppinger, Hans E-, Dr. med. t K. K. Hofrat, 
Prof. f. patholog. Anatomic in Graz, Ar- 
beiten ub. d. Schlagadergeschwiilste und 
angeborenen Krankheiten d. Herzens; 
* KaroUnenthal b. Prag 17. II. 1846; 
f Graz 13. VIII. — VZ 14. VIII. A.-A.; 
DMW 1916, 1048; L 52, 72 (W) ; KL 1916, 
381 ; HBL II. 291 ; PBL 462 (W). 

Fabeck, Max v., General d. Infanterie, 
Ritter des Ordens Pour le m&rite, Exz., 
im Weltkriege Fiihrer einer Armee ; * Ber- 
lin 6. V. 1854; f Partenkirchen 16. XII. 
— VZ 18. XII. M.-A.; WI 7, 399; WN 
1916, 203; SM 1916 Nr. 592; Wiirttemb. 
Staatsanz. 1916 Nr. 295; WJ 1916, V. 

Faber, Wilhelm, D., Wirkl. Ob.-Konsisto- 
rialrat, Generalsuperintendent v. Berlin, 



Totenliste 1916: Falke — Fock 



353 



f. d. »Kultur der Gegenwartt verfaQte er 
im Band Moderne Theologie den Abschn. 
Prakt. Theologie; * Gernrode a. Harz 3. 
XII. 1845; t Hsenburg 6. II. — BB 10. 
II.; VZ 8. II. M.-A. u. 9. II. M.-A. (Th. 
Kappstein); WI 7, 399; BZ 39 [Kirchl. 
Jahrbuch 43, 595]; ELK 49, 166. 

Falke, Gustav, Dichter, Lyriker u. Roman- 
schriftsteller; * Liibeck 11. I. 1853; 
f Hamburg 8. II. — W.: Mynher der 
Tod u. a. Gedichte; Katzenbuch; Timm 
Kroger, lit.Studie; En Handvull Appeln, 
plattd. Rimels; Die Stadt mit d. goldenen 
Tiirmen; BB 10. II.; VZ 8. II. A.-A.; 11. 
II. (Lissauer); HC 13. II. (Autobiogr.) ; 
SM 9. II.; HN 8. II.; F 15. II. (Hoff- 
mann) ; HF 12. II.; BT 10. II. (E. Engel- 
hardt) ; WI 7, 403 (W) ; KL 1916, 403 (W) ; 
LE 18,750— 52; BR II, 182 (W);EL6 7 ; 
BZ 38 [BW i8,1 60 (Schellenberg) ; Ge- 
meinniitzige Blatter f. Hessen u. Nassau 
1 916, 136 (Plotke) ; Die schone Literatur, 
Beibl. d. lit. Zentralbl. f. Deutschland 
19 1 6, 70 — 73 (R. Dohse) ; Literarische Ge- 
sellschaft Hamburg 1916, 3. H., yy (Ger- 
hard) ; KW Marz 1916, 191; Nordd. 
Monatshefte Februar 19 16, 102 (J. Kruse) ; 
Niedersachsen 19 16, 190; Literarische 
Rundschau 2 (Beil. z. Du. T.) (H. Zer- 
kaulen); Tiirmer, Marz 1916, 779 (K. 
Stork); BB 19 16 Nr. 45 (Sperling)]; 41 
[Miinsterische Heimatblatter II, 147 (F. 
Castelle)]. 

Faulhaber, Melchior, Dr. med., a.o. Prof, f . 
Rontgenologie a. d. Univ. Wiirzburg; * 

20. VI. 73 ; f Wurzburg 20. VIII. — VZ 

21. VIII. A.-A.; DMW 1916, 1080; L 52, 
80; UK I WS 16/17; BZ 40 [Fortschritte 
a. d. Gebiete d. Rontgenstrahlen 25, 503]. 

* Fahrs, Johann Hinrich, plattd tsch. Dichter, 
Gedichte, Novellen, Romane, zuerst 
Lehrer; * Miihlenbarbeck i. Holstein 10. 
IV. i838;fItzehoe 17. VIII. — W.: In d. 
Wurf schauf el ; Zwischen Hecken u. Hal- 
men; Allerhand Slag Liid; BB 21. VIII.; 
HN 18. VIII. u. 27. VIII. (Boeck); F 
26. VIII. (E. Wolff); NPZ 22. VIII. 
(Bodewadt); BR II, 190 (W) ; KL 1916, 
409 (W); WI 7, 409 (W); EI, 67 \ BZ 39 
(BW 18, 474 (R. Werner); Die schone 
Literatur, Beil. d. Zentralbl. f. d. Liter. 
Deutschland 1916 (R. Dohse); Liter. Ge- 
sellsch. Hamburg II, 262 — 69 (J. Bode- 
wadt); Hannoverland 19 16, 185 (R. 
Dohse) ; Das Land 24, 36 (Dohse) ; Die 
Heimat 19 16, 186 (T. Kroger); Nieder- 
sachsen 21, 378 (Fr. Lan); Mittg. aus d. 
Quickborn 10, 6 (Chr. Boeck)]; 40 [Jahr- 
buch f.d.Kr. Pinneberg 191 7 (Elmshorn) ; 
Deutsche Rundschau, April 191 7, 139 

DBT 23 



Deutsche Rundschau, April 1 9 1 7, 1 39 — 48 
(F. Fromme)]; 42 [Niedersachsen 23, 225 
(Brief: J. Herrmann)]; 43 [Die Tide II, 
1918, 156 ff. (F. Fromme)). BJI, S. 202 
bis 204. 
Fick, August, seit 1888 o. Prof. d. Philologie 
a. d. Univ. Breslau; * Petershagen b. 
Mindeni. W. 5. V. 1833; f Breslau 27. III. 

— W.: Vergleichendes Worterbuch der 
indogermanischen Sprachen; VZ 29. III. 
M.-A.; BB 30. III.; KL 1916, 416 (W); 
BZ 39 [Ztschr. f . vgl. Sprachforschung 47, 
313 (A. Bezzenberger)]; 42 [Indo-germ. 
Jahrb. V, 282 — 298 (A. Bezzenberger)]. 

Fink, August, Miinchener Landschaftsmal., 

Prof., Ehrenmitglied d. bayr. Akad. d. 

bild. Kiinste; * Miinchen 30. IV. 1846; 

f das. 24. VI. — BB 28. VI.; VZ 26. VI. 

A.-A.; D 621 (W); TB XI, 573 (W) und 

Lit.-Verz.; MS I, 443; BMW. 
Fischer, Ferdinand, Dr. phil. t Prof. d. chem. 

Technologie a. d. Univ. Gottingen, Griin- 

der u. Ehrenmitglied d. Vereins dtsch. 

Chemiker, Hrsg. d. Ztschr. f . angewandte 

Chemie; * Rodermuhle a. Harz 13. V. 

1842; f Homburg v. d. Hohe 28. VI. — 

BB 7. VII.; KL 1916, 424; VZ 29. VI. 

M.-A. ; WI 7, 424 ( W) ; PF I V, 1 , 42 1 ( W) ; 

L 52, 80; BZ 39 [Geschichtsbl. f. Technik, 

Ind. u. Gew. Ill, 145 (G. Bugge); Ztschr. 

f. angew. Chemie 29, 345 (Precht), Ztschr. 

d. Vereins dtsch. Ingenieure 6o f II, 639 

(Metzeltin) ] ; 40 [Mitt. z. Gesch. d. Medizin 

u. d. Naturwissensch. 15, 384 (Bugge)]. 
Fischer, Otto, Dr. med. et phil., Rektor d. 

Leipz. Petri-Gymnasiums, a.o. Prof. d. 

Med. a. d. Univ. Leipzig; * Altenburg 26. 

IV. 1861; f Leipzig 23. XII. — VZ 24. 

XII. M.-A. u. 28. XII. M.-A.; WI 7, 427 

(W); BZ 40 [Anatom. Anz. 50, 84 — 96 

(R. Fick); Monatshefte d. naturwiss. 

Unterrichts 1917, 140]; 41 [Bayr. Ztschr. 

f. Realschulwesen 191 7, 155]; 42 [Unter- 

richtsbl. f. Mathem. u. Naturwissensch. 

23, no (W. Lorey)]. 
# * Fock, Gorch (Johann Kinau) , plattdtsch . 

Dichter; See- und Fischergeschichten ; 

*Finkenwerderb.Hamburg22.VIII. 1880; 

gef. i. d. Seeschlacht am Skagerrak 3 1. V. 

— W. : Schullengrieper un Tungenknieper ; 
Seefahrt ist not!; Hamburger Jan- 
mooten; VZ 16. VI. M.-A.; TR 30. V. 17 
(Dombruck) ; BT 1 5. VI. (H. W. Fischer) ; 
H. F. 14. VI. u. 5. X.; HN 14. VI. u. 28. 
VI., 8. IX., 19. IX. u. 25.X.; TR4. VII. 
(E. Albrecht); BR Nachtrag 233; KL 
1916, 858 (W); LE 18, 1292 u. 19, 196; 
BZ 38 [Liter. Gesellsch. Hamburg 1916, 
1. Heft 1— 7, 2. Heft 52—57 (Borchling)]; 
39 [Die schone Literatur, Beilage des 



354 



Totenliste 19165 Fdrster — Friedmann 



Literar. Zentralbl. f. Deutschl. 1916, 197 
(Dohse); LE 1916, 1433 (H. Meyer- Ben- 
fey); Fischerbote 19 16, 276 (Sterner); 
Hannoverland 1916, 93 (Dohse); Dtsch. 
Rundsch., Nov. 19 16, 310 — 13 (Fromme); 
Weserland 7, 34; Mitteilg. aus d. Quick- 
born X, 126—32 (Wriede)]; 40 [Mitteilg, 
aus d. Quickborn X, 42, 53, 55]; 42 [Die 
Wartburg 191 8, 125 (Eckardt); Weser- 
land 10, 7 (Tagebucher)]; 43 [Blatter f. 
Volksbiblioth. u. Lesehallen 1918, 102 
(G. Kohfeldt)]; 44 [Das Land 27, 131 
(Dohse); Allg. Ztg. d. Judentums 1919, 
189 (W. Cohn)]; 45 (Die Tide III, 94 bis 
100, 167 — tj (Cramer); Kriegszeitung d. 
Festung Borkum (Auswahl 1917) 46 — 51 
(Lange) 203 — 22 (Spickernagel)]; 47 [Die 
Heimat, Kiel 1920, 113 — 18 (Duggen)]. 
BJI, S. 225— 29. 

Forster, Alban, Prof., seit 1882 Hofkapell- 
meister in Neu-Strelitz ; * Reichenbach 
i.V. 23.X. 1849; f Neustrelitz 18. 1. — W. : 
Klavier- u. Violinstucke, Symphonie in 
C-Dur, Liederkomponist, Opern: Die 
Madchen v. Schildau.Lorle. — BB22. I.; 
WI 7>4 37;R. 37i; DBJ. 1917, 155 (W). 

Fr&nkel, Albert, Dr. med.. Professor, Geh. 
Sanitatsrat, Direktor der inneren Ab- 
tlg. d. stadt. Krankenhauses am Urban 
in Berlin, entdeckte d. Erreger d. Lungen- 
entzundung; * Frankfurt a. O. 10. III. 
1848; f Berlin 6. VII. — W.: Pathologie 
u. Therapie des Respirationsapparats ; 
VZ 7. VII. A.-A.; WI 7, 444 (W); PBL 
534 (Wu.P);DMW 1916, 860 (F.Kraus); 
BZ 39 [BKW 53,3 (Fiirbringer)]. 

* Frank, Adolph, Dr. ing. h. c, Prof., Geh. 
Reg. -Rat, Griinder der dtsch. Kali-Indu- 
strie, hat zuerst auf d. Verwendbarkeit 
d. Stafifurter Abraumsalze f. Diinge- 
zwecke hinge wiesen u. fiir die industrielle 
Ausbeutung d. Moore gewirkt; * Klotze 
20. I. 1834; f Charlottenburg 29. V. — 
BB 5. VI.; VZ 30. V. A.-A.; KL 1916, 
448; KZ 1. IV.; L. 52, 73; Ztschr. d. 
Vereins dtsch. Ingenieure 60, 602 (P) BZ 

38 [Chemikerztg.V>, 79—80 (N. Caro)]; 

39 [Geschichtsbl. f . Technik, Industrie u. 
Gewerbe III, 139 (M. Krause) ; Verhandl. 
z. Forderung d. GewerbefleiBes, Sitz.-Ber., 
1916, 275 — 80; Carbid u. Azetylen 1916, 
65 — 71 (Vogel); Ztschr. f. angewandte 
Chemie 29, Aufsatz-Beil. 373 — -j-j (GroB- 
mann)]. BJI, S. 204 — 208. 

Franz, Adolf, D., o. Prof. f. Kirchengesch. 
u. Liturgik a. d. Univ. Miinchen; 1876 bis 
1891 Mitgl.d.Reichst., 1875 — 84M.d. A., 
papstl. Hauspralat 1878 — 81, Chefredak- 
teur d. »Germania«, politische und gesch. 
Aufsatze; * Langenbielau in Schles. 21. 



XII. 1842; f Baden-Baden 6. XI. — BB 
14. XI.; VZ 11. XI. A.-A.; Germania 8. 
XL; LE 19. 389; WI 7, 451; KL 1916. 
454 (W) ; BZ 39 [Hist.-polit. Blatter f . d. 
kath. Deutschland 157/58, 860 — 66 (Bigl- 
mair)]; 41 (Hist. Jahrbuch d. Gorres- 
gesellschaft 38, 210]. 

* Franz Joseph I., Kaiser von Osterreich, 
Konig von Ungarn ; * Schlofl Schonbrunn 
18. VIII. 1830; f das. 21. XI. — VZ 22. 
XI. M.A.- u. 23. XI. M.-A. (H. Friedjung 
u. St. GroBmann); 25. XI. (A. Apponyi); 
28. XI. A.-A. (E. Ludwig) ; 1. XII. M.-A. 
(E. Ludwig); 6. XII. M.-A. (Fried- 
jung); BT 23. XI. (Lederer); N 29 bis 
30. XI. (V. Hahn); F 26. XI.; T 26. XI. 
(Raschdan); G 26. XI.; PL 22. XI.; 
NPZ 23. XI. (O. Hoetzsch) ; NFP 24. XI. 
(v. Bilinski) ; 26. XI. ( J . Wlassics) ; 23. XI. 
(G. v. Lukacs); 21. VIII. 1917 (K. v. 
Gomperz-Bettelheim) ; NZZ 23. XI. BZ 
39 [Hist.-polit. Blatter f . d. kath.Deutsch- 
land 157/58, 795 — 803; Deutschland, 
Ztschr. f. Heimatkunde VII, 719 (A. v. 
Reich) u. 174 ff. ; Das groCere Deutsch- 
land 1916, 1537; Gegenwart 1916, 657 
(Spectator); Monatsblatt d. Altertums- 
vereins z. Wien XI, 33, 281; Deutsche 
Politik 1 916, 2091 — 93; Die Woche 191 6 
Nr. 49 (P. Herre) ; Glocke, sozialdemokr. 
Halbmonatsschrift, Dezember 1916, 333 
(P. Lensch); IZ 191 6 Nr. 3833; Das junge 
Europa V, 8., 11 — 12. H., 4 — 24]; 40 
[Deutsche Revue, Januar 191 7, 39 — 46 
(Wlassics)]; 41 [Deutsche Rundschau, 
August 1917, 145 — 58 (F. v. Zweibriick); 
Donauland, 111. Monatsschrift I, 129 
(Schaukal)]; 42 [Aim. d. Akad. Wien 67, 
329 — 37 (Osw. Redlich)]; 44 [Dtsch. 
Rundschau, April 191 9, 4 — 23 (Fried- 
jung)]; NeueOsterr. Biogr. 1923, S. 1 — 23 
(O. Redlich — mit Lit.-Verz.) ; Zeitschr. 
d. dtsch. Vereins f. Gesch. Mahrens u. 
Schlesiens 191 7 (Bretholz, Lit.-Verz.); 
PreuC. Jahrb. 1921, 183. Bd. (H. Bahr); 
Margutti : Vom alten Kaiser 1921, Schlit- 
ter : Aus der Regierungszeit F. J. I., Fried- 
jung : Historische Aufsatze 493 ff . (F.J . I.) 
1 91 9. Fournier, Osterreich-Ungarns Neu- 
bau u. Kaiser F.J.I. BJI, S. 208 — 219. 

Frege-Weltzin, Arnold v., Dr.. M. d. R., 
1878 — 1903 vertrat er d. Wahlkr. Borna- 
Rochlitz, 1898 — 1 90 1 1. Vizepras. des 
Reichst., Mitgl. d. 1. Sachs. Standekam- 
mer, d. Landeskulturrats u. d. dtsch. 
Landwirtschaftsrats. f Altnaundorf bei 
Leipzig X., 67 Jahre alt. — VZ 24. X. 
M.-A.; WGK 16, 5, 2, S. 744- 

Friedmann, Siegwart, Prof., Schauspieler 
am Wiener Stadttheater bei Laubc u. am 



Totenliste 1916: Friedrich — Gmelin 



355 



Burgtheater bei Dingelstedt, schriftstel- 
lerisch tatig, rief mit Possart. L'Arronge, 
Barnay u. a. das Deutsche Theater 1883 
ins Leben; * Budapest 25. IV. 1842; 
f Dresden 22. IV. — VZ 23. IV. M.-A. 
(A. Klaar); HF 25. IV.; DBJ 1917, 164 
(P) u. 53—56; WI 7, 464. 

Friedrich, Paul Leopold, Dr. med., o. Prof, 
d. Chirurgie a. d. Univ. Konigsberg, 
Untersuchungen iiber d. Cholerabazillus 
u. Tuberkelbazillus; * Roda 26. I. 1864; 
f Konigsberg 26. 1. — BB 19. 1.; VZ 17. 1. 
A.-A.; L 52, 81; WI 7, 466 (W); DMW 
42,230; BZ 38 [IZ 1916, Nr. 3796 (v. 
Schrenck) ] ; 39 [Gesundheitslehrer 1 9, 8 1 ) ]. 

Frobenlus, Hermann, Oberstlt. a. D., Mili- 
tarschrif tsteller ; * Langensalza 6. X. 
1841 ; f Berlin 9. VIII. — W. : Des Dtsch. 
ReichesSchicksalsstunde; Weltgeschichte 
des Krieges; BB 14. VIII. ;WI 7, 470 (W) ; 
KL 1916, 4 8o(W);L 52, 8 9 (W);LE 18, 
1548; GZ22, 533; GA 17, Sonderb. 3o(P). 

tgiFrohse, Fritz, Dr. med. t Assistent a. Anat. 
Institut d. Berl. Univ., Mitarbeiter am 
Grofien Handbuch d. topogr. Anatomie 
v. Bardeleben u. Haeckel; f Pankow 
(Lazarett) 29. I.; 44 Jalire alt. — W.: 
Topographie d. Extremitaten, Mitheraus- 
geber einer illustr. Chirurg. Operations- 
lehre (mit Prof. Dockenheimer) ; BB 1 . II. ; 
DMW 1916, 172; L 52, 31 (W); BZ 38 
[Anatom. Anzeiger 49, 31 (W. Wal- 
deyer)]. 

Fufili, Wilhelm Heinrich, deutsch - schwei- 
zerischer Portratmaler; * Zurich 16. I. 
1830; f Baden-Baden 11. I. — BB 19. I.; 
VZ 16. I. M.-A.; NZZ 12. I.; Cicerone 
IX, 75; TB XII. 573 (W) u. Lit.-Verz.; 
MSI, 489; BMW; Brun, Schweiz. Kunst- 
lerlexikonl, 528 (H.Trog) ; BZ 38[Ziircher 
Wochenchronik 1916, 35]. 

Gaupp, Ernst, Dr. med., Prof. d. Anatomie 
a. d. Univ. Breslau, Hrsg. von Durals 
GrundriB d. Anatomie f. Kunstler; 
* Beuthen 13. VII. iS6<;; jf Breslau 24. 
XI. — BB 27. XI.; VZ" 25. XI. M.-A.; 
L 52, 89 (W); WI 7, 495 (W); KL 1916, 
504 (W); BZ 40 (Anatom. Anzeiger 49, 
584—91 (E. Fischer); BKW 54, 125 (L. 
Greiper)]. 

Gause, Wilhelm, Genremaler u. Illustrator, 
Schiiler d. Dusseldorfer Akademie, Mo- 
tive a. d. Wiener u. Karlsruher Gesell- 
schaf tsleben ; * Krefeld 27. III. 1854; 
f Stein a. Donau 13. VI. — VZ 14. VI. 
A.-A.; WI 7, 495; D 634 (W); TB XIII, 
281; MS II, 17 (W) u. Lit.-Verz.; BMW. 

Geffcken, Heinrich, Dr. jur., Geh. Reg.-Rat, 
Prof. a. d. Handels-Verwaltungshoch- 
schule in Koln, Hrsg. d. Samml. Prakt. 

DBJ 23 • 



Fragen d. modernen Christenheit, Mit- 
hrsg. von »Die Religion im Leben d. Ge- 
genwarU; * Berlin 27. VI. 1865; f Koln 
6. II. — KL 1916, 506 (W); VZ 7. II. 
A.-A.; WI 7, 498 (W); Neues Archiv d. 
Gesellsch. f. altere dtsch. Geschichtskde. 
40, 594- 

Gehrmann, Hermann, Dr. phil., Prof., Mu- 
sikhistoriker, seit 1897 Lehrer am Konser- 
vatorium u. Musikreferent d. Allg. Ztg. in 
Konigsberg, spater in Frankf . a. M., Kom- 
ponist, Hrsg. d. Kompositionsregeln von 
Jan Piter Sweelinck, Biographie K. M. v. 
Webers; * Wernigerode 22. XII. 1861; 
f Kassel 8. VII. — BB 11. VII.; WI 7, 
499 (W); R462 (W). 

gi Gensel, Reinhold, Dr. phil, Germanist, 
Hrsg. einer Auswahl v. GutzkowsWerken, 
Gedichte; * Liegnitz 24. X. 1882; gef. vor 
Verdun 16. III. — BB 3. IV.; LE 18, 972; 
BR II, 347; KL 1 9 16, 513; Neuphilolog. 
Blatter 24, 3; Neuphilolog. Blatter 23, 
346 (letzter Patrouillengang) . 

Gernsheim, Friedrich, Prof, am Sternschen 
Konservatorium, Komponist v. Sinfo- 
nien u. Streichquartetten, Chorwerke: 
Agrippina, Salamis, Hafis; * Worms 17. 
VII. 1 839 ;f Berlin 10. IX. — BB 13. IX.; 
VZ 11. IX. A.-A.; F 14. IX. (Holl); T 
14. IX. (Krebs); NZZ 14. IX.; BT 16. X. 
(K. Schurzmann); K. 22. X. (Holl.); WI 
7> 512 (W); R418; BZ 39 [Musikpadagog. 
Bl. 1916, 229 (Schurzmann); AMZ 1916, 
Nr. 38 (Leflmann); 38,7 (Schurzmann); 
Neue Zeitschr. f. Musik 83, 295; Allg. 
Ztg. des Judentums 1916, 476 (Roth- 
schild)]. 

Gevekot, Max Frhr. v., Exz., lipp. Staats- 
minister a. D., Bevollm. z. Bundesrat; 

* Schottmar 19. IV. 1845 ; f Detmold Anf . 
April.— VZ 3. IV. A.-A.; WI 7, 514. 

Giese, Max Eduard, Landschaftsmaler, Be- 
griinder u . Vorsitzender d . Vereins Miinch- 
ner Aquarelhsten ; * Diisseldorf 5. VII. 
1867; f Pasing b. Munchen 9. VII. — 
VZ 10. VII. M.-A.; WI 7, 518; TB XIV, 
6 (W) u. Lit.-Verz.; D 640 (W). 

G laser, Adolf (Pseud. Reinhold Reimar), 
Dr. phil., Schriftsteller u. Publizist; 

* Wiesbaden 15. XII. 1825; f Freiburg 
i. B. 21. III. — W.: Romane, Geschichte 
d. Theaters in Braunschweig, tJber- 
setzungen ; BB 24. III. ; VZ 2 1 . III. A.-A. ; 
WI7, 525 (W); F. 29. III.;KL 1916, 529 
(W) ; BR II, 376 (W) ; LE 18, 908; BZ 38 
[West. Monatsh., Mai 1916, 428). 

Gmelin, Leopold, Prof., friiher Lehrer fiir 
Architektur, GefaD- u. Geratezeichnen a. 
d. Miinchner Kunstgew.-Schule, auch 
schriftstellerisch tatig, Redakteur d. Zeit- 



356 



Totenliste 19 16: Gnauth — Haniel 



schr. d. bayr. Kunstgewerbevereins u. d. 
Zeitschr. Kunst im Handwerk ; * Emmen- 
dingen i. Baden 15. XII. 1847; f Mun- 
chen 2. V.— BB 10. V.; VZ 8. V. M.-A.; 
WI 7, 529 (W); D 642 (W); MS Nachtr. 
109 (W). ■ 

Gnauth, Feodor, Dr. phil., Dr. ing. h. c, 
Exz., Ehrenbiirger u. ehemal. Btirger- 
meister v. GieBen, GroBh. hess. Staats- 
minister a. D., Generaldirektor d. Felten- 
Guilleaume-Carlswerke, urspriingl. Bau- 
ingenieux; * Stuttgart 14. VI. 1854; 
f Koln-Mulheim 21. II. — VZ 23. II. 
M.-A.;Wl7, 530; WN 1916, 5— 24 (Leib- 
brand); SM 23. II.; Staatsanz. f. Wiirt- 
temb. 1916, Nr. 45; ZB 169 (Wagner); 
BZ 38 [Zeitschr. d. Verbandes dtsch. 
Diplomingenieure 5, 24 (Lang)]; WJ 
1916, IV. 

Goebel, Theodor, Vertreter d. Buchgewer- 
bes, Lehrer u. Historiker in seinem Fach, 
leitete 10 Jahre lang d. Journal f . Buch- 
druckerkunst, Hauptwerk: Die graph. 
Kiinste d. Gegenwart; * Gelenau b. Ka- 
menz i. S. 17. III. 1829; f Stuttgart 31. 

III. — BB 5. IV. ; VZ 4. IV. A.-A.; WI 7, 
532 (W); WN 1916, 189; LE 18, 972; WJ 
1916, IV. BZ 39 [Dtsch. Buch- u. Steindr. 
1916, 401 — 03]. 

•Goelsdorf ,Karl, Maschineningenieur, K. K. 
Sektionschef im Eisenbahnministerium ; 

* Wien 8 VI. 1861 t (Semmering) 18. III. 
1916. BJI, S. 219 — 221. 

§1 Goltz,Colmar Frhr. v. d., Generalfeldmar- 
schall, Dr. phil. h.c, seit 1861 im Militar- 
dienst, Teilnehmerd. Kriege 1866 u. 1870, 
1900 General d. Infanterie, 1907 General- 
inspekteur, 1914 ubernahm er die Ver- 
waltung Belgiens, spater Oberbefehls- 
haber d. tiirkischen Armee am Bosporus, 
Fiihrer d. Jung-Deutschland-Bewegung; 

* Bielkenfeld i. Ostpr. 12. VIII. 1843; 
•j* i. Hauptquartier d. tiirk. Armee 19. IV. 
— WI 7, 544 (W); KL 1916, 545 (W).; 
VZ 22. IV. M.-A. u. A.-A. (Erinnerung an 
v. d. G.) ; 26. IV. M.-A. (G.-Pascha von s. 
Adj. v. Restorff); 12. VI. M.-A.; NPZ 
22. IV.; TR 22. IV.; KV 22. IV.; SM 
22. IV.; NFP 22. IV.; NZZ 25. V.; DT 
5. V. u. 30. IV.; RWZ 23. VI.; MNN 19. 

IV. 19 1 7 (KieBling). BZ 38 [Aus d. Ost- 
lande 1916, 241 (P. Fischer); Das groBere 
Deutschland 631 — 17 (H. S. Weber) ; Kor- 
per u. Geist 1916, 7^ (Dominikus) ; Dtsch. 
Liter aturztg. 1099 — 1103 (A. v. Janson); 
Petermanns Mitt. 19 16, 222 (W. v. Diest) ; 
Dtsch. Turnztg. 19 16, 18 (v. Riihl)]; 
39 [Asien XIV, 1 1 — 19 (Gedachtnisrede) ; 
Dtsch. Revue Aug. 1916, 143 — 50 (Kor- 
ting) ; Internat. Monatsschr. f . Wissensch. 



10/11, 1319 — 37 (P. D. Fischer); Kon- 
servat. Monatsschr. 74, 760 (J. Hamel)]; 
41 [China-Archiv 2. Jg. i, 309; Dtsch. 
Revue August 1917, 204 — 13 (E. v. d. G.); 
43 [Dtsch. Vorderasien- u. Balkanarchiv 
II, 4 (R. Wagner) u. 10 (v. KieBling)]; 
MW 1916, 1, 8, 1647/9, 1916, 2, 63/65 
(Gedachtnisrede v. Moltke). 

Gr&ff e, Eduard, Dr. med. t Zoologe u. ehem. 
Inspektor d. k. k. Zoolg. Station in Triest, 
wissensch. Arbeiten vorwiegend system a- 
tischer Art, Forschungsreisen nach Sa- 
moa, Ergebnisse verof f entlicht ; jf Lai- 
bach 23. IV., 83 Jahre alt. — BB 10. V.; 
VZ 8. V. M.-A.; NZZ 26. V.; L 52, 73 
(W); BZ 39 [Vierteljahrsschr. d. naturf. 
Gesellsch. in Zurich 61, 1 — 39 (Autobio- 
graphic)]. 

Greiner, Otto, Maler u. Graphiker, Prof. a. 
d. Akad. i. Miinchen; * Leipzig 16. XII. 
1869; f Miinchen 24. IX. — BB 26. IX.; 
VZ 25. IX. M.-A. u. 26. IX. M.-A. (F. 
Servaes); HN 28. IX. (Bauer); TR 28. 
IX.; FR 29. IX.; BT 10. X. (H. Barth) ; 
DNN 26.XI.(K.F.Schmidt) ; LNN 19.XIL 
(J. Vogel) u. n. II. 191 7 (E. Delpy); 
LT20. II. 17 (O. Jerike); BT 9. III. 1917 
(Vogel); KV 7. VII. 1917 (K. WeiB) ; WI 
7, ^59; D 649; MS II., 87; TB XIV, S89 
(W) u. Lit.-Verz.; Cicerone VIII, 413; BZ 
39 [(Archiv f. Baugewerbe 53, 222 (Zeit- 
ler) ; Deutschland, Zeitschr. f . Heimatkde. 
VII, 628; Kunst f.Alle 32, 8o;Universum, 
Beilage W r eltrundschau 1916,466 (Delpy) ; 
IZ9116, Nr. 3823 (Heyne)]; 40 [Kunst fiir 
Alle 32, 320; Kchr. N. F. 28, 203 (F. 
Becker)]; 44 [R. Braun-Artaria : Von 
beriihmten Zeitgenossen 10. 191 9, 209 bis 
215]; Kunst u. Kiinstler XV, 99; Graph. 
Kiinste XL, 113 (Lehrs) ; K 35, 80. 

Griepenkerl, Christian, Prof., Historien- 
maler, seit 1874 Prof. a. d. Kunstakad. 
in Wien; * Oldenburg 17. III. 1839; 
f Wien 22. III. — VZ 24. III. A.-A.; WI 
7, 561 ; D 6so; MS II, 89 (W) ; TB XV., 22 
(W) u. Lit.-Verz.; BMW 7 I. 

Groll, Max, Dr. phil., Lektor d. Kartogra- 
phie a. d. Univ. Berlin, Kartogr. am Inst, 
f. Meereskde., Tiefenkarten d. 3 groBen 
Ozeane, Wandkarte d. Osman. Reiches; 
* 1876; f Berlin 3. XI. — BB 7. XI.; VZ 
4. XL A.-A.; BZ 41 [GZ 22, 698; G. A. 
1917, 204 bis 206 (W. Wolkenbauer)]. 

GroB, Otto, Dr. phil., Mitgl. d. Leipz. Schau- 
spielhauses; * St. Gallen 19. IX. 1881; 
f Basel 22. V. — VZ 24. V. A.-A.; DBJ 
1917, 167 (N). 

Haniel, Franz, Geh. Kommerzienrat, GroB- 
industrieller, griindete das neue Diissel- 
dorfer Theater mit seinen Mitteln ; if Haus 



Totenliste 1916: "Hansjakob — Hellmann 



357 



Hiilloch in Miinstereifel b. Diisseldorf 17. 
VI. — VZ 18. VI. M.-A.; WI 7, 614. 
*H»nsjak0b,Heinrich,£)r./)Ai7.,kath.Stadt- 
pfarrer, Volksschriftsteller, polit. Tatig- 
keit, zweimal mit Festungshaft bestraft, 
1869 s. Dienstes enthoben, mehfach bad. 
Landtagsabg.; * Haslach i. Schw. 19. 
VIII. 1837; fdas. 23. VI. — BB 27. VI.; 
VZ 23. VI. A.-A. u. 7. VII. A.-A. (A. Hol- 
lander) ; Do. Z. 24. VI. ; KV 24.VI. ; BT 27. 
VI. (F. Droop); F. 24. VI.; G 24. VI. 
(Thyssen); RW 25. VII. (Geiger) ; BL 
23. VI.; BN 27. VI.; LE 18, 1354; WI 7, 
616; KL 1916, 622 (W); BR III, 68 (W) 
u. autobiogr. Literatur; BZ 38 [Lit. Rund- 
schau 1 9 16, 6J; 39 [Aus dem Schwarz- 
wald 1916, 63; Allg. Ztg. Miinchen 1916, 
369; Hist.-pol. Blatter f. d. katholische 
Deutschland 157/158, 316 — 28, 369 bis 
381, 450 — 61 (J. K. Kempf); Die schone 
Literatur, Beil. d. Lit. Zentralbl. 1916, 
229 (H. Sturm); Freidtsch. Bl. 1916, 426 
bis 430 (Chr. Funk] ; Korrespondenzbl. f. 
d. kath. Klerus Osterreichs 1916, 468 
(E. Wiener) ; Das Land 24, 314 (Bittrich) ; 
Allg. Lit.-Bl.d.Leo-Gesellschaft 19 16, 290 
(Brentano) ; Die Bergstadt,Breslau 4-Aug. 
429 — 36 (Erinnerungen a. H. v. F. v. Ca- 
stelle) ; Deutschland, Zeitschr. f . Heimat- 
kunde VII, 288 (F.Steub)] ; 40 [Die schone 
Literatur, Beil. d. Lit. Zentralbl., 1917, 

49 (P. Lingens); Dtsch. evang. Monatsbl. 
f. Protest. VIII, 77—82 (P. Kunze)]; 
42 [Lit. Handweiser 54, 90 (H. Bohlen)]; 

50 [Freiburger Diozesanarchiv 49, 7]; A. 
Pfister: H. H., Stuttgart 191 1; H. Bi- 
schoff: H. H., der schwarzwalder Dorf- 
dichter, Kassel 1906; H. H., Allerlei Leute 
u. Allerlei Gedanken; Tagebuchblatter 
1913; H.H.: Ausmeiner Jugendzeiti907; 
H. H.: Mein Grab, Gedanken u. Erinne- 
rungen. BJI, S.221 — 25. 

Harburger, Heinrich , Dr. jur. , Prof., 
Senatspras. a. Munchn. Oberlandesge- 
richt, o. Hon. -Prof. a. d. Univ. f. Staats-, 
Straf- u. Volkerrecht, 19 14 Mitgl. d. ge- 
schaftsfiihr. Aussch. f. e. dtsch. Straf- 
rechtsref orm . ; * Bayreuth 2. X. 185 1; 
f Miinchen 28. II. — BB 2. III.; WI 7, 
617 (W) ; KL 1916. 625 (W) ; BZ 38 [Allg. 
Ztg. d. Judentums 1916, 17]. 

Hardenberg, Askan Walter Frhr. v., Alten- 
burg. Staatsminister, Vorsteher d. Kul- 
tusabt.; *f Eisenach 21. VI., 55 Jahre alt. 
— VZ 22. VI. M.-A. 

Hartmann, Julius v., Dr. phil., Prof., Ober- 
studienrat, Nestor d. wiirtt. Geschichts- 
u. lit. Forschung. Hrsg. v. Uhlands Brief - 
wechsel, Ehrenmitgl. d. statist. Landes- 
amts u. d. Wiirtt. Geschichts- u. Alter- 



tumsvereins; * Neuenstadt a. d. Linde 

22. V. 1836; f Stuttgart 20. IX. — BB 

23. IX.; VZ 22. IX. M.-A.; SM 21. IX. 
(R. J. Hartmann); WN 1916, 126 — 142 
(B. Pfeiffer, Pu.W); WI 7, 624 (W) ; LE 
19, 195; KL 1916, 633 (W); BZ 39 [Von 
schwab. Scholle 19 17 (O. Wilhelm); 
Unterhaltungsbl. d. Schwarzwald. Boten 
Nr. 221 (K. Holder); Die W T oche 7. X. 
1916]; WJ 1916, IV. 

Hausmann, Otto, berg. Dichter, Verfasser 
von zahlreich. Skizzen, Lustspielen und 
Opern, Ausgew. Gedichte 1907 mit biogr. 
Skizze von Horter; * Elberfeld 5. XI. 
1837; fdas. 15. III. — BB 18. III.; LE 18, 
908; KL i9i6,646(W); BR III, 108 (W); 
BZ 38 [Monatshefte d. berg. Gesch.-Ver. 

23> 6l l- 

Heckscher, Josef, Dr. med., Privatgelehrter, 
f ruber prakt. Arzt u. Polizeiarzt, zahlr. 
Arbeiten auf d. Gebiet d. Hamb. Gesch., 
Kunst u. Lit., darunter ein W r erk iiber 
d. Hamb. Dichter J. P. Lyser; * 30. III. 
1839; f Hamburg Anf. Oktober. — BB 
6. X.; Wl7,64i;KL 1916,651 (W);LE 
19, 195; BZ 41 [Mitt. d. Ver. f. Hamb. 
Gesch. 37, 11 (H. Predohl)]. 

# Heering, Wilhelm, Dr. phil. t an den Bo- 
tan. Staatsinstituten in Hamburg; Vor- 
lesungen iiber Pflanzengeogr. u. systemat. 
Botanik, Geschaftsfiihrer d. schleswig- 
holst. Provinzialkomm. d. Naturdenk- 
malpflege; pflanzengeogr. Arbeiten u. ein 
forstbotan. Werk iiber Schlesw. -Hoist.; 
* Altona 1876 ; f vor Verdun Anfang Juni. 
— BB 8. VI.; HN 19. VI.; BZ 39 [Die 
Heimat, Kiel, 1916, 151 (H. Barfod)). 

Heim-V5gtlin, Marie, Dr. med. t die erste 
Schweizer approb. Arztin, popularwissen- 
schaftl. Darst. auf d. Gebiet d. Sauglings- 
pflege; "j* November, 71 Jahre alt. — 
VZ 18. XI. A.-A.; NZZ 17. XI.; DMW 
1916, 1492; BZ 41 [Korrespondenzbl. f. 
Schweiz. Arzte 47, 1553 (A. Heer)]. 

©Heinrich, Prinz v. Bayern, * 1884, gei. als 
Major in Rumanien 8. XI. — VZ 9. XI. 
M.-A. u. 15. XI. M.-A.; MNN 9. XI.; BZ 
39 [Das Bayernland 28, 5311. 149]; Dtsch. 
Volkstum 1917, 89. 

Heinrich, Max, Bariton, Bahnbrecher des 
deutschen Liedes in den Vereinigten 
Staaten, Lehrer in London, Chicago, 
Boston und New York, Melodram zu 
Poes »Raven«; * Chemnitz 14. VI. 1853; 
f New York 9. VIII. — VZ 2. X. A.-A.; 
R 52-2. 

Hellmann, Friedrich, o. Prof. f. rom. Recht 
in Miinchen; * WeiCmain 30. XI. 1850; 
f Miinchen 11. III.— UK SS. 1916, 343; 
VZ 14. III. M.-A.; WI 7, 660 (W) ; Krit. 



358 



Totenliste 19 16: Hempel — Hirth 



Viertelj.-Schr. f. Gesetzgeb. 11. Re^hts- 
wissensch. 54, 3. F. VII. 321. 

Hempel, Walter Mathias. Dr. phil., Dr. mti. 
et ing. h. c, Prof., Chemiker, Direktor d. 
Dresd. Techn. Hochschule. * Pulsnik 
5. V. 185 1 ; f Dresden 1 . XII. — W. : Neue 
Methoden z. Analyse d. Gase, Die Be- 
handlung der Milch; BB 5. XII. VZ 2. 
XII. M.-A. u. 4. XII. M.-A.; PF IV, 1, 
613 (W); WI 7, 663 (W); BZ 40 [Che- 
mikerzeitung 41, 85 (Grafe) ; Zeitschr. f. 
angew. Chemie 30, Aufs. Teil 1—5 (For- 
ster)]; 41 [Zeitschr. f. Vulkanologie III, 
268]. 

Henokel v. Donnersmark, Guido Fiirst, 
Wirkl. Geh. Rat. Groflindustrieller, einer 
d. reichsten Magnaten Deutschlands; 

* Breslau 10. VIII. 18 }o; f Berlin 18. XII. 
— VZ 19. XII. A.-A.; NZZ 28. XII.; 
NFP 30. XII.; BT 19. XII.; WI 7, 663; 
BZ 39 [Allg. Ztg.. Miinchen 1916. 383 
(A. Friedrich)!; 40 [Stahl u. Etsen 1917. 
156 (W. L,ohse));4i [Oberschles. Heimat 
13, 30]; Felix Pinner: Wirtschaftsfuhrer 
1924, S. 81/85. 

Henekel v. Donnersmark, Viktor Graf, Dr. 
jur., Wirkl. Geh. Rat, Exz., 1898—1906 
preufi. Gesandter in Oldenburg, 1906 — 10 
in Kopenhagen; * Weimar 25. X. 1854; 
f SchloU Hirschhugel b. Jena 26. VIII. — 
VZ 30. VIII. M.-A.; WI 7, 663. 

Herlf, Otto v., Dr. med., o. Prof, f . Gynako- 
logie a. d. Univ. Basel, Mitherausgeber d. 
Enzyklopadie d. Geburtshilfe u. Gynako- 
logie; * Toluca i. Mexiko 15. VI. 1856; 
f Basel 30. IV. — BB 4. V.; VZ 2. V. 
A.-A.; WI 7. 671 (W); PBI< 722 (W); 
DMW 1916. 582 ; KL 1916, 679 (W) ; BZ38 
[Zentralbl. f. Gynakologie 40, 425 (P. 
Hussy) ; Korresp.-Bl. f . Schweiz. Arzte 
46, 788; Monatsschr. f. Geburtshilfe u. 
Gynakologie 43, 549; MMW 63, 24]; 39 
[Gynakol. Rundschau X, 169 (P. Hussy)]. 

Herwarth, Friedrich Wilhelm, Prof., Archi- 
tekturmaler, Lehrer a. d. Akad. f. bild. 
Kiinstein Berlin, Schiiler Wilbergs ; * Ber- 
lin 26. VII. 1853; f das. 12. XII. — BB. 
15. XII.; VZ 13. XII. M.-A.; WI 7, 679; 
TB XVI, 564; BMW I. 2. 

HeB, Richard, Dr. phil. h. c. Geh. Rat., 
o. Prof. d. Forstwissensch. a. d. Univ. 
GieOen; * Gotha 23. VI. 1835; f Gieften 
IQ . 1. _ BB 24. I.; VZ 21. I. A.-A.; WI 7, 
683; Kh 1916, 691 (W); BZ 38 [Zentralbl. 
f. d. gesamte Forstwesen 41, 406]; 39 
[Forstwissensch. Zentralbl. 38, 543 (Hil- 
lerich) ] . 

Hesse, Johannes, Missionsschriftsteller, 
Vater d. Schriftstellers Hermann Hesse, 

* Weiflenstein i. Esthiand 14. VI. 1847; 



f Korntal i. Wiirtteinberg 8. III. — WN 
1 9 16, 30 — 35 (K. Isenberg) ; Ev. Missions- 
magazin Mai 19 16 (H.Hesse u. Fr.Wiirz) ; 
Caiwer Missionsblatt Mai 1916; Ev. Kir- 
chenbl. 1916 Nr. 12; SM 1916, Nr. 121; 
WJ 1916, IV. 
Hilgard, Eugen Waldemar, Prof. f. land- 
wirtsch. Chemie a. d. Univ. Berkeley in 
Kalifornien, staatl. Geologe v. Mississippi ; 

* Pfalz-Zweibriicken 5. 1. 1833 ; f Berkeley 
in Kalifornien Februar. — Werke iiber 
Landwirtschaftskunde u. Bodeniehre; 
VZ 25. II. A.-A.; h 52, Si (W); PF IV, 
638 (W); WI7. 697 (W). 

Hillern, Wilhelmine v., 1854 — 57 Schau- 
spielerin, spater Romanschriftstellerin ; 

* Miinchen 1 1. III. 1836; f Hohenaschau 
in Oberbayern 25. XII. — W.: Doppel- 
leben, Die Geyer-Wally; BB 29. XII.; 
VZ 27. XII. A.-A.; BT 10. III. (D. 
Duncker); MNN 10. III.; TR 10. III. 
(D. Duncker); NFP n. III. (v. Weilen) ; 
NFP 3. II. 1917 (Bettelheim-Gabillon) ; 
WI 7, 698 (W); KL 1916. 706 (W); BR 
III, 214 (W); PYI, 355 (W); LE r 9 . 
587 (W); BZ 38 [Nat. Frauenbl. Miin- 
chen 191 6, 70 (W. Frankel-Rank) ] . 

Hintze, Karl Ad. Ferd., Dr. phil., Geh.Reg.- 
Rat, o. Prof. d. Mineralogie u. Kristallo- 
graphie, Dir. d. Mineral. Instituts a. d. 
Univ. u. Techn. Hochschule in Breslau; 

* Breslau 17. VIII. 1851 ; f das. 28. XII. 
W.: Handbuch d. Mineralogie; VZ 29. 
XII. A.-A.; WI 7, 701 (W); PF IV, 1. 
644 (W); KL 1916, 709. 

Hlppel, Arthur v., Dr. med., Geh.Med.-Rat. 
Prof., f ruber Dir. d. Gott. Universitats- 
Augenklinik, Werke iiber Ophthalmolo- 
gic; * Fischhausen i. Ostpr. 24. X. 1841 ; 
f Gottingen 26. X. — BB 30. X.; VZ 

27. X. M.-A.; h 52, 89 (W) ; DMW 1916, 
1360; WI 7, 702 (W); PBL 739 (W); 
BZ 39 [Zentralbl. f. prakt. Augenheil- 
kde. 40, 183]; 40 [Zeitschrift f. Augen- 
heilkde. 37, 115 (Schieck)]. 

i& Hirschfeld, Theodor, Dr. phil., Historiker. 
Mitgl. d. Preufl. hist. Instituts in Rom, 
Beitr. z. d. Quellen 11. Forsch. aus ital. 
Archiven und BibL; * Berlin; f Feldlaz. 
Wilna im Juni. — VZ 14. VI. M.-A.; BZ 
40 [Neues Arch. d. Ges. f . alt. dtsch. Ge- 
schichtskde. 40, 828 — 30 (Tangl)]. 

Hirth, Georg, Dr. phil., Kunstschriftsteller 
u. Verleger, Hrsg. d. dtsch. Parl.-Alma- 
nachs, Begriinder d. Annalen d. Nordd. 
Bundes u. d. »Jugendf ; * Grafentonna b. 
Langensalza i^. VII. 1841; f Miinchen 

28. III. — BB 30. III.; VZ 28. III. A.-A.; 
FZ 29. III. (Busching); MNN 29. III.; 
30. III. u. 6. IV. (F. v. Ostini) ; TR 30. III. ; 



Totenliste 1916: Hoch — Immelmann 



359 



(M. G. Kcnrad) ; WI 7, ;c6 (W) ; KL 1916, 
716 (W); D 986 (W); LE 18, 972; Cice- 
rone VIII, 191; BZ 38 [DBZ 1916, 149 
(A. Hoffmann); Kunst f. Alle 31, 315; 
Kunst und Handwerk 66, 206 (F. v. 
Ostini)]. Ft. Endres: G. H. 
§: Hoch, Franz Xaver, Landschaftsmaler, 
Schiiler v. Schonleber; Steindrucke; 
* Freiburg i. B. 25. V. 1869; B^- *• d- Vo- 
gesejj im Juni. — BB 23. VI.; D 684; 
M.-S. Nachtr. 139 (W); BZ 39 [Kunst f. 
Alle 31/32, 444J; 40 [Dtsch. Kunst u. 
Dekoration 40, 61—71 (K. Mayr)]. 
Hoehhaus, Heinrich, Dr. med., Geh. Med.- 
Rat, o. Prof. a. d. Akad. f. prakt. Medizin 
in Koln und Chefarzt d. Inn. Abt. am 
August-Hospital ;*Altkirchen 14.II.1g60; 
f Koln 26. X. — VZ 27. X. M.-A.; PBL 
753 (W); WI 7, 709 (W); DMW 1916, 
1360; L 52, 89; BZ 40 [MMW 64, 12I; 
42 [Alt-K61ner Kalender 1918, 85]. 
Hoesch, Hugo v., Kommerzienrat, Mitgl. d. 
1. sachs. Standekommission, Inh. der 
Zellulosen- u. Papierfabriken in Pirna 
u. Hiittenbesitzer in Konigstein ; * Diiren, 
Rheinld., 30. I. 1830; J Dresden 12. XI. 
— VZ 13. XI. A.-A.; WI 7, 717. 
Hofer, Bruno, Dr. med., o. Prof. f. Zoologie 
a. d. Univ. Miinchen, Vorst. d. Bayr. 
Biolog. Versuchsstation f. Fischerei, Bo- 
denseeforschungen uber Fischzucht, Mit- 
arbeiter Pettenkofers, Begr. u. Leiter d. 
staatl. teichwiss. Station in Wiedenbach 
(Oberbayern), Hrsg. d. Allg. dtsch. Fi- 
schereiztg.; \ Miinchen 7. VII. 54 Jahre 
alt. — BB 12. VII. ; VZ 10. VII. A.-A.; 
L 52, 90; BZ 39 [Fischerbote 19 16, 165 
(Buschkiel); Osterr.Fisch.-Ztg. 1916, 193 
(P) (Keresheimer) ; Gesundheitsingenieur 
39, 406 (Markus); Schweiz. Fisch.-Ztg. 
24, 178 (Surbeck)]. 
Hofmann, Karl, Dr. ing. h. c, Geh. Reg.- 
Rat, Leiter d. Papier-Zeitung ; * Karls- 
ruhe 2. II. 1836; f Berlin 18. VII. — W.: 
Prakt. Handb. d. Papierfabrikation. « — 
BB 20. VII.; VZ 19. VII. M.-A.; W 7 I 7, 
724; KL 1 916, 730; BZ 41 [Geschichtsbl. 
f. Technik, Ind. u. Gew. IV, 162 (G. 
Bugge)]. 
Hofrichter, Gust. Adolf, M. d. R., sozial- 
demokr. Parteisekretar ; * Danzig 14. X. 
1852; f Koln 14. X. — WI 7, 726; VZ 
14. X. A.-A.; WGK 32, V, 2, 744; BZ 42 
[Alt-K61ner Kalender 1918, 85]. 
Holder, Alfred Theophil, Dr. phil., Geh. Hof- 
rat, Direktor d. Groflherz. Bad. Hof- u. 
Landesbibliothek, verfaBte d. Handschr.- 
Katalog d. Bibl., besorgte Ausgaben v. 
Horaz, Tacitus, Herodot, Caesar; *Wien 
4. IV. 1840; jf Karlsruhe 11. I. — BB 15. 



I.; VZ 18. I. A.-A.; F 18. I. (Kluge) ; LE 
i8, 651; WI 7, 729 (W); KL 1916, 735 
(W); WGK 32, 4. Bd. 1. H., 216. 

HGbte-Schleiden, Wilhelm, Dr. jur., Kolo- 
nialpolitiker, Fuhrer d. dtsch. Theo- 
sophen, Hrg. d. Monatsschr. Sphinx, 
literar. Sanimelplatz d. okkultist. Be- 
strebungen; * Hamburg 20. X. 1846; 
f Gottingen Ende Mai. — BB 31. V.; 
WI 7, 745 (W) ; KL 1916, 756 (W) ; BZ 39 
[Psychische Studien 1916, 327 — 35 (L. 
Deinhard); Theoscphie 7, 234]; GZ 22, 
478. 

Jentsch, Hugo, Dr. phil.. Prof., Museums- 
direktor, vorgeschichtliche u. geschichtl. 
Forschungen liter d. Kiederlausitz; 

* Luckau 20. IX. 1840; "J* Guben 30. V. — 
BB 5. VI.; VZ 31. V. M.-A. u. 1. VI. 
M.-A.; WI 7. 777 (W) ; KL 1916, 789 
(W); BZ 39 [Dtsch. Geschichtsbl. 17, 195 
(Motefindt); Mannus, Zeitschr. f. Vor- 
gesch. VII, 375; Prahist. Zeitschr. VII, 
234 (A. Gotze)]; 40 [Keues Kiederlaus. 
Magazin 92, 238]; 41 [Niederlaus. Mitt. 
13, I — X]; 43 [Kiederlaus. Mitt. 14, 330 
(Karl Gander) (W)]; 44 [Heimatschutz i. 
Brandenburg IX, 1 54] ; 46 [Heimatschutz 
i. Brandenburg VIII, 154]. 

Ilfcerg, Friedrich v., Dr. wed., Generalarzt, 
Leibarzt Wilhelms II., seit 1904 Mitgl. d. 
wissensch. Senats d. Kaiser- Wilhelm - 
Akad., zuletzt Korpsarzt d. Gardekorps; 

* Krossen a. O. io. VIII. 1858; f Berlin 
8. VII. — VZ 9. VII. M.-A..; DMW 1916, 
860; WI 7, 756. 

Ilg, Alfred, seit 1878 Minister Kaiser Mene- 
liks II. von Abessinien, hatte urspriinglich 
Maschinenbau studiert; * Frauenfeld 
i.Thurgau 1854; f Zurich 6. 1. — VZ 7. 1. 
A.-A. ; B. 1 1 . 1. ; BN 9. 1. ; BZ 38 [Schweiz. 
Bauztg. 1 91 6 Nr. 3.; Technik u. Wirtsch. 
1916, 83 (E. Schiff : A. I. als Staatsmini- 
ster v. Abessinien) ; Zurcher Wochenschr. 
1916, 27 (Kollbrunner)J; 41 [Jahrb. der 
geogr.-enthnogr. Gesellsch., 16. Bericht 
X (E.Keller)]. 

Ilwof, Franz, Dr. phil., Historiker, Hof rat, 
Prof.; * Graz 4. IX. 1831; f das. Ende 
Mai.— BB 30. V.; VZ 27. V. M.-A.; WI 
7, 757 (W); KL 1916, 794 (W); BZ 48 
[Zeitschr. d. hist. Vereins Steiermark 17, 
357 — 66 (Reifienberger)]. 

gj Immelmann, Max, Flieger, Ritter des 
Ordens Pour le mirite\ * Dresden 21. IX. 
1890; abgestiirzt 18. VI. — VZ 21. VI. 
M.-A. u. A.-A. (autobiogr.) ; 27. VI. A.-A.; 
BZ 38 [Dtschld., Zeitschr. f. Heimatkde., 
V,2q81; 39[Osterr. Flugzeitschr. X, 175]; 
41 [Im Deutschen Reich 22, 86 — 92 (v. 
Ompteda)]; ZB 36, 352; DNN 22. VI.; 



360 



Totenliste 19 16: Jordan — Knobloch 



BZM 21. VI. (Goldfreund) ; HK 23. VI.; 
HN 24. VI.; LT 25. VI.; Fr. Frei: Unser 
Fliegerheld I., -j* 1916; R. Zolling: I., der 
Adler v. I,ille 1916; F. A. Weyer: I. u. 
Boelcke 1917. 

Jordan, Otto, Pastor, Bruder d. Dichters 
W. Jordan, Dichter u. Herausgeber von 
religiosen Schriften, lange Zeit Vorsteher 
d. Halleschen Diakonissenanstalt ; * Rag- 
nit i. Ostpr. 19. II. 1839; f Halle a. S. 
29. V. — BB 5. VI.; WI 7, 786 (W) ; BR 
III, 372 (W); KL 1916, 800 (W): BZ 39 
[Vierteljahrsschr. f. innere Mission 36, 
339 (Ulbrich)]. 

Irrgang, Bernhard, Prof. a. d. Hochschule 
f . Musik, bedeutender Organist. * Zduny, 
Prov. Posen, 23. VII. 1869; f Berlin 8. IV. 
VZ9.IV. M.-A.; WI7, 760; R 581; BZ39 
[Kirchl. Jahrbuch 43, 598]. 

Kamptz, Bernhard v., Oberverwalt.-Ge- 
richtsrat, Hrsg. d. Rechtsspriiche d. Ober- 
verw.-Gerichtsu. d. Rechtsspr. d. Reichs- 
ger. u. d. Kammerger. auf d. Gebiet d. 
offent. Rechts; f Berlin 11. IV., 69 Jahre 
alt. — VZ 14. IV. M.-A.; BZ 38 [Gesetz 
u. Recht 17, 360]; 39 [Pr. Verw.-Bl. u, 
465 (v. StrauB u. Torney). 

Kauffmann, Hugo, Genremaler, Schuler J. 
Beckers u. Zwergers in Diisseldorf u. 
Paris; * Hamburg 7. VIII. 1844; f Prien 
a. Chiemsee 2. I. — VZ 3. I. M.-A.; MS 
III, 313 (W); BZ 38 (Deutschland, Zeit- 
schr. f. Heimatkde 1916, 38 (R. Baum- 
gart); IZ 1916, Nr. 3785I. 

Kehr, Hans, Dr. med., Prof., bedeutender 
Chirurg, Werke iiber Gallensteinleiden; 
* Waltershausen 27. IV. 1862, f Berlin 
20. V. — BB 23. V.; VZ. 20. V.A.-A.; 
DMW 1916, 642; L 52, 81; PBL 847 
(W u. P) ; BZ 39 [MMW 63, 29 (E. Payr)]. 

Keil» Bruno, o. Prof. d. klass. Philologie a. 
d. Univ. Iyeipzig, Studien iiber griech. 
Prosa u. d. griech. Staats- und Rechts- 
leben. • Havelberg 8. VII. 1859; t Berlin 
Ende Marz. — VZ 30. III. M.-A.; WI 
7, 816; Kh 1916, 836; BZ 39 [Nachr. 
d. Ges. d. Wiss. z. Gdtt., Beiheft 1916, 
83 (Reitzenstein)] 40 [Ber. d. Ges. d. Wiss. 
in I^eipzig 68, H. 6, 1 * — 15 (Lipsius)]. 

Kellner, Hermann Camillo, Dr. phil., Stu- 
dienrat, Prof., L,iterarhistoriker, Goethe- 
forscher, Hauptgebiet: Sprache u. L,ite- 
ratur d. alten Indien, Hrsg. von Kali- 
dasas *Sakuntala«. * Dresden 8. XII., 
1839; f Zwickau 1. V. — BB 3. V.; VZ 
2. V.; WI 7, 821 (W); KL 1916, 843 
(W); I,E 18, nor; BZ 40 [Ecce d. Cru- 
cianer 191 6, 40]. 

* Kinau, Job., siehe Fock, Gorch. 

Klaatsch, Hermann, Dr. med., Anthropologe, 



a. o. Prof. d. Anthrop. a. d. Univ. Breslau, 
Forschungsreise nach Brasilien. * Berlin 
10. III. 1863; f Eisenach 7. I. W. D.: 
Der Werdegang der Menschheit u. d. Ent- 
stehung der Kultur. Hrsg. v. Dr. med. 
A. Heilborn. — BB 1916 Nr. 7; VZ 
8. 1. M.-A.; F 1 3. 1- (0. Hauser) ; BT 16. I. 
(W. Bolsche) ; WI 7. 842 (W) ; PBL 863 
(W); DMW 1 91 6, 52 u. 263 (Mollison) ; 
L 52, 35; GA 17. Sonderb. 17 (P), BZ 38 
[Korrespondenzbl. d. dtsch. Ges. f. An- 
thropol. 47, 1 ; »Die Umschau« 1916, 213 
(A. Heilborn) ; Naturwissenschaftliche 
Wochenschr. 31, 297 (H. Motefindt)] ; 
39 (Zentralblatt fur Mineralogie 19 16, 
353— -60 (Wegner); Mannus, Zeitschr. 
fiir Vorgesch. VII. 366 — 75 (Hahne) ; 
Prahistor. Zeitschr. VII, 241 — 46 (H. 
Seger)]; 40 [Ergebnisse d. Anatomie u. 
Entwicklungsgeschichte 191 5, IX — XX 
(Lustig)J; Heilborn in der Vorrede zu 
Klaatsch: Der Werdegang d. Menschheit. 
Klee, Gotthold, Dr. phil., Studienrat, Prof., 
Germanist, Verfasser u. Hrsg. zahlreicher 
lit. -hist. Schriften; * Dresden 17. V. 1850; 
f Neugrund b. Dresden Mitte Dezember. 
BB 16. XII.; WI 7, 843; KL 1916, 869 
(W); LE 19. 521 (W); BZ 40 [Zeitschr. 
f. d. dtsch. Unterricht 191 7, 177 (R. Nee- 
don)]; 41 [Mitt. f. d. Ges. d. Freunde W. 
Raabes VII, 68]; 42 [Ecce d. Crucianer 

1917. 41- 
Kleinhaus, Friedrich, Dr. med., o. Prof. f. 
Gynakologie a. d. dtsch. Univ. in Prag; 

* Merau 4. VI. 1864; f Prag 19. X. — VZ 
20 X. M.-A.; L. 52, 90; DMW 1916, 1424; 
BZ 39 [Zentralbl. f . Gynakologie 1916. 969 
(v. Franque) ; Monatsschr. f . Geburtshilfe 
u. Gynakologie 44, 519 — 25 (H. H. 
Schmid) ; WKW 29, 1 506 (H. H. Schmid) J ; 
41 [Gynakolog. Rundschau X, 363 (F. 
Schenk)]. 

Klindworth, Karl. Prof., Dirigentu. Pianist, 
Hrsg. d. Klavierausz. aus Wagners Opern 
u. d. Sonaten Beethovens u. Chopins, 
Mitbegr. d. Philharm. Konzerte in Berlin ; 

* Hannover 25. IX. 1830; f Stolpe bei 
Oranienburg 27. VII. — BB 31. VII.; 
VZ 29. VII. M.-A.; R 648; TR 28. VII. 
(A. Gottmann); FK 2. VIII.; TR 5. VIII. 
u. 26. VII. 17; HN 2. VIII. (A. v. Wilke) ; 
BZ 39 [Bayr. Bl. 39, 221 u. 23; Musik- 
padag. BL 1916, 213 (Stieglitz) ; AMZ 43, 
Nr. 32/33 (Lefimann); NMZ 37, 381 (W. 
Nagel); Sign, f . d. musik. Welt 1916, 53 1|. 

Knobloch, Alfred (Pseud. Benjamin Corda), 
M. d. H. p friiher Oberbiirgermeister von 
Bromberg. 1909 — 12 Dir. d. Hansabun- 
des;* Berlin 9. I. 1859; fdas. im Juni. — 
W. : Gliiserne Wiiude, Roman .— B B . 5 VI. ; 



Totenliste 1916: Knorr — Lachmann 



361 



VZ 3. VI.; LE 18, 1228; WI 7, 860; KL 
1916, 885 (W). 

Knorr, Iwan, Dir. d. Hochschen Konserv. 
in Frankfurt a. M., Komponist, Verf. e. 
Biographie Tschaikowskys ; * Mewe 
(Westpr.) 3. I. T853; f Frankfurt a. M. 
22. I.— BB 26. I.; F. 25.I. (B.Seekles); 
WI 7, 863 (W) ; R 652 ; BZ 38 [KW April 
1916, 72J. 

Kny, Leopold, Dr., Prof., Geh. Reg.-Rat, 
Griinder u. langj. Leiter d. Pflanzenphy- 
siol. Inst. d. Univ. Berlin, schriftstelle- 
risch tatig f. Pringsheims Jahrb. f. wiss. 
Botanik, in d. Sitz.-Ber. d. Ges. natur- 
forsch. Freunde in Berlin, in d. Ber. d. 
dtsch. Botan. Ges.; * Breslau 6. VII. 
1 841; f Berlin 26. VI.— BB 1. VII.; VZ 
28. VI. M.-A.; WI 7, 864 (W); KL 1916, 
889 (W); L $2, 74; BZ 40 [Sitz.-Ber. d. 
Ges. naturforsch. Freunde in Berlin 19 16, 
183—88 (Wittmack)J. 

Kobelt, Wilhelm, Dr. med.. Dr. phil. h. c.\ 
Professor, Naturforscher, Forderer der 
Heimatkunde, bis 1880 prakt. Arzt, dann 
Privatgelehrter, Reisen in Siideuropa u. 
Nordafrika, griindete ein Heimatmuseum 
in Schwanheim; * Alsfeld i. Oberhessen 
20. II. 1840; •(• Schwanheim b. Frkf. a. M. 
26. Ill— BB 29. III.; VZ 27. III. A.-A.; 
F. 28. III. (E. Schwarz) ; WI 7, 865 (W) ; 
KL 1916, 890; DMW 428, LE i8 f 972; 
L 52, 8 1 ; BZ 38 [Gemeinniitz. Bl. f . Hessen 
u. Nassau 1916, 97 — 117; Nassovia, Zeit- 
schr. f. Nass. Gesch. 17, 62 (J. Brumm)];. 
38 u. 40 [Nachrichtenbl. d. dtsch. zoolog. 
Ges. 48, 2. H. (W. Wenz)]; 42 [Jahrb. d. 
nass. Ver. f . Naturk. 69, XXVIII— XLIII 
(L. Doeger)]; GZ 22, 229; GA 17, Sonderb. 
21 (P). 

Koch v. Berneck, Maximilian, Reiseschrift- 
steller, nahin 1848 am schlesw. -hoist. 
Freiheitskrieg teil, Reisen d. alle Welt- 
teile; * Dresden 12. X. 1827; jf Munchen 
Mitte Februar. — BB 19. II.; VZ 17. II. 
A.-A.; LE 18, 842; KL 1916, 895 (W). 

Koller, George v., Wirkl. Geh. Rat r friiher 
langjahriger President d. Abg.-Hauses, 
1866 — 1903 M. d. A., Ritter d Schw. 
Adlerordens; * Jasenitz b. Stettin 17. II. 
1S23; f Kantreck 11. III. — VZ 13. III. 
A.-A.; WI 7, 873. 

Kdnigsbrunn-Schaup, Franz v., Theater- 
schriftsteller u. Dichter, Romane, Ge- 
dichte; * Cilli (Osterr.) 22. II. 1857; 
f Leipzig 6. II. — BB 9. II.; VZ 7. II. 
A.-A.; LE i8 p 780; Kl. 1916, 910 (W). 

Koppen, Max, Dr. tned., a.o. Prof. f. Psych- 
iatrie a. d. Univ. Berlin; * Dortmund 
13. II. 1859; f Berlin 15. II. — BB 
17. II.; VZ 16. II. M.-A.; PBL 889 (W); 



DMW 1916, 232; BZ ^8 [Monatsschr. f. 
Psychiatrie u. Neurologie 39, 258). 
Kremnitz, Mite. geb. v. Bardeleben, Schrift- 
stellerin, Tochter d. Chir., Prof. v. B. f 
verheiratet mit d. Arzt d. ruman. Konigs- 
familie; Romane, Novellen, Skizzen; 

* Greifswald 23. XII. 18^:2; f Berlin- 
Wilmersdorf 18. VII. — BB 21. VII.; VZ 
20. VII. M.-A.; N 4. I- (H. Kienzl.) ; LE 
18, 1419; WI 7, 908 (W); Kl 1916, 934 
(W); PY I, 455 (W); BR IV, 108/9 (W). 

Krone, Hermann, Dr. ing. h. c. t Prof., Hof- 
rat 1870 — 1907 Dozent f. Photogr. a. d. 
Techn. Hochschule i. Dresden, Vors. d. 
photogr. Sachverstandigenvereins, regte 
1852 die Griindung eines Lehrstuhles f. 
wiss. Photogr. an d. dstch. Hochschulen 
an, griindete 1863 die Zeitschr. Helios, 
fachwiss. Werke; seit 1899 auch Dich- 
tungen; * Breslau 14. IX. 1827; f Laube- 
gast b. Dresden 27. IX. — BB 4. X.; VZ 
V X. A.-A.; L 52, 90; WGK 1916, 527; 
WI 7, 916 (W); KL 1916, 944 (W) ; PF 
IV, i, 806 (W); BR IV, 118 (W Dich- 
tungen); BZ 39 [Chronik d. Wiener 
Goethe- Vereins 29, 329 (O. Klos)]. 

Krtiger,Friedr.Joach.Chr.,Astrophysiologe, 
Dir. d. Observat. in Aarhus i. Danem., 
Erfinder d. Fernrohrreflektors, setzte d. 
Arbeiten d. J esuiten paters Angelo Sechi 
fort; * Dassow i. Meckl. 22. XII. 1864; 
•J- Aarhus i. Danem. 6. I. — BB 11. I.; 
L 52, 82; WI 7, 919; Astronom. Nachr. 
202 (F. Stromgren). 

Kurella, Hans, Dr. tned., Schriftsteller, Red. 
d. Zentralbl. f. Nervenheilkde. u. Psych- 
iatrie, Griinder d. Bibl. f . Sozialwiss. u. d. 
Zeitschr. f. Elek brother apie u. arztliche 
Elektrotechnik, sozialpolitische Schriften, 
t)bers. v. Lombrosos Hauptwerken; 

* Mainz 20. II. 1858; f Dresden 25. X. — 
BB 28. X.; VZ 26. X. A.-A.; WI7, 938 
(W); KL 1916, 964 (W); LE 19, 320; 
PBL931 (W); DMW 1916, 1360; BZ39 
[Zeitschr. f. angew. Psychologie XII, 171 
(W. Stern)]. 

Kuttner, Georg, Dr. jur., seit 19 14 o. Prof, 
f . ZivilprozeB u. biirgerl. Recht in Frank- 
furt a. M. f bis 1900 im Justizdienst; * El- 
berfeld 26. VI. 1877; f Berlin 6. IX. — 
VZ 7. IX. A.-A.; F. 23. IX. (H. Plautz) ; 
DJZ 1916, 970 (Goldschmidt) (W) ; BZ 39 
[Frankf. Univ.-Ztg. Ill, 31 (E. Delaquis)l. 

gi Lachmann, Richard, Dr. phiL, Privatdoz. 
f. Geologie a. d/Univ. Breslau, Arbeiten 
liber alpine Geologie, Erzlagerstatten- 
lehre, Vulkanismus; * Hamburg 23. II. 
1885; gef. im Osten. — BB 11. X.; L 52, 
79; BZ 40 [D. Naturwissenschaften V, 
257 (F. Freeh)]. 



362 



Totenliste 191 6: Lang — Loiterer 



Lang, Eduard, Dr. med., Hofrat, o. Prof. d. 
Dermatologie in Wien; * Clacsau 1841; 
f Wien 10. VII. — W.: Pathologie und 
Therapie d. Syphilis; BB 15. VII.; VZ 
1 1 . VII. A.-A. ; NFP 1 1 . VII. (G. Nobl.) ; 
PBL952 (W); KL. 1916, 975; L 52, 74 
(W); DMW 1916, 888; BZ 39 [Archiv f. 
Dermat. u. Syph. 122, Ref. 876 (L. 
Spitzer) ; Wien. klin. Wochenschr. 29, 926 
(Noll) ; WMW 66, Nr. 30; Dermatol. Zeit- 
schr. 23, 575 (L. Spitzer) ; AUgem. Ztg. d. 
Judentums 1916, 556 (H. Teleky)]. 

Lange, Karl Wilhelm Franz, Geh^Oberbau- 
rat a. D. t unter seiner Oberleitung wurde 
1000 die grofle Rheinregulierung voll- 
endet, Hafenbauten in Wesel, Ruhrort, 
Miilheini, Oberwinter, Oberwesel; "j" Kas- 
sel im Dezember, 86 Jahre alt. — VZ 19 
XII. A.-A.; BZ 40 [Zeitschr. d. Verb, 
dtsch. Arch. u. Ingenieuryereine 6, 47 
(B. Reuter); Zeitschr. d. Verb, dtsch. 
Diplomingenieure 191 7 ; ZB 37, 13 (Ung.)]. 

Lmppenberg, F. A., Dr.jur., Senator, Mitgl. 
d. hdchsten hanseat. Gerichtshofs, Mitgl. 
d. Kommission f. d. Reichs- u. ausw. An- 
gelegenh., Vertreter d. Hamb. Bevollm. 
z. Bundesrat; * Hamburg 9. VI. 1836, 
f das. 29. VI. — VZ 30. VI. M.-A.; HN 
30. VI. 

Leonhard, Richard, Dr. phil. t Prof., Privat- 
dozent d. Geogr. a. d. Univ. Breslau, Er- 
forschung der antiken Denkm. Vorder- 
asiens;* 25. VII. 1870; j* Breslau 15. V. — 
UK, WS 16/17; BB 22. V.; VZ 19. V. 
A.-A.; L 52, 47; BZ 40 [Orient. Lit.- 
Ztg. 20, 97 — 102 (E. Brandenburg)]; GZ 
22, 346; GA 17, Sonderbl. 28 (P). 

Leser, Edmund, Dr. med.. Prof., Geh. Sani- 
tatsrat, fruher klin. Assistent d. Chirurgen 
Volkmann; * Miinster i. W. 1. V. 1853; 
f Frankfurt a. M. 9. XII. — W.: Lehr- 
buch d. allgem. Chirurgie. Lehrbuch d. 
spez. Chirurgie; BB 14. XII.; AVI 7. 
988; DMW 1916, 1588; KL 1916, 1009 
(W);PBL922 (W). 

# Leskien, August, Dr. phil. t Prof., Geh. Hof- 
rat, Dir. d. Indogerm. Inst. d. Univ. 
Leipzig, Arbeiten auf d. Gebiet d. slawi- 
schen Philologie; * Kiel 8. VII. 1840; 
f Leipzig 20. IX. — BB 22. IX.; VZ 21. 
IX. M.-A.; WI 7, 988 (W); KL 1916, 
1010 (W); LE 19, 195; BZ 40 [Ber. der 
sachs. Ges. d. Wiss. z. Leipzig 68, 6. H.; 
XVI— XXX (Brugmann) ; Carniola, Zeit- 
schr. f. Heimatkde. L'aibach, N. L. VII, 
281 ; Indogerm. Jahrb. IV, 250 (Sievers); 
DieHeimat, Kiel 1916, 57 — 61 (Enking)]; 
41 [Almanach d. Akad. d. Wiss. Wien 67, 
481 — 99 (v. Jagi)); 42 [Archiv f. slaw. 
Phil. 37, 270—80 (v. Jagie)]; 43 [Jahrb. 



d. Kgl. Bayr. Akad. d. Wiss. 1917, 15 ff, 
(W. v. Streitberg)]. BJI, S. 230— 233. 
Ltubusoher, Georg, Dr. med., Prof. Geh. 
Med.- u. Reg. -Rat, verdient u. d. Schul- 
hygiene u. d. Einstellung v. Schularzten. 
Schriften zur Schulgesundheitspflege, 
Forschungen iiber Magen- u. Darmkrank- 
heiten; * Meiningen 20. IX. 1858; f das. 

28. II. — BB 2. III.; VZ 29. II. A.-A.; 
PBL 996 (W); DMW 1916, 296; BZ 38 
[Korrespondenzbl. d, allg. arztl. Vereins 
v. Thiiringen 45, 71; Zeitschr. f. Schul- 
gesundheitspflege 29, 153 — 60 (Obbecke) ; 
39 [Zeitschr. f. Kinderforschung 21, 331 
bis 336 (F. Adam)]. 

Liebeskind, Joseph, Komponist, Forscher u. 
Sammler, Direktor des Leipz. Konser- 
vatoriums, Sinfonien, Chorwerke, Streich- 
quartett, Lieder, Hrsg. d. Meisterwerke 
von Gluck u. Haydn; * Leipzig 22. IV.; 
f das. 10. VIII. — VZ n. VIII. A.-A.; 
R737; BZ 39 [Neue Zeitschr. f. Musik 83, 
261 (F. Brandes)l. 

Liman, Paul, Schriftsteller, Mitarbeiter der 
Leipz. Neuest. Nachr., zuerst Leiter einer 
deutschen Ausl.-Schule, spater pol. Schrift- 
steller; * Schneidemiihl 8. II. i860; 
j* Berlin 28. I. — W. : Bismarck nach sein. 
Entlassung; Der Kaiser; Die Hohenzol- 
lern. — VZ. 29 I.; M.-A.; LNN 30. 1.; LV 

29. I.; BB 31. I.; WI 7, 1005; KL 1916, 
io23(W);LEi8,7i5;BZ38[Akad.B1.3i, 
18 (P. Ilgen) ; Unser Pommerland 3, 227]. 

Llngner, Karl August, Dr. med. h. c> Wirkl. 
Geh. Rat, GroBindustrieller, auskleinsten 
Anf angen herrschende Stellung innerhalb 
d.Dresdnerchem. Industrie, 191 1 Hygiene- 
ausstellung in Dresden auf seine Ver- 
anlassung; * Magdeburg 21. XII. 1861 ; 
fLoschwitz«;.VI. — BB7.VI.U. 10. VI. 
(K. E. Weifle) ; VZ 6. VI. M.-A. u. 7. VI. 
A.-A. (C. Hoffmann); F 10. VI.; DNN 
7. VI.; DA 10. VI. u. 28. XII.; WI 7, 
ion; DMW 1916, 736; BZ 38 [Schau- 
biihne 1916, 597 (K. E. Weifie)]; 39 [Arch, 
f. soziale Hygiene XI, 459 (E. Roesler)); 
Gesch.-Bl. f. Techn., Ind. u. Gew. Ill, 
Beibl. 189; Zeitschr. f. Sauglingsschutz 
VIII, 465 (E. Dietrich)]; 45 [Dresdner 
Kalend. 1920, 179 — 86 (W. Blanck)]. 

Loeb, Walter, Dr. phil.. Prof., Vorsteher d. 
chem. Abt. am Virchow-Krankenhaus in 
Berlin, Arbeiten iiber Elektrochemie u. 
Biochemie; * Elberfeld 10. V. 1872; 
f Berlin 3. II. — BB 7. II.; VZ 5. II. 
M.-A.; WI 7, 1020 (W); DMW 1916, 172. 

# Lotterer/Wilhelm v., Generalmajor, Kom- 
mandeur e. Feldartilleriebrig. ; * Eningen 
15. II. 18^7; gef. 4. III. — WN 1916, 25 
bis 29 (v. Muff); SMS. X.; WJ 1916, IV. 



Totenliste 1916: Liihe — MeB 



363 



tgiLuhe, Max, Dr. med. t Prof. a. d. Univ. K6- 
nigsberg, Arbeiten iiber tierische Para- 
siten u. d. Fauna Ostpreuflens; * Au- 
gustenburg auf Alsen 3. IV. 1870; f Feld- 
laz. Osten 3. V. — BB 10. V.; VZ 6. V. 
M.-A. u. 9. V. M.-A.; L. 52. 71; BZ 39 
[Zeitschr. f. angew. Entomologie III, 362 
(R. Escherich)]. 

Luerssen, Christian, Dr. ra^.,Geh.Reg.-Rat, 
friiher o. Prof. d. Botanik a. d. Univ. K6- 
nigsberg; * Bremen 6. V. 1843; f Berlin- 
Charlottenburg 30. VI. — W. : Gnindziige 
d.Botanik.-BB5.VII.;VZi.VII.A.-A.; 
WI7, 1041 (W);L 52,82; BZ41 iBer. d. 
bayr. botan. Ges. 16, 13 (Toepffer)]. 

♦Mach, Ernst, Dr. phil., Physiker, Prof. f. 
Gesch. u. Theorie d. deduktiven Wiss. in 
Wien, 1901 Mitgl. d. osterr. H.; grund- 
legende Werke auf d. Gebiet d. Physik. 
*Turasi.Mahren 18. II. 1838; f Haar bei 
Miinchen 19. II. — BB 24. II.; VZ 23. II. 
M.-A.; 27. II. (Salinger); 26. III.; F. 24. 1. 
(H. Henning); K 28. II. Knipp) ; NFP 
22. u. 23. II.; 2. u. 22. III. — WI 7, 1053 
(W); KL 1916. 1069 (W); PF IV, 2, 937 
( W) ; DMW 42, 456 (Boruttau) ; Neue Ost. 
Biogr. 1, 93 — 102 (A. Lampa); BZ 38 
[Chem.-Ztg. 40, 61/62 (A. Lampa); Zeit- 
schr. f. math. Unterr. 49, 96 (Brief: Th. 
Habler) ; OR 46, 220 (W. Jerusalem) ; KW 
Marz 1916, 232; Wien. klin. Wochenschr. 
29, 394 (Kreidl); Naturwiss. Wochen- 
schr. 31, 337—43 (Baege); Physik. Zeit- 
schr. 17, 101 (Einstein), Zukunft 38, 321 
bis 329; Internat. Rundschau (Jeru- 
salem); Die Naturwissenschaften 4, 14 
(F. Auerbach)]; 39 [Die Aktion 1916, 430 
(W. Fred) ; Arch, f . Gesch. d. Phil. 29/30, 
321 — 28 (H. Gomperz); Die neue Zeit 35 
Nr. 5 (F. Adler)]; 40 [Almanach d. Akad. 
d. Wiss. Wien 66, 328; Der Bibliothekar 
9, Nr. 5 (W) (Baege)]; 41 [Sitz.-Ber. 11. 
Abhdl. d. naturwiss. Ges. »Isis« 19 16, 45 
bis 54 (G. Helm)]; 43 [Jahrb. d. Kgl. 
Bayr. Akad.d. Wiss. 191 7, 58 ff. (A.Som- 
merfeld)]; 44 [Unterrichtsbl. f. Mathe- 
matiku. Naturwiss. 22,41; [Donauland, 
111. Monatsschr. II, 1209 — 13 (V. Kraft)); 
Dr. HansHenning: E.M., Prag 1908 (W;) 
Dr. Hans Henning: E. M. als Philosoph, 
Physiker u. Psycholog, Leipzig 191 5 (W). 
BJI, S. 233— 37. 

Mahler, Arthur, Dr . phil., Dozent f . Archaol. 
u. Kunstgesch. a. d. Univ. Prag, spater 
a. amerik. archaol. Inst, in Rom, Reichs- 
ratsabg., in den letzten Jahren journalist. 
Tatigkeit f. d. Pester Lloyd, kunsthist. 
Arbeiten, Die Juden u. d. Freiheit der 
W T issensch. ; * Prag 1 . VIII. 187 1 ; f Wien 
Anf. Mai. — BB 10. V.; VZ 5. V. A.-A.; 



D 1000 (W) KL 1916, 1073 (W); PL n. 
V. (H. Liebstoede) ; LE 18, 1 162. 

igj Marc, Franz, expression istisch. Maler ; gef . 
2. III., 34 Jahre alt. — VZ 8. III. A.-A. 
(A.Mayer); 9. XI. M.-A. (F.Servaes, Ged.- 
Ausst.); F 16. IX. (Edschmid); MNN 18. 
IX.; VZ 9. X. (Servaes); RWZ 11. XI. 
(H. Brandenburg); F 8. VII. 1917 (H. 
Schilling; Cicerone VIII, 147 (Liibbecke); 
BZ 38 [Kunstf. Alle 31, 316; Neue Rund- 
schau 1916, 564 (Th. Daubler)] ; 39 [Kchr. 
N. F. 28, 57 (Glaser); Kunst u. Dekor. 
38/39, 159 — 67 (Hildebrandt) ; Zeitschr. 
f. bildende Kunst 51, 255 — 62 (E. Benk- 
hard); KW Nov. 1916, 149 (W. Mahr- 
holz)] ; 43 [DasKunstblatt 1918, 72 ff. (W. 
Bombe)]. 

Marchet, Gustav, Dr. jur., Geh.-Rat, Exz., 
1906 k. k. Unterr.-Minister, Mitgl. d. ost. 
H. u. A. Prof. f. landwirtsch. Recht u. 
Nationalokonomie; * Baden b. W T ien 
29. V. 1846; f Schlackenwerth i. Bohmen 

27. IV. — VZ 30. IV. M.-A.; NFP 28. u. 
29. IV.; WI 7, 1067; KL 1916, 1082; BZ 
38 [Zeitschr. f. Reform d. hoh. Schulen 

28, 18 (J. Ziehen); Tierarztl. Zentralbl. 
Wien 39, 1 34 ; Osterr. Forst- u J agdztg 34, 
Nr. 18/19 (O. v. Giesl: M.s letzte Stun- 
den) ; Wiener landw. Ztg. 19 16, Nr. 36/37 ; 
OR 47, 169 (W. v. Medinger)]; 39 [(Allg. 
Forst- u. Jagdztg. 2, 202 (E. Bohmerle); 
Zentralbl. f. d. ges. Forstwesen 42, 141 
bis 144 (v. Bauer)]. 

* Merton, Wilhelm, Dr. phil., Dr. ing. h. c, 
Frankf. Groflindustrieller u. Sozialpoli- 
tiker, griindete 1881 in Frankfurt d. Me- 
tallgesellschaft, der er eine eigene wissen- 
schaftl. Abt., »Das Inform ationsbureau « 
angliederte, auf s. Anregung u. mit s. Bei- 
hilfe entstand die Akad. f. Sozial-u. Han- 
delswiss., Griinder d. Soz. Museums in 
Frankfurt ; hatte starken EinfluC auf die 
wirtsch. Kriegsfiihrung, mit JastrowHrsg. 
d. Zeitschr. »Die soziale Praxis «. * Frank- 
furt a. M. 14. V. 1848; f Berlin 15. XII.— 
VZ 17. XII. M.-A.; F. 30. XII. (Ziehen); 
WI 7, 1108; Zeitschr. d. Ver. dtsch. Ing. 
60, 1088; BZ 39 [Frankf. Univ.-Ztg. Ill, 
4X1; 40 [Frankf. Univ.-Ztg. Ill, Nr. 9 
(Ziehen) ; Concordia, Zeitschr. f . Arbeit.- 
Wohlfahrtseinr. 24, 109 (Bauerle) ; Metall 
u. Erz 14, N. F. V., 17 — 21 (Bosenick); 
Soziale Praxis 26, 329 u. 349 (Ph. Stein) ; 
Zeitschr. d. Verb, dtsch. Dipl.-Ing. 8, 8 
(Lang)]; 43 [IZ 191 7, Nr. 3837; Zentralbl. 
f . Gewerbehygiene 5, 1] ; W. M. z. Gedacht- 
nis, Reden b. d. Ged.-Feier d. Stadt Fr. 
a. M. am 2. I. 1917 (P) (Voigt u. Stein). 
BJI, S. 237— 240. 

MeB, Adolf v., Dr. phiL, a.o. Prof. d. klass. 



364 



Totenliste 19 16: Metzger — NeiBer 



Philologie in Tiibingen, 1899 — 1904 Assi- 
stent am Thesaurus linguae latinae in 
Miinchen; * Tschernigow i. RuBl. 1875; 
f Braunschweig 17. III. — VZ 18. III. 
A. -A. 

gi Metzger, Wilhelm, Dr. phil., Privatdozent 
in Leipzig; * Schweinfurt 6. XII. 1879; 
f Wiirzburg 20. IV. im Lazarett. — W.: 
Die Epochen d. Schellingschen Philo- 
sophic v. 1795— 1802; BB 27. IV.; VZ 
28. IV.; BZ 40 [Kantstudien 21, 469 (F. 
Bergmann)]. 

Meurer, Moritz, Prof., Maler, errichtete 189 1 
in Rom eine Lehrwerkstatt der Pflanzen- 
ornamentik; * Waldenburg i. Sa. 9. IV. 
1839; f Dresden 3. XI. — W.: Vgl. For- 
inenlehre d. Ornamentik u. d. Pflanzen; 
BB 7. XI. ; VZ 4- XI. M.-A. ; D 773 ; WI 7, 
1 1 1 1 ; BZ 39 [DBZ 1916, 485 u. 490 (A. 
Hof mann) ] . 

Meusel, Heinrich, Dr. phil., Geh. Reg.-Rat, 
Prof., Dir. d. Kolner Gymn.; * Zahna b. 
Wittenberg 18. II. 1844; f Berlin im Juni. 
— W.: Casar-Ausgabe u. Casar-Lexikon; 
BB 15. VI.; WI 7, 1112 (W); KL 1916, 
1129 (W). 

Meyer, Bruno, Verlagsbuchhandler, Inh. d. 
Firma iH. Hartung & Sohn« in Rudol- 
stadt, Schriftsteller a. d. Geb. d. Vege- 
tarismus, kritisches Verz. d. Literatur d. 
Veget; * in Ostpreuflen 6. VI. 1831; 
f Rudolstadt 23. IV.— BB 28 IV.; BZ 39 
(Vegetar. Warte 49, 177 (H. Meyer)]. 

Meyer, Ernst v., Dr. phil., Prof. d. organ. 
Chemie a. d. Techn. Hochschule in Dres- 
den, Hrsg. d. Journals f. prakt. Chemie; 
* Kassel 25. VIII. 1847; f Dresden n. 
IV. — W.rGesch. d. Chemie 1889; BB 13. 
IV.; VZ 15. IV. M.-A.; L 52,43 (W) ; WI 
7, 1 1 15; PF IV, 2, 997 (W); BZ 38 [Che- 
mikerztg. 40, 66 (R. v. Walther) ; Zeitschr. 
f. angew. Chemie. 29, 189 (W. Hempel)]; 
40 [Journal f. prakt. Chemie N. F. 95, 
1—36 (E. Mohr); Mitt. z. Gesch. d. Med. 
u. Naturwiss. XV, 277 — 81 (Henrich)]. 

Michaelis, August, Dr. phil., Geh. Hofrat, 
seit 1890 o. Prof. d. Chemie a. d. Univ. 
Rostock. Direktor d. chem. Inst., 1906 
Rektor, Entdecker des Phosphors in 
Arsenverbindungen; * Bierbergen i. Han- 
nover 26. XII. 1847; t Rostock 1. II. — 
VZ 2. II. M.-A.; WI 7, 1123; PF IV, 2, 
1006 (W). 

Mohrbutter, Alfred, Professor, zuerst Kunst- 
gewerbler, dann Maler, Buch iib. kiinstler. 
Frauenkleidung; * Altona 10. XII. 1867; 
f Neubabelsberg b. Berlin 20 V. — BB 
2;. V.; VZ 22. V. A.-A.; 23. V. M.-A.; 
WI 7, 1 1 38; D780 (W); MSNachtr. 11 
(W). 



Moltke, Hellmuth Graf, Gcneraloberst, Rit- 
ter d. Schw. Adlerord., Exz., 1906 Chef 
d. Generalstabs, General d. Infanterie; 
* Gersdorf, Meckl.-Schw., 23. V. 1848; 
f Berlin 18. VI. — VZ 19. VI. M.-A. 
(Salzmann) ; WI 7. 1 141 ; BZ 39 (Daheim 
1916 Nr. 40; NS 21, 339 (F. Seehus); OR 
49, 164—72]; MW 1917, 1. 2541/2. 

Moser, Julius, Prof., Bildhauer; * Berlin 
14. VI. 1832; f Steglitz 16. I. — W.: 
Sitzende Gestalt v. W. v. Siemens auf d. 
Potsd. Briicke, Fischereigruppe auf d. 
Belle- Alliance-Briicke, Chamisso - Biiste 
auf d.Monbijouplatz; BB 19. 1.; VZ 17. 1. 
M.-A.; WI7, 1 148; MS III, 254; D 782. 

MQller-Lyer Franz, Dr. med. t Leiter des 
dtsch. Monistenbundes, psycholog. und 
sozialer Forscher, Arbeiten in diesen bei- 
den Gebieten ; * Baden-Baden 5. II. 1857; 
f Miinchen 29. X. — W. : Der Sinn d. Le- 
bens u. d. Wissenschaf t ; Phasen d. Liebe; 
Soziologie d. Leiden; BB. 3. XL; VZ 
1 . XL ; V 9. XL (M. H. Baege) ; DA 5 . XL 
(W) ; 26. XL ; WI 7, 1 163 (W) ; KL 1916, 
n86(W);LE 18, 320; DMW 1916, 1392; 
BZ 39 [Ethische Kultur 1916, 181 (L- 
Fraenkel) ; Padagog. Reform 40, 309 
(Baege); Das freie Wort 16, 417 — 23 (H. 
Bohlen); Schweiz. Lehrerztg. 1916, 429; 
40 [Archiv f. Gesch. und Philos. 30, 95 
(W. Borner) ; Die neue Generation XII. 
345; Frankfurter Univ.-Ztg. Ill, Nr. 11 
(Baege); Das freie Wort 16, 456 — 61 (H. 
Bohlen)]; 43 [Monist. Taschenkalender 
1918, 76 ff. (M. L.u. A. Vierkandt)]. 

*MUnsterberg,Hugo, Dr. phil. u. med. t Prof., 
Psychologe, Mitgl. d. Akad. d. Wiss. in 
Washington, kam 1892 als Gast an die 
Harvard-Univ., 1897 °- Prof. das. u. Dir. 
d. psychol. Labor at., mehrere psycholog. 
Werke; * Danzig 1. VI. 1863; f Cam- 
bridge (Massachusetts) 16. XII. — BB 
19. XII.; VZ 18. XII. A.-A., 28. XII. 
A.-A. (W. Stern); TR 19. XII. (H. 
Kulsch); F. 3—4, I. (v. Richert) ; WI 7, 
1 T65 (W) ; KL 1916, 1 189 (W) ; LE 18. 521 
(W) ; BZ 39 [Zeitschr. d. Ver. dtsch. Ing. 
6i f 20]; 40 [Zeitschr. f. angew. Psycho- 
logie XII, 341 — 46 (Piorkowsky)]; 41 
[Neudeutschl. Frauen 1917, 6 — 11 (Phi- 
lipp); Zeitschr. f. padagog. Psychol. 18, 
54—57 (W. Stan)); 42 [Zeitschr. f. 
Asthetik XII, 236 (M. Dessoir, Th. 
Ziehen)]. BJI, S. 240 — 242. 

NeiBer, Albert, Dr. med. t Geh. Reg.-Rat, 
Prof. d. Dermatologie a. d. Univ. Breslau, 
Entdecker d. Gonokokkus u. d. Lcpra- 
Bazillus, Forschungsreisen nach Java, 
Batavia, Spanien u. Norwegen, Grunder 
d. Ges. z. Bek. d. Geschlechtskrankheiten, 



Totenliste 19 16: Niedner — Peters ilie 



365 



Griinder u. Hrsg. d. Stereoskop. Mediz. 
Atlas, Lehrbuch d. Hautkrankheiten ; 
* Schweidnitz 22. I. 1855; jf Breslau 30. 
VII.— BB 3. VIII.; VZ 31. VII. A.-A.; 
F 3. VIII.; BT 7. VIII. (Wassermann) ; 
NFP 1. VIII. (Ehrmann); WI 7, 1 180 
(W); KL 1916, 1204; PBL 1193 (W 
und P); L 52, 54; DMW 1916, 984; 
BZ 39 [Auf Vorposten 4, 54 — 58; Mitt, 
der dtsch. Ges. z. Bek. d. Geschiechts- 
krankh. 14, 77 — 83 (Blaschko); Dermatol. 
Wochenschr. 62, 879 — 86 (A. Buschke); 
Die Naturwissenschaften 4, Nr. 41 
(Bruck); BKW 53 Nr. 33 (E. lesser); 
Wien. klin. Wochenschr. 29, 1023 (Nobl) ; 
MMW 63, Nr. 33 (Zumbusch) ; Militararzt 
50, Nr. 33 (Ehrmann); Zeitschr. f. arztl. 
Fortbildung 1916, 519 — 21 , 545 — 47 (Le- 
dermann); Dermatolog. Zeitschr. 53, 570 
bis 575 (Hernheimer) ; IZ 1916, Nr. 3816 
(J. Marcuse)J. 

& Niedner, Franz, Dr. ing., o. Prof. d. Ing.- 
Wissensch. a. d. Techn. Hochschule in 
Darmstadt, Stadtbaurat a. D. f Oberleutn. 
u. Komp.-Fiihrer; * Dresden 4. I. 1876; 
gef. 20. X. — VZ 1. XI. A.-A.; L 52, 79; 
ZB 36, 603 (Wegele); BZ 40 [Ecce d. 
Crucianer 19 14, 16, 2 J. 

Obernddrffer, Ernst, Dr. med., Stabsarzt. 
mehrere Jahre Mitred, d. DMW, Neube- 
arb. v. Roths klin. Terminologie ; -j* Bagdad 
12. III.— BB 18. III.; BZ 38 [DMW 42, 
363 (Schwalbe); MMW 63, 580 (Obern- 
dorfer)). 

Obklrcher, Rudolf, Dr. jur., Landger.-Dir. 
M. d. R., Fiihrer d. bad. nationallib. Land- 
tagsfrakt.; * Freiburg i. B. 18. IV. 1859; 
f Karlsruhe 3. IV. — VZ 4. IV. M.-A.; 
BL4.IV.; Wl7,i2o8; BZ38[Bad.Rechts- 
praxis 1916, 62]. 

Oertel, Georg, Dr. phil., Schriftsteller und 
Dichter, urspr. Gymn.-Lehrer, M. d. R., 
1898 — 1903 u. seit 191 2, Chefred. d. 
Dtsch. Tagesztg., polit. Schriften, Erz., 
Gedichte; * Gr.-D61zig b. Leipzig 27. III. 
1856; f Spechthausen b. Tharandt 23. 
VII. — BB 26. VII.; VZ 24. VII.; T 26. 
VII. (Nordhausen) ; DT 24. VII.; 28-/29. 
VII.; DN 28. VII.; WI 7, 1212 (W); BZ 
39 [Ecce d. Kgl. Landessch, in MeiBen 
21, 75 (K. Oertel); Konserv. Monatsschr. 
74, 878 (v. Westarp); IZ 1916, Nr. 3814]. 

Oesterlen, Theodor v., Dr. phil. h. c, Ober- 
studienrat, Rektor am Eberhard-Ludw.- 
Gymn. in Stuttgart, 1900 a. D.; * Kirch- 
heimu.T. 22.XI. 1827; f Stuttgart i.III. 
— W. : Studien zu Virgil u. Horaz; Komik 
n. Humor b. Horaz; WJ 19 16, IV; WN 
1916, 189; SM 2, III. 

Ohlenschlager, Friedrich, J Dr./>A*7. h. c, Ober- 



studienrat, Gymn.-Dir. a. D., Mitgl. der 
bayr. Akad. d. Wiss., Arbeiten iiber die 
prahistor. u. rom. Zeit in Bayern; * Nie- 
dernberg, Unterfranken 2. VIII. 1840; 
f Munchen 14. XII.— BB 19. XII.; WI 7, 
1215 (W); KL 1916, 1238 (W); BZ 42 
[Mitt. d. Ges. £. Salzburg. Landesk. 57, 
271]. 
§iOhr,W r ilhelm, J D>'. phil., Privatdoz. f. Ge- 
schichte a. d. Univ. Frankfurt, Mitbegr. 
d. Nationalvereinsf.d.lib.Dtschld., Hrsg. 
d. wiirtt. Landtagsakten ; * Wien 23. IX. 
1877; gef. a. d. Somme 23. VII. — BB 

I. VIII.; WN 1916, 193; WI 7, i2i6(W); 
KL 1916, 1240 (W) ; BZ 39 [Frankf. Univ. 
Ztg. Ill, (Horneffer); Akad. Rundschau 
Leipzig IV, 484 (Ssymank)]; 41 [Frankf. 
Univ.-Ztg. Ill, 33 (R. Hiilsenbeck)]; 43 
[Die Hilfe 1918, 413 (W. Cohnstaedt)]. 
Zum Gedachtnis von W. O. (Gotha, 
Perthes); Nelson, Die Neu-Reformation 
I, 185 — 222 (W. O. als polit. Erzieher). 

Orterer, Georg Ritter v., Dr. phil., Pras. d. 
bayr. Abg.-Hauses, M. d. R., Fiihrer d. 
bayr. Zentr., 1875 — 8 3 Gymn.-Lehrer in 
Schweinfurth, Freising, Eichstaedt und 
Munchen, Arbeiten iiber Zenda vesta und 
Sanskrit, seit 1883 Parlamentar. ; * Worth 
30. X. 1849; f Munchen 5.X. — VZ 6. X. 
M.-A.; KV6. X.; G. 6. X.; 21. X.; WI 7, 
1224 (W); KL1916, 1247 (W); BZ39 [D. 
Bayernland 28, 22; Hist.-pol. Bl. (kath.) 
157/58, 550—58; IZ 1916, Nr. 3825; Der 
Hausschatz 43, 143; Allgem. Rundschau 
Munchen 1916, Nr. 42 (v. Pichler)); 40 
[Hist. Jahrb. d. Gorres-Ges. 37, 802). 

Otto I., Konig von Bayern, Sohn Maxi- 
milians II. u. d. Konigin Marie, geb. Prinz. 
von PreuCen, seit Jahrzehnten in geisti- 
ger Umnachtung; * Munchen 1848; 
•J" SchloB Fiirstenried b. Munchen 11. X. 
— VZ 12. X. M.-A.; NZZ 15. X.; MNN 
26. X.; BZ 39 [D. Bayernland 28, 19]. 

Pelman, Karl, Dr. med., Prof., Geh. Med.- 
Rat, friiher Dir. d. Bonner Univ.-Klinik, 
Psychiater, zahlreiche Arbeiten in seinem 
Spezialfach; * Bonn 24. I. 1838; f das. 
21. XII. — BB 27. XII. ; F28. XII.; WI 
7, 1250 (W); PBL 1267 (Wu. P); BZ 40 
[Archiv f. Psychiatrie u. Nervenkrankh. 
57. 535 — 4° (A- Westphal) ; Monatsschr. 
f. Psych, u. Neurologie 41, 189/92 
(Schultze); DMW 43. 214 (Westphal)]; 
41 [Allg. Zeitschr. f. Psych. 73, 581 — 89 
( Ampf enbach) ] . 

Peseatore, Gustav, o. Prof. f. rom. u. burg. 
Recht in Greifswald seit 1884; * Lands- 
berg a. W. 15. XII. 1850; f Greifswald 

II. III. — VZ 14. III. M.-A.; WI 7. 1255. 
Petersllie, Alwin, Dr., Prof., Geh. Reg-Rat, 



366 



Totenliste 1916: Philippson — Reger 



gehorte seit 40 Jahren'd. preuB. statist. 
Landesamt an, Leiter d. statist Abt. d. 
Preufl.Zentr.-Genoss.-Kasse; * Bremsdorf 

1. XI. 1847; f Berlin 8 - IX - — w - : Das 
offentl. Unterrichtswesen i. Dtsch. Reich 
u. d. iibrigen europ. Kulturlandern ; VZ 
n.IX. A.-A.; WI7, 1258 (W);KL 1916, 
1286 (W). 

Philippson, Martin, Dr. phil., Historiker, 
von 1878 — 90 Prof. a. d. freien Univ. i. 
Briissel, seit 1890 Privatgelehrter in Ber- 
lin, Mitbegr. u. Vors. d. G. z. Ford. d. 
Wiss. d. Judentums; * Magdeburg 27. VI. 
1846; f Berlin 2. VIII. — W\: Gesch. d. 
Gegenref . im 17. u. 18. Jahrh. ; brandenb.- 
preuB. Gesch. v. Gr. Kurf. bis zu d. Frei- 
heitskriegen ; Gesch. d. jiid. Volkes in d. 
neuesten Zeit.; VZ 25. VI. (L. Stein); 

2. VIII. A.-A.; WI 7, 1272 (W) ; KL 1916, 
1 300 (W) ; BZ 39 [AUg. Ztg. d. Judentums 
1916, 373 (L. Geiger)]. 

Pischek, Johann v., Dr., 1893 — l 9 12 wiirtt. 
Minister d. Innern, Mitarb. Mittnachts; 

* Frankfurt a. M. 15. I. 1843; t Oberst- 
dorf 23. VIII. — VZ 24. VIII. M,A.;WN 
1916, 102 — 124 (H. Mosthaf); SM 24. 
VIII.; WI 7, 1277; WJ 1916, IV. 

Pochhammer, Paul, Oberstleutn. z. D., Dr. 
phil. h. c, Prof., Dante-Forscher, Biblioth. 
d. Gen.-Inspekt. d. Ing. u. Pion.-Korps; 

* NeiBe i. Schles. 21. II. 1841; t Berlin- 
Lichterfelde 2. III. — BB 4. III.; VZ 
2. III. A.-A.; WI 7, 1286 (W); KL 1916. 
1312 (W); LE 18, 843; BZ 38 [Neu- 
Deutschl. Frauen 1916, 18 (Marg. Poch- 
hammer)]. 

Podbielskl, Viktor v., Staatsmin. a. D. f 
Generalleutn., Exz., 1893 M. d. R. (kons.), 
1897 Staatssekret. d. Reichspost, 1901 
bis 1906 Landwirtsch.-Min., Oberleitung 
d. dtsch. Of fiziersvereins ; * Frankfurt 
a. O. 26. II. 1844; f Berlin 20. I. — VZ 
2i.I.A.-A.;G2i.I.;NPZ2i.I.;TR2i.I.; 
RWZ 21. 1.; DT 21. 1.; WI 7, 1286; BZ 38 
(Archiv f . Post u. Telegr. 1916, 55 ; Dtsch. 
Landwirtsch. Presse 1916, Nr. 8; IZ 1916, 
Kr. 3787]. 

Pohl, Hugo v., Admiral, Chef d. Hochsee- 
flotte, bei Kriegsbeginn Chef d. Admiral- 
stabs, 1899 Kommand. d. dtsch. Flottille 
in China, Leiter d. Landungskorps ; 

* Breslau 25. VIII. 1855; t Berlin 2 3- u - 
VZ 24. II. M.-A.; TR 24. II.; 25. II. 
(Schlieper); WI 7, 1289. 

Preitz, Franz, seit 1897 herzogl. anhalt. 
Musikdirektor, Komponist v. Liedern, 
Duetten usw., 1879 Lehrer am Sternschen 
Konserv. in Berlin, seit 1885 in Zerbst; 

* Zerbst 12. VIII. 1856; f das. im Juli. — 
BB 22. VII.; R 11 14 (W). 



Pressentin, Adolf v., Wirkl. Geh. Rat, 
groBh. meckl. Finanzminister, Bevollm. 
z. Bundesrat, 1914 a. D.; * Schwerin 
14. VII. 1845; t das * * m I> e zember. — 
VZ 24. XII. M.-A.; WI 7, 1303. 

Puttkamer, Jesko v., Schriftsteller u. Re- 
dakteur, Mitbegr. d. Vereins Dresd. Presse, 
leitete die Landwirtsch. Presse, die Fach- 
zeitschr. »Das Pferdf, den Deutschen Fa- 
milienkalender ; auBerdem belletr. Schrift- 
steller; * Charlottenburgb. Berlin 12. III. 
1858; f Dresden 23. I. — BB 25. I.; VZ 
24. I. A.-A.; WI 7, 1316 (W); KL 1916, 
1340 (W); LE 18, 715; BZ 40 [Kons. Mo- 
natsschr. 74, 529 (F. Hupfeld)]. fc 

Ranke, Johannes, Dr. med. u. phil., Bruder 
d. Historikers, Geh. Hofrat, o. Prof, fur 
Anthropologic u. allg. Naturgesch. a. d. 
Univ. Miinchen, Mitgl. d. bayr. Akad. d. 
W r iss., Vors. u. Ehrenpras. d. Miinchner 
Anthropolog.-Ges., Hrsg. des Archivs f. 
Anthropol. u. d. Beitr. z. Anthrop. u. Ur- 
gesch. Bayerns; * Turnau i. Oberfr. 
23. VIII. 1836; f Solln bei Miinchen 
27. VII. — BB 29. VII.; VZ 28. VII. 
M.-A.; B 31. VII. (Schwerz); WI 7, 1327 
(W); KL 1 9 16, 135 1 (W); Geistige Welt 
(P u. W); LE 18, 35—40 (Birkner); BZ 
39 [Mannus, Zeitschr. f. Vorgesch. VII, 
387; Pfalz. Museum 33, 79 (G. Hager) ; 
Peterm. Mitt. 62, 341; Stimmen d. Zeit 
92, 224 (Wasmann)]; 40 [Korresp.-Bl. d. 
dtsch. Ges. f. Anthrop. 47, 35 — 40 (F. 
Birkner)] 41 [Niederlaus. Mitt. 13, 358]; 
43 [Jahrb. d. Bayr. Akad. d. Wiss. 1917, 
67 — 77 (J- Riickert); Wiener prahistor. 
Zeitschr. Ill, 131 (M. Hoernes)); GA 17, 
Sonderb. 29 (P). 

Si Rassow, Fritz, Schriftsteller, Romane, No- 
vellen, Biihnenwerke; * Bremen 22. II. 
1882; gef. Nordfrankr. 20. VII. — BB 
3. VIII.; VZ 31. VII. M.-A.; KL 1916. 
U52 (W); LE 18, 1483; Brem. Jahrb. 27. 
192 — 97 (H. Seehoof); BZ 43 [Nieder- 
sachsenbuch III, 119]. 

♦Reger, Max, Dr. med. h. c, seit 1908 Prof, 
f. Kompositionslehre a. d. Univ. Leipzig, 
Komponist, 1901 Lehrer a. d. Musikakad. 
i. Miinchen, 191 1 Hofkapellm. in Mei- 
ningen; * Brand i. d. Oberpfalz 19. III. 
1873; f Leipzig 11. V.— BB 13. V.; VZ 
14. V. M.-A.; i<;. V. M.-A.; HN 12. V.; 
DNN 13. V.; BT 12. V. u. 22. VI. (L. 
Schmidt); TR 12. V. u. 19. VI. (A. Gott- 
mann); T. 14. V. (Krebs) ; MNN 13. V.; 
NPZ 13. V. (Dahms); G 14. V. (Kiihn) ; 
HK 14. V. (Dettmer) ; NFP 16. V. (Korn- 
gold); FK 17. V. (Flatan); NA 18. V. 
(W. Altmann); HC 10. VI. (Schaub) ; F 
i7.V.(M.Bauer); i9.V.(P.Bekker); 18.III. 



Totenliste 19 16: Reichel — Rose 



367 



1917 (K. Eberts); WI 7. 1339; R 1040; 
BZ 38 [BW 18, 241 (Dahms); Hilfe 344 
(Gallwitz); KVV 29. Juni 233—36 (P. 
Bekker), Marz 27. V., 157 (Kiihn) ; Der 
Merker Wien 7, 406 (Seidel) u. 403 (v. 
Kralik); Soz. Monatsh. 1916, 551 — 63 
(Stern); NMZ 17, 269 (Wolfram); 271 
(Mendelss.-Barth.) ; 273 (Nagel); Signale 
f. d. musik. Welt 1916, 366 u. 439 — 45 
(Spanuth) ] ; 39 [Kons. Monatsschr. 74, 
801 (Dahms); Musica Divina 4, 139; 
NMZ ij t 293,296 (Niemann); 310 — 15 
Niemann; 310 — 15 (Hehemann) ; Die Re- 
formation 19 1 6 Nr. 31 (J. Herrmann); 
Dtsch. Merkur 19 16, 124 (Hacker: Be- 
kenntnisse v. M. R.); AMZ 43, Nr. 27 u. 
38; Neue Rundschau 19 16, 986—93 
(WeiBmann); Velh. u. Klas. Monatshefte 
Juli 1916, 342 (R. Eucken)]; 42 [Neue 
Christoterpe 39, 179 — 212 (Herrmann) J; 
43 [Christl. Kiinstlerblatt 60, 100 — 105 
(Grunsky) ; Monogr. mod. Musiker II, 198 
bis 214 (Braungart); Weimar. Bl. 1919, 
243—48 (H. Holle); Dtsch. Volkstum 
1 919, 156 (H. Unger)]; Guido Bagier, M. 
R., 1923 (Kiass.d. Musik) (P) u.Lit.-Verz.; 
Adalb. Lindner, M. R. (Engelhorn, Stutt- 
gart); M.-R.-Brevier, hrsg. v. Spemann 
(Engelhorn, Stuttgart). BJI, S. 242—54. 

Reichel, Eugen (Pseud, h. l>yden), Schrift- 
steller, Dichter, L,iterarhist., Gottsched- 
Forscher, Gedichte, Novellen, Romane, 
Dramen, Gottsched-Biogr., Hrsg. v. Lich- 
tenbergs ausgew. Werken; * Konigsberg 
4. XII. 1853 ; f Berlin-Schoneberg 14. XII. 
— BB 19. XII.; VZ 16. XII. A.-A.; T. 
19. XII. (A. Harder); hU 19, 520; Kir 
1916, 1364 (W). 

Reinsch, Adolf, Dr. phil. t Prof., Dir. d. chem. 
Untersuch.-Amtes d. Stadt Altona; * Sa- 
line Neuhall b. Hannover 1862; jf Altona 
iin Februar. — VZ 18. II. M.-A.; 1,52,83; 
BZ 38 [Zeitschr. f. Unters. d. Nahrungs- 
u. GenuBmittel 31, 201]. • 

Rembold, Viktor, Rechtsanwalt, seit 1895 
Landtagsabg. f . d. Oberamt Aalen, Zentr. ; 
*I^eutkirchi. A. 30. VI. 1846; f Schwab. 
Hall 12. IV. — WN 1916, 46—56 (v. 
Kiene); SM 1916, Nr. 175; WJ 1916, IV. 

Renz, Franz, o. Prof. f. Moraltheol. u. Dog- 
matik a. d. Univ. Breslau; * Allenstadt 
i. Bayern 3. X. i860; f Breslau 22. IV. — 
VZ 25. IV.; WI 7, 1356. 

Rheineck, Georg, Bildhauer, urspriinglich 
Steinmetz, Statuenu. Portrats; * Neckar- 
sulm 24. V. 1848; f Stuttgart 4. VII. — 
WN 1916, 183—86 (R.Kallee); WJ 1916, 
IV.; D830 (W); M-S4. 52. 

Richter, Emil, Dr. med., Prof., Geh. Med.- 
Rat, Hrsg. d. Zentr.-Bl. f. Chirurgie; 



*Saariouis 19. IV. 1837; f Breslau 14. IX. 
— BB 18. IX.; VZ16.IX. M.-A.;L52.9i 
(W); DMW 1916, 1172; PBL 1380 (W). 

♦Richter, Hans, Dr.phiLh. c, Hofkapell- 
meister, 1867 Sekretar R. Wagners, dann 
Chordir. in Munchen, 1871 — 75 Kapell- 
meister i. Nationaltheater i. Pest, 1875 bis 
1900 a. d. Hofoper in Wien, 1900 — 19 11 
Leiter d. Halle-Konzerte i. Manchester, 
Dirigent bei d. Bayr. Festspielen; * Raab 
i. Ungarn 4. IV. 1843; f 6. XII. — VZ 
6. XII. A.-A. (Marschalk); 10. XII.M.-A. 
HN 10. XII. (Pfohl); DNN 8. XII. 
(Petzet); WI 7, 1366; R 1065; BZ 39 
[Der Merker VII, 859 (Stauber) ; AMZ 43, 
710 (Lepmann); Sign. f. d. musik. Welt 
1916, 271 (Spanuth); Neue Zeitschr. f. 
Musik 83, 397]; 40 (Der Merker VIII, 66 
(I^eonhard) ; Bayr. Bl. 40, 73 — 86 (Giani- 
celli)]; 41 [Donauland 2. Jg. I, 361 — 368 
(Briefe]ausTriebschen)]. BJI, S. 254— 58. 

Rledel, Bernhard, Dr. med., Prof., Geh. 
Med. -Rat, langj. Leiter d. Univ.-Klinik, 
1888 — 1910 o. Prof. f. Chirurgie in Jena; 

* Laage i. Meckl. 18. IX. 1846; f Jena 
13. IX. — BB 16. IX.; VZ 14. IX. M.-A.; 
WI 7, 1370 (W); PBL 1383 (W u. P); 
L52, 75D; MW 1916, 1 172; BZ 39[Kor- 
resp.-Bl. d. allg. arztl. Vereins 45, 163; 
DMW 42, n (Lexer)]; 40 [Zentr.-Bl. f. 
Chirurgie 44, 65 (F. Konig); Mitt, aus d. 
Grenzgeb. d. Med. u. Chirurgie 29, H. 4 
(v. Eiselsberg); BKW 54. 128 (Konig)]. 

tgl Rdmer, Paul, Dr. med. , Prof., seit 1 9 1 5 Dir. 
d. Hygien. Inst. d. Univ. Halle, Mitarb. 
E. v. Behrings, Untersuch. iib. d. Hygiene 
d. Milch; * Kirchhain i. Hessen 19. V. 
1876; gef. im Osten im Marz. — VZ 2. IV. 
M.-A.; WI 7, 1390 (W); KL 1916, 141 3; 
L 52, 42; BZ 38 [Jahrb. f. Kinderheilk. u. 
phys. Erziehung 83, 504; DMW 42, Nr. 
24; Zeitschr. f. Tuberkulose 18, 426 — 31 ; 
Intern. Zentr.-Bl. f. Tuberk.-Forsch. X, 

T3I—33J. 

Roller, Heinrich, Erfinder d. Rollerschen 
Kurzschrift, urspriingl. Tischler; * Berlin 
10. III. 1839; f das. 8. IX. — BB 12. IX.; 
WI 7.1398 (W) ; BZ 39 [Korrespondenzbl., 
Amtl. Zeitschr. d. Kgl. stenogr. Instituts 
in Dresden 1916, 197]. 

tg* Roschmann, Alfred, Generalmajor z. D., 

* Ludwigsburg 2. II. 1858; gef. an der 
Somme 13. IX. — WN 1916, 124 — 26 
(v. Muff)/ 

Rose, Valentin, Dr. phil., Geh. Reg.-Rat, 
Dir. d. Handschr.-Abteilg. d. Kgl. Bibl., 
Aristoteles-Forscher, v. 1855 — 1905 im 
Bibl.-Dienst; * Berlin 8. I. 1829; f das. 
2S. XII. — BB 29. XII.; VZ 27. XII. 
A.-A.; LE 19, 5S7; KL 1916, Mi7 (W). 



368 



Totenliste 1916: Riibel — Schlozer 



Rflbel, Karl, Dr. phil., Prof., Dir. d. Dort- 
munder stadt. Archivs, Forschungen uber 
d. altere Gesch. d. Grafschaft Mark 11. d. 
freien Reichsstadt Dortmund; * Dort- 
mund 24. II. 1848; f das. 18. I. — VZ 
20. I. A.-A.; DvZ 2. II. (Gronemeyer) ; 
WI 7, 1418 (W) ; KL 1916, 1431 (W) ; BZ 
39 [Prahist. Zeitschr. VII, 235 (C. Schuch- 
hardt)]. 

Hflhl, Franz, Dr. phil., friiher o. Prof. d. 
alten Gesch. a. d. Univ. Konigsberg, Aus- 
gaben d. Justinus, Entropius u. Xeno- 
phon ; * Hanau 26. X. 1845 ; t J ena 3- VI1 * 

— BB 5. VII.; VZ 4. VII. M.-A.; WI 7, 
1420 (W); KL 1916, 1436 (W). 

Ruhstrat I, Friedrich, Exz., friiher olden- 
burg. Ministerprasid. u. Finanzminister; 
* Oldenburg 27. IV. 1854; f das. 22. VI. 

— VZ 23. VI. M.-A.; WI 7, 1423. 

Rum pelt, Anselm (Pseud . Alexis Aar) , Dr. 
jur., Geheimrat, Ministerialdir. i. sachs. 
Minist d. Innern, sozialpolit. Werke, auch 
Gedichte; * Radeberg b. Dresden 10. II. 
1853; f Dresden 9. X. — BB n. X.; VZ 
10. X. M.-A.; W T I 7, 1423; BR 6, 83; BZ 
39 [Zeitschr. f. Kriippelfiirsorge 9, 529 
(Dietrich); Zeitschr. f. Sauglingsschutz 
VIII, 669]; 40 [Ecce der Crucianer 1916, 
21]. 

Rupp, Erwin v., Dr. jur., Ministerialdir. i. 
wiirtt. Justizminist., 1899 Oberland- 
gerichtsrat, 1903 — 05 Mitgl. d. Kommiss. 
f. d. Reform d. Strafprozesses, 1907 Gene- 
ralstaatsanwalt ; * Reutlingen 7. IX. 
1855; f das - *3- vin - — WN 1916, 83 
bis 98 (F. Scheurlen); SM 15. VIII. 
(Rocker); Staatsanz. f. Wiirtt. 1916, 
Nr. 197; WJ 1916, IV. 

tgiS&ck, Gustav, Dichter,Werke hrsg.v.seiner 
Gattin Paula Sack mit biogr. Einl. von 
H. W. Fischer; * Schernbeck b. Wesel 
28. X. 1885; gef. 5- XII. inRumanien. — 
LNN 27. VII. 191 7 (R. Riefl); TR 30. VI. 
191 7 (P. Hamecher); LE 19. 713 (W); 
Die schone Literatur, Beil. d. Lit. Zentral- 
Bl. # 1922, Nr. 12; BZ 43 [Der Einzelne, 
Halbmonatsschr. f. Politik 191 9, 55 — 58 
(K. Bock)]. 

Saurma, Johannes Graf v., Frhr von u. zu 
d. Jeltsch, M. d. H., Ehrenritter d. Mai- 
theserordens ; * Breslau 9. XI. 1851; "j" 29. 
XII. — VZ 31. XII. M.-A.; WI 7 1443. 

Schaefer, Maximilian, Maler, Prof., seit 
1885 Lehrer a. d. Kunsthochschule in 
Charlottenburg, Illustrator v. Jugend- 
schriften; * Berlin 19. VII. 1851 ; f Salz- 
schlirf 2 1 . VII. — W. : Anatomie f . Kunst- 
ler, Neue Ausg. v. Schadows Polyklet; 
BB 26. VII.; VZ 26. VII. M.-A.; WI 7, 
1449; D 847 (W); MS 4, 181/82. 



Schaffer, August v., Landschaftsmaler, Ra- 
dierer, k. k. Hofrat, 1892 Dir. d. kaiserl. 
Gemaldegalerie in Wien, Mitgl. d. Wien. 
Akad., Ritter mehrerer Orden, 191 1 ge- 
» adelt; * Wien 30. IV. 1833; f das - 28 - XI - 
— BB 2. XII.; VZ 30. XI. M.-A.; WI 7. 
1449; I> 847 (W);MS4, 182. 

Schenck, Friedrich, Dr. med., Geh. Med.- 
Rat, Prof. d. Physiologie a. d. Univ. 
Marburg; * Siegen 14. VIII. 1862 ; f Mar- 
burg 16. II. — BB 18. II.; VZ 17. II. 
M.-A.; WI 7, 1463; PBL 1493 (W) ; PF 
IV, 2, 1321 (W); DMW 1916, 232; BZ43 
[SonnenwendgriiBe d. Univ. Marburg 
*9*6, 37 — 42 (F. Tuczek)]. 

Schimmelmann, Walter, Frhr. v., Vizeadmi- 
ral z. D., 1875 — 1 910 im Dienst, mehrere 
Jahre Marineattache i. Petersburg, 1904 
bis 1907 milit. Begl. d. Prinzen Adalbert; 
* Petersdorf, Kr. Liegnitz 1. IV. 1859; 
f Kiel 9. VII. — VZ 10. VII. M.-A.; WI 
7. 1472. 

Schlechtendahl, Diederich v., Dr. phil. h.c. t 
Prof. d. Botanik, fachwissensch. Schriften 
auf d.Gebiet d. Mineralogie u. Geologie. 
f Halle im Juli, 82 Jahre alt. — VZ 8. VII. 
M.-A.; L 52, 55 — 68 u. 53, 62 (Taschen- 
berg); BZ 43 [Mitt. d. naturforsch. Ges. 
Halle IV, 44 (Taschenberg)]. 

Schlelnitz, Frhr. Otto v., Kunsthist. u. Alter- 
tumsforscher, Biogr aphien englischer 
Kunstler; * Berlin 26. IV. 1839; f London 
im Juni. — BB 19. VI. ; VZ 1 7, VI. M.-A. ; 
KL 1916, 1496 (W). 

Schleinitz, Richard, Baurat, mehrere Pro- 
fanbauten in Dresden, Kirchenbauten in 
anderen Stadten; * Pillnitz b. Dresden 
30. III. 1861; f Dresden. — VZ 4. V. 
M.-A.; D 855 (W). 

♦Schlenther, Paul, Dr. phil., Theaterkritiker, 
friiher 12 Jahre Dir. d. Wiener Hofburg- 
theaters; * Insterburg 20. VII. 18^4; 
f Berlin 30. IV. — W.: Gerhart Haupt- 
mann; BB 2. V.; VZ 1. V. M.-A. (A. 
Klaar) ; 4. V. A.-A. (G. Hauptmann an 
Schl.s Bahre); BT 1. V. (F. Engel); 
4. V.; 18. VI.; 19. III. 1917 (A. H. 
Zeitz); KHZ 14. V.; K 5. V.; BM 1. 
V.; NFP 1. V.; DNN 2. V.; F 2. V. 
(E. Heilborn); HN 1. V. (C. A. Piper); 
BZM 1. V. (Eloesser); WI 7, 1477 (W); 
KL 1916, 1497 (W); LE 18, 1101; DBJ 
191 7, 164; BZ 38 [Der Merker VII, 365 
(H. Stiimke) ; Dtsch. Rundschau Juni 
1916, 460 (F. v. Zweigbriick); Schau- 
biihne 19 16, 449]; 43 [Weltbiihne 19 18, 
197—200]. BJI, S. 258/59 (H.Spiero). 
Schlozer, Karl Franz v., Wirkl. Geh. Rat, 
Exz., friiher Gesandter i. Haag, 1897 b* s 
191 1 im Dienst d. Ausw. Amts, 1907 — 11 



Totenliste 19 16: Schmid — Schwarzschild 



369 



preuB. Ges. in Miinchen, Schriftsteller 

(Pseud. Eberhard), Gesch. in Dur u. 

Moll, Seltsame Gesch.; * Stettin 22. IV. 

1854; f Dresden 6. X. — VZ8. X.;\Vl7, 

1481; BR 6, 211. 
Schmid, J. F., Dr. med. h. c. in Bern u. Genf, 

Schweizer Sanitatsreferent, Direktor d. 

schweiz. Gesundheitsamtes; "j* Bern 17. II. 

66 Jahre alt. — DMW 1916, 266; BZ 38 

|Korr.-Bl. f. Schweiz. Arzte 46, 577 — 91 ; 

Schweiz. Apoth.-Ztg. 31, 116; Zeitschr. 

f. Schweiz. Statistik 54, 84 (F. Gan- 

guillot)]. 
Schmidt, Friedrich Albert, Prof. Landsch.- 

Maler, Schiiler Bocklins; Sundhausen i.E. 

9. XII. 1846; f Weimar 24. 1.— BB 26. 1. ; 

VZ 25. I. M.-A.; D 858 (W); MS 4, 208. 
Schmidt, Friedrich v., Gen. d. Art. z. D.; 

* Kutzdorf i. N. 11. II. 1843; t Berlin 
30. III. — VZ 31. III. A.-A.; BZ 38 
[Artill. Monatsh. 1916, 226]. 

*Schmitz, Bruno, Prof., Bildhauer u. Archit., 

* Diisseldorf 21. XI. 1858; f Berlin 27. 
IV. — W.: Kaiser- Willi.- Denkmal a. d. 
Kyffhauser, a. d. Porta Westphalica, am 
dtsch. Eck b. Koblenz, in Halle, Volker- 
schlachtdenkm. in Leipzig; BB 29. IV.; 
VZ 28. IV. M.-A.; TR 29. IV. (Schliep- 
mann); HF 5. V.; F 3. V.; DT 26. V.; 
HN 28. IV. (Piper); BT 28. IV. (Stahl) ; 
WI7, 1499; D 861 (W); MS 4, 212 (W); 
BZ 38 [Der Baumeister XIV, 49; DBZ 
1 9 16, 197 u. 242 (Hofmann); ZB 191 6, 
257 (Behrendt); KW Mai 19 16, 157; 
Tiirmer Mai 1916, 271 ] ; 40[West.Monats- 
hefte 1917, 345—55 (A. Knoch)]. BJI, 
S. 259 — 62. 

&SchnabeI,Heinrich, Dr. phil., Schriftsteller, 
Hrsg. v. K. Ph. Moritz' Werken; * Mann- 
heim 12. XII. 1885; gef. a. d. Somnie 
7. IX. — \V.: Magister Lauchhard, Die 
Wiederkehr, Drama; Sophokles-Ubers. ; 
BB 13. IX.; VZ 11. IX. A.-A.; BR 6, 
253; KL 19*6, 1528 (W); LE 19, 130. 

Schneider, Karl Konrad, Deutschameri- 
kaner, Briickenbauer : Niagarabriicke; 
f Philadelphia 72 Jahre alt. — VZ 1 1. IV. 
A.-A. 

SchdHel, Rudolf, Dr. phil., k. k. Hofrat, 
Prof. d. Chemie a. d. montanist. Hoch- 
schule in Leoben, seit 1909 im Ruhestand ; 

* Pribram i. Bohmen 21 . II. 1839; fThurn 
b. Teplitz 10. VI. — VZ 20. VI. A.-A.; 
WI7, 1 508; PFIV, 2, 1343 (Wd. Friihzeit). 

Schoenfeld, Emil Dagobert, Dr. phil., Prof., 
Forsch.-Reisen nach Island, Sudan, Ara- 
bien, Indien, Kaschmir, urspr. Theologe; 

* Putzig i. Westpr. 9. VI. 1833; f Jena 
im September. — VZ 6. IX. M.-Z.; WI 
7, i5i4(W);KLigi6, 1545 (W);L52,9i. 



Schonhardt, Karl v., Dr. jur., Staatsrat a. D., 
Vorst.-Mitgl. d. dtsch. Schillerstiftung, 
lyrischer Dichter;* Stuttgart 1. III. 1833; 
f das. 18. VIII. — BB 24. VIII.; WN 
1916, 98—102 (R. Kraufi); SM 19. VIII.; 
LE 19. 67; BR 6, 288 (W); Kh 1916, 
1546 (W). 

Scholz, Bernhard, Dr. phil. h. c. t Prof., Kom- 
ponist, von 1883 — 1908 Direkt. d. Hoch- 
schen Konservat. in Frankfurt a. M.; 
* Mainz 30. III. 1835; f Munchen 26. XII. 

— W r . : I/ieder, Kammermusik, Sinfonien, 
Opera; VZ 29. XII. M.-A.; F 28. XII.; 
WI7, I5I7;R 1 158; BZ 40 [Neue Zeitschr. 
f. Musik 84, Nr. 2 (H. Schlemuller)]. 

Schorn, Adelheid v., Schriftstellerin, letzte 
Dberlebende aus d. Liszt- K reise ; * Wei- 
mar 10. I. 1841; f das. 8. XII. — VZ 
9. XII. A.-A.; TR 11. XII. ; F. 15. XII. 
(Lienhard); WI 7, 1518. 

Schramm, Anna, seit 1890 Hofschauspiele- 
rin i. Kgl. Schauspielhaus in Berlin, humo- 
ristische Dichtungen; * Reichenberg in 
Bohmen 3. IV. 1835; f Berlin-Steglitz 
1. VI. — VZ 2. VI. M.-A.;«T 2. VI. (F. 
Engel) ; T 2. VI. (A. Holzbock) ; TR 2. VI. 
(K. Strecker); WI 7, 1523; PY II, 270; 
DBJ 1916 (P); 1917, 56—59 u. 168; BZ 
39 [Der Merker, Wien, VII, 554 (H. Stin- 
neke)]. 

Schrewe-Kleinhof-Tapiau, Hugo, Landwirt- 
schaftsamtsrat,i9i4-i6M.d.L.,konserv.; 
f Konigsberg 22. III. — VZ 23. III. M.-A. ; 
BZ 38 [Mitt. d. dtsch. milchwirtsch. Ver- 
eins 33, 81 — 94 (J . Hausen) ; Dtsch. Land - 
wirtsch. Presse 1916, Nr. 26]; 43 [Jahrb. 
d. dtsch. Landwirtsch.-Ges. 32, 1). 

Schtttz, Alfred, Dr. phil., Pfarrer a. D., 
Musikschriftsteller, Liederkomp.; * Tu- 
bingen 11. VII. 1845; fCannstatt 23. III. 

— W.: Sinfon. Dichtung Konradin von 
Schwaben ; Die Geheimnisse d. Tonkunst ; 
Streitschr. gegen E. v. Hartmann, Philo- 
sophic u. Christentum; WN 19 16, 36 — 41 
(E. Schiitz): WJ 1916, IV. 

Schwalbe, Gustav A., Dr. med., Geh. Med.- 
Rat, Prof., Anatom u. Anthropologe, 
Hrsg. d. Jahr.-Ber. iib. d. Fortschr. d. 
Anatomie u. Entwickl. -Gesch.; * Qued- 
linbnrg 1 . VIII. 1844; f StraBburg 24. IV. 

— BB 27. IV.; VZ 25. IV. A.-A.; WI 7, 
1SS4 (W); KL 1916, i*595 (W) ; PBL 1558 
(Wu. P); DMW 1916, 550; L 52,43; BZ 
}S [Anat. Anz. 49, 210 — 21 (Keibel) ; 
Strafib. med. Ztg. 13, 62 (Keibel)]; 39 
[Korr.-Bl. d. dtsch. Ges. f. Anthrop. 47, 
15 — 18 (v. Luschan); Mitt. d. anthrop. 
Ges. Wien 46, 33]; 40 [Zeitschr. f. Morph. 
u. Anthrop. 26) I— VIII (Fischer)]. 

Schwarzschild, Karl., Dr. phil., Prof., Geh. 



370 



Totenliste 1916: Seemann — Tschirschky 



Reg.-Rat, Dir. d. Potsd. astrophysik. Ob- 
servatoriums, Einzelstudien auf d. Gebiet 
d. Stellarastronomie u. d. kosm. Mecha- 
nik, Hrsg. d. 6. B. d. Enzyklop. d. math. 
Wiss.; * Frankfurt a. M. 9. X. 1873; 
f Potsdam 11. V. — BB 15. V.; VZ 13. V.; 
F 16. V. (G. Berndt); TR 22. V. (W. Ja- 
cobsthal); WI 7, 1558 (W); KL 1916, 
1600; PF IV, 2, 1372 (W); GA 1917 Son- 
derbeilage 28 (P) ; BZ 38 [Astron. Nachr. 
202, 383 (G. Miiller)]; 39 [Die Naturwis- 
senschaften 4, Nr. 31 (A. Sommerfeld); 
Physik. Zeitschr. 17, 545 (C. Runge); 
Sitz.-Ber. d. Kgl. preuB. Akad. d. Wiss., 
1916, 768 (Ged.-Rede Einsteins)]; 41 
[J.-Ber. d. dtsch. Ma them. Vereinigungen 
26, 56 — 75 (0. Blumenthal, mit (W)]. 

& Seemann, August, mecklenb. Lyriker und 
Erzahler, Lehrer i. Berlin, plattdtsch. Ged. 
u. Erz., Mitarb. a. d. Halbmonatsschrift 
De Eekboom; * Gr.-Roge in Mecklb. 14. 
IX. 1872; gef. im Westen 2. VII. — BB 
15. VII.; VZ 13. VII. A.-A.; BR 6, 393/4 
(W); KL 1916, 1612 (W); LE 18, 1420; 
BZ 39 [Unser Pommerland 3, 296 (Gorch 
Fock) ; Mitt, aus d. Quickborn 10, 134 
(Kruger)). 

Sieper, Ernst, Dr. phil., a.o. Prof. d. engl. 
Philol. a. d. Univ. Miinchen, urspr. Volks- 
schullehrer; * Durchsholz b. Lennep 30. 
VIII. 1863; f Miinchen 6. I. — W.; 
Shakespeare u. s. Zeit ; Die Kultur d. mod. 
England; BB 1916. Nr. 5; VZ 7. I. M.-A.; 
WI7, 1593 (W); KL 1916, 163s (W); 
LE 18, 651 ; BZ 38 [Internat. Rundschau 
Zurich 191 5, 203 (v. Gleichen-Ruflwurm) ; 
Die neueren Sprachen 23, 612 (W. Kiich- 
ler)]; 39 [Allg. Ztg. Miinchen 1916, 53 
(Tesdor-Sickenberger) ] . 

Sorauer, Paul (Pseud. Paulus Asper), Dr. 
phil., Geh. Reg.-Rat, Prof. d. Botanik a. 
d. Univ. Berlin; * Breslau 9. VI. 1839; 
f Berlin 9. I. — VZ 11. I. M.-A.; WI 7, 
1612 (W); KL 1916, 1656 (W); L 52, 75; 
BZ 38 [Zeitschr. f. Pflanzenkrankheiten 
26, 1 — 17]; 4r [Berichted. botan. Ges. 34, 
[50]— [57] (I" Wittnack)]. 

§iSorge,Reinhard,Dichter;*Fluelen(Schwz.) 
29. I.; gef. a. d. Somme 20. VII. — W.; 
Der Bettler; BB 17. VIII.; FT III. 1917; 
Neue Rundsch. Sept. 1916, 1292 (H. 
Franck); KL 1916, 1656 (W); BZ 42 [D. 
Dt. Drama I, 144 (H. Franck) ; Das Reich 
II, 769 (A. Wolfenstein)]; 43 [Das jg. 
Deutschland I, 18 — 21 (F. Hollander); 
22 f. (A. Bork)]. 

Stahl, Johann Matthias, Dr. phil.. friiher o. 
Prof. d. klass. Philol. a. d. Univ. Minister, 
Geh. Reg.-Rat, Hrsg. u. Erkl. d.Thuky- 
dides; * Baasetn (Rheinpr. 1833; f Miin- 



ster i. W. IX.— BB 20, IX.; VZ 19. IX. 
M.-A. 

Steinbach, Fritz, 1886 — 1902 Hofkapellm. 
in Meiningen, dann als Nachf. Wullners 
Dir. d. Kolner stadt. Konservat. u. loiter 
d. Giirzenich-Konz., zuletzt Gastspiel- 
reisen durch ganz Europa. * Griinsfeld 
i. B. 17. VI. 185 s;f Miinchen 13. VIII. — 
VZ 14. VIII. A.-A.; K 15. VIII. u. 11. IX. 
(Hartmann); WI 7, 1641; R 1240; DBJ 
!9i7> 175; BZ 39 [Der Merker, Wien, VII, 
599 (Richard); AMZ 43. Nr. 34/35 (LeB- 
mann)];4i [Alt-K6ln.Kalender 1917,86). 

Stettenhelm, Julius, humorist. Schriftsteller, 
Humoresken, Satiren, Parodien; * Ham- 
burg 2. XI. 183 1 ; f Berlin-Irichterfelde 
30. X. — W. : Wippchenbriefe; BB 2. XI. ; 
VZ 31. X. A.-A. (A. Klaar); BT 31. X. 
(Moszkowski) ; NFP 31. X.; DNN 2. XI. 
(M. Schach) ; LE 19. 319; WI 7, 1650 (W); 
Kl, 1916, 1701 (W) ; BR VII, 69— 70 (W). 

Straufl, Eduard, k. k. Hofkapellmeister, der 
jungste der drei Briider St.; * Wien 
15. III. 1835; t d as- 28. XII. — VZ 29. 
XII. A.-A.; BT 29. XII.; 17. I. 1917 (G. 
Reuter) ; VZ 22. I. 1917 (H. Kyser) ; NFP 
29. XII.; 6. I. 191 7 (F. Salten); FK31. I. 
(Stemansc); NZZ 30. I. 1917; R 1254; 
Ed. Straufl: Erinnerungen, 1906. 

Stttrgkh, Karl Graf, ost. Ministerprasident; 

* Graz 30. X 1859; f Wien 21. X. (er- 
mordet v. Fr. Adler). — VZ 22. X. M.-A. 
(R. Rotheit); KV 26. X.; F 22. X.; BT 
23. X. (Uderer); GT 28. X. (Giirtler); 
NFP 22. X.; WI 7, 1679; BZ 39 [Auf 
Vorposten IV, 99 ; OR 49, 97 ; Grenzboten 
1 916, Nr. 44 (K. Herrmann) ; Der Kampf, 
Wien, IX, ^77 — 83 (Austerlitz) ; Allgem. 
Rundschau, Miinchen 191 7, Nr. 45 (Land- 
ner)l; 40 [Das human. Gymnasium 1917, 
97 — 100J; 43 [Mitt. d. Ver. d. Freunde d. 
hum. Gymn. 18, 13 — 24 (Told t) J. 

Sturmhoefel, Konrad, Dr. phil., Studienrat, 
Prof., Oberlehrer a. d. Thomasschule in 
Leipzig, Historiker, Bearbeiter v. mehre- 
ren Banden d. Spamerschen Weltgesch.; 

* Freibergi. S. 3. 1. 1858; f Leipzig 21. IX. 

— BB 25. IX. ; WI 7, 1682 (W) ; KL 1916, 
1734 (W); LE 19, 195- 

Sylva, Carmen, s. Elis. v. Rumanien. 

Teclu, Nikolaus, friiher Prof. d. Chemie a. d. 
Handelsakad. i. Wien, Erfinder d. Teclu- 
Brenners, mehrere Monograph, iiber die 
Technik d. Leuchtgasflammen ; * Kron- 
stadt, Siebenbiirgen, 1839; *f* Wien 26. VII. 

— BB 31. VII. ; PF IV, 2, 1482 (W) ; BZ 39 
[Osterr. Chem.-Ztg. N. F. 19, 184]. 

Tschirschky u. Bogendorff, Heinr. Leonh. v., 
W. Geh. Rat, seit 1908 dtsch. Botschafter 
in Wien, 1894 — !9°° Botsch.-Sekr. in 



Totenliste 1916: Ulrich — Wiesner 



371 



Petersburg, 1902 — 1907 preufi. Ges. fur 
Meckl. u. d. Hansest., 1907 Staatssekr. d. 
Ausw. Amtes; * Holstewitz b. Dresden 

15. VIII. 1858; f Wien 15. XI.— VZ 16. 
XI. M.-A. u. A.-A. (E. Ludwig); 2. XII. 
(H. Friedjung) ; LZ 16. XL; F. 21. XI.; 
Ki7.XI.;RW 16. XI.; PL 16. XI.; NFP 

16. XI.; WI 7, 1732; BZ 39 [OR 49. 197 
(v. Oppenheimer)]. 

Ulrich, Pauline, Tragodin, * Berlin 19. XII 
1835; f Loschwitz b. Dresden 25. V. — 
VZ 19. XII. 15; DNN 19. XII. 15 
(Theater-Erinn.) ; VZ 26. V. A.-A.; BT 
29. V. (M. Grube); DA 27. V.; LZ 27. V.; 
DNN 27. V.; WI 7, 1742; DBJ 1917, 168 
(P) u. S. 56 — 59; BZ 42 [Beitr. z. Lit.- u. 
Theatergesch. (Festgabe f. L. Geiger 1918) 
453 — 62 (A. Lenschke)]. 

Uphues, Goswin K. f Dr. pkil., Geh. Reg.- 
Rat, a.o. Prof. d. Philos. a. d. Univ. Halle; 

* Brochterbeck 13. III. 1841; f Halle 18. 
IX. — BB 20. IX.; VZ 19. IX. M.-A.; 
WI7, 1745 (W); KL 1916, 1792 (W); 
BZ 39 [Padagog. Warte 1916, 379(Beetz) J. 

Vatter, Johannes, Schulrat, Dir. d. Taub- 
stummenanst. in Frankfurt a. M.,mehrere 
Werke iiber Ausbild. u. Unterricht der 
Taubst., Hrsg. d. Organs d. Taubst.-Anst. 
i. Dtschl. u. d. deutschredenden Nachbar- 
landern; * Trailfingen 19. II. 1842; 
f Frankfurt a. M. 12. XII. — BB 15. XII. 
VZ 13. XII. A.-A.; SM 1916, Nr. 587; WI 
7, 1753 (W); KL 1916, 1798 (W); WN 
1916, 202; WJ 1916, V; BZ 40 [Bl. f. 
Taubst.-Bild. 30, 18 u. 65]; 41 [Bl. f. 
Taubst.-Bild 30, 313 (W); Zeitschr. f. 
Kinderforsch. 22, 87 (Schumann) J. 

Veltmann, Philipp, Oberbiirgernieister v. 
Aachen, M. d. H., Ritter d. Roten Adler- 
ord. III. Kl. u. d. Kronenord. III. KL; 
*Rogasen 15. XII. 1859; f Aachen 13. II.; 
VZ 14. II. M.-A.; WI 7, 1754. 

Viereck, Karl, Geh. Oberjustizrat, Landge- 
richtspras. in Berlin, seit 1903 M. d. A.; 

* Salzwedel 24. X. 1853 ; f Berlin 3. VI.— 
VZ 4. VI. M.-A; WI 7, 1758. 

Vitzthum v. Eckstadt, Alexander Konstan tin 
Graf, Exz., Gen. d. Inf. z. D., 1890 — 92 
Fliigeladjutant d. Konigs Albert v. Sach- 
sen, 1904 — 07 kommand. General d. 19. 
A.-K.; * Bayreuth 7. VII. 1846; f Kl.- 
Zschachwitz b. Dresden 9. XII. — WI 7, 
1761. 

Vogrich, Max, Komponist u. Librettist; 

* Hermannstadt i. Siebenbiirgen 1850; 
•j- Neuyork im Fruhsommer. — BB 18. 
IX.; R 1374. 

Volger, Franz, Schriftsteller, seit 1879 Re- 
el akteur d. Altenburger Ztg.; * Lands- 
berg a. d. W. 2. XI. 1848; f Altenburg 



18. IV. — BB 20. IV.; WI 7, 1770 (W); 
KL 1916, 1815 (W); BR VII, 279 (W). 

Wachs, Rudolf v., Gen. d. Inf., Leutnant 
im Kriege 1870/71, 1904 Direkt. d. Zen- 
traldepart. u. stellvertret. Bevollmacht. 
z. Bundesrat, bei Kriegsausbruch wurde 
er mit d. militar. J ugend ausbild. fiir die 
Prov. Brandenburg betraut ; * Sontra in 
Hessen 7. III. 1850; f Berlin 2. VII. — 
VZ 3. VII. A.-A.; WI 7, 1778. 

Wallichs, Wilhelm J. P., Dr. med., Geh. 
Sanitatsrat, Mitarb. a. d. Viertelj.-Schrift 
f. offentl. Gesundh.-Pflege u. f. gerichtl. 
Medizin, Leiter d. Arztevereinsbl. ; * Gar- 
ding i. Schlesw.-Holst. 18. III. 1829; 
f Altona 14. I. — BB. 17. I.; VZ 15. I. 
M.-A.; DMW 1916, 82; PBL 1808 (W 
u. P). 

Warschauer, Otto, Dr. jur. f o. Prof, fiir 
Staatswissensch. a. d. Univ. Berlin; 

* Liegnitz 29. VII. 1853; f Berlin 30. IX. 
— BB 3. X.; WI 7, 1801 (W); KL 1916, 
1849 (W); BZ 39 [Asien XIV, 39]. 

Weil, Adolf, Dr. med., 1886—93 o. Prof. u. 

Direkt. d. mediz. Klinik i. Dorpat, dann 

Arzt in W 7 iesbaden; * Heidelberg 7. II. 

1848; f Wiesbaden 23. VII. — BB 29. 

VII.; VZ 27. VII. A.-A.; L 52, 76; BZ 39 

[MMW 63, Nr. 36]. 
Wentzel, Richard v., Wirkl. Geh. Rat, bis 

Okt. 1914 Oberprasident von Hannover; 

* Jehserigk 13. IV. 1850; ■}■ Hannover 
28. V. — VZ 29. V. A.-A.; WI 7, 1834. 

Wertheimer, Eman., Schriftsteller, Spruch- 
dichter; * Budapest 10. V. 1846; f Berlin 
24. VIII. — W.: Aphorismen; Cromwell, 
Tragodie; BB 28. VIII.; VZ 25. VIII. 
A.-A.; BT 2. V. (O. Blumenthal) ; BR 
VII, 40 (W). 

Wette, Adelheid, geb. Humperding, Schwe- 
ster d. Komponisten Engelb. H., Schrift- 
stellerin ; * Siegburg 4. IX. 1858 ; f Elber- 
stadt 9. VIII. — W.: Text z. Oper Hansel 
u. Gretel, Die sieben Geifilein, Frosch- 
konig, Dtsch. Kinderliederbuch; BB 15. 
VIII.; WI 7, 1842 (W); KL 19 16, 1899 
(W): PY II, 228/29 (W); LE 18, 1547- 

Wieck, Marie, Kammersangerin, Prof, der 
Musik, Pianistin; * Leipzig 17. I. 1832; 
f Dresden 2. XI. — VZ 3. XI. A.-A.; 
LNN 7. XI. (A. Kohut) ; DNN 4. XI. (W. 
Petzet); WZ 5. XI.; WI 7, 1848; R 1419; 
BZ 39 [Der Merker, Wien, VII, 781 (A. 
Kohut); Neue Zeitschr. f. Musik 8^, 399 
(Kreisig); IZ 1916, Nr. 3829]. 

Wiesner, Julius, Ritter v., Dr. phil., Dr. 
med. h. c, Dr. ing. h. c, k. k. Hofrat, 
Mitgl. d. Akad. d. Wiss. Wien, 1868 bis 
1909 Prof. d. Botanik a. d. Univ. Wien, 
zahlreiche Werke iiber Pflanzenbiologie ; 



372 



Totenliste 1916: Wolff — Zwintscher 



*Teschen i. Mahren 20. I. iS38;fWien 
9. X.— BB 13. X.; VZ 11. X.; NFP 10. 

X. (H. Molisch); WI 7, 1854 (W) ; KL 
1916, 191 1 (W); PF IV, i. 1635 (W); L 
52, 92; BZ 39 [Osterr. Gartenztg. N. F. 

XI. 177; Handelsschullehrerztg. 13, 344 
(Beier); Pharmaz. Post, Wien, 1916, 
Nr. 84; Wiener landw. Zeitung 19 16, 
655 (Wilhelm)]; 40 [Zentralbl. f. d. ges. 
Forstwesen 43, 57 (Cieslar) ; Verhandl. d. 
zool.-bot. Ges. in Wien 47, 6 — 12); 41 
[Alman. d. Akad. d. Wiss. Wien 67, 362 
bis 368 (Molisch); Ber. d. dtsch. botan. 
Ges. 34, (71) — (99)]; 42 [Mitt. d. natur- 
wiss. Vereins f. Steiermark 53, 1 — 14J; 
43 [Jahrb. d. bayr. Akad. d. Wiss. 1917, 
77 — 79 (v. Goebel)]; 49 [Sparsame 
Warmewirtschaft 5, 567 (Briefe an K. 
Stdhr: C. Reichl)]. 

Wolff, Alfred, Dr. med. t Prof., Dir. d. Klinik 
f. Hautkrankh. a. d. Univ. Strafiburg, 
Arbeiten auf d. Gebiet d. Haut- und Ge- 
schlechtskrankh. ; * StraCburg 30. III. 
1850; f das. 9. IV. — BB 13. IV.; VZ 
12. IV. M.-A.; PBL 1874 (W); HBL 6, 
320 (W); L 52, 44; DMW 1916, 488; BZ 
38 [Dermatol. Zeitschr. 23, 383; Straflb. 
mediz. Ztg. 13, 50 (Adrian)]; 39 [Archiv 
f. Dermatol, u. Syph. 122, Ref., 874 
(Meutberger) ; Dermatol. Wochenschr.62, 
645—49 (Mulzer)]. 

Wunderlich, Hermann, Dr. phil. t Prof., 
Oberbibliothekar a. d. Kgl. Bibl. in Ber- 
lin, Germanist. Mitarb. a. Grimmschen 
Worterbuch; * Ulm a. D. 15. VI. 1858; 
f Frohnau b. Berlin 29. XII. — VZ 30. 

XII. M.-A.; WI 7, 1895; WN 1916, 203; 
SMi9i7,Nr. 1 ; LE 19, 842; WJ 1916, V. 

Wustmann, Rudolf, Dr. phil., Prof., Literar- 
u. Musikhistoriker, Hrsg. v. Jean Pauls 
Werken u. d. Kantatentexten v. J. S. 



Bach; * Leipzig 5. I. 1872; | Biihlau bei 
Dresden 16. VIII. — BB 18. VIII.; DA 
17. XII.; KL 1916, 1965 (W); LE 19. 67; 
BZ 39 (Monatsschr. f. Gottesd. u. kirchl. 
Kunst 1916, 310—14 (M. Seydel)]. 

Zacharias, Otto, Dr. med.> Prof., Begr. u. 
Leiter d. biolog. Station in Plon, zuerst 
Schlosserlelirling, Forschungsreisen nach 
Frankr., Italien u. Nordafrika, mehrere 
fachwissenschaftl. Werke; * Leipzig 27. 1. 
1846; f Kiel 2. X. — BB 12. X.; VZ 7. X. 
M.-A.; WI 7, 1900 (W); KL 1916. 196S 
(W); L 52, 92; BZ 41 [Archiv f. Hydro- 
biologie 11, I — XXIV (Thienemann) ] . 

Zahn, Joseph v., Dr. phil., Prof., Hofrat, 
Historiker, friiherlangjahr. Dir. d. Steier- 
mark. Landesarchivs in Graz; * Gr.- 
Engersdorf 22. X. 1831; \ Baden-Baden 
20. VIII. — VZ 21. VIII. A.-A.; GT 22. 
X.; KL 1916, 1970 (W); BZ 41 [Alman. 
d. Akad. d. Wiss. Wien 67, 466 — 70 (A. 
v. Jacksch) ; Mitt. d. Ges. f . osterr. Gesch.- 
Forsch. 37, 534—39 (A. v. Jacksch)]; 39 
[Mitt. d. Ges. f. Salzb. Landeskunde 56, 

255]. 
Zwintscher, Oskar, Prof., Maler, Lehrer a. d. 
Dresd. Akad.; * Leipzig 2. V. 1S70; 
f Loschwitz b. Dresden 12. II. — BB 
15. II.; VZ 27. V. M.-A. (C. Hoffmann); 
n. I. 1917 (Servaes); TR 14. II. (W. 
Pastor); DA 20. II.; 16. IV., 23. IV. (R. 
Stiller); WI 7, 1926; D 954 (W) ; BZ 38 
[Gartenlaube 19 16, Nr. 22 (P.Schumann) ; 
DieSchonheit 13,97 — 102 (Winkelmann) ; 
Kunst u. Dekoration 38, 90 (A. Giinther) ] ; 
39rVelhagenu. Klas.Monatsh. Dez. 1916, 
476 — 84 (Gregor); Kunst f. Alle 31, 376 
87; Die Schonheit 13, 242 — 56 (Meyer- 
Gostenhof) ; Universum 33 ,54 — 57(Heyne 
mit 111.); Westerm. Monatsh. Sept. 1916, 
1 — 16 (Servaes)]; 40 [Kchr.N. F. 28, 771].